Bestandespflege im Forst - Ralf Grießer - E-Book

Bestandespflege im Forst E-Book

Ralf Grießer

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Beschreibung

Ob Kleinwaldbesitzer oder großer Forstunternehmer - dieses Buch bietet Ihnen eine praktische Anleitung für die erfolgreiche Waldwirtschaft. Das Spektrum reicht von der Pflanzung der Jungbäume über den Pflanzenschutz, die Waldpflege bis zur Erstdurchforstung und Wertästung. Lesen Sie hier, was Sie in einem gesunden und ertragreichen Wald unternehmen müssen, damit sich die Waldwirtschaft rechnet.

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Ralf Grießer/Michael Neub

Bestandespflege im Forst

Von der Pflanzung zum erntereifen Bestand

2., aktualisierte Auflage

185 Farbfotos und -zeichnungen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1Vor der Pflanzung

1.1Naturverjüngung und Pflanzung

1.2Pflanzgutbeschaffung

1.2.1Die Pflanzfläche richtig berechnen

1.2.2Zeitpunkt der Pflanzung

1.3Wildlingsgewinnung

1.4Pflanzenübernahme

1.4.1Der schnelle Pflanzen-Check

1.5Pflanzeneinschlag

1.6Schonender Pflanzentransport

1.7Wurzelschnitt

2Vorbereiten der Kulturflächen

2.1Im Pflanzverband

2.2Übernahme der vorhandenen Naturverjüngung

2.3Abstand halten

2.4Grenzabstände nach dem BGB

3Die wichtigsten Pflanzverfahren im Blick

3.1Mindestanforderungen an die Pflanzung

3.2Pflanzentransport auf der Fläche

3.3Persönliche Schutzausrüstung zur Pflanzung

3.4Gängige Pflanzverfahren

3.4.1Die Winkelpflanzung

3.4.2Pflanzen im Rhodener Verfahren

3.4.3Pflanzen mit dem Hohlspaten

3.4.4Pflanzen mit dem Göttinger Fahrradlenker

3.4.5Die Königsbronner Schlaglochpflanzung

3.4.6Einsatz des Neheimer Pflanzspatens

3.4.7Maschinelle Pflanzung

4Forstpflanzen und das Wild

4.1Verbiss, Schälen und Fegen

4.2Maßnahmen gegen Wildschäden

4.2.1Waldbauliche Maßnahmen

4.2.2Einzelschutz gegen Verbiss

4.2.3Einzelschutz gegen Fegen

4.2.4Einzelschutz gegen Verbiss und Fegen

4.2.5Flächenschutz

5Kulturpflege

5.1Auskesseln, Gassen- und Flächenschnitt

5.2Arbeiten mit Freischneider, Kultursense und Zweihandheppe

6Freischneider als Allrounder

6.1Gerät und Einsatzzweck müssen zusammenpassen

6.2Das richtige Werkzeug

6.3Schutzausrüstung und Arbeitssicherheit

6.4Das Gurtsystem richtig einstellen

6.5Wartung muss sein

7Die Bestandespflege

7.1Planung der Bestandespflege

7.1.1Gefahren für den Jungbestand

7.1.2Erfassen des Ist-Zustands

7.1.3Kriterium Lichtbedarf

7.1.4Kriterium Wurzelform

7.1.5Kriterium Bestandesstruktur

7.1.6Kriterium Schlussgrad

7.1.7Kriterium Baumabstand

7.1.8Kriterium Stabilität

7.2Pflegebeginn und Pflegeprinzip

7.3Maßnahmen der Bestandespflege

7.3.1Schlagpflege

7.3.2Mischwuchsregulierung

7.4Bestandespflege nach der Mischwuchsregulierung im Nadelholz

7.4.1Arbeiten im Nadelholz ab 2,0 m

7.4.2Arbeiten im Nadelholz ab 5,0 m

7.4.3Bestandespflege ab 12,0 m mit Wertastung

7.4.4So gelingt die Wertastung

7.4.5Bestandespflege bei einer Oberhöhe von 15 m

7.5Bestandespflege im Laubholz

7.5.1Negative Auslese bei einer Oberhöhe von 10,0 und 13,0 m

7.5.2Positive Auslese bei einer Oberhöhe von 17,0 m

8Unfallverhütung bei der Bestandespflege

8.1Gefahren erkennen und vermeiden

8.2Persönliche Schutzausrüstung

8.3Sicherheitseinrichtungen an der Motorsäge

8.4Sicherheit ist planbar

8.4.1Rettungstreffpunkt absprechen

9Schnitttechniken bei der Bestandespflege

9.1Schnitttechnik bis 12 cm BHD

9.1.1Schrägschnitt

9.1.2Schrägschnitt mit Führungsband

9.1.3Abstocken

9.1.4Abklotzen

9.1.5Klappschnitt

9.2Schnitttechnik über 12,0 cm BHD

9.3Ringeln

10Durchforstung

10.1Methoden der Durchforstung

10.2Die Vorratspflege

10.2.1Der Saumhieb

10.2.2Der Femelhieb

10.2.3Der Schirmschlag

10.2.4Der Plenterwald

11Erschließen eines Bestandes

11.1Anlegen von Rückegassen

11.2Anlegen von Lager- und Polterplätzen

12Borkenkäfer-Monitoring

12.1Biologie der Borkenkäfer

12.2Gefährdete Baumarten und Bestände

12.3Erkennen von befallenen Bäumen

12.4Maßnahmen zur Bekämpfung

12.5Aufstellen von Fallen

12.5.1Das Fangergebnis beurteilen

12.6Vorbeugende Maßnahmen

Service

Wichtige Adressen

Infomaterialien

Bildquellen

Vorwort

Die Bewirtschaftung des Waldes mutet in einer von Schnelllebigkeit geprägten Zeit fast anachronistisch. Denn das Leben und Arbeiten mit dem Wald ist eine Generationen übergreifende Aufgabe. Entsprechend ist der Wirtschaftswald, so wie wir ihn heute vorfinden, das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung und dem Bemühen der Eigentümer um Nachhaltigkeit aller Maßnahmen. Dabei haben sich die Anforderungen an den Wald – sei es seitens seiner Besitzer, insbesondere aber durch gesellschaftliche Veränderungen – vom reinen Rohstoff- und Energielieferant zum Klima- und Wasserstabilisator, zum Ort des Rückzugs, der Erholung und Freizeitaktivität verbreitert. Waldbewirtschaftung findet daher heute unter den kritischen Augen einer medial geprägten Öffentlichkeit statt, muss sich erklären und in einem enger werdenden Netz von politischen und naturschutzrechtlichen Vorgaben bewegen. Das ist für jeden Waldbesitzer mindestens eine genauso große Herausforderung, wie den Wald vor dem Hintergrund des Klimawandels für morgen „fit zu machen“.

Mit vielen praxisnahen Hinweisen leistet das vorliegende Buch einen Beitrag zur nachhaltigen und standortgerechten Bewirtschaftung, angefangen von der Pflanzung bis zum hiebsreifen Bestand. Dabei ist die Arbeitssicherheit ein wichtiger Aspekt.

Die Idee für diesen Ratgeber entstand aus der langjährigen Zusammenarbeit von Forstwirtschaftsmeister Ralf Grießer und Dipl.-Ing. agr. Michael Neub für die vom Verlag Eugen Ulmer verlegte Fachzeitschrift BWagrar. Ralf Grießer ist bei ForstBW (AöR), Forstbezirk Altdorfer Wald im Landkreis Ravensburg für Ausbildung und Schulung zuständig; Michael Neub betreut als Redakteur bei BWagrar das Fachgebiet Waldbau.

1Vor der Pflanzung

Waldbaulich kann es notwendig oder sinnvoll sein, gezielt Bestandeslücken durch eine Pflanzung zu schließen. Beispielsweise nach planmäßigen Nutzungen, Sturm oder Käferholzanfall. Nicht immer reicht in solchen Fällen die Kraft der vorhandenen Naturverjüngung. Diese kann sich sogar mit unerwünschten Baumarten vollziehen. Daher ist die Pflanzung das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, Mischbaumarten wie Wertlaubhölzer einzubringen und der Waldentwicklung neue Impulse zu geben. Entscheidend ist jedoch, die Pflanzung als Instrument der nachhaltigen und standortgerechten Waldbewirtschaftung zu verstehen.

Bevor Sie eine Fläche wieder aufforsten/anpflanzen oder die vorhandene Naturverjüngung in den Folgebestand übernehmen, sollten Sie eine Reihe von Vorüberlegungen anstellen. Dabei spielt der Standort eine große Rolle für die Baumart. Er hat maßgeblichen Einfluss auf waldbauliche, wirtschaftliche und ökologische Ziele. Je besser Standortfaktoren und Baumart zusammenpassen, desto besser wächst diese (Maße, Leistung, Ertrag).

Abb. 1. Jeder Wald ist anders und nicht überall entspricht die vorhandene Naturverjüngung den waldbaulichen Zielen. Mit der Pflanzung kann lenkend eingegriffen werden.

Bei der Beurteilung des Standorts sind vier Hauptkriterien wichtig:

– Klima (Lufttemperatur, Niederschlag, Windverhältnisse, …),

– örtliche Lage (Meereshöhe, Hanglage, Hangrichtung, …),

– Bodenart und

– vorhandene Vegetation.

Unter Berücksichtigung dieser natürlichen Gegebenheiten gilt es, die waldbaulich passende Baumart auszuwählen.

Bei der Pflanzung sollten Sie auch darauf achten, dass Sie keine Reinbestände aufbauen und immer eine genügende Anzahl an Mischbaumarten einbringen. Dadurch reduzieren Sie die Gefahren durch Schädlingsbefall, Sturm und andere Einflussfaktoren. Wichtig ist, dass die Mischbaumarten zueinander passen (Umtriebszeit, Wuchsverhalten, …). Dabei sollten die Baumarten mit ihren unterschiedlichen Lichtansprüchen und Wurzelsystemen gemischt werden.

In den meisten Fällen werden die Bäume nicht einzeln gemischt. Diese Mischform ist sehr pflegeintensiv. Von einer Einzelmischung spricht man auch, wenn eine Baumart in regelmäßigen Abständen, beispielsweise 5,0 x 5,0 m oder 10,0 x 10,0 m, auf der Pflanzfläche eingebracht wird. Beispiele dafür sind Wildkirsche, Douglasie und Lärche. Häufig gehen allerdings diese einzeln beigemischten Baumarten unter oder man findet sie nicht mehr.

Brauchen Hauptbaumart wie Eiche und Kiefer eine dienende Baumart zur Schaftpflege oder Bodenverbesserung, so wird diese in der Reihenmischung gepflanzt. Ein Beispiel wäre das Pflanzen von zwei Reihen Eichen und einer Reihe der dienenden Baumart.

Die dienende Baumart steht im Unter- beziehungsweise im Zwischenstand und soll dem Hauptbestand (Oberschicht) dienen. Daher werden in den Hauptbestand, der zum Beispiel aus reinen Lichtbaumarten wie Eiche, Kiefer, … besteht, immer Schatt- beziehungsweise Halbschattbaumarten (Winterlinde, Hainbuche, …) gepflanzt. Diese erfüllen wichtige dienende Funktionen:

– Durch die Beschattung des Stammes sterben die Äste natürlich ab.

– Durch die Windruhe werden keine Nährstoffe ausgetragen und der Boden trocknet nicht so schnell aus.

– Das Regenwasser tropft langsam über die Blätter vom Unter- beziehungsweise Zwischenstand auf den Boden und kann dadurch besser vom Boden aufgenommen werden.

– Durch die Mischbaumarten im Unter- beziehungsweise im Zwischenbestand erhöht sich die Artenvielfalt im Bestand und es entsteht dadurch keine Monokultur.

– Fällt ein Baum in der Oberschicht des Hauptbestandes aus, kann ein Baum aus dem Zwischenbestand die Lücke in der Oberschicht ausfüllen.

In der Praxis bewährt hat sich das Pflanzen der Baumarten in Gruppen (eine Baumlänge), horstweise (ein- bis zwei Baumlängen) oder kleinflächig (zum Beispiel 70 % Nadelholz und 30 % Laubholz).

1.1Naturverjüngung und Pflanzung

Bei der Begründung eines Waldbestandes ist es wichtig, dass dieser aus stabilen und standortgerechten Baumarten entsteht. Ein neuer Bestand kann durch Anflug flugfähiger Samen (Fichte, Tanne, Kiefer, Ahorn), Aufschlag nicht flugfähiger Samen des Vorbestandes (Buche, Eiche) oder mittels einer künstlichen Verjüngung (Begründen eines Bestandes durch Pflanzung oder Saat) entstehen.

Leider ist die Naturverjüngung nicht überall standortgerecht und Wind, Schnee, Käferbefall und andere Faktoren zwingen uns, Flächen künstlich zu verjüngen (siehe 2.2). Vielfach muss man jedoch die vorhandene Naturverjüngung übernehmen und die Fehlstellen mit einer Ergänzungspflanzung schließen.

In der Praxis stellt sich dann immer die Frage, ob die vorhandene Naturverjüngung von Altbeständen übernommen werden kann oder die Fläche künstlich verjüngt werden muss. Um die Situation vor Ort sorgfältig beurteilen zu können, gibt es einige hilfreiche Fragekriterien:

– Ist die Naturverjüngung für den Standort geeignet?

– Sind die Samenbäume von guter Qualität?

– Sind Mischbaumarten vorhanden oder können diese noch durch eine Ergänzungspflanzung eingebracht werden?

– Ist die Naturverjüngung gleichmäßig auf der ganzen Fläche vorhanden oder müssen größere Flächen durch eine Ergänzungspflanzung geschlossen werden?

– Wurde der Altbestand nach einem Naturereignis (Sturm, Schnee, Käfer, …) vor dem flächigen Anflug der Naturverjüngung geerntet?

– Lässt der Bodenbewuchs einen Anflug von Naturverjüngung auf der ganzen Fläche zu?

Bedenken Sie auch, dass die Ergänzungspflanzen im Gegensatz zur Naturverjüngung unterschiedliche Startbedingungen haben (Pflanzschock, Lichtverhältnisse, Pflanzgröße, Kultursicherung, …).

Wenn die Voraussetzungen für die Übernahme der Naturverjüngung stimmen, sind die ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile sehr groß. Allerdings müssen Sie auch die hohen Qualitätsanforderungen an die Holzernte beachten, wenn Sie die vorhandene Naturverjüngung übernehmen wollen und dadurch höhere Pflegekosten anfallen. Die Entscheidung können aber nur Sie vor Ort treffen, gegebenenfalls unter Mithilfe des örtlichen Revierleiters.

1.2Pflanzgutbeschaffung

Herkunft, Vertrieb und Handel mit forstlichem Saat- und Pflanzgut sind im Forstvermehrungsgutgesetz (FOVG vom 22.05.2002) geregelt. Derzeit unterliegen 28 Baumarten diesem Gesetz (zehn Nadelhölzer und 18 Laubhölzer).

Ziel ist, wertvolle, leistungsstarke und stabile Bestände zu sichern, die sich besser an die ständig verändernden Umweltbedingungen anpassen können. Dabei spielt das Herkunftsgebiet eine wichtige Rolle. Die Herkunftsgebiete sind in Landschaftsgebiete mit annährend den gleichen Wuchsbedingungen (Höhenlage, Temperatur, Niederschlag, …) eingeteilt.

Für die eingangs erwähnten 28 Baumarten, die dem Forstvermehrungsgutgesetz unterliegen, gibt es je nach Baumart oder Baumartengruppen eigene Herkunftskarten. Der Saatbaum soll aus dem gleichen Herkunftsgebiet stammen, wo die Saat oder das Pflanzgut verwendet wird. Die Forstbehörden können Ihnen eine Herkunftsempfehlung geben.

Das forstliche Pflanzgut, das Sie in der Pflanzschule kaufen, stammt aus amtlich zugelassenen Erntebeständen in den jeweiligen Herkunftsgebieten. Diese Waldbestände müssen gewisse Kriterien aufweisen (Leistung, Form, Gesundheitszustand, …), damit sie für diese Art der Nutzung zugelassen werden. Das verwendete Pflanzgut ist zu rund 90 % in die Gütekategorie „Ausgewählt“ eingestuft. Dies sind Waldbestände, die nach bestimmten Qualitätskriterien (Geradschaftigkeit, Astigkeit, …) ausgewählt wurden.

Abb. 2. Bestände zur Gewinnung von Vermehrungsmaterial müssen besonderen Kriterien entsprechen.

Für den Eigenbedarf dürfen Sie auch aus Ihrem Wald Saat- und Pflanzgut (Wildlinge) gewinnen. So können Sie mit eigenem Ausgangsmaterial eine künstliche Verjüngung oder eine Ergänzungspflanzung in Ihrem Wald durchführen (siehe 1.3).

Wenn Sie als Privatwaldbesitzer eine Pflanzmaßnahme im Frühjahr oder Herbst planen, können Sie das Pflanzgut selbst bei einer Pflanzschule Ihrer Wahl vor Ort bestellen. Von den Forstämtern wird häufig auch angeboten, dass die Privatwaldbesitzer ihre Pflanzen in der Sammelbestellung des Forstamtes mitbestellen können. Wichtig ist in beiden Fällen, dass Sie sich rechtzeitig um die Pflanzbestellung kümmern sollten.

Auf dem gelieferten Bund der Pflanzen finden sich neben den Angaben zur Baumart und zum Herkunftsgebiet auch noch die Altersbezeichnung und die Größe. Die Pflanzen aus der Pflanzschule werden nach Alter und Größe angeboten und verkauft. Zum Beispiel steht „1+1“ und „30/50“ auf dem Etikett. 1+1 bedeutet folgendes: Die erste Zahl steht für das Saatbeet und die zweite Zahl für das erste Verschulbeet. Die oben genannte Altersangabe der Pflanze gibt uns an, dass sie jeweils ein Jahr im Saatbeet und ein Jahr im ersten Verschulbeet stand. Somit ist diese Pflanze beim Verkauf zwei Jahre alt. Die Pflanzgröße 30/50 bedeutet, dass die Pflanzen Längen zwischen 30 und 50 cm aufweisen.

Es werden auch immer mehr Sämlinge in Forstbetrieben verwendet, die je nach Baumart nur ein Jahr oder maximal zwei Jahre im Saatbeet stehen. Stehen Sämlinge länger als ein Jahr im Saatbeet, werden diese im zweiten Jahr mit einem speziellen Unterscheidemesser unterschnitten, damit die Wurzelgröße nicht über 25 cm geht. Der Grund hierfür liegt darin, dass man mit den aktuellen händischen Pflanzverfahren nur Pflanzen mit einer Wurzelgröße bis maximal 25 cm setzen kann.

Weil der Anwachserfolg einer Pflanzung nicht nur von der Witterung abhängt, sondern auch von der Pflanzgröße, der richtigen Behandlung und dem geeigneten Pflanzverfahren, sollten Sie bei der Pflanzgutbeschaffung folgendes beachten: Je kleiner Sie die Pflanzen wählen, umso ungestörter kann sich die Wurzel entwickeln und desto geringer ist der Pflanzschock. Kleinere Pflanzen sind zudem preislich günstiger, die Wurzel muss nicht auf das Pflanzverfahren zurechtgeschnitten werden und das Setzen geht einfacher. Gegen kleine Pflanzen spricht nur die Gefährdung durch Konkurrenzpflanzen wie Adlerfarn, Brombeere und Himbeere oder Verbiss und Verfegen durch Wild.

Um die Lieferung im Frühjahr rechtzeitig bewerkstelligen zu können, heben die Pflanzschulen einen Teil der Pflanzen schon im Herbst aus und lagern diese bis ins Frühjahr im Kühlhaus ein. Beim Ausheben der Pflanzen spielt die Witterung eine große Rolle, da mit schweren Maschinen in die Beete gefahren werden muss. Das kann im Frühjahr Probleme bereiten.

1.2.1Die Pflanzfläche richtig berechnen

Bei der Pflanzenbeschaffung kommt es häufig vor, dass zu viele Pflanzen bestellt werden. Um dies zu vermeiden, sollten Sie auf der anstehenden Pflanzfläche eine genaue Zustandserfassung durchführen. Erheben Sie zuerst die gesamte Fläche durch Abstecken, Vermessen mit Fluchtstäben und Maßband. Dann werden die Bereiche abgezogen, wo keine Pflanzen gesetzt werden können. Das sind beispielsweise Flächen, auf denen in ausreichender Zahl Standortgerechte und qualitativ passende Naturverjüngung steht, die übernommen werden kann, oder Rückegassen und Hindernisse (Stöcke, Blocküberlagerung, …), wo keine Pflanze gesetzt werden können. Außerdem halten Sie einen ausreichenden großen Abstand zum bestehenden Bestand und Wegrändern ein. Oft bleibt dann von der tatsächlichen Pflanzfläche nicht mehr viel übrig. Es lohnt sich also immer, die Pflanzfläche so genau wie möglich zu erheben.

Die tatsächliche zu setzende Pflanzfläche, dividiert durch den Pflanzverband der Baumart (siehe Kapitel 2. 1.) ergibt die Anzahl der Pflanzen an, die bestellt werden muss.

1.2.2Zeitpunkt der Pflanzung

Der Zeitpunkt der Pflanzung hängt von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise von der Witterung, der Flächengröße, der Pflanzmenge, der Arbeitskapazität und der Baumart. Wintergrüne Nadelbäume pflanzen Sie am besten im Frühjahr, da die Wurzeln meist periodisch wachsen (zum Beispiel Fichte im Mai und ab Mitte August). Andernfalls sind Ausfälle durch Frosttrocknis zu erwarten. Wurzelnackte Laubbäume und Lärchen können vor dem Austreiben im Frühjahr unter Ausnutzung der Winterfeuchte oder nach Abschluss des Triebwachstums im Herbst gesetzt werden. Bei der Pflanzung im Frühjahr sollten Sie daher immer zuerst die früh treibenden Laubbeziehungsweise Nadelbäume (Kirsche, Ahorn, Lärche) setzen.

Die unempfindlichen Forstpflanzen werden wurzelnackt gesetzt. Die empfindlichen Forstpflanzen wie Douglasie und Lärche werden immer häufiger als Topfpflanzen gesetzt. Topfpflanzen haben gegenüber der wurzelnackten Pflanzen den großen Vorteil, dass diese fast das ganze Jahr (frostfreie Zeit) gesetzt werden können.

1.3Wildlingsgewinnung

Bei der Pflanzung müssen Sie nicht unbedingt Pflanzen aus der Pflanzschule verwenden. Alternativ können Sie auch Wildlinge aus einer geeigneten Fläche in Ihrem Wald gewinnen. Dabei ist es wichtig, dass die dort gezogenen Wildlinge standortgerecht sind. Um die Wildlinge beim Ziehen im Wurzelbereich nicht zu beschädigen, sollte das Wetter regnerisch, der Boden tiefgründig, locker und sandig bis lehmig sein, damit der Verlust an Wurzelmasse so gering wie möglich ist. Dies kann durch Auflockern des Bodens mit einer Grabgabel unterstützt werden. Wildlinge mit beschädigten Wurzeln werden sofort aussortiert. Wählen Sie den Ort der Wildlingsgewinnung so aus, dass mindestens vier bis fünf verwertbare Wildlinge pro Quadratmeter gezogen werden können (rationelle Gewinnung). Um eine gleichmäßige Wurzelausformung zu gewährleisten, sollte das Gelände eben bis schwach geneigt sein.

Diese Wildlinge sind gegenüber gekauften Pflanzen günstiger, standortbewährt und können je nach Bedarf frisch gezogen werden. Der Verbiss durch Rehwild ist bei Wildlingen auch geringer, da diese nicht gedüngt sind wie Pflanzen aus der Pflanzschule.

Bei der Gewinnung von Wildlingen ist darauf zu achten, dass

– sie aus dichten Naturverjüngungen gewonnen werden,

– der Anteil der grünen Krone hoch ist,

– nur wipfelschäftige Wildlinge bei Laubholz gezogen werden,

– die Wildlinge nicht zu groß und zu alt sind,

– nur qualitativ hochwertige Pflanzen ohne äußerliche Schäden gezogen werden und

– nur so viele gezogen werden, wie gesetzt werden müssen.

Nach dem Ziehen müssen die Wildlinge sofort in Transportsäcke gepackt werden. Beachten Sie auch beim Ziehen der Wildlinge die Lichtverhältnisse. Kommt ein Wildling, der im Schatten der Altbäume aufgewachsen ist, auf eine Freifläche, so hat dieser große Probleme mit den neuen Lichtverhältnissen.

1.4Pflanzenübernahme