3,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 3,99 €
EIN WOHLFÜHL-LIEBES-ROMAN mit ganz viel HUMOR Ein Roman, der die nördlichste Insel Deutschlands, Sylt zur Weihnachtszeit aufleben lässt. Steff kommt unerwartet zu Weihnachten nachhause. Hätte sie doch nur vorher angerufen. Nach zehn Jahren Beziehung ist Steff plötzlich Single und freut sich, endlich wieder Weihnachten bei ihren Eltern auf Sylt zu feiern. Dumm nur, dass sie vorher nicht angerufen hat, denn ihre Eltern sind spontan über die Feiertage nach Schweden gefahren. Steff bleibt nichts anderes übrig, als Weihnachten in dem großen Haus allein zu feiern. Den neugierigen Nachbarn gegenüber will sie auf keinen Fall zugeben, von den Reiseplänen ihrer Eltern nichts gewusst zu haben.Das Schlimmste wäre eine Einladung für Heiligabend aus Mitleid! So erfindet Steff kurzerhand eine angeblich geplante Weihnachts-Party, die sie im Haus ihrer Eltern gibt. Doch je mehr alte Freunde sie trifft, desto tiefer verstrickt sie sich in diesen Partyschwindel und sieht sich auf einmal genötigt, tatsächlich ein Fest zu geben. Doch wer hat am 24. nachmittags Zeit dafür? Außerdem trifft sie auf Kai und die Erinnerung an den Beinahe-Kuss aus ihren Jugendtagen ist so frisch, als wäre es gestern gewesen. Wird sie Heiligabend allein verbringen oder gibt es doch noch ein Fest der Liebe?
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2023
Hannah Herz
&
Liese von Freidorff
Liebesroman
© by Hannah Herz
Covergestaltung: EDITION MOTTOM
Impressum:
Hannah Herz c/o Tomkins, Am Wald 39, 24229 Strande
Die Geschichte ist frei erfunden.
Alle Personen, die in dieser Geschichte auftreten, sind frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt. Die Orte und Geschäfte auf Sylt existieren, jedoch sind die Inhaber und Personen rein fiktiv.
FÜR SABINE
OHNE DICH WÄRE ALLES NIX.
EINE
WOHLFÜHL
LIEBES
KOMÖDIE
Steff kommt unerwartet zu Weihnachten nachhause. Hätte sie doch nur vorher angerufen.
Nach zehn Jahren Beziehung ist Steff plötzlich Single und freut sich, endlich wieder Weihnachten bei ihren Eltern auf Sylt zu feiern.
Dumm nur, dass sie vorher nicht angerufen hat, denn ihre Eltern sind spontan über die Feiertage nach Schweden gefahren.
Steff bleibt nichts anderes übrig, als Weihnachten in dem großen Haus alleine zu feiern.
Den neugierigen Nachbarn gegenüber will sie auf keinen Fall zugeben, von den Reiseplänen ihrer Eltern nichts gewusst zu haben.
Das Schlimmste wäre eine Einladung bei den Nachbarn für Heiligabend aus Mitleid.
So erfindet Steff kurzerhand eine, angeblich geplante Weihnachtsparty, die sie im Haus ihrer Eltern gibt.
Doch je mehr alte Freunde sie wieder trifft, desto tiefer verstrickt sie sich in diese Partyschwindel und sieht sich auf einmal genötigt, tatsächlich ein Fest zu geben.
Doch wer hat am 24. nachmittags noch Zeit dafür?
Mitten in diesen Weihnachtsstress trifft sie vollkommen unvorbereitet auf Kai und die die Erinnerungen an den Beinahe-Kuss aus ihren Jugendtagen ist so frisch, als wäre es gestern geschehen.
Wird sie Heiligabend alleine verbringen oder gibt es doch noch ein Fest der Liebe?
Noch fünfmal schlafen …
Im Film erkenne ich eine Trennung schon lange, bevor sie ausgesprochen wird.
Wenn die Frau mit dem fertigen Abendessen wartet und ihr Ehemann anruft, dass es im Büro schon wieder später wird und mit einem flüchtigen 'Ich lieb Dich, Schatz' auflegt, ist das ein eindeutiger Hinweis.
Da weiß ich sofort, wie der Hase läuft.
Am liebsten würde ich der Frau zurufen: 'Jag ihn zum Teufel, er betrügt dich!'
Oder wenn der smarte Freund zu der verliebten Frau sagt, er müsse ihr etwas sagen und sie denkt, er wird ihr einen Heiratsantrag machen, aber da es der Anfang des Films ist, weiß ich sofort, er wird sie verlassen.
Oder wenn Kate Winslet in 'Titanic' als Rose DeWitt Bukater mit ihrer Mutter und ihrem Verlobten Cal Hockley im Auto sitzt, ist sofort klar, dass sie ihn verlassen wird.
Ich habe schon unzählige Filme gesehen, in denen sich Paare trennen, so dass ich meine eigene Trennung eigentlich hätte vorhersehen müssen oder zumindest irgendwie, wenn auch nur ansatzweise, besser darauf vorbereitet hätte sein sollen.
Aber nichts dergleichen.
Blind wie ein Maulwurf habe ich es nicht kommen sehen.
Und genau deshalb stecke ich jetzt in der wohl blödesten Situation, in der man sich als verlassene Frau befinden kann.
Ich arbeite für meinen Ex, denn er ist natürlich mein Chef.
Keine Lebenserfahrung und auch nicht der gute Rat meiner Mutter konnte mich darauf vorbereiten, dass mein Ex, der mich schamlos und niederträchtig betrogen und dann hinausgeworfen hat, mir immer noch morgens sagt: »Bringst du mir bitte Kaffee?«
Als ob es nicht schon genug Quälerei ist, verlassen worden zu sein, muss ich ihm auch noch jeden Morgen ins Gesicht lächeln, wenn er mein Büro betritt.
Dazu kommt, dass ich sehr genau weiß, mit wem er letzte Nacht in dem Bett geschlafen hat, das ich mit ihm zusammen ausgesucht habe.
Was muss ich in meinem, bisher dreißigjährigem Leben verbrochen haben, um so gestraft zu werden?
Vor vier Wochen hieß es, 'Steff, du musst ausziehen' und jetzt heißt es 'Steff, bringst du mir bitte einen Kaffee' oder 'Steff, was steht heute in meinem Terminkalender?'
In der ersten Woche nach der Trennung habe ich in seinen Kaffee gespuckt, mich dann aber selbst so geekelt, dass ich ihn weggeschüttet und ihm einen neuen gemacht habe.
Nicht einmal richtig rächen kann ich mich!
Außerdem verdient er für das, was er mir angetan hat, weit Schlimmeres als meine Spucke in seinem Kaffee.
Wir haben uns an meinem zweiten Studientag getroffen und besuchten die gleichen Vorlesungen.
Weshalb ich mich für Jura eingeschrieben hatte, weiß ich nicht. Ich wollte einfach nur weg von der Insel und in der Großstadt wohnen. Als wir uns nach einem Vierteljahr eine gemeinsame Wohnung nahmen und Harald seinen ersten Werkstudentenjob bekam, war es meine Idee gewesen, dass er sich auf seine Karriere konzentrieren solle und ich später durchstarten würde.
So konnte ich ihm den Rücken frei halten.
Wir waren schon so lange zusammen, dass wir über Heiraten, Familie und Kinder sprachen und die Entscheidung fühlte sich für mich richtig an.
Wir wollten viele Kinder. Drei oder vier.
Als Einzelkind habe ich mir immer Geschwister gewünscht.
Harald ist einer von vier Brüdern und erzählte sehr viel von seiner Familie.
Obwohl er in viel ärmeren Verhältnissen, als ich aufgewachsen war, hatte er eine aufregende und tolle Kindheit gehabt.
Wenn ich Anekdoten aus meiner Jugend auf Sylt erzählte, zeigte er kein Interesse und bedauerte mich stets als armes Einzelkind.
Je länger wir darüber sprachen, eine Familie zu gründen, desto besser gefiel mir die Vorstellung von mir als Hausfrau und Mutter.
Es störte mich nicht, dass Haralds Karriere voranging und meine eigene auf der Strecke blieb.
So habe ich bis heute kein 2. Staatsexamen!
Nachdem wir mehrmals innerhalb Hamburgs umgezogen waren, beschlossen wir, für Haralds Traumjob nach München zu ziehen.
Rückblickend waren es immer Haralds Traumjobs, die uns umziehen und unsere Familienplanung auf unbestimmte Zeit nach hinten schieben ließen.
Aber in München sollte es anders werden.
Harald bot mir die Stelle als seine persönliche Sekretärin an.
Das war nicht wirklich das, wofür ich studiert hatte, aber irgendwie bedeutete es für uns, dass wir mehr Zeit gemeinsam verbringen konnten.
Es wäre ja auch nur, bis das erste Kind käme und schließlich würden wir uns so gut verstehen, dass die Arbeit uns noch mehr zusammen schweißen würde.
Heute weiß ich, dass es uns zu Chef und Sekretärin machte und die konservative Rollenverteilung von Mann und Frau nur noch vertiefte.
So sind Beziehungen nun mal. Gerade eben war er noch dein langjähriger Freund und Partner, dann ist er dein Chef und im nächsten Augenblick lässt er dich wie eine heiße Kartoffel für eine 22-jährige Physiotherapeutin namens Chantal fallen.
Anfangs suchte ich die Schuld bei mir.
Sie war wesentlich jünger als ich, trieb regelmäßig Sport und ernährte sich, ganz im Gegensatz zu mir, vegan.
Ja, ich liebe Burger und nach einem Kinobesuch freue ich mich auf einen herzhaften Döner!
Und im Fitnessstudio schaue ich eher alle drei Wochen auf einen Espresso vorbei.
Morgens brauche ich meine Zeit, um aus dem Bett zu kommen und mich bürofein zu machen.
Vor der Trennung kochte ich abends nach einem anstrengenden Tag im Büro, bügelte Haralds Hemden, wischte Staub und putzte die Wohnung.
Zumindest den Müll brachte Harald raus. Allerdings auch erst dann, wenn die Haustür mit den Beuteln versperrt war.
Ich hielt den ganzen Laden um uns herum am Laufen und war abends einfach erledigt.
Musste ich mich etwa dafür entschuldigen? Nein!
Irgendwann realisierte ich, dass Harald einfach ein egoistischer, schlechter Mensch war.
Jemand, der die Frau betrügt, die ihm immer und überall den Rücken freigehalten hatte, damit er Karriere machen konnte!
Die dann einfach von heute auf morgen auf die Straße gesetzt wurde, da die gemeinsame Wohnung so teuer war, dass nur er die Miete allein bezahlen konnte.
Und in die bereits am Tag nach ihrem Auszug Chantal aus Sachsen einzog.
Harald war schon lange nicht mehr der Mann, mit dem ich eine Familie gründen wollte. Das wurde mir in der ersten Woche meines Singledaseins bewusst.
Ich vermisste die Regendusche mehr als ihn. Dumm nur, dass ich noch für ihn arbeite.
Natürlich wollte ich sofort den Job schmeißen, aber meine finanzielle Situation erfordert Besonnenheit.
Erst benötige ich einen mindestens gleich hoch dotierten Arbeitsplatz, andernfalls müsste ich meine Eltern um Hilfe bitten und die wussten noch nicht mal von der Trennung!
Ich lebe in München, habe mit 30 Jahren immer noch keinen Studienabschluss und muss mich völlig neu orientieren.
Die ersten Nächte verbrachte ich in einem billigen Hotel, schloss mich dort ein und wollte niemanden sehen.
Dann fand ich eine überteuerte Ein-Zimmer-Wohnung und jetzt geht der Löwenanteil meines Einkommens für Miete und Nebenkosten drauf.
Ich muss Rechnungen bezahlen, wohnen und essen.
Was wäre die Alternative? Ich könnte zurück zu meinen Eltern ziehen. Natürlich würden sie mich aufnehmen, sich sogar freuen, aber ich würde mich fühlen, als hätte ich versagt.
Auf ganzer Linie versagt. Versagt, das Studium zu beenden, den richtigen Mann zu finden, eine Familie zu gründen und finanziell unabhängig zu sein.
Wer will sich schon selbst eingestehen, im Leben versagt zu haben?
Und erst recht nicht den stolzen Eltern gegenüber.
Nein, das bringe ich nicht über mich. Noch nicht. Aber ich fahre über Weihnachten nach Hause.
Endlich verbringe ich mal wieder Weihnachten mit meinen Eltern und darauf freue ich mich.
In Wahrheit ist es das Einzige, was mich zur Zeit hochhält.
Es ist schon eine Ewigkeit her, dass ich Weihnachten zu Hause in Morsum auf Sylt verbracht habe.
Harald und ich feierten die letzten Jahre Weihnachten dort, wo wir gerade wohnten.
Ich habe irgendwie gedacht, wir müssten als angehende Familie eine eigene Weihnachtstradition für uns finden.
Jedenfalls redete ich mir das so ein, oder eigentlich hat er mir das eingeredet.
Wie oft schlug ich vor, Weihnachten bei meinen Eltern auf Sylt zu verbringen, aber Harald fand immer Gründe, nicht zu fahren.
Zu weit, zu viel Stress, zu wenig Privatsphäre ...
Also blieben wir zu zweit. Allein zu zweit.
Im Grunde genommen nichts Schlechtes, aber mir fehlte die Weihnachtsgans, das üppig geschmückte Haus, der Tannenbaum, geschmückt mit Äpfeln, Orangenscheiben, Strohsternen und Nüssen.
Diese Tradition hält meine Mutter hoch und ich wollte immer genau so einen Weihnachtsbaum in meinem Zuhause haben.
Aber Harald fand den Geruch penetrant und behauptete, davon Kopfschmerzen zu bekommen.
Das Einzige, was mich in den letzten Jahren an ein heimeliges Weihnachten erinnerte, war der süße Geruch von Keksen, Kuchenteig und Christstollen, der durch unsere Wohnung wehte.
Ich buk so viel, dass ich die Nachbarn und das Büro mit Weihnachtskeksen versorgte.
Harald liebte zwar meine Backkünste, aber beschwerte sich während der Weihnachtszeit ständig darüber, dass er viel zu viele Kilos auf die Waage brachte.
So war Harald - er beschwerte sich zu oft und nahm sich selbst dabei den Spaß am Leben. Und ich habe mich da irgendwie eingegliedert.
Natürlich nimmt man in der Weihnachtszeit zu! Das gehört halt dazu, so wie ein Tannenbaum zum Heiligabend gehört.
Aber Harald vertrat den Standpunkt, sich zu Weihnachten keinen Tannenbaum ins Wohnzimmer zu holen. Schließlich bringe er umgekehrt ja auch keinen Couchtisch in den Wald.
Dieses Jahr würde er sich jedenfalls nicht bei mir beschweren.
Schon als Teenager fing ich mit dem Backen an und seither bestätigt mir jeder, dass ich ein Händchen für Süßes habe.
Ich probiere die wildesten Kreationen aus und spare nie an Zucker, Eiern und Butter.
Scharfe Chilischoten mixe ich ebenso wie Koriander, Safran oder sogar Hartkäse in meine süßen Backwaren.
Zur Adventszeit hatte ich in die Schule einmal süße Walnusskekse mit einer überbackenen Camembertkruste mitgebracht und das Jahr darauf scharfe Vanillekipferl.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich lieber nicht verrate, was in meinen Keksen steckt. Dann schmecken sie den meisten viel besser.
Plötzlich wird mir schmerzlich bewusst, dass ich zum ersten mal in der Weihnachtszeit nicht backe und ich gebe Harald die Schuld daran.
Aber genug von Harald! Er ist Vergangenheit und ich kann froh sein, nicht mit ihm alt werden zu müssen.
Alle Türen stehen mir offen und das ist ein gutes Gefühl!
Weihnachten zu Hause auf Sylt mit Mama und Papa zu feiern, ist ein Anfang.
Im neuen Jahr finde ich meinen gutbezahlten, verantwortungsvollen Traumjob und dann sieht die Welt schon ganz anders aus.
Voller Vorfreude auf die gemütlichen Weihnachtstage, greife ich zu meinem iPad und google wilde Kekskreationen, die ich mit Mama in unserer riesigen Küche ausprobieren werde.
Mama liebt das Backen genauso wie ich.
Allein bei dem Gedanken daran überkommt mich ein Glücksgefühl und nichts passt besser zu Keksen, als ein guter Milchkaffee.
Wenn ich schon nicht backe, so sollte ich mir zumindest einen guten Kaffee gönnen.
In der Büroküche gibt es Gott sei Dank eine exzellente italienische Siebträgermaschine und ich lasse die Arbeit auf meinem Schreibtisch liegen, um mich einem perfekten Milchkaffee zuzuwenden.
Im nächsten Moment klingelt das Telefon. Ich springe die drei Schritte zurück zum Schreibtisch.
»Brock, Huber und Goldstein, Sie sprechen mit Stefanie Krink, wie kann ich Ihnen helfen?«, flöte ich so, wie es von einer Sekretärin erwartet wird.
»Hallo Steff« Haralds Stimme klingt locker und unverbindlich.
Ich ärgere mich, nicht vorher aufs Display gesehen zu haben.
Hätte ich gewusst, dass er am anderen Ende der Leitung wäre, hätte ich bei weitem nicht so freundlich geklungen.
»Guten Morgen, Herr Schmitt«, antworte ich kühl.
»Komm schon, Steff, du darfst mich weiter duzen«, lacht er überheblich.
Ich bleibe beim Sie. Er ist nicht mehr der, den ich liebe und nicht zum ersten Mal frage ich mich, was ich je in ihm gesehen habe.
»Was kann ich für Sie tun, Herr Schmitt?« »Kannst du für einen Moment in mein Büro kommen?«
»Selbstverständlich!«, antworte ich, greife zu Stift und Notizblock und gehe Richtung Chefbüro, als ich irritiert stehen bleibe. Ich kenne Harald seit 11 Jahren und weiß, dass er privat mit mir sprechen möchte.
Dieser unsichere Unterton in seiner Stimme lässt mich erstarren. Beherzt betrete ich in sein Büro und stehe wie ein unbeholfenes Schulkind vor dem Direktor.
»Ich wollte nur etwas mit dir besprechen«, beginnt Harald und dreht mit seinem Bürostuhl hin und her.
Warum ist er so angespannt?
Ich muss an den Tag denken, als ich herausfand, dass er ein Verhältnis hat und er mich für Chantal verlassen hat.
Ich weiß, es klingt armselig, aber zuerst war ich weder wütend, noch dachte ich daran, ihn zu verlassen, zu ohrfeigen oder ihn mit sonst irgendwelchen Schimpfwörtern zu bedenken.
Ich hatte Panik, wie es wohl wäre, ohne ihn zu leben.
Noch nie hatte ich bis dahin allein gelebt.
Ich bin vom gut behüteten Elternhaus auf Sylt nach Hamburg zur Uni und habe die ersten drei Monate in einer Zweier-WG mit Kirsten gelebt, bevor ich Harald kennenlernte.
Kirsten und ich hatten drei Monate Spaß. Wir schwammen auf der gleichen Welle, konnten herrlich ausgelassen und verrückt sein.
Nach nur drei Monaten war ich dann bei Kirsten aus- und mit ihm zusammen gezogen.
Aus heutiger Sicht ein Fehler, aber so ist das wohl, wenn man erwachsen wird.
Da werden Fehler gemacht, aus denen gelernt werden kann und ich bin mir nicht sicher, ob ich in Zukunft keine mehr machen werde.
Schmerzlich war mir bei der Trennung bewusst, wie wenig selbstständig und wie sehr von Harald abhängig ich mit meinen 30 Jahren war.
Ich wollte ihm alles verzeihen, selbst wenn es bedeutet hätte, dass er mich von da an immer weiter betrügen würde.
Rückblickend realisiere ich, dass mir nichts Besseres hätte passieren können, als dass er mich verließ und dazu nötigte, auszuziehen.
Er würde niemals treu sein und ich war bereit gewesen, das zu akzeptieren!
So eine schwache Frau wollte ich niemals sein!
Also Glück im Unglück.
»Ich möchte über uns reden«, sagt Harald und zeigt auf den freien Stuhl vor seinem Schreibtisch.
»Wie kommst du darauf, dass es ein UNS gibt?«, frage ich angriffslustig.
Harald rollt mit den Augen.
»Wir haben gesagt, dass wir uns bei der Arbeit professionell verhalten, aber dafür ist zu viel passiert. Wir können nicht einfach so tun, als sei nichts geschehen.«
Er spricht zu mir wie zu einem Klienten, den er in Verkehrsdelikten berät.
Seltsam, so emotionslos zu kommunizieren, wo ich doch fast mein ganzes Erwachsenenleben mit ihm verbracht habe.
Er kennt mich in- und auswendig und bis vor ein paar Wochen dachte ich, es wäre anders herum genauso.
Er kennt meine guten und weniger guten Seiten und wahrscheinlich weiß er sogar, dass ich nicht in seinen Kaffee spucken kann, weil mir dann selber schlecht wird.
Harald kennt meinen nackten Körper, jedes Muttermal und jetzt hört er sich an, als erörtere er mit mir meine Chancen in einem Klageverfahren wegen des Überfahrens einer roten Ampel.
Definitiv ist Harald Vergangenheit und egal, wie schlimm meine momentane Situation ist, ich möchte ihn niemals zurück haben.
Allerdings gibt es noch eine Sache, die mich nicht los lässt. Es verletzt mich noch immer, dass nicht ein einziges Wort der Entschuldigung oder Reue über seine Lippen kam.
Gerade das macht die Erinnerung an viele schöne Momente, die es zweifellos gegeben hat, zunichte.
»Es fällt mir schwer, dir zu sagen...«
Harald druckst herum.
Das ist sonst nicht seine Art.
Vielleicht kommt endlich so etwas wie eine Entschuldigung?
Ich kenne ihn seit so vielen Jahren und weiß, wie schwer es ihm fällt.
