Liebe auf schwedisch - Hannah Herz - E-Book
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Hannah Herz

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Beschreibung

ERFRISCHEND ROMANTISCHE LIEBESKOMÖDIE Insa erbt den alten Hof ihrer Großtante in Smaland. Das Testament stellt aber eine Bedingung. Sie muss 12 Monate auf dem Hof in Schweden leben und sich sofort entscheiden. Insas Kindheitserinnerungen an die Sommerferien sind untrennbar mit dem alten Hof Norregård von Tante Frida in Smaland verbunden. Nun soll sie das Anwesen und die Ländereien erben, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie für 12 Monate auf den Hof zieht. Kaum dort angekommen, gerät sie mit Tjorge aneinander, der nicht nur unverschämt gut aussieht, sondern ihr gegenüber auch unverschämt auftritt. Er bewohnt das alte Gesindehaus auf Norregård, und für die nächsten 12 Monate muss Insa lernen, mit dem Wikinger, der aussieht, als wäre er Thor persönlich, auszukommen. Langsam taucht sie ein in den Alltag in Norregård und erfährt nach und nach, welch außergewöhnliche Frau ihre Großtante Frida gewesen ist. Sie war die Gründerin von Schwedens zweitgrößtem Naturpark und eine Freundin von Astrid Lindgren. Welchen Plan verfolgte Tante Frida, als sie dieses seltsame Testament verfasste? EIN WOHLFÜHL-LIEBES-ROMAN MIT HUMOR...

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Verliebt in Schweden
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Prolog

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verliebt in Schweden

 

 

Hannah Herz

Liese von Freidorff

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© 2023 Hannah Herz / Liese von Freidorff

Covergestaltung: EDITION MOTTOM

Titelbild: shutterstock/GenOMart

Shutterstock/Christian L Sweden

Pixabay/pexels

Hanah Herz c/o Tomkins, am Wald 39. 24229 Strande

 

 

 

 

Die Geschichte ist frei erfunden.

 

Alle Personen, die in dieser Geschichte auftreten, sind frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

 

 

 

 

 

 

FÜR SABINE

OHNE DICH WÄRE ALLES NIX.

 

 

 

1

 

Die abgefahrenen Reifen des Suzuki Jeeps rutschten über die nasse Fahrbahn. Insa spürte das Stottern des Bremspedals, das durch das ABS hervorgerufen wurde.

Auf der schnurgeraden Straße nach Hillerstorp, die links und rechts von dichten Wäldern gesäumt war, stand ein Elch. Der Regen hatte aufgehört und das nasse Fell glänzte im Scheinwerferlicht.

Insa entspannte sich. Elche hatte sie sich anders vorgestellt. Mit großem Geweih auf einem mächtigen Schädel und irgendwie bedrohlicher.

Aber natürlich gab es auch Elchkühe ohne Geweih. Das Tier war groß, fast zwei Meter Schulterhöhe, auf dem Halskamm hatte es eine borstige Mähne. Die riesigen Ohren bewegten sich neugierig und die Nüstern blähten sich witternd in Richtung ihres Wagens.

Insa grinste. Die Elchkuh sah aus wie ein riesiger Esel mit großem Kopf und massigem Hirschkörper.

Der Anblick war belustigend und erhebend zugleich, und auch wenn Insa bereits zu spät dran war, wollte sie nicht hupen und damit diesen magischen Moment zerstören. Ihr fiel ein, dass die Hupe schon seit Wochen nicht mehr funktionierte und sie eine Reparatur immer hinausgezögert hatte. Sie hatte einen defensiven Fahrstil und benötigte die Hupe nicht.

Plötzlich bewegte sich die Elchkuh auf den Wagen zu. Insa drückte sofort den Schalter für die Türverriegelung.

Beruhige dich, der Elch wird ganz sicher nicht die Wagentür öffnen und sich auf den Beifahrersitz setzen! Die Elchkuh kam näher und blieb direkt vor dem Kühlergrill stehen.

»Hallo, Frau Elch«, winkte Insa freundlich und beugte sich übers Lenkrad. Sie war mindestens genauso neugierig wie Frau Elch.

Ohne erkennbare Hast rollte sich eine monströse Zunge aus dem Maul und leckte über die Motorhaube.

Seltsamerweise dachte Insa in diesem Augenblick daran, dass sie nie auf die Idee kommen würde, einen Wagen abzulecken. Komische Gedanken. Sie schob ihre komische Denke auf die lange Fahrt zurück. Schließlich war sie seit heute früh um 5 Uhr unterwegs.

Insa hatte panische Flugangst und sich früh morgens in Flensburg in ihren Wagen gesetzt, um die gut sechshundert Kilometer über Kopenhagen und die Øresundbrücke bis nach Småland zu fahren. Sie hatte eine Frühstückspause eingelegt und war jetzt fast am Ziel. Ihre Geschwister waren mit dem Flugzeug angereist und schon mittags gelandet.

Frau Elch sei Dank, konnte sie sich kurz entspannen. Dennoch musste sie weiter. Der Notar erwartete sie um 13 Uhr in seinem Büro. Björn und Levke würden wieder lange Gesichter ziehen, wenn sie auch nur eine Minute zu spät käme. Insa war das jüngste von drei Kindern und hatte sich längst daran gewöhnt, dass ihre Geschwister sie nicht ernst nahmen. Aber zu dem Notartermin wollte sie pünktlich eintreffen, das war sie Tante Frida schuldig! Hier in Småland, dem Pippi-Langstrumpf-Land, hatte sie bei Tante Frida im Gutshaus am See alle Sommer ihrer Jugend verbracht. Seit der Nachricht ihres Todes hatte sie viel an diese Sommer gedacht und jetzt wollte sie für Tante Frida pünktlich sein.

Insa musste lachen und weinen zugleich. Tante Frida hätte eine Verspätung wegen einer Elchkuh, die ihren Wagen ableckte, als akzeptable Entschuldigung gelten gelassen. Immer wieder hatte sie sich vorgenommen, sie zu besuchen, aber jedes Mal war irgendetwas dazwischengekommen.

»So, Frau Elch, ich muss jetzt wirklich weiter!«

Insa ertappte sich, wie sie hinter ihrer Autoscheibe überdeutliche Mundbewegungen machte, als könnte die Elchkuh die Nachricht von ihren Lippen ablesen.

Frau Elch ließ sich nicht im Geringsten stören und arbeitete sich gemächlich zur Frontscheibe vor.

Insa hatte noch nie davon gehört, dass Elche Autos ableckten. »Sie sollten das mal mit einem Therapeuten besprechen, Frau Elch!«, erklärte sie ernst.

Elche waren friedfertige Tiere und von ihnen ging keine Gefahr aus, dennoch brachte sie nicht den Mut auf, auszusteigen und das Tier zu verscheuchen.

Hinter ihr hielt ein großer Pick-up. Der Mann, der ausstieg, ging zielstrebig auf ihre Fahrertür zu. Offensichtlich machte Frau Elch ihm wesentlich weniger Angst als ihr. Sie ließ das Fenster herunter.

»Lassen Sie das Auto waschen?«, fragte der blonde Hüne mit Dreitagebart und stechend blauen Augen. Sein schwedischer Akzent war zum Dahinschmelzen und erinnerte Insa an die glücklichen Wochen hier in Småland bei ihrer Tante.

Sie sah ihn verdutzt an und erklärte: »Im Wischwasser ist ein Zusatz aus Elchgras.«

»Elchgras?« Er verzog keine Miene und hatte den Witz offensichtlich nicht verstanden.

»Äh, Katzengras? Elchgras?«

Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte sie, ein Grinsen um seinen Mund zu erkennen, aber er wies ernst auf das Emblem auf dem Ärmel seiner karierten Steppjacke mit Fellkragen. »Ich bin vom Store Mosse Nationalpark und muss dir eine Verwarnung ausstellen.« Er zog einen Block aus der Jackentasche. »Die Elche stehen unter Naturschutz, es ist verboten, sich ihnen zu nähern!« Aus der anderen Tasche holte er einen Kugelschreiber und hauchte die Mine kurz an.

»Äh, sich nähern? Der Elch ist auf mich zugekommen!« Sie zeigte mit beiden Händen auf das Tier, das neugierig den Kopf gehoben hatte und den Mann beäugte.

»Echt jetzt? Typisch deutsch! Der Elch wohnt hier, du bist in sein Gebiet eingedrungen!«

Insa glotze den Mann sprachlos an. »Das meinst du nicht ernst!«

»Doch, wir nehmen Naturschutz hier sehr ernst!«, grollte er.

Insa wunderte sich, wie leicht es ihr fiel, den Fremden zu duzen. Als Kind war es ihr nicht aufgefallen, aber mit zunehmendem Alter hatte sie die skandinavische Eigenart, jeden zu duzen, lieben gelernt. Wenn sie von den großen Ferien zurück nach Deutschland gekommen war, hatte es manches Mal Ärger gegeben, weil sie fremde Erwachsene geduzt hatte. Insa lächelte bei der Erinnerung daran, aber plötzlich schritt die Elchkuh auf die Fahrertür zu und sie erschrak.

Der Mann streckte eine Hand aus und die raue Elchzunge fuhr langsam quer über den gesamten Arm.

Insa zog den Kopf zurück ins Wageninnere.

»Ich glaube, in meinem Duschgel ist auch etwas von diesem Elchgras«, grinste der Mann.

»Man darf sich Elchen also nicht nähern, so, so!« Sie war ihm auf den Leim gegangen, das würde er büßen! Wenn die Belohnung allerdings dieses Lächeln war, dann hatte es sich auf alle Fälle gelohnt und sie würde ihm liebend gern noch einmal auf den Leim gehen.

»Sie heißt Astrid!«

Insa hob eine Augenbraue.

»In Anlehnung an Astrid Lindgren«, erklärte er und hielt ihr die Hand durch die geöffnete Seitenscheibe hin. »Hej, ich bin Tjorge.«

Insa erwiderte den schwedischen Gruß. »Hej, Insa.« Sie spürte, dass sie errötete. Tjorge erinnerte sie an den Schauspieler, der den Thor in den Marvel-Filmen spielte.

»Komm, Insa, steig einfach aus. Astrid ist der friedlichste Elch in ganz Schweden.« Er öffnete ihre Tür und hielt ihr gentlemanlike seinen Arm hin.

Insa betrachtete ihn ungeniert. Er war um die dreißig und äußerst attraktiv, genau ihr Beuteschema.

»Und arbeitest du tatsächlich für den Nationalpark?«

»Ja und nein. Ich arbeite für eine Stiftung, die dieses Gebiet verwaltet. Hier sind jede Menge ursprüngliche Moore erhalten geblieben, die Bedeutung für die Umwelt wurde erst in den letzten Jahren zum Thema, wegen des Klimawandels.«

Insa war ausgestiegen und widerstand dem Drang, wegzulaufen, als Astrid näherkam. Die Elchkuh überragte sie und hätte ihr ohne Mühe die Haare vom Kopf fressen können. Eine Hand in die Höhe haltend, versuchte sie, die Ohren zu streicheln. »Hallo, Frau Elch, ich bin Insa!« Als die raue Zunge über ihren Handrücken fuhr, kicherte sie.

In Tjorges Geländewagen saß ein Golden Retriever auf dem Beifahrersitz und fiepte aufgeregt.

»Siehst du, Astrid ist freundlich. Sie ist als Kalb auf einem Hof in der Nähe aufgezogen worden und hat großes Vertrauen zu Menschen.«

Die Begegnung mit dem massigen Tier hatte etwas Magisches. Insa überlief eine Gänsehaut und sie strahlte wie ein Honigkuchenpferd.

Hoffentlich hält er mich nicht für komplett bescheuert! Hör auf, so debil zu grinsen!

Warum machte sie sich Gedanken darüber, wie sie auf ihn wirkte?

Sie riss sich zusammen und plötzlich fiel ihr wieder ein, dass sie bereits zu spät war, um es rechtzeitig zum Notar in Hillerstorp zu schaffen.

»Ich muss jetzt wirklich los.«

Sie drehte sich um und stieg wieder in ihren Wagen.

»Touristen bei Problemen mit Elchen aus der Patsche zu helfen, ist in Schweden eine gute Tat. Es ist Brauch, dass der Retter ...«, Tjorge atmete tief ein und sein muskulöser Brustkorb hob sich, »... zu einem Kaffee eingeladen wird.«

Insa sah ihn an, schürzte die Lippen und legte die Stirn in Falten. »Reißt du mit dieser Tour Touristinnen auf?«

Er lächelte verschmitzt. »Ja, aber ich muss fairerweise gestehen, dass du meine erste Rettung seit drei Jahren bist.«

Insas Puls schnellte hoch. Er flirtete mit ihr, ganz eindeutig. »Ich muss wirklich weiter«, seufzte sie, setzte sich auf den Fahrersitz und startete den Motor.

»Und der Kaffee für die Rettung?«

»Wenn wir uns mal wieder über den Weg laufen«, grinste sie, winkte ihm zu und fuhr an.

Zu gern wäre sie geblieben, aber sie hatte schon das Gezeter ihrer Geschwister in den Ohren und außerdem war das Letzte, was sie zur Zeit wollte, ein Flirt. Ihre Beziehung mit Kay war vor ein paar Wochen zu Ende gegangen, und es hatte sie sämtliche Kraft gekostet, sich von dieser Trennung zu erholen. Um Männer würde sie einen großen Bogen machen, hatte sie sich geschworen, nachdem sie wieder halbwegs auf die Beine gekommen war.

Dass Kay sich von heute auf morgen getrennt hatte, um sich, wie er sagte, neu zu finden, hatte sie vollkommen unvorbereitet getroffen und ihr den Boden unter den Füßen weggezogen.

Zwei Monate vorher hatte sie eine Filiale ihrer kleinen Konditorei in Flensburg eröffnet. Die Sinnkrise, in die sie durch das Ende der Beziehung gestürzt war, hatte dazu geführt, dass beide Geschäfte geschlossen werden mussten. Sie war einfach nicht fähig gewesen, tatkräftig ihren Plan zu verfolgen. Die Selbstständigkeit hatte sie überfordert, die viele Arbeit war Schuld an der Trennung gewesen! Daran hatte sie geglaubt, aber mittlerweile wusste sie, dass Arbeit und Liebe sich nicht ausschlossen. Wäre Kay der Richtige gewesen, hätten sie gemeinsam überlegt, wie es mit mehr Zeit für Zweisamkeit hätte weitergehen können! Jetzt war es zu spät, sie hatte Insolvenz angemeldet und Die Kuchenmacherin, wie sie ihr Geschäft genannt hatte, verkauft. Sie hatte sich in Flensburg und Umgebung einen Namen gemacht, es war besser als erwartet gelaufen. Warum hatte er sie auch ausgerechnet in dieser schwierigen Phase verlassen? Ihr Erspartes war dahin, aber zumindest hatte sie keine Schulden. Der Anwalt und Insolvenzverwalter, der sie durch diese Phase begleitet hatte, war nett gewesen. Er hatte ihr geholfen, Die Kuchenmacherin an eine solvente Bäckereikette zu verkaufen.

Als sie in das verregnete Hillerstorp einfuhr, dachte sie darüber nach, dass sie die Liebe fürs Backen von ihrer Tante Frida hatte. Immer hatte dieser Geruch nach frischen Zimtschnecken und Schokokugeln durch das große, rote Holzhaus mit den vielen Giebeln und der weißen Veranda geweht. Eigentlich hatte Insa bei jeder Umarmung den süßen Kuchenduft in der Nase gehabt. An Tante Frida hatte ein Zimtschneckenparfum geklebt.

In dem kleinen Städtchen Hillerstorp wohnten etwas über tausend Einwohner. Es lag direkt an der Bahntrasse, die Schwedens Küsten von Ost nach West verband. Als Insa zur Adresse des Notars fuhr, registrierte sie die Dörflichkeit dieser Gemeinde. Früher, als kleines Mädchen, war sie mit Tante Frida nach Hillerstorp zum Einkaufen gefahren, und sie hatte das winzige Städtchen als Großstadt empfunden.

Das Büro des Notars befand sich in einem schmucklosen, zweistöckigen Bau hinter dem alten Bahnhof, der sich in all den Jahren nicht verändert hatte. Immer noch stand dort dieses weiße Holzgebäude, das an die Bilderbücher von Astrid Lindgren erinnerte.

Schmunzelnd dachte Insa an Frau Elch, deren Name sich als Astrid entpuppt hatte. Unweigerlich erschien auch der blonde Wikinger Tjorge vor ihren Augen. Sie schüttelte den Kopf und wischte das Bild des unverschämt gut aussehenden Schweden beiseite.

Sie betrat den Hausflur, linker Hand wies ein kleines Schild neben der Tür auf das Büro des Notars.

Sie klopfte und trat eilig ein. Ein Mann in einem altmodischen Anzug begrüßte sie freundlich. Auf seine Krawatte waren Elche gedruckt. »Du musst Insa sein. Ich bin Olof, der Notar deiner Tante Frida. Deine Geschwister warten schon.« Er schüttelte ihr kräftig die Hand. Auch wenn die ganze Einrichtung schlicht war, ging eine herzliche Wärme von ihm aus.

Er führte sie in das Büro, in dem sie in Björns und Levkes versteinerte Gesichter blickte.

»Mein Gott, Insa, kannst du nicht einmal pünktlich sein, ich habe wirklich andere Dinge zu tun, als ständig auf dich zu warten!« Levkes Stimme war spöttisch und genervt, während Björn nur vielsagend den Kopf schüttelte. Sofort spürte Insa den Drang, sich zu entschuldigen, wie sie es immer tat, aber plötzlich erinnerte sie sich an Frau Elch und den attraktiven Tjorge.

»In meinem Wischwasser war Elchgras!«, verkündete sie kichernd.

 

 

 

2

Eine halbe Stunde später saßen die drei Geschwister mit offenen Mündern vor dem Schreibtisch des Notars Olof. Berge von Akten stapelten sich darauf und es war schwer vorstellbar, dass er einen Überblick über das Chaos hatte.

»Wie viel?«, stammelte Björn und Insa sah ihm an, dass er bereits rechnete. »Zehn Millionen?«

Notar Olof nickte und winkte ab. »Bitte bedenkt, dass es sich um schwedische Kronen handelt. Umgerechnet sind das knapp neunhunderttausend Euro.«

»Woher hatte Tante Frida so viel Geld?«, fragte Levke. Sie war mit fünfzig Jahren die Älteste der drei Geschwister, obwohl sie alles daran setzte, ihr Alter nach unten zu korrigieren. Aus der Anzahl der Schönheitsoperationen, die sie hinter sich hatte, machte sie ein Staatsgeheimnis.

Insa hatte ihre Tante als sparsame Frau in Erinnerung, die viel im Garten und mit den Tieren auf dem Hof zu tun gehabt hatte.

»Zusätzlich fließt der Hof, bestehend aus dem großen Hauptgebäude, den Schuppen und den Gesindehäusern, sowie das dazugehörige Land in die Erbmasse mit ein.«

»Ja, ja!« Björn hatte nur noch Zahlen im Kopf. Insa erinnerte sich, dass er nie gern die Ferien bei Tante Frida verbracht hatte.

---ENDE DER LESEPROBE---