Börsengewinne mit Technischer Analyse - Richard W. Schabacker - E-Book

Börsengewinne mit Technischer Analyse E-Book

Richard W. Schabacker

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Beschreibung

Mit "Technical Analysis and Stock Market Profits" begründete Richard W. Schabacker im Jahr 1932 nicht nur die Technische Analyse, er legte die Messlatte für alle Nachfolger auch gleich enorm hoch. Das Buch beeindruckt durch Breite und Tiefe sowie durch die klare und präzise Heran-führung an die Prinzipien der Technischen Analyse. Und so gilt es unter Profis und Kennern als absoluter Klassiker, den man – obwohl stolze 90 Jahre alt – immer noch mit Gewinn studieren kann, ja, studieren sollte. Dies gilt umso mehr, weil das Standardwerk der Charttechnik nun in einer modernen Übersetzung vorliegt.

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Seitenzahl: 631

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Die Originalausgabe erschien unter dem Titel

Technical analysis and stock market profits

The original bible of the technical analysis

ISBN 978-0-85719-916-4

Copyright der Originalausgabe 2021:

Copyright © 2021 by Harriman House. All rights reserved.

Originally published in the UK by Harriman House Ltd in 2021, www.harriman-house.com

First published in the United States in 1932 and in Great Britain in 1997.

First published by Harriman House in 2005.

Copyright der deutschen Ausgabe 2023:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

Übersetzung: Egbert Neumüller

Gestaltung Cover: Holger Schiffelholz

Gestaltung, Satz und Herstellung: Timo Boethelt

Lektorat: Sebastian Politz

Druck: CPI books GmbH, Leck, Germany

ISBN 978-3-86470-825-1

eISBN 978-3-86470-826-8

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Postfach 1449 • 95305 Kulmbach

Tel: +49 9221 9051-0 • Fax: +49 9221 9051-4444

E-Mail: [email protected]

www.boersenbuchverlag.de

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Über den Herausgeber dieser Reihe

Donald Mack

Wenn irgendeine Formulierung den Herausgeber der Reihe „Traders’ Masterclass“ beschreibt, die sich ausschließlich der Aufgabe widmet, Tradern und Anlegern in aller Welt viele der großartigen und raren Klassiker der Technischen Analyse aus der Vergangenheit nahezubringen, würde sie lauten: „ein ewiger Schüler und Student der Märkte“. Schüler der Highschool machen irgendwann ihren Abschluss, Studenten am College ebenfalls. Nicht jedoch Studenten der spekulativen Märkte. Das Studium und die Arbeit sind dort niemals abgeschlossen, vor allem wenn ein dauerhaftes Interesse an der Technischen Analyse besteht. Das Interesse des Herausgebers wuchs sprunghaft an, als er Ende der 1970er-Jahre und in den 1980er-Jahren in Los Angeles den einzigen Buchladen in den Vereinigten Staaten eröffnete, der ausschließlich Bücher über Aktien und Rohstoffe verkaufte, und zwar solche, die damals bereits erschienen waren, und solche, die vergriffen waren. Die aktuellen Bücher waren im Allgemeinen unproblematisch und von unterschiedlicher Qualität. Viele der vergriffenen Bücher waren zwar ebenfalls von unterschiedlicher Qualität, aber auf diesem Weg kamen ihm auch viele faszinierende, seltene Werke aus der Zeit der 1920er-Jahre bis zu den 1950er-Jahren unter, die überaus kreativ waren und fabelhafte Technische Analysen sowie ihre Anwendung enthielten, sodass seine lebenslange Wertschätzung für ihre Qualität wuchs.

Es ist wohl kaum nötig zu sagen, dass er seine Aufmerksamkeit mehr auf die alten Bücher richtete als auf die neuen, denn er stellte fest, dass diejenigen alten Bücher, die die Klassiker darstellten, den neuen in vielerlei Hinsicht überlegen waren. Durch den Betrieb des Buchladens kamen selbstverständlich viele Tausend Bücher herein und aus diesen Tausenden von Büchern wurde eine persönliche Bibliothek und Sammlung zusammengestellt, die gut 5.500 Titel zählte. Ein wenig von dem Wissen, das in diesen großartigen Börsenklassikern enthalten war, färbte auf den Herausgeber ab (in Wirklichkeit mehr als ein wenig), und er ist sich sicher, dass es auch auf die vielen heutigen Börsenstudenten und auf die von morgen abfärben wird, wenn auch sie mit den großartigen Klassikern der Technischen Analyse in Berührung kommen, die ihnen dank dieser Buchreihe begegnen werden.

Der Dow Jones Industrial Average

Monatshochs und Monatstiefs der Schlusskurse – 1897 bis August 1937

INHALT

Über den Herausgeber dieser Reihe

Einführung des Herausgebers

Vorwort zur ersten Auflage

Vorwort von Peter Brandt

Studie I

Die technische Herangehensweise an den Aktienhandel

Studie II

Wichtige Umkehrformationen

Studie III

Wichtige Umkehrformationen – Fortsetzung

Studie IV

Wichtige Umkehrformationen – Fortsetzung

Studie V

Weniger bedeutende Umkehrformationen

Studie VI

Wichtige Fortsetzungsformationen

Studie VII

Verschiedene Zwischenformationen und Zwischenphänomene

Studie VIII

Trendlinien

Studie IX

Unterstützungs- und Widerstandsniveaus

Studie X

Messregeln und Formationen

Studie XI

Die Verwendung von langfristigen Charts, Indizes und Branchen

Studie XII

Handelstaktiken

Anmerkung des Herausgebers

Aufgrund der qualitativ schlechten Wiedergabe der Originalcharts hielten wir es für notwendig, jeden einzelnen Chart neu zu zeichnen. Die senkrechten Kursbalken jedes Charts wurden hinsichtlich der Größe und des Datums so originalgetreu wie möglich reproduziert. Die waagerechten Balken (für die Schlusskurse) erwiesen sich als problematisch, und es fiel die Entscheidung, sie nur dann einzubeziehen, wenn der Autor konkret auf ihre Position verwies. Da es im Text keine weiteren Verweise auf die anderen waagerechten Balken gab, waren die Angaben zu den Schlusskursen überflüssig und konnten bedenkenlos weggelassen werden.

Einführung des Herausgebers

„Teil 1 besteht in großen Teilen aus den bahnbrechenden Forschungen und Schriften des verstorbenen Richard W. Schabacker. Wer diese Ausgabe von ‚Technical Analysis and Stock Market Profits‘ (die letzte – inzwischen vergriffene – Überarbeitung wurde 1937 von dem derzeitigen Autor und von Albert L. Kimball besorgt) studiert, findet auf den Seiten dieses Teils vieles, was ihm bereits bekannt ist, und abgesehen von den Abbildungen nur wenig wirklich Neues.“

Aus dem Vorwort zu „Technical Analysis of Stock Trends“ von Robert D. Edwards und John Magee, 1948

[„Technische Analyse von Aktientrends“, Börsenbuchverlag, 2022]

Für amerikanische Technische Analysten der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft ragt das Jahr 1948 als eines der hellsten Leuchtfeuer heraus, zumal es die soliden Fundamente der modernen Technischen Analyse hervorbrachte. Es war das Jahr, in dem „Technical Analysis of Stock Trends“ erschien, geschrieben von den Herren Edwards und Magee – das zentrale Werk, das die Technische Analyse zu einer Zeit lancierte, die sich als reif dafür erwies. Ohne Zweifel ist den beiden Autoren ebenso großer Dank geschuldet wie ihrem rechtzeitig erschienenen Buch, von dem rund 800.000 Exemplare verkauft wurden und das sich in späteren Jahren das Lob als „Bibel der Technischen Analyse“ verdiente. Nachfragen bei den engagiertesten Technischen Analysten, die ihr Handwerk seit 1948 erlernt haben, würden bestätigen, was sie diesem Werk persönlich schulden, das entweder dafür verantwortlich war, dass sie mit der Technischen Analyse Bekanntschaft schlossen oder es ihre technische Ausbildung erweiterte.

Aber wie war es zu alledem gekommen? Sicherlich war die Technische Analyse in den 1940er-Jahren seitens der etablierten Investorenzünfte in New York, London, Paris und anderswo noch nicht lange akzeptiert. Zweifellos war es leichter, an dem hergebrachten Glauben festzuhalten, diese Form der Analyse, die Diagramme der Kursentwicklung von Aktien verwendet, stehe faulem Zauber näher als der akzeptierten und anscheinend logischen Methode, die sich um die respektablen Instrumente der Fundamentalanalyse dreht. Um ein Unternehmen zu bewerten, reichte es aus, seine Bilanzen zu analysieren, sein Kurs-Gewinn-Verhältnis auszurechnen, seine Forschung und Entwicklung zu berücksichtigen, seine gemeldeten Umsatzzahlen abzuwägen, die künftigen Aussichten einzuschätzen und so weiter – und so zu einer Grundlage zu gelangen, um das Unternehmen in Bezug auf seinen Aktienkurs zu bewerten. Beim Vergleich mit dem Werkzeugkasten des Technischen Analysten, der Charts, horizontale, vertikale, gewinkelte und gezackte Linien, abstruse Muster, bildliche Formationen und dazu noch Indikatoren, Oszillatoren und Ähnliches beinhaltet, kam die logische Denkschule der Geldanlage zu dem Schluss, die Technische Analyse sei ein pseudowissenschaftlicher Ansatz, der im Grunde nur auf Zahlen zu Kursen, Zeiten und Handelsvolumina basiere und dem Unternehmen an sich wenig oder gar keine Aufmerksamkeit schenke. Im Gegensatz dazu konzentrierte sich die akzeptierte ernsthafte Investmentanalyse auf die wichtigen Fundamentaldaten des Unternehmens, denn man dachte, darin liege die einzige reale Grundlage für die Bewertung des Aktienkurses eines Unternehmens an den Handelsplätzen, zumal sie für die Fundamentalanalyse das ist, worum es bei der Geldanlage geht.

Blickt man heute zurück, sieht man problemlos, dass die Investmentszene nach dem Zweiten Weltkrieg reif für eine neue Denkweise war, die nicht im Gegensatz zu dem fundamentalen Ansatz stand, der massiv auf das Material zurückgriff, das die Researchabteilungen der großen Brokerfirmen den Kunden zuteilwerden ließen, sondern ihn ergänzte. Die Herren Edwards und Magee füllten dieses Vakuum wissentlich oder unwissentlich dadurch, dass sie ihr zeitgemäßes und in fachlicher Hinsicht maßgebliches Buch veröffentlichten, das dem Feld der Technischen Analyse nicht nur eine organisierte Form und Gestalt verlieh, sondern auch neue analytische Gedanken aufkommen ließ, die in der Nachkriegszeit im Wesentlichen als effiziente Methode genutzt werden konnten, um bei der Geldanlage die Zeitpunkte und die Auswahl zu ermitteln. Dabei sollte jedoch nicht unbemerkt bleiben, dass in den Jahren vor der Veröffentlichung des einflussreichen Buches „Technical Analysis of Stock Trends“ viele Bücher veröffentlicht worden waren, die man gewiss als herausragende technische Werke bezeichnen kann, die viele Phasen dieser analytischen Technologie und Denkweise umspannen. Eine nennenswerte Anzahl dieser Bücher und Kurse war so originell und so technisch fortgeschritten wie alles zum Thema Technische Analyse, was seither erschienen ist; so verhält es sich eben mit bedeutendem technischem Denken, egal ob es 1920, 1940, 1997 oder zu einem anderen Zeitpunkt zum Ausdruck gebracht wurde. Das gilt auch für das Buch von Schabacker, denn es ist ebenso wie viele andere hervorragende Werke der Vergangenheit eine wertvolle Ergänzung der persönlichen Bibliothek jedes Technischen Analysten oder jeder anderen Börsenbibliothek. Wir sind überzeugt, dass solche großartigen Klassiker mit ihrem zeitlosen analytischen Wissen nach Möglichkeit niemals von der technischen Bühne verschwinden dürfen. Zu diesem Zweck wird Pitman Publishing, der Verlag, der die Reihe „Master Class Series“ herausgibt, viele dieser sehr raren Werke wieder zugänglich machen und eine wachsende Anzahl von Neuzugängen dieser Reihe wichtiger klassischer Schriften aus dem „Goldenen Zeitalter der Technischen Analyse“ – dem äußerst produktiven Zeitraum von 1922 bis 1957 – herausbringen.

Kommen wir auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Es hat den Anschein, dass die Welt der Geldanlage damals offen für das Erscheinen des einen unverzichtbaren analytischen Werkes war, das dieser Zeit der wirtschaftlichen Erholung einen Schub verlieh. Die Geschichte hat gezeigt, dass Edwards und Magee diesen entscheidenden Schub versetzten. Wenn wir uns in ihr Buch vertiefen, sehen wir, dass es in zwei Teile aufgeteilt ist; der größere erste Teil enthält das Hauptthema, also die von Herrn Edwards beigetragenen Beschreibungen von Umkehrformationen, Konsolidierungsformationen, Fortsetzungsformationen, Trendlinien und ihrer Wirkung, Unterstützungs- und Widerstandsniveaus sowie andere Bereiche des technischen Kursgeschehens. Der kürzere zweite Teil von Herrn Magee konzentriert sich auf die praktische Anwendung – was man an den Märkten wann tun sollte. Während der zweite Teil viel allgemeines Wissen über Investment und Trading enthält, das davor und danach in vielen Büchern behandelt wurde, war der erste Teil das, was im Jahr 1948 den eigentlichen Unterschied ausmachte. Im ersten Teil wurde den Privatanlegern und den professionellen Investoren ein Kompendium der Chartmuster, der Formationen und des technischen Geschehens vorgestellt. Hätten sie dieses Wissen sorgfältig studiert und ausgiebig angewandt, hätten sie einige ausgezeichnete Werkzeuge zur Hand gehabt, um jeden Chart fachkundig zu analysieren, den sie im Lichte der Grundsätze der Technischen Analyse untersuchten.

So ausgezeichnet und umfassend dieses Werk von Edwards und Magee auch ist, so offenbart doch eine sorgfältige Lektüre der Einführung und ähnlicher Aussagen auf dem Umschlag, was sie Herrn Schabacker zu verdanken haben. Ihre Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sind zu bewundern, denn sie schreiben offenherzig, dass sie die vielen Facetten der Technischen Analyse, die sie an eine neue Generation weitergaben, nicht selbst entwickelt oder geschaffen haben. Die Leistung ihres hervorragenden Werkes war, dass sie die lebenswichtige Entwicklungsarbeit ihres Leitsterns, der gut zehn Jahre zuvor verstorben war, für die Nachwelt bewahrten, und dass sie viele Tausende in dieser für sie neuen Kunst der Chartanalyse schulten. Dies gibt uns nun Anlass, einen Namen zu erwähnen, der heute fast allen Anhängern und Kennern der Technischen Analyse rund um die Welt unbekannt ist, nämlich den des Mentors von Edwards und Magee, Richard W. Schabacker. Denn Edwards weist darauf hin, dass sich die monumentalen Konzepte und Ideen von Schabackers „bahnbrechenden Forschungen“, die in dem vorliegenden Buch „Technical Analysis and Stock Market Profits: A Course in Forecasting“ erscheinen, als Grundlage der modernen Technischen Analyse erwiesen haben. Der Herausgeber ist jedenfalls der Meinung, dass dieses Werk von Schabacker das Beste ist, was jemals über die konventionelle Technische Analyse erschienen ist. Das Attribut „konventionell“ wurde hier eingeschoben, weil man es im Vergleich zu dem Werk von William D. Gann verwenden muss, das ebenso großartig ist, aber mit einem eher „unkonventionellen“ technischen Ansatz verbunden ist.

Es scheint fast unglaublich, dass derart bemerkenswerte Schriften der Anlegeröffentlichkeit so lange verborgen bleiben konnten. Außer Edwards’ Einführung zu „Technical Analysis of Stock Trends“ ist uns keine andere Bezugnahme darauf bekannt. Diejenigen, die den Markt studieren, sollten wissen, wie dies geschah, denn es ist eine allzu vertraute Geschichte, die genauso für eine große Zahl weiterer bedeutender technischer Werke gilt, die ebenfalls bis heute so gut wie unbekannt geblieben sind; ein unwillkommenes Schicksal, das die Zunft der Technischen Analyse umso ärmer macht. Doch bevor wir uns mit den historischen Gründen und Entwicklungen befassen, die zu dem Mangel an klassischen Schriften zur Technischen Analyse führten, von dem dieses Gebiet seit vielen Jahren geplagt wird, ist es sinnvoll, einen genaueren Blick auf dieses Werk von Schabacker zu werfen, das nach wie vor ein Musterbeispiel für analytische Qualität höchster Ordnung und prägnantem technischen Denken ist – es sollte Studenten der Technischen Analyse in aller Welt als Ideal dienen.

Zentral für Schabackers Börsengeschichte ist seine Zeit als Finanzredakteur der Zeitschrift Forbes und später als Herausgeber der wöchentlichen Publikation Annalist, einer Beilage der New York Times. Im Jahr 1930 schrieb Schabacker sein erstes Buch „Stock Market Theory and Practice“, ein Werk, das seinen Ruf als Investmentautor begründete. Dieses Buch war in gewisser Hinsicht seltsam. Zunächst einmal war es mit einem Umfang von 800 Seiten ein ziemlich dickes Buch. Zwei Drittel dieser Seiten befassten sich mit so pedantischen Themen wie der Funktion von Börsenmaklern am Markt, mit dem Weg, den die Kauf- und Verkaufsorders nehmen, bis sie an die diversen Börsen gelangen, mit Einzelheiten zu den zahlreichen Börsen, wie die Orders bearbeitet werden, wenn sie eingehen und so weiter. Das sind natürlich keine besonders aufregenden Themen und für uns Heutige sind sie noch weniger aufregend, weil der Computer viele der mechanischen Aspekte des Kaufens und Verkaufens verändert hat, auf die die Maklerbüros und Börsen zurückgriffen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Was aber in höchstem Maße unser Interesse hervorrief, war das restliche Drittel des Buches. Denn hier präsentierte der Autor zum ersten Mal überhaupt die Technische Analyse als vollständig organisiertes Sachgebiet und legte die verschiedenen wichtigen Muster, Formationen, Trends, Unterstützungs- und Widerstandsbereiche sowie die damit verbundenen unterstützenden Details umfassend dar.

Bereits zwei Jahre danach, im Jahr 1932, erschien die erste Auflage des vorliegenden Buches. Wir können nur mutmaßen, weshalb der Autor das Gefühl hatte, er müsse ein zweites Werk veröffentlichen, das jenem ähnlich war, das er zwei Jahre zuvor geschrieben hatte. Wir müssen annehmen, dass er zwar der Meinung war, dass sein voriges Buch mit seinen 250 Seiten, die technischen Themen gewidmet waren, zwar das, was er sagen wollte, gut abdeckte, dass er jedoch trotzdem zu dem Schluss gekommen war, es gebe noch viel mehr, was er darlegen konnte, um die Technische Analyse als ernsthaften analytischen Ansatz des Investmentdenkens voranzubringen – eine umfassendere, des Themas würdige Vorstellung. Das Endergebnis war das vorliegende Meisterwerk, von dem wir heute sagen können, dass es gut zu seiner späteren Anerkennung als „Vater der modernen Technischen Analyse“ passt. Und doch sind sich die meisten Technischen Analysten heute immer noch nicht bewusst, welchen Platz Schabacker in der Ordnung der Dinge einnimmt oder welche Beiträge er zu dem geleistet hat, was inzwischen die populärste Form der Investmentanalyse ist, nämlich zur Technischen Analyse. Wir hoffen allerdings, mit dieser Wiederveröffentlichung von Schabackers besten Schriften eine Würdigung vorzunehmen, die die Spinnweben der Anonymität von diesem Mann fegt, der so überaus wichtige Beiträge zu unserer Welt des analytischen Denkens und seiner Anwendung geleistet hat.

Denn für jeden Trader oder Anleger vom blutigsten Anfänger bis zum erfahrensten Fondsmanager kommt der kritischste Punkt, der den Kern jeder Anlageposition bildet, die er hält: wenn er merkt, dass er sich im Zuge des laufenden Trends fragen muss, ob sich diese Position auf einem Höhepunkt befindet und womöglich ein Absturz lauert, oder womöglich an einem Tiefpunkt, auf den ein Anstieg folgt. Je nachdem, ob man eine langfristige, eine mittelfristige oder eine kurzfristige Perspektive einnimmt (was jeweils als relativer Zeitrahmen zu sehen ist), kann eine solche Trendwende den lebenswichtigen Unterschied zwischen einem Gewinn oder Verlust bewirken, der mit der Position erzielt wird. Das gilt auch für jede Kauf- oder Leerverkaufsentscheidung, die man in Erwägung zieht, während die Kursbewegung ihre Windungen nach oben und unten durchmacht. Aus diesem Grund beschloss Schabacker, die Umkehrformationen zu dem Bereich zu machen, dem er in seinem Werk das größte Gewicht beimaß und die größte Aufmerksamkeit schenkte. Dadurch betonte er die Bedeutung dieses Wissens für die Ausbildung von Studenten der Technischen Analyse, die sich von der Dynamik das Marktes überwältigt sehen. (In Wahrheit wissen wir, die wir uns als Studenten des Marktes betrachten, dass wir dazu ausersehen sind, die Analysis University zu besuchen, solange wir marktorientiert sind. Aufgrund des potenziellen Wissensvorrats, den es dort zu erkunden gibt, und da unsere Zeit auf diesem Planeten verhältnismäßig begrenzt ist, kann unsere Lernerfahrung nie ein Ende haben. Die einzige denkbare Abschlussfeier, die wir von unserer Universität erwarten können, findet statt, wenn wir in die „Great Stock and Commodity Markets in the Sky“ aufsteigen.)

Bei der Durchsicht des breiten Spektrums an Umkehrformationen, die in diesem Werk behandelt werden sollten, entschied sich der Autor aus naheliegenden Gründen, diejenige darzustellen, die Umkehrsignale am ehesten exemplifiziert, nämlich die Schulter-Kopf-Schulter-Formation samt den vielen Varianten ihrer Grundkonstruktion. Seine erste Beschreibung richtet sich auf die idealisierte Konstruktion dieses Musters. (So ist das, wenn Muster und Formationen, die in Charts zu sehen sind, zum ersten Mal beschrieben werden. Dass sie „allgemein“ beschrieben werden müssen, kann als selbstverständlich gelten, denn jede Beschreibung beginnt normalerweise mit einer idealisierten Version. Dies muss jedoch notwendigerweise dadurch relativiert werden, dem Studenten klarzumachen, dass für die Realität aller Kursbewegungen, die Mustern folgen, das Gleiche gilt wie für die Natur: Nichts wiederholt sich „exakt“.) Nach dieser Einführung in die Kursbildung beziehungsweise in das Kursgeschehen, die er so präsentiert, wie er es im Laufe des ganzen Werks tut, stellt er die Faktoren vor, auf die man sich getrost verlassen kann, und schenkt den Schönheitsfehlern, den Schwächen und den zahlreichen Dingen, die selbst die beste analytische Prognose durcheinanderbringen können, die gleiche Aufmerksamkeit. Sicherlich steht dahinter nicht der Gedanke, die Analyse zu erschweren (schwierig ist sie sowieso immer), sondern das analytische Denken wirklich darauf vorzubereiten, zu sehen, dass sich der Kurs naturgemäß stets ins Unbekannte bewegt und den Verstand des Studenten vor die Herausforderung stellt, schärfer und genauer auf andere wichtige Faktoren zu blicken, die ebenfalls Hinweise auf die resultierende Bewegung aus dem festgestellten Muster heraus bieten können. Einer der wichtigsten Faktoren, die der Autor besonders betont, ist, dass man das Handelsvolumen genau beobachten sollte (ein Faktor, der sogar von erfahrenen Technischen Analysten oft übergangen wird, weil er zugegebenermaßen schwer in den Griff zu bekommen ist) – ob es im Verhältnis zu den gerade stattfindenden Kurssteigerungen beziehungsweise Kursrückgängen zunimmt, abnimmt oder stagniert. Schabacker behält das lehrreiche Beschreiben der Schulter-Kopf-Schulter-Muster bei, wenn er die anderen Umkehrformationen behandelt, die im Text beschrieben werden: den Rounding Turn, das symmetrische, das rechtwinklige, das fallende, das steigende und das umgekehrte Dreieck, Broadening Tops, Diamantformationen, Rechtecke, Inselumkehr und andere. Damit niemand denkt, alle diese Musterbeschreibungen seien einfach, werden die möglicherweise störenden abweichenden Details im Erscheinungsbild der Struktur jeder Formation nicht übergangen.

Nach den beschreibenden Details in den Kapiteln über Umkehrformationen beinhaltet die nächste Reihe von Mustern, die Aufmerksamkeit verlangen, die Fortsetzungsformationen. Wenn sie ihrem Namen Ehre machen – was recht oft geschieht –, sind sie gleichsam Ruheplätze im Verlauf des Trends, auf denen er Kräfte sammelt, um sich nach oben oder nach unten fortzusetzen, wenn der vorherige Trend intakt bleibt. Auch lassen sie sich im Allgemeinen sehr gut erkennen, denn die Namen der Muster, die in dieser Gruppe zu finden sind, stehen in enger Beziehung zu ihren jeweiligen Formen: Flagge, Wimpel, Rechteck und wieder verschiedene Formen von Dreiecken. Da sich Fortsetzungsformationen gelegentlich in Umkehrformationen verwandeln, können sie manchmal zum Fluch des Chartanalysten werden. Aber egal wie das Marktgeschehen zu irgendeinem Zeitpunkt aussieht, der Markt wird tun, was der Markt eben tun wird, und es zahlt sich nicht aus, dagegen anzukämpfen. Oder, wie einmal klug gesagt wurde: Die Märkte werden tun, was sie tun müssen, um zu beweisen, dass sich die Mehrheit der Marktteilnehmer meistens irrt. Und wieder bindet der Autor in alle seine Beschreibungen jene feinen Punkte ein, bei denen der Trader beziehungsweise Anleger gut daran täte, sie aufzunehmen und als die Art von Hilfe anzuwenden, die er braucht, wenn er sich auf das faszinierende Spiel einlässt, den Kurs, die Zeit und das Volumen zu analysieren.

Mit der gleichen gründlichen Aufmerksamkeit, die den vielen Facetten der Umkehr- und Fortsetzungsformationen gewidmet wurde, quellen die darauffolgenden Kapitel vor Beschreibungen anderer technischer Geschehnisse über – wie Breakaway Gaps, Fortsetzungs-Gaps, Common Gaps, Exhaustion Gaps, Hornformation, Zickzackbewegung, Trend, Trendlinien, Kanäle, Unterstützungs- und Widerstandslinien, Unterstützungs- und Widerstandsniveaus sowie einige andere. Zusätzlich hängt in Schabackers Augen das Handelsvolumen mit vielen Geschehnissen in Charts eng zusammen (etwas, das viele moderne Autoren der Technischen Analyse viel zu allgemein und vor allen Dingen zu leichthin abhandeln). Zusätzlich zu seinen vielen Verweisen im Laufe des Buches auf das Handelsvolumen widmet er einen separaten Abschnitt nur ihm, um seine Bedeutung für die Analyse des Kursgeschehens hervorzuheben. Ein weiteres Werkzeug, das Technische Analysten in ihrem Arsenal haben, ist die gelegentliche Anwendung von Messregeln, um die nächste wahrscheinliche Kursbewegung abzuschätzen – Regeln, die man gut erlernen sollte. Ein Problem, das Charttechniker immer und immer wieder zu plagen scheint, sind Fehlbewegungen und Marktbereinigungen, bei denen es manchmal sehr schwierig ist, den Anschein von dem tatsächlichen Geschehen zu unterscheiden. Garantiert verliert man durch solche Geschehnisse von Zeit zu Zeit Geld. Wieder beschreibt Schabacker diese möglicherweise sehr erschreckenden Kursbewegungen meisterlich und dem großartigen technischen Verstand würdig, den er bei der Erkundung des Themas an den Tag legt; das geht so weit, dass er auf die „Sonnenseite von Fehlbewegungen“ hinweist.

Aber sollte dieses Buch wirklich zur besten technischen Literatur aller Zeiten über Aktien- und Rohstoffmärkte gezählt werden, zumal es vor 70 Jahren geschrieben wurde? Haben wir bei der Technischen Analyse nicht gewaltige Fortschritte gemacht, vor allem dank der Computertechnologie, die das Wissen der sogenannten „großen Börsendenker“ der Vergangenheit in den Schatten stellt? Die Antwort ist nach Meinung des Verfassers dieser Einführung und nach Meinung vieler anderer Schüler der Börse ein tönendes „Nein“. Vom Grundsatz her haben sich die Märkte nicht verändert, und auch die Menschen, welche die betreffenden Märkte bilden, haben sich um kein Jota geändert. Nach wie vor bewegen sich Aktien- und Rohstoffpreise auf ihre jeweils eigene Weise nach oben, nach unten oder seitwärts. Charts von heute kann man mit Charts von jedem Zeitpunkt der Vergangenheit verwechseln, und ließe man alle Namens- und Zeitangaben weg, könnte niemand sagen, um welchen Chart es sich handelt. Die Menschen von heute unterscheiden sich in ihren Hoffnungen, ihren Ängsten, ihrem Streben, ihrer psychischen Veranlagung und in jeder anderen Weise, in der man sie betrachten möchte, nicht von den Menschen von gestern. Für diese Buchreihe war und ist der Herausgeber William D. Gann auf Grundlage des Wissens, das er an uns weitergegeben hat, immer noch der beste analytische Kopf, den spekulative Märkte je irgendwo hervorgebracht haben. Seit seinem Tod im Jahr 1955 werden immer wieder Versuche unternommen, seinen Namen und seine Leistungen zu verunglimpfen (was natürlich leicht ist, wenn seine Verleumder nur in der Lage sind, die oberflächlichen Bedeutungen seiner Schriften zu verwenden und ihnen jegliches Begreifen der tieferen Bedeutung fehlt, die unter diesen Schriften liegt). Er machte es denjenigen, die sich dazu entschieden, tiefer in sein Werk einzudringen, nicht leicht, denn das konnte und wollte er nicht.

Man kann nicht vor der Erkenntnis davonlaufen, dass der Hauptzweck von Aktien- und Rohstoffmärkten – seien es nun die von gestern, heute oder morgen – ausschließlich im Kaufen und Verkaufen besteht. Jeder, der mit seinen Analysen und mit seinem Handel an früheren Märkten mit irgendwelchen Werkzeugen und Herangehensweisen, die er zu seiner Zeit erfolgreich eingesetzt hat, Hervorragendes geschaffen hat, wäre im heutigen Handeln und Anlegen genauso zu Hause; das Kaufen und Verkaufen an spekulativen Märkten hat sich kein bisschen geändert, die Zeit spielt keine Rolle. So ist es auch mit dem vorliegenden Werk von Schabacker. Es ist heute so lebendig, vital und lehrreich wie an dem Tag, an dem es geschrieben wurde, und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Doch in praktisch all dieser Zeit blieb es abgesehen von dem kurzen Verweis darauf bei Edwards und Magee vollständig unbekannt. Und über diesen Verweis konnte man leichthin hinweggehen, da Exemplare von Schabackers Buch so selten waren. Es stellt sich immer die Frage, wie es sein kann, dass ein derart bedeutendes und außerordentliches Werk auf einem Gebiet, das eine Menge Untersuchungen und Experimente auf sich zieht und wo das Selbststudium im Grunde der einzige Lernprozess ist, derart unbekannt bleiben konnte. Auf einem Gebiet, auf dem diejenigen, die es ernsthaft studieren wollen, wissen, dass sie sich bloß die Werke von W.D. Gann, R.N. Elliott, R.D. Wyckoff und anderen aus der Vergangenheit anzuschauen brauchen, um Techniken und Anwendungen zu finden, die so aktuell wie alles andere sind, was auf dem Gebiet der Technischen Analyse zur Verfügung steht. Die Antwort auf diese spezielle Frage liegt in den physischen Druckmethoden, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zur Verfügung standen.

Zur Erklärung müssen wir uns die harten Zeiten der Vereinigten Staaten in den 1930er-Jahren anschauen, als die finanziellen Bedingungen schwierig waren. Trotzdem wurden Börsenbücher gedruckt und gekauft, wenn auch in geringeren Zahlen als in den vorangegangenen „Goldenen Zwanzigern“ sowie zu Preisen, in denen sich das belastete Wirtschaftsklima der Zeit niederschlug. Auf dem Gebiet der Veröffentlichungen zum Thema Geldanlage gab es immer noch einen verhältnismäßig kleinen Markt mit lukrativen Aussichten, den man anzapfen konnte und an dem Chancen aufkamen. Viele Autoren waren bereit, einer stattlichen Anzahl von Händlern und Anlegern Material zum Kauf anzubieten. Die Chancen lagen in der Produktion von nützlichen Werken, die bessere Handelssysteme, Methoden, analytische Denkweisen und ein höheres Vorhersagepotenzial versprachen; ihr Studium sollte den Lesern helfen, an den Trading- und Investmentmärkten größere Gewinne zu erzielen. Um diese Käufer anzulocken, produzierten die Autoren umfangreiche technische Kurse, die sie zu Spitzenpreisen direkt den Endabnehmern anboten und dabei Kapitel über bestimmte Zeiträume zu festgelegten Preisen lieferten, beispielsweise monatlich ein Kapitel zu 25 Dollar, bis die Endabnehmer schließlich den vollständigen Kurs bekommen hatten. Mit dem letzten Kapitel wurde für gewöhnlich ein geprägter Umschlag mitgeliefert und damit war der Kurs abgeschlossen. Meist hatte der Empfänger danach die Möglichkeit, Fragen zum Kursmaterial direkt an den Autor zu richten.

Der vollständige Titel des vorliegenden Buches von Schabacker lautet „Technical Analysis and Stock Market Profits: A Course in Forecasting“ – „Technische Analyse am Aktienmarkt: ein Prognosekurs“. Dem Titel kann man mit Sicherheit entnehmen, dass es ein Kurs war und dass der Autor vorhatte, ihn auf die oben erwähnte Weise zu veröffentlichen und zu vertreiben. Natürlich fiel die Anzahl der verkauften Kurse insbesondere angesichts des hohen Preisaufschlags verhältnismäßig niedrig aus. Es gab auch einen physischen Grund, der die Zahl der gedruckten und verkauften Exemplare einschränkte, nämlich die Druckmethode, die dafür verwendet werden musste. Bevor der Fotokopierer verwirklicht wurde, war die gängige Methode, Texte auf Papier zu vervielfältigen, bei denen die Druckerpresse unwirtschaftlich war, ein Siebdruckverfahren namens Mimeografie. Dabei wurde eine speziell behandelte Matrize, die den mit einer Schreibmaschine geschriebenen Text enthielt, auf einen großen Metallzylinder gespannt, der von Hand oder von einem Motor gedreht wurde, um eine bedruckte Seite zu erzeugen. Die so gedruckten Seiten wurden dann zu Kapiteln sortiert und an die Käufer versandt. Ein Problem dieses Druckverfahrens war die Matrize mit dem getippten Text, denn durch den darauf ausgeübten Druck wurden die Buchstaben mit der Zeit beschädigt. Daher konnten von einer Matrize selten mehr als 1.000 leserliche Exemplare gezogen werden.

Wir wissen, dass es von diesem Kurs von Schabacker zwei Auflagen gab, eine von 1932 und eine von 1937 (das vorliegende Buch). Bei jeweils circa 1.000 Exemplaren leuchtet es wohl ein, dass nur eine Handvoll Exemplare überlebt hat, nachdem die Zeit über die Jahre ihren Tribut gefordert hat. Schon im Jahr 1948, als Edwards und Magee ihr ausgezeichnetes Buch herausbrachten, muss das Wissen um den ursprünglichen Kurs von Schabacker dahingeschwunden sein. Dass es besondere Gründe und Bedingungen gab, die die Auflage begrenzten, kann man gut nachvollziehen und somit ist leicht zu verstehen, weshalb im Lichte des Wissens der damaligen Zeit und des speziellen Marktes, auf dem dieser Kurs vertrieben wurde, seine Überlebenschancen über die Jahre fast unweigerlich nicht gut standen. Das Überleben dieses Meisterwerks der Technischen Analyse mag zweifelhaft gewesen sein, aber bei der vorliegenden Veröffentlichung vertreten wir die Meinung, dass die Tiefe seines Wissens über das gewählte Thema, seine Klarheit des Ausdrucks bei der Beschreibung zufälliger und wellenförmiger Kursbewegungen und seine exzellente Offenbarung verzwickter technischer Entwicklungen die Mühe lohnen, es der Gemeinschaft der Analysten wieder zuzuführen. Wenn die kommenden Jahre zu der allgemeinen Akzeptanz führen, wie großartig dieser Kurs auf seinem Fachgebiet ist, dann dürfen wir wirklich sagen, dass wir hier eine neue „Bibel der Technischen Analyse“ vor uns haben – „Technical Analysis and Stock Market Profits“ von Richard. W. Schabacker.

Donald Mack

Herausgeber der Buchreihe

2005

Vorwort zur ersten Auflage

Der Aufbau dieses Kurses in zwölf Lektionen beziehungsweise das Studium des technischen Ansatzes des erfolgreichen Aktienhandels kommt der bestimmten und beharrlichen Forderung vieler Interessierter nach Unterstützung bei der Arbeit mit Aktiencharts und bei der Analyse von Märkten nach.

Viele, die die Börse studieren, sind neu in dieser Branche, sie sind Anfänger, die sich ernsthaft auf eine aktive Laufbahn an den Märkten vorbereiten wollen, oder sie wollen diese erst gründlich studieren, bevor sie beschließen, sich aktiv darauf einzulassen. Eine weitere Gruppe sind diejenigen, die bereits mehr oder weniger Erfahrungen am Markt gesammelt haben und denen klar geworden ist, dass man dort zwar viel Geld verdienen kann, aber nicht, indem man ins Blaue schießt, und gewiss nicht, indem man blind anderen nachläuft.

Eine dritte Gruppe besteht aus erfahrenen und oft sehr erfolgreichen Tradern und Anlegern, die wissen, wie wichtig es ist, die technische Seite des Marktes richtig zu beurteilen, um ihre Transaktionen zeitlich so abzustimmen, dass sie den größtmöglichen Gewinn einbringen.

Und schließlich gibt es immer auch Menschen, die nach einem einfachen Schlüssel suchen, nach einer Zauberformel, die ihnen mühelos Reichtümer einbringt.

Für diese letztere Gruppe ist dieser Kurs definitiv nicht gedacht. Es gibt keinen magischen Schlüssel zu Börsengewinnen. Der Begründer von Schabackers Methoden der technischen Prognose hat in seinen vielen Jahren der Recherchen mithilfe der Einrichtungen großer Finanzorganisationen und Nachforschungsorganisationen buchstäblich Hunderte von Systemen und Formeln getestet – nicht nur auf dem Papier, sondern durch tatsächliche Transaktionen an Märkten – und keine verlässlichen Abkürzungen gefunden, keine Systeme, die die sorgfältige, ständige Anwendung der Grundsätze der Technischen Analyse ersetzen könnten.

(Allerdings darf an dieser Stelle durchaus gesagt werden, dass die Forschungen in vielversprechende Richtungen nie aufgehört haben und auch niemals aufhören werden. Diese Wissenschaft ist nicht statisch, auch wenn das grundsätzliche Gesetz von Angebot und Nachfrage, das sie zu interpretieren anstrebt, niemals gekippt werden kann. Der heute vorliegende Kurs beinhaltet mehrere Erweiterungen und Verfeinerungen, die seit seiner ersten Zusammenstellung den „Lackmustest“ bestanden haben.)

Deshalb können wir demjenigen, der hoffnungsvoll nach einer einfachen Antwort sucht, nur eines sagen: Du wirst aus dieser Studie nur das herausziehen, was du hineinzustecken bereit bist und so lange immer wieder hineinsteckst, wie du an den Wertpapiermärkten handelst.

Doch der ernsthafte Student dieser Wissenschaft braucht nichts zu befürchten. Wir haben uns alle Mühe gegeben – und das, wie wir glauben, mit angemessenem Erfolg –, jeden Punkt und jede Methode, die hier gelehrt werden, klar zu verdeutlichen, damit sie verstanden und gewissenhaft praktiziert werden können. Komplizierte und in manchen Fällen hochgradig beworbene Theorien, von denen ausgiebige Tests belegt haben, dass ihre Ergebnisse nicht im rechten Verhältnis zu dem Zeitaufwand und zu der Mühe stehen, die ihre Praxis erfordert, wurden dabei vermieden. Stattdessen haben wir uns Mühe gegeben, die Grundprinzipien und Methoden zu erforschen und zu lehren, die jedermann in seiner Freizeit anwenden kann, ohne dass er dafür anderen einen fortgesetzten Tribut für statistische Dienste oder Beratungsdienste zu entrichten braucht.

Kurz gesagt ist dieser Kurs so ausgelegt, dass er sowohl dem Durchschnittsanleger etwas bringt, der nur circa eine Stunde pro Tag und womöglich nur ein paar Hundert Dollar für seine Marktaktivitäten aufbringen kann, als auch dem professionellen Vollzeit-Trader.

Auch haben wir uns bemüht, den Studenten zum eigenständigen Denken anzuregen. Denn es ist fraglos wahr, dass kein Mensch jemals über einen gewissen Zeitraum Börsengewinne erzielt und auch behalten hat, wenn er nicht die Qualitäten des eigenständigen Urteilsvermögens und des eigenständigen Handelns entwickelt hat. Der vorliegende Kurs soll Sie in die Lage versetzen, die Chancen selbst zu erkennen, die Fragen des „Was“ und des „Wann“ für sich selbst zu entscheiden und dann selbstbewusst zu handeln.

Ein durchschnittlich intelligenter Mensch, der in seine Marktanalysen nüchternes Lernen und Fleiß einbringt, kann – und dafür haben wir reichlich Belege – am Aktienmarkt jahrein, jahraus über Haussen und Baissen hinweg zuverlässige Gewinne erzielen. Er wird nicht die ruinösen Verluste erleiden, die über Tausende hineinbrachen – unglaublicherweise sogar in der rauschenden Hausse 1928/1929. Und er wird die interessante Wahrheit entdecken, dass der Aktienhandel die einzige Geschäftstätigkeit ist, bei der sich sowohl in Zeiten des allgemeinen konjunkturellen Rückgangs als auch in Zeiten des Aufschwungs Geld verdienen lässt.

Vorwort von Peter Brandt

Um es frei herauszusagen: Ich verdanke meine erfolgreiche Laufbahn als Börsenspekulant Richard W. Schabacker und dem Buch, das Sie gerade lesen. Ohne die von Schabacker in diesem Werk kodifizierten Grundsätze der klassischen Charttechnik wäre ich wohl wieder im Anzeigengeschäft gelandet, in dem ich beruflich tätig war, bevor ich mich im Jahr 1975 an der Chicago Board of Trade (CBOT) auf das Gebiet des Rohstoffhandels wagte.

Nach meinem Studienabschluss an der University of Minnesota zog ich nach Chicago, um eine Laufbahn bei einer der größten Werbeagenturen der Welt einzuschlagen. Durch die Aktivitäten meiner Kinder schloss ich Bekanntschaft mit einem Mann, der als Sojabohnenhändler an der CBOT tätig war. Er lud mich zum Essen in den 5. Stock der CBOT mit Blick auf den Börsensaal ein. Ich war davon völlig hypnotisiert.

Je mehr er mir über seinen Beruf erzählte, umso mehr begeisterte mich die Vorstellung, Spekulant zu werden. Wie heute gab es auch damals keine Abkürzung zum Trading – jeder fängt an der gleichen Stelle an, nämlich ganz unten. Ich war Mitte 20 und bekam bei Continental Grain Co., der damals zweitgrößten Firma für Getreideexport, ein Anfangsgehalt, das ein Drittel dessen betrug, was ich in der Werbebranche verdiente.

Meine Aufgabe war es, dieses Geschäft zu erlernen und dann Firmenkunden aus der Rohstoffbranche für die Firma zu akquirieren; dafür bekam ich pro Scheffel Getreide weniger als einen Zehntelcent als Provision. Doch mein Ziel war ein ganz spezielles – mir selbst ein Depot aufzubauen und mit dem Handel meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Null – so groß war das gesammelte Wissen, das ich für den Start in die Welt der Rohstoff-Terminkontrakte mitbrachte. Ich wusste nur, dass die Trader im Börsensaal der CBOT und ihre Kollegen an der Chicago Mercantile Exchange offenbar ein kleines Vermögen verdienten, deutsche Autos fuhren, nur sich selbst gegenüber verantwortlich waren und jeden Tag genau wussten, was sie verdient hatten. Ging es etwa noch besser?

Meinem blauäugigen Ehrgeiz standen drei große Hürden im Weg. Erstens war das Rohstoffgeschäft viel komplizierter, als ich am Anfang gedacht hatte. Zweitens musste ich mir nicht nur genügend kommerzielle Kunden beschaffen, um die Lebenshaltungskosten einer jungen Familie zu bestreiten, sondern auch um ein Handelskapital anzusammeln. Am Anfang hatte ich nicht einmal genug Kapital übrig, um einen einzigen Haferkontrakt zu kaufen – das Billigste, was man damals an der CBOT handeln konnte. Und schließlich hatte ich keinen blassen Schimmer, was es bedeutete, auf eigene Rechnung zu traden.

Das Schicksal zeigte mir sein lächelndes Angesicht. Ein paar begabte Trader nahmen mich unter ihre Fittiche und führten mich durch den Lernprozess. Bis zum heutigen Tage empfinde ich die Verpflichtung, anderen beim Umgehen von Fallstricken zu helfen, um diesen Männern für ihre Zuvorkommenheit zu danken. Nach einem Jahr hatte ich eine solide Wissensgrundlage, was den Handel mit Getreide und mit börsengehandelten Terminkontrakten anging.

Die nächste Lücke wurde dank einiger ausgezeichneter Kontakte geschlossen, die ich in meinen Jahren in der Werbebranche zu gehobenen Managern bei Großunternehmen geknüpft hatte, die mit Rohstoffen zu tun hatten. Die massive Hausse Anfang der 1970er-Jahre hatte die meisten Getreide verarbeitenden Großunternehmen kalt erwischt und die Unternehmensleitungen waren nun sehr darauf aus, sich gegen weitere überraschende Preisspitzen abzusichern. Nach ein paar Jahren verdiente ich in diesem Geschäft viel mehr, als ich in der Werbebranche verdient hätte, und ich hatte mein erstes Startkapital für den Handel angehäuft (Continental Grain erlaubte es seinen Angestellten, private Depots zu haben).

In den nächsten Jahren finanzierte und ruinierte ich mehrere Depots, wobei ich jedes Mal eine andere Handelsmethode anwandte – von der Fundamentalanalyse über saisonale Zyklen bis hin zum Day-Trading und anderen Dingen. Das Rohstoffgeschäft zu erlernen war die eine Sache, aber mit Rohstoffen zu handeln war eine völlig andere Welt. Das Trading war ein ernsthaftes Geschäft und so langsam verzweifelte ich daran.

Im Jahr 1979 fragte ich mich ernstlich, ob es für mich überhaupt infrage kam, Rohstoffspekulant zu werden. Da lernte ich Richard W. Schabacker kennen. Natürlich nicht den Mann – der war seit 1935 tot –, sondern seine Grundsätze der klassischen Charttechnik, die er in seinem Buch „Technical Analysis and Stock Market Profits: A Course in Forecasting“ niedergelegt hatte, das erstmals 1932 erschienen war.

Zum ersten Mal kam ich mit der klassischen Charttechnik durch das Buch „Technical Analysis of Stock Trends“ in Berührung, das Robert Edwards mitverfasst hatte, Schabackers Schwager, der eine Ausbildungsstätte zur Weiterführung des Werkes von Schabacker gegründet hatte, der im viel zu jungen Alter von 36 Jahren verstorben war. Ich schulde einem lieben Freund, der mich erstmals mit dem Buch von Edwards (und von John Magee) bekannt machte, enormen Dank. Nach einer kurzen Einführung in das Buch von Edwards und Magee sah ich mich gezwungen, zu den Ursprüngen der klassischen Charttechnik zurückzukehren. Ich verspürte den Drang, die Charttechnik so zu verstehen, wie Schabacker sie ursprünglich dargestellt hatte.

Leider wurde „Technical Analysis and Stock Market Profits“ damals nicht mehr aufgelegt. Es war die Zeit vor dem Internet, als der Zugang zu Informationen noch einiges an Lauferei und Beharrlichkeit verlangte. Bei einem Händler mit seltenen Büchern in Los Angeles beschaffte ich mir eine fotokopierte Fassung. Der Rest ist Geschichte. Ich verschlang das Buch an einem einzigen Wochenende. Ich spürte instinktiv, dass ich für mich den Weg nach vorn als Trader gefunden hatte. Ich sollte zum klassischen Charttechniker werden.

Die Märkte durch die Brille der klassischen Grundsätze der Chartdarstellung zu betrachten (und danach zu handeln) berührte mich zutiefst und verschaffte mir eine ganzheitliche Perspektive auf den Handel, die ich bei anderen Methoden nicht gefunden hatte. Die klassische Charttechnik lieferte mir eine Reihe von Eigenschaften, die gemeinsam zur Grundlage meines Tradings wurden:

1.Eine grafische Perspektive auf größere Kursbewegungen

2.Eine Möglichkeit, sich vorzustellen, wie sich die Kräfte der Käufer und der Verkäufer auf die Kursentwicklung auswirken

3.Zeitpunkte für das Eingehen von Trades

4.Eine Methode, das anfängliche Risiko eines Trades zu ermitteln

5.Ein Verfahren, laufende Trades zu managen

6.Einen Hinweis auf das Ausmaß eines bevorstehenden Trends

Das Trading-Programm, mit dem ich 1979 begann – unter Verwendung klassischer charttechnischer Grundsätze für den Handel mit Rohstoffen und Devisen – existiert bis heute. Es beschert meiner Familie seit 40 Jahren einen äußerst komfortablen Lebensstil und ist die Quelle meines Vermögens.

Ich bin während meiner gesamten Laufbahn ein strenger klassischer Chartist geblieben und habe Schabackers Buch regelmäßig wiedergelesen (ich habe mehrere Exemplare verschlissen). Immer wieder schlage ich konkrete Punkte in diesem Buch nach und bin oft überrascht, wenn eine wichtige, aber nuancierte Klärung eines bestimmten Chartmusters auftaucht. Schabackers Brillanz beeindruckt mich jedes Jahr mehr.

Im Laufe der Zeit habe ich Schabackers klassische Grundsätze der Charttechnik übernommen, wobei ich auf manche Muster mehr Wert lege als auf andere, meinen zeitlichen Rahmen fein abstimme, meine persönlichen Regeln des Risiko- und Trade-Managements anwende und der Liste sogar ein paar eigene Muster hinzugefügt habe. Jedoch bin ich mir stets der Regeln für die Auslegung klassischer Chartmuster bewusst, die in diesem Buch dargelegt werden, und ich handele Schabackers Anleitungen nur selten zuwider.

Sogar noch nach all diesen Jahren und einer derart häufig wiederholten Lektüre von „Technical Analysis and Stock Market Profits“ kommt es vor, dass mich das Buch durch das differenzierte Verständnis einer Chartkonstruktion, über die ich zuvor hinweggegangen war, umhaut. Recht oft kommt es vor, dass ich mich frage, ob Schabacker mir bezüglich einer bestimmten Analyse eines Kursdiagramms zustimmen würde.

Die klassischen Grundsätze der Charttechnik sind nicht jedes Traders Sache. Wenn Sie jedoch von Geometrie fasziniert sind und grafische Darstellungen lieben wie ich, dann kann dieses Buch das wertvollste werden, das Sie je gekauft haben.

Peter Brandt

Arizona 2021

Studie I

Die technische Herangehensweise an den Aktienhandel

Die Definition eines Aktiencharts

Ein „Kurs für Fortgeschrittene“

Rein technisches Geschehen

Der Niederschlag von Fundamentaldaten im technischen Kursgeschehen

Aktien, die für die Charttechnik infrage kommen

Der bildhafte Aspekt von Charts

Charts als „vollständiges Gedächtnis“

Technisches Chartgeschehen – eine neue Wissenschaft

Technische vs. fundamentale Faktoren

Gründe für konträres technisches Geschehen

Zusammenfassung des technischen Ansatzes

Die Warnung vorab

Man hüte sich vor verfrühten Annahmen

Kein leichter Weg zum Gewinn

Zeitungen, die Charts veröffentlichen

Zeitschriften, die Charts veröffentlichen

Dienstleister, die Tagescharts verkaufen

Vorgefertigte Charts

Die Vorteile der eigenhändigen Erstellung von Charts

Engerer persönlicher Kontakt

Die Anzahl der erforderlichen Charts

Die Auswahl der Aktien

Chartpapier

Koordinatenpapier

Die Konstruktion des Koordinatensystems

Das Abtragen der Kursdaten

Das Handelsvolumen

Die Verschiebung des Volumencharts

Die Zeitachse

Feiertage auf der Zeitachse

Die Darstellung von Ex-Dividende-Tagen und anderen Informationen

Die mögliche Hinzunahme nützlicher Anmerkungen zum „fundamentalen Geschehen“

Die Anlage eines neuen Blattes

Der erforderliche Zeitrahmen

AKTIENKURSBEWEGUNGEN

Major-Kursbewegungen

Intermediäre Kursbewegungen

Minor-Kursbewegungen

In Monatscharts dargestellte Major-Trends

In Wochencharts dargestellte Intermediate-Trends

Die Bedeutung der Untersuchung von Minor-Kursbewegungen

Die Definition eines Aktiencharts

Es gibt wohl keine bessere Möglichkeit, eine Diskussion von Aktiencharts zu beginnen, als sich auf eine Definition derselben zu einigen. Ein Aktienchart ist die bildliche Aufzeichnung der Handelsgeschichte einer Aktie oder einer Gruppe von Aktien. Das ist eine vollkommen einfache Definition unseres Untersuchungsgegenstands und doch allgemein genug, um all die vielen Charts, Abbildungen und Formationen abzudecken, die wir auf den nun folgenden Seiten besprechen werden.

Ein Aktienchart kann natürlich so etwas Einfaches wie die Darstellung der Schlusskurse einer einzelnen Aktie am letzten Handelstag jedes Jahres nur über die letzten fünf oder zehn Jahre sein. Diese bildliche Darstellung würde nicht viel aussagen, auch wenn sie unsere Definition technisch erfüllen würde. Sie wäre die bildhafte Aufzeichnung der Handelsgeschichte der betreffenden Aktie. Sie wäre ein Aktienchart. Sie würde sich nur graduell von dem vollständigsten, detailliertesten und mühseligsten Aktienchart unterscheiden, der sich konstruieren ließe.

Ein „Kurs für Fortgeschrittene“

Für die Zwecke der vorliegenden Studie wird es notwendig sein, von der Annahme auszugehen, dass der Leser mit Aktien und mit Wertpapieren im Allgemeinen bereits recht vertraut ist, außerdem mit Theorie und Praxis des Handels am freien Markt und mit den unzähligen technischen Details, die unser Begriff der „Handelsgeschichte“ beinhaltet, also des Handelsverlaufs. In diesem Sinne ist die vorliegende Studie gewissermaßen ein „Kurs für Fortgeschrittene“, die am Aktienmarkt agieren, und daher erscheint es nur fair, darauf hinzuweisen, dass man die Grundlagen der Märkte studieren und beherrschen sollte, bevor man es unternimmt, aus dem vorliegenden Kurs Nutzen zu ziehen.1

Über diese einführende Verallgemeinerung hinaus wird es indes unser ständiges und kontinuierliches Ziel sein, möglichst sicherzustellen, unser Denken durch eine einfache Sprache zu verdeutlichen, durch ständiges Hervorheben wichtiger Punkte, durch unzählige Beispiele und sogar durch möglicherweise ermüdende Wiederholungen. Vielleicht wird es auch nötig sein, die Nachsicht und Geduld unserer „klügeren Studenten“ oder unserer erfahreneren Leser zu erbitten, wenn sie finden, dass wir dazu neigen, alles zu wiederholen, um uns zu vergewissern, dass sie auch wirklich alles verstanden haben.

Ein Beispiel für diese eventuelle Schwäche ist, dass wir uns gezwungen sehen, für wenige Augenblicke noch einmal auf eine detailliertere Untersuchung unserer eingangs gegebenen Definition eines Aktiencharts zurückzukommen. Der Aktienchart ist eine bildhafte Darstellung der Handelsgeschichte einer beliebigen Aktie. Bei der Untersuchung von Aktiencharts interessiert uns in erster Linie nichts anderes als der tatsächliche Handel – also die Aufzeichnungen oder die Ergebnisse der ordnungsgemäßen Käufe und Verkäufe eines Papiers im Zuge des tatsächlichen Handels an einem freien Markt.

Rein technisches Geschehen

So interessiert uns beispielsweise das Unternehmen, das hinter der Aktie steht, die wir untersuchen, nicht. Für unseren unmittelbaren Zweck ist es uns egal, ob das Unternehmen Mausefallen, Blechdosen, Lokomotiven oder Zahnstocher aus Aluminium herstellt. Es spielt für uns keine Rolle, ob es ein Industrieunternehmen ist, eine Eisenbahngesellschaft, ein Versorgungsunternehmen oder was auch immer. Technisch betrachtet kann das hinter der Aktie stehende Unternehmen sogar unter Insolvenzverwaltung stehen, es kann sein, dass seine Werke geschlossen sind und es überhaupt nichts verdient. Bezüglich unseres Hauptzwecks der Chartdarstellung dieser Aktie würde das keinen Unterschied machen, sofern sich die Aktie weiterhin eines angemessen aktiven Handels an einer geregelten und regulierten Wertpapierbörse mit freiem Handel erfreut.

Der Leser darf jedoch nicht den Eindruck gewinnen, solche fundamentalen Faktoren seien für den Handel, für die Analyse und für die Vorhersage unwichtig. Sie sind ganz besonders wichtig und sollten ernstlich in Betracht gezogen werden, wenn man eine Aktie oder einen Aktienchart zu praktischen Zwecken untersucht. Wir behaupten lediglich, dass der Aktienchart an sich nichts mit solchen fundamentalen Faktoren zu tun hat. Er befasst sich ausschließlich mit den tatsächlichen Aufzeichnungen zu der Aktie im freien Handel.

Der Niederschlag von Fundamentaldaten im technischen Kursgeschehen

Bei der Aufzeichnung eines solchen Handels kommen die vielen unterschiedlichen fundamentalen Faktoren zum Tragen, sie werden bewertet, automatisch gewichtet und im Aktienchart als Nettobilanz aufgezeichnet.

Der Handel mit jeder Aktie ist weitgehend das Ergebnis der Auswirkungen, die diese fundamentalen Faktoren auf jeden Käufer und Verkäufer jeder einzelnen Aktie hatten. Der Aktienchart ist eine bildliche Aufzeichnung eines solchen Handels und gibt somit an sich alle diese anderen Faktoren wieder, sodass er sich vom rein technischen Standpunkt her nicht weiter mit fundamentalen Überlegungen zu befassen braucht.

Aktien, die für die Charttechnik infrage kommen

Aus der Tatsache, dass ein Aktienchart lediglich eine Aufzeichnung des Handels ist, ergibt sich, dass jede Aktie, die an einem Markt gehandelt wird, für die Charttechnik infrage kommt. Jede Aktie und nebenbei gesagt jede Ware oder Dienstleistung, die zu einem öffentlich angegebenen Preis gekauft und verkauft wird, kann in einem Chart dargestellt werden. Wir werden später noch sehen, dass eine Aktie, damit sie ein lohnender Gegenstand der Untersuchung ist, einen freien, offenen und aktiven Markt haben sollte, doch es bleibt eine Tatsache, dass sich jede gehandelte Aktie in einem Aktienchart bildlich darstellen lässt.

Auch lässt sich gemäß unserer Definition ein Aktienchart anhand mehr als einer Aktie konstruieren. Man kann in einen Aktienchart mehrere Aktien einbeziehen, allerdings erzielt man die besten Ergebnisse, wenn man alle zugehörigen Aktien oder Abbildungen durch Bildung des Durchschnitts zu einer Reihe zusammenfasst und so den Chart zu einem zusammengesetzten Bild macht, das wie die Aufzeichnung des Handels mit nur einer Aktie aussieht, jedoch in Wirklichkeit das zusammengesetzte beziehungsweise kombinierte Ergebnis des Handels mit einer Vielzahl von Aktien ist. Bei solchen Charts zu Gruppen von Aktien spricht man von Indizes.

Wenn wir bei unserer Definition eines Aktiencharts bleiben, stellen wir fest, dass er in erster Linie eine bildliche Aufzeichnung ist. Ein Aktienchart ist also ein Bild. Einer der einfachsten und am leichtesten verständlichen Vorteile eines Aktiencharts ist die Tatsache, dass er zu jedem gewünschten Zeitpunkt in der Handelsgeschichte einer Aktie ein Bild wiedergibt, das viele Monate oder Jahre abdeckt. Hätte man den Chart nicht, würde es viele Stunden oder gar Wochen gewissenhafter Recherchen erfordern, ein solches Bild zu produzieren.

Der bildhafte Aspekt von Charts

Da der Aktienchart eine Geschichte des Handels ist, besteht die Hauptgrundlage seiner Konstruktion im tatsächlichen Handel und in den Einheiten des betreffenden Handels. Der gängigste und üblichste Handelsplatz für Aktien ist die New York Stock Exchange. Die Ergebnisse des Handels an dieser Börse werden vor allem mithilfe des Börsentickers in Maklerbüros im ganzen Land aufgezeichnet. Aus naheliegenden praktischen Gründen sind jedoch die meisten an einem solchen Handel interessierten Menschen nicht in der Lage, die Entwicklung der Handelsaufzeichnungen jeden Tag von 10 bis 15 Uhr in einem Brokerbüro zu beobachten.2 Tageszeitungen und andere regelmäßige Publikationen schließen diese Kluft, indem sie täglich die Handelsergebnisse melden. Jeder, der sich für den Aktienmarkt interessiert, kann sich daher täglich rund fünf Stunden sparen, indem er einfach die Gesamtergebnisse des Handels vom Tage nachschaut.

Ebenso wie die Zeitungen einem Zeit und Aufwand ersparen, indem sie den Aktienhandel täglich zusammenfassen, so geht der Aktienchart mit dieser Dienstleistung noch weiter, indem er dem Interessierten Tage, Wochen, Monate oder Jahre erspart. Wenn er die Handelshistorie einer Aktie über das vergangene Jahr ohne Zuhilfenahme eines Charts durchgehen möchte, muss er die Zeitungen von mehr als 300 Tagen oder im besten Fall seine eigenen Aufzeichnungen über diese 300 Handelstage durchsehen. Wenn er hingegen die Vorteile der Dienste nutzt, die ihm der Aktienchart leistet, kann er sich die viele Zeit und Mühe sparen. So kann er auf einen Blick die vollständige Aufzeichnung des täglichen Handels einer bestimmten Aktie im vergangenen Jahr vor sich haben.

Charts als „vollständiges Gedächtnis“

Auch wenn Charts weder Zeit noch Mühe sparen würden, so hätten sie doch immer noch ihren größten Vorteil, nämlich den des vollständigen Gedächtnisses. Wenn die betreffende Person damit zufrieden wäre, ihre wertvollen Stunden damit zu verbringen, über den notierten oder gedruckten Aufzeichnungen des letztjährigen Handels mit einer Aktie zu brüten, wie oben angenommen, dann bliebe ihr immer noch das furchtbare Handicap, sich die Merkmale des Handels im Februar merken zu müssen, während sie sich die Aufzeichnungen für den Oktober anschaut. Außer wenn sie ein fast übernatürliches Gedächtnis hätte, müsste sie ständig von einem Zeitraum zu einem anderen springen, um aus ihren Recherchen irgendeine vollständige Reihenfolge oder Analyse zu machen.

Aber wenn sie einen Chart der Aktie verwendet, wird diese Aufgabe sehr viel einfacher. Sie hat das Bild Schwarz auf Weiß vor sich, dauerhaft, zutreffend, kompakt – genau das Bild, von dem sie ohne Chart versuchen würde, sich trübe daran zu erinnern oder es vor dem geistigen Auge zusammenzusetzen.

Der hauptsächliche Wert eines Aktiencharts erwächst also daraus, dass er eine bildhafte Aufzeichnung der Handelsgeschichte ist. Da der Aktienchart ein Bild ist, macht er die vergangene Geschichte eines Wertpapiers zu einem einfachen offenen Buch, das leicht zu lesen und leicht zu untersuchen ist. Seine Verwendung bringt hinsichtlich der praktischen Ergebnisse ähnliche Vorteile wie das Teleskop, die Röntgenstrahlen, die Fotozelle und andere moderne Vorrichtungen, die hinsichtlich der allgemeinen und detaillierten Informationen derart viel Zeit und Energie sparen, dass sie es ermöglichen, diese Energie in die produktiveren Kanäle der Untersuchung und der Recherche fließen zu lassen.

Technisches Chartgeschehen – eine neue Wissenschaft

Und dieser Gedanke bringt uns automatisch zurück zu dem mit Abstand größten praktischen Vorteil des Aktiencharts. Da er die grundlegende Koordinierung der Fakten so vereinfacht und es dadurch ermöglicht, sie leicht zu begreifen, führt er ganz selbstverständlich zu einer detaillierteren Untersuchung der Phänomene, die er bildhaft darstellt: die tatsächlichen Ergebnisse der Handelsgeschichte, die Muster, die Regeln, die Merkmale des Verhaltens. Kurz gesagt führt er zu einer neuen Wissenschaft, nämlich zu der Wissenschaft des technischen Chartgeschehens.

Das technische Marktgeschehen ist derjenige Aspekt der Analyse, der auf Phänomenen beruht, die aus dem Markt selbst entstehen, unter Ausschluss der fundamentalen und aller anderen Faktoren. Eigentlich könnte man das technische Geschehen auch schlicht als die Antithese zu fundamentalen Überlegungen erklären. Der fundamentale Aspekt der Marktanalyse legt besonderen Wert auf Faktoren wie das Unternehmen, das hinter der Aktie steht, auf seine Geschäfte, seine Aussichten, seine früheren, derzeitigen und künftigen Gewinne, seine Bilanz, seine Finanzkraft, auf die Qualität der Unternehmensleitung und so weiter. Zu den fundamentalen Faktoren gehören die Dividende der betreffenden Aktie, ihre Kapitalisierung, ihre Rendite, ihre Verteilung und zahllose andere Faktoren, die sich direkt oder indirekt auf den inneren Wert der Aktie auswirken können, auf ihren theoretischen Kurs, darauf, was sie nach Meinung der betreffenden Person kosten sollte, oder auf den wahren Wert des fraglichen Wertpapiers.

Solche fundamentalen Faktoren sind sehr wichtig und müssen vom Anleger oder Händler sorgfältig erwogen werden. Das sind aber nicht die technischen Faktoren, die wir zu untersuchen gedenken. Die technischen Faktoren sind das, was man als Rückstand der Summe aller Aspekte bezeichnen könnte, die sich auf den wahrscheinlichen Marktwert einer Aktie auswirken, nachdem die augenfälligeren fundamentalen Faktoren eliminiert wurden.

Technische vs. fundamentale Faktoren

Wenn wir unsere Fundamentalanalyse der Gewinne, der finanziellen Stärke und der ganzen anderen Faktoren abgeschlossen haben, bleibt immer noch etwas übrig, das im Hinblick auf den künftigen Kurs, zu dem eine bestimmte Aktie verkauft werden mag, berücksichtigt werden muss. Diese abschließende Betrachtung hat etwas mit dem technischen Marktgeschehen zu tun.

Wenn man das Vorhandensein und die Bedeutung dieses „anderen Faktors“ begreift, lässt er sich leichter analysieren. Wir haben das technische Geschehen als diejenigen Phänomene definiert, die sich aus dem Markt selbst ergeben. Dieser Markt ist nichts anderes als eine Gruppe von Käufern, die gegen eine Gruppe von Verkäufern antritt. Und die Überlegung ist klar, dass an einem freien Markt dann, wenn mehr Verkäufer da sind als Käufer beziehungsweise mehr Aktien zum Verkauf als zum Kauf stehen, die Kurse der betreffenden Aktien sinken müssten.

Es ist nicht unsere Aufgabe, zu überlegen, weshalb mehr Aktien angeboten wurden, als der Nachfrage entsprachen. Es ist lediglich unsere Aufgabe, die technische Tatsache zu erkennen, dass es mehr Verkäufer als Käufer gab. Das war der wichtige Punkt, denn das bedeutete, dass die Aktie ungeachtet aller entgegenstehenden fundamentalen Faktoren fallen würde.

Solche Überlegungen bilden die Grundlage für unsere Aussage zu Anfang dieses Kapitels, dass Aktiencharts und somit auch das technische Geschehen bei der Hauptanalyse keine fundamentalen Faktoren wie Unternehmensgewinn, Unternehmensleitung, Bilanzen und Ähnliches berücksichtigen. Wir werden später sehen, dass Fundamentaldaten sehr wichtige Ergänzungen zur Untersuchung des technischen Geschehens sind und dass sie in vielen Fällen für die lange Sicht wichtiger sind als vorübergehende technische Aspekte. Aber bei unserer Einführung in das Thema und für unser grundlegendes Verständnis von Aktiencharts müssen wir uns darüber klar sein, dass sie für sich genommen die Fundamentaldaten vollständig ignorieren. Tatsächlich ignorieren sie alles außer dem technischen Marktgeschehen bei einer Aktie oder einer Gruppe von Aktien – dem Gleichgewicht zwischen Käufern und Verkäufern, dem Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage – vollständig; kurz gesagt alles außer den Phänomenen, die aus dem tatsächlichen Handel an sich an einem freien, offenen Markt resultieren.

Gründe für konträres technisches Geschehen

Vielleicht klingt es zu geheimnisvoll und gemahnt zu sehr an Taschenspielerei, wenn wir andeuten, dass wir nicht zu fragen zu brauchen, weshalb eine Aktie unter schwachem technischem Geschehen gerade dann fällt, wenn ihre fundamentalen Aspekte am stärksten erscheinen. Für so etwas gibt es viele mögliche Gründe, aber diese entwickeln sich ebenso wie das technische Geschehen an sich in erster Linie aus dem Markt.

Es könnte auch sein, dass Spekulanten die Aktien schon vor Monaten in Vorwegnahme der Entwicklung der erwähnten günstigen Fundamentaldaten gekauft haben, und da sie sich nun bewahrheiten, stoßen die Spekulanten sie ab und nehmen ihre Gewinne mit. Vielleicht hat auch eine Gruppe mächtiger Insider oder Unternehmensvertreter zu viele Aktien eingesammelt. Vielleicht wird ihnen nun klar, dass die fundamentale Lage nicht so gut ist, wie es die Meldungen aussehen lassen. Es gibt zahllose Gründe, weshalb die technische Position das Gegenteil der fundamentalen Position sein kann.

Wichtig ist hier der Punkt, dass dann, wenn die beiden voneinander abweichen, die technische Position den Sieg davonträgt, weil sie dichter am Markt ist – der offene Markt ist hingegen das, was Aktienkurse in Bewegung setzt. Zumindest siegt die technische Position in der unmittelbaren Zukunft, auch wenn es nur vorübergehend ist, und deshalb ist die technische Position für den kurzfristigen Swing-Trader oder für den Spekulanten wichtiger, der auf Gewinne aus den laufenden Kursbewegungen der Aktie aus ist und sie nicht wie der Anleger kauft, um sie auf lange Sicht auf die Seite zu legen.

Die technische Position ist der Faktor, der sich in der Zukunft darauf auswirkt, ob die Kurse steigen oder fallen.

Wir können mittels Aktiencharts zwar die gegenwärtige technische Position des Marktes besser beurteilen, aber diese technische Position ändert sich ständig und unterliegt sehr schnellen und beträchtlichen Umschwüngen von „sehr stark“ auf „sehr schwach“ in wenigen Tagen oder in seltenen Fällen sogar in wenigen Stunden. Es erfordert praktisch gar keine Zeit, dass eine riesige Menge Kauf- oder Verkaufsorders auf den Markt kommt, und solche Ereignisse schlagen sich in technischem Geschehen nieder, sodass sie sich für die Chartanalyse eignen.

Es ist allerdings eine Tatsache, dass sich das technische Geschehen im Allgemeinen nicht derart schnell ändert und dass wir, wenn wir ermittelt haben, ob die technische Position stark oder schwach ist, dem Spiel bereits ein bisschen voraus sind, denn die technische Position ist der Faktor, der sich nicht gestern darauf auswirkt, ob die Kurse steigen oder fallen, und nicht einmal jetzt, sondern in der Zukunft – wenn auch nur in der unmittelbaren Zukunft.

Im Allgemeinen ändern sich technische Positionen nicht so schnell, wenn nicht die Fundamentaldaten einen gewaltigen Impuls erhalten, der so stark ist, dass er den „Status quo“ zwischen Angebot und Nachfrage überwindet. Normalerweise braucht eine starke technische Position Tage, Wochen oder Monate, um sich aufzubauen, sie entfaltet über Monate eine starke Wirkung, und dann dauert es wieder Tage, Wochen oder Monate, bis sie sich erschöpft und in den entgegengesetzten Zustand einer schwachen technischen Position umschlägt. Während dieser gesamten allmählichen Veränderung sind dank einer geeigneten Analyse der technischen Position Börsengewinne möglich.

Zusammenfassung des technischen Ansatzes

Um unsere einführende Diskussion zusammenzufassen: Es reicht nicht, die fundamentalen Positionen von Aktien zu kennen. Wir müssen auch ihre jeweilige technische Position kennen. Auf kurze Sicht sind technische Überlegungen sogar noch wichtiger als fundamentale Kennzahlen, aber der Vollblutanleger kennt beide. Fundamentale Überlegungen sind für den durchschnittlichen Studenten leicht. Die technischen Aspekte sind weder besonders leicht noch sicher, aber sie werden durch das Studium von Aktiencharts auf eine Art Wissenschaft reduziert.

Mithilfe von Aktiencharts können wir womöglich ein besseres Verständnis der Phänomene erreichen, die mit der allmählichen, aber ständigen Verschiebung des Kräftegleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage am Aktienmarkt einhergehen.

Die Warnung vorab

Die nun folgenden Lektionen beziehen sich auf eine derartige Untersuchung, dies allerdings in einem Geiste von Aufgeschlossenheit und Vorsicht, den der Leser unbedingt teilen sollte. Wenn es eine allgemeine Aussage über das gesamte Thema der Aktiencharts gibt, die wir gleich beim Einstieg in unsere Studie treffen sollten, dann ist es die klare Warnung, dass der Leser bei allem vorsichtig sein sollte, was anscheinend eine sichere Sache ist. Das mag für die Eröffnung einer solchen Studie schwach und enttäuschend klingen, aber wir sprechen sie in wohlerwogener Voraussicht aus.

Wir sind fest davon überzeugt, dass Aktiencharts nützlich und von hoher Bedeutung sind, die technische Position einzelner Aktien und des gesamten Marktes darzustellen. Unseres Erachtens sind Aktiencharts die wichtigste einzelne Hilfestellung bei der Vorhersage künftiger Kursbewegungen und wir stützen uns auf die ständig wiederholte Prämisse, dass sie für den erfolgreichen Aktienhandel eine absolute Notwendigkeit sind.

Man hüte sich vor verfrühten Annahmen

Doch gerade diese Überzeugung von der Effizienz von Aktiencharts veranlasst uns zu der Vorabwarnung vor zu viel Vertrauen und vor Misstrauen. Nichts geht über den Nervenkitzel, den der Anfänger verspürt, wenn er einmal beginnt, die rudimentären Prinzipien der Chartinterpretation zu beherrschen, und es erlebt, dass sich seine ersten Analysen und Prognosen als korrekt erweisen.

Aktiencharts sind am wichtigsten, um künftige Kursbewegungen vorherzusagen, und sie sind für den erfolgreichen Aktienhandel eine absolute Notwendigkeit.

Die größte Gefahr für den Anfänger liegt gerade in diesem ersten erwachenden Bewusstsein für den Wert seiner Studien. Aufgrund seiner ersten Erfolge wird er womöglich eine wahrscheinliche Vorhersage für eine gewisse Vorhersage halten, zu großes Zutrauen gewinnen, sich beim Traden übernehmen und sich plötzlich in einem katastrophalen Morast schwerer Verluste wiederfinden – und, was vielleicht noch wichtiger ist, in einem hoffnungslosen Zustand der Unentschlossenheit, des Misstrauens, der Skepsis und der bitteren Enttäuschung.

Kein leichter Weg zum Gewinn

Buchstäblich Tausende unglückselige Beispiele gibt es in unseren Akten und unter den Studenten, die wir kennen, die im ersten Rausch ihres jungfräulichen Erfolgs zu Allwissenden wurden, deren Begierde durch die erste Erkenntnis des grundlegenden Wertes der Technischen Analyse derart angeheizt wurde, dass sie sich kopfüber in die Fallstricke der Chartinterpretation und des Tradings anhand von Charts stürzten, ohne genug Geduld an den Tag zu legen, um ihre Studien zu vervollständigen und ihre Kenntnis der grundlegenden Prinzipien zu vervollkommnen.

Der Leser darf versichert sein, dass alle in der nun folgenden Studie der Aktiencharts und des technischen Geschehens abgeleiteten Grundsätze nicht aufgenommen worden wären, wenn sie nicht als wertvoll oder bedeutsam gelten würden. Doch genauso gewiss darf sich der Leser sein, dass keiner dieser Grundsätze unter Garantie hundertprozentig unfehlbar ist. Es ist uns gelungen – wenn auch manchmal unter Schwierigkeiten –, zu praktisch jeder Formation und zu praktisch jeder Regel Ausnahmen zu finden. Darüber hinaus kennen wir keine praktische Regel zu Aktiencharts oder zum Aktienhandel, zu der es nicht unter gewissen Umständen und zu bestimmten Zeiten solche Ausnahmen gibt.