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"Der Geschichtenbrunnen" ist eine kurzweilige Sammlung von Geschichten, eine traurige Liebesgeschichte, interessante Alltagsgeschichten und solche mit Phantasie und Situationskomik. Außerdem enthält das Buch mehrere Gedichte zu verschiedenen Themen. Auf Grund ihrer Länge eignen sich die Geschichten ausgezeichnet als Reiselektüre oder für den Tagesausklang.
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Guten Morgen!
Das Entlein oder so spielt das Leben
Der schwarze Kobold
Stolpersteine
Die seltsame Waschmaschine
Der Pflaumenkuchen
Die Bootsfahrt auf dem Fluss
Das Reh
Geländespiele
Der Koffer
Renates Urlaub
Herzschmerz
Der schlaue Fuchs
Erkenntnis
Das erste Mal
Der Sanddorn – Strauch
Faulheit – Eine philosophische Betrachtung
Freud und Leid
Gedankensplitter
Die Macht der Werbung
Nachdenklichkeiten
Wie ich die Wende erlebte
Sie sterben nie aus
Plötzlich Vegetarier
Oma und Omi auf Reisen
Mein Computer und ich
Der Anglerlehrling
Arbeitswut
Der unendliche KonsUn(m)sinn
Baumphilosophie
Veränderungen
Die Entstehung der Menschheit
Leben mit moderner Technik -1-
Freunde
Leben mit moderner Technik -2-
Osterwetter
Sommertag
Nachtgedanken
Im Dreiländereck von Phantasie, Neugier und Erkenntnis gibt es einen Wald. In diesem Wald befindet sich ein seltsamer alter Brunnen. Er ist sehr tief. Blickt man hinein, so ist kein Tropfen Wasser darin. Noch keinem ist es gelungen bis auf seinen Grund zu schauen. Und doch ist er nicht leer. Mal scheint er hell zu leuchten. Dann glimmt er in schillernden bunten Farben. Es kommt aber auch vor, dass alles darin schwarz und finster ist. Schaust du hinein, so steigen mal leise schaukelnd, manchmal auch mit brachialer Kraft Bilder aus dem Brunnen auf. Sie steigen in deinen Kopf und werden zu Geschichten. Auch ich habe in diesen Brunnen geblickt. Daraus entstanden sind die Geschichten in diesem Buch.
Es ist vier Uhr. Mein, ausrangiertes, altes, zum Wecker degradiertes, Handy klingelt. Ich werde mitten aus einem Traum gerissen. War sowieso ein verrückter. Ich marschiere darin splitterfaser-nackt mitten über die Wiese zu einem mobilen Bäcker um Brötchen zu holen. Was tue ich da? Die Leute aus den umliegenden Häusern scheinen allerdings nichts dabei zu finden. Auch sie sind nackt, oder zumindest teilweise. Ich schüttle heftig den Kopf, um diesen Traum herauszuschütteln.
Auch der Tag scheint noch nicht recht wach zu sein. Erste Streifen von hell schleichen sich in mein Schlafzimmer. Ein Vogel beginnt sein Morgenlied. Um richtig wach zu werden, lausche ich ihm. Ist es eine Amsel oder ein Star? Ahnung habe ich keine, aber die Gehirnzellen werden durch den Denksport auch langsam munter. Aber was soll das? Plötzlich krakelen mehrere Elstern vor meinem Fenster. Sie verderben den schönen Gesang mit ihrem Geschrei. Denen sollte man doch glatt die Schnäbel zubinden! Ich räkle mich noch einmal kurz. Dann gebe ich mir einen Ruck. Es wird allerhöchste Zeit aufzustehen, die Arbeit ruft.
Wer möchte nicht gern mal etwas besonderes sein, anders als alle anderen herausragen. Das kann ja manchmal ganz nett sein, aber auf die Dauer recht anstrengend. Außerdem ist es gar nicht immer gut heraus zu ragen, aufzufallen,.etwas Außergewöhnliches sein zu wollen.
Manche Leute werden hochnäsig und wollen gar nicht mehr mit den anderen gleich sein. Doch Hochmut kommt vor dem Fall. So wie auch in der folgenden Geschichte:
Es ist die Geschichte von der kleinen Ente und eigentlich beginnt sie schon vor ihrer Geburt. Alles fing mit einem übergroßen Ei an, welches ihre Mutter ins Nest legte. Es war schon das fünfte an diesem Tag. Deshalb bemerkte die Mutter auch nicht gleich den Unterschied. Dass sie kräftiger pressen musste beim Legen schob sie darauf, dass sie schon etwas ermüdet war.
Erst als sie sich danach ansah, was sie an diesem Tag vollbracht hatte, fiel es ihr auf. Doch es machte für sie keinen Unterschied. Sie würde das Ei ausbrüten wie sie es gewohnt war. Eines schönen Tages war es dann so weit. Die Küken begannen sich in den Eiern zu recken und strecken und drückten immer heftiger gegen die Schale. Eines nach dem anderen schlüpfte heraus. Nur das Riesenei wollte sich nicht öffnen. Nun, vielleicht braucht es etwas länger weil es so groß ist, dachte die Entenmutter. Zwei Tage später bewegte sich auch in dem großen Ei etwas. Vielleicht ist die Schale zu dick geraten, dachte die alte Entenmutter und klopfte vorsichtig ein wenig von außen mit dem Schnabel darauf. Es dauerte auch gar nicht lange und die ersten Risse zeigten sich, wurden schnell größer, bis – krax - die Schale zerplatzte. Aber was war denn das? So sah doch kein Schnabel aus! Ein weiches, spitz zulaufendes flauschig gelbes Ding schob sich über den Rand der Schale. (Tja, wo andere mit dem Kopf durch die Wand wollten, benutzte unser Entlein ein anderes Körperteil, sein Schwänzchen.) Dann folgten zwei wackelige kleine Entenbeine. Sie zappelten und strampelten so lange bis endlich auch der Rest des Kükens heraus fiel. Der Schnabel erschien als letztes.“Gag“ machte es nach Entenart und unsere kleine Ente hatte das Licht der Welt erblickt. Der Bauer, dem der Hof gehörte, auf dem die Entenfamilie lebte, hatte natürlich alles beobachtet. Er amüsierte sich köstlich darüber, wie unser Entchen aus seiner Schale heraus gepurzelt war. Doch da es keinen Grund gab einzugreifen, tat er es auch nicht. Aber das außergewöhnliche Entlein wollte er auf alle Fälle gut im Auge behalten. Schon in seinen ersten Lebenstagen geschahen merkwürdige Dinge. So passierte es zum Beispiel, dass unser Entlein im Schlamm ausrutschte, als alle gemeinsam auf dem Weg zu ihrem ersten Schwimmunterricht waren.
Nun sah es gar nicht mehr hübsch gelb aus, sondern schlammig-grau. Bis zum Teich war der Schlamm angetrocknet und die flauschige Babyfedertracht völlig verklebt. Da half nur besonders intensives Tauchen und Waschen. Trotzdem dauerte es fast zwei Tage bis alles abgewaschen war. Nach jeder Wäsche war das Entchen ein wenig sauberer als zuvor. Dafür konnte es schneller schwimmen, tiefer tauchen und länger unter Wasser bleiben.
Natürlich war die Entenmutter sehr stolz auf ihr besonders begabtes Kind. Deshalb übte sie auch öfters und länger mit ihm als mit den anderen. Wenn diese einmal eine Übung nicht so schnell und gut schafften, bekamen sie immer wieder die Leistungen unseres Entleins unter den Schnabel gerieben. Klar das sie sauer auf ihr Schwesterchen waren.
Schließlich wollten sie auch mal dafür gelobt werden, was sie so alles schon konnten.
Der Bauer, der ja die kleine Ente die ganze Zeit beobachtet hatte, dachte sich, es wäre vielleicht ganz lustig der Kleinen einige besondere Kunststückchen bei zu bringen. So lernte sie zum Beispiel zählen. Na ja, nicht so wie es Menschenkinder in der Schule lernen, aber es sah so aus als ob sie zählen könnte. Der Bauer sagte eine Aufgabe, legte Körner hin und brachte der Ente bei nur so viele Körner weg zu fressen, wie das Ergebnis lauten musste. Sie lernte sogar auf einem Seil zu gehen. Das war schon ein recht schwieriges Kunststück, wenn man daran denkt wie Entenfüße aussehen. So wuchs unser Entlein heran und war selber mächtig von sich eingenommen. Doch es sollte noch besser kommen. Durch einen Zufall erfuhren Leute vom Film von dem Entlein, welches so tolle Kunststücke konnte. Sie fuhren also hinaus zu dem Bauern und sahen sich an, ob das auch stimmte, was sie gehört hatten. Am Ende waren sie so begeistert, dass sie beschlossen das Entlein für Filmaufnahmen mit zu nehmen. Dafür kassierte der Bauer eine Menge Geld. So kam es, dass unser Entlein ein Filmstar wurde. Zuerst bekam sie eine Nebenrolle in dem Film „Das hässliche Entlein“, danach spielte sie schon die Hauptrolle in „Weihnachtsgans Auguste“. Schließlich wurde sie sogar „Die goldene Gans“. Dazu wurde ihr ganzes Gefieder mit Goldfarbe eingestrichen. Diese Rolle stieg ihr allerdings mächtig zu Kopf. In den Drehpausen wollte sie immer zu gestreichelt und mit Leckerbissen gefüttert werden. Wenn sie die nicht bekam, rannte sie den Filmleuten laut schnatternd zwischen den Beinen herum bis sie ihre Wünsche erfüllt bekam. Doch einmal waren auch die Dreharbeiten zu diesem Film zu Ende. Die goldene Farbe aber ging nicht mehr ab von den Federn. Es war wie damals als unser Entchen noch klein gewesen und in den Schlamm gerutscht war. Dieses Mal half aber auch waschen und tauchen nichts. Die Farbe war ungewöhnlich hartnäckig. Die einzige Möglichkeit war, die Ente zu rupfen. Danach war sie ganz nackig. Nun hatte sie zwar noch den Pullover aus dem Auguste-Film, doch der wärmte nicht so wie er sollte. Das Ende vom Lied war, dass unser Entchen eine letzte Hauptrolle bekam, die als Hauptgericht auf der Premierenfeier ihres eigenen Films.
Neulich waren in unserer Straße zwei Arbeiter der Stadtreinigung. Sie fegten die Blätter vom Straßenrand zusammen und reinigten die Gullys. Das musste sein, weil es ja jetzt im Herbst immer viel regnet. Die Gullys sorgen dann dafür, dass das Wasser abfließen kann und die Straßen nicht unter Wasser stehen. Um die Gullys richtig sauber zu bekommen muss zuerst der Deckel entfernt werden. Dann greift ein Arbeiter mit einer übergroßen Zange hinein, schnappt sich den angesammelten Schmutz und hebt ihn heraus. Das sind ganz schön große Brocken, die da ans Tageslicht geholt werden. Ganz schwarz sind sie. Und der Geruch? Na ja, ziemlich eklig. Dicke, stinkende Pampe eben.
Interessiert gucke ich ihnen ein Weilchen zu. Jetzt sind sie gleich an dem Gully neben meiner Haustür. Wieder die gleichen Arbeitsschritte wie zuvor, Gully auf, Zange rein, Pampe raus. Aber was ist das? Ist dieser Pampeklumpen flüssiger als der zuvor? Er scheint wegzufließen. Nein, der fließt nicht, der läuft! Hä? Ein Pampeklumpen der laufen kann? Da muss ich mich wohl verguckt haben. Ich reibe mir die Augen. Gucke noch einmal hin. Jetzt schüttelt der sich auch noch. Was ist das? Ein kleines Tier? Nein, der Klumpen läuft ja auf zwei Beinen. Nach dem er sich einige Male geschüttelt hat, fängt er jetzt sogar an zu schimpfen. Da muss ich doch mal genauer hinhören. Jetzt tritt er einem der Arbeiter gegen den Fuß und schreit ihn an. „Grober Patron!“, höre ich und „..bald den Kopf abgerissen..“ Die beiden Arbeiter stehen ganz verdattert da, gucken sich an und wissen überhaupt nicht, was hier los ist. Der kleine Kerl aber zetert weiter herum. Aus seinem Gekreische höre ich „..endlich sauber machen..“ heraus. Na gut, dann werde ich also mal in Aktion treten. Die beiden Arbeiter stehen ja wie versteinert da. Neben der Haustür haben wir zum Glück einen Wasserhahn mit einem Schlauch dran. Eigentlich ist der ja für die Blumen zum Gießen. Doch warum soll er nicht auch mal für etwas anderes eingesetzt werden. Ich laufe zum Hahn, drehe ihn auf und halte den Schlauch direkt auf das schimpfende schwarze Etwas. Der ist immer noch damit beschäftigt die Arbeiter auszuschimpfen und zu treten. Mein Wasserstrahl kommt völlig unverhofft. Prustend schluckt er Wasser. Jetzt hat er zwei Möglichkeiten, entweder es herunter zu schlucken oder auszuspucken. Schimpfen kann er jedenfalls nicht mehr. Er entscheidet sich fürs Ausspucken. Was wahrscheinlich auch die bessere Entscheidung war. Heraus kommt nämlich eine ziemlich schwarze Brühe. Das Wasser rieselt noch immer auf ihn herunter. Da er jetzt aber begriffen hat, beginnt er sich zu säubern so gut das eben geht. Am Ende steht er zwar immer noch mit völlig verdreckten Sachen da, aber man kann immerhin erkennen, wo das Gesicht ist und wo die Hände.
Mitten im Gesicht eine etwas zu groß geratene, spitze Nase und darüber zwei kullerrunde schwarze Augen. Die scheinen aber nicht vom Schlamm so schwarz zu sein, sondern von Natur aus. Jedenfalls ist jetzt erkennbar, dass das kein Schlammklumpen, sondern ein kleines Männlein ist. Er ist nicht größer als mein Kugelschreiber.
Während ich ihm so bei der Reinigung zusehen, fange ich an zu grinsen. Was für eine merkwürdige Situation. Da kommt man nichts ahnend nach Hause, guckt mal kurz anderen beim Arbeiten zu und…findet ein komisches kleines Männchen. Der Kleine scheint es aber gar nicht komisch zu finden, dass ich über seine Erscheinung grinse. Nun will er auf mich los gehen. Ich versuche ihn mit dem Wasserschlauch auf Abstand zu halten. Richtig schimpfen kann er im Moment auch nicht, weil er dann den Mund voll Wasser bekommt. Und weil das Wasser wieder in Richtung Gully läuft, muss er auch noch aufpassen, dass er nicht wieder dort hinein gerät. Wie ist er überhaupt dorthin gekommen? Und wo kommt er her? Was macht er überhaupt hier? Ja und wer ist er überhaupt? Alle diese Fragen schießen plötzlich durch meinen Kopf. Wenn ich es herausbekommen will, muss ich fragen. Das ist die einfachste Sache von der Welt. Oder? Dass er die gleiche Sprache spricht wie ich, habe ich ja schon herausbekommen. Doch ich kann mich als erwachsener Mensch nicht einfach so an den Rinnstein setzten und mit einem Winzling schwatzen den es eigentlich gar nicht geben dürfte. Hm? Das beste wird wohl sein, ich nehme ihn mit zu mir in die Wohnung. Damit er mir aber nicht den Teppich versaut mit dem Schmutzwasser, dass immer noch aus seinen Sachen tropft, krame ich eine Packung Tempo-Taschentücher aus der Tasche. Darin wickle ich ihn vorsichtig ein. Gar nicht so einfach. Der Kleine zappelt wie wild herum und nasse Taschentücher reißen sehr schnell. Nach einer halben Packung und vielen guten Worten habe ich es endlich geschafft. Der Wicht ist bis in Kopfhöhe in weiße Taschentücher eingewickelt und ähnelt fast einer Mumie. Nur dass Mumien nicht so herum zetern. Vorsichtig trage ich ihn hinein. Ich lege eine doppelte Lage Küchentücher auf den Tisch, setzte ihn darauf und wickle die Taschentücher so gut es geht wieder ab. Mittlerweile hat er gemerkt, dass ich ihn weder verspeisen, noch ersäufen oder anderes böses will.
Brav bleibt er auf dem Tuch sitzen. Ich setzte mich ihm gegenüber auf die Couch. Er guckt mich an, ich guck ihn an.
Keiner sagt ein Wort. Das geht bestimmt fünf lange Minuten so. Dann versuche ich ein Gespräch zu beginnen. „Hallo, du“, sage ich. Blöder Anfang! Doch mir fällt nichts schlaues ein. Doch dann komme ich auf: „Wer bist du eigentlich? Und was machst du hier?“ Noch immer Stille von der anderen Seite. Dabei weiß ich doch, dass er reden kann. „Hüpfebein“, kommt plötzlich aus ihm heraus. Aha, er heißt also Hüpfebein. Komischer Name. Na ja, ist ja auch ein komisches Männchen. Mit einem Mal springt er auf. Ich befürchte schon, dass er vom Tisch fallen, sich verletzen oder gar abhauen könnte. Doch nein, er reißt sein völlig verschmutztes Hütchen vom Kopf, macht eine ulkige Verbeugung und wiederholt: „Gestatten, Hüpfebein!“ und fügt kleinlaut hinzu „der Tolpatschige“. Ich fasse laut zusammen: „Du bist also Hüpfebein, der Tolpatschige. Richtig?“ Nun kommt nur ein Nicken als Antwort. Sieht aber sehr traurig aus, dieses Nicken. Daraufhin frage ich erneut: „Wo um alles in der Welt bist du her gekommen? Und wie in den Gully?“ Dabei wird mir mit einem Mal klar, was das für eine merkwürdige Situation ist. Ich sitze hier an meinem Wohnzimmertisch, vor mir ein Winzling, den es nach menschlichem Ermessen gar nicht geben dürfte, und rede auch noch mit ihm. Sicherheitshalber kneife ich mir in den Arm. Au, das tut weh! Also träume ich nicht. Jetzt passiert das, was meine Kinder immer als „Mutter Theresa-Syndrom“ bezeichnen. Ich versuche Hilfe zu leisten, praktische Hilfe.
