Café Kommunal - Jens Hanisch - E-Book

Café Kommunal E-Book

Jens Hanisch

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Beschreibung

Hamburg. Das Gästebuch lädt zum Stöbern ein, zum Verweilen. Manch ein Gast bestellt zunächst ein Getränk, einen Kaffee oder auch ein Glas Wein, zündet sich einstweilen eine Zigarette an, bevor er in der Schreibkladde zu stöbern beginnt. Michael legte das Buch vor einigen Jahren notwendend gut sichtbar auf dem Tresen im Café Kommunal für die Gäste aus, deren Geschichten er zu lauschen nicht die Zeit fand, hatte er sich um die Bewirtung der übrigen Gäste zu kümmern. Ganz nach Belieben gestattete Michael Jedermann, seine Geschichte aufzuschreiben. Ob ausgedacht oder aus dem Leben desjenigen gegriffen, auf diese Weise entstanden Einsichten, die ansonsten verborgen verwahrt geblieben wären.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 55

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Hamburg. Das Gästebuch lädt zum Stöbern ein, zum Verweilen. Manch ein Gast bestellt zunächst ein Getränk, einen Kaffee oder auch ein Glas Wein, zündet sich einstweilen eine Zigarette an, bevor er in der Schreibkladde zu stöbern beginnt. Michael legte das Buch vor einigen Jahren notwendend gut sichtbar auf dem Tresen im Café Kommunal für die Gäste aus, deren Geschichten er zu lauschen nicht die Zeit fand, hatte er sich um die Bewirtung der übrigen Gäste zu kümmern. Ganz nach Belieben gestattete Michael Jedermann, seine Geschichte aufzuschreiben. Ob ausgedacht oder aus dem Leben desjenigen gegriffen, auf diese Weise entstanden Einsichten, die ansonsten verborgen verwahrt geblieben wären.

Jens Hanisch, 1970 in Dortmund geboren, wuchs in Lüneburg auf. Er wohnte zwanzig Jahre lang in Hamburg und lebt seit 2013 in Norderstedt. Mit „Mondsee Philomela“ veröffentlichte er seinen ersten Roman im August 2013. 2017 folgte „Lena van de Velde.“

Inhalt

SchreibWerkStadt

Franziska

Café Kommunal

unVollkommenheit

Spirale

SelbstSeinWollen

Fortschreiten

SelbstErkenntnis

Spirale II

Schreiben

Wartesaal

Schreiben II

Jivan Mukta

Glück

Über die Gelassenheit

Wendepunkt

Ausstieg

allTag

Traurige Geschichte

Epiktet

Lichtgestalt

Pokerpartie

Glück II

Liebe

Liebe II

Sisyphos

Adam und Eva und die Fremdsprachen

Glücksformel

Verschwunden, eingekehrt in den Hafen Eudämonis, ein Zustand vollkommener Befriedigung, Ort der Wunschlosigkeit. – Nach langer unermüdlicher Fahrt, der schwere Gang durch das hölzerne Tor öffnet den Blick: Vor mir der Kosmos, die Sterne, Weltatem, Regelmäßigkeit, Rotation. – Frei, das Tor zur Welt steht offen, erblicke ich Schönheiten, die ich bis dahin nie erblickt: Einfach, klar, zurück bleibt einzig Staunen. (Johanna)

SchreibWerkStadt

Jan

Das war Glück, erzählte ich später. Etwas zu meinem Glück, nicht all umfassend. Gespannt kehrte ich nach meiner ersten langen Reise in die Wincklerstraße nach Hamburg zurück. Länger als drei Jahre war ich unterwegs gewesen. Gegen Mittag ließ ich meinen schweren Rucksack von der Schulter gleiten. Ich stellte ihn rechts neben der Eingangstür in den Hauseingang und klingelte. Hier hatte ich vor meiner Abreise knapp drei Jahre lang in einer der zwei Dachgeschosswohnungen gelebt. Eine Einzimmerwohnung, mit einer kleinen Küche, einem kleinen Badezimmer, Flur und einem kleinen Balkon. Ich wandte mich um und half Vatey, meiner Gefährtin – wie ich sie insgeheim zu nennen pflegte –, den Rucksack abzunehmen. Wenig später öffnete Thomas die Eingangstür.

„Die Wohnung ist zur Zeit an Anna vermietet“, erklärte Thomas nach wenigen Minuten. „Du kennst sie noch? – Stattdessen kannst du aber den Laden hier unten mieten, der steht frei.“

Mit einem kurzen Blick nach rechts sah ich durch das staubige Fenster in den vorderen Raum des leerstehenden Ladengeschäfts. Ein gutes Stück Arbeit wartete auf mich. Arbeit aber, dachte ich, die bin ich gewohnt. Die Räume bedurften einer kompletten Sanierung. In ihrem Zustand glichen sie einem ungeschliffenen Diamanten. Das Angebot überzeugte mich. An den Verkaufsraum grenzte zur Straße hin ein zweites Zimmer, nach hinten lagen ein drittes Zimmer, eine geräumige Küche sowie ein schmales Badezimmer. Genügend Platz für zwei.

„Den Schlüssel?“, fragte ich.

„Den habe ich hier“, antwortete Thomas. „Moment!“

Er kramte in seiner rechten vorderen Hosentasche.

„Die Kosten?“, bohrte ich nach.

„Die übernehme ich, inklusive der Miete, bis die Sanierung abgeschlossen sein wird.“

Er zog einen kleinen Schlüsselbund aus seiner Tasche und überreichte mir diesen.

„Ich hatte das geahnt“, meinte Thomas. „Michael, sagte ich, warte die Rückkehr von Jan ab, der wird das Geschäft übernehmen. Und wenn nicht, sagte ich, dann kann ich es immer noch an einen Fremden vermieten. Womit ich wohl Recht behalten habe.“

Ich öffnete die Tür zu unserem neuen Reich. Die abgestandene Luft im Laden atmete ich tief ein. Die Rucksäcke stellte ich in das zum Hinterhof liegende Zimmer.

„Willst du auch die Werkstatt im Hinterhof mieten?“, fragte Thomas und grinste.

Ich nickte.

„Das wäre perfekt.“

Vatey war hinter mir in unser neues Zuhause geschlüpft. Etwas eingeschüchtert aber neugierig war sie durch alle Räume gegangen. Sie stand hinter mir, als ich mich zu ihr umdrehte. Lächelnd blickte sie mich an. Das unvorbereitete Meistern nicht ganz einfacher Momente hatten wir während der vergangenen Monate und Jahre gelernt. Ebenso waren wir daran gewöhnt, mit wenig zurecht zu kommen. Mit der Sanierung würden wir die nächsten Wochen beschäftigt sein, das aber war auch unsere Absicht gewesen. In der Werkstatt im Hinterhof, wo ich zu arbeiten beabsichtigte, Möbel zu reparieren oder zu restaurieren, fanden wir einen alten Tisch sowie eine grob gezimmerte Bank. Wir stellten sie vor das Geschäft in die Nachmittagssonne und sprachen dort über unsere gemeinsamen Pläne für die folgenden Wochen.

„A shrine“, erklärte Vatey: „First we need a holy shrine.“

Sie hatte Recht. Ein kleiner Hausaltar zum Gedenken ihrer Ahnen würde nicht fehlen dürfen. In nahezu jedem buddhistischen Haus in Südostasien steht unscheinbar ein Schrein. Unseren, den ich die nächsten Tage zimmerte und lackierte, hängte ich von der Straße aus betrachtet an die Wand zu den hinteren Zimmern.

Noch am Tag unserer Ankunft gingen Vatey und ich nach St. Georg in die Lange Reihe, wo sie sich in den kleinen fernöstlichen Geschäften nach den notwendigen Schüsselchen und Räucherstäbchen umsah. Wir klapperten einige indische Läden nach Gewürzen ab, und ich zeigte ihr die Asia-Shops nahe dem Hauptbahnhof, wo sie Reis und Gemüse kaufte. Am Abend schließlich setzten wir uns auf die Bank vor das Geschäft, wo wir noch unzählige Abende sitzen würden.

Für die Renovierung des Geschäfts benötigten wir insgesamt zehn Wochen. Erst im Anschluss kümmerte ich mich um die Entrümpelung und Einrichtung der Werkstatt. Ich setzte mich nicht unter Druck. Ich verfügte über genügend Zeit. Die ersten Tage schliefen wir in unseren Schlafsäcken im hinteren Raum, unserem Schlafzimmer. Nach einer ersten gründlichen Reinigung wurden das Badezimmer sowie die Küche komplett neu gestaltet, sämtliche Fußböden abgeschliffen, die Wände verputzt, gestrichen, Tür- und Fensterrahmen abgebeizt, geschmirgelt und lackiert. Vatey arbeitete mir zu. Zugleich erkundete sie jedoch auch die ihr fremde Stadt.

Vatey stammte aus Phnom Penh. Ich hatte sie während meines Aufenthalts im Restaurant meines guesthouse an der Riverfront kennengelernt. In jenen Tagen fand das Waterfestival statt. Vatey bediente mich und fragte nach einigem Zögern, ob ich sie am Abend auf das Fest begleiten würde. Anstandshalber traf sie sich mit mir in Begleitung ihrer besten Freundin. Wir schlenderten durch die mit Menschen verstopften Straßen, tranken etwas, aßen eine Kleinigkeit und verständigten uns in gebrochenem Englisch, so gut es ging.

Die folgenden Tage sah ich mir Stadt an. Ich ging zu Fuß zum Königspalast, hielt ein Tuktuk an und fuhr hinaus zu den Killing Fields