Bio-Wein im eigenen Garten - Sonja Schmid - E-Book

Bio-Wein im eigenen Garten E-Book

Sonja Schmid

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Beschreibung

Weinanbau leicht gemacht! So gelingt Bio-Wein aus dem eigenen Garten! Sie träumen schon lange davon, selbst Bio-Winzer zu sein? Kein Problem! Wein aus biologischem Anbau ist auch möglich, wenn man keinen Weinberg vor der Haustüre hat oder kein eigenes Weingut in der Toskana besitzt. Weinreben lassen sich nämlich genauso gut im Garten und sogar im Topf am Balkon erfolgreich kultivieren. Ganz ohne Einsatz komplizierter Techniken oder chemischer Mittel. Wenn aus kompliziert einfach wird … Weinanbau hat es in sich, so die gängige Meinung. Die Königsklasse des Gärtnerns schüchtert viele Weinfans ein. Zu Unrecht! Mit ein wenig Fingerspitzengefühl, der richtigen Anleitung und einigen Tipps und Tricks gedeihen auch in Ihrem Garten bald die ersten eigenen Weinreben und süßen Trauben! Angefangen beim Einpflanzen über den Rebschnitt bis hin zur Ernte erklären Sonja und Toni Schmid alles Wissenswerte zum Wein und seinen Eigenschaften als ertragreiche Rebe und dekorative Pflanze. Wo und wie kann ich meinen Weinstock pflanzen? Wie pflege ich ihn? Welche Sorten eignen sich für meinen Standort? Was kann ich aus Trauben alles selber machen? Und vor allem: Wie gewinne ich Wein? Weinbereitung: fundiert und praxisnah! Ein lauer Sommerabend, ein köstliches Essen am Gartentisch und dazu ein Glas selbst gemachter Wein? Weingewinnung ist auch in geringen Mengen möglich, sodass der eigene edle Tropfen in greifbare Nähe rückt! Rebeln, maischen, pressen – lernen Sie anhand anschaulicher Fotografien und genauer Beschreibungen, wie Sie ihren eigenen Wein herstellen, abfüllen und lagern. Ein außergewöhnlicher Genuss! - ein Muss für jeden Biogarten: frische Trauben, dekorative Reben, natürliche Beschattung - für WeinliebhaberInnen mit DIY-Ambitionen - Weinherstellung für AnfängerInnen genau erklärt - mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum wichtigen Thema Rebschnitt - Sortenempfehlungen für Balkon und Terrasse - wunderschön bebildert mit Fotografien von Rupert Pessl

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Sonja & Toni Schmid

Bio-Wein

im eigenen Garten

Sonja & Toni Schmid

Bio-Wein

im eigenen Garten

Wie Anbau, Pflege und Ernte auf kleiner Fläche gelingen

Inhalt

Vorworte

Wein – Geschichte & Biologie

Geschichte des Weins

Verbreitung

Wein in Extremlagen

Biologischer Weinbau

Reborgane und ihre Funktionen

Wurzeln

Rebstamm

Kordon, Schenkel, altes Holz

Nodien, Knoten

Internodien

Winterknospen

Sommertrieb

Die Blätter

Triebspitzen

Gescheine

Blüten

Trauben, Frucht oder Beere

Geiztriebe

Perldrüsen

Ranken

Arten & Sorten – eine Einführung

Botanik

Wein-Sortenspiegel Österreichs

Auspflanzrecht

Entstehung neuer Sorten

Rebzüchtung

Natürliche Kreuzung

Mutation

Klone

Pilzwiderstandsfähige Sorten (PIWI-Sorten)

Sortenübersicht

Uhudler

‚Isabella‘

‚Early Campbell‘

‚Concord‘/‚Ripatella‘

‚Elvira‘

‚Noah‘

Zierreben

Weinbau – Theoretische Grundlagen

Klima, Standort, Boden

Klima

Standort

Boden

Rebvermehrung

Ableger – Rebvermehrung früher

Steckhölzer, wurzelechte Reben – Rebvermehrung früher

Rebveredelung – Rebvermehrung heute

Rebpflanzung

Erziehungsarten

Vorbereitung

Spalier-Erziehung, Drahtrahmen-Spalier-Erziehung

Spalier-Erziehung an der Wand

Stockkultur/Pfahlkultur

Lyra-Erziehung, V-Erziehung, Y-System

Pergola-(Pergl-)Erziehung/Dachlauben-Erziehung

Rebschnitt

Vorbereitung

Erziehungsschnitt und Pflege in der Junganlage

Ertragsschnitt/Erhaltungsschnitt

Verjüngungsschnitt

Ansprüche nach Standort

Wein im Gewächshaus

Wein zur Beschattung eines Gewächshauses

Wein am Balkon mit der Wurzel im Boden

Wein an der Hauswand

Wein im Topf

Weinbau – Praktische Arbeiten

Reben formieren

Laubarbeit

Allgemein

Jäten/Ausbrechen

Einschlaufen/Heften

Entspitzen

Entgeizen & Entblättern

Traubenausdünnung/Ertragsregulierung

Bodenpflege

Allgemein

Düngung

Bodenpflege bei Junganlagen

Bodenpflege im Herbst/Winter

Pflanzenschutz

Einführung

Schutz vor ungünstigen Witterungsbedingungen

Nützlinge und Schädlinge in unseren Gärten!

Krankheiten

Natürliche Stärkungsmittel

Begleitpflanzen – mit Wein kombiniert

Der Hausgarten einst & heute

Gemüse-Weingarten-Bepflanzung

Obst & Wein

Johannisbeeren/Ribiseln (Ribes sp.)

Erdbeeren/Pröbstlinge (Fragaria sp.)

Quitte (Cydonia oblonga)

Weingartenpfirsich (Prunus persica)

Gemüse & Wein

Kürbis (Cucurbita sp.)

Meerrettich/Kren (Armoracia rusticana)

Spargel (Asparagus officinalis)

Safran (Crocus sativus)

Kartoffeln/Erdäpfel (Solanum tuberosum)

Knoblauch (Allium sativum)

Weitere Begleiter

Kräuter

Blumen

Rosen

Roggen (Secale cereale)

Ernte und Verarbeitung – wie Wein entsteht

Inhaltsstoffe

Ernte & Lagerung

Tafeltrauben-Ernte

Tafeltrauben-Lagerung

Keltertrauben-Ernte

Weinbereitung

Weißwein-/Roséweinbereitung

Rotweinbereitung

Sonstige Weine

Kennzeichnung von Weinen

Weinfehler & Weinkrankheiten

Saftherstellung

Frischer Traubensaft

Pasteurisierter Traubensaft

Federweißer/Sturm

Weitere Produkte vom Weinstock

Weinblätter als Medizin

Weinblätter in der Küche

Weinblätter-Tee

Wein-Ranken

Traubenkernöl

Traubenkernmehl

Rosinen

Verjus

Rezepte

Weintrauben-Gurken-Smoothie

Traubengelee

Schneller Traubenkuchen

Traubenstrudel

Joghurt-Topfen-Kuchen

Gefüllte Weinblätter

Anhang

Das Weingartenjahr und seine wichtigsten Arbeiten im Überblick

Bezugsquellen

Rebschulen in Österreich

Rebschulen in Deutschland und der Schweiz

Züchter von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten

Safran – Bezugsadresse

Bezugsquellen und Beratung für biologische Pflanzenschutzmittel

Weitere Adressen

Literaturverzeichnis

Das kleine Wörterbuch der Winzerinnen und Winzer

Bildnachweis

Die Autoren

Lust auf selbst geernteten Wein?

Der eigene oder in Gemeinschaft genutzte Garten hat in den vergangenen Jahren auch als Nutzgarten eine echte Renaissance erlebt. Dabei steht natürlich meist nicht die unbedingte Notwendigkeit der Selbstversorgung im Zentrum. Vielmehr ist die Qualität der eigenen Gartenerzeugnisse das Besondere – man weiß einfach ganz genau, was man zu sich nimmt, und kann Obst, Gemüse und Kräuter in einer Frische und Vielfalt genießen, die am Markt kaum zu haben ist. Ebenso wichtig sind vielen Menschen die sinnlichen und emotionalen Erlebnisse, die Verbundenheit mit Pflanze und Natur, die Freuden des Keimens, Pflanzens, des Erntens und Genießens. Und schon lange gelten auch die handwerklichen, gartenbaulichen und hauswirtschaftlichen Fertigkeiten, die wir uns beim Gärtnern aneignen, nicht mehr als überkommen. Im Gegenteil: Vielen Menschen werden Werte wie Autonomie und Selbstmächtigkeit zunehmend wichtiger, und wer das Glück hat, einen Garten bestellen zu können, kann diese Werte, zumindest im Kleinen, selbst leben. Auch der spezifische Wert eigener Erfahrungen steigt vor dem Hintergrund der massenhaft verfügbaren digitalen Information enorm. Beim Gärtnern begegnen wir Lebewesen in der realen Welt. Pflanzen wachsen nicht schneller, wenn wir den Speicherplatz erhöhen, ihr Geschmack und ihre Schönheit lassen sind nicht durch Bildbearbeitungsprogramme verbessern. Dieses Erleben ist in einer zunehmend digitalisierten Welt ungemein wertvoll.

Es gibt also viele Gründe, sich mit dem Gärtnern zu beschäftigen. Das neue Buch von Sonja und Toni Schmid bietet eine wichtige Ergänzung zur neueren Hausgarten-Literatur: Es bringt den Garteninteressierten nun auch den Weinbau im eigenen Garten nahe, und eröffnet damit einen ganz neuen Kosmos an Nutzungen und Erfahrungen. Dabei werden unterschiedlichste Aspekte dieser uralten Kultur-technik beleuchtet, und den Hausgartenbedingungen angepasste, umweltschonende biologische Methoden des Anbaus und der Kulturführung vermittelt, basierend auf eigenen langjährigen Erfahrungen der Autorin und des Autors. Die Vielfalt kommt beim Thema Wein gleich doppelt zu tragen: Einerseits über die zur Verfügung stehende Sorten- und Artenvielfalt. Andererseits über das Kapitel zum Weingarten als vielfältiger Garten, in dem unterschiedliche Nutzpflanzen zusammen gedeihen.

Liebe Sonja, lieber Toni, viel Erfolg für Euer Buch! Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, möge es viele nützliche Hinweise geben, wie die naturnahe Weinkultur in Ihrem eigenen Garten gelingen kann.

     Beate Koller

     ehem. ARCHE NOAH Geschäftsführerin

Entdecken Sie die Vielfalt des Weins!

Wir leben auf unserem Biobetrieb im Weinviertel in Niederösterreich, eine Stunde nordwestlich von Wien entfernt. Unsere Weingärten liegen an den Süd- und Osthängen des Manhartsberges, einer sanften Hügelkette aus Urgestein am Rande der Böhmischen Masse. Die Böden sind geprägt durch den Granit des Manhartsberges und den Löss, der in der Ebene des Schmidatales sehr mächtig ist. Wir leben sehr gerne in dieser sanft-hügeligen Landschaft.

Unser trockenes Klima ist gut für Weinbau geeignet. Der etwas kühlere Einfluss aus dem Waldviertel sorgt für eine hervorragende Aroma-Ausprägung der Weine. Unsere biologischen Weine beeindrucken durch natürlichen Jahrgangs- und Sortencharakter. ‚Grüner Veltliner‘ ist die bedeutendste Sorte in der Region und auch in unserem traditionellen Betrieb fest verankert. Aber auch Sorten wie ‚Weißburgunder‘, ‚Frühroter Veltliner‘ und ‚Blauer Zweigelt‘ gedeihen besonders gut auf unseren Maissauer Urgesteins- und Lössböden.

In unserer biologischen Landwirtschaft werden neben Getreide und Leguminosen wie Futtererbsen oder Klee auch Spezialkulturen wie Färberdisteln, Leindotter und Einkorn angebaut.

Wir arbeiten mit voller Begeisterung in unserem Biobetrieb. Immer besser verstehen wir dadurch die Kreisläufe der Natur und vertiefen unser Wissen im Einklang mit ihr. Ein gesunder Boden ist dabei die Grundlage für uns und für zukünftige Generationen.

Weintrauben zum Naschen sind herrlich. Viele verschiedene Sorten, die alle unterschiedlich schmecken, sind einfach ein Hochgenuss! Große, kleine und mittelgroße Beeren, knackig oder weich – alle saftig und süß mit herrlichen Aromen. Aber nicht nur die frischen Tafeltrauben sind köstlich. Auch bei den verschiedenen Produkten aus der Traube gerät man ins Schwärmen: selbstgemachte Rosinen, ein herbstlicher Weintraubenstrudel, rotes Traubengelee zur Käseplatte oder Traubensaft, der uns ganzjährig den süßen Geschmack des Spätsommers beschert. Weintrauben sind sehr vielfältig in ihren Verwendungsmöglichkeiten und dadurch ein ”Allroundtalent“, das für jeden etwas bietet.

Vor allem die höchste Form der Vollendung einer Weintraube – der Wein. Auch hier gibt es verschiedenste Ausprägungen, abhängig von der Sorte, vom Terroir (also dem Zusammenspiel aus Boden, Geologie und Klima eines Standorts) und vielen anderen Faktoren.

Wir begegnen immer wieder Menschen, die uns fragen:

„Wie pflanze ich einen Weinstock eigentlich richtig?“

„Ich habe ein paar Weinstöcke daheim, aber wann und wie schneide ich den Weinstock?“

„Wie kann ich aus dem eigenen Traubenmost selbst Saft herstellen?“

All diese Fragen und noch mehr möchten wir in diesem praxisbezogenen Buch beantworten.

Es reicht ein kleines Plätzchen Erde, viel Sonne, ein Rankgerüst und – Simsalabim – in ein paar Jahren kann man selbst Trauben ernten. Sie laden zum Naschen ein, können Schattenspender sein oder als dekorative Begrünung dienen. Mit der Entwicklung eines Weinstocks können der Rhythmus der Natur und der Jahresverlauf gut beobachtet werden. Als Belohnung rückt man nicht nur der Natur ein bisschen näher, sondern erntet auch herrlich schmeckende Trauben. Weinstöcke sind ungemein anpassungsfähig und wachsen an vielen Standorten. Sie werden sehen, es gibt unzählige Möglichkeiten, nicht nur im Garten, sondern auch am Balkon. Wir hoffen, Sie mit unserer Begeisterung für Weinreben anzustecken, und wünschen Ihnen viel Spaß mit unserem Praxisbuch!

Wir bedanken uns bei unseren Freunden und Bekannten für die vielen Fragen und Anregungen und bei Anita Winkler vom Löwenzahn Verlag für den Anstoß zu diesem Buch. Weiters danken wir den Mitarbeitern des Verlags, allen PIWI-ZüchterInnen, der Rebschule Hummel, der Familie Paradeiser, der Familie Wunderer und allen anderen, die uns bei diesem Buchprojekt unterstützt haben.

     Sonja Schmid & Toni Schmid

     Bioweinhof Toni Schmid

     www.tonischmid.at

Der Höhepunkt des Weinjahres – die Weinernte. Dabei ist besondere Sorgfalt notwendig.

Der Wein hält nichts geheim!

Und wir auch nicht! Deshalb starten wir sogleich mit unserer Entdeckungstour durch die Geschichte des Weins und erkunden gemeinsam mit Ihnen den faszinierenden Aufbau der Weinrebe. Denn je besser Sie Ihre Pflanzen kennen, desto einfacher werden der Anbau und die Pflege.

Um den Wein ranken sich einige Geschichten. Aber auch ohne Mythen hat diese Pflanze viel zu bieten – lassen Sie sich überraschen!

Wein – Geschichte & Biologie

Geschichte des Weins

Die Geschichte der Weinrebe beginnt bereits vor rund 80 Millionen Jahren, dies belegen Relikte von Reben, z.B. in Braunkohleflözen in der Steiermark (Österreich) oder in Klettwitz bei Senftenberg in Brandenburg (Deutschland). Verschiedene Wildreben-Arten gab es in großen Teilen Europas, in Nordamerika und Asien.

Die Kulturrebe (Vitis vinifera) dürfte im Gebiet des südlichen Kaspischen Meeres und des Zwischenstromlandes bis zum Persischen Golf entstanden und von dort als Kulturform nach Südund Mitteleuropa gelangt sein. Man nimmt an, dass die Menschen damals, als sie noch Jäger und Sammler waren, die wildwachsenden Reben gesammelt und verarbeitet haben. Erst durch die Sesshaftwerdung wurde ein gezielter Anbau der Weinrebe möglich.

Im Südkaukasus (heutiges Georgien) wurde vermutlich schon vor mehr als 7.000 Jahren Wein produziert – das beweisen Überreste auf jungsteinzeitlichen Tonscherben. Noch heute gibt es in Georgien eine beachtliche Anzahl an Rebsorten (ca. 500).

In Ägypten wurde um 3.000 v. Chr. Wein an Pfählen hochgezogen, weil keine geeigneten Bäume vorhanden waren. Wein war dort ein Getränk der Oberschicht und auch ein beliebtes Motiv für (Grab-)Malereien. 1988 wurde in Ägypten in einem Pharaonengrab eine Grabbeigabe von 400 Weinkrügen – insgesamt rund 4.000 Liter – entdeckt. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt der älteste fossile Reben-Nachweis Österreichs in Krems an der Donau (Niederösterreich).

Sonja: „Zehn Kilometer von uns zuhause entfernt, wurden in einer prähistorischen keltischen Siedlung Nachweise der Kulturrebe aus der Zeit um 300 v. Chr. gefunden.“

Die Römer waren es, die schließlich den organisierten Weinanbau und die Weinkultur an die Donau brachten. Auch Karl der Große (768–814) war ein großer Förderer des Weinbaus. Zwischen dem 10. und dem 12. Jahrhundert erfolgte die große Ausbreitung des Weins durch Klöster, Stifte und Adel. In der Folge wurde Wein zum Getränk der breiten Bevölkerung, da das Wasser oft verunreinigt war. In dieser Zeit gab es die größte Ausdehnung des Weinbaus in Österreich.

Europäische Eroberer brachten den Wein in ihre Kolonialgebiete wie Südamerika, Südafrika oder Neuseeland. Gegen Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam es fast zum Niedergang des Weinbaus. Gründe waren die hohe steuerliche Belastung, Kriege sowie die Reformation und die mit ihr einhergehende Schließung von Klöstern.

Ein wichtiger Meilenstein im Ausbau der Weinkultur war das 1784 von Joseph II. erteilte Buschenschank-Patent. Dieses erlaubte Weinbauern, ihren eigenen Wein auszuschenken. So entwickelten sich die traditionellen Buschenschanken (auch als „Heuriger“ bezeichnet), die bis heute die Gaumen von Jung und Alt erfreut.

Ende des 19. Jahrhunderts kam es zur Einschleppung von Pilzkrankheiten und der Reblaus, die die europäischen Weinreben fast gänzlich vernichtete. Erst langsam gelang die Umstellung der Weingärten auf veredelte Reben mit reblaus-immuner Unterlage. Ab 1956 erfolgte die Mechanisierung und Rationalisierung des Weinbaus durch die Einführung der Hochkultur von Lenz Moser.

1986 entstand das neue „Österreichische Weingesetz“, das eines der strengsten Weingesetze der Welt war. Seit dem EU-Beitritt 1995 gilt auch hierzulande das EU-Weinrecht.

Verbreitung

Die Verbreitung der Rebe ist außerordentlich und durchzieht fast alle Kontinente der Welt.

Die Weinrebe gedeiht in allen gemäßigt warmen Klimazonen, grob eingeteilt in zwei Gürtel: nördlich zwischen dem 30. und 50. Breitengrad und südlich zwischen dem 30. und 40. Breitengrad. Wobei auch außerhalb dieser Zonen – an sonnigen Südhängen oder in geschützten Lagen – Wein angebaut werden kann.

Der meiste Wein wird in Europa auf einer Rebfläche von ca. 4,5 Mio. Hektar angebaut, das sind momentan rund 60 % der weltweiten Anbauflächen. In Europa sind die flächenmäßig bedeutendsten Weinbauländer Spanien, Frankreich und Italien. In wärmeren Ländern wie im nördlichen Afrika, in Spanien, Griechenland oder der Türkei werden große Trauben-Bestände für die Produktion von Speisetrauben und Rosinen verwendet.

Wein in Extremlagen

Wein ist sehr anpassungsfähig. Viele Faktoren wie Kleinklima, Bewässerung und ganz besonders die jeweilige Traubensorte ermöglichen den Anbau von Wein auch in extremen Lagen.

Sonja: „Uns war klar, dass Weinanbau immer mehr Flächen findet. In welchen extremen Lagen Wein heute angebaut wird, haben wir aber erst bei unseren Recherchen herausgefunden. Dazu möchten wir weltweit einige Beispiele anführen.“

Aufgrund der Klimaerwärmung werden immer mehr Gebiete auch in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol für den Wein (zurück) erobert. Das war nicht immer so. Im Mittelalter, Anfang des 16. Jahrhunderts, gab es in Österreich flächenmäßig die größte Ausdehnung an Weinbau, sogar in den rauesten und kältesten Bundesländern Österreichs. Im späten 16. Jahrhundert begann der Niedergang des Weinbaus. Die Ursache lag in der sogenannten „kleinen Eiszeit“, die zwischen der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und dem beginnenden 19. Jahrhundert einsetzte. Es handelte sich damals um eine Erdabkühlung, die sich regional und zeitlich unterschiedlich auswirkte. Jedoch mit der Folge, dass unter anderem in Österreich viele Weingartenanlagen verschwanden. In heute ganz untypischen Weinbauregionen tauchen alte Flur- oder Straßennamen auf, die auf den damaligen Weinbau hinweisen. Das zweite große Verschwinden von vielen Weingarten-Anlagen hängt mit der Einschleppung von Pilzkrankheiten und der Reblaus gegen Ende des 19. Jahrhunderts zusammen.

Die höchstgelegenen Weinberge Europas befinden sich auf 1.150 m im Wallis (Schweiz) sowie bis auf 1.500 m auf der Mittelmeerinsel Zypern. Die höchstgelegenen Weingärten der Welt liegen in Chile und Argentinien auf bis zu 2.500 m Höhe.

Weinanbau in Österreich

In Oberösterreich gibt es aktuell ungefähr 40 Winzer mit ca. 70 Hektar Rebfläche, Tendenz steigend. Im Tiroler Oberland wächst in Venburg Wein auf 1.100 m und sogar am Eingang des Ötztals. Auch hier in Tirol ist die Tendenz der Weinflächen steigend.

April, April, der macht, was er will! – auch mit den Weingärten. Hier gibt’s eine ordentliche Abkühlung für Vorarlberger Weinreben (Österreich).

In der Steiermark liegen im Sausal-Gebiet Einzellagen auf bis zu 650 m Seehöhe und mit Hangneigungen von bis zu 90 %. Dort muss mit Seilwinden gearbeitet werden.

Auch in Kärnten steigen von Jahr zu Jahr die Weinflächen, einer der höchsten Weingärten befindet sich in 760 m Seehöhe im Mölltal. In Vorarlberg werden momentan fast 20 Hektar weinbaulich bewirtschaftet.

Extremlagen in Italien

In Südtirol wächst seit 4 Jahren der erste Bio-Wein auf 1.300 m Seehöhe, im Passeiertal auf 1.000 m Seehöhe oder im Südtiroler Unterland wächst Wein auf 1.200 m Seehöhe. Das Südtiroler Versuchszentrum Laimburg forscht zum Thema Klimaerwärmung und deren Auswirkungen auf den Weinbau sowie Weinsorten in Extremlagen.

Extremlagen in Deutschland

Viele deutsche Rebflächen liegen relativ weit nördlich, fast bis zum 50. Breitengrad. Dies ist nur möglich durch besonders geschützte Anbauflächen in Flussnähe und Hängen mit guter Sonneneinstrahlung.

Extrem steile Weinlagen befinden sich in Deutschland an der Mosel mit einem Neigungswinkel bis knapp 70 %. (Schon 45 ° entsprechen einer Steigung von 100 %.) Noch steiler ist der Engelsfelsen im Bühlertal mit 75 %. Aber auch international gibt es einige beachtliche Standorte für Wein:

Weinanbau in Argentinien

In Argentinien liegen die Weinanbaugebiete zwischen dem tropischen Norden (Cafayate-Tal) und Patagonien im Süden, also zwischen dem 25. und 40. Breitengrad der südlichen Halbkugel. Die Weingärten liegen auf einer Höhe von ca. 600– 1.700 m und einige auf fast 2.500 m. Besonders sind nicht nur die Höhenlagen, sondern auch, dass das Schmelzwasser der Anden für die Bewässerung der Weingärten durch Kanäle geleitet wird. Negativ könnte sich die Klimaerwärmung auswirken, da immer weniger Schmelzwasser zur Verfügung steht.

Weinanbau in Chile

In Nordchile in den grünen Hochtälern am Rand der Atacama-Wüste befinden sich Weinberge in extremen Höhenlagen, teilweise mit einer Seehöhe von bis zu 2.300 m. Spanische Eroberer (und oft Missionare – wegen des Messweins) brachten Mitte des 16. Jahrhunderts die ersten Rebsetzlinge nach Chile.

Weinanbau auf Lanzarote

Mehrere Vulkanausbrüche im 18. und 19. Jahrhundert begruben fruchtbares Ackerland unter Lava und Ascheschichten. Da es auf Lanzarote wenig regnet und der Wind durch das Meer sehr stark sein kann, sind die Weinstöcke durch kleine Steinwälle geschützt. In manchen Weingarten-Anlagen sitzt je ein Weinstock in einem kleinen Krater aus schwarzem Vulkansand. Als einzige Wasserquelle dient hier die Luftfeuchtigkeit, die durch Verdunstung über dem Meer entsteht. Der Tau sammelt sich an den Wänden der Krater-Kuhlen bei den Rebstöcken, wird von der Vulkanasche aufgesogen und steht so den Rebpflanzen tagsüber zur Verfügung.

Toni: „Wir waren vor einigen Jahren auf Lanzarote auf Urlaub und waren von der Insel und der Art des Weinbaus sehr beeindruckt. Mittlerweile werden durch Investoren auch andere Erziehungssysteme ausprobiert, ob diese erfolgreich sind, wird sich erst zeigen.“

Weinanbau in Französisch-Polynesien

Mitten im Pazifik wächst am Festland des Tuamotu-Archipels, 350 km von Tahiti entfernt, zwischen Kokospalmen Wein. 50 Sorten wurden in einem Projekt ausprobiert, drei Sorten erwiesen sich als geeignet. Nach vielen Versuchen und 10-jähriger Eingewöhnungszeit wachsen nun zwei Ernten pro Jahr bei Temperaturen von stetig über 30 °C.

Und so sieht das Ganze in der kalten Jahreszeit aus. Auch in südlicheren Gebieten wird Winterruhe gehalten.

So kreativ kann Weinbau sein: Auf Lanzarote werden die Weinstöcke durch Steinwälle geschützt.

Weinanbau in Schweden

Ungefähr 100 Hektar sind in Schweden mit Wein bepflanzt. Der Großteil des Weinanbaus konzentriert sich auf die westliche Halbinsel von Südschweden, aber auch im Osten auf der Insel Öland wird Wein angebaut. Das Meer sorgt für mildes Klima, auch im Winter. Je weiter die Weingärten von der Küste entfernt sind, desto tiefer die Temperaturen und desto gefährlicher die Spätfrostgefahr. Gegen den vorherrschenden Wind werden die Weinstöcke durch Hecken geschützt. PIWI-Sorten wie ‚Donauriesling‘, ‚Solaris‘, ‚Bronner‘, ‚Muscaris‘ werden dort bevorzugt angebaut, aber auch ‚Chardonnay‘ und ‚Merlot‘.

Weinanbau in Kanada

Im äußersten Westen Kanadas, 400 km von der Pazifikküste entfernt, erstreckt sich hinter schneebedeckten Gipfeln und tiefen Schluchten das Okanagan-Tal. Es handelt sich hierbei um eine kontrastreiche Landschaft mit sehr fruchtbaren Böden und vielen Seen. Die Temperaturschwankungen liegen zwischen +45 °C im Sommer und -35 °C im Winter. Hier werden Sorten wie ‚Pinot Noir‘ und ‚Chardonnay‘ angebaut.

Der Einfluss des Klimawandels auf den Weinbau

Die Klimaerwärmung könnte in etablierten Weingebieten zu Problemen führen, da sich durch wärmere Durchschnittstemperaturen der Weintyp verändern kann. Die frische Aromatik und Säure der Sorte ‚Grüner Veltliner’ wird beispielsweise durch kühle Nächte geprägt. Durch das Ansteigen der Durchschnittstemperaturen verfrüht sich die Ernte und die kühleren Herbstnächte fehlen zur Bukett-Ausbildung.

Zunehmende Wetter-Extreme können Qualität und Menge der Ernte beeinträchtigen. Andererseits wird Weinanbau durch die Klimaerwärmung in immer mehr Lagen möglich, was die Erschließung neuer Weinbaugebiete zur Folge haben wird. Aktuell gibt es Weinanbau-Versuche in Dänemark, im Vereinigten Königreich und in vielen anderen Ländern.

Biologischer Weinbau

Der biologische Weinbau, auch ökologischer Weinbau genannt, ist eine naturschonende Bewirtschaftungsform unter Berücksichtigung von Ökologie und Umweltschutz. Als Grundsatz gelten der Verzicht auf alle chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, leicht lösliche mineralische Düngemittel (Kunstdünger) und der völlige Verzicht auf Gentechnik.

Im Vordergrund steht die ganzheitliche Be-trachtung der Naturkreisläufe sowie die Gesunderhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit als Grundlage der Produktion. Durch den Verzicht auf Herbizide (Unkrautbekämpfungsmittel) und Insektizide (Insektenbekämpfungsmittel) wird die Artenvielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt erhalten, gleichzeitig wird Lebensraum für Nützlinge geschaffen. Der ökologische Landbau sorgt für ein intaktes Ökosystem, in dem Tiere wie Pflanzen in Koexistenz miteinander leben. Zudem lehnt eine ökologische Landwirtschaft den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen ab und fördert die Kultivierung samenfester Sorten, die sich immer wieder vermehren lassen.

Was gibt es Schöneres als selbst geerntetes Gemüse und Obst? Wein passt ganz hervorragend in den Gemüsegarten!

Bioprodukte sind bestens kontrolliert und mit verschiedenen Logos gekennzeichnet. Biobetriebe werden durch eine befugte Biokontrollstelle überprüft. Dazu ist der Abschluss eines Biokontrollvertrages im Vorfeld notwendig. Weinbaubetriebe, die in die biologische Produktion neu einsteigen, haben eine Umstellungszeit von 36 Monaten und erhalten, nach bestandener Kontrolle, ein Bio-Zertifikat.

Die gesetzlichen Grundlagen für die biologische Produktion sind in der EU-Verordnung 834/2007 geregelt. Darüber hinaus gibt es Verbände mit zusätzlichen Bestimmungen. Im Bio-Weinbau gibt es zwei Produktionsweisen: organischbiologischer und biologisch-dynamischer Weinbau. Im organisch-biologischem Anbau liegt das Hauptaugenmerk auf der Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit sowie der Pflanzenstärkung mit biologischen Mitteln. Im biologischdynamischen Weinbau wird zusätzlich der Kosmos miteinbezogen und der Betrieb als Organismus angesehen. Es werden verschiedene Arbeiten nach den Mondphasen ausgerichtet und Hornmist und Horn-Kiesel-Präparate ausgebracht.

Toni: „Bio-Weinbau ist auf jeden Fall aufwändiger, risikoreicher und arbeitsintensiver – aber für mich der einzig wirklich nachhaltige Weg für gesunde Lebens- und Genussmittel.“

Reborgane und ihre Funktionen

Wenn man Weinreben kultivieren möchte, ist es wichtig, sich mit deren Biologie auseinanderzusetzen. Dazu gehört der Aufbau der Rebe mit ihren Organen und Funktionen (→ siehe Zeichnung Seite 22), welche im folgenden Kapitel beschrieben und erklärt wird.

Wurzeln

Die Fußwurzeln dienen zur Verankerung des Weinstocks und sind oft 5 m, in Extremfällen sogar 10–20 m lang. Sie erschließen Nährstoffe und Wasser aus tieferen Bodenschichten und dienen als Reservestoffspeicher. Die Fußwurzeln sind am stärksten ausgebildet. Seitenwurzeln sitzen etwas höher seitlich am Wurzelstamm.

Tag- und Tauwurzeln liegen am flachsten, wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche. Tauwurzeln sollte man nicht mit Edelreiswurzeln verwechseln. Wenn die Veredelungsstelle zu tief eingesetzt wurde, kann sich die Edelsorte selbst bewurzeln und der Weinstock dadurch reblausanfällig werden.

Grundsätzlich dienen alle Wurzeln der Verankerung, der Nährstoff- und Wasseraufnahme und der Reservestoffspeicherung. Insgesamt ist das Wurzelsystem des Weins sehr widerstandsfähig und hält extreme Formen von Feuchtigkeit, Trockenheit, Hitze und Kälte aus. Je älter ein Weinstock ist, desto verzweigter und länger wird sein Wurzelsystem. Wie sich die Wurzeln entwickeln, hängt von der Unterlage, aber im Wesentlichen von den Bodenverhältnissen und der Bodenpflege ab.

Die Rebe besitzt Langwurzeln, d.h. Wurzelverzweigungen erfolgen in größeren Abständen. Sie kann dadurch große Bodenflächen durchwurzeln, was ihre Eignung auch für schlechte Böden erklärt. Durchschnittlich werden horizontal verlaufende Wurzeln 4 m, einzelne auch 10–15 m lang. Das Wachstum der Rebwurzeln ist abhängig von der Bodentemperatur und der „inneren Uhr“. Es beginnt nahe der Bodenoberfläche und setzt sich mit zunehmenden Temperaturen in tiefere Schichten fort. Bei einer veredelten Weinrebe bildet die verwendete amerikanische Unterlagsrebe den Wurzelstamm (→ siehe dazu auch Seite 46).

Rebstamm