Blutgefährtin 2 - Thomas M Hoffmann - E-Book

Blutgefährtin 2 E-Book

Thomas M Hoffmann

0,0

Beschreibung

Trish ist glücklich. Sie studiert ihr Wunschfach und genießt die Liebe zu dem Vampir Pierre. Das Leben könnte nicht schöner sein. Doch als die Nichte der Auserwählten, der Königin aller nicht-europäischen Vampire, hat sie Verpflichtungen, denen sie nicht ausweichen kann. Eigentlich will sie sich in die Politik der Vampirgesellschaft nicht einmischen, aber trotzdem werden sie und Pierre in den Strudel einer tödlichen Intrige gezogen. Dadurch geraten die Beiden nicht nur in höchste Lebensgefahr, Trish wird auch in den schlimmsten aller ihrer Albträume gerissen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 537

Veröffentlichungsjahr: 2015

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Thomas M Hoffmann

Blutgefährtin 2

Die Verschwörung

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

0. Danksagung

1. Die Einladung

2. Der Neue

3. Annäherung

4. Zuhause

5. Der Empfang

6. Der Anschlag

7. Der Botschafter

8. Die Buchhalterin

9. Geheimnisse

10. Der Angriff

11. Lügen

12. Die Befreiung

13. Verschleppt

14. Gefangenschaft

15. Flucht

16. Der Verräter

17. Am Abgrund des Todes

18. Freiheit

19. Der Vampirjäger

20. Die Falle

21. Das Treffen

22. Aussprache

23. Epilog

24. Leseprobe: Blutgefährtin 3, der Vampirjäger

Impressum neobooks

0. Danksagung

Mein Dank gilt Jeanne C. Stein, die mit ihrer Anna Strong Serie die Welt geschaffen hat, in der auch diese Geschichte spielt. Ihre Charaktere haben den Anstoß dazu gegeben und mich inspiriert. Die Geschehnisse in dem vorliegenden Band sind mit den letzten Bänden von Jeanne’s Serie verbunden, auch wenn sich diese Geschichte ohne Probleme unabhängig lesen lässt.

Danke Jeanne für die wunderbare Welt, die du geschaffen hast.

Mein Dank gilt auch meiner lieben Frau für ihre Unterstützung und ihre Mühe beim Korrekturlesen des Manuskriptes.

Die Blutgefährtin Serie

Blutgefährtin 1, eine neue Welt (erschienen bei neobooks)

Blutgefährtin 2, die Verschwörung (erschienen bei neobooks

Blutgefährtin 3, der Vampirjäger (erschienen bei neobooks)

Beschreibung

Trish ist glücklich. Sie studiert ihr Wunschfach und genießt die Liebe zu dem Vampir Pierre. Das Leben könnte nicht schöner sein. Doch als die Nichte der Auserwählten, der Königin aller nicht-europäischen Vampire, hat sie Verpflichtungen, denen sie nicht ausweichen kann. Eigentlich will sie sich in die Politik der Vampirgesellschaft nicht einmischen, aber trotzdem werden sie und Pierre in den Strudel einer tödlichen Intrige gezogen. Dadurch geraten die Beiden nicht nur in höchste Lebensgefahr, Trish wird auch in den schlimmsten aller ihrer Albträume gerissen.

1. Die Einladung

Laut klopfe ich an der Badezimmertür. Ich habe ja viel Geduld, aber so langsam ist die aufgebraucht. Valerie macht sich bereits seit über einer Stunde zurecht und scheint einfach nicht fertig werden zu wollen.

«Hey Val! Wie lange willst du noch machen? Beeil dich. Pierre ist in einer halben Stunde da.»

«Ja, ja. Bin sofort so weit», tönt es aus dem Bad.

Ungeduldig laufe ich vor der Tür hin und her. Pierre hat sich angekündigt und ich fühle mich von dem langen Tag an der Uni verschwitzt. Ich muss mich unbedingt frisch machen, es soll alles perfekt sein, wenn Pierre kommt. Wir sehen uns viel zu selten, seit ich angefangen habe, hier in Montpellier zu studieren. Aber heute hat er außerplanmäßig einen Besuch angekündigt und bleibt auch über Nacht. Ich will mit ihm frisch und gut aussehend einen romantischen Abend verbringen.

Pierre und ich haben uns vor etwa eineinhalb Jahren getroffen und ich war sofort hin und weg. Damals stand ich kurz vor meinem Schulabschluss und konnte eigentlich gar keine Beziehung gebrauchen. Gefunkt hat es dann trotzdem. Und zu erfahren, dass Pierre gar kein normaler Mensch ist, hat zwar einiges an Durcheinander erzeugt, hat uns aber am Ende nur noch stärker zusammengeschweißt. Ich war ziemlich verwirrt gewesen, als ich erfahren habe, dass es tatsächlich eine übernatürliche Parallelwelt gibt, Vampire, Gestaltwandler, Werwölfe und so weiter. Aber unsere Liebe hat uns alle Grenzen überwinden lassen.

Alle denken, Pierre wäre mein Freund, aber das Wort trifft nicht das, was unsere Gefühle füreinander ausmachen. Pierre ist mein Geliebter, mein Gefährte, der mein Herz und meine Seele besitzt. Eigentlich will ich jeden Tag, jeden Abend, jede Nacht mit ihm verbringen, aber weil ich lernen will, wie man Wein anbaut und ein Weingut betreibt, muss ich weit entfernt von ihm leben und studieren und kann meine Sehnsucht nur an den Wochenenden stillen. Das Studium hatte ich schon gewählt als ich noch auf der Schule war, Großvater hat ein Weingut und wir produzieren inzwischen ziemlich gute Weine.

Ich will das Weingut irgendwann übernehmen und auch wenn Großvater mir schon sehr viel gezeigt hat, so ist ein Studium doch der beste Weg, damit ich mir das Wissen aneignen kann, das ich dazu brauche. Dass Pierre obendrein auch noch einen Weinhandel hat, finde ich nur zu passend. Der einzige Nachteil dieses Weges ist es, dass ich aus Lorgues weg musste in das entfernte Montpellier. Deshalb sehe ich meinen Geliebten nur noch an den Wochenenden oder eben an den Gelegenheiten, an denen er mich besucht. So wie heute. Dann soll alles perfekt sein und das wird es auch, wenn ich endlich in dieses verdammte Bad hineinkomme.

Wann ist Valerie nur fertig? Ich hebe gerade meine Faust, um fest gegen die Tür zu hämmern, da geht sie auf und Valerie kommt heraus. Valerie ist meine Mitbewohnerin und studiert Agrartechnik an derselben Fachhochschule wie ich, der SupAgro in Montpellier. Als ich mir hier eine Unterkunft gesucht habe, hatte Valerie gerade ein Zimmer in ihrer Wohnung anzubieten und da wir uns auf Anhieb verstanden haben, bin ich eingezogen.

Valerie ist gut einen halben Kopf kleiner als ich, hat dunkelblondes, schulterlanges Haar und ein rundliches, freundliches Gesicht, das vor Energie und Lebensfreude nur so sprüht. Ihr Körperbau ist stämmig, so wie man es oft bei Menschen sieht, die aus der französischen Provinz stammen. Aber im Gegensatz zu dem, was sie immer behauptet, hat sie kaum ein Kilo zu viel, auch wenn sie nicht so mager ist, wie das heutzutage immer als schön angesehen wird. Sie hat sehr weibliche Rundungen und ist für ihre Größe eine gute Figur. Außerdem ist sie in ihrem Studium ein Ass. Sie hat den Bachelor schon fertig und macht gerade ihren Master.

Ihr einziges Problem sind die Männer. Ich habe noch niemals jemanden gesehen, der sich so nach einer festen Beziehung sehnt und gleichzeitig so viele Männer verschleißt, wie Valerie. Was auch der Grund ihres langen Badezimmeraufenthalts ist. Sie meint eben, dass sie hässlich ist und versucht mit allen Mitteln der Kosmetikindustrie dagegen anzukämpfen. Ich kann sie tausend Mal daran erinnern, dass sie sogar einmal einen Schönheitswettbewerb in ihrem Heimatdorf gewonnen hat und dass sie noch besser aussehen würde, wenn sie sich nicht so stark schminken würde. Aber sie ist der Ansicht, dass sie zu dick und zu hässlich ist, selbst wenn das gar nicht stimmt.

Ein Vorteil ihrer ewigen Jagd auf das andere Geschlecht ist, dass sie sofort eingewilligt hat, heute Abend auszugehen. Pierre und ich wollen unsere Zweisamkeit genießen und die Wohnung ist zu klein, um sich ungestört zurückziehen zu können. Ich habe das für Valerie auch schon so gemacht, wenn sie einen der Kandidaten zum Mr. Right zu Besuch hatte. Aber ich muss mich dranhalten. Pierre hat einen richtig schicken Ferrari und wenn die Straßen frei sind, kann er auch früher ankommen, als angekündigt. Also beeile ich mich.

Weil Valerie viel zu lange gebraucht hat, um sich zurecht zu machen, wähle ich das Kurzprogramm, waschen, statt duschen, die Haare nur auflockern, statt gründlich waschen. Ich bin gerade dabei, die Haare in Form zu bringen, als ich die Klingel höre. Mist, Pierre ist schon da. Schnell lege ich noch etwas Lippengloss auf, aber nicht zu viel, Pierre mag den Geruch intensiver Kosmetikbenutzung nicht. Dann werfe noch einen kurzen Blick in den Spiegel und verlasse das Bad.

Pierre steht wie ein griechischer Gott an die Tür zu unserem Wohn- und Esszimmer gelehnt und Valerie tanzt um ihn herum, wie um ein goldenes Kalb. Pierre sieht aber auch zu gut aus mit klassischen, alterslosen Gesichtszügen und weichen, kurzgeschnittenen, braunen Haaren. Er hat einen athletischen Körper, muskulös, aber keine übertriebenen Muskelberge, schlank, aber nicht zu schlank. Seine Haut ist glatt wie Marmor, ich liebe es, sie zu streicheln. Ich weiß, dass er sich fast immer kühl anfühlt, was ganz einfach daran liegt, dass er als Vampir eine niedrigere Körpertemperatur hat. Aber ich liebe es auch, wenn er glüht, wie ein Vulkan. Bei Vampiren kann das Sprichwort, dass man seinen Freund richtig heiß gemacht hat, durchaus wörtlich genommen werden. Seine Präsenz ist einmalig, er macht den Eindruck eines Raubtieres, was nicht verwunderlich ist, denn er ist ja auch eines. In seiner Nähe bekomme ich immer noch eine Gänsehaut und die Haare stehen mir zu Berge. Mit anderen Worten, ich liebe ihn.

Was aber nicht heißt, dass andere Frauen ihn auch lieben dürfen. Ich weiß zwar genau, dass Valerie viel zu großen Respekt vor einer festen Beziehung hat, als sich zwischen Pierre und mich zu drängen, aber sie kann es einfach nicht lassen, immer mal wieder die Verführerin zu spielen.

«Hey Val. Hör auf, meinen Freund so anzumachen», sage ich, während ich auf die beiden zugehe.

Valerie stoppt mitten im Schritt.

«Ich? Deinen Freund anmachen? So etwas würde mir nie im Leben einfallen.»

«Ach? Du bist in voller Kampfmontur, umkreist Pierre wie ein Planet seine Sonne und machst ihm so schöne Augen, als würdest du bei „der Bachelor“ teilnehmen.»

«Ich bin in voller Kampfmontur, weil ich gleich ausgehe, schon vergessen? Und Pierre ist nicht verheiratet, da kann ich doch schon mal für meinen Auftritt üben, nicht wahr?»

Valerie tritt einen Schritt näher an mich heran und schaut mir aus kurzer Entfernung in die Augen.

«Außerdem sollte es verboten werden, dass so schöne Männer nur eine einzige Frau haben. Wenn du nicht meine Freundin wärst, wäre ich praktisch verpflichtet, ihn dir auszuspannen.»

«Wenn du nicht meine Freundin wärst, wäre ich praktisch verpflichtet, dir die Augen auszukratzen», erwidere ich, ohne einen Zentimeter zurück zu weichen.

Pierre hat unseren Austausch mit dem verwirrten Ausdruck eines Mannes verfolgt, der keine Ahnung hat, was eigentlich vor sich geht.

«Aber, aber Mesdames. Ich bin sicher, wir können zu einer einvernehmlichen Lösung kommen», versucht er sich einzumischen. «Wie wäre es, wenn ich mich Montag, Mittwoch und Freitag um die eine kümmere und Dienstag, Donnerstag und Samstag um die andere? Dadurch hätte ich dann am Sonn...»

Weiter kommt er nicht, denn Valerie und ich drehen unsere Köpfe synchron zur Seite und starren ihn an. Für einen Augenblick sagt keiner etwas.

«Wo hast du den denn gefunden?» knurrt Valerie.

«Der ist mir zugelaufen» knurre ich zurück.

«Ist er denn schon stubenrein?»

«Eigentlich schon. Ziemlich pflegeleicht sogar. Einmal Füttern in der Woche reicht.»

«Was willst du für den haben?»

«Tut mir leid, unverkäufliches Musterexemplar.»

Wieder herrscht einen Augenblick Stille, während Pierre uns mit offenem Mund anstarrt. Dann richtet sich Valerie mit einem Ruck auf.

«Ich mach mich dann mal auf den Weg.»

Ich begleite Valerie noch zur Tür.

«Viel Spaß dir. Lass Pierre und mir vier Stunden, dann kannst du wiederkommen. Gute Jagd.»

«Viel Spaß ihr zwei Turteltäubchen.»

Ich schließe die Tür hinter Valerie, nehme einen kurzen Anlauf und springe Pierre mit voller Wucht in die Arme. Er enttäuscht mich nicht und fängt mich ohne Mühe auf, es ist eben von Vorteil, einen Freund zu haben, der übermenschliche Kräfte besitzt. Wir versinken in einem heißen Begrüßungskuss.

«Was war das denn gerade?» fragt Pierre, als wir uns wieder trennen.

Ich tippe mit meinem Zeigefinger gegen seine Nase.

«Verstehst du nicht. Männliche Gehirne sind für so etwas nicht konstruiert.»

Pierre schaut mich stirnrunzelnd an.

«So denkst du also von deinem Geliebten?»

«Klar, mein Geliebter muss ja auch nur mit den einfachen Dingen des Lebens zurechtkommen.»

«Und was sind einfache Dinge?»

Statt einer ausführlichen Erklärung, zeige ich ihm die einfachen Dinge, die ich meine. Unser Kuss wird intensiver, mein Unterleib verkrampft sich, mein Herzschlag geht schneller. Ich sehe Pierre normalerweise nur noch einmal in der Woche, wenn ich zum Wochenende nach Hause fahre. Da kann einen die Sehnsucht schon ziemlich quälen. Als wir uns lösen, blitzt Gelb in Pierres Augen und mein Herzschlag wird noch schneller. Ich liebe es, meinen Freund anzuheizen. Aber jetzt muss ich erst wieder für Kühlung sorgen, sonst vergesse ich mich. Das geht mir immer so, wenn ich mit Pierre zusammen bin, alle anderen Dinge werden unwichtig. Doch ich muss wissen, warum Pierre heute außerplanmäßig hier ist, also wackele ich vor Pierres Augen mit dem Zeigefinger.

«Na, na. Immer langsam. Gegessen wird später. Jetzt verrätst du mir zuerst, warum du heute hier bist.»

Pierre heuchelt Erstaunen.

«Ich bin selbstverständlich hier, weil ich eine solche Sehnsucht nach dir hatte.»

«Dein Tonfall als du dich angekündigt hattest, war aber nicht sehnsuchtsvoll, sondern nachdenklich und besorgt. Du kannst mir nichts vormachen, Pierre. Etwas Unangenehmes ist vorgefallen, nicht wahr?»

Pierre seufzt und stellt mich wieder auf meine Füße.

«Wie soll ich denn etwas vor dir verheimlichen, wenn du mich immer durchschaust? Können wir nicht erst ins Bett gehen?»

Ich gebe Pierre einen keuschen Kuss auf die Wange.

«Wenn wir jetzt ins Bett gehen, dann werden wir uns die ganzen vier Stunden lang lieben und ich bekomme weder etwas zum Abendessen, noch erfahre ich, worum es geht.»

Pierre schaut mich mit großen Augen an.

«Und? Wo ist das Problem?»

Ich blicke resigniert nach oben und ziehe Pierre hinter mir her in die Küche.

«Ich muss schließlich zwei Leute ernähren? Also mache ich mir jetzt Abendessen und du erzählst mir, was dich herführt. Kaffee?»

«Ja, gerne.»

Die Küche ist winzig, aber effektiv eingerichtet. Alles Wesentliche ist erreichbar, ohne sich von der Stelle zu rühren und trotzdem können sich zwei Leute dort hinsetzen und frühstücken. Vorausgesetzt sie brauchen nicht zu viel Platz zum Essen. Mit einem Handgriff stelle ich eine Tasse für Pierre in die Kaffeemaschine und mit einem Zweiten hole ich einen Beutel tiefgefrorenes Fleisch und Gemüse aus dem Eisfach. Die Pfanne steht schon auf dem Herd, also fange ich an, mir mein Abendessen zuzubereiten.

Als der Kaffee durch ist, langt sich Pierre seine Tasse und stellt eine andere Tasse hin, in die er vorher Milch getan hat. Das ist der Kaffee für mich, ich bedanke mich dafür mit einem Lächeln. Zuhause macht uns Charles unseren Kaffee und er macht das besser als jede Kaffeemaschine. Aber wenn wir unter uns sind, dann bereiten wir uns den Kaffee immer gegenseitig zu, ein kleines Ritual unter Liebenden.

Charles ist der Butler von Pierre und er kann hervorragend Kaffee kochen, genau genommen, kann er alles hervorragend kochen und backen. Aber nur ich weiß das wirklich zu würdigen, denn Pierre kann ja nur Getränke zu sich nehmen. Das hat zur Folge, dass Charles mich an den Wochenenden immer vollstopft als wäre ich eine Weihnachtsgans und ich muss tatsächlich unter der Woche aufpassen, dass ich nicht zunehme, obwohl ich zwei Leute ernähren muss. Mein Abendessen rührend schaue ich Pierre auffordernd an.

«Also?»

Pierre zieht ein Gesicht und langt in seine Tasche. Von dort zieht er einen Briefumschlag hervor.

«Das ist gestern gekommen, ich muss bis morgen geantwortet haben.»

Ein kalter Hauch zieht meinen Rücken herunter, meine gute Laune verabschiedet sich ins Nichts. Diese Art von Briefumschlag kommt mir bekannt vor. Vor etwa eineinhalb Jahren hat so ein Briefumschlag fast dazu geführt, dass Pierre getötet und ich vergewaltigt worden wäre. Ich atme tief ein, wische mir die Hände an einem Tuch ab und nehme den Briefumschlag in die Hand.

Er ist adressiert an Pierre, geschrieben mit einer eleganten, geschwungenen Handschrift in schwarzer Tinte. Als ich die Karte aus dem Umschlag nehme, sehe ich alle meine Befürchtungen bewahrheitet. Es ist die Einladung zu einem Empfang, den Louis, der Führer der französischen Vampire, veranstaltet. Genau ein solches Treffen hatte vor eineinhalb Jahren stattgefunden, nur zu der Zeit von Gregori Sokolov organisiert, der damals der Führer der französischen Vampire gewesen war. Ich hatte Pierre und seine Art gerade erst kennen gelernt und hatte gemeint, ich müsse an so einem Treffen unbedingt dabei sein. Meine Unkenntnis der vampirischen Welt hat dann Pierre und mich in höchste Gefahr gebracht.

Doch in einem Detail unterscheidet sich diese Einladung von der Einladung vor eineinhalb Jahren. Gregori hatte selbstverständlich nur Pierre eingeladen, denn Menschen hatten für ihn nicht gezählt. Zu dieser Zeit war Pierre auch noch clanlos gewesen. Doch auf dieser Einladung sind zwei Namen genannt. Pierre Polignac und Trish Strong, Angehörige des Clans der Auserwählten.

Streng genommen gehöre ich nicht zum Clan der Auserwählten, der Königin aller nicht-europäischen Vampire, denn ich bin nur ein Mensch. Als Blutgefährtin von Pierre bin ich für die meisten Vampire lediglich Beiwerk. Aber die Auserwählte ist meine Tante Anna und als Nichte der Vampirkönigin habe ich schon einen besonderen Status. Zwar erkennen die europäischen Vampire Tante Anna nicht als ihre Herrscherin an, aber dass die Einladung mich explizit erwähnt, macht mir sofort klar, dass ich einen richtig guten Grund haben muss, wenn ich da nicht hingehen will.

Mit steinernem Gesicht stecke ich die Karte wieder in den Umschlag, gebe ihn an Pierre zurück und rühre mein Essen weiter, das jetzt fast fertig gegart ist.

«Müssen wir da hin?»

Pierre steckt den Umschlag wieder in seine Tasche.

«Das genau ist die Frage, weswegen ich hierhergekommen bin. Die Sache steckt leider voller politischer Falltüren.»

Mein Essen ist fertig und ich schnappe mir zwei Teller. Dann fülle ich den Inhalt der Pfanne auf den einen Teller, von dort wiederum auf den zweiten Teller, schließlich stelle ich den ersten in die Spüle. Valerie weiß nichts von Pierres Art und es wäre komisch, wenn ich meinen Freund zum Abendessen da habe und nur ein Teller schmutzig ist. Ich hole mir eine Gabel, setze mich zu Pierre und fange an zu essen.

«Erklär!»

«Eigentlich sollten wir nicht zu so einem Empfang eingeladen werden. Die Auserwählte gehört nicht zu den europäischen Vampiren, also wir auch nicht. Solange die Versammlung eine europäische Angelegenheit ist, haben wir dort nichts zu suchen.»

Pierre seufzt.

«Dass wir trotzdem eingeladen sind, bedeutet, dass es eine internationale Angelegenheit ist. Wir sind die Vertreter der Auserwählten und da Anna die Führerin aller Vampire außerhalb von Europa ist, sind wir damit die Vertreter aller außereuropäischen Vampire. Eine Ablehnung würde einen Affront bedeuten.»

Ich verziehe das Gesicht.

«Hat Tante Anna nicht einen offiziellen Botschafter für so etwas?»

«Leider nein. Ich habe mit Anna gesprochen und sie hat gemeint, dass sie bisher nicht daran gedacht hat, so etwas einzurichten. Sie hatte mehr als genug damit zu tun, ihre eigene Führerschaft zu festigen.»

Tante Anna ist eine ziemlich junge Vampirin. Sie wurde erst vor etwa acht Jahren verwandelt und normalerweise ist man als junger Vampir sehr schwach, zumindest im Vergleich zu den alten Vampiren. Doch Tante Anna ist etwas Besonderes. Sie ist die Auserwählte. Bereits seit dem Tag ihrer Verwandlung verfügte sie über Kräfte und Macht, die eigentlich nur einem alten Vampir zusteht. Doch sie musste kämpfen, um als Auserwählte anerkannt zu werden. Zuerst vor dem Rat der dreizehn Stämme, die nicht alle gewillt waren, sie zu akzeptieren. Und danach mit zahlreichen heimlichen oder direkten Versuchen, sie zu beeinflussen, zu beseitigen oder sonst wie ihre Macht zu mindern. Von all dem habe ich erst vor eineinhalb Jahren erfahren, als ich über Pierre die Welt der Vampire kennengelernt habe. Eigentlich will ich mich aus der vampirischen Politik heraushalten, mir genügt Pierre und seine Liebe. Aber offensichtlich gelingt das nicht immer.

«Was sagt Tante Anna zu der Einladung?»

«Sie wollte zuerst mit dir sprechen. Wir sollen sie anrufen, wenn ich dir die Situation erklärt habe.»

«Na gut. Lass mich zuerst zu Ende essen.»

Pierre streichelt mir mit einer Hand über das Gesicht und lächelt mir aufmunternd zu. Er kennt mich eben sehr gut. Diese Einladung hat mir meine Laune verdorben. Die Geschehnisse vor eineinhalb Jahren liegen mir immer noch auf der Seele, es hätte damals nicht viel gefehlt und alles hätte in einer Katastrophe geendet. Nur dem Eingreifen von Tante Anna war es zu verdanken gewesen, dass Gregori besiegt wurde und Pierre und ich nach Hause zurückkehren konnten. Langsam beende ich mein Essen, Pierre sieht mir schweigend zu und nippt währenddessen an seinem Kaffee. Als ich fertig bin, stelle ich den Teller in die Spüle und atme einmal tief durch.

«Also los.»

Ich fische mein Smartphone aus der Tasche, um die Nummer von Tante Anna zu wählen. Ein kurzer Blick auf die Uhr sagt mir, dass in Kalifornien jetzt früher Vormittag sein müsste, also eine ideale Zeit zu telefonieren. Die Chance, dass Tante Anna gerade mit etwas anderem beschäftigt ist, wie zum Beispiel einen Kautionsflüchtling jagen oder einem bösen Vampir den Kopf abreißen, sind relativ gering. Schon nach kurzem Klingeln meldet sich Tanta Anna.

«Hallo Trish, mein Schatz.»

«Guten Tag Tante Anna. Wie geht’s dir?»

«Abgesehen davon, dass Daniel im Monument Valley bei John-John ist und ich hier in San Diego, ganz gut. Das Wetter ist warm, es sind gerade keine Verbrecher zu fangen und aus der Vampirwelt gibt es keine beunruhigenden Nachrichten. Und was machen deine Studien?»

«Viel Arbeit, aber langsam wird es interessant. Jetzt im dritten Semester habe ich endlich einige Fächer zum Weinbau, Geschichte, Pflanzmethoden, Rebsorten usw. Am Ende des Semesters soll ich dann ein Praktikum auf einem Weingut machen, ich hab da auch schon eines im Sinn.»

Tante Anna lacht.

«Du meinst, Dad wird dir ein Praktikum anbieten? Sieh nur zu, dass er dir auch etwas dafür bezahlt.»

«Das ist gar nicht so sicher. Großvater hat so merkwürdige Andeutungen gemacht, ich solle doch einmal ein anderes Weingut kennen lernen und so. Ich habe aber gar keine Lust, ihn noch mehr alleine zu lassen.»

«Na ja, ganz Unrecht hat Dad nicht, aber ich verstehe dich natürlich auch. Ich bin froh, dass du ein Auge auf ihn hast.»

«Pierre ist heute gekommen und hat mir die Einladung gezeigt. Was hältst du davon.»

Tante Anna schweigt einen Moment.

«Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Louis hätte auch offiziell nachfragen können, ob wir so etwas wie Botschaften einrichten sollen. Vielleicht sieht er euch aber auch bereits als Vertreter der nicht-europäischen Vampire und fühlt sich deshalb verpflichtet, euch einzuladen. Der einzige Weg, diese Fragen zu beantworten, wäre, dorthin zu gehen. Aber wenn du nicht gehen willst, denke ich mir eine Ausrede aus, damit wir ablehnen können.»

«Pierre meint, das wäre ein Affront gegen die europäischen Vampire.»

«Es würde die Beziehungen nicht verbessern. Aber das ist mir egal. Wenn du dich unwohl fühlst, dorthin zu gehen, sagen wir ab.»

«Besteht denn eine Gefahr?»

Tante Anna zögert.

«Die Fraktion, die mit einer Übernahme der Macht der Vampire liebäugelt, hat durch den Tod von Steffan und Gregori starke Rückschläge erlitten. Louis verfolgt eine sehr mäßigende Politik und hat auch schon Menschen in seinem Beraterstab integriert. Dazu weiß jeder, dass Pierre und du unter meinem Schutz stehen. Würde jemand euch angreifen, hätte das gravierende Konsequenzen. Insofern sehe ich keine Gefahr für euch. Nur deshalb habe ich Pierre gebeten, mit dir zu reden.»

Jetzt überlege ich. Auf der einen Seite verkrampft sich mein Magen, wenn ich an so etwas wie einen Empfang bei Vampiren denke, auf der anderen Seite wäre das die Gelegenheit, die Menschen wiederzutreffen, die ich schon bei meinem ersten Treffen kennengelernt hatte. Außerdem will ich nicht, dass Tante Anna Probleme bekommt, nur weil ich zu feige bin, einer Einladung zu folgen.

«Na gut, Tante Anna. Ich gehe hin.»

«Bist du dir sicher, Trish? Ich will wirklich nicht, dass du dich zu etwas zwingst.»

«Ja, ich bin sicher. Ich bin schließlich die Nichte der Auserwählten. Da kann ich mich nicht ewig verkriechen. Und es wäre schon wichtig, herauszubekommen, warum Louis uns einlädt.»

«Ich danke dir, mein Schatz. Lass uns in engem Kontakt bleiben, wenn ihr dorthin aufbrecht.»

«Klar, geht in Ordnung.»

«Gib mir Pierre noch einmal. Ich wünsch euch einen schönen Abend.»

«Auf Wiederhören Tante Anna. Gib Onkel Daniel und John John einen Kuss von mir.»

Ich reiche das Telefon an Pierre weiter und versuche zu ergründen, was mir so auf den Magen schlägt. Tante Anna hat ja Recht. Wer mich angreift, würde sie angreifen und das wäre für praktisch jeden Vampir der Welt das Todesurteil. Eine Wiederholung der Ereignisse vor eineinhalb Jahren ist sehr unwahrscheinlich.

Also sollte ich mich eher auf dieses Treffen freuen. Ich werde Madame Lorraine wiedertreffen, die mir damals sehr tiefe Einblicke in das Verhältnis von Vampiren mit ihren menschlichen Gefährten gegeben hat. Ich würde mich auch gar nicht wundern, wenn Madame Lorraine zu den menschlichen Mitgliedern des Beraterstabes von Louis gehört. Sie ist seit fast fünfzig Jahren mit ihrem Vampir zusammen und übt sehr viel Einfluss aus.

Ich bin so in meinen Gedanken versunken, dass ich gar nicht merke, dass Pierre die Unterhaltung mit Tante Anna beendet und mein Smartphone auf den Tisch gelegt hat. Er beobachtet mich und ich merke das erst, als er mit seinen Fingern sanft über meine gerunzelte Stirn streicht.

«Zeit sich angenehmeren Dingen zuzuwenden.»

Ich strecke Pierre die Zunge heraus.

«Du hast die blöde Einladung mitgebracht und verhindert, dass wir erst einmal miteinander ins Bett gehen. Jetzt habe ich keine Lust mehr.»

Pierre hebt erstaunt die Augenbrauen.

«Wenn ich mich recht erinnere, hast du dieses „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ aufgebracht.»

«Schon möglich, aber du hast einfach auf mich gehört.»

Bevor ich irgendeine Bewegung machen kann, ist Pierre aufgesprungen und hat mich in den Arm genommen.

«Ich glaube mein männliches Gehirn ist gerade wieder überfordert», flüstert er mir ins Ohr, dass mir ein Schauder über den Rücken läuft. «Das lässt sich nur dadurch beheben, dass ich mich den Dingen zuwende, von denen ich etwas verstehe.»

Und damit küsst er mich, dass ich mich beinahe verliere. Aber so einfach lasse ich mir meinen Frust nicht nehmen. Ich schiebe ihn von mir.

«Du glaubst wohl mit ein paar Küssen kannst du mich vergessen lassen, dass ich auf eine Vampir Party gehen muss, was?»

Pierre kommt wieder näher.

«Ja.»

Beleidigt wende ich mich ab, aber damit mache ich einen Fehler. Pierre umfängt mich und küsst mir sanft erst auf den Nacken und dann in die Halsbeuge. Das ist ganz in der Nähe der Stelle, an der meine Schlagader verläuft, also der Stelle, die mir die intensivsten Liebesgefühle beschert. Feuer rieselt meinen Rücken herunter, meine Brustwarzen richten sich auf. Mein Herzschlag beschleunigt sich. Den übermenschlichen Sinnen von Pierre bleibt das nicht verborgen.

«Siehst du? Es gibt viel angenehmere Dinge als über eine Party nachzudenken», flüstert er mir ins Ohr.

Seine Hand streichelt sanft über meine Brüste, die Berührung lässt meine Gefühle explodieren. Mit Mühe kann ich ein Stöhnen unterdrücken, der Kerl ist sowieso schon sehr von sich überzeugt, da muss er nicht auch noch merken, wie wirksam seine Verführungskünste sind. Am besten ist, ich spiele auf cool und weise ihn zurück.

«Finger weg von meinem T-Shirt, du Lüstling» flüstere ich zurück, aber meine Stimme klingt rau und heiser.

«Aber ich will ja gar nichts von deinem T-Shirt» raunt mir Pierre zu, dreht mich in seinen Armen und zieht mir dabei gleichzeitig das T-Shirt über den Kopf, bevor ich mich wehren kann.

Versunken in einem Kuss mit Pierre, habe ich plötzlich vergessen, warum ich mich gegen Pierre wehre. Die ganze Woche schon musste ich alleine schlafen und mehr als einmal ist es vorgekommen, dass ich von seinen zärtlichen Umarmungen geträumt habe, nur um dann zu merken, dass der Platz im Bett neben mir leer ist. Sehnsucht und Lust packen mich, ich küsse Pierre mit all der Hitze, die ich in mir fühle. Nach kurzer Zeit bin ich atemlos, ich stehe regelrecht in Flammen. Aber Pierre hat meine Hitze aufgenommen, seine Haut fühlt sich jetzt glühend an und er gibt mir zehnfach zurück, was ich ihm vorher gegeben habe. Für einen Moment setzt mein Denken einfach aus.

Als ich wieder etwas wahrnehmen kann, stelle ich fest, dass mich Pierre irgendwie in mein Zimmer gebracht hat. Jetzt will ich mehr, deshalb fange ich an, an Pierres Hemd zu zerren. Nichts soll mich mehr von seinem wunderbaren Körper trennen. Nach kurzer Zeit liegen unsere Sachen verstreut auf dem Boden und Pierre umfängt mich von allen Seiten. Seine Liebkosungen treiben mich immer tiefer in einen Strudel der Gefühle hinein, dann sehe ich, wie sich sein Gesicht verwandelt, wie der Vampir zum Vorschein kommt. Willig biete ich ihm meine Kehle dar und als sich seine Zähne in meine Haut graben, lasse ich mich von dem Orkan aus Lust und Leidenschaft mitreißen.

2. Der Neue

Ich werde wach, noch bevor mein Wecker klingelt. Ich liege in Pierres Armen und ich bin glücklich. In dem Dämmerzustand zwischen Schlafen und Wachen denke ich über mein Leben nach und stelle fest, dass es nicht besser sein kann. Ich studiere mein Wunschfach, ich lebe in einer der schönsten Gegenden der Welt, ich liebe den Mann, mit dem ich mein Leben verbringen will und kann mit ihm den grandiosesten Sex der Welt genießen. Dass Pierre nicht menschlich ist und ich auch noch die Nichte einer Königin der Vampire bin, macht die Sache eher besser. Es geht eben nichts über ein paar Geheimnisse, die das Leben interessant gestalten. Mit einem Schauder schmiege ich mich noch enger an Pierre. Es sollte verboten werden, so glücklich zu sein. Während ich langsam aus meinen Traumwelten auftauche, geht mein erster Blick zu Pierre. Er ist von meiner Unruhe auch aufgewacht und lächelt mich an. Ich lächle zurück.

«Guten Morgen.»

«Guten Morgen, Liebling» meint Pierre und gibt mir einen sanften Kuss.

«Geh du zuerst ins Bad, dann kann ich noch ein wenig warm werden.»

Pierre hebt die Augenbrauen. «Ich kenne da andere Methoden.»

«Nix da. Valerie ist bestimmt inzwischen zurück und ich will hier keine öffentliche Show abziehen.»

«Wie schade.»

Pierre schaut mich noch einen Moment mit glitzernden Augen an, aber als ich ihn mit einem strengen Blick zur Ordnung rufe, seufzt er und verschwindet im Bad. Ich wickle die Decke um mich und versuche, noch ein wenig Körperwärme aufzunehmen. Einer der wenigen Nachteile, einen Vampir zum Liebhaber zu haben, ist, dass sie normalerweise eine sehr niedrige Körpertemperatur haben und damit zum gemütlichen Kuscheln im Bett absolut nichts taugen. Außer man heizt sie durch intime Übungen auf, aber in einer kleinen Wohnung, wie dieser, bekommen alle Mitbewohner mit, was ab geht. Es besteht zwar eine geringe Chance, dass Valerie eine andere Schlafgelegenheit gefunden hat, aber ich will da kein Risiko eingehen.

Ich habe am frühen Vormittag eine Vorlesung, deshalb scheuche ich Pierre bald aus dem Bad heraus. Ich möchte mit ihm noch eine gemeinsame Zeit am Frühstückstisch verbringen.

«Mach schon einmal Kaffee», weise ich ihn an, bevor ich unter der Dusche verschwinde.

Kurze Zeit später steht eine dampfende Tasse Milchkaffee vor mir, Pierre trinkt seinen Kaffee schwarz und ich beschmiere ein Croissant mit Marmelade. Meine Gedanken eilen dem Tag und der Woche voraus.

«Die Party ist am Samstagabend, nicht wahr?», frage ich kauend.

Pierre nickt. «Ja, gegen 20 Uhr in Marseille. Es ist aber eine andere Adresse als vor eineinhalb Jahren.»

«Hast du eine Ahnung, was die Kleiderordnung angeht?»

«Abendgarderobe. Für mich heißt das Frack.»

Ich verziehe das Gesicht.

«Dann habe ich eh nichts anzuziehen. Du musst ohne mich gehen.»

Pierre lächelt und streichelt mir die Hände.

«Arme Trish. Geh doch einfach in Jeans und T-Shirt. Du siehst in allen Sachen toll aus.»

Typisch Mann, hat keinerlei Sinn, was Kleidung angeht. Ich versuche wieder, ihn streng anzusehen, aber so etwas prallt an Pierre immer ab, wie Wasser an einer Teflon Oberfläche. Ich verziehe das Gesicht.

«Da werde ich wohl oder übel shoppen gehen…»

Ich werde davon unterbrochen, dass Valerie aus ihrem Zimmer geschlichen kommt. Sie würdigt Pierre keines Blickes, schlurft zum Schrank, holt eine Tasse heraus, schüttet sich einen Kaffee ein und verschwindet wieder in ihrem Zimmer. Kein Wort, kein Blick, zerknittertes Gesicht. Bei mir gehen sofort alle Alarmglocken an. Schnell trinke ich meinen restlichen Milchkaffee aus und stehe auf.

«Los Pierre, du musst gehen. Ich rufe dich heute Abend an.»

Auf den fragenden Gesichtsausdruck hin setze ich hinzu.

«Krise. Ich muss mich jetzt um Val kümmern.»

Daraufhin stellt Pierre keine Fragen mehr, packt seine Sachen zusammen und gibt mir an der Haustür noch einen zärtlichen Kuss. Den kann ich aber gar nicht richtig würdigen, denn ich bin schon in Gedanken bei Valerie, irgendetwas mit ihrem Date muss gründlich schiefgelaufen sein. Vorsichtig klopfe ich an ihre Zimmertür.

«Val? Ich bin‘s, Trish. Darf ich reinkommen?»

Als keine Antwort ertönt, klopfe ich etwas deutlicher.

«Mach schon auf, Val. Ich will mir dir reden. Pierre ist weg.»

Das Knurren, das ich daraufhin von drinnen höre, interpretiere ich als Einladung und versuche deshalb, die Tür zu öffnen. Sie ist nicht abgeschlossen, also lasse ich mich ein. Valerie sitzt wie ein Häufchen Elend an den Rand ihres Bettes, der Kaffee steht auf ihrem Nachtschränkchen und sie sieht aus wie sieben Tage Regenwetter. Ich setze mich neben sie und nehme sie in den Arm. Dann sage ich einfach nichts. Valerie weint nicht, aber sie ist dicht dran. Ich warte ab, bis sie so weit ist. Schließlich verzieht sie das Gesicht.

«Ich will dich eigentlich hassen, Trish. Aber ich schaffe es einfach nicht.»

Diese Eröffnung hatte ich nicht erwartet, also warte ich weiter ab.

«Eigentlich bin ich nur neidisch. Du bist so glücklich mit deinem Pierre. Pierre hier, Pierre dort und wie der Kerl obendrein noch aussieht. Und dann ist er auch noch eine Granate im Bett. Wann hat mich das letzte Mal jemand in dieser Weise flach gelegt?»

Jetzt spüre ich, dass meine Ohren warm werden. Das ist gegen die Vereinbarung.

«Du hast doch nicht etwa gelauscht?»

Valerie lacht ohne Freude auf.

«Was heißt hier gelauscht? Ich hätte mir die Ohren verstopfen, die Decke über den Kopf ziehen und das Radio ganz laut machen müssen, um nichts mitzubekommen. Der Kerl hat dich ja ganz schön rangenommen.»

Hitze strömt durch mein Gesicht, aber sie ist mit Zorn gemischt.

«Das ist unfair, Val. Du wolltest mir vier Stunden geben.»

Valerie hebt beide Hände, lässt aber den Kopf weiter hängen.

«Schon gut, Trish. Entschuldige. Du hast Recht, ich hätte nicht lauschen sollen. Aber wohin hätte ich denn gehen können?»

«Was ist denn passiert?»

«Männer sind mir passiert. Ich war mit so einem Typen verabredet, den ich im Eissalon kennen gelernt habe. Italienischer Look, gut gebaut, charmant. Aber ich war zu früh dran und musste miterleben, wie er von seiner vorherigen Verabredung Abschied genommen hat.»

«Von seiner vorherigen Verabredung?»

«Ja, offensichtlich ist der Typ so gefragt, dass er die Damen in Schichten abarbeitet. Mit gründlicher Abschlussprüfung.»

«Abschlussprüfung?»

«Festsaugen in der Gesichtsregion und Abtasten, ob die Körbchengröße richtig eingestellt ist.»

«Scheiße.»

Mehr kann ich dazu wirklich nicht sagen. Ich bin zwar wütend, dass Valerie das Liebesspiel zwischen Pierre und mir mitbekommen hat und bin mehr als peinlich berührt, aber ich habe auch Mitleid mit ihr. Sie schafft es immer wieder, sich die Falschen rauszusuchen. Valerie zuckt hilflos mit den Schultern.

«Was hättest du denn in so einer Situation gemacht?»

«Vermutlich dem Kerl irgendwohin getreten, so dass er für einige Zeit das Interesse an Körbchengrößen verloren hätte.»

«Gewalt ist keine Lösung, Trish.»

«Stimmt, befriedigt aber ungemein.»

«Da hast du natürlich auch wieder Recht.»

Damit stockt die Unterhaltung, während Valerie ihren trüben Gedanken nachhängt.

«Mir ist natürlich nichts Besseres eingefallen, als den Typ anzuschreien und die Flucht zu ergreifen. Ich habe dann eine halbe Stunde in einer Bar abgehangen, aber dann hatte ich keine Lust mehr, in der Öffentlichkeit Trübsal zu blasen und bin nach Hause gegangen. Ich dachte, dass ich einfach ganz leise bin und du dann gar nicht merkst, dass ich da bin. Das war aber ein Fehler. Ich musste gar nicht leise sein, weil du so geschrien hast und ich wurde dadurch nur neidisch auf dich.»

Wieder wird mir ganz warm um die Ohren, Mann ist das peinlich.

«Ich hab gar nicht geschrien.»

«Ha, wenn ich das aufgenommen hätte, könnte ich jetzt ein Vermögen mit einer Sex Hotline verdienen. Aber natürlich habe ich nicht rechtzeitig daran gedacht.»

Jetzt platzt mir doch der Kragen. Ich packe Valerie an den Schultern und funkle sie böse an.

«Ich habe nicht geschrien.»

Valerie schaut nachdenklich zurück.

«Na gut, nicht geschrien. Aber ziemlich laut warst du schon.»

So langsam ist mir das zu dumm. Wenn Valerie nichts weiter will, als mir mein Liebesleben unter die Nase reiben, kann sie mit ihren Problemen bleiben, wo der Pfeffer wächst. Ich will gerade aufstehen, da hält mich Valerie zurück.

«Entschuldige, Trish. Ich gönn dir dein Glück ja. Ich wünschte nur, ich hätte auch jemanden wie Pierre.»

Sie sagt das so kleinlaut, dass sich mein Zorn im Nu verflüchtigt. Ich umarme sie wieder.

«Du wirst den Richtigen schon noch finden, Val. Denk nicht weiter an den Eisdielen Typen. Solche Kerle gibt es wie Sand am Meer. Pass auf, wir machen uns heute Abend einen Mädels Abend. Ich muss mir eine Abendgarderobe kaufen und du hilfst mir dabei, ok?»

«Eine Abendgarderobe?»

«Ja, Pierre und ich müssen zu einem vornehmen Treffen irgendwelcher Honoratioren gehen, irgendetwas wegen dem Weinhandel. Und ich habe nichts anzuziehen. Also muss ich mir vor dem Wochenende noch etwas besorgen.»

Valeries Miene hellt sich angesichts dieser Aussichten auf.

«Klar helfe ich dir. Und ich weiß auch schon genau, wo wir hingehen.»

Valerie kommt zwar aus einer sehr ländlichen Gegend, wohnt aber schon länger in Montpellier als ich. Sie kennt die Stadt auch besser, zumal ich bisher nur wenige Gelegenheiten hatte, die Einkaufsmeile hier zu erforschen. Deshalb bin ich auch froh, dass Valerie mir hilft und das nicht nur, weil ich sie damit von ihrem geplatzten Date ablenken kann.

Durch die aktive Krisendiplomatie ist es recht spät geworden, also muss ich mich sputen, um noch rechtzeitig zu meiner Vorlesung zu kommen. Valeries Wohnung liegt in den Außenbezirken von Montpellier, weswegen ich mein Auto nehme, um zur Uni zu fahren. Kurz nach meinem Schulabschluss habe ich den Führerschein gemacht und zu meinen bestandenen Prüfungen hat mir Großvater einen netten, kleinen Wagen geschenkt, einen knallroten C1, schon ein paar Jahre alt, aber noch gut in Schuss.

In Montpellier brauche ich den Wagen eigentlich kaum, denn man kommt ganz gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln herum und ich habe ja auch noch mein Fahrrad, aber für die Fahrt nach Hause ist das Auto unumgänglich. Die Bahn nach Lorgues braucht Ewigkeiten, nicht zu reden von der unbequemen Verbindung. Ich müsste in Marseilles und Toulon umsteigen und wäre die dreifache Zeit unterwegs, die ich mit dem Auto benötige. So kann ich am Freitag direkt nach der letzten Veranstaltung an der Uni nach Hause aufbrechen und bei Pierre vorbeischauen, bevor ich zu Großvater auf unser Weingut fahre.

Ich erreiche die Uni gerade rechtzeitig, um zusammen mit dem Professor den Vorlesungssaal zu betreten. Dabei habe ich auch noch Glück gehabt, denn der Verkehr war nur mäßig und ich habe sofort einen Parkplatz gefunden. Daher habe ich zwar keine Zeit, meine Freunde aus dem Kurs zu begrüßen, aber ich bekomme einen Platz direkt neben Kala, der ich ein kurzes „Hallo“ zuwerfe, bevor ich hastig meine Unterlagen auspacke. Kala grinst mir zu.

«Na verschlafen?»

«Nee, Valerie hatte Probleme mit ihrem Date, die musste ich erst mit ihr ausdiskutieren.»

«Ich dachte, man müsste mit ihr erst diskutieren, wenn ein Date mal klappt.»

«Hey, der Typ hatte sich echt fies verhalten. Das kann einen schon ziemlich mitnehmen.»

«Ein Mann und verhält sich fies? Das musst du mir nachher näher erklären, so was kenne ich gar nicht.»

Jetzt müssen wir aber den Mund halten, denn der Professor schaut schon grimmig in unsere Richtung. Kala hat ja gut reden. Sie stammt aus Afrika, aus einer der ehemaligen französischen Kolonien, heißt Kala Tsotsi, ist schwarz wie die Nacht, von einer aufregenden exotischen Schönheit und steht nur auf Frauen. Regelmäßig versuchen Männer sich ihr zu nähern und sie macht sich einen Spaß daraus, ihnen erst Hoffnung zu machen, um sie dann abblitzen zu lassen. Ich habe zwar schon einige Male versucht, ihr klar zu machen, dass das nicht nett ist, aber sie sieht das natürlich ganz anders.

Sie stammt aus einer wohlhabenden, einflussreichen Familie und hatte eigentlich verheiratet werden sollen. Doch als sie sich standhaft weigerte, den über zwanzig Jahre älteren Mann zu heiraten und in ihrer Heimat einen mittleren Skandal verursachte, hat ihre Familie sie nach Frankreich geschickt, um sie aus dem Weg zu haben. Hier hat sie dann ihre Freiheit und ihre Vorliebe für Frauen entdeckt. Sie ist fest mit Francine Roux zusammen, die ebenfalls zu meinem Freundeskreis zählt. Madelaine Cazardieu und Emile Dupont komplettieren die Gruppe von Leuten, mit denen ich außer mit Valerie die meiste Zeit verbringe. Sie sind alle in meinem Semester, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten und wir gehen gewöhnlich miteinander Mittagessen. Valerie ist ab und zu dabei, aber sie ist mir ja einige Semester voraus und hat ihren eigenen Freundeskreis.

Krampfhaft bemühe ich mich, den anstehenden Empfang mit Louis oder die ungewollte Anwesenheit von Valerie gestern Abend aus meinen Gedanken zu verdrängen. Der Professor stellt in seiner Vorlesung ziemlich hohe Ansprüche an unsere Aufmerksamkeit, denn er ist zwar sehr kompetent, nimmt aber auch immer wieder an, dass wir ebenfalls solche Genies sind, wie er. Also verpackt er öfter wesentliche Informationen in unscheinbaren Nebensätzen, so dass man, wenn man nicht aufpasst, diese verpasst und den Stoff nicht mehr zusammenbekommt. Was sich ziemlich negativ auf Prüfungen auswirken kann, wie ich im ersten Semester feststellen musste.

Nach der Vorlesung habe ich noch ein Proseminar, während Kala zu einer Übung eilt, so dass ich ihr nichts Näheres über Valeries Date erzählen kann. Eigentlich bin ich darüber froh, denn es gehört sich nicht, über Valerie zu klatschen, wenn sie nicht dabei ist. Auch so etwas, wie eine Warnung vor dem Eisdielen Typen auszusprechen, ist ziemlich überflüssig, denn Kala und Francine sind fest miteinander liiert, Madelaine ist genauso wie ich in einer andauernden Beziehung und Emile steht als Mann eher auf Frauen und ist nicht in Gefahr durch irgendwelche Eisdielen Schönlinge verführt zu werden.

Nach dem Proseminar schlendere ich gemütlich zum parkähnlichen Innenhof der SupAgro. Das Hauptgebäude ist ein wunderschöner Altbau, ein ehemaliger Adelssitz, und wurde vom Departement vor einigen Jahren als Fachhochschule für Landwirtschaft ausgebaut. Ich finde es gut, eine solche auf Landwirtschaft spezialisierte Hochschule zu haben, denn die klassischen Universitäten vernachlässigen zu oft die Praxis und für die meisten Menschen im ländlichen Mittelfrankreich ist Praxisnähe viel wichtiger als weitreichende wissenschaftliche Kenntnisse.

Auch für mich ist diese Hochschule ideal. Alles, was ich will, ist, mir so viele Kenntnisse über Weinbau anzueignen, dass ich unser Weingut mit Aussicht auf Erfolg weiterführen kann, wenn Großvater nicht mehr ist. Auf der anderen Seite wollte ich nicht zu weit von Lorgues weg, sowohl wegen Pierre als auch wegen Großvater. Pierre muss mindestens einmal im Monat trinken, damit sein Vampir nicht die Kontrolle übernimmt und er anfängt, im Blutrausch Menschen umzubringen. Ich habe absolut etwas dagegen, dass sich Pierre sein Blut woanders holt, denn das Trinken ist in der Regel mit Sex verbunden und dafür bin ich schließlich zuständig.

Auf dem Innenhof sehe ich Kala, Francine und Madelaine schon schwätzend zusammen stehen. Ich begrüße sie mit einem lockeren „hey“ und stelle mich dazu. Wir warten noch auf Emile, um dann gemeinsam zur Kantine zu gehen. Kala ist natürlich diejenige, die das Gespräch führt. Sie erzählt von ihrem Übungsleiter, der wohl ein paar Augen auf ihre rassige Schönheit geworfen hat, aber noch nicht gemerkt hat, dass Kala von der anderen Fraktion ist.

Ich muss dabei über mich selber lächeln. Als ich erfahren hatte, dass Kala nichts mit Männern zu tun haben will, war ich erst etwas peinlich berührt, aber dann habe ich mir gedacht, dass jemand, der mit einem Vampir ins Bett geht und einige recht ungewöhnliche Gewohnheiten zu praktizieren pflegt, wohl besser nicht mit dem Finger auf andere zeigt. Inzwischen habe ich mich an die Beziehung zwischen Kala und Francine gewöhnt und muss sagen, dass sie gar nicht so viel anders ist als das, was ich zwischen normalen Paaren sehe.

Emile ist etwas spät dran, aber kurz bevor wir anfangen unruhig zu werden, ruft Madelaine aus.

«Da ist er ja.»

Ich drehe mich um und sehe, dass sich Emile in der Begleitung eines jungen Mannes nähert. Emile ist eher klein und kommt mir oft irgendwie zu jung vor. Kala, Francine, Madelaine und ich hatten uns im ersten Semester zusammengefunden, während Emile erst nachträglich zu uns gestoßen ist. Als einziger Mann unter vier Frauen hätte man meinen können, er würde sich wie ein Hahn im Hühnerstall aufführen, aber tatsächlich hat er nie den Versuch gemacht, mit einer von uns anzubändeln. Ich hatte immer das Gefühl, er würde sich in unserer Gesellschaft eher deshalb wohlfühlen, weil ihm das männliche Macho Gehabe abgeht.

Der Mann, der sich uns in seiner Gesellschaft jetzt nähert, macht einen etwas anderen Eindruck. Er ist schlank, hat eine athletische Figur, ist etwas größer als ich und von seinem Gesichtsschnitt her wohl spanischer oder südfranzösischer Herkunft. Sein Teint ist dunkel, wobei ich nicht zu sagen vermag, ob das angeboren ist oder von viel Aufenthalt in der Sonne herkommt. Da die meisten Studenten an der SupAgro viel mit landwirtschaftlichen Tätigkeiten zu tun haben, wäre das nichts Ungewöhnliches.

Der Unbekannte schaut uns mit einem scharfen Blick und einem leichten Lächeln entgegen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich dieses Lächeln mag, es schwankt zwischen einer gewissen Überheblichkeit und einem formalen Versuch, freundlich zu sein. Vielleicht irre ich mich ja, aber spontan gehört dieser Mann nicht zu den Leuten, denen ich meine Freundschaft und mein Vertrauen schenken würde. Aber eines ist sicher, er ist niemand, den man übersieht oder übersehen sollte. Dazu sieht er wirklich gut aus, sportlich, elegant und dynamisch. So wie er sich gibt, während er auf uns zugeht, weiß er das auch. Er ist sich seiner Erscheinung bewusst und genießt das.

Als die beiden uns erreichen, winkt Emile uns zu.

«Hallo Mädels. Entschuldigt, dass ich etwas zu spät komme. Ich war noch in ein Gespräch mit Jerome hier verwickelt. Das ist Jerome Merdrignac, ein neuer Student in Weinbau, den ich heute in meinem Kurs getroffen habe. Jerome, das sind Kala Tsotsi und Francine Roux, sie studieren Lebensmitteltechnik, Madelaine Cazardieu, Stadtentwicklung und Trish Strong, Weinbau.»

Oha, ein Neuer, der dasselbe studiert wie ich. Ich habe ihn allerdings bisher noch nicht in meinen auf Weinbau spezialisierten Kursen gesehen. Nun vielleicht besucht er ja die Anfängervorlesungen, die sind auf allgemeine Themen zugeschnitten, die Spezialisierung erfolgt erst ab dem dritten Semester. Wir nicken bei der Vorstellung Jerome jeweils zu, um ihn zu begrüßen, während Emile in seiner hektischen Art sofort weiterredet.

«Wir sind spät dran, lasst uns zur Kantine gehen. Jerome, kommst du mit?»

«Ich will zwar nichts essen, aber klar, ich komme gerne mit. Es ist schön, hier gleich neue Leute kennenzulernen.»

Jeromes Stimme ist irgendwie faszinierend. Nicht so laut und durchdringend, wie die von Emile, aber man hört jedes Wort und der Tonfall gebietet Aufmerksamkeit. Ich habe das Gefühl, dass Jerome gewohnt ist, im Mittelpunkt zu stehen. Daran ist sein extrem guter Körperbau bestimmt nicht unschuldig. Wäre ich nicht bis über beide Ohren in Pierre verliebt, würde ich Stielaugen bekommen. Aber gegen Pierre hat er keine Chance, Pierre ist viel schöner als alles, was ich sonst so gesehen habe.

Der Weg zur Kantine ist zu kurz, um den Neuen in irgendeiner Weise auszuhorchen, also weist Emile ihn nur kurz darauf hin, wo wir uns treffen und jeder macht sich auf den Weg, um sich etwas zu essen zu besorgen. Ich wähle das Standardgericht, Hühnchen Filet auf mediterranem Gemüse mit einem ordentlichen Nachtisch, dann mache ich mich auf zu unserem Treffpunkt. Dort warten schon Madelaine und Jerome. Madelaine hat wie normal lediglich einen Salat geholt, während Jerome nur ein kaltes Getränk in der Hand hält. Als ich die beiden erreiche, sehe ich einen freien Tisch in der Nähe.

«Lasst uns dort drüben hinsetzen», meine ich.

Wir setzen uns, gerade als Emile ankommt. Kala und Francine tauchen ebenfalls auf, so dass wir gemeinsam anfangen können zu essen. Nur Jerome nippt an seinem Getränk und scheint uns der Reihe nach durchzumustern. Sein Blick bleibt schnell an mir hängen, unter der scharfen Prüfung seiner Augen wird mir ungemütlich.

«Erzähl doch mal, Jerome. Wie kommst du denn so mitten im Semester hierher?» meine ich, um das Schweigen zu durchbrechen, das sich ausgebreitet hat.

«Ganz einfach. Eigentlich war ich bis vor kurzem in Bordeaux eingeschrieben, aber ich musste aus persönlichen Gründen hierher nach Montpellier kommen. Also habe ich versucht, mir meine Kurse anrechnen zu lassen und sehe zu, dass ich hier den Anschluss schaffe.»

«Geht das denn so einfach?»

«Nein, einfach nicht. Ich muss einiges nachholen, weil der Aufbau der Kurse hier anders ist als in Bordeaux. Gott sei Dank haben fast alle Professoren irgendwelche Skripte, auf die man sich stützen kann. Ist aber eine Menge Stoff, die ich lernen muss.»

«Das kann ich mir vorstellen. Und woher kommst du so?»

Jerome lächelt mit einem hintergründigen Lächeln, das mir komisch vorkommt. Er starrt mich immer noch intensiv an, so als wollte er sich jedes Detail meines Gesichtes einprägen.

«Ich bin gebürtig aus Spanien, genauer dem Baskenland, lebe aber schon länger in Frankreich. Zuerst habe ich mich etwas in der Gegend herumgetrieben und habe gejobbt. Dann habe ich Interesse an Weinbau entwickelt und mich in Bordeaux eingeschrieben. Und was ist mit dir? Trish Strong hört sich nicht gerade Französisch an.»

«Ich bin gebürtige Amerikanerin. Geboren und aufgewachsen in Kalifornien. Vor ein paar Jahren haben meine Großeltern hier in der Gegend ein Weingut geerbt und wir sind hierher gezogen. Seit einem Jahr habe ich auch die französische Staatsbürgerschaft.»

«Interessant. Und deine Eltern?»

«Sind beide tot.»

«Oh, das tut mir leid. Ein Unfall?»

«Eine Privatangelegenheit», erkläre ich mit Nachdruck.

Ich habe keine Lust, einem Fremden gegenüber meine Vergangenheit offen zu legen, auch wenn ich nichts zu verbergen habe. Mein Vater ist tatsächlich durch einen Unfall ums Leben gekommen, das war sogar noch bevor ich geboren wurde. Aber meine Mutter wurde ermordet, weil sie sich mit einer Bande von Kinderschändern eingelassen hatte, an die sie mich verkauft hatte. So etwas ist nichts, was man so ohne weiteres in der Öffentlichkeit preisgibt. Ohne meine Tante wäre ich jetzt vermutlich auch tot, sie war es gewesen, die mich zusammen mit Onkel Daniel vor der Bande beschützt und die Dreckskerle überführt hat.

Jerome scheint sich an meiner Zurückweisung aber nicht zu stören.

«Klar, verstehe schon. Hört sich an, als hättest du eine interessante Geschichte zu erzählen. Ich liebe Frauen mit Geheimnissen. Wir müssen uns unbedingt näher kennenlernen. Wie wäre es, wenn wir uns heute Abend treffen würden?»

Geschockt blicke ich Jerome an. Das war nicht gerade subtil, derart direkt hat mich noch nie jemand um ein Date gebeten. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass Kala ein fettes Grinsen aufgesetzt hat, normalerweise ist sie es, die die als erstes im Mittelpunkt des männlichen Interesses steht. Schnell versuche ich, meine Verblüffung zu überwinden.

«Tut mir leid, heute Abend habe ich bereits eine Verabredung.»

«Zu schade. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wann hast du denn diese Woche mal Zeit?»

«Lass mal überlegen. Ja, genau, eigentlich habe ich gar keine Zeit, du wirst dich also gedulden müssen.»

«Und nächste Woche?»

Langsam fängt der Kerl an, mich zu nerven. Er scheint wie selbstverständlich davon auszugehen, dass ich nichts Besseres zu tun habe, als mich mit ihm zu treffen.

«Ich bin sicher, wir können in den nächsten Wochen einen gemeinsamen Termin finden. Wie wär es Leute, ist mal wieder ein Kinoabend dran?»

Darauf fährt Emile sofort ab, er ist ein absoluter Liebhaber von Kino- oder Filmeabenden. Leider ist sein Geschmack etwas einseitig.

«Ja, klasse Idee. Nächste Woche kommt die neueste Folge der Transformer Serie in die Kinos, da müssen wir unbedingt hin.»

Auf diese Bemerkung hin stöhnen Kala, Francine und Madelaine kollektiv auf. Ich finde solche Filme ja ganz lustig, also bin ich neutral. Nur bei Vampir Filmen bin ich eigen, die sind mir zu weit weg von der Realität. Aber mein Ablenkungsmanöver funktioniert. Jerome kommt nicht dazu, seine Idee, mich auszuführen, weiter zu verfolgen, da meine Freunde in eine hitzige Diskussion darüber einsteigen, welcher Film wohl geeignet ist. So verfliegt die Mittagspause im Nu und es ist Madelaine, die als erstes auf die Uhr blickt und zur Eile drängt.

«Ich muss los, Leute, meine Vorlesung beginnt in zehn Minuten.»

Ich habe noch eine Stunde mehr Zeit und will die Gelegenheit nutzen, mich in die Bibliothek zu setzen und ein paar Übungen nachzuarbeiten. Francine begleitet mich, denn sie hat am Nachmittag dieselbe Vorlesung. Also ziehen wir nach kurzer Zeit los. Jerome hat nichts mehr gesagt, aber ich spüre seinen Blick auf meinem Rücken, während Francine und ich in Richtung der Bibliothek gehen.

3. Annäherung

Es ist noch Nachmittag als ich von der Uni nach Hause fahre. Dort angekommen stecke ich den Kopf in Valeries Zimmer herein. Sie sitzt an ihrem Schreibtisch und malt irgendwelche Formeln aufs Papier. Ich habe von dem technischen Kram nicht viel Ahnung, weiß aber immerhin so viel, um zu sehen, dass es um Mähdrescher geht. Warum man damit aber Studenten belästigen muss, weiß ich nicht, für mich ist nur wichtig, dass die Dinger funktionieren. Weinlese kann man damit eh nicht machen, dazu stehen die Weinstöcke normalerweise an zu steilen Hängen und Trauben sind zu empfindlich. Es geht eben nichts über die gute, alte Handarbeit.

«Hey, Val. Ich mache mich nur kurz frisch, dann können wir los. Brauchst du noch lange?»

«Ewig, irgendetwas stimmt an der Berechnung nicht. Also kann ich das Zeug genauso gut in die Schublade legen und darauf hoffen, dass mir eine Erleuchtung kommt, wenn ich mich mit angenehmen Dingen beschäftige. Ich bin also startbereit.»

Schnell verschwinde ich im Badezimmer. Die Geschäfte schließen relativ früh und ich habe keine Ahnung, wie lange wir brauchen werden, bis ich eine passende Abendgarderobe finde. Gott sei Dank habe ich eine recht durchschnittliche Größe, so dass praktisch jedes Bekleidungsgeschäft passende Angebote hat. Aber Val hat wohl einen speziellen Laden im Sinn, also kann ich mich überraschen lassen.

Innerhalb einer halben Stunde sind wir unterwegs und Valerie führt mich geradewegs in ein Spezialgeschäft für Hochzeitsmode und Festkleidung. Ich kann mir schon denken, warum sie von diesem Geschäft so begeistert ist. Jedes Mal, wenn sie ein Date hat, das nicht bei der ersten Gelegenheit in die Hose geht, träumt sie von der großen Hochzeit. Damit hat sie auch schon den einen oder anderen Kandidaten in die Flucht getrieben. So ein langes Verhältnis wie zwischen Pierre und mir würde für Valerie nicht in Frage kommen. Pierre hat mir zwar auch schon einen Heiratsantrag gemacht, aber ich finde unsere Beziehung eigentlich ganz gut so, wie sie ist, selbst wenn ich mir ein Leben ohne Pierre nicht mehr vorstellen kann.

Da ich gar nicht so genau weiß, was man auf einem Empfang mit Frack-Zwang so anzieht, lasse ich mich von der Verkäuferin beraten. Es dauert gut eine Stunde, bis ich endlich etwas anprobiere, was mich begeistert. Ein schulterfreies Abendkleid in rot und blau gehalten, ohne zu viele Verzierungen, das aber an mir herabfällt wie ein Wasserfall. Schulterfrei muss es sein, damit mein Hals frei liegt, schließlich gehe ich auf eine Vampirparty. Es passt mir auch gut in der Oberweite und bringt diese ausgezeichnet zur Geltung. Früher habe ich gedacht, ich hätte zu viel davon, aber seid Pierre ein spezielles Interesse daran entwickelt hat, bin ich eigentlich ganz zufrieden mit dem, was die Natur mir geschenkt hat.

Valerie umkurvt mich, als wäre sie die Brautmutter und ich die Braut. Immerhin geht sie nicht so weit, dass sie mir ein Hochzeitskleid andreht, aber man merkt, dass sie in ihrem Element ist. Das Abendkleid findet ihre Zustimmung und so erspare ich mir die Mühe, noch ein anderes Geschäft aufzusuchen. Aber das Kleid ist nicht alles, was ich brauche, dazu wähle Ich ein Jäckchen und eine passende Handtasche. Damit habe ich mein Budget für private Ausgaben des nächsten halben Jahres aufgebraucht. Großvater bezahlt mir zwar einen durchaus angemessenen Unterhalt, aber richtig viel Geld ist das nicht. Ich kann nur hoffen, dass mein Auto nicht zusammenbricht, sonstige große Ausgaben stehen dann nicht an. Als wir das Geschäft schließlich verlassen, ist es bereits kurz vor Geschäftsschluss. Ich hatte Valerie ja versprochen, mit ihr auszugehen, also müssen wir uns jetzt mal langsam Gedanken darüber machen, wohin es gehen soll.

«Und Val, wie gehen wir jetzt vor?»

«Wir fahren nach Hause, laden die Sachen ab und machen uns fein. Ich schlage vor, wir gehen ins la pêche.»

Das la pêche ist ein Club, der hauptsächlich von Studenten frequentiert wird und ganz ordentliche Cocktails zu annehmbaren Preisen anbietet. Nur sollte man dort nicht zu früh erscheinen, die meisten Studenten sind ziemliche Nachtschwärmer.

«Ist mir recht. So habe ich wenigstens die Chance, auch noch ein wenig Badezimmer Zeit abzubekommen.»

«Nun hab dich doch nicht so. Du musst ja auch keinen Mann mehr an Land ziehen, also genügen dir doch wohl ein paar Minuten.»

«Gib mir eine halbe Stunde. Schließlich wollen wir keinen Kandidaten abschrecken, der eigentlich auf dich fliegt, aber von dem stinkenden, hässlichen Häufchen neben dir abgestoßen wird.»

Dazu sagt Valerie nichts mehr, auch wenn sie irgendetwas davon murmelt, dass eine halbe Stunde doch dasselbe wäre wie ein paar Minuten.

Ich bekomme schließlich fünfundzwanzig Minuten, was mehr ist, als ich erwartet hatte. Als wir das la pêche betreten ist es etwa halb zehn Uhr abends, früh genug, um noch einen Platz an den Tischen zu bekommen, aber spät genug, so dass bereits viele Leute da sind. Die Musik umhüllt uns, so dass eine Unterhaltung sehr anstrengend ist, aber dazu geht man ja auch nicht in einen Club. Wir bestellen uns Cocktails, Valerie einen mit russischem Wodka, ich alkoholfrei, und betrachten die Menschen, die hier abfeiern. Natürlich achten wir dabei mehr auf die männlichen Exemplare, von denen einige sehr wohlgebaute zu sehen sind. Nur die meisten haben bereits eine weibliche Begleitung, so dass wir geduldig ausharren müssen, ob sich noch der eine oder andere Fang für Valerie ergibt.

Ich will Valerie gerade auf eine Gruppe nett aussehender Kerle aufmerksam machen, als ihre Augen aufleuchten und sich auf etwas hinter mir richten. Ich drehe mich um. Vor uns steht Jerome, mit einem Drink in der Hand und einem etwas zu selbstgefälligem Lächeln auf den Lippen.

«Oh, hallo Mädels.»

Wegen der Musik ist eine Unterhaltung wirklich schwierig, aber Jerome hat so eine Stimme, die man selbst bei dem Lärm hört. Nicht durchdringend, aber Aufmerksamkeit heischend.

«Hallo Jerome», antworte ich.

Valerie zieht die Augenbrauen hoch.

«Ihr kennt euch?»

«Ja, das ist Jerome Merdrignac, ein neuer Kommilitone, der heute zu unserer Gruppe gestoßen ist. Jerome, das ist Valerie Gascon, meine Mitbewohnerin.»

«Hi, Trish, hi Valerie. Nett, euch hier zu treffen. Was dagegen, wenn ich mich zu euch geselle?»

Ich zögere einen Moment, aber Valerie nimmt mir die Entscheidung ab.

«Natürlich nicht. Bist du neu in der Stadt?»

Jerome zwängt sich auf einen Hocker neben uns und stellt sein Glas auf den Tisch.

«Ja, ich bin seit etwa zwei Wochen hier vor Ort. Ich bekam diesen Club empfohlen, also dachte ich, dass ich den mal ausprobieren sollte.»

Dann richtet er seine Aufmerksamkeit auf mich. Sein Lächeln ist irgendwie nicht zu deuten. Schon möglich, dass er es freundlich meint, aber etwas ist darin, was ich nicht verstehe.

«Du hättest ruhig sagen können, dass du heute hier bist, Trish.»

«Das wusste ich ja nicht, wir haben uns erst gegen Abend entschlossen, hierher zu kommen.»

«Und Valerie ist deine Verabredung?»

«So schwer es dir auch fallen wird, das zu verstehen, manchmal treffen sich Freundinnen einfach so ohne Männer.»

«Wie langweilig. Was machen denn zwei Single-Frauen in diesem Club, wenn sie nicht darauf aus sind, einen netten Mann kennenzulernen?»

Endlich habe ich die Chance, ihm das zu sagen, was ich schon heute Nachmittag hätte sagen sollen.

«Nicht zwei, Jerome. Ich bin in festen Händen, mein Freund heißt Pierre.»

Jeromes Lächeln vertieft sich. Die Information scheint ihn weder zu verblüffen, noch abzuschrecken.

«So, so. War ja klar, dass eine Frau wie du schon jemand an der Hand hat. Wo ist denn dein toller Freund?»

«In Lorgues, wo ich zuhause bin.»

«Das heißt, du bist hier ganz allein in der Stadt? Wie traurig. Aber keine Angst, die Rettung ist nah. Könnte ich dich vielleicht zu einem Tanz auffordern?»

Jerome lächelt mich völlig arglos an, er scheint gar nicht zu merken, wie plump ich seinen Annäherungsversuch empfinde. Er sieht ja durchaus gut aus, aber er scheint zu denken, dass eine Wochenendbeziehung bedeutet, dass man sich unter der Woche nach einer Alternative umsieht. Nun, er wird lernen müssen, dass nicht alle Frauen so sind, wie er denkt. Weil ich das Gefühl habe, dass subtil nicht so seine Art ist, entschließe ich mich dazu, deutlich zu werden.

«Nein.»

Wieder stört ihn meine Ablehnung nicht im Geringsten.

«Aber ich tanze gut.»

«Mein Freund tanzt besser.»