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HUMORVOLL ROMANTISCHER LIEBESROMAN Svea steht nach dem Ende einer langjährigen Beziehung vor dem Nichts. Sie nimmt an einem Kunsttherapie-Seminar in Kampen auf Sylt teil, um ihr Selbstbewusstsein aufzubauen. Doch abseits des Therapiezentrums eröffnet sich Svea ein eigener Weg zurück ins Leben. Am langen Sandstrand der Insel entdeckt sie einen verletzten Seehund und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf. Während der einzige männliche Teilnehmer des Seminars für Aufruhr sorgt, findet Svea sich zwischen zwei Brüdern wieder. Wem von beiden kann sie vertrauen?
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Blind Date mit Seehund
Hannah Herz
&
Liese von Freidorff
Liebesroman
Die Geschichte ist frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen und/oder realen Handlungen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Für Sabine
Sie ist alles in oin!
ACH JA: NIEMAND IST PERFEKT!
Daher bitte ich, eventuelle Rechtschreibfehla zu entschuldigen ...; )
© by Hannah Herz
Covergestaltung: EDITION MOTTOM
Impressum:
Hannah Herz c/o Tomkins, Am Wald 39, 24229 Strande
Den berühmten Dackelblick
haben die Vierbeiner
den Seehunden abgeschaut.
Das Rumpeln der Achsen über die Schwellen des Autozugs erschien Svea wie ein Countdown zum Start in ein neues Leben.
Eine Woche Sylt lag vor ihr.
Sieben Tage im Zentrum für Kunsttherapie in Kampen.
»Du musst wieder zu dir selbst finden!«, hatte ihre Freundin Marlies gesagt.
Svea war gar nicht bewusst, dass und wann ihr Selbst verloren gegangen war.
Marlies war der Typ Frau, der ihre Ideen sofort in die Tat umsetzte. Sie hatte eine dreijährige Ausbildung zur Gesprächstherapeutin absolviert und redete seitdem ununterbrochen, so dass ihr Mann Marco fast gar nicht mehr zu Wort kam.
»Enten legen ihre Eier im Stillen, nur Hühner gackern unentwegt!«, hatte er bei einem gemeinsamen Grillabend mit bedächtiger Stimme gesagt und Marlies dabei ruhig angesehen.
Für einen kurzen Moment war sie perplex gewesen, hatte sich aber sofort wieder gefangen.
»Was soll das denn heißen? Vergleichst du mich mit einem gackernden Huhn? Du sprichst in Rätseln!«
Marco hatte lediglich süffisant gegrinst.
»Die Folge davon ist, dass Hühnereier gegessen werden. Enten werden meist in Ruhe gelassen!«
Ich mochte Marcos Humor. Er servierte seine Pointen fein geschnitten in gut dosierten Häppchen.
Jedenfalls hatte Marlies eine Broschüre des Selbstfindungszentrums in Kampen aus ihrer Tasche gezogen.
»Du malst doch gern!«
»Ich male Mandalas aus, das ist Malen nach Zahlen für Erwachsene, jedenfalls hat Peer das immer gesagt.«
»Hier steht, dass die Therapie zu der Herausbildung einer künstlerischen Identität führt. Das ist genau das Richtige für dich!«
»Und was genau ist das, diese Herausbildung einer künstlerischen Identität?«
Marlies hatte hektisch in der Broschüre geblättert.
»Das steht hier nicht!«
»Und du denkst, das ist eine gute Idee?«
»Auf jeden Fall! Du bekommst die Gelegenheit, dich neu zu erfinden und dein Talent zu entdecken! Du hast nichts zu verlieren! Seit Peer dich abserviert hat, sitzt du sowieso nur...«
»Moment! Ich habe ihn abserviert!«, hatte Svea gerufen, war sich aber jäh bewusst geworden, dass sie bereits durch eine 10 Jahre jüngere Frau ersetzt worden war.
Nun saß sie hier oben auf dem Autozug in ihrem alten Golf auf dem Weg nach Sylt, um nach sich selbst zu suchen.
Der Kurs kostete mehr, als sie für ihr Auto bekommen würde, aber das psychische Wohlbefinden sollte jeden Preis wert sein! So jedenfalls stand es in der Infobroschüre des Kunsttherapiezentrums.
Was sollten die auch sonst schreiben?
Der Ausblick vom Oberdeck des Autozuges war atemberaubend. Bei wolkenlosem Himmel konnte sie Sylt und auch Föhr erkennen. Die Nordsee und das Watt verschwammen vor ihren Augen und ergaben ein Aquarellbild von beruhigender Schönheit.
Svea hielt inne und grinste ihrem Spiegelbild im Rückspiegel zu. Zur Einstimmung auf die Kurse dachte sie bereits in Farben!
Bei dem Gedanken an die Trennung von Peer verdüsterte sich ihr Blick.
Fast zwölf Jahre hatte sie ihm den Rücken für seine Selbstständigkeit freigehalten und ihre eigenen Interessen zurückgestellt. Als begeisterte Seglerin hatte sie seine Idee, eine Firma für Folierungen von Yachten zu gründen, begeistert unterstützt. Das ständige Schleifen und Streichen des Schiffsrumpfes im Winterlager würde entfallen und das bedeutete eine Ersparnis für die Schiffseigner in Form von Zeit, die es besser zu verbringen galt.
Svea hatte ihre gesamten Ersparnisse in die Gründung dieser Firma gesteckt, ohne auf eine Beteiligung zu drängen. Sie war sowohl von dem Fortbestand ihrer Partnerschaft als auch dem langfristigen Erfolg der Firma überzeugt gewesen.
Peer war viel unterwegs gewesen, hatte Aufträge in anderen Städten und sogar in Südfrankreich angenommen. Die Nachfrage war schnell gestiegen und es waren drei Mitarbeiter eingestellt worden.
Während Peer sich in der Yachtszene einen Namen gemacht hatte, war Svea für die Buchhaltung und seine anstrengende Mutter zuständig gewesen. Täglich hatte sie die nörgelnde, selbstmitleidige ältere Frau besucht, die ständig unter ominösen Krankheiten gelitten hatte.
Es hatte einige Zeit gedauert, bis Svea durchschaut hatte, dass die 64-Jährige kerngesund war. Zahlreiche Arztbesuche und viele Untersuchungen hatten nichts ergeben und Svea war schließlich bewusst geworden, dass ihre Schwiegermutter in spe einfach nur ihre ständige Aufmerksamkeit eingefordert hatte. Wie immer hatte Svea ihre Bedürfnisse zurückgestellt und die Nörgeleien und Gehässigkeiten ertragen.
»Es ist so egoistisch von dir, nicht daran zu denken, dass ich Oma werden will, bevor ich bald sterben muss!«, war ihre tägliche Begrüßung gewesen.
Svea und Peer hatten nach der Gründung der Firma beschlossen, eine Familie zu gründen und die ausbleibende Schwangerschaft auf Stress mit der Terminplanung und ihren unregelmäßigen Zyklus geschoben. Erst der Besuch in einem Kinderwunschzentrum und die nachfolgenden Untersuchungen hatten die Diagnose erbracht, dass Svea unfruchtbar war. Sie würde niemals Kinder bekommen können! Zudem hatte Peers Mutter mit ihrem egoistischen Geheule nach einem Enkel ständig Öl ins Feuer gegossen, was Peer mit einem Lachen zur Kenntnis genommen hatte.
»Du musst sie halt nehmen, wie sie ist, sie meint es nicht böse!«
Damit war die Sache für ihn erledigt gewesen.
Und wer nimmt mich so, wie ich bin?
Es tat immer noch weh, aber zumindest überlagerte mittlerweile die Wut auf Peer und seine Mutter Sveas Traurigkeit.
Warum war sie so viele Jahre bei dem falschen Mann geblieben?
Letzten Endes konnte sie froh sein, dass Peer sich für seine 10 Jahre jüngere Mitarbeiterin entschieden hatte. So blieb ihr zumindest dieses Schreckensgespenst einer Schwiegermutter erspart!
Plötzlich kam der Zug im Bahnhof von Westerland quietschend zum Stehen. Versunken in Erinnerungen war die halbstündige Fahrt wie im Flug vergangen.
Svea verspürte weder Urlaubsfeeling noch Vorfreude.
Zu allem Überfluss streikte jetzt auch noch die Zündung ihres alten Golfs.
Statt des kräftigen Geräusches eines anlassenden Motors war nur ein mageres Klick zu hören.
Nicht jetzt! Bitte nicht jetzt!
Sie drehte den Zündschlüssel erneut herum.
»Jetzt komm schon, ich bin auf dem Weg zu mir selbst, da kannst du mich nicht im Stich lassen!«, flehte sie ihr Auto an.
Svea hatte die Angewohnheit, mit Dingen zu sprechen. Sie richtete ihre Ansprachen an ihr Auto, ihre Pflanzen oder ihren Computer. Manchmal rief sie sogar nach ihren Schlüsseln, wenn sie sie verlegt hatte.
Deswegen machte sie sich keine Sorgen. Alles war in Ordnung, solange sie keine Antwort von den Dingen erwartete!
Die Wagen vor ihr setzten sich in Bewegung.
»Jetzt komm schon, war ich nicht immer gut zu dir?«
»Wenn Sie darauf warten, dass er antwortet, kommen wir hier nie weg!«, sagte jemand mit tiefer Stimme neben ihr.
Erschrocken sah sie aus dem Fahrerfenster. Die Lippen, die diese Worte geformt hatten, waren wohlgeformt und von einem Dreitagebart umrahmt.
Die Augen des Mannes leuchteten enzianblau und die halblangen Haare flogen ihm ins Gesicht.
»Hä?«, stotterte sie perplex und hasste sich für diese wenig schlagfertige Reaktion.
»Wollen mal sehen!«, sagte er und griff mit seiner rechten Hand durch die geöffnete Seitenscheibe, um die Motorhaube zu öffnen. Dabei berührte er flüchtig ihr Knie.
»Hey, was erlauben Sie sich?«, rief Svea empört und stieß seine Hand weg, als die ersten Hupen hinter ihr ungeduldig quäkten.
»Dafür haben wir jetzt leider keine Zeit!«, grinste er selbstsicher und ging zur Motorhaube.
»Haben Sie einen Hammer?«
»Ich habe ein Schweizer Taschenmesser!«, erklärte sie stolz und kam sich im selben Moment dämlich vor.
Er fragt nach einem Hammer und du bietest ihm ein Taschenmesser mit Schraubenzieher an.
Hinter ihr ertönten immer mehr Autohupen. Ein Konzert der entrüsteten Ungeduld.
Konnte es einen schlechteren Start für ihren Selbstfindungstrip geben?
»Dann werde ich wohl meinen Hammer auspacken müssen!«
Er balancierte an der Seitenscheibe vorbei zu seinem Wagen, der direkt hinter ihr stand. Auf dem Autozug war es strengstens verboten, auszusteigen.
Was hatte er gerade gesagt? Sein Hammer?
Keine 30 Sekunden später beugte sich der Mittdreißiger über ihren Motor und klopfte kräftig gegen etwas Metallenes.
»Jetzt starten!«, rief er.
Svea befolgte die Anweisung und der Motor heulte auf, da sie mit dem Fuß auf dem Gaspedal stand.
»Sehen Sie, die alten Kerzen gehören einfach nur geschlagen, dann laufen sie wieder!«
Er klopfte kurz auf das Dach des Golfs, um zu unterstreichen, wen er mit alten Kerzen meinte und zeigte ihr den Hammer.
Hinter ihnen war nun ein Dauerhupen zu hören und von vorn rannte ein Mitarbeiter der Bahn in einer orangefarbenen Warnweste hektisch winkend auf ihr Auto zu.
»Äh, danke!«, stammelte Svea und legte den ersten Gang ein.
»Und übrigens, hätte ich Ihr Knie betatschten wollen, hätte ich Sie vorher um Erlaubnis gefragt.«
Er grinste sie mit entwaffnender Offenheit an.
»Ja, sorry, war nicht so gemeint. Ich war nur überrascht und ...«
»In Panik?«, unterbrach er sie grinsend.
Was dachte sich der Kerl?
»Nein, ich habe nur nachgedacht, was am besten zu tun gewesen wäre.«
Ihre Stimme klang schnippischer als beabsichtigt.
»Darf ich?«
»Was?«
»Ihr Knie. Darf ich jetzt Ihr Knie berühren?«
Am liebsten hätte sie ihm eine geknallt. Das war eindeutig übergriffig und frech. War die ganze MeToo-Debatte an ihm vorbeigegangen?
Svea ließ die Seitenscheibe hochfahren, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen.
Der winkende Bahnmitarbeiter stoppte sie nach wenigen Metern, indem er sich mittig auf den Waggon stellte.
»Aussteigen ist verboten!«, rief er keuchend.
Svea ließ das Fenster herunter und erklärte:
»Ich bin nicht ausgestiegen!«
»Und wer war das?«
»Das war nur so ein Typ, der mir zeigen wollte, wo sein Hammer hängt!«
Als sie weiterfuhr, sah sie im Rückspiegel, dass der unverschämten Helfer ebenfalls gestoppt und auf die Regeln der Bahn hingewiesen wurde.
Vergiss die Geschichte!
Sie lenkte ihren Golf durch das Bahngelände in Westerland auf die Hauptstraße Richtung Norden nach Kampen.
Hoffentlich wusste ihr Selbst auch, dass sie auf der Suche nach ihm war!
»Papa, Ike ist doof!«
Steffen rüttelte an Finns Arm. Noch halb im Schlaf hörte er seine Tochter aus dem Kinderzimmer brüllen:
»Selber doof!«
Er musste nicht mit hochtrabender Poesie aufwachen, aber ein Streitgespräch zwischen einem 4-Jährigen und seiner 4 Jahre älteren Schwester war nicht das, wovon er träumte.
Eine halbe Minute später saßen sie neben ihm in dem großen Ehebett und stritten weiter, während er sich den Schlaf aus den Augen rieb.
Im Grunde genommen liebte Finn dieses Aufwachen mit dem Geschrei seiner Kinder und konnte sich nichts Besseres vorstellen. Mit einer Ausnahme.
Wehmütig schüttelte er den Gedanken an Lulu ab.
Nicht vor den Kindern.
»Hier ist niemand doof, merkt euch das!«
Finn wuschelte über Steffens blonde Locken und kitzelte Ike, die sich sofort nach hinten warf und kicherte.
»Kann man denn hier nie seine Ruhe haben!«, beschwerte sich Emma, die verschlafen in der Zimmertür erschien.
Seit einigen Monaten beobachtete Finn die Entwicklung seiner großen Tochter. Sie rannte morgens und abends nicht mehr in Unterwäsche durchs Haus, sondern hüllte sich in ihre Jogginganzüge und schloss mittlerweile sogar die Badezimmertür ab. Die Pubertät war mit Riesenschritten im Anmarsch.
»Steffen hat angefangen!«
Ike zeigte auf ihren kleinen Bruder, der im Schneidersitz auf dem Kopfkissen saß.
»Hab ich gar nicht!«
»Ihr seid doof!«
Damit drehte Emma sich um und ging ins Bad.
»Hier ist niemand doof, richtig?«
Steffen sah seinen Vater mit großen Augen an.
»Richtig!«
Der 4-Jährige nickte ernst.
»Außer Ike, die ist wirklich doof!«
»Selber doof!«
Als das Handy klingelte, nahm er das Gespräch an und sprang aus dem Bett. Er wurde zu einem Einsatz gerufen. Mit der Zahnbürste im Mund rief er nach Emma.
»Man spricht nicht mit vollem Mund!«, antwortete sie genervt.
»Ich muss los, kümmerst du dich ums Frühstück, bitte?«
Er spuckte die Zahnpasta ins Waschbecken, trocknete sich ab und war auf dem Weg zu Tür.
»Papa, weißt du, wo mein rosanes T-Shirt ist?«, kreischte Ike.
»Das heißt rosafarbenes T-Shirt!«
Emma legte Wert auf eine grammatikalisch korrekte Ausdrucksweise, seit sie im Zeugnis eine Eins in Deutsch stehen hatte. Sie nervte die ganze Familie mit ihrem Tick.
»Ach ja? Ich sage ja auch, meine pinken Turnschuhe!«
»Aber du kannst nicht aus jeder Farbe einfach ein Adjektiv machen! Korrekt heißt es pinkfarbene Turnschuhe und außerdem ist Pink keine Farbe.«
Ike sah ihre Schwester mit großen Augen an.
»Du hast vielleicht Probleme! Was soll denn Pink sonst sein, eine Schwarzwälder Kirschtorte?«
»Ich muss jetzt los! Streitet euch nicht!«
Bevor Finn die Tür zuzog, drehte er sich noch einmal um.
»Was ist mit Beige? Heißt es beige Turnschuhe oder beigefarbene Turnschuhe?«
»Oh Papa, fang du nicht auch noch an!«
»Niemand trägt beige Turnschuhe!«, rief Ike und schüttelte den Kopf, während Emma ihrem Vater hinterherrief:
»Beigefarben natürlich, was sonst?«
Finns Auto rollte bereits die Auffahrt hinunter.
»Na toll! Jetzt habe ich die Racker am Hals!«, seufzte Emma und plötzlich schweiften ihre Gedanken zu ihrer Mutter.
Sie hatte sich immer über ihre Racker gefreut.
Emma kniff die Augen zusammen und schluckte die Tränen hinunter. Die Kleinen sollten sie nicht weinen sehen. Nicht, weil sie sich schämte, sondern weil sie stark sein wollte.
»Emma, weißt du, wo meine lilane Jogginghose ist?«
Emma schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn.
In Kampen angekommen, stieg Svea vor einer ehemaligen Frühstückspension aus dem Auto. Ein Schriftzug in einer uralten, verwitterten Holzplanke, die über der Tür in das Mauerwerk eingebettet war, wies auf die ehemalige Nutzung hin. Sogar die damaligen Eigentümer waren dort verewigt.
Frühstückspension Carstensen
Das alte Reetdachhaus war mit viel Glas und Aluminium modernisiert worden und beherbergte nun das Zentrum für Kunsttherapie.
Eine mit Ketten und Seidentüchern behangene Frau um die Fünfzig stand auf dem Parkplatz und lächelte ihr zu.
Ihre Haare waren etwas angegraut und zu einem Zopf geflochten. Innerhalb von Minuten füllte sich der Parkplatz mit weiteren Ankömmlingen. Aus einem Taxi stieg eine junge Frau mit blaugefärbten Haaren und großmaschigen Netzstrümpfen.
Offensichtlich interessierten sich auch Punkerinnen für diese Art der Therapie.
Der Fahrer wuchtete einen großen Koffer und einen noch größeren Käfig aus dem Kofferraum und stellte beides auf dem Hof ab.
Gerade als Svea sich fragte, was wohl in dem war, erspähte sie eine Ratte auf der Schulter der jungen Punkerin.
Erschrocken atmete sie tief ein. Svea hatte Angst vor Ratten, eigentlich vor allen Tieren.
»Bitte halte dich daran, dein Haustier innerhalb des Gebäudes ausnahmslos im Käfig zu halten!«
Die grauhaarige Frau war zu der Punkerin getreten und schaute sie freundlich, aber bestimmt, an.
»Geht klar!«
Insgesamt standen mittlerweile 12 Frauen auf dem Platz vor dem Haupteingang. Svea bemerkte, dass alle sich neugierig umsahen und einander unauffällig musterten. Alle, bis auf die Frau mit den Ketten. Sie stand einfach nur da und lächelte zufrieden.
Der für Sylt typische Wind frischte auf und plötzlich setzte leichter Nieselregen ein. Eigentlich nicht ungewöhnlich für April.
»Wir sind zwar noch nicht vollzählig, aber vielleicht sollten wir trotzdem hineingehen!«
Die Frau mit den 1001 Ketten hatte das Wort ergriffen.
»Hi, ich bin Susi.«, hörte Svea eine kindliche Stimme direkt hinter sich. Sie drehte sich um und stand einer jungen, attraktiven Frau gegenüber, die ihr die Hand entgegenstreckte.
Susi trug einen bequemen Trainingsanzug und dazu Sneaker.
Der unprätentiöse Auftritt war Svea auf Anhieb sympathisch.
»Svea!«
»Ich glaube, ich bin etwas zu leger gekleidet.« Susi sah an sich hinunter.
»Es wird sicher kein Captainsdinner geben!«
»Ich dachte, bei der Suche nach mir selbst muss ich mich nicht verkleiden, denn schließlich weiß ich zumindest, wie ich aussehe.«
Sie zuckte mit den Achseln, bückte sich und schulterte einen Rucksack und eine kleine Reisetasche.
Das war eine simple, aber einleuchtende Erklärung!
»Klingt richtig!«, lachte Svea.
»Ich hatte vor ein paar Monaten Burnout und versuche, wieder auf die Beine zu kommen.
