Börsen-Phasen entschlüsseln - Hartmut Jaensch - E-Book

Börsen-Phasen entschlüsseln E-Book

Hartmut Jaensch

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Beschreibung

Wie können Sie als Anleger die Börse durchschauen? Wie erkennen Sie den richtigen Zeitpunkt für den Kauf oder Verkauf von Aktien? Und wie sicher können Sie Ihr Geld anlegen? Hartmut Jaensch zeigt, dass die Börse zwar unvorhersehbar, aber keineswegs unberechenbar ist. Der Gründer von prediqma - Institut für Börsenstrategie eröffnet Ihnen seine Erkenntnisse aus 3 Jahrzehnten Forschung zum Kapitalmarkt: Anleger können ablesen, warum Kennzahlen-Analysen und Prognosemodelle in der Finanzkrise versagten. Sie lernen, wie sie risikoarm in Aktien anlegen und wann sich eine Geldanlage lohnt. Jaensch beleuchtet dabei auch die Bedeutung negativer Zinsen für die Aktienmärkte und entzaubert Börsencrash-Prognosen. Sicher an der Börse investieren Dieses Buch basiert nicht auf Hypothesen, sondern auf belegten Fakten. Es weist den Weg, wie Sie Ihr Aktienvermögen und Ihre Rendite auch bei unvorhersehbaren Veränderungen der Aktienkurse schützen und erfolgreich in Wertpapiere investieren. Mehr als nur Aktien-Analyse Unzufrieden mit vagen Handlungsanweisungen begann Hartmut Jaensch schon im Studium Algorithmen zu testen, um Börsenzyklen zu entschlüsseln. Während seiner Tätigkeit als Manager und Berater für Konzerne wie Google, Xerox, Avaya und Dresser forschte er weiter. Unter anderem verantwortete er die Entwicklung von Prognose-, Finanz- und Risk-Management-Systemen. Seine Erkenntnisse aus 30 Jahren Forschung mit Daten aus mehr als 100 Börsenjahren stellt er online mit prediqma auch privaten Anlegern bereit.

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Seitenzahl: 397

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Deckblatt

Titelseite

Impressum

Vorwort: Was bedeutet das für mich als Anleger, wenn …

Teil I Unsicherheit

1. Kapitel: Wenn ich immer den richtigen Zeitpunkt verpasse

2. Kapitel: Wenn auf die Börsenregeln kein Verlass ist

3. Kapitel: Wenn alle Prognosemodelle regelmäßig versagen

Teil II Die Aktienmärkte

4. Kapitel: Wenn Experten zum Kauf raten

5. Kapitel: Wenn Experten warnen

6. Kapitel: Wenn Aktienmärkte steigen

7. Kapitel: Wenn Börsenkurse fallen

8. Kapitel: Wenn eine Partei die Wahl gewinnt

9. Kapitel: Wenn sich die Geschichte wiederholt

Teil III Die Finanzmärkte

10. Kapitel: Wenn die Anleihezinsen steigen

11. Kapitel: Wenn die Anleihezinsen fallen

12. Kapitel: Wenn die Notenbank die Zinsen erhöht

13. Kapitel: Wenn die Notenbank die Zinsen senkt

14. Kapitel: Wenn der Dollar steigt

15. Kapitel: Wenn der Euro stark und der Dollar schwach ist

Teil IV Die Rohstoffmärkte

16. Kapitel: Wenn der Goldpreis steigt

17. Kapitel: Wenn der Goldpreis fällt

18. Kapitel: Wenn die Rohstoffpreise steigen

19. Kapitel: Wenn die Rohstoffpreise fallen

20. Kapitel: Wenn der Ölpreis explodiert

21. Kapitel: Wenn der Ölpreis fällt

Teil V Die Realwirtschaft

22. Kapitel: Wenn die Konjunktur schwächelt

23. Kapitel: Wenn die Konjunktur boomt

24. Kapitel: Wenn Inflation droht

25. Kapitel: Wenn Deflation droht

26. Kapitel: Wenn die Staatsschulden ausufern

27. Kapitel: Wenn der Staatshaushalt saniert wird

Teil VI Die Sicherheit

28. Kapitel: Wenn ich mich nicht mehr verunsichern lasse

29. Kapitel: Wenn ich Finanzdaten richtig kombiniere

30. Kapitel: Wenn ich die Wendepunkte erkenne

Nachwort: Zweifellos erfolgreich

Stichwortverzeichnis

Über den Autor

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Hartmut Jaensch

Börsen-Phasen entschlüsseln

Das sind die Erfolgsfaktoren für Ihre Anlagestrategie

WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA

1. Auflage 2018

Alle Bücher von Wiley-VCH werden sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren, Herausgeber und Verlag in keinem Fall, einschließlich des vorliegenden Werkes, für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für eventuelle Druckfehler irgendeine Haftung.

© 2018 Wiley-VCH Verlag & Co. KGaA, Boschstr. 12, 69469 Weinheim, Germany

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Covergestaltung: bauer-design, Mannheim

Coverfoto: theaphotography/stock adobe.com

Satz: Lumina Datamatics

Print ISBN: 978-3-527-50938-6

ePub ISBN: 978-3-527-82051-1

mobi ISBN: 978-3-527-82050-4

 

 

 

 

Für Dorothee, Tim und Florian

Vorwort: Was bedeutet das für mich als Anleger, wenn …

… ich das Geschehen an der Börse nicht durchschaue, bereits mehrfach den richtigen Zeitpunkt für Kauf oder Verkauf verpasst habe und dadurch Geld verloren habe? Ist das Geschehen an der Börse einfach zu komplex, um es als einzelner Anleger zu verstehen? Sollte ich nicht lieber die Finger davonlassen und mit meiner Geldanlage warten, bis die Zinsen wieder steigen?

Tatsächlich scheint es mitunter so zu sein, dass selbst die Fachleute die Börsenwelt nicht durchschauen. »Das ist alles nicht mehr kalkulierbar«, äußerte ein bekannter Börsenexperte im Sommer 2012, als die Börsen das Desaster der Finanzkrise ignorierten und ihren nun mehr schon fast ein Jahrzehnt andauernden Aufschwung scheinbar unbeirrt und allen Warnungen zum Trotz fortsetzten.

Lässt sich das bunte und bis heute unvorhersehbare Börsengeschehen überhaupt irgendwie einfangen? Gab es nicht schon unzählige Versuche, dem schier unbändigen Zufall, dem das Auf und Ab der Finanzmärkte zu unterliegen scheint, mit allen nur erdenklichen Methoden auf die Schliche zu kommen?

Ereignisse wie Kriege, Katastrophen und Kursstürze sowie gigantische Gewinne, große Geldvermögen und Geldströme, die die Geschäfte rund um den Erdball begleiten: Seit es Börsen gibt, liefern sie den Stoff für die scheinbar so undurchdringliche Aura, mit der sich die Finanzmärkte bis in unsere Zeit umgeben. Sie sind denen Argument, die die Finanzmärkte als chaotisches System ansehen, in dem nichts sicher oder im Voraus bestimmbar sei, und die irgendwann die Weltwirtschaft am Abgrund sehen. Genauso wie denjenigen, die ständig darauf verweisen, welch wunderbare Renditen in der Vergangenheit am Aktienmarkt zu erzielen waren – wenn, ja wenn ein Anleger doch nur lange genug und ausdauernd durchgehalten hätte.

Viele Finanzmarktexperten beklagen das geringe Interesse, das normale Bürger der Börse entgegenbringen. Aber nicht nur in Deutschland, sondern in allen führenden Industrienationen begegnet eine Mehrheit der Bevölkerung dem Geschehen an den Börsen mit großer Skepsis. Und es sind keinesfalls nur die Linken, die kritische Bemerkungen zum globalen Wirtschafts- und Finanzsystem, zur Geldpolitik der Notenbanken oder über geldgierige Aktienspekulanten machen und dafür vom breiten Publikum Beifall erhalten. Selbst im Börsenwunderland USA führen Mainstreet, also die überwiegend bürgerliche Gesellschaft, und Wall Street, Synonym für die Finanzeliten, einen unerbittlichen Kampf gegeneinander, der im Herbst 2011 im Schlachtruf »Occupy Wall Street« (Besetzt die Wall Street) gipfelte und von da um die Welt ging.

Bis heute wird darüber gestritten, ob die Finanzkrise von 2008 hätte vorhergesehen und verhindert werden können. Und genauso uneinig sind sich Experten, ob der darauffolgende, über viele Jahre andauernde Aufschwung am Aktienmarkt, der Aktienanlegern Kursgewinne von mehreren hundert Prozent beschert hat, absehbar war oder nicht (und wie lange er sich noch weiter fortsetzen kann). An dem Versuch, wiederholbar die richtige Diagnose über die künftige Entwicklung an den Finanzmärkten zu stellen, sind schon Nobelpreisträger gescheitert.

Vor dreißig Jahren habe ich, einer großen Leidenschaft folgend, begonnen, mich mit den Finanzmärkten zu befassen. Ich stellte mir die Frage, ob man das Börsengeschehen nicht in eine logische Formel fassen kann, nach der ein Anleger seine Anlageentscheidungen treffen könnte. Um zu verstehen, was an der Börse funktioniert und was nicht, bin ich in die Tiefe gegangen. Ich komme aus der Welt der Zahlen, der Daten, der Formeln und der Algorithmen. Von Anfang an habe ich alle mir zugänglichen Methoden und das Vorgehen bei der Aktienanlage auf Plausibilität, auf die Anwendbarkeit und die Ergebnisse hin überprüft. Ich nahm Einblick in das Finanz- und Wertpapiergeschäft einer Bank, den Handel an der Münchener Börse und in das Redaktionsgeschehen eines großen deutschen Anlegermagazins, für das ich während meines Studiums Unternehmen analysierte und Artikel verfasste. Doch schnell merkte ich, dass ich an diesen Orten keine befriedigende Antwort auf meine Frage finden würde, weil dort andere Interessen und Ziele verfolgt werden (müssen) als die des durchschnittlichen Anlegers. Das brachte mich zu der Überlegung, die Welt der Finanzmärkte einmal mit klaren Regeln und schlüssigen Fakten beschreiben zu wollen, die sich logisch nachvollziehen ließen.

Um meinem Ziel näher zu kommen, trug ich umfangreiches Material zusammen. Ich analysierte akribisch insbesondere Daten aus über 100 Jahren Börsengeschichte. Dazu suchte ich in Archiven und Datenbanken unter anderem in Deutschland und den USA nach Zeitreihen und Methoden, mit denen ich in der Lage war, zunächst die weit verbreiteten Standardratschläge zu überprüfen, die seit jeher unverändert von Generation zu Generation weitergegeben werden und die bis heute von vielen als allgemeingültig dargestellt werden: breit streuen, langfristig anlegen, in Schwächephasen zukaufen, in je ein Drittel Gold, Aktien und Anleihen investieren … – und was dergleichen mehr an scheinbar goldenen Regeln kursiert.

Doch je mehr dieser Regeln ich in Formeln fasste, um sie auf ihre Zuverlässigkeit hin zu überprüfen, umso mehr Überraschungen erlebte ich. Sie funktionierten nicht, widersprachen sich zum Teil fundamental und brachten oft sogar weit unterdurchschnittliche Ergebnisse. Und so verwundert es mich heute nicht mehr, wenn die Widersprüchlichkeit oder auch Nicht-Fassbarkeit weit verbreiteter Börsenregeln viele Anleger resignieren lässt.

Das trägt mit dazu bei, dass die meisten Marktteilnehmer die immer gleichen Fehler wiederholen und es nur eine Minderheit schafft, tatsächlich an der Börse Überrenditen zu erzielen. In einer sich vermeintlich immer schneller drehenden Welt lebt es sich nun einmal bequemer, wenn man aufgrund vorgefasster Meinungen handelt und lediglich Bestätigungen für diese akzeptiert, statt das eigene Handeln zu hinterfragen und einen neuen Standpunkt einzunehmen.

Ich werde Ihnen in diesem Buch zeigen, wie Sie diesen Kreislauf durchbrechen – und wie Sie es schaffen, zu denen zu gehören, die tatsächlich besser abschneiden als die Masse der Anleger.

Um es gleich vorwegzunehmen: Dieses Buch bietet Ihnen eben keinen der simplen, oben zitierten Standardratschläge. Davon sind die Regale in den Buchhandlungen bereits übervoll. Und das Leben verläuft eben nicht so, wie es die Finanzsimulationen gerne glaubhaft machen.

Ich biete Ihnen stattdessen einen Einblick in schlüssige Zusammenhänge, die sich logisch nachvollziehen lassen. Mein Ansatz hat klare Indizes, die zeigen, wann ich risikoarm in Aktien investieren kann, ob ein Abschwung bevorsteht, wie die konjunkturelle Gesamtsituation auf die Finanzmärkte wirkt und vieles mehr. Das Tagesgeschehen an den Finanzmärkten interessiert mich hingegen nur am Rande: Fernab vom Trubel lege ich entspannt an, weil ich mich auf ganz bestimmte, immer gleiche Faktoren konzentriere, deren Entwicklung ich aufmerksam und konsequent verfolge.

In diesem Buch gehe ich Kapitel für Kapitel die wichtigen Faktoren an den Finanzmärkten durch und zeige ihre Einflüsse auf die Aktienmärkte. Wenn Sie die Kräfte und deren immer gleiche Auswirkung auf die Finanzmärkte im Laufe der Weltgeschichte bis heute kennen, sind Sie nicht nur gegen die ständig wechselnden Stimmungen und Ereignisse immunisiert. Mit diesem Wissen schaffen Sie sich die für eine neue Perspektive notwendige Distanz, von der aus Sie objektiv einschätzen können, welchen Folgen Inflation, Arbeitslosenquoten, Kriege oder Naturkatastrophen tatsächlich auf die Aktienmärkte haben.

Um an der Börse erfolgreich zu sein, braucht es auch keine Vorhersagen über den künftigen Verlauf – eine solche Vorstellung wäre grundlegend falsch. Und selbst das umfangreichste System wird niemals die Wirklichkeit vollständig erfassen und abbilden, geschweige denn prognostizieren können. Wichtig ist nur, dass Sie erkennen und unterscheiden können, wann es an der Börse wirklich gefährlich wird und wann Sie risikoarm investieren können.

Ihr Erfolg wird dabei zuletzt immer auch zu einem Teil Ihrer Intuition geschuldet bleiben. Daher ist es wichtig, dass Sie zuvor zu einer klaren Überzeugung kommen, anhand derer Sie Ihre Entscheidungen fällen. Wenn dieses Buch es schafft, Ihre Kritikfähigkeit gegenüber den Standardratschlägen zu schärfen, und Sie mit einer neuen, unabhängigen Perspektive an Ihre Anlageentscheidungen gehen lässt, dann sind Sie gut gerüstet für Ihre ganz persönliche Börsenzukunft.

Als ich mit meinen Forschungen begann, war ich nicht von dem Willen getrieben, Geld zu verdienen, sondern ich war von der Faszination des Themas gepackt. Meine jahrelange Suche wurde schließlich von Erfolg gekrönt. Da aber niemand jemals etwas hervorgebracht hat, ohne zuvor von anderen Menschen profitiert zu haben, die bereit waren, ihr Wissen, ihre Erkenntnisse und Ideen bereitwillig weiterzugeben, ist es mir auch ein Bedürfnis, mein Wissen mit Ihnen, meinen Lesern, zu teilen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit Hilfe dieses Buches Ihr Geld in Zukunft gelassen, unabhängig, eigenständig und mit größerem Erfolg anlegen können! Und ich kann Ihnen versichern: Mit dem richtigen Durchblick ist es eine große Freude, Anlageentscheidungen an der Börse selbst zu treffen.

Teil I:UNSICHERHEIT

1. Kapitel:Wenn ich immer den richtigen Zeitpunkt verpasse

»Die Rente ist sicher.« Mit diesem Satz wehrte sich der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm am 10. Oktober 1997 im deutschen Bundestag gegen eine Kampagne der Bild-Zeitung. Die hatte damals gegen die umlagebasierte Rentenversicherung gestichelt und so eine Steilvorlage für die Finanzbranche geliefert, die immer schon die Überlegenheit einer kapitalgebundenen Altersvorsorge, zum Beispiel in Form von Aktienanlagen, predigte. Die 1980er- und die 1990er-Jahre waren ein Börsen-Eldorado und schlicht die Jahrzehnte für amerikanische und europäische Anleger gewesen. Und hatten nicht gerade diese Jahre gezeigt, welch gewaltige Renditen an der Börse zu erzielen sind? Fast 14 Prozent jährlich hatten deutsche Aktien inklusive Dividenden – gemessen am DAX – zwischen Anfang 1980 bis Ende 1997 im Durchschnitt zugelegt. Umgerechnet wären aus 50 000 Euro in diesem Zeitraum über 425 000 Euro und damit selbst ein Eigenheim in München erschwinglich geworden. Vergleichsweise kärglich waren dagegen die jährlichen Rentensteigerungen und die Renditen der schon damals mager verzinsten Sparbücher.

Elf Jahre und zwei Krisen später fiel wieder ein denkwürdiger Satz. »Die Spareinlagen sind sicher.« Diesmal nicht aus dem Mund eines Ministers, der Maßnahmen seines Ressorts verteidigte, sondern ausgesprochen von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Winter 2008 die Weltuntergangsängste der Sparer während der Finanzkrise beruhigen musste. Viel schlimmer als die Sparer hatte es jedoch die Aktienbesitzer getroffen, die zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrzehntes miterleben mussten, wie sich auf dem Tiefpunkt einer Börsenkrise über 50 Prozent ihres Aktienvermögens wieder in Luft aufgelöst hatten.

Wer bereits 1997, auf hohe Rendite hoffend, sein Geld langfristig dem deutschen Aktienmarkt anvertraut hatte, der hatte zwar, bezogen auf den DAX, Ende 2008 noch eine Mini-Rendite von umgerechnet einem Prozent pro Jahr erzielt. Aber das konnte dabei weder mit den in der Zwischenzeit mit Zinsanlagen erzielten Erträgen Schritt halten, noch annähernd eine Kompensation für die nervenaufreibende Achterbahnfahrt an den Aktienmärkten bieten. Hinzu kam die Angst vor einer neuen Weltwirtschaftskrise, in der auch noch das letzte verbliebene Aktienvermögen Gefahr lief, aufgezehrt zu werden. Dann also künftig doch lieber wieder brav sparen?

Nach weiteren zehn Jahren und im Umfeld historisch tiefer Zinsen sowie nach wie vor niedriger Reallöhne scheint aber auch das Sparen gar keine so sichere Angelegenheit zu sein. Die Sparer werden durch Geldentwertung kalt enteignet und zahlen, gemeinsam mit den Steuerzahlern, die Zeche für die Eskapaden an den Finanzmärkten. Und mit dieser Ansicht sind sich die Stammtische und ausnahmsweise auch Politiker jeder Couleur einig wie sonst nie.

Also wohl dem, der Immobilien hat? In Zeiten niedriger Zinsen und unberechenbarer Aktienmärkte erscheint das für viele eine beruhigende Alternative. Und die meisten, die den Traum von den dauerhaft gesicherten Mieteinnahmen, verbunden mit der Aussicht auf hohe Wertsteigerungen des Objekts träumen, haben schon wieder vergessen, dass die Immobilienpreise in der Finanzkrise ebenfalls einbrachen. Selbst in Deutschland sind manche Hausbesitzer durch säumige Mieter, die ihre Arbeitsplätze verloren hatten, in Existenznöte geraten, weil sie mangels Mieteinnahmen Darlehen nicht bedienen konnten.

Wie man es macht, macht man es verkehrt

Trotz der bitteren Erfahrung der Finanzkrise steht die Anlagestrategie »langfristig anlegen und breit streuen« bei vielen Anlageberatern weiter hoch im Kurs. Und in der Tat: Die Betrachtung von Charts des Dow Jones, DAX & Co. scheint ja zu belegen, dass an den Aktienmärkten im Durchschnitt und bis heute eine attraktive Rendite erzielt wird. In den vergangenen 50 Jahren betrug der jährliche Zuwachs in Deutschland beispielsweise etwa 6,6 Prozent pro Jahr (DAX Januar 1968 bis Januar 2018). Ähnlich war es in den USA. Kapitalmarktexperten werden dabei auch nicht müde, die vergleichsweise hohe Rendite einer Aktienanlage auf relativ wenige Tage mit hohen Kurssteigerungen zurückzuführen, in denen es wichtig sei, investiert zu sein. Da aber niemand in der Lage sei, diese Tage vorherzusagen, bleibe es wichtig, durch die Marktzyklen hindurch dauerhaft investiert zu bleiben. Zeit sei daher wichtiger als der Zeitpunkt, wobei das Auf und Ab an der Börse dann der Preis sei, den der Anleger für eine höhere Rendite zu zahlen bereit sein müsste.

Diese Ansicht teile ich ganz und gar nicht, denn ein in Aktien investiertes Vermögen unterliegt bei dieser Strategie sehr starken Schwankungen. Besonders erstaunlich ist dabei, dass der Dow-Jones-Index über den langen Zeitraum der vergangenen 50 Jahre nur in knapp sechs Prozent des Anlagezeitraums überhaupt zulegen konnte, also neue Höchststände erreichte – und die sind ja Voraussetzung für einen Zuwachs beim zuvor eingesetzten Kapital.

In der übrigen Zeit wurden die zuvor erzielten Gewinne zum großen Teil wieder abgegeben. Statistisch gesehen betrug die Gesamtzeit, in der Kursgewinne erzielt wurden, nur drei Jahre, hingegen sind es 47 Jahre, in denen diese zum Teil wieder verloren gingen. Die Enttäuschung, die schönen Gewinne nicht behalten zu dürfen, und das Gefühl, ständig wieder im Verlust zu liegen, lösen bei vielen Menschen zu Recht Unbehagen und Unzufriedenheit aus.

Ein Anleger, der in der Finanzkrise von 2007 bis 2009 zeitweise über 50 Prozent seines vorher so mühsam erwirtschafteten Vermögens verlor, musste anschließend fast sechs Jahre abwarten, bis die Aktienverluste endlich wieder aufgeholt waren und der alte Stand überhaupt erst wieder erreicht war.

Die Rendite eines Vermögens, das Anfang 1961 in Aktien von DAX-Unternehmen angelegt wurde, betrug im Sommer 2007 auf dem damaligen Index-Höchststand ungefähr sechs Prozent. Nach dem tiefen Fall der Kurse lag diese im März 2009 bei nur noch vier Prozent. Die häufig propagierte Überlegenheit der Aktienanlage gegenüber anderen Anlageformen ist also keinesfalls ein Dauerzustand.

Hohe Gewinnrenditen werden nämlich nur durch rechtzeitiges Verkaufen gesichert. Sonst geht es Ihnen wie den Kandidaten bei Günter Jauchs »Wer wird Millionär«: Gewinne kann nur der mit nach Hause nehmen, der rechtzeitig aussteigt.

Das Dilemma lässt sich anhand der Grafik in Abbildung 1.1 am besten verdeutlichen. Der untere Chart zeigt Ihnen den Verlauf des Dow-Jones-Indizes. Er steigt langfristig und unter Schwankungen an, solche Charts finden Sie auch in den Verkaufsprospekten von Fondsprodukten. Aber der Langfristchart zeigt nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit unterliegt ein so dauerhaft in Aktien angelegtes Vermögen gigantischen Schwankungen – und genau das zeigt Ihnen der obere Graph. Da sind zum einen die relativ kurzen Zeiträume, in denen die Aktien tatsächlich neue Höchstkurse erreichen; der Graph liegt dann über der 100-Prozent-Marke und leicht in der Vermögenszuwachszone. Doch dieser Vermögensstand bleibt so nicht lange erhalten. So grenzt es schon fast an Wahnsinn, wenn ein Anleger, der sich gerade noch über Kursgewinne und ein hohes Vermögen gefreut hat, das über mehrere Jahrzehnte entstanden ist, anschließend innerhalb von wenigen Monaten zwischen 30 und 50 Prozent genau dieses Einsatzes wieder verliert. Und jetzt die Geduld aufbringen und weitere Jahre warten, bis dieser Verlust überhaupt erst wieder aufgeholt ist? Ich kann es niemandem verdenken, wenn er nach solch bitteren Erfahrungen dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt hat.

Abb. 1.1: In über 90 Prozent des Anlagezeitraums erodiert das Aktienvermögen (wieder), Datenbasis: US-Federal Reserve Bank (bis 1999) und Lenz & Partner, VWD-Group (ab 2000)

Die richtige Zeit für den Ein- und Ausstieg

Anleger laufen aber nicht nur Gefahr, in einen tiefen Abschwung zu geraten und Geld zu verlieren, sondern auch, zu früh auszusteigen und weitere Kursgewinne zu versäumen. Viele Anleger, private wie institutionelle, haben zum Beispiel den langjährigen Börsenaufschwung, der im März 2009 seinen Anfang nahm, verpasst – zumindest zu einem großen Teil. Unter Finanzexperten gilt dieser langjährige Anstieg daher als die »am meisten gehasste Hausse« aller Zeiten.

Immer wieder finden sich auch heute Experten, die verlauten lassen, es sei doch glasklar erkennbar gewesen, dass die Aktienkurse im Sommer 2007 übertrieben hoch standen, dass es also höchste Zeit gewesen sei, zu verkaufen – und dass im Vergleich dazu die Aktien im Frühjahr 2009 spottbillig gewesen seien. Wer also damals mutig war und gekauft hat, der würde demnach heute auf hohen Kursgewinnen sitzen.

Wer so argumentiert, unterliegt dabei in aller Regel dem sogenannten Rückschaufehler. Im Nachhinein und mit dem heutigen Wissen erscheint alles Geschehen logisch und einleuchtend. Da lassen sich leicht Faktoren finden, mit denen dann alles passend gemacht werden kann. Aber in der Gegenwart, in der die Zukunft ja noch unbekannt ist, ist es viel schwerer, die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. Lassen Sie mich Ihnen als Beispiel dafür eine Geschichte erzählen, bei der ich Ihnen zunächst erst einmal nicht verrate, in welcher Zeit sie spielt:

Zehn Jahre nach dem erstmaligen Erreichen kann der Dow-Jones-Index die 1000-Punkte-Marke endlich dauerhaft überwinden. Als der Index dann sogar die 2000 Punkte übersteigt, herrscht Zuversicht und gute Stimmung an der Börse. Eine Kursverdopplung innerhalb von nur vier Jahren! Nun gibt es viele, die ihre Überzeugung kundtun, dass bald auch die 3000-Punkte-Marke genommen wird. Auf der anderen Seite stehen die Mahner, diejenigen, die vor einem baldigen Crash warnen. Und es sind keinesfalls nur Untergangspropheten, die jetzt von einem Spielcasino sprechen und davon, dass es nicht mehr lange gutgehen kann. Was also tun: lieber aussteigen und Gewinne mitnehmen, dem Aktienmarkt fernbleiben? Die Kurse schwanken und geben schließlich innerhalb weniger Wochen um rund acht Prozent nach. – Die Vorboten des befürchteten Crashs oder nur ein vorübergehender Kursrückgang? – Jetzt lieber doch schnell die Gewinne mitnehmen oder die Schwächephase für Zukäufe nutzen? Für beide Handlungsweisen lassen sich, wie zu jeder Zeit, gute Gründe finden.

Richtig handelt in dieser Situation der, der im Markt bleibt. Die zwischenzeitlichen Verluste werden schnell wieder aufgeholt und die Aktienkurse klettern weiter. Schließlich übersteigt der Dow-Jones-Index sogar die 2700er-Marke; ein Plus von sagenhaften 35 Prozent. Das ist ärgerlich für die, die hier nicht mit dabei sind, denn solche Gewinne sind es, die Aktienanlage lukrativ machen.

Als der Dow Jones seine Reise fortsetzt und innerhalb von einer Woche mal um zehn Prozent fällt, ist das für die erfahrenen Anleger »kein Grund zur Panik«, und auch Börsenexperten beruhigen: »Nur eine kleine Delle«. Am darauffolgenden Montag, dem 19. Oktober 1987, gibt es dann jedoch nur noch eins: Raus aus den Aktien! Computergesteuerte Verkaufsprogramme stürzen den Index um 508 Punkte oder 22,6 Prozent nach unten. Dies ist bis heute (2018) der größte Tagesverlust in der Geschichte des weltbekannten US-Aktienbarometers. Von dem im Spätsommer 1987 noch auf 3000 Milliarden US-Dollar geschätzten Wertpapiervermögen werden allein an diesem »Schwarzen Montag« rund 500 Milliarden vernichtet. Und der Kursverfall geht danach unaufhaltsam weiter. Erholung mit der Möglichkeit, noch zu günstigen Kursen auszusteigen? Fehlanzeige.

Als die Aktienmärkte schließlich im Dezember 1987 ihren Tiefpunkt finden, hat der Dow-Jones-Index, gemessen am damaligen Allzeithoch von 2722 Punkten am 25. August 1987, rund 35 Prozent verloren. Jetzt herrscht große Angst und Unsicherheit über die Zukunft: Dramatisch sind die neuen Prognosen für die künftigen Arbeitslosenzahlen. Vergleiche mit dem großen Crash von 1929 und der darauffolgenden Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre finden sich zuhauf in den Medien. Selbst in der ARD-Tagesschau, in der damals zuvor überhaupt nicht vom Aktienmarkt berichtet worden ist, nimmt dieser Vorfall großen Raum ein.

Wer mit seinen Börsengewinnen eine größere Anschaffung geplant oder sich eine Aufbesserung seiner Altersvorsorge erhofft hat, der ist bitter enttäuscht und nimmt sich vor, künftig der Börse lieber fernzubleiben. Und so ist es kein Wunder, dass die meisten Anleger den Kursaufschwung, der im Frühjahr 1988 beginnt, verpassen. Es dauert übrigens zwei Jahre, bis die Aktienmärkte wieder ihr Vor-Crash-Niveau erreichen.

Solche Ereignisse zeigen, dass es sowohl den Profis als auch den meisten Anlegern schwerfällt, in der Praxis die richtige Entscheidung zu treffen. Darüber hinaus werfen solche Vorkommnisse auch im Nachhinein noch viele Fragen auf.

Warum hat das niemand kommen sehen?

Nach dem Börsencrash machte der spätere Nobelpreisträger Robert Shiller zusammen mit Studenten der Yale University eine Umfrage unter Anlegern und verblüffte mit den Ergebnissen nicht nur die Fachwelt: Die meisten Anleger gaben an, dass sie schon im Vorfeld gewusst hätten, dass die Aktienkurse übertrieben hoch standen. Aber nur sehr wenige hatten rechtzeitig verkauft; es überwog die Annahme, dass es schon nach kurzer Korrektur mit den Kursen weiter aufwärts gehen würde.

Jahre später und als die Stimmung an den Aktienmärkten gerade gut war, bezeichnete ein Fondsmanager den Börsencrash von 1987 einmal spöttisch als »Treppenwitz«, über den schnell wieder hinweg zur Tagesordnung gegangen werden könne. Denn die Geschichte habe ja bewiesen, dass es an der Börse langfristig immer nach oben geht.

Doch der Schein trügt hier gewaltig: Nachträglich ist es immer leicht, über so eine Episode in wenigen Minuten hinwegzugehen. Wenn sich aber das über mehrere Jahre am Aktienmarkt angesparte Vermögen plötzlich zu großen Teilen in Luft auflöst, ist das Erleben einer solchen Crash-Situation in Wahrheit schier unerträglich. Schließlich zerplatzen dabei auch Träume und Vorhaben, die mit dem so zuvor erstandenen Geld in die Tat umgesetzt werden sollten. Hinzu kommen endlose Zweifel darüber, ob es noch weiter nach unten geht, und die Ungewissheit, wann der alte Vermögensstand (wenn überhaupt) wieder erreicht werden kann. Das lässt die Geldanlage in Aktien dann zu einer emotionalen Achterbahnfahrt werden, bei der die meisten aus der Kurve fliegen und entnervt zu Tiefstkursen verkaufen. Es ist ja schließlich auch ein riesiger Unterschied, ob Sie beim Skispringen selber die Schanze heruntersausen oder den Sprung bequem vor dem Fernseher verfolgen.

»Langfristig anlegen, breit streuen und in Schwächephasen zukaufen«. Nicht nur der Crash von 1987 hat gezeigt, dass diese Strategie wenig Orientierung bietet und der dritte Aspekt sogar ein großer Selbstbetrug ist. Woher soll denn der, der bereits langfristig im Markt investiert ist und sein Kapital breit gestreut hat, in großen Schwächephasen noch Kapital für Zukäufe nehmen?

Aktiensparen ist ein Irrweg

Anlageverkäufer sind da schnell mit einer Antwort zur Hand: sogenannte Fondssparpläne, bei denen Sie Monat für Monat einen festen Betrag einzahlen. Diese suggerieren, dass etwas angespart wird. In Schwächephasen werden so für das gleiche Geld mehr Aktien gekauft als in Boomzeiten, wenn die Kurse hoch stehen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass Verluste durch kontinuierliche Zukäufe schneller wieder aufgeholt werden. Aber auch das ist ein Trugschluss, wie nachfolgendes Beispiel verdeutlicht:

Wenn Sie zwanzig Jahre lang 100 Euro monatlich in einen Fondssparplan einzahlen, dann sind das zunächst einmal 24 000 Euro, die Sie in Aktien investiert haben. Unterstellt, dass Sie auf jede dieser Einzahlungen eine durchschnittliche jährliche Rendite von sieben Prozent erzielen, dann besäßen Sie nach 20 Jahren die stolze Summe von rund 52 000 Euro. Wenn Sie nun in einem Crash beispielsweise 40 Prozent verlieren, hätten Sie rund 21 000 Euro eingebüßt und besäßen noch etwa 31 000 Euro.

Nehmen wir an, dass Sie nun weiter brav 100 Euro monatlich einzahlen und sowohl auf diese neuen Zahlungen als auch auf die Ihnen noch verbliebenen 31 000 Euro tatsächlich eine jährliche Rendite von sieben Prozent erzielen. Dann bedeutet dies, dass Sie etwas mehr als weitere fünf Jahre durchhalten müssten, um überhaupt erst wieder auf die ursprünglichen 52 000 Euro zu kommen. Aber dann ist Ihre Gesamtrendite immer noch negativ, denn wenn Sie die Neu-Einzahlungen von rund 6 000 Euro abziehen, liegen Sie mit 46 000 Euro ja noch immer unter dem Stand von vor fünf Jahren. Dass bei dieser Rechnung kein weiterer Crash dazwischenkommen darf, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Mein Fazit also: Aktiensparen ist ein Irrtum. Denn je länger Sie am Aktienmarkt investiert bleiben, umso größer wird die Gefahr, dass Sie irgendwann in einen Crash geraten.

Selber in Aktien anlegen?

Bis heute besteht eine weit verbreitete Ansicht: »Unfälle« gehören zur Börse und Anleger können sich darauf auch nicht einstellen. Dass die meisten Privatanleger daher oft zu Unzeiten Aktien kaufen und verkaufen und dabei bestenfalls Minirenditen erzielen, haben schließlich zahlreiche Studien in der Vergangenheit wiederholt bestätigt. Die Wirtschaftswissenschaftler Andreas Hackethal und Steffen Meyer untersuchten zum Beispiel für den Zeitraum zwischen Januar 2005 und Dezember 2015 rund 40 000 private Wertpapierdepots von Direktbank-Kunden mit einem durchschnittlichen Aktienanteil von 80 Prozent sowie 20 Prozent in Anleihen und veröffentlichten die Ergebnisse in der Zeitschrift Finanztest Nr. 4/2017. Danach betrug die Durchschnittsrendite der Privatanleger etwa 3,1 Prozent und lag damit unter dem Vergleichsmaßstab eines aus marktbreiten Aktien- und Rentenindizes bestehenden Musterdepots, das mit 8,7 Prozent pro Jahr rentierte, als auch leicht unter dem MSCI World Kursindex (Euro), der in dieser Zeit durchschnittlich 3,6 Prozent pro Jahr zulegte.

Solche Studien werden gerne als Beleg dafür gewertet, dass Anleger den Markt nicht schlagen können und es besser wäre, das Geld langfristig in Fonds oder ETFs anzulegen. Dieses Argument lasse ich so nicht gelten. Denn die Studie hat ja, wie andere zuvor, nur gezeigt, dass die Mehrheit es nicht schafft, den Markt zu schlagen. Wie jedoch die erfolgreichere Minderheit vorgeht, wird dabei genauso wenig beleuchtet wie die Tatsache, dass den Anlegern die weit verbreiteten Standard-Anlagestrategien, wie gerade gezeigt, an der Börse nicht helfen können.

Wenn Sie jetzt angesichts dieser Erkenntnisse ein ungutes Gefühl haben, dann verstehe ich das sehr gut. Wenn aber die hier erwähnte Standard-Aktienstrategie nicht zufriedenstellend funktioniert, weshalb ist sie bis heute in aller Munde?

Ich verrate es Ihnen: Das ist in Wahrheit gar keine Strategie, sondern ein aus dem Zusammenhang gerissener Aspekt. Der Bereich der Finanzindustrie nutzt ihn als Verkaufsargument, der helfen soll, bei Anlegern kontinuierlich Geld einzusammeln, um dauerhaft Gebühren kassieren zu können – für eine Leistung, die jeder Schuljunge erbringen könnte. Richtig ist vielmehr, dass Sie sich als Anleger langfristig an eine solide Strategie halten und festen Prinzipien folgen, aber eben keine Daueranlage betreiben sollten.

Übrigens handelt auch in der Praxis kaum jemand nach diesem Daueranlageprinzip. Warum sonst beschäftigt sich ein Heer von Analysten fortwährend mit den Bilanzen und Geschäftsberichten von Unternehmen, wieso forschen Ökonomen ununterbrochen nach neuen Erkenntnissen über wirtschaftliche Zusammenhänge, und wofür gibt es eine fast unüberschaubar große Zahl an technischen Indikatoren, die Profis für ihre Handelsgeschäfte an der Börse nutzen?

Alle verfolgen nämlich genau ein Ziel: zu der Minderheit zu gehören, die aufgrund ihrer Methoden und ihres Vorgehens gegenüber der Mehrheit der Anleger einen Vorteil erringt.

Resümee

Die heftigen Schwankungen, denen ein Aktienvermögen bei einer Daueranlage und insbesondere in einer schweren Aktienbaisse unterliegt, sind viel zu groß, als dass Sie sie einfach ignorieren können. Auch mit Aktiensparen, also einem kontinuierlichen (Zu-)Kauf von Aktien zu unterschiedlichen Zeiten, können Sie diesen Nachteil einer Standard-Aktienstrategie nicht ausgleichen. Die Aktienanlage führt eben nur dann zu hohen Renditen, wenn die Gewinne rechtzeitig gesichert werden. Studien zeigen, dass die meisten Privatanleger keine besonders guten Ergebnisse am Aktienmarkt erzielen. Verfügen Profis über Methoden, mit denen sie diese Aufgabe deutlich besser meistern?

Zur Beantwortung dieser Frage habe ich im nächsten Kapitel einmal für Sie zusammengefasst, was mir in meiner langjährigen Beobachtung des Börsengeschehens und in Bezug auf professionelles Vorgehen aufgefallen ist – damit Sie künftig ebenfalls genauer hinsehen und erkennen, was es mit den Methoden der Profis so auf sich hat. Ob diese Ihnen einen Vorteil bieten, werde ich Ihnen dabei näher zeigen …

2. Kapitel:Wenn auf die Börsenregeln kein Verlass ist

Lang,- mittel- oder kurzfristig in Aktien anlegen? Nicht nur über die richtige Börsenstrategie, auch über die optimalen Methoden bestehen unterschiedlichste Auffassungen. Und je nach Standpunkt variiert auch das Bild, dass sowohl die Verfechter der zahlreichen Strategien als auch die Gegner der Aktienanlage von der Börse entwerfen.

Wem sollen Sie denn nun vertrauen? Dem promovierten oder gar habilitierten Wissenschaftler mit komplizierten Statistiken, dem Nobelpreisträger mit einer genialen Theorie, dem renommierten Fondsmanager, der seit vielen Jahren milliardenschwere Fonds bewegt, dem ausgefuchsten Handelsprofi, der per Telefon und Computer in Sekunden große Transaktionen vollzieht, dem Wirtschafts- und Börsenexperten, der im Rampenlicht der Medien die Hintergründe der aktuellen Kursbewegungen an der Börse erläutert, oder dem Spezialisten, der mit Chartanalysen und technischen Indikatoren versucht, das Börsengeschehen vorauszusehen?

Und dann gibt es natürlich noch Chaos-Theoretiker, also diejenigen, die die Finanzmärkte als einen nicht fassbaren Kosmos sehen. Die alles Geschehen letztlich auf den Faktor Zufall reduzieren, der Erfolge an der Börse nur zeitweise ermöglicht und dann die zuvor erzielten Gewinne wieder einkassiert. Ganz zu schweigen von den Crash-Propheten, nach denen ohnehin das ganze kapitalistische Wirtschafts- und Finanzsystem zum Scheitern verurteilt ist und wir uns alle am besten in eine Gartenlaube auf der Streuobstwiese zurückziehen und möglichst viel Gold horten sollen.

Sie können mit jedem dieser Vertreter stundenlang über das Metier diskutieren und es wird Ihnen anschließend wie in einer der vielen Talkshows im Fernsehen gehen. Ihnen brummt der Kopf von den vielen Argumenten, die Sie gar nicht alle auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen können. Viele sind nur Momentaufnahmen, denen Neues schnell wieder den Rang abläuft. Oft werden zur Erklärung Dinge einfach nur nachgeschoben, und selbst, wenn Sie das eine oder andere überprüft haben, stehen Sie immer noch vor der Herausforderung, den Einfluss dieses Aspektes auf das Börsengeschehen zuverlässig gegenüber anderen Argumenten zu gewichten.

An der Börse gibt es zu jeder Meinung auch eine Gegenmeinung. Und beide werden häufig durch umfangreiches Fachwissen untermauert. Damit sollen Sie sich als Anleger vertraut machen, um an der Börse erfolgreich zu sein? Sie müssten dann also eigentlich ein Experte für Börsenexperten sein, um zuverlässig entscheiden zu können, wer Recht hat und wessen Meinung Sie sich anschließen sollen.

Da Sie vermutlich weder Experte sind noch ein Experte für Experten sein können, gibt es nur die Lösung: Sie suchen sich Hilfe. Gibt es nicht tatsächlich eine Gruppe von Fachleuten, deren Job es ist, genau diese Aufgabe für Sie zu übernehmen und Sie von der Entscheidung zu befreien, wie Sie Ihr Geld an der Börse anlegen?

Wenn Profis für Sie Aktienkäufe managen

Privatanlegern wird oft von Börsenfachleuten die Fähigkeit abgesprochen, sich ausreichend mit den Finanzmärkten beschäftigen zu können. Zudem sei das Vorgehen bei der Auswahl der richtigen Aktie eine zeitfressende Aufgabe, die nur professionelle Manager beherrschen. Es sei daher Erfolg versprechender, wenn Anleger sich auf Experten verlassen.

Aber wie finden Sie einen solchen Experten? Nach einer Statistik der World Federation of Exchanges, dem globalen Dachverband der internationalen Börsen, wurden 2016 die Aktien von rund 46 000 Unternehmen an den globalen Finanzmärkten gehandelt. Von diesen kommen für die Manager von Publikumsfonds vielleicht 2000 Aktien wirklich in Frage. Die übrigen Unternehmen sind aufgrund ihrer zu geringen Marktkapitalisierung und des demzufolge engen Marktes einfach zu klein für ein Investment. Allein in Deutschland stehen aber diesen rund 2000 Aktien über 6000 Publikumsfonds (Aktien- und Mischfonds) gegenüber, die zum Vertrieb zugelassen sind. Für mich stellt sich da schon die Frage, was leichter ist: einen guten Fondsmanager oder eine gute Aktie auszuwählen?

Nun ist der Einwand naheliegend, dass es doch immer wieder herausragende Manager gibt, auf die ein Anleger eben setzen sollte. Aber was könnten zuverlässige Kriterien für die Auswahl sein?

Viele namhafte Zeitschriften und Magazine vergeben Auszeichnungen, küren beispielsweise den »Fondsmanager des Jahres«, und natürlich möchte jeder gerne die begehrten Trophäen erhalten. Bewahren diese Auszeichnungen Sie aber wirklich vor einem Reinfall? Als Anleger können Sie ja kaum nachvollziehen, wie die erfolgreichen Ergebnisse zustande kamen. Vielleicht ist der Manager ein hohes Risiko eingegangen und es war schlichtweg Glück, dass die Strategie aufgegangen ist?

Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum Jahr für Jahr ein anderer Manager für seine erfolgreiche Börsenstrategie ausgezeichnet wird. Die Fondsmanager können oft nicht an die Erfolge vom Vorjahr anknüpfen. Im Gegenteil: Es gibt Beispiele, wo der Fondsmanager des Jahres im Folgejahr Schiffbruch erlitten hat und als schlechtester Manager gekürt wurde, weil seine Grundhaltung nicht zur Marktentwicklung gepasst hat und seine Strategie somit bei den neuen Rahmenbedingungen im Markt kontraproduktiv war.

Unvergessen bleibt mir der Fall eines prominenten und mehrfach ausgezeichneten Fondsmanagers, dessen Namen ich aber der Fairness halber nicht nenne. Dieser rühmt sich bis heute damit, in seinem Buch die Finanzkrise vorhergesagt zu haben, ist aber selber mit seinem Fonds in genau diese Krise geraten, in der seine Kunden über 40 Prozent des zuvor bei ihm angelegten Vermögens verloren.

Selbstverständlich gibt es auch sehr gute Fondsmanager, es ist jedoch ein ziemlicher Aufwand, diese zu finden. Die Suche gleicht da schon der nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen.

Generell ist zu beobachten, dass gerade die Fonds von Börsengurus und Promis – also denen, die ihre Popularität nutzen, um auf Anlegerfang zu gehen – häufig besonders schlecht abschneiden. Hier gilt extreme Vorsicht: Diese Anlageformen sind von der Finanzindustrie entworfene Massenmodelle, die nach Schema F agieren und darauf ausgerichtet sind, Kleinanleger mit ihrer Marketingmaschine anzuziehen. Denn je bekannter die Berühmtheiten sind, desto mehr sprechen sie die Kleinanleger an und desto mehr Geld sammeln sie ein. Mit dem Personenkult und der Botschaft »langfristig anlegen« gerät die eigentliche Frage nach einer sinnvollen Rendite schnell in den Hintergrund.

Und wie steht es generell mit den Fondsrenditen? Die Zeitschrift CAPITAL berichtete 2016 in ihrer Februarausgabe von folgendem Fall: Ein Anleger hatte für seine Altersvorsorge auf Anraten seiner Bank im März 2001 umgerechnet 50 000 Euro in einen Aktienfonds investiert. Dieser wurde von einem renommierten Management geleitet, das nach dem Grundsatz agiert, das anvertraute Kapital breit zu streuen, so dass die Risiken abgefedert werden. Das Fondskonzept richtete sich laut Prospekt »an Investoren mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont«. Eineinhalb Jahrzehnte hielt dieser Anleger, allen Auf- und Abschwüngen trotzend, selbst durch die Finanzkrise hinweg, bis in das Jahr 2016 durch.

Eine langfristige und durchschnittliche Aktienfonds-Rendite von sechs Prozent jährlich unterstellt, hätte das angelegte Vermögen nach 15 Jahren auf rund 120 000 Euro anwachsen müssen. Diese Erwartung wurde jedoch bitter enttäuscht: 39 000 Euro, also ein Verlust von 11 000 Euro beziehungsweise ein Minus von 22 Prozent waren das vorläufige Endergebnis. Das ist absolut unverständlich, zumal doch die Aktienkurse von März 2001 bis Ende 2015, gemessen am MSCI-World-Index in Euro, um 70 Prozent, beim DAX sogar um 84 Prozent gestiegen waren.

Was war hier geschehen? Um es kurz zu machen: Zu den Verlusten, die das Fondsmanagement einfuhr, kamen Jahr für Jahr noch Managementgebühren. CAPITAL wies in diesem Artikel nach, dass so ein »Depotdebakel« kein Einzelfall ist. Auch liegt die jährliche Rendite von Fondsanlegern zwischen 1999 und 2016 nach Berechnungen des Magazins und der Deutschen Bundesbank bei nur durchschnittlich plus 0,5 Prozent.

Dies lässt sich im Übrigen auch sehr leicht nachvollziehen. Ende 1999 stand der DAX bei 6958 Punkten und stieg bis Anfang 2016 um 48 Prozent auf 10 283 (siehe auch Abbildung 2.1). Dies entspricht einer jährlichen Rendite von 2,5 Prozent. Der globale MSCI-World-Index legte sogar nur um 43 Prozent beziehungsweise also 2,3 Prozent jährlich zu. Wenn Sie von dieser Rendite nun die Fonds-Ausgabeaufschläge und die Managementgebühren von rund zwei Prozent jährlich zum Abzug bringen, bleiben tatsächlich lediglich 0,5, beziehungsweise 0,3 Prozent übrig. Die Mehrheit der Fondsmanager ist also keinesfalls besser als der Markt, beziehungsweise als diejenigen, die einer simplen Buy-and-Hold-Strategie (Kaufen und liegen lassen) folgen.

Abb. 2.1: Entwicklung des DAX in den Jahren 1992 bis 2018, Datenbasis: Deutsche Bundesbank (bis 1999) und Lenz & Partner, VWD-Group (ab 2000)

Ich will die Fonds-Modelle damit gar nicht verteufeln. Ich finde es sogar gut, dass es sie gibt. Denn sie lenken die große Masse der Investoren auf ihre Anlageformen und lassen die Nischen und durchdachten Anlagestrategien für die Minderheit übrig – und damit auch für Sie als Leser dieses Buches. Und Tatsache ist: An der Börse verdient nur ein geringer Teil der Anleger richtig gut. Das Gros derjenigen, die den Protagonisten der langfristigen Daueranlage folgen, verliert – oder erzielt nur unterdurchschnittliche Erträge.

Nun sind die meisten Fondsmanager Verfechter der langfristigen Aktienanlage. Wenn diese aber schon Mühe haben, mit Aktien solide Renditen zu erzielen, und Sie die guten Manager nicht so leicht finden, hilft dann vielleicht die kurzfristige Strategie, wie sie andere große Profis anwenden, um erfolgreich zu sein?

Börsengeschäfte in Sekundenschnelle

Wer direkt an der Börse arbeitet, scheint einen Vorteil zu haben – einen schnellen Draht, mit dem er sofort auf jedes Ereignis reagieren kann. Wer kennt sie nicht, die bunt schillernden und blinkenden Monitore, vor denen professionelle Händler etwa in den Handelssälen der Banken sitzen? Kurzfristig per Telefon oder mit wenigen Maus-Klicks wandeln sie mit Hilfe moderner Handelssysteme Informationen in große Transaktionen um. In der Zeit, in der Sie einen kurzen Werbespot im Radio oder Fernsehen verfolgen, haben diese Profitrader unter Umständen schon Millionen Euro investiert und unter Umständen sogar wieder verkauft.

Die Auffassung, dass solche Profis schon allein deshalb einen Vorsprung haben, weil sie die Märkte ständig sondieren und sofort auf unvorhergesehene Ereignisse und Kursbewegungen reagieren können, ist bis heute weit verbreitet. Auch ich bekomme immer wieder Aussagen zu hören, dass nur so bei einem Crash schnell genug reagiert werden und das Aktienvermögen in Sicherheit gebracht werden kann.

Der Mythos, der diese Profis umgibt, zieht nicht nur viele Anleger in ihren Bann, sondern hat einen Zweig mit eigener Philosophie in der Finanz-Industrie entstehen lassen. Bekannt unter der Bezeichnung Day-Trading, ist sie für manche Anhänger angeblich die Königsdisziplin unter den Anlagestrategien.

Es gibt viele Daytrader, und noch mehr, die es werden wollen, weil sie hoffen, damit schnelles Geld machen zu können. Manche Privatanleger geben sogar ihren Beruf auf, weil sie sich innerhalb nur weniger Sekunden größere Erträge erhoffen, indem sie versuchen, kleinste Tagesschwankungen auszunutzen. Das ist sicher ein prickelndes Gefühl, wenn sich ein Investment innerhalb kürzester Zeit rentiert. Aber täuscht dieses Gefühl nicht? Ist es wirklich möglich, mit dem taggleichen Kauf und Verkauf von Wertpapieren gezielt Gewinn zu machen?

Die NASAA (North American Securities Administrators Association, gegründet 1919) ist weltweit die älteste Anlegerschutzorganisation. Bereits 1999 untersuchte eine Kommission der NASAA bei sieben Unternehmen die Konten von 585 Day-Tradern. Dabei wurde festgestellt, dass 70 Prozent der Trader im Durchschnitt rund 36 043 US-Dollar verloren hatten. Neun Konten wiesen Verluste von über 100 000 US-Dollar auf, wobei der Negativ-Rekord bei 641 000 US-Dollar lag. Nur etwa 23 Prozent erzielten unterm Strich Gewinne von im Schnitt 21 983 US-Dollar. Die Konten waren zum Zeitpunkt der Untersuchung zwischen einem und 25 Monaten aktiv. Die Kommission unterstrich zudem, dass sie keinen Zusammenhang zwischen Börsengewinnen und dem Bestehen eines Accounts feststellen konnte. Insofern gibt es keinen Anhaltspunkt dafür, dass mit Day-Trading dauerhaft Gewinne erzielt werden können.

Auch spätere Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Beispielsweise untersuchten die Verhaltensforscher Professor Brad Barber und Professor Terrance Odean von der University of California in Berkeley 2004 die Daten von über 130 000 taiwanesischen Day-Tradern. Sie zeigten, dass über 85 Prozent der Trader innerhalb von sechs Monaten im Verlust endeten.

Auch ich habe bis heute keine Methode kennengelernt, die zuverlässig vorhersagt, wann Anleger kurzfristig ein- und aussteigen sollen, und ich glaube, dass es sich da bei den wenigen, die tatsächlich einmal Gewinne erzielen, eher um Glückstreffer handelt.

Wie sollte es auch anders sein? Denn innerhalb eines Handelstages können die Märkte stark einbrechen, kurzfristig drehen und genauso schnell wieder ansteigen. Da platzt irgendeine Nachricht herein, die Sie zunächst einmal überhaupt nicht auf Ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen können, und schon kommt es zu massiven Kursbewegungen. Als am 23. April 2013 Unbekannte den Twitter-Account der amerikanischen Nachrichtenagentur AP knackten und eine Meldung über ein vermeintliches Attentat auf Präsident Barack Obama und das Weiße Haus absetzten, reagierten die Börsenkurse sofort. Der amerikanische Aktienmarkt verlor binnen einer Minute fast ein Prozent beziehungsweise, gemessen am Standard & Poors 500 Index, rund 136,5 Milliarden US-Dollar. Schnell entpuppte sich die Meldung als falsch und die Kurse schossen sofort wieder nach oben.

Der Vorfall zeigt, dass es kurzfristig höchst irrational an der Börse zugeht und Privatanleger vom Day-Trading besser Abstand halten. Ein prominentes und leider sehr abschreckendes Beispiel ist übrigens Mark O. Barton, der 1999 in Georgia Amok lief und sich anschließend selbst tötete. Zuvor hatte er sein Vermögen durch Day-Trading verloren.

Neben dem unzuverlässigen Nachrichtenstrom und den fehlenden zuverlässigen Handelsmethoden gibt es aber noch weitere Nachteile für Day-Trader. Sie sind zunächst einmal auf sich allein gestellt, bei dem Versuch, kurzfristige Kursschwankungen schnell und richtig einzuordnen, damit ihr manuelles Handeln Profite abwerfen kann. Ein gewichtiger Faktor ist dabei die Fähigkeit, sich längere Zeit konzentrieren zu können.

Kurzfristige Gewinne der Profis?

Day-Trader kämpfen an der Börse aber gegen übermächtig schnelle Maschinen, die nie ermüden: Schätzungen zufolge werden etwa 50 bis 60 Prozent des globalen Devisen- und Wertpapierhandels über sogenannte Hoch-Frequenz-Transaktionen (HFT, englisch: High Frequency Trading) abgehandelt. Dieser Computerhandel wirkt auf viele Menschen beunruhigend, und Vorwürfe, dass die Computer und die Großbanken in einem riskanten Spiel unser aller Wohlstand riskieren, sind heute keine Seltenheit.

Bereits seit den 1980er-Jahren werden Computer programmiert, selbstständig Kauf- und Verkaufsentscheidungen zu treffen, und diese Technologie wird bis heute fortwährend verfeinert. Was steckt dahinter? Die Computer durchkämmen an den Märkten systematisch Orderströme und berechnen mit sehr komplexen Algorithmen, ob ein Kauf oder Verkauf sinnvoll ist. Und das immer mit dem Ziel, die maximale Rendite zu erzielen.

Das machen erfahrene Investoren und Privatanleger prinzipiell auch: Sie sondieren den Markt und leiten daraus Handlungsimpulse ab. Diese Maschinen haben jedoch einen entscheidenden Vorteil: Sie sind deutlich schneller. Ein Wimpernschlag eines Menschen dauert 100 Millisekunden. In dieser Zeitspanne handelt der Computer tausende Aktien. Beim Computer sind Nanosekunden, also der milliardste Teil einer Sekunde, ausschlaggebend für einen erfolgreichen Trade. Für den Börsenhandel werden dafür nicht nur neue, moderne Glasfaserkabel zwischen Europa und Amerika in Betrieb genommen, um die Daten noch schneller über den Atlantik zu bringen. Mittels Lasertechnik soll die Übertragung sogar in Lichtgeschwindigkeit erfolgen. Der pure Wahnsinn und für das menschliche Hirn gar nicht greifbar.

Hier geraten die Day-Trader dann unter die Räder, denn das ist das Feld der Banken und Großinvestoren, die sich dort gegenseitig in Schach halten. Blitzschnell werden kleine Ungleichgewichte, die zwischen den Märkten ständig entstehen, durch entsprechende Gegengeschäfte (Arbitrage) wieder ausgeglichen. Mit winzigen Differenzen, zum Beispiel bei Wechselkursen, werden so viele kleine Handelsgewinne erzielt.