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Schmetterlinge sind das Lächeln des Gartens. Ein Ort, wo sie mit ihrer Schönheit bezaubern, berührt Menschen auch in komplizierten Zeiten. Wer wünscht sich ihr Dasein nicht im eigenen Umfeld? Dieses Buch begleitet auf dem Weg dorthin. Gute Plätze und Flächen für Schmetterlinge zu gestalten, ist das Ziel. Ganz besonders. Besonders kreativ: Wie sehen die Falter die Welt? Wie sprechen Federgeistchen und Glasflügler über Verwandlung? Michael Altmoos lädt ein, auch einmal die Perspektive zu wechseln. Besonders praktisch: Das »Alphabet für Falter« erklärt Aspekte, die wesentlich für Schmetterlingsplätze sind: von A wie »Ausmagerung« über L wie »Laubholz« bis Z wie »Zeit«. Vielfältige Praxistipps und Wissen um Naturzusammenhänge machen das schmetterlingsfreundliche Gärtnern leicht. Besonders eindringlich: Angesichts eines »Schmetterlingssterbens« brauchen wir jetzt besondere Schmetterlingsschützer. Deshalb geht es hier auch um Nachtfalter und Kleinschmetterlinge, um Raupen, Motten und Gespinste. So gaukeln Falter und Leser über altbekannte Tipps und neue Denkweisen zum Garten fürs Leben. Dieses Buch wurde beim Deutschen Gartenbuchpreis 2021 von Schloss Dennenlohe in der Kategorie »Tiere im Garten« mit dem 2. Platz ausgezeichnet.
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Seitenzahl: 243
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Michael Altmoos
Besonders: Schmetterlinge
Kreativer Schmetterlingsschutz für Landschaft und Garten
Praxiswissen und Inspiration für vielfältige Lebensräume
Besonders: Schmetterlinge – Danke!
Mein besonderer Dank gilt meiner Familie, meiner Frau Ursula, meinen Kindern Sarah und Elisa, für die liebevolle gemeinsame Lebensreise samt Nahe-der-Natur-Museumsarbeiten, die fortwährt und eng mit Schmetterlingen verbunden ist. Sie schenkten diesem Buch Inspiration und lasen Teile kritisch Korrektur. Meine Eltern, Liane und Robert, gaben mir überhaupt erst die Chance, tieferes Interesse und Zuneigung zu Faltern und Menschen entfalten zu können, eine Entwicklung, die nie aufhören wird solange ich lebe.
Dankbar bin ich allen Fachleuten und Fotografen, die mir ergänzend zu den meinen auch ihre besonderen Blickwinkel und Bilder für das Buch übermittelten (Bildnachweise siehe Seite 208). Dem pala-verlag mit seinem kompetenten und engagierten Team gebührt großer Dank, ein solches teils ungewöhnliches Buch in bester Zusammenarbeit verwirklicht zu haben.
Eine Danksagung sollte eigentlich nicht anonym adressieren, aber ich tue es hier dennoch und von Herzen: Denn die Namen all der vielen Menschen kenne ich meist nicht, die seit 2012 unser Museum und »SchmetterlingsReich« in Staudernheim besuchten und mit mir sprachen. Sie prägten gerade dadurch dieses Buch mit: die vielen Fragenden, die mich auch zu sonst wenig beachteten Aspekten anregten und zu verständlichen Antworten zwangen. Die vielen Begeisterten, Kinder wie Erwachsene, die mir durch ihre so freudvollen Falterbeobachtungen zeigten, dass das menschliche Band zur Natur lebt und ein solches Buch es weiter stützen könnte. Und manche sensiblen Besucher, die mir teils mit Tränen in den Augen sagten, wie die vielen Schmetterlinge sie hier gerade in ihrer Lebenssituation berührt haben – und die damit ebenso mich tief bewegten: zum Buchschreiben und für noch viel mehr Schmetterlingsschutz.
So gibt es Hoffnung, dass es nie zu spät ist: für Naturschutz mit Herz und Verstand, mit und für uns Menschen. Daher möchte ich auch all jenen danken, die Flächen für Natur und Schmetterlinge bereitstellen und sich für sie einsetzen – ein jeder auf seine Art, an vielen Orten, gerne auch im weiteren Austausch, stets in lebendiger Vielfalt. Besonders: Schmetterlinge!
Michael Altmoos
Das Besondere …
Erste Flügelschläge
Besondere Augenblicke erleben:
Erwachen mit und für Falter
Erdgeschichtlich spannend – falterreiche Evolution:
Ur-Flügelschlag
Beziehungen von Menschen zu Schmetterlingen:
Alter Falter!
Auffliegen
Das Besondere an Schmetterlingen:
Ein Wunderwerk von Falterzwerg
Natürliche Fluktuationen, Räuber und Parasiten:
Auf und nieder, immer wieder
Regionale Variabilität und Individualität:
Falter als Persönlichkeiten
Gefahren, Chancen, Herausforderungen für Schmetterlinge:
Was steckt hinter dem Sterben?
Landen
Ein Alphabet für Schmetterlinge – die Idee!
A wie Ausmagern
B wie Brennnessel-Ecke und Brombeergebüsch
C wie Chemie
D wie Dunkel
E wie Eigenart
F wie Farben und Formen
G wie Gräser
H wie Hochstauden
I wie Igitt
J wie Jammern
K wie Kräuter
L wie Laubholz
M wie Mosaik
N wie Neobiota
Ö wie Ökotone
P wie Pflanzen
Q wie Quartier
R wie Rasen
S wie Steingärten
T wie Tohuwabohu
U wie Unterschlupf
V wie Vernetzung und Verbund
W wie Wildnis
XY ungelöst
Z wie Zeit
Gaukeln
Zusammenschau und Handlungsbereiche:
Sinfonie der Möglichkeiten
Individuelle Kombinationen:
Raum-Planung für Schmetterlinge
Wiederkehrende Grundzüge:
»Weltformel« für Falterplätze!?
Pflege von Schmetterlingsplätzen:
Bewässern?
Beispiel und Natur-Garten-Modell:
Schmetterlingsreich »Nahe der Natur«
Verwandeln
Die Metamorphose von Schmetterlingen – und Menschen
Veränderungen verblüffen:
Schmetterlingseffekte!
Wandel des Klimas:
Zusammenhänge mit Falterverständnis
Letzte Flügelschläge
Achtung vor dem Leben!
Erfassen, Sammeln, Forschen
Das andere Ende
Der Autor
Tabelle: Pflanzen für den Faltergarten
Kräuter und Stauden
Gehölze und Bäume
Besonderheiten
Anhang
Zum Weiterlesen und Weiterinformieren
Mitmachen und Engagieren
Bezugsquellen-Hinweise
Link-Auswahl
… an Schmetterlingen sind ihre Zartheit, Schönheit, ihre Formen und Farbenpracht, ihre Verwandlung, ihre … – sehen Sie selbst. Wunder der Natur! Kein Wunder, dass sie zu den beliebtesten Tieren zählen.
Schmetterlinge berühren auch persönlich. Ihnen folgend bin ich schon in so manchen Bergbach gefallen und im Matsch gelandet. Ihre Eleganz ist der meinen entgegengesetzt, wenn ich zum Fotografieren an sie herantapse – und sie kurz vor dem Auslösen doch auffliegen. Ich schaue dabei manchmal dumm aus, sie nie. Und doch fühle ich mich ihnen verbunden im Drang nach Leben und Freiheit, zwischen Scheitern und Aufstehen. Manche Erlebnisse, Geschichten und Erfahrungen als Ökologe und Naturschützer lasse ich in diesem Buch wahrlich auffliegen, um Sachverhalte zu illustrieren, aber auch, um Sie persönlich anzuregen. Das dient dem Hauptziel dieses Buches: gute Plätze, Räume und Flächen für Schmetterlinge gestalten.
Angesprochen sind Gärtnerinnen und Gärtner, Naturschutz-Interessierte, Planer und Profis, Gemeinden, Bewirtschafter von Flächen, ja alle, die auf Landschaften Einfluss nehmen können oder wollen. Aber auch wer nicht gestalten kann, gewinnt mit diesem Buch: Denn auf dem Weg zu Falterplätzen gibt es Einblicke in besondere Lebensweisen, in Umweltprobleme unserer Zeit, in Wissen um Natur und ihre Faszination: Naturschutz mit Denken!
Besonders Schmetterlinge! Sie stehen hier im Zentrum und beispielhaft dafür, wie alles in der Natur verwoben ist. Erst aber aus ökologischen Zusammenhängen, auch über Falter hinaus, entwickle ich die praktische Gestaltung. Damit statt Aktionismus gute Aktionen sinnvoll wirken. »Besonders« heißt in diesem Buch:
* Besonders praktisch – ein Alphabet für Schmetterlinge: Aus der Vielzahl an Aspekten, die wichtig für Schmetterlingsplätze sind, wähle ich die 25 Wesentlichen aus. Und zwar einprägsam als Alphabet. Die Macher unter uns finden 100 Praxistipps und 100 Schmetterlingspflanzen zur individuellen Anregung. Naturschutz funktioniert nicht in Schemata, sondern in vielfältiger Variation und unter Mitnahmewirkung für die ganze Natur. So gaukeln Falter und wir über altbekannte Tipps, über Gartenzäune und bisherige Denkgrenzen hinaus in die Freiheit.
* Besonders traumhaft: Wir wechseln an manchen Stellen die Perspektive, sehen mit Schmetterlingen die Welt mal anders und ziehen daraus Schlüsse. Wir finden anregende Analogien in ihrer Metamorphose zu unseren eigenen Anwandlungen und Verwandlungen. Ich spreche sogar mit vier weniger bekannten Faltern, und Sie können uns belauschen. Wer Schmetterlinge lachen hört …
* Besonders dringlich und umfassend: Angesichts eines Schmetterlingssterbens, das mit einer weltweiten ökologischen Krise verflochten ist, brauchen wir jetzt mehr besondere Lebensgestalter und Schmetterlingsschützer: Sie! Dabei geht es nicht nur um Tagfalter, sondern auch um Nachtfalter und Kleinschmetterlinge, um Raupen, Motten und Gespinste. Es geht ums Ganze. Weil alles miteinander verbunden ist: Mensch, Natur – Leben als Netzwerk!
Großer Perlmutterfalter (Argynnis aglaja) landet frei auf der Hand des Autors. Es kommt zusammen, was zusammen gehört: Menschen und Schmetterlinge.
Besonders nicht besonders: Ist Ihnen da ein »Besonders« zu viel? Wir verstehen uns. Denn natürlich kann ein Buch wie dieses keine Wunder vollbringen, auch wenn ich einige Wunder der Falter hervorhebe. Auch kann es kein Bestimmungsbuch oder Ökologiebuch ersetzen. Aber es bietet relevante Zusammenhänge, Falterbeispiele und so manche Überraschung in kompakter Form.
»Ich weiß, wie wenig ich weiß« ist der Leitsatz jedes tiefen Naturkenners. Hüten Sie sich vor denjenigen, die über Natur viel zu wissen vorgeben. Ich gehöre sicher nicht dazu. Aber ahnungslos bin ich doch nicht. Nach über 25 Jahren wissenschaftlichem Naturschutz über enge Fachgrenzen hinaus möchte ich, dass Sie nicht die Fehler machen, die ich früher teils machte. Gehen wir auf die besondere Reise zwischen Traum und Wirklichkeit, Gefühl und Wissen, Humor und Ernst. Das ist in der Kombination dann schon besonders – wie jeder Falter, jeder Mensch.
Grünader-Weißling (Pieris napi) an Bachnelkenwurz (Geum rivale)
Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein, ungestört
von Furcht die Nacht entdecken.
Der wird zur Pflanze, wenn er will,
zum Tier, zum Narr, zum Weisen,
und kann in einer Stunde
durchs ganze Weltall reisen.
Er weiß, dass er nichts weiß,
wie alle andern auch nichts wissen,
nur weiß er, was die anderen
und er noch lernen müssen.
Wer in sich fremde Ufer spürt, und Mut hat sich zu recken,
der wird allmählich ungestört
von Furcht sich selbst entdecken.
Carlo Karges (1951 – 2002) für die deutsche Rockband »Novalis« (1973) im Stil des Romantik-Dichters Von Hardenberg (Novalis, 1772 – 1801), der diese Worte aber nie schrieb.
Ein magischer Sonnenstrahl des Augenblicks beleuchtet das zufällige Treffen von Schwalbenschwanz (Papilio machaon) und Baumweißling (Aporia crataegi).
Waldbrettspiel (Pararge aegeria)
Besondere Augenblicke erleben
Ein Flügelschlag. Ganz zart und sanft. Es berührt uns.
Vergänglich. Er und wir.
Ein Flügelschlag, eingebunden in die Ewigkeit.
Die ewig weiter geht.
Seit Millionen von Jahren gibt es Schmetterlinge auf der Erde, sie veränderten sich, entwickeln sich weiter – ein Leben in unzähligen Generationen, eine Evolution in großer Vielfalt, die sich weiterentwickelt – wenn wir sie nicht zerstören. Und wir mittendrin, im Hier und Heute. Zukunft offen.
»Besonders Schmetterlinge« heißt, mit ihnen besondere Augenblicke zu erleben. Ich erinnere mich an prägende Erlebnisse. Geht es Ihnen ähnlich? Sie dürfen sich angeregt fühlen, nach eigenen Falter-Momenten zu suchen. Sie führen in eine Welt sanfter Flügelschläge, faszinierender Farben und Formen, voller Lebensfreude und Ideen. In eine Welt, die bedroht ist und gerettet werden kann.
Mannheim-Vogelstang, 1979: Als 12-jähriger Junge spielte ich zwischen den heimatlichen Hochhäusern mit Freunden Fußball. Nach einem Foul landete ich im weichen Moos. Mehr dazu in meinem Buch »Der Moosgarten«. Im selben Jahr gab es eine weitere Abzweigung: Mit jener Straßenfußballer-Gang unternahmen wir Fahrradausflüge in den nahen Käfertaler Wald, einen von Eichen und Kiefern dominierten lichtdurchfluteten Forst. Immer wieder flatterten braune Falter mit weißen Flecken um uns herum. Es waren Waldbrettspiele. Sie ließen sich vor allem in den Lichtflecken nieder. Wir machten uns einen Spaß daraus, selbst von Lichtfleck zu Lichtfleck zu springen, und entwickelten Fangspiele: In den Lichtflecken war man sicher. Wir waren das Waldbrettspiel! Das Leben war unbeschwert, diese Schmetterlinge schienen es auch. An anderen Tagen kam ich mit einem Freund und selbst gebautem Kescher, fing sie, betrachtete sie, ließ sie wieder frei. Ich begann, kindlich zu forschen, ohne dass mich jemand dazu angeregt hätte. Wie entsteht Naturinteresse? Ein jeder hat seine Geschichte. Blicken Sie um sich: Jeder Falter, jeder Tag ist immer wieder ein Anfang.
Schweizer Alpen, 1983: Verschwitzt wanderte ich als 16-Jähriger mit meinen Eltern durch das hochalpine Spöltal im Schweizer Nationalpark, dem größten Wildnisschutzgebiet Mitteleuropas seiner Zeit. Viele kleine Bläulinge setzten sich auf meine feuchten Arme, leckten am salzhaltigen Schweiß. Wie das kitzelte. Wir lachten das Tal voll. Auch sonst war das wilde Tal falterreich. Ein majestätischer Apollofalter schwebte vorbei. Ich sprang ihm hinterher und plumpste in den kleinen Seitenbach. Können Falter lachen? Bald tauchte die große Staumauer von Livigno auf, die zugleich Teil der Nationalparkgrenze und Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Italien ist. Schien das Tal unberührt, wurde mir dort – buchstäblich – betonhart klar, dass dies eine Täuschung war: Vieles wird reguliert, das Wasser, das Geschiebe des Wildbaches. Viel später, 2016, wurde festgestellt, dass aus der Staumauer Schadstoffe (Polychlorierte Biphenyle) in dieses doch streng geschützte Spöltal eingetragen werden. Ist eine Wildnis, deren Zufluss so verbaut ist, noch eine Wildnis, obwohl das Tal sonst frei von Bewirtschaftung ist? Wo beginnt Naturzerstörung, wo ergänzen sich Menschenwerke und Natur? Falter wurden für mich zu einer Spur der Natur. Auch heute noch kitzelt es mich angenehm, als würden Bläulinge an mir sitzen, wenn ich an die besondere Freiheit ungestalteter Flächen denke. Haben Sie auch ein »Naturschutz-Gefühl« – oder entsteht es?
Hochtannberggebiet in Österreich, 2009: Aus dem Jungen, der nur eine vage Ahnung hatte, wurde ein erwachsener Mensch, der jetzt immerhin weiß, wie wenig er weiß. Mit meiner Frau und unseren zwei Töchtern wanderte ich in den Bergen am Körbersee im Vorarlberg. Dort war ich schon als Kind, auch dort vertiefte sich meine Naturbegeisterung. Aber statt des kleinen Jungen rannten jetzt ein ehemaliger Junge, seine Frau und ihre kleinen Mädchen über die Wiesen. Uns fielen die dunklen Mohrenfalter auf. Ihre Flügel sind wie Sonnenkollektoren, sichern Wärme in rauer Bergwelt. Bald standen wir spaßeshalber mit unseren Armen da wie Mohrenfalter mit ihren Flügeln: Sonne tankend, sanft Arme auf und ab wippend. Andere Wanderer schauten irritiert: die Verrückten? Eine neue Entspannungsübung? Eine ältere Dame fragte, ob sie mitmachen dürfe. Na klar: Mohrenfalter-Yoga!
Insgesamt ist das Gebiet im Gegensatz zum Schweizer Nationalpark keine Wildnis, sondern eine Kulturlandschaft, harmonisch gestaltet von Mensch und Kuh – und Schmetterlingen. Ohne sie als Bestäuber, zusammen mit Wildbienen, wäre das Hochtal blütenärmer. Wir juchzten begeistert, wenn uns einer der Mohrenfalter umkreiste. Die Kleinste wich einmal aus und – plumps, rein in den kleinen Bach. Das kenne ich, erkenne mich – und meine zu erkennen: Schmetterlinge lachen doch.
Selber Tag am Abend: Ich las unseren Kindern aus dem Enid-Blyton-Klassiker »Der Berg der Abenteuer« vor. Die vier Abenteuerkinder wandern mit Eseln durch die Berge von Wales in ein »Tal der Schmetterlinge«, so heißt es im Buch wirklich. Ich liebe dieses Kopfkino und ein vager Gedanke entstand in mir: Kann man freie Flächen gezielt in ein solches Schmetterlingsparadies verwandeln?
Mohrenfalter (Erebia spec.), hier auf einer Bergwiese im Nationalpark Hohe Tauern (Osttirol)
Bendorf-Sayn, 2011: Wir unternahmen einen Ausflug in den »Garten der Schmetterlinge«, einen Glashaus-Zoo für bunte Falter der Tropen. Die Einrichtung war gut besucht, man kam tropischen Faltern ganz nah. Kann man das ähnlich mit heimischen Faltern machen? Unter Freilandbedingungen? Da ist es wieder: das »Tal der Schmetterlinge«, Schmetterlingsparadiese, Kindheitsabenteuer, Familienerlebnisse – und doch gerne erwachsen. Für unsere Natur. Wollen Sie das auch?
Staudernheim, 2020: »Wir nennen es SchmetterlingsReich«, so führte ich Besucher in unseren Schmetterlingsgarten, der Teil unseres Museums für Naturschutz in Staudernheim ist. Ideen haben Gestalt angenommen, aus gestern wurde heute, der große Traum zur kleinen Wirklichkeit. »Das ist ja das reinste Chaos«, unterbricht mich eine Dame entsetzt. »Nicht Chaos, und schon gar nicht rein, sondern alternative Ordnung«, lachte ich. »Es gibt viele Wege zum Schmetterlingsparadies. Sie können auch ordentlicher Unordnung machen.« Nun lachten alle. Und die vielen Falter bezaubern. Möchten Sie zaubern? Dieses Buch will »Magie« und Wissen weitergeben. Jetzt mit Wissen und Erfahrung, aufbauend auf Lebensgeschichten und Träumen – und doch tief in der Wirklichkeit.
Doch gehen wir zuerst in die Urzeit, in der erste Flügelschläge der Falter stattfanden. Denn erst aus Vergangenheit versteht man Gegenwart und gestaltet Zukunft.
Erdgeschichtlich spannend – falterreiche Evolution!
Tyrannosaurus rex hob nur kurz den Kopf. Ein flatterndes Ding umkreiste seine Riesenschnauze. »Will der da nur spielen?« Aber der winzige unbekannte Falter flog lautlos davon. Er wurde eins mit dem dämmrigen Himmel des Erdmittelalters, als kleine Pointe in jener Sekunde ziemlich ungenau 230 Millionen Jahre vor dem Erscheinen dieses Buches.
Schmetterlinge sind seit mindestens 300 Millionen Jahren auf der Erde, Saurier traten nach etwa 250 Millionen Jahren auf, und so bevölkerten »Ur-Falter« einst gemeinsam mit Dinosauriern diesen Planeten. Soweit man anhand von fossilierten Flügelschuppen in Norddeutschland rekonstruieren kann, waren die damaligen Falter braun-grau wie unsere heutigen Motten, die Nachtfalter sind. Während die großen Dinos vor allem infolge des Asteroideneinschlages vor etwa 66 Millionen Jahren ausstarben, entwickelten sich aus den überlebenden kleinen Flugsauriern Vögel, unsere heutigen Saurier, in derzeit rund 10 000 bekannten Arten. Die damaligen Schmetterlinge überlebten das Massensterben, das etwa 75 Prozent aller Lebensformen betraf, und entwickelten sich zur heutigen Formenvielfalt weiter.
Bild links: Weißfleck-Widderchen (Amata phegea) – erfahrene Lebenskunst an struktur- und blütenreichen Sonnenhängen, hier im Vinschgau (Südtirol)
Als Schmetterlinge im Laufe der Evolution im Erdzeitalter der Trias entstanden, gab es noch keine Blütenpflanzen, auf deren Nektar viele von ihnen heute angewiesen sind. Über ihre Ernährung ist wenig bekannt, möglicherweise ernährten sie sich von Moosen, Pflanzensäften oder Nährsalzen. Falter mit ihren Rüsselformen und Blüten mit ihren Formen haben sich erst später in wechselseitiger Abhängigkeit entwickelt (Co-Evolution). Früher dachte man, es wären zuerst die Blüten aufgetreten. An deren Nektar hätten sich die Falter angepasst. Nach neueren Erkenntnissen war es wohl umgekehrt. Zuerst gab es Falter, und nach ihnen entstanden Blumen mit ihrem Nektarangebot. Vielleicht gibt es nur deshalb so viele Blumen, weil es Schmetterlinge gibt.
Aktuelle Evolutionserkenntnisse zeigen, dass es zunächst nur Nachtfalter ähnlich unseren heutigen Motten gab. Die Szene mit Saurier und Falter könnte wohl in der Dämmerung geschehen sein. Ganz in Ruhe? Fledermäuse, heute wichtige natürliche Feinde der Nachtfalter, traten erst 200 Millionen Jahre später auf, ab etwa 80 Millionen Jahre vor heute. Früher dachte man, dass sich Hörmöglichkeiten der Nachtfalter später in Anpassung an Fledermäuse entwickelt hätten. Doch seit 2019 ist durch ein Team um Akito Kawahara von der Universität Florida belegt, dass schon frühe Nachtfalter weit vor Auftreten der Fledertiere einfache Rezeptoren für Schall und Töne hatten. Wozu das? Man spekuliert, dass sie damit ihre Umwelt, vielleicht auch frühe uns unbekannte Feinde, auf einfache akustische Art wahrnehmen konnten. Nach Auftreten der Fledermäuse bildeten sich aus einfachen Hörmöglichkeiten in Co-Evolution hochdifferenzierte Höranlagen. Manche Nachtfalter entwickelten selbst Ultraschalltöne, um die Fledertiere zu warnen oder zu verwirren. Andere bildeten Haare aus, eine Art Fell, die die Ultraschalllaute der Fledermäuse weniger gut reflektieren, und machten sich damit für sie fast unsichtbar. Andere Motten lassen sich bei Empfang eines Fledertierlauts nach unten fallen oder leben bodennah. Aber auch die Entwicklung der Fledermäuse ging und geht weiter. Alles Leben ist in dynamischer Abhängigkeit – miteinander!
Eine weitere Anpassung der frühen Nachtfalter gab es: Was würden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, tun, wenn es nachts zu gefährlich wird? Na klar, man kann das Leben am Tag probieren. Tatsächlich findet die Entwicklung von tagaktiven Schmetterlingen erst seit etwa 100 Millionen Jahren und verstärkt seit dem Auftreten der Fledermäuse statt. Allerdings legen neue Erkenntnisse der Universität Florida nahe, dass auch zuvor schon einige Falter tagaktiv aufgetreten sind, wahrscheinlich parallel zu frühen Bienen, die das erste Blühangebot neu nutzten und in Co-Evolution die Vielfalt an Pflanzen ebenfalls erhöhten. Wer kann zu einer guten Idee schon Nein sagen?
Die Tagfalter haben zwar keinen Stress mehr mit Fledermäusen, dafür stellen ihnen des Tags nun ausgerechnet die Nachfahren der Saurier nach, die sie einst überlebten: Vögel. Welch Ironie der Erdgeschichte! Falter mögen das für einen schlechten Witz halten, Vögel sehen buchstäblich die Superpointe. Weil aber letztlich alles zusammenhängt, lachen und weinen wir immer zusammen.
Beziehungen von Menschen zu Schmetterlingen
Menschen und Schmetterlinge sind seelenverwandt! Wie bitte? Wie können wir als »Wirbeltiere« uns mit so flüchtigen, niederen Tieren verbunden fühlen? Zunächst einmal meine ich das ganz wörtlich: und zwar im Altgriechischen. Dort heißt Schmetterling »psyche« – und das ist die Verkörperung der Seele. Nach antikem Verständnis fliegt nach dem Tod unsere Seele als Schmetterling davon. Wir alle sind flüchtig auf dieser Welt. Berühren uns deshalb so besonders die sanften Flügelschläge des Vergänglichen und die bunten Farben der Lebensfreude?
Eines meiner Lieblingsmosaike der Kunstgeschichte ist das »Memento mori« (Erinnere Dich des Todes / Umkehrschluss: Lebe bewusst) aus Pompeji, heute im Archäologiemuseum Neapel (in Pompeji: Kopie an Originalstelle): In einem Mosaikbild aus kleinen kolorierten Kalksteinen lauert im Mittelpunkt der Tod in Form eines Totenschädels, das Leben hängt an einem seidenen Faden. Reißt dieser, fliegt die Seele davon – in Form eines, na klar, Schmetterlings. Diese Darstellung ist auch deshalb so berührend, weil wir das Schicksal Pompejis kennen.
Ganz praktischer Art ist, dass Schmetterlinge seit rund 5000 Jahren als Nutztiere gehalten werden: Aus China kommt der Maulbeerspinner (Bombyx mori), auch Seidenspinner genannt. Aus Kokons der Puppen werden Seidenfäden abgewickelt, die zu feinsten Stoffen verarbeitet werden. Sollten Sie dieses Buch gemütlich im Seiden-Pyjama im Bett lesen, sind Sie vom Schmetterling wahrhaft bekleidet. Doch halten Sie inne: Der Seidenspinner wurde auf Hochleistung gezüchtet, inzwischen teils auch gentechnisch verändert, und die Puppen werden überwiegend bei lebendigem Leibe verkocht. Kriminell?
Ein derart angegriffener Segelfalter (Iphiclides podalirius) kann realtiv problemlos weiterleben. Aber seine harte Lebenserfahrung, gepaart mit Schönheit, geht uns nahe.
Aurorafalter (Anthocharis cardamines) sind Frühlingsboten und berühren offene Menschen in der Seele.
Einem Krimi gleicht die Ausbreitung der Seide. Einst waren Seidenspinnerraupen auf China begrenzt und wertvoll wie Gold. Unter abenteuerlichen Umständen wurden von Fahrensleuten Eier entwendet, um die begehrte Seide in Europa selbst herstellen zu können: Raubkopien – oder wie ich sagen würde: Raupenkopien! Davon ausgehend, änderten sich wirtschaftliche Machtverhältnisse in der Welt und die Seidenproduktion verbreitete sich. In Europa wurden Maulbeerbäume als Blattlieferanten zur Versorgung der Raupen gepflanzt, später auch zur Zierde. So fuhr ich als Jugendlicher mit dem Rad gerne auf die »Maulbeerinsel« meiner Heimatstadt Mannheim, eine Landzunge im Neckar mit alten Maulbeerbäumen. Unter ihnen las ich so manchen Krimi, während die Nachfahren des »Kriminalfalls Seidenraupe« Schatten spendeten.
Wissenschaftlich wurden Schmetterlinge von Carl von Linné (1707 – 1778) im 18. Jahrhundert »Lepidoptera« genannt, lateinisch für »Schuppenflügler«, weil ihre Flügel mit vielen kleinen Schuppen besetzt sind. In Teilen des deutschen Sprachraumes hießen sie lange Zeit »Sommervogel« sowie »Tagvogel« für Tagfalter und »Nachtvogel« für Nachtfalter. Ihr Ansehen war von eher zweifelhafter Natur: Im Aberglauben galten sie in weiten Teilen Europas als Verkörperung von Hexen, die angeblich Milch und Sahne stahlen. Sie »schmetterten« darin (früher stand »Schmetten« für »Sahne«), was unsere Vorfahren wohl nur begrenzt lustig fanden. Aber so setzte sich ab dem 18. Jahrhundert immer mehr unser heutiger Name »Schmetterling« durch, welcher vom Anfang des 16. Jahrhundert erstmals belegt ist, im Englischen »butterfly«. Die andere heutige Bezeichnung »Falter« kommt weniger von »falten«, obwohl dies angesichts ihrer Flügel passt, sondern hat Wortstämme im Mittelhochdeutschen wie »vivalter«, im Italienischen »farfalla«, und ist eher mit dem lateinischen »papilio« (»Falter«) und der heutigen französischen Bezeichnung »papillon« verwandt. Letzteres klingt doch schön und edel für unsere Butterschmetterer, Hexen oder Seelen, ganz wie Sie möchten.
Im 17. Jahrhundert, als Europa teils noch vom Aberglauben über »Butterschmetterer« und Hexen dominiert war, begann Maria Sybilla Merian, naturgetreue Schmetterlingsporträts zu zeichnen, die in ihrer Schönheit und Originaltreue bezaubern. Auch porträtierte sie den der breiten Bevölkerung weithin unbekannten Verwandlungszyklus. Ihre Bilder fanden als Stickvorlagen weite Verbreitung und trugen wohl auch zur langsam wachsenden Popularität von Faltern bei.
Schmetterlinge tauchten immer wieder in Literatur und Kunstwerken auf. Sehr inspiriert haben mich die Werke von Hermann Hesse und seine berühmte Kurzgeschichte »Das Nachtpfauenauge«, die vom Sammeln und Besitzen von Schmetterlingen handelt, und auch voller Menschlichkeit ist. Ab dem 18. Jahrhundert wurden vermehrt Schmetterlinge gesammelt, weil sie die Menschen faszinierten, weil sie schön und kunstvoll waren oder weil vermehrtes Forschungsinteresse erwachte. Die entstandenen großen Sammlungen zeugen heute von der großartigen Vielfalt, die es einst gab, und enthalten wichtige Vergleichsstücke. Das Sammeln von Schmetterlingen fand wiederum Eingang in Kunstwerke. Bekannt ist der »Schmetterlingsfänger« (1840) von Carl Spitzweg. Karikiert wurden Schmetterlingsfänger mit ihren Fangnetzen auch in Filmen. Wer gerne mal einen alten Winnetou-Film anschaut, wird sich über die Rolle des großartigen Edi Arent als Lord Castlepool amüsieren, der sehr frei nach Karl May den scheinbar trotteligen Natur- und Schmetterlingsforscher im Wilden Westen verkörpert und inmitten mancher Schießerei für Humor sorgt, dann aber doch recht treffsicher ist: mit Colt, Pointe und Schmetterlingskescher.
Wie tief solch ein Bild in vielen Köpfen sitzen kann, erfuhr ich auf komische Art in meiner Zeit am Umweltforschungszentrum Leipzig in den 1990er-Jahren: Ein Kollege nahm eines Tages einen Reporter der Lokalredaktion der Bild-Zeitung zu einer Untersuchung an Schmetterlingen in die Dübener Heide mit. Endlich sollte unsere wissenschaftlich wertvolle Arbeit der breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Mit Keschern wurde in brütender Hitze den ganzen Tag gefangen, freigelassen, erklärt. Wirklich harte Arbeit, gute Ergebnisse. Der Reporter schien begeistert. Am nächsten Tag lasen wir aber: »Während normale Menschen hart arbeiten, fangen die Forscher nur Schmetterlinge.« Und anbei ein Foto von uns, wie wir als Silhouetten doch frappierend nicht ganz eleganten Schmetterlingsfängern à la Spitzweg ähneln. Natürlich lachten wir über uns selbst, lernten aber auch viel über die Arbeit von Medien und Sender-Empfänger-Missverständnisse. Schmetterlinge zu untersuchen, wurde lange als nicht ernstzunehmende Beschäftigung angesehen. Doch das ändert sich.
Zufall des Augenblicks: alter Schönbär (Callimorpha dominula) auf jungem Schönbär (Homo sapiens) im »SchmetterlingsReich« Staudernheim
Schlagzeilen vom Insektensterben, auch »Schmetterlingssterben« und »Vogelsterben« gehen seit 2017 verstärkt durch die Massenmedien. Die grundsätzliche Entwicklung und viele Fakten sind uns Wissenschaftlern zwar schon lange bekannt, wenn auch nicht in allen Details. Aber endlich erreicht das die Breite der Bevölkerung. Manche Falter sind empfindsame Indikatoren (Zeiger) für Intaktheit oder Beeinträchtigungen ganzer Lebensräume. So ist das Verschwinden der Schmetterlinge ein Beispiel für fortlaufende Naturzerstörung. Ist das zarte, alte Band der Verbundenheit von Falter und Mensch zerfetzt? Oder durchdenken und greifen wir es neu auf?
Schmetterlinge sind stets beliebte Motive auf Kleidung, Tassen, Nippes aller Art, auch als Tattoos und Tätowierungen. Schmetterlinge gehen Menschen wohl in jeder Hinsicht unter die Haut. Lebend sind sie mir jedoch lieber. Lassen wir aus bloßen Motiven echte Motivation werden: mehr Wissen und Lebensräume für Schmetterlinge entwickeln! Das Band der Verbundenheit soll wieder aufleben.
Wir Menschen blicken auf Schmetterlinge. Wie aber sähen diese selbst die Welt? Wechseln wir die Perspektive und nehmen die uns ungewohnte Sicht von Faltern ein. Erleben wir drei Schmetterlingsarten – ein Tagpfauenauge, einen Schachbrettfalter (ab Seite 50) und einen Kaisermantel (ab Seite 154) –, die auch in Gärten vorkommen, zudem eine Forscher-Schaltung zum Distelfalter (ab Seite 176). Wir fliegen, träumen, lachen und leiden mit ihnen. Aber keine Angst: Das hier bleibt ein Sachbuch. Daher folgern wir aus den Erlebnissen Fakten, die helfen, Schmetterlinge zu verstehen.
Tagebuch eines Tagpfauenauges: normal unnormale Enthüllungen
Sensation! Im Steinbruch Staudernheim, »Nahe der Natur«, wurde das Tagebuch eines Tagpfauenauges (Inachis [Aglais] io) entdeckt. Wie es hinterlassen und entziffert wurde, darüber schweigen die Experten. Hier die Übertragung in unsere Schrift:
25. Mai Ei vorbei. Ich bin da als Räupchen. Hunger!
Brennnessel-Ecke
→ S. 61
26. Mai Bin nicht allein, wir sind viele, alle weiß-grün. Doch viele Eier blieben zu. Man munkelt was von Parasiten. Habe Angst. Aber noch mehr Appetit. Super Brennnessel, schön warm in der Sonne. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen.
30. Mai Fühle mich verspannt. Haut muss weg. Ich wachse schnell.
1. Juni Heute hat es Theo und Trine erwischt. Vom Himmel hoch, da kam es her. Mein Gott, ein Schnabelmonster! Obwohl wir doch für die als Raupen nicht wohlschmeckend sind. Das müssen die doch wissen! Na ja, die Ausbildung der Monster ist wohl auch nicht mehr das, was sie mal war.
3. Juni Habe Riesenhunger, den ganzen Tag, jeden Tag.
6. Juni Wir sind jetzt graubraun. Gespinstbau angesagt. Wir überziehen die Brennnessel. Schön kuschelig.
15. Juni Mal wieder Häutung. Verlasse Gespinst, das sich auflöst. Bin jetzt schwarz mit weißen Pünktchen. Schick.
Parasiten
→ S. 40
→ S. 81
16. Juni Tom und Tanja geht es nicht gut. Sind heute parasitiert worden. Kleine Fliege, dummer Piks. Frisst sie von innen auf. Mir geht es aber gut. Riesenhunger.
20. Juni Brennnessel ganz aufgegessen. Vor Hunger wechsle ich auf die nächste Brennnessel. Wir verteilen uns. Tschüss, Kumpels. Aber so viele sind gar nicht mehr da.
21. Juni Verdauungsprobleme. Viel gegessen. Heute Häutung. Mal wieder.
24. Juni Bin voll voll.
Hochgrasbestände
→ S. 73
26. Juni Kann nicht mehr warten. Habe stabilen Halm gefunden. Baue mit Fäden aus meiner Superdrüse eine Unterlage. Hänge mich auf. Werde Stürzpuppe. Ruhe jetzt.
30. Juni Die gekrümmte Haltung halte ich nicht mehr aus. Streife Haut durch kreisende Bewegung ab. Hula-Hoop. Als neue Puppe bin ich jetzt hellgrün wie junge Nesseln.
1. Juli Wechsle Farbe auf Graugrün, dann Braun und habe zwei Reihen schöne glänzende Dornen. Bin schickste Puppe am Hang und gut getarnt: Schnabelmonster fliegen vorbei.
Zeit geben, Zeit genießen
→ S. 135
2. Juli Wieder Glückstag. Die Sonne scheint. Kein Parasit zu spüren. Ruhe.
Raupe (letztes Stadium) des Tagpfauenauges (lnachis io)
Metamorphose
→ S. 163
14. Juli Guten Morgen, liebe Sorgen. Bin gerade aus Puppe geschlüpft. Aber was sind das für Lappen auf meinem Rücken? Ich werde verrückt: Flügel! Wenn das nur mit dem Aufklappen und Trocknen nicht so lange dauern würde. Pumpen und pumpen, Blut und Luft rein in die Flügel.
15. Juli Mein erster Flug war toll. Mein bester Trick: Ich kann jetzt den Schnabelmonstern ausweichen. Und wenn ich meine Super-Flügel aufklappe, sehen die riesige Augen. Echt gefährlich. Das meinen die. Ich aber bin Pazifist. Ehrlich.
Hochstauden und lila Blüten
→ S. 76
16. Juli Ich brauche Nektar, süß und stark. Brennnessel ist nur was für Kinder. Die violetten Tankstellen mag ich am liebsten. Da kommt ein Kumpel. Thorsten?
Wert von Disteln
→ S. 107
18. Juli Als Pazifist machte ich mal Pause. Weil ich schon länger hier bin und viel geschickter fliege, habe ich gerade Thorsten vertrieben. Mein Revier gönne ich nur mir. Nur zum Trinken finden wir uns auf großen Blüten wie Disteln zusammen. Bin dann doch wieder Pazifist.
Buddleja
→ S. 97
19. Juli Habe Schmetterlingsflieder entdeckt. Super Gebräu. Viele Falter da. Die sind schon besoffen, hocken oft nur still da. Tassilo ist dabei von Schnabelmonster gefressen worden. Das ist jetzt nicht nur Pech, Leute: haltet Maß!
Blühwiesen,Steifen-Mahd→ S. 114
1. August Habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Gaukeln, Gammeln und Genießen. Viel Durst! Wiesen aber alle abgemäht. Jetzt räumt diese seltsame zweibeinige Senkrecht-Riesenraupe auch meine Disteln ab. Warum zerstört sie das letzte und beste Buffet?
20. September Das Leben ist schön. Habe wieder Schuppen verloren. Muss immer weiter fliegen, um satt zu werden.
Winterquartier→ S. 109
24. November Jetzt wird es kalt. Will ich in das Astloch, den Fuchsbau oder will ich den Gartenschuppen für den Winter nehmen? Darf nicht zu warm sein, sonst verbrauche ich zu viel Energie. Aber vor Wasser muss ich geschützt sein. Entscheide mich für den Schuppen, wofür ist der wohl sonst da? Hänge mich auf. Gute Nacht, Freunde und frohe Weihnachten, bleibt mir fern.
2. März Aufgewacht, nachgedacht. Was für eine Sonne, auch wenn alles noch kahl ist. Wie kommt man aus diesem verdammten Schuppen raus? Zum Glück hat die, wie heißt die nochmal, die Senkrecht-Riesenraupe eine Schaufel geholt, da bin ich mit rausgeflogen. Bin wieder hier, in meinem Revier. Auf zu neuen Taten, Aufbau unserer neuen Population – durch mich, den Überwinterer: baut auf, baut auf …
Frühblüher im Garten
→ S. 105
3. März
