Bühne frei für Storys, Gedichte, Theaterstücke - Phil Humor - E-Book

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Phil Humor

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Beschreibung

Dies sind einige der illustren Gäste, die ich für dieses Bühnenprogramm begeistern konnte. Sie haben gerne zugesagt - ich konnte sie gewinnen - und sie sind ein Gewinn für den Leser - so hoffen sie.



Hermann und Dorothea, Michael Kohlhaas, Heinrich von Kleist, Muse Euterpe, Leonardo da Vinci, Daniel Defoe, Robinson Crusoe, Fürst Pückler und Machbuba, Frau Holle, Prinz Eugen, Uriel, Prinzessin auf der Erbse, Heinrich Heine und Loreley, Goethe, Merlin, Baron Münchhausen, Egmont und Clärchen, Dante und Beatrice, Iphigenie und Artemis, Rübezahl, Niccolò Paganini, Michelangelo und David, Alexandre Dumas, Rembrandt und Hendrikje, Ritter Toggenburg, Nostradamus und Luzifer, Nestor, Rapunzel, Katharina die Große, Reineke Fuchs, Marco Polo und Kublai Khan, Don Juan und Donna Elvira, Rembrandt und Mars, Torquato Tasso und die beiden Leonoren.



Storys:

Hermann und Dorothea im Interview * Zombrini * Nur 5 Sekunden * Michael Kohlhaas und Heinrich von Kleist in Wut-Therapie * Der Lösung auf der Spur - Matt und die Muse Euterpe * Leonardo da Vinci auf Pegasus * Leonardo da Vinci in der VIP-Lounge * Der Dämon in mir * Daniel Defoe, Freitag, Freya und Robinson Crusoe * Fürst Pückler und Machbuba * Kissenschlacht mit Frau Holle * Prinz Eugen - Schachpartie mit Uriel * Isabel, die Prinzessin auf der Erbse * So sehr interessiert mich das - Animal-World * Die entführte Menschheit * Heinrich Heine, Goethe und Loreley in Ink-Town * Schachmatt * King Arthur Spiel * Wellness-Wochenende mit Mentaltrainer * Skysurfen * Syntax Error - Baron Münchhausen, Erzengel Sabrina und Bernhardine * Egmont und Clärchen * Brief aus dem Jahr 3000 * Als Zauberer im Fantasy-Land * Dante, Gemma und Beatrice * Iphigenie und Artemis * Rat von Rübezahl * Der nächste Level * Niccolò Paganini und die Vampirin * Der gestiefelte Maulwurf * David von Michelangelo und sein Stellvertreter * Zoo Show * Raumschiff ahoi * Segelyacht April * Planet der Telepathen * Geist - Michelangelo und die Pietà * Alexandre Dumas als Paris * Hummel hört Hummelflug * Rembrandt und Hendrikje * Fredo - der Kühlschrank, der aus der Zukunft kam * Figaro auf dem Planeten Mozart * Es kommt immer anders, als man denkt ... Die Kameliendame * It-Girl an Bord * Professor Conan Westwood und die Sphinx * Der Gangsterboss * Aphorisman und Annika * Ritter Toggenburg * Die Jäger im Schnee - Gemälde von Pieter Bruegel * Die magische Geschenkbox * Zuckersüß - Wirt-uelle Konditorei * Nostradamus und Luzifer * Nestor und die Archäologin * Wirklichkeit 2.0 * Planet der Stofftiere * Rapunzel und der magische Friseur * Katharina die Große und Jemeljan Pugatschow * Katharina die Große und Alexander * (N)ICE * Reineke Fuchs und der Geist * Zwölf Drabbles



Gedichte und Theaterstücke im Blankvers:

Zum Beispiel: Marco Polo nimmt Abschied von Kublai Khan * Bernie und das Callgirl * Don Juan und Donna Elvira in Sin-City * Turmbau zu Babel * Zauberlehrling, Besen und Schwamm * Plädoyer der Bilder-Sprache * Torquato Tasso und die beiden Leonoren ...

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Phil Humor

Bühne frei für Storys, Gedichte, Theaterstücke

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Inhaltsverzeichnis

 

Bühne frei für Storys, Gedichte, Theaterstücke

 

Dies sind einige der illustren Gäste, die ich für dieses Bühnenprogramm begeistern konnte. Sie haben gerne zugesagt - ich konnte sie gewinnen - und sie sind ein Gewinn für den Leser - so hoffen sie.

Hermann und Dorothea, Michael Kohlhaas, Heinrich von Kleist, Muse Euterpe, Leonardo da Vinci, Daniel Defoe, Robinson Crusoe, Fürst Pückler und Machbuba, Frau Holle, Prinz Eugen, Uriel, Prinzessin auf der Erbse, Heinrich Heine und Loreley, Goethe, Merlin, Baron Münchhausen, Egmont und Clärchen, Dante und Beatrice, Iphigenie und Artemis, Rübezahl, Niccolò Paganini, Michelangelo und David, Alexandre Dumas, Rembrandt und Hendrikje, Ritter Toggenburg, Nostradamus und Luzifer, Nestor, Rapunzel, Katharina die Große, Reineke Fuchs, Marco Polo und Kublai Khan, Don Juan und Donna Elvira, Rembrandt und Mars, Torquato Tasso und die beiden Leonoren.

 

 

Storys:

Hermann und Dorothea im Interview * Zombrini * Nur 5 Sekunden * Michael Kohlhaas und Heinrich von Kleist in Wut-Therapie * Der Lösung auf der Spur - Matt und die Muse Euterpe * Leonardo da Vinci auf Pegasus * Leonardo da Vinci in der VIP-Lounge * Der Dämon in mir * Daniel Defoe, Freitag, Freya und Robinson Crusoe * Fürst Pückler und Machbuba * Kissenschlacht mit Frau Holle * Prinz Eugen - Schachpartie mit Uriel * Isabel, die Prinzessin auf der Erbse * So sehr interessiert mich das - Animal-World * Die entführte Menschheit * Heinrich Heine, Goethe und Loreley in Ink-Town * Schachmatt * King Arthur Spiel * Wellness-Wochenende mit Mentaltrainer * Skysurfen * Syntax Error - Baron Münchhausen, Erzengel Sabrina und Bernhardine * Egmont und Clärchen * Brief aus dem Jahr 3000 * Als Zauberer im Fantasy-Land * Dante, Gemma und Beatrice * Iphigenie und Artemis * Rat von Rübezahl * Der nächste Level * Niccolò Paganini und die Vampirin * Der gestiefelte Maulwurf * David von Michelangelo und sein Stellvertreter * Zoo Show * Raumschiff ahoi * Segelyacht April * Planet der Telepathen * Geist - Michelangelo und die Pietà * Alexandre Dumas als Paris * Hummel hört Hummelflug * Rembrandt und Hendrikje * Fredo - der Kühlschrank, der aus der Zukunft kam * Figaro auf dem Planeten Mozart * Es kommt immer anders, als man denkt ... Die Kameliendame * It-Girl an Bord * Professor Conan Westwood und die Sphinx * Der Gangsterboss * Aphorisman und Annika * Ritter Toggenburg * Die Jäger im Schnee - Gemälde von Pieter Bruegel * Die magische Geschenkbox * Zuckersüß - Wirt-uelle Konditorei * Nostradamus und Luzifer * Nestor und die Archäologin * Wirklichkeit 2.0 * Planet der Stofftiere * Rapunzel und der magische Friseur * Katharina die Große und Jemeljan Pugatschow * Katharina die Große und Alexander * (N)ICE * Reineke Fuchs und der Geist * Zwölf Drabbles

 

Gedichte und Theaterstücke im Blankvers:

Berge und Strand * Kissenschlacht * Marco Polo nimmt Abschied von Kublai Khan * Zoom * Bernie und das Callgirl * Berge * Welt als Kunstgalerie * Das Licht am Ende des Tunnels * Komm Komödie! * Don Juan und Donna Elvira in Sin-City * Mutter Sein * Gespräch mit dem Glück * Rembrandt und Mars - Der Mann mit dem Goldhelm * Turmbau zu Babel * Gevatter Tod * Kein Vogel wollte Hochzeit machen * Spiel - your game * Mitten im Wasser - da dürstet der Narr * Die Maske * Wasser und Feuer * Höhlenmalerei * Philosophieren beim Trainieren * Hund und Katz * Weihnachtsgeschenke * Zauberlehrling, Besen und Schwamm * Licht-Jahre * Nachtmahr * Plädoyer der Bilder-Sprache * Vergesslichkeit * Sonnenaufgang * Sprich mit Traurigkeit * Torquato Tasso und die beiden Leonoren

 

Ich verwende in meinen Texten und Büchern gerne Philosophie und Humor.

Deswegen: Phil Humor

 

Bücher, Texte, Leseproben, Videos und Hörbücher von mir im Internet:

http://www.phil-humor.de

http://www.bookrix.de/-philhumor

http://www.youtube.com/PhilHumor

https://www.facebook.com/Phil.Humor

 

Kontakt:

[email protected]

 

Hermann und Dorothea im Interview

Reporter: "Hermann und Dorothea, Ihr seid ja das idyllische Traumpaar schlichtweg. Unsere Leser interessiert, ob es sich denn wirklich so zugetragen hat, wie es Johann Wolfgang von Goethe kolportiert. Wir sind hier bei dem Birnbaum, wo das alles begonnen hat. Von hier können wir das Gasthaus sehen 'Zum Goldenen Löwen' - es scheint alles vorhanden."

Dorothea: "Es beginnt ja schon damit, dass wir nicht unentwegt im Hexameter-Versmaß uns unterhalten. Wir haben es versucht, das ist nicht durchzuhalten. Das haben wir dem Goethe auch gesagt; hatte er gar kein Verständnis für; die Idylle verlangt es. Er war sehr streng mit uns; hat uns gemahnt, uns zu besinnen: Vorbilder seien wir, wir trügen Verantwortung dafür, dass die schöne Tradition der homerischen Dichtung in uns einen Brückenkopf hätte; aber ehrlich: Dieses Achten darauf, dass nach einer betonten Silbe zwei unbetonte zu folgen haben, das hat uns den ganzen Ehealltag kaputtgemacht. Ich war verzweifelt!"

Reporter: "Wie war das für Dich, Hermann? Großer Triumph: Die Trulle heimgeführt - sie, die keine Dukaten bei sich hatte. Gewissermaßen ein Schnäppchen."

Dorothea: "Ich habe mich unter Wert verkauft. Ganz spontan musste ich mich entscheiden. Hermann war wie ein Pfeiler inmitten eines Meeres, das an Dir zerrt. Wie Venus, eine Schaumgeborene, so entstieg ich den Fluten, quasi nackt."

Hermann: "Yes Sir, ich erinnere mich sehr gerne daran: Eine Frau wie Dorothea, da kommst Du ja unter normalen Umständen nicht mal in Rufweite. Wie soll sie mich da erhören? Wir aber konnten ganz traulich miteinander verkehren. Ein sehr schöner Verkehr."

Reporter: "Das hat Goethe gar nicht erwähnt." Er blättert in dem Epos.

Dorothea: "Ja, es ging ordentlich zur Sache. Musste dem Hermann demonstrieren, was ihn erwartet. Habe mich gewissermaßen an dem Pfeiler tüchtig festgehalten."

Reporter: "Wir sind hier am Rhein. War es für Dich ein Sprung in unbekannte Gewässer?"

Dorothea: "Ich könnte jetzt ein Wortspiel machen: Von wegen Hermann sei zu seicht und so - aber es ist ja gar nicht so entscheidend, was jemand in der Birne hat."

Hermann: "Bitte?! Wie kommst Du mir denn? Gut, zugegeben, unser Nachbar, der Kaufmann und seine drei Töchter, die haben die Bildung mit Löffeln gefressen und ich mit den Fingern - aber das Derbe hast Du immer sehr zu schätzen gewusst bei unsern Ausflügen in Eros' Reich."

Der Reporter macht sich Notizen. "Das ist es, was unsere Leser schätzen und zu würdigen wissen: derbe Anzüglichkeiten; und das von dem Idylle-Paar. Ich bitte um Einzelheiten - das turnt mich jetzt aber richtig an. Könnte Dorothea sich oben freimachen? Steigert die Auflage und mein Temperament. Ein temperamentvoller Bericht hat was Spritziges. Hast Du auch was Spritziges für uns Hermann?"

Hermann: "Wir sind hier zwar beim Birnbaum - und eine gewisse Parallele zum biblischen Apfelbaum und Adam und Eva könnte man schon sehen, aber wer will schon Äpfel mit Birnen vergleichen, obwohl, wenn ich Dorotheas Äpfel betrachte, und sie annimmt, ich hätte eine weiche Birne ..."

Reporter: "Sag mal, was plapperst Du da eigentlich? Verwirrt Dich dermaßen die Tatsache, dass ich Dorothea gerade das Oberteil ausziehe? Ein flotter Dreier könnte für unsere Leser von großem Interesse sein, da es ja um deutsches Bildungsgut geht: Ihr seid deutsches Bildungsgut - und je näher ich mich damit befasse, umso mehr empfinde ich den Geist, der diese Daktylen und Verse belebt."

Dorothea: "Aber nicht so dicht an mir. Hermann, zerr den Mann bitte runter von mir!"

Hermann ist auf den Birnbaum geklettert und pflückt einige Birnen; er sagt: "Carpe diem! Es ist doch schön, dass Goethe uns zum Modell gemacht hat, wir sind Vorbild - gehören gewissermaßen einer Kollektion an von Preziosen; ich komme zurück auf den Sprung in unbekannte Gewässer: Die Realität ist solch ein unbekanntes Gewässer. Man lebt das Mustergültige, als ob wir ein Weinstock wären, der zu ranken hat um die Antike. Ist sie ein Spalier? Taugt sie dazu? Dorothea und ich sind Gebundene - gebunden durch Versmaß; der Antike sollen wir nacheifern, statt vorwärtszustürmen in unbekannte Zukunft. Vorgetäuscht wird, dass die Zukunft beschlossene Sache sei; das ist Sache der Älteren, sie wollen es so: Wollen es nicht zur Sprache kommen lassen, dass ohne ihr Zutun das Unbekannte wahrlich zu erhalten wäre. Wir sind Repräsentanten des Verstockten. Wir sind bedingt; das Idyll ist unsere Welt; die Wohlgeordnetheit - Versfuß-Ordnung, Versuchs-Anordnung. Wir sind ein Experiment; Figuren, die durch das Gedicht ihre Grenzen finden; es beschreibt uns. Aber wie wäre es, wenn wir Roman wären, dann hätte das Techtelmechtel mit Dorothea nicht so schnell zu Höhepunkten geführt, die so gar nicht im Gedicht stehen, wegen Moral. Obwohl, das Leseinteresse wäre ja vorhanden ... Aber dann im Jambus, schnelleres Versmaß, anders ist so eine Leistung nicht zu vollbringen. Im Roman hingegen schickt Dir der Autor üblen Antagonisten. Bis Du den bezwungen hast, bist Du buchstabengläubig, verlernst, zwischen den Zeilen zu lesen. Doch darauf kommt es ja an: Sich Freiheiten herausnehmen, dem Gefühl folgen. So wie es gilt, einen flüchtigen Gedanken festzuhalten, wenn er schön ist: So griff ich die vorübereilende Dorothea, zog sie an mich - dafür bedarf es eines Vorwandes, dann billigt sie es."

Reporter: "Du hast also das Glück beim Schopf gepackt. Etwa so?"

Er greift Dorothea ins Haar. Sie rammt ihm ihr Knie in den Bauch.

Reporter: "Atemberaubendes Temperament. Ist momentan vielleicht etwas ungünstig, mich hier weiter vorzutasten. Dorothea, stimmt die Mär: Du hast Dir den Säbel eines Marodeurs geschnappt und damit eine Jungfrauen-Schar geschützt? Von Dir hört man keine vergleichbaren Heldentaten, Hermann."

Hermann: "Hermann dem Cherusker nachzueifern, könnte interessant sein, aber meine Hobbys sind Angeln und Wandern. Die Beschaulichkeit wird vernachlässigt. Man muss sie in Ehren halten."

Reporter: "Ich zitiere:

'Alles regt sich, als wollte die Welt, die gestaltete, rückwärts

lösen in Chaos und Nacht sich auf und neu sich gestalten.'

Wie fühlt Ihr Euch, wenn Euch von Goethe solche Sätze in den Mund gelegt werden? Möchte man sie ausspucken wie Kieselsteine, die bunt schimmern im Bachbett, aber keinen Nährwert haben? Wir bieten unseren Lesern eine Sättigungsbeilage: etwas, was ihren Lesehunger stillt."

Dorothea: "Also von Goethe zu verlangen, er möge lauwarmen Kartoffelsalat servieren ... Ich habe da einen anderen Satz, der viel diskutiert wurde:

'Dienen lerne beizeiten das Weib nach ihrer Bestimmung!

Denn durch Dienen allein gelangt sie endlich zum Herrschen, ...'

Ich werde oft gefragt, wie habe ich das gemeint, war das eine Um-den-Finger-wickeln-Taktik? Ebenso wenig, wie es ratsam ist, die Zimperliche zu spielen, ebenso könnte es ja eine Art Tarnmodus sein, damit unerkannt bleibt das wahre Wesen: die Walküre, die Amazone, die Tigerin."

Sie beißt dem Reporter in den Nacken.

Er sagt: "Wie verspielt. Der Nackenbeißer, ein Sujet, das wir für unsere Cover verwenden."

Hermann: "Ja, Dorothea geht die Sache richtig an, sie kann zupacken, da könnten schwächere Naturen als ich einpacken. Da muss man gegenhalten können, Ekstase in diesem Bebens-Bereich verträgt nicht jeder."

Dorothea springt auf seinen Schoß. Sie sagt: "Die Bebenstärke ist eine Variable. - Mach mir den Poseidon!"

Reporter: "Ich könnte meinen Dreizack jetzt auch hervorholen. Darf ich mich zu Euch auf die Bank begeben?"

Dorothea: "Ein Beben ging dem Ausbruch des Vulkans zuvor - in Pompeji. Glaube kann Berge versetzen ... wenn man glaubt, man gliche dem himmlischen Ich. So gestaltet fand ich mich in Goethes Meisterwerk. Wie vollbring ich nun die Wunder? Indem ich mich besinne auf die Mühe, die er verwandt hat auf unser Lebendigsein, dass wir nicht nur Symbole seien, sondern berechtigt, unser Glück zu umfassen als Persönlichkeiten."

Reporter: "Noch ein Zitat:

'Der Augenblick nur entscheidet

über das Leben des Menschen und über sein ganzes Geschicke.'

Dieser Zwang, sich sofort entscheiden zu müssen, in solchen Situationen kann die Intuition zeigen, was in ihr steckt. Sich von seiner Intuition bei der Hand nehmen lassen, mit ihr zusammen Sprünge zu wagen ... so setzt man mit Siebenmeilenstiefeln über das Territorium des Chaos; das Tohuwabohu schreckt sie nicht: Die Intuition ist beherzt. Unsere Leser wird es freuen, dass ihr das Prinzip der Spontanität validiert habt: Liebe auf den ersten Blick benötigt kein 'Drum prüfe, wer sich ewig bindet'. - Lasst mich in Eurem Bund der Dritte sein!"

Dorothea: "Prima! Lasst uns Skat spielen."

Reporter: "Seit wann ist sie so harmlos? Ich komme hierher mit den besten Absichten. Ich bin verliebt in Dich, Dorothea! Ich gestehe es!"

Er sinkt vor ihr nieder.

Hermann: "Nun lass ihn doch nicht so leiden. Das Idyll erfordert manchmal Zugeständnisse."

Reporter: "Man kann ja auch in unbekannte Gewässer hineingleiten. Peu à peu - sich vortasten, ob der doppelte Genuss, Erfüllung ist eines lang gehegten Traumes; Betonung liegt auf lang."

Dorothea:

"Erfüllungspforten findet er nicht flügeloffen.

Frag doch das Gretchen, ob sie Lust zum Interview."

Reporter:

"Du wärst von meiner Kunst im Innersten betroffen.

Bin investigativ, nun komm, my love is true."

Dorothea: "Ich habe das Gefühl, Mephisto interviewt uns. Der lässt nicht locker. Nehm' ich eben meinen Elektroschocker."

Hermann: "Das ist der Vorteil der Moderne. Man hat mehr Möglichkeiten. Als Team gehen wir durch alle Zeiten, verwahrt im Bildungsgut; wir sprechen uns wieder - nach Generationen. Interessant, was Ihr in uns seht.

'Und sie sahen gespiegelt ihr Bild in der Bläue des Himmels

schwanken und nickten sich zu und grüßten sich freundlich im Spiegel.'

Sind die Zeiten uns der Spiegel, so danken wir artig für Eure Reflexion."

ENDE

Zombrini

"Ich habe gehört, Ihr hättet eventuell Verwendung für 'nen Zombie? Gut in Form - mir wäre die Rolle auf den Leib geschneidert."

"Was sind das denn für Fetzen?! Das ist authentisch! Von welchem Kostümbildner? - Sie schickt doch nicht etwa die Konkurrenz? Bisschen ausspähen?"

Der Regisseur Tony Nightmare begutachtet den vor ihm stehenden Mann.

"Ich habe keine Papiere; Bewusstsein habe ich auch nicht, aber dass Ihr hier auf dem Friedhof 'nen Zombie-Film dreht, finde ich animierend."

"Hey, Anna, was meinst Du, sieht der freakig genug aus? Ganz schön authentisch. Da gruselt es einen - ich bin schon einiges gewohnt."

Anna: "Filmblut - das sind wir gewohnt; alles Show. Wir haben das Mysterium des Entsetzens nur touchiert, aber dieser Knabe kommt eisig daher - und wenn er mich frösteln lässt, wie soll es unserem Publikum ergehen, wenn wir ihn dem Protagonisten zur Seite stellen, dass er als dessen zweites Ich ihn vertraut macht mit den Abgründen seines Selbst. Man wähnt sich sicher hinter dem Schutzwall seines Bewusstseins, blockiert mit Gedankensteinchen den Zugang zum Wesen ... Und dort sitzt so ein Wesen: erbärmlich, kaum fähig zum Leben, aber von dem Trieb geleitet, sich zu mästen an fremdem Leben, sich damit hochzuhangeln ins eigentliche Leben. Ein Zombie, wie aus dem Bilderbuch."

Sie dreht und wendet den Mann. Er lässt es geschehen; kippt um. "Sorry, bin Berührungen nicht gewohnt. War aber schön Ihre Berührung; und was Sie da über Zombies sagten, dass wir im Kern stünden vom Menschen, das ist Horror-Klischee. Wir Zombies sind fähig zum Bewusstsein - wenn wir uns aufhalten in der Nähe von starken Persönlichkeiten, dann schwappt deren Bewusstsein zu uns, befüllt die leeren Gedanken-Tornister. Habe plötzlich viele Gedanken; war also richtig hier rüberzustaksen. Dort drüben sind Kumpels von mir: Den Gräbern können sie entsteigen, wenn es Wunsch ist, sie in unsolidem Zustand zu achten. Unsereiner hat viel preisgeben müssen; man ist nicht mehr so intakt wie die rein Lebendigen; wir sind untot - nach Belieben. Können switchen. Das Lebendige zieht uns an. Küss die Hand gnädige Frau."

Er will ihr die Hand küssen; sie zieht ihre Hand zurück - und reißt ihm dabei seine Hand ab. Sie schreit.

"Scream-Girl. Geil. Wie habe ich das vermisst. Jagen, Beute machen. Kommt selten derart Attraktives auf meine Reviere. Vielleicht könnten Sie mir behilflich sein, meine Hand wieder festzumachen? Geht ganz easy. Passiert mir dauernd. Man muss sich nur merken, wo einem die Körperteile abhandengekommen sind. - Abhanden - ein Brüller!"

Er haut sich aufs Knie; das fällt daraufhin ab. Jetzt beginnt auch der Regisseur zu schreien.

"Ich betrachte das als Szenen-Begeisterung. Auf dem Filmplakat möchte ich so 'n zugkräftigen Namen haben wie: Zombrini. Am besten, Ihr nennt mich fortan so, das gibt mir Individualität, die habe ich nötig; ist nicht gern gesehen in Deathdorado, dass man sich an Individualität klammert."

Er klammert sich an Annas Bein. "Ein Zombie rutscht auf den Knien vor Dir. Lasst mich verweilen bei einer Aufgabe, die wichtig ist."

Anna: "Es ginge ohnehin nur um eine Statisten-Rolle. Ich habe auch keine Vorurteile gegen Zombies. Einige meiner besten Freunde sind Zombies - bei denen muss jemand den Bewusstseins-Regler vor Jahren auf Minimal-Leistung geschaltet haben. Sie zombieren durch die Kulissen ihres Lebens. Mir sollte es nicht so ergehen - wollte meinen wachen Geist nicht betäuben lassen durch die Narkose der Gleichgültigkeit."

Zombrini: "Du bist ja recht aufgeweckt. Euer Film heißt 'Das Leben nach der Katastrophe' - aber es war auch eine Katastrophe für mich, aufzuwachen in Deathdorado, einer von Trillionen Städten, wo Mutanten sind, tote Aliens, alles, was Seele hatte - sie nehmen keine Rücksicht darauf, dass man Mensch gewesen ist, nur nach Deinem Seelenanteil wird Ausschau gehalten, wie groß ist die Seele, welche Färbung hat sie. Meine war hellblau - bedeutet, ich habe Freiheiten, darf wandeln zwischen den Welten, mich umschauen, dazulernen."

Anna: "Ich wüsste nicht, was ein Zombie bei einem Zombie-Film dazulernen sollte. Wir könnten von Dir lernen. Wir sind doch wissbegierig?" Sie stößt dem Regisseur Tony Nightmare in die Rippen. Der hält sich mittlerweile die Hand vor den Mund - und es kommt nur noch ein Wimmern.

"Ich nehme mich zusammen. - Das ist jetzt keine Übung; Ernstfall. Ich bin auf so etwas nicht vorbereitet! Ich präsentiere meinen Zuschauern Slapstick - ja, verglichen mit der Echtheit ist das, was ich an Shocking und Horror vorzuweisen habe, mau! Wieso erfahre ich erst jetzt von der Mitwirkungsmöglichkeit dieser phänomenalen Zombies? Kann man von Euch noch mehr engagieren?"

Zombrini: "Wenn Ihr nervlich fit genug seid für Deathdorado, dann können wir gleich aufbrechen. Aufbrechen - hah!"

Er bricht sich die Brust auf. "Toller Effekt."

Er klappt es wieder zu. "Angeber. Ja, ich bin schockiert", sagt Anna, "ich würde Dir High five anbieten, aber vermutlich flögen dann Deine Finger wild umher, und wir haben jetzt Besseres zu tun, als uns um die Vollständigkeit unserer Schauspieler zu kümmern. Deathdorado - kannst Du uns da reinschleusen?"

Zombrini deutet auf das Filmplakat. "Ihr habt schon Plakate ... Der Film unfertig; so wie ich; zurückgeworfen auf ein Niveau, wo Perfektion zu finden ist inmitten des Moders, des Zerfalls. Wenn einem nur Bewusstsein vergönnt wäre - dann könnte man es sortieren, sondieren, was Wert hätte. Noch einmal im Rampenlicht stehen, die Bühne der Welt für spektakulären Auftritt bekommen. Bekomme ich die Rolle? Ich würde mich hervorragend machen als Statist, mich in den Vordergrund spielen - so ganz beiläufig. Die Show stehlen dem Protagonisten ... Doch mein Manko: Ich schauspielere nicht, ich verkörpere den Horror. So bewertet Ihr es, wenn man zwischen den Welten passieren darf - ich bin kein Schmuggler, mir ist es gestattet, das Universum billigt es. Doch ob es Euch Passierschein zubilligt - billig wird's nicht ... Bin wie Charon, der Fährmann, er will nach Tarif entlohnt sein. Für Euch mache ich Extra-Preis, nutzt diesen Rabattcode." Er deutet auf einen Grabstein.

Tony Nightmare: "Kann ich den Obolus von der Steuer absetzen als außergewöhnliche Belastungen? Sich retten mit den Requisiten der Bourgeoisie, sich damit kostümieren. In Wahrheit laufen wir alle noch im Fell umher, aber Kultur kaschiert's - nur die Seele ist noch nicht fellbefreit, sie haust in prähistorischen Höhlen, noch nicht bereit zum Sprung aufs vorwärts stampfende Zivilisations-Ross, welches eine Retourkutsche nach sich zieht. - Das sollte ich in den Film mit einbauen: Was hat die Apokalypse Bedrohliches, wenn man mittels Rabattcode switchen kann zwischen den Welten - supergünstig. Da zittert Menschheit vor den Katastrophen, besorgt, in welcher Reihenfolge sie schauderhaft aus den Urtiefen kommen ... Wir wollen Deckel drauf halten, als ob man sie so daran hindern könnte, sich in weltliche Belange zu mischen. Sie steigen auf wie Nebel; apropos wie findest Du unsere Nebelmaschinen?"

"Kann ich besser." Zombrini lächelt.

"So wirkst Du viel zu sympathisch. Sei antagonistischer."

"Nö; macht doch mal 'nen Zombie zum Protagonisten. Wäre mal was Überraschendes. Ihr stapft in Klischees."

Zombrini führt sie zu einer Gruft. "Ist ein Portal. Man aktiviert es mit ..."

"Du siehst, ich hänge an Deinen Lippen, sprich weiter, ehrenwerter Zombie. Enthülle uns die Geheimnisse; ich könnte Dir im Gegenzug einen von meinen Mitarbeitern zum Fraß vorwerfen? Einige von denen sind entbehrlich. The show must go on."

Anna: "Das ist seltsam. Hier stand vorher keine Gruft. Und unsere beiden Namen sind auf dem Gedenkstein eingemeißelt."

Tony Nightmare: "Ich fühle mich nicht wie ein Grufti. Ich trage trendy Klamotten."

"Und die bewahren Dich davor, dass die Zeit, diese Gespielin, Dich body-checked?"

Tony Nightmare tastet sich ab. "Ich fühle mich zombisiert. Lässt sich das rückgängig machen? Für meine Karriere bin ich zum Mutieren bereit; sieht das auch gefällig aus?"

"Ich habe hier einen Taschenspiegel. Wir sehen beide aus, als könnten wir sehr gut mithalten mit Zombrini. Ist ja bald Halloween, dann fällt das kaum auf. Nur Mut."

"Anna, Du nimmst das verdächtig gleichmütig hin. Ist das abgekartetes Spiel? - Und Du, Zombrini, hör auf Zaubersprüche zu murmeln. Wo ist mein Buch: Voodoo für Dummies? Ich möchte mich wappnen mit starkem Gegenzauber; Ahnung haben, wie ich dem begegnen kann; mir Kompetenz aneignen."

"Dafür ist es jetzt zu spät", sagt Zombrini, "das Portal ist geöffnet, die Gruft ist 'ne Wucht. Habe Entscheidendes dazu beigetragen, dass es viele solcher Multifunktionals-Grüfte gibt: Portabel, flott im Aufbau - das geht schneller als ein Zelt. Könnte ich als Product Placement einige davon in Deinen Film einschleusen? Mein Markenlogo sollte gut erkennbar sein: Zombrini."

"Wir werden in die Gruft reingesogen, als seien wir Fussel. Ich habe etwas dagegen, ein Fussel zu sein. Kann man diese Saugwirkung abstellen? Weiß schon gar nicht mehr, woran ich mich festhalten soll."

"Zumindest nicht an meiner Bluse und meiner Brüsten. Lieber Tony, das geht zu weit. Wir waren ja so erpicht, das Portal durchschreiten zu dürfen, jetzt schreiten wir nicht, sondern wehen da hindurch. Vom Winde verweht - das ist höchst romantisch und sollte uns Anlass sein, dankbar zu sein für solch stimmiges Ambiente."

"Wir gehen hier drauf! Wie Sülze in Gelee - wie kann man da von Romantik sülzen? Ich fühle mich ganz schlabberig."

Zombrini: "Ist alles im grünen Bereich. Das übliche Prozedere. Das Portal tut sich auf - und was Euch zunächst wie eine Katastrophe vorkommen mag, das wird eine Mordsgaudi!"

Tony Nightmare: "Dein Wort in Gottes Ohren - oder sollte ich sagen: Deine Ohren in Gottes Wortreich? - Hier fliegen die Körperteile rum - und mir drängen sich makabre Wortspiele auf. Zombisiert meine Seele, schließt sie sich der Zombie-Mannschaft an, will sie in Deinem Team mitspielen? - Ich bin es gewohnt, Dramatik zu erzeugen in meinen Filmen - und das übertrage ich brav auf die Realität?" Er gibt sich eine Ohrfeige. "Ich fühle nichts! Schmerz verabschiedet sich, ohne mir Lebewohl zu sagen? Wir haben uns doch immer gut verstanden; Schmerz warnt mich vor Dummheiten. - Aber Weltschmerz ist noch da. Bin direkt erfreut, ihn an meiner Seite zu haben. Hand in Hand durchschreiten wir das Portal."

Anna: "Als Mimose? Wieso bist Du so verflucht stolz auf Deinen Weltschmerz? Sei tougher! - Ich finde Zombrini sehr aufmerksam; er überbringt uns Einladung."

Zombrini: "Ja, ich bin inzwischen Bürgermeister von Deathdorado. Ich habe die Stadt in der Tasche."

Hinter einem Grabstein zieht er einen Kultur-Beutel hervor. "Unsere Reisepässe und einige Utensilien: was der moderne und modernde Zombie zur Pflege nötig hat."

"Hat er Pflege nötig? Ich habe mich gefreut auf gepflegte Nachlässigkeit, Nonchalance."

"Das im Totenreich? Was wir planen - diese Aktion könnte einem Jules Verne Roman entnommen sein; das ist so geil; wir reiten uns in ein Abenteuer - davon habe ich schon als Kind geträumt, die Erwachsenen-Welt mit Kindergemüt und Warum-Fragen in ihren Grundfesten erschüttern!"

Zombrini: "Boah, Ihr strahlt so viel Intellektualität aus, als leuchte eine 1000-Watt-Birne in meine Birne. Aber kommt runter, Leute, Verstand ist nicht alles; überlasst Euch dem Gefühl, zieht es rein wie einen guten Joint."

"Fingert er tatsächlich einen Joint aus seiner Tasche? Ich will mir keinen Joint teilen mit einem Zombie!"

"Selber Zombie!"

"Da hat er nun wieder recht. Wir sollten uns bekiffen, dann wird uns das hier wie Routine erscheinen; cool, Mädel."

Der Regisseur hält Anna den Joint hin. "Okay, ein Joint Venture. Bündeln wir unsere Kräfte und hoffen, dass derweil nicht allzu viele Körperteile den Abgang machen. Aber wir können sie ja wieder festmachen, alles ganz easy. Leg los, Zombrini, öffne Portale; unser Film 'Das Leben nach der Katastrophe' ist fingiert - wir sind nicht ehrlich zu den Zuschauern, wir bieten vordergründige Aspekte, doch das Gruseln sitzt tiefer: Angst vor Verwandlung; Festhalten am Ich; da geht es nicht nur darum in 80 Tagen um die Welt oder zum Mittelpunkt der Erde zu gelangen, nein, wir wollen vorstoßen zum Ich, nicht stecken bleiben in der Peripherie, uns zufriedengeben mit Ahnungen: Erkenne Dich Selbst! Das ist der Imperativ, dem wir Folge zu leisten hätten, wenn wir das Leben ernst nehmen würden; doch wir weichen ihm aus. Gnothi seauton. Nosce te ipsum. Doch wir stehen nicht vor dem Apollotempel in Delphi, dies ist besonderer Tempel: gewidmet der Nacht, ihr gebührt Anerkennung; sie ist erholsam."

Zombrini: "Nun ja, ich weiß nicht, ob Millionen von Zombies Euch ein stimmiges Ambiente bieten können, sie sind versessen auf Bewusstsein; es ist gar nicht so sehr das Fleisch, was sie anlockt, das böten Säue auch; es ist diese Rohsubstanz, die rar ist im Universum: Bewusstsein wird gehandelt zu Höchstpreisen. Es ist das Dope in Deathdorado; satte Dröhnung - es sättigt den hungrigen Zombie."

Tony Nightmare: "Da fühlt sich mein Bewusstsein aufgewertet, und ich habe ihm Routine zugemutet. Wie geistlos. Geister haben Übermaß an Bewusstsein, wohingegen die Zombies das Körperliche noch haben, und wie ein Salamander können sie das Fehlende ersetzen, sich wieder beschaffen."

Anna: "Wohin würde ich nun lieber mutieren? Du scheinst beides zu haben: Geistreicher Zombie - süchtig nach meiner Nähe, dann küss mich."

Sie zieht ihn zu sich heran. Der Zombie zerfällt zu Asche.

Tony Nightmare: "Du bist zu heiß. Sage ich doch. Hättest mich küssen sollen. Dann wärest Du zwar noch immer Regieassistentin, aber mit diversen Boni."

Anna: "Wo ist er hin? Lässt uns hier angezombiet stehen." Sie schaut in den Taschenspiegel. "Bei Vampiren würde man sagen: Liebe auf den ersten Biss. Zombrini hat mich beeindruckt - wahrscheinlich, weil er meine Seele gespiegelt hat, ich mich wiederfand auf der Nachtseite, und ich mich nicht gefürchtet habe."

Bei diesen Worten verwandelt sie sich zurück.

"Das Zombiehafte lege ich ab,bin der zauberhafte Engel. Das Schlimmste für einen Moment imaginieren - es als Virtualität geistern lassen, ist das wie Impfen? Schutzkräfte in Top-Form bringen, sie ausstaffieren mit den neuesten Informationen, wie Top-Spione bereit zum Tarnmodus, Finte und Touchdown."

Sie schnappt sich den Kultur-Beutel des Zombies und stürmt damit in die Gruft. "Bahn frei - Deathdorado ich komme. Mein Job ödet mich an, hier liegt Abenteuer in der Luf. Nun ja, riecht eigenartig, aber das ist okay, wenn man bedenkt, dass Zombies diesen Gruft-Bahnhof frequentieren."

"Liebes, das ist nicht ein Hauptbahnhof - ohne Zombie-Magie ist es nur eine Gruft, ein Endbahnhof. - Wir sollten mit unserem Film weitermachen; mir scheint, wir sind auf dem richtigen Weg, wir haben etwas anzubieten: Horror. Horror gleichbedeutend mit Widerwille, sich mit etwas zu befassen - doch das ignorieren, einfach horrend sein: Das Übliche hinter sich lassen, dann schafft man es vom Bürgermeister von Deathdorado eingeladen zu werden - auch wenn er die Fliege macht."

Eine Fliege landet auf seinem Revers. "Lord of the flies - beschwören wir Beelzebub? Voll ins Nekromantie-Geschäft einsteigen."

"Von Geschäft zu sprechen, während Fliegen uns umkreisen, bekommt etwas Anrüchiges. Bullshit! Der Zombie hat uns sitzen lassen!"

Eine der Fliegen verwandelt sich. "Eins, zwei, drei, da bin ich wieder! Zombrini lässt Euch nicht im Stich, ich flieg auf Abenteuer-Mut, das lässt sich ausbeuten, für meine Zwecke. Huch, hat der Bösewicht zu viel verraten? Oder ist er ein Schelm, der es gut mit Euch meint - doch es nicht zugeben darf, da man als Bürgermeister einer Zombie-Stadt nicht zu gefällig sein darf? Schiss erzeugen, ja das ist mein Business."

Er hält Anna auf Abstand. "Du modifizierst zu stark meine Magie, dann muss ich einen Restart machen. Verzeiht die Unterbrechung - noch immer Interesse, als Tourist wie Orpheus den Trip zu wagen in einen der Vororte des Hades?"

Zombrini grinst; er ist bester Laune.

"Verwandeln sich die anderen Fliegen auch? Sollen wir warten, macht es gleich mehrmals 'Puff!' und die Grabsteine fallen um ...? Ich wäre bereit, umzufallen, meine Meinung zu ändern: Zombies sind süß. Und dass Du mich auf Distanz halten willst, macht Dich nur umso begehrenswerter."

"Ja, der Verblendungszauber: Man nennt ihn Liebe. Wo die Liebe hinfällt - sie kennt da kein Erbarmen - Grenzen haben ihr nie etwas gegolten. So ist die Liebe zu einem Zombie nachvollziehbar; und außerdem habe ich eine Dosis Liebeskraut in den Joint getan. Bringt die Ladys richtig in Fahrt."

Tony Nightmare: "Verkaufst Du mir davon 'nen Eimer?"

"Nutz die Shopping-Mall in Deathdorado - hier sind Rabattgutscheine - dafür erwerbe ich Anteile an Deiner Seele. Mein Seelen-Konglomerat ist wie Hedgefonds. Damit finanziere ich meine Zombie-Magie. Magie ist Luxus. Doch äußerst attraktiv für denjenigen, der über sie verfügen kann. Sie ist wie eine Geliebte, will auch dementsprechend viel Aufmerksamkeit, Zuwendung."

Tony Nightmare: "Ist ja so, als spräche ich mit meinem Aktien-Berater. Müsst Ihr das so geschäftsmäßig aufziehen? Wo bleibt das Faible, die Begeisterung für Horror? Ja, nee, is klar - das Leben ist wie ein Kiosk, es dominiert das Überflüssige, das angeblich Angenehme. Braucht man Süßigkeiten, Schnaps? Ich habe Horror zur Ware gemacht; verticke es."

Zombrini: "Zerfleische Dich nicht in Selbstvorwürfen, das erledigt schon die Transformation zum Zombie. Geht gut voran, Du machst gute Fortschritte; lässt Dich voll drauf ein. Respekt."

Er hält ihm die Faust hin. "Faust-gegen-Faust-Begrüßung ist hygienischer als das Händeschütteln."

"Du denkst nach über keimfreie Begrüßung?!"

Tony Nightmare rauft sich die Haare. Die fallen ihm büschelweise aus. "Uncool. Ich vermute, spezielle Hair-Conditioner erhalte ich nicht in Deathdorado, auch nicht für das Versprechen für ein Vorsprechen? Casting der Zombies - manchmal ist mir so, wenn mir die grottenschlechte Leistung der Schauspieler zusetzt ... Mein Regisseur-Kopfkino sieht die Szene in Ideal-Besetzung und das kollidiert mit der Realität. Stümper. - Ich engagiere alle Zombies vom Fleck weg! Horror, mit der Liebe zu Details."

Sie fassen sich bei den Händen und gehen zu dritt auf die Gruft zu, die vor ihnen zurückweicht.

"Sie soll stehen bleiben! Seit wann flieht eine Gruft?"

"Die beiden marmornen Engels-Figuren scheinen zu kichern. Sie haben sich würdig zu benehmen. Wieso braucht eine Gruft Verzierungen? Pomp - ankündigen, dass jemand Bedeutsames auf der anderen Seite erscheinen wird. Als Referenz."

"Bekundet Reverenz, seid ehrerbietig.

Denn es vergrimmt die Ewigen, wenn Ihr

der weihevollen Stätte mit Gekicher

Euch nähert; Cherubim bewach'n Portal."

"Du Spaßbremse!"

Tony Nightmare haut mit beiden Fäusten gegen die Cherubim-Statuen. "Seit wann lass ich mir Statuten von Statuen vortragen? Gibt es Vorbehalte, dann nur heraus damit. Ist mein Ansehen als Regisseur nicht maßgeblich? Was habt Ihr geleistet? Klemmt Eure Flügel zusammen und salutiert vor dem Meister der Regie."

Anna: "Dein Timing ist ungünstig. Wir stehen als drei Zombies vor makelloser Schönheit. Da knickt man doch ein, macht Kratzfuß."

Tony Nightmare: "Marmor, Stein und Eisen bricht - aber dieser Zombie nicht. Übel ist mir schon. In Sphäre des Tierischen sich begeben, damit das Göttliche im Menschen deutlicher wird, als ob man Schwarzlicht anmacht - gespannt, ob etwas fluoreszieren wird."

"Willkommen sind die Spötter; sind's die Retter?

Das Zombieland bereisen, habt kein Visum.

Die Ordnung hüten wir, sind Bürokraten.

Dem Chaos zu begegnen - lasst Euch raten:

Bewaffnet Euch mit Formularen. Dann wird

Zerfall dokumentiert. Man weiß, woran man ist."

"Na, wenn das deren einzige Sorge ist."

Er füllt die Papiere aus, die aus der Gruft wehen. "Als ob ich Herbstlaub beschriften würde; dem Zerfall anheimgegeben, und dennoch sich erneuernd, sich regenerieren - das ist die Zombie-Devise! Ihr werdet mir immer sympathischer. Verstehe Euch recht; es ist wohl wahr, man muss teuflisch sein, um den Teufel zu verstehen. Und mangelt es uns daran? Nicht bereit, Gott zu verstehen, weil uns die Welt fasziniert, wir nichts freimachen wollen für Gottes Krempel? So ist uns zumute - es sind göttliche Artefakte, hehr, schön; aber welchen Wert hätten sie in irdischen Belangen? Man eifert nach Greifbarem, Vorzeigbarem. Da bleiben Altar-Raum, Tempel auf der Strecke; man nimmt es sich vor: Eines Tages wird das eingerichtet; doch die Zombies machen konkretes Angebot: Das Grauen fasziniert und lockt. Jedermanns Leben eine Katastrophe, bevor man sich zu Gott bekennt. Aber wie uncool ist das Gute, wie schwer vermarktbar. Vielleicht gelingt es mir, die Faszination des Schauderns zu verpflanzen ins Paradies? - Ist das eine Euch würdige Antwort? Dann lasst uns passieren, sonst passiert etwas. - Drohung kombinieren mit anmaßendem Verhalten, das überzeugt die Türsteher ... und der Obolus."

Zombrini nickt beifällig. "Ich nicke nicht allzu heftig, der Kopf macht sich sonst auf und davon. Kopflosigkeit ist zwar groß in Mode, doch nur die Konzentration lässt uns die hauptsächlichste Frage überhaupt finden."

Anna: "Lass Dich knuddeln, Zombie." Sie singt das Lied von Elvis Presley: "Let me be your teddy bear."

Zombrini flüchtet vor ihr zu den marmornen Engeln der Gruft. Anna und Tony Nightmare folgen ihm. Ein Wirbel erfasst sie - nächste Station: Deathdorado. Zombies bitte zurücktreten, wenn der Diesseits-Express im Höllentempo hereindonnert oder reinzuckelt - kommt darauf an, wer am Führerstand sitzt: Tony Nightmare kabbelt sich darum mit den Cherubim.

ENDE

Nur 5 Sekunden

Unsere TV-Sendung heißt 'Nur 5 Sekunden'. Passanten erhalten die Möglichkeit, Statements abzugeben wie die Politiker, gefragte Promis. Gefragt werden, was man verkünden möchte. 5 Sekunden Ruhm, man lasse es sich auf der Zunge zergehen. Aber es gibt vorher nur eine Minute Bedenkzeit. Wir setzen sie unter Druck, so wie die gute Fee mit dem Zeitdruck-Trick arbeitet, damit die drei Wünsche im Rahmen bleiben. Und es ist ja vor allem für die Intuition gedacht, sie soll hier ihre Bühne bekommen; ihr Auftritt. Wenn das Unterbewusstsein sich entscheiden darf, dann trifft man meist die besseren, beständigeren Entscheidungen. Das Bewusstsein ist launisch, vom Moment abhängig, hat nicht so ein Empfinden für das, wonach das Ich eigentlich lechzt. Gut, das hört sich jetzt an, als bieten wir eine Oase; aber man könnte es mit Wüste vergleichen, wenn die eigene Meinung, das eigene Dafürhalten keine Sau interessiert - man stapft durch ein Gebiet der Ignoranz - trara - und da fragt einen ein Reporter, ob man was zu sagen hätte - so aus dem Stegreif; eigentlich unfair; Politiker haben Wochen Zeit, sich entsprechende Floskeln ausarbeiten zu lassen.

Nach einiger Zeit bildet sich normalerweise eine Traube: Alt und Jung wollen nun von der Last des Lebens einmal ruhen und ihre Meinung kundtun; besser als Freibier. Erholung durchs Reden - man muss nur die Verlegenheits-Hürde überspringen. Ich versuche, es den Leuten leicht zu machen. Muss ihnen aber oftmals das Mikrofon aus den Händen hauen; nicht loslassen können, trunken vom Aufmerksamkeits-Glück, aus dem Schatten der Unbedeutsamkeit heraustreten - erahnen, wie es sein könnte, wenn man einer derjenigen wäre, die zu allem und jedem befragt werden, in der Annahme - wie bei der Eule in der Fabel -, dass dort Weisheit zu ernten wäre. Wäre eine Abwechslung zum üblichen Undank.

Erstaunlich, wie viele das für Grüße nutzen; da hat man die Chance für was Weltbewegendes, aber man grüßt Oma Erna.

Heute ist es besonders interessant: Das von mir angesprochene Pärchen erfährt einen gehörigen Schub in seiner Paardynamik. Er fällt vor ihr auf die Knie - nicht, ohne sich vorher seine Jacke als Kniepolster hinzulegen.

"Bernadette, willst Du mich heiraten?"

"Sie hätten noch drei Sekunden, um das mit einigen Argumenten zu untermauern." Ich halte die Stoppuhr in der Hand. Wahrscheinlich will er den Druck der Öffentlichkeit nutzen, um sie in die gewünschte Richtung zu stoßen. Sie ist am Überlegen. Ich erinnere sie daran, dass sie die eine Minute Bedenkzeit voll ausschöpfen kann, dann aber bitte etwas möglichst Pfiffiges formulieren, wir wollen ja die Zuschauer nicht langweilen. Sie erwidert, es ginge ja immerhin um ihre Zukunft. Würde sie bei Amor auch solche Sperenzien machen? Sie könne hier keine Liebespfeile spüren - und außerdem fange es an zu regnen. Ich leihe ihr meinen Schirm.

Ein Weltverbesserer drängt sich vor. Er habe tolle Erfindungen - die seien jetzt noch im Lego-Stadium, aber relativ leicht umzusetzen in industriell gefertigte Massenprodukte. Er hält Fotos davon in die Kamera. Launiges Business.

Ein Soziologie-Student fragt: "Darf man auch was Ordinäres äußern?" "Nur zu", wir entscheiden im Regieraum, was Verwendung findet. "Dann würde ich gerne meine Ex-Freundin beschimpfen; trau mich aber nicht." Er zeigt mir ein Foto von ihr - und ich lasse mir ihre Handy-Nummer geben. Könnte ja sein, dass ihr sprunghaftes Verhalten zu meinem Vorteil sein könnte, wenn sie um ein Date verlegen ist. Hilfreich sei der Mensch, edel und gut - wenn es denn die Zeit zulässt. Die übrige Zeit steht für Verfehlungen aller Art zur Verfügung. Herrlich.

Der Student mosert in die Kamera - schon seit einer gefühlten halben Stunde. Da fällt mir ein neues Sendekonzept ein. 'Laus über die Leber gelaufen' - könnte man in einem Restaurant filmen.

Das Pärchen streitet sich. Er sagt, sie sei eine blöde Kuh, und er wolle den Verlobungsring zurück. Sie: Das sei nur ein Dosenring - und seiner Spontanität würde es an Charme mangeln ... Und Preziosen seien nicht nur etwas für Biedermänner und Biederfrauen. Luxus sei Wertschätzung. - Dann leiste er sich den Luxus, ihr gleich zwei Stinkefinger zu zeigen. Die Sendung bekommt Dynamik - habe ich allerdings auch etwas provoziert, indem ich ihr zuflüsterte, sie könne doch was Besseres haben. Ja, so geht das zu im Fokus öffentlichkeitswirksamer Turbulenzen. Man muss für Bewegung sorgen ... Um nicht zu sagen, die News selber anbauen. Ja, ein News-Agrartechniker. Als Dünger sind Pamphlete geeignet. Aber dank Political Correctness haben wir ja ohnehin alle dieselbe Meinung. Keine gute Zeit für Witze, ihnen fehlt der Nährstoff.

Ich würde mir gerne das Mikrofon schnappen und die ganze Sendezeit für mich beanspruchen - aber ich ramme es dem Mann unter die Nase, der mir ständig auf die Schulter tippt; er habe ein dringendes Anliegen; na gut, Hartnäckigkeit soll sich bezahlt machen, ist auch meine Devise. Ich fordere die Umstehenden auf, zu raten, wie sein Statement lauten wird. Aber er scheint sich darüber selber noch nicht im Klaren zu sein - es ist dieser Wunsch, sich artikulieren zu dürfen und die Welt hört hin - sie hört normalerweise nicht zu, man giert nach Aufmerksamkeit. Der Weihnachtsmann könnte Geschenke und Geschenkpapier einsparen, wenn er das Geschenk des Zuhörens im Angebot hätte. Aber dann müsste Rentier Rudolph zur Therapie, weil er ihn einspannen würde als Power-Dauer-Zuhörer - völlig zugedröhnt - so fühle ich mich mittlerweile, dabei mache ich die Sendung erst seit Monaten. Was ist nach Jahren? Diese Sendung darf kein Erfolg sein!

Ich spreche langweilige Menschen an, doch die entpuppen sich als interessant. Wenn man sie nur lässt ... Es ist, als wäre das der Tag der Schokoladenseite. Man präsentiert sich wach, alert. Mein Kameramann gähnt. Wir sind wie der überforderte Weihnachtsmann; wir sollen das Geschenk der Wichtigkeit parat haben - und doch könnte man jetzt gemütlich am Nordpol den 364-tägigen Urlaub genießen.

Ein Kunde kommt aus der Bank gerannt. Wie sich herausstellt, befindet er sich auf der Flucht und möchte nicht gefilmt werden. Ich biete ihm trotzdem die Möglichkeit, die Welt um eine 5-Sekunden-Aussage zu bereichern. Geldscheine flattern herum; das habe sich wohl gelohnt, aber Eile mit Weile. "Haltet den Dieb!", ruft ein Bankangestellter. Wie unorginell. Ob er seine Sendezeit nicht raffinierter nutzen wolle? Auch die kurze Zeit später auftauchenden Polizeibeamten ergehen sich in stereotypen Äußerungen - ich ermuntere sie, was Tauglicheres beizusteuern.

Ein Kioskbesitzer fragt, ob er seinen Werbespruch verkünden darf. Ich biete ihm an, dass er einer Studentin einen Heiratsantrag macht, aber das Arrangement verzögert sich, weil sie im Gegenzug ein Gratis-Jahresabonnement vom Stern haben möchte. Im Gegenteil, er erwarte eine Mitgift - sie albern noch eine Weile herum, kommen sich tatsächlich näher. Mir ist, als würde mir Amor auf die Schulter klopfen: Sein Job scheint gar nicht so schwer zu sein. Aber ich habe auch die Möglichkeiten des Zaubermediums der Medien. Es reißt Menschen aus ihrem Trott, Gedanken auf Trab bringen, beschlagen sein - und den Parcours meistern, den das Leben bereitstellt. Nicht scheuen.

Um wie viel größer erscheint einem das Jahr, wenn man es parzelliert in 5-Sekunden-Land. Darüber nachdenken, wie man die Sekunden würdigt. Was lässt man ihnen zukommen an Bedeutungsvollem? Hat man davon so viel?

Was würden Sie vom Leben fordern, was den Menschen mit auf den Weg geben, wenn man Gelegenheit hätte für 5 Sekunden Zauber-Botschaft, die tatsächlich gehört, erhört wird?

ENDE

Michael Kohlhaas und Heinrich von Kleist in Wut-Therapie

Gruppenleiterin Amanda: "Also, Ihr beiden, was führt Euch zu uns? Überbordende Wut ... Ich sehe, der eine ist fiktional, der andere dessen Autor. Seltsames Gespann. Was versprecht Ihr Euch von dem Seminar? Wir Psychologen sprechen von Bewältigungsstrategie, Copingstrategie. Für die anderen: Michael Kohlhaas und sein Autor Heinrich von Kleist - die jetzt bitte mal aufhören, sich zu kabbeln."

Etwa ein Dutzend Leute sitzen auf Stühlen im Kreis.

Gruppenleiterin Amanda: "Dies ist ein Versuch im Rahmen unseres Modernisierungs-Programms. Das Fegefeuer mal für eine Weile ausschalten - stattdessen Therapie. Mal sehen, ob es was bringt. Die Seele fit machen für eine der Parallelwelten. Michael Kohlhaas, aus nichtigen Anlässen zoffst Du rum mit der Welt. Findest Du das okay?"

Michael Kohlhaas haut Heinrich von Kleist eine rein.

Michael Kohlhaas: "Ich gehöre hier nicht her; ich komme aus einer Novelle, seiner Fantasie entsprungen. Der meint doch, er habe die Hoheit über mich; als ob ich ihm Deutungshoheit über einen so wichtigen Protagonisten zugestehen würde. Nicht mit mir! Und wenn ich ganz Sachsen und Brandenburg ins Verderben führe, ich will Gerechtigkeit!"

Gruppenleiterin Amanda: "Ja ja. Wir haben die beiden Rappen hier, um die es geht. Wollen wir die ganze Szene nachstellen?"

Sie bittet die beiden Rappen, auf den Stühlen Platz zu nehmen. Die Stühle gehen erstaunlicherweise nicht zu Bruch.

Gruppenleiterin Amanda: "Solides Material. Während der Therapie-Sitzung - und weil es bisher so fabelhaft läuft - bekommen die Pferde die Genehmigung zum Sprechen - wie in den Fabeln. Man kann von Fabeln viel lernen. Das ist Neuland für uns - und ich bitte alle Beteiligten, mich hierin zu unterstützen und mir im Nachhinein bitte eine gute Bewertung auf diese Zettelchen zu schreiben."

Heinrich von Kleist: "Das ist völlig absurd! Dafür habe ich mich nicht umgebracht, um fit gemacht zu werden für Parallelwelten - mich nochmals dem Ärgernis des Lebens zu stellen, zu erfahren, dass man sich Mühe geben kann und dennoch ist alles vergebens. Sogar meine Protagonisten sind gegen mich. Ja, ich hätte es diplomatischer angehen müssen."

Gruppenleiterin Amanda: "Wir empfehlen Resilienz - psychische Widerstandsfähigkeit. Eine Ahnung, wie man sich derlei Ressourcen anlegen kann? Das ist eine Frage an alle, ich bitte um Handzeichen."

Einer der Rappen hebt den Huf.

Rappe: "Es war schrecklich bei dem Junker Wenzel von Tronka. Wie kann Heinrich von Kleist uns das antun? Wer erfindet so was? Ich fand das voll okay, dass der Michael in Rage geriet. Herrlich, seine Wut war nicht von Pappe."

Heinrich von Kleist: "Rappe, halt die Klappe! - Ich hatte gehofft, das Käthchen von Heilbronn befände sich auch hier. Stattdessen Sidekicks."

Michael Kohlhaas: "So provokativ würde ich das jetzt nicht in unmittelbarer Hinterhuf-Nähe eines Pferdes formulieren. Kick it like Beckham ... Beckham, so heißt der Rappe."

Gruppenleiterin Amanda: "Gießt Euch erst mal Nektar ein."

Heinrich von Kleist: "Das kleckert. Sehr witzig. Der zerbrochne Krug. Undichter Krug, mehrfach geflickt - so kommt mir meine Seele vor. Und so soll ich neu antreten? Aber erfreulich, dass es meine Texte geschafft haben, als verhasste Pflicht-Lektüre in den Schulen eine sonderbare Existenz zu führen. Goethe hat den zerbrochnen Krug zerdeppert, der Depp. Wie lieblos er das inszeniert hat in Weimar."

Gruppenleiterin Amanda: "Vergebung kann man lernen."

Michael Kohlhaas: "Aber ist es nicht schöner, jemandem gram zu sein? Wie viel Energie wird da frei? Die würde man ansonsten nicht nutzen. Immerhin erlangte ich damit Berühmtheit; wer wäre ich ansonsten? Ein Rosshändler, wie es Tausende gab. Doch Wut katapultiert mich in literarische Höhen. So wie Achill - der Ruhm ist wichtig - und man erlangt ihn nur, wenn man sich selbst vergisst, wenn man außer sich ist - sei es vor Entzücken, vor Wut, vor Begeisterung für eine Sache. Solange man identisch mit sich ist, steht man eigentlich neben sich, man ist sein eigener Schatten. Man muss sich lösen vom bisherigen Konzept - die Wut ermöglicht es; sie erhebt und adelt den Menschen. Man wäre larmoyant, selbstgenügsam, bescheiden. Doch Wut - wie ein Katapult - lässt einen Burgmauern überwinden, gibt Spannkraft, Zerstörungskraft. Man muss zerstören, wenn man wahrlich kreativ sein will. Das Alte nutzen als Baumaterial, es umformen. Als ob Troja immer neu entsteht - Schicht über Schicht – Veränderung. So geht es auch der Seele, sie hat Schichten unter sich, die obsolet sind, doch die Wut treibt uns voran zu schönen Ergebnissen. Die Unzufriedenheit, das Beleidigtsein, der Hass - daraus lässt sich Formidables bauen; dem vertrauen. Ich habe es getarnt als Gerechtigkeits-Modus. Doch es hat mich herausgeführt aus bürgerlicher Enge in die Weite des Rebellen-Daseins. Der Welt Rebell sein, sich auf die Hinterhufe stellen - die Rappen wissen, wovon ich schwärme."

Rappe Beckham: "Sonderbarer Schwärmer. Wut lässt vergessen, dass man fiktiv - dass man ausgedacht und ausradiert wird - dennoch fortbesteht, sich klammert an Buchstaben - auf ihnen entlangläuft - das ist die Weide, gibt Festigkeit. Buchstaben - seien es Gene, artifizielle Symbole, große Lettern, kleingedruckte Resümees. Darum geht es doch bei dieser Veranstaltung: Ein Resümee ziehen, damit der Vorhang wieder aufgehen kann; dazulernen. Doch Kleist behauptet, dass diese Unordnung nicht geeignet sei, um irgendetwas von Wert darauf zu errichten. Deshalb sein Rückzug, sein Freitod, der dann doch wieder nicht so frei war, da ja die Umstände ihn auf Bahn bugsierten, die von ihm nie angestrebt. Doch wohin strebte er? Ein Suchender, auf Ruhm aus, jemand, der nicht willens ist für Vergebung; der sich selbst so unter Druck setzt, dass er tatsächlich erwartet, es entstünde dadurch ein Diamant?"

Heinrich von Kleist: "Ich weigere mich, von einem Pferd mich derart belehren lassen zu müssen."

Rappe Beckham: "Das ist gehupft wie gesprungen - ich entspringe Deiner Fantasie. Du hast mich in die Novelle hineinverfrachtet, dann komm auch mit den Konsequenzen klar! - Außerdem wäre ich auch sehr dafür, dass wir nun das Käthchen von Heilbronn hinzubitten, sie ist eine Pferdenärrin."

Gruppenleiterin Amanda: "Ich hatte eigentlich gedacht, dass wir dem Martin Luther die Chance geben, uns seine Version aufzutischen. Wollen wir ihn hereinlassen?"

Martin Luther kommt mit einem Tisch herein.

Rappe Beckham: "Das sollte 'Tusch' heißen, nicht 'Tisch'. Wer führt denn hier Protokoll?"

Martin Luther: "Hier, Michael Kohlhaas, die Regie sagt, ich soll Dir dieses leere Blatt Papier geben. Du kannst ja so tun, als stünde was Bedeutendes da drauf."

Michael Kohlhaas nimmt das Papier feierlich und heftet es an die Pinnwand.

Michael Kohlhaas: "Oh ja. Wie passend. Ich zitiere aus der Novelle, Seite 45:

'Aber wer beschreibt, was in seiner Seele vorging, als er das Blatt, dessen Inhalt ihn der Ungerechtigkeit zieh, daran erblickte: Unterzeichnet von dem teuersten und verehrungswürdigsten Namen, den er kannte, von dem Namen Martin Luthers!'"

Heinrich von Kleist beugt sich zu ihm rüber.

Heinrich von Kleist: "Welche Ausgabe hast Du? Ach, Reclam. Kleine Schrift, scheußliches Gelb. Das hat so etwas Lebensfrohes. Passt nicht zu meiner derzeitigen Stimmung. Ich soll mich auf Vergebung vorbereiten; wie ist mir das zuwider! Gut, ich könnte in Gegenwart des Martin Luther so tun, als ginge es mir um Religion - aber dieses Seelenbusiness geht doch nur mich etwas an. Ich komme mit mir selber nicht klar. Wie kann man auf Ruhm so versessen sein? Als ob der Applaus meine Seele kitten würde. Ja ja, der zerbrochne Krug. Michael habe ich eingeschworen auf die Wut - aber ich muss es gestehen, die Unzufriedenheit diente mir gut. Instrumentarium, um das zu erreichen, wohin meine Größe alleine nicht hingelangt wäre, so weit ich mich auch gestreckt, gereckt hätte. Das Bisschen, was fehlte - oder vielmehr die enorme Strecke -, das oblag der Unzufriedenheit, sie wirkte wie Trampolin. Was für Elastizität, um wie viel höher kam ich mit ihr! Ich hätte Birnen von den höchsten Birnbäumen pflücken können, den Apfel der Erkenntnis - und ich hätte weiter springen sollen, höher; und da kommst Du mir mit Vergebung, Aussöhnung mit der Welt? Wie lethargisch würde ich mich lümmeln in Selbstzufriedenheit - und untätig sein - gleich einem Meditierenden. Doch hat es mich zerrissen - es war um den Preis des Erschießens; bescheuert. Wähnte mich glücklich - statt mir Übersicht zu bewahren, die Kräfte gegeneinander auszuspielen, und ihr Meister zu sein. Ja, Seele will neue Chance! Seele zieht es hinaus in neue Novellen-Abenteuer. Doch Zeit ist für Blankvers wohl mehr als ungünstig?"

Martin Luther: "Mir ist meine Rolle noch nicht ganz so klar. Soll ich jetzt dem Monolog des Herrn Kleist Beifall zollen? Ich hätte da erhebliche Einwände. Ich bin ohnehin Gastredner hier - mit dem Fegefeuer habe ich nichts am Hut. Unsereiner hat Logen-Platz. Sehen manche Päpste anders."

Rappe Beckham: "Wobei zu klären wäre, inwieweit Pferde eine Seele haben - und wenn ja, ob sie größer ist als Eure, da es sich mit den Köpfen ja so verhält."

Er schüttelt bedeutungsvoll seine Mähne. Michael Kohlhaas niest.

Michael Kohlhaas: "Eine Pferdeallergie. Ja, recht unwahrscheinlich bei einem Rosshändler, aber wir sind im Grenzgebiet zur Fabel. By the way: Ich wehre mich dagegen, allegorisch verwendet zu werden. Für alle Zeit Inbegriff der überschäumenden Wut. Bin doch kein Bier - ich bin eher ein Prosecco. Wurde mir eben in der Lounge angeboten - hat wohl den Zweck, mich redseliger zu machen. Ist das Eure Art, Versöhnungsstimmung anzuleiern? Klappt hervorragend."

Er gibt Martin Luther einen Kuss auf die Stirn. Der scheppert ihm eine.

Michael Kohlhaas: "Mit solcher Gewalttätigkeit gibt es doch noch Überstunden im Fegefeuer."

Er droht ihm neckisch mit dem Zeigefinger.

Gruppenleiterin Amanda: "Das sind ja schöne Fortschritte. Freundliche Gesten. Das wird meine Vorgesetzten freuen. Uns liegen Bewerbungen vor von bedeutenden Romanfiguren, denen es im Fegefeuer langweilig ist. Seelen-Rettung auf die nette Art."

Rappe Beckham: "Ach was, Läuterung nach Schema F. Wir diskutieren zu wenig. Sind zufrieden mit dem erstbesten Ergebnis. Steh Du mal Ewigkeiten auf 'ner Weide rum; die Worte sind nur was für Seelentiere? Und ich habe es durchgeboxt, dass ich Sprecherlaubnis habe, freie Wortwahl; ich könnte auch was Obszönes von mir geben - oder fluchen. Fluchen wird doch empfohlen zum Stressabbau. Los, fluchen wir!"

Rappe Beckham steht auf und fordert sie mit seinen Vorderhufen zu rhythmischen Sprechchören auf.

Rappe Beckham: "Sprecht mir nach: ..."

Amanda hält ihm die Schnauze zu.

Der andere Rappe sagt: "Statt Revolte, Volte reiten. So endet es ja stets: im Kreis. Die geschundene Kreatur wird aufgepäppelt, hat sich einzufinden zum Versöhnungsgespräch, bei dem aber auf exakte Wortwahl zu achten ist. Das ist unkreativ und unhöflich. Höflicher ist es, die Unhöflichkeit zu gestatten."

Martin Luther: "Ich dachte, ich bin paradox. Aber der Welt kann man eventuell tatsächlich nur mit einem Höchstmaß an Widersinnigkeit beikommen."

Heinrich von Kleist: "Ist doch mein Reden. Ich nenne es meine 'Kant-Krise'. Zu erkennen, dass der Verstand ja gar nicht in der Lage ist, das alles zu überschauen, sich dienstbar zu machen; dass er nicht der allgewaltige Herr ist, der die Ländereien der Zukunft absteckt, dass Gefühle verheerenden Ausmaßes über die Lande ziehen, und man steht inmitten dieses Unwetters, das man sein Leben nennt. Goethe ragte mir hervor wie ein Leuchtturm; es war ein Riff, nur ein Riff."

Gruppenleiterin Amanda: "Okay, machen wir in der nächsten Stunde weiter. Vielleicht könnte jemand Prinz Friedrich von Homburg Bescheid sagen, dass seine Anwesenheit von Vorteil wäre - für mein Wohlbefinden. Ich muss ihn ins Kreuzverhör nehmen."

Rappe Beckham: "Ach, nennt man die Dates heutzutage so?"

Sie zieht ihm eins mit der Peitsche über.

Michael Kohlhaas: "Wut macht Dich charmanter. Schau an. Warum soll man gegen Wut rebellieren? Aber die Kraft, die in der Vergebung steckt, kann Wunder vollbringen. Man wundert sich über das vorige Selbst. Größer ist man als zuvor; eine Nummer größer, gewachsen durch Überwindung dessen, was einen begrenzt - und dem man sich tatsächlich widersetzen sollte. Keiner hat gesagt, dass es einfach sei - doch besser ist es, vergebens die Vergebung zu versuchen, als sich gar nicht erst darum zu bemühen. Es bleibt eine Spur zurück, es ist für die Seele erkennbar, in welche Richtung man möchte - und nach und nach willigt sie ein; abgerungen ihr das Einverständnis. Ich will mich darum bemühen. Warum die Gerechtigkeit zuoberst setzen - und alles andere vernachlässigen? Ein Vorwand, da ich eigentlich beschämt war, dass das Leben mir so etwas antun mochte."

Gruppenleiterin Amanda: "Das sind schöne Erkenntnisse. Psychotherapie statt Fegefeuer - das könnte ein Erfolg werden."

"Heiß", meint Michael Kohlhaas, wobei unklar bleibt, ob er es auf ihre Bemerkung oder auf sie bezieht.

Gruppenleiterin Amanda: "Ein Wechsel zum Anzüglichen? Meine Präferenzen sind schon festgelegt. Wütende Rosshändler gehören nicht dazu."

Michael Kohlhaas ballt die Fäuste.

ENDE

Der Lösung auf der Spur - Matt und die Muse Euterpe

Euterpe: "Ungewöhnlicher Ort für ein Date: Schachcafé."

Matt: "Das ist kein Date. Ich weiß gar nicht, warum Du Dich an meinen Tisch gesetzt hast. Ich bin Mathematiker, kein Romantiker."

Euterpe: "Du hast Dich verrannt.

Deswegen eile ich herbei vom Parnass,

erweck den Dichter in Dir.

Halt mein Händchen - fass

die Muse an, gehör ganz Dir."

Matt: "Ich finde das sehr aufdringlich. - Wir könnten immerhin eine Partie Schach spielen - lenkt mich ab von meinen Problemen. Ich komme im Job nicht weiter. Ich komme mir vor, als stünde ich vor der Weltformel, dabei geht es um simple Berechnungen; es ist in letzter Zeit, als verrechne ich mich, als fügten sich die Formeln nicht mehr meinem Hexenmeister-Impetus. - Wie rede ich denn? Bin doch kein Mittelalter-Alchemist, aber genau in die Zeit fühle ich mich hingezogen, als öffne sich ein Zeitfenster."

Euterpe: "Gut, lass uns Schach spielen. Ich merke, dass meine Gegenwart was bewirkt. Lass den Zauber wirken. Ich bin Euterpe; Muse der Dichter und die Deinige."

Matt: "Völlig falsche Muse. Wenn, dann müsste es Kalliope sein, Muse der Wissenschaft."

Euterpe: "Wie stur der Knabe ist, muss ich ihn strafen?

Das Zahlenreich macht Dir zu schaffen?

Was hat das Zahlenreich zu tun mit Welt?

Es den Worten zufällt,

die Gleichungen zu erstellen, die die Welt erklären.

Welt muss sich dem Dichter erklären,

wenn er die Zauberworte spricht.

Das lehr ich Dich - und Du, Du sei erpicht,

von der Meisterin zu lernen, gibt auch Musenkuss.

Man ahnt's, man weiß, es ist ein Hochgenuss.

Je näher Du mir bist - umso sicherer findest Du die Worte,

und das passende Gefühl. So bleib! Du bist am rechten Orte!"

Matt springt auf, sein Stuhl kippt um. Ein Fenster des Schachcafés öffnet sich. Die übrigen Personen im Schachcafé behalten ihre Position bei.

Matt: "Warum bewegt sich keiner mehr? Ist ja gruselig. Ist das so ein Zeitzauber?"

Euterpe: "Die Zeit hat Zeit für den, der mit der Muse tanzt. Den Rhythmus suchst Du aus, doch ich tippe mal auf Bossa Nova. Ich, als Dein neuer Boss."

Matt fällt hin - und sie setzt ihm ihren Fuß auf seine Brust.

Matt: "Das sind überzeugende Argumente. Zeitzauber beherrscht nicht jeder. Aber ich habe mit Dichten absolut nichts am Hut. Muss 'ne Verwechslung sein. Würde ich allmählich bedauern. Weißt Du was: Ich versuch einfach zu dichten; wenn Du so wild darauf bist. Kennt denn Welt die Formeln? Oder ist es so wie bei einem Muttersprachler: Man kennt das Regelwerk nicht, es genügt, in passender Umgebung aufzuwachsen? Vielleicht gilt das auch für den Mathematiker? Falsche Umgebung. Ich gehe den Umweg übers Regelwerk."

Euterpe: "Sprache erfindet sich selbst. Lass die Formeln sich besinnen, dann ordnen sie sich zueinander. Es ist was Magisches mit der Eigendynamik - man steht daneben und ist ein Staunender. Die Sprachen bieten sich den Menschen an, sie haben sich aufgetürmt ganz brav allein. Trauen wir das den Zahlen zu, dass sie hineilen zum adäquaten Variablen-Komparsen. Die Lösung nimmt ihre eigene Fährte auf, das ist die Losung!"

Matt: "Bullshit! Ich war der Lösung auf der Spur. Ist das Auftrag der Menschheit? Rätsel-Tüftler? Deswegen das Übermaß an Verstand?"

Euterpe zieht ihn zu sich hoch.

Euterpe: "Wenn wir im Parnass wären, würde ich Dir Kastalisches Quellwasser anbieten.

Von Musenhand kredenzt

Dichtergabe wächst ins Ungeheure - unbegrenzt.

Doch Champagner tut es auch.

Papa Zeus erlaubt es auch."

Sie schnipst mit den Fingern - und die Gäste im Schachcafé führen ihre Aktivitäten weiter fort, als wären sie nie darin unterbrochen worden.

Matt: "Den Trick muss Du mir beibringen. Sehr praktisch im Büro."

Euterpe: "Ich habe Dir ein Geschenk mitgebracht. Ein güldener Krug - von Aldi. Nein, von Hephaistos, einem Metallkünstler; wirklich groovy. Ein Zeus-Sohn; aber wer ist das nicht? Zeus ist sehr rührig in dieser Richtung. Man kann sich nie sicher sein, dass er es nicht ist: Mal als Tier, mal als guter Nachbar - Zeus ist schon ein Unikum. Bemüht darum, dass es ihn vielfach gibt - Kopien von ihm in allen Ländern, in allen Welten. Soll man ihn deswegen schelten? Übrigens: Er will Mathe-Nachhilfe von Dir. Auch ein Grund, weshalb ich hier bin. Du kannst gut erklären. Zeus versteht die Welt nicht mehr. Ist so, wie du gesagt hast: Als Muttersprachler kennt man nicht unbedingt das Regelwerk. Und Zeus ist weit davon entfernt, sich an die Regeln zu entsinnen, nach denen er verfahren ist. Es war eine Sache der Intuition. Ein genialer Wurf, ein Einfall hier und da."

Matt: "Ich als Mathematiker soll ihm die Welt erklären? Ein Scherz?"

Euterpe: "Deswegen mein Bemühen, Dich vertraut zu machen mit dem Dichterwort. Zeus vernimmt es gern, und es erleichtert ihm das Verständnis. Komm ihm bloß nicht mit Internet und verweise ihn nicht auf Wikipedia.

Die Schönheit und die Wissenschaft will er im Bund.

Verklicker es ihm sanft mit holder Rede - und

die Intuition begegnet ihrem Fundament.

Es sei denn, Du langweilst ihn und er ist eingepennt."

Sie stellt die Schachfiguren auf.

Euterpe: "Wenn Dir noch nach Schachspielen ist. Ich hätte Weiteres anzubieten. Ein Lehrgang im Berücken. Verlangt vom König Feldarbeit. Es geht ums Säen."

Matt: "Dass die Musen so verlottert sind. Ich hätte Seriosität erwartet. Aber das hätte ich auch von meinen Formeln erwartet - stattdessen scheinen sie mit Zauberei unter einer Decke zu stecken - vor meinem geistigen Auge tanzen sinnreiche Formeln - mir ist, als verstünde ich die Welt. Sie hat mir immer zugeraunt und ich habe es geflissentlich überhört. Das Wispern - das Hören auf mein Unterbewusstsein. Zugang zu Tiefe, Wurzeln, den Basis-Etagen. Downtown."

Euterpe singt:

"Don't hang around and let your problems surround you.

There are movie shows downtown."

Matt: "Das Lied hat was. Die Movie Shows: Imagination, Visualisieren. Bilder-Sprache nutzen. Kontakt aufnehmen mit dem Unterbewusstsein, ihm das sagen können, was man immer vergeblich zu verklickern suchte. Man redet ansonsten zu tauben Ohren. Das Unterbewusstsein will Bilder hören. Ich klinge immer absurder - ach, sing weiter. Dann fällt meine Absurdität untern Tisch. Gesang sorgt für Stimmigkeit. Auch wenn keine vorhanden. Rhythmus macht das wett. Sei schmissig."

Euterpe singt:

"And you may find somebody kind to help and understand you.

Someone who is just like you

and needs a gentle hand to guide them along."

Die anderen Gäste applaudieren.

Matt: "Ein Führer in dieser Unterwelt ... Orpheus hat den richtigen Ton getroffen. Wie sollen mir Zahlen wie Pflastersteine ein Weg sein? - Was hat es mit dem Krug auf sich? Golden wie Deine Haare? Waren die eben nicht brünett?"

Euterpe: "Ich geh mit der Zeit - eine Frau muss vielseitig sein. Wie ein Polyeder."

Matt: "Muss ja kein Platonischer Körper sein. Platonische Liebe wird überschätzt. Zu viel Kongruenz und Symmetrie; wo bleibt da das Liebenswerte des Chaos?"

Euterpe: "Wenn Du den Krug mit Selter füllst, wird daraus Kastalisches Quellwasser - zu erkennen daran, dass man nach dessen Genuss Homer nacheifern will - damit könnte selbst ein Yeti dichten."

Matt: "Wo treibe ich jetzt einen Yeti auf? Können Yetis Schachspielen? Gibt es dafür auch einen Krug?"

Euterpe: "Muss ich Hephaistos fragen. Was ist jetzt mit dem Mathe-Nachhilfe-Unterricht für Zeus? Du weißt, worauf ich hinaus will? Sind ja Symbole - wir alle sind Dingsymbole. Kommt darauf an, in welcher Geschichte man sich befindet. Der Zusammenhang bestimmt die Koordinaten."

Matt: "Ich wirke eventuell zur Zeit etwas unkoordiniert. Das liegt daran, dass ich zwei Dinge zur selben Zeit ansteuere: Intimität mit Dir - und Zeus die Hand schütteln zu dürfen. Du siehst, ich bin gutgläubig, mir kannst Du ab jetzt alles erzählen.

Berauscht von Deiner Offenheit

finde ich keine Gleichung.

Du bist unvergleichlich.

Wie kann man Liebe multiplizieren?

Wie bau ich Dir 'nen Musentempel

aus Worten, Zahlen?

Was bin ich für ein Baumeister,

dessen Architekt ein Magier ist:

Wozu Magie verleugnen, wenn sie willens

zur Kooperation?

Magie schürfen,

es endlich dürfen.

Es ist Befreiung, entbunden sein von Ratio als alleinigem Vertragspartner. Wo unterschreibe ich, wie besiegeln wir es?"

Euterpe: "Mit einem Kuss. - Übrigens, Du bist matt. Ich spiele sehr unfair: Lenke Dich ab."

Matt lässt sich Selter bringen - und gießt sie in den Krug. Er trinkt.

Matt: "Ich will doch reimen, es zumindest versuchen. Da Du so viel Vertrauen in mich setzt.

Erst Zahlenjongleur, dann Dompteur:

Die Wörter bändigen - das gibt ein Malheur.

Die springen niemals durch Reifen.

Durch Reifen werden sie nicht klüger.

Können einander nicht begreifen.

Fühle mich jetzt schon wie ein Betrüger."

Euterpe applaudiert.

Matt: "Könnten wir noch mal diesen Moment für uns haben - die anderen Gäste haben zu verharren, wir sind Gebieter der fortlaufenden Zeit und halten sie gewissermaßen am Schlafittchen?"

Euterpe: "Klingt wie Schlaf-Flittchen. Scheine ich Dir eine Spur zu frivol? Entschuldigung - ich bekomme so selten Außeneinsätze. Und da ich weiß, dass Du die Weltformel finden wirst, wäre es mir eine besondere Ehre - wie ein Groupie - Dich anzuhimmeln. Klingt doch plausibel. Also kann die Rede nicht sein von Unartigkeit. Das eventuell."

Sie setzt sich rittlings zu ihm auf den Stuhl.

Matt: "Wenn Dich Muse so im Griff,

Dir Hoffnung macht und mit Gewissheit kommt -

dann wächst Gewissheit:

Ist das Leben noch so kniffelig,

es gibt dafür den raffinierten Kniff,

der Dir und allen frommt. -

Nicht immer prompt."

Euterpe: "So ist es recht. Zöger es hinaus. Das ist die Formel für die Formel 1 in der Liebe."

Als sie sich küssen, hat Matt das Gefühl, es ginge mit ihm geradewegs zum Parnass.

ENDE

Leonardo da Vinci auf Pegasus

 

Pegasus: "Du bist Leonardo da Vinci - ich bin hier, auch wenn Du keinen Rundum-Flug gebucht hast. Untypisch - normalerweise satteln bei mir Möchtegern-Dichter auf: Ein Maler - mal was anderes. Frag mich bloß nicht, woher ich den Auftrag habe. Es geht in die Zukunft. Was geht ab?"

 

Pegasus flattert wie ein Kolibri über dem Kopf von Leonardo - da er aber ungleich größer ist, wird Leonardo von den Luftzügen abwechselnd zu Boden gedrückt und emporgeschleudert.

 

Leonardo da Vinci: "Sachte, sachte! Allmählich hasse ich Pferde. Erst verfolgt mich jahrelang die 7 Meter hohe Reiterstatue des Francesco Sforza - Fortuna wirkte manchmal, als wäre sie vom Teufel zugeritten und geritten worden - und flugs kommst Du daher; erträumt, nicht unerwünscht - ein Gesprächspartner, wie man ihn sich nur wünschen kann; aber jetzt versagen wohl doch meine Kräfte?"

 

Pegasus hilft ihm, mithilfe eines Flügels aufzusitzen.

 

Pegasus: "Jetzt wird nicht lamentiert. Wollen doch mal sehen, was die Menschen so anstellen mit Deinen Plänen vom großen Pferd, der bislang größten Reiterstatue. - Oder soll ich es Dir einfach erzählen? Diese Zeitsprünge sind mir widerwärtig, der ganze Hafer kommt mir dabei wieder hoch. Meinem Auftraggeber erzählen wir dann, wir wären in die Zukunft galoppiert - ich fliege nur, weil es was hermacht. Distinktion - USP - Unique Selling Proposition - Alleinstellungsmerkmal - das ist Marketing; sagt Dir das was? - Rutsch da nicht so rum. Es wäre Dein gutes Recht, auf dem Zukunfts-Trip zu insistieren - aber ich rate Dir davon ab."