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Das musikalische Projekt des Kölner Künstlers Hartmut Zänder trägt den Namen eines niederländischen Dampfers, der am 19. Januar 1942 vor der Küste Sumatras auf die letzten Schiffbrüchigen des zuvor von einer japanischen Fliegerbombe versenkten Frachters „Van Imhoff“ traf. Da es sich bei den Schiffbrüchigen jedoch ›nur‹ um deutsche Kriegsgefangene handelte, drehte die Boelongan kurzerhand ab und überließ die Unglücklichen ihrem Schicksal. Unter den Ertrunkenen befanden sich der Musiker und Maler Walter Spies und Werner Wohl, Sohn des vor den Nazis nach Java geflohenen jüdischen Arztes Kurt Wohl aus Wermelskirchen, der dort Hartmut Zänders Großtante Cläre heiraten wollte. Die Dokumentation verwendet neben Auszügen aus Cläres Gestapo-Akte und Briefen aus dem Kölner Walter Spies Archiv Zeichnungen, Fotos und Noten sowie Elemente aus javanischem und balinesischem Gamelan, komponiertem und freiem Jazz, Film und Schattenspiel. Zänder erzählt auf dichte und persönliche Weise die Geschichte seiner Verwandten und erinnert so auch an das Schicksal heutiger „Boat People“.
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Seitenzahl: 34
Veröffentlichungsjahr: 2016
Hartmut Zänder
Nachträgliches Vorwort
Die Fahrt nach Wermelskirchen
Wie geht Gamelan und wie kommt man dazu
In der Dürholtschen Villa
Ein paar Instrumente von Mogam
Wolfgangs Buch
Das Gestapohaus von Liegnitz
Tom's Freund
Die Vorzeichnungen zu dem Bild "Rassenschande"
Zinte Joseph
Sommerfest
Dringend sofort vorlegen!
Entschuldigen Sie bitte
Pentagan
Cheruskia
Multostat
Saling asuh
Kisses and trumpets
Berliner Schlüchten
Boeloganjur
Im Mittelländischen Meer
In den SAE-Studios
Biographische Splitter
Impressum
die Dokumentation Bild-, Text, Foto- und Notenmaterialien Köln, 2013 - 2016
Filme und Fotos: Linda Schefferski
weitere Fotos von: Ann Schaefer, Armin Himmelrath, Friedhelm Pankowski, Leon Laguna de la Vera, Jens Bruhne
Layout der Plakate & Flyer: Karen Kühne
Hilfe bei den Filmen: Lucie & Ben Zänder
Hilfe mit den Beamern: Yannik Lange & Max Müller
Aufnahmen in den SAE-Studios im Januar 2016: Leon Laguna de la Vera & Max Scholpp
Musik:
Martin Zierold, Sprecher Julia Zech - Gesang
Nina Borchers - Flöte und Gesang
Andrea Kuchen - Sopransax Gernot Bogumil – Taschentrompete
Sebastian Schaffmeister - Kontrabass Willi Strack – Percussion,
Karen Kühne - Pemade, Slenthem Andreas Herdy - Pemade, Slenthem, Cengceng, Kendhang,
Elena Zänder - Gongs Hartmut Zänder, Slenthem, Saron, Gender und Pemade sowie alle Kompositionen, Wayangfiguren, Texte
Seit 2011 gebe ich am Rautenstrauch-Joest Museum im Gamelanraum Workshops und Kurse für Kinder und Erwachsene und fand es von Anbeginn an bedauerlich, dass es nur eine Scheinleinwand für ein Schattenspiel an der Rückseite des Raums gibt, auf der während des normalen Museumsbetriebes Informationsfilme über einen Beamer laufen. Richtiger wäre eine Leinwand an der Vorderseite und eine Bühne gewesen, um die man hätte laufen können. So wie es gebaut war, konnte ich mir bestenfalls Filme mit Schattenspielen vorstellen - und genau dies liess mir keine Ruhe. Obwohl es für mich Neuland war, begann ich nach Möglichkeiten für Figuren zu suchen, ebenso wie fürs Filmen. Ein traditionelles Schattenspiel hatten wir 2009 privat mit dem leider viel zu früh verstorbenen Dhalang Mas Joko Rahardjo aufgeführt, mit dem ich schon eine mögliche Zusammenarbeit verabredet hatte. 2013 übte ich mit der Beuys-Figur für eine Ausstellung in Venlo und bot am 28.10. einen Workshop über Wayang Kulit beim Herbstfestival „Schattenreiche“ der Oper Köln an. Von dem Journalisten Armin Himmelrath erhielt ich auf einem Strassenfest in meiner Kaesenstrasse den entscheidenden Hinweis auf eine Gestapo-Akte über das Schicksal meiner Großtante Cläre Zänder, dem ich mehrere Tage im Landesarchiv Düsseldorf nachging. Da ich in den Jahren zuvor intensiv mit Genetik und verschiedenen Tests befasst war, sah ich zunächst auch die Möglichkeit, in Briefen nach genetischen Spuren zu suchen, aber in einem Brief von Werner Wohl wurde ausdrücklich erwähnt, dass das Anlecken von Briefmarken auf Java zu Durchfall führen kann und so habe ich diese Möglichkeit auch aus Kostengründen wieder verworfen. Zwei Kompositionsentwürfe aus frühen Jazztagen mit Echoes of Big Bang sowie eine aus dem Jahre 2002 flossen neuarrangiert zusammen mit neuen Stücken in das Projekt ein, für das ich zum Glück Musiker aus ganz verschiedenen Bereichen gewinnen konnte. Mit der Kölner Gruppe 6032 war ich schon mehrfach mit freier Improvisation aufgetreten, mit dem Genderspieler Andreas Herdy spiele ich auch schon seit 16 Jahren und lerne von ihm. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass soviel gute und auch besonders nette Musiker und viele andere Leute mein Projekt auch ein wenig zu ihrem eigenen gemacht haben. Im Zuge der Recherchen und Vorbereitung ist einfach soviel Wissens-, Sehens- und Hörenswertes zusammengekommen, dass es schade gewesen wäre, all das Schöne und Spannende wieder in einer Schublade verschwinden zu lassen. Herzlichen Dank an alle! Hartmut Zänder, Köln, im Februar 2016
Die letzte Praxis von Kurt Wohl in Bandung
auf seinem 80sten Geburtstag 1956 im Garten von Bandung
Die Überfahrt nach Wermelskirchen 1957
