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Der neue M&M-Sports-Romance-Roman von Leona Bolt – ein Muss für die kalte Jahreszeit! Maddox ist ein Eishockey-Superstar, Millionär und Playboy. Klingt perfekt! Doch hinter der glitzernden Fassade sieht es in Maddox düster aus. Als er an Thanksgiving betrunken in einen Diner und in die Arme von Lou stolpert, flackert ein Licht am Horizont auf. Für einen kostbaren Augenblick fühlen sich beide gesehen und geliebt. Aber mehr erscheint in der grauen Realität des nächsten Tages aussichtslos. Trotzdem sucht Maddox nach diesem Mann, der sein eisiges Herz zum Brennen gebracht hat. Aber als NHL-Spieler ist Zeit ein rares Gut, die Öffentlichkeit ein Minenfeld und ein Freund, der Eishockey hasst, genau die falsche Wahl. Oder? Eine emotionale, spicy und humorvolle Sports-Romance, die dich ins Schwitzen bringen wird. Folgende Tropes warten auf dich: One Night to Forever Opposites Attract Jock and Student Playboy Falls in Love
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Break my Frozen Soul
Leona Bolt
Leona Bolt
Break my Frozen Soul
Social-Media: @leona.bolt
Web: www.leonabolt.com
Content Notes:
Alkoholkonsum, explizites Fluchen, explizite sexuelle Handlungen, Darstellung psychischer Belastungen, Darstellung von Panikattacken, Beschreibung von Einsamkeit und Trauer
1. Auflage 2025
Copyright © Novel Arc Verlag, Fridolfing 2025
Novel Arc Verlag, Kirchenstraße 10, 83413 Fridolfing
Alle Rechte vorbehalten.
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Umschlaggestaltung: bürosüd° GmbH, München
Shutterstock Bildnachweis: kichikimi, Kovalov Anatolii, Softulka
Lektorat: Ellen Rennen | Texpertin
Korrektorat: Tino Falke
Klappenbroschur: 978-3-910238-27-5
E-Book Ausgabe: 978-3-910238-78-7
Für alle, die im Glauben aufwuchsen, nicht genug zu sein.
Du bist es wert, um deiner selbst geliebt zu werden.
Du musst dir Liebe nicht erarbeiten.
Der dröhnende Buzzer verkündet das Ende des Spiels, aber statt Triumph fühle ich nur Grauen. Vor und während des Matches bin ich so auf das Geschehen auf dem Eis fokussiert, dass in meinem Kopf kein Platz für anderes bleibt. Doch mit der Anspannung fällt der Fokus von mir ab, zerrt mich zurück in die Realität.
Der Jubel unserer Fans schwappt von den Rängen auf das Eis hinunter, und mein Mund verzieht sich automatisch zu dem Grinsen, das sie alle von mir erwarten. Auch dann, wenn ich es nicht fühle.
In meinem Kopf ist jedoch nur für einen Gedanken Platz: Morgen ist Thanksgiving. So gut ich die Leere in meinem Inneren normalerweise verdrängen kann, diese verdammten Familien-Feiertage sind meine Schwachstelle. Die NHL gönnt uns selten genug freie Tage – also warum ausgerechnet diesen? Warum gerade morgen die Ablenkung von meiner Einsamkeit streichen?
Meine Kollegen feiern den fünften Sieg in Folge, und ich klatsche sie ab, klopfe Rücken, verwuschle Haare. Alles auf Autopilot. Mit zwei Toren und einer Vorlage habe ich allen Grund zur Freude, doch ich denke nur daran, was meine Kollegen morgen mit ihren Familien tun werden.
Ein enttäuschter Dallas-Outlaws-Spieler kreuzt meinen Weg, und ich zwinge mich zu positiveren Gedanken. Es könnte schlimmer sein: Ich könnte er sein. Ich könnte einsam in Dallas sein statt einsam in New York. Ich könnte unbekannt sein und nicht von allen Seiten verehrt werden.
»Maddo!« Durch das Gewusel meiner Teamkollegen dringt eine Stimme klar hindurch, und mein Grinsen wird eine Spur echter. Noch ein Grund, warum mein Leben gut ist: Brandon Lee ist nicht nur mein bester Freund, sondern spielt mit mir auf einer Linie. Und er sorgt seit drei Jahren zuverlässig dafür, dass meine Laune sich immer wieder aufhellt.
So auch jetzt. Von hinten rast er in mich hinein und reißt mich mit seinem Schwung mit. Fast fallen wir, doch ich finde meine Balance gerade noch rechtzeitig wieder. Mein atemloses Lachen ist beinahe echt.
»Brando!« Ich drehe mich in seiner Umarmung und fahre rückwärts weiter. Mein Grinsen ist selbstbewusst und herausfordernd, wie die Welt mich kennt. Meine Fans lieben diesen Gesichtsausdruck fast so sehr, wie ihn meine Gegner hassen. Das kalte Gefühl von vorhin ist endlich tief in meinem Inneren verborgen, so wie es sich gehört. So wie es meistens ist.
Laute Musik dröhnt durch die Arena, und ich ziehe mir den Helm vom Kopf. Noch mit Handschuhen an den Händen fahre ich mir durch die schwarzen Haare, um sie zu bändigen. Brandon lacht mich oft aus für diese Eitelkeit, aber er hat ja auch ein elegantes Gesicht und fein fallende schwarze Strähnen, die nichts mit dem störrischen kurzen Haar auf meinem Kopf gemeinsam haben.
Der Kapitän der Outlaws fährt an uns vorbei, und ich strecke die Hand aus, um ihm auf die Schulter zu klopfen. »Gutes Spiel, Grandy!«
Er brummt etwas Unverständliches. Ich nehme es nicht persönlich; nach Niederlagen bin ich auch unausstehlich.
Zum Glück verlieren wir selten.
Ich mag nicht der liebenswerteste Mensch sein, doch Eishockey ist etwas, das ich kann; auch wenn der Rest der Liga es gern anders hätte. Sie mögen mich nicht, aber sie respektieren mich.
Fans klopfen an die Plexiglas-Scheiben, als wir an ihnen vorbeifahren und unsere Siegesrunde drehen. Eine hübsche junge Frau hält ein Schild hoch: Maddox, gib mir einen Kuss!
Ich zwinkere ihr zu und werfe eine Kusshand in ihre Richtung. Sie wird rot und verbirgt das Gesicht an der Schulter ihrer Freundin. Süß. Aber kein Puckbunny-Material, denn die sind definitiv abgeklärter.
Die kurze Ablenkung hilft mir, leichter zu atmen. Neben mir streift Brandon seine Handschuhe ab und wirft sie ins Publikum; ich beeile mich, es ihm gleichzutun. Scheiß doch auf Thanksgiving. Noch ist heute, und ich habe vor, später nicht alleine nach Hause zu gehen.
»Urban Bar später geht klar, oder?« Als hätte er meine Gedanken gelesen, sieht Brandon mich von der Seite an. Ich grinse noch mal in die Runde und winke, bevor wir vom Eis verschwinden.
»Natürlich.« Ich brauche dringend einen Drink in meiner Hand und einen warmen Körper neben mir im Bett. »Erste Runde geht auf mich.«
»Hawke!« Der Coach greift mich an der Schulter, als ich an ihm vorbei zur Kabine laufen will. »Halte dich bereit, ja? Nicht gleich ab in die Dusche.«
Natürlich wurde ich zum besten Spieler des Spiels gewählt. Ich werfe Brandon ein strahlendes Lächeln zu. »Klar, Coach. Wir sehen uns dann, Brando.«
»Lass dir nicht allzu viel Zeit bei deiner Ehrenrunde, ich habe Durst.« Er grinst und ignoriert den finsteren Blick des Coaches, dann geht er davon.
Vielleicht hätte ich gestern meine Eroberung nicht sofort hinauskomplimentieren sollen, denke ich am nächsten Abend – nicht zum ersten Mal. Der Typ war ein Langweiler, ein bisschen verklemmt und viel zu beeindruckt davon, dass er von Maddox Hawke auserkoren wurde.
Ich lasse nie jemanden über Nacht bleiben, auch ihn nicht – aber selbst er wäre an Thanksgiving bessere Gesellschaft gewesen als die Stille in meinem Penthouse. Stille, Einsamkeit und Tequila, so sieht mein glorreicher Feiertag aus.
Ich lehne mit dem Unterarm am kühlen Glas der Fensterfront, die Blick auf den Central Park und die Gebäude von Midtown Manhattan bietet, und sehe der Sonne dabei zu, wie sie schleichend den Himmel bunt verfärbt. Die fast geleerte Flasche Tequila liegt locker in meiner Hand.
Manhattan wird niemals wirklich dunkel, doch heute fühlt es sich so an, als würden mich die warmen Lichter aus den Wohnungen da draußen verspotten. Die gegenüberliegenden Häuser sind zu weit entfernt, als dass ich etwas hinter den Fenstern erkennen könnte, aber ich habe genug Filme gesehen. An Thanksgiving mit meinen Eltern kann ich mich nicht erinnern, und mit meinen Großeltern war es, wie so vieles, eine steife, stille Angelegenheit. Meine eigene Erfahrung ist also begrenzt, aber Hollywood hat das wettgemacht. Da drin sitzen Familien zusammen, lachen, streiten, essen, erzählen sich Geschichten.
Ekelhaft.
Auch Brandon ist heute bei seinen Eltern. Er hat mich zwar wieder mal eingeladen, Thanksgiving bei ihnen zu verbringen, doch weder mein Stolz noch mein nicht vorhandener Familiensinn waren davon begeistert. Außerdem habe ich doch Tequila; meinen besten, meinen einzigen Freund an diesem beschissenen Tag.
Ich hebe die Flasche und sehe sie müde an. »Für dich bin ich dankbar, Amigo.« So macht man das doch, oder? Sich auf die guten Dinge konzentrieren?
Es gibt wenig in meinem Leben, für das ich dankbar bin, denn ich habe mir meinen Erfolg hart erarbeitet. Ein magerer Junge aus Brooklyn, der es bis nach oben geschafft hat. Also danke, Maddox. Für deine Fähigkeit, dich durchzubeißen und es allen zu beweisen.
Apropos beißen … Ich sollte vermutlich etwas essen. Bisher habe ich nur Alkohol zu mir genommen, und sogar ich weiß, wie ungesund das ist. Seufzend stoße ich mich von der Scheibe ab und torkele die paar Schritte an meinem großen Sofa vorbei zum Kühlschrank.
Auf meinem Ernährungsplan stehen üblicherweise brauner Reis, Hähnchen und Brokkoli. Nein danke, liebe NHL. Heute nicht. Mit einem leisen Lachen ziehe ich die Türen auf.
Wenig überraschend herrscht darin gähnende Leere. Meist nutze ich ihn ohnehin nur für den Eiswürfelspender und die gelegentliche Flasche Wein. So wundert es mich nicht, dass mir außer der Notfallflasche Dom Pérignon nur ein einsames Glas Senf entgegenstarrt.
Ich weiß nicht, warum ich dachte, dass Mrs Ramirez mir Essen besorgt hätte. Darum habe ich sie schließlich nicht gebeten. Und, so ehrlich bin ich mir gegenüber, ich bin nicht freundlich genug zu ihr, um so etwas aus reiner Fürsorge zu bekommen. Ich bin nie da, wenn sie zum Putzen kommt. Würde ich sie besser bezahlen, würde sie für mich einkaufen.
Es ist wie bei allen Menschen in meinem Leben. Je mehr Kohle ich ihnen gebe, desto netter sind sie zu mir.
Ich verliere fast den Halt, als ich mich zu stark an die offene Kühlschranktür lehne. Okay, Hawke, du brauchst Essen. Dringend. Und ein bisschen frische Luft würde dir guttun.
Ein paar tiefe Atemzüge, dann laufe ich zum Eingangsbereich und greife nach meiner Lederjacke und einer Wollmütze. Auf dem Weg nach draußen erhasche ich einen Blick auf mein Spiegelbild und zucke zusammen. Neue Linien zerfurchen mein Gesicht, als wolle die Bitterkeit in mir nach draußen. Meine Augenringe reichen fast bis zum Knie. Der Superstar der Meteors, denke ich und verziehe angewidert den Mund. Geld und Erfolg, so viel man sich nur wünschen kann. Und nun seht ihn euch an. Aber hey, Boss, keine Sorge. Bis zum nächsten Spiel bin ich wieder der Mann, für den ihr bezahlt.
Der Mann am Concierge-Tresen im Erdgeschoss döst auf seinem Stuhl, und ich höre die Kommentatoren des NFL-Abendspiels auf seinem Handy. Die glücklichen Arschlöcher, die heute auf dem Feld stehen, haben wenigstens eine Beschäftigung. Während des Spiels hat man keine Zeit, über seinen Mangel an Freunden und Familie zu sinnieren. Da muss man nur laufen, werfen, fangen. Funktionieren. Ein Rädchen im Getriebe sein. Wie gern würde ich jetzt mit ihnen tauschen.
Stattdessen ziehe ich mir selbst die schwere Eingangstür auf und trete hinaus auf die ausnahmsweise ruhige Straße. Der kalte Novemberwind hat mich sofort im Griff und zieht mich mit. Wohin? Keine Ahnung. Ich lasse mich überraschen.
Im Diner ist schon seit der Öffnung die Hölle los, wie immer an Feiertagen. Ich mag es, dann hier zu sein. Hier kann ich helfen, hier werde ich gebraucht. Das ist um Welten besser, als allein in meiner Bruchbude zu sitzen und mich selbst zu bemitleiden.
Außerdem gebe ich an solchen Tagen immer gern ein paar Fritten mehr mit. Die armen Seelen, die an Thanksgiving keine andere Zuflucht als dieses alte Diner haben, können eine kleine Aufmunterung gut gebrauchen. Es sind Menschen, die der Boss wegschicken würde, sobald sie aufgegessen haben, um ihre Plätze für lukrativere Kunden freizuhalten. Doch mal ehrlich, zahlungskräftige Menschen haben heute Besseres zu tun, als hier hereinzuschneien.
Es ist schon fast elf, als es endlich etwas ruhiger wird und ich zum Durchatmen komme. Die Gruppe europäischer Touristen, die vom Konzept Thanksgiving offensichtlich verwirrt war, hat sich eben verabschiedet, und prompt ist der kleine Gastraum mehrere Dezibel leiser geworden.
Direkt bei der Tür, als wollten sie jeden Moment fliehen, sitzen Spike und Blaze mit ihrer Ratte. Die beiden jungen Punks kommen regelmäßig hierher, und trotz ihres im wahrsten Sinne stacheligen Äußeren sind sie nette junge Kerle. Sie zahlen immer ihre Rechnung und geben sogar Trinkgeld.
Die beiden Jungs stecken die Köpfe zusammen und lachen. Wieder mal frage ich mich, wie genau sie zueinander stehen. Sie treten immer zu zweit auf und kümmern sich gemeinsam um den kleinen Nager unter Spikes Kragen, von dem ich so tue, als sähe ich ihn nicht. Andererseits geht es mich nichts an, und es ist nur der Neid, der mich zu solchen Überlegungen führt. Der Gedanke, jemanden zu haben, der zu mir gehört, wird mit jedem Jahr Singledasein verlockender.
Der Mann, der nahe am Tresen sitzt, wo man am meisten von der Wärme aus der Küche abbekommt, ist mit dem Kopf auf dem Tisch eingeschlafen. Ich würde ihn auf über fünfzig schätzen, aber es ist schwer zu sagen bei seinem wettergegerbten Gesicht. Seine Taschen türmen sich neben ihm auf der Sitzbank, und der Donut, der mir vorhin ganz aus Versehen runterfiel und den ich deshalb ihm geschenkt habe, liegt angebissen neben seinem Kaffeebecher.
Ich staple die Teller der europäischen Gruppe und nehme mir vor, gleich noch zu der jungen Frau zu gehen, die seit ihrer Ankunft tränenüberströmt an ihrem Tisch sitzt. Die drei Desserts, die sie bestellt hat, sind unberührt.
Gerade als ich hinter dem Tresen ankomme, fliegt die Tür des Diners auf, und ein großer, breit gebauter Mann torkelt herein. Super. Richtig super. Wenn es etwas gibt, das mir heute noch gefehlt hat, dann ist das ein besoffener Typ, der Ärger macht und im schlimmsten Fall sogar randaliert.
Blaze hat sich halb aus seinem Sitz erhoben und signalisiert mir mit einem Blick, dass er bereit ist, einzugreifen. Das entlockt mir ein Schmunzeln, denn die zwei Jungs sind klein und schmächtig und würden keine fünf Sekunden durchhalten. Seine Bereitschaft, es trotzdem zu versuchen, ist rührend.
Aber erst mal ist der Neuankömmling ein Kunde und wird freundlich behandelt, so wie alle anderen. Vielleicht täusche ich mich in ihm. Er steuert wackelig auf den Tresen zu, und ich lächle ihn an. Rein vom Gesicht her steht er dem älteren Mann mit seinem Kaffee in nichts nach, doch seine Haltung und die Klamotten verraten mir, dass er nicht obdachlos ist. Es steckt eine Arroganz in seinem Auftreten, die das Leben den Menschen, die wirklich nichts mehr haben, längst ausgetrieben hat.
Ich drücke meine rote Schiffchenmütze fester auf die Haare und ziehe das weiße Shirt zurecht, als der Mann in fast gerader Linie auf mich zukommt.
»Hallo«, sage ich freundlich. »Wir haben Tischservice, setzen Sie sich doch, und ich …«
Der Mann stützt sich mit einer Hand auf dem Tresen ab, und ich halte inne. Die Bewegung wirkt unfreiwillig. Seine Alkoholfahne weht zu mir herüber, und ich atme flacher.
»Ich brauche Essen«, sagt er. Er wirkt verwirrt und beinahe hilflos.
Mein Lächeln wird entspannter. Er wird keinen Ärger machen. »Das trifft sich gut«, sage ich. »Wir haben hier …«
Er hebt den Kopf, und ich vergesse, was ich sagen wollte.
Auf den ersten Blick ist er alles andere als attraktiv, sein Gesicht voller Schatten, die Mundwinkel zeigen nach unten. Doch seine Augen schlagen mich in ihren Bann: dunkel, fast schwarz, und so voller Einsamkeit, dass sie alles übertreffen, was ich bisher im Diner gesehen habe. Und das will etwas heißen.
Sofort wird mein Herz weich. »Oh«, entkommt es mir leise, und ich beiße mir auf die Lippe, um nichts Falsches zu sagen. »Kein Problem«, sage ich und lächle ihn aufmunternd an. Himmel, ich weiß nicht, was ihm passiert ist, aber mein Beschützerinstinkt läuft auf Hochtouren.
Spontan komme ich hinter dem Tresen hervor. »Ich führe Sie zu einem Platz, und dann bringe ich Ihnen etwas zum Essen.« Und einen Kaffee zum Ausnüchtern, füge ich in Gedanken hinzu und verkneife mir ein Grinsen.
Ich greife nach seinem Arm und lasse ihn beinahe wieder los vor Überraschung; durch seine Kleidung hindurch spüre ich stahlharte Muskeln. Sein Bizeps ist doppelt so groß wie meiner. Sportler, denke ich sofort. Wenn es etwas gibt, das mein bisheriges Leben im Überfluss bereithielt, dann waren es Profisportler. Mein Vater und seine Kollegen zum Beispiel, großkotzig, testosterongesteuert und felsenfest davon überzeugt, ihre NHL-Millionen gäben ihnen das Recht, über andere zu bestimmen. Auf sie hinabzusehen. So wie auf seinen eigenen Sohn.
Aber ich habe mir selbst versprochen, mein altes Leben hinter mir zu lassen, also schiebe ich die Erinnerungen beiseite.
Der Mann lehnt sich in meine Berührung, und ich greife fester zu. Trotz aller Stärke hat er eine Zerbrechlichkeit an sich, die droht, mich schwach zu machen. Ich möchte ihn in den Arm nehmen, ihm den breiten Rücken streicheln. Und ja, solche Gedanken habe ich bei dem älteren Mann mit dem Kaffee definitiv nicht. Der ist aber auch bei Weitem nicht so gut gebaut. Verdammt, ich bin nur ein Mann, dessen letztes Mal viel zu lange her ist.
Vorsichtig manövriere ich meinen rätselhaften Gast zu einem Tisch hinten im Eck, wo er die Sitzbank für sich hat und den Kopf an die Wand lehnen kann. Kaum hat er sich niedergelassen, platziert er einen Fuß neben sich auf dem roten Kunstleder. Das tut er mit einer Selbstverständlichkeit, die Bände darüber spricht, wie er sich sonst verhält. Joe würde ausflippen, wenn er das sehen könnte.
Ich starre auf den schwarzen, schweren Stiefel. Die Marke sagt mir nichts, aber ich erkenne auch so, dass dieser Schuh mehr kostet, als ich in einem Monat verdiene.
Nachdem ich mich aus der Betrachtung des Schuhs und des sich daran anschließenden Beins reiße – ebenfalls muskulös, was durch die enge Jeans gut erkennbar ist –, bemerke ich, dass mein neuer Gast die Augen geschlossen hat. »Kann ich Ihnen die Karte bringen?«, frage ich, um zu verhindern, dass er einschläft. »Wir haben zu Thanksgiving immer ein Truthahn-Special …«
Er schlägt die Augen auf, und mein Herz stolpert. Wann habe ich zuletzt einen so verlorenen Menschen gesehen? Ein müdes Lächeln huscht über seine Lippen, und er zuckt die breiten Schultern.
»Bring mir dein Lieblingsmenü«, sagt er. Oh Gott, seine Stimme ist so tief und rau. Das ist nicht gut für mich. Gar nicht gut. »Irgendwas, das schön fettig ist. Und einen Kaffee, zum Ausnüchtern.« Das Grinsen verändert sein Gesicht, lässt ihn jünger aussehen. Und ziemlich attraktiv.
Unwillkürlich grinse ich zurück. »Kommt sofort.«
Er kommt mir bekannt vor, doch ich weiß nicht, woher. Wäre ich einem solchen Mann begegnet, wäre er mir sicher im Gedächtnis geblieben. Die Rädchen rattern in meinem Kopf, als ich auf dem Weg in die Küche im Vorbeigehen die letzten Tassen der Europäer aufsammele.
Erst, als ich am Tresen die Bestellung für ihn aufgebe, macht es klick, und ich ziehe scharf die Luft ein. »Heilige Scheiße.«
Maddox Hawke. Da hinten sitzt Maddox Hawke, der beste Center, den die Meteors je hatten, und sieht aus wie ein Häufchen Elend.
Natürlich kommt er mir bekannt vor, er ist in dieser Stadt beinahe omnipräsent. Ständig ist er in der Presse, und wenn es nicht mit einem neuen Sieg ist, dann mit einem neuen Skandal. Ein Playboy, wie er im Buche steht, der bei jedem Clubbesuch eine neue Frau im Arm hat. Oder einen neuen Mann.
Shit, er steht auch auf Männer.
Ich schlucke, um gegen das Kribbeln anzukommen, das sich in mir festsetzen möchte. Gott, Parker, reiß dich zusammen. Nur weil er auf Männer steht, heißt das gar nichts. Als ob ein Mann wie Hawke an mir Interesse hätte. Außerdem arbeite ich.
Und er ist Eishockeyspieler. NHL-Superstar. Ich habe mir geschworen, diese Welt hinter mir zu lassen und nicht zurückzusehen. Davon werden mich ein Paar traurige Augen und ein atemberaubender Körper nicht abbringen.
Er macht sowieso nicht den Eindruck, als wäre er in Flirtlaune. Oder würde erkannt werden wollen. Ich ordne den Stapel Menükarten vor mir, um mir Zeit zum Zusammenreißen zu geben. Der Mann will – und braucht – offensichtlich seine Ruhe. Ich werde ihn behandeln wie jeden anderen Gast. Und vor allem werde ich ihn definitiv nicht anschmachten.
Hawke schreckt hoch, als ich das Tablett mit seinem Essen und dem extragroßen Kaffee auf dem Tisch abstelle. Jetzt, wo ich weiß, wer er ist, frage ich mich umso mehr, was er hier will. Aber das sollte mir egal sein. Es geht ihm schlecht, und vielleicht kann ich helfen, seinen Abend etwas besser zu machen.
»Mein Lieblingsmenü«, sage ich und lächle ihn freundlich an. »Mit Süßkartoffelpommes, wegen Thanksgiving. Und Waffeln statt Buns beim Burger, für ein bisschen Extrasüße.«
Er beäugt erst das Essen, dann mich. »Mir kann es gar nicht süß genug sein«, sagt er und sieht mir einen Moment zu lange in die Augen.
Er flirtet.
Verdammt, er flirtet definitiv mit mir. Mir bricht der Schweiß aus. Beinahe bin ich dankbar, als die junge Frau zwei Tische weiter wieder in Tränen ausbricht.
»Da muss ich, äh …« Ich gestikuliere in ihre Richtung und entferne mich rückwärts, denn ich kann den Blick nicht von ihm losreißen. Dann greife ich einen Serviettenspender von einem der leeren Tische und setze mich zu ihr. Mit dem Rücken zu Hawke.
Dieser Mann braucht Essen und Ausnüchterung, sonst nichts.
Sicher keinen Flirt. Definitiv nicht mit mir. Und absolut nicht während meiner Arbeitszeit.
Dieser Laden ist die beste Sache, die mir hätte passieren können. Es ist warm, es riecht himmlisch nach gebratenem Fleisch und frischem Kaffee, und um mich herum sitzen lauter Gestalten, die mindestens genauso abgefuckt sind wie ich. Ich bin in hervorragender Gesellschaft.
Außerdem ist der Burger verdammt lecker, und mit jedem Bissen davon geht es mir besser. Jetzt tunke ich noch die Pommes in den Ketchupsee, den ich auf dem Tablett verschüttet habe, eins nach dem anderen.
Der Kaffee könnte stärker sein, aber immerhin gibt es reichlich davon, und die Aussicht macht den fehlenden Geschmack mehr als wett.
Offensichtlich selbst geschnittene Frisuren und rote Schiffchenmützen sind nicht mein klassisches Beuteschema, doch dieser Mann schafft es, trotz der Umstände attraktiv auszusehen. Lou steht auf seinem Namensschild. Ich mag, wie er sich bewegt, grazil und kraftvoll, und wie sein Arsch in seiner Uniform aussieht, wenn er sich vorbeugt, um einen Tisch abzuwischen. Er muss sportlich sein, das erkenne ich nicht nur an seinen Muskeln, sondern daran, wie er sich hält.
Außerdem ist er nett. Und zwar nicht die Art von nett, die mir sonst entgegengebracht wird, sondern ehrlich und unaufdringlich. Als die junge Frau vorhin aus dem Nichts in Tränen ausgebrochen ist, hat er ihr Servietten gebracht und eine Limonade spendiert. Später hat er dem schlafenden Penner am Tresen einen neuen Kaffee hingestellt – ohne, dass der es bemerkt hätte. Lou scheint keinerlei Gegenleistung dafür zu erwarten, nicht einmal Trinkgeld.
Ich beobachte ihn schon die ganze Zeit fasziniert und frage mich, was in seinem Kopf vorgeht. Wie jemand die Welt sieht, der Fremde behandelt, als bedeuteten sie ihm etwas. Ich kenne nur Menschen, die das Gegenteil tun.
Gegen ihn spricht, dass er auf meinen Flirtversuch nicht angesprungen ist. Aber das hat Zeit. Ich war nicht in Topform, später versuche ich es noch mal. Jedenfalls hoffe ich, dass es ruhig bleibt und ich noch eine Chance dazu bekomme. Ein Blick auf die altmodische Uhr an der Wand sagt mir, dass es schon halb zwölf ist. Ist das hier ein 24-Stunden-Diner und Lou muss die Nacht durcharbeiten? Das wäre schade, denn so süß er ist, ich habe nicht vor, mir seinetwegen die Nacht um die Ohren zu schlagen. Zumindest nicht hier im Diner.
Ich vertilge die letzte Fritte und lehne den Kopf an die Wand. Meine Augen fallen wie von selbst zu. Die zwei jungen Punks neben der Tür diskutieren leise über Musikkram, der mir nichts sagt. Das macht jedoch gar nichts – es ist schön, andere Stimmen zu hören und nicht allein zu sein.
Mir ist klar, wie armselig ich bin. Was es über mich aussagt, dass dieses schäbige Lokal mit diesen traurigen Menschen meine Einsamkeit lindert. Dass sogar dieses Diner besser ist als die erdrückende Stille in meiner Wohnung. Ich lebe ein Leben voller persönlicher Tiefpunkte, und das hier ist womöglich mein Marianengraben.
Zwischen Pennern und Assis in einem Laden, in dem die Füllung aus der billigen Polsterung der Bank quillt und der Staub millimeterhoch auf den Bildern an der Wand klebt. Zufrieden mit mir und der Welt.
Nicht auszudenken, sollte einer meiner Kollegen jemals rausfinden, dass ich hier bin. Warum ich hier bin. Mein sportlicher Erfolg verleiht mir eine gewisse Aura der Unantastbarkeit, doch irgendwann wird auch bei mir der Punkt kommen, wo ich nicht mehr über jeden Spott erhaben bin.
Leises Klappern lässt mich die Augen öffnen. Lou steht vor mir, und er hat Dessert mitgebracht. Ich weiß nicht, was einladender ist – das üppige Stück Schokoladenkuchen oder der warme Blick in seinen haselnussbraunen Augen. Er sieht mich an, als interessiere ihn, wie es mir geht, und zwar ernsthaft. Als wäre ich, dieser namenlose Fremde, Aufmerksamkeit und Zuwendung wert.
Schnell betrachte ich den Kuchen, neben dem eine großzügige Kugel Vanilleeis langsam vor sich hin schmilzt. Ich kann mit diesem Blick nicht umgehen. Anerkennung bin ich gewohnt, auch Respekt und Angehimmeltwerden. Aber nicht diese sanfte Zuneigung. Die bringt mein Herz dazu, anders zu schlagen als sonst.
»Das habe ich nicht bestellt«, bringe ich schließlich heraus, weil ich nicht weiß, was ich sonst sagen soll.
Lou deutet auf den Stuhl mir gegenüber. »Okay, wenn ich mich setze?« Als ich nicke, nimmt er Platz und schiebt mir den Teller hin. »Iss ruhig. Ich bekomme ihn heute nicht verkauft, und morgen schmeckt er nicht mehr. Geht auf mich«, fügt er noch hinzu, als er mein Zögern falsch interpretiert.
»Bekommst du keinen Ärger, wenn du so freigiebig Essen verteilst?« Ich muss gestehen, es ist mir egal. Der Kuchen sieht so verdammt lecker aus, dass ich ihn essen muss, auch wenn er Lou Ärger einbringen sollte.
Ich piekse mit der Gabel hinein, und Schokoladensoße tropft dickflüssig aus der Mitte des Kuchenstücks. Scheiße. Wenn er nur halb so gut schmeckt, wie er aussieht … Schon ist die Gabel in meinem Mund verschwunden. Ich kann das Stöhnen nicht unterdrücken, als sich der samtige Schokoladengeschmack auf meiner Zunge ausbreitet.
Lou beobachtet mich intensiv, und ich bin zufrieden, weil er offensichtlich Interesse an mir hat. Niemand sieht einen anderen Mann so an, wenn er keine Hintergedanken hat. Für einen Moment vergesse ich meine Melancholie.
Vielleicht habe ich doch eine Chance bei ihm. Ich lecke mir mit der Zungenspitze einen Tropfen Soße aus dem Mundwinkel, und Lous Blick flackert.
Etwas ist anders als sonst, und es dauert zwei Bissen Kuchen, bis ich begreife, was es ist: Lou sieht nicht Maddox Hawke so intensiv an. Sieht nicht den NHL-Star, von dem er sich etwas erwartet. Er sieht irgendeinen dahergelaufenen Typen, den er heiß findet. Nicht mehr und nicht weniger. Das Wissen ist befreiend.
»Der Chef hätte ihn weggeschmissen.« Lou zuckt mit den Schultern, und ich brauche kurz, um mental wieder an unsere Unterhaltung anzuknüpfen. Ärger. Er wird keinen Ärger bekommen. Das ist gut.
Lou lächelt mich wieder an, und Grübchen bilden sich in seinen Mundwinkeln. Ich möchte sie mit der Zunge nachfahren und herausfinden, wie sie schmecken.
Kurz sind wir beide still, dann fragt er: »Kann ich dir sonst etwas Gutes tun?«
Meine unkeuschen Gedanken müssen mir am Gesicht abzulesen sein, denn seine Mundwinkel zucken. »Möchtest du reden?«, fragt er, wie um seinen Punkt zu machen.
Schade. Aber die Abfuhr war freundlicher als beim letzten Mal. Ich glaube, meine Chancen stehen gut. »Über was sollte ich denn reden?«
Lou kratzt sich am Kopf und schiebt seine Mütze wieder zurück. Er hat schöne Arme, trainiert aber nicht so breit wie meine eigenen. Ein paar Muttermale tummeln sich innen an seinem Oberarm. Mein Blick bleibt daran hängen. Ich könnte die Stelle küssen, erst sanft, dann fester, dann mit der Zunge darüberfahren …
Lou räuspert sich, als wüsste er genau, was ich eben in Gedanken mit ihm getan habe. »Was bringt dich an Thanksgiving ausgerechnet hierher?«, fragt er und killt damit effektiv die Stimmung.
Ich lasse langsam Luft durch die Lippen entweichen und sehe mich um. Was soll ich darauf sagen? Die junge Frau ist gegangen, die beiden Punks starren fasziniert auf ihre Handys. Der Penner schnarcht leise. Wir sind so gut wie allein, und aus irgendeinem Grund entscheide ich mich dafür, Lou die Wahrheit zu sagen. Egal, wie peinlich sie ist. »Ich war einsam«, sage ich und hasse, wie hilflos meine Stimme sich bei diesen Worten anhört. »Und ich wollte nicht mehr so einsam sein.«
Es klingt erbärmlich, wenn man es laut ausspricht, doch Lou lacht nicht. Er lächelt nicht einmal. Stattdessen verschränkt er die Unterarme auf dem Tisch und nickt nachdenklich. »Das verstehe ich. An diesen Feiertagen fallen einem oft Dinge auf, die einem im Leben fehlen, auch wenn man sonst nicht an sie denkt.« Er wirkt zum ersten Mal traurig, und ich wüsste zu gerne den Grund dafür. Was ihm fehlt. Oder wer.
Ich erkenne mich nicht wieder. Seit wann interessieren mich andere Menschen? Wenn ich jemanden kennenlerne, ist Reden weit unten auf der Liste der Dinge, die ich gern mit ihnen tun würde.
»Ich bin Lou.«
Seine Stimme reißt mich aus meinen Gedanken, und ich sehe ihn an. Er scheint sich gefangen zu haben, denn seine Augen blicken wieder fröhlich in die Welt.
Nach ein, zwei Sekunden wird mir klar, dass er eine Antwort erwartet. »Oh«, entkommt es mir, und ich sehe mich so unauffällig wie möglich um. Vor mir liegt eine Menükarte. Joe’s Grill. »Ich, äh. Ich bin Joe.« Wow. Cool, Hawke, das kam extrem glaubwürdig rüber. Gut gemacht.
Kurz legt Lou den Kopf schief, als wüsste er genau, dass ich ihn anlüge. Doch wenn er Verdacht schöpft, ist es ihm offenbar egal. »Freut mich, dich kennenzulernen, Joe. Ist okay, wenn du nicht reden willst. Manchmal hilft es, zusammen zu schweigen, findest du nicht? Solange man weiß, dass man nicht allein ist.«
Ich zucke mit den Schultern, denn ich glaube nicht, dass ich schon mal mit jemandem nur geschwiegen habe. Jedenfalls nicht angezogen.
»Wenn du magst, dann bleibe ich noch kurz bei dir sitzen, bis ich abschließen muss.«
Ich nicke stumm, und er tut genau, was er gesagt hat. Er wirkt gelassen, doch ein Hauch von Grübchen ist noch in seinen Mundwinkeln sichtbar. Sein Blick wandert über die Bilder an den Wänden, dabei muss er sie längst in- und auswendig kennen. Lous Arme liegen noch immer auf dem Tisch, und ich denke wieder an die Muttermale. Denke an seine Grübchen. Ich muss ihn haben. Muss ihn unter mir fühlen, ihn schmecken. Ihn in aller Ruhe erkunden und Dinge mit ihm tun, die ich mit anderen Affären niemals täte.
Ich möchte über seine kastanienbraunen Haare streichen und testen, ob sie sich so rau anfühlen, wie sie aussehen. Seine Augenlider küssen und herausfinden, ob man die Wärme spüren kann, die er in sich trägt.
Scheiße, was macht dieser Kerl mit mir? Er sitzt mir nur gegenüber und sieht stumm in die Gegend. Und ich habe poetische Gedanken, wie ich sie sonst nicht von mir kenne.
Ich wecke den älteren Mann voller Bedauern, schiebe ihm einen Pappbecher mit dem letzten Kaffee des Tages und ein eingepacktes Stück Kuchen hin, dann säubere ich seinen Tisch. Spike und Blaze verabschieden sich, die Ratte unter dem Kragen von Spikes viel zu dünner Bomberjacke eingemummelt.
Hawke – Joe – ist noch da. Der berühmteste Mann der Stadt, der heute anonym sein will. Ich gönne es ihm. Ehrlich gesagt fühle ich mich mit Joe wohler als mit Maddox Hawke. Wenn ich selbst glaube, dass er Joe ist, kann ich ihn behandeln wie jeden anderen. Vor allem kann ich dann ignorieren, warum er so bekannt ist.
Ich wische die Tische ab, sammle Geschirr ein, bringe alle Menükarten an ihren Platz.
Joe ist noch da.
Ich mache Kassensturz, gleiche Bestellungen und Einnahmen miteinander ab und nehme mir mein Trinkgeld, bevor ich den Rest im Tresor im Nebenraum verstaue. Dann schlüpfe ich aus der Uniform und ziehe meine Jeans und Kapuzenpullover an.
»Du bist noch da«, sage ich, als ich in den Gastraum zurückkehre.
»Ja.« Joe steht gegen den Tresen gelehnt da, die Arme vor der Brust verschränkt, und sieht mich abwartend an. Obwohl er so viel breiter ist als ich und wir allein sind, fühle ich mich nicht bedroht. Ich bin sicher, dass er sofort gehen würde, wenn ich ihn darum bäte.
Doch ich bin noch nicht bereit dafür, ihn nie wieder zu sehen. Ich möchte ihn kennenlernen. Die Einsamkeit aus seinen dunklen Augen ziehen. Seine Muskeln berühren.
Eigentlich bin ich nicht so. Ich schleppe keine Gäste ab. Genau genommen habe ich niemanden mehr abgeschleppt, seit ich in New York bin. Zwei verdammte Jahre lang. Ich weiß kaum noch, wie es ist, jemanden zu berühren. Doch ich weigere mich, das hier größer zu machen, als es ist. »Na dann komm.«
Wir sprechen die lange Fahrt über kein Wort. Als wir im D-Train sitzen, wirkt Joe spürbar unsicher, angespannt und bei jeder Durchsage überrascht, so als nutze er sonst keine U-Bahn, doch er sagt nichts. Rutscht nur so nahe an mich heran, dass ich seine Wärme durch die Kleidung hindurch fühlen kann.
Als wir Manhattan hinter uns gelassen haben, steigen wir aus und laufen noch eine gute Viertelstunde durch die Straßen und an Parks vorbei. Joe nimmt schweigend meine Hand, und mein Herz hämmert in meiner Brust.
Im schwachen Licht der Straßenlaternen ist das Backsteingebäude, in dem meine Wohnung liegt, kaum mehr als ein dunkler Schatten vor dem noch dunkleren Nachthimmel. Hier oben im Norden der Stadt ist der Glamour der leuchtenden Reklamen und blinkenden Lichter weit weg. Nur die flackernde Beleuchtung der Feuertreppe spendet trübes Licht, als ich den Schlüssel ins Schloss stecke.
Mein Apartment verdient den Namen kaum – es ist mehr ein Zimmer, in das ein Bad eingebaut wurde. Und das ist so klein, dass sich ein Mann wie Joe vermutlich nicht mal um die eigene Achse drehen kann. Mit dem, was der Vermieter Küchenzeile nennt, ist Kochen nahezu unmöglich, aber das ist okay so. Weil sich das Fenster zum Expressway hin öffnet, bietet Lüften nur bedingt Erleichterung von den Essensgerüchen. Zum Glück kann ich meist im Diner essen.
Immerhin ist es sauber. Ich hätte es mir nicht verzeihen können, wenn ich zum ersten Mal Besuch mit hierhergebracht hätte, und es sähe chaotisch aus. Und dann noch diesen Besuch. Es gibt wenig, was ich an meiner Wohnsituation beeinflussen kann, doch zumindest das habe ich in meiner Hand. Alles ist aufgeräumt, so wie es sich gehört. Das Sofa ist noch nicht zum Schlafen ausgezogen, aber so wirkt der Raum wenigstens größer.
Joe scheint das Zimmer nicht zu interessieren. Als ich mich zu ihm drehe, fasst er mein Kinn, noch ehe ich etwas sagen kann. Er hebt meinen Kopf an, bis ich ihn ansehe. Weil er nicht nur breiter, sondern auch größer ist als ich, muss ich den Kopf in den Nacken legen, bis sich unsere Blicke begegnen. Erstaunlicherweise gefällt mir das.
Seine Augen sind dunkel, doch sie haben die Einsamkeit verloren, die im Diner noch so deutlich in ihnen stand. Jetzt wirkt sein Blick neugierig, hungrig, ein bisschen zögerlich.
Seine schwarzen Haare haben sich unter seiner Wollmütze hervorgestohlen, und kurze Strähnen liegen über seiner blassen Haut. Ich mag, wie er aussieht. Ich mag, dass er mir das Gefühl gibt, das hier würde ihm etwas bedeuten, obwohl ich weiß, dass er ein Playboy ist.
»Ich werde dich jetzt küssen«, sagt er mit seiner tiefen Stimme, die mir wohlige Schauer den Rücken hinabrieseln lässt. Joe gibt mir genug Zeit, um zu widersprechen, doch ich nicke und mache einen Schritt auf ihn zu, sodass unsere Körper sich berühren.
Er hält sein Versprechen.
Seine Lippen sind rau, und der stoppelige Bartschatten um seinen Mund kratzt mich. Ich seufze unwillkürlich in den Kuss hinein. Gott, es ist so verdammt lange her, dass ich jemanden geküsst habe. Joe bleibt nur wenige Sekunden lang zärtlich, dann zieht er mich enger an sich und wird stürmischer. Seine Zunge erobert meinen Mund, und ich schmecke Kaffee und Schokolade. Wieder entkommt mir ein Laut der Zufriedenheit.
Seine Hände wandern an meinen Kopf, halten mich fest. Er löst sich von mir und streichelt mit einem Daumen meine Wange. Ich schließe automatisch die Augen und lächle. Wann hat mich zuletzt jemand so zärtlich berührt?
Joe stöhnt. »Diese verdammten Grübchen«, murmelt er und küsst meine Mundwinkel, erst links, dann rechts. Fährt mit seiner Zunge über die empfindliche Haut, saugt daran und küsst mich wieder.
Meine Hände fahren unter seine Jacke, und ich spüre den weichen Wollstoff des Sweatshirts, das er darunter trägt. Auch unter diesen Saum wagen sich meine Finger, und seine heiße Haut spannt sich über seinen Muskeln. Fuck. Er ist so verdammt scharf. Meine Fingerspitzen gleiten über seinen Rücken, dann seinen Bauch. Gott, ich will ihn nackt sehen. Diese Muskeln müssen ausgiebig bewundert werden, nicht nur gespürt. Ich will sie mit den Augen und dann mit der Zunge nachfahren. Ungeduldig greife ich nach seiner Jacke und schiebe sie ihm von den Schultern. Ich bin ungeduldig wie selten, doch ein Gedanke lässt mich innehalten.
Mein Bett. Ich muss erst noch das Sofa vorbereiten, bevor wir weitermachen können. Joe ist kein Mann, den man schnell im Stehen abfertigt. Für ihn will ich Zeit haben.
Er spürt offenbar, dass ich in Gedanken nicht mehr bei unserem Kuss bin, denn er löst sich und sieht mich fragend an.
»Ich …« Ich räuspere mich. Scheiße, ist das peinlich. »Ähm, ich muss erst noch das Sofa ausziehen.«
Joe legt den Kopf schief und betrachtet mich amüsiert. »Wenn danach du ausgezogen wirst, helfe ich dir. Bei beidem. Er grinst, doch es ist nicht der lässige, herausfordernde Ausdruck, den ich aus den Medien kenne.
Überhaupt ist er nicht der vor Charme strotzende, dominante Mann, den ich erwartet habe. Er wirkt beinahe wie ein kleiner Junge, der unsicher ist, ob das, was er tut, richtig ist. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass er heute Nacht ein Niemand ist, oder daran, dass heute Thanksgiving ist. So oder so macht es etwas mit mir. Wie schon im Diner habe ich das große Bedürfnis, ihn zu beschützen.
Was Quatsch ist, denn wenn es jemanden gibt, der definitiv keinen Beschützer braucht, dann ist es dieser muskelbepackte, im Geld schwimmende Eishockeyspieler. Außerdem reiche ich ihm gerade bis zur Nase, und sein Oberkörper ist so breit, dass ich dahinter verschwinde. Wie genau sollte ich ihn beschützen können?
Er beendet meine Gedankenspirale, indem er sich bückt und die Schuhe von den Füßen streift. Dabei habe ich hervorragende Aussicht auf seine muskulösen Oberschenkel. Uff. Er richtet sich wieder auf und sieht mich an. »Du bist dran.«
Ich schlucke trocken, denn er raubt mir den Atem. Seine Nähe. Seine Muskeln. Trotzdem, irgendwer muss hier ja an das Praktische denken. »Erst das Bett.«
Noch immer ist dieser Hauch von Unsicherheit in seinem Blick, der mich so sehr berührt. Sein Lächeln ist warm. Mir wird auch warm, wenn er mich so ansieht. »Du bist mir wichtiger als das Bett.«
Oh Gott, ich weiß, dass er damit Sex meint. Er meint, er will mich nackt sehen, und um den Rest kümmern wir uns später. Doch die Worte rühren an etwas tief in meinem Bauch. Es ist lange her, dass ich jemandem wichtig war. Ich schüttle den Kopf und vertreibe diesen unnützen Gedanken. Es geht um Sex. Also lasse ich mir meinen alten Parka von den Schultern gleiten und spüre seinen Blick, der über meinen Körper wandert.
Meine Schultern inspiziert, meinen Bauch, meine Beine, meinen Schritt und die vermutlich deutlich sichtbare Beule darin. Schließlich sieht er mir wieder ins Gesicht, und die Spannung zwischen uns steigt spürbar.
Mein Körper ist ziemlich okay. Nicht so wie seiner, aber immerhin bin ich genug in Bewegung, um passabel auszusehen. Ich mag, dass Joe mich scharf findet, und nicht nur, weil mein Ego schon sehr lang ohne Streicheleinheiten auskommen musste. Es gibt mir den Mut, ihm frech zuzuzwinkern. »Du bist dran.«
Er grinst wieder, und diesmal liegt ein Hauch von Übermut darin. Nun erinnert er mich an den Mann in den Zeitschriften, und ich kann mich nicht entscheiden, ob er mir so draufgängerisch besser gefällt oder voller Zurückhaltung. »Erst das Bett«, gibt er zurück, und ich lache.
Das kam unerwartet. Mir gefällt, dass wir so miteinander umgehen können, ein kleines Vorgeplänkel haben, ohne uns zu berühren. Es mag ein Vorurteil sein, doch das hätte ich ihm nicht zugetraut. Dabei weiß ich besser als die meisten, dass Sportler nicht automatisch doof sind.
Ich durchquere das kleine Zimmer und hole das Bettzeug aus der Kommode, wo ich es tagsüber lagere. Wie versprochen hilft Joe mir, und für jemanden, der vermutlich schon seit Jahren seinen Haushalt nicht mehr selbst machen muss, stellt er sich gar nicht so schlecht an. Es ist unbestreitbar sinnlich, wie er seine großen Hände über mein Bettlaken streichen lässt, vorsichtig und voller Präzision. Ich frage mich, ob er meinen Körper auch so berühren wird.
Als Joe sich aufrichtet, ist sein Blick voller Glut. Er ist der verdammt noch mal schönste Mann, der mir je begegnet ist. Das dünne, sicher sauteure Sweatshirt schmiegt sich wie eine zweite Haut an seine Muskeln, und seine Schultern füllen es beinahe bis zum Platzen aus.
Du bist dran. Er sagt es nicht laut, doch seine Augen sprechen für ihn.
Ich packe meinen Pullover im Nacken und ziehe ihn mir über den Kopf. Die Hitze in Maddox’ Augen macht deutlich, dass er mich ebenfalls gut findet.
»Lou.« Es ist kaum mehr als ein Flüstern, doch es gleitet über meine Haut, zärtlich wie der Blick, den er mir schenkt, und es trifft mich tief in meinem Herzen. Er klingt so voller Sehnsucht. Nach was? Sicher nicht nach mir – nach jemandem, den er kaum kennt. Oder nach Nähe?
Er räuspert sich leise. »Lou.« Sein Tonfall hat sich verändert, und diesmal ist es nicht mein Herz, das aufhorcht. Scheiße, er ist sexy. Verdammt sexy.
Ich gebe das Spiel auf und schiebe mir die locker sitzende Jeans zusammen mit meiner Unterhose über die Hüften. Nun stehe ich nackt vor ihm, während er noch komplett angezogen ist. Diese Ungleichheit sollte mich verletzlich machen, doch er sieht mich so intensiv an, dass ich mich stark fühle wie lange nicht mehr.
Er macht ein Geräusch tief in seiner Kehle und ist mit einem großen Schritt bei mir. Mein steifer Schwanz reibt an seiner Jeans, und mir entkommt ein Stöhnen. Er nimmt das Geräusch mit seinem Mund auf, und dann drückt er mich nach hinten, bis ich das Gleichgewicht verliere und auf das Sofa plumpse. Sein großer Körper bedeckt mich nur Augenblicke später, doch trotz seiner Kraft ist er unerwartet sanft.
Er küsst mich beinahe keusch, bis ich mich ihm entgegendränge, mehr will. Ihn will. Meine Hände fahren wieder unter seinen Pullover, über seine Muskeln. Er lacht tonlos in den Kuss, und alle Haare auf meinem Körper stellen sich auf.
»Lou«, raunt er noch einmal, und der Kuss, der darauf folgt, ist alles andere als vorsichtig.
Ich küsse meine One-Night-Stands nie, aber von Lou kann ich nicht genug bekommen. Er hat etwas an sich, das mich im besten Sinne wahnsinnig macht. Mich Dinge tun lässt, die ich noch nie mit jemandem getan habe. Ihn ansehen, ihn streicheln. Würde er sich nicht so an mich pressen, würde ich vermuten, dass dieses Etwas seine Naivität ist. Doch die Art, wie er mich berührt, ist alles andere als naiv, und es ist nicht mehr warm und freundlich wie vorhin. Seine Erregung ist heiß und hart an meinem Oberschenkel, seine Finger gierig auf meiner Haut.
Lous Gesicht ist glatt rasiert, seine Lippen prall und voll unter meinen, und diese Grübchen. Himmel. Ich vergrabe meine linke Hand in seinen Haaren und presse ihn an mich.
»Ich bin nackt«, flüstert er in den Kuss, und ich lache unwillkürlich. Keine Ahnung, wann ich das beim Sex zuletzt getan habe. Es ist normalerweise eher … transaktional.
»Habe ich bemerkt«, flüstere ich zurück und küsse mich die sanfte Linie seines Kieferknochens entlang.
Lou seufzt genießerisch, dann zerren seine Hände an meinem Sweatshirt. »Zieh das Teil doch aus.«
Kurz überlege ich, mitzuspielen, dann gebe ich dem Drang nach, der mich schon als Kind so oft in Schwierigkeiten brachte: Ich mache es ihm extra schwer. »Wie ist das Zauberwort?«
Er macht ein Geräusch irgendwo zwischen Lachen und Stöhnen. Als er zu mir aufsieht, steht Frustration in seinem Blick, doch seine Erektion ist weiterhin hart und heiß. Interessant. Er zieht mich am Sweatshirt zu sich und bringt seine Lippen nah an mein Ohr. »Fick dich«, haucht er.
Mein Körper reagiert automatisch mit Gänsehaut, bevor mein Kopf begreift. Ich lache schon wieder, packe den Pullover im Nacken und ziehe ihn mir über den Kopf. Lous Blick ist heiß auf meiner Haut, und ich spüre ihn wie eine Berührung. Mein Körper gefällt ihnen allen, Männern wie Frauen. Warum ist es dann so besonders, so intim, wenn Lou mich anstarrt?
Weil er Joe anstarrt. Weil ihn meine Millionen und meine Connections nicht interessieren. Er sieht mich. Will mich. Der Gedanke, es könnte mich jemand um meiner selbst willen anziehend finden, ist so lächerlich, dass ich ihn schnell wieder vertreibe. Stattdessen lehne ich mich vor und packe Lous Hintern, so herrlich fest und beinahe haarlos. Mühelos hebe ich ihn hoch und drücke ihn an mich.
Er quietscht und schlingt seine nackten Beine um meine Hüfte, dann vergräbt er sein Gesicht erst in meinem Nacken, packt mein Gesicht mit beiden Händen und küsst mich. Voller Inbrunst und ohne jedes Zögern, und ich liebe die Facetten an ihm. Wie er vor zwei Sekunden noch quietscht und mich dann so küsst.
»Wie stabil ist dieses Sofa?«, murmle ich an seinen Lippen.
»Hm?« Er blinzelt und verdammt, er sieht hinreißend aus mit seinen geröteten Wangen, den vom Küssen geschwollenen Lippen und dem weggetretenen Gesichtsausdruck.
Scheiß drauf. Wenn es kaputt geht, kaufe ich ihm ein neues Sofa. Lou schmeckt gut, riecht gut, fühlt sich gut an. Ich presse meine Lippen auf seine, hart und dominant. Meine Zunge streicht über seine Unterlippe, und er wölbt sich mir entgegen.
Meine Hände fahren über seinen Körper, während seine Finger an meinem Jeansknopf nesteln. Jedes Mal, wenn ich über seine Brustwarze streiche, hält er inne und stöhnt. So kommen wir nicht weiter. Ich richte mich auf, klettere vom Sofa und streife Hose, Unterhose und Socken ab.
Als ich mich wieder zu ihm lege, berühren sich unsere harten Schwänze, und es durchzuckt mich wie Elektrizität. Ich will das hier. Will es auskosten. Mir Zeit lassen. Nicht hart von hinten vögeln und dann abhauen, wie sonst immer. Meine Hände berühren jeden Zentimeter Haut, den sie erwischen können, und Lou stöhnt, keucht und seufzt unablässig. Wir sind beide schon so feucht, dass wir mühelos aneinandergleiten, als er sich an mir reibt.
Scheiße, ich bin so hart. So bereit. Ich will ihn. Mein Schwanz zuckt erwartungsvoll bei dem Gedanken, doch ich beiße Lou sanft in die Lippe, um mich zu erden. Noch nicht. Ein zärtlicher Kuss folgt, um den Biss wiedergutzumachen.
»Joe …« Seine Stimme ist weich und sehnsuchtsvoll. Der Klang lässt meinen Bauch rumoren, und ich vergrabe die Nase in den feinen Härchen in seinem Nacken, um diese hartnäckigen Empfindungen loszuwerden, die beim Sex nichts verloren haben.
Ich rolle mich zur Seite, sodass ich mehr von ihm berühren kann. Meine Hand wandert über seine Flanke, seinen flachen Bauch, seinen Oberschenkel. Mein Mund findet immer neue Punkte an seinem Kiefer, seinem Ohr, seinem Hals, die ihn erschauern lassen. Meine Finger streifen weiche Intimbehaarung, und ich halte kurz inne, streichle die Stelle. Es passt zu Lou, nicht glatt rasiert zu sein, nicht perfekt vorbereitet und zur Schau gestellt. Es ist natürlich, so wie er.
Jetzt bringen mich schon seine Schamhaare zum Schwärmen? Der Tequila muss reingehauen haben. Schnell taste ich mich zu seinem Schwanz vor, heiß und hart in meiner Hand und größer, als ich erwartet habe. Hmmm.
»Okay, wenn ich dich blase?« Die Worte sind heraus, ehe ich darüber nachdenken kann, was ich da sage. Ich blase nicht, ich lasse blasen. Was zur Hölle, Hawke.
Lou stöhnt dunkel und lässt seine Beine zur Seite fallen, sodass ich vollen Zugang habe. Das Sofa ist klein, und ich muss ihn drehen, bis wir diagonal liegen, um einen guten Winkel zu erreichen. Dann senke ich den Kopf und atme heiße Luft auf seine Spitze, puste vorsichtig auf die Lusttropfen, die sich dort gebildet haben. Keine Ahnung, was ich hier tue. Ich bin nicht geübt im Blasen. Aber es scheint ihm zu gefallen.
»Fuck.« Man hört Lou so gut an, wie es ihm gerade geht. Es ist hinreißend, diese Offenheit. Er hat es nicht nötig, sich zu verstellen. »Bitte. Ja.«
Ich schmunzle, neige den Kopf zur Seite und verteile kleine, sanfte Küsse seine Länge entlang, bis zur Wurzel und wieder nach oben. Lous Hüften kreisen ungeduldig, und mit einem nachsichtigen Laut greife ich nach ihnen, bringe sie zum Stillstand.
Offenbar waren meine Hände auf seiner Haut genau das, was er brauchte, denn er stöhnt wieder. Ein Hauch von Frustration mischt sich hörbar in seine Lust.
Zum Glück für uns beide ertrage ich nicht noch mehr Neckerei, ohne zu explodieren, also nehme ich seinen Schwanz endlich in den Mund und sauge an ihm. Lasse ihn in mich gleiten, so weit ich es schaffe. Fuck, ich habe wirklich keine Übung. Meine Affären können das deutlich besser. Lou scheint es nicht zu stören, denn seine Finger kratzen über das Bettlaken, das wir eben noch so sorgfältig überzogen haben.
Nur wenige Minuten später ziehen Lous Finger an meinen Haaren. »Fuck, stop, ich …«
Kapitel 1: Maddox
Kapitel 2: Lou
Kapitel 3: Maddox
Kapitel 4: Lou
Kapitel 5: Maddox
Kapitel 6: Lou
Kapitel 7: Maddox
Kapitel 8: Lou
Kapitel 9: Maddox
Kapitel 10: Lou
Kapitel 11: Maddox
Kapitel 12: Lou
Kapitel 13: Maddox
Kapitel 14: Lou
Kapitel 15: Maddox
Kapitel 16: Lou
Kapitel 17: Maddox
Kapitel 18: Lou
Kapitel 19: Maddox
Kapitel 20: Lou
Kapitel 21: Maddox
Kapitel 22: Lou
Kapitel 23: Maddox
Kapitel 24: Lou
Kapitel 25: Maddox
Kapitel 26: Lou
Kapitel 27: Maddox
Kapitel 28: Lou
Kapitel 29: Maddox
Kapitel 30: Lou
Kapitel 31: Maddox
Kapitel 32: Lou
Kapitel 33: Maddox
Epilog
Maddox
Lou
Danksagung
Cover
