Bewegungsapparat Hund - Mima Hohmann - E-Book

Bewegungsapparat Hund E-Book

Mima Hohmann

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Beschreibung

Alles ist miteinander verbunden und hat einen Sinn

Plastisch angefertigte Muskeln an echten Knochen zeigen die Zusammenhänge des gesamten Bewegungsapparates des Hundes. In weit über 900 einzigartigen Bildern zu jedem einzelnen Muskel des Bewegungsapparates erkennen Sie den Zusammenhang von funktioneller Anatomie, Biomechanik und Pathophysiologie. Ausführliche Beschreibungen und übersichtliche Steckbriefe runden das Bild ab.

Zahlreiche Hinweise erläutern die Bewegungsabläufe, das Zusammenspiel der einzelnen Muskelgruppen und eventuellen Störungen. Dieses Buch ist eine wertvolle Lernhilfe und ein immer nützliches Nachschlagewerk. Es zeigt die klinischen Aspekte auf und erleichtert Ihnen, das Wissen praktisch anzuwenden.

Diese aktualisierte Auflage wurde um diverse Pathologien und umfangreiches Bildmaterial erweitert, besonderes mit Blick auf die multiplen Wirbeldeformationen.

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Seitenzahl: 830

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Bewegungsapparat Hund

Funktionelle Anatomie, Biomechanik und Pathophysiologie

Mima Hohmann

3., überarbeitete und erweiterte Auflage

930 Abbildungen

Vorwort zur 3. Auflage

Die Wissenschaft und die Praxis bringen immer wieder neue Erkenntnisse, was mich natürlich freut, da sie das Wissen um die Anatomie, die Bewegung und die praktische Tätigkeit und mich persönlich voranbringen. Meine Mutter pflegte immer zu sagen: „Man wird älter als eine Kuh und lernt immer noch dazu!“ in diesem Sinne hoffe ich, dass das Buch auch ihnen weiterhilft.

Es wurde ein neues Kapitel über Krallen, Krallenveränderungen und die damit einhergehenden Probleme eingefügt, des Weiteren ein Kapitel über Gleit-, Schalt- und Überganswirbel und ein Kapitel über Lahmheiten, die nicht vom Bewegungsapparat ausgelöst werden, er aber involviert ist.

In diesem Buch wurden wieder mal neue Bilder eingefügt, u.a. von einer Bandscheibe und ihrer Verankerung zwischen zwei Wirbeln, neue Röntgenbilder u.a. beim CES, Bilder eines Labradors mit Bindegewebsschwäche und einige kleine Anmerkungen hinzugefügt. Wissen Sie, bei welchem Tier keine Bewegung in der Brust- und Lendenwirbelsäule stattfindet? Wussten Sie, dass der Muskelursprung und -ansatz kein Punkt, sondern eine Auftauch- oder Abtauchstelle ist? Nein? Dann sollten Sie dieses Buch lesen.

Einige Leserinnen und Leser fragten mich, warum bei den unterschiedlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates keine gängigen medikamentösen oder chirurgischen Therapien erwähnt werden. Der Grund: Es würde den Rahmen des Buches sprengen, da z.B. beim Kniegelenk alleine über 30 verschiedene Methoden existieren, das Knie zu operieren. Manche Kolleginnen und Kollegen behaupten sogar, dass noch mehr Methoden möglich sind und da sprechen wir nur vom Kniegelenk – ohne medikamentöse Behandlung, geschweige denn von den anderen Gelenken, Bändern, Sehnen, Muskeln oder Faszien. Es werden nur kleine Praxistipps aus physiotherapeutischer oder homöopathischer Sicht erwähnt. Diese ersetzen aber nicht den Besuch bei einem Tierarzt, wenn es um die Diagnose bei einer Erkrankung geht.

Freude beim Lesen, Spaß beim Lernen und Erfolg beim Umsetzen des Wissens.

Mima Hohmann

Leipzig, Oktober 2024

Vorwort zur 2. Auflage

Lieber Leserinnen und Leser,

auch wenn man denkt, die Anatomie bleibt doch gleich, was soll man denn da noch Neues dazu schreiben, bleibt doch die Wissenschaft nicht auf der Stelle stehen. Sie bewegt sich und aus diesem Grunde habe ich diese Auflage um die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung und meine Praxiserfahrungen erweitert.

So wurden größere Ergänzungen in den Kapiteln über die Knochen und Knorpel, im Gelenkkapitel, in den Abschnitten über das Ellbogengelenk, das Karpal- und Tarsalgelenk, die Patella, die Zehengelenke, die Brustwirbelsäule und das Sakroiliakalgelenk eingefügt. Das Muskelkapitel wurde mit der Untersuchung der Schultersehnen komplett neu erweitert. Kleinere Neuerungen und Ergänzungen noch zu erwähnen, würde hier allerdings zu weit führen. Lassen Sie sich einfach überraschen.

Kleine Schreibfehler wurden selbstverständlich auch korrigiert. Ich hoffe, dass Sie keine mehr in diesem Buch vorfinden. Falls doch, schreiben Sie mich bitte an. Über weitere Anregungen oder Ideen von Ihnen für die 3. Auflage würde ich mich sehr freuen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg beim Lesen und Umsetzen.

Mima Hohmann

Leipzig, September 2017

Vorwort zur 1. Auflage

„Ein Vorwort ist für ein Buch so wichtig und so hübsch wie der Vorgarten für ein Haus. Natürlich gibt es auch Häuser ohne Vorgärtchen und Bücher ohne Vorwörtchen, Verzeihung, ohne Vorwort. Aber mit einem Vorgarten, nein, mit einem Vorwort sind mir die Bücher lieber. Ich bin nicht dafür, dass die Besucher gleich mit der Tür ins Haus fallen. Es ist weder für die Besucher gut, noch fürs Haus. Und für die Tür auch nicht.“ Erich Kästner kann ich da nur zustimmen.

Während des Studiums der Veterinärmedizin habe ich die Muskeln mit Ansatz, Ursprung, Funktion und Innervation in mich hineingepaukt, wie es viele vor mir getan haben und wie viele es nach mir tun werden, ohne wirklich zu realisieren, welche Funktion der einzelne Muskel oder die Muskelgruppe hat. Welche Muskeln sind notwendig, um die Pfote zu heben oder den Kopf zu wenden? Man lernte nur einzelne Muskeln, keine Muskelgruppen, Muskelketten oder Funktionseinheiten. Später, im normalen Praxisalltag, kommt man kaum noch dazu, sich mit Muskelfunktionen oder Muskelketten auseinanderzusetzen, außer als Chirurg oder wenn man physiotherapeutisch arbeitet.

Dabei hat sich die Evolution so viel dabei gedacht, den Organismus zu bewegen. Die Genialität des Bewegungsapparats mit seiner vollendeten Statik und Dynamik zu erkennen, finde ich faszinierend. Der Knochen ist kein totes Material, er lebt und kann sich durch Umgestaltung der Knochenstruktur an veränderte Bewegung anpassen, außerdem stabilisiert und bewegt er mithilfe der Muskeln den Körper. Kein Muskel agiert alleine. Es sind immer Muskelketten, die eine komplette Bewegung ermöglichen.

Welcher Muskel ist nun für welche Bewegung zuständig, wo ist sein Ursprung, sein Ansatz? Man kann schon verzweifeln, wenn man nur ein Anatomiebuch besitzt und eine diesbezügliche Darstellung fehlt. Warum also noch ein Buch über den Bewegungsapparat des Hundes? Die meisten Anatomiebücher für Veterinärmediziner befassen sich mit der deskriptiven und der topografischen Anatomie der Tiere. Wie sieht es aber mit den funktionellen Gesichtspunkten der einzelnen Strukturen wie z. B. eines Muskels oder eines Gelenks in diesen Büchern aus? Meist wird nur sehr kurz auf die Funktion einer einzelnen Struktur oder eines Organs eingegangen, aber die Gesamtsicht fehlt leider.

Grundanliegen dieses Buches ist es, ein Verständnis für die tiefen Zusammenhänge, Verflechtungen und Beziehungen zwischen den verschiedenen Funktionen und Strukturen wie Knochen, Bändern, Sehnen, Gelenken und Muskeln innerhalb des Körpers, respektive eines Hundekörpers, zu schaffen und anschaulich darzustellen. Aber um den Körper als ein lebendiges Ganzes zu sehen, muss man erst einmal seine „Einzelteile“ und ihre einzigartige Struktur und Funktionsweise betrachten. Dies darzustellen und die vorhandenen Wechselbeziehungen aufzuzeigen und dem Leser bildhaft darzustellen, das ist das Anliegen dieses Buches.

Es wurde unter anderem auch für die kommende Generation der Studierenden der Veterinärmedizin geschrieben, damit sie schon während des Studiums ein besseres Verständnis für die Bewegung des Hundes entwickeln können. Des Weiteren richtet es sich aber auch an alle physiotherapeutisch und osteopathisch arbeitenden Kolleginnen und Kollegen, Tiertherapeuten und Tiertrainer, die sich möglichst umfassend und dennoch mit einem gewissen Praxisbezug über die funktionelle Anatomie informieren oder damit intensiver auseinandersetzen möchten.

Ich wünsche allen Lesern, dass Sie sich von meinem Enthusiasmus für dieses Thema anstecken lassen und sich mehr Menschen für den Bewegungsapparat, respektive für die funktionelle Anatomie des Hundes interessieren werden und mehr geforscht wird.

Mima Hohmann

Leipzig, Juni 2015

Widmung

Dieses Buch widme ich allen zwei- und vierbeinigen Freunden, die mich gelehrt haben zu beobachten, zu sehen, zu fühlen, Zusammenhänge zu erkennen und mein Herz zu öffnen.

Geleitwort

„Bewegung ist Leben“ – dies trifft auf Mensch und Tier in gleicher Weise zu. Bewegung ist Voraussetzung für Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit unserer Haustiere und hängt ganz entscheidend von einem gesunden und funktionierenden Bewegungsapparat ab. Dies betrifft nicht nur Hochleistungssportler wie Windhunde und Gebrauchshunde, sondern auch den Dackel oder Labrador von nebenan mit einem Bandscheibenvorfall oder einer Kniegelenksarthrose nach einem vorderen Kreuzbandriss.

Erkrankungen des Bewegungsapparats sind von großer Bedeutung in der Veterinärmedizin und der Tierphysiotherapie. Das Wohl unserer Tiere hängt direkt mit der Fähigkeit und Möglichkeit, sich schmerzfrei bewegen zu können, zusammen. Zahlreiche Erkrankungen des Bewegungsapparats sowie Verletzungen durch Unfälle oder Überbeanspruchung schränken die Bewegungsfähigkeit aufgrund der mit ihnen einhergehenden Schmerzen ein.

Profunde Kenntnisse der funktionellen Anatomie, der Biomechanik und der Pathophysiologie sind die Grundlage jedweder professionellen und erfolgreichen Diagnostik und Therapie am Bewegungsapparat. Für die Tierphysiotherapeuten sind diese Kenntnisse schlichtweg unverzichtbar. Das vorliegende Buch von Frau Dr. Hohmann deckt damit für die Diagnostik, aber insbesondere für die Therapie, ganz entscheidende Disziplinen und Bereiche ab. Das Wissen aus diesen Bereichen wird sowohl im Überblick als auch im Detail sehr umfassend dargestellt. Der Anwendungsbezug insbesondere in der Physiotherapie und das funktionelle Verständnis werden durch die überaus zahlreichen, sehr instruktiven und anschaulichen Abbildungen hergestellt. Eine herausragende Besonderheit sind die extra für dieses Buch angefertigten anatomischen Muskelmodelle, die von der Autorin in akribischer und geduldiger Kleinarbeit an einem Hundeskelett modelliert wurden und die funktionelle Anatomie von Muskeln und Muskelgruppen sehr einprägsam präsentieren und nachhaltig vermitteln.

Frau Dr. Hohmann ist eine außerordentlich erfahrene und erfolgreiche Kleintierärztin, Physiotherapeutin, Homöopathin und Buchautorin mit einer Leidenschaft für funktionelle Anatomie. Ihre Erfahrung aus der täglichen Arbeit mit Patienten in der Praxis und ihr enormes praktisches und theoretisches Fachwissen verbinden sich in dem vorliegenden Buch in einzigartiger Weise zum Wohle der Patienten. Dieses Buch ist eindeutig aus der Praxis für die Praxis geschrieben. Dabei ist es Frau Dr. Hohmann gelungen, eine enorme Fülle an anatomischen und pathophysiologischen Fakten im Kontext der praktischen Anwendung zu vermitteln; eine sehr gelungene Synthese aus theoretischem Faktenwissen und seiner praktischen Anwendung. Für eine erfolgreiche Physiotherapie des Bewegungsapparats sind jenseits des anatomischen Grundverständnisses und Überblicks oftmals sehr genaue Detailkenntnisse zu Struktur und Funktion erforderlich. Diese Informationen sind in Frau Dr. Hohmanns neuestem Buch verfügbar. Den fachlichen Bedürfnissen der Tierphysiotherapie am Kleintierpatienten wird dieses Buch in hervorragender Weise gerecht, es ist ein einzigartiges Nachschlagewerk für Tierärzte, Tierphysiotherapeuten und Studierende für deren tägliche Arbeit am Patienten.

Möge dieses Buch weite Verbreitung und das in ihm verfügbare Wissen tägliche Anwendung an zahlreichen Patienten finden. Frau Dr. Hohmanns Werk schafft zweifelsohne Grundlagen zur erfolgreichen Tierphysiotherapie des Bewegungsapparats zahlreicher Patienten und liefert so einen wertvollen Beitrag zum Wohlbefinden unserer Haustiere. Ganz im Sinne der eingangs genannten Feststellung: „Bewegung ist Leben“.

Prof. Dr. med. vet. Ch. K. W. Mülling

Leipzig, Januar 2015

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Vorwort zur 3. Auflage

Vorwort zur 2. Auflage

Vorwort zur 1. Auflage

Widmung

Geleitwort

Teil I Grundlagen

1 Bewegung ist Leben

1.1 Einleitung

1.2 Evolution der Bewegung

1.2.1 Definition der Bewegung

1.2.2 Evolutionäre Gründe für Bewegung

1.2.3 Voraussetzungen für Bewegung

1.2.4 Störungen der Bewegung

1.3 Allgemeines zur Bewegung

1.3.1 Orientierung

1.3.2 Bewusste Bewegung

2 Statik und Dynamik des Hundes

2.1 Statik

2.2 Statikveränderungen und deren Folgen

2.2.1 Statikveränderungen, Knochenumgestaltungen und gestörte Gelenkfunktionen

2.2.2 Statikveränderungen und Muskelfunktionsstörungen

2.3 Bewegungsdynamik des Hundes

2.3.1 Schwerkraft und Antischwerkraftmuskel

2.3.2 Messungen des Brems- und Beschleunigungsweges

3 Schwerpunkt und Unterstützungsfläche

3.1 Schwerpunkt

3.2 Die Unterstützungsfläche

3.2.1 Physiologische Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die Unterstützungsfläche

3.2.2 Pathologische Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die Unterstützungsfläche

Teil II Grundlagen der Anatomie

4 Der Knochen

4.1 Einleitung

4.2 Allgemeiner Aufbau

4.2.1 Bestandteile des Knochens

4.2.2 Makroskopischer Aufbau

4.2.3 Mikroskopischer Aufbau

4.3 Knochenformen

4.4 Statik des Knochens

4.5 Funktion des Knochens

4.6 Knochenwachstum

4.6.1 Die Knochendichte

4.7 Knochenabbau

4.7.1 Knochen und Alter

4.8 Der piezoelektrische Effekt

4.9 Folgen des Bewegungsmangels für den Hund

4.10 Funktions- und Wachstumsstörungen der Knochen

5 Das Gelenk

5.1 Einteilungen der Gelenke

5.2 Der Gelenkaufbau

5.2.1 Die Gelenkflächen

5.2.2 Der Gelenkknorpel

5.2.3 Gelenkkapsel (Capsula articularis)

5.2.4 Synovia

5.2.5 Gelenkbänder

5.2.6 Intraartikuläre Strukturen

5.3 Allgemeine Biomechanik eines Gelenks

5.3.1 Gelenkbewegungen und Gelenkbeweglichkeit

5.4 Die Gelenke im Einzelnen

5.4.1 Rumpf-Schulter-Gelenk

5.4.2 Das Schultergelenk (Art. humeri)

5.4.3 Das Ellbogengelenk (Art. cubiti)

5.4.4 Das Radioulnargelenk (Art. radioulnaris)

5.4.5 Das Karpalgelenk (Art. carpi)

5.4.6 Die Zehengelenke der Vorderextremität

5.4.7 Pfoten und Krallen

5.4.8 Die Wirbelsäule

5.4.9 Das Sakroiliakalgelenk (SIG)

5.4.10 Das Hüftgelenk (Art. coxae)

5.4.11 Das Kniegelenk (Art. genus)

5.4.12 Das Tarsalgelenk (Art. tarsi, Sprunggelenk)

5.4.13 Die Zehengelenke der Hinterextremität

6 Die Muskulatur – Bewegungsantrieb Nr. 1

6.1 Anatomie der Muskulatur

6.1.1 Aufbau des Muskels

6.1.2 Funktion des Muskels

6.1.3 Muskeltypen und Kontraktionsformen

6.2 Der wachsende Muskel

6.3 Der verkürzte Muskel

6.4 Der alternde Muskel

6.5 Die Muskelkette

6.6 Hilfseinrichtungen der Muskulatur

7 Markante Knochenpunkte und tastbare Muskeln

7.1 Einleitung

7.2 Der Körper im Ganzen

7.2.1 Frontalansicht

7.2.2 Kaudalansicht

7.2.3 Lateralansicht

7.2.4 Dorsalansicht

7.2.5 Ventralansicht

7.3 Der Kopf

7.4 Die Vordergliedmaße

7.5 Die Hintergliedmaße

Teil III Funktionelle Anatomie

8 Die Bewegung des Hundes

8.1 Die Bewegungsarten des Hundes

8.1.1 Bewegung ohne Ortsveränderung

8.1.2 Bewegung mit Ortsveränderung

8.1.3 Die Selbststabilisierung der Gliedmaße

8.2 Die Gangarten des Hundes

8.2.1 Der Schritt

8.2.2 Der Trab

8.2.3 Der Passgang

8.2.4 Der Galopp

8.2.5 Der Sprung

8.2.6 Die Schrittlänge

8.3 Die Beweglichkeit des Hundes

8.4 Beweglichkeit der Vordergliedmaße und Hintergliedmaße

9 Muskeln in Bewegung mit Untersuchungsgang und Pathophysiologie

9.1 Grundlagen

9.1.1 Kenndaten der Muskeln

9.1.2 Synergisten und Antagonisten

9.2 Muskeln der Vordergliedmaße im Überblick

9.2.1 Funktionsgruppen der Vordergliedmaße

9.2.2 Muskeln des Schultergürtels

9.2.3 Eigenmuskeln der Schultergliedmaße

9.3 Muskeln der Vordergliedmaße im Detail

9.3.1 Muskeln des Schultergürtels

9.3.2 Muskeln des Schultergelenks

9.3.3 Muskeln des Ellbogengelenks

9.3.4 Muskeln des Radioulnargelenks

9.3.5 Muskeln des Karpalgelenks

9.3.6 Muskeln der Zehengelenke

9.3.7 Die Vordergliedmaße im Querschnitt

9.4 Muskeln der Wirbelsäule im Überblick

9.4.1 Die autochthone Rückenmuskulatur

9.4.2 Die epaxiale und hypaxiale Stammmuskulatur

9.4.3 Übersicht über die Muskeln des Stammes

9.5 Muskeln der Wirbelsäule im Detail

9.5.1 Muskeln der Halswirbelsäule

9.5.2 Muskeln der Brustwand

9.5.3 Muskeln der Bauchwand

9.5.4 Muskeln der Lendenregion

9.5.5 Muskeln der Rute

9.5.6 Die Wirbelsäule im Querschnitt

9.6 Muskeln der Hintergliedmaße im Überblick

9.6.1 Funktionsgruppen der Hintergliedmaße

9.6.2 Muskeln des Beckengürtels (innere Lendenmuskeln)

9.6.3 Eigenmuskeln der Beckengliedmaße

9.6.4 Die Hintergliedmaße und die Schrittlänge

9.7 Muskeln der Hintergliedmaße im Detail

9.7.1 Muskeln des Beckengürtels (innere Lendenmuskeln)

9.7.2 Eigenmuskeln der Beckengliedmaße

9.7.3 Muskeln des Kniegelenks

9.7.4 Muskeln des Tarsalgelenks

9.7.5 Muskeln der Zehengelenke

9.7.6 Die Hintergliedmaße im Querschnitt

10 Klinischer Bezug zu ideomotorischen Bewegungen

10.1 Grundlagen

10.2 Praktische Beispiele

Teil IV Anhang

11 Glossar

12 Literaturverzeichnis

13 Schlusswort

Autorenvorstellung

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum/Access Code

Access Code

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Impressum

Quelle: Zeel – endlich wieder beweglich. Broschüre der Firma HEEL, 2012 |

Teil I Grundlagen

1 Bewegung ist Leben

2 Statik und Dynamik des Hundes

3 Schwerpunkt und Unterstützungsfläche

2 Statik und Dynamik des Hundes

2.1 Statik

Statik befasst sich mit dem Gleichgewicht von Kräften, die sich auf einen belebten oder unbelebten Körper auswirken. Beim Hund bedeutet Statik die Wahrung der unbewegten Haltung im Stand und Ruhe des Tierkörpers im dreidimensionalen Raum. Das Eigengewicht des Hundes wird dabei gegen den Schwerpunkt und die Schwerkraft eingesetzt. Dort, wo sich ventrale und dorsale Kräfte des Hundekörpers im Gleichgewicht befinden, liegt der Schwerpunkt. Der Schwerpunkt des Hundes ist nur ein imaginärer Punkt und die Schwerkraft zieht nur an diesem Punkt. Der Körper bleibt so lange im Gleichgewicht, wie das Lot des Schwerpunktes die Unterstützungsfläche trifft. Die ▶ Unterstützungsfläche beim Hund ist die kleinste Fläche, die die Kontaktstellen aktivierter Körperabschnitte mit der Unterlage einschließt. Dabei befinden sich die Gliedmaßen im Stand in Extension und die Brust-Rücken-Becken-Linie verläuft parallel zum Untergrund. Der Kopf wird durch den Hals und den Nacken im Gleichgewicht gehalten. Stehen ist also nur durch Reflexaktivität möglich. Über verschiedene Rezeptoren wie z. B. Dehnungs- und Mechanorezeptoren, durch seine aktiven Lokomotionszentren und durch die Arbeit des vestibulären Systems ist der Hund erst in der Lage, zu stehen und sich zu bewegen.

Die physiologische Haltung des Hundes gewährleisten Stützstrukturen wie Bänder, Sehnen, Faszien, Knochen und Gelenke. Für die Körperhaltung im Raum und für seine Bewegungen sind dynamische Strukturen wie die Muskeln und ihre sehnigen Anheftungen zuständig.

Die Körperkonstruktion des Hundes wird mit einer „Bogensehnenbrücke“ ( ▶ Abb. 2.1) verglichen. Die Brust- und Lendenwirbelsäule und das Becken mitsamt ihrer Muskulatur und der Sehnen stellen den Brückenbogen dar. Der Brückenbogen ist gekennzeichnet durch seine Beweglichkeit, seine Elastizität durch die Zwischenwirbelscheiben, die verspannenden Ligamente sowie seine Tragfähigkeit. Die Brückensehne wird aus dem Brustbein, der Linea alba und der Bauchmuskulatur gebildet.

Die Bogensehne wird mit dem Brückenbogen über die Rippen, die schiefe Bauchmuskulatur und deren Aponeurosen verbunden. Durch diese Konstruktion ist die „Bogensehnenbrücke“ eine hochbelastungsfähige Einheit.

Abb. 2.1 Die „Bogensehnenbrücke“. Blau: Druckbeanspruchung. Die große blaue Sprungfeder stellt die Muskelschlinge der Vordergliedmaßenaufhängung, die kleinen Sprungfedern die Gelenke dar, die den auftretenden Druck bei Bewegung abfangen. Stoßdämpferfunktion. Rot: Zugbeanspruchung. Die große rote Sprungfeder stellt die ventrale Brust- und Bauchmuskulatur dar, die den Druck abfängt.

Die Vordergliedmaßen sind flexibel mit der Bogensehnenbrücke verbunden. Der Brustkorb des Hundes ruht geradezu in einem muskulösen Tragegurt. Dieser wird aus dem M. serratus ventralis und den Mm. pectorales gebildet. Durch den muskulösen Tragegurt wird der Zug der Bogensehne nur indirekt auf den Brückenbogen übertragen und die Bewegungen des Tieres werden elastisch und stoßbrechend abgefangen. Aus diesem Grund ist in der Abbildung an der Vordergliedmaße die „Bogensehnenbrücke“ als stoßdämpfende Metallfeder dargestellt. Die Hintergliedmaßen sind im Gegensatz dazu relativ fest (über das Kreuzbein) mit der Bogensehnenbrücke verbunden. Dadurch wird der Druck direkt von den Hintergliedmaßen auf das Becken und auf den Brückenbogen übertragen.

Durch die vordere Stütze, gebildet aus Kopf und Hals, und die hintere Stütze, bestehend aus Kreuzbein und Schwanz, kann der Körper die auf ihn wirkenden Kräfte während des Standes und in Bewegung ausgleichen. Der Körperschwerpunkt kann durch die vordere Stütze problemlos durch Heben oder Senken der Kopf-Hals-Verbindung verlagert werden.

Die Gliedmaßen wirken in der Statik und Dynamik als regelrechte Hebelwerke der Bogensehnenbrückenkonstruktion. Die Vordergliedmaßen fungieren als Auffanghebelwerke, die das Gewicht, das die Hintergliedmaßen bei Bewegung verursachen, auffangen und abfedern. Die Hintergliedmaßen dagegen dienen als Wurf- oder Stemmhebelwerke, die die Hauptschubkräfte für die Vorwärtsbewegung liefern. Durch die Fixierung der gewinkelten Hebelwerke durch Bänder, Sehnen und Muskeln wird das Einknicken verhindert ( ▶ Abb. 2.2, ▶ Abb. 2.3). Hier sind besonders die Antischwerkraftmuskeln gefragt.

Abb. 2.2 Schematische Darstellung statisch wichtiger Bauelemente des Stammes des Hundes. 1 Nackenstrang, 2 Lig. supraspinale, 3 Ligg. sacroiliaca dorsalia, 4 Lig. sacrotuberale, 5 Linea alba, 6 Lig. inguinale, 7 M. spinalis et semispinalis thoracis et cervicis, 8 M. longissimus, 9 M. iliocostalis, 10 M. obliquus externus abdominis, 11 M. obliquus internus abdominis, 12 M. transversus abdominis, 13 M. rectus abdominis, 14 Mm. intercostales, 15 Mm. interspinales, 16 M. splenius, 17 Mm. scaleni, 18 M. sternocephalicus, 19 gerade und schiefe Kopfmuskeln.

(Quelle: Nickel R, Schummer A, Seiferle E. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere, Band 1: Bewegungsapparat. Parey 2003)

Abb. 2.3 Schematische Darstellung statisch wichtiger Bauelemente des Stammes und der Gliedmaßen beim Hund. 1 Nackenstrang, 2 Lig. supraspinale, 3 Ligamenta sacroiliaca dorsalia, 4 Lig. sacrotuberale, 5 Linea alba, 5' Lig. inguinale, 6 gerades Kniescheibenband, 7 M. spinalis et semispinalis thoracis et cervicis, 8 M. longissimus, 9 M. iliocostalis, 10 M. obliquus externus abdominis und übrige Bauchmuskeln, 11 M. psoas minor, 11' seine Sehne, 12 Mm. interspinales, 13 Mm. scaleni, 14 M. sternocephalicus, 15 M. splenius, 16 gerade und schiefe Kopfmuskeln, 17 Halsportion des M. serratus ventralis, 18 M. biceps brachii, 19 M. triceps brachii, 20 M. extensor carpi radialis, 21 M. flexor digitorum superficialis, 22 M. flexor digitorum profundus, 23 Mm. interossei, 24 M. quadriceps femoris, 25 M. biceps femoris, 26 M. tibialis cranialis, 27 M. flexor digitorum superficialis, 28 M. flexor digitorum profundus.

(Quelle: Nickel R, Schummer A, Seiferle E. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere, Band 1: Bewegungsapparat. Parey 2003)

2.2 Statikveränderungen und deren Folgen

Viele Erkrankungen des Hundes können zu Veränderungen in der Statik führen. So können z. B. muskuläre und nervale Erkrankungen, degenerative oder entzündliche Veränderungen an den Bandscheiben, den Wirbelkörpern und Gelenkknochen Schmerzen auslösen, die sowohl als Folge wie auch als Ursache die Statik maßgeblich beeinflussen ( ▶ Tab. 2.1 ). So kann z. B. durch eine Instabilität in einem Gelenk die ausgelöste Nozizeption die segmentale Muskulatur hemmen. Infolgedessen werden die Bänder in diesem Gebiet gereizt und es entsteht mit der Zeit eine Entzündung. Wird die Entzündung nicht erkannt, reagiert der Körper mit einer Kompensationsreaktion: Es erfolgt eine Verfestigung im betroffenen Gebiet durch Verquellung des Gewebes, später kommt es sogar zur Verknöcherung wie z. B. bei einer Ellbogenarthrose oder Spondylose. Durch diese Veränderungen kommt es zu funktionell beeinträchtigten Bewegungen in den Gelenken und in deren Folge zu Stellungsveränderungen in den verschiedenen Körperteilen. Bei Schon- und Fehlstellungen werden manche Gelenke vermehrt beansprucht bis hin zur Überbeanspruchung.

Tab. 2.1 

Mögliche Störanfälligkeiten des Bewegungsapparats.

Teil des Bewegungsapparats

Funktion

Knochengerüst

gewährleistet Stabilität des Bewegungsapparats

Gelenke

Stabilitätsfaktor für die Statik

Bewegungsfaktor für die Dynamik

Muskulatur

dient der Gelenkbeweglichkeit

tonische Muskulatur erhält die Statik

phasische Muskulatur dient der Dynamik

Rezeptoren an Gelenken und in Muskeln

vermitteln Haltung, Stellung und Bewegung im dreidimensionalen Raum

dienen der Schadensabwägung durch verschiedene Rezeptoren

ermöglichen die Flucht

2.2.1 Statikveränderungen, Knochenumgestaltungen und gestörte Gelenkfunktionen

Aufgrund von skelettären Entwicklungsstörungen während des Wachstums durch Fehlernährung, diverse Vorerkrankungen des Welpen oder falsche Vorbehandlungen kann sich z. B. ein Gelenkpartner nicht richtig ausbilden. Es kommt im betroffenen Gelenk zu einer lokal gesteigerten Kraftübertragung auf den zweiten Gelenkpartner und der belastete Knorpel geht infolge der überhöhten Druckbelastung mit der Zeit zugrunde. Dabei wird auch die Federungsfunktion des Knorpels geringer. Bei Bewegung wirken sich die an- und abschwellenden dynamischen Kräfte negativ auf das Gelenk aus und der Knorpel wird weiter abgebaut und der Knochen eventuell sogar umgestaltet.

Folgen der Gelenkfunktionsstörung: Der Organismus versucht die Störungen im „normalen“ Funktionsablauf zu kompensieren. Der Circulus vitiosus der Dysbalance nimmt seinen Anfang. Die tonische Muskulatur inhibiert auf spinaler Ebene die phasischen Antagonisten, in Folge wird die phasische Muskulatur geschwächt und es kommt zur Gelenkfehlstellung. Das propriozeptive Feedback der Dysbalance wird verstärkt und für die abgeschwächte Muskulatur werden vermehrt Synergisten eingesetzt. Diese verstärken die Fehlstellung noch.

Die tonische Muskulatur wird bereits bei einer Gelenkfehlstellung um einige Grad stimuliert und die Verkürzungsneigung der Muskulatur aktiviert. Die veränderte Muskelbelastung führt zu einer funktionellen Anpassung. Die entstehende Dysbalance der Muskulatur kann zu Stellungsänderungen der Gelenkpartner und/oder des Nachbargelenks (Achsenabweichungen, Winkeländerungen, Rotationen) und/oder zu Instabilitäten im Gelenk führen.

Palpatorische Veränderungen bei einer Gelenkfunktionsstörung treten in Form von Einschränkungen des bestimmungsgemäßen Gebrauchs der anatomischen Struktur auf, z. B. durch ein gestörtes Gelenkspiel, harte Federung, reflektorische Veränderungen oder Schmerzen, und führen letztendlich zu Bewegungseinschränkungen.

Durch Verschiebung der Gelenkpartner gegeneinander werden besonders die exponierten Processus belastet, meist sogar überlastet. Im schlimmsten Fall führt die Fehlstellung des Gelenks zur Processusfraktur.

Der Organismus versucht natürlich dem im Gelenk entstehenden Schmerz auszuweichen, der die Gelenkfunktion am meisten beeinträchtigt. Infolgedessen entsteht ein invalisierender Circulus vitiosus mit Verklebungen, Fibrosen, Muskelatrophien, Muskelhypertonie in der ipsilateralen und der diagonalen Gliedmaßenmuskulatur, Schwerpunktverlagerungen nach kranial oder kaudal, eventuell sogar Rotation der gesamten Gliedmaße, Gelenkwinkelveränderungen usw. Beispiele sind: Hyperextension im Karpalgelenk, Epiphysenverletzungen, vorzeitiger Epiphysenschluss, Carpus valgus, Radius curvus.

Im Röntgenbild ist mit der Zeit die veränderte Inkongruenz immer ausgeprägter zu sehen. Sie weicht immer mehr von der „physiologischen Inkongruenz“ der Gelenkpartner ab. Die auf das Gelenk einwirkenden unphysiologischen Vektoren führen mit der Zeit durch die entstehende Malformation zum funktionellen Knochenumbau (reaktive Sklerosierung) und es entstehen die bekannten Folgeerkrankungen.

Das Gelenk wird auch durch die Einwirkung der umgebenden Muskulatur maßgeblich beeinflusst, z. B. durch einen Muskelfaserriss oder durch eine neurologische Koordinationsstörung des Tieres. Auch andere Erkrankungen können diese Folgeerscheinungen auslösen wie unten beschrieben. Besteht die Gelenkfunktionsstörung länger, kommt es zu Veränderungen im Gelenkaufbau und deswegen zu Veränderungen in der Gelenkstruktur. Diese sind durch bildgebende Verfahren gut nachweisbar.

Außerdem können Gelenkfehlstellungen Ausweichbewegungen in anderen Körperabschnitten auslösen. So kann z. B. eine Wirbelsäulenfehlstellung zur Kippung und Rotation des Beckens zur Gegenseite mit den entsprechenden Folgeerscheinungen führen.

Einige mögliche Ursachen für eine gestörte Gelenkfunktion und in deren Folge eine Gelenkfehlstellung sind:

hochgradige Adipositas (und damit eine erhöhte Gewichtsbelastung der Gelenke und des Herz-Kreislauf-Systems, besonders belastet sind wachsende oder alte Hunde)

Mangel- und/oder Fehlernährung (Kohlenhydratüberschussfütterung mit zu schnellem Wachstum usw.)

angeborene lokomotorische Erkrankungen

Wachstumsstörungen, z. B. Salter-Harris Typ I–V, Osteochondrosis dissecans, Enostose, Morbus Osgood-Schlatter, enchondrale Ossifikationsstörungen

Störungen der Muskelspannung

Verkürzung der elastischen und kontraktilen Strukturen

Gewebeverquellungen, Gewebeverhärtungen und evtl. Gewebeverklebungen durch ein akutes Trauma wie z. B. Distorsion, Patellaluxation, Bänderriss

nervale Erkrankungen, z. B. chronischer Bandscheibenvorfall

degenerative Erkrankungen, z. B. Arthrose, Hüftdysplasie

endokrinologische Erkrankungen, z. B. Hypothyreose, Hyperadrenokortizismus, Diabetes mellitus

metabolische Erkrankungen, z. B. Hypervitaminose A, Hypovitaminose D

immunologische Erkrankungen, z. B. systemischer Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, idiopathisch immunmediierte Polyarthritis

nichtinfektiöse entzündliche Gelenkerkrankungen, z. B. reaktive Polyarthritis (durch Pilze, Bakterien, Parasiten, Medikamente oder Vakzine hervorgerufen)

infektiös entzündliche Gelenkerkrankungen, z. B. septische Arthritis, Osteomyelitis, Polyarthritis (durch Mykoplasmen, Rickettsien, Bakterien, Borreliose, Prototeken [Grünalgen] oder Pilze hervorgerufen); bei Junghunden auch nach einer Gastroenteritis möglich

aseptische Femurkopfnekrose (Legg-Calve-Perthes)

Prostataerkrankungen

zirkulatorische Grunderkrankungen können u. a. zu Veränderungen der Gelenkbiomechanik führen

Tumoren u. a.

Bei Statikveränderungen ist es wichtig, die Kompensationsmechanismen zu erkennen und zielgerichtet zu therapieren. Dabei ist darauf zu achten, ob die Kompensationsmechanismen noch zu behandeln sind oder nicht, ohne dem Tier durch die falsche Therapie Schaden zuzufügen. Liegt „nur“ eine Funktionsstörung des Gelenks vor, ohne strukturelle Veränderungen, kann man eine Verringerung oder Beseitigung der Fehl- oder Überlastung des Gelenks und eine Normalisierung der peripheren Strukturen anstreben. Die muskuläre Dysbalance kann verbessert oder sogar vollständig wiederhergestellt werden. Durch Verringerung bzw. Beseitigung der Gelenksfunktionsstörung kann der Schmerz reduziert bzw. ebenfalls vollständig beseitigt werden. Der Hund kann wieder auf eine physiologische Haltung und Bewegung durch eine gezielte physiotherapeutische Behandlung konditioniert werden.

Bei einer Strukturveränderung im Gelenk steht die Lebensqualität des Tieres im Mittelpunkt. Der Schwerpunkt der Therapie dagegen liegt auf der Schmerzlinderung, der Verbesserung des Bewegungsausmaßes des Gelenks und der Funktionsverbesserung der umgebenden Gelenkstrukturen. Weitere Statikveränderungen sollten vermieden werden.

2.2.2 Statikveränderungen und Muskelfunktionsstörungen

Muskulatur verlangt nach Bewegung. Sie benötigt den Bewegungsreiz, um physiologisch auf Reize wie Belastung und Entlastung, Zug und Druck reagieren zu können. Kommt es zu einer Reizminderung oder zu einem vollständigen Fehlen von Bewegungsreizen, wird die Muskulatur nicht mehr optimal ernährt. Dies zieht Veränderungen und Funktionsstörungen des einzelnen Muskels nach sich und in Folge treten Störungen in der Bewegung auf. Durch Funktionsstörungen in der Muskulatur können Leistungs- und Funktionsminderungen in der Muskelkraft, der Ausdauer, dem Spannungszustand der Muskelstruktur und der Dehnungsfähigkeit des Muskels auftreten. Des Weiteren können die für die aktive Bewegung des Tieres zuständigen Halte- und Führungsfunktionen der Muskulatur beeinträchtigt sein. Muskelfunktionsstörungen können verschiedene Beschwerden oder Bewegungsdefizite für das Tier nach sich ziehen.

Durch eine Reduzierung der Muskelspannung (Hypotonus) kann z. B. die muskuläre Stabilität eines Gelenks beeinträchtigt werden oder es kann im schlimmsten Fall zum Ausfall der Gelenkfunktion kommen. Bleibt die Überbeanspruchung der gelenkumgebenden Strukturen längere Zeit bestehen, können degenerative Veränderungen am Gelenk oder in der Gelenkumgebung auftreten. Liegt eine zu hohe Muskelspannung vor (Hypertonus), kann es zu Bewegungseinschränkungen im Gelenk und seiner Umgebung kommen. Treten generalisierte Veränderungen in der Muskulatur auf, sind auf alle Fälle weiterführende Untersuchungen erforderlich.

Einige mögliche Ursachen für Muskelfunktionsstörungen können sein:

Hypotonus: Hypotone Muskulatur weist besonders bei Kontraktion einen Druckschmerz im Muskel auf (Kontraktionsschmerz). Ein lokaler Hypotonus liegt z. B. bei einer schlaffen Lähmung oder bei einer Innervationsstörung vor. Bei einem bewusstlosen Tier liegt ein generalisierter Hypotonus vor.

Hypertonus: Hypertone Muskulatur weist besonders bei einer Muskeldehnung Druckschmerz im Muskel auf (Dehnungsschmerz). Die Veränderung kann lokal auftreten, z. B. bei einer Myogelose, oder generalisiert, z. B. bei einer Tetraspastik. Die Muskulatur ermüdet sowohl bei einem Hypotonus als auch bei einem Hypertonus schneller. Die Kraftentfaltung der Muskulatur ist deutlich vermindert. Mit der Zeit läuft der Hund langsamer und die augenfälligen Symptome vermehren sich. Der Hund zeigt beim Aufstehen eine deutliche Steifigkeit und er muss sich erst „einlaufen“.

Eine Muskeldysbalance liegt vor, wenn das Gleichgewicht zwischen Muskellänge und Muskelkraft gestört ist. Dies kann z. B. bei der gelenkumgebenden Muskulatur zu einem fehlerhaften Gelenkmechanismus führen.

Muskelinsuffizienz: Man unterscheidet zwischen einer passiven und einer aktiven Muskelinsuffizienz. Bei der passiven Muskelinsuffizienz lässt sich der Muskel nicht mehr so weit wie ein gesunder Muskel dehnen. Das Bewegungsmaß der Hebelarme kann nicht mehr bis zur Arretierung ausgeführt werden. Bei einer aktiven Muskelinsuffizienz ist der Muskel nicht mehr in der Lage, die Extremstellung seiner Hebelarme durch Kontraktion aktiv zu fixieren. Physiologischerweise kommt das bei zweigelenkigen Muskeln vor, pathologischerweise bei eingelenkigen Muskeln.

Muskelprellung: Durch direkte Gewalteinwirkungen auf die Muskulatur bildet sich ein Hämatom. Es kommt zu einer reaktiven Muskelverhärtung bis hin zum partiellen Zelluntergang. Die Muskulatur heilt narbig ab. Der Hund zeigt nach der Muskelprellung sofort akute Schmerzen sowie Lahmheit. Das Bewegungsausmaß ist schmerzhaft eingeschränkt.

Eine gestörte Muskelaktivität ist bedingt durch zentrale und/oder periphere Paresen.

▶ Muskelverkürzung

Muskelzerrung: Hier bleibt die anatomische Muskelstruktur erhalten. Es liegen krampfartige und schnell zunehmende Schmerzen vor.

Muskelriss: Bei einem partiellen Muskelriss treten an der Stelle der Verletzung Dehnungs- und Anspannungsschmerzen auf. Bei einem vollständigen Muskelriss ist die Kontraktion des Muskels nicht mehr möglich. Es liegen akute, stechende Schmerzen, Hämatombildung und plötzliche, akute Lahmheit vor. Die Rupturstelle ist als deutliche Vertiefung zu fühlen.

Muskelatrophie: Der unbewegte oder gelähmte Muskel verliert an Muskelsubstanz und an Muskelkraft. Die Folge: Muskelatrophie. Bleibt diese längere Zeit bestehen, kann es zur Muskelkontraktur kommen. Bei der Muskelatrophie ist die Durchblutung des Muskels und damit auch der Muskelstoffwechsel gestört. Dies fördert weiterhin die Atrophie. Man unterscheidet zwischen Inaktivitätsatrophie und degenerativer Atrophie.

Inaktivitätsatrophie: Der Muskel wird längere Zeit nicht vollständig beansprucht, z. B. durch Bewegungsmangel des Hundes oder nach einer Operation. Sie kann auch bei einer neurologischen Schädigung des oberen motorischen Neurons auftreten. Sie entwickelt sich langsam und wird erst nach 3–4 Wochen sichtbar. Viele alte Hunde leiden unter der Inaktivitätsatrophie, da der Besitzer denkt, dass der alte Hund mehr Ruhe benötigt.

Degenerative Atrophie: Sie tritt bei einer neurologischen Schädigung des unteren motorischen Neuronsystems auf (infranukleäre und nukleäre Lähmungen). Sie kann sich innerhalb einer Woche bis zu einem hochgradigen Stadium entwickeln. Der Muskel ist atonisch und kann reflektorisch nicht erregt werden. Der Hund weist relativ schnell Bewegungsstörungen auf, so z. B. bei der spinalen Muskelatrophie des Deutschen Schäferhundes oder der progressiven neurogenen Muskelatrophie des English Pointers. Sie kann auch durch parasitäre Erkrankungen wie Neosporose oder Leishmaniose ausgelöst werden, aber auch durch eine organische Erkrankung. So führt z. B. der Insulinmangel bei Diabetes mellitus zur Proteolyse und in Folge kommt es zur Muskelatrophie und Muskelschwäche.

Bei einer Hepatopathie kann die Leber den insulinähnlichen Wachstumsfaktor I (insulin-like growth factor, IGF-I) nicht mehr bilden. Dieses IGF-I wirkt aber auf den Protein- und Zuckerstoffwechsel sowie auf den Knochen-, Muskel- und Knorpelstoffwechsel. Entwickelt sich ein IFG-I-Mangel, so entsteht aufgrund der Proteolyse ebenfalls eine Muskelatrophie und Muskelschwäche.

2.2.2.1 Myopathien

Weitere Muskelerkrankungen, die eine Muskelfunktionsstörung und oft auch eine Statikveränderung nach sich ziehen können, aber nicht zwangsläufig müssen, sind die Funktions- und die Strukturmyopathie. Bei der Funktionsmyopathie wird die morphologische Struktur der quergestreiften Muskulatur nicht verändert. Bei den Strukturmyopathien kommt es zu degenerativen und/oder entzündlichen Veränderungen der Muskulatur oder sie treten stoffwechselbedingt auf.

Die Symptome der beiden Myopathiearten sind sich recht ähnlich. Beim Hund treten schlaffe Lähmungen ohne Sensibilitätsstörungen auf. Je nach Schädigungsgrad sind die Eigenreflexe normal, herabgesetzt oder fehlen. Es treten vorwiegend symmetrische Veränderungen in den betroffenen Körperbereichen auf und häufig ist eine langsame, aber fortschreitende Muskelatrophie zu sehen. Im Blutbild sind die veränderten Muskelenzyme nachweisbar.

Myopathien können auftreten durch:

vaskuläre Störungen (Ischämische Neuromyopathie) und metabolische Störungen (Hypothyreose, hypokaliämische Myopathie, Glukokortikoid-induzierte Myopathie)

degenerative Erkrankungen (Myositis ossificans)

entzündliche Erkrankungen (Myositis eosinophilica, Polymyositis, Dermatomyositis)

traumatische Einwirkungen (Myositis traumatica)

infektiöse Erkrankungen (Toxoplasmose, Neosporose, Leptospirose)

Neoplasien (primäre und/oder sekundäre Tumoren)

Anomalien (Muskeldystrophie)

Muskelschwäche (Myasthenia gravis, Hyperadrenokortizismus, Botulismus, Kataplexie, Narkolepsie, Hypomagnesiämie, metabolisch bedingte Muskelschwäche hervorgerufen durch Glukokortikoide)

2.3 Bewegungsdynamik des Hundes

2.3.1 Schwerkraft und Antischwerkraftmuskel

Schwerkraft ist die Kraft, die in einem Schwerefeld (Gravitationsfeld) auf einen Körper einwirkt. Die Schwerkraft setzt sich zusammen aus der Anziehungskraft, die durch das Gravitationsfeld der Erde erzeugt wird, und der rotationsbedingten Zentrifugalkraft der Erde. Wenn man aufrecht steht, wirkt die rotationsbedingte Zentrifugalkraft auf den Körper und verhindert, dass wir regelrecht an der Erde kleben. Das Gravitationsfeld wirkt auf alle Teile des Körpers, nur die Berührungspunkte (Füße oder Pfoten) mit dem Boden sind stärker beansprucht.

In der Schwerelosigkeit und bei Bewegungsmangel werden die Osteoklasten im Knochen aktiv und es kommt zum Knochenabbau. Hier spielt das piezoelektrische Feld um den Knochen und die Körperzellen wieder eine Rolle. Fehlt die Veränderung im elektrischen Spannungsfeld durch die fehlende Bewegung, wirkt sich dies zuerst auf der funktionellen Ebene, später auch auf der strukturellen Ebene des Knochens aus. Die Osteoklasten werden aktiv und der Knochen wird umstrukturiert. Es entsteht eine Osteoporose, Muskelatrophie und dadurch bedingt ein massiver Kräfteverlust des Körpers.

2.3.1.1 Schwerkraft und Bewegung

Die Schwerkraft wird beim Tier systematisch bei der Bewegung eingesetzt. So erfolgt z. B. die Flexion und Extension des Ellbogengelenks schwerkraftinduziert. Gleichzeitig kann der am Gelenk ansetzende Muskel den Grad der Flexion und Extension feindosiert abstimmen und wirkt so antagonistisch der schwerkraftinduzierten Bewegung entgegen. Bei der Schrittbewegung wird zu Beginn der Bewegung Energie zugeführt, da der Hund z. B. die Gliedmaße anheben muss. Dabei wird der Körperschwerpunkt sowohl horizontal als auch vertikal verlagert. Geht die Bewegung über einen bestimmten Punkt hinaus, fällt die Gliedmaße regelrecht nach vorne unten und dabei wird ein Teil der Energie wieder zurückgewonnen. Es wird also nur bis zur Mitte des Schrittes Energie verbraucht, nicht für die gesamte Schrittlänge. Im Trab wird die Gliedmaße unter der Körperlast eingestaucht, die Energie wird nach dorsal weitergeleitet, gespeichert und am Ende des Trabschritts wieder als elastische Energie freigesetzt. Im Schritt und Trab wird nicht für den gesamten Bewegungsablauf Energie benötigt, sondern immer nur für einen Teil der Fortbewegung. Der Hund nutzt damit sehr effektiv die Schwerkraft in Abhängigkeit von seiner Gangart für seine Fortbewegung aus.

Die Einsparungen der Energie während der Bewegung sind am effektivsten, wenn der Hund in einem gleichmäßigen und einem gleichbleibenden Tempo läuft, Schritt ( ▶ Abb. 2.4) oder Trab ( ▶ Abb. 2.5). Das Masse-Feder-Modell nach Reinhard Blickhan beschreibt, wie sich der Verlauf und das Verhalten des Körperschwerpunktes (durchgängige Linie) unter der Einwirkung der Schwerkraft verhält, in Abhängigkeit von der Nachgiebigkeit bzw. Steifigkeit der Gliedmaßen ▶ [17].

Abb. 2.4 Der Schritt nach dem Masse-Feder-Modell nach Blickhan.

(Quelle: Zeel – endlich wieder beweglich. Broschüre der Firma HEEL, 2012)

Im Schritt ( ▶ Abb. 2.4) zeigt der Körperschwerpunkt eine leicht wellige, gleichbleibende Linie (Rückenlinie) und die Gliedmaße wird dabei kaum eingestaucht. Der Körperschwerpunkt wird im Schritt bis zur Mitte der Stemmphase durch die Bewegung der Gliedmaße aktiv angehoben (die Linie geht hoch) und die aufgewendete Energie in potenzielle Energie umgewandelt. Die Gliedmaße wird beim Auffußen regelrecht zusammengeschoben sowie die Muskeln und Sehnen passiv gedehnt. In diesem Moment entsteht durch das schwerkraftinduzierte Zusammenschieben potenzielle Energie. Schon ab Mitte der Stemmphase wird die potenzielle, gespeicherte Energie in elastische, kinetische Energie umgewandelt (die Linie geht nach unten), dabei wird die Gliedmaße wieder auseinandergeschoben. Diese Energieumwandlung ist abhängig von der Steifigkeit der Gliedmaße bzw. auch der Gelenke und der sie umgebenden Strukturen. Mit zunehmender Geschwindigkeit nimmt die Steifigkeit der Gliedmaßen bzw. der Gelenke ab, da sie immer mehr eingestaucht werden.

Abb. 2.5 Der Trab nach dem Masse-Feder-Modell nach Blickhan.

(Quelle: Zeel – endlich wieder beweglich. Broschüre der Firma HEEL, 2012)

Im Trab ( ▶ Abb. 2.5) zeigt der Körperschwerpunkt eine stärkere wellige, aber gleichbleibende Linie, was sich im deutlichen Auf- und Abwippen des Rumpfes während des Trabes zeigt. Die Gliedmaße wird zudem mehr eingestaucht und mehr potenzielle Energie erzeugt. Dies zeigt sich wiederum in der vermehrten Extension der Gliedmaße am Ende der Stemmphase. Im Galopp ist beim Greyhound durch die vertikale Auslenkung der Körperschwerpunkt doppelt so hoch wie im Schritt und Trab. Hier sind es nur 1%, im Galopp sind es 2% (nach Jayes und Alexander). Je elastischer und stabiler die Gliedmaße ist und damit auch ihre Bänder, Sehnen, Faszien, Muskeln und Gelenke, desto effektiver ist die Umwandlung von potenzieller Energie in elastische Energie.

Bei der Energieumwandlung von potenzieller Energie in kinetische Energie spielen nicht nur die Muskeln eine große Rolle, sondern auch die Gelenke. Im Trab werden von der Energie 96% im Ellbogengelenk, 38% im Schultergelenk und 60% im Kniegelenk zurückgewonnen. Im Galopp sind es im Ellbogengelenk unter 60%, im Schultergelenk 49% und im Kniegelenk nur 5%. Durch das Einstauchen des Fersensehnenstranges werden bis zu 97% der potenziellen Energie wieder in kinetische Energie zurückgewonnen. Die Schwerkraft ist also für die energiesparende Fortbewegung des Hundes sehr von Vorteil ▶ [70]. Die elastische, kinetische Energierückgewinnung ist für die Gliedmaße nachgewiesen worden, aber noch nicht für den Rücken. Es wurde die These aufgestellt, dass der Rücken keine Energie speichert und damit wäre auch erklärbar, warum der Galopp so energiefressend ist. Eine Untersuchung steht jedoch noch aus.

Der Energieverbrauch steigt, wenn der Hund z. B. springt, bremst oder schnelle Richtungswechsel durchführt. Dabei wird der Körperschwerpunkt stark ausgelenkt und der Körper muss ein Mehr an Muskelarbeit leisten. Einen Vorteil haben allerdings diese unökonomischen Bewegungen, wenn sie nicht übertrieben werden: Der Gelenkknorpel wird auch in jenen Bereichen besser versorgt, in denen er bei gleichmäßiger Bewegung keine Belastung und dadurch eine schlechtere Ernährung erfährt. Damit wird zusätzlich die Funktionalität der Gelenkbeweglichkeit erhalten.

2.3.1.2 Der Antischwerkraftmuskel

Die Muskelaktivität, z. B. des M. triceps brachii, verhindert ein Zusammenklappen des Schultergelenks beim Aufsetzen und bei Bewegung der Vordergliedmaße in der Stemmphase ▶ [70]. Sie wirkt so der Schwerkraft entgegen, stabilisiert die Gelenke der Vordergliedmaße und ist in der Lage, Unebenheiten des Untergrundes auszugleichen. Die Gliedmaßen werden zum Großteil passiv durch die Wirkung der Schwerkraft in Bewegung gebeugt. Die Aufgabe der Strecker ist es, der Schwerkraft entgegenzuwirken. So ist das Verhältnis von Beugern zu Streckern z. B. am Ellbogengelenk 2:10, am Schultergelenk 3:10.

Von den Muskeln, die bis jetzt untersucht wurden, wirken die folgenden an der Vordergliedmaße als Antischwerkraftmuskeln:

M. rhomboideus, Pars cervicalis

M. rhomboideus, Pars thoracica

M. trapezius, Pars cervicalis

M. trapezius, Pars thoracica

M. supraspinatus

M. deltoideus, Pars acromialis

M. deltoideus, Pars scapularis

M. teres major

M. triceps brachii, Caput laterale

M. triceps brachii, Caput mediale

M. triceps brachii, Caput longum

M. triceps brachii, Caput accessorium

M. flexor carpi ulnaris

M. flexor digitorum profundus

Von den Muskeln, die bis jetzt untersucht wurden, wirken die folgenden an der Hintergliedmaße als Antischwerkraftmuskeln:

M. gluteus medius

M. gluteus superficialis

M. vastus lateralis

M. vastus medialis

M. rectus femoris

M. gastrocnemius

M. flexor digitorum profundus

M. flexor digitorum superficialis