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Eine anschauliche Einführung in die Rechtsgeschichte Warum brauchen wir Gesetze? Welche Rechte werden vom Gesetz geschützt? Warum gibt es INTERPOL? Dieses innovative Nachschlagewerk führt mit informativen Diagrammen & ansprechenden Grafiken leicht verständlich in die Geschichte der Rechtswissenschaften ein und beleuchtet über 90 wichtige Rechtsentscheidungen und Gesetze aus aller Welt – von alten griechischen Gesetzen, der Menschenrechtserklärung in der französischen Revolution bis zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Ein Titel aus der DK Bestseller-Reihe Big Ideas! Das große Buch der Rechtsgeschichte zum Nachschlagen – Zusammenhänge, Theorien & Biografien kurzweilig und verständlich aufbereitet: • Über 90 der wichtigsten Gerichtsentscheidungen und Gesetze: Dieses Buch erzählt von den Anfängen des Rechts um 2100 v. Chr. bis in die Gegenwart. • Wissen grafisch auf den Punkt gebracht: Aufschlussreiche Diagramme sowie originelle Illustrationen und Fotografien in einem frischen Layout erleichtern auf kreative Weise den Zugang zur komplexen Welt der Rechtswissenschaften. • Interessante Fragen rund um die Rechte und Gesetze werden in diesem Buch verständlich und anschaulich beantwortet und regen zum Nachdenken an. • Einfluss der Rechtsgeschichte auf unsere aktuellen Gesetze: Erfahren Sie mehr über die Auswirkungen der Zehn Gebote, Magna Carta oder Rechte aus dem Mittelalter auf unser heutiges Rechtsverständnis. • Die Geschichte der Rechtswissenschaften in sechs großen Kapiteln: Die Ursprünge des Rechts, Recht im Mittelalter, Eroberung und Aufklärung, der Vormarsch der Rechtsstaatlichkeit, eine neue Weltordnung und Recht in der heutigen Zeit. Die Rechtsgeschichte entdecken und verstehen! Der perfekte zugängliche Komplett-Überblick zu einer komplexen Wissenschaft – Basiswissen zum Studieren, Informieren oder Nachschlagen!
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Veröffentlichungsjahr: 2023
EINLEITUNG
DIE URSPRÜNGE DES RECHTS
2100 V. CHR. – 500 N. CHR.
Achtet die Worte der Gerechtigkeit
Frühes Recht
Dies sei euch eine für alle Zeiten geltende Vorschrift
Die Zehn Gebote und mosaisches Recht
Das Mandat des Himmels
Die Zhou-Dynastie in China
Das Recht auf Hoher See
Die Lex Rhodia
Die Kunst gerechten Regierens
Konfuzianismus, Daoismus und Legalismus
Dies soll bindendes Recht sein
Das Zwölftafelgesetz
Das Gesetz ist Herr über die Herrschenden
Platons Gesetze
Wahres Recht ist Vernunft
Aristoteles und das Naturrecht
Ein Mensch ist für von ihm begangenen Schaden haftbar
Die Lex Aquilia
Die heiligen Gesetze der Kasten
Das Arthashastra und die Manusmriti
Wir pflegen die Tugend der Gerechtigkeit
Ulpian
Gerechtigkeit, Wahrheit und Frieden
Die Mischna und der Talmud
Gehe auf dem Weg der Gerechtigkeit
Die Anfänge des Kirchenrechts
RECHT IM MITTELALTER
500–1470
Richtet Gott gerecht?
Gottesurteil und Gerichtskampf
Eine Norm und eine Heerstraße
Der Koran
Jeder Flecken Land
Das Domesday Book
Eine Anklage darf nicht wiederholt werden
Das Decretum Gratiani
Sprich die Wahrheit
Der Assize of Clarendon
Niemandem werden wir Recht oder die Gerechtigkeit verweigern
Die Magna Charta
Ziel staatlichen Rechts ist das Gemeinwohl
Thomas von Aquin
Der Freund des Kaufmanns
Die Lex Mercatoria
EROBERUNG UND AUFKLÄRUNG
1470–1800
Schutz für jede erfinderische Vorrichtung
Das Venezianische Patentgesetz
Eine Linie vom Nordpol zum Südpol
Der Vertrag von Tordesillas
Jeder Statthalter soll jeden Armen bewahren
Die englischen Armengesetze
Der Frieden ist ein glänzender und schöner
Grotius’ Über das Recht des Krieges und des Friedens
Dein schwerer Irrtum und Fehltritt
Der Prozess gegen Galileo
Das Band, wodurch die Ruhe des teutschen Reichs … aufrecht erhalten wird
Der Westfälische Friede
Tyrann, Verräter, Mörder
Der Prozess gegen Karl I.
Alle Sklaven seien wie Eigentum
Die Slave Codes
Die Rechte und Freiheiten der Untertanen
Die Glorreiche Revolution und die englische Bill of Rights
Eine Zauberin darfst du nicht am Leben lassen
Die Hexenprozesse von Salem
Der Autor soll alle Abdruckrechte halten
Das Statute of Anne
Eine große Gemeinschaft der Nationen
Vattels Völkerrecht
Das wichtigste Buch in der Geschichte des Common Law
Blackstones Kommentare
Diese Verfassung ist das oberste Gesetz des Landes
Die Verfassung und die Bill of Rights der USA
Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es
Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte
DER VORMARSCH DER RECHTSSTAATLICHKEIT
1800–1945
Recht unter der Verfassung
Der Oberste Gerichtshof und die Normenkontrolle
Jeder Franzose soll die Bürgerrechte genießen
Der Code Napoléon
Ungerechte Fesseln öffnen
Der Slave Trade Act
Lauterkeit, Leistung, Wachsamkeit und Besonnenheit
Der Metropolitan Police Act
Alle Verpflichtungen aus Glücksspiel sollen nichtig sein
Der Gaming Act
Verpflichtet, Mitgeschöpfe nicht zu verletzen
Der Cruelty to Animals Act
Die Schäden sollen gerecht berechnet werden
Hadley v. Baxendale
Wer kann die Frau in diesem Buch verdammen?
Der Madame-Bovary-Prozess
Es ist nicht gerecht, ein Leben zu beenden
Die Abschaffung der Todesstrafe
Auch im Krieg sollte es Regeln geben
Die Genfer Konventionen
Die Rechte aller Arbeiter
Der Trade Union Act
Die nordischen Länder sind Zweige eines Baums
Skandinavische Kooperation
Üble Bräuche der Vergangenheit sollen enden
Der Eid in Fünf Artikeln
Vertretbar, aber nicht aus verabscheuungswürdiger Neugierde
Der »Vivisection Act«
Der Staat sorgt für die Opfer der Industrie
Eine Unfallversicherung für Arbeiter
Nichts kann einen Mord rechtfertigen
The Queen v. Dudley and Stephens
Wo wir sind, ist unser Eigentum
Der St Catherine’s Milling Case
Freier und ungehinderter Wettbewerb
Der Sherman Antitrust Act
Die Gesetze, Rechte und Pflichten des Krieges
Die Haager Konventionen
Eine eigene juristische Person
Salomon v. Salomon & Co. Ltd
Fabriken sind buchstäblich Todesfallen
Der Brand der Triangle Hemdenfabrik
Der Krieg gegen Monopole
Die Federal Trade Commission
Früchte des vergifteten Baums
Die Exclusionary Rule
Unsere Macht ist der Stimmzettel
Der Representation of the People Act
Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen
Die russische Verfassung
Wir wollen einen Frieden, der gerecht ist
Der Friedensvertrag von Versailles
Eine Pflicht zur Sorgfalt
Donoghue v. Stevenson
Tödliche Waffen müssen reguliert werden
Der National Firearms Act
Von der Demokratie zur Diktatur
Die Nürnberger Gesetze
EINE NEUE WELTORDNUNG
1945–1980
Neue Gräuel erfordern neue Mittel
Die Nürnberger Prozesse
Völkermord ist ein Verstoß gegen die Menschlichkeit
Die UN-Völkermordkonvention
Die Architekten einer besseren Welt
Die Vereinten Nationen und der Internationale Gerichtshof
Eine sicherere Welt
INTERPOL
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Das Recht auf Freiheit und Sicherheit
Die Europäische Menschenrechtskonvention
Ein Gericht mit unvergleichlicher Macht
Der Europäische Gerichtshof
Die Schwesternationen wachsen zusammen
Der Vertrag von Helsinki
Treten wir aus dem Schatten des Krieges
Das Verbot von Kernwaffenversuchen
Menschen sollten nicht aufgrund der Farbe ihrer Haut beurteilt werden
Der Civil Rights Act
Das Recht zu schweigen
Miranda v. Arizona
Das Fundament von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden
Der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte
Das Ende der Vorwürfe
Die verschuldensunabhängige Scheidung
Die Sicherheit der Zeugen
Das US-Zeugenschutzprogramm
Das Recht der Frau, selbst zu entscheiden
Roe v. Wade
Nichts ist wertvoller als ein Tierleben
Der Endangered Species Act
RECHT IN DER HEUTIGEN ZEIT
1980–HEUTE
Unermesslich, unersetzlich und bedroht
Das Weltnetz der Biosphärenreservate
Es ist für das Recht, was das Teleskop für die Sterne ist
DNA-Tests
Schutz für die Wachsamen
Der Whistleblower Protection Act
Wir haben zusammen gesiegt, wir werden zusammen siegen
Der Americans with Disabilities Act
Eine Welt ohne Chemiewaffen
Die Chemiewaffenkonvention
Freier Handel zum Nutzen aller
Die Welthandelsorganisation
Wann beginnt das Leben?
Das Dickey-Wicker Amendment
Eltern sollten das Recht zu wissen haben
Megan’s Law
Kreativität ist das Feld, Urheberrecht der Zaun
Der WIPO-Urheberrechtsvertrag
Die Landmine weiß nichts vom Frieden
Die Ottawa-Konvention
Krank, nicht kriminell
Die portugiesische Anti-Drogen-Strategie
Die Ehe soll allen offenstehen
Die gleichgeschlechtliche Ehe
Mitgefühl ist kein Verbrechen
Sterbehilfe
Das Anliegen der ganzen Menschheit
Der Internationale Strafgerichtshof
Doping zerstört Fair Play
Das Internationale Übereinkommen gegen Doping im Sport
Der Kampf gegen den Klimawandel
Das Kyoto-Protokoll
Gegen den Betrug im Sport
Die Match-Fixing Task Force
Das Recht, vergessen zu werden
Google Spain v. AEPD und Mario Costeja González
Ein freies und offenes Internet
Die Open Internet Order
Es geht um Gleichheit, nicht um Geld
Lohngleichheit
WEITERE GESETZE
GLOSSAR
ZITATNACHWEIS
DANK
Recht ist mehr als ein Regelwerk für das Leben in einer Gesellschaft. Seine hohe Komplexität beruht auf seiner Geschichte, seiner Entstehung und Anwendung, seiner Funktionsweise und seinen Auswirkungen.
Als der Mensch vor rund 10 000 Jahren sesshaft wurde, brauchte er klare Gesetze, um Streit zu schlichten und in Frieden zu leben. Das älteste bekannte Gesetzbuch entstand etwa um 2100 v. Chr. unter König Ur-Nammu in der mesopotamischen Stadt Ur und führte Strafen für eine Reihe von Verbrechen auf, wobei die Strafe immer dem Verbrechen angemessen sein sollte.
Von jeher berufen sich Herrscher auf Götter, um ihren Gesetzen Autorität zu verleihen; so stehen die Gesetze der jüdischen Thora in der Tradition der Gebote, die Moses von Gott erhalten hat. Etwa 1046 v. Chr. beanspruchte auch der chinesische König Wu ein göttliches Mandat für seine Herrschaft. Im 4. Jahrhundert n. Chr. entwickelte sich das kanonische Recht der römischkatholischen Kirche zu einem Rechtssystem, das die moderne Rechtsprechung bis heute beeinflusst, während die islamische Scharia sich auf das Wort Allahs im Koran beruft. Neue Zivilisationen schufen neue Rechtssysteme und Verfahren zu ihrer Durchsetzung. Philosophen diskutierten über das Wesen der Gerechtigkeit und prägten politische Vorstellungen. Im antiken Athen, der Heimat der ersten Demokratie, prägten Vernunft und die Vorstellung von Gerechtigkeit als Tugend die Gerechtigkeitstheorien von Platon und Aristoteles. Die Zwölf Tafeln der frühen römischen Republik erklärten die Gesetze und erläuterten die Rechte der Bürger. In China erdachten Gelehrte zwischen 476 und 221 v. Chr. radikale neue Systeme, die von laissez-faire bis streng autoritär reichten. Ein Großteil der Gesetze besteht zum Schutz der Mitglieder der Gesellschaft und ihres Besitzes, und ihre Durchsetzung dient der Abschreckung und der Sicherstellung von Gerechtigkeit. Mit dem sich entwickelnden Handel wurden auch Gesetze geschaffen, die das Geschäftsgebaren regelten. Um den Handel zwischen Ländern zu erleichtern, entstand in der klassischen Periode des antiken Griechenlands (500–300 v. Chr.) das älteste bekannte Seerecht, die Lex Rhodia.
»Das Ziel des Rechts ist nicht, zu verbieten oder einzuschränken, sondern die Freiheit zu erhalten und zu fördern.«
John Locke
Englischer Philosoph (1632–1704)
Lange nach dem Untergang Griechenlands und Roms existierten im Europa des Mittelalters primitive Rechtsformen. Ohne Beweiserhebung oder glaubwürdige Zeugen wurden mutmaßliche Täter, zumeist Arme, durch Gottesurteil geprüft. Ihre Unschuld wurde daran gemessen, ob sie körperliche Qualen überlebten. Manche Streitigkeiten wurden auch durch Duelle beigelegt.
Das Gottesurteil wurde im 13. Jahrhundert per päpstlichem Dekret verboten, der gerichtliche Zweikampf hielt sich viel länger. Mit zunehmendem Wohlstand und Bildung jenseits der herrschenden Klasse wandelten sich die Rechtssysteme, und auch einfache Bürger erhielten mehr Rechte. So legte Artikel 39 der 1215 in England besiegelten Magna Charta das Recht jedes freien Bürgers auf einen Prozess fest. In England und Wales wurde mit den Armengesetzen von 1601 auch erstmals ein einfaches Sicherheitsnetz für die Menschen am unteren Ende der Gesellschaft geschaffen.
Während Straf-, Eigentums- und Handelsgesetze schon in der Antike existierten, mussten Bürger- und Menschenrechte hart erkämpft werden und gelten bis heute noch längst nicht überall. Infolge des Englischen Bürgerkrieges, der Hinrichtung Karls I. und der absolutistischen Herrschaft Karls II. und Jakobs II. von England entstand die Bill of Rights (1688/89), die die Macht eines gewählten Parlaments sicherte. Der französische Code Napoléon von 1804 gründete auf der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die zu Beginn der Französischen Revolution entstand. Es bedurfte über ein Jahrhundert des Kampfes, bis die Sklaverei weitgehend abgeschafft war, und blutiger Proteste, um Frauen das Wahlrecht zu sichern.
Im Zuge der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert erkannten die Arbeiter, welche Macht sie gemeinsam hatten. Der britische Trade Union Act von 1871 gab den Arbeitern eine politische Stimme, Gewerkschaften rund um den Globus wurden stärker und sorgten für bessere und sicherere Arbeitsbedingungen. In Deutschland verpflichtete ein neues Krankenversicherungsgesetz 1883 und 1884 Arbeitgeber dazu, Arbeitern eine Kranken- und Invalidenversicherung zu bieten.
Um die Notwendigkeit neuer Gesetze zu akzeptieren, müssen Regierungen offen für Wandel sein. In mehr als der Hälfte aller Länder mit mehr als 500 000 Einwohnern gibt es heute eine Form demokratischer Regierung, die mit Legislative, Exekutive und Judikative getrennte Gewalten besitzt, die sich um die Verabschiedung von Gesetzen, ihre Durchsetzung und die Rechtsprechung kümmern. Diese Gewaltenteilung dient als Schutz vor Machtmissbrauch und erlaubt den einzelnen Institutionen, sich gegenseitig zu kontrollieren.
Der globale Handel hat im letzten Jahrhundert stark zugenommen und eine internationale Rechtsprechung notwendig gemacht. Zudem müssen die Nationen im Kampf gegen die stete Zunahme internationaler Kriminalität zusammenarbeiten. Organisationen wie die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Vereinten Nationen und Handelsblöcke wie die EU haben ihre Aufgabenbereiche erweitert und Institutionen gegründet, die verbindliche Regelungen für Handel, Menschenrechte und internationale Kriminalität erlassen können. INTERPOL arbeitet mit den Polizeibehörden von über 190 Ländern gegen organisierte Verbrechen, Terrorismus und Cyberkriminalität. Neuerdings kommt auch noch die Durchsetzung von Maßnahmen zum Umweltschutz hinzu.
Dieses Buch stellt in grob chronologischer Reihenfolge einige der großen Ideen vor, die unsere moderne Rechtsprechung beeinflusst haben, das soziale und politische Klima, in dem sie entstanden, die Menschen, die für sie eingetreten sind, und wie sie die Gesellschaft geprägt haben.
»Gesetze müssen durch mehr als nur den Mehrheitswillen gerechtfertigt sein. Sie müssen auf dem ewigen Fundament der Rechtschaffenheit fußen.«
Calvin Coolidge
30. US-Präsident (1923–1929)
UM 2100 V. CHR.
Ur-Nammu, König von Ur, formuliert das früheste bekannte geschriebene Gesetz.
UM 1300 V. CHR.
Laut jüdischer Überlieferung erhält Moses die Thora, die Grundlage des jüdischen Rechts, auf dem Berg Sinai von Gott.
500–300 V. CHR.
Griechische Händler aus Rhodos treiben weltweit Handel und entwickeln ein internationales Seehandelsrecht, das im gesamten Mittelmeerraum gilt.
UM 450 V. CHR.
Das erste Gesetzbuch der neu gegründeten römischen Republik wird auf zwölf Bronzetafeln auf dem Forum präsentiert.
UM 340 V. CHR.
Aristoteles formuliert seine Gerechtigkeitstheorie, die darauf basiert, dass Gesetze auf dem universellen und unwandelbaren Naturrecht beruhen sollen.
2. JH. V. CHR.
Das indische Gewohnheitsrecht wird in den beiden Schriften Arthashastra und Manusmriti schriftlich niedergelegt.
212–222 N. CHR.
Der Jurist Domitius Ulpianus (Ulpian) verfasst mehr als 200 einflussreiche Kommentare und Abhandlungen zum römischen Recht.
UM 1750 V. CHR.
König Hammurabi I. lässt im Zentrum Babylons eine Stele mit 282 Rechtssprüchen aufstellen.
UM 1046 V. CHR.
King Wu begründet in China die Zhou-Dynastie, indem er ein »göttliches Mandat« für seine Herrschaft beansprucht.
476–221 V. CHR.
Zur Zeit der Streitenden Reiche in China entstehen Rechtssysteme auf Basis von Konfuzianismus, Daoismus und Legalismus.
348 V. CHR.
In Die Gesetze schlägt Plato für Stadtstaaten die anfängliche Diktatur eines klugen Gesetzgebers vor, bevor gewählte Beamte die Regierung übernehmen.
286 V. CHR.
Der römische Volkstribun Aquilius legt die Lex Aquilia zur Regulierung finanzieller Wiedergutmachung für Sachbeschädigung vor.
70 N. CHR.
Nach der Zerstörung des herodianischen Tempels wenden sich die Juden stärker den Vorschriften der Thora zu.
UM 313 N. CHR.
Die Mailänder Vereinbarung legalisiert das Christentum im Römischen Reich und ebnet den Weg zur ersten systematischen Sammlung des Kirchenrechts.
Menschen lieben Gesellschaft. In prähistorischen Zeiten lebten sie in Familienverbänden und Stämmen unter Führung der Ältesten. Über die Jahrtausende entstanden unterschiedliche Regierungssysteme, und man formalisierte Verhaltensregeln, anfangs auf Basis von Gebräuchen und religiösen Überzeugungen, später in kodifizierter Form als Gesetze. In Mesopotamien (heute Irak) verfasste Ur-Nammu, König von Ur, vor 4000 Jahren das erste bekannte Gesetzbuch.
Religion spielte in den frühen Zivilisationen eine gewichtige Rolle und bestimmte die Gesetzgebung. Gesetzen – vor allem solchen zu Moral und Religionsausübung – wurde oft göttliche Autorität beigemessen. Nach jüdischer Überlieferung gab Gott Moses die Thora, das erste der fünf Bücher der jüdischen Bibel, das auch die Zehn Gebote enthält. Diese sind die Grundlage des mosaischen Gesetzes. Thora und (später) Talmud sind die zentralen Quellen jüdischen Rechts.
Auch in China beanspruchten Herrscher göttlichen Segen für sich. Als Wu, der erste Zhou-König, um 1046 v. Chr. die herrschende Shang-Dynastie stürzte, erklärte er, mit dem »Mandat des Himmels« zu handeln, das verfiele, sollte er eines Tages ungerecht herrschen.
Die Zivilisationen der Antike, wie Mesopotamien, Ägypten, Indien, China, Griechenland und Rom, errichteten Rechtssysteme, um ihre zunehmend komplexen und wachsenden Gesellschaften zu regulieren. Nationen brauchten einheitliche Regeln für den Handel über Landesgrenzen hinweg. Die große Handelsmacht im Mittelmeer Rhodos zum Beispiel lieh ihren Namen der Lex Rhodia, die sich ab 500 v. Chr. zum ersten umfassend akzeptierten Seerecht entwickelte.
Während sich die Nationen entwickelten, dachten ihre Denker darüber nach, wie sich die Gesellschaft besser organisieren lasse. In China entstanden so ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. drei radikal unterschiedliche Regierungsphilosophien. Der Konfuzianismus forderte eine Rückkehr zu traditionellen Tugenden, Respekt und Führung durch Vorbild, der Daoismus forderte Gesetze in Harmonie mit der Natur, und der Legalismus setzte auf autoritäre Führung mit harschen Strafen für Rechtsbrüche. Nach mehr als 250 Jahren der Kämpfe während der Zeit der Streitenden Reiche etablierte eine legalistische Dynastie schließlich im 2. Jahrhundert v. Chr. eine gewisse Ordnung, die aber in ihrer Härte wenig Akzeptanz fand. So gewann der Konfuzianismus die Oberhand, wenn auch begleitet von einem strikten Gesetzeswerk.
Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. herrschte in Athen eine direkte Demokratie, an der alle erwachsenen Bürger teilhaben konnten. Der Philosoph Platon hingegen plädierte in seinen Werken zu Republik und Gesetzen für eine Herrschaft der Wenigen – einer Klasse von »Philosophen-Königen« in einem idealen Staat oder einem anfänglichen Diktator, angeleitet von einem weisen Gesetzgeber. Platon zufolge waren nur bewanderte Philosophen fähig, die Konzepte von Regierung und Justiz zu erfassen. Sein Schüler Aristoteles forderte eine konstitutionelle Regierung durch das Volk und eine in Harmonie mit dem Naturrecht stehende Gesetzgebung.
Im Gegensatz dazu war die indische Gesellschaft streng hierarchisch in Kasten unterteilt, wie in Arthashastra und Manusmriti aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. gefordert.
Um 509 v. Chr. stürzten die Römer den Tyrannen Lucius Tarquinius Superbus und gründeten die römische Republik mit einer konstitutionellen Regierung durch zwei gewählte Konsuln. Um 450 v. Chr. veröffentlichte die neue Republik ihr erstes Gesetzbuch, das auf zwölf Bronzetafeln gravierte Zwölftafelgesetz, das die Rechte und Pflichten der Bürger Roms festlegte. Als das Römerreich wuchs, wurden diese Gesetze von Juristen wie Ulpian aktualisiert, bildeten aber über tausend Jahre die Grundlage römischen Rechts.
Um 313 n. Chr. erließ der zum Christentum konvertierte Kaiser Konstantin die Mailänder Verein-barung, die im Römerreich Religionsfreiheit einführte, und beendete damit die Christenverfolgung. 380 n. Chr. wurde das Christentum römische Staatsreligion, und christliche Theologen formulierten Gesetze auf Grundlage der christlichen Lehre.
Die frühen Kanons bildeten das Fundament des römisch-katholischen Kirchenrechts, das die Gestalt von Kirche und christlichem Glauben bestimmt. Es war entscheidend für die Entwicklung des bürgerlichen Rechts im Europa des Mittelalters.
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Die ersten verschriftlichten Gesetze
FRÜHER
um 4000 v. Chr. In Sumer, Mesopotamien, entsteht Uruk, die erste Stadt der Welt.
um 3300 v. Chr. Die Keilschrift, die älteste bekannte Schrift, wird in Uruk erfunden.
um 2334 v. Chr. Sargon von Akkad (ein Stadtstaat in Mesopotamien) erobert Sumer und errichtet das erste Imperium der Welt.
SPÄTER
um 600 v. Chr. Das Buch Exodus zitiert mit dem Rechtsgrundsatz »Auge um Auge« babylonisches Recht.
um 450 v. Chr. Im römischen Zwölftafelgesetz wird die Rechtsgrundlage für Vergeltung gelegt: die Lex talionis.
Vor rund 6000 Jahren begannen die Sumerer, in Mesopotamien Städte wie Uruk und Ur zu errichten, die von einem ensi (König) regiert wurden. In den dörflichen Gemeinden wurden Konflikte innerhalb der Familien geregelt, in den Städten mussten die vielen größtenteils nicht miteinander verwandten Menschen andere Wege des Zusammenlebens und der Konfliktlösung finden. Deshalb gaben sie sich Gesetze für ein friedfertiges Leben und Arbeiten in der Gemeinschaft. Als die Stadtstaaten an Macht gewannen und erste Reiche gründeten, erließen sie Gesetze, die für ihre gesamte Machtsphäre galten.
Ursprünglich wurden Gesetze ausschließlich mündlich überliefert, dann entwickelten die Sumerer um 3300 v. Chr. die aus einzelnen Symbolen bestehende Keilschrift, um Informationen dauerhaft auf Tontafeln festzuhalten. Die frühesten erhaltenen Gesetzestexte in Keilschrift wurden um 2100 v. Chr. von Ur-Nammu, dem König von Ur, verfasst. Jedes Gesetz beschrieb ein spezifisches Verbrechen und die dafür vorgesehene Strafe, wie z. B.: »Begeht ein Mann einen Mord, soll er getötet werden.«
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte man einen umfassenderen, von König Hamurabi zwischen 1792 und 1750 v. Chr. zusammengestellten Gesetzestext. Er ist in Keilschrift in eine 2,25 m hohe Basaltstele gehauen und eröffnet mit einem Prolog, in dem der König erklärt, er sei von den Göttern beauftragt, »die Herrschaft des Rechts über das Land zu bringen, die Bösen und Übeltäter zu strafen, damit die Starken nicht die Schwachen unterdrücken«. Man stellte in allen babylonischen Städten Gesetzessäulen auf, damit die Menschen die Gesetze kannten und beachteten.
Das Relief an der Spitze der Basaltsäule mit Hammurabis Rechtssprüchen zeigt den König vor Shamash, dem mesopotamischen Gott der Gerechtigkeit, stehend.
Die Zikkurat, eine Stufenpyramide mit einem Schrein, war das religiöse Zentrum der mesopotamischen Städte.
Hammurabis 282 Rechtssprüche nannten Einzelfälle. Nummer 196 lautet z. B.: »Gesetzt, ein Mann hat das Auge eines Freigeborenen zerstört, so wird man sein Auge zerstören.« Dieses Prinzip findet sich auch in den Büchern Exodus und Levitikus der Thora und im römischen Recht als lex talionis (Recht auf Vergeltung). Hier ging es aber nicht um Vergeltung, sondern darum, die Strafe der Schwere der Tat anzupassen.
Ur-Nammus Gesetz war nicht ganz so drakonisch: Jedem Körperteil wurde ein Wert in Silber zugemessen. Schnitt z. B. jemand einem anderen den Fuß ab, betrug die Strafe »zehn Schekel«. Hier wurde also eher eine Geldstrafe erhoben, statt körperliche Vergeltung zu üben, was den heutigen Vorstellungen von Strafe mehr entspricht.
»Der König, der im Lande sein wird, möge die Worte der Gesetzgebung, die ich auf meine Tafel geschrieben habe, behüten.«
Der Kodex Hammurabi
Gerichtsverfahren
Auf antiken Tontafeln dokumentierte Gerichtsprotokolle zeigen, wie in Mesopotamien Recht gesprochen wurde. Es gab keine formalen Gerichte oder Anwälte. Stattdessen traten Kläger und Beklagter mit ihren jeweiligen Zeugen vor eine Versammlung der Bürger oder Ältesten – in schweren Fällen auch vor ein Gremium aus drei bis sechs Richtern – und trugen ihren Fall mündlich oder schriftlich vor. Sie mussten dafür schwören, die Wahrheit zu sagen. Das konnte öffentlich, im Königspalast oder im Tempel vor einem Götterstandbild erfolgen. In manchen Fällen gestanden Menschen schon aus purer Angst davor, den Gott mit einer Falschaussage zu verärgern.
Konnte ein Fall nicht gelöst werden, mussten die Götter entscheiden. Hammurabis Gesetz sah in diesem Fall ein Gottesurteil vor, für das der Angeklagte in den Euphrat springen musste. Ging er unter, konnte der Ankläger sein Haus in Besitz nehmen. Bewies der Fluss aber, dass der Beklagte unschuldig war, und er entstieg dem Wasser unversehrt, so sollte der Ankläger getötet werden.
Der oberste Gott Babylons, Marduk (Mitte), Verfechter der Ordnung, besiegt die schlangenartige Meergöttin Tiamat, die für das Böse und das Chaos steht.
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Göttliches Recht
FRÜHER
um 1750 v. Chr. Hammurabi schreibt einen Gesetzeskodex.
SPÄTER
um 1207 v. Chr. Eine Inschrift des ägyptischen Pharaos Merenptah erwähnt erstmals die Israeliten von Kanaan. Sie prahlt: »Israel ist vernichtet.«
3. Jh. v. Chr. Die Thora wird als Pentateuch (»fünf Bücher«) ins Griechische übersetzt.
um 200 n. Chr. In Palästina fertigen Rabbiner mit der Mischna erstmals eine Niederschrift der mündlich überlieferten Auslegung der Gesetze der Thora an.
um 350–550 n. Chr. Gelehrte veröffentlichen die Gemara, eine Erläuterung und Ergänzung der Mischna.
Das mosaische Recht ist ein altes Rechtssystem, dargelegt in der Thora, die auch die Fünf Bücher des Tanach genannt wird. Diese jüdische Bibel ist den Christen als Altes Testament bekannt. Die Thora (»Unterweisung«) enthält viele Gesetze, die der Gründer des jüdischen Volks, Moses, direkt von Gott erhalten haben soll. In der Erzählung des Auszugs aus Ägypten erhielt Moses um 1300 v. Chr. von Gott den Auftrag, die Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei ins Gelobte Land Kanaan zu führen. Auf dem Weg erhielt er am Berg Sinai von Gott die Zehn Gebote sowie weitere Weisungen zu moralischem Verhalten, Gottesverehrung und allen Bereichen des täglichen Lebens. Das wichtigste Gebot war: »Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.« Die Israeliten verbrachten 40 Jahre in der Wüste, bevor sie Kanaan erreichten, und Moses starb in Sichtweite des Gelobten Landes. Das mosaische Recht galt als formales Bündnis zwischen Gott und den Israeliten. Gott versprach, sie zu beschützen und ihnen das Land Kanaan zu geben, wenn sie seine Gesetze befolgten. Laut dem Buch Exodus (19,5) sagt er: »Wenn ihr nun auf mein Wort hört und meinen Bund haltet, dann werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein, denn mir gehört die ganze Erde.«
Dieses Gemälde des französischen Malers Philippe de Champaigne aus dem 17. Jh. mit dem Titel »Moses hält die zehn Gebote« zeigt zwei Steintafeln mit den Inschriften.
Die auf Hebräisch verfassten Bücher der Thora galten ursprünglich als von Moses selbst verfasst. Ab dem 18. Jahrhundert aber zeigten Gelehrte, dass die Geschichten über die Zeit von vielen Autoren mit unterschiedlichen Stilen und Ausdrucksweisen geprägt wurden. Die Texte enthalten später eingefügte Fußnoten.
Im 19. Jahrhundert identifizierten deutsche Gelehrte vier Quellenschriften der Thora, die sie Jawist, Elohist, Priesterschrift und Deuteronomium (J, E, P und D) nannten. Jawist und Elohist gelten (mit dem Großteil der Genesis, des Exodus und einigen Elementen der Numeri) als die frühesten Schriften. Die Elohist zugeordneten Quellen beschreiben die Traditionen der nördlichen Stämme und verwenden für Gott die Bezeichnung »Elohim«.
Die den J-Quelltexten zugeordneten Teile betreffen den südlichen Stamm Juda und nutzen die Bezeichnung JHWH für Gott, für die man die Aussprache »Jahwe« annimmt. Das Deuteronomium, das fünfte Buch der Thora, wird der Quelle D zugeordnet. Es wird auf die Kultreform König Joshijas zurückgeführt, der im 7. Jahrhundert v. Chr. das Königreich Juda regierte, das um 930 v. Chr. nach der Teilung der nördlichen und südlichen Stämme entstand. Joshija stärkte die Macht Jerusalems und forderte die Konzentration auf JHWH als einzigen Gott. Das nördliche Königreich Israel war 722 v. Chr. von den Assyrern erobert worden, und so wird die Geschichte Israels im Deuteronomium aus judaischer Sicht neu geschrieben.
Die fünf Bücher der Thora
Die Zehn Gebote (Exodus 20)
1. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
2. Du sollst dir kein Gottesbildnis machen und es anbeten.
3. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.
4. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst.
5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
6. Du sollst nicht töten.
7. Du sollst nicht ehebrechen.
8. Du sollst nicht stehlen.
9. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
10. Du sollst nicht begehren, was dein Nächster hat.
Die spätesten Texte der Priesterschrift entstanden, nachdem Jerusalem und der Tempel 586 v. Chr. durch den babylonischen König Nebukadnezar zerstört wurden. Er verschleppte die jüdischen Priester ins babylonische Exil, wo sie die Bücher Genesis und Exodus überarbeiteten und Levitikus und Numeri verfassten. In der Priesterschrift ist Jahwe nicht an einen Ort gebunden, sondern kann die Juden überallhin begleiten: »Ich will meine Wohnung in euerer Mitte aufschlagen und … in euerer Mitte gehen und euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein.« (Levitikus 26,11–12) Das mosaische Recht entwickelte sich mit der Zeit und wurde laufend aktualisiert. Dennoch galt weiterhin die Vorstellung, Mose habe die Gesetze auf dem Sinai von Gott erhalten.
Die frühen Israeliten verehrten neben Jahwe noch weitere Götter. In der Thora finden sich viele Geschichten über Baal, Gott des Regens und der Fruchtbarkeit, und Aschera, eine Muttergottheit. Jahwe und anderen Gottheiten huldigte man in Heiligtümern, die oft auf Bergen lagen.
Das erste Gebot »Du sollst neben mir keine anderen Götter haben« konnte so ausgelegt werden, dass andere Gottheiten verehrt werden konnten, solange Jahwe den obersten Rang einnahm. In den Erzählungen der Quellen E und J erschien Jahwe in Menschengestalt, wie er sich »beim Tagwind im Garten erging« (Genesis 3,8) oder Abraham vor seinem Zelt aufsucht (Genesis 18). Als aber das Deuteronomium verfasst wurde, war Gott transzendent, existierte jenseits der geschaffenen Welt, und das Judentum war eine monotheistische Religion. Während seiner Kultreform ließ König Joshija alle Aschera-Statuen aus dem Tempel in Jerusalem und alle Schreine zerstören.
Nachdem das Judentum monotheistisch geworden war, wurden alle früheren Erzählungen der Verehrung Ascheras und Baals als Abfall von den Gesetzen Mose interpretiert, und das babylonische Exil galt als Strafe dafür.
Während des Exils beteuerten die jüdischen Priester, Gott habe die Israeliten zum heiligen Volk bestimmt, eine Nation von Priestern, damit er unter ihnen leben könne. Mit strikten Regeln für Ernährung und Reinlichkeit wies man sie an, sich von ihren babylonischen Nachbarn fernzuhalten. In der Antike mussten Priester häufig Reinheitsregeln befolgen: So badeten ägyptische Priester etwa vier Mal täglich in kaltem Wasser, ihre Sandalen waren aus Papyrus statt Leder, und ihre Kleidung war aus Leinen statt aus Wolle.
Die jüdischen Regeln sind detailliert. Levitikus 11,47 weist die Menschen an, zu unterscheiden »zwischen dem, was unrein und was rein ist, und zwischen Tieren, die man essen darf, und solchen, die nicht gegessen werden dürfen«. Schweinefleisch, Schalentiere und andere Lebensmittel waren verboten. Bei der rituellen Schlachtung erlaubter Tiere musste das Blut durch Schächten entfernt werden. Levitikus 11,39 sagt: »Wenn eines von den Tieren, die euch zur Nahrung dienen, verendet, dann wird jeder, der das Aas berührt, unrein bis zum Abend.«
Levitikus 14,48–53 beschreibt die Reinigung eines von Schimmel befallenen Hauses: Der Priester soll Zedernholz, Karmesin, Ysop und einen lebenden Vogel nehmen, sie in das Blut eines geopferten Vogels und Quellwasser tauchen und das Haus siebenmal besprengen. Dann soll er »den lebenden Vogel aus der Stadt ins freie Feld fliegen« lassen. So wird das Haus entsühnt und wieder rein.
»Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten und sag zu ihnen: Ihr müsst heilig sein, weil ich, der Herr, euer Gott, heilig bin.«
Die Bibel,
Buch des Levitikus 19,2
Frühere Gesetze beschrieben das Vorgehen in Einzelfällen. Die Zehn Gebote aber trafen absolute Aussagen über richtig und falsch, wie: »Du sollst nicht töten.« Trotzdem ähnelten viele Gesetze des mosaischen Rechts mesopotamischen und babylonischen Gesetzen. So besagt das Gesetz 251 des Kodex Hammurabi: »Das Rind eines Mannes ist stößig und hat […] ihm seinen Fehler gezeigt, er aber hat seine Hörner nicht gestutzt, sein Rind nicht angebunden, selbiges Rind hat einen Freigeborenen gestoßen und getötet, so wird er eine halbe Mine Silber geben.« Exodus 21,29–30: »Hat das Rind aber schon früher gestoßen und hat der Eigentümer […] auf das Tier nicht aufgepasst, sodass es einen Mann oder eine Frau getötet hat, dann soll man das Rind steinigen, und auch sein Eigentümer muss sterben. Will man ihm stattdessen eine Sühneleistung auferlegen, soll er als Lösegeld für sein Leben so viel geben, wie man von ihm fordert.«
Auch die Könige Mesopotamiens beanspruchten, im Namen ihrer Götter zu regieren, aber nie, dass diese auch die Gesetze verfasst hätten. Ein Gesetzesbruch war damit ein Vergehen gegen die Mitmenschen, die dem Täter vergeben konnten. Ein Gesetzesbruch in der Thora aber war nicht nur ein Vergehen gegen die Mitmenschen, sondern eine Sünde gegen Gott.
Die Thorarolle
Die Lesung aus der Thora ist Teil der jüdischen Gebetspraxis. Sie findet an bestimmten Tagen statt, wie etwa am Sabbat und an Festtagen.
Die Schriftrolle mit den Texten der Thora mitsamt den Gesetzen, die Moses von Gott erhalten hat, ist der heiligste Gegenstand in jeder Synagoge. Jede Schriftrolle, oder Sefer Thora (sefer bedeutet »Buch« oder »geschriebenes Dokument«), mit ihren 304 805 hebräischen Buchstaben wird von Hand mit Feder oder Schreibrohr auf Pergament geschrieben. Diese Aufgabe übernimmt ein speziell ausgebildeten Schreiber, der Sofer. Ein einziger Fehler würde die gesamte Rolle ruinieren.
Die Schriftrolle wird in einem reich verzierten Schrein aufbewahrt. Dieser heiligste Teil einer jeden Synagoge, in dessen Richtung gebetet wird, steht immer an der Ostwand, gen Jerusalem.
Meist werden mehrmals pro Woche verschiedene Passagen der Thora vorgelesen. Ausgesuchte Passagen werden an jedem Sabbat gelesen, sodass über das Jahr die gesamte Thora vorgelesen wird. Den Abschluss dieses jährlichen Zyklus bildet der Festtag Simchat Tora.
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Das Recht zu herrschen
FRÜHER
um 1600–1046 v. Chr. Die Shang, die erste chinesische Dynastie, beherrschen fast ganz China. Shang-Könige schreiben die ersten Gesetze des Landes. Verbrechen werden mit Tod, Verstümmelung oder Zwangsarbeit bestraft.
SPÄTER
770–476 v. Chr. Die Macht der Zhou-Dynastie schwindet, als lokale Herrscher rebellieren.
476–221 v. Chr. Das Zhou-Reich zerbricht in sieben verfeindete Staaten, aber die Zhou-Könige behalten eine rituelle Rolle, bis der letzte König Nan 256 v. Chr. stürzt.
221 v. Chr. Der Qin-Staat siegt, und Qin Shi Huang Di, der erste Kaiser der Qin-Dynastie, vereint das Land.
Um 1046 v. Chr. stürzte Wu, der König des Staats Zhou, den letzten König der Shang-Dynastie, die China über fünf Jahrhunderte regiert hatte. Zur Rechtfertigung seiner Rebellion diente dem Begründer der Wu-Dynastie ein Konzept namens tianming (»Mandat des Himmels«), dem zufolge laut Wu ein König nur mit dem Segen des Himmels regieren dürfe. Die Shang-Könige hätten ihre heiligen Pflichten verletzt und seien korrupt, sodass der Himmel sein Mandat einer anderen Dynastie verliehen habe.
Die Shang-Könige legitimierten ihren Herrschaftsanspruch mit ihrer Fähigkeit, durch Wahrsagung und mithilfe von Rissen in Knochen und Schildkrötenpanzern mit ihren Vorfahren kommunizieren zu können. König Wu und seine Nachfolger, auch aus späteren Dynastien, rechtfertigten ihre Herrschaft nun mit dem Mandat des Himmels.
Die Zhou-Könige sahen sich in der Pflicht, gerecht zu regieren oder das Mandat des Himmels zu verlieren. Diese Pflicht wurde bereits in den ersten Zhou-Dokumenten niedergelegt. In Kang gao (Die Ernennung des Prinzen von Kang), das König Wu verfasst haben soll, gibt er seinem jüngeren Bruder Feng, der zum Gouverneur einer Region ernannt worden war, einen Rat. Er warnt ihn, Strafen »nicht nach seinen eigenen Neigungen zu verhängen«, sondern das Recht zu ehren.
»Das Mandat ist nicht leicht zu wahren, auf dass es nicht in eurer Person endet. Zeigt und unterstreicht euren guten Ruf …«
Loblied an König Wen
König Wen (1152–1056 v. Chr.) war König Wus Vater.
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Seerecht
FRÜHER
900–500 v. Chr. Die griechische Insel Rhodos knüpft weitreichende Handelsbeziehungen im Mittelmeerraum und gründet auf Sizilien und in Lykien (Kleinasien) Kolonien.
SPÄTER
um 408 v. Chr. Die drei Stadtstaaten von Rhodos Lindos, Ialyssos und Camirus schließen sich zusammen.
146 n. Chr. – 44 n. Chr. Die Römer erobern den Mittelmeerraum und schaffen ein Reich, in dem übergreifend römisches Recht herrscht.
533 n. Chr. Justinians Digesten, eine Zusammenfassung römischen Rechts, erscheinen.
um 700 n. Chr. Das Nomos Rhodion Nautikos (Rhodisches Seerecht) wird erlassen und gilt bis ins 12. oder 13 Jahrhundert.
Die Lex Rhodia (das Rhodische Recht) entstand in der griechischen Antike (500–300 v. Chr.) und ist das älteste bekannte Seerecht. Die Bewohner der Insel Rhodos waren eine der reichsten Seefahrernationen im östlichen Mittelmeer, und ihr Seerecht war so umfassend formuliert, dass andere griechische Staaten und Kolonien von Spanien bis zum Schwarzen Meer es übernahmen. Es beeinflusste auch das römische Recht und bot eine allgemein anerkannte Lösung für Rechtsstreitigkeiten im Mittelmeerraum.
Der Koloss von Rhodos war eines der sieben Weltwunder der Antike. Die 280 v. Chr. errichtete Statue des Sonnengotts Helios begrüßte die Schiffe bei der Einfahrt in den Hafen von Rhodos.
Ein erhaltener Teil des Gesetzes aus Justinians Digesten (533 n. Chr.) befasst sich mit dem Überbordwerfen von Schiffsladung in Seenot: »[…] wurde die Fracht über Bord geworfen, um das Schiff zu retten, muss das Opfer zugunsten des Gemeinwohls durch gemeinschaftlichen Beitrag gutgemacht werden.« Das ist das Prinzip der »gemeinschaftlichen Havarie«, das bis heute im Seerecht gilt. Die Lex Rhodia war so einflussreich, dass das Byzantinische Reich sein neues Seerecht um 700 n. Chr. Nomos Rhodion Nautikos (Rhodisches Seerecht) nannte.
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Recht und Philosophie
FRÜHER
um 1046–771 v. Chr. Die Könige der westlichen Zhou-Dynastie regieren einen Feudalstaat mithilfe lokaler Herrscher.
771–476 v. Chr. In der Zeit der Frühlings- und Herbstannalen bekämpfen sich die Territorialherrscher gegenseitig. Größere Staaten erobern kleinere, bis nur noch sieben übrig sind: Chu, Han, Qi, Qin, Wei, Yan und Zhao.
SPÄTER
221 v. Chr. Die Qin-Dynastie (221–206 v. Chr.) vereint China und führt den Legalismus ein.
141 v. Chr. Die Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.) macht den Konfuzianismus zur Staatsphilosophie und lehnt den Legalismus ab.
Zur Zeit der Streitenden Reiche (476–221 v. Chr.) bestand China aus sieben sich bekriegenden Staaten.
Die chinesischen Philosophen entwickelten als Reaktion drei sich widersprechende Glaubenssysteme: Konfuzianismus, Daoismus und Legalismus, die die Rolle von Regierung und Gesetzen ganz unterschiedlich sahen und die chinesische Geschichte nachhaltig prägen sollten.
Für den Philosophen Kong Fuzi (551–479 v. Chr.), genannt Konfuzius, sollten Traditionen für gesellschaftliche Stabilität sorgen. Er betonte die Bedeutung alter Riten (li) zu Ehren der Vorfahren und Götter, Mitmenschlichkeit (ren) und kindlicher Pietät (xiao), des Respekts der Kinder vor ihren Eltern. Letztere sollte auf die gesamte Gesellschaft ausgeweitet werden. Es gibt fünf grundlegende soziale Beziehungen, in denen jedes Individuum seinen festen Platz hat: Herrscher zu Untertan, Vater zu Sohn, Ehemann zu Ehefrau, älterer zu jüngerem Bruder sowie Freund zu Freund. In jeder dieser Beziehungen soll der übergeordnete Partner wie ein fürsorglicher Vater handeln, während der untergeordnete respektvoll und gehorsam zu sein hat.
Für Konfuzius war Recht und Strafe nur in einer primitiven Gesellschaft notwendig: »Regiert eine Regierung ausschließlich durch das Recht und will durch Strafe Ordnung schaffen, werden die Menschen eine Bestrafung vermeiden wollen, aber kein Gefühl der Scham kennen. Regiert man mit Tugend und schafft Ordnung durch Riten, ruft man nicht nur einen Sinn der Scham hervor, sondern sie werden auch edel.«
Das zentrale Werk des Daoismus ist das Daodejin, das Laozi (»Alter Meister«), einem möglicherweise mythischen Lehrer des 6. Jahrhunderts v. Chr, zugeschrieben wird. Es gab wohl mehr als einen Autor, aber die zentrale Aussage ist, dass Menschen in Harmonie mit der natürlichen Ordnung des Universums leben sollen, dem Dao (»Weg«). Das Daodejing nennt als Beispiel das Wasser: »Das Wasser ist fließend, weich und nachgiebig. Dennoch trägt es den Fels ab, der starr und unnachgiebig ist. Daraus folgt: Das Fließende, Weiche und Nachgiebige wird alles Starre und Harte überwinden.«
Die Daoisten glaubten, dass sich alle gesellschaftlichen Probleme lösen ließen, wenn Menschen ein Leben ohne Ehrgeiz und Gier führten. Wie Konfuzius misstrauten sie dem Recht. Im Gegensatz zu den Konfuzianern, für die der Staat gut für die Gesellschaft war, verteidigten sie das private Leben, unbeeinflusst von Herrschern. Für sie war die ideale Haltung das Wuwei (»Nichthandeln«) und der perfekte Herrscher erließ keine Gesetze, schränkte die Untertanen nicht ein und blieb unbemerkt.
Als Philosophie der Individualität und des Nichthandelns war der Daoismus als Herrschaftsideal kaum geeignet, beeinflusste aber spätere Philosophien und Religionen, vor allem den chinesischen Buddhismus.
Den größten Erfolg hatte die im Westen als Legalismus bekannte Philosophie des fa jia (»Gesetzesschule«). Für die Legalisten waren Menschen vor allem selbstsüchtig, faul und dumm. Für öffentliche Ordnung und einen starken Staat brauchte es strenge Gesetze und Strafen. Selbst kleine Verstöße sollten hart bestraft werden.
Im 4. Jahrhundert v. Chr. führte Shang Yang, oberster Minister des Staates Qin, den Legalismus ein. Die Schriften des Fürsten von Shang, eine Sammlung von Texten Shangs und seiner Anhänger, griffen den Konfuzianismus an und kritisierten, dass eine Verehrung der Traditionen zur Kritik an den Herrschern verleite. Selbst Menschlichkeit und Tugend beeinträchtigten das Recht. Den Schriften zufolge sollten böswillige Menschen aus zwei Gründen Machtpositionen einnehmen: Die Menschen sollten nur gegenüber dem Recht und nicht den Gesetzesvertretern loyal sein, und böswillige Menschen würden Gesetzesverstöße eher melden, weil sie gerne andere Menschen bespitzelten.
»Schätze keine schwer zu erlangenden Güter, und die Menschen werden nicht stehlen.«
Laozi
Daodejing, 4. Jh. v. Chr.
Die von Shang Yang eingeführten Strafen waren erniedrigend und schmerzhaft: Gesichtstätowierungen, Verstümmelungen und öffentliche Hinrichtungen durch Kochen, Vierteilen und lebendiges Begraben. Diese Strafen trafen auch oft die ganze Familie des Täters. Ein Verbrechen nicht zu melden wurde genauso hart bestraft wie das Verbrechen selbst.
Shang Yang schuf mithilfe des Legalismus einen autoritären Staat und eine mächtige Armee. Er zerschlug die feudalen Strukturen des Adels, der nun denselben Gesetzen unterworfen war wie Gemeine.
Das China der Qin-Dynastie folgte strikt den Vorgaben des Legalismus mit einem gesetzgebenden Kaiser an der Spitze der Gesellschaftspyramide und Sklaven auf der untersten Ebene.
Shang Yang selbst fiel in Ungnade, als ein neuer Herrscher an die Macht kam, den er einst gedemütigt hatte, und wurde 338 v. Chr. von Streitwagen gevierteilt und seine gesamte Familie ermordet.
Der Historiker Sima Qian (um 145–86 v. Chr.) schrieb, Shang Yang habe sein Schicksal verdient, auch wenn seine Politik Wirkung gezeigt habe: »Nach zehn Jahren waren die Menschen in Qin ruhig. Auf der Straße verlorene Dinge wurden nicht gestohlen, in den Hügeln gab es keine Räuber mehr, jeder Haushalt gedieh, und Männer kämpften tapfer auf dem Schlachtfeld, vermieden aber zu Hause jeden Streit.«
Der bedeutendste Philosoph des Legalismus, Han Feizi (um 260–233 v. Chr.), sagte, dass jeder von umfassend geltendem Recht profitiere, weil es Ordnung und Berechenbarkeit brächte. Der Legalismus brächte Menschen dazu, Dinge zu tun, die sie sonst gemieden hätten, wie harte Arbeit und Kriegsführung. Menschen lehnten Recht nur ab, weil sie wie Kleinkinder nicht wüssten, was gut für sie sei.
Qin besiegte nach und nach alle anderen Streitenden Reiche, bis König Zheng von Qin 221 v. Chr. das letzte unabhängige Königreich Qi unterwarf und sich selbst zum Qin Shihuangdi (»Erhabener Gottkaiser von Qin«) ausrief. Er führte in ganz Qin den Legalismus und standardisierte Währung, Gewichte und Maße und eine neue einheitliche Schrift ein. Er ließ die erste Große Mauer an der Nordgrenze, ein Straßennetz und ein gigantisches Grabmal bauen, in dem er später mit einer Terrakotta-Armee als Leibgarde beerdigt wurde.
»Dumme Menschen sind leicht zu regieren.«
Shang Yang
Schriften des Fürsten von Shang
Die Terrakotta-Armee, die das Grab des Kaisers Qin Shihuangdi bewacht, soll im Jenseits seine Leibgarde sein. Neben 8000 Soldaten umfasst sie auch Streitwagen und Pferde.
Qin war ein totalitärer Staat, der jeden Aspekt des Lebens kontrollierte. Der Kaiser befahl die massenhafte Verbrennung von Büchern und ließ Sima Qian zufolge 460 konfuzianische Gelehrte lebendig begraben. Seine Herrschaft war so brutal, dass die Qin-Dynastie sich nach seinem Tod 210 v. Chr. nur noch vier weitere Jahre hielt.
206 v. Chr. ergriff der Rebellenführer Liu Bang die Macht und gründete die Han-Dynastie, die Chinas erstes Goldenes Zeitalter begründete. Der Legalismus hatte zwar in Zeiten ständiger Kriege seinen Nutzen gehabt, aber nun schien der auf sozialen Zusammenhalt und Loyalität dem Herrschenden gegenüber ausgerichtete Konfuzianismus für ein vereintes und friedliches China geeigneter. Unter den Han verlor der Legalismus an Bedeutung, und die brutalsten Strafen wurden abgeschafft. 141 v. Chr. erhob der siebte Han-Kaiser Wudi den Konfuzianismus zur Staatsphilosophie. Die Analekten des Konfuzius wurden zum heiligen Buch.
Nichtsdestotrotz blieb China eine Autokratie, die den Konfuzianismus mit strikten Gesetzen untermauerte. Konfuzius’ ideale Gesellschaft, in der Gesetze und Strafen überflüssig sind, wurde unterdessen nie realisiert.
Konfuzius
Der Philosoph Kong Qui wurde 551 v. Chr. in eine unbedeutende Adelsfamilie im kleinen östlichen Staat Lu hineingeboren. Seine Anhänger nannten ihn später Kong Fuzi (»Meister Kong«), der Ursprung seines westlichen Namens Konfuzius. Nach einigen erfolglosen Jahren am Hof von Lu reiste er in der Hoffnung auf eine Anstellung als Minister von einem Staat zum nächsten. Da seine Ideen den Herrschern aber zu idealistisch und altmodisch klangen, erhielt er nie ein Amt. Dessen ungeachtet konnte er seine Philosophie immer weiter verbreiten. Sein Ruf der Gelehrsamkeit zog viele Schüler an, die bei ihm die alten Texte wie das Buch der Riten und das Buch der Lieder studierten.
Konfuzius selbst schrieb keine Bücher, aber nach seinem Tod 479 v. Chr. schrieben seine Schüler seine Lehren im Buch Lunyu (»Gespräche«) nieder, das heute im Westen als Analekten des Konfuzius bekannt ist.
Hauptwerk
um500 V. CHR.Analekten
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Kodifizierung des römischen Rechts
FRÜHER
510/509 v. Chr. Die Römer stürzen ihren letzten König und rufen die Republik unter Führung der Patrizier aus.
494 v. Chr. Als die Plebejer drohen, Rom zu verlassen, erhalten sie das Recht, ihre eigenen Beamten, die Tribune, zu wählen, die ihre Interessen vertreten und Gesetze vorschlagen.
SPÄTER
390 v. Chr. Die ursprünglichen Zwölf Tafeln werden von gallischen Eroberern zerstört. Kopien bleiben erhalten, und Generationen römischer Schüler müssen die Texte auswendig lernen.
367 v. Chr. Plebejer dürfen schließlich als Konsul (einer von zwei jährlich gewählten Staatsoberhäuptern) dienen.
Um 450 v. Chr. veröffentlichte die römische Republik ihr erstes schriftlich fixiertes Gesetz auf zwölf Bronzetafeln, die auf dem Forum ausgestellt wurden. Zu dieser Zeit lagen die Plebejer (die Gemeinen) im ständigen Kampf mit der kleinen Klasse der Patrizier (Adligen), die hohe Ämter bekleideten, und den Priestern, die als Magistrate handelten und die tradierten Gesetze nach Gutdünken interpretierten. Die Plebejer konnten für Verstöße gegen Gesetze bestraft werden, die sie überhaupt nicht kannten. Als Zugeständnis beauftragte man zehn Magistrate, die decemviri, damit, die römischen Gewohnheitsrechte aufzuzeichnen. Dank ihrer Zwölf Tafeln kannten die Römer jetzt einige ihrer wichtigsten Rechte und konnten gegen die Entscheidungen der Magistrate Einspruch einlegen.
Die Zwölf Tafeln enthielten Privatrecht und nannten Rechte und Pflichten der Bürger. Dazu kamen wichtige Anweisungen zu rechtlichen Verfahren, wie Vorladungen vor Gericht, Prozesse, die Rolle von Zeugen und Pfändungen.
Rom war landwirtschaftlich geprägt, und viele der Gesetze betrafen Streitigkeiten zwischen Bauern. Ein Gesetz verbot die Ehe zwischen Plebejern und Patriziern, wurde aber bald zurückgezogen. Andere Gesetze wurden später aktualisiert. Für Römer aber waren die Zwölf Tafeln immer die Grundlage ihres gesamten Rechtssystems.
»Dieses einzelne kleine Buch der Zwölf Tafeln scheint mir sicherlich alle Bibliotheken der Philosophen zu übertreffen.«
Cicero
Römischer Politiker (106–43 v. Chr.)
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Die Herrschaft des Rechts
FRÜHER
399 v. Chr. Der griechische Philosoph Sokrates wird in Athen zum Tod verurteilt; sein Schüler Platon bezeichnet die Demokratie als Pöbelherrschaft.
um 367–361 v. Chr. Platon ist Ratgeber des neuen Tyrannen von Syrakus, kann diesen aber nicht zu einem Philosophenkönig erziehen.
SPÄTER
um 330 v. Chr. Platons Schüler Aristoteles schreibt in Politik, dass ein Staat Demokratie und Oligarchie (Herrschaft Weniger) kombinieren sollte.
um 130 v. Chr. Der griechische Historiker Polybius lobt die römische Republik als erfolgreiche Mischverfassung.
1748 In Vom Geist der Gesetze plädiert Montesquieu für eine Mischverfassung.
Das um 350 v. Chr. vom athenischen Philosophen Platon verfasste Gesetze ist sein letztes und längstes Buch. Seine bekanntere Republik handelte vom idealen Staat mit einem Philosophenkönig, der keine Gesetze benötigt. Gesetze hingegen behandelt den »zweitbesten Staat«, in dem das Recht herrscht.
Das Buch ist ein fiktiver Dialog zwischen einem namenlosen Athener, dem Spartaner Megillos und dem Kreter Kleinias. Der Kreter steht im Begriff, die Stadt Magnesia zu gründen. Die drei diskutieren über die Verfassung, und der Athener schlägt ein Gesetzbuch vor, das jeden Lebensbereich regelt.
Platons theoretischer Stadtstaat verbindet ein autoritäres System mit demokratischen Elementen. Seine Gesetze werden von einem Diktator und einem weisen Gesetzgeber entworfen, die anschließend ihre Macht an gewählte Beamte abtreten. Jedes Gesetz hat eine erklärende Präambel. Gewaltenteilung soll Machtmonopole verhindern. Die städtischen Beamten werden von einer Prüfungskommission auf ihre Qualifikation überprüft und zur Rechenschaft gezogen. Platons Doktrin von der Herrschaft des Rechts und einer Mischverfassung hatte einen bleibenden Einfluss auf Philosophen bis hin zum französischen Richter Montesquieu im 18. Jahrhundert.
Ein Fresko im Vatikanmuseum zeigt Platon (links) mit seinem Schüler Aristoteles, der von den Ansichten seines Lehrers zu Recht und Regierung beeinflusst war.
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Naturrecht
FRÜHER
um 441 v. Chr. In seiner Tragödie Antigone schreibt Sophokles, dass es ungeschriebene und unabänderliche göttliche Gesetze gibt.
um 375 v. Chr. In De Re Publica sagt Cicero, dass die ideale Gesellschaft »im Einklang mit der Natur« steht.
SPÄTER
um 1050 n. Chr. Für den persischen Gelehrten Al-Biruni ist Naturrecht das Überleben des Geeignetsten, das durch das göttliche Gesetz überwunden werden muss.
um 1140–1150 In seinem Decretum setzt Gratian Naturrecht mit Kirchenrecht gleich.
um 1265–1274 Thomas von Aquin führt in Summa Theologica Aristoteles’ Philosophie und christliche Theologie zusammen.
Im 4. Jahrhundert v. Chr. unterschied Aristoteles zwischen dem universellen Gesetz der Natur und den menschengemachten Gesetzen. Um gerecht zu sein, muss ein Gesetz mit dem Naturrecht im Einklang stehen.
Aristoteles zitierte in seiner Rhetorik Antigone, eine Tragödie des Dichters Sophokles aus dem 5. Jahrhundert, als Beispiel für zwei konkurrierende Gesetze. In dem Stück verstößt Antigone mit der Beerdigung ihres Bruders Polyneikes gegen das Edikt des Königs. Aristoteles schreibt, dass sie sich dem König gegenüber für den Bruch seines konventionellen Gesetzes mit einem Plädoyer für ein höheres natürliches Recht rechtfertigt, das »ewig lebt und von dem keiner weiß, wie es entstand«. Er erklärte aber nicht, wie man Naturrecht von kulturellen Überzeugungen unterscheiden solle. Selbst sein Beispiel, das Recht auf eine Beerdigung, ist kein universeller Brauch. So mussten zukünftige Denker eine rationale Grundlage für das Naturrecht suchen.
»Es gibt ja etwas, wovon alle Menschen eine bestimmte Vorstellung haben, nämlich das von Natur aus für alle gemeinsam geltende Recht und Unrecht […]«
Aristoteles
Rhetorik (I.13), 4. Jh. v. Chr.
Um 300 v. Chr. setzte der griechische Philosoph Zenon, der Begründer der Stoa, Naturrecht mit göttlicher Vernunft, der sinngerichteten Ordnung im Kosmos, gleich. Die Menschen tragen als Teil des Kosmos die göttliche Vernunft in sich. Indem sie der Vernunft statt dem Gefühl folgen, können sie in Harmonie mit dem Naturrecht leben.
Die Stoiker glaubten, dass alle Menschen sowohl göttliche Vernunft als auch Naturrecht besäßen; deshalb war die Menschheit für sie eine Gemeinschaft von Gleichen. Für sie war die ideale Gesellschaft ein Weltstaat, in dem alle in Harmonie zusammenlebten und der göttlichen Vernunft folgten.
Später folgten römische Juristen wie Ulpian Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. der stoizistischen Vorstellung, dass die Menschen vor dem Naturrecht gleich seien und Sklaverei daher wider die Natur sei. Sie gingen aber nie so weit, diesen Gedanken auch konkret in Recht umsetzen zu wollen.
Der römische Politiker Cicero war stark von den Stoikern beeinflusst. In De re publica (um 51 v. Chr.) schrieb er: »Wahres Recht ist richtige Vernunft in Einstimmung mit der Natur […] mit einem ewigen und unabänderlichen Gesetz […] für alle Nationen und Zeiten […] und einem Meister und Herrscher, der unser aller Gott ist, denn er ist der Verfasser dieses Gesetzes, sein Verkünder und Richter.« Cicero verstand den »Gott« der Stoiker als göttliche Vernunft, aber die christlichen Denker, wie der italienische Mönch Gratian und Thomas von Aquin, lasen aus Ciceros Beschreibung eines universellen Gesetzgebers und Richters eher den christlichen Gott heraus.
»Soweit es das Privatrecht angeht, sind Sklaven keine Personen, dies gilt aber nicht nach Naturrecht, weil das Naturrecht alle Menschen als gleich geschaffen ansieht.«
Domitius Ulpianus
Ad Sabinum (XLIII), um 212 n. Chr.
Aristoteles
Die Werke des Philosophen und Universalgelehrten Aristoteles bestimmten die Entwicklung der Philosophie in Antike und Mittelalter. 384 v. Chr. in Stageira in Thrakien geboren, ging er mit 17 Jahren nach Athen, um an Platons Akademie zu studieren und zu lehren. Nach Platons Tod um 347 v. Chr. reiste er nach Kleinasien. Um 344 v. Chr. besuchte er die Ägäisinsel Lesbos, um dort die Meeresfauna zu studieren.
Aristoteles war kurzfristig Lehrer Alexanders des Großen, bevor er 335 v. Chr. nach Athen zurückkehrte und das Lyzeum, seine eigene Schule, gründete. Er schrieb rund 200 Bücher über nahezu jedes damals bekannte Feld der Wissenschaft und Philosophie. 323 v. Chr. zog er nach Chalkis, wo er im Jahr darauf starb.
Aristoteles’ Werk überdauerte nach dem Fall Roms in der islamischen Welt und wurde im Westen von Thomas von Aquin wiederbelebt.
Hauptwerke
Nikomachische Ethik
Rhetorik
Politik
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Bürgerliches Recht und Privatbesitz
FRÜHER
494 v. Chr. Die von öffentlichen Ämtern ausgeschlossenen Plebejer schaffen ihre eigene Volksversammlung.
um 450 v. Chr. Das Zwölftafelgesetz ist Roms frühestes Gesetzbuch.
287 v. Chr. Die Lex Hortensia gibt der Volksversammlung die Macht, ohne Zustimmung des Senats Gesetze zu schaffen.
SPÄTER
426 n. Chr. Die Lex Citationum Kaiser Valentinians III. nennt fünf Juristen (Ulpian, Gaius, Papinian, Paulus und Modestinus), deren Rechtsmeinung Richter folgen sollten.
529–533 n. Chr. Kaiser Justinian veröffentlicht mit Kodex, Digesten und Institutionen eine Neukodifikation des römischen Rechts.
Die Lex Aquilia war ein römisches Gesetz, das bei Sachbeschädigung finanziellen Ausgleich bot. Nach Aquilius, einem Volkstribun (gewählter Vertreter des einfachen Volks), benannt, der es formuliert hat, zählt es zu den ersten Gesetzen, die entstanden, nachdem die Volksversammlung auch ohne Zustimmung des Senats Gesetze verabschieden durfte. Plebejer konnten nun Schadensersatz von den Patriziern, der den Senat dominierenden, herrschenden Elite, fordern.
Die Lex Aquilia beschrieb die Kompensationen für verschiedene Szenarien: So war dem Eigentümer bei unrechtmäßiger Tötung von Sklaven oder Vieh der höchste Wert des Vorjahres zu zahlen. Eine weitere Klausel befasste sich mit allen möglichen Eigentumsbeeinträchtigungen. Solche Schäden mussten binnen 30 Tagen beglichen werden.
Die Lex Aquilia setzte alle früheren Gesetze zum Schadensersatz außer Kraft. Sie bestimmt bis heute das moderne Rechtskonzept des »Delikts« als vorsätzlicher oder fahrlässiger unerlaubter Handlung.
Römische Gesetze waren Auslegungssache, aber der Jurist Ulpian (um 710–233 n. Chr.) bekräftigte später, dass ein rechtswidriger Schaden »in schuldhafter Weise« herbeigeführt war, schloss also Fahrlässigkeit mit ein, nicht aber Unfälle. Kaiser Justinian zitierte Ulpian in seinen Digesten 533 n. Chr. und sicherte so das Vermächtnis der Lex Aquilia für viele Jahre.
»Fällt ein Stein von einem Karren und […] richtet Schaden an, ist der Fuhrmann nach der Lex Aquilia haftbar, sofern er die Steine schlecht geladen hat.«
Ulpian
Justinians Digesten, um 533
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Kastensystem und hinduistisches Recht
FRÜHER
1500–1200 v. Chr. Der Rigveda, der älteste Sanskrittext, entsteht in Indiens Gesellschaft.
1100–500 v. Chr. In Nordindien kommen Erbmonarchien und ein Kastensystem auf.
SPÄTER
1794 Die Manusmriti wird ins Englische übersetzt und von den britischen Kolonialherren als Gesetzbuch für Hindus genutzt.
1905 Ein Manuskript des Arthashastra, das seit dem 12. Jh. verloren war, wird wiederentdeckt.
1949 Die Verfassung des gerade unabhängig gewordenen Indiens verbietet Diskriminierung durch das Kastensystem, das Problem hält aber bis ins 21. Jh. an.
Arthashastra und Manusmriti sind zwei alte Sanskrittexte, deren Ursprünge auf 200 v. Chr. geschätzt werden. Das Arthashastra (Lehrbuch der Politik) ist ein praktischer Leitfaden für Könige. Die Manusmriti (Gesetzbuch des Manu) ist eine Sammlung von Regeln oder Verordnungen, die Manu, der Ahnherr der Menschheit, verfasst haben soll. Sie befasst sich mehr mit moralischem und sozialem Verhalten und Pflichten.
Die Bücher teilten die Gesellschaft nach der rituellen Reinheit in vier Varnas (Kasten). Die Reinsten waren die Brahmanen (Priester), ihnen folgten die Kshatriyas (Fürsten und Krieger), die Vaishyas (Händler und Bauern) und die Shudras (Handwerker, Tagelöhner). Die Geburt in eine Kaste ist Belohnung oder Bestrafung für Handlungen in einem früheren Leben. Beide Bücher verbieten ein Vermischen der Kasten. Historisch dienten sie zwar nicht als Gesetzbücher, aber beide enthalten strenge Regeln und Strafen für alle Lebensbereiche.
Die Manusmriti erhielt im 18. Jahrhundert neue Bedeutung, als die britischen Kolonialherren Indiens sie parallel zur Scharia als Gesetzbuch für Muslime als Gesetzbuch für Hindus interpretierten. Sie wurde unter dem Titel Institutes of Hindu Law ins Englische übersetzt und diente als Grundlage für Gesetze für Hindus.
Dr. Bhimrao Ambedkar, hier auf einer Briefmarke von 1960, war der erste Justizminister Indiens und prominenter Kämpfer gegen das Kastensystem.
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Moral und Rechtstheorie
FRÜHER
um 450 v. Chr. Das Zwölftafelgesetz begründet tausend Jahre kodifizierten römischen Rechts.
27 v. Chr. – 14 n. Chr. Kaiser Augustus ernennt Juristen, die in seinem Namen Rechtsansichten äußern sollen.
1. Jh. n. Chr. In Rom florieren zwei Rechtsschulen: Die Sabinier setzen auf Tradition und Orthodoxie, die Prokulianer auf Argumentation und Konsistenz.
SPÄTER
533 n. Chr. Justinian I. veröffentlicht seine Digesten, eine Werksammlung römischer Juristen.
um 1070 Manuskripte der Schriften Justinians werden in Norditalien entdeckt und wecken neues Interesse an römischem Recht und Ulpian.
Domitius Ulpianus war der einflussreichste Jurist des alten Roms, der in etwas mehr als zehn Jahren über 200 Bücher über das Recht verfasste. Viele Jahrhunderte später gelangte er im Mittelalter zu neuem Ruhm, als der Name »Ulpian« ein Synonym für römisches Recht wurde.
Ulpian wurde im ausgehenden 2. Jahrhundert im phönizischen Tyros geboren. Im nahen Berytus (Beirut) befand sich die berühmteste Rechtsschule des Römischen Reichs, und Ulpian studierte oder lehrte möglicherweise dort.
