Bildung: Ware oder öffentliches Gut? - Gesine Schwan - E-Book

Bildung: Ware oder öffentliches Gut? E-Book

Gesine Schwan

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Beschreibung

Bildung bleibt in Deutschland abhängig von der sozialen Herkunft. 10 Prozent eines Jahrgangs - zirka 80 000 sozial benachteiligte junge Menschen - verlassen jährlich die Schule ohne Abschluss. Der sozialdemokratische Slogan "Aufstieg durch Bildung" verliert an Anziehungskraft. Was eine erneuerte sozialdemokratische Bildungspolitik auszeichnen sollte, diskutiert Gesine Schwan in ihrem vorliegenden Buch. Sie plädiert nachdrücklich dafür, (sozial-)demokratische politische Kultur zu erneuern und so dem Trend ökonomisierter - an Effizienz und Output orientierter - Steuerung im Bildungswesen entgegenzuwirken. "Teilhabe durch Bildung" heißt ihr Ziel.

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Seitenzahl: 90

Veröffentlichungsjahr: 2012

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vorwärts | buch

Bildung: Ware oder öffentliches Gut?

Gesine Schwan

vorwärts | buch

Impressum

© 2011 vorwärts buch GmbH, Stresemannstr. 30, 10963 Berlin. www.vorwaerts-buch.de; Gestaltung: Dirk Bleicker; Satz: Dresdner Verlagshaus Technik GmbH; Autorenfoto: Dirk Bleicker. Jede Form der Wiedergabe oder Vervielfältigung, auch auszugsweise, erfordert die schriftliche Zustimmung des Verlages.

ISBN 978-3-86602-800-5

Impressum

Einleitung

Ursprünge sozialdemokratischer Bildungspolitik

Eine neue Herausforderung: Bildung und Globalisierung

Ziele und Ergebnisse sozialdemokratischer Bildungspolitik bis zum Ende der 1980er-Jahre. Eine Bestandsaufnahme

Die bildungspolitische Wende in den 1990er-Jahren

Fallen der neuen Steuerungsphilosophie

Humboldt ist aktuell!

Bologna: Fehlentwicklungen im Zeitgeist

Exkurs zur Exzellenzinitiative

Leistung durch Wettbewerb in der Bildung?

Krise und Chancen zukunftsorientierter Berufsbildung

Lernen und Innovation

Bildung als öffentliches Gut: Ein radikaler Perspektivwechsel tut not!

Literatur

Einleitung

„Aufstieg durch Bildung!“ Kaum ein Aufruf hat die Sozialdemokratie in ihrem Ursprung so motiviert und befeuert wie dieses Versprechen! Heute hat dieses Versprechen allerdings – nach Jahrzehnten von Bildungsreformen (der Plural ist bewusst gewählt!), an denen Sozialdemokraten maßgeblich beteiligt waren – seine Überzeugungskraft verloren. Bildung hat nicht zu einem allgemeinen Aufstieg geführt, sondern ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten wieder zunehmend und mehr als in anderen europäischen Ländern abhängig von der sozialen Herkunft. Die ca. 80000 jungen Menschen, die jährlich die Schule ohne Abschluss verlassen – das sind 10 Prozent eines Jahrgangs –, kommen aus sozial „niederen“ Verhältnissen – mit und ohne den berühmten „Migrationshintergrund“. Müssen wir also das traditionsreiche Versprechen heute aufgeben? Handelt es sich in der Sache um ein falsches, irreführendes Ziel? Sollten wir einen neuen Slogan finden? Oder ist die Enttäuschung die Folge einer falschen Bildungspolitik?

Die Antwort will wohl bedacht sein! Denn viele Menschen hängen an der Hoffnung des Aufstiegs durch Bildung, viele möchten mit ihr gegen die neu entstandenen sozialen Diskrepanzen die sozialdemokratischen Wurzeln wieder beleben. Und worauf sollten wir sonst für den Aufstieg setzen? Oder lenkt das Ziel „Aufstieg“ selbst uns in eine falsche Richtung?

Vielleicht lohnt es sich, einige historische und systematische Annahmen, die in dem traditionellen Versprechen stecken, zunächst deutlich zu machen. Das kann unseren Blick auf Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der Ausgangssituation der Sozialdemokratie im 19. Jahrhundert und heutigen Bedingungen für eine gelungene Bildung lenken. Und klären helfen, auf welche Wege und Abwege uns die Bildungsreformen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geführt haben. Meine folgenden Überlegungen dazu sind allerdings als bewusst subjektiver und pointierter Diskussionsvorschlag gedacht, nicht als lückenlose historische Darstellung.

Ursprünge sozialdemokratischer Bildungspolitik

Sozialen Aufstieg zu fordern lag nahe für Menschen, die an der unteren Skala der sozialen Hierarchie lebten. Das war eine auf der Hand liegende Folge des zunächst rechtlichen, dann politischen Gleichheitspostulats, das aus der Französischen Revolution hervorgegangen war. Und die Anhänger der Sozialdemokratie befanden sich eher am unteren Ende der sozialen Skala. Das Aufstiegsversprechen war also ihren Wählern und Anhängern auf den Leib geschrieben. Es setzte im Übrigen auf die Chance individueller Anstrengung, verband damit freilich auch die Forderung nach strukturellen Veränderungen des Bildungssystems, um der Gleichheitserwartung gerecht zu werden. Es war also eingebettet in eine Solidaritätsidee, die zunächst die Unterprivilegierten umfasste, aber auch als Vision für die zukünftige Gesellschaft galt. Im Wesentlichen ging es bis zum Godesberger Programm darum, rechtliche und finanzielle Hindernisse gegen gleiche Bildungschancen zu überwinden. Individuelle Leistung gegen Privilegien.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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