Berührt - Roger Mielke - E-Book

Berührt E-Book

Roger Mielke

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Beschreibung

Fast dreißig Jahre lang bin ich Pastor habe Menschen begleitet, ihnen zugehört, manchmal Ratschläge gegeben, habe getauft, konfirmiert, getraut, habe im Sterben begleitet und beerdigt. Was ist mir dabei wichtig gewesen, was hat mich getragen, auch in den Tiefen meines Dienstes? Wenn ich mir darüber Rechenschaft gebe, wird mir deutlich: Am Anfang, in der Mitte und am Ende stand und steht diese eine Grunderfahrung, berührt zu sein von einer Wirklichkeit, die tiefer, größer, umfassender ist als ich selbst. Die Bibel spricht von dem lebendigen Gott, der die "Quelle des Lebens" ist (Psalm 36,10), der menschliches Leben und alle Geschöpfe von allen Seiten umgibt (Psalm 139, 5). Mit diesem kleinen Büchlein möchte ich zum christlichen Glauben einladen. Ich möchte das so tun, dass ich von persönlichen Erfahrungen auf meinem Glaubensweg berichte und so Rechenschaft von dem gebe, was mir auf dem Weg des Glaubens wichtig geworden ist. Das hier Geschriebene ist in diesem Sinne sehr persönlich und doch ist es auch mehr: der Versuch im Hören auf die Bibel und auf die Stimmen der Väter und Mütter im Glauben, auf die Stimmen anderer Christenmenschen nicht minder, eine Antwort auf die Frage zu geben: Warum bin ich Christ?

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Seitenzahl: 86

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Vorwort

Glauben – eine liebevolle Beziehung

Jesus begegnen

Die tiefsten Fragen meines Lebens klären

Freiheit und ein gelingendes Leben.

In eine Gemeinschaft hineingestellt

Für das Leben eintreten

Weil Gott sich zu erfahren gibt

Anhang

Fotos:

Rolf Gerlach: Umschlag, S. →, S. →;

Tom Kattwinkel: S. →, S. →;

Roger Mielke: S. →, S. →, S. →, S. →.

Die Bibeltexte werden in der Übersetzung der „Guten Nachricht“ wiedergegeben, © Deutsche Bibelgesellschaft.

Vorwort

Fast dreißig Jahre lang bin ich Pastor, habe Menschen begleitet, ihnen zugehört, manchmal Ratschläge gegeben, habe getauft, konfirmiert, getraut, habe im Sterben begleitet und beerdigt. Was ist mir dabei wichtig gewesen, was hat mich getragen – auch in den Tiefen meines Dienstes?

Wenn ich mir darüber Rechenschaft gebe, wird mir deutlich: Am Anfang, in der Mitte und am Ende stand und steht diese eine Grunderfahrung, berührt zu sein von einer Wirklichkeit, die tiefer, größer, umfassender ist als ich selbst. Die Bibel spricht von dem lebendigen Gott, der „die Quelle des Lebens“ ist (Psalm 36,10), der menschliches Leben und alle Geschöpfe von „allen Seiten umgibt“ (Psalm 139, 5).

Ich habe immer wieder gefunden, dass an den echten Brüchen des Lebens, wenn wirklich in Frage steht, was noch trägt und Bestand hat, diese Nähe Gottes zutiefst tröstet, aufrichtet und verändert – wenn Menschen zulassen, dass Gott sie berührt. Nach vielen Jahren als Gemeindepfarrer und als Oberkirchenrat in einem eher politischen Amt arbeite ich heute mit Soldatinnen und Soldaten. Hier erlebe ich oft einen tiefen Respekt vor der christlichen Tradition, vor den Werten, die damit verbunden sind und bei nicht wenigen auch die Erfahrung, in sehr schwierigen Lagen durchgetragen worden zu sein. Ein junger Offizier sagte mir einmal nach einem Morgengebet: „In Afghanistan habe ich wieder gelernt zu beten.“ Das hat mich sehr bewegt.

Gut hat mir der Satz gefallen „Nur wer Halt hat, kann Haltung zeigen.“ Ohne zu leugnen, dass es verschiedene Arten von „Halt“ geben kann, glaube ich doch, dass ein lebendiges und persönliches Vertrauen darauf, mit der „Quelle des Lebens“ verbunden und von Seiner Liebe umgeben zu sein, der tiefste Halt ist, den es geben kann.

Mit diesem kleinen Büchlein möchte ich zum christlichen Glauben einladen. Ich möchte das so tun, dass ich von persönlichen Erfahrungen auf meinem Glaubensweg berichte und so Rechenschaft von dem gebe, was mir auf dem Weg des Glaubens wichtig geworden ist. Das hier Geschriebene ist in diesem Sinne sehr persönlich und doch ist es auch mehr: der Versuch im Hören auf die Bibel und auf die Stimmen der Väter und Mütter im Glauben, auf die Stimmen anderer Christenmenschen nicht minder, eine Antwort auf die Frage zu geben: Warum bin ich Christ?

Ich gebe diese Rechenschaft ganz bewusst als evangelischer Pfarrer. Wichtig ist mir dabei allerdings nicht in erster Linie eine konfessionelle Tradition, vielleicht sogar in Abgrenzung von anderen Konfessionen. Entscheidend ist vielmehr eine persönliche Begegnung mit Jesus Christus, eine Erfahrung mit Ihm, die nur Er selbst schenken kann. Die bewusst evangelische Konzentration auf Jesus Christus ist dabei verankert in einem gemeinsam Christlichen, in dem „Katholischen“ im Sinne dieses Gemeinsamen – in diesem Sinne ist dieses Büchlein ökumenisch.

Den einzelnen Themen sind Abschnitte aus der Bibel – in der Übersetzung der „Gute Nachricht Bibel“ – nachgestellt: jeweils ein Psalm und einige Texte, die nicht unbedingt zu den bekannten Stellen der Bibel gehören. Jeder einzelne Bibelabschnitt hat in meinem Leben eine besondere Rolle gespielt, hat in eine Frage hineingesprochen, hat Antworten nahegelegt. Diese Abschnitte der Bibel wollen deutlich machen, dass das hier Gesagte den Anspruch erhebt, aus dem Hören auf das Wort Gottes heraus gewachsen zu sein. In dieses Hören soll das Büchlein wiederum hineinführen. Die Psalmen wollen gebetet werden, vielleicht auch indem man dem jeweiligen Thema nachsinnt und einen Psalm betend durch eine gewisse Zeit mitnimmt. Die anderen Texte wollen bedacht und meditiert werden in einem langsamen, bedächtigen Umgang, den die geistliche Tradition ruminatio („Wiederkäuen“) nannte. So kann aus den hier vorgelegten schlichten Überlegungen vielleicht eine geistliche Übung werden, also eine Einweisung in den Raum der Gegenwart Gottes.

Koblenz im September 2019

Dr. Roger Mielke, Militärdekan

Evangelisches Militärpfarramt Koblenz III

Zentrum Innere Führung

1. Glauben – eine liebevolle Beziehung

„Glauben“ – das ist ein unklares Wort. Wir müssen erklären, was wir damit meinen. Manchmal hört man: „Glauben heißt: nicht wissen“. Wenn es nur dies wäre, dann wäre der Glaube etwas Undeutliches, etwas Ungefähres. Dann könnte man froh sein, wenn man vom bloßen Glauben zu einem sicheren Wissen voranschreiten könnte. Viele Menschen denken sich das heute so: früher hatten die Menschen „Religion“, heute haben wir die „Wissenschaft“. Aber: Glaube ist etwas ganz anderes als ein „unsicheres“ Wissen, über das wir hinaus zu gelangen hätten. Ich möchte es so sagen: Glaube ist eine Beziehung, genauer: eine „Liebes-Beziehung“ zwischen dem lebendigen Gott und mir. Dieser lebendige Gott ist die Wirklichkeit, die sich mir bedingungslos zuwendet, die mein Leben und alles Leben, die ganze Welt, trägt und hält, Er ist die „Quelle des Lebens“ (Psalm 36,10). Liebes-Beziehung heißt nun auch: dieser Gott ist keine unpersönliche Kraft oder eine namenlose Macht. Dieser Gott hat ein Gesicht, und er hat Stimme. Ich darf erfahren, wie er mich anschaut, wie er zu mir redet, wir er mich führt, mich korrigiert. Dieser Gott ist Person: ein Gegenüber, das mich anredet, ein Gegenüber, zu dem ich „Du“ sagen kann. Er sucht mein Vertrauen, meine Hingabe – wie eine liebende Person es tut, und doch auch unendlich viel tiefer und weiter. Er steht hinter allem, er begegnet in allem.

Das ist zunächst ein Widerspruch, den wir logisch nicht auflösen können: Gott ist ein liebendes „Du“ und gleichzeitig die größte schöpferische Macht. Er ist in mir und in allem, und doch unendlich größer als ich und als alles. Gerade dieser „Widerspruch“ macht das besondere dieser Beziehung aus: Gott ist unendlich nah und unendlich fern. Nichts existiert ohne ihn und doch können wir ihn, den Nahen und Fernen, so leicht übersehen. So leicht, wie man eben das Alltägliche und Selbstverständliche übersieht. „Glaube“ heißt, in Beziehung zu leben zu dieser tragenden und alles umfassenden Wirklichkeit. Und zwar in einer Beziehung, die nicht nur sparsam ausgegrenzte Zeiten in meinem Leben hat: an einem Festtag etwa oder in einer Lebenskrise, wenn ich mich in meiner Not an eine Ahnung von Gott klammere. Das eine, der Ruf aus der Not, hat sein Recht ebenso wie das andere, die ausgegrenzten Zeiten. Die großen Festzeiten im Jahreslauf sind eine Erinnerung an die Gegenwart Gottes. Genauso gewinnen viele Menschen erst in einer Lebenskrise wieder Zugang zu Gott: wenn die Selbstverständlichkeiten wegbrechen, meine Gesundheit angegriffen ist oder der Partner an meiner Seite plötzlich nicht mehr da ist. Nicht nur in diesen „besonderen“ Zeiten aber möchte ich nach Gott fragen.

Vielmehr soll die Beziehung zu ihm meinen Alltag prägen: wenn ich den Tag beginne, ist Er da als mein erster Gesprächspartner, dem ich danke für den neuen Morgen. Ich höre auf sein Wort, das für mich als Bibellese möglichst am Beginn des Tages stehen soll, damit mein Tag von vorn herein eine gute Richtung bekommt. Am Abend, bevor ich zu Bett gehe, bedenke ich noch einmal die Begegnungen dieses Tages, die Worte, die ich geredet habe, die Aufgaben, die ich zu erfüllen versucht habe. Ich frage, wo ich Menschen etwas schuldig geblieben bin, wo ich jemanden verletzt habe, und ich freue mich über das, was gelungen ist. Alles das gehe ich aufmerksam durch und trage es vor Gott. Im Tageslauf gibt es immer wieder die Situationen, in denen ich Gott suche: vor einem schwierigen Gespräch bitte ich Gott um Beistand, vor der Tür eines Krankenzimmers bitte ich um die richtigen Worte, im Auto an der Ampel spreche ich die Gedanken meines Herzens vor Gott aus. Es gibt die Momente, in denen ich die Nähe Gottes als ein überwältigendes Glücksgefühl, als ein „Fließen“ spüre. Und es gibt diese Zeiten, in denen alles trocken und dürr bleibt, in denen sich Gott entzieht. Aber immer bleibt Er die Tiefe in allem, was ich tue, denke, rede und fühle. Meine Erfahrung ist großartig ausgedrückt in diesem Wort aus dem 15. Kapitel des Johannes-Evangeliums. Jesus sagt dort: „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Dieses „Bleiben“ ist es, worauf es mir ankommt. „Glauben“ heißt: bei Gott bleiben, in der Wirklichkeit Gottes bleiben, Ihn suchen, mein Leben von Ihm prägen lassen. In allem, was misslingt, was in mir nicht so ist, wie es sein sollte: immer wieder Ihn suchen, von Ihm Wegweisung bekommen. So ist es: Ohne Ihn kann ich nichts tun!

Psalm 139

1 HERR, du durchschaust mich,

du kennst mich bis auf den Grund.

2 Ob ich sitze oder stehe, du weißt es,

du kennst meine Pläne von ferne.

3 Ob ich tätig bin oder ausruhe,

du siehst mich;

jeder Schritt, den ich mache, ist dir bekannt.

4 Noch ehe ein Wort auf meine Zunge kommt,

hast du, HERR, es schon gehört.

5 Von allen Seiten umgibst du mich,

ich bin ganz in deiner Hand.

6 Dass du mich so durch und durch kennst,

das übersteigt meinen Verstand;

es ist mir zu hoch, ich kann es nicht fassen.

7 Wohin kann ich gehen, um dir zu entrinnen,

wohin fliehen, damit du mich nicht siehst?

8 Steige ich hinauf in den Himmel –

du bist da.

Verstecke ich mich in der Totenwelt –

dort bist du auch.

9 Fliege ich dorthin, wo die Sonne aufgeht,

oder zum Ende des Meeres, wo sie versinkt:

10 auch dort wird deine Hand nach mir greifen,

auch dort lässt du mich nicht los.

11 Sage ich: »Finsternis soll mich bedecken,

rings um mich werde es Nacht«,

12 so hilft mir das nichts;

denn auch die Finsternis

ist für dich nicht dunkel

und die Nacht ist so hell wie der Tag.

13 Du hast mich geschaffen mit Leib und Geist,

mich zusammengefügt im Schoß meiner Mutter.

14 Dafür danke ich dir,

es erfüllt mich mit Ehrfurcht.

An mir selber erkenne ich:

Alle deine Taten sind Wunder!

15 Ich war dir nicht verborgen,

als ich im Dunkeln Gestalt annahm,

tief unten im Mutterschoß der Erde.

16 Du sahst mich schon fertig,

als ich noch ungeformt war.

Im Voraus hast du alles aufgeschrieben;

jeder meiner Tage war schon vorgezeichnet,

noch ehe der erste begann.

17 Wie rätselhaft sind mir deine Gedanken, Gott,