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Den Namen Mad Max hatte sich Maxwell Moore als Scout bei der Army nach ein paar wilden Schlägereien eingehandelt. Diesen Job hatte er aber längst an den Nagel gehängt, als ihn ein eigenartiger Hilferuf erreichte, der Erinnerungen an alte Zeiten weckte; vor allem an ein kleines Mädchen namens Samantha. Also machte er sich auf die Suche nach diesen Sklavenjägern, die ehemalige Sklaven nach Kuba schafften, um sie dort zu verkaufen. Ein unglücklicher Zufall wollte es, dass sich dabei ein lästiges Insekt in Form einer unternehmungslustigen Reporterin aus New York in sein Fell setzte. Und die war so wenig loszuwerden wie eine Klette.
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Seitenzahl: 288
Veröffentlichungsjahr: 2017
Hugin West
Alles was ein Mann braucht
© 2017 Hugin West
Verlag und Druck: tredition GmbH, Grindelallee 188, 20144 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7439-6473-0
Hardcover:
978-3-7439-6474-7
e-Book:
978-3-7439-6475-4
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Alles, was ein Mann braucht, sind ein Colt und genügend Munition, ein gutes Gewehr, ein gutes Messer, ein Pferd, einen Sattel, einen Hut... und hin und wieder eine Frau.“
Das sagte Reverend Fisher. So jedenfalls hatte sich der Mann einmal bei ein paar Jungs vor dem einzigen Saloon in der Mainstreet von King´s Crossing, einem verschlafenen Nest in Montana, genannt.
Das hatte sich so ergeben, als sie neugierig in seiner Nähe herumgestanden waren. Fast ehrfürchtig hatten sie ihn leise tuschelnd beobachtet, als er, leicht wippend auf einem Schaukelstuhl, in der Nachmittagssonne vor dem Saloon saß, und die eigentlich menschenleere Mainstreet vor ihm nicht aus den Augen ließ.
Irgendwo ferne hatte immer wieder ein Hund gebellt.
Da hatte er, aus irgendeiner Laune heraus, die Jungs ein wenig spöttisch angeredet – und da waren eben jene Worte gefallen - einer jener Sprüche, die … nun ja, die einem Mann eben gelegentlich über die Lippen kommen können …, einfach so ..., lässig dahingesagt, ohne lange darüber nachzudenken.
Wie sehr sie tatsächlich die Lebensphilosophie dieses Mannes wiederspiegelte?
Man weiß es nicht genau.
Tatsache ist, dass der Reverend wenige Minuten später mithilfe seines Colts Jeremiah Cox und fünf seiner Rauhreiter, die schon seit geraumer Zeit King´s Crossing terrorisierten, in die ewigen Jagdgründe geschickt hatte.
Man hatte ihn angeheuert, damit er dafür sorgte, dass das aufhörte, und das war eben seine Art gewesen, das zu tun.
Die Jungs waren davon schwer beeindruckt gewesen, und die Worte Reverend Fishers hatten dadurch enormes Gewicht bei ihnen erhalten, und so war der Spruch unter ihnen zum geflügelten Wort geworden.
Einer dieser Jungs hieß Maxwell Moore, Sohn einer Näherin, die ihren Mann verloren hatte, und sich nun samt ihrem Sohn eben mit Näharbeiten mehr schlecht als recht über Wasser hielt.
Wenig später, etwa mit zwölf, verdingte er sich auf einer nahegelegenen, kleinen Ranch und sein ganzes Trachten war nur darauf gerichtet, all das zusammenzukriegen, dass ein Mann nach den Worten von Reverend Fisher eben brauchte.
Als er das geschafft hatte, schwang er sich auf sein Pferd, das eigentlich kaum mehr als ein eher elender Klepper war, und verließ King´s Crossing, dass ihm doch nur eine eher trübe Zukunft versprach.
-*-
Maxwell Moore betrat den sogenannten Saloon der kleinen Brauerei und sah sich um.
Es war ein großer Raum, auf den eine Reihe schwerer Tische verteilt waren. Von der Decke hingen zwei große Wagenräder, an welchen einige Lampen befestigt waren, deren Licht den Raum zusätzlich zum Schein der Abendsonne, der durch die Fenster hereinfiel, noch etwas mehr erhellte.
Es war früher Nachmittag und bis auf zwei Old-timer, die an einem der Tische in einer Ecke Dame spielten und einem gutes Dutzend Fliegen, die träge herumsummten, war der Raum leer, wenn man von dem vierschrötigen Typen undefinierbaren Alters absah, der hinter der langen Theke stand und Moore jetzt abschätzend musterte.
Moore schlenderte hinüber zu ihm, legte die Unterarme auf das blank polierte, dunkle Holz und lehnte sich an die Theke.
„Was soll ´s sein?“, fragte der Mann hinter der Theke gelangweilt.“
„Bier natürlich, wenn ich schon da bin.“, verlangte Moore.
Der Vierschrötige brummte irgendetwas vor sich hin und wenig später schob er Moore ein hohes, beschlagenes Glas mit Bier zu, das von einer hübschen, weißen Schaumkrone geschmückt wurde. Der Mann verstand jedenfalls etwas vom Bierzapfen.
Moore tat einen langen Zug – das Bier war in Ordnung, fand er.
„Gut.“, stellte er fest, als er das Glas wieder abstellte.
Der Mann hinter der Theke zuckte aber nur mit den Schultern – offensichtlich war ihm nicht nach Unterhaltung.
Moore stand also da und verzog einige Male den Mund, sichtlich wollte er etwas sagen, wusste aber wohl nicht so recht, wie er anfangen sollte, und fragte dann schließlich:
„Ist Mr. Rossman da?“
„Schätze, ja.“
„Ich hätte ihn gerne gesprochen.“, verlangte Moore geduldig.
Der Vierschrötige zog die Augenbrauen hoch und studierte kurz Moores Gesicht.
„Mal sehen, was sich machen lässt.“, meinte er dann schulterzuckend und verschwand durch eine Tür hinter der Theke.
„He! Boss!“, hörte man ihn wenig später draußen wo rufen.
Als er wieder auftauchte, folgte ihm ein großer Mann, gut fünfzig oder mehr, der wohl einmal schlank gewesen war, jetzt aber schon etwas Buch angesetzt hatte. Immerhin waren sein welliges Haar wie auch sein prächtiger Schnauzbart noch ziemlich schwarz, wenn auch mit weißen Haarsträhnen durchzogen.
Nachdem er sich kurz umgesehen hatte, kam er heran und pflanzte sich hinter der Theke gegenüber von Moore auf,
„Hi, Mister!“, grüßte er kurz, „Sie haben nach mir gefragt?“
„Wenn Sie Mr. Rossman sind ...“
Ein zweifelnder Blick traf Moore,
„Nun, angenommen, ich bin es – was liegt an, Sohn?“, fragte er dann.
Moore zog überlegend die Stirn in Falten und fragte dann:
„Ich habe gehört Sie brauen ihr Bier selbst?“
Überlegend studierte Rossman kurz sein Gegenüber und meinte dann zustimmend:
„So ist es. Ich bin Bierbrauer. Ich braue Bier … und ich brenne Schnaps … und Whiskey“
„Nicht nur Whiskey?“
„Nein, nicht nur. Zum Beispiel brenne ich auch aus den Braurückständen einen Schnaps.“
„Tatsächlich?“
„Wollen sie versuchen?“, fragte Rossman statt einer Antwort.
„Unbedingt.“
Hinter Rossman oben an der Wand zog sich ein langes Bord hin, auf dem Gläser und Flaschen standen.
Rossman angelte sich eine dieser Flaschen und zwei Schnapsgläser, füllte die Gläser randvoll und schob dann eins davon Moore zu.
„Na dann.“, sagte der und griff sich eines.
Prüfend schnupperte er kurz an seinem Inhalt, hob dann kurz das Glas und kippt den Inhalt hinunter.
Mit prüfendem Blick ließ er den Geschmack kurz auf sich einwirken und stellte dann anerkennend fest:
„Nicht schlecht, daran könnte man sich schon gewöhnen.“
„Na dann. Aber nachdem wir nun geklärt haben, dass ich tatsächlich mein Bier selber braue, liegt sonst noch was an?“
„Tja, angenommen, ich würde Arbeit suchen?
„Arbeit? Hmm! Was können Sie denn?“
„Also, wie man ´s nimmt. Ich meine, es gibt ja nicht vieles, das ich noch nicht gemacht habe. Ich hab´ auf ´ner Ranch gearbeitet zum Beispiel.“
„Auf einer Ranch – soso, wir haben hier allerdings keine Kühe.“
„Gold gewaschen hab´ ich auch schon.“
„Tja, hier können Sie aber höchstens Geschirr waschen oder leere Fässer.“
„Ich meine ja nur. Oder ich war auch Scout bei der Army.“
„Klingt nicht schlecht. Scout brauche ich allerdings auch keinen,“
„Schon klar, ich meine ja nur. Ich war auch Begleiter von Goldtransporten, Fallensteller, Hilfsmarshall, und so weiter eben. Beim Whiskeybrennen war ich übrigens auch schon dabei!“
„Hm! Das ist einiges für einen relativ jungen Menschen wie Sie.“
„Vielleicht könnte ich dafür sorgen, dass hier immer wieder auch ein Stück Wild auf den Tisch kommt. Das scheint mir hier ein recht gutes Jagdrevier zu sein.“
„Das ist es ganz bestimmt!“
„Ich kann aber auch eine Bande Radaubrüder zur Ruhe bringen, wenn es einmal sein muss!“
Rossman seufzte,
„Tja, hin und wieder ...“, begann er darauf, ohne den Satz aber zu Ende zu bringen.
„Oder Sie bringen mir das Bierbrauen bei.“
„Das Bier brauen? Also ob sie dafür das Zeug haben?“
„Nun, das würde sich ja zeigen, aber …Also, ich meine, was ich dazu vielleicht noch dazu sagen sollte: Ich werde ihre Tochter heiraten.“
Rossman zog die Augenbrauen hoch, verzog kurz den Mund, wobei er die Unterlippe vorschob und fragte dann:
„Welche denn? Ich meine ...“
„Ich weiß, da gibt es mehrere. aber soviel ich weiß, ist nur mehr eine zu haben, sozusagen.“
„Marlene … Hm!“, Rossman nickte.
Plötzlich wandte er sich ab, öffnete die Tür hinter der Theke und rief in den Raum dahinter:
„He! Luisa!“
Er wartete kurz, dann rief er erneut – und gleich darauf vernahm man von irgendwo leise eine Antwort. Rossman wandte sich ab und trat wieder an die Theke.
Wenig später öffnete sich die Tür und eine eher kleine, zierliche, ältere Frau erschien - wohl Mrs. Rossman.
„Was gibt ´s?“, fragte sie und trat dabei neben ihren Mann, wobei ihre Blicke prüfend über die Gestalt Maxwell Moores glitten – sie ahnte wohl, dass ihr Mann sie seinetwegen gerufen hatte.
Rossman zuckte mit den Schultern, deutete mit dem Kopf nach Moore und meinte:
„Der Bursche da sucht hier Arbeit.“
„Und deswegen rufst du mich?“
„Nein, aber er hat auch gesagt, dass er Marlene heiraten wird.“
„Marlene?“
Erneut glitten Mrs. Rossmans Blicke über Maxwell Moore, jetzt vielleicht noch ein wenig kritischer. Dann erschien plötzlich ein feines Lächeln auf ihrem Gesicht,
„Sagen Sie, kann es sein, dass ich Ihr Bild schon wo in einer Zeitung gesehen habe?“, fragte sie.
Moore zuckte mit den Schultern,
„Tja, wer weiß,“, gab er halbherzig irgendwie zu, „heute gibt es doch schon in jedem Drecksnest eine Zeitung.“
Rossman aber fragte:
„Weiß Marlene das eigentlich auch? Ich meine, dass Sie sie ...?“
„Marlene? Nun, ja, wie man ´s nimmt!“
„Wie heißen Sie denn eigentlich, junger Mann?“, fragte da jetzt allerdings Mrs. Rossman, die noch immer leise vor sich hinlächelte.
„Moore, Mrs. Rossman, Maxwell Moore.“
„Maxwell Moore!“, wiederholte Rossman, der ihn jetzt auch genauer musterte. Und Moore konnte sich des Eindruckes nicht erwehren, dass der Name den Rossman nicht ganz unbekannt war - was ja auch nicht unwahrscheinlich war.
„Also! Was halten Sie von der Sache?“, fragte er. „Ich meine, Sie sind immerhin die Eltern der Braut ….“
„Tja, das wären wir, wenn ... Also. was wir von der Sache halten? Tja “, Rossman schaute kurz zu seiner Frau, dann zuckte mit den Schultern und meinte:
„Also. ich weiß nicht, ob ihnen klar ist, dass das ein verdammt störrischer Gaul ist, den Sie da ...“, begann Rossman, den augenblicklich ein ziemlich missbilligender Blick seiner Frau traf – aber da unterbrach ihn auch schon Moore:
„Ich weiß, worauf ich mich da einlasse.“, erklärte er.
„Na dann.“
„Also! Wie ist es denn nun?“
„Naja, wie gesagt, das ist ´n verdammt störrischer Gaul, aber … wenn Sie das Pferd reiten können, gehört es Ihnen! Oder, was sagst du Luisa?“, schloss Rossman an seine Frau gewandt.
Die verzichtete auf einen weiteren missbilligenden Blick und sagte nur, wobei sie ihren Mann von der Seite ansah:
„Wenn du es sagst, Mann.“ Und es klang fast irgendwie zufrieden.
Und dann schauten sie beide Moore fragend an.
„Tja, wenn das so ist …,“, meinte der darauf, „dann würde ich vielleicht mal versuchen, in den Sattel zu kommen. Wo finde ich sie denn überhaupt?“
Rossman schaute fragend zu seiner Frau. Die wies auf die Tür hinter der Theke und antwortete dabei:
„Da draußen finden Sie eine Treppe. Da geh´n Sie ´rauf und klopfen an der zweiten Tür rechts. Ich glaube, da wird sie sein.“
„Tja, ich weiß nicht,“, meinte Moore zögernd, „aber wenn das ihr ...“
„Keine Angst, das ist nicht ihr Schlafzimmer, wenn Sie das meinen. Geh´n Sie ruhig, und wenn sie nicht da ist, na dann müssen Sie sie draußen wo suchen.“
„Na dann.“, sagte Moore und war Augenblicke später bei der Tür hinaus.
„Eigentlich hätte ich ihn zum Teufel jagen sollen.“, brummte Rossman, als er mit seiner Frau wieder alleine war.“
„“Hast du aber nicht. Scheinbar gefällt er dir.“
„Das … das war nur der erste Eindruck. Er hat nach Arbeit gefragt. Aber da wusste ich noch nicht, wer er ist. Und er hat mich irgendwie überrumpelt. Allerdings wenn ich jetzt so darüber nachdenke ...“
„Er hat nach Arbeit gefragt? Was willst du mehr? Vielleicht kriegst du doch noch einen Schwiegersohn, der hierbleiben will.“
„Aber ob er sich an das Leben hier gewöhnen kann? Aber vielleicht will Marlene sowieso nichts von ihm wissen.“
„Also, auf diese Hoffnung würd´ ich nicht allzu viel geben. Glaub mir, er ist sowieso schon im Sattel, er weiß es nur nicht.“
„Wie kommst du denn darauf?“
„Also, hast du sie schon jemals so viel von einem Mann reden gehört, wie von diesem?“ „Nun ja, sie haben ja auch genug erlebt. Außerdem schien sie ihn mir doch eher für einen ziemlich unmöglichen Menschen zu halten. Zu Recht, wie ich vermute.“, schloss Rossman brummend.“
„Das verstehst du nicht.“
„Aber du natürlich.“
„Wart ´s nur ab. Und ich glaube, wir hätten es schlimmer treffen können! Auch wenn er dieser Moore ist.“
„Mad Max Moore ...“, sagte sie dann kopfschüttelnd halblaut vor sich hin.
„Eben. Er ist verrückt.“, murrte Rossman dann.
„Das haben sie von dir auch gesagt. Hier Bier brauen zu wollen, hielt jeder für eine Schnapsidee.“
„Unsinn.“, brummte Rossman.
Aber danach verstummte das Gespräch und jeder der beiden hing seinen Gedanken nach. Und Mrs. Rossman dachte dabei über all das nach, was ihr ihre Tochter über ihre Abenteuer mit Maxwell Moore erzählt hatte und was sie darüber in ihren Zeitungsartikeln gelesen hatte.
Begonnen hatte das ja alles wohl in dieser Poststation ….
-*-
Der Platz vor der Station der Stagecoach lag im kräftigen Licht der Frühjahrssonne des Vormittags. An zwei langen Tischen saßen ein paar Leute mit irgendwelchen Getränken, zum Teil in irgendeine belanglose Unterhaltung verstrickt. In der Tür der Station lehnte ein stiernackiger Typ am Türpfosten und überblickte sichtlich gelangweilt die Szene. Als plötzlich ein halbwüchsiger Bursche auf einem etwas abgetriebenen Maultier die Straße herunterkam. Er versuchte mit wenig Erfolg sein sichtlich müdes Tier noch anzutreiben, und hielt dann vor der Station. Eilends sprang er aus dem Sattel und wandte sich an den Typen, der in der Tür lehnte:
„Sagen Sie, ich bin hinter einem Mann namens Moore her,“ begann er aufgeregt, „der müsste hier vorbeigekommen sein. Haben Sie ihn gesehn oder zumindest jemanden...“
Der Kerl, der an der Tür lehnte, zog die Augenbrauen etwas hoch und schaute kurz ein wenig überrascht und abschätzend auf den Burschen herab, zuckte dann mit den Schultern und meinte:
„Vor einer Weile war ein Kerl da, der hat nach King Salomon und seiner Saubande gefragt!“
Der Mann zuckte noch einmal mit der Schulter.
„Wenn er das war?“, setzte er hinzu.
„Das war er. Wie sah er aus?“
Neuerliches Schulterzucken,
„Also wie ein Mann eben.“, der Mann kratzte sich kurz am Kinn.
„Allerdings so wie ich das sehe,“, setzte er dann hinzu, „lässt er sich sowieso grad von einigen Burschen umlegen, also ...“
„Das dürfen sie nicht!“, entfuhr es dem Jungen fast erschrocken, „Aber das schafft sowieso niemand!“
Der Mann zuckte mit den Schultern,
„Du kennst den King nicht!“
„Und Sie kennen Moore nicht.“
Erneutes Schulterzucken ,
„Auch wieder wahr.“, gab der Mann zu.
„Wo ist das überhaupt?“
„Ist nicht weit, einfach die Straße weiter, der nächste Saloon.“, erklärte der Mann und wies dabei mit einer deutenden Handbewegung die Straße hinauf.
Doch da war der Junge schon aufgesprungen - schon war er bei seinem müden Maultier, sprang in den Sattel und trieb es die Straße weiter. Es war dabei aber erneut, absolut nicht zur Eile zu bewegen, wie sehr der Junge es auch in die Seiten treten mochte und sonst auch schimpfend und fluchend antreiben wollte.
Ein halbwüchsiges Mädchen von vielleicht fünfzehn oder sechzehn Jahren, hatte bei dem kurzen Gespräch eben aufgehorcht. und stülpte sich jetzt mit einer energischen Bewegung einen ziemlich neuen Hut mit mittelbreiter Krempe, der neben ihr auf der Bank gelegen war, auf die eher hellen, kastanienbraunen, knapp mehr als schulterlangen Haare, die sie offen trug.
„Kommen Sie, ihm nach!“, forderte sie aufspringend, mit einem gewissen Eifer die zwei Männer auf, die mit ihr am Tisch saßen – der eine ein sehr schlanker, großer, junger Mann, höchstens fünfundzwanzig, mit einfachen Augengläsern, der andere ein großer, kräftiger Bursche, wohl gut in den Vierzigern, mit einem kurz gehaltenen, grauen Vollbart,
Die beiden sahen sich kurz an, dann zuckten sie mit den Schultern und erhoben sich.
„Schon mal gesehen, wie wer umgelegt wird?“, fragt der Ältere.
„Nein, bis jetzt sind wir ja immer zu spät gekommen.“
„Na dann wollen wir doch mal sehen, ob wir heute mehr Glück haben.“
Und bei diesen Worten bückte sich der Alte nach einer langen, großen Tasche, die neben der Bank am Boden lag.
Zur gleichen Zeit ungefähr stand Maxwell Moore im genannten Saloon am Ende der Theke, vor sich ein Glas Whiskey, das er bis jetzt nicht angerührt hatte, und versuchte, auf die Gespräche jener Männer zu lauschen, die er für King Salomon und seine Bande hielt, doch konnte er nur ein paar unzusammenhängende Gesprächsfetzen aufschnappen.
Er drehte sich zur Seite, sodass er den Raum jetzt überblicken konnte.
Fünf oder sechs Schritt weiter standen zwei Kerle an der Theke, die sich halblaut über ihren Vormann unterhielten. Sonst war der Saloon noch ziemlich leer, auch die Tische im Raum waren um diese Zeit noch eher etwas spärlich besetzt, nur an einem Tisch, halblinks in der Ecke, saßen fünf Kerle – und das musste eigentlich King Salomon mit seinen Kumpanen sein.
Moore hatte seinen Platz absichtlich so gewählt, dass er die Burschen unter der Krempe seines Hutes hervor bequem beobachten konnte. Und nachdem er das eine Weile getan hatte, war er sich ziemlich sicher, wer von ihnen der King war.
Der saß natürlich so, dass er den Saloon gut überblicken konnte, vor allem die Schwingtür hatte er gut im Auge. Er hatte auch kurz prüfend hochgeblickt, als Moore hereingekommen war, ohne ihn dann aber weiter zu beachten.
Nun, es war an der Zeit, die Sache zu Ende zu bringen, dachte Moore.
Er richtete sich auf und drehte sich um.
„He! King!“, rief er halblaut und in etwas schärferem Ton quer durch den Raum hinüber zu dem Tisch, an dem die fünf Burschen saßen.
Augenblicklich sahen alle im Raum hoch und neugierige, fragende oder forschende Blicke richteten sich auf ihn – denn diese Stimme hatte irgendwie nach Ärger geklungen, den es vielleicht gleich geben würde.
Auch der Mann, den Moore für den King hielt, hatte zu ihm hochgesehen.
Einige Augenblicke lang musterte er mit kalten Augen den Burschen an der Theke und fragte dann etwas gedehnt:
„Meinst du mich?“
Moore lehnte sich an die Theke, hakte die Daumen im Gürtel ein und zuckte dann mit den Schultern.
„Schätze, du bist King Salomon, und in diesem Fall: Ja.“, antwortete er
King Salomon lehnte sich zurück, stützte die Ellbogen auf der Tischplatte auf, presste seine Fingerspitzen aneinander, und meinte dann nach einem Augenblick des Überlegens ein wenig fragend:
„Angenommen, ich bin King Salomon … also, eine innere Stimme sagt mir, dass du Ärger machen willst?“
„Wie man ´s nimmt! Ich meine, es geht um meinen alten Kumpel Rock, Rock McKane.“
„Rock McKane, Rock McKane …“ King Salomon kramte in seinen Erinnerungen.
„Ach ja, hieß nicht der eine Bursche so, den wir vor ein paar Wochen ….“, kehrten dann ein paar Erinnerungen zurück.
„Genau! Den ihr vor ein paar Wochen in Westwood umgelegt habt … zusammen mit dem Hilfsmarshal und noch ein paar anderen.“
„Tja, dumme Sache. Aber du weißt ja, wie das ist mit diesen Siedlern, sie besetzen immer das beste Land und die besten Wasserstellen. Irgendwem sind sie immer im Weg.“
„Und wir helfen eben gerne in so einem Fall.“, setzte der King dann in etwas spöttischem Tonfall hinzu.
Moore verzog sein Gesicht zu einem breiten Lächeln,
„Aber das versteh ich doch, King, jedoch die Sache ist die: McKane war mein Kumpel.“
„Verstehe.“, Kings Augen wurden ein wenig schmal, „Und jetzt willst du uns umlegen, oder?“
Moore zuckte mit den Schultern,
„Nun, das wäre jedenfalls das einfachste. Ich meine, ich hab´ hier einen Steckbrief von dir und von zwei deiner Affen da.“
„Steckbriefe! Oho! Und? Sind wir gut getroffen?“
„Nun ja, wie man´s nimmt, aber … also, ich sag mal so: Ich hab´ schon schlechtere gesehen.“
„Na dann. Dann musst du dich wohl ...“
In diesem Augenblick wurde aber die Schwingtür aufgestoßen und ein etwas schmächtiger, halbwüchsiger Junge stürzte herein und rief:
„Mr. Moore! Mr. Moore! Sind Sie da?“
Es war natürlich der Junge von der Poststation,
„Ah da sind Sie ja.“, rief er dann, als er Moore erblickte und offensichtlich auch erkannte.
Die allgemeine Überraschung war groß und aller Augen Blicke waren jetzt auf den Jungen gerichtet – und Moore fragte verwundert, nachdem er diesen Augenblick der Überraschung überwunden hatte:
„Was willst du?“
„Mr. Moore, Sie müssen unbedingt ...“
„He, Junge! Verschwinde!“, wurde er da aber ziemlich barsch von dem Kerl hinter der Theke unterbrochen:
„He! Verschwinde! Kinder haben hier nichts verloren.“
„Aber ...“
„Verschwinde, hab´ ich gesagt.“
„Aber ...“
Da aber hob Moore die Hand und bedeutete dem Mann hinter der Theke, den Mund zu halten. Dann wandte er sich an den Jungen:
„Warte draußen, wenn du willst, aber jetzt verschwinde!“
„Es ist aber wichtig, Mr. Moore. Samantha braucht Sie. Dringend!“ jammerte der Junge fast.
„Samantha? Welche Samantha?“, fragte da Moore jetzt doch ein wenig überrascht.
„Samantha. Das Mädchen von der Hope-Ranch. Können Sie sich nicht erinnern?“
„Die Hope-Ranch ...“, wiederholte Moore überlegend – dann schien ihm doch irgendeine Erinnerung zu dämmern,
„Die Hope-Ranch ...“, wiederholte erneut – dann forderte er den Jungen aber abermals auf:
„Egal. Warte draußen!“
„Aber ...“
„Du sollst draußen warten!“
„Ja, ja, ich, ich geh ja schon.“, gab da der Junge nach. Ungern, das war ihm anzusehen, und schob sich dann aber tatsächlich, wenn auch ein wenig zögernd und widerstrebend, wieder bei der Schwingtür hinaus.
Worauf King Salomon, der das Ganze mit etwas spöttischer Miene verfolgt hatte, meinte:
„Na, können wir jetzt endlich? Wie heißt du denn überhaupt?“
„Moore. Maxwell Moore, falls du nachher unbedingt wissen willst, wer dich umgelegt hat.“
„Maxwell Moore!“, wiederholte King Salomon etwas gedehnt – da fragte aber einer seiner Kumpels plötzlich:
„Sag, ich hörte da in Arizona vor ein paar Jahren von einem Scout von der Army, den sie Mad Max nannten, und ich glaube, der hieß auch Moore. Ja, genau, sie nannten ihn auch Mad Max Moore. Kann es sein, dass du dieser verrückte Bursche bist?“
„Mad Max …“, etwas sinnend wiederholte Moore diesen Namen, „Mad Max Moore ...“
Dann erschien plötzlich die Andeutung eines Lächelns auf seinem Gesicht und er meinte schulterzuckend:
„Tja, wer weiß? Jetzt, wo du es sagst ...“; er lächelte weiter ein wenig vor sich hin.
„Mad Max Moore oder nicht. Ich denke ...“, begann da aber jetzt der King ein wenig schroff - als erneut die Schwingtür zum Saloon aufgestoßen wurde – und herein kam energischen Schrittes ein eher kleines, halbwüchsiges Mädchen gefolgt von einem jungen, schlanken, großen Burschen und einem etwas älteren Mann.
Das hübsche Gesicht zog augenblicklich die Blicke aller Männer auf sich.
„Hi, gents!“, grüßte das Mädchen, „Ich suche hier einen gewissen Mr. Moore.“
Und bei diesen Worten schweifte ihr Blick forschend über die Anwesenden.
Die waren jetzt wohl noch mehr überrascht als zuvor, als der Junge hereingekommen war.
Es handelte sich natürlich um das Mädchen von der Poststation mit ihren Begleitern - und es wirkte ziemlich unternehmungslustig.
Nun, als der Mann an der Theke diesmal seine Überraschung überwunden hatte, knallte er mit einem nassen Reibtuch, das er gerade in der Hand hatte, auf die Theke und brüllte:
„Vedrammt noch mal! Das ist doch hier nicht die Kinderstube. Verschwinde, Kleine! Kinder und Ladies haben hier nichts verloren.“
Doch die Kleine war gar nicht so leicht einzuschüchtern. Vielmehr baute sie sich vor der Theke auf, warf sich in die Brust, stemmte die Arme in die Seiten und fuhr ziemlich energisch auf den Mann los:
„Hören Sie mal! Ich bin nicht Ihre Kleine. Und ich bin auch keine Lady! Ich bin Reporterin des New York Morning Courier und ich schreibe Berichte über den Westen.“
„Sie sind was?“, wiederholte der Mann entgeistert – und ein wenig entgeistert waren jetzt wohl alle, wie man den Blicken aller ansehen konnte.
„Sie haben schon richtig gehört, ich bin Reporterin.“
Einige Augenblicke lang studierte der Bursche hinter der Theke die Kleine zweifelnd,
„Sie meinen, Sie... Sie schreiben irgendwas und ...?“, begann er dann fragend und merklich skeptisch.
„Ja genau! Ich schreibe über alles, was ich sehe und erlebe, und Mr. Howthorne hier macht dazu die Bilder!“ Und bei den letzten Worten wies die Kleine auf ihren jungen Begleiter. „Und dann schicken wir alles an den New York Morning Courier und der druckt es dann. Und alle Leute in New York können es dann lesen.“
„Hmm!“, der Barkeeper kratzte sich an der Stirn. Dann schüttelte er den Kopf und meinte in knurrendem Tonfall:
„Also, ich weiß nicht. Schicken die jetzt schon kleine Kinder als Reporter? Und grade da her in den Westen, wo oft der Teufel los ist?“
„Hören Sie, ich bin zweiundzwanzig.“, sagte das Mädchen empört und setzte dann ein wenig bitter hinzu:
„Ich weiß, man sieht´s mir nicht an, alle halten mich immer für ein ... für … für jünger, als ich bin, aber … es ist so!“
Einen Moment lang schwiegen alle, da fragte sie:
„Also, wer von den Anwesenden ist denn nun Mr. Moore?“
Fragend ging ihr Blick im Kreis.
King Salomon fand die ganze Sache vielleicht irgendwie unterhaltsam, jedenfalls war die Andeutung eines vergnügten Grinsens in seinem Gesicht, als er plötzlich auf Moore wies und ihr verriet:
„Das dort ist er. Das ist Mad Max Moore, der Teufel von Arizona“ Das kleine Extempore, das er da eben angehängt hatte, schien ihm besonders zu gefallen, so wie er es betont hatte.
„Also sie sind das!“, wandte sich die kleine Reporterin augenblicklich an Moore.
„Nun, wenn er es sagt.“, gab Moore schulterzuckend zu, und betrachtet die junge Frau neugierig. Abwartend, was jetzt kommen würde.
Auch ihm war natürlich das hübsche Gesicht ins Auge gestochen, als sie hereingekommen war, vor allem ihre vollen, schön geschwungenen Lippen hatten für einige Augenblicke sein Augenmerk auf sich gezogen und ihre dunklen, blauen Augen, die ihn jetzt so unternehmungslustig musterten,
„Hmm. Also, ich meine, ich meine, es hieß, dass man sie hier erschießen würde!“
begann sie und stockte dann - offensichtlich fehlten ihr im Augenblick die richtigen Worte. Doch da ersparte ihr Moor die weitere Suche, indem er mit einem amüsierten Lächeln fragte:
„Ach ja. Und das wollten Sie sich ansehen, und dann darüber schreiben in, in diesem New York!“
„Im New York Morning Courier, aber … also so direkt ...“
„Ich dachte, das ist das, was Sie sehen wollen?“
„Ich, ich will nur sehen, was wirklich passieren wird.“
„Verstehe. Aber sagen sie, mit wem haben wir denn überhaupt die Ehre?“
„Nun, mein Name ist Marlene Rossman.“
„Marlene! Hübscher Name!“, war da einer von King Salomons Männern halblaut zu vernehmen.
Sie beachtete es allerdings nicht, sondern fragte:
„Mr. King, darf Mr. Howthorne eine Photographie machen von Ihnen und Ihren Männern?“
„Eine Photographie?“; King Salomon zog die Augenbrauen hoch. Aber nachdem er die Worte Miss Rossmans einige Augenblicke lang auf sich einwirken hatte lassen, fragte er:
„Und dieses Bild kommt dann in diesen New York Morning Courier!“ King Salomon ließ sich diesen Namen förmlich auf der Zunge zergehen.
„Genau. Und dazu schreiben sie, wie wir diese lästige Wanze da umgelegt haben?“ King Salomon deutete auf Moore.
„Nun ja, sozusagen. Werden Sie Mr. Moore wirklich erschießen?“
„Nun ja, ich glaube, er wird uns keine andere Wahl lassen, denn er möchte uns irgendwohin vor ein Gericht schleppen, weil wir angeblich seinen Freund umgelegt haben.“
„Und? Haben Sie?“
„Unsinn. Wir sind die friedlichsten Menschen von der Welt! Aber lassen wir das.“ King Salomon wandte kurz den Kopf ein wenig links und fragte dann an seine Männer gewandt:
„Also! Was haltet Ihr davon. Soll sie so eine Photographie machen?“
„Eine Photographie? Na, ich weiß nicht. Meinetwegen.“, so und ähnlich kam es von King Salomons Männern, bis zuletzt einer sagte:
„Soll sie doch. Es hat noch nie wer so eine Photographie von mir gemacht.“
„Na dann.“, sagte darauf King Salomon wieder an Mss Rossman gewandt, „Sie haben ´s gehört. Dann machen sie eben ihre verdammte Photographie.“
Aus irgendeiner Laune heraus schien King Salomon Gefallen zu finden an dieser Idee.
Nun, Miss Rossman wandte sich augenblicklich an ihren jungen Begleiter und mit den Worten
„Na dann, Mr. Howthorne!“, forderte sie ihn auf, in Aktion zu treten.
Der erwies sich nun als ein ziemlich fixer Bursch und hatte in Windeseile ein Stativ aufgestellt und darauf seinen Kasten montiert.
King Salomon forderte unterdessen seine Männer auf:
„He. Männer!“ Steht auf! Ich glaube, das macht sich besser.!
Er schien tatsächlich Gefallen gefunden zu haben, an der Idee mit dem Lichtbild.
Irgendeiner murrte zwar, aber wenig später hatten sie tatsächlich alle vor dem Tisch Aufstellung genommen.
Wenige Minuten später erhellte das grelle Licht verbrennenden Magnesiums kurz den Raum und schon hatte Howthorne sein Bild im Kasten.
„War´s das?“, fragte King Salomon fast vergnügt.
„Das war ´s.“, sagte Howthorne.
Da wies der King auf Moore und meinte:
„Und jetzt er.“
Moore allerdings, der wieder, die Daumen in den Gürtel gehakt, an der Theke lehnte, und das Ganze Schauspiel mit einer Mischung aus Verwunderung und Missmut verfolgt hatte, knurrte:
„Das könnt ihr vergessen.“
„He! Moore! Was ist los mit dir?“, rief ihm da King Salomon zu, und Miss Rossman meinte:
„Aber Mr. Moore, sie werden doch keine Angst haben? Es geschieht Ihnen nichts.“
„Miss Rossman, hören Sie endlich auf mit diesem Affentheater.“, knurrte der hörbar missmutig und auch mit einer gewissen Schärfe, „Wir wollen zur Sache kommen!“,
King Salomon grinste und Miss Rossman setzte zu einer Erwiderung an.
„Aber Mr. Moore ...“
„Ich habe gesagt, Sie sollen auf...“
Und da war aber plötzlich Moores Fünfundvierziger in seiner Hand und das Dröhnen seiner Schüsse erfüllte den Raum. Einer von King Salomons Begleitern, der Moore in diesem Augenblick abgelenkt gewähnte hatte, hatte nach seinem Schießeisen gegriffen. Die einschlagenden Kugeln erschütterten die Körper seiner Gegner. Und dann Stille, seltsam unwirklich!
Bis Miss Rossman erschrocken sagte:
„Oh, mein Gott ...“
und sich dabei die Hände vors Gesicht schlug.
King Salomon aber und seine Männer hatte es von den Füßen gerissen - bis auf einen, der jetzt aber auch in die Knie ging. Er zerrte dabei noch immer an seinem Schießeisen, ohne es aber richtig aus dem Halfter zu bekommen.
„Verdammt!“, stöhnte er nach einer Sekunde vielleicht, oder zwei …als ob er dafür hätte nachdenken müssen. Zuletzt fiel aber auch er vornüber hin und rührte sich nicht mehr.
Pulverdampf breitete sich aus ...
„Oh mein Gott!“, rief Miss Rossman erneut, die Augen groß auf die Toten gerichtet, „Sind sie alle …?“
„Ja, sie sind alle tot!“, erklärte da der ältere ihrer beiden Begleiter ungerührt, „Jetzt haben sie ´s endlich geschafft!“ Die letzten Worte klangen jetzt fast ein wenig spöttisch.
„Also das, das war doch, das war doch wirklich unglaublich! Also so etwas ...“
„Glauben sie ´s ruhig,“, warf da ungerührt ihr Begleiter ein, immer noch in dem etwas spöttischen Tonfall, „diese Männer sind wirklich tot.“
Maxwell Moore aber, der Mann, der für all das verantwortlich war, lümmelte schon wieder bequem an der Theke und lud sein Schießeisen nach. Danach ließ er einmal prüfend kurz die Trommel rotieren und halfterte dann seinen Colt wieder – nicht ohne bei alledem Miss Rossman neugierig zu beobachten.
Sie erschien sie ihm ein wenig blass, soweit man das bei dem trüben Licht im Saloon erkennen konnte.
„Und? Sind Sie auf Ihre Rechnung gekommen, Miss Rossman?“, fragte er, nachdem er mit seinen Schießeisen fertig war, und verfolgte dabei ihr Mienenspiel, das erkennen ließ, dass sie allmählich ihre Fassung wiedergewann.
„Ach Gott, ich hatte ja keine Ahnung!“; es blieb aber ungesagt, wovon genau sie keine Ahnung gehabt hatte.
Schließlich richtete sich Moores Blick auf den Mann hinter der Theke, der ihm wortlos und unaufgefordert ein volles Glas hinschob.
Kaum aber, dass er nach diesem Glas gegriffen hatte, da kam schon wieder jemand durch die Schwingtür geschossen und rief aufgeregt:
„Mr. Moore! Mt. Mooore! Sind sie noch...?“
Es war natürlich der Junge, den er zuvor hinausgeschickt hatte.
Überrascht zog Moore die Augenbrauen hoch und sah ihm entgegen, als der jetzt auf ihn zu kam.
„Was willst du denn schon wieder?“ fragte er.
Und schon legte der Junge wieder aufgeregt los:
„Mr. Moore, es ist wirklich dringend! Samantha braucht Sie.“
„Wer in drei Teufels Namen …?“
„Egal!“, unterbrach er sich dann und wandte sich an den Barkeeper,
„Haben Sie für heute Nacht ein Zimmer für mich?“
Der Mann zuckte mit den Schultern und schlug ihm dann vor:
„Neben der Mailcoachstation findest du ein Boardinghouse.“
„Junge, dann werden wir zwei jetzt zu diesem Boardinghouse gehen. Da werden wir hoffentlich auch ein ordentliches Steak kriegen.“, entschied Moore, „Und da erzählst du mir dann deine Geschichte.“
„Okay.“
„Ein Boardinghouse! Das ist gut, das können wie auch brauchen!“, erklärte daraufhin die kleine Reporterin,
„Kommt! Da gehen wir auch hin!“, wandte sie sich dann an ihre zwei Begleiter.
Moore verzog das Gesicht, sagte aber nichts.
Und so kam es, dass Maxwell Moore zwei Stunden später mit dem Jungen in einer Ecke des besagten Boardinghouses saß und die letzten Reste eines tüchtigen Steaks ihrer Bestimmung zuführte. Und natürlich waren Miss Rossman und ihre beiden Begleiter auch da – das war einfach nicht zu verhindern gewesen.
Mit den Worten „Dürfen wir?“ hatte sie sich gewissermaßen selbst eingeladen, mit ihren Begleitern an seinem Tisch Platz zu nehmen. Er hatte aber auch keinen Einwand erhoben und nur schulterzuckend gesagt:
„Meinetwegen.“
Mittlerweile wusste er jetzt, dass ihr zweiter Begleiter Butch Cates hieß.
Im Saloon hatte er im Übrigen auch noch einen kurzen Besuch des Sheriffs hinter sich bringen müssen, der aber wohl oder über akzeptieren hatte müssen, dass er Moore nichts anhaben konnte, obwohl er herumgeredet hatte und ihm ziemlich unmissverständlich zu verstehen gegeben hatte, dass er auf seine Anwesenheit in SEINER Stadt absolut keinen Wert legte.
Aber Moore hatte sowieso nicht die Absicht, hier weiter seine Zelte aufzuschlagen.
Die Toten waren auch beseitigt worden, nicht ohne allerdings, dass dieser Howthorne zuvor ein paar Aufnahmen von ihnen gemacht hätte.
Sie hatte dann auch wieder davon angefangen, dass Mr. Howthorne für sie eine Aufnahme von ihm machen sollte, wovon er aber natürlich nach wie vor noch immer nichts wissen wollte.
Miß Roßman hatte sich allerdings als hartnäckig erwiesen diesbezüglich - sie hatten jedenfalls noch eine ziemliche Weile darüber diskutiert
Nun, als Moore dann sein Steak hinter sich gebracht hatte, sagte er endlich zu dem Jungen, der schon merklich unruhig war:
„So, und jetzt schieß los.“, er seufzte, „Früher hab´ ich ja scheinbar doch keine Ruhe.“
„Können Sie sich nicht mehr an die Hope-Ranch erinnern und an Samantha?“, begann da der Junge aufgeregt.
„Sag, wie heißt du denn eigentlich?“, fragte da aber Moore.
„Ich heiße Tom, Tom Fairbanks.“
„Tom also. Na schön. Also, was die Hope-Ranch betrifft, natürlich erinnere ich mich an die. Und ich glaube, ich weiß jetzt auch wieder, wer diese Samantha ist. Das war doch dieses kleine Mulattenmädchen, oder?“
„Ja genau, sie war eins von den Mädchen damals.“
„Gott, das ist doch mindestens zehn Jahre her.“
„Neun! Es ist neun Jahre her.“
„Neun? Na egal, dann eben neun.“
„Gott, war ich damals noch ein junger Hüpfer.“, setzte er dann kopfschüttelnd mehr zu sich selbst hinzu.
Als Tom darauf nicht gleich etwas sagte, fragt er:
