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Jahre, nachdem Radili sich nach bedrohlichen Anpöbelungen durch Skins ein Messer gekauft hat, kehrt er als Erwachsener in dieselbe Stadt zurück, und seine neuen Freunde aus der »linksradikalen WG« wollen einen Film daraus machen. Die Suche nach dem damals vergrabenen Messer ist die erste von vielen Situationen, die der Erzähler vor uns abrollt, fallen lässt, neu aufnimmt und auf ganz unorthodoxe Weise miteinander verknüpft. Er entwickelt eine Szene im Jüdischen Museum, die in einen Krimi mündet, er bespricht mit seiner Mutter Erinnerungen an ein von den Deutschen besetztes Dorf in Rumänien (»Eine dicke Mann, der seine Ärmel hoch rollt, fast bis zum Achsel, und sagt, bis hierher, bis hierher hätte ich, bis hierher hätte ich meine Ärme in Judenblut eintauchen, lebt in meine Mutter«), er rekapituliert einen Schulausflug zu archäologischen Grabungen im Norden von Israel, und immer wieder finden wir uns in der »Bar zum Roten Faden«, in Lokalen und Callshops wieder, in denen Radili und seine Freunde Amadou, Fikert, Anuan, Abayomi und Jamal abhängen. Es wäre ein ganz normaler, übermütiger und ungenierter Großstadtroman, wäre da nicht seine Sprache, die Sprache all dieser Migranten, die wie der Erzähler – »Das ist kein Deutsch!« – aus ihrer Sprache deportiert und aus der Geschichte bzw. der Erzählung hinausgeworfen wurden. »Realismus schreiben nur Menschen mit einem festen Wohnsitz und einer Aufenthaltserlaubnis«, sagt Tomer Gardi und entwickelt in Broken German ein anspielungsreiches, anspruchsvolles und vergnügliches Plädoyer für die Sprachenvielfalt in der einen Sprache, für die Regelübertretung, für das nicht Normierte.
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Seitenzahl: 155
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Tomer Gardi
Broken German
Roman
Literaturverlag Droschl
Broken German
Drei Kinder steigen von eine U-Bahn aus. Eine heisst Amadou, eine Radili, eine heisst Mehmet. Es ist Sommer. Im U-Bahn steht Mehmet, sein Hand hochgestreckt, hält sich zum Stange. Er hat schwarzes Haar unter sein Arm und sieht, stolz, wie Radili es anschaut. Radili ist dreizehn und Mehmet schon vierzehn und er fragt sich selbst, Radili, wann es bei ihm auch schon anfangen wird mit dem Haar. Dann hält das U-Bahn und Mehmet öffnet die Tür und Radili, von hinten, stosst Mehmet auf eine Frau die da vor dem Tür steht. Sie schreit Mehmet an und dann ist er nicht mehr so Cool mit sein Haar unter seine Ärme und Radili lacht und ränt weg zum Rolltreppe. Mehmet ränt ihm nach und erwischt ihm am anfang von Treppe und schlägt ihm mit Faust auf sein Schulter. Dann ist Amadou auch da und er sitzt auf das schwarzes Gummi Rand als die Rolltreppe die drei zum blauen Licht und Luft hoch nimmt.
Draussen gehen die drei richtung Park Frisbee spielen und Mehmet nimmt von sein Tasche ein Playboy und die drei schauen sich die nackte Frauen an. Radili wunscht sich er wär jetzt allein. Amadou fragt Mehmet woher er das hat und Mehmet dann sagt, wieder gleichgültig und stolz, vom Kiosk, woher sonst? Dann steckt Mehmet das Playboy zurück und redet mit Radili und Amadou über Bernadette die in seine Klasse ist und man sagt sie hats schon gemacht. Morgen geht er mit ihr zum Kino und dann, nachher, wird er dass alles schon checken. Amadou und Radili fragen und sagen und versuchen das wichtigste sache im leben zu lernen, und schnell.
Von selben Ausgang den selben U-Bahn Station steigen von tiefen des betonadisches Erde fünf oder sechs Fussbal Fans aus. Die sind alle besoffen und ihr Team hat verloren. Das passiert ihren Team viel zu oft und die sind alle wütend und bitter. Radili und Amadou und Mehmet hören wie sich die Gruppe nähert, laut und im suche auf Sieg. Trotzdem sagt jeder sich selbst das es wahrscheinlich nichts ist und reden wir lieber weiter normal. Die Stimmen werden aber näher und näher und die drei machen weiter und gehen nicht schneller und reden weiter nur um nicht leiser zu gehen, angstvoll und unheimlich. Von hinten schreit sie dann jemand nach. Hallo ihr! Hallo ihr! Was für Sprache redet ihr da! Radili und Amadou und Mehmet reden Deutsch aber kein Arien Deutsch sondern ihr Deutsch wie mein Deutsch auch die ich hier schreibe und wie ich die rede. Die drei gehen weiter und antworten nicht als aber von hinten jemand da laut schreit, Hei. Ihr da. Was ist das für eine komische Sprache, dass was ihr da redet! Dann hält Radili und dreht sich um sagt dass es Deutsch ist. Mehmet und Amadou halten mit ihm und drehen auch um. Nein sagt eine. Glatze. Rote Augen von Trink. Nein, sagt er. Das ist kein Deutsch, sagt er. Was WIR reden ist Deutsch, sagt er. Das was WIR reden ist Deutsch. Was ihr da redet ist kein Deutsch. Die drei wollen uns, sagt er zu seine Freunde, die drei wollen uns anscheint veraschen. Die drei wollen sich über uns lustig machen. Radili dreht dann wieder um weiter zu machen und Mehmet und Amadou drehen auch um mit ihm und fangen an weiter zu gehen als eine Flasche hinter sie zerbricht und dann fangen sie an zu rennen. Schnell. Mehmet schaut nach hinten und sieht die acht oder neun oder zehn grosse, fette Skins, rennen ihr nach. Die drei laufen schneller dann der Strasse entlang, die sind kleiner und schneller und sind nicht besoffen. Am eine ecke rennen sie rechts und weiter und dann rein in ein Treppenhaus wo sie drinnen warten bis sie aus des Glass des Türs sehen wie ihre, wie sagt mann auf Deutsch. Verfolger? Wie ihre Verfolger vorbeilaufen.
Zuhause zählt Radili sein Geld und es reicht nicht. Dann vier wochen lang spart er sein Tachengeld und dannach nimmt auch noch was dazu von das Geldbörse sein Mutters und dann kauft er sich ein Clip-Point, 21 centimeter, Stahlklinge Messer. Gratuliere, Radili. Gratuliere.
Wenn Radili zuhause ist steckt er sein Messer im dritten Schublade unter seine Hosen und wenn er raus von zuhause geht steckt er das Messer im Schu oder im Stiffel. Seine Ältern sind beide beschäftig. Er sagt ihr nichts von das Messer und nichts von die ganze Affäre. Wie er es dann sieht und verstäht, so ist es besser für alle.
Vier Jahre geht Radili, Tag und Nachts, Schule und Kneipe, Park oder Arzt, mit sein Clip-Point. Er geht mit dem Clip-Point und hofft das es nie dazu kommt. Und dazu kommt es auch nicht. Und nach vier Jahren dann ziehen er und die ganze Familie Anuan aus. Radili, seine Ältern Olimin und Reva, seine zwei Schwestern, Tirek und Mendil und Rami, sein Brüder. Aus gewohnheit nimmt Radili sein Messer zur Flughaffen mit. Dort lassen sie ihm damit natürlich nicht rein ins Flugzeug. Es ist aber die glückliche, freie, schönne Tagen von Pre-Nine-Eleven und Bush War on Terror und deswegen verhaften die Bullen ihm nicht aber das Messer bleibt dann im airport for good.
Wie es aber oft in geschichten ist, ein Messer der im ersten Akt an Wand hängt, dann verschwindet, wird im dritten Akt wieder irgendwo auftauchen. Ein literarische trick und regel. Der Author steckt im Geschichte eine kleine, alltägliche, unauffälige detail. Im ersten Blick können es nur die klugste, die aufmerksamste, die meist gebildene und erfahrene Lesern entdeken. Die anderen, die ja die fast absolute Mehrheit sind, geht es völlig vorbei. Dann läst der Author das vergessene Element wieder erscheinen, und baut herum das rest seine geschichte. Ein paar Jahre nach das verschwinden von Radili und Messer von unsere geschichte, kommt Radili züruck. Sein Flugzeug landet, er fährt zur Stadt. In seiner Tasche ist Geld und ein paar alte Adressen. Er ist züruck sein Glück hier wieder zu suchen und finden. Er ist jetzt vielleicht dreizig. In die Strassen seines Jugends geht er rum. Er kauft sich ein Bier und sitzt auf ein Bank. Neben ihm sitzen zwei Frauen und die zwei Frauen und Radili fangen an mit einander zu reden. Er spricht sein einartiges Deutsch aber ihr scheint es nicht ein Thema zu sein. Dann fängt es an zu regnen und die drei gehen rein in eine Caffe und trinken alle noch ein oder zwei oder drei. Die beide Frauen wohnen in eine grosse, Linksradikale, Künstler WG und sie laden ihm ein zur besuch. Er ist froh und er zeigt das er froh ist und die zwei Frauen sind auch froh und sie gehen zusammen zur grosse WG.
In eine riesige Küche sitzen acht oder neun junge Menschen und die zwei Frauen, Brigitte und Sandra, stellen ihm vor. Die sind nett und machen dort Platz und Radili und Brigitte und Sandra sitzen dann mit. Die junge Menschen reden über ihr leben. Die reden über die Stadt. Die reden über Kunst und Politik. Über Gewalt und Rassismus und die Staat, Pasolini und Brecht und Godard und Rosa Luxemburg und Arendt und die Anarchisten in Griechenland. Sie gehen Morgen zum Demo. Sie laden Radili auch mit.
Radili ist froh und sagt ja, warum nicht. Dann entscheidet er ihr seine Geschichte über sein Angriff zu erzählen. Mit seinen gebrochenes Deutsch erzählt er dann den ganze Geschichte. Er und Amadou und Mehmet, das Frisbee, das Heft. Die Skins und das Deutsch oder nicht Deutsch und das Angriff. Das Angst. Das Wegrennen. Und wie er dann das Messer gekauft hat und immer dammit ging. Dann aber, keine ahnung warum, vielleicht weil er dachte es wäre ein viel schöneres Ende zu seine Geschichte, hat Radili das Ende geändert. Ein Kleinichkeit wirklich. Nichts wichtiges. Kein grosse Lüge also. Aber statt zu erzählen wie er sein Messer dann damals im Flughafen gelassen hat, hat Radili erzählt das er es im rande das Park hier, bei einem Baum, in die Erde begrabte.
Die fanden es alles sehr interesant und Radili war froh und alles war gut. Dann aber hat es geendärt. Weil dann hat Andreas, politische Aktivist, Antifaschist und Filmacher, seine Idee. Wir machen ein autonome Filmprojekt. Wir gehen alle zusammen zur Park und suchen das Messer und Filmen uns suchen. Und durch das Suchen des Messers erzählen wir deine Geschichte, sagt er zu Radili, deine Geschichte der noch eine open end hat, sagt er. Weil wir ja noch nicht wissen können, ob wir dein Messer finden oder nicht finden. Aber das Suchen ist hier gerade das wichtigste. Das Suchen, sagt er. Und das Film nennen wir Broken German.
Er war, Radili, natürlich verlegen. Es ist wirklich nicht wichtig, hat er gesagt. Lassen wirs sein. Egal jetzt wo das Messer ist. Ist vorbei. Dazu hat jemand gesagt, es sei eine Akt von Nachbesserung. Fehlerbehebung. Wiedergutmachung. Ein Kreis wird so endlich geschlossen. Dann sagte Radili, er weisst nicht mehr wo, beim welchen Baum das Messer begraben sein könnte. Es sind ja über zehn Jahre! Das haben sie ihm freundlich und mit gute Laune nicht geglaubt. Morgen ist er beschäftig, hat er ihr ernsthaftig gesagt. Sie haben ihm aber dann errinert, dass er versprochen hat Morgen mit ihr zum Demo mitkommen. Und das ist sogar noch wichtiger als Demo, sagt Andreas. Statt Demo gehen wir filmen. Zur Park. Es ist hier in der nähe. Kein Chance. Radili konnte nicht Raus. Ihm wurde ein Handtuch gebracht, ihm wurde das Sofa gemacht, gute Nacht.
Morgen haben alle zusammen gefrüstuckt. Von Hof haben dann Brigitte und Volker vier Schaufeln gebracht. Andreas hat seine Kamera vorbereitet. Dann sind alle raus, zum Park.
Im Park hat Andreas sein Kamera angemacht und fang an zu filmen. Radili am Rand des Parks. Radili schaut herum, uberlege. War es hier? Oder hier? Ein Close-Up auf ihm. Protagonist im tief denken. Focus-Change. Protagonist verschwommen, hinter ihm eine Gruppe spielt Fussbal. Zwei Bullen suchen nach Park Dealers. Camera bewegung nach Links. Brigitte und Jürgen und Regina und Kristof, Schaufeln im Hand. Ein Frau und ein Hund rennen durch Frame. Protagonist tretet in Frame rein. Protagonist nimmt von Kristof sein Schaufel. Zoom-Out. Protagonist zeigt mit Finger an ein paar grosse Bäume. Protagonist geht hin. Anderen gehen ihm nach. Protagonist hält. Close-Up. Protagonist zeigt mit finger an vier, fünf Bäume. Protagonist schaufelt. Zoom-Out. An andere Bäume schaufeln die andere. Camera bewegung nach rechts. Altes Paar mit ein Hund schauen an. Frau auf ein Fahrrad hält. Close-Up an sie. Kurzes Haar, schwarze, braune Augen, neugierig.
The End.
Nein. Jetzt aber wirklich. Jetzt aber ernst. Hat Radili das Messer wirklich im Flughaffen gelassen? Er ist zur zeit schon nicht ganz so sicher. Im dritten Schublade vielleicht? Vielleicht hat er es Amadou gegeben? Vielleicht ist es in sein Schu? Vielleicht steckt es in jemandens Rücken? Vielleicht hängt es an jemandens Wand? Und es macht ihm Angst. Das sorgt ihm. Es macht ihm nervös. Denn er hat keine ahnung, keine ahnung wie und wo und wann wird das Messer von ersten Akt wieder in seine Geschichte auftauchen. Und der Schrei. Wann taucht wieder der Schrei. Das ist kein Deutsch. Das ist kein Deutsch. Was WIR reden ist Deutsch. Das ist kein Deutsch!
Wortloss
Es kann in Neuköln sein oder Kreuzberg oder auch Wedding und dort, im Wohnzimmer von Fikret, schläft die Katze von Fikret auf Pnin. Das Buch liegt geschlossen am Tisch und die Katze auf Pnin wo, im Buch drin, wie in eine Zelle, Vordereinband als Gitter, Hintereinband als Mauer, mit sein Masterpiece Englisch, foltert Master Nabokov der Timofey Pnin. Die Katze heisst Nanni und Fikret heisst Fikret Latific und er liegt am Sofa im Wohnzimmer und Nanni, schwarz, fett, nach drei Schwangerschaften jetzt endlich Kastriert, auf Pnin. Im weltvergessliche ruhe als im Buch drin, zwischen geschlossene Einbände, quält Nabokov sein Gefangene Pnin. Es ist 1953 oder 4. Author Nabokov reist durch Amerika und sucht ein Herausgeber für seine Lolita. Inzwischen, bis er einz findet, foltert er Timofey Pnin. Von Russland flieht Nabokov nach Crimea und von Crimea nach England und von England nach Deutschland zum selben Stadt wo jetzt in sein Wohnunzimmer liegt Fikret, auf seine dunkelblau Sofa, und Nanni auf Pnin wo Nabokov Pnini quält. Mit sein Masterpiece English, mit Stil und Humor, mit sein Nabokovische Schachspielprosa, fast unendlichen möglichen Züge beschränkt zum kleinen, schwarz-und-weiss Viereck, er quält. Von Russland flieht Pnin nach Paris und von Paris flieht er nach Prague und von Prague mit seine gebrochene oder zerbrochene English endlich nach der U.S.A. Aber dort ist leider auch seine Author Nabokov. Mit sein Masterpiece english. Sein dicht und präzis und metalglänzende english. Sein Foltergerät.
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