Pinguine in Afrika - Iris Fritzsche - E-Book

Pinguine in Afrika E-Book

Iris Fritzsche

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Beschreibung

Das Buch enthält überarbeitete und neue Geschichten rund um meine Reisen nach Namibia und Südafrika, sowie deren Vorbereitung. Ich gebe kleine Reisetipps, Hinweise zu Unterkünften und erzähle interessante Anekdoten. Bei einigen der Geschichten habe ich meine Phantasie spielen lassen, um so eine bessere Anschaulichkeit zu erreichen. Zur Veranschaulichung und Auflockerung des Ganzen, wurde Bildmaterial hinzu gefügt.

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Seitenzahl: 194

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Ein dickes DANKESCHÖN an alle, die mir mit Rat und Tat bei der Überarbeitung des Buches geholfen haben. Danke auch für das zur Verfügung stellen der Urlaubsfotos, die das Buch auflockern.

Inhaltsverzeichnis

Reisevorbereitungen

Falscher Alarm

Geister an Bord

Flugzeuge, Koffer und der erste Start

Kaffeepause im „Thüringer Wald“

Gedanken am Morgen

Die Rückstoßente

Mein erstes Afrika-Abenteuer

Afrikanisches Wetter

Oryx-Anatomie

Ausflug in die Höhlen

In der Höhle

Der Wasserfall

Hauptstadt der Strauße

Die Schlangenfrage

Nummer 1 – ein Python

Die Zweite – unscheinbar und grau

Die Dritte – grasegrün

Dreieinhalb

Die listige Meerkatze

Die Frühstücksdiebe

Ungebetener Besucher

Der moderne Affe

Im Krüger-Nationalpark

Besitzansprüche

Ein Elefant als Fotomodell

Der Sturkopf

Auf Spurensuche

Reise in die Steinzeit

noch tiefere Vorzeit

Der Himmelsstein

glitzernd bunte Steinwelt

Wege durch das Land

Auf Abwegen

Menschliche Brathähnchen

Pilze in Namibia

Tanja und Manja

Die Geschichte vom diebischen Pinguin

Tierisches Nachtleben

Ein Morgen im Nationalpark

Das Löwenschwein

Überfall in der Küche

von hinten

kleine große Tiere

Die Geschichte vom Geisterwald

Spielplatz der Riesen

Wie die Wüste ans Meer kam

Sand und Meer

Unterkünfte

Der Schlüssel

Die haben `nen Hammer!

Der Spaßvogel

Die Liebe zwischen Schaf und Ziege

Der verzogene Straußenhahn

Majestät Jedermann

Tücken der Technik

Autoreparatur auf afrikanisch

Graaff-Reinet

Wüstentour

Die Furt

Tagesspecial: Wasser von oben

Reisevorbereitungen

Eine so weite Reise muß gut vorbereitet sein. Deshalb sollte ich an dieser Stelle erst einmal ein paar Worte zu den Reisevorbereitungen sagen. Es ist nämlich eine recht langwierige Sache, wenn man vor hat, eine solche Individualtour zu unternehmen. Na ja, ehrlich gesagt, ganz ohne Hilfe geht das nicht. Das ist hauptsächlich eine Zeitfrage. Warum? Dazu wären umfangreiche Recherchen im Internet notwendig. Hat man dann etwas scheinbar passendes gefunden, muß man sich mit den einzelnen Farmen oder Lodges per Mail in Verbindung setzten, Anfragen auf Englisch schreiben, die Rückantworten abwarten und so weiter. Deshalb nutze ich in dieser Phase gern die Hilfe von Profis. Die habe ich bei einem Reiseunternehmen gefunden, welches sich auf genau solche Leute wie mich spezialisiert hat. Und ich muss zugeben, damit bin ich bisher immer sehr gut gefahren. Trotzdem brauche ich mindestens ein Jahr Vorlaufzeit.

Doch nun zurück zum Anfang der Reisevorbereitungen. Als allererstes wären da die Reisekandidaten. Diese müssen sowohl zu mir, als auch zu meiner Art des Reisens passen. Das heißt, sie müssen aufgeschlossen gegenüber Unbekanntem sein, neugierig und unkompliziert. Unkompliziert ist besonders wichtig, denn wir sind unterwegs wie Zugvögel. Nirgendwo lassen wir uns lange nieder. Solche Leute finde ich ausschließlich über Mundpropaganda. Ich habe es auch schon mit Zeitungsannoncen versucht, aber das klappt überhaupt nicht. Dazu wären lange Erklärungen notwendig, die gar nicht in die kleinen Annoncen-Kästchen hinein passen. Doch bisher hat das mit der Mundpropaganda ja immer recht gut geklappt. Das ist der erste Grund für die lange Vorbereitungszeit. Und mehr Leute als in ein Auto hinein passen, möchte ich auch nicht mitnehmen. Das wird sonst unübersichtlich. Fazit: gesucht werden maximal vier Leute pro Reise, die zu mir und zueinander passen. Habe ich diese gefunden, kommt Phase zwei. Wir setzen uns zusammen und sprechen darüber, was jeden so auf einer Reise im Süden Afrikas interessieren würde. Schließlich geht es darum zu Beginn das Reiseland festzulegen, Südafrika oder Namibia. Ist das geklärt, werden Wünsche gesammelt, was jeden in dem entsprechenden Land besonders interessieren würde. Das schreibe ich mir erst einmal auf. Danach nehme ich mir die Karte des entsprechenden Landes und lege mir Merkzeichen darauf, die die Wunschziele darstellen. Ist die Vorbereitung an diesem Punkt angekommen, lasse ich die Karte mit allen Zeichen darauf erst einmal liegen und überschlafe das Ganze. Im Schlaf kommen mir manchmal recht gute Einfälle. Na gut, manchmal lasse ich es auch mehrere Tage liegen. Ich habe ja in der Wohnung genug Platz. Habe ich dann einen groben Plan im Kopf entworfen, schreibe ich mir die Stichpunkte auf einen großen Zettel. Dann verbinde ich gedanklich alles zu einer Reiseroute.

Jetzt kommt der Punkt, wo ich erste Überlegungen zu Start und Ziel mit Sehenswürdigkeiten auf der Tour verbinden muss. Immerhin soll innerhalb der Reise ja auch noch eine Steigerung in der Erlebnisqualität möglich sein. Diesen ersten Planentwurf schreibe ich wiederum auf und nutze ihn als Gerüst für die endgültige Planung. Nach einigem hin und her, mehreren zerknüllten Entwürfen und Streckenänderungen ist es endlich geschafft. Die Reiseroute steht. Der Reisezeitraum ist festgelegt. Die Strecke ist tagfertig abgesteckt. Jetzt informiere ich meine Reiseteilnehmer und teile ihnen mit, was bis jetzt erledigt ist. Meist kommt dann: „Wir verlassen uns ganz auf dich.“ oder „Wir lassen uns überraschen“

Nun geht es an die finanzielle Seite der Geschichte. Lang soll die Reise sein, preisgünstig aber auch. Na ja, die Länge ist durch die Anzahl der Urlaubstage aller Mitreisenden begrenzt. Meist sind es maximal 19 Tage. Finanzielle Grenzen setzt mein Sparschwein. Und auch das muss ich zuvor mindestens zwei Jahre richtig straff füttern. Jedenfalls ist jetzt der Punkt erreicht, wo ich mich an meine Profis wende. Diesen übermittle ich meinen tagfertigen Plan mit Streckenführung, benötigten Fahrzeugen und finanziellem Rahmen. Zu den benötigten Fahrzeugen gehört neben dem Flugzeug ja auch noch der Mietwagen für die Rundreise. An dieser Stelle angekommen ist meist noch ein dreiviertel Jahr oder ein klein wenig länger Zeit bis zum geplanten Abreisetag. Es ist wichtig einen so großen Spielraum zu haben. Zum einen haben ja nun meine Profis noch die ganze organisatorische Arbeit mit den Unterkünften, dem Auto und dem Flug an sich, zum anderen erwischt man auf diese Weise meist recht preiswerte Flüge. Mitunter gibt es dann auch noch die eine oder andere Änderung, die sich aus der Streckenführung oder den gewünschten Etappenorten ergibt. Manchmal gehen auch noch mehrmals e-Mails hin und her. Dann erhalte ich den endgültigen Reiseplan inklusive Finanzplan zurück. Wieder kontaktiere ich meine Mitreisenden, informiere sie über den Stand der Dinge und sammle das erste Geld ein. Meist ist es das für die Flüge. Die müssen immer zuerst bezahlt werden. Da meine Profis auch die gesamte Bündlung der finanziellen Abwicklung überwachen, schicke ich das eingesammelte Geld nun an sie. Und sie überweisen den Betrag an die entsprechende Stelle. Das klappt seit mehr als zehn Jahren ohne Probleme.

Nun tritt eine Phase der Ruhe in den Vorbereitungen ein. Mehr als ein halbes Jahr ist noch Zeit. In diesem Zeitraum überprüft jeder seinen Pass auf Gültigkeit, besorgt sich eventuell noch notwendige Papiere, wie zum Beispiel einen internationalen Führerschein. Mitunter sind auch noch gesundheitliche Vorkehrungen zu treffen, Reisepillen, Impfungen usw. Endlich ist die Zeit auf einen überschaubaren Zeitraum von etwa acht Wochen zusammengeschrumpft. Es beginnt die heiße Phase der Vorbereitungen. Das gesamte restliche Urlaubsgeld wird an die Profis überwiesen und somit bezahlt. Im Gegenzug erhalte ich nun eine dicke Reisemappe mit Unterlagen, Vouchern und Kartenmaterial, auch Lektüre ist dabei. Letzte Absprachen untereinander werden getroffen. Nun geht es um solche Feinheiten wie Bekleidung, Handgepäck, Film- und Fotomaterial. Dazu wird der Wetterbericht im Internet studiert und in den Unterlagen nachgelesen. Als letztes wird noch der Treffpunkt für den scharfen Start vereinbart. Damit ist endlich alles erledigt, was vor Reisebeginn getan werden konnte und musste. Alle sind jetzt schon genauso hippelig wie ich. Nun kann es losgehen. Das Abenteuer ruft! Und jedes Abenteuer beginnt meist ganz harmlos. In unserem Fall war es meist eine Zugfahrt. Zu den Annehmlichkeiten einer solchen organisierten Individualreise gehört es, dass jeder Teilnehmer ein Zugzum-Flug-Ticket der Deutschen Bahn erhält. Damit kommt man günstig bis zum Flughafen Frankfurt, wo dann die Flüge Richtung Afrika starten. Gut, der Zeitaufwand ist größer als wenn man das Flugzeug ab Dresden bis nach Frankfurt nehmen würde. Aber nach Dresden muss man ja auch erst einmal kommen. Außerdem kann eine Zugfahrt auch ganz lustig sein. Zum einen lernt man sich untereinander schon ein wenig kennen und zum anderen bieten auch Züge selbst einen gewissen Spaßfaktor. Wie zum Beispiel bei meiner vorletzten Reise. Bis Leipzig fuhren wir mit dem Regionalzug. Dann stiegen wir in den ICE um. Jeder von uns hatte einen großen Koffer und eine etwas größere Tasche für das Handgepäck dabei. Im Zug erwischten wir, meine Freundin und ich Plätze direkt hinter der automatischen Tür. Das war günstig, die Koffer ließen sich gut hinter der Rückenlehne verstauen. So hatten wir sie immer im Blickfeld. Wir setzten uns, machten es uns für die lange Strecke bis Frankfurt bequem und blätterten in den ausliegenden Zeitungen. Der Zug fuhr los. Alles war prima. Bis zu dem Zeitpunkt, wo ich mich anlehnte. Plötzlich öffnete sich mit lautem Zischen die Automatiktür. Im ersten Moment dachte ich ja, es käme jemand herein. Ich fuhr hoch, blickte mich um, aber da kam niemand. Hm, vielleicht ist im Vorraum jemand vorbei gegangen? Da sonst nichts passierte, lehnte ich mich wieder an.

Prompt zische es wieder, die Tür öffnete sich. Oberkörper gerade, alles ruhig, anlehnen, zischen, Tür auf. Drei vier Mal schaukelte ich so hin und her. Meine Freundin amüsierte sich schon. Dann tauschten wir die Plätze. Auch als sie sich anlehnte, der gleiche Effekt. Langsam wurde es uns zu bunt. Nun setzten wir uns beide auf die von der Tür entfernt liegende Bank. Endlich war Ruhe. Als dann der Schaffner zwecks Fahrkartenkontrolle kam, haben wir ihn natürlich auf die Sache mit der Tür aufmerksam gemacht. Wenig später arbeitete er an einem kleinen Kasten im Vorraum. Als er dann erneut herein kam, teilte er uns mit, dass ein Sensor überempfindlich reagiert hätte. Repariert hat er ihn nicht, aber abgeklemmt. Zumindest stört er nicht mehr durch ständiges Öffnen der Waggontür. Klar, dass wir uns auch später noch mehrfach an diese verrückte Tür erinnert haben, besonders wenn wir eine Automatiktür sahen.

Auf dem Flughafen gibt es solche Türen zum Glück nicht, sonst wären wir vor Lachen nie im Flieger angekommen. Ach, apropos angekommen, da fällt mir doch glatt noch so eine kleine Episode am Rand der Reise ein:

Falscher Alarm

In der Abflughalle gibt es ja mehrere Check In-Schalter, für die verschiedenen Fluggesellschaften. Dort muss man sich mit seinem Koffer brav anstellen, um sein Gepäck auf die Reise zu schicken und die Bordkarte zu erhalten. Nach dem wir den Aufstieg vom Bahnhof bis in den Flughafen per Rolltreppe und mit Gepäckwagen bewältigt hatten, stellten wir uns ebenfalls an. In der Schlange standen mindestens dreißig Leute vor uns. Ich hatte also genügend Zeit mich um zuschauen. Vor uns stand eine Großfamilie mit mindestens fünf Kindern (genau konnte ich nicht zählen, weil sie ständig durch die Gegend wuselten), drei voll beladenen Gepäckwagen und noch jede Menge kleinen Gepäckstücken. Das konnte dauern! Hinter mir ein junges Pärchen, welches sich laufend abschmatzte. Dahinter ein älterer Herr mit einem Rucksack und Flipflops an den Füßen. Was ich schon mal sehr interessant fand. Insgesamt ein recht bunt gemischter Trupp. Wie ich noch so meine Mitreisenden begucke, steigt mir auf ein Mal ein merkwürdiger Geruch in die Nase. Schnuppernd halte ich meine Nase in die Luft. Nein, das kam weder von der Großfamilie noch von dem älteren Herrn. Ich winkte meine Freundin heran, die sich ein wenig seitlich platziert hatte. „Riechst du was?“ fragte ich sie. Auch sie bekam eine Nase voll, von diesem merkwürdigen Geruch.

Wir guckten uns beide an und rätselten, was das sein könnte. Der Geruch wurde immer stärker. Mittlerweile drehten sich bereits in mehreren Schlangen die Leute, nach der Quelle suchend, um. Nur die herum stehenden Sicherheitsleute schienen nichts zu bemerken. Daraufhin sprachen wir sie direkt auf den Geruch hin an. Nach dem der Wachmann seinen Platz verändert hatte, schien er es plötzlich auch zu riechen. Man konnte es folglich nur in einigen Bereichen der Halle wahrnehmen. Inzwischen hatte meine Nase auch herausgefunden, dass es sich um eine brenzlige Geruchsnote handelt, was ich dem Wachmann auch mitteilte. Daraufhin stellte er sich etwas abseits, griff zu seinem Funkgerät und gab eine Meldung durch. Hoffentlich nichts ernstes, dachte ich noch bei mir. Meine Befürchtungen reichten sogar bis zur Räumung des Flughafens und Flugausfall. So schlimm war es dann aber zum Glück doch nicht. Wie sich herausstellte, befanden sich direkt unter dem Abflugterminal Küchen. In einer dieser Küchen nun war in einer großen Pfanne Gemüse verschmort. Das hatte zu diesem Gestank geführt, der über die Lüftungskanäle bis zu uns herauf gedrungen war. Als der Geruch bei uns oben ankam, war in der Küche schon Entwarnung gegeben und die Pfanne entsorgt worden. Das hatte uns der Sicherheitsbeamte auch umgehend mitgeteilt. Klar, dass alle erleichtert waren, eine derart harmlose Ursache für den Gestank zu erfahren.

Mittlerweile waren wir in der Schlange immer weiter vor gerückt und endlich auch am Schalter angekommen. Unser Gepäck wurde gewogen, für nicht zu schwer befunden, mit einem Anhänger versehen und über ein Laufband in Richtung Flugzeug geschickt. Dort landete es gemeinsam mit vielen anderen Gepäckstücken in einem Gittercontainer und verschwand im Bauch unseres Flugzeugs. Wir würde es erst am Zielflughafen wiedersehen.

*

Da wir gerade beim Thema Flugzeug sind, fällt mir gleich noch eine Pannengeschichte ein. In diesem Fall ereignete sich das Malheur im Flugzeug.

Geister an Bord?

Es war eine große Boeing 737, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Jedenfalls hatte sie seitlich zwei und in der Mitte vier Sitze. Vorn, eine durch Vorhang abgeteilte Business-Class, dann der Einstiegsbereich.

Dahinter die Plätze der Holz-Klasse, wie man den Economy-Bereich mitunter auch nennt. Dieser war auch noch einmal geteilt. Etwas auf der Hälfte war der zweite Einstiegsbereich. Dort befand sich auch die Bordküche. Trotz der Tatsache, dass sie nicht sehr groß ist, wird hier die Verpflegung für fast vierhundert Leute zubereitet. Na ja, nicht frisch gekocht, aber frisch aufgewärmt immerhin. An Bord kommt das Essen in solchen großen schmalen Metallschränken, die dann in die Wärmeofen geschoben werden. Auch auf diesem Flug hatten wir vor dem Start beobachten können, wie die Verpflegungsschränke verladen wurden. Endlich war alles an Bord, was mit sollte, Leute, Gepäck und Essen.

Klappen und Türen zu und schon rollte die Maschine zum Start. Plötzlich rumpelte es im Küchenbereich. Noch etwas rollte, nämlich einer der Verpflegungsschränke. Wollte der etwa wieder aussteigen? Oder waren heute echte `dienstbare Geister` mit an Bord? Jedenfalls hatte sich eine Tür in der Bordküche geöffnet und einer der Schränke rumpelte munter durch den Gang des Flugzeugs. Dabei waren wir noch nicht einmal in der Luft! Rasch machten wir die Stewardess auf den Ausflug des Speiseschrankes aufmerksam. Sie fing ihn ein und sperrte ihn wieder an seinen Platz. Die Maschine nahm Anlauf, hob die Nase zum Abheben und … erneut machte sich der dreiste Schrank auf den Weg durch das Flugzeug. Dieses Mal schaffte er sogar die halbe Strecke von der Küche bis zum Heck. Dann verkantete er sich im Gang und blieb stecken. Da sich jetzt keiner abschnallen durfte, blieb der Schrank erst einmal in dieser Position hängen bis die Startphase vorüber war. Erst danach konnte ihn das Bordpersonal erneut zurück in Richtung Küche befördern. Wie sich herausstellte, waren nicht etwa Geister dafür verantwortlich, sondern ein defekter Türverschluss. Deshalb hatte sich der Schrank auch beim zweiten Mal `befreien` können. Erst nach gemeinsamer Anstrengung mehrere Crewmitglieder wurde der Schrank gebändigt und anschließen zurück an seinem Platz eingesperrt. Also leider nix mit dienstbare Geister.

Flugzeuge, Koffer und der erste Start

Ja, da kommen wieder Erinnerungen hoch, an unsere allererste Reise. Auch da nahmen die Koffer den Weg über das Laufband zum Bauch des Flugzeugs. Zielflughafen war damals Johannesburg, oder kurz Jo-Burg, wie die Einheimischen sagen. Damals war ich noch verheiratet und reiste mit meinem Mann. Wir starteten im Februar bei minus 5°C von Tegel, über Shiphol in Holland, bis eben nach Jo-Burg. Die Landung erfolgte bei +25°C. Puh, war das eine Umstellung! Ja, in Deutschland war Winter, hier Sommer. Jo-Burg liegt eben auf der anderen Halbkugel unserer Erde. Was wir zwar theoretisch wussten, aber praktische Vorstellungen von diesem Unterschied hatten wir nicht.

Da standen wir nun in unseren warmen Winterpullovern vor meinem Cousin, welcher uns vom Flughafen abholte. Und schwitzen gar mächtig. Aber nicht lange! Gleich nach dem wir unsere Koffer in Empfang genommen und das Flughafengebäude verlassen hatten, suchten wir nach einer Möglichkeit uns umzuziehen. Die war aber nicht in Sicht. Was blieb uns übrig wenn wir nicht zerfließen wollten, eine spontane Notfallvariante musste her. Wir schleppten die Koffer zum Auto und legten sie auf den Rücksitz, damit wir sie öffnen konnten. Schnell entnahmen wir einige sommerliche Kleidungsstücke. Ein kurzer Blick nach allen Seiten und schon fielen die Hüllen. In Windeseile hatten wir die Winterbekleidung ausgezogen und standen in Unterwäsche auf dem Parkplatz. Nun schnell in die Sommersachen geschlüpft und der Urlaub konnte beginnen. Also wer uns damals beobachtet hat, hatte sicher mächtig viel Spaß bei unserer Aktion.

Kaffeepause im `Thüringer Wald`

Doch das sollte nicht die einzige verrückte Aktion unseres ersten Urlaubs bleiben. Die nächste ließ nicht lange auf sich warten. Mein Cousin gab den Reiseführer auf unserer Individualtour. Er hatte auch die Strecke ausgewählt, auf der er uns durch das Land fahren und die Sehenswürdigkeiten zeigen wollte. Ich erinnere mich noch daran als wäre es gestern gewesen. Ohne uns zu verraten, wohin es gehen sollte, fuhr er los. Es ging in nördliche Richtung. Plötzlich sagte er: „Kaffeepause im Thüringer Wald!“ Wir sahen uns beide an. Wollte er uns verulken? Da tauchte hinter einer Straßenbiegung plötzlich tatsächlich ein Nadelwald auf. Wie kam der denn hier her? Beim genaueren Hinsehen bemerkten wir, dass sich dieser Wald doch etwas von seinem europäischen Gegenstück unterschied. Die Äste waren gerader, breiter ausladend und machten den Eindruck als wären sie am Baum angesetzt. So gleichmäßig und symmetrisch wuchs bei uns kein Nadelbaum. Auch waren die Nadeln länger. In späteren Jahren habe ich einzelne Exemplare davon als Zierbäume in heimischen Gärten entdeckt. Kaffee getrunken haben wir im Thüringer Wald dann doch nicht. Mein Cousin ließ uns nur ein wenig Zeit zum Füße vertreten und gucken. Dann ging es auch schon weiter. Er meinte die gesamte Fahrzeit des Tages würde bei fünf Stunden liegen. Gegen Mittag wären wir in Pietermaritzburg. Dort wäre Mittagessen geplant. Von der Zeit her kam das letztlich auch hin, nur aus dem Mittagessen wurde nichts. Aus irgendeinem Grund war in der gesamten Stadt Stromausfall. Sämtliche Technik war vollständig außer Betrieb. Alle Läden waren geschlossen. Mit knurrendem Magen fuhren wir weiter. Hinter Pietermaritzburg gab es wieder Strom. Die nächste geöffnete Raststätte an der Strecke war unsere. Das erste Mal afrikanisch essen! Hatten wir uns so gedacht. Und dann gab es belegte Sandwich! Aber wir wurden wenigstens satt. Außerdem sollte es ja am Abend in unserer Unterkunft ein richtiges Buffet geben. Das tröstete uns über diese Enttäuschung ein wenig hinweg. Am Ende landeten wir in Mageobaskloof. Und da passierte dann unser erstes „Affen-Abenteuer“ mit einem Pavian. Doch dazu etwas später.

So weit zu Reisevorbereitung und scharfem Start ins Abenteuer. Ja, eigentlich ist jeder Afrika-Urlaub für mich ein Abenteuer. Weil ich mir dabei die Zeit nehme, meine Umgebung neu zu entdecken. Auch wenn es mitunter nur Kleinigkeiten sind. Doch gerade die sind das Salz in der Suppe namens Urlaub.

Gedanken am Morgen

Ich stehe im Nachthemd am Fenster meines Hotelzimmer. Noch etwas verschlafen schaue ich der Sonne beim Aufgehen zu. Der Himmel ist in überirdisch schöne Farben getaucht, die man dort nie erwartet hätte. Als Hintergrund ein wunderbar klares helles Türkisblau, davor zart orangefarbene Wolken. Später ändern sich die Farben. Der Himmel erhält sein gewohntes Blau, die Wolken wechseln über blutrot zu weiß. Der neue Tag hat begonnen. Was wird er bringen? Ich weiß es nicht, träume aber ein paar Minuten von Sommer, Sonne und Urlaub. Jetzt habe ich Urlaub! Und Zeit zum philosophieren und träumen.

„Endlich Urlaub“, ein Stoßseufzer, den wohl jeder von uns schon einmal in der einen oder anderen Form ausgestoßen hat. Geschafft von den reichlichen Arbeitswochen des Jahres, freut sich jeder auf diese Zeit der Erholung und Entspannung. Leider ist die Urlaubszeit im Vergleich zur Anzahl der Arbeitswochen immer viel zu kurz und geht viel zu schnell vorbei. Gerade hat man angefangen sich fallen zu lassen, wird man schon zurück in die raue Arbeitswelt gestoßen. Doch ich will nicht jammern, Urlaub ist schön, Urlaub macht Spaß und so soll es sein und bleiben.

Bleiben wir also beim Thema Urlaub. Es gibt viele verschiedene Arten, wie man ihn verbringen kann. Jeder hat da so seine eigenen Vorstellungen. Ja, ich habe sogar festgestellt, dass es verschiedene Urlaubstypen gibt. Eigentlich gibt es, aus meiner Sicht, vier Haupttypen von Menschen in Bezug auf die Art und Weise wie sie ihren Urlaub verbringen. Der erste ist der so genannte Hamburger-Typ. Hier zu gehören alle Menschen, die ihren Urlaub ausschließlich oder überwiegend mit Nichtstun verbringen. Sie liegen im Liegestuhl auf dem Balkon oder am Strand und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Wie ein Hamburger lassen sie sich erst von der einen Seite bräunen. Dann wälzen sie sich herum und tun dasselbe von der anderen Seite. Am Liebsten hätten sie es, käme jemand vorbei zu dem sie sagen könnten: „ Bitte wenden Sie mich“ und dann dreht die angesprochene Person den Urlauber. (In Gedanken stelle ich mir dann immer jemanden mit einem großen Bratenwender vor, den er unter die entsprechende Person schiebt, leicht anhebt und anschließend mit Schwung auf die andere Seite wirft. Eben wie man ein Steak oder den Hamburgerbratling wendet.)

Der zweite Typ ist der Aktiv-Urlauber. Er ist interessiert daran, sich in seiner Urlaubszeit zu bewegen, Sport zu treiben, zu wandern, zu schwimmen oder zu klettern. Also das genaue Gegenteil des Hamburger-Typs. Ihn zieht es hinaus in die nähere oder fernere Natur, wo er seinen Neigungen frönen kann. Bei ihm ist es nicht ausgeschlossen, dass er nach seinen Urlaubswochen mit einem Krankenschein im Betrieb erscheint. Dann nämlich, wenn er es mit dem Sport etwas arg übertrieben und sich dabei ernsthafte Verletzungen zugezogen hat.

Der Typ Nummer drei ist der sogenannte Herden-Urlauber. Er bevorzugt Urlaub in der Gruppe. Möchte auch im Urlaub geführt und geleitet werden, ist gesellig, aber nur bedingt neugierig. Die Neugier reicht nur so weit, wie er sie unbedenklich und vor allem ohne Gefahr für Leib und Leben, stillen kann. Experimente im Urlaub sind ihm zumeist suspekt. Deshalb schreckt er vor allem zurück, was auch nur den Hauch einer Gefahr bedeuten könnte.

Der vierte und letzte Typ ist der Zigeuner-Urlauber. Er reist meist allein oder mit nur wenig Begleitung. Steckt seine Nase in alle möglichen Ecken, erkundet die von ihm erwählte Umgebung auf eigene Faust und hält sich selten länger an einem Ort auf. Die angeborenen Neugier treibt ihn immer weiter. Er kehrt auch nur selten an Orte zurück, die er bereits ein Mal besucht hat. Es sei denn, er hat es nicht geschafft, seine Neugier komplett zu befriedigen.

Natürlich treten alle Urlaubertypen nur äußerst selten in Reinkultur auf. Es gibt viele Misch-Typen. Also solche, die von allem etwas haben. So gibt es Badeurlauber, die auch wandern gehen, oder Gruppenreisende, die in der vorgegebenen Freizeit auch mal die eine oder andere Ecke ihrer Urlaubsregion selbst erkunden. Nur vom Zigeuner-Urlaub halten sie zumeist alle nicht all zu viel. Der ist ihnen zu anstrengend, zu unsicher und manche halten ihn sogar für gefährlich. Darin sind sie sich einig.