Burnout - Ben Kubassek - E-Book

Burnout E-Book

Ben Kubassek

4,3

Beschreibung

Kennen Sie diesen Zustand: Alles ist Ihnen zu viel, Sie fühlen sich erschöpft und ihr Elan ist wie weggeblasen? Selbst einfachste Entscheidungen fallen Ihnen schwer und was früher Spaß gemacht hat, ist auf einmal nur anstrengend? So oder so ähnlich fängt es meistens an, wenn die Gefahr einen Burnout droht. Dabei ist es immens wichtig, diese ersten Symptome zu erkennen, denn ein Burnout stellt sich nie über Nacht ein - wie oft geglaubt wird. Wer die frühen Anzeichen zu deuten vermag und ernst nimmt, kann lernen, ihn zu vermeiden. Ben Kubassek zeigt nicht nur das, sondern auch, wie Sie Stress reduzieren, ohne auf ein zufrieden stellendes berufliches Leben und Erfolg zu verzichten.

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Seitenzahl: 223

Veröffentlichungsjahr: 2001

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Ben Kubassek

Burnout

Ich widme dieses Buch in liebevoller Dankbarkeit meiner Frau Elizabeth und meinen Kindern Krystal, Daniel, Joshua und Jonathan, die mir nicht nur unablässig Inspiration sind, sondern mein Leben im Gleichgewicht halten.

Darüber hinaus widme ich dieses Buch meinen Eltern Julius & Theresa, die mich lehrten: „Was ich war, ist ein Geschenk Gottes. Was ich werde, ist mein Geschenk an Gott.“

Ben Kubassek

Burnout

So gewinnen Sie neue Lebensfreude und bleiben trotzdem erfolgreich

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Jürgen Schilling

Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Kubassek, Ben:

Burnout : so gewinnen Sie neue Lebensfreude und

bleiben trotzdem erfolgreich / Ben Kubassek.

Aus dem Amerikan. übers. von Jürgen Schilling. -

Landsberg am Lech: mvg, 2001

(mvg-Paperbacks ; 08685)

Einheitssacht.: Succeed without burnout <dt.>

ISBN 3-478-08685-X

Copyright © 1997 by Ben Kubassek. First published in 1997 by Eagle Press, Ontario/Canada.

Copyright © für die deutschsprachige Ausgabe 2001 bei mvg-verlag im verlag moderne industrie AG & Co. KG, 86895 Landsberg am Lech

Titel der amerikanischen Originalausgabe: „Succeed Without Burnout“ Aus dem Amerikanischen übersetzt von Jürgen Schilling.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlaggestaltung: Vierthaler & Braun, München

Satz: Fotosatz H. Buck, Kumhausen

Druck- und Bindearbeiten: Presse-Druck, Augsburg

Printed in Germany 08685/2014602

ISBN 3-478-08685-XISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86415-851-3

eBook by ePubMATIC.com

Inhaltverzeichnis

Danksagung

Einleitung

Kapitel 1: Burnout – die Erfahrung

Kapitel 2: Zu sehr engagiert – oder aus dem Gleichgewicht geraten?

Kapitel 3: Die Latte zu hoch legen

Kapitel 4: Wenn die Kerze an beiden Seiten brennt

Kapitel 5: Unter Stress

Kapitel 6: Wenn der Körper vernachlässigt wird, macht auch bald der Geist schlapp

Kapitel 7: Emotionale Überlastung

Kapitel 8: Die Geister der Sorge, Furcht und Unruhe

Kapitel 9: Wie man Depressionen überwindet und zu einem neuen Leben findet

Kapitel 10: Auszeit!

Kapitel 11: Ausgeglichene Zielsetzungen

Kapitel 12: Bauernregeln – das Gesetz der Ernte

Kapitel 13: Die innere Einstellung – der große Unterschied

Kapitel 14: Die Macht des Wohlstands

Kapitel 15: Integrität, Ehrlichkeit und Charakter

Kapitel 16: Das Glück der Umarmungen

Kapitel 17: Zeitmanagement durch Selbstmanagement

Kapitel 18: Misserfolge sind nichts Persönliches ... sondern lediglich ein Ereignis

Kapitel 19: Erfolg überleben – oder wie man nicht wieder hinunterfällt, wenn man den Gipfel errreicht hat

Literaturverzeichnis oder Bens Empfehlungen für Ihre „geistige Nahrung“

Danksagung

Ich wurde reichlich gesegnet und bin meinem Schöpfer, meiner Familie, meinen Freunden und Mentoren zu Dank verpflichtet. Ich möchte den wundervollen Menschen, die dieses Buch ermöglicht haben, meine zutiefst empfundene Wertschätzung aussprechen:

Meinen Mentoren, deren Schriften, Aufzeichnungen in Ton und Bild und nicht zuletzt Handlungen mich mit der Weisheit der Jahrhunderte gesegnet und inspiriert haben.

Meinen Klienten, Kollegen und Teammitgliedern, deren Synergie mir die Kraft gab, meinen Horizont zu erweitern.

Meinen Kollegen bei Missionary Ventures, die mich lehrten, was es bedeutet, „menschliche Not durch persönliches Engagement zu lindern“. Euch zu kennen, hat mich zu einer wirklich mitfühlenden Person gemacht.

Meinem heutigen Pastor Lloyd Fretz und den ehemaligen Pastoren Keith Gonyou, Ron Byers und John Zuck für den spirituellen Einfluss, den sie auf mein Leben hatten.

Und natürlich am allermeisten meiner Familie, deren liebevolle Unterstützung mir wichtiger als alles andere war. Vielen Dank, dass Ihr mich täglich daran erinnert, worum es eigentlich geht.

Einleitung

Die Farm

Bei jedem Menschen kommt es auf ganz eigene Art zum Burnout und das war bei mir nicht anders. Ich wuchs in der behüteten Umgebung einer religiösen Gemeinschaftsfarm in der Nähe von Kitchener/Ontario, Kanada auf. Die Farm der Brethren umfasste 16 Familien, die zusammen lebten und arbeiteten, ihre irdischen Besitztümer miteinander teilten und ein bescheidenes Auskommen hatten.

Im Alter von 21 Jahren war meine Ausbildung abgeschlossen und ich besaß 2.000 Dollar. Ich verließ die Farm und stürzte mich mit meinem älteren Bruder ins Geschäftsleben. In dem Glauben, ich könne alles tun, alles besitzen und alles erreichen, was ich wollte, begann ich jedes Selbsthilfe-Handbuch zu lesen, dass mir in die Finger fiel.

All unsere Unternehmungen waren von Erfolg gekrönt, von viel Erfolg sogar. Nach sechs Jahren hatte ich alle Ziele erreicht, die ich je erreichen wollte; Ziele, die mir unerreichbar schienen, als ich sie erstmals ins Auge fasste. Alle Risiken, die ich je eingegangen war, hatten sich gelohnt!

Burnout

Und plötzlich bekam ich es mit einem Burnout zu tun: Er raubte mir jegliche Energie, Kreativität, meine positive Einstellung, die Liebe für das Leben und meine Zukunftsvisionen. Ich versank immer tiefer in Depressionen, die fast zum Selbstmord führten. Sechs Monate lang lebte ich im höllischen Albtraum des Burnout – physisch, mental und spirituell.

In jenen verlorenen Monaten hätte ich mir gewünscht, von Menschen zu hören, die Ähnliches erlebt hatten und wussten, was ich durchmachte, und die mir sagten, dass es mir wieder besser gehen würde. In den Tiefen meiner Depressionen brauchte ich ein Licht, das mir den Ausweg zeigte aus dem tiefen Loch, in das ich gefallen war.

Vielleicht stehen auch Sie vor solch einem Abgrund oder sind bereits hineingestürzt oder aber Sie haben das Gefühl, Ihr Leben hätte weder Sinn noch Richtung. Falls dem so ist, so kann dieses Buch Ihnen sicherlich Hoffnung geben und Sie dazu inspirieren, wieder vom Burnout ins Gleichgewicht, vom Mittelmaß zu Bestleistungen und vom Dahinvegetieren zu der Erfahrung echter Lebendigkeit zu finden.

Eine bessere Art zu leben

Ich habe dieses Buch aus einfachen Gründen geschrieben: Ich möchte die Grundlagen für ein erfolgreiches und ausgeglichenes Leben mit Ihnen teilen. Wendet man sie kontinuierlich an, so bieten sie eine ausgezeichnete Vorbeugung gegen jenen grauenhaften Zustand, der unter dem Namen Burnout bekannt geworden ist. Diese Prinzipien – die Grundlagen für ein ausgeglichenes Leben – sind der Schlüssel zu einem glücklichen, gesunden, von Liebe erfüllten und erfolgreichen Leben: ein Leben im Überfluss.

Ich bin davon überzeugt, dass man sein Leben voll auskosten sollte, Tag für Tag. Baut man es auf den Grundlagen für ein ausgeglichenes Leben auf, so hat man es in einem Maße unter Kontrolle, das man nicht für möglich gehalten hätte. Falls Sie momentan unter einem Burnout leiden, so werden diese Prinzipien Ihnen wieder Hoffnung geben, die Hoffnung, die Sie für Ihre Genesung brauchen. Denn wenn man wieder Hoffnung schöpft, ist man bereits auf dem Wege der Besserung.

Unser Verhalten und Handeln wird von Gefühlen gesteuert. Aber vor jedem Gefühl steht ein Gedanke. So lautet also mein Gebet für Sie: „Möge dieses Buch Sie dazu veranlassen, sich Gedanken darüber zu machen, wie Sie Ihr Leben bisher geführt haben und welche Folgen das hatte; das führt zu einem höheren Grad an innerer Bewusstheit. Möge die Kraft dieser Worte Sie inspirieren, so dass die dadurch geweckten Gefühle zu einem Verhalten und Handeln führen, das Ihnen in Zukunft bessere Resultate bringt, und mögen diese Sie zu einem besseren Menschen machen, zu Hause, an Ihrem Arbeitsplatz, in der Schule und in Ihrem Inneren.“

Wenn Sie sich im Gestrüpp des Lebens verloren vorkommen, so kann dieses Buch Ihnen – wie eine Landkarte – den Weg zu innerem Frieden, einem neuen Sinn im Leben, einer neuen Richtung, Gleichgewicht und wirklichem Glück zeigen. Es wäre mir eine Ehre, Sie auf dieser Reise begleiten zu dürfen und Ihnen den Weg vom Burnout zum Gleichgewicht zu ebnen. Es ist meine Mission, Ihnen zu dienen, indem ich Ihnen helfe, Erfolg ohne Burnout zu haben.

Ben Kubassek

Worum geht es im Leben?

In den fünfziger Jahren ging es um Sicherheit und Wohlstand.

In den siebziger Jahren ging es um Reichtum und Status.

Heute geht es ums Gleichgewicht.

1

Kapitel

Burnout – die Erfahrung

Es fing alles damit an, dass mein Herz vor Angst wild schlug, als wir die Umschläge öffneten. Es handelte sich um ein ziemlich großes Projekt, das größte, auf dass ich mich bisher eingelassen hatte: 97 Häuser in einer großen Wohnanlage. Das war etwas ganz anderes als die Häuser mit 16 Wohneinheiten und das runde Dutzend Einfamilienhäuser, das ich davor gebaut hatte. Ich hatte außerdem schon über 50.000 Dollar für Infrastrukturmaßnahmen ausgegeben und das Land gekauft. Heute kamen die ersten Gebote, und ich würde einen ersten Eindruck davon bekommen, wie viel Geld bei diesem Geschäft rausspringen würde.

Aber während der Mitarbeiter der Genehmigungsbehörde, mein Ingenieur und ich in den Beratungsräumen im Rathaus an jenem sonnigen Nachmittag im April des Jahres 1987 einen Umschlag nach dem anderen öffneten, bekam ich plötzlich Angst, mich finanziell zu ruinieren und alles zu verlieren, wofür ich die letzten fünf Jahre hart gearbeitet hatte. Ich hatte häufig 80 Stunden die Woche eingelegt, um mein kleines Elektrogeschäft in eine Unternehmensgruppe umzuwandeln, die sich um Mechanik und Elektrik kümmerte, Grundstücke erschloss, Häuser baute, Küchen und Bäder verkaufte und renovierte. Es war nichts Ungewöhnliches für mich, den ganzen Tag über zu arbeiten und nach dem Abendessen weiterzumachen. Denn dann war meist der Papierkram dran: Ich machte die Verträge, rechnete Kostenvoranschläge durch oder entwarf elektrische Schaltungen für meine Kunden. Ich war selten vor 22 oder 23 Uhr fertig. Darunter litt natürlich meine Ehe. Der Abstand zwischen mir und meiner Frau wuchs. Aber mein Erfolg überstieg – trotz der Magengeschwüre, die ich bekam – meine größten Erwartungen.

Und jetzt im Rathaus zeigte sich, dass die Angebote weit höher ausfielen, als meine Ingenieure zuvor geschätzt hatten: Im Schnitt 30 Prozent. Nun würden sich die Nebenkosten des Grundstücks auf 100.000 Dollar belaufen – weit mehr als ich erwartet hatte. Es hatte mich bereits einen Haufen Geld gekostet, das Projekt in Angriff zu nehmen, und jetzt sah es so aus, als würde es mir nicht nur keinen Gewinn bringen, sondern mich alles kosten, was ich hatte.

Angstschweiß

Normalerweise hätte ich mir überhaupt keine Sorgen gemacht, sondern gesagt: „Na und?“ Wenn ich alles verlieren würde, was ich hatte, dann würde ich es in den nächsten Jahren einfach noch mal verdienen. Ich hatte Erfahrung. Und die konnte mir niemand nehmen. Es war immer meine Einstellung gewesen, dass es keine Probleme gibt, sondern nur Herausforderungen und Chancen. Dieses Mal war es jedoch ganz anders. Mein Herz klopfte wie wild und ich wurde von diesen Befürchtungen regelrecht überfallen. Das hatte ich noch nie erlebt. Ich hatte Angst, nicht nur wegen dieses Geschäftes, sondern auch weil ich dieses Gefühl noch nie so erlebt hatte und nicht kannte.

In jener Nacht überschlugen sich meine Gedanken. Ich war weit von meiner üblichen positiven Einstellung entfernt, denn nun sah ich nur noch die möglichen Gefahren aller Geschäfte, in die ich involviert war. Ich badete in Angstschweiß und habe wohl kaum mehr als eine Stunde geschlafen.

Das änderte sich auch am nächsten Tag nicht. Normalerweise stand ich morgens um halb sieben auf und verließ das Haus eine halbe Stunde später. Eine Scheibe Toast und eine Tasse Kaffee musste für die erste Hälfte des langen Arbeitstages reichen. An jenem Morgen graute es mir allerdings vor dem neuen Tag. Ich quälte mich dann aber aus dem Bett und schaffte es gerade mal bis zum Sofa, wo ich zusammenbrach.

Meine Frau wollte wissen, was mit mir los war, aber ich war nicht sicher. Ich konnte ihr nur von meinen Befürchtungen erzählen, die mir die ganze Nacht durch den Kopf gegangen waren.

Als ich schließlich genügend Energie gesammelt hatte, um wieder zur Arbeit zu gehen, schaffte ich es nur bis in mein Büro, schloss die Tür hinter mir ab und begann zu weinen. Ich schaffte an diesem Morgen sehr wenig, und als ich zum Mittagessen nach Hause kam, brach ich erneut zusammen. Es endete damit, dass ich zurück ins Bett kroch (nachdem ich mich gezwungen hatte, etwas zu essen) und ein paar Stunden schlief.

Ausgelaugt

Obwohl mir das damals nicht bewusst war, hatte der Stress vom Vortag mich völlig aus der Bahn geworfen. Meine Hingabe an meine Arbeit und meine vielen Arbeitsstunden hatten mich ausgelaugt. So reichte diese Krise aus, mich in den Abgrund zu stürzen.

Was ich damals nicht sehen konnte, sehe ich heute ganz klar. Wie viele andere war auch ich ein Gefangener der enormen Geschwindigkeit des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts. Ich war wie eine Maschine, die sich mit Warp-Geschwindigkeit fortbewegte, ohne jemals Pause zu machen – bis sie schließlich zusammenbrach.

Obwohl ich mir verzweifelt wünschte, dass sich die Gefühle der ersten zwei Tage auflösten, konnte ich scheinbar nichts dazu beitragen. Schlimmer noch, sie verließen mich auch nachts nicht, und am nächsten Tag ... und am nächsten ... und am nächsten. Von Mai bis August kämpfte ich gegen Depressionen, Ängste, Verzweiflung und Lethargie. Ich machte nur Dienst nach Vorschrift, und selbst die kleinste Aufgabe kostete mich eine Menge Energie.

Einige Leute, darunter meine Brüder (drei arbeiten in der Firma) und mein Bauleiter wussten, was ich durchmachte; sie halfen mir die Last des Unternehmens zu tragen. Ich versuchte, meine Gefühle vor anderen zu verbergen, und es kostete mich viel Mühe, jeden Tag „Guten Morgen“ zu sagen, meine Mitarbeiter aufzumuntern und die Erwartungen zu erfüllen, die man an mich als Geschäftsführer und Teamleiter stellte.

Heute weiß ich, dass es für meine Genesung wichtig war, dass ich jeden Tag zur Arbeit ging, aber damals musste ich der dauernden Versuchung widerstehen, meine Geschäfte schleifen zu lassen.

Auch zu Hause war es nicht leichter. Wenn ich abends nach Hause kam, wollten meine Kinder mit mir spielen, aber nach einem schweren Tag, an dem ich andauernd mit meinen Gefühlen gekämpft hatte, konnte ich kaum etwas anderes tun, als auf dem Sofa zu liegen und mich auszuruhen. Ihr Lärm nervte mich. Sie hatten einfach nur Spaß – wie Kinder nun mal sind -, aber mich irritierte es enorm.

Mir fiel alles schwer. Ich musste mich morgens fast aus dem Bett prügeln. Hindernisse, die ich früher einfach weggebügelt hatte, kamen mir jetzt unüberwindlich vor. Ich fürchtete mich, Entscheidungen zu treffen, wo ich früher nicht gezögert hätte. Die Angebote der Bauunternehmer hatten meinen Burnout ausgelöst, aber sie waren nicht der Grund dafür, dass ich mental in einer Intensivstation gelandet war. Es stellte sich sogar heraus, dass alles viel besser laufen würde, als ich befürchtet hatte – das Geschäft brachte mir am Ende einen satten Gewinn. Die Krise warf jedoch ein Schlaglicht auf tiefer liegende Probleme.

Selbstmord

Besonders schlimm war es unterwegs zum Büro und von dort wieder nach Hause oder wenn ich zu irgendeinem Projekt fahren musste – ich war mit meinen Gedanken allein und manchmal dachte ich sogar daran, alledem ein Ende zu setzen. Meine größte Befürchtung war, dass ich niemals wieder gesund werden würde. Mir war natürlich klar, dass mein geschäftlicher Erfolg – von dem ich mir eigentlich erhofft hatte, dass er mich glücklich machen würde – mich in diese miserable Lage gebracht hatte. Das Leben hatte seine Bedeutung verloren. Allein unterwegs auf der Straße kam mir öfter der Gedanke, mein Auto einfach gegen den nächsten Baum zu setzen.

Am meisten sehnte ich mich jedoch nach jemandem, der mir erklären konnte, was mit mir los war, aber anscheinend konnte niemand das. Wohlmeinende Freunde sagten mir, ich solle mir weniger Stress machen und meine Unternehmen verkaufen. Manche Leute hielten mich dazu an, nicht so negativ und deprimiert zu sein, wobei ihnen allerdings nicht klar war, dass ich meine Gefühle kaum unter Kontrolle hatte. Sogar mein Arzt verschrieb mir anfangs Medikamente, die Nerven beruhigen und einen erholsamen Schlaf ermöglichen sollen.

Mir kam niemals in den Sinn, dass es sich vielleicht um einen Burnout handelte. Wenn ich schon davon gehört hatte, wusste ich nicht, worüber die Leute redeten, bis mir mein Arzt im September sagte, dass ich an mentalem, körperlichem und spirituellem Burnout litt. Er empfahl mir, in Florida Ferien zu machen und nicht zurückzukommen, bis es mir besser ging. Die zweieinhalb Wochen dort haben mir geholfen, mich zu entspannen und meine Arbeit zu vergessen.

Noch wichtiger aber war die Tatsache, dass die letzten paar Monate meines Burnout mich veranlassten, Bilanz zu ziehen. Ich musste mein Leben grundlegend ändern, dass war sonnenklar, und die Erkenntnisse, die ich auch mithilfe anderer Leute erlangte, halfen mir, nicht nur meinen Erschöpfungszustand zu überwinden, sondern auch dafür zu sorgen, dass es nie wieder so weit kommen musste. Ich erkannte, wie man sein Leben ins Gleichgewicht bringt, mit Stress umgeht und Ziele verwirklicht, ohne dass es zu einem Burnout kommt.

Im Oktober 1987 hatte ich meine dunklen Tage hinter mir, aber mein Burnout war keinesfalls beendet. Zu meiner eigenen Überraschung begann ich schon bald, mich mit anderen Menschen zu treffen, die es mit ähnlichen Symptomen zu tun hatten, unter denen ich gelitten hatte. Als ich erst einmal das Problem erkannt hatte, war ich erstaunt, wie viele Leute darunter litten. Anfangs war ich noch ziemlich verzweifelt gewesen, weil ich scheinbar als einziger mit einem Burnout konfrontiert war, aber schon bald wurde mir bewusst, dass auch andere es in verschiedensten Abstufungen mit diesem Problem zu tun hatten.

Heute treffe ich mich regelmäßig mit Menschen, die mittendrin stecken oder auf dem besten Wege dorthin sind. Sie brauchen das häufig nicht einmal zu erwähnen, denn ich sehe es an ihrem Verhalten. Sie müssen sich jedes Lächeln abringen, pressen die Lippen aufeinander und ihre Augen liegen tief. Sie sind nervös, können sich nicht entspannen und sehen nicht mehr so gepflegt aus, wie man es von ihnen gewohnt war. Das sind alles Zeichen, die darauf hinweisen, dass jemand sich auf einen Burnout zubewegt. Wer es am eigenen Leib erfahren hat, erkennt die Zeichen auf Anhieb.

Wie ein Burnout ausgelöst wird

Ich möchte noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich meinen eigenen Weg zum Burnout genommen habe. Ich wuchs in der behüteten Gemeinschaft der Community Farm der Brethren auf (eine den Hutterern ähnliche christliche Gemeinschaft, die von meinem Großvater, dem verstorbenen Julius Kubassek, 1940 gegründet wurde) und beendete meine formale Ausbildung dort als 14-Jähriger. Etwa zwei Jahre später war ich zum Schuster der Gemeinschaft geworden und außerdem für die Hühner verantwortlich. Als 16-Jähriger begann die Elektrizität mich zu faszinieren, und ich setzte mir das Ziel, eine Konzession als Elektriker zu erwerben, allerdings ohne dafür in die Lehre zu gehen. Nach einem Fernstudium und Praktikum – bei dem ich einen Dollar täglich verdiente – erhielt ich als 21 – Jähriger schließlich meine Lizenz. Ich verließ die Community Farm am 1. Januar 1980 mit 2000 Dollar in der Tasche und dem Ehrgeiz, in der Welt dort draußen ein außerordentlich erfolgreicher Geschäftsmann zu werden.

Ich war völlig unerfahren und wusste nicht, was Misserfolg ist, als ich mit meinem Bruder Dave ein Unternehmen gründete. Unsere Dienstleistungen lagen im Bereich der Klempnerei und der elektrischen Anlagen. Als recht ehrgeiziger Mensch verschlang ich jedes Buch, das davon handelte, wie man sich Ziele richtig setzt und erfolgreich wird, über Geld und das Geschäftsleben. Und nach sechs Jahren hatte ich alle Ziele erreicht, die ich in meinem Leben erreichen wollte: eine schöne Frau, eine wunderbare Familie und das Haus meiner Träume auf einer Freizeitfarm. Ich fuhr einen Luxuswagen, mir gehörten drei Unternehmen mit einem Wert von über einer Million Dollar. Wie konnte ich, oder wie könnte jemand das ohne einen Burnout in so kurzer Zeit erreichen?

Das liegt daran, dass es viele unterschiedliche Wege zum Burnout gibt. Geschäftsleute, Manager, arbeitende Mütter, Studenten, Beamte und Arbeiter können ihm erliegen, und jeder hat einen ganz eigenen Weg. Die letzten Jahre habe ich einige meiner Angestellten in die Ferien geschickt, als sie erste Anzeichen für einen möglichen Burnout zeigten. Ich habe Dutzende anderer Menschen beraten, die mir zufällig begegnet sind oder die mich kontaktiert haben: Buchhalter, Berater, Klempner, Bauern und Pastoren.

Während einer psychiatrischen Sitzung im London Psychiatric Hospital redete ich stundenlang mit einem Patienten. Ich lief durch die Flure und schaute in die toten Augen der Patienten und wünschte mir, ich könnte jedem Einzelnen von ihnen helfen, dem tödlichen Griff der Depression zu entrinnen.

All diese Leute waren einst eine Stütze der Gesellschaft, zum Beispiel als Arzt, Geschäftsmann, Lehrer und in fast jedem anderen Beruf, den man sich denken kann. Und jetzt waren sie hier, lahm gelegt durch das gleiche, brillante Gehirn, das einst ihre Leistungen ermöglicht hatte.

2

Kapitel

Zu sehr engagiert – oder aus dem Gleichgewicht geraten?

Burnout, von Psychologen auch „die Geißel unseres Zeitalters“ genannt, ist ein Wort, dass man immer häufiger hört. Das ist nicht erstaunlich, denn die enorme Geschwindigkeit am Ende des letzten und am Anfang des neuen Jahrhunderts führt dazu, dass immer mehr Leute – und in allen Lebensbereichen – „ausbrennen“. John Naisbitt schreibt in seinem Buch Megatrends:

„Technologie und menschliches Potenzial, das sind die beiden größten Herausforderungen, vor denen die Menschheit heute steht. Die wichtige Lektion, die wir alle aus den Prinzipien des High Tech/High Touch lernen müssen, ist eine moderne Version des uralten griechischen Ideals, nämlich das der Balance, der Ausgeglichenheit, des Gleichgewichts ... Wir müssen lernen, ein Leben im Gleichgewicht zwischen den materiellen Wundern der Technologie und den spirituellen Anforderungen der Natur zu führen.“

Der Schlüssel zu unserem Wohlbefinden liegt in der Integration und einem Gleichgewicht zwischen den vier grundlegenden Lebensbereichen, dem spirituellen, mentalen, körperlichen und gesellschaftlichen Leben. Man kann sich unterschiedliche Bilder von diesem Konzept des Gleichgewichts machen. Ich persönlich liebe das der Justitia, der Göttin, die die Waagschalen der Gerechtigkeit in Händen hält: Der Waagebalken ist dabei die spirituelle Dimension, der Angelpunkt ist unsere mentale Fähigkeit, eine der beiden Schalen ist unser körperlicher Zustand und die andere unser gesellschaftliches Leben.

Burnout durch Arbeitsstress ist weltweit ein Problem. Zum Beispiel schreibt eine japanische Zeitung:

„Kellnerinnen in Schweden, Postboten in Amerika, Busfahrer in Europa und Fließbandarbeiter überall zeigen zunehmend Anzeichen von Stress.“

Mainichi Daily News

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Gallop zu diesem Thema hat ergeben, dass 89 Prozent der Amerikaner Probleme und 56 Prozent sogar große Probleme damit haben, ihre Zeit und Energie auf die verschiedenen Anforderungen und Prioritäten in ihrem Leben zu verteilen.

Aus der gleichen Umfrage geht hervor, dass es einem schwerer fällt, seine Zeit und Energie ausgeglichen zu verteilen, je höher das Einkommen ist. Am schwersten fällt es Leuten zwischen 30 und 45 Jahren; diese Menschen müssen häufig eine Familie ernähren und Kinder großziehen, machen gerade Karriere und bauen zugleich ein eigenes Unternehmen auf.

Bei einer Umfrage von Time/CNN unter 500 Erwachsenen sagten 69 Prozent, dass sie lieber ein „ruhigeres und entspannteres Leben“ führen würden, und nur 19 Prozent sagten, sie würden lieber ein „spannenderes und schnelleres Leben“ führen. Darüber hinaus waren 61 Prozent mit der Aussage einverstanden: „Es kostet heutzutage so viel Mühe, sein Brot zu verdienen, dass man sein Leben kaum noch genießen kann.“

Eine weitere Studie belegte, dass Stress die Wirtschaft der Vereinigten Staaten jährlich etwa 150 Milliarden Dollar kostet. Die Canadian Mental Health Association hat festgestellt, dass der erzwungene Vorruhestand deprimierter Arbeiter und Angestellter kanadische Unternehmen etwa 300 Millionen Dollar pro Jahr kostet. Diese potenziell fatale Krankheit befällt nach der erwähnten Untersuchung schätzungsweise 670.000 Berufstätige jährlich.

Burnout-Symptome am Arbeitsplatz

• Der Betroffene ist unfähig, sich zu konzentrieren und Entscheidungen zu treffen.

• Die Produktivität lässt nach.

• Eine ungewöhnlich hohe Fehlerquote und nachlassende Zuverlässigkeit werden üblich.

• Der Betroffene ärgert sich häufiger und reagiert schnell feindselig.

• Alkohol- oder Drogenmissbrauch wird „normal“.

• Eine negative innere Einstellung ist an der Tagesordnung.

Die Forschung weist darauf hin, dass jeder vierte Mitarbeiter einer Firma heute Stresssymptome aufweist, beispielsweise depressiv oder chronisch müde ist oder Brust- oder Kopfschmerzen hat. Man geht außerdem davon aus, dass Arbeitsstress schon bald zu den wichtigsten Gründen gehört, weshalb Mitarbeiter ihre Firmen auf Schadensersatz verklagen.

Der Burnout

Was also ist Burnout? Für mich war es ein Zustand spiritueller, mentaler und körperlicher Erschöpfung, in dem ich keine Hoffnung mehr hatte und keine Energie und glaubte, das würde sich nie mehr ändern. Der Psychologe Herbert Freudenberger, der den Begriff „Burnout“ geprägt hat, meint:

„Bei Burnout versiegt alle Energie, und man hat das Gefühl, man würde von den Problemen anderer überwältigt.“

Da ich jedoch Eigentümer eines Unternehmens war, wurde ich von meinen eigenen Problemen überwältigt. Mäuse verwandelten sich in Elefanten, Herausforderungen in Stolpersteine.

Der Psychologe Samuel H. Klarreich schreibt in seinem Buch „The Stress Solution“:

„Burnout ist ein Erschöpfungszustand körperlicher und psychologischer Ressourcen, verursacht von Leistungsdruck aufgrund überhöhter Erwartungen, und hängt meistens, aber nicht immer, mit der Arbeit zusammen. Wenn man die eigenen Erwartungen nicht erfüllen kann, neigt man verstärkt zu Zynismus, Pessimismus und einer negativen Grundeinstellung.“

Ist Burnout eine Folge von Überarbeitung? Die Gehirnforscherin Ann McGee-Cooper meint dazu, Burnout resultiere aus einer

„unausgeglichenen Lebensführung, die typisch für den Teufelskreis ,immer nur arbeiten/keine Entspannung‘ ist.“

Ich bin davon überzeugt, dass Überarbeitung nicht zu Burnout führen muss, vorausgesetzt man macht Gleichgewicht zu seiner obersten Priorität. Und ein Faktor setzt uns allen eine Grenze: Der Tag hat lediglich 24 Stunden.

Mir brachte der Burnout einen Verlust an Energie und Begeisterungsfähigkeit, ich sah keine Perspektive und keinen Sinn mehr – kurz: Ich verlor meine Liebe zum Leben. Plötzlich verwandelten sich alle Herausforderungen in Probleme, und mein Leben schien mir nicht mehr lebenswert zu sein. Ich hatte jegliche Lust verloren. Die Ursache meines Burnout lag in dem äußerst unausgeglichenen und stresserfüllten Leben, das ich führte. Durch die unrealistischen finanziellen Ziele, die ich mir gesteckt hatte, waren mir meine sozialen Kontakte abhanden gekommen, ebenso wie die Entspannung, die ich gebraucht hätte, um den geistigen und körperlichen Stress auszugleichen. Mein Unternehmen raubte mir immer mehr Zeit.

Als kleiner Junge hatte mein Vater mir immer gesagt: „Immer nur arbeiten und nicht spielen macht einen Jungen stumpfsinnig.“ (Und diesem Jungen brachte es fast den Tod.) Das gilt nicht nur für Jungs, sondern auch für Erwachsene.

Der Burnout ergriff Besitz von mir, körperlich, mental und spirituell. Auf der körperlichen Ebene verlor ich meinen Appetit, litt unter Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Brustschmerzen, Magengeschwüren und war andauernd müde.

Bei anderen führt Burnout zu hohem Blutdruck, Migräne, Rückenschmerzen, einem Gehirnschlag oder Herzinfarkt.

Auf der mentalen Ebene hatte sich meine Entschlossenheit in Verwirrung verwandelt und mein Optimismus in Pessimismus. Meine Familie ärgerte sich über mich, ich hatte Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren, und meine Selbstachtung nahm rapide ab.

Auf der spirituellen Ebene entdeckte ich, dass mein Glaube an Gott nach und nach von einem Glauben an mich selbst ersetzt worden war. Und nun, da ich deprimiert war, verlor ich sogar diesen Glauben. Ich fühlte mich leer, einsam und hilflos und kam allmählich an meine Grenzen.

Dr. Hans Selye, dem wir viel von unserem heutigen Verständnis über Stress zu verdanken haben, empfiehlt Folgendes:

„Seien Sie achtsam und fassen Sie Ihre Bedürfnisse, Vorlieben, Fähigkeiten und Schwächen ins Auge. Bewahren Sie sich eine optimistische Einstellung und rücken Sie pessimistische Überzeugungen ins rechte Licht; suchen Sie immer nach positiven Lösungen. Richten Sie sich bei Entscheidungen nach Ihren eigenen Interessen. Und lernen Sie, Ihre Stressenergie zu nutzen, denn sie steht Ihnen nicht im Überfluss zur Verfügung.“

Typische Kandidaten für einen Burnout