Bill Mohenny - Hugin West - E-Book

Bill Mohenny E-Book

Hugin West

0,0
3,00 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Nachdem ich die Burschen ins Jenseits befördert hatte, die meinen besten Freund Phil auf dem Gewissen gehabt hatten, war es wieder einmal so weit, daß ich mich fragte: Und was jetzt? Unterstützt von Luises Seelentröster kam mir dabei die Lovecroft Ranch wieder in den Sinn, wo Phil und ich uns vor Jahren eine Weile aufgehalten hatten, die zwei nervigen Gören da und Mrs. Lovecrofts unvergleichlicher Apfelkuchen. Warum nicht wieder einmal zur Lovecroft-Ranch? Im Großen und Ganzen war dann alles auch richtig beim Alten, nur die Gören war mittlerweile etwas größer, aber Mrs. Lovecrofts Apfelkuchen war nach wie vor so unvergleichlich wie damals. Die Lovecrofts hatten allerdinge Probleme, ziemliche Probleme - mit einem bösen Nachbarn. Und wenn ich weiter Wert legte auf Mrs. Lovecrofts unvergleichlichen Apfelkuchen, mußte ich mich der Sache eben annehmen. Aber für einen guten Apfelkuchen tu ich ja fast alles. Die Sache endete dann allerdings in einem ziemlichen Gemetzel - aber der Apfelkuchen war mir danach, bis auf weiteres jedenfalls, gerettet.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 282

Veröffentlichungsjahr: 2018

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Hugin West

Bill Mohenny

Blutige Spur

© 2018 Hugin West

Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7469-8138-3

Hardcover:

978-3-7469-8139-0

e-Book:

978-3-7469-8140-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Ich denke, es kommt wohl für jeden einmal der Tag oder der Augenblick, an dem er sich plötzlich fragt, wie es jetzt eigentlich weitergehen soll – und dann fängt er vielleicht an, nachzudenken …. über sein Leben, also etwa wie eigentlich alles angefangen hat, oder wie es eigentlich gekommen ist, dass er jetzt genau da steht, wo er eben steht. Und irgendwann denkt man dann eben:

“Tja, und was machst Du jetzt?“

Ich meine, vielleicht kommt er nicht wirklich für jeden, aber …

Nun egal, für mich jedenfalls war dieser Tag, dieser Moment gekommen, nachdem ich die vier Burschen umgelegt hatte, die meinen alten Freund Phil auf dem Gewissen hatten.

Viele Wochen war ich ihnen auf den Fersen gewesen, ich weiß nicht mehr wie viele, aber es hatte eben schon so seine Zeit gedauert.

Aber dann hatte ich sie!

Vor einem schäbigen Hotel in einem kleinen Nest in Montana hatte ich sie eines Morgens endlich gestellt – vier als Killer bekannte Typen aus Nebraska.

Ich erklärte ihnen, dass ich sie jetzt nach Nebraska schaffen würde, wo der Richter schon auf sie warten würde.

Schätze, dass ich ziemlich überzeugend war.

Die vier sahen sich an, … dann sahen sie die Straße hinauf und hinunter. Es waren zwar kaum Leute auf der Straße, aber die drehten sich jetzt nach uns um, zumindest die, die in der Nähe waren und unser kleines Gespräch mitgekriegt hatten. Ein Stück weiter, vor dem Saloon, waren vier Gäule an der Haltestange fest gemacht – und warfen noch lange Schatten in der noch sehr tief stehenden, rötlichen Morgensonne, die ich, nicht ganz zufällig versteht sich, im Rücken hatte …

Damit waren sie natürlich ganz eindeutig im Nachteil, wenn sie ziehen wollten.

Sie wollten aber trotzdem. Also zumindest einer von ihnen konnte der Versuchung nicht widerstehen. Das aber reichte durchaus für meine Zwecke, denn als er versuchte zu ziehen, pumpte ich die vier mit Blei voll, und nur grad einer kriegte doch wenigstens noch sein Schießeisen raus, bevor er hinfiel. Zum Schießen kam er nicht mehr.

Zugegeben, mit Blei vollpumpen ist vielleicht ein wenig übertrieben bei sechs Kugeln aus einem Colt für vier Mann, aber … nun ja, so redet man eben.

Wie auch immer, jedenfalls lud ich dann augenblicklich meinen Colt nach, während ich sie im Auge behielt… aber die Sache war eindeutig erledigt.

Da holte ich einmal tief Luft, atmete kurz und heftig wieder aus und steckte schließlich mein Schießeisen wieder ein.

Dann ging ich zu ihnen hinüber und sah hinab auf die vier. Eine Situation wie diese war nicht ganz neu für mich und so sagte ich schließlich nach einem Augenblick, oder auch zwei, nur halblaut vor mich hin:

„Na schön, dann eben nicht nach Nebraska. Sehr zufriedenstellend. So long!“

Ich tippte kurz an die Krempe meines Hutes und stiefelte dann die Mainstreet hinauf, wo noch immer die vier Gäule vor dem Saloon festgemacht waren, wobei mir schon ein paar Leute entgegen kamen, die sich die ganze Bescherung ansehen wollten, denn die Schüsse waren natürlich nicht ungehört geblieben.

Die Unterarme auf einen Flügel der Schwingtür zum Saloon gelehnt, stand ein Typ da und reckte den Hals, um die Straße runter zu sehen. Als ich die Schwingtür aufdrückte, um in den Saloon zu gelangen, musste er notwendigerweise zurückweichen.

„Wissen Sie, was da unten los ist?", fragte er, als ich an ihm vorbeikam.

Ich zuckte mit den Schultern.

„Irgendwer hat da unten grad vier Typen umgelegt, das ist alles“, klärte ich ihn auf und ging hinüber zur Theke.

Der Saloon, der ziemlich gewöhnlich eingerichtet war, war leer. Sicher waren morgens schon ein paar Gäste da gewesen, aber die waren durch meine Schüsse wohl hinaus gelockt worden auf die Straße -unschwer zu erkennen, an der Handvoll halbleerer und leerer Gläser, die auf der Theke herumstanden.

Nun, ich ging hinüber zur Theke und der Typ von der Schwingtür folgte mir, schob sich hinter die Theke und stellte wenig später unaufgefordert ein volles Glas Whiskey vor mich hin.

„So war ´s doch wohl gemeint?“, fragte er dabei.

„Unbedingt“, sagte ich und nahm einen kräftigen Schluck.

Tja, ein Whiskey tut schon irgendwie gut nach so einer Sache.

Und außerdem wollte ich da auf den Sheriff warten, der sicher ein paar Fragen an mich haben würde.

Und tatsächlich, ich brauchte auch nicht lange auf ihn zu warten.

„Hi!“, grüßte er, nachdem er sich neben mir aufgebaut hatte.

„Hi, Sheriff!“, erwiderte ich und nickte, während er, ebenfalls unaufgefordert, ein Glas Whiskey hingestellt kriegte.

Aus den Augenwinkeln sah ich, dass er mich scharf und forschend musterte.

Er war einer von diesen großen, hageren Typen, die immer Hosenträger brauchen, dazu hatte er ein schmales, faltiges Gesicht mit schmalen Lippen.

„Sagen Sie, sind Sie der Typ, der grad die vier Burschen auf der Mainstreet da unten umgelegt hat?“, fragte er endlich, als er mich hinlänglich beäugt hatte.

„Ich wandte den Kopf nach ihm und sagte: „Es war Notwehr.“

„Ja, ja, ich weiß, die haben zuerst gezogen, das habe ich schon gehört, aber trotzdem …“

„Die Cullen-Brüder„ , klärte ich ihn auf, „aus Nebraska. In Nebraska eine bekannte Killerbande … bis heute.“

„Soso, eine bekannte Killerbande aus Nebraska also …“

„Und Sie?“, fragte er dann.

„Mohenny! William Mohenny!“, erwiderte ich, „Cowboy und … und, nun ja, sonst noch so alles Mögliche eben.“

„Cowboy und so.“, wiederholte der Sheriff kopfnickend und studierte mein Gesicht.

„Also, seh´n Sie, Sheriff“, erklärte ich darauf, als er nicht weitersprach, „das war wirklich nicht meine Schuld. Ich hatte ihnen vorgeschlagen, dass ich sie nach Nebraska schaffen würde, wo der Richter schon auf sie warten würde, weil sie meinen alten Freund Phil umgelegt haben, aber …na, Sie seh´n ja, was passiert ist.“

Der Sheriff nickte erneut und meinte:

„Ja, ja, natürlich, ich kenne das. Manche kommen ja wirklich auf die unglaublichsten Ideen in so einem Fall.“

Seine Musterung meiner Wenigkeit ging weiter und endlich aber erklärte er:

„Also schön, Mr. … Mr. …“

„Mohenny! William Mohenny!“, nannte ich ihm noch einmal meinen Namen.

„Also schön, Mr. Mohenny, für mich sieht die Sache so aus: Ich kenne Sie nicht und ich kenne diese verdammten Cullen-Brüder nicht, aber so wie es aussieht, haben die tatsächlich zuerst gezogen. Ich habe also nichts in der Hand gegen Sie. Andrerseits: Ich mag ´s nicht, wenn in meiner Stadt solche Sachen passieren, und….“

„Tja, welcher Sheriff mag das schon?“, unterbrach ich ihn. („Dass Sheriffs immer von IHRER Stadt reden müssen!“, ging es mir dabei für einen Augenblick durch den Kopf.

„Na, da sieh mal einer an, da denkt ja einer mit.“, bequemte sich der Sheriff zu einem sarkastischen Lob, „Aber dann werden Sie ja auch versteh´n, dass ich Sie jetzt auffordern muss: Steigen Sie auf Ihr Pferd und verschwinden Sie! Und zwar gleich! Und wenn ich Sie nach vierundzwanzig Stunden noch irgendwo im Umkreis von zwanzig Meilen um diese Stadt antreffe, dann buchte ich Sie ein. Da lass ich mir dann schon was einfallen.“

„Kein Mensch zweifelt an Ihrem Einfallsreichtum, Sheriff.“, versicherte ich ihm, „aber … ich würde noch ein paar Sachen aus dem Laden brauchen, ist ´n weiter Weg bis nach Nebraska.“

„Eine Stunde!“, knurrte der Sheriff darauf nur.

„Drei!“, versuchte ich es mit einem Gegenvorschlag.

Nun, wir einigten uns daraufhin immerhin auf zwei.

„Und noch was, bevor Sie losreiten. Schau´n Sie rüber zum Sargmacher, den finden Sie hinter dem Mietstall. Der wird die vier unter die Erde bringen. Wenn die Burschen aber nicht genug Geld eingesteckt hatten, dann legen Sie den Rest d´rauf.“

„Aber sicher doch.“, versicherte ich dem Sheriff.

Damit war er dann endlich zufrieden, und so machte ich mich wunschgemäß aus dem Staub.

„Tja, dann: So long, Sheriff! So long, Gents.!“, grüßte ich, tippte kurz an die Krempe meines Hutes und stiefelte dann Richtung Schwingtür.

„Ich schau auf die Uhr, Sohn.“, ereilte mich die Stimme des Sheriffs noch, als ich hinaus trat.

„Na klar doch, Sheriff!“, rief ich noch zurück – und hatte damit diesen Punkt immerhin auch erledigt.

Vor dem Saloon schaute ich mich kurz um. Da stachen mir unten auf der Straße zwei Typen ins Auge, die einen flachen Karren vor sich herschoben – und auf dem lagen die vier Toten. Ich schaute ihnen eine kleine Weile zu, bis sie herangekommen waren. Ob einer von ihnen wohl der Sargmacher war? Nun, das würde sich ja zeigen. Jedenfalls hinkte einer der beiden ein wenig, ein etwas älteres Semester, wie ich nun sah, als sie näher heran waren.

Als sie vorbei waren, holte ich aber endlich mein Pferd und ritt hinauf zum Laden, der war nicht weit.

Der Wagen stand noch immer da – wenn ´s nicht mittlerweile ein anderer war, aber das kümmerte mich natürlich nicht.

Der Laden war eigentlich ziemlich leer – bis auf einen etwas älteren Mann, der am Verkaufspult stand, und einen Mann hinter dem Verkaufspult, der mir auch der Besitzer des Ladens zu sein schien. Vor sich stapelte er ein paar Dosen mit Farbe auf, Pinseln und sonst noch irgendwelches Zeug.

Beide wandten ihre Köpfe nach mir, als ich, begleitet vom Klingeln der Türglocke, eintrat. Und als ich dann ans Verkaufspult trat, rief der Alte hinter dem Verkaufspult laut irgendwo nach hinten:

„Luise!“

Wenig später tauchte eine große, sehr schlanke, schon etwas grauhaarige Frau auf, nach meiner Einschätzung die werte Gattin des Ladenbesitzers, der nun wortlos auf mich deutete, worauf sie sich an mich wandte.

„Was wünschen Sie, junger Mann?“

„Tja, da wär´ einiges.“, antwortete ich und begann aufzuzählen, hauptsächlich natürlich Munition und Proviant.

Während sie die Sachen zusammensuchte, musterte sie mich zwischendurch immer wieder prüfend, und als sie dann die letzten Sachen vor mir auf das Verkaufspult legte, meinte sie:

„Sie sehen mir irgendwie so aus, als ob sie ein Glas von meinem Seelentröster vertragen könnten.“

„Seelentröster!“, wiederholte ich überrascht, während ihr Gatte kopfschüttelnd und ein wenig vorwurfsvoll sagte.

„Luise!“

Doch Luise ließ sich nicht beirren, langte unter das Verkaufspult und holte da eine etwas mehr als halbvolle Flasche und ein eher etwas größeres Glas hervor und stellte beides vor mich hin. Die Flüssigkeit in der Flasche war blassgelb oder gelbgrün.

Luises Mann schüttelte den Kopf, Luise selbst aber entkorkte die Flasche und füllte mir das Glas ziemlich voll,

„Da!“, sagte sie und schob mir das Glas hin, „Das wird Ihnen guttun.“

Nun, man kann eine solche Einladung nicht gut ablehnen, schon gar nicht, wenn sie von einer netten Lady wie dieser da kommt, also griff ich nach dem Glas und roch kurz daran. Der Geruch war durchaus angenehm, offensichtlich war das ein angesetzter Schnaps mit irgendwelchen Kräutern und Früchten.

Und dann versuchte ich das Zeug eben – es war scharf, ein wenig süßlich und der Geschmack war durchaus angenehm.

„Nun?“, forderte mich Luise fragend zu einem Urteil auf.

„Zufriedenstellend, sehr zufriedenstellend.“, konstatierte ich mit einem anerkennenden Kopfnicken, „Wirklich sehr zufriedenstellend.“

„Na dann.“, sagte Luise zufrieden und sah nach ihrem Mann, der gerade begann, die Sachen für seinen Kunden in einen großen Pappkarton zu schlichten.

„Und was bin ich Ihnen dafür schuldig?“, fragte ich.

„Nichts, geht auf ´s Haus:“

„Danke, aber … wie komm ich zu der Ehre?“

„Ach Gott, nur so. Ich mag Typen wie Sie?“

„Tatsächlich? Und was bin ich für ein Typ?“

„Das müssen Sie schon selber ´rausfinden. Gehn sie in sich, und denken Sie nach über sich. Der Seelentröster könnte Ihnen dabei im Übrigen helfen.“

„Wenn Sie es sagen.“

In diesem Augenblick ging aber erneut die Türglocke und es erschien eine kleine, alte Frau mit fast weißem, dünnen Haar, die etwas gebückt und am Stock ging.

„Hallo, Luise!“, grüßte sie, während sie nach vor ging zum Verkaufspult. Irgendwie sah sie ziemlich unternehmungslustig aus.

„Hallo, Bertha.“, antwortete Luise, „Wie immer?“

„Natürlich wie immer.“, sagte Bertha mit einem prüfenden Seitenblick auf mich.

Luises Mann schüttelte erneut den Kopf, Luise aber holte ein weiteres Glas unter dem Verkaufspult hervor, füllte es mindestens so voll wie das meine und schob es Bertha hin.

Die griff auch sogleich danach und schon war es auch fast leer.

Ich nickte anerkennend und es kann sein, dass ich sie dabei auch etwas überrascht oder verwundert ansah, jedenfalls fühlte sie sich bemüßigt, mir zu erklären:

„Das ist meine Medizin, junger Mann.“

Woraufhin ich meinerseits mein Glas hob und sagte:

„Na dann! Auf Ihre Gesundheit, Ma´am.“

Und dann leerte ich eben das Glas.

„Würden Sie mir die Sachen einpacken?“, fragte ich dann Luise.

„Aber sicher.“, erklärte Luise und holte einen großen Bogen braunes Papier hervor.

Da begann aber Bertha;

„Hast du ´s schon gehört Luise? Unten auf der Straße hat einer vier Männer erschossen.“

„Ja, Tracy ist vorhin vorbeigekommen.“

Luise stockte und sah mich plötzlich prüfend an - und da ich so eine Ahnung hatte, was sie in diesem Augenblick dachte, stellte ich erklärend fest:

„Es war nicht meine Schuld, die haben zuerst gezogen.“

Luise lächelte:

„Das glaub ich Ihnen schon, junger Mann,“, sagte sie, „sonst hätte Niles sie längst eingelocht. Der ist da nicht zimperlich.“

„Davon bin ich überzeugt.“, stimmte ich ihr zu.

„Das können Sie auch.“; sie hatte mittlerweile meine Sachen in den großen Bogen Papier eingeschlagen und fragte nun noch einmal:

„Und? Haben Sie nun alles?“

Da sagte ich, einer plötzlichen Eingebung folgen:

„Haben Sie noch eine Flasche von diesem … diesem famosen Seelentröster für mich? Nachdem ich ja in mich gehen soll …“

Nun, sie hatte, und danach machte ich mich endlich doch auf den Weg.

Und mein nächster Weg sollte mich ja bekanntlich zum Sargmacher führen.

Hinter dem Mietstall sollte er zu finden sein. Und richtig, da war eine große Wekstatt deren Tor weit offenstand, und drinnen sah ich dann auch den Karren mit den vier Toten stehen, die man aber jetzt mit Decken zugedeckt hatte, sehr zum Leidwesen der Fliegen vermutlich, die jetzt auf der Decke herumkrabbelten.

Nun, ich trat ein und sah mich um. Und schon auf den ersten Blick war zu erkennen, dass es sich um die Werkstatt eines Tischlers und Zimmermannes handeln musste, denn an den Seiten stapelten sich Bretter und Staffeln, an den Wänden hingen etliche Sägen und Hobel und auf zwei großen Arbeitstischen lag auch noch diverses Werkzeug. Und auch ein paar Töpfe standen da, wohl mit Leim oder Farbe.

Es war niemand zu sehen, allerdings hörte ich es irgendwo rumoren.

„Hi, Gents!“, rief ich daher laut.

Das Rumoren verstummte und von irgendwo links hinten kam es dumpf zurück:

„Wir sind da hinten. “Nun, ich folgte also dieser Stimme und kam zu einer breiten Tür, durch die man in einen weiteren großen Raum gelangte, der wohl das Lager war, denn hier gab es hohe Stapel von Brettern , Pfosten und Latten, sowie Furnierrollen, und ganz hinten lehnten wohl ein gutes Dutzend Särge an der Wand.

Da sah ich jetzt auch zwei Männer, die gerade an einem dieser Särge herum hantierten und sich jetzt zu mir umdrehten.

„Hi!“, grüßte ich noch einmal, „Ich suche den Sargmacher.“

Einer der beiden drehte sich ganz zu mir um. Ein großer, kräftiger Mann, bärtig, gut Vierzig, und sagte:

„Das bin ich. Sargmacher, Tischler, Zimmermann, Totengräber, … und sonst noch so einiges. Was wollen Sie? So tot sehen Sie gar nicht aus.“

„Sargmacherscherz!", dachte ich, laut aber antwortete ich:

„Das täuscht, aber … Frage: Werden Sie die vier Toten da drüben unter die Erde bringen?“

„Werde ich … zusammen mit Jonathan.“

Und bei diesen Worten deutete er mit dem Kopf nach dem zweiten Mann. Der war eher klein und drahtig, stoppelbärtig und wohl noch etwas älter als der Sargmacher, nach meiner Einschätzung einer dieser kleinen, zähen Burschen, die nicht unterzukriegen sind.

Der Sargmacher sah mich fragend an.

„Warum fragen Sie? Wollen Sie zu ihrer Beerdigung kommen? Kannten Sie die?“

„Weder das eine noch das andere. Ich hab`sie umgelegt, das ist alles. Hatten sie genug Geld eingesteckt? Ich meine, für Euch?“

„Hatteb sie. Hat der Sheriff Sie geschickt?“

„Hat er.“

„Das sieht ihm ähnlich“, knurrte Jonathan und dann schauten die zwei sich grinsend an.

Schließlich aber nickte der Sargmacher und forderte seinen Kumpel auf: „Bring doch mal die Kiste her, Jonathan!“

„Okay.“, sagte der und marschierte hinüber zu dem Karren und dabei fiel mir auf, dass er hinkte, sein linkes Bein schien irgendwie ein wenig steif zu sein.

Nun, neben dem Karren stand jedenfalls eine größere Kiste, die er jetzt heranschleppte.

Als er wieder da war, wies ich auf sein linkes Bein und fragte:

"Krieg oder Pferd?“

„Das war so ein verdammter Bronco beim Zureiten. Hat mich doch tatsächlich aus dem Sattel gekriegt. Und dann ist dieses verdammte Biest noch ein bisschen extra auf mir rumgetrampelt. Der Doc hat dann gleich gesagt, dass das Bein wohl nicht mehr so ganz werden würde.“

„Offensichtlich hat er recht behalten“, meinte ich.

„Hat er, verdammt noch mal. Tja und danach taugte ich nicht mehr so viel, nicht für Lassoarbeit zum Beispiel.“

„Oder Broncos zureiten.“, ergänzte ich. Und ein wenig nachdenklich wiederholte er:

„Ja. Und Broncos zureiten. Tja, und so bin ich eben hier bei Tom gelandet. Dafür reichts noch. Die Bezahlung ist zwar lausig, aber … dafür ist es bis zum Saloon nicht weit. Verdammte Sache.“

„Werfen Sie doch mal einen Blick in die Kiste, ob da irgendwas dabei ist, das Sie was angeht. Das war jedenfalls das Zeug, das die Brüder dabeihatten“, unterbrach uns da der Sargmacher und was er eben sonst noch so alles war.

„Wohl kaum.“, meinte ich, warf aber doch einen Blick in die Kiste, ob etwas dabei war, das Phil gehört haben konnte.

Da waren ihre Gürtel, Messer und sonst eben noch so Einiges, aber nichts, das mich interessiert hätte, so wie ich es auch erwartet hatte.

„Nein, das geht mich alles nichts an.“ Ich richtete mich wieder auf und begegnete Jonathans Blick, der mich beobachtete. „Und? Würdest Du lieber wieder Broncos zureiten?“, fragte ich ihn.

Er zuckte mit den Schultern,

„Nicht gerade das unbedingt, aber … ich meine, seit ich ein junger Bursche war, hab` ich immer irgendwo auf einer Ranch gearbeitet, bin viel im Sattel gesessen …“

„Verstehe“, sagte ich – obwohl ich der Meinung war, dass er sich selbst mehr leid tat, als gut für ihn war. Es gab auf einer Ranch genug Arbeit, für die er immer noch taugte, wenn auch vielleicht nicht gerade Broncos zureiten. Aber das war ja seine Sache. Also sagte ich nur: „Tja, Gents, dann wird` ich mich lieber auf den Weg machen, bevor mich Euer famoser Sheriff doch noch einbuchtet.“

„Hat er Sie aus der Stadt gejagt?“, fragte der Sargmacher.

„Ja, ich glaube, so könnte man es nennen.“

„Sieht ihm ähnlich.“ Die Zwei grinsten sich wieder ein wenig an.“

„Nun, insofern als ich hier sowieso keine Wurzel schlagen wollte, ist es schon in Ordnung. So long.“

„So long“, hörte ich sie hinter mir noch sagen, als ich hinausmarschierte.

Wenig später saß ich im Sattel und folgte einem kleinen Wasserlauf, der an dieser Stadt vorbeifloss, so ungefähr Richtung Südwesten.

Am späten Nachmittag, als ich der Meinung war, dass ich mich nun außerhalb des Bannkreises befand, den mir der Sheriff vorgegeben hatte, sah ich mich nach einem geeigneten Lagerplatz um.

Bald hatte ich einen gefunden und nicht lange, da hatte ich auch schon ein kleines Lagerfeuer im Gange. Und diesmal konnte ich mir zum Speck auch noch ein paar Eier in die Pfanne schlagen, die Luise für mich gehabt hatte.

Satt und zufrieden entkorkte ich danach die Flasche mit Luises Seelentröster und legte mich dann, nach einem langen Schluck, zurück ins weiche, grüne Gras und sah hinauf zum wolkenlosen, blauen Himmel, der allmählich dunkler zu werden begann. Man konnte jetzt auch schon die ersten zwei oder drei Sterne sehen. Und unweigerlich ging mir bald so dies und das durch den Kopf. Woran vielleicht auch Luises Seelentröster so seinen Anteil hatte.

Wie auch immer, jedenfalls sah ich dann wieder die Cullen-Brüder vor mir liegen, spürte noch einmal dieses Gefühl der Befriedigung und Erleichterung bis es allmählich dem Gefühl einer Art Leere wich.

Tja, und dann war ich eben auf einmal so weit, dass ich mich fragte: Und was jetzt?

Ich meine, ich hatte plötzlich das Gefühl, dass es an der Zeit war, irgendwie etwas Richtiges anzufangen, und nicht nur herumzuziehen von einem Job zum nächsten.

Ja, als Phil noch gelebt hatte, da war das irgendwie anders gewesen.

Phil und ich, wir waren schon als Jungs unzertrennliche Freunde gewesen, hatten eine Menge Unfug gemacht, hatten uns mit anderen Jungs herum geprügelt und so weiter eben.

Ich erinnerte mich noch sehr genau, wie wir uns unsere ersten Schießeisen gekauft hatten, und begonnen hatten, damit herum zu schießen. Natürlich hatten wir den Ehrgeiz gehabt, schnell zu sein, so wie viele andere Jungs auch. Oder ich erinnerte mich, wie wir das erste Mal auf einer Ranch zu arbeiten begonnen hatten.

Wir waren dann einige Jahre ziemlich unzertrennlich. Wir arbeiteten gemeinsam, kämpften gemeinsam und vor allem hatten wir auch eine Menge Spaß gemeinsam – bis wir Mary begegneten.

Damals waren wir ja noch ziemlich junge Burschen, und Mary sehen und sich in sie verlieben war das Werk eines Augenblicks. Mary war einfach so unglaublich schön.

Das war natürlich anderen auch aufgefallen. Mary hatte damals jede Menge Verehrer, aber ausgerechnet in Phil verliebte sie sich ihrerseits auch.

Und bald haben sie also geheiratet, und Phil hatte sich eine kleine Pferderanch aufgebaut. Ich meine, wir hatten damals jeder ein paar tausend Dollar in der Tasche, und die legte Phil nun eben in seiner Pferderanch an. Phil war schon immer ein Pferdenarr gewesen.

So war Phil jetzt also der glücklichste Mensch der Welt gewesen – er hatte Mary und er hatte seine Ranch.

Und ich schlug mich danach eben die nächsten Jahre allein durch die Welt.

Hin und wieder hatte ich Phil ein Telegramm geschickt, wo ich gerade war, und was ich eben so machte – bis mich eines Tages auch ein Telegramm von ihm erreichte:

BRAUCHE DICH – DRINGEND – PHIL

Circa zwei Wochen später war ich bei Phil …genau einen Tag zu spät.

Phil hatte sich mit dem größten Grundbesitzer der Gegend angelegt, indem er eines Abends seine beiden Söhne im Saloon windelweich geprügelt hatte.

Oh ja, davon hatte Phil schon immer einiges verstanden. Also, wenn es um Schlägereien ging, war er immer die Nummer Eins von uns beiden gewesen.

Jedenfalls wollten sie daraufhin Phil ein wenig fertig machen – und als sie merkten, dass sie das nicht schaffen würden, hatte der Rancher die Cullen-Brüder angeheuert.

Jetzt waren die Cullen-Brüder eben tot … Phil allerdings auch.

Verdammte Sache.

Irgendwann ging mir dann jedenfalls wieder die Frage durch den Kopf: Was nun?

Irgendwie wollte ich endlich was Richtiges anfangen.

Natürlich überlegte ich auch, ob ich zu Mary zurückkehren sollte. Vielleicht konnten wir jetzt ein Paar werden, Mary würde wen brauchen, sie hatte diese Pferderanch …, und einen kleinen Sohn …

Ich spürte aber, dass sie für mich irgendwie immer Phils Frau sein würde, und er war mein bester Freund gewesen. Sie hatte damals ihre Wahl getroffen und ich hatte das Gefühl, dass ich das nie würde ganz vergessen können.

Der Gedanke war verlockend – aber ich konnte es einfach nicht tun.

Mary war jung und schön, sie würde jemanden finden, aber ich … nein, das konnte ich nicht.

Ich meine, wenn ich auch einmal ein Mädchen wie Mary kennen gelernt hätte, aber … bis jetzt …Ich nahm also noch einen Schluck von Luises Seelentröster und wälzte weiter große und kleine Pläne, was ich vielleicht tun konnte oder wollte.

Und da fiel mir dann irgendwann die Lovecroft-Ranch ein.

Ja doch – die Lovecroft-Ranch! Warum nicht?

Ich nahm einen weiteren Schluck von Luises Seelentröster.

Ja doch, natürlich! Ich würde zur Lovecroft-Ranch reiten. Es war wohl sowieso an der Zeit, meine Sachen dort abzuholen.

Und die Vorstellung, wieder einmal bei ihnen auf der Veranda zu sitzen, bei Kaffee und Mrs. Lovecrofts unvergleichlichem Apfelkuchen, gewann schnell an ungeheurer Anziehungskraft. Mich wieder einmal mit Mrs. Lovecroft unterhalten zu können …, und die beiden Gören würden da sein …waren gute Aussichten.

Ja doch, das war es! Das würde ich tun. Vielleicht konnte ich ihnen auch wieder eine Weile helfen.

Für die nächste Zeit wusste ich damit jedenfalls, was ich tun wollte, und so war ich für ´s erste sehr zufrieden mit mir und der Welt.

Ich griff nach Luises Flasche mit ihrem Seelentröster und siehe da, sie war mittlerweile halbleer. Was für ein Typ von Mann ich war, das wusste ich zwar noch immer nicht, aber … immerhin, ich hatte jetzt einen Plan für die nächste Zeit – und dieser Plan gefiel mir – sehr sogar. Und irgendwie hatte das auch etwas mit Mrs. Lovecroft zu tun.

Ich meine, ich weiß nicht, wie ich das erklären soll, aber es gibt da so gewisse ältere Ladies, die muss man einfach mögen – Luise war so eine Frau – und Mrs. Lovecroft noch viel mehr.

Luise hatte ihren Seelentröster …, und Mrs. Lovecroft hatte den besten Apfelkuchen von der Welt, aber …, es war nicht nur das – ich mochte sie eben.

Ich mochte es zum Beispiel, einfach mit ihr zu reden …, sie hörte einem zu…, und wusste fast immer irgendwas Gescheites zu sagen ….

Und die beiden Gören würden auch da sein. Die hatte ich auch ins Herz geschlossen. Natürlich würden sie jetzt keine kleinen Gören mehr sein, aber trotzdem …

Nun, wie auch immer, jedenfalls hatte ich jetzt einen Plan, was auch immer daraus werden würde.

Sehr zufrieden mit mir und der Welt wickelte ich mich jetzt in meine Decken und war schnell eingeschlafen.

Was nun die Lovecroft-Ranch betrifft, auf die waren Phil und ich vor etlichen Jahren einmal gestoßen.

Zufällig.

Sie war damals auf unserem Weg gelegen und wir hatten einfach unsere Pferde dort tränken wollen.

Und da war eben eine nette, ältere Lady aufgetaucht und hatte uns gefragt, ob wir Kaffee und Apfelkuchen wollten. Nun, welcher Cowboy kann zu so einem Angebot nein sagen?

Und dann waren da diese zwei naseweisen Gören aufgetaucht, blauäugig mit langen blonden Zöpfen und neugierig bis dort hinaus.

Das also waren Mrs. Lovecroft und ihre Enkelinnen Sarah und Suzanne. Ihr Vater, der einzige Sohn von Mrs. Lovecroft, war mit seiner Frau vor vielen Jahren bei einem Überfall auf eine Stage Coach ums Leben gekommen.

Später war dann irgendwann auch noch Mr. Lovecroft aufgetaucht.

Jedenfalls mussten die beiden, die ja nicht mehr die Jüngsten waren, damals alleine die Ranch weiterführen – in der Hoffnung sozusagen, dass sich wenigstens für eins der Mädchen eines Tages ein geeigneter Mann finden würde.

Die Sache war dann jedenfalls darauf hinausgelaufen, dass Phil und ich eine gute Weile auf der Ranch geblieben waren. Es war gerade an der Zeit gewesen, Heu zu machen für den Winter, dafür hatten sie zwei Mann extra ganz gut gebrauchen können – und für uns waren es ein paar Dollar extra gewesen, die kann ein Cowboy auch immer brauchen.

Und es war außerdem nett und kurzweilig gewesen. Zum einen wegen Mrs. Lovecroft, zum anderen wegen der beiden Gören. Ich glaube, für die waren wir einfach eine willkommene Abwechslung. Phil und ich, wir hatten doch einiges zu erzählen, und irgendwie hatten es die beiden immer wieder verstanden, uns zum Reden zu bringen – wenn sie nicht gerade selber redeten wie die Wasserfälle.

Als wir uns dann eines Tages doch wieder auf den Weg machten, da hatten wir beschlossen, dass eines Tages wieder einmal vorbeizuschauen.

Dann aber hatte Phil Mary geheiratet.

Und auch damals hatte ich überlegt: Und was jetzt?

Und auch damals war mir dann die Lovecroft-Ranch eingefallen.

Die beiden Gören waren etwas erwachsener geworden und ich glaube, sie waren auch ein wenig enttäuscht, dass Phil nicht mit dabei war.

Aber Mrs. Lovecroft war noch immer dieselbe nette, alte Lady … und es hatte hin und wieder ihren unvergleichlichen Apfelkuchen gegeben … und es hatte auch genug Arbeit gegeben.

Als ich mich dann eines Tages doch wieder auf den Weg machte, hatte ich Mrs. Lovecroft gefragt, ob ich bei ihnen nicht etwas Ballast abwerfen könne, sprich, ich wollte einfach ein paar Dinge zurück lassen, die ich eigentlich nicht ständig mit mir herum schleppen wollte. Ich hatte ja kein Zuhause, wo ich sonst irgendetwas hätte zurücklassen können.

Da hatte Mrs. Lovecroft auf eine Falltür in der Decke gewiesen,

„Da oben finden Sie sicher eine leere Kiste.“

Und tatsächlich fand ich da oben am Dachboden eine leere Kiste für meine Siebensachen.

Was ich darin zurückließ, waren unter anderem eine 54er-Sharps plus Munition, einen zweiten Revolvergurt, diversen Kleinkram und eine Brieftasche mit ein paar tausend Dollar.

Die Sharps hatte ich mir irgendwann einmal eingebildet - ein feines Gewehr, keine Frage, aber schwer und unhandlich und in Wahrheit hatte ich sie nie wirklich gebraucht.

Den Colt hatte ich mir auch einmal eingebildet – ein extrafeines Stück mit schön gearbeiteten Perlmuttgriffschalen. Aber verwendet hatte ich dann doch immer mein altbewährtes Schießeisen.

Und was die Brieftasche betrifft – nun, wie gesagt, bei Phil und mir hatte sich damals eine hübsche Stange Geld angesammelt, und da hatte ich gedacht: Wenn du das mit dir herumschleppst, wird es über kurz oder lang weg sein. Und wenn du doch einmal ein nettes Mädchen triffst …

Ich meine, ich hätte das Geld natürlich auch auf einer Bank lassen können, aber da ich nun schon einmal dabei war, Ballast abzuwerfen …

Bevor ich dann losritt, hatte ich zu Mrs. Lovecroft gesagt:

Wenn ich das Zeug in den nächsten zehn Jahren nicht abhole, dann können Sie alles verscherbeln. Es ist auch eine Brieftasche mit hübsch ein paar Dollars drinnen. Wenn sie dringend einmal Geld brauchen sollten …“

„Sicher nicht.“, hatte sie zwar gemeint, aber ich hatte darauf erwidert: „Sag niemals nie. Wer weiß schon, was kommt.“

Nun, jedenfalls hatte ich mich dann endlich auf den Weg gemacht.

Und jetzt wollte ich also wieder einmal nach meinen Sachen sehen … und nach Mrs. Lovecroft … und nach ihrem Apfelkuchen … und nach den beiden Gören.

Die konnten mittlerweile verheiratet sein, wer weiß?

Die mussten doch wohl mittlerweile jedenfalls im heiratsfähigen Alter sein … vor allem Sarah, die ältere?

Ich überlegte kurz, wie lange es her war, dass ich das letzte Mal dort war.

Sechs Jahre, wenn ich mich nicht täuschte – und da waren die beiden etwa zehn, zwölf Jahre alt gewesen. Also zumindest Sarah konnte mittlerweile auch schon verheiratet sein.

Nun, ich würde es bald genau wissen.

Jedenfalls freute ich mich jetzt richtig auf die Lovecroft-Ranch …, und auf Mrs. Lovecroft …., und alles eben.

-*-

Und so ritt ich zehn Tage später, von Saxonville kommend, eine schmale, wenig befahrene Straße einen flachen Hügel hinauf, hinter dem dann, wenn meine Erinnerung mich nicht täuschte, jene flache, langgestreckte Senke lag, wo Mr. Lovecroft seinerzeit seine Ranch aufgebaut hatte. Tja, damals war hier noch Platz gewesen, heute war das Gebiet sicher schon ziemlich aufgeteilt, kein Platz für Neue, oder auch nur, um sich weiter auszubreiten, falls einer auf so eine Idee kommen sollte. Nun, das würde Mr. Lovecroft sowieso nicht wollen. Seine Ranch war zwar keine Riesenranch, wie ich ja auch einige kennen gelernt hatte, aber sie war groß genug. Damit konnte ein Mann schon zufrieden sein. Und Mr. Lovecroft war ja doch schon ein etwas älterer Herr.

Als ich dann die Hügelkuppe erreicht hatte, sah ich, dass mich meine Erinnerung nicht getäuscht hatte – es war jetzt später Vormittag und vor mir lag eben jene flache Senke, an deren Ende klein und fern aber deutlich die Lovecroft-Ranch lag, mit all ihren Gebäuden.

Durch die Senke wand sich ein kräftiger Bach, gesäumt von einem breiten Streifen von Buschwerk mit Erlen und Weiden dazwischen.

Ein kräftiger Wind trieb oben ein paar kleine Wolken über den Himmel, deren Schatten sich als dunkle Flecken über die Landschaft schoben.

Ich hielt kurz an, um das ganze kurz zu betrachten. Es war natürlich alles, wie ich es in Erinnerung hatte.

„Sehr zufriedenstellend.“, sagte ich halblaut vor mich hin – und trieb dann mein Pferd wieder an.

Ich war allerbester Laune.

Die Lovecroft-Ranch war eine Ranch wie jede andere dieser Größe auch. Ein eingeschossiges Haupthaus mit einer breiten Veranda vorne, Schuppen, Ställe, Scheunen, an der Seite ein Corral mit einigen Pferden und das ganze umgeben von einem einfachen Stangenzaun.

Ich lenkte meinen Braunen durch das weite, offene Tor auf das weitläufige Ranchgelände und hielt auf den Ranchhof zu. Drei große Cottonwoods an der Seite, wo auch der Brunnen mit dem langen Wassertrog war, warfen ihre Schatten quer über den Ranchhof.

Es war eigentlich noch alles so, wie ich es in Erinnerung hatte, nur dass mir jetzt alles irgendwie kleiner erschien – aber ich glaube, so geht es einem mit Erinnerungen oft.

Ein Hahn krähte irgendwo, als ich auf das Haupthaus zu hielt.

Da ging dort aber auch schon die Tür auf und zwei junge Ladies traten heraus, von welchen eine ein Gewehr in der Hand hielt, das jetzt auf mich gerichtet war, ein Henry-Gewehr, wie ich im Näherkommen erkannte.

Es dauerte ein oder zwei Augenblicke, bis ich erkannte, dass das Sarah und Suzanne waren – das links musste Sarah sein, die ältere, und rechts eben Suzanne.

Sie hatten sich in den letzten sechs Jahren gewaltig verändert – und das durchaus zu ihrem Vorteil. Das waren jetzt keine naseweisen, kleinen Gören mehr, sondern zwei durchaus erfreuliche weibliche Wesen – in heiratsfähigem Alter eben.

Sie betrachteten mich höchst misstrauisch, doch als ich vor ihnen schließlich hielt, sagte Sarah plötzlich:

„Mr. Mohenny, sind Sie das?“

„Wie er leibt und lebt“, antwortete ich und sprang aus dem Sattel.

„Hi, Miss Lovecroft“, grüßte ich dann. „Hi, Miss Lovedroft“, und deutet dabei jedes Mal eine kleine Verbeugung vor einer von den beiden an.

Da kamen sie aber auch schon heran … gestürmt, möchte ich fast sagen,

„Mr. Mohenny!“, rief eine, „dass wir Sie wirklich noch einmal wiedersehen!“ – und dann umarmten sie mich und …