Byzantinische Kunst - Charles Bayet - E-Book

Byzantinische Kunst E-Book

Charles Bayet

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Beschreibung

Über ein Jahrtausend lang, von seiner Gründung im Jahre 330 n. Chr. bis zu seinem Untergang im Jahre 1453, war das Byzantinische Reich eine Wiege von künstlerischem Überfluss, die erst jetzt wiederentdeckt wird. Ausgestattet mit dem reichen Erbe der römischen, östlichen und christlichen Kulturen, entwickelten die byzantinischen Künstler eine architektonische und malerische, vom Symbolismus geprägte Tradition, die auch über die Grenzen des Reiches hinaus einen großen Einfluss ausübte. Italien, Nordafrika und der Nahe Osten schützen und erhalten heutzutage die antiken Überreste dieser anspruchsvollen künstlerischen Tradition mit all ihrer geheimnisvollen und verzaubernden Schönheit. Die Pracht der Paläste, Kirchen, Malereien, Töpferwaren, Keramiken und Mosaiken dieser Kultur ist ein Garant für den großen Einfluss und die Zeitlosigkeit der byzantinischen Kunst.

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EPUB

Seitenzahl: 148

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Text: Charles Bayet

Übersetzung: Georg Robens

Redaktion der deutschen Ausgabe: Klaus H. Carl

Layout:

Baseline Co. Ltd

61A-63A Vo Van Tan Street

4. Etage

Distrikt 3, Ho Chi Minh City

Vietnam

© Parkstone Press International, New York, USA

© Confidential Concepts, Worldwide, USA

Alle Rechte vorbehalten. Das vorliegende Werk darf nicht, auch nicht in Auszügen, ohne die Genehmigung des Inhabers der weltweiten Rechte reproduziert werden. Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.

Charles Bayet

Inhalt

Einführung

I - Die frühe byzantinische Kunst  (306 bis 843)

A - Die Entstehung eines neuen Stils (306 bis 527)

B - Die Kunst unter Justinian und seinen Nachfolgern (527 bis 726)

1. Architektur

2. Die Malerei, die Mosaiken, die Handschriftenmalereien

3. Die Skulptur und die Goldschmiedekunst

C - Die Kunst zur Zeit des Ikonoklasmus (726 bis 843)

II - Die Renaissance der  byzantinischen Kunst (843 bis 1204)

A - Die Kunst der makedonischen und der komnenischen Dynastie

1. Die Architektur

2. Die Malerei, die Mosaiken und die Handschriften

3. Die Skulptur und die Goldschmiedekunst

B - Der byzantinische Einfluss im Westen

III - Die späte byzantinische Kunst  (1204 bis 1453)

A - Die Kunst zur Zeit des lateinischen Reiches (1204 bis 1261)

B - Die Kunst zur Zeit der Dynastie der Palaiologen (1261 bis 1453)

Schlussbetrachtung

Zeittafel

Byzantinisches Reich

Glossar

Bibliographie

Liste der Abbildungen

Konstantinsbogen, 312-315.

Marmor, 21x25,7x7,4

Einführung

Die byzantinische Kunst war immer wieder heftiger Kritik ausgesetzt und wurde dann doch wieder hoch gelobt. Lange Zeit hat man sich kaum mit ihr beschäftigt, ohne sie mit bissigen Attributen zu belegen; allein das Wort byzantinisch, ob es sich nun um Malerei oder Politik handelte, weckte sogleich wenig erfreuliche Assoziationen. Man war sich gemeinhin einig, dass damit eine Kunst bezeichnet wurde, die unschöne und anmutlose Gestalten geschaffen hatte und die, weil schon von Anfang an in Starre verfangen, weder Fortschritte machen noch sich verändern konnte.

Später haben ihr diejenigen, die der so Missachteten beistehen wollten, durch ihren Übereifer oft geschadet. Bevor noch klar festgelegt wurde, was unter byzantinischer Kunst überhaupt zu verstehen sei, glaubten diese allzu beflissenen Lobredner, den Einfluss dieser Kunst in beinahe allen Ländern und in allen Kunstwerken des Westens zu erkennen. Als der Begriff byzantinisch nicht mehr abwertend benutzt wurde, verlor er an Kontur und wurde mithin sehr dehnbar; ein jeder glaubte, ihn nach eigenem Belieben anwenden zu dürfen. So sah man nahezu die Hälfte aller Werke aus dem Mittelalter als byzantinisch an, und bei den übrigen versuchte man, wenigstens den Einfluss der griechischen Meister auszumachen. Auf diese Weise vereinnahmte man gleichsam alle Werke und ordnete sie Byzanz unter.

Eine solche Haltung musste Widerstand hervorrufen. In Frankreich, Deutschland und Italien bestanden die Kunsthistoriker darauf, dass der Westen, und zwar schon vor dem 12. und 13. Jahrhundert, eigene Schulen hatte, deren Einfluss man keinesfalls verkennen sollte. Diese neue Reaktion war etwas vehement und manchmal übertrieben. Manch italienischer Gelehrter wollte überhaupt keinen byzantinischen Einfluss mehr sehen. Einige von ihnen, die mit der Geschichte und mit der Kunst des Orients wenig vertraut waren, behaupteten sogar, dass die Voraussetzungen für die Entstehung der byzantinischen Kunst im 4. Jahrhundert aus Italien kamen.

Haupt des Arkadius mit dem kaiserlichen Diadem, Anfang des 5. Jh. Marmor,

Archäologisches Museum, Istanbul.

I - Die frühe byzantinische Kunst (306 bis 843)

A - Die Entstehung eines neuen Stils (306 bis 527)

Am Anfang des 4. Jahrhunderts vollzog sich in der Geschichte des Christentums eine revolutionäre Veränderung: Die unlängst noch Verfolgten hatten urplötzlich die Gunst des Kaisers. Dieses Ereignis sollte einen tief greifenden Einfluss auf die Entwicklung der christlichen Kunst ausüben. Weithin sichtbar erblühten neue und reichere Formen der Kunst. Überall wurden Kirchen errichtet. In den Städten werden „… Erneuerungsfeste und die Weihe der neu errichteten Bethäuser gefeiert. Bischöfe kommen zusammen, aus fernen und fremden Ländern sammeln sich die Menschen, Volk grüßt in Freundschaft Volk“, schreibt der zeitgenössische Kirchenhistoriker Eusebius (347 bis 419). Kaiser Konstantin (272 bis 337) selbst steht an der Spitze dieser Bewegung und stellt den Christen die Reichtümer des Staates zur Verfügung, damit immer mehr geweihte Häuser gebaut werden können.

Die Wandlung des antiken Byzanz in das neue Konstantinopel ist eines der bedeutendsten geschichtlichen Ereignisse. Sie hatte die Zweiteilung des alten Römischen Reiches zur Folge, die dann ganz unterschiedlichen Bestimmungen entgegen gingen. Konstantinopel wurde die Heimstatt einer glänzenden Zivilisation, in der sich die orientalischen Einflüsse mit dem Hellenismus vermengten. In dieser Hinsicht ist die geografische Lage äußerst günstig: Konstantinopel befindet sich gleichzeitig in Asien und in Europa, und in seinem groß angelegten und sicheren Hafen legen alle Schiffe an, durch die es in ständiger Verbindung sowohl mit den Regionen um das Schwarze Meer als auch mit allen Mittelmeeranrainern steht. Daher rührten sein Glanz, seine Reichtümer und der immense Einfluss, den die Stadt im Mittelalter ausübte.

Konstantins Entscheidung für Byzanz fiel im Jahre 324. In der Antike wurden bei Stadtgründungen bestimmte religiöse Riten befolgt. Die Geschichte von Romulus, der mit einer Pflugschar die ursprüngliche Umfassung Roms gezogen hat, ist bekannt. Ein Historiker des 4. Jahrhunderts berichtet, dass auch Konstantin, allerdings mit der Lanzenspitze, die Umwallung seiner neuen Hauptstadt zog; es hieß, er sei den Anweisungen eines ihm vorausgehenden Engels gefolgt. Die Arbeiten wurden so rasch vorangetrieben, dass nach dem Zeugnis eines Chronisten die Einweihung der Stadt bereits neun Monate später stattfand - aber natürlich kann eine Stadt ebenso wie eine Kirche noch vor ihrer Fertigstellung geweiht werden. Das Datum dieser Zeremonie ist überliefert: es war der 11. Mai 330. Die Umstände ihrer Erwähnung weisen auf die Rolle hin, die der Kaiser Konstantinopel zudachte: Es sollte eine christliche Hauptstadt sein, weshalb er den Bischöfen die Aufgabe übertrug, sie zu weihen. Darüber hinaus „… ließ er per Gesetz anordnen“, so der Historiker Sokrates, „… dass es das zweite Rom genannt wurde. Dieses Gesetz wurde in eine Marmortafel gemeißelt, die neben der Reiterstatue des Kaisers auf dem Strategion aufgestellt wurde.“

Bei der Anlage der neuen Hauptstadt bemühte sich Konstantin, Rom nachzueifern. Wie Rom hatte auch Konstantinopel sieben Hügel und war in vierzehn Regionen unterteilt, auch ein Kapitol gab es. Das als Augusteon

Christus als segnender Herrscher, 4. Jh.

Opus sectile,

Museum in Ostia, Ostia.

Die christliche Architektur hat ihren Ursprung in der griechisch-römischen Architektur, in bestimmten Gebieten des Orients jedoch, vor allem in Syrien, hatte sie sich stark verändert: Durch die Aufnahme neuer Elemente war sie vielfältiger geworden. In den Ruinen von Baalbek (Libanon) und Palmyra (Syrien) ist dies gut zu erkennen: In ihrer Anlage, in der Ausrichtung der Hauptachsen und in ihrer Ausschmückung haben diese Gebäude ein ganz eigenes Aussehen. Als Erstes fällt auf, dass Bögen hier generell die geraden Linien und Arkaden die waagerechten Architrave verdrängen. Der neue Stil verbreitete sich rasch. Schon am Anfang des 4. Jahrhunderts befand sich in Dalmatien ein Palast, der sich an diese asiatische Architektur anlehnte, nämlich der Palast des Diokletian (um 245 bis 313), der während seiner gesamten Herrschaft dort residierte und sich erst nach seiner Abdankung nach Salone zurückzog.

Baptisterium, 458.

Marmor,Ravenna.

Der Gute Hirte unter dem Sternenhimmel, 5. Jh.

Mosaik, Mausoleum der Galla Placidia,

Ravenna.

Der Gute Hirte (Detail), 5. Jh.

Mosaik,Mausoleum der

Galla Placidia, Ravenna.

Die Tetrarchen: Diokletian, Maximian,Constantinus Chlorus und Galerius, 4. Jh.

Porphyr,Südseite von San Marco in Venedig.

Von diesem Gebäudetyp sieht man heute auf dem Gebiet des ehemaligen byzantinischen Reiches nur noch ein gut erhaltenes Monument, allerdings befindet es sich nicht in Asien, sondern in Thessaloniki: Es handelt sich um eine Rotunde mit einem Durchmesser von 24m. In die dicke Mauer sind sieben gewölbte Kapellen eingelassen; eine achte ist breiter, liegt dem Haupteingang gegenüber und bildet eine 19,37 m lange, der Umfassungsmauer außen vorgelagerte Apsis. Ursprünglich war diese Kirche vermutlich das Mausoleum des Kaisers Galerius (um 250 bis 311).

Man stößt schon sehr früh auf die Versuche, die zum System der Kuppel auf Pendentifen führen. In der Doppelstadt Ktesiphon und in Seleukeia (Irak) erkennt man den Aufbau der Kuppel auf einer quadratischen Grundfläche. Spuren dieses Geistes der Erneuerung finden sich in Monumenten, die man heute noch sehen kann, wie etwa die seit 1988 zum Weltkulturerbe der Unesco gehörende Kirche Sankt Demetrios (Agios Demetrios) in Thessaloniki mit ihrer fünfschiffigen Basilika.

Im Allgemeinen entspricht der Grundriss dem einer Basilika mit Atrium und Narthex, im Inneren befinden sich jedoch zwei übereinander liegende Emporen, von denen die höhere um die ganze Kirche herumgeführt wird, selbst über dem Narthex. Hier wird nicht der Architrav eingesetzt, sondern der Bogen und die Kapitelle nehmen bereits ganz eigenwillige Formen an. Sie entsprechen zwar immer noch dem antiken Muster, sie verändern es jedoch: Man nimmt eine Art Teilung wahr; die Bogenanfänge ruhen nicht mehr auf dem Hauptteil, sondern auf den Pilastern, die eine Art oberes Kapitell bilden. So kommt es bald zum Übereinanderliegen zweier richtiggehender Kapitelle. Zudem entdeckt man an zwei Stellen noch eigentümlichere Formen: Die klassischen Muster werden zugunsten von korbartigen, in Ajourtechnik behauenen Kapitellen vernachlässigt, die wie eine würfelförmige Masse aussehen, auf der schlangenlinienförmige Verzierungen eine Applizierung vortäuschen.

In Konstantinopel selbst wurden nach den Berichten eines byzantinischen Chronisten von Konstantins Herrschaft an bis zu der von Justinian achtunddreißig neue Kirchen und Klöster gebaut. Es gibt fast keine Einzelheiten hinsichtlich ihres architektonischen Charakters; es scheint jedoch, dass die Hagia Sophia nach einem Brand „… mit zylindrischen Gewölben“ wieder aufgebaut wurde. Vermutlich lagen auch dort, wie in Asien, die Architekten, die unaufhörlich gefordert waren, immer wieder Neues zu schaffen, miteinander im Wettstreit; es ging darum, geniale und schöpferische Kombinationen zu finden. Während im Westen die trostlose Lage des Reiches die Köpfe nicht mit künstlerischen Problemstellungen belastete, begünstigte die allgemein bessere Lage im Orient deren Fortschritte. Statt immer wieder die gleichen Typen mit immer weniger Sorgfalt und Verständnis zu wiederholen, hörten die griechischen Architekten nicht auf, sie zu verändern und zu perfektionieren.

Schon in dieser Epoche wird das Mosaik immer mehr zur bevorzugten Art der Verzierung. In der Kirche des Heiligen Georg in Thessaloniki war die abschließende Kuppel ganz mit Mosaiken verziert, von denen aber heute nur noch Teile erhalten sind: große Flächen mit stehenden Heiligen in der Haltung von Betenden in einer reichen architektonischen Umgebung. Die Ausführung dieser Mosaiken ist sehr schön, und trotz der erlittenen Zerstörungen und trotz der verblichenen Farbtöne ist ihre Wirkung nach wie vor beeindruckend. Bis in die kleinsten Einzelheiten zeugt die Ornamentik von einem feinen und zarten Geschmack: die Arabesken und die Palmblattstreifen sind mit großer Eleganz gezeichnet.

Mosaik im Kaiserpalast, Anfang 5.,

Ende 6. Jh.Mosaik,

Mosaikenmuseum, Istanbul.

Im Baptisterium ist auf einem Medaillon in der Mitte der Kuppel die Taufe Christi dargestellt. Es ist ein eigenartiger Kontrast, dass der Jordan an dieser Szene in Gestalt eines Flussgottes teilnimmt, ein frappierendes Zeugnis vom fortwährenden Einfluss der antiken Kunst. In der hohen, kreisförmigen Zone um das Medaillon herum sind die zwölf Apostel stehend abgebildet. Sie haben zwar im Großen und Ganzen alle das gleiche Aussehen, der Künstler hat jedoch, um eine zu große Monotonie zu vermeiden, die jeweilige Haltung leicht verändert und den Gesichtern individuelle Charakterzüge verliehen. Die zweite Zone weiter unten ist mit architektonischen Motiven verziert. Ganz in Bodennähe schließlich heben sich acht Heiligenfiguren von dem mit Arabesken verzierten Hintergrund ab.

Im Mausoleum der Galla Placidia ist die gesamte Ausstattung erhalten. Schon am Eingang über der Tür erinnert das den Guten Hirten darstellende Mosaik in der Freiheit des Stils an die klassischen Werke. Der Hirte sitzt inmitten seiner Herde, mit der Rechten streichelt er ein Schaf, in der Linken hält er einen Kreuzstab; das von blondem Haar umschlossene Gesicht strahlt eine ruhige und regelmäßige Schönheit aus. In der Kapelle befinden sich auch noch weitere Figuren mit antikem Faltenwurf. Die Verzierungen sind elegant gezeichnet und reich an Farben; von Arabesken umgeben, in denen sich Grün und Gold mischen, trinken zwei Hirsche aus einer Quelle. Das ist eines der Motive, die bis in die letzten Tage der byzantinischen Kunst in den Miniaturen der Manuskripte erscheinen.

Damals schon war die Vorliebe für Goldschmiedearbeiten weit verbreitet, sie nahm im weiteren Verlauf immer mehr zu. Sie entsprach einem Hang zum Prunk und zum Luxus, einem der Charakterzüge der konstantinischen Kunst. Konstantin trug ein Diadem, seine Gewänder waren mit Perlen und Edelsteinen besetzt, die pompöse Zurschaustellung des Reichtums war für ihn eines der äußeren Zeichen der Macht. Somit trug er dazu bei, dass solche Vorstellungen auch in den Bereich der Kunst eindrangen. Man war davon überzeugt, dass es mehr zur Ehre der Religion und zur Schönheit der christlichen Monumente beitrug, wenn man zu ihrer Ausschmückung die seltensten Materialien einsetzte.

Den Kirchen in Rom schenkte Konstantin fünf Fuß hohe Figuren aus Gold und Silber, Darstellungen von Engeln, des Heilands und der Apostel. Im Orient war er nicht weniger freigiebig. Nach seiner Beschreibung der Kirche des Heiligen Grabes fügte Eusebius noch hinzu: „Niemand kann sagen, mit wie viel Schmuck und Gaben von Gold, Silber und Edelsteinen Konstantin es reicher machte. Diese Werke waren kunstvoll ausgeführt.“ Er erwähnt auch goldene Halbreliefs in Konstantinopel. Im Palast und auf mehreren Plätzen in der Stadt standen goldene, mit Edelsteinen verzierte Kreuze.

Mauer Theodosios’II., 412-413.

Istanbul.

Hagia Sophia, Längsschnitt, 537.

Hagia Sophia, Istanbul.

Hagia Sophia, Blick nach Süden, 537.

Hagia Sophia, Istanbul.

B - Die Kunst unter Justinian und seinen Nachfolgern (527 bis 726)

1. Architektur

Kaiser Justinian führte zu Beginn des 6. Jahrhunderts teilweise schon unter der Herrschaft seines Onkels Justin I. (450 bis 527) die Geschäfte, bevor er selbst ab 527 vierzig Jahre lang als Kaiser regierte. Justinian begünstigte die Entfaltung der Künste in seinem Reich und war so bauwütig, dass sein Geschichtsschreiber Prokopius den im Auftrag des Kaisers errichteten Gebäuden ein besonderes Buch gewidmet hat.

Die Hagia Sophia und ihre Nachfolger

Das bekannteste dieser Gebäude ist die Hagia Sophia in Konstantinopel, von der man sagen kann, dass sie sowohl durch ihre Ausstattung als auch durch ihre Architektur die typische Vertreterin der Byzantinischen Kunst schlechthin ist. Es gibt in der Geschichte der christlichen Kunst keine bedeutendere Kirche: Notre-Dame in Paris hatte schon in den benachbarten Provinzen ihresgleichen, und dem allenfalls seiner Bestimmung nach christlichen Petersdom in Rom mangelt es an Originalität. Die Hagia Sophia dagegen hat zwei Vorzüge: Sie kündigte das Aufkommen eines neuen Stils an und erreichte dabei gleichzeitig eine im Orient nie übertroffene Größe.

Es gab auf dem großen Forum bereits eine Kirche der Göttlichen Weisheit. Sie war unter Konstantin erbaut, aber 404, während der Unruhen, mit denen das Volk gegen die Vertreibung des Erzbischofs Johannes Chrysostomos (344/349 bis 407) protestierte, teilweise durch Feuer zerstört worden. Kaiser Theodosius I. (401 bis 450) ließ sie zwar wieder in Stand setzen, aber während des gefährlichen Nika-Aufstands des Jahres 532, durch den Justinian beinahe entmachtet worden wäre, fiel die Kirche der Göttlichen Weisheit