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Das Leben schreibt die besten Geschichten und Gedichte. Jeden Tag treffen wir auf Dinge, die uns Anstöße geben können. Geschichten entstehen aus Worten, wie eine Suppe aus vielen Zutaten. Diese Wortzutaten wurden von mir zu Papier gebracht. Nicht immer ganz chronologisch und mit dem Abstand, den man im Laufe der Zeit zu den Dingen gewinnt. Manches betrachtet man nach vielen Jahren mit anderen Augen als zum Zeitpunkt des Geschehens. In der einen oder anderen Geschichte wird man einer Parallelen zum eigenen Leben entdecken. Es sind zum Teil ganz persönliche Zutaten, die zu Geschichten des Lebens werden.
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Seitenzahl: 169
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Mit diesem Buch habe ich beschlossen, bereits Veröffentlichtes neu zu überarbeiten. Wer also mein Buch „Daumen drauf“ kennt, wird hier mit etwas kriminalistischem Spürsinn die neue, andere Sicht auf manches entdecken. Denjenigen und auch allen, die erstmals eines meiner Bücher in den Händen halten, wünsche ich viel Lesespaß.
Fragen
Der Beginn
Wie eine Geschichte entsteht
Schicksalsfahrt
Kleiner Helfer
Kinderspiele
Der diebische Weihnachtsmann
Meine Stadt
Der Turm
Der abgemagerte Wattfraß
Angewandte Physik
Autoträumereien
Frauentag
Das Handy als Spaßobjekt
Piepsi
Disco
Nachtgedanken 1
Nachtgedanken 2
Schlaf und Erwachen
Verkorkster Tagesbeginn
Treffpunkt Dresden
Kabelsalat
Die Kürbissuppe
Nur
ein
Schnäppchen!
Weihnachtsbäckerei
Mein persönlicher Weihnachtsengel
SF-Zeitreise-Con - Trilogie
Die Anreise
Unser Auftritt
Abreise
Der Sturm
Ich bin ein Schmetterling
Utopie und Wahrheit
Wenn zwei sich streiten
Kohle-Variationen
Intelligenztest
Offener Brief an Petrus
Ausverkauf
Drei Schneeflocken
Karneval
Alien-Mann
Männertag
Das Reh mit dem Pullover
Gewürze – Farben – Natur
Geburtstagsgedanken
Pitti – aus den Memoiren eines Nymphensittichs
Ursprünge
Zeit
Die drei Pfennige
Spurwechsel
Das Bügeleisen
Das Glockenspiel
Wasser, Wein und Paprika
Die Glocken vom Baikalsee
Im Heuhotel
Moorgeister
Schreck in der Freizeit
Der Hot-Pott
Mi – au
Genetik
Urlaubsromantik
Was ist wichtig auf dieser Welt?
Ist es Reichtum?
Der ist nur Schein.
Ist es die Macht?
Auch das kann` s nicht sein.
Es ist unsre Zukunft
Und ob wir die haben
Das sollten wir jeden Tag uns fragen.
Der lange steinige Weg
zum eigenen Buch
Tja, wie soll ich es sagen? Eigentlich sind meine Eltern schuld! (Es sind immer die anderen, die schuld an irgend etwas sind!) Weil ich schon immer ein Stubenhocker war, ließen sie mich, sobald ich einigermaßen lesen konnte, an alle Bücher heran, die ich lesen wollte. Auch wenn ich nicht immer alles verstand, was ich da las, so merkte ich doch bald, dass einige davon meine ohnehin überschäumende Phantasie mehr anregten als andere. Ausbaden mussten das dann meine Deutschlehrer in der Schule. Immer wenn ein Aufsatz angesagt war, konnte ich mich auf dem Papier austoben und die Gedanken Purzelbäume schlagen lassen. Den Lehrern grauste davor! Deshalb wurden meine Aufsätze auch immer als letzte korrigiert, vor allem wegen ihrer Überlänge. Später versuchte ich es dann mit Gedichten. Ich fand für das jeweilige Thema auch meist recht starke Worte. Aber mitunter fielen sie auch in die Kategorie: „Reim dich oder ich fress dich“ Was ich am Ende dann selber nicht so toll fand.
Also beließ ich es erst einmal dabei die Lehrer mit meinen überlangen Schulaufsätzen zu quälen.
Später stieß ich auf ein anderes Betätigungsfeld, oder besser gesagt gleich mehrere davon. Jedes Mal, wenn wir gemeinsam in den Urlaub fuhren, war mein Schreibblock mit dabei. Täglich notierte ich akribisch unsere Erlebnisse, Anekdoten und was sonst noch so passierte. Ich nannte es „meine Reisetagebücher“. Sie waren eine ideale Ergänzung zu den Urlaubsfotos. Später, als ich schon berufstätig war, schloss ich mich als Freizeitbeschäftigung einem SF-Club an, für dessen Fanzin (klubeigenes Magazin) ich Rezensionen, Gedichte und kleine Geschichten verfasste.
Doch ich merkte selbst, dass das noch immer nicht ganz das war, was mir ausreichend Befriedigung gab. Meine Reisetagebücher schrieb ich weiterhin in jedem gemeinsamen Urlaub mit der Familie. Wenn ich danach auf Arbeit von meinen Urlauben schwärmte, konnte ich immer interessante Geschichten zum Besten geben. Dabei nahm ich natürlich meine selbst verfassten Unterlagen zu Hilfe.
Diese wurden inzwischen immer beliebter,weil ich angefangen hatte, sie nicht nur selbst zu benutzen, sondern auch meinen Kollegen zum Lesen zu geben. Na, da hatte ich mir ja selber was eingebrockt! Zum einen freute ich mich ja, dass sie mir nach jedem Urlaub förmlich aus den Händen gerissen wurden, zum anderen aber war ich dadurch gezwungen meinen Schreibstil immer weiter zu verbessern.
Außerdem musste ich mich nach dem Urlaub sputen die Tagebücher zu vervollständigen.
Ansonsten nervten sie mich so lange, bis sie die Berichte in den Händen hatten. Man riet mir sogar, sie mal in irgend einer Form an die Presse zu geben. Angespornt durch die positiven Reaktionen im Kollegenkreis, versuchte ich das natürlich auch. Doch die Reaktion der Zeitung, welche ich angeschrieben hatte, war abweisend.. >Sie wollten nichts von solchen Amateurschreiberlingen wie mir wissen. Sie hätten ja ihre Profis!< Bekam ich zur Antwort.
Ich war geschockt, über diese radikale Abfuhr, beschloß aber dessen ungeachtet wenigstens privat und für die Kollegen weiter zu schreiben.
Doch dann, an einem Weihnachtsabend, kam mir der Zufall auf leisen Sohlen zu Hilfe.
Während meiner regulären Arbeit als Taxifahrerin, lernte ich eine ( wie ich es damals empfand) richtige Schriftstellerin kennen. Wir hatten eine längere Fahrstrecke vor uns und so kamen wir ins Gespräch. Dabei erzählte ich ihr auch von meinem bisherigen Weg der Schreiberei. Sie lud mich zu sich nach Hause ein und half meinem schreibwütigen Ich ein wenig auf die Sprünge, in dem sie mir einen neuen Weg aufzeigte. Sie bot mir an, an ihrem Schreibzirkel teilzunehmen. Begeistert griff ich zu.
Ich habe inzwischen entdeckt, dass mehr dazu gehört als nur eine übergroße Portion Phantasie. Aber das hält mich nicht davon ab diesen Weg weiter zu gehen. Ich schreibe jetzt am liebsten Kurzgeschichten und natürlich weitere Reisetagebücher und freue mich, wenn ich damit bei Gleichgesinnten Anerkennung finde und hoffentlich auch bei ihnen als Leser.
Deshalb werde ich weiter machen.
Ich glaube jeder professionelle Schriftsteller würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen oder selbigen zumindest verwundert schütteln. Doch da ich das ja „nur“ als Hobby mache, bilde ich mir ein, es so machen zu können, wie es mir gerade ein kommt. Dabei erinnere ich mich oft an ein Gemälde, welches ich in meiner Jugend gesehen hatte.. Es hieß „Der einsame Poet“ oder so ähnlich. Und darauf war ein spitznasiger alter Mann abgebildet, der einsam in seiner Dachkammer hockte. Vor sich, auf dem Tisch ein Blatt Papier, ein Tintenfaß und darin eine Feder. So wollte ich nicht enden.
Bei mir funktioniert das so:
Ich höre in einem Gespräch ein merkwürdig klingendes Wort oder einen Satzfetzen. Den schreibe ich mir erst einmal auf einen Zettel. (Man weiß ja nie wann und wo man den mal wieder brauchen kann.)Bei mir zu Hause liegen schon eine ganze Menge solcher Zettel herum und warten auf Verwendung. Doch noch habe ich keine Idee, was ich damit anfangen könnte. Diese kommt spontan, meist wenn ich nicht damit gerechnet habe und zu völlig unpassender Zeit.
Manchmal abends im Bett beim Einschlafen, manchmal aber auch auf Arbeit,aber in den meisten Fällen gerade dann, wenn ich sie eigentlich gar nicht brauchen kann,weil sie nicht zu dem passt, was ich gerade tue oder zu tun beabsichtigt..Manchmal hab ich auch schon eine Überschrift für eine Geschichte, die ich gern schreiben möchte, mehr aber nicht. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich mitten in der Nacht aufgestanden bin, eine Idee auf einem beliebigen Stück Papier notiert habe, und anschließend weiter geschlafen habe.
Morgens staunte ich dann, was mir nachts eingefallen war. Traumgeschichten sind schon etwas kurioses. Da geht mitunter ganz kräftig die Fantasie mit einem durch.
Richtig, was ich habe, ist zu viel Fantasie. Die sprudelt wie eine geschüttelte Seltersflasche oder tobt wie ein übermütiger Clown in meinem Kopf herum. Nur, genau wie in der Flasche, geht auch im Kopf erst einmal alles drunter und drüber. In Gedanken forme ich Sätze, finde sie toll und im nächsten Moment sind sie aus der Flasche gesprungen, der Clown hat zum großen Radiergummi gegriffen und schwupp sind sie weg. Es kommt aber auch vor, dass ich die Idee tage-, manchmal wochenlang herum schleppe, immer wieder drehe, verändere und so Stück für Stück zusammentrage. Dabei helfen mir dann auch meine anfangs erwähnten Zettel.
Viele Ideen finde ich, wie schon anfangs erwähnt, vor allem im alltäglichen Leben. Ich stolpere regelrecht darüber, Stolpersteine eben.
Aber eines stelle ich immer wieder fest. Ich kann nur schwer über etwas schreiben zu dem ich keinen Bezug habe. Und in fast jeder Geschichte steckt ein Teil von mir selbst. Ob es „richtigen“ Schriftstellern auch so geht? Ich will über meine Geschichten mit den Leuten ins Gespräch kommen, ihnen etwas zu sagen haben. Und wenn es nur kleine eigentlich alltägliche Dinge sind, über die ich spreche oder besser schreibe. Mir sind sie wichtig, auch wenn manchmal ein Schuss bissiger Humor darin enthalten ist.
Ja und eines Tages ist es dann so weit, ich habe alle Teile meines Geschichtenpuzzles im Kopf zusammen. Dann muss es heraus und aufgeschrieben werden, weil ich genau weiß, wenn ich es jetzt nicht aufschreibe, ist die Geschichte für immer verloren und kann nie wieder so geschrieben werden, wie ich es in diesem Moment tue. Sonst steige ich über diesen Stein hinweg, sehe ihn nicht mehr und vergesse ihn auf ewig.
Eigentlich begann der Tag gar nicht so toll. Schon in der Nacht hatte ein Migräneanfall begonnen, mich mit heftigem Schüttelfrost zu quälen. Mein Frühstück nahm dann auch gleich die Rückfahrkarte zum Ausgangspunkt und mein Kopf dröhnte, als wäre darin ein riesiger Vorschlaghammer am Werk. Doch ich hatte mir für dieses Wochenende großes vorgenommen. Und nun sollte es scheitern? Das konnte und durfte nicht sein. Mit einigen Kopfschmerztabletten und reichlich Kaffee kämpfte ich dagegen an. Eine knappe Stunde später ging ich als Sieger aus diesem Kampf.
Noch etwas angeschlagen zwar, aber abreise bereit. Mein Tagesziel war Leipzig, genauer gesagt die dortige Buchmesse .Ich hatte mir vorgenommen dort einen Verlag zu finden, bei dem ich ein paar meiner fertigen Alltagsgeschichten, vielleicht in einer Anthologie, unterbringen konnte. Zu diesem Zweck hatte ich auch einige Leseproben vorbereitet und fein säuberlich verpackt.
Ich stieg in mein kleines altes Auto, welches mich ans gewünschte Ziel bringen sollte. In Leipzig angekommen, reihte ich mich in die Schar der einen Parkplatz suchenden Autofahrer ein und schon nach knapp 20 min.
stand ich nahe am Veranstaltungsort. Mit mächtigem Herzklopfen griff ich meine Tasche mit den Leseproben, atmete tief durch und marschierte Richtung Eingang. Um mich herum sah ich viele wunderlich gekleidete Gestalten mit seltsamen Utensilien in die gleiche Richtung laufen. Darauf konnte ich mir nur den Reim machen, es wären wohl Fans von verschiedenen Comics, die auf diese Weise Zusammengehörigkeit zeigen wollten.
Originell war es allemal. Wie ich später erfuhr, steckte aber mehr dahinter,nämlich so etwas wie ein Theatergruppenwettbewerb, bei dem es am Ende sogar Preise für die Laienschauspieler gab. So hatte halt jeder seine ganz speziellen Gründe die Buchmesse zu besuchen.
Nach dem ich im Inneren der Messehallen angelangt war, musste ich anhand des Katalogs für mich eine Auswahl treffen, wohin ich gehen wollte, um einen Verlag für mich zu finden. Das war gar nicht so einfach bei der riesigen Menge an anwesenden Verlagen.
Schließlich hatten ja alle ihre speziellen Verlagsprofile und nicht überall würden meine Geschichten dazu passen. Nach dem ich mich einige Zeit umgesehen hatte, fasste ich mir ein Herz und sprach einige Leute direkt an. Das kostete ganz schön Überwindung, hatte ich doch so etwas noch nie zuvor gemacht. Ich wollte ja nicht gleich in irgend ein Fettnäpfchen trampeln oder mich gar lächerlich machen. Nach drei bis vier Versuchen wurde ich etwas sicherer und wusste auch schon genauer wie ich meine Fragen richtig formulieren musste, um mein Anliegen vorzutragen. Trotzdem hatte ich nicht immer Glück. Manche sagten es offen, manche versteckt, aber im Ergebnis kam immer heraus:bei uns nicht! Meine Ohren hingen schon ganz schön herab, bildlich gesprochen ähnelten sie immer mehr Dackelohren. Doch noch dachte ich nicht ans Aufgeben! Und das war wohl auch gut so.
Zuerst geriet ich an einige, die meine Leseproben zwar nahmen, aber auf Anfrage auch gleich eine erhebliche Kostenbeteiligung für den Druck nannten. Das war es eigentlich nicht, was ich mir vorgestellt hatte. Ich suchte also weiter. Dann traf ich mehr oder weniger durch Zufall doch noch auf einen zwar kleinen aber auch in Kostenfragen wesentlich moderateren Verlag. Mit der dort persönlich anwesenden Verlagsleiterin führte ich ein ausgiebiges Gespräch, welches mit Mut für eine Zusammenarbeit mit ihr machte.
Natürlich bekam auch sie eine Mappe mit Leseproben von mir. Nun müssen Zeit und Schicksal ihre Würfel werfen. Dann erst werde ich sehen, ob ich wirklich erfolgreich war.
Aber ich habe ein gutes Gefühl bei der Sache.
Schöne unbeschwerte Kinderzeit
Helfen ist eine Frage der Erziehung, sagt man immer und da ist sicher etwas dran. Kinder wollen schon von sich aus helfen. Sei es um der Mutti oder dem Vati eine Freude zu machen oder weil das Kind sich irgend eine Form der Belohnung davon verspricht, ein Eis, ein neues Spielzeug oder einfach nur ein dickes Lob. Lob spornt überhaupt gewaltig an, nicht nur Kinder, die aber besonders. Welches Kind möchte nicht gern gelobt werden, der Liebling der Familie sein? Auch als ich noch ein Kind war, war das auch schon so. Dabei kamen aber manchmal die wunderlichsten Sachen heraus, wie zum Beispiel in der folgenden Geschichte:
Wir wohnten damals in einer kleineren Stadt in der Oberlausitz und hatten gleich hinter dem Haus einen Garten. Dort wuchsen Obst und Gemüse für den Eigenbedarf nebst vielen Blumen. Die stellte Mutti immer in die große Wohnzimmervase, damit sie sich daran erfreuen konnte und weil sie gut rochen.
(Sagte sie jedenfalls immer.) Nun ging es wieder einmal aufs Wochenende zu und ich hörte wie sie sagte, das sie Erbseneintopf mit frischem Gemüse aus dem Garten kochen wollte. Hmm! Den aß ich immer gern. Dazu aber brauchte sie unter anderem die im Garten angebauten Erbsen. Hilfsbereit wie ich nun einmal war, bot ich an diese für sie pflücken zu gehen. Darüber war sie sehr erfreut, konnte sie doch diese Zeit mit anderen Küchenarbeiten füllen. Außerdem war sie wohl der Meinung, dass ich dabei nichts falsch machen könne.
So trippelte ich also auf meinen kleinen Beinchen in Richtung Garten. Dazu muss ich noch anmerken, das ich zu diesem Zeitpunkt knappe vier Jahre alt war und schon öfters selbständig Gemüse aus dem Garten hatte holen dürfen..Für die zu pflückenden Erbsen nahm ich mein Spieleimerchen mit. Darin wollte ich sie transportieren. Ich pflückte also vorsichtig Schote für Schote. Bald schon merkte ich, dass sie gar nicht alle in den kleinen Eimer hinein passen wollten. Da ich schon öfters zugeschaut hatte, wie Mutti die Erbsen aus ihrer Schale herausgepult hatte, wusste ich, dass sie dann viel besser in den Eimer passen würden. Deshalb setzte ich mich also gleich im Garten an den Tisch, zog an den Fäden der Schote und klaubte die Kullererbsen mit meinen kleinen Fingern aus den Hülsen.
Das dauerte natürlich seine Zeit. Aber Mutti hatte sowieso nicht mit einer schnellen Rückkehr meinerseits gerechnet. Endlich hatte ich alle Erbsen ausgepult und der Eimer war auch ziemlich voll.
Ich wollte schon zurück gehen, als mir etwas einfiel. Wenn Mutti Eintopf kochte, musste doch auch immer Fleisch drin sein! Davon hatte ich aber in der Küche nichts gesehen.
Nach kurzem Überlegen kam ich auf eine, wie ich meinte, tolle Idee. Fleisch hatten wir doch auch im Garten! Und sogar ganz frisch, weil noch lebendig. Schnell sammelte ich von den Beeten ein paar von den großen fetten Nacktschnecken. Da ich aber dafür nun kein Gefäß mehr frei hatte, stopfte ich sie einfach in die Hosentasche. Nun war das Mittagessen komplett! Ich lief so schnell ich konnte zum Haus und in die Küche. Über die bereits gesäuberten Erbsen freute sich Mutti sehr.
Dafür bekam ich auch ein dickes Lob. Doch als ich dann auch noch die Schnecken mit den Worten „ Und hier ist das Fleisch für die Suppe.“ auf den Tisch packte, war es vorbei mit der Begeisterung. Ihrer Kehle entfleuchte ein durchdringender Schrei des Entsetzens.
Dieser wiederum rief meinen Vater auf den Plan. Nach dem er die Ursache für Muttis Gekreische entdeckt hatte, schimpfte er nicht etwa, sondern sammelte alle Schnecken seelenruhig wieder ein und brachte sie zurück ins Freie. Auf seinem Gesicht hatte er dabei ein breites Grinsen .“Ei, was hab ich doch für ein pfiffiges Kind!“ hörte ich ihn anschließend sagen. Das war das größte Lob, welches Papa an diesem Tag aussprach.
So verschieden wie die Gegend in der Kinder aufwachsen, sind mitunter auch ihre Spiele. Doch gibt es auch welche, die von Stadtkindern ebenso gern gespielt werden, wie von denen auf dem Land. Damit meine ich zum Beispiel das gute alte Backen von Sandkuchen. Da sind alle begeistert, besonders die Eltern. Na ja, in der heutigen Zeit, wo Hygiene bis zur totalen Vernichtung aller Bakterien praktiziert wird, vielleicht nicht mehr. Wagen wir also einen Rückblick.
Erinnern sie sich noch mal an die Zeit, in der sie selbst Sandkuchen gebacken haben? Heutzutage haben die Kinder Förmchen aus Plastik mit ganz tollen Motiven. Aber als wir heutigen Erwachsenen jung waren, brauchten wir die nicht unbedingt. Gab es da überhaupt Plasteförmchen? Ich kann mich gar nicht so genau erinnern .Meiner Meinung nach waren sie aus Metall. Es gab aber auf alle Fälle, wie auch noch heute, kleine Eimerchen und Schippchen. Besonders die Schippchen waren beim Sandkastenbesuch unverzichtbar! Der Sand wurde damit in den Eimer befördert. War der voll, wurde fest geklopft und anschließend das Ganze umgestülpt. Fertig war der Napfkuchen. Besonders Begabte schnitten dann noch mit der Spitze der Schaufel Muster hinein. Anschließend wurde feiner Sand gesiebt und als Zuckerguss oder Puderzucker über dem Sandkuchen verteilt. Spielerisch wurde er anschließend natürlich auch „aufgegessen“. Wobei manche Hand voll Sand wirklich im Mund landete. Pui, hat das mitunter geknirscht! Mit anschließendem großen Spucken und auswischen des Mundes am Ärmel. Ich sehe schon die entsetzten Blicke heutiger Jungeltern! Aber wie heißt es so schön in einem Lied: > Hurra, wir leben noch!< Meine Oma pflegte dann immer zu sagen:“Dreck reinigt den Magen!“ Stimmt sicher so nicht, aber als Kind war mir das egal.
In diesem Zusammenhang fällt mir immer mein alter Buddelkastenfreund Jürgen ein. Ich muss damals so etwa vier Jahre alt gewesen sein. Wie schon oft zuvor, hatten wir das alte Spiel „Mutter, Vater, Kind“ gespielt.
Vater ging auf „Arbeit“ (auf der anderen Seite des Buddelkastens. Das imaginäre Kind war im Kindergarten.) Ich als Mutter hatte die Aufgabe Essen zu kochen, wie es halt damals auch in der Welt der Erwachsenen üblich war.
Natürlich aus dem Sand des Buddelkastens. Es gab neben dem obligatorischen Kuchen auch noch „Schnitzel mit Gemüse“. Das Schnitzel war ja noch recht einfach. Dazu musste der Sand einfach nur in die entsprechende Form gebracht und platt geklopft werden. Die Beilage war schon schwieriger. Doch da fiel mir unser Garten ein, aus dem ich frische Zuckererbsen holen konnte. Es waren ja nur ein paar Schritte vom Buddelkasten bis zur Gartentür.. So weit lief auch alles nach dem üblichen Spielschema. Und die Erbsen konnte man ja sogar richtig essen Doch dann wollte er plötzlich auch noch richtigen Schnittlauch über sein „Schnitzel“. So etwas hatten wir aber nicht im Garten. Aber ich hatte eine Idee.
Unweit vom Buddelkasten führte eine Treppe hinunter zum Waschhaus. Unten, am Fuß der Treppe, wuchs in einer muffigen Mauerecke etwas das aussah wie Schnittlauch.. Ich schickte also den Vater Jürgen die Treppe hinunter, mit dem Auftrag den Schnittlauch zu ernten. Erst war er ja ein wenig skeptisch.
Doch als ich ihm unter heftigem Kopfnicken versicherte, das es sich wirklich um Schnittlauch handelt, stieg er hinab. Im Spiel ist schließlich alles richtig und erlaubt. Aber dann bestand er auf einmal darauf, gleich vor Ort zu kosten Na gut, dachte ich so bei mir, soll er halt kosten. Und wirklich pflückte er einige Halme ab und steckte sie in dem Mund.
Kaute gründlich darauf herum... und befand, dass das Schnittlauch sein. Auch wenn er nicht so scharf war wie der, den er sonst kannte. Na und, es war „Schnittlauch“ Punktum.
Zu Hause erzählte die alte Petze natürlich seiner Mutter von unserem Spiel und der milden Schnittlauchsorte, die ich für ihn entdeckt hatte. Sie wusste natürlich, dass es kein echter Schnittlauch war, sondern nur eine Grasart, die Ähnlichkeit damit hatte. Worauf sie ganz empört zu meiner Mutter gelaufen kam und sich darüber beschweren wollte, was ich ihrer Meinung nach mit ihrem Liebling ungezogenes getan hatte. Doch ich hatte Glück, es war nur Oma da. Und was die zu dem Thema meinte, habe ich ja schon zu vor erwähnt.
