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"Freiheit das ist das, nach dem ich suche. Dafür nehme ich jede Strafe auf mich. Ich weiß, der Mob findet uns immer, egal in welcher noch so kleinen Ecke du dich versteckst." Ich wurde an den berüchtigten Don Grenado verkauft. - Deal meines Vaters. Ein Umtausch, unmöglich! Denn Mafiaprinzessinnen spielen auf deren Ball. Eine Wahl gibt es nicht. So gerate ich in die Fänge dieses psycho Bastards, dem Wipper, dessen Körper heißer nicht sein könnte. - Er denkt ich bin sein- nicht mit mir! - Tessa, ich habe die Jagt, auf dich eröffnet. Du Kleines, kannst dich verstecken, wo du möchtest, doch sei dir im Klaren- ich finde dich- immer! "Lass uns zusammen eskalieren, den Rausch dessen erleben, was uns trennt. Du denkst du bist Frei? Nein, du Kleines, wirst in meinen Laken, Dinge erleben, die sich dein hübsches Köpfchen nicht einmal vorzustellen wagt! Heute, Morgen und den Rest deines Lebens."
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Seitenzahl: 369
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Weiter geht’s in der Bound – Reihe: Überlege dir gut, ob du diesen Schritt wagen möchtest und in die Welt von Tessa, der Mafiaprinzessin, eintauchen möchtest.
Ich freue mich, an deiner Moral kratzen zu dürfen, dich in Unsicherheit zu wiegen und deinen Verstand zum Zweifeln zu bringen.
Du stehst auf die kranke Scheiße – Match!
Gutes Mädchen, dann lass dich und deine Gedanken in zwei Hälften brechen.
Schön, dich hier in New York, der Stadt, in der dir alle Möglichkeiten offenstehen, begrüßen zu dürfen.
Denkst du, dies gilt für alle?
Hier gibt es jemanden, der seit langer Zeit ein Auge auf dich geworfen hat, dich beobachtet, sich nach dir verzehrt, auch wenn er es nicht sollte, und dich genau das Gegenteil spüren lässt.
Was, wenn ein kleiner Ort inmitten dieser großen Stadt deine Moral zweifeln lässt? Du dich nach gefährlichen Dingen sehnst, von denen du nicht einmal wusstest, dass diese auch in dir schlummern?
Du Dinge tust, von denen du nicht wusstest, dass du bereit dazu sein wirst? Oder niemand der ist, der er vorgibt zu sein.
Was, wenn du zu deinem Schutz genommen wirst und die Welt um dich herum belogen wird, nur um dich in Sicherheit zu wissen? Das Schlimme: Du musst die belügen, bestehlen und bestrafen, welche du liebst.
Willkommen in der Welt von Vincenzo & Tessa – einer Mafiaprinzessin …
Dieses Buch beinhaltet explizite Sprache, drastische Szenen, eine Welt voller Dunkelheit und einer Menge gewaltvoller Darstellungen. Verschiedenste Triggerpunkte in allen Bereichen, die man sich so nicht wünschen würde, ihnen zu begegnen. Darum überlege dir, ob du in die Welt der Dunkelheit abtauchen möchtest. Du wirst einen Ort besuchen, der deinen Verstand und deine Moral zweifeln lässt. Eine Welt in der das Licht scheint, obwohl es das auf den ersten Blick nicht sollte.
Alle Inhalte, die auf diesen weißen Seiten zu finden sind, sind frei erfunden!
Leseempfehlung ab 18+!
Alkohol, Drogen, Menschenhandel, Suizid, Vergewaltigung, verschiedene Sex - Arten, Mafia, Gewalt, Tod und so weiter!
Inhaltsverzeichnis
1 Tessa
2 Vincenzo
3 Tessa
4 Vincenzo
5 Tessa
6 Vincenzo
7 Tessa
8 Vincenzo
9 Tessa
10 Vincenzo
11 Tessa
12 Vincenzo
13 Tessa
14 Vincenzo
15 Tessa
16 Vincenzo
17 Tessa
Mafia, damit ist nicht zu spaßen. Es ist mein Schicksal. Meine Existenz und meine Bürde, dort wieder lebend herauszukommen.
Vor ein paar Wochen:
Die von Glatteis und Schneefall begleitete Fahrt ins Nichts zu dem mir bis dahin verheimlichten Sexclub meines Bruders Miguel, dauerte ewig. Während wir happy Mafia-Family spielen. Schweigend saß ich zwischen genau diesen und befüllte meinen Körper mit Neugierde, und undefinierbarer Angst.
Miguel, er heiratete an diesem Tag. Ich kann es immer noch nicht glauben.
Sexclub und eine Ehefrau?
Mein Vater war so angespannt, dass ich selbst fühlte, wie mir die Anspannung hinaufstieg. Meine Mutter benebelte sich vor dem Flug genug mit Alkohol und Pillen. Mitten in unserem Privatjet spielte sie dabei Nobeldame und anschließend im Wagen ging es weiter. Niemanden störte es. Ist ja nicht so, als würden sie mich oft miteinbeziehen. Ich bin hier und das reicht ihnen. Und mir. Ich habe mich wohl damit arrangiert. Auch damit, immer alles als Letzte zu erfahren oder einige Dinge nie. Wie zum Beispiel das Alter meiner Mutter. Was sich hinter der Tür in meines Vaters Büros befindet oder wie meine Eltern sich kennengelernt haben.
Mario, der normalerweise auf mich aufpasst, immer bei mir ist, auch wenn es mir nicht passt. Immer da ist, wenn ich alleine sein möchte. Mir alle Touren versaut oder einfach nur nervt. – Der konnte ausnahmsweise zu Hause bleiben. Sich um unser Heim kümmern, bis wir aus dem blöden kleinen Dorf wieder zurückfliegen.
Früher, als ich noch klein war, habe ich immer Vaters Treffen belauscht. Gezittert und geweint. Gedacht, die bösen Menschen wären immer da. Nie wäre jemand nett oder normal. Nun ja, es ist in unserer Welt auch so und ich hatte recht.
Heute weiß ich auch, dass ich mehr weiß, als ich wissen sollte. Ebenso zu wenig, um genug zu wissen. Heute lausche ich im Zimmer nebenan bei der Lüftung. Zittere vor Angst und gleichzeitig vor Wut. Habe keinen Schlüssel für mein eigenes Zimmer. Habe um mein eigenes Leben Angst, weil bei uns sehr böse Menschen ein und ausspazieren.
Ich bin in seinen Augen eine Mafiaprinzessin. Und das bedeutet: Prinzessinnen weinen nicht, sie stehen auf und verhalten sich wie eine.
Egal, was ist. Sie sehen schön aus, arbeiten im Hintergrund und geben vor, weniger zu sein, als sie sind. Sind Menschen zweiter Klasse. Bringen Geld und Ansehen ein. Retten die Ehre der Familie, sollte mal etwas schiefgehen. Sind das die Aushängeschilder derer, die die Stadt regieren? Friedenstauben, um die Clans zu vereinen.
Meine Familie, sie ist ein Teil, zu dem ich dazugehöre, ich selbst fühle mich nicht als Teil von ihr. Ich bin ein Gegenstand.
Ich habe Brüder, die Teil der Mafia sind. Mafia steht über allem.
Ich habe eine Mutter, die Teil dessen ist. Sie hält das Konstrukt im Hintergrund zusammen. Plant Partys. Gibt Büfetts. Arrangiert mit anderen Frauen Ehen. Gewissenlos wie alle anderen. Steckt ihr eigenes Territorium ab.
Ja, ich weiß. Ich bin nur die Tochter. Jung. Naiv. Heiratsfähig.
Erzogen zur Dame. Gib mir eine Masse an Besteck – ich finde die richtige Reihenfolge. Gib mir zwei Minuten – ich bin geschminkt wie ein Callgirl.
So wie sich die Männer unserer Welt das vorstellen. Glamour, Glitzer, Schein, kein Sein.
Ich soll nur brav zuhause bleiben, online mein BWL-Studium weitermachen, um dann für meinen Ehemann einmal arbeiten zu können. Heimlich studiere ich Design an der Uni, an der mich mein Vater für das BWL, angemeldet hat. Ich bekomme Geld von ihm, um mich entsprechend zu kleiden. Die Vorzeigefrau zu sein.
Und genau mit diesem Geld arbeite ich an meinem Herzensstudium. Kaufe günstige Kleidung und lass ihn denken, das Geld ist aufgebraucht.
Mit dem Laptop und dem Internet von ihm. Mit seinem Geld. In seinem Haus, ohne Präsenzunterricht. Und das gibt mir das beste Gefühl überhaupt.
Ich weiß, kindisch.
Ich bin froh, wenn ich Miguel wiedersehe. Er ist der Einzige in der Familie, der mich irgendwie versteht. Ein großer Bruder und Freund. Kumpel, mittlerweile zumindest.
Mein Bruder Costa, er ist schon seit ein paar Tagen bei ihm. Miguel ist der jüngere der beiden und wird das Imperium nicht erben. Costa wird der neue Don. In meiner Welt zählt nichts anderes. Es ist eine abgekartete Sache. Ausgemacht. Vertraglich geregelt. So läuft das bei uns. Leider sind wir uns irgendwie fremd.
Diese Hochzeit, Miguel als Ehemann, das kann ich mir nur zaghaft vorstellen. Wir kannten diese Frau nicht, wir wussten ihren Namen nicht. Das Einzige, was ich weiß war, dass meine Mutter zuhause schon fast panisch auf die Schnelle alles organisiert hatte. Die Gäste sollten das Gefühl bekommen, es wäre monatelang geplant gewesen. Das Event des Jahres. Die liebe Schwiegertochter. Glanz und Gloria. Ansehen und Macht. All das gab es an diesem Tag tatsächlich. Mitten im Winter. Mitten im Nirgendwo.
Das ist doch absolut lächerlich.
Aber was wirklich richtig unheimlich war, war das erste Kennenlernen. Miguel hatte sie mit Handschellen, einem Seil und nassen Klamotten an sein Bett und die Wand gefesselt. Ich meine, was ist mit ihm los? Wie kann er so sein? Diese Frau war in meinem Alter. Mein Bruder ist einundvierzig Jahre alt. Also zwanzig Jahre älter als ich. Er hat bereits graue Haare!
Zugegeben, bei uns in der Familie sehen alle gut aus. Mein Vater mit seinen bald siebzig sieht aus wie Mitte fünfzig. Meine Mutter ebenso. Sie treiben Sport, essen gesund, dafür trinken sie wie Löcher. Ich selbst trinke keinen einzigen Schluck Alkohol.
Ich kenne zu viele aggressive, alkoholgetränkte Menschen.
Diese Hochzeitsfeier, die darauffolgte, sie hätte nicht seltsamer sein können. Alle taten so, als wäre es ein Segen, diese Verbindung. Mein Vater, er war der Einzige, der seltsam war. Finde ich zumindest. Und dann dachte ich auch noch, dass ich einen Schuss hörte. Ja, es war tatsächlich einer! Und das auf einer Hochzeit! Ich wurde Zeuge eines Mordes. Zwischen glitzernden Eiskristallen, einem Kronleuchter und weißen Tischtüchern.
Die Braut wirkte deplatziert. Verängstigt und glücklich, sowas von paradox. Was sie auch selbst war. Ich meine, wie kann mein Bruder so etwas machen? Eine Frau gefangen nehmen? Wie konnte er so tun, als wäre das alles normal? Und seit wann kann er so tanzen? Er, dieser Einsiedler, mitten im Wald. Er jagt sogar mit dem Gewehr nach unschuldigen Kaninchen.
Der Blick, mit dem er sie ansah. Wie als würde er sie jagen. Keine Minute verließen seine Augen die Ihren. Unheimlich, aber sexy. Das gebe ich zu. Sie war sein Mittelpunkt.
Lange konnten wir nicht bleiben. Die Feier war zu Ende. Meine Schwägerin ist nett, aber ebenso auch durch den Wind.
Wir mussten im Anschluss sofort wieder nach Hause, Geschäfte, meinte mein Vater. Ich wäre so gerne noch etwas geblieben, hätte mir diese Frau angesehen, Fleur, wundervoller Name. Sie ist ja nun meine Schwägerin, vielleicht wäre sie auch so etwas wie meine Schwester für mich. Ich habe meine eigene Schwester Lynn leider nie kennengelernt.
Zu früh wurde sie ermordet. Ich habe niemanden hier in meinem Alter.
Auch auf der Uni kann ich mich kaum bewegen. Nur zu meinen Vorlesungen gehen, dann werde ich sofort, keine Minute zu spät, wieder von meinem Aufpasser und Nervensäge Mario abgeholt. Dem Aufpasser.
Wer einmal einen Fuß in unser Zuhause gesetzt hat, der weiß, dass hier keine tiefgründigen Gespräche stattfinden. Keine freudigen Familienfeiern gefeiert werden und sicherlich auch keine Filmabende veranstaltet werden.
Hier zählen einzig der Familienstand, das Ansehen und die Männer meines Vaters. Er, der Don Morano, welcher über Leichen geht. Es schert ihn nicht, ob jemand am Leben bleibt oder nicht. Das durfte ich kurz darauf erfahren.
Nach der Hochzeit dauerte es nicht mal einen ganzen Tag, bis wir wieder zuhause waren.
Alltag spielten, bis mein Vater mich in sein Büro gerufen hatte. Das kommt nicht oft vor. Ich drückte die Klinke der Bürotür herunter. Schwer fühlte sie sich an. Ein Zigarrengeruch wehte sofort entgegen. Die Atmosphäre des Raumes lässt einen fürchten. Begrüßt wurde ich durch ein gieriges Aufreißen der Augen eines dicken Mannes. Seine schwieligen Finger fuhren meinen Arm entlang, er begutachtete mein dunkles Haar. Schnupperte daran.
Ronaldo Grenado.
Don der Mafia in Chicago.
Gefürchtet von allen. Ekelerregend in jeder Hinsicht. Gerüchten zufolge soll er mehrere Frauen gehabt haben. Naja, er ist verwitwet, das alleine sagt, glaube ich, alles.
Meine Gefühle, als ich das sah, kann ich kaum beschreiben: Ein wissendes Gefühl überkam mich, gepaart mit Verzweiflung,
Verärgerung und Zorn. Denn mein Vater zeigte mir einen Vertrag, in dem stand, dass ich Tessa Morano an meinem einundzwanzigsten Geburtstag die Ehe mit diesem Mann eingehen sollte. So wurde es von ihnen beschlossen.
Schwarz auf Weiß stand es auf diesem Papier. Von ihm unterzeichnet. Seine großkotzige Schrift, wie immer sauber hingekritzelt.
Die Welt schien auf mich einzuhämmern, immer und immer weiter. Ich wusste genau, wenn ich jetzt etwas Falsches sage, werde ich das noch lange spüren. Sehr lange. Vater spielte gelassen an seiner Uhr am Handgelenk, während der Alte mit seinem Finger über meinen Arm strich. Richtung meines Halses und mit der ganzen faltigen Hand mein Gesicht berührte.
Ich dachte, ich müsste mich übergeben. Jegliches Blut wich aus meinem Gesicht. Gänsehaut und Ekel machten sich auf mir breit.
Ich musste darauf achten, ihn nicht zu kränken. Das wäre ein Grund für ihn mich wieder einzusperren. Also behielt ich ein Lächeln auf. Überlebensinstinkt als Tochter eines Dons: misstrauisch bleiben, zurückhaltend und auf der Hut. Eigenschaften, die ich gelernt habe und lernen musste. Gedanklich summte ich mein Lieblingslied, das ich in den Jahren in allen möglichen Tonarten kann.
Das von James. Auf Wiedersehen, mein liebster Schatz, ich habe es mir im Laufe der Zeit umgetextet. Goodbye …
Damit wurde ich entlassen. Ein Abwinken meines Vaters, fast noch ein „Husch, husch“, und ich sollte gehen. Nickend tat ich genau das.
Raus aus diesem Raum. Nur weg von dort, diesem Schreibtisch, an dem über Leben entschieden wird. Weg von den beiden.
Lief in mein Zimmer und weinte. Leise, so dass es niemand hören und sehen kann. Die Überwachungskameras in unserem Haus sind immer da. Wieso sollten dann auch hier keine sein? Auch wenn ich sie nicht sehe. Was ist schlimmer, den Feind hier zu wissen oder zu denken, dass er hier ist? Genau, das ist sein krankes Spiel.
In ein paar Wochen werde ich von ihm abgeholt. Und nach unserer Verlobungsfeier werde ich unter seinem Schutz stehen, bei ihm bleiben, bis wir verheiratet sind. So einfach werde ich gegen eine andere Familie ausgetauscht.
Ich wusste, dass mich einmal dieses Schicksal überkommt, dass ich mich nicht dagegen wehren kann. Nur, niemals im Leben hätte ich mit diesem Mann gerechnet.
Ich rief Miguel an, überredete ihn und überredete im Anschluss meine Mutter, noch ein paar Tage bei ihm zu bleiben. Ich sagte das Leben dort in der Kleinstadt, wäre bestimmt gut, um mich auf die Hochzeit vorzubereiten. Ein paar Wochen Auszeit. Und ich sagte, Miguel würde gut auf mich aufpassen. Miguel stimmte tatsächlich zu. Vater war froh, dass ich weg war. Denke ich. Also, durfte ich losziehen. Ich war so glücklich, doch noch während dieses Gedankens, brannte sich eine andere Erfahrung in mein Innerstes.
Was geschah darauf kann kein Mensch gefasst sein, kein Blatt der Welt würde reichen, um diese Katastrophe zu beschreiben.
Ich wurde entführt.
Gerettet.
Beobachtet und bekam einen kleinen Herzenswunsch erfüllt.
In all dem Unglück, dem Chaos und dem Netz aus Lügen, Mafia, Verrat und Tod bekam ich etwas Besonderes. – Fleur wurde für mich zu einer Schwester, einer Herzensfamilie. Meine Schwägerin.
Bis heute, dem Tag, an dem ich sie täuschen muss, belügen, um frei zu sein. Das ist meine Chance.
Heute:
Ich schlage die Tür des Wagens zu und laufe, so schnell ich kann. Lasse Fleur alleine im Wagen zurück. Remple Menschen an, stoße mit ihnen zusammen. Ich kann meinen Kopf nicht genug heben. Viele hier kennen meinen Bruder, sie würden ihm sofort sagen, dass sie in meiner Nähe sind, wo ich mich aufhalte. Ein Anruf und alles wäre vorbei. Die Strafe würde sofort folgen. Vor allem und erst recht von meinem Vater. Obwohl Miguel auch nicht viel besser ist.
So wie ich ihn kenne, nimmt er das persönlich und setzt es mit Verrat gleich. Männer, die ihm folgen, wissen, was ihnen blüht – der Tod!
Weiß ich, was mir blüht? – Ich kann es nicht sagen.
Die letzten Stufen bis zur dunklen U-Bahn springe ich fast, kaufe mir ein Ticket, das Teuerste, das es gibt, und bleibe so lange sitzen, bis Endstation herrscht.
Während der ganzen Fahrt rattert es in meinem Herzen, ebenso in meinem Verstand. Ich bin wirklich weg, das kann ich noch nicht glauben. Innerhalb von Sekunden überkam mich der Fluchtinstinkt. Ich weiß noch nicht, wo ich herauskommen werde, nur dass mein grober Plan noch ausbaufähig ist. Ich darauf achten muss, nur einmal mit der Bankkarte Geld abzuholen. Danach muss ich, so schnell es geht, an einen anderen Ort fahren.
Freiheit, paradox würde ich es im Moment nennen, denn ich bin frei und gefangen in der Welt, deren die unsichtbar bleiben müssen.
Ich muss andere Kleidung besorgen, Geld für lange Zeit transportieren und einen Platz zum Schlafen finden. Alles so, dass ich nicht auffalle. Ich hätte das besser durchdenken müssen. Spätestens jetzt, als ich im Taxi zum Bahnhof sitze. Denn ein Flug fällt aus, keinen Reisepass. Taxi, langfristig zu teuer, und für den Rest bin ich ebenfalls zu schnell zu finden.
Ronaldo wird mich suchen, mein Vater wird mich suchen. Und Miguel, du wirst mich sicher auch suchen. Du warst für meinen Schutz bis zur Verlobungsfeier zuständig. Zweimal versagt. Auch wenn du nichts dafür kannst, es tut mir leid, doch ich bin mir wichtiger.
Zittrig sitze ich in diesem Wagen. Der Fahrer wirkt seltsam. Hat lauter bunte Tücher im Wagen, raucht und hat das Radio so laut an. Der Stau macht es nicht besser. Nervös ducke ich mich ständig, habe das Gefühl, dass mir jemand auf den Fersen ist. Obwohl ich mir denke, dass nicht einmal Miguel so gut ist, mich so schnell zu finden.
Er ist lustigerweise der Lurker, so nennt er sich. Die Männer nennen ihn so. Was auch immer das sein soll. Der Anschleicher und Beobachter. Die Soldaten sagen, niemand ist so brutal wie Miguel oder sein Consigliere Vincenzo. Sie lachen nur über meinen Verlobten. Ich ganz und gar nicht!
Er ist grausam. Ich habe genug in den Nachrichten über ihn gehört, dass ich weiß, niemand würde freiwillig bei ihm bleiben. Ich meine, er hat sogar seinen Sohn verstoßen, weil dieser die Kriterien nicht erfüllt. Ein Weichei sein soll.
Was auch immer das heißen soll.
Nein, ich werde da sicher nicht hingehen. Auch wenn ich jetzt nichts mehr habe, so habe ich jetzt noch mehr als bei ihm.
Ich lasse mich für den Betrag, den ich dem Fahrer gegeben habe, fast zwei Stunden herumfahren, bis er bei einem Motel hält. Endstation, so wie es aussieht.
Der Typ an der Rezeption schläft schon fast, ihm ist es egal, wer ich bin, wo ich herkomme oder wie ich aussehe. Das tut so gut. Ich bezahle gleich für eine Woche, dann weiß ich, dass ich spätestens wieder weiter muss. Ich werde mir vielleicht einen Job suchen, einen genauen Plan habe ich noch nicht. Die Fahrt war lange, aber nicht lange genug, um das zu bedenken. Schlaf ist das, was ich jetzt brauche, sehr viel davon.
Die Tür lässt sich mit dem Schlüssel schwer öffnen. Moosgrüner Teppich begrüßt mich in dem kleinen Zimmer, die dunkelbraunen Möbel und die roten Vorhänge runden das Bild einer Absteige perfekt ab. Sogar die Toilettenspülung begrüßt mich hier laut, als sie einfach ungezwungen weiterläuft. Und genau diese kommt von der Etage über mir.
Schnell verschließe ich die Tür, lege einen Kugelschreiber von der Ablage in den Spalt darunter. Es bremst zumindest ein kleines bisschen, falls jemand sie öffnet.
Paranoia, mein neuer Name. Oder. Vielleicht sollte ich mich Pam nennen.
Schnell ziehe ich die speckigen Vorhänge zu und lege mich in das Bett. Die Sauberkeit muss ich gar nicht erst überprüfen, um zu wissen, dass es diese hier nicht vorhanden ist.
Angst gemischt mit etwas, das so eine Art kleinen Sieg vermittelt, überkommt mich, sodass ich ruhiger werde. Irgendwann mit einem schlechten Gefühl und einem guten, trotz allem. Ich bin zu müde, um lange über alles nachzudenken.
Es ist verblüffend, wie schnell man sich daran gewöhnt. In solchen Hotels zu sein – ich bin jetzt fast drei Wochen weg, habe immer nach ein paar Tagen die Unterkunft gewechselt. Wie lange wird das noch gutgehen?
Wie werde ich langfristig das Geld dafür auftreiben können? Und wie wird es sein, nie wirklich zu existieren? Denn das ist genau das, was kommt. Ich kann nicht weiter ich sein. Ich muss jemand anderes sein. Sollte ich eine Susan sein, eine Megan? Keine Ahnung.
Miguel, er kennt einfach zu viele Leute, mein Vater kennt zu viele Leute und ich, ich kenne fast nur Frauen.
Ich werde nie in Ruhe leben können, das ist mir klar. Auch wenn ich mir jetzt die Haare färben würde, das würde doch auch nichts bringen. Egal wo ich mich hinbewege, was ich sowieso so gut wie nie mache, es fühlt sich nie gut an.
Ich blicke mir ständig über die Schulter, habe das Gefühl, beobachtet zu werden. Egal, wo ich bin. Ob ich mich dusche, ob ich esse, ob ich über die Straße gehe. Es wird mich den Rest meines einsamen Lebens begleiten. Diese Ungewissheit. Hätte Grenado Gonzales mich schon gefunden, hätte er mich schon mitgenommen. Hätte Miguel mich bereits gefunden, hätte auch er mich nach Hause geholt. Also, wer ist es dann?
Ist es Einbildung? Ein imaginärer Käfig der Freiheit?
Sogar der fallende Schnee wirkt freier als ich. Reiner als ich. Und doch zugehöriger als ich.
Abgesehen davon: Jeder andere, der mir auf den Fersen sein sollte, kann wohl kaum so schlimm sein wie einer von ihnen:
Miguel. Mein Vater. Grenado.
Schnell kaufe ich mir an der Straßenecke ein Pizzastück. Italienisch ist etwas anderes, das hier ist tiefgefroren, mit Belag für mehrere Pizzen. Egal, ich habe Hunger. Es muss schnell gehen und ich habe nicht mehr so viel Geld. Einen Job zu suchen, ist mittlerweile angebracht. Ich muss etwas finden, einen Ort, an dem sie so sehr suchen, dass ich ohne Papiere dort anfangen kann. Wobei sogar ich weiß, dass es normale Jobs nicht gibt, die dich so arbeiten lassen.
Ich weiß nicht, ob der Mann hinter dem Tresen der Tankstelle, heute an Silvester, mit mir Mitleid hatte oder ob er einfach zu gutgläubig für die Welt ist, denn er gibt mir den Job. Ich wollte nur einen warmen Kaffee kaufen und sah den Aushang. Ich dachte mir: Fragen kostet nichts. Ich habe ihm den Rest seiner Schicht geholfen und am Ende bekam ich den Job. Es soll ja nicht dauerhaft sein, nur ein paar Wochen, um einen Lohn zusammenzubekommen, dann werde ich wieder gehen. Mich nicht verabschieden, seine Freundlichkeit ignorieren, so wird es ab jetzt immer ablaufen.
Oder nicht?
Werde Abstand zu allen halten. Keine Freundschaften haben. Meine neue Schwester Fleur, auch wenn wir nicht blutsverwandt sind, hinter mir lassen.
Ich darf niemandem trauen. Inmitten des leichten Schneefalls gehe ich frierend zurück zum Hotel. Meine Gedanken drehen sich um Fleur, ihre liebe Art, sie war so einfach, so unkompliziert und eine tolle Freundin. Ich hoffe, Miguel hat sie nicht bestraft. Er wird ihr, wie ich denke, nicht glauben, dass sie nichts wusste. Es tut mir so leid.
Schnell husche ich wieder an dem nächsten schlafenden Portier vorbei in Richtung meines Zimmers. Dusche mich lauwarm und schalte den TV ein. Etwas anderes kann ich kaum machen. Der Job ist schon Risiko genug, aber ich werde einmal wöchentlich ausbezahlt. Das ist das Beste im Moment, das ich erwarten kann. Und es hält mich über Wasser. Ich liege in diesem schäbigen Bett und summe mein Lieblingslied. Immer das Gleiche. Es beruhigt mich. Lässt mich etwas anderes als immer nur Angst, gefunden zu werden, fühlen.
Ich fühle mich seltsam. Komme mir komisch vor und es fühlt sich trotzdem falsch an. Abgesehen davon habe ich noch nie alleine gewohnt. Es ist ungewohnt. Was mich aber noch mehr wundert, ist, dass ich unterschätzt habe, wie eingesperrt ich mich hier fühle, obwohl ich frei bin.
Wie einsam ich bin, auch wenn ich es so wollte. Ich dachte immer, ich sei einsam inmitten von Menschen, doch das ist noch schlimmer.
Bis ich einschlafe, lausche ich den Fahrzeugen auf der Straße. Meinem eigenen Puls. Meiner Musik und hoffe auf einen schönen Traum. Und ich hoffe, nicht erfroren zu sein, denn eine Heizung gibt es hier nicht. Träume von den Kleidern, die ich einmal nähe, vielleicht.
Sobald ich meine Augen öffne, spüre ich etwas auf meinem Gesicht. Ich wehre mich, strample und schreie. Nichts ist zu machen. Mein Körper, er fühlt sich wie gelähmt an.
Ich werde heruntergedrückt. Strample vor Todesangst. Huste, weil ich keine Luft bekomme. Auf meine Nase wird dieser ekelhafte Geruch gepresst. Bereits nach kurzer Zeit sehe ich nur noch verschwommen. Bin wehrlos und ausgeliefert. Die Dunkelheit und das Nichts breiten sich in mir aus. Meine Augen schließen sich und es lässt sich, auch wenn ich mich noch so dagegen wehre, einfach nichts dagegen machen.
Bitte hilft mir doch jemand, rufe ich innerlich.
Mit trockenem, schmerzendem Hals. Mit dem Gefühl, eingeklemmt zu sein, und furchtbarem Zittern wache ich auf.
Alles um mich herum fühlt sich nicht gut an. Die erdrückende Luft, das leichte Licht und diese Anspannung. Ich weiß sofort wieder was passiert ist.
Diese Angst, die mich sofort überkommt, lässt mich nur noch weiter zittern. Nach Luft schnappen und die Tränen fließen, denn ich kann mich nicht bewegen. Nichts geht. Ich liege, so wie ich denke, auf einem Tisch. Kann das sein?
Ich summe leise. Und summe. Ich beruhige mich mit der Vibration in meinem Hals selbst. Mein Lied. Eigentlich heißt es ja „Lover“ im Text. Für mich ist es Goodbye, mein Leben. Immer schon. Ob es Vorahnung war? Wer weiß …
Die Wände sind fast schwarz und schmutzig. Neben mir ist ein Fenster, es wurde mit Müllsäcken zugeklebt. Die Kamera in der Ecke blinkt. Also bin ich wohl auf Sendung. Ich kann nur bei Ronaldo sein. Dieser Bastard. Er wird stinksauer auf mich sein. Eine Mordswut haben, so wie ich, nur dass ich weiß: Ich ziehe hier den Kürzeren. Er wird mich für diese Schande umbringen wollen. Die Feier wäre definitiv wichtig gewesen, für ihn und seine Familie. Ich weiß nicht, wie ich da wieder herauskomme.
Es dauert nicht lange und ich drifte wieder in den Schlaf ab. Es ist nicht aufzuhalten. Wer weiß, was ich alles bekommen habe. Schlafende Geiseln sind wohl immer die Beliebtesten.
Frierend und durstig wache ich wieder auf. Bevor ich die Augen öffne, weiß ich, wo ich bin. Immer noch auf diesem harten Bett oder Tisch. Gefesselt, denn meine Arme fühlen sich taub an. Die Kälte frisst sich in mich und lässt mich weiter zittern. Das zusammen mit dem Muskelzucken, welches mich überkommt, wird ihn wohl zufriedenstellen. Hoffentlich. Szenarien formen sich in meinem Kopf, was er alles mit mir machen wird, sobald er hier hereinkommt. Schlagen, in zwei Teile teilen, vergewaltigen – es ist bei ihm ausnahmslos alles drin. Wenn er etwas von diesem Richard hat, der mich entführte, zusammen mit dieser Seelenlosigkeit, dann werde ich noch vor der Hochzeit gebrochen sein. Das fühlt sich gewiss an. Wieso musste ich auch noch diese Nacht im gleichen Hotel bleiben? Ich hätte eher wechseln sollen. Ich hatte es im Gefühl. Die Tankstelle, vielleicht war auch sei ein Fehler. Möglicherweise war der Portier wegen mir auch schon tot. Ich kann das nicht mehr aushalten. Ständig sterben Menschen. Mist. Mist. Mist.
Meine Finger, sie brennen vor Schmerz. Meine Augen fühlen sich an, als würden sie ertrinken, ich kann die Tränen nicht stoppen. Es ist ein schlimmes Gefühl, zu wissen, dass ich selbst schuld sein werde, so wie er sich von mir getäuscht fühlen wird. Ich bin weggelaufen, das wird in unserer Welt mit Verrat gleichgestellt. So viel weiß ich über dieses Geschäft. Es ist aufgebaut auf Ehre, Macht und Loyalität. Ich habe ihm mit dieser Aktion auf seine Ehre gespuckt, ihn schwach wirken lassen und kein bisschen Loyalität bewiesen. Dies wird mich bis an mein Lebensende begleiten, tagtäglich.
Ein wenig Licht kommt herein, fast lautlos öffnet sich die Tür. Vor Angst traue ich mich kaum, hinzusehen. Es wird sowieso egal sein, er wird kommen und mit mir machen, was er möchte.
Irgendwer steht vor mir. Ich kenne ihn nicht. Schlank. Kleiner als Ronaldo.
„Guten Morgen, Tessa Morano.“ Die hämische Stimme dringt stinkend in mein Gesicht. Der Mann ist ungefähr so alt wie Miguel, denke ich. Er ist ekelig. Kaum Haare auf dem Kopf, gekleidet im Unterhemd. Ringe an den Fingern und viele Tattoos auf dem Hals, auf der Brust, zwischen den ganzen gekräuselten Haaren.
„Na, kannst du nicht sprechen? Ich habe „Guten Morgen“ gesagt. Tessa.“ Ich habe keinen Schimmer, wer das ist. Ich schweige weiter, eine der besten Möglichkeiten, wenn man nicht weiß, wo man ist oder wer einen gefangen hält. Scheiße, ich weiß nicht, was da das Beste ist. Ich kenne mich nicht aus. Bei Richard war es etwas anderes, er wollte nur Fleur.
Eine Ohrfeige trifft mich. Pochend und so, als würde mein Auge in Flammen stehen, fange ich an, zu weinen. Stoppen kann ich es nicht, es überkommt mich einfach so. „Sollte ich sagen: Guten Morgen, Stiefmutter, oder? Na, kannst du dann sprechen? Wenn ich mit dir spreche, erwarte ich eine Antwort. „Verstanden?“, klingt seine vergnügte Stimme. Sofort schüttle ich den Kopf aus Unverständnis. Wie bitte, was ist das für ein Spinner? Seine gelben Zähne lächeln mich an. Von seinem Gesicht möchte ich überhaupt nicht sprechen.
„Also, ein letztes Mal: Guten Morgen, hast du gut geschlafen?“, vorsichtig nicke ich, bringe gerade noch leise und zurückhaltend ein „Guten Morgen, ja.“ heraus.
Mein Kopf wird sozusagen getätschelt. Der ekelhafte Mann, er fasst in mein Haar. Was aber noch genauso beunruhigend ist, ist, dass er nicht ganz dicht wirkt.
„Mein Vater, er sucht dich bereits. Er hat sogar eine Belohnung auf dich ausgesetzt. Ein Glück für dich, dass mir das bisschen Geld scheißegal ist. Ich will alles. Das Geld, die Macht und dich. Wir beide, wir werden ein viel besseres Paar als ihr beide sein. Das sind doch wundervolle Neuigkeiten, oder, Liebes?“ Gut, nicht nur seine Worte sind wie die eines Verrückten, während er mit seinem klebrigen, schwitzigen Daumen meine Lippen entlangfährt, sondern auch seine Stimme, sie sollte einem Sorgen bereiten. Er wechselt von hoch zu tief, es klingt nicht nur manisch, sondern wechselt im gleichen Moment zu verärgert.
Schnell ziehe ich wieder an den Fesseln. - Nichts zu machen! Was hat er vor?
„Weißt du, ich werde dich einfach zur Frau nehmen, du musst keine Angst haben. Ich werde nichts mit dir machen, was er nicht auch machen würde. Ich habe auch nicht so altmodische Ansichten wie er. Du darfst bei mir arbeiten gehen! Und wir fangen gleich morgen früh damit an. Du wirst Geld einbringen. Die Männer kennenlernen. Meine Männer.“ Er lacht mich weiter an. Hebt ausladend die Hände. Ja, er klingt so positiv. Doch seine Worte, sie machen mir Angst, mich sprachlos und todtraurig. Das kann in allen enden, was nur einigermaßen anzunehmen wäre. Seine Männer. – Ich weiß genau, was solche Männer machen, was sie von Frauen erwarten und nehmen wollen. Mein Verstand möchte ihn nicht ansehen, doch seine schwieligen Finger, die sich um meinen Kiefer klammern, zwingen mich dazu.
„Wenn du ein braves Mädchen bist, werde ich dich heute Nacht in einem Bett schlafen lassen. Du hast die Wahl, entscheide dich!“, sein Lächeln, das pure Grauen. Er meint das doch nicht ernst. Ich und in einem Bett? Er meint wohl sein Bett! „Essen gibt es dann auch!“ Nein, so viel Hunger kann ich dann gar nicht haben. „Niemals.“ Vor Angst presse ich die Augen zu.
„Gut, du hattest die Wahl. Schlaf. Morgen früh geht es los. Wir lassen dich zurechtmachen. Am Nachmittag öffnet der Club.“ Er dreht sich um, zeigt sich beleidigt, ja, das ist das treffende Wort. Ohne sich umzudrehen, verschwindet er wieder. Gott sei Dank. Sämtliche Luft strömt aus mir heraus, die Anspannung fällt etwas ab.
Der Club, wenn es nur halb so schlimm ist wie bei meinem Bruder – ich hatte Andreaskreuze gesehen, Handschellen, Gerten und all solche Dinge –, dann werde ich wohl morgen dem Tod ein Stück näherkommen.
Bevor die Panik mich wieder vollends überkommt, versuche ich, mich gedanklich an meine Musik zu hängen. Meine Kleider die ich male. Strich für Strich gehe ich gedanklich durch.
Normalerweise hilft es mir immer, mich zu beruhigen. Es hat die letzten Wochen geholfen, aber heute nicht. Diese Angst vor dem Ungewissen, sie ist kaum auszuhalten.
Nach sehr langer Zeit schlafe ich ein. Wer weiß, was auf mich zukommen wird. Durch ein Geräusch werde ich wach. Er sprach von einer Frau oder? Ja, wenn jetzt auch noch diese Frau kommen wird, die nicht schlimmer aussehen könnte als die, die vor mir steht, ist mir eines klar: Miguels Club hat damit überhaupt nichts zu tun.
Eine ziemlich junge Frau steht vor mir. Dunkelrote Lippen und rabenschwarzes langes Haar hängen an ihrem Kopf herunter, auch sie riecht nicht wirklich gut. Ihre Kleidung, wenn man das so betiteln kann, ist billig. Nicht in der Art von „sich etwas leisten“, nein, sie sieht aus wie eine billige Hure, eingehüllt in transparenten roten Stoff und einen schwarzen Lederrock. Lackstiefel bis zu den Knien, ein Hundehalsband am Hals hängend mit einer Nummer.
Das darf nicht deren Ernst sein. „Guten Morgen, Tessa, ich falle gleich mit der Tür ins Haus, wir haben nicht viel Zeit. Also ich habe noch einen Termin. Ich fessele dich locker, Sergio wird auf dich aufpassen, wenn wir dann fertig sind.“ Ihr Akzent, ist seltsam.
„Ronaldo sagte bereits: Du wirst heute schon anfangen. Er hatte recht, die Gäste, sie werden dich lieben. Als Erstes aber bekommst du von mir eine Spritze. Er legt größten Wert darauf. Du willst ja nicht schon vor eurer Hochzeit schwanger werden, oder?“ Sie lächelt mich so nett an, sie klingt so unbekümmert und gelassen. Was ist mit dieser Frau los? Wurde ihr ihr Hirn entfernt? Sie müsste doch wenigstens halb so entrüstet und aufgebracht wie ich sein. Sie wird mir eine Spritze verabreichen. Wenn ich nicht befürchten würde, dass ich genau diese benötige, würde ich sie mir nicht geben lassen. Niemals. Ich meine, ich hatte noch nie Sex, war noch nie in der Situation, über so etwas nachzudenken.
Der Piecks ist nur halb so schlimm wie gedacht. Die Frau ist schlimmer. Sie summt ein imaginäres Lied. Ich selbst müsste unbedingt auf die Toilette. „Ich müsste mal auf die Toilette, ist das möglich?“, ich frage einfach, versuche, nett zu klingen. Netten Menschen wird auch wesentlich lieber geholfen, hoffe ich! „Klar, komm, ich helfe dir. Danach wirst du etwas essen und trinken. Du musst ab jetzt darauf achten, immer, wirklich immer gut auszusehen, genug gegessen zu haben und nett auszusehen. Die Männer erwarten das bei dem Preis, welchen sie zahlen. Er erwartet es.“ Ich nicke. Die Frau hat doch nicht alle Tassen im Schrank.
Was sind das hier für Leute? Wo bin ich hier gelandet?
Nachdem ich auf der Toilette war, traue ich mich, zu fragen, was ich da überhaupt machen soll.
Keine Antwort ist auch eine Antwort. Du dumme Bitch, denke ich mir. Während ich aber nett lächle.
Was soll ich nur tun? Was wird mich heute hier erwarten?
Die Tür öffnet sich, ein Mann, welchen ich noch nicht gesehen habe, kommt herein und scheucht uns die Treppen hoch. Sein Haar ist fettig, seine Ketten um den Hals sind fast größer als sein Oberkörper. Er hat eine speckige Weste an und Turnschuhe. „Los, ihr zwei, keine Zeit zum Schlafen. Los, los!“, schimpft er mit verbrauchter Stimme mit uns. Die Frau, sie wirkt jetzt auch wesentlich veränderter als vorhin, sie wirkt unterwürfig. Ihr Kopf ist gesenkt. Sie spricht nicht und macht, was er sagt. Ich kann das Gesicht von ihr nicht sehen. Sollte ich das auch? Vermutlich, ja. Um herauszufinden, was hier los ist und wie ich wieder wegkommen werde, so werde ich dabei mitspielen. Nicht besonders auffallen, wird mir mehr helfen als alles andere.
Der Wagen, er fährt nicht sehr lange, man kann absolut nichts sehen, die Welt außerhalb dieses Kastenwagens scheint nicht zu existieren. Niemand hier spricht. Wir sitzen auf der Ladefläche, zusammengepfercht, verängstigt und gegeißelt. Aber hey – gut gestylt. Ich fasse es nicht.
Meine Hände haben sie zusammengebunden. Das raue Seil, es scheuert gewaltig. Die Hitze hier bringt einen fast um. Wieso heizen sie so ein? Niemand weiß, wie lange wir schon fahren. Ich flüstere der rothaarigen Älteren neben mir zu und frage sie. Ihre Antwort: nur ein schemenhaftes Zucken mit den Schultern. Die Blonde im weißen Oberteil gegenüber von mir zeigt mir in dem schummrigen Licht, leise zu sein. Es wirkt nicht böse von ihr, eher schützend. Alle haben Angst – so wie ich. Angst und Übelkeit breiten sich immer weiter in mir aus. Mir wird so übel bei wackeligen Fahrten. Vor allem bei der stickigen Luft hier drinnen.
Miguel, in Gedanken spreche ich mit ihm:
Nie wäre ich glücklicher gewesen als jetzt, wenn du mit deiner brachialen Gewalt, deinen Venen des Todes, hierherkämst und die Leute, die uns gefangen genommen haben, umlegen würdest. So weit ist es schon. Und das macht mir fast noch mehr Angst als die Situation selbst. Wäre ich dazu bereit?
Schniefend und auf der Hut sitze ich ruhig hier, lasse mich von dem Wagen schaukeln und lausche mit den bestimmt zehn anderen Mädels dem Verhängnis meiner Existenz.
Unten angekommen sind ein paar Stühle, Tische und reiner Betonboden zu sehen. Waschmaschine, Trockner und eine kleine Küchenzeile. Aschenbecher, stinkender und beißender Geruch heißen uns willkommen.
„So, an die Arbeit, wie immer! Michelle, du nimmst die Neue mit. Ich erwarte, dass sie morgen ihre Aufgaben kennt!“, befiehlt der Alte der hübschen blonden Michelle. Diese nickt, und weg ist er. Die Tür wird laut zugeschlagen und sofort verschlossen.
Lautes Gewusel bricht aus, Wäsche wird gewaschen, Geschirr gespült. Eine lockige Frau beginnt zu rauchen. Naja, wenigstens stellen sie so etwas bereit, genauso wie Bier. „Warum?“, frage ich verdutzt diese Michelle. Diese hebt die Augenbrauen, als wäre ich nicht ganz richtig. „Wenn wir ruhig sind, wird’s weniger Stress geben, einfache Gleichung, Tessa. Oder Tessa ist dein Name?“, ihre Stimme ist kaum einzuordnen. Ich nicke einfach. „Was soll ich tun?“, diese Frage ist wohl die beste im Moment. Wenn ich hier etwas herumkommen würde, Ausgänge und Eingänge beobachten könnte, dann kann ich nach einem Ausweg suchen.
Sie erklärt mir meine Aufgaben ganz genau. Wenn ich sie nicht erfülle, naja, ich weiß selbst, wie das enden wird. Ich muss aber irgendwie überhaupt nicht so wie die anderen Mädels hier unten putzen. Nein. Gut, die Hälfte von uns bleibt, Michelle und ich werden abgeholt. Der Fahrer steht wieder vor der Tür, dieses Mal vor einer anderen Tür.
Sobald er sie geöffnet hat, dröhnt Musik herein. Die Fetzen, die wir anhaben, und das Equipment, das wir mitnehmen sollen, das kann nicht wahr sein. Ich habe einen Korb mit Gleitgelen, Feuchttüchern, Fake-Sperma und Halsbändern dabei. Alleine, dass ich jetzt weiß, was Fake-Sperma ist, würde mich in einer normalen Welt, die ich vorher hatte, rot werden lassen.
Michelles Korb, den kann ich mir nicht ansehen. Zu viele bunte Vibratoren schauen mir entgegen. Panik zusammen mit Ekel breitet sich in meinem Körper aus. Angst, an mehr kann ich nicht mehr denken, als wir die Treppen hinaufgehen. Die Musik, welche mir eigentlich gefällt, fühlt sich an wie ein Todesmarsch.
Michelle sagte, ich bleibe heute noch bei der Bar, ich soll servieren, tanzen und gut aussehen. Ihnen Lust machen. Gott, ich könnte kotzen.
Weiß aber, Michelle hat es heute nicht besser. Sie wird in ein Separee geschickt, mit Bett, Dusche, Spielzeug. Eigentlich ist es so wie bei meinem Bruder, doch sobald ich das hier sehe, weiß ich, es ist genau das Gegenteil. Die Menschen hier sind genau das Gegenteil.
Mein Arm wird schroff gepackt und an mir gerochen. Dieser schwitzende große Mann zieht mich mit in Richtung der in neonfarbenem Lila gehaltenen Bar und schnürt mir ein Halsband um. „Au, das ist zu fest“, wage ich es zu sagen. Ein ekelhaftes Lachen trifft sofort mit einer Ohrfeige auf mich. Au, es brennt richtig. Tränen sammeln sich. Ich spüre, wie mir heiß wird. Traue mich kaum, meine Augen in die Umgebung zu lenken. Menschen, die klatschen und pfeifen, nehme ich wahr, bevor ich grob zu meinem Platz geschubst werde. Alle heizen sich gegenseitig auf.
Tessa, ich habe die Jagd auf dich eröffnet. Du Kleine, kannst dich verstecken, wo du möchtest, in jede Ecke kriechen, doch sei dir im Klaren: Ich finde dich, weil ich muss und weil ich möchte!
Vor fast drei Wochen
Gerade als ich im Begriff bin, zu kommen, schubse ich die Bitch von mir herunter. Meine Botschaft ist klar.
Diesen Klingelton, welchen ich höre, der kann nur von Miguel kommen. Angepisst gehe ich ans Telefon, während sich die verdammte Schlampe vor meinen Augen ihre nasse Fotze reibt und laut stöhnt, dass ich selbst gleich komme. Ich sehe ihr zu. Sie gibt alles.
Miguel ist so sauer, dass ich befürchte, er legt die ganze Stadt in Schutt und Asche. Wäre sie mein, diese Tessa, würde ich das verdammt nochmal tun. Eine Frau, die ihren Platz nicht kennt … so etwas gibt es bei uns nicht. Fleur und Tessa sind verschwunden.
Ich glaube, ich höre nicht richtig. Miguel ebenso, denn er brüllt ins Telefon, die Fotze soll die Schnauze halten. Normalerweise stört ihn das nicht.
Ich winke der Schlampe vor mir ab. „Zieh dich an und verschwinde, ich habe zu tun“, befehle ich ihr. Scham überkommt sie, die Röte wandert direkt in ihren Kopf. Interessiert mich aber nicht. Jetzt muss gehandelt werden. Die Bitch, von welcher ich nicht einmal den Namen kenne, so wie immer, sie zieht sich an. Macht schnell, fällt fast mit ihren Highheels, als sie die Stufen nach unten zum Hauseingang entlang tappst, so dass ich es sogar höre. Sie muss verschwinden, es geht sie nichts an, was wir besprechen. Ich lege auf und wichse mir meinen Schwanz selbst fertig.
Ohne das kann ich nicht effizient genug denken, ich brauche die Entleerung. Allerdings wäre mir das in einem engen Arsch einer geilen Pussy lieber.
Fleur, sie mag ja noch so nett sein, aber Miguel, er wird langsam zum Weichei, wenn es um sie geht. Ich habe ihm gesagt, er habe das Glück, verliebt zu sein. Sonst würde ich mich fragen, ob er der Richtige für seinen Job ist.
Für mich gäbe es das nicht! Niemals. Ich bin Vincenzo, der neue Vollstrecker, der Whipper. Ich jage und ich behalte nicht. Ich peitsche, zu meinem Vergnügen. Nur meinem!
So ist mein Motto: Ich ficke, saufe und ziehe mir 'ne Line, wenn ich es brauche. Und im Moment kann ich einfach nur Wodka trinken, diese Fleur, sie macht mich wahnsinnig.
Jetzt kann ich zu all meinem Glück seine Schwester auch noch suchen gehen. Er sucht von Queens aus auf dieser Seite des Hudsons, ich auf der anderen. Wir kennen so viele, normal müsste es ein Leichtes sein, sie bald wiederzuhaben. Und dann, Gnade ihr Gott, denn Miguel ist mal so richtig am Eskalieren.
Sie ist erst einundzwanzig Jahre alt. Hat keinen Plan vom Leben. Trägt ein riesiges rotes Fadenkreuz auf dem Rücken und dann haut sie einfach ab. Dabei sollte sie mit ihrer Hochzeit den Eintritt in die Omertà für ihren Zukünftigen freigeben. Verdammt, damit ist nicht zu spaßen, Kleine. Du hast einen Vertrag einzulösen.
Ich bin selbst so sauer, dass ich jetzt diese Scheiße machen muss, dass ich sie am liebsten übers Knie legen würde und sie so richtig zu Verstand ficken möchte. Sie ist in den letzten Jahren eine echte Hammerfrau geworden. Aber seine Schwester.
Seit diesen paar Jahren sehe ich sie mit anderen Augen. Klar, sie ist seine Schwester, somit Tabu. Auch wenn's nur fürs Ficken ist. Er würde mich eiskalt abmurksen. Zurecht. Denn ich ficke, ich liebe nicht. Niemals.
Ihr Haar, ein Traum aus dunkler Seide. Ihre Augen, ein Traum aus Unschuld, und ihr Arsch, ein Traum von prallen Backen.
Dann kommt da noch ihre Stimme dazu. Das wusste ich selbst nicht, bis ich auf sie und Fleur aufpassen musste. Gott. Fleur spielte Klavier und die kleine Tessa sang. – Goodbye irgendwas … hieß es, glaube ich. Ja, so einen Frauen-Schnulzen-Song. Aber bei dieser Sinnlichkeit stand mein Schwanz aus dem Nichts. Also by the way, auch gut.
Gott, ich muss wieder klar denken. Ich konnte nur daran denken, wie sich ihre Stimme beim Sex anhören würde. Wenn sie aus voller Inbrunst meinen Namen schreit, zittert und nach mehr betteln würde. Dann, wenn ich ihren Arsch zum Glänzen bringen würde. Fuck – nein, das wird nie passieren.
Denn eigentlich habe ich mit ihr überhaupt nichts am Hut.
Ich kenne sie, seit sie klein war. Das wird sie auch immer bleiben. Himmel, ich bin vierzig. Punkt.
Ihr Verlobter Renaldo sucht sie. Miguel sucht sie. Ich muss sie suchen. Das sind alles Ressourcen, die verschwendet werden. Alles das, was uns jetzt bei dem Zusammenfinden unserer Männer stört und von den wichtigen Aufgaben abhält. Jetzt, wo es wichtig ist, zusammen zu sein und zusammen als Einheit aufzutreten. Fuck.
Ich dachte, er hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, als er mir eröffnete, ich solle sie, wenn ich sie gefunden habe, ein paar Wochen aus der Stadt fernhalten.
Ihm ist es lieber, er kann sich um die Sicherheit von nur einer Frau kümmern. Wir sollen uns aufteilen, weil wir alle zusammen ein noch größeres Sicherheitsrisiko sind. Er hat Fleur bereits selbst aufgegabelt. Gott, zum Glück. Doch sie, hatte ne gewaltige Überraschung dabei. Sie ist von ihm Schwanger.
Fleur, die schwanger ist. - Fuck, ein Baby, ich könnte mich kaputtlachen. Doch die Gefahr wird damit nicht weniger.
Er und ein Kind. Dieser alte Sack. Gut, ich bin nur zwei Jahre jünger als er, aber das, das grenzt doch jetzt an Schwachsinn. Wie soll das jetzt hier ablaufen?
Babymilch und Windeln, zusammen mit den Leichenteilen, in den Abfall. Wie stellt er sich das vor? Leichenteile neben der Babyschale im Wagen vielleicht? Und in seinem Desire dann Babyflaschen neben den Fake-Spermaflaschen?
Ich dachte zumindest, er sei vor diesem Lebensstil gefeit.
Ich soll sie holen, damit wir sie dem Wichser von Ronaldo zurückgeben können.
