Berserker - Dimitrios Gkirgkiris - E-Book

Berserker E-Book

Dimitrios Gkirgkiris

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Beschreibung

Alex ist ein Spieleentwickler, obwohl er lieber RPG-Klassiker streamen oder Zeit mit Louie verbringen würde. Louie ist sein liebswerter Corgi. Er kann Menschen auch nicht leiden. Nicht auf mörderische Weise, sondern auf äußerst unsoziale Weise. Es sei denn, Louie wurde von einem verletzt. In einem solchen Moment wird Alex in den Apokosmos hineingezogen, wo unsere ganze Welt nur ein kleiner Fleck in einem farbenfrohen Wandteppich von Millionen anderen ist. Ein Multiversum, das von einem strengen System beherrscht wird. Wo nordische, griechische und keltische Pantheons aufeinander treffen. Wo Zwerge basteln, Drachen horten und Vampire nicht glitzern. Eine Welt, die grausam wie episch ist. Alex will nichts davon. Er will nur irgendwo in Spanien vorzeitig in den Ruhestand gehen. Im Apokosmos kann man Geld verdienen. Alex wird den Markt genau wie in seinen MMORPG-Tagen nutzen, was wie ein fehlersicherer Plan erscheint. Es ist allerdings ein Nullsummenspiel und einige würden alles tun, um den Wettbewerb auszuschalten.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Berserker

Apokosmos Buch 1

Dimitrios Gkirgkiris

Übersetzt vonFritz Rauer

Inhalt

Anmerkungen des Übersetzers

Exile amongst the ruins

1. I am above

2. Smokers outside the hospital doors

3. Inis Mona

4. A man with a plan

5. I will build you a Rome

6. Fee Ra Huri

7. I wanna be your dog

Incense & Iron

Intermezzo I

8. Money for nothing

9. Highway tune

10. Diggy diggy hole

11. Equilibrium

Blood of Heroes

Intermezzo II

12. Child in time

13. Turn the page

14. Eyes of the beast

15. Mercenary Man

16. Battle hymn

17. Of doom and death

18. Tears of the dragon

Last man standing

Coda

Neverending

Louie hat etwas zu sagen

Über den Autor

Ein großes Dankeschön an

Anmerkungen des Übersetzers

Auf Wunsch des Autors bleiben die Kapitelüberschriften unübersetzt, da es sämtlich Songtitel sind, die erkennbar bleiben sollen.

Verschiedene Begriffe aus der Gamersprache bleiben ebenalls im Original, da sie auch unter deutschen Gamern üblich und vertraut sind (Tank, Buff u.a.), und es keine ebenso vertraute deutsche Entsprechungen gibt. Bei einigen weniger bekannten Begriffen und nur im englischen Sprachraum bekannten Referenzen habe ich Fußnoten eingesetzt.

Alle Fußnoten sind von mir.

Exile amongst the ruins

Prolog

Es war eine kalte Nacht außerhalb der Sklavenbaracken, kälter als im Inneren des zusammengeflickten Gebäudes, das als Schlafsaal für Hunderte von Arbeitern und Gladiatoren diente. Der Regen hatte jedoch aufgehört zu schütten, und Kämpfer aller Rassen und Geschlechter hatten überall im Lager kleine Lagerfeuer errichtet. Das heißt, diejenigen von ihnen, die es geschafft hatten, einen weiteren Tag in der Arena zu überleben.

Einmal alle fünf Tage würden die Kampfgruben einige von ihnen einfordern. Die Glücklichen. Die Unglücklichen wurden gerade genug geheilt, um dem Tod zu entgehen und ihrem Dominus am nächsten Kampftag nützlich zu sein. Nicht genug, um von den Schmerzen verschont zu bleiben - Schmerzen, die so schrecklich waren, dass sie sie in und aus dem Bewusstsein brachten. Nicht genug, um jemandem eine Nacht voller Schmerzensschreie zu ersparen, während seine Wunden eiterten. Und ganz sicher nicht genug, um den Geruch von verbranntem Fleisch unter heißem Stahl zu ignorieren, wenn die Wunden, die die Monster, die sie bekämpft hatten, hinterlassen hatten, kauterisiert wurden.

Man hätte erwartet, dass die Feuchtigkeit in der Luft die üblen Gerüche reinigt. Das heißt, wenn man niemals im Ludus, am Rande der neun Höllen, versklavt worden war. Feuchtigkeit machte den sauren Geruch des Schweißes nur noch stechender. Der Geruch von Eisen verblasste langsam, während das Blut der Opfer des heutigen Massakers weg gewaschen wurde, aber diese seltsame Kombination von Gerüchen bildete irgendwie ein eigenes Muster. Vielleicht der Gestank der Verzweiflung. Der Geruch der Sklaverei.

Ein Dutzend Krieger diskutierte mit gedämpften Stimmen um ein knisterndes Lagerfeuer, ihre Worte unverständlich unter dem schmerzhaften Stöhnen um sie herum. Um sie herum glitten die letzten Regentropfen langsam von den Blättern der dicken Bäume, die das Lager umgaben, und klopften auf das Blechdach ihrer Schlafsäle. Das Feuer tanzte zwischen den verkohlten Holzscheiten, die es verschlang. Seine Flammen waren sich des Schmerzes und des Leids um sie herum nicht bewusst, auch nicht der düsteren Worte, die zwischen jedem seiner Knistern ausgetauscht wurden. Denn die Worte versprachen nur Tod und Gewalt.

"Das ist eine idiotische Idee, Yalfrigg", sagte ein hagerer Elf, während er seine Hände zum Feuer ausstreckte, "und das weißt du. Wir erinnern uns alle daran, was passiert ist, als wir uns das letzte Mal gegen unseren Dominus aufgelehnt haben.”

Der Elf trug schwarze Lederhandschuhe, die Finger des linken Handschuhs waren abgeschnitten, um seine fehlenden Fingerspitzen zu berücksichtigen. Sein langes, fettiges schwarzes Haar war in einem Dutt gefangen, so dass seine zusammengekniffenen schwarzen Augen einen Zwerg anblitzen konnten, der auf der anderen Seite des Feuers saß.

"Aye", sagte der stämmige graubärtige Zwerg. "Ich erinnere mich verdammt gut, Neleth. Sie schlachteten uns ab. Sie kochten uns und häuteten uns. Sie nahmen meinen Bruder mit.”

Das Geräusch von Leder, das auf Leder reibt, übertönte die fernen Schmerzensschreie, als der Zwerg seine behandschuhte Hand zusammenpresste, während sich seine tätowierten Muskeln spannten und im weichen Licht des Feuers glitzerten. Der Doctore war nie ein Mann der vielen Worte, aber dieses Gespräch konnte nicht durch einen Schwung des mächtigen Großschwerts, das auf seinem Rücken hing, beiseite gefegt werden.

Der muskulöse Zwerg zog seine Handschuhe aus und stand auf. Die Art und Weise, wie das tanzende Licht des Feuers ihn von unten beleuchtete, ließ sein tätowiertes Gesicht noch furchterregender aussehen. Dies war jemand, der durch Furcht Respekt einflößte. Ein Trainer und ein König unter den Sklaven.

"Noch nie waren wir so viele", sagte eine andere Gestalt, die komplett in einen dunkelbraunen, übergroßen Mantel gehüllt war. Die Mehrheit der Leute, die um das Feuer saßen, nickten nun. "Der Dominus wird immer nachlässiger.”

"Ja, der Scheißer gibt Top-Ausrüstung herum, als wären es Bonbons", sagte eine kampfvernarbter Orkin, die alle überragte, obwohl sie auf dem niedrigen Stumpf eines Baumes saß. "Aber wir sind immer noch nicht genug, um es mit ihnen aufzunehmen. Und wir können nicht aus der Barriere ausbrechen, die uns hier festhält.”

"Noch nicht", fuhr der Zwerg fort. "Zuerst müssen wir unsere Brüder und Schwestern zurückholen und als eine gemeinsame, starke Faust angreifen. Niemand will sehen, wie seine Freunde und seine Familie den Herren dienen wie verdammte Zombies.”

"Sie zurückzuholen ist schwierig genug", erwiderte der Elf. "Es im Geheimen zu tun, ist unmöglich.”

"Da sind wir wieder beim Neinsagen und Meckern", sagte die Orkin, bekam aber nur eine Handbewegung des Elfen als Antwort. "Der Mann hat offensichtlich einen Plan und er wird ihn offenbaren, wenn die Zeit reif ist.”

"Ihr müsst die Leute eurer Staffeln zusammenhalten wie die Kiefer eines Sterbenden", sagte Yalfrigg und warf ein weiteres Holzscheit in die Flammen. "Wir bekommen ständig neue Rekruten. Stärkere, wie ihn. " Er zeigte mit seinem dicken Zeigefinger auf einen Mann Mitte dreißig, der sich auf einem Holzschemel sitzend nach vorne lehnte.

Der Mensch starrte auf die tanzenden Flammen, seine stechend blauen Augen ohne Bewegung. Eine Narbe verlief geradewegs von seinem linken Ohr an der Seite seines Halses hinunter, wo sie unter seiner Lederweste verschwand. Die Seiten seines Kopfes waren rasiert, aber das dunkelblonde Haar oben war am Hinterkopf zusammengebunden. Sowohl der weiße Stoff, der seine Rüstung bedeckte, als auch sein dicker Bart waren mit Blut aus dem Kampf befleckt.

Der Berserker mittleren Alters zeigte jetzt ein völlig anderes Gemüt als das, das er vor einer Stunde in der Arena gezeigt hatte, als er wie wild zwei Dämonen - einen für jedes seiner Schwerter - niedermetzelte und abschlachtete. Sein Gesicht sah gelassen aus, sogar konzentriert. Er sah aus, als würde ihm keine Hölle etwas anhaben können, und dieser Ort war so nah an einer der Höllen, wie man nur kommen konnte, ohne tatsächlich einen Fuß in sie zu setzen.

"Wer zum Teufel ist dieser neue Typ überhaupt? ", fragte Neleth, stets misstrauisch. "Was macht ein hochrangiger Mensch hier? Du bist ein Narr, dass du ihm vertraust, alter Mann.”

"Steh auf und sag mir das ins Gesicht, Junge", sagte der Zwerg, ohne den Ton seiner Stimme auch nur im Geringsten zu erhöhen. "Mal sehen, wie sich dein Dolch gegen mich schlagen wird.”

Der Elf antwortete nicht, aber er wandte seinen Blick nicht von seinem Doctore ab. Da er sah, dass der Mensch in keiner Weise auf das reagierte, was er sagte, musste er seine Antwort von Yalfrigg bekommen.

"Ich weiß, dass er nicht von unserem Dominus eingeschleust worden ist", antwortete der Zwerg, "denn ich weiß genau, warum er hier ist. Er verachtet ihn genauso sehr, wie wir. Und ihr habt ihn alle kämpfen sehen. Er hasst Dämonen mehr als jeder andere.”

"Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen, Mensch? ", fragte die Orkin. "Woher wissen wir, dass du nicht von unserem Dominus hergeschickt wurdest, um uns auszuspionieren? Wer bist du?”

Der Mann antwortete nicht sofort, aber gerade als die Orkin über sein Schweigen frustriert wurde, seufzte er und sah sie zum ersten Mal an.

"Ich bin ein Killer", sagte der Mann leise und richtete seinen Blick wieder auf das Feuer. "Ich habe Dämonen und Drachen erschlagen. Ich habe mehr als meinen Anteil getötet. Ich habe viel zu oft die Rolle des Richters und des Henkers gespielt. Ich habe Waisen und Witwen gemacht. Habe die Lebenden enthauptet, ohne mehr zu zögern, als ich es mit Schwärmen von Untoten tat.”

Der Elf, der neben dem Mann saß, bewegte sich nun unbehaglich in seinem Stuhl. Die sanfte Stimme des Mannes stand in krassem Gegensatz zu seiner Erscheinung, aber nicht zu seinen Augen. Seine Augen sahen müde aus. Müde von der Sinnlosigkeit von allem. Müde vom Kämpfen.

"Ich habe vor Schmerz geweint und beim Anblick der Innereien eines Menschen gewürgt", fuhr er fort. "Ich bin vor Angst geflohen und habe überlebt, um einen weiteren Tag kämpfen zu können. Ich sah zu, wie sich eine Frau opferte, damit ich leben konnte, und kehrte ihr den Rücken zu. Ich habe mir Freunde gemacht, aber noch mehr Feinde. Die Freunde habe ich verraten. Die Feinde habe ich getötet. Aber die Feinde, die ich mir gemacht habe, kurz bevor ich hierher gebracht wurde, sind noch nicht tot, und ich werde nicht eher ruhen, bis ich ihr Blut auf meinem Gesicht spüre.”

"Du hast uns immer noch nicht gesagt, warum du hergekommen bist", sagte die Orkin. "Nicht einmal deinen Namen.”

"Mein Name ist Alexander Rage", antwortete er. "Oder zumindest ist das der Name, unter dem ich bekannt bin. Berserker. Drachentöter. Schlachtgeschmiedet. Verräter. Ich komme von dem, was manche von euch die Hauptebene nennen, oder Midgard, oder Di. Und dies ist die Geschichte, wie ich freiwillig in dieses Höllenloch kam.”

3

Inis Mona

Passiert das gerade? Träume ich noch?

Nein, der Schmerz war noch zu real für einen Traum.

"Alex, ich weiß, du bist derjenige, der gerne andere mit schnippischen Kommentaren unterbricht, und ich liebe dich dafür, aber ich möchte, dass du einmal in deinem Leben die Klappe hältst und dem Aufmerksamkeit schenkst, was ich dir jetzt sage ... denn du wirst es kaum glauben können.”

"Okay", war alles, was ich sagen konnte. Das war doch bestimmt irgendeine Art von durch die Schmerzmittel hervorgerufene Illusion?

"Ich verstehe, dass das schwer zu begreifen ist, aber ich versuche, es zu erklären. Es gibt eine Welt. Eine andere Welt, parallel zu unserer. Oder vielmehr unsere Welt, der Kosmos, ist viel kleiner als die andere. Der Apokosmos.”

Jepp! Definitiv die Drogen, die zu wirken beginnen.

"Der Apokosmos ist ein anderes Universum, mit eigenen Regeln und eigener Physik. Der Kosmos und der Apokosmos existieren nebeneinander, aber die meisten Bewohner des Kosmos sind sich dessen glücklicherweise nicht bewusst. Viele der Fantasiegeschichten und mythologischen Welten, von denen Du gelesen hast, sind eigentlich gar keine Mythen, sondern eher Teil dieser zweiten Welt. Sie sind Teile davon, die über Geschichten, Kunst oder Unterhaltung in unsere Welt eingesickert sind.”

Ich brach in Gelächter aus. Ich glaube, ich hatte seit Jahren nicht mehr gelacht. Komisch, was ein paar winzige Moleküle mit einem Mann anstellen können, sobald sie in seinen Blutkreislauf gelangen.

"Ich weiß, es ist schwer zu glauben ...", sagte er, bevor ich ihn unterbrach.

"Glaubst du wirklich, dass ich glaube, dass irgendetwas davon echt ist? Komm schon, wo sind die Kameras? Hast du eine an deiner neuen Brille? Ich habe dir schon so oft gesagt, dass ich Geburtstagsüberraschungen hasse. Ich feiere ihn nicht.”

"Ich wünschte, das wäre ein Witz, Alex", erwiderte er völlig ernst, bevor er sich aufrichtete und die Hände vor den Bauch legte.

Innerhalb einer Sekunde materialisierte sich die gleiche Windkugel, mit der ich angegriffen worden war, vor ihm. Louie rührte sich auf seinem kleinen Kissen, sein Schlaf durch den plötzlichen Windstoß gestört.

"Dieses Ding", schrie ich fast. "Ich wurde von diesem Rasengan-ähnlichen Jutsu angegriffen.”

"Das ist kein Rasengan", antwortete er mit einem Lächeln, als die Winde in seinen Händen abebbten. "Das nennt sich 'Sturmstoß' und ist einer der grundlegendsten Offensivzauber, die Zauberer lernen. Das ist der Grund, warum Du Zahlen und Level und alle anderen Schnittstellen sehen kannst, die du vielleicht bemerkt hast.”

Er machte einen Schritt nach vorne und setzte sich wieder neben mich.

"Sicherlich hast Du schon einmal von Dunkler Energie gehört?”

"Was zum Teufel hat eine theoretische Energieform mit deinem verrückten Gerede zu tun?”

"Dunkle Energie ist sehr real, Alex. Sie ist das, was diese Welt und den Apokosmos voneinander trennt. Und die einzige Möglichkeit für jemanden, der nicht im Apokosmos geboren ist, ein Teil davon zu werden, ist, wenn ein Mitglied des Apokosmos ihn hineinzieht. Die Leute, die dich angegriffen haben, waren wahrscheinlich dort Geborene und als sie sahen, dass sie dich hier nicht verletzen konnten, beschlossen sie, dich hineinzuziehen. Ich vermute, das war der Moment, als du anfingst, Werte und schwebende Textblöcke zu sehen.”

"Das stimmt", gab ich zu, ratlos über die Erklärung und seine sehr überzeugende Demonstration der Magie. "Aber was sind das alles für Zahlen?”

"Diese Werte sind die logische Interpretation der Bedeutung jeder Kreatur in der Welt. Die Dunkle Energie, die die Welten durchzieht, liefert diese Informationen und manifestiert sie für jeden.”

"Es ist also eine Spielwelt?”

"Es ist falsch, den Apokosmos als eine Spielwelt zu betrachten. Ich würde eher sagen, dass in der begrenzten Welt, in der du lebst, Spiele der realen Welt nachempfunden sind.”

"Meine begrenzte Welt? Weil du aus dem Apokosmos kommst?”

"Kumpel, ich habe nicht gescherzt, als ich sagte, dass ich ein Halb-Elf bin. Mein Vater ist Italiener, aber meine Mutter ist eine Elfe.”

"Aber die..." Ich versuchte, die richtigen Worte zu finden. "Sie..."

"Was? Sie hat keine spitzen Ohren? ", sagte er, scheinbar frustriert. "Das ist so ein dummes Vorurteil. Nicht alle Elfen entsprechen deinen Klischees, Herr Mensch.”

"Ähm... sorry, ich wollte nicht..."

Er unterbrach mich mit einem Kichern. "Das hat sie tatsächlich, aber sie versteckt sie. Weißt Du, die Leute würden Fragen stellen. " Er lächelte mich an.

"Also ... damit ich das richtig verstehe", sagte ich und versuchte, aufrechter in meinem Bett zu sitzen. "Es gibt diese Dunkle Energie und sie hält die beiden Welten auseinander? Sie kennt auch all diese Informationen über uns und läßt uns diese Werte sehen?”

"Korrekt. Nun, meistens. Es gibt Fälle, in denen sich der Apokosmos und der Kosmos überschneiden, aber darauf wollen wir jetzt noch nicht eingehen. Für den Moment reicht es zu wissen, dass diese Welt neben Tausenden von anderen existiert, die alle andere Regeln haben. Regeln, die sich, zumindest für dich und mich, als Zahlen manifestieren.”

"Okay. Da wir also Zahlen sehen, heißt das, dass diese Dunkle Energie künstlich manipuliert wird? Und wenn ja, wer kontrolliert sie?”

"Wow, Mann. Die Theorie der Dunklen Energie ist viel zu hoch für mich. Um ehrlich zu sein, kenne ich nur die Grundlagen. Es ist nicht so, als ob die Informationen in Zahlen und Englisch zu dir kanalisiert werden. Es ist eher so, dass die Informationen mit dir interagieren und du sie in der Form entschlüsselst, die du am einfachsten verstehst. Ich weiß von Zivilisationen, die nur Bilder sehen, da das ihre einzige Möglichkeit der Kommunikation ist. Was die Frage angeht, wer sie kontrolliert oder wie die Dunkle Energie entstanden ist, gibt es wiederum viele Theorien. Einige glauben an einen Aufseher-Gott. Andere sagen, es sei ein uralter Pakt zwischen den höchsten Göttern. Niemand weiß es mit Sicherheit.”

"Du sagst ständig solche Sachen. Die höchsten der Götter? Götter?”

"Bruder, es gibt so viele Dinge, die du lernen musst. Aber zuerst, lass uns dich nach Hause bringen. Ich lasse meine Familie wissen, dass du übergetreten bist, damit sich die Polizei raushält.”

Er holte sein Telefon heraus und begann etwas zu tippen. Ich hatte so viele Fragen, aber ich versuchte, mich zu beherrschen und nur die zu stellen, die für meine Situation unmittelbar relevant waren.

"Okay, ist die Polizei auch eingeweiht? Und ich glaube nicht, dass die Äerzte mich einfach gehen lassen, selbst wenn ich rausgehen kann.”

"Die Polizei weiß nichts, aber sie weiß genug, um einen armen, überfallenen Mann in Ruhe zu lassen, wenn meine Familie ihnen das sagt", sagte er, während er den letzten Teil seiner Nachricht tippte und aufstand. "Und du brauchst den Arzt nicht um Erlaubnis zum Gehen zu fragen, wenn du dich gut genug fühlst.”

Er trat einen Schritt zurück und streckte seine Hände nach oben, wobei ein kurzes gelbes Licht aus seinem Inneren austrat und zur Decke und dann auf mich überging. Sobald das Licht mich berührte, spürte ich, wie sich eine Wärme in meinem Körper ausbreitete.

"So, fühlst du dich jetzt besser? ", fragte er.

Ich führte meine Hände zu meinem Gesicht und stellte fest, dass sich alle Wunden geschlossen hatten, mein Gesicht nicht mehr geschwollen war und mein Sehvermögen auf beiden Augen wieder voll da war. Außerdem waren die Stiche an der Seite meines Kopfes verschwunden und neue Energie durchströmte mich. Es gab keine Schmerzen mehr.

"Es tut mir leid, dass ich nichts gegen dein versautes Haar tun kann", fügte Leo hinzu.

"Schon gut", sagte ich, wobei mir sofort weitere Fragen in den Kopf schossen. "Bist du ein Heiler? Deine Klasse heißt 'Mystiker'. Und was ist mit deinem Level los? Warum kann ich es nicht sehen?”

"Entspann dich. Nimm Louie und lass uns auf dem Weg nach draußen reden.”

Ich tat, was er vorschlug, nahm Louie an die Leine und hob sein Kissen auf. Meine Kleidung war schmutzig, blutig und an einigen Stellen zerrissen, aber sie würde mir dienen, bis ich meine Wohnung erreichte.

"Ich bin eigentlich kein Heiler", erklärte Leo, als wir auf die Treppe zugingen, die ins Erdgeschoss des Krankenhauses führte. "Mystiker ist eine von mehreren Anfangsklassen für Zauberer. Wir bekommen eine breite Palette von Zaubersprüchen, bis wir unseren Klassenwechsel haben. Danach konzentrieren wir uns mehr auf unser Repertoire.”

"So ähnlich wie im College?”

"Ja, irgendwie schon. Jeder kann persönliche Quests annehmen, um seine Klasse zu verbessern, wenn er Level 20, Level 40 und irgendwo in den hohen Siebzigern ist. Und der Grund, warum du mein Level nicht sehen kannst, ist, dass ich mehr als zehn Level über dir bin und ihn verstecke.”

"Ich verstehe. Deshalb konnte ich sehen, dass der Level meines Angreifers 11 war, aber ich kann deinen nicht sehen. Wie hoch ist dann dein Level?”

"Wow. Das ist eine sehr persönliche Frage, Mann ...", sagte er, als er die Haupttür des Krankenhauses öffnete, damit ich hinausgehen konnte. "War nur ein Scherz. Ich bin Level 19."

"Das klingt hoch. Ist es hoch?”

"Er sollte viel höher sein", sagte er und richtete seinen Blick auf den Boden. "Aber weißt du, ich habe in letzter Zeit nicht wirklich viel Lust gehabt, XP zu sammeln. Willst du nach Hause laufen? Du hast sicher noch mehr Fragen.”

Ich nickte und ging hinüber zu einem Baum an der Straßenseite, damit Louie sein Ding machen konnte. Es gab so viele Fragen, die ich stellen wollte, und ich versuchte, das Chaos in meinem Kopf zu ordnen.

"Du hast erwähnt, dass du deiner Familie eine SMS schreibst", sagte ich. "Sind die auch alle Teil dieser Welt?”

"Oh, sicher! Sicher, sicher, sicher. Seit Generationen. Wir sind eine der größten Gilden in New York.”

"Es gibt auch Gilden? Ich dachte, das wäre einfach nur, wie italienische Familien halt so sind.”

"Nun, ja. Wir halten zusammen, weil wir Italiener sind. Aber wir halten auch zusammen, weil wir Gildenvorteile, regelmäßig XP und Abenteurer-Gruppen haben.”

Da ich nicht zeigen wollte, wie ehrfürchtig ich war, hielt ich mit meiner Faszination für Abenteurer- und Erfahrungssammelgruppen zurück.

Warum bin ich so aufgeregt? Ich sollte mich nicht darüber freuen.

"Also, was ist deine nächste Frage? ", fragte Leo erwartungsvoll, als wir uns auf den Weg durch die Straßen von Brooklyn in Richtung meiner Wohnung machten.

"Was soll ich zuerst lernen?”

"Jetzt sind wir beim Thema! Gib mir Louies Leine und konzentrier dich auf die Dinge, die du an deinem Sichtrand sehen kannst.”

Ich tat, was er mir sagte, und begann, die Gesundheits- und Manabalken wieder zu sehen. Eine Sekunde später schwebten weitere kleine Textfelder in mein Blickfeld. Es war alles da, was man in einem MMORPG erwarten würde: Ausrüstung, Inventar, Werte, Logbücher und Quests.

"Als ich vorhin in das Krankenzimmer kam, sah ich, wie du deine Hände herumbewegt hast. Das habe ich als Kind auch gemacht, aber du kannst sie einfach mit deinen Gedanken bewegen und sie aktivieren oder deaktivieren, je nachdem, was du sehen willst.”

Ich begann, sie in Gedanken zu bewegen, wurde aber bald von Leo unterbrochen.

"Hey, hey! Du wirst später Zeit haben, zu üben und deine Ansicht einzurichten. Jetzt öffne erst mal deine Charakter-Werte und mach dich bereit für einen massiven Informations-Erhalt.”

Name : Alexander MacFie

Rasse : Mensch

Klasse : Kämpfer

Level : 1

HP : 126/126

MP : 38/38

XP : 63,32%

STR : 40

DEX : 30

CON : 43

INT : 21

WIS : 11

MEN : 25

"Ich denke, zumindest der Name ist selbsterklärend. Vielleicht bekommst du in Zukunft Titel, die du an deinen Namen anhängen kannst und die dir Boni geben, aber das ist etwas anderes. Deine Klasse hingegen ist etwas, das du dir aussuchen kannst, insofern sie von dir gewählt wird. Ich nehme an, du bist kein Zauberer?”

"Nein. Da steht, ich bin ein Kämpfer", antwortete ich. "Ist das gut?”

"Das hat nichts mit gut oder schlecht zu tun", sagte er mit einem Lächeln. "Deine Klasse ist ein Abbild dessen, wie du dein Leben lebst. Da du sechs Tage die Woche ins Fitnessstudio gehst, ist es nur natürlich, dass du ein Kämpfer bist. Aber Kämpfer ist eine der Anfangsklassen. Wie ich schon sagte, wenn du trainierst und Level aufsteigst, wirst du dich auf bestimmte Waffen und Kampfstile spezialisieren.”

"Ich kann also in eine andere Klasse wechseln?”

"So etwas in der Art. Wenn es an der Zeit ist, dein Klassenwechsel-Quest zu erfüllen, wird deine Klasse aufgewertet ... Wiederum je nachdem, wie du dein Leben lebst und wie du kämpfst.”

"Also dreht sich alles ums Kämpfen? ", fragte ich, als er mir zunickte, um an einem Hotdog-Stand anzuhalten.

"Ragazzo, es ist eine sehr grausame Welt", antwortete er lässig, während er dem Mann, der den Stand bediente, zwei Finger zeigte, obwohl ich sah, wie sich sein Gesicht verfinsterte. „Jeder muß sich behaupten.“ Mit diesem letzten Satz nahm er einen Bissen vom ersten Hot Dog, der ihm gereicht wurde.

Unter normalen Umständen hätte ich etwas Sarkasmus in seine Richtung geschickt, aber ich musste zugeben, dass mich diese ganze Sache aus dem Gleichgewicht gebracht hatte.

"Was den Rest der Werte betrifft, gehe ich davon aus, dass wir die gleichen Dinge sehen, da unser Verständnis der Spielmechanik ähnlich ist. HP steht für Hit Points (Trefferpunkte) oder Heart Points (Herzpunkte), also für die allgemeine Gesundheit, die man im Auge behalten muss.”

"Was passiert, wenn er auf Null sinkt? ", fragte ich und fürchtete schon seine Antwort.

"Du wirst bewusstlos. Und wenn du nicht geheilt wirst... nun... stirbst du, Mann.”

"Keine Wiederauferstehung? Das ist brutal.”

"Das, mein Lieber, ist das Leben. Keine zweiten Chancen. Es sei denn natürlich, man wird innerhalb einer bestimmten Zeitspanne wiederbelebt. Dann bekommst du eine zweite Chance. Aber Klassen, die wiederbeleben können, sind ziemlich selten.”

"Wie groß ist das Zeitfenster für Auferstehungszauber? ", fragte ich und hielt den Atem an.

"Ein paar Stunden", sagte er, zu meiner Enttäuschung. "Ich habe von Tagen gelesen, aber da bin ich mir nicht sicher. Auf jeden Fall ist es das Beste, dafür zu sorgen, dass man es nie braucht.”

"Natürlich. Es klingt immer noch verrückt, dass das überhaupt möglich ist.”

"Nun, es ist nicht ohne Kosten. Zumindest auf höheren Leveln.”

"Was meinst Du?”

"Wenn Du noch nicht auf Level 20 aufgestiegen bist, lässt die Dunkle Energie Dich keine XP verlieren, wenn Du wiederbelebt wirst", erklärte er. "Aber sobald jemand seine Klasse verbessert, wird er bei Wiederbelebung mit einem XP-Abzug belegt. Er verliert ein kleines Stück von sich selbst in Form von XP.”

Er hielt inne, um mir eine Chance zu geben, das zu verarbeiten, bevor er fortfuhr.

"Auf jeden Fall sind MP Deine Magiepunkte oder Manapunkte, wie auch immer Du sie nennen willst. Das ist das, was Du für Zaubersprüche und Kampffertigkeiten verwendest, die DU wahrscheinlich noch nicht erhalten hast. Dann hast du deine Erfahrungspunkte, dargestellt als Prozentsatz dafür, wie nah du am Erreichen des nächsten Levels bist. Und dann geht es los mit den schwierigen Sachen. Biegen wir hier ab - hier ist es ruhiger.”

Er zeigte auf eine Einbahnstraße mit alten dreistöckigen Gebäuden, die deutlich weniger befahren war als die Straße, die wir bisher entlanggelaufen waren. Selbst so spät in der Nacht war Brooklyn laut, daher war die ruhigere Straße willkommen.

"Wir haben also sechs Basis-Werte", fuhr er fort. "STR für Stärke-"

"Was bedeuten die Zahlen? ", unterbrach ich. "Ich habe 40 in Stärke.”

"Sie spiegeln verschiedene Facetten der Menschheit und deines bisherigen Lebens wider", antwortete er. "Meine sind etwas anders, weil ich nur halb Mensch bin und ein Zauberer.”

"Sie sind für immer fixiert?”

"Nein, aber sie sind nicht leicht zu erhöhen", sagte er und seufzte. "Hör zu, Mann. Lern erst mal, wie man steht, und dann kannst du versuchen zu laufen.”

"Okay", antwortete ich, da ich merkte, dass ich das Gespräch entgleisen ließ.

"Okay. Also DEX steht für Dexterity (Gewandheit), CON für Constitution, INT für Intelligence, WIS für Wisdom und MEN für Mentality. Jeder der Basiswerte wirkt sich auf mehrere Dinge aus. Du mußt dir nicht alle merken, da du sie jederzeit im Statusbildschirm abrufen kannst, aber es wäre gut, eine Vorstellung davon zu haben, wofür jeder von ihnen steht.”

"Ja sicher", sagte ich, fast ungeduldig, dass das langwierige Tutorial endlich in Gang kam. "Stärke ist meine körperliche Kraft, richtig?”

"In der Tat. STR wirkt sich direkt auf deinen physischen Angriff aus, der weiter unten in deinem Textfeld "Kampfwerte" erscheinen sollte. Weißt du was, setzen wir uns hierhin, damit du das auch abrufen kannst.”

Wir nahmen auf einer Holzbank auf dem Bürgersteig mit Blick auf einen kleinen Park Platz, mit dem Rücken gegen den schwarzen Eisenzaun eines Gebäudes. Louie schätzte den zusätzlichen Halt vor dem Erreichen des Hauses nicht, wurde aber bald von einer kleinen Portion Pommes abgelenkt, die direkt unter der Bank weggeworfen worden war.

Um keine weitere Zeit zu verschwenden, konzentrierte ich mich mental auf etwas, das wie ein Textstreifen in meinem peripheren Blickfeld aussah.

Kampfwerte

Max HP : 126

Max MP : 38

Physischer Angriff : 4

Physische Verteidigung : 72

Treffgenauigkeit : 33

Kritischer Angriff : 44

Angriffsgeschwindigkeit : 330

Magischer Angriff : 3

Magische Verteidigung : 47

Ausweichen : 33

Geschwindigkeit : 126

Zaubergeschwindigkeit : 213

HP Regeneration : 3,8/Minute

MP-Regeneration : 1.1/Minute

"Verstanden", sagte ich. "Hey, warum ist mein physischer Angriff so niedrig? Er ist nur einen Punkt höher als mein magischer Angriff. Und meine Angriffsgeschwindigkeit ist bei weitem die größte Zahl.”

"Deine Muskeln sind großartig für den Kosmos, aber ohne eine Waffe wirst du im Apokosmos nicht viel Schaden anrichten. Was die Zahlen angeht, so machen sie jetzt nicht viel Sinn, weil du sie mit niemand vergleichen kannst. Du kannst dir sicher sein, dass die Dunkle Energie dir alles so anzeigt, dass du unter allen Lebewesen eingeordnet wirst.”

Ich nickte, obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich noch weiter davon entfernt sein könnte, wirklich zu verstehen. Eine Art von Energie, die alles Wissen in sich trägt und Teile davon für uns darstellt, war etwas, das ich kaum fassen konnte.

"Okay, der nächste Punkt bei deinen Charakter-Werten ist DEX", fuhr Leo fort. "Dexterity (Gewandtheit) beeinflusst eine ganze Menge Dinge. Als Kämpfer solltest du besonders darauf achten. Sie steht in direktem Zusammenhang mit deiner Angriffsgeschwindigkeit, d.h. wie schnell du physisch angreifen kannst, deiner Chance, einen kritischen Treffer an einer verwundbaren Stelle zu landen, und deiner Laufgeschwindigkeit. Außerdem hängt deine Genauigkeit beim Angreifen und deine Ausweichfähigkeit zum Vermeiden von Schaden ebenfalls mit dem DEX zusammen. Ebenso deine Chance, einen Schlag mit deinem Schild zu blockieren, wenn du dich dafür entscheidest, einen zu benutzen.”

"Moment, du sagtest Schild? ", fragte ich verwirrt. "Du meinst so wie ein Schwert und ein Schild? Was ist mit Schußwaffen? Ein Schwertträger hätte keine Chance gegen jemanden mit einer Schußwaffe.”

"Ah, aber das ist ein weiterer Punkt, in dem sich der Apokosmos von dieser Welt unterscheidet. Wenn Magie im Spiel ist, haben andere Dinge geringere Wirkung. Schußwaffen zum Beispiel sind nicht annähernd so effizient wie ein guter Pfeil und Bogen. Sie können einfach nicht genug Schaden austeilen. Verlange bloß nicht, dir das zu erklären, denn ich verstehe die Einzelheiten auch nicht. Es ist nur eines dieser Dinge, die von der Dunklen Energie beeinflusst werden, damit das Gleichgewicht und die Trennung zwischen den beiden Welten erhalten bleibt.”

"Der Apokosmos ähnelt also irgendwie einer Fantasie ..." Ich begann und änderte schnell meine Formulierung. "Ich meine, das nächste Äquivalent in einem Videospiel zum Apokosmos wäre dann ein Fantasy-MMORPG?”

"So in etwa", stimmte Leo zu. "Es gibt Technologie, aber selbst die Entsprechungen zu Schußwaffen drehen sich um Magie und Materialien, die in der jeweiligen Welt heimisch sind. Aber darum brauchst du dich vorerst nicht zu kümmern. Worüber du dir Sorgen machen musst, ist CON, oder Konstitution, da sie direkt mit deinen maximalen HP und deiner HP-Regenerationsrate zusammenhängt. Sie ist auch verantwortlich für Dinge wie Resistenz gegen bestimmte körperliche Zustände und wie lange du unter Wasser die Luft anhalten kannst.”

"Das ist im Moment mein höchster Wert", sagte ich und hatte schon einen Verdacht, warum das so war.

"Nun, kein Wunder bei deinem täglichen Cardio und den Gewichten im Fitnessstudio", sagte er und bestätigte damit, was ich schon vermutet hatte.

"INT" oder Intelligenz ist ein Wert, der hauptsächlich für Zauberer und ihren magischen Angriff relevant ist, daher brauchst du nicht wirklich viel darüber nachzudenken. Weisheit ist auch hauptsächlich für Mystiker und Magier relevant, da sie ihre Zaubergeschwindigkeit und ihre Chancen, einen kritischen Treffer mit einem magischen Angriff zu landen, beeinflusst. Was für dich interessant sein könnte, ist die Tatsache, dass Weisheit deine Resistenz gegen geistige Schadenszustände erhöht.”

"Sind Gedankenangriffe durch andere Menschen etwas, vor dem ich mich in acht nehmen muss? ", fragte ich, seine Antwort befürchtend.

"Nicht nur von anderen Menschen, sondern auch von Monstern", erwiderte er und fügte meinen Bedenken eine ganz neue Level hinzu. "Obwohl ich sagen würde, dass du in New York ziemlich sicher bist. Hier gibt es nicht mehr viele gesetzlose Wesen.”

"Du meinst, da draußen laufen ein paar Monster herum? Wieso ist das immer noch ein Geheimnis?”

"Es gibt hier und da noch ein paar", antwortete er beiläufig, "aber die meisten wurden schon vor Tausenden von Jahren ausradiert. Die intelligentesten gingen in andere Welten. Jegliche Begegnungen mit dem, was übrig geblieben ist, werden heute meist nur als Verschwörungstheorien abgetan.”

"Und was ist mit Kämpfen wie dem, an dem ich beteiligt war? Wie werden solche Angriffe vertuscht?”

"Es gibt saubere Wege, die Leute zu überzeugen, dass sie nichts gesehen haben. Du wirst nicht zu einem Internet-Meme, falls du dir darüber Sorgen machst.”

"Das ist nicht der Grund, warum ich-" protestierte ich, wurde aber von einem lachenden Leo unterbrochen.

"Ich mach doch nur Witze, Mann! Wie auch immer, zum letzten Wert. Die Mentalität korreliert mit deiner Fähigkeit, dich gegen magische Angriffe zu verteidigen. Es erhöht auch deine Max MP und deine MP-Regenerationsrate. Das ist gut für mich als Mystiker, denn es hilft mir, mich auf den Zauber zu konzentrieren, den ich wirke, ohne unterbrochen zu werden... Und ich denke, das war's mit den Basiswerten.”

"Das war ein langes Tutorial, Mann", sagte ich ehrlich, als wir aufstanden und weitergingen. "Aber was ist mit den Formeln?”

"Was meinst du mit Formeln? ", fragte er.

"Die mathematischen Formeln, die zum Beispiel meinen STR-Wert mit meinem physischen Angriffswert korrelieren", antwortete ich. "Kann ich die irgendwo sehen?”

"Ah, wenn es nur so einfach wäre", sagte er lächelnd. "Ich bin froh, dass du vorausschauend denkst, aber leider gibt es das, wonach du suchst, nicht. Dein physischer Angriff wird von deiner Ausrüstung, den Effekten aller magischen Segnungen und einem Dutzend anderer Dinge bestimmt. Die Formeln, auf die du dich beziehst, sind für keine Stufen oder Rassen verfügbar. Vielleicht kennen eine Handvoll Götter sie, aber sie teilen ihr Wissen gewiß nicht.”

Götter und Monster. Ein Leveling-System und eine Welt, in der Macht die wichtigste Währung ist. Und das alles unterstützt von der Lebenskraft der Welt, oder was auch immer diese Dunkle Energie war. Ich hatte ein schlechtes Gefühl bei dieser Sache. Nicht, weil es gefährlich oder schwer zu glauben war, sondern weil ich meine Aufregung nicht zurückhalten konnte.

Genieße ich das? Die Möglichkeit, Abenteuer zu erleben und Spaß zu haben?

Nein, ich sollte keinen Spaß haben. Es ist nicht richtig für mich, Spaß zu haben.

Hätte ich nur meine Wut unter Kontrolle gehabt. Hätte ich nur meinen Mund gehalten, wären diese Typen einfach vorbeigegangen und hätten mich nie in diesen Schlamassel gebracht. Und doch war etwas daran auf eine Art und Weise angenehm, die mir Bauchschmerzen vor Schuldgefühlen bereitete.

"Oh, und noch ein Letztes", sagte Leo, als wir uns der Straße näherten, in der meine Wohnung lag. "Wenn du jemals Probleme hast, etwas zu verstehen, das passiert ist, kannst du dir immer deine Protokolle ansehen. Sie enthalten alle Informationen, die du brauchst.”

Ich öffnete sie, und tatsächlich, mit einem Blick nahm ich sofort eine Menge Informationen darüber auf, was passiert war, seit ich in den Apokosmos gezogen wurde, seit jener Sturmstoß auf mir gelandet war.

Du hast 63 HP Schaden erlitten.

Du hast 2 HP Schaden erlitten.

Du hast 1 HP Schaden erlitten.

Du hast 2 HP Schaden erlitten.

Die erste Eingabeaufforderung muss der Schaden durch den Sturmstoß gewesen sein. Das Protokoll ging in Einsen und Zweien so weiter für jeden folgenden Schlag und Tritt, den ich erhielt, bis zur folgenden Meldung:

Du bist bewusstlos geworden.

Ich sah keine XP-Meldungen bis viel später, wahrscheinlich als Leo mich geheilt hatte. Ich nahm an, dass dies die XP waren, die ich für das Ausschalten von drei meiner Angreifer erhielt, bevor der Magier mich angriff.

Du wurdest um 221 HP geheilt.

Du hast 14 XP erhalten.

Du hast 14 XP erhalten.

Du hast 15 XP erhalten.

So endete das Logbuch und mit ihm, wie ich hoffte, meine Reise in diese Welt der Magie und Ehrfurcht. Dies war neu und erschreckend.

"Danke für deine Hilfe, Leo", sagte ich, als wir mein Gebäude erreichten und das lange Foyer betraten.

"Keine Ursache", antwortete er und ging weiter in Richtung Aufzug.

Oh, er kommt mit uns nach oben? Warum musst du so unbedarft sein, Leo?

Es schien nicht viel zu geben, was ich tun konnte, um ihn davon abzubringen. Er hatte sich ja immerhin um Louie gekümmert.

"Leo, ich will dir nicht noch mehr zur Last fallen", sagte ich, als ich den Schlüssel in die Tür meiner Wohnung steckte. "Ich bin sicher, du bist müde. Du kannst nach Hause gehen und ich werde mit dem Rest schon klarkommen.”

"Keine Ursache", sagte er wieder, und ich verfluchte im Stillen mein Glück, mit solcher Freundlichkeit gesegnet zu sein. "Ich möchte dir nur noch eine letzte Sache zeigen und dir eine Möglichkeit geben, selbst weiter zu forschen.”

"Gibt es wirklich ein Handbuch für-", war alles, was ich sagen konnte, bevor er mich unterbrach.

"Mann, ich war ja schon ewig nicht mehr hier! ", sagte er aufgeregt. "Ich glaube, es war vor etwa zwei Jahren. Nein, es war genau vor zwei Jahren. Ich habe mich in deine Wohnung geschlichen, um die Streaming-Station einzurichten, die du immer wolltest.

---ENDE DER LESEPROBE---