Blutgefährtin 1 - Thomas M Hoffmann - E-Book

Blutgefährtin 1 E-Book

Thomas M Hoffmann

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Beschreibung

Trish ist eine junge Frau kurz vor ihrem Schulabschluss, die genaue Vorstellungen davon hat, wie ihr Leben verlaufen soll. Da taucht der schöne und geheimnisvolle Pierre auf und Trish verliebt sich Hals über Kopf. Die beiden kommen sich schnell näher. Doch dann entdeckt Trish, dass Pierre auch dunkle Seiten hat und sie muss sich entscheiden, was sie für ihre Liebe zu geben bereit ist. Als Trish immer tiefer in Pierres dunkle Welt eintaucht, entwickelt sich eine Jagd um Leben und Tod, die Trish nicht nur abverlangt, die zu verlassen, die ihr am Liebsten sind. Auch ihre Liebe zu Pierre wird auf eine harte Probe gestellt.

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Seitenzahl: 511

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Thomas M Hoffmann

Blutgefährtin 1

Eine neue Welt

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Danksagung

1 Der Fremde

2 Eine Begegnung

3 Das Frühlingsfest

4 Annäherung

5 Das Chateau

6 Eine Shopping Tour

7 Ein Streit

8 Das Video

9 Hilfe

10 Der Plan

11 Die Verhaftung

12 Die Liebesnacht

13 Vampir

14 Eine neue Welt

15 Sehnsucht

16 Der Vampirjäger

17 Das Treffen

18 Ein Kampf

19 Die Flucht

20 Ein neues Leben

21 Schicksal

22 Gericht

23 Nach Hause

24 Epilog

25 Leseprobe Blutgefährtin 2, die Verschwörung

Impressum neobooks

Danksagung

Mein Dank gilt Jeanne C. Stein, die mit ihrer Anna Strong Serie die Welt geschaffen hat, in der auch diese Geschichte spielt. Ihre Charaktere haben den Anstoß dazu gegeben und mich inspiriert. Die Geschehnisse in dem vorliegenden Band sind mit den letzten Bänden von Jeanne’s Serie verbunden, auch wenn sich diese Geschichte ohne Probleme unabhängig lesen lässt.

Danke Jeanne für die wunderbare Welt, die du geschaffen hast.

Mein Dank gilt auch meiner lieben Frau für ihre Unterstützung und ihre Mühe beim Korrekturlesen des Manuskriptes. Ebenso möchte ich Lara Greystone danken für die vielen wertvollen Tipps, die sie mir gegeben hat.

Die Blutgefährtin Serie

Blutgefährtin 1, eine neue Welt (erschienen bei neobooks)

Blutgefährtin 2, die Verschwörung (erschienen bei neobooks)

Blutgefährtin 3, der Vampirjäger (erschienen bei neobooks)

Beschreibung

Trish ist eine junge Frau kurz vor ihrem Schulabschluss, die genaue Vorstellungen davon hat, wie ihr Leben verlaufen soll. Da taucht der schöne und geheimnisvolle Pierre auf und Trish verliebt sich Hals über Kopf. Die beiden kommen sich schnell näher. Doch dann entdeckt Trish, dass Pierre auch dunkle Seiten hat und sie muss sich entscheiden, was sie für ihre Liebe zu geben bereit ist.

Als Trish immer tiefer in Pierres dunkle Welt eintaucht, entwickelt sich eine Jagd um Leben und Tod, die Trish nicht nur abverlangt, die zu belügen, die ihr am Liebsten sind. Auch ihre Liebe zu Pierre wird auf eine harte Probe gestellt.

Der vorliegende Band ist die zweite, vollständig überarbeitete Auflage des vorher erschienen Buches "Blutgefährtin". Der Inhalt wurde erweitert und zu dem Beginn der Blutgefährtin Serie gestaltet.

1 Der Fremde

Ich schlendere aus dem Schulgebäude mit meiner Tasche über der Schulter und halte nach Chloé und Inès Ausschau. Der Nachmittag hat sich mal wieder gezogen wie Kaugummi und ich sehne mich nach ein wenig Ruhe.

Meine beiden Freundinnen stehen etwas abseits des Eingangstores zu unserem Lycée, der französischen Oberstufe, und schnattern miteinander. Vermutlich geht es wieder einmal um die gestrige Folge von „Beauty Queen“, die ich natürlich verpasst habe, weil ich Besseres zu tun habe, als fremden Frauen dabei zuzusehen, schön auszusehen.

Aber Chloé und Inès sind richtige Fans.

Als ich mich nähere, merke ich, dass ich mal wieder Recht habe. Chloé und Inès haben sich immer noch nicht einigen können, wer denn die Favoritin ist und tauschen Argumente für oder gegen die eine oder andere aus. Ich stelle mich zu den beiden und warte ein paar Minuten ab, bevor ich sie unterbreche. Ich will ja nicht unhöflich sein, aber bei dem Thema kann ich nun wirklich nicht mitreden.

«Wartet doch einfach auf das Finale in zwei Wochen, dann wisst ihr, wer gewonnen hat»

Chloé zieht eine Schnute.

«Du kannst einem ja alle Vorfreude verderben, Trish.»

«Vorfreude? Ha, wieso soll ich mich darauf freuen, wenn irgendeine von den Tussis schöner aussieht als eine andere?»

«Na, immerhin kann die Siegerin bei der Miss Frankreich Wahl antreten. Und du glaubst gar nicht, was man alles an Schönheitstipps in der Sendung aufschnappen kann.»

Ich verzerre mein Gesicht zu einer Fratze und zeige mit den Fingern von zwei Seiten auf meinen Kopf. «Du meinst ich muss gar nicht so aussehen?»

Chloé lacht und stampft mit dem Fuß auf.

«Du bist unmöglich, Trish!»

Ich will gerade etwas erwidern, als Inès uns zuvorkommt.

«Schaut mal da.»

Ich drehe mich um, um in die Richtung zu schauen, in die Inès zeigt.

Wow! Ist der Kerl heiß!

Ich sehe den Mann schräg von der Seite, er trägt eine enge Jeans, ein schwarzes T-Shirt und sportliche Schuhe. Während er geschmeidig die Straße entlanggeht, kann ich erkennen, wie sich seine Muskeln bewegen. Die ganze Ausstrahlung ist geballte Männlichkeit, aber ohne diese Künstlichkeit, die man so oft in irgendwelchen Magazinen sieht. Die Gestalt ist schlank, er hat vermutlich kein Gramm Fett zu viel. Unwillkürlich gleitet mein Blick seine Rückseite entlang, der Hintern ist so knackig, dass sich etwas unterhalb meiner Magengegend zusammenkrampft.

Rasch schaue ich wieder nach oben. Die Haare erinnern mich an die sanften Brauntöne des Herbstes, ob sie sich wohl so weich anfühlen, wie sie aussehen? Er hat eine hübsche, kleine Nase und sein Mund sieht von der Seite so aus, als würde er lächeln. Was er wohl für eine Augenfarbe hat? Ich merke, wie mein Herz anfängt zu klopfen, unwillkürlich lecke ich mir mit der Zunge über die Lippen, der hat ja einen echten Traumbody.

Aber es ist nicht allein der schöne Körperbau, der den Eindruck macht. Er hat die Ausstrahlung eines Raubtieres, ich möchte nicht in der Nähe sein, wenn der mal wütend wird. Meine Augen verfolgen ihn, wie er sich der Ecke nähert und stehen bleibt, um ein paar Worte mit dem Besitzer des Käseladens zu wechseln. Fasziniert verfolge ich, wie dieser Mann mit dem oft grimmigen Ladeninhaber redet, der eigentlich immer schlechter Laune ist, wenn wir dort mal etwas Baguette und Käse kaufen. Man hat den Eindruck, er wolle uns Schüler gar nicht als Kunden haben. Aber diesem Fremden gegenüber macht er ein beinahe freundliches Gesicht – ein Anblick mit Seltenheitswert.

Er geht weiter und ich kann meinen Blick einfach nicht losreißen. Wenn mir jemand erzählen würde, der da sei der Mensch gewordene griechische Gott Adonis, ich würde es sofort glauben. Bewundernd verfolge ich jeden Schritt. Ein lautes Kichern stört mich dabei und ich brauche einen Moment, um zu merken, dass es von meinen Freundinnen kommt.

Chloé und Inès lachen im Duett, wobei sie mich im Blick haben. Ich schaue sie verwirrt an.

«Ich glaube, das beantwortet meine Frage», kichert Chloé, «dir gefällt der Typ.»

Mist. Wenn man mit der Hand in der Keksdose erwischt wird, ist Angriff die beste Verteidigung.

«Na klar. Der sieht doch super aus. Das ist mal ein echter Hingucker.»

«Der? Der ist ja schon halb tot. Mindestens dreißig würde ich sagen.»

Seltsamerweise war das Gesicht des Mannes geradezu zeitlos, also könnte Chloé schon Recht haben. Aber das würde ich niemals zugeben.

«Ach Quatsch. Mitte zwanzig maximal.»

«Ha, Mitte zwanzig hat der vielleicht vor zehn Jahren mal gesehen. Ich sag dir, ab nächstem Jahr geht der am Rollator.»

«Bevor der am Rollator geht, sitzt du im Rollstuhl, wetten?»

Wie immer, wenn Chloé und ich uns in unseren Diskussionen verzetteln, greift Inès mäßigend ein.

«Vater hat mir erzählt, dass der das Chateau de Marronniers gekauft hat.»

Allerhand. Das Chateau ist ein schlossartiges Herrenhaus am Ende einer Kastanienallee am Rande des Dorfes, mindestens zwanzig Zimmer, echt riesig. Als Tochter des Bürgermeisters ist Inès natürlich gut informiert, was die Vorgänge im Dorf angeht, also wird sie wohl Recht haben, aber wozu ein solcher Mann so ein Anwesen braucht, ist mir schleierhaft.

Vielleicht will er sich ja als „der Bachelor“ zur Verfügung stellen. Dann würde ich mich auf jeden Fall bewerben.

«Mannomann», sage ich, «Der sieht ja nicht nur klasse aus, der muss auch noch jede Menge Geld haben.»

Inès zuckt mit den Schultern.

«Keine Ahnung. Seine Kontoauszüge habe ich nicht gesehen, aber Vater war richtig begeistert. Er will irgendwas mit Weinhandel aufziehen und Vater sagt immer, dass Lorgues mehr Gewerbe braucht.»

«Na, da hat er sich ja den richtigen Fleck ausgesucht.»

In der Ecke der Provence, in wir leben, wird viel Weinbau betrieben, Großvater baut ja schließlich auch welchen an. Im Frühling duften die Weinberge rund um Lorgues von den vielen Pflanzen und im Früherbst schallen die Stimmen der Saisonarbeiter durch das Tal, wenn die Lese beginnt. Das ist immer eine richtig aufregende Zeit.

In diesem Moment kommt Frank, der Freund von Chloé, um die Ecke, wodurch Inès und ich sofort vergessen sind. Frank ist ein Junge aus einer Parallelklasse und eigentlich ganz nett. Ein echter Könner in Mathe und Informatik, aber er kommt mir immer so schrecklich jung vor. Dazu ist er pickelig. allerdings kann er dafür vermutlich nichts. Chloé macht das wohl nichts aus, denn die beiden sind schon eine Ewigkeit zusammen, mindestens sechs Monate oder so.

Also sage ich noch „hey“ zu Chloés Freund, winke Inès und Chloé zum Abschied zu und mache mich auf den Heimweg.

Mit dem Fahrrad brauche ich etwa 20 Minuten bis zu Großvaters Weingut, einige Kilometer außerhalb von Lorgues. Bei gutem Wetter genieße ich die Fahrt durch die Olivenbaum und Lavendel Felder, um den Hügel der Chapelle d’Saint Marie herum und an den Weinbergen vorbei, die teilweise zu unserem Weingut gehören. Gott sei Dank ist das Wetter in der Provence meistens gut, das erinnert mich an San Diego, wo ich aufgewachsen bin.

Um diese Zeit des Jahres, nach Anbruch des Frühjahrs, aber bevor die Hitze des Sommers beginnt, ist in den Weinbergen zwar einiges zu tun, um die Pflanzen zu hegen, zurecht zu schneiden, vor Schädlingen und Krankheiten zu bewahren und all das, aber verglichen mit der Zeit der Lese und der Kelter ist es eine geruhsame Zeit. Großvater lässt es sich nicht nehmen, täglich selbst nach den Weinstöcken zu sehen, wobei er die schwere Arbeit unserem Knecht Jules und seinen Helfern überlässt. Seit dem Tod meiner Großmutter vor ein paar Jahren, hat er zwar kräftemäßig abgebaut, aber er bemüht sich, eine aufrechte Haltung zu zeigen.

Ich glaube hauptsächlich meinetwegen.

Ich bin fest entschlossen, das Gut einmal zu übernehmen und bereits jetzt so viel wie möglich von Großvater zu lernen. In diesem Jahr werde ich meinen Schulabschluss machen und wenn alles gut geht, werde ich Weinbau studieren. Dazu muss ich aber von Lorgues weg, mindestens nach Marseille, vielleicht sogar nach Bordeaux, wo es die beste Universität in diesem Fach gibt. Über einige Jahre müsste ich Großvater dann alleine lassen.

Manchmal liege ich deswegen vor Sorgen wach. Ich bin die einzige, die sich noch um ihn kümmern kann. Mein Vater ist schon lange tot, Tante Anna lebt am anderen Ende der Erde und ich bin seine einzige Enkelin. Ich will ihn nicht alleine lassen, er braucht mich und ich brauche ihn. Aber ich will auf keinen Fall, dass dieses Weingut, das uns so unerwartet zugefallen ist, wieder verkommt. Meine Großeltern haben so viel Mühe hereingesteckt, die Erfolge haben sie unter so viel Arbeit erreicht, das soll nicht umsonst gewesen sein.

Außerdem ist hier mein zu Hause, wo ich glücklich sein kann nach der Hölle von San Diego.

Ich verdränge meine grüblerischen Gedanken, die Sonne strahlt und der Duft der Felder, die in voller Blüte stehen, steigt mir in die Nase. Ich hole tief Luft, es riecht nach Lavendel, Weinreben, Holz und Sommer. Ein Kichern steigt in mir hoch, weil ich an diesen Traummann von eben denken muss, da ist kein Platz für unangenehme Erinnerungen.

Als ich zu Hause ankomme, ist noch etwas Zeit bis zum Abendessen. Ich rufe Catherine, unserer Haushälterin, die nach dem Tod von Großmutter die volle Kontrolle über den Haushalt übernommen hat, ein kurzes Hallo zu und laufe auf mein Zimmer, um mich umzuziehen. Anschließend gehe ich noch ins Büro, um die Post durchzusehen. Großvater, als ehemaliger Banker, prüft zwar alle Umsätze und Rechnungen noch selbst, hat mir aber den Großteil der Buchhaltung überlassen, damit ich lerne, wie so ein Betrieb funktioniert. Um diese Zeit des Jahres haben wir etwa dreiviertel der Produktion verkauft und das deckt bereits die Kosten des Jahres.

Wir stehen ganz ordentlich da.

Der Hauptgrund dafür ist, dass wir mit einer unserer Lagen eine Bronzemedaille errungen haben. Das hat es uns ermöglicht, einen größeren Kundenkreis zu erreichen. Großvater arbeitet eifrig daran, auch noch eine Silbermedaille zu erhalten, aber meiner Einschätzung nach wird das ziemlich schwierig werden. Das Weingut war eben zu lange vernachlässigt und nicht bewirtschaftet worden.

Als Catherine zum Abendessen ruft, bin ich mit der Post durch, habe Rechnungen und Zahlungseingänge geprüft und alles abgeheftet. Ich gehe ins Esszimmer und sehe, dass Großvater bereits in seiner Zeitung blätternd am Tisch sitzt.

«Hallo Großvater», sage ich, umarme Großvater und gebe ihm einen Kuss auf seine rauen Wangen.

«Hallo Trish, mein Schatz», sagt Großvater und drückt mich. «Wie war die Schule?»

Ich verziehe das Gesicht. «Nichts Besonderes, außer dass die Lehrer jetzt, wo die Prüfungen bald anstehen, versuchen, versäumten Stoff nachzuholen. Das macht gehörig Stress.»

Man stelle sich das mal vor. Prüfungen in zwölf Fächern und in allen werden die Prüfungsfragen zentral vorgegeben. Wenn ein Lehrer in nur einem Fach mit dem Stoff nicht durchgekommen ist, fehlt der ganzen Klasse das Wissen, um die Prüfungen zu bestehen. Dummerweise haben so einige Lehrer die Zügel schleifen lassen. Was sie jetzt versuchen aufzuholen.

«Arme Trish. Musst Du noch etwas für die Schule machen?»

«Nein, ich konnte alles am Nachmittag erledigen. Nur nächste Woche schreiben wir eine Arbeit in Bio, da muss ich dann wohl auch abends noch etwas vorbereiten. Aber heute Abend gehe ich noch fix zu Morelle.»

Morelle ist mein Pferd, das bei unseren Nachbarn steht, die einen geeigneten Stall haben. So oft ich kann, gehe ich zu ihr und kümmere mich um sie. Zum Ausreiten komme ich dabei meist nur am Wochenende. Seit ich in der Oberstufe bin, hat die Schule so viel Raum eingenommen, dass das das Einzige ist, was mir vom Reiten noch geblieben ist.

«In Ordnung, Trish, tue das.»

«Und wie war dein Tag?»

«Ich habe heute die Ostlage inspiziert. Dort sind ein paar Pflanzen etwas kümmerlich und haben braune Blätter. Ich bin mir noch nicht sicher, mit was wir es hier zu tun haben. Aber ich habe vorsorglich mal ein paar Proben zu Doktor Chavier geschickt.»

«Meinst du, wir müssen die Stöcke herausnehmen?»

«Ich hoffe nicht, aber wir werden sehen.»

Jetzt setzen sich auch Jules und Catherine zu uns und wir beginnen mit dem Essen. Früher haben die Angestellten separat gegessen, aber seit Großmutter gestorben ist, war mir das zu einsam. Deshalb habe ich Großvater überredet, wenigstens diese beiden einzuladen und das hat sich bewährt. Mit Catherines mütterlichen Art und Jules ungezügeltem Optimismus können wir die Abwesenheit von Großmutter verdrängen, auch wenn ich immer das Gefühl habe, als müsste sie jeden Augenblick hereinkommen und sich lachend zu uns setzen. Ich glaube, Großvater empfindet das genauso. Manchmal, in bestimmten Situationen, schaut er plötzlich gedankenvoll und traurig auf den Platz, wo sie immer gesessen hat.

Bestimmt vermisst er sie schrecklich, so wie ich auch.

Aber ich darf mir nichts anmerken lassen, denn ich muss Großvater helfen, damit ihn dieser Verlust nicht überwältigt.

Nach dem Essen schwinge ich mich wieder auf mein Rad und fahre zu den Nachbarn. Ich verbringe eine Stunde damit, mit Morelle zu reden, ihren Stall sauber zu machen, sie zu bürsten und ihr ein wenig an der Lounge Bewegung zu verschaffen. Es ist bereits dunkel, als ich mich endlich mit dem Heather Graham Roman, den ich gerade lese, in den Sessel in meinem Zimmer kuscheln kann. Es ist ein wunderschöner Liebesroman mit einer leidenschaftlichen Heldin, einem gutaussehenden, wenn auch etwas widerspenstigen Helden und einer verwickelten Geschichte. Ich hoffe, sie kriegen sich am Ende.

Da klingelt mein Handy, es ist Chloé.

Seufzend lege ich das Buch beiseite um mir die Erlebnisse des Abends von Chloé anzuhören. In den letzten Monaten hat sie bei solchen Gelegenheiten hauptsächlich über Frank geredet. Nicht dass das nicht interessant wäre, aber schließlich ist er nicht mein Freund und die Geschichte von Heather Graham ist definitiv interessanter.

Freundinnen können ja manchmal so anstrengend sein.

Am Ende ist es mir dann doch gelungen, noch ein paar Seiten aus meinem Roman zu lesen, aber nur weil ich Chloé versprochen habe, dass wir uns am nächsten Tag nach der Schule in ein Café setzen, um ein wenig zu tratschen. Das hat auch den Vorteil, dass Inès dann dabei ist. Um nicht alles zwei Mal erzählen zu müssen, hat sich Chloé kurz gefasst. Wobei mir einfällt, dass ich sie darauf aufmerksam gemacht habe. Aber Chloé musste einsehen, dass ich Recht habe.

Nun ja, so konnte ich noch lesen, wie die Heldin ihrem Angebeteten den ersten Kuss abnehmen konnte. Innerlich muss ich grinsen, der arme Kerl hat gar keine Chance, er weiß es nur noch nicht. Leider wird es schnell zu spät und ich muss mich schlafen legen. Meine Träume sind gefüllt mit Bildern von Schönheiten und heißer Liebe.

Die Idee, nach der Schule noch ein wenig zu tratschen, findet Inés klasse und so sitzen wir am Nachmittag in dem größten Café von Lorgues. Genießerisch schlürfe ich meinen Milchkaffee, denn pur ist mir der französische Kaffee viel zu bitter. Ich habe keine Ahnung, wie die Franzosen dazu kommen, schwarzen Kaffee gut zu finden, vermutlich muss man hier geboren sein, um sich an so etwas zu gewöhnen. Chloé trinkt ihn so, sie behauptet immer, dass die Milch den Kaffee verwässert. Aber Milch nimmt der Bitterkeit die Spitze und rundet den Geschmack richtig gut ab. Das ist zumindest meine Meinung.

Inès hat mit Kaffee gar nichts am Hut. Sie behauptet, Kaffee würde die Haut unrein machen und man würde später Falten davon bekommen. Ich bin zwar der Meinung, dass es das Alter ist, was die Falten erzeugt, aber davon will sie nichts wissen. Also trinkt sie Mineralwasser, denn ein Saft oder gar eine Cola hat viel zu viele Kalorien. Inès ist zwar dürr wie ein Streichholz, sie meint aber immer, sie hätte zu viele Kilos auf den Rippen. Ich bin ja davon überzeugt, dass bei ihr eher die Propaganda für Magermodells ihre Wirkung zeigt und sie gar nicht mehr beurteilen kann, was die richtigen Proportionen für eine Frau sind.

Als Chloé und Inès gerade irgendwelche neuesten Informationen zu „Beauty Queen” austauschen schaue ich mich auf dem Hauptplatz von Lorgues um. Auf der gegenüberliegenden Seite hat sich ein Stand der Front National breit gemacht. Ich muss meinen aufkeimenden Ärger unterdrücken, während ich diesen Stand mustere. Plakate mit irgendwelchen Parolen zu Heimat, Vaterland und Familie sind dort aufgehängt. Nicht, dass ich etwas gegen Heimat und Familie habe, aber als noch-nicht Französin fühle ich mich durch deren fremdenfeindliches Gehabe immer persönlich angegriffen.

Die schimpfen zwar hauptsächlich auf Afrikaner, aber ich bin eben noch Amerikanerin und erhalte die französische Staatsbürgerschaft erst, wenn mein Antrag auf Einbürgerung endlich bewilligt ist. Den habe ich bei meinem achtzehnten Geburtstag gestellt, denn Frankreich ist inzwischen zu meiner Heimat geworden. Aber nicht so, wie sich das die Typen von der Front National vorstellen. Außerdem steht dieser blöde Mathéo Dubois dort. Mathéo war in seinem Abschlussjahr der Mittelstufe eine Klasse über mir. Irgendwie hatte er ein Auge auf mich geworfen und hat versucht, sich an mich ranzumachen.

Bäh, der Kerl ist ziemlich widerwärtig. Natürlich habe ich ihn abblitzen lassen.

Er hat nach der Schule als Knecht auf einem nahegelegenen Bauernhof angefangen, was aber seinem Eifer für die Front Nationale keinen Abbruch getan hat. Er war immer der erste, wenn es darum ging, die Kinder von Einwanderern zu drangsalieren, vorausgesetzt sie hatten eine dunkle Hautfarbe.

Ich verdränge den Kerl aus meinen Gedanken und überlege, wie ich Chloé und Inès von dieser dummen Show abbringen kann.

«Sagt mal, habt ihr schon überlegt, was ihr für das Frühlingsfest anzieht?»

Dass sie morgen auf das Fest gehen, steht nicht in Frage, das Fest ist eine Pflichtveranstaltung für das ganze Dorf. Die Frage ist vielmehr, wie man aussieht und wie die anderen aussehen werden.

Chloé springt sofort darauf an. «Ich komme in Tracht. Mama hat einen super schönen Stoff in rot und weiß ausgesucht.”

Chloés Mutter betreibt eine kleine Schneiderei und kann ganz phantastische Kostüme nähen. Darum hat Chloé auch nie Mangel an traditioneller Bekleidung der Gegend. Das sieht an ihr ganz großartig aus, ich mag diesen Stil aber nicht. Ich bin eher für schlichte Farben und weniger verspielte Details. Nicht, dass ich nicht auch gerne mal ein Kleid oder Rock anziehe, aber meine Standardbekleidung ist Jeans und T-Shirt. Chloé jedoch muss ein ganzes Haus von Kleidern, Röcke oder Trachten haben, denn sie erscheint regelmäßig in einem anderen Outfit.

Inès zuckt mit den Schultern. Sie ist recht einfallslos, was ihre Bekleidung angeht, meistens kommt sie auch in Hosen oder Jeans. Trotz ihrer Begeisterung für diese Schönheitsshow legt sie wenig Enthusiasmus an den Tag, sich zurechtzumachen. Dabei hat sie einen sehr feinen Gesichtsschnitt, der gut zu ihrer schlanken Gestalt passt.

«Ich habe mich noch nicht entschieden. Mal schauen, was ich so im Kleiderschrank finde.”

«Sieh zu, dass du ein Kleid oder Rock findest, ich komme auch in einem Rock», meine ich dazu. Ich fühle mich in Jeans zwar wohler, aber bei solchen Festivitäten sollte man korrekt gekleidet sein, um positiv anzukommen.

«Dann sollten wir aber farblich zusammen passen», wirft Chloé ein und schon sind wir in eine Diskussion verwickelt, welche Farbtöne denn Chloés Kostüm hat und was dazu passend wäre.

Wir werden durch ein Gejohle und Gepfeife aus unserer Unterhaltung gerissen.

Als ich hochschaue, sehe ich, dass sich die drei Leute vom Stand der Front National über dem Hauptplatz verteilt haben. Sie blicken einer schwarzen Frau entgegen, die wohl gerade den Platz überqueren wollte.

Was die drei durch ihre gewollte Konfrontation verhindert haben.

Die Frau steht mit aufgerissenen Augen am Rand des Platzes und weiß offensichtlich nicht, was sie machen soll. Ich habe die Frau schon ein paar Mal gesehen. Sie arbeitet für einen der lokalen Bauern als Magd. Der Bauer ist nicht gerade als guter Arbeitgeber bekannt und daher denke ich, dass ihr Lohn erbärmlich und die Arbeit schwer ist.

Sie kommt meines Wissens aus einem Land, in dem Bürgerkrieg herrscht, weswegen sie sich nach Frankreich durchgeschlagen hat. In der Schule sind ein paar Geschichten rumgegangen, was sie so alles erlebt haben soll. Aber französisch spricht sie kaum und englisch schon gar nicht. Vom Alter her würde ich sie als nur ein wenig älter einschätzen als ich es bin, aber sicher bin ich mir nicht. Jetzt sieht sie auf jeden Fall aus, wie ein verängstigtes Kind.

Wut quillt in mir auf. Verdammte Mistkerle, Männer die hilflose Mädchen nach Gutdünken behandeln, sollten selbst mal erleben, wie sich so etwas anfühlt. Ich schmecke Galle auf meiner Zunge. Das soll nicht sein, das darf nicht sein.

Bevor ich noch weiß, was ich eigentlich denken soll, bewegen sich meine Beine. Chloé ruft etwas, aber ich beachte sie nicht. Ich sehe nur diese Frau und die Männer, die ihr entgegenpfeifen. Mit geballten Fäusten gehe ich auf die Frau zu. Diese Typen sollen mich kennenlernen. Dies ist ein freies Land und niemand sollte daran gehindert werden, sich frei zu bewegen, niemand, egal, welche Hautfarbe er hat. Die Frau bemerkt mich erst, als ich schon fast vor ihr stehe und zuckt regelrecht zusammen. Ich ergreife ihre Hände und flüstere, damit mich die Mistkerle nicht hören:

«Komm, du brauchst keine Angst zu haben.»

Ich weiß nicht, ob sie mich verstanden hat, vielleicht ist sie auch nur zu verängstigt, um Widerstand zu leisten, aber als ich sie hinter mit her ziehe, folgt sie mir. Ich gehe direkt auf Mathéo zu, die anderen kenne ich nicht, aber bei Mathéo weiß ich, dass er im Grunde ein Feigling ist. Mathéo hat aufgehört zu pfeifen und schaut mir erstaunt entgegen. Er hat wohl nicht erwartet, dass irgendjemand der Frau zur Hilfe kommt. Ich sehe Unsicherheit in seinen Augen, er kann sich vermutlich daran erinnern, dass ich mich nicht so einfach herumschubsen lasse.

Was mache ich hier eigentlich?

Ein unangenehmes Gefühl steigt in mir auf, so langsam setzt mein Denken wieder ein. Was wenn Mathéo sich besinnt? Er ist allemal stärker als ich, zusätzlich trainiert durch die harte Arbeit auf dem Bauernhof. Er hat eine bullige Gestalt, man kann sehen, wieviel Kraft er hat. Es ist diese Art von roher Kraft, die mich von Beginn an abgestoßen hat. Wenn er uns einfach angreifen würde, hätte ich keine Chance.

Ich wäre kein echter Schutz für die Frau.

Egal, jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich starre Mathéo in die Augen und versuche Entschlossenheit aus mir heraus zu holen. Als wir uns nähern, bewegt er sich nicht, vermutlich versucht er mit seiner einzigen Gehirnzelle immer noch, zu begreifen, was ich tue. Während ich knapp an ihm vorbeigehe, halte ich mich zwischen ihm und der Afrikanerin. Es scheint zu funktionieren. Mathéo lässt mich passieren. Rasch gehe ich ein paar Schritte, gebe der Frau einen Schubs, so dass sie weiterläuft, und wende mich dann Mathéo zu, um ihn im Auge zu behalten. Er scheint erst jetzt zu verstehen, was ich getan habe. Sein Gesicht verzerrt sich vor Wut.

«Was soll das, du amerikanische Hure?» zischt er mir entgegen.

Als ich höre, dass die Frau sich mit schnellen Schritten entfernt, wird mir leichter ums Herz. Nun kann ich im Notfall die Flucht ergreifen, ich bin mit Sicherheit gelenkiger als dieser Knecht.

«Dies ist ein freies Land, Monsieur Dubois. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, schon vergessen? Und sobald mein Antrag auf Einbürgerung genehmigt ist, bin ich Französin, aber meine Stimme habt ihr dann mit Sicherheit nicht.»

Einen Moment scheint er darüber nachzudenken, ob er jetzt mich herumschubsen soll, aber offensichtlich geht sein Mut doch so weit nicht.

«Das wirst du büßen», knurrt er und wendet sich wieder seinem Stand und seinen Kumpels zu.

Puh, mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich gehe zurück zu Chloé und Inès, die von ihren Plätzen aufgesprungen sind. Chloé sieht mich mit aufgerissenen Augen an.

«Bist du verrückt, dich mit diesen Kerlen anzulegen, nur wegen einer Afrikanerin?»

Wieder sprudelt Hitze in mir hoch. Jetzt auch noch Chloé, diese gedankenlose Pute.

«Was heißt denn, nur wegen einer Afrikanerin? Meinst du etwa, nur weil sie schwarz ist, hätte sie hier nicht die gleichen Rechte?»

Chloé holt schon Luft, um mir eine Retourkutsche zu erteilen, da springt Inès dazwischen.

«Chloé, was Trish gemacht hat, war sehr mutig und richtig. Trish, wir haben doch nur Angst um dich, diese Typen von der FN können ziemlich brutal sein.»

Ich atme tief ein, schaffe es aber gerade noch, mich zu besinnen. Es hat keinen Zweck, meinen Ärger über diese Kerle an Chloé auszulassen. Sie ist ja nicht fremdenfeindlich, nur manchmal ein wenig gedankenlos. Meine Wut lässt so schnell nach, als hätte jemand die Luft aus mir herausgelassen.

«Ist ja ok, ich weiß. Aber diesen Mathéo kenne ich doch von früher. Der ist ein Schisser.»

Chloé schlägt die Augen nieder.

«Entschuldige Trish. Du hast ja Recht. Das war sehr mutig.»

Wir setzen uns wieder, aber irgendwie hat uns die Konfrontation mit der FN die Laune verdorben. Es kommt einfach kein Gespräch mehr zustande, jede von uns hängt ihren Gedanken nach. Was wäre wohl passiert, wenn Mathéo sich nicht hätte ins Bockshorn jagen lassen? Mir kommen verschiedene Zeitungsberichte in den Sinn, die von Prügeleien zwischen der FN und ihren Gegner berichtet haben. Ich werde in meinen Grübeleien durch das Klingeln meines Smartphones unterbrochen. Der Nummer nach ist Großvater dran.

«Hallo Großvater, was gibt’s?»

«Hallo Trish, was machst du aktuell?»

«Ich sitze hier noch mit Chloé und Inès im Café, warum?»

«Wir bekommen Besuch. Ein Weinhändler hat sich angekündigt. Er kommt in etwa einer halben Stunde vorbei. Es wäre schön wenn du dabei sein könntest.»

«Klar, das kann ich noch schaffen. Bis gleich.»

Ich lege auf, stecke mein Smartphone weg und sage zu meinen Freundinnen,

«Ich muss nach Hause, wir bekommen geschäftlichen Besuch. Chloé, bezahlst du für mich?» und halte ihr einen fünf Euro Schein hin.

Chloé nimmt den Schein und meint, «Klar, ich gebe dir das Wechselgeld morgen zurück.»

Ich schnappe mir mein Fahrrad, winke Chloé und Inès zu und mache mich auf den Weg. Aus den Augenwinkeln bemerke ich dabei, wie mir Mathéo finster hinterherstarrt.

2 Eine Begegnung

Als ich zu Hause ankomme, sitzt Großvater bereits im Wohnzimmer, aber unser Besuch ist noch nicht da. Ich gebe Großvater einen Begrüßungskuss.

«Ich ziehe mich nur kurz um und komme gleich.»

Großvater lächelt mich an, nickt und wendet sich wieder seiner Zeitung zu. Schnell laufe ich nach oben, entledige mich meiner Jeans und meines T-Shirts, um mich zu waschen. Nachdem ich mich ein wenig frisch gemacht habe, stelle ich mich vor den Kleiderschrank und überlege, was ich anziehen soll. Nachdenklich betrachte ich mich in dem Spiegel, der in der Tür des Schrankes aufgehängt ist. Eigentlich gefalle ich mir ganz gut. Ich bin nicht so dünn, wie Inès, sondern habe frauliche Kurven und lange Beine. Als ich vor ein paar Jahren aufhörte, wie ein Mädchen auszusehen, war ich heilfroh. Ich will eine Frau sein, kein Mädchen ohne Hüfte.

Na ja, meine Oberweite ist etwas zu groß und ich setze sehr leicht Fettpölsterchen an, wenn ich meiner Naschlust zu oft nachgebe. Aber bisher konnte ich mich immer noch zügeln, so dass ich wegen meiner Beine schlank wirke. Nur mit meinem Gesicht bin ich nicht wirklich zufrieden. Eigentlich habe ich viel von meiner Mutter, die in ihrer Jugend eine Schönheit mit langen, platinblonden Haaren und sportlicher Figur war. Meine Haare sind nicht ganz so hell, und leicht lockig, das gefällt mir besser, als das, was ich auf dem Foto meiner Mutter gesehen habe. Aber ich fürchte, ich habe auch die großporige Haut geerbt, die sie später aufgedunsen hat aussehen lassen, als sie nicht mehr auf ihr Äußeres geachtet hat.

Was soll ich also anziehen bei dem Besuch eines unbekannten Weinhändlers? Bestimmt ist er alt, dick und hat eine rote Nase, dann kann ich in jedem Outfit glänzen. Aber wenn nicht? Nun, zu lässig sollte ich mich nicht anziehen, schließlich ist das etwas Geschäftliches. Ich war noch nicht oft in so einer Situation, also besitze ich keinen Business Anzug. Aber ein Kostüm oder Kleid ist mir jetzt zu dumm.

Ich überlege noch, als ich unten die Klingel höre, offensichtlich ist unser Besuch eingetroffen. Jetzt muss ich mich aber beeilen. Nach kurzem Zögern entscheide ich mich für eine Hose mit passender Bluse. Ob ich etwas Make-up oder Lippenstift auftragen soll? Nein, lieber nicht, wenn ich anfange, jetzt an mir herum zu malen, ist der Besuch weg, bevor ich fertig bin. Also muss eine Gesichtscreme reichen.

Sobald ich fertig bin, eile ich die Treppe hinunter und wende mich dem Wohnzimmer zu, aus dem Stimmen zu hören sind. Nachdem ich den Raum betreten habe, schaue ich neugierig nach unserem Besuch. In einem der Sessel, meinem Großvater gegenüber, sitzt ein schlanker Mann, der sich nach mir umsieht. Unsere Blicke treffen sich.

Heilige Mutter Gottes, der Adonis!

Ein Kribbeln rieselt meine Wirbelsäule entlang, mein Atem stockt, meine Brust wird eng, meine Augen fühlen sich so an, als würden sie jeden Moment aus dem Kopf fallen. Mein Gott, sieht der toll aus. Es ist der Mann, den ich gestern nach der Schule beobachtet habe. Seine Augen leuchten in einem intensiven grün, seine Gesichtszüge sind ebenmäßig, wie bei einer antiken, griechischen Statue. Die kleine Nase war mir ja schon gestern aufgefallen. Aber der Mund sieht so sinnlich aus, dass ich am liebsten gleich hingegangen wäre, um mit meinen eigenen Lippen auszuprobieren, ob er sich auch so anfühlt.

Mit einer fließenden Bewegung, die das Raubtierhafte seines Typs noch verstärkt, steht der Mann auf. Unwillkürlich lasse ich meinen Blick über seine Brust und seinen Bauch weiter nach unten gleiten. Er ist jetzt etwas formaler gekleidet als gestern, eine elegante Stoffhose mit einem roten Hemd, aber keine Krawatte. Beinahe verliere ich mich in der Betrachtung seines knackigen Hinterns, gerade noch rechtzeitig reiße ich mich zusammen und konzentriere mich wieder auf sein Gesicht. Aber so richtig hilft das auch nicht, diese männliche Ausstrahlung lässt mich schwindelig werden. Eben konnte ich kaum atmen, jetzt geht mein Atem schneller und mein Herz rast geradezu.

Ich stehe da wie gelähmt. Jetzt müsste ich etwas sagen, irgendetwas, eine Begrüßung, ja ich müsste ihn begrüßen. Oh Gott, starre ich ihn etwa an? Ich glaube, ich starre ihn mit einem so bewundernden Blick an, dass der mich für völlig meschugge halten muss. Mein Mund öffnet sich, aber ich bekomme keinen Ton heraus. Mit meiner Zunge lecke ich über meine Lippen. Moment. Habe ich mir etwa gerade die Lippen geleckt, als würde ich diesen Mann als Dessert vernaschen wollen? Oh verdammt. Was ist denn bloß los mit mir?

Großvater rettet mich, indem er ebenfalls aufsteht.

«Darf ich vorstellen, Monsieur Polignac, meine Enkelin Trish. Trish, das ist Pierre Polignac. Er ist als Weinhändler kürzlich nach Lorgues gezogen.»

Adonis kommt geschmeidig auf mich zu, nimmt meine erstarrte Hand und führt sie zu seinen Lippen.

«Ich bin außerordentlich erfreut, ihre Bekanntschaft zu machen, Mademoiselle Strong.»

Seine Lippen sind angenehm kühl, wobei dieser altertümliche Handkuss einen Blitz durch meinen Körper jagt. Seine Stimme ist sanft und beruhigend und hat einen sehr angenehmen Klang, irgendwie männlich, aber nicht aggressiv, sondern selbstbewusst. So als wüsste er ganz genau, was er will. Gebannt starre ich auf seine Hand, die die meine immer noch hält. Ob ich einmal über diese glatte, hellè Haut streicheln soll, die aussieht, als wäre sie aus Marmor, aus lebendigem, weißem Marmor?

Mist, jetzt fange ich schon wieder an, mich in irgendwelchen höchst peinlichen Phantasien zu verlieren. Ich muss mich zusammenreißen, aber schnell. Wenn Großvater etwas merkt, werde ich für die nächsten Jahre mit roten Ohren durch die Gegend laufen. Und Adonis wird denken, dass ich völlig abgedreht bin. Was soll ich nur machen? Seufzend in Ohnmacht zu fallen, wäre eine naheliegende Option, wenn wir ein anderes Jahrhundert hätten. Leider befinden wir uns im 21. Jahrhundert und da gilt es, cool zu bleiben.

Aber wie macht man das?

«Die Freude ist ganz meinerseits, Monsieur Polignac», sagt irgendeine beherrschte Stimme.

Gott sei Dank, jemand hat mich gerettet. Aber wer? Die Stimme klang genauso wie meine. Irgendwie muss ich es geschafft haben, etwas Vernünftiges zu sagen. Aber dieser ruhige Tonfall ist eine glatte Lüge, in meinem Inneren herrscht Chaos, absolutes Chaos. Es ist als würde ein Sturm der Gefühle durch mich hindurch toben. Mein Herzschlag rast, in meinem Magen hat sich ein Knoten festgesetzt und ich spüre eine Erregung, wie ich sie noch nie gespürt habe. Selbst bei den heißesten Liebesromanen nicht. Langsam habe ich das sichere Gefühl, als würde mich dieser Mann ziemlich beeindrucken.

Adonis führt mich zu dem Sessel neben seinem und wir setzen uns. Gerade rechtzeitig, denn ich glaube, meine Knie hätten nicht mehr lang gehalten. Ich war kurz davor zusammenzubrechen. Mensch, du bist doch keine fünfzehn mehr, Trish. Du wirst doch nicht gleich zusammenbrechen, nur weil du neben einem schönen Mann sitzt. Ruhig Trish, ruhig Trish, ruhig Trish. Erst nachdem ich mir das ein paar Mal im stärksten Befehlston gesagt habe, fängt mein Herzschlag an, sich zu beruhigen. Ich muss unbedingt fähig werde, wieder wie ein Mensch zu agieren und nicht wie eine hysterische Ziege.

«Wir unterhielten uns eben über die Gründe, warum Monsieur Polignac sich in Lorgues einen neuen Standort aufbaut, Trish», sagt mein Großvater, «möchtest du ein Glas Wein?»

«Ja, gerne Großvater», vielleicht schaffe ich es dann, mich etwas zu entspannen.

Monsieur Polignac nimmt den Faden der Unterhaltung elegant auf, während Großvater mir von unserem prämierten Qualitätswein einschenkt.

«Ich habe gerade erzählt, dass ich einige neue Ideen im Weinhandel umsetzen möchte und dazu gerne die Unterstützung der Erzeuger hoher Weinqualität gewinnen möchte. Diese Gegend in der Provence erscheint mir geradezu ideal, um dies zu versuchen.»

Langsam gewinne ich meine Stimme und Beherrschung wieder. Irgendwo in meinem Hinterkopf verspüre ich zwar immer noch den Wunsch, diese wunderbare Haut zu streicheln, aber ich ignoriere mich einfach. Die Trish da hinten kann gar nicht ich sein. Ich weiß, was sich gehört und einen wildfremden Mann zu streicheln gehört sich nicht. Definitiv nicht.

«Ich hörte, sie haben das Chateau de Marronniers gekauft», sage ich.

Ich will mehr über diesen beeindruckenden Mann erfahren, eigentlich will ich alles erfahren. Wie alt er ist, ob er eine Freundin hat, ob er mich nett findet, ob – nein, daran sollte ich jetzt nicht denken. Adonis lächelt mich an, ein Lächeln, das mein Herz schon wieder zum rasen bringt. Himmel, ruhig bleiben, Trish.

«Sie sind gut informiert, Mademoiselle Strong. In der Tat habe ich dieses Anwesen erworben und möchte es zu meiner Zentrale ausbauen.»

Großvater reicht mir mein Glas und ich benutze die Gelegenheit, um mich von meinen höchst unangebrachten Ideen abzubringen. Das ist ein geschäftliches Treffen. Außerdem sitzt Großvater neben mir, was soll er denn von mir denken? Ich nehme das Glas entgegen, proste Adonis zu und nehme einen Schluck. Der Geschmack des Weines füllt meinen Mund, mit voller Absicht konzentriere ich mich auf das Bouquet. Die Normalität dieser Sinneseindrücke beruhigt mich. Adonis macht es mir nach und trinkt ebenfalls einen Schluck. Ich muss unbedingt anfangen, von ihm als Monsieur Polignac zu denken, sonst verplappere ich mich noch. Das wäre eine Katastrophe.

Wo waren wir? Ach ja, das Chateau, das er gekauft hat.

«Das muss ja eine Stange Geld gekostet haben.»

Monsieur Polignac lacht.

«Ja, ich hatte ein paar kleine Rücklagen, die ich dafür verwenden konnte.»

Kleine Rücklagen, soso. Das Anwesen ist sicherlich mehrere Millionen Euro wert.

«Polignac ist alter französischer Adel, nicht wahr?»

«Alter verarmter Adel, wie ich betonen möchte. Aber woher wissen sie das? Die meisten Franzosen sind sich dessen nicht mehr bewusst.»

«Unser Geschichtslehrer hat ziemlich auf den typischen Adelsnamen herumgeritten, als wir die Revolution durchgenommen haben.»

«Sehr gut. Einer meiner Vorfahren stammt sogar aus der Gegend hier, aber die meisten Aufzeichnungen sind im Verlauf der Jahre verloren gegangen. Doch wie kommen Amerikaner wie sie dazu, hier in der Provence Wein anzubauen?»

Ich bedeute Großvater, diesen Part zu übernehmen. Nicht dass ich die Geschichte nicht auch erzählen könnte, aber ich fühle mich besser, Monsieur Polignac im Stillen zu bewundern. Ich muss nur aufpassen, nicht wieder in absurde Träumereien zu verfallen. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass mich ein Mann dermaßen aus der Bahn werfen könnte.

«Wir haben dieses Weingut vor ein paar Jahren geerbt», erzählt Großvater, «wir wussten gar nicht, dass wir hier Verwandte hatten. Aber dann kam die plötzliche Nachricht, dass der Vorbesitzer verstorben und wir die nächsten Verwandten sind. Ich war eigentlich in der Bankbranche tätig, habe die Gelegenheit dann aber genutzt, um zusammen mit meiner Frau und Trish hier ein neues Leben aufzubauen.»

Monsieur Polignac hebt sein Glas.

«Und sehr erfolgreich, wie ich denke. Es ist gut, wenn diese alteingesessenen Regionen immer mal wieder jemanden abbekommen, der neuen Schwung in den Weinanbau bringt.»

Großvater hebt die Hände.

«Sie schmeicheln mir, Monsieur Polignac. Wir stehen noch ziemlich am Anfang.»

«Ein guter Anfang.»

«Aber sie sind wohl auch einer von denen, die neuen Schwung in die Gegend hinein bringen wollen. Ich vermute, dass das etwas mit ihrem Besuch zu tun hat.»

Wieder lächelt Monsieur Polignac, Junge hat der Charme. Ob Großvater das auch merkt?

«Das ist tatsächlich so. Ich möchte allen Weinbauern der Gegend einen Handelsvertrag anbieten, der ihnen fünf Prozent mehr Einkünfte garantiert, als sie über ihre bisherigen Händler erzielen können.»

Großvater zieht die Augenbrauen in die Höhe. Auch ich merke auf, wie will er das denn erreichen?

«Sie wissen doch sicher, dass der Markt mit Wein ziemlich gesättigt ist. Inzwischen tummeln sich ja auch die Amerikaner, Südafrikaner und Australier mit großen Mengen in Europa, was die Margen auch gerade der französischen Produktion ziemlich unter Druck gesetzt hat. Wie wollen sie diese Garantie erfüllen?»

«Indem ich die Kundenbasis vergrößere und Direktmarketing mache. Statt über die normalen Vertriebswege mit bis zu fünf Zwischenhändlern, möchte ich über das Internet gehen. Dadurch kann man dann auch Kunden außerhalb Europas erreichen.»

Wieder zieht Großvater die Augenbrauen hoch und blickt zu mir. Er ist diesem Medium gegenüber recht skeptisch eingestellt, obwohl er sich aus seiner Bankerzeit ganz gut damit auskennt. Ich bin da eigentlich aufgeschlossen, aber diese Idee des Monsieur Polignac halte ich für etwas zu wenig durchdacht.

«Die Leute bevorzugen aber die klassischen Vertriebswege», schalte ich mich ein, «normalerweise möchte man eine Flasche Wein in der Hand halten, seine Farbe und das Etikett kontrollieren, bevor man sich für einen Kauf entscheidet.»

«Durchaus richtig, Mademoiselle Strong. Aber ich denke, dass das geändert werden kann, wenn man über ein Internetportal besondere Vorteile anbietet. Meine Ideen reichen von dem kostenlosen Versand von Probefläschchen über eine großzügige Rückgabe-Regelung ungeöffneter Flaschen, bis hin zu einem Bewertungsforum, in dem Weine beurteilt werden können. Der entscheidende Punkt ist es, sich einen guten Ruf zu erarbeiten.»

Er erzählt in einer Art und Weise von seiner Idee, dass ich merke, dass er vollkommen überzeugt davon ist, dass es klappen wird. Seine grünen Augen leuchten regelrecht und er unterstreicht seine Ausführungen mit knappen Handbewegungen. Dabei strahlt er einen Optimismus aus, der mich beeindruckt. Na ja, noch mehr beeindruckt. Mir läuft schon wieder ein Schauder über den Rücken, weil Monsieur Polignac so charmant lächelt. Ich brauche einen Moment, um mich von diesen grünen Augen loszureißen.

«Und in welcher Zeit hoffen sie, diesen guten Ruf zu erreichen?»

«Nun, ein paar Jahre wird es schon dauern. Aber ich möchte die Risiken nicht auf meine Lieferanten abwälzen. Sie erhalten garantierte Abnahmen zu garantiertem Preis, ich kümmere mich um den Rest.»

Mit der Schulter zuckend schaue ich zu Großvater. Unter solchen Bedingungen kann es uns sogar egal sein, wenn er all den Wein selbst trinkt, solange ihm das Geld nicht ausgeht. Großvater übernimmt die Unterhaltung wieder und fragt nach Details der Geschäftsidee. Das gibt mir Gelegenheit, die Art und Weise zu bewundern, wie Monsieur Polignac die Unterhaltung führt. Sein Gesichtsausdruck ist freundlich, seine Mimik lebhaft. Ich muss schon wieder ein Seufzen unterdrücken.

Irgendwie kenne ich mich selber nicht mehr. Klar habe ich mal für den einen oder anderen Popstar geschwärmt, aber eigentlich dachte ich, ich wäre aus dem Alter raus. Das hier ist ein realer Mann, jemand, mit dem man persönlich reden kann. Vielleicht ist er ja gar nicht so nett, wie er aussieht.

Ich versuche, mir Monsieur Polignac als reißendes Tier vorzustellen, das Furcht verbreitet, Frauen zum Kreischen bringt und in der Presse mit riesigen Lettern als Gefahr dargestellt wird. Beinahe muss ich kichern. Hastig unterdrücke ich diesen Drang. So etwas geht ja gar nicht, Trish die knallharte Geschäftsfrau kichert wie eine Zwölfjährige. Aber sich Monsieur Polignac als Tier vorzustellen, ist gar nicht so schwer. Wenn ich ihn mir so ansehe, dann kommt mir ein Bild in den Sinn, eine sanfte Katze. Ein schnurrender Kater, der sich an einen schmiegt, einem die Beine streichelt, der ein seidiges Fell hat und den man streicheln und an seinen Körper pressen … Trish!!

Verdammt, Monsieur Polignac schaut mich so durchdringend an. Ich hoffe sehnlichst, er kann keine Gedanken lesen.

Großvaters Fragen scheint er jedenfalls alle beantwortet zu haben, auch wenn ich das nicht mitbekommen habe, weil ich irgendwie, na ja, irgendwie mit etwas anderem beschäftigt war. Ich darf mich wirklich nicht so ablenken lassen. Monsieur Polignac schaut wieder auf Großvater und zieht ein Papier aus seiner Tasche, das verdächtig nach einem Vertrag aussieht.

«Ich habe hier einen Vertrag vorbereitet, den ich gerne ab Herbst in Kraft treten lassen würde, wenn die neue Produktion auf den Markt kommt. Ich würde mich freuen, wenn wir miteinander ins Geschäft kommen würden.»

Großvater wirft einen kurzen Blick darauf und schiebt mir das Papier zu. Sein Französisch ist ja ganz ok, aber für die Feinheiten eines Vertrages reicht das nicht unbedingt aus. Daher habe ich solche Dinge übernommen, aber wir sind klug genug, bei wichtigen Verträgen sowieso unseren Hausjuristen mit einzubeziehen.

Während Großvater erklärt, dass ein Großteil unserer Produktion des kommenden Jahres bereits vertraglich gebunden ist, schaue ich kurz über die Paragraphen. Sieht mehr oder weniger so aus, wie andere Verträge dieser Art. Es gibt nur einen besonderen Absatz mit den Abnahmegarantien, den ich versuche, etwas besser zu verstehen. Ich kann keine nachteiligen Formulierungen entdecken. Aber nur weil ich den Kerl heiß finde, heißt das noch lange nicht, dass ich einen Vertrag von ihm unterzeichnen möchte. Schließlich bin ich eine knallharte Geschäftsfrau und so. Also schiebe ich den Vertrag zurück zu Großvater

«Sieht in Ordnung aus, aber wir müssen das natürlich prüfen lassen.»

Monsieur Polignac lächelt mir wieder zu.

«Selbstverständlich, ich lasse ihnen gerne alle Zeit, die sie brauchen. Bitte sagen sie mir Bescheid, wenn sie an einem Geschäft interessiert sind.»

Das ist wohl das Zeichen, dass der Besuch beendet ist. Großvater steht auf und bedankt sich bei Monsieur Polignac. Die beiden tauschen noch ein paar Höflichkeiten aus, danach begleite ich diesen beeindruckenden Mann zur Tür. Ich habe mich etwas gefangen, immerhin schaffe ich den Weg, ohne in Ohnmacht zu fallen. Ein gewaltiger Fortschritt, wie ich finde. Bevor er geht, nimmt er nochmals meine Hand und küsst sie geradezu sanft. Plötzlich ist mir schwindelig, die Option mit der Ohnmacht liegt wieder im Bereich des Möglichen.

«Es war wirklich eine Freude, sie getroffen zu haben, Mademoiselle Strong. Ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen.»

Mann oh Mann, dieser elektrische Schlag, der durch meinen Körper geht, bringt bestimmt meine Haare zum Leuchten. Schon wieder nach Luft ringend, starre ich starre in seine grünen Augen und weiß nicht, was ich sagen soll. Mein Blick gleitet zu seinen Lippen, der unbändige Drang, sie zu küssen, überfällt mich. Ich habe mich schon beinahe in Bewegung gesetzt, als ich mich gerade noch abfangen kann. Schnell schlage ich meine Augen nieder, hoffentlich hat er nichts gemerkt.

«Vielleicht wollen sie ja zum Frühlingsfest morgen kommen. Das ist hier im Dorf eine große Tradition.»

Krächze ich? Oh, Gott, bestimmt habe ich gekrächzt. Da begegnet man mal einem richtigen Mann und was macht die dumme Trish? Sie krächzt.

«Wenn sie dort sein werden, wird nichts in der Welt mich davon abhalten können, zu kommen», sagt Monsieur Polignac, wendet sich um und geht geschmeidig zu seinem Auto.

Ich nehme mir ein paar Minuten, um mich zu sammeln und diesem Mann hinterher zu schauen. Na, das kann ja heiter werden. Wenn ich mich auf dem Fest auch so zum Affen mache, sobald ich unseren Monsieur dort sehe, werde ich die nächsten Jahrzehnte von Chloé und Inès verspottet werden. Mein Gott, was ist bloß los mit mir? Aber eines ist ganz sicher, ich will diesen Mann wiedersehen. Ich möchte herausbekommen, warum er mich so dermaßen aus der Fassung bringt.

Langsam gehe ich zurück ins Wohnzimmer, wo Großvater nachdenklich an seinem Wein nippt. Die Präsenz von Monsieur Polignac hängt immer noch in der Luft.

«Ich kenne solche Menschen von früher, Trish. Sie sind jung, dynamisch, haben immer ein Lächeln auf den Lippen, sind freundlich und hilfsbereit. Aber wenn du das Gefühl hast, du könntest ihnen bedingungslos vertrauen, dann sollten alle Alarmglocken klingeln. Dann ist etwas faul. Die Frage ist also, was ist faul an diesem Monsieur Polignac?»

Großvater hat ja manchmal eine so optimistische Art.

«Wenn ich es herausfinde, dann sage ich es dir, Großvater», meine ich, schenke mir noch etwas Wein ein und proste Großvater zu.

Ich stehe vor einem Mann, der mir vage bekannt vorkommt, kenne ich ihn? Aber irgendwie ist das egal, dieser Mann sieht einfach nur toll aus. Er sieht mich an, in seinem Blick liegt etwas, ich bin mir nicht sicher, was es ist. Er hat eine Präsenz, die mir den Atem verschlägt. Ich sehe volle Lippen und als ich sie mit meinen eigenen Lippen berühre, sind sie genauso weich, wie ich mir das vorgestellt habe. Der Kuss wird immer inniger und heißer. Feuer fließt durch meinen Körper. Ich liege in den Armen des Mannes, er hat nichts an, aber eine weiße, ebenmäßige Haut, die mich berührt und sich wunderbar anfühlt. Er umfängt mich, streichelt mich. Plötzlich wird mir klar, dass ich nackt bin. Die Hände des Mannes streicheln meinen Rücken entlang. Etwas durchströmt mich, das mich verkrampfen lässt. Mein Atem stockt als sich die Hände auf meine Brüste legen, voll Verlangen biege ich meinen Rücken durch.

In diesem Augenblick wache ich auf. Verwirrt schaue ich mich nach dem Mann um, aber das Bild von Monsieur Polignac verschwindet schnell. Mein Bett ist so zerwühlt, als hätte ich die Bewegungen in meinem Traum sehr real durchgeführt. Seufzend sinke ich zurück und versuche, das Bild festzuhalten. Aber vergeblich, ich bin wach geworden, bevor es richtig interessant werden konnte. Davon will ich Chloé und Inès aber lieber nichts erzählen, schließlich sind das meine Träume und da kann ich machen, was ich will.

Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass der Tag schon angebrochen ist. Es ist Wochenende und zudem auch noch der Tag vor dem Frühlingsfest. Das Frühlingsfest ist eigentlich noch schöner als das Weinfest ein paar Monate später, denn auf dem Weinfest sind wir als Produzenten gezwungen, einen Stand aufzubauen und unseren Wein anzubieten. Das ist für die anderen eine angenehme Abwechslung, aber für uns ist es eigentlich hauptsächlich Arbeit.

Natürlich ist das Frühlingsfest auch nicht ganz ohne Bezug zu unserem Weingut, es ist praktisch Pflicht, sich dort sehen zu lassen und sich mit den anderen Leuten aus der Gegend auszutauschen, seien es nun Bauern oder Weinhändler oder eben Winzer. Aber dieser offizielle Teil geht nur bis etwa zehn Uhr abends und danach ist Spiel und Tanz angesagt, was natürlich nichts für die Honoratioren ist. Dann treffen sich die jungen Leute und ich liebe diesen Teil.

Vor drei Jahren habe ich einen Tanzkurs besucht, wo ich meine Begeisterung entdeckt habe, mich zu Musik zu bewegen. Wenn da bloß nicht die Jungs wären. Mein Tanzpartner auf dem Abschlussball war so schrecklich ungeschickt, dass ich ihm danach die kalte Schulter gezeigt habe. Seitdem bin ich auf der Suche nach jemanden, der sich halbwegs gut bewegen kann, ich bin aber noch nicht fündig geworden. Nun, vielleicht ergibt sich ja dieses Jahr etwas, aber viel Hoffnung habe ich nicht. Die guten Tänzer, die ich kenne, sind mittlerweile in festen Händen.

Doch am Vormittag steht erst einmal Morelle auf dem Programm. Ich komme so selten dazu auszureiten, dass ich mich richtig auf die paar Gelegenheiten freue. Deshalb stehe ich schnell auf und gehe ins Bad, um danach zu schauen, ob Catherine das Frühstück schon fertig hat. Ich bin recht früh dran, also helfe ich ihr einfach, alles zurecht zu machen und den Tisch zu decken, bevor Großvater herunterkommt. Nach dem Frühstück plaudere ich noch ein wenig mit ihm, räume dann mein Zimmer auf und mache mich anschließend auf den Weg zu unseren Nachbarn.

Zuerst mache ich die Box von Morelle sauber, miste aus und striegle sie. Morelle ist ein sehr ruhiges Tier mit viel Geduld, aber man merkt ihr an, dass sie die Zuwendung von mir sichtlich genießt. Wie es nicht anders sein kann, ist sie auch eine Naschkatze. Sie weiß genau, dass ich immer eine Leckerei für sie dabei habe und auch diesmal enttäusche ich sie nicht. Während ich mich um sie kümmere kommt die Nachbarin in den Stall und wir geraten ins Plaudern. Sie betreibt nicht nur die Pferdezucht und bietet Stellplätze für Pferde an, sondern ist auch noch als Pferdepädagogin ausgebildet und betreut ein paar behinderte Kinder, die durch den Umgang mit den Tieren in ihrer Entwicklung unterstützt werden sollen. Auf diese Weise ist sie ununterbrochen beschäftigt, was aber ganz gut zu ihrem rastlosen Naturell passt.

Weil eine Unterhaltung mit unserer Nachbarin immer sehr spannend ist, ist es etwas später als ich geplant hatte, bis ich dazu komme, Morelle zu satteln und ein wenig auszureiten. Es gab mal eine Zeit, in der ich überlegt hatte, ob ich Reiten als Sport betreiben soll, aber das habe ich schnell aufgegeben. Dressur ist mir zu langweilig und für Rennen oder Springreiten ist mir Morelle zu schade. Um ein Pferd für so etwas auszubilden, fehlt mir das Temperament und meine Statur ist auch nicht geeignet.

Also ist reiten nur zu einem geliebten Hobby geworden.

Als ich endlich im Sattel sitze, lasse ich Morelle zuerst ein wenig den Weg entlangtraben, der sich am Fuße der Weinberge zwischen den Lavendelfeldern und durch einige Waldstücke hindurchschlängelt. Auf den offenen Abschnitten atme ich den Duft der Felder tief ein. Das Wetter lässt bereits die Hitze des kommenden Sommers erahnen, aber noch ist es angenehm warm, ideal für einen Ausritt und auch ideal für unser Frühlingsfest am Abend.

Ich verfalle in eine meditative Stimmung und achte fast gar nicht mehr auf den Weg. Ich bin mit Morelle schon oft hier entlang geritten, vermutlich kennt sie die Strecke fast von allein. Daher lasse ich meine Gedanken schweifen, der Druck der Schule aus der letzten Woche fällt von mir ab, fast kommt es mir so vor, als würde ich durch die Landschaft schweben. In wenigen Wochen beginnen die Prüfungen und vorher muss ich noch meinen neunzehnten Geburtstag organisieren, also werde ich vermutlich schön viel Stress haben. Aber im Moment ist mir das egal.

Immer wieder kehren meine Gedanken zu diesem Monsieur Polignac zurück, der mich so stark beeindruckt. Ob ich mir wohl Hoffnungen machen soll? Aber was denke ich mir da nur? Ich habe gestern nicht nach seinem Alter gefragt, aber er ist bestimmt schon weit über zwanzig und wird an einem Teenager, wie ich es bin, keinerlei Interesse haben. Aber schön wäre es schon. Er ist ein richtiger Mann, das merke ich genau. Nicht so schüchtern und ungeschickt, wie so viele Jungs in meinem Alter. Er strahlt Selbstbewusstsein und Begeisterung aus und vermutlich hat er auf dem Gebiet der Liebe auch schon jede Menge Erfahrungen. Also ist er genau das, wovon ich immer geträumt habe.

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, als der Weg in den Wald hineinführt. Hier muss ich Morelle zügeln, denn wenn ich so verträumt durch die Gegend trabe, kann das schnell mit einer kräftigen Beule enden. Dazu braucht nur ein Ast etwas zu tief über den sandigen Weg ragen, der für die Reiter vorgesehen ist. Nicht auszudenken, was dann Chloé und Inès heute Abend sagen würden.

Der Weg schlängelt sich zwischen den dichten Bäumen hindurch, verengt sich so stark, dass ich mit den Schultern fast die Zweige berühre, bevor er sich auf eine kleine Lichtung öffnet. Ich bin gerade dabei, auf diese Lichtung zu reiten, als von rechts eine Gestalt aus dem Dickicht springt und mir den Weg versperrt. Morelle ist genauso erschrocken, wie ich, und scheut vor der Gestalt zurück. Sie geht hoch, ich muss mich entschlossen nach vorne werfen, um nicht abgeworfen zu werden. Rasch nehme ich die Zügel ganz straff und zwinge Morelle in einen engen Kreis, wodurch ich verhindere, dass sie in Panik davonstürmt.

Ich muss ein paar Sekunden mit meinem Pferd kämpfen, bevor ich die Kontrolle wiedergewinne. Erst dann komme ich dazu, die Gestalt anzuschauen, die sich mitten auf dem Weg breitbeinig hingestellt hat. Wut quillt in mir hoch, als ich die gedrungene Gestalt von Mathéo Dubois erkenne.

«Monsieur Dubois. Sind sie lebensmüde? Wenn Morelle durchgegangen wäre, hätte ich sie glatt über den Haufen geritten.»

Mathéo grinst unbekümmert.

«Es ist ja wirklich nett, dass du so um meine Gesundheit besorgt bist, Trish. Aber ich kann schon auf mich selber aufpassen.»

Morelle schnaubt zwar noch ein wenig, scheint sich aber beruhigt zu haben. Immer noch wütend funkele ich diesen blöden Mathéo an. Ihm zu verbieten, mich zu duzen, würde vermutlich nichts bringen, aber ich weigere mich, mit diesem ekelhaften Typ vertraulich umzugehen.

«Ihre Gesundheit ist wirklich das Letzte, was mir Sorgen macht. Würden sie mir jetzt bitte aus dem Weg gehen. Sie stehen auf einem für Pferde vorgesehenen Weg.»

«Ich kann stehen, wo ich will. Versuche doch, an mir vorbeizukommen.»

Irritiert blicke ich den Kerl an, ich bin mir nicht sicher, was er will. Sein Tonfall ist irgendwie aggressiv, ob er mir irgendwie zu nahe kommen möchte? Seine Gegenwart macht mich unsicher, am liebsten würde ich wenden und wegreiten. Aber so einfach schlägt mich dieser Feigling nicht in die Flucht.

«Morelle ist sowieso schon nervös wegen ihnen. Ich würde es nicht verantworten können, wenn sie einen Tritt mit dem Huf abbekommen würden.»

Mathéo lächelt höhnisch.

«Du hast mich gestern vor meinen Kumpels lächerlich gemacht. Das werde ich dir heimzahlen.»

Jetzt läuft mir doch ein kalter Schauder meinen Rücken hinunter. Die Sache mit der Afrikanerin hatte ich schon fast wieder verdrängt. Vorsichtig packe ich die Zügel von Morelle fester, ich will bereit sein, wenn Mathéo irgendetwas vorhat.

«Du hast dich selbst lächerlich gemacht. Ihr habt ein Mädchen bedrängt, das nun wahrlich genug durchgemacht hat. Sie hat euch doch nichts getan.»

«Sie ist schwarz, das reicht.»

«Ziemlich erbärmlich, jemanden anzugreifen, nur weil er eine andere Hautfarbe hat.»

Das scheint Mathéo nicht zu gefallen. Sein Gesicht verzieht sich zu einer Grimasse und er macht einen Schritt auf mich zu. Ich will Morelle gerade wenden, da geht sie hoch und tänzelt ein paar Schritte zurück. Mit aller Mühe bleibe ich im Sattel, verzweifelt an meiner Balance festhaltend. Jeden Augenblick kann mich Mathéo anfallen. Wie hat er es nur geschafft, Morelle so aufzuregen. Kaum steht sie wieder auf den Beinen, blicke ich mich hastig um. Wo ist Mathéo?

Doch offensichtlich hat der Feigling Respekt vor den Hufen meines Pferdes. Er ist ein paar Schritte zurückgewichen, eine Mischung aus Ärger und Angst ist in seinem Gesicht zu erkennen. Ich will ihn gerade wieder auffordern, endlich zu verschwinden, da fällt mir auf, dass eine zweite Gestalt die Lichtung betreten hat.

«Alles in Ordnung, Mademoiselle Strong?»

Diese Stimme treibt mir wieder ein Schaudern über den Rücken, diesmal aber einen wohligen, einen ziemlich wohligen sogar. Sanft ist die Stimme, mit einer stahlharten, männlichen Härte, beruhigend, aber gleichzeitig Respekt erheischend. Man könnte vor dieser Stimme Angst haben, aber ich habe keine Angst davor. Im Gegenteil, ich finde sie unglaublich sexy, die Stimme von Monsieur Polignac.

Bevor ich irgendetwas sagen kann, ist Mathéo herumgefahren. Seine Fäuste ballen sich, einen Augenblick glaube ich, dass er sich auf den Mann stürzen will, der so plötzlich hinter ihm aufgetaucht ist. Doch dann stößt er lediglich einen zischenden Laut aus und ehe ich mich rühren kann, rennt er wie verrückt zurück in das Dickicht. Verblüfft schaue ich hinter dem Blödmann her. Was war das denn? Was hat er bloß in Monsieur Polignac gesehen, dass er so plötzlich Speedy Gonzales spielt?

Morelle tänzelt schon wieder zurück, so dass ich keine Zeit habe, meinen Schwarm zu bewundern. Ich bin zu sehr damit beschäftigt, mein Pferd zu beruhigen. Was hat sie nur?

«Ruhig Morelle, ruhig. Bitte kommen sie nicht näher, Monsieur Polignac, Morelle hat anscheinend Angst vor ihnen.»

Tatsächlich rührt er sich nicht vom Fleck.

«Keine Angst, ich bleibe ganz ruhig stehen. Pferde mögen mich leider nicht, es muss wohl etwas mit meinem Geruch zu tun haben.»

Schließlich schaffe ich es, Morelle wieder in den Griff zu bekommen. Sie schnaubt zwar noch vor sich hin und beäugt die Gestalt am anderen Ende der Lichtung misstrauisch, aber zumindest scheint sie nicht mehr gewillt zu sein, die Flucht zu ergreifen. Erleichtert wende ich mich zu ihm, wobei mir wieder ein Stich durch den Körper fährt. Mann, es müsste verboten werden, so gut auszusehen. Wieso hat der eigentlich nicht eine ganze Traube wahnsinnig kreischender Mädchen an den Fersen? Nicht, dass ich das gut finden würde, aber verstehen würde ich das nur zu gut.

«Ja, das kenne ich. Meiner Tante geht es genauso, dabei reitet mein Cousin für sein Leben gern.»

Um sicher zu gehen, steige ich ab und packe Morelle fest an den Zügeln. Wenn sie Angst vor ihm hat, dann sollte ich besser vorsichtig sein, sonst geht sie doch noch durch. Dann wende ich mich wieder diesem Mann zu, der einige sehr merkwürdige Ideen in meinen Kopf zaubert, von denen Küssen noch die harmloseste ist.

Monsieur Polignac beobachtet mich genau, so als wüsste er, was in mir vorgeht. Hoffentlich werde ich nicht rot, ich darf nicht rot werden, auf keinen Fall.

«Wer war denn dieser komische Bursche da eben?»

«Ach, das war Mathéo Dubois, ein Widerling, der Anhänger der FN ist.»

«FN? Ist das diese rechtspopulistische Partei?»

Jetzt bin ich erstaunt. Die FN ist eigentlich beständiges Thema in der Gegend und es gibt hitzige Diskussionen zwischen den zahlreichen Befürwortern und den Gegnern.

«Ja, die sind doch ständig präsent in den Medien. In Lorgues haben sie häufig einen Stand und bei den letzten Wahlen sind sie hier auf fast 20 Prozent gekommen.»

«Na ja, ich interessiere mich nicht sehr für diese Politik. Was wollte er denn?»

Diese Politik? Ein merkwürdiger Ausdruck, was meint er damit?

«Keine Ahnung, was er genau wollte. Ich glaube er war sauer wegen des afrikanischen Mädchens gestern.»

«Afrikanisches Mädchen?»

Ich gebe ihm kurz eine Zusammenfassung der Ereignisse von gestern. Monsieur Polignac hört mir konzentriert zu, wobei er ein paar Mal den Kopf schüttelt.

«Sie haben vollkommen richtig gehandelt. Diesen Leuten muss man unbedingt Paroli bieten. Aber seien sie auf der Hut. Vielleicht hegt der Bursche tatsächlich irgendwelche finsteren Gedanken. Sie sollten ihm aus dem Weg gehen.»