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Die Brennnessel ist eine echte Wunderpflanze mit ungezählten Anwendungsmöglichkeiten. Grit Nitzsche will mit ihrem fundierten kleinen Ratgeber endlich auch der Brennnessel ihren schlechten Ruf nehmen geleitet durch eigene langjährige Erfahrung auf ihrem eigenen Kräuterhof in Falkenhain bei Leipzig. Nach dem botanischen Einstieg bietet sie Rezepte für die Küche und für selbst gemachte Kosmetik sowie Tipps für die Verwendung im Biogarten. Dazu gibt es viele wichtige Informationen zur Ernte, zur Heilwirkung oder auch Brennnesselentdeckungen mit Kindern.
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Seitenzahl: 36
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Wenn ihr an Nesseln streifet,So brennen sie;Doch wenn ihr fest sie greifet,Sie brennen nie.So zwingt ihr die Feinen,Auch die gemeinen Naturen nie.Doch preßt ihr wackerWie Nußaufknacker,So zwingt ihr sie.
Friedrich Rückert
Die Alleskönnerin
von
Grit Nitzsche
ISBN 978-3-89798-497-4
© BuchVerlag für die Frau GmbH,
Leipzig 2016
Fotos: colourbox.com (S. 42/43, 73, 94/95, 98/99, 105, 110/111), fotolia.com (Titel und alle übrigen Motive), Sandra Neuhaus (S. 65), Grit Nitzsche (S. 2, 15, 19, 27, 47, 89, 118/119)
Einband, Satz, Typografie: Catharina Ende, Leipzig
Druck: Salzland Druck, Staßfurt
Bindearbeiten: Müller Buchbinderei GmbH Leipzig
Printed in Germany
www.buchverlag-fuer-die-frau.de
Pflänzchen »Rühr-mich-nicht-an«?
Botanik
Vermehrung
Was »brennt« denn da?
Sammeln & Verarbeiten
Die Brennnessel im Bio-Garten
Rezepturen
Multitalent Brennnessel
Faserpflanze
Färbepflanze
Brennnesseln für Haus- und Nutztiere
Die Brennnessel für die Hausapotheke
Kosmetik mit Brennnessel
Die Brennnessel in der Küche
Rezepte
Brennnessel-Entdeckungen mit Kindern
Rezepturen & Rezepte
Wenn es eine Pflanze »Rühr-mich-nicht-an« gibt, die jeder seit Kindertagen kennt und mit der man nicht die besten Erinnerungen verbindet, dann ist das die Brennnessel. Sie hat uns die Erfahrung vom Umgang mit ihr schmerzhaft eingebrannt. Ihren schlechten Ruf hat sich diese wehrhafte Pflanze redlich erworben, aber nicht verdient. Dieses Buch will zeigen, dass der Tausendsassa auf sehr vielen Gebieten punkten kann, die unser tägliches Leben betreffen – wenn wir es nur zulassen. Ihre Fähigkeiten, Gutes zu tun, sind vielfältig: Man kann mit ihr schmackhafte Speisen zubereiten, sie für Kosmetik und Medizin verwenden, ihre Fasern für Textilien gewinnen oder diese mit ihr färben, man kann Gartendünger herstellen und anderes mehr.
Schon seit alters her ist diese heimische Pflanze verschrien, wird aber gleichermaßen gut genutzt. Die Signaturlehre, die bereits in früheren Jahrhunderten angewendet und von Paracelsus systematisiert wurde, sieht in den äußeren Zeichen einer Pflanze ihr Wesen und damit auch ihre Bestimmung. Feuer ist das Element der Nesseln, das hat wohl jeder schon gespürt. So wurde die angriffslustige Pflanze dem Kriegsgott und Planeten Mars zugeordnet. Sie stachelt uns an, regt an, macht lebendig und aufmerksam, versetzt uns direkt ins Hier und Jetzt – perfekt also für eine Frühjahrskur! Mit ihrer entgiftenden Wirkung hilft sie uns, besser mit Umwelteinflüssen klarzukommen, »uns zu wehren«. Auch im Märchen, in dem ein Mädchen ihre Brüder von einem Fluch befreien muss und die Brüder schließlich mithilfe von Nesselhemden von ihrem Schwanendasein erlöst, findet sich dieser Aspekt – neben der Tatsache, dass anscheinend Nesseln früher für Textilien gang und gäbe waren. Schwäne galten unseren Ahnen immer als Mittler zwischen dieser Welt und der der Ahnen und waren ein Symbol für jenseitig oder nicht komplett gegenwärtig. Was lässt sich dem Besseres entgegensetzen als die Brennnessel?
Mit ihren rötlichen jungen Blättern und roten Stielen gehört auch das Metall Eisen in den Signaturkreis der Brennnessel. Tatsächlich ist der enorm hohe Chlorophyllgehalt der Pflanze vor allem für blässliche, blutarme (und damit oft unter Eisenmangel leidende) Menschen ein Segen. Die meist giftgelben Wurzeln wurden als Hinweis auf die Nieren anregende Wirkung gedeutet. Die Brennnessel kommt selbst mit fetten Böden gut klar – und hilft manch einem auch nach der »Fettlebe«, also bei Gicht. Und ebenso wie sie feuchte und für uns ungemütliche Orte bevorzugt, hilft sie uns auch, wenn wir z.B. mit solchen Orten nicht klarkommen: beispielsweise bei Rheuma.
Schon Plinius empfiehlt Brennnesseln als gesundes Gemüse, Hippokrates erwähnt ihre harntreibende Wirkung. In einem Lehrgedicht aus dem 11. Jahrhundert von Odo Magdunensis wird die Pflanze fast als Allheilmittel beschrieben. Mit ihr wurden Lebererkrankungen, Verdauungsprobleme und Gelenkschmerzen behandelt und auch Hildegard von Bingen hält junge gegarte Brennnesseln für eine Wohltat für den Magen. Albertus Magnus empfiehlt die Samen gegen Asthma und im 17. Jahrhundert beschreibt Lonicerus gleich auf vier Seiten den Gebrauch der Nesseln. Seit alter Zeit ist man sich also in der Wertschätzung für diese wehrhafte Pflanze einig.
