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Der Reiseführer, mittlerweile in 2. Auflage erschienen, gibt aus erster Hand einen umfassenden Einblick in die wunderbare Art des Camperreisens in Australien. Angehende, aber auch erfahrene Wohnmobil-Urlauber erhalten darin Infos und Tipps zu folgenden Themen: • Straßenverhältnisse & Verkehrsregeln • Camper-Fahrzeugtypen & Vermieter • Kauf- und Mietbedingungen • Übernachtungsmöglichkeiten • Camping-Alltag & Streckenplanung Deutlich umfangreicher als noch in der 1. Auflage werden beliebte und sehenswerte Routen im ganzen Land vorgestellt. Weiterführende Infos wie persönliche Packtipps, Musikvorschläge und ein umfangreiches Camping-Wörterbuch runden das Lesevergnügen ab. Für alle Weltenbummler, die das Selbstfahrer-Abenteuer Australien planen, ist dieser Ratgeber perfekter Wegbereiter sowie praktischer Reisebegleiter in einem. Denn für einen atemberaubenden Roadtrip Down Under bedarf es nicht viel außer ein klein wenig Vorbereitung und einer großen Portion Entdeckerlust.
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Seitenzahl: 305
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Stefanie Stadon
DOWN UNDER IM WOHNMOBIL ERFAHREN
CAMPING IN AUSTRALIEN
Tipps und Tricks für Selbstfahrerreisen auf dem Fünften Kontinent
IMPRESSUM
Down Under im Wohnmobil erfahren. Camping in Australien
Tipps und Tricks für Selbstfahrerreisen auf dem Fünften Kontinent
Stefanie Stadon
Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar
© 2. Auflage 2022 360° medien gbr mettmann I Nachtigallenweg 1 I 40822 Mettmann
www.360grad-medien.de
Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Der Inhalt des Werkes wurde sorgfältig recherchiert, ist jedoch teilweise der Subjektivität unterworfen und bleibt ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.
Redaktion und Lektorat: Andreas Walter
Satz und Layout: 360° medien
Gedruckt und gebunden:
LD Medienhaus GmbH & Co. KG I Feldbachacker 16 I 44149Dortmund
www.ld-medienhaus.de
Bildnachweis:
Alle Fotos stammen von Stefanie & Corey Stadon, außer Mark Clinton, Tourism Holdings Limited S. 50; Great Ocean Road Marketing S. 14; Julie Fletcher S. 267, 268; James Harris, Tourism Holdings Limited S. 48; Maps4News S. 40, 72/73, 223, 226, 229, 232, 240, 247, 249, 257, 262; Tourism Australia S. 20, 44, 67, 251, 259, 266, 270, 271, 272/273; Tourism Western Australia S. 263, 265; World Expeditions /Great Walks of Australia S. 275
ISBN: 978-3-96855-422-8
Hergestellt in Deutschland
www.360grad-medien.de
Stefanie Stadon
DOWN UNDER IM WOHNMOBIL ERFAHREN
CAMPING IN AUSTRALIEN
Tipps und Tricks für Selbstfahrerreisen auf dem Fünften Kontinent
Vorwort
Teil 1: Das Land – Selbstfahrerparadies für Unabhängige
1. Life is a Highway
1.1 Die Leidenschaft fürs Campen
1.2 Das Straßennetz Australiens
1.3 Der Straßenbelag entscheidet
1.4 Fahr- und Verkehrsregeln in Australien
2. Streckenplanung
2.1 Zeit als Maß aller Dinge
2.2 Fahren nach Jahreszeit
2.3 Fahren nach Saison
3. Reisen mit Kindern
3.1 Australien – ein kinderfreundliches Land
3.2 Das Wohnmobil als ideale Familienkutsche
3.3 Gesetzliche Vorschriften
Teil 2: Das Fahrzeug – Ein Heim auf vier Rädern
4. Preisgestaltung der Campermiete
4.1 Zusätzliche Kostenfaktoren
4.2 Das Wann und Wo der Miete
5. Campervermieter in Australien
5.1 Vermieter im Budgetbereich
5.2 Vermieter im Economybereich
5.3 Vermieter im Premiumbereich
5.4 Vermieter von Geländewagen
5.5 Niederlassungen
6. Campertypen in Australien
6.1 Kombis und Minivans
6.2 Hochdachcamper
6.3 Sprintermodelle
6.4 Alkoven-Wohnmobile
6.5 Geländewagen
7. Ausstattungsdetails der Camper
7.1 Innenausbau
7.2 Wohnliche Ausstattung
7.3 Technische Ausstattung
8. Das Kleingedruckte
8.1 Mietbedingungen
8.2 Versicherung
8.3 Pflichten des Mieters
9. Kauf als Alternative zur Campermiete
9.1 Abwägen zwischen Miete und Kauf
9.2 Der Autokauf Schritt für Schritt
Teil 3: Die Fahrt – Der Weite entgegen
10. Der Startschuss
10.1 Der Tag der Abholung
10.2 Die Abholung des Campers
10.3 Die ersten Kilometer
10.4 Der erste Einkauf
11. Entlang der Strecke
11.1 Sightseeing unterwegs
11.2 Information und Navigation
11.3 Pausen
11.4 Tanken
11.5 Mautstraßen
11.6 Quarantänebestimmungen
11.7 Road Trains
11.8 Fahren im Outback
12. Der Schlafplatz
12.1 Campingplätze
12.2 Rest Areas
12.3 Nationalparks
12.4 Weitere Übernachtungsmöglichkeiten
12.5 Wild bzw. freedom camping
12.6 Übernachtungsfinder
13. Unterbrechungen und Pannen
13.1 Sicheres Fahren
13.2 Unfall- und Pannengefahren
13.3 Information des Vermieters
13.4 Kritische Wetterverhältnisse
14. Alltag im Camper
14.1 Gepäck und Ordnung
14.2 Tägliche Routine
14.3 Kochen im Camper
14.4 Budget-Planung
14.5 Camping-Etikette
Teil 4: Die Route – Auf ins Vergnügen
15. Klassische Routen
15.1 Die Ostküste
15.2 Die Südostküste
15.3 Das Red Centre
15.4 Das Top End
15.5 Die Westküste
15.6 Tasmania
16. Offroad-Routen
Teil 5: Der Anhang – Auf einen Blick
I. Camping ABC
Fahrzeug
Miete/Kauf
Fahren/Campen
II. Wichtige Internetseiten und Kontaktadressen
Reisetipps und Länderinformationen rund um Australien
Automobilclubs
Notfallnummern
Unwettergefahren
Straßenbedingungen
III. Übersicht Vermieter
IV. Reiseveranstalter im deutschsprachigen Raum
Fokus auf Campervermietung
Weitere Reiseveranstalter
V. Unterkunftsverzeichnisse
Landesweite Campingplatzketten
Campingplatz-Verzeichnisse
Rest Areas
Nationalparks
VI. Packliste
VII. Individuelle Camperausstattung
Grundausstattung
Offroad-Ausstattung
Persönliche Ausstattung
VIII. Einkaufsliste
Lebensmittel
Drogerie
Weiteres Zubehör
IX. Playlist
X. Übersicht Bußgelder
Stichwortverzeichnis
COVID19
Im Zuge der Covid19-Pandemie waren die Grenzen Australiens seit März 2020 für knapp zwei Jahre weitestgehend geschlossen. Kaum ein anderes Land schottete sich so rigoros ab. Auch die australischen Bundesstaaten zeigten sich strikt und ließen für lange Perioden keine Besucher aus anderen Regionen Australiens zu. Die Folgen waren gravierend: Sowohl der internationale als auch einheimische Tourismus lagen so gut wie brach. Mehr als 128 Milliarden AUD Verlust verzeichnete der Sektor seit dem Ausbruch des Coronavirus.
Die Aktualisierung dieses Buches erfolgte kurz nach der Grenzöffnung Australiens Anfang 2022. Dementsprechend sind Angaben wie Verfügbarkeiten, Preise etc. (noch) stark beeinflusst durch die vergangenen Jahre. Wohnmobilanbieter mussten ihre Fahrzeugflotte reduzieren bzw. Personal entlassen, Mietabläufe wurden den neuen hygienischen Vorgaben angepasst.
Nachfrage und Angebot müssen sich noch ausbalancieren. Es wird sich zeigen, ob bzw. wann das Camping in Australien zurück zur Normalität – wie vor Corona – findet.
Australien – wie geschaffen für einen road trip
Keine andere Reiseart verspricht ein solches Gefühl von Freiheit und Individualität wie eine Campertour quer über den Fünften Kontinent. Man ist unabhängig und fernab überfüllter Touristenpfade unterwegs. Nicht etwa feste Abfahrtszeiten oder Zielorte bestimmen den Reiserhythmus, sondern der eigene Entdeckerdrang.
Allerdings kommt dem Camping Down Under eine etwas andere Bedeutung zu, als wir es hierzulande kennen. Statt mit Zelt und Schlafsack sind die Aussies meist mit einem Wohnmobil oder Caravan unterwegs. Und die Weltenbummler aus Übersee tun es ihnen gerne nach – so auch ich. Seit meiner ersten Reise nach Australien anno 2010 bin ich nicht nur Feuer und Flamme für das Land, sondern auch für einen ganz bestimmten Einheimischen, meinem Mann Corey. Zwar leben wir, für viele unverständlich, in Deutschland, aber so haben wir ein ziemlich gutes Alibi, unseren Urlaub ständig am gleichen Ort zu verbringen. Seither erkunden wir immer wieder aufs Neue die Ecken und Winkel Australiens – natürlich mit dem Camper.
Meine private road trip-Leidenschaft ging über in den Beruf. Mehrere Jahre lang vermittelte ich das passende Wohnmobil an aufgeregte Australien-Urlauber und weiß daher genau, welche Informationen entscheidend sind, um den angehenden Selbstfahrer bestens vorbereitet und vor allem mit der richtigen Erwartungshaltung nach Down Under fliegen zu lassen. Oft fing die Beratung bei herausfordernden Etappenplanungen an und endete mit dem Hinweis, dass ein Fahrzeug mit 140.000 gefahrenen Kilometern in Australien fast noch als Neuwagen gilt. Die Ausgangslage ist eben doch etwas anders, als wenn man mit dem Zelt im Auto nach Italien fährt.
Aus diesem Grund gibt der erste Teil des Buches zunächst einen Überblick über das Streckennetz sowie die Routenplanung. Inhalte wie Verkehrsregeln, Straßenbelag, Distanzen sowie Jahres- und Saisonzeiten sollen dem Reisenden möglichst schon vorab ein gutes Fahrgefühl für Australien vermitteln. Dem Thema Reisen mit Kindern ist ein eigenes Kapitel gewidmet.
Anschließend dreht sich alles darum, das passende Wohnmobil für die bevorstehende Reise zu finden. Teil 2 umfasst Informationen rund um die verschiedenen Campermodelle sowie Vermieter und gibt Einblicke in die Preisgestaltung sowie Ausstattung der Fahrzeuge. Das Kleingedruckte des Mietvertrages darf dabei natürlich ebenso wenig fehlen wie der Exkurs zum Autokauf als Alternative zur Anmietung.
In Teil 3 geht es schließlich für den Leser hinauf auf die Straße. Der umfangreichste Abschnitt des Ratgebers beginnt mit der Abholung des Campers und befasst sich im Weiteren mit den Themen Pausen, Tanken oder den berühmten road trains, gibt Auskünfte zu Übernachtungsmöglichkeiten, behandelt mögliche Unterbrechungen und berichtet über den Alltag auf einer Camperreise.
Mit unserem Hitop-Camper„George“ fuhren wir 2018 abseits der Wege durch das Hinterland von New South Wales.
Der 4. Teil stellt einige Routen exemplarisch vor. Kein Ratgeber übers Camping in Australien wäre vollständig ohne eine Erwähnung der legendären Great Ocean Road oder dem Offroad-Abenteuer Gibb River Road. Allerdings halten sich die Infos hier bewusst wage. Weder soll das Buch einen Reiseführer ersetzen noch dem Leser vorgeben, wo er idealerweise entlang zu fahren hat. Denn letztendlich sollte jeder selbst entscheiden, wohin ihn der Weg Down Under führt.
Teil 5 bildet schließlich mit zahlreichen nützlichen Internetseiten und persönlichen Tipps den Ausklang des Ratgeber und runden diesen thematisch ab. Darin enthalten sind nicht nur die Websites der Fremdenverkehrsämter oder Campingplatzverzeichnisse, sondern auch Packtipps, Einkaufslisten sowie ein umfangreiches Camping-Wörterbuch. Reinschauen lohnt sich also.
Eine kurze Anmerkung noch zum Schluss: Der begrifflichen Einfachheit halber spreche ich im Folgenden allgemein von Campern, Campervans oder Wohnmobilen, ohne damit eine bestimmte Größenordnung bzw. Ausstattung des Fahrzeuges zu implizieren.
An diesem Punkt bleibt uns nur zu sagen: Ab hinein ins Fahrvergnügen Australien und „have a good one “!
Steffi Stadon
Teil 1
Das Land – Selbstfahrerparadies für Unabhängige
Die Highways sind die Lebensadern des Kontinents.
Australien liegt am anderen Ende der Welt - ferner verreist es sich für uns kaum. Doch nicht nur die landschaftliche Traumszenerie sowie einzigartige Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch die Gastfreundlichkeit der Einheimischen und schiere Größe Australiens lassen den Besucher eine Anreise von etwa 24 Stunden willig in Kauf nehmen. Auf einer Fläche von 7,6 Mio. Quadratkilometer findet jeder sein bevorzugtes Plätzchen. Paradiesische Strände treffen auf einsames Outback, vorzeitliche Regenwälder auf schillernde Millionenstädte. Australien trägt nicht umsonst den inoffiziellen Titel „Land der Extreme“.
Down Unders Sehenswürdigkeiten mögen über eine riesige Fläche verteilt sein, doch sie sind durch ein Netz an endlosen Straßen miteinander verbunden. Entlang der gewundenen Küstenhighways, geradlinigen Hinterlandstraßen oder staubigen Outbackpisten entfaltet sich die wahre Mentalität des Fünften Kontinents. Hier kann der Reisende die Wunder und Weiten Down Unders im wahrsten Sinne des Wortes „erfahren“.
Und wie ließe sich das besser tun als mit einem Wohnmobil? Selbst die Aus-tralier sind begeisterte Campingfans und haben ihrem Land im Laufe der Zeit ein perfektes Set-up dafür verliehen. Dazu gehören eine immense Auswahl an Mietfahrzeugen sowie einladende Übernachtungsmöglichkeiten, traumhafte Selbstfahrerrouten oder schlichtweg ein öffentliches Toilettensystem, wie man es sich in Deutschland vergeblich wünscht.
Egal, ob in Nationalparks mitten im Grünen oder auf dem Campingplatz am Meer, bei einer Tour durch das Red Centre oder die Ostküste hinauf Richtung Great Barrier Reef, sei es ein Trip unter Freunden im klassischen Bulli oder als Familie in einem großen Motorhome – Australien offenbart ein Spektakel an Campingerlebnissen, das sich hervorragend auf die eigenen Wünsche abstimmen lässt.
Do as the locals do! Wer sich für einen Campingtrip in Australien entscheidet, lässt sich mitreißen von einer einzigartigen Euphorie des Reisens und wird dabei ein Stück weit selbst australisch. Dem Ruf der großen Freiheit, die dieser Kontinent wohl wie kein anderer verspricht, folgt man einfach am besten auf den eigenen vier Rädern. Denn keine andere Reiseart ermöglicht es zugleich, das Land ganz individuell zu entdecken und dabei Zeit und Raum selbst zu bestimmen. Eine Campertour durch Australien ist nicht weniger als eine atemberaubende, relaxte, abenteuerliche, mitunter unbegreifliche Reise.
1. Life is a Highway
Great Ocean Road
1. Life is a Highway
Das Auto ist Fortbewegungsmittel Nr. 1 in Australien. Zwar nutzen innerhalb der Großstädte viele Einheimische das gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz. Doch je weiter man sich aus den großen Ballungsgebieten heraus begibt, desto größer wird die Abhängigkeit vom Fahrzeug. Kleinere Städte liegen mitunter hunderte Kilometer voneinander entfernt. Nicht in jeder davon gibt es einen größeren Supermarkt geschweige denn Bekleidungsgeschäfte oder Freizeitvergnügungen. Bus- bzw. Zuglinien fahren oft nur einmal täglich, wenn überhaupt, und lassen damit jede Flexibilität hinten anstehen.
Die Entfernungen, die in Australien mit dem Auto zurückgelegt werden, zählen zu den längsten der Welt. Sie begründeten nicht nur den Nutzen des Autos, sondern auch die Leidenschaft für das Fahren. Australier sind kein Volk von Spaziergängern. Irgendwo „hingehen“ bedeutet nicht etwa, die Füße für das Laufen zu nutzen, sondern um damit das Gaspedal hinunterzudrücken.
Auf in den Urlaub mit dem eigenen Caravan
Camping macht glücklich
•Australische Camperurlauber sind im Allgemeinen optimistischer und aktiver als Nicht-Camperurlauber sowie deutlich weniger gestresst und gelangweilt.
•96 % der Australier glauben daran, dass Camping sie glücklicher macht.
•94 % der Australier sind überzeugt, dass Camping ihre Batterien auflädt, glückliche Erinnerungen schafft und sie die Natur mehr schätzen lässt.
Angaben basierend auf Real Richness Report 2018 der Caravan Industry Association of Australia
1.1 Die Leidenschaft fürs Campen
Einheimische Camperurlauber
Wer einen großen Teil seines Alltages mit Vergnügen auf vier Rädern verbringt, tut das erst recht während des Urlaubs. Australien ist wahrhaftig und ohne Zweifel eine Campingnation. Laut der Caravan Industry Association of Australia war 2019 ein Rekordjahr für den einheimischen Campingsektor: Erstmals verbrachten die Australier mehr als 60 Millionen Nächte im Wohnmobil bzw. -wagen. Damit war Camping vor Ausbruch der Covid19-Pandemie die beliebteste Urlaubsart der Aussies. Und der Trend scheint sich fortzusetzen: Umfragen Anfang 2022 zeigen, dass viele (derzeit noch) den Urlaub im eigenen Land Flugreisen ins Ausland vorziehen. Auch die Zahl der Camper-Neuregistrierungen steigt seit Jahren kontinuierlich um 4-5 Prozent pro Jahr. Mehr als 772.000 Wohnmobile waren Ende 2021 angemeldet. Vor allem das Verlangen, mehr vom Land zu entdecken, entfacht ihre Motivation. On the road fühlen sich die Australier glücklicher und ausgelassener als andere Reisende. Stehen die Feiertage oder der Jahresurlaub vor der Tür, begegnet man vielen Einheimischen fahrend auf der Straße oder grillend auf dem Campingplatz.
Niemand versinnbildlicht die Leidenschaft fürs Campen mehr als die grey nomads, auch sundowners oder silver nomads genannt. Die Ü55-Generation verkauft Haus und Hof und verbringt ihren Lebensabend fortan damit, im eigenen Wohnwagen oder Wohnmobil kreuz und quer durch Australien zu touren. Die Chance, ihnen zu begegnen und von ihren Geschichten zu erfahren, ist also sehr hoch.
Camping-Trends
Das sogenannte gramping bezeichnet den gemeinsamen Campingurlaub der Großeltern mit ihren Enkelkindern, zusammen gesetzt aus grandparents und Camping. Glamping ist die Kombinationvon Glamour, also Luxus und Camping.
Internationale Camperurlauber
Der Selbstfahrer-Markt ist für Touristen besonders attraktiv und galt vor Ausbruch der Covid19-Pandemie als einer der am schnellsten wachsenden Tourismusbereiche des Landes. Mehr als 370.000 Urlauber aus Übersee integrierten 2018 Camping in ihre Reise und verbrachten insgesamt 4,8 Millionen Nächte im Wohnmobil bzw. -wagen. Wie sich die Zahlen im Zuge des weiteren Pandemieverlaufes entwickeln werden, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Der Reisende kann auf ein weit verzweigtes Infrastrukturnetz und vor allem jahrelange Erfahrungswerte der Einheimischen zurückgreifen.
Deutsche Camperurlauber (Stand 2018)
•2018 verbrachten rund 52.000 Deutsche ihren Australien-Urlaub mit Camping.
•Sie taten dies für durchschnittlich 19 Nächte (Platz 2 nach den Franzosen mit 21 Nächten).
•Sie gaben im Schnitt 1800 AUD (ca. 1100 EUR) während ihres Aufenthaltes aus.
•44 % der Campingurlauber aus Deutschland waren zwischen 20-29 Jahre alt.
•Queensland war der beliebteste Bundesstaat für deutsche Urlauber, gefolgt von New South Wales, dem Northern Territory and Victoria.
1.2 Das Straßennetz Australiens
Australien verfügt über mehr als 877.000 Straßenkilometer (Stand 2018). Damit sichert sich der Kontinent einen Platz weit oben unter den Ländern mit dem längsten Straßensystem. Allerdings relativiert sich die Länge beim internationalen Vergleich: Deutschland verfügt über ebenso stolze 830.000 Kilometer (Stand 2021), die USA über 6,7 Mio. Kilometer (Stand 2020)! Wenn man bedenkt, dass die USA annähernd genauso groß sind wie Australien, Deutschland hingegen deutlich kleiner, wird offensichtlich, dass ein immenser Teil des Fünften Kontinents nicht durch Straßen erschlossen ist. Dazu reicht ein Blick auf die Landkarte.
Szenische Küstenstrecken wie die Sea Cliff Bridge vor Sydney
Entlang der Ostküste
Die große Mehrheit der australischen Bevölkerung lebt an der Ost- bzw. Südostküste. In der Region zwischen Melbourne, Sydney und Brisbane ist das Straßennetz entsprechend weitläufig ausgebaut. Hier hat der Selbstfahrer eine große Auswahl an unterschiedlichen Streckenführungen, die ihn direkt oder auf Abstechern zum Ziel bringen. Die zentralen Routen führen meist an der Küste entlang und bieten die schönere Szenerie. Sie sind oft länger und während der Hochsaison deutlich verkehrsreicher. Als Alternative ist in der Regel eine kürzere Inlandsroute vorhanden, die jedoch weniger Sightseeing-Potenzial hat. Ein Beispiel dafür ist die Route zwischen Melbourne und Sydney. Während der Princes Highway auf fast gesamter Strecke entlang der Küste verläuft und ein Highlight der South Coast dem nächsten folgt, bietet die Inlandsroute über den Hume Highway höchstens mit der Hauptstadt Canberra eine „klassische Sehenswürdigkeit“. Doch selbst die wird von vielen Reiseführern links liegen gelassen.
Im Outback und entlang der Westküste
Je weiter der Urlauber von der Ostküste landeinwärts fährt, desto spärlicher werden die Straßen. Nur wenige Highways führen hier von A nach B, die Streckenführung ist für den Fahrer weitestgehend vorgegeben. Schaut man sich die Straßenkarten des Northern Territory und South Australias an, sticht eigentlich nur ein Highway besonders hervor: der Stuart Highway. Er verbindet über mehrere tausend Kilometer hinweg die regionalen Hauptstädte Darwin und Adelaide.
Nirgendwo offensichtlicher ist der Mangel an Straßen allerdings in Western Aus-tralia. Das ist nicht etwa inkompetenten Straßenbauern geschuldet, sondern der geringen Einwohnerdichte. Knapp 2,7 Mio. Menschen leben im größten Bundesstaat Australiens, über 2 Mio. davon in und um Perth. Reger Verkehr herrscht hier nur im Süden. Auch wer mal eben schnell querfeldein durch Australien reisen möchte und nicht gerade einen Geländewagen hat, muss dafür erhebliche Umwege in Kauf nehmen. Die Luftlinie zwischen Perth und Alice Springs beträgt vielleicht nur 2000 Kilometer, doch gemessen in Straßenkilometern legt der Fahrer mühelos 3700 Kilometer zurück.
Je abgelegener und dünner besiedelt eine Region ist, desto spärlicher fallen also die Zufahrtswege aus. Ob diese dann auch für jeden Camper befahrbar sind, hängt maßgeblich vom Straßenbelag ab.
1.3 Der Straßenbelag entscheidet
Befestigte Straßen
Weniger als die Hälfte der 877.000 Straßenkilometer sind befestigt, d.h. geteert, asphaltiert oder betoniert. Darunter fallen die national highways oder auch nationalroutes genannten Fernstraßen, die die Zentren der Bundesstaaten untereinander verbinden sowie Landstraßen, sogenannte state roads, die kleinere Städte im Hinterland mit den Hauptverkehrsadern verlinken. Jene sogenannten sealed oder paved roads bringen den Fahrer zu den wichtigsten Zielen des Landes. Wer mit einem Camper unterwegs ist, hat auf den klassischen Routen keinerlei Probleme, vorwärts zu kommen.
Asphaltierte Highways verbinden die Zentren des Landes.
Unbefestigte Straßen
Möchte man sich auf die verbleibenden, nicht befestigten Straßen wagen, benötigt man ganz klar einen Geländewagen. Die sogenannten unsealed roads werden auch als gravel, formed oder dirt roads bezeichnet. Dabei handelt es sich um Schotterstraßen, Sandpisten oder sonstige Wege mit losem Belag. Auf den Landkarten fallen sie zumeist in die Kategorie other roads & tracks oder minor roads. Sicherlich ist es jedem, der ein eigenes Auto hat, überlassen, ob er der Schotterstraße über Kilometer folgt und Schäden am Unterboden oder Kratzer im Lack in Kauf nimmt. Mit einem Mietcamper jedoch sind solche Abenteuerfahrten ein Risiko für jede Versicherungsdeckung. Doch dazu später im Teil 2 mehr.
TIPP: Straßenzustand
Falls die beste Karte nichts hergibt, ist, Internet vorausgesetzt, die Satellitenansicht bzw. Street View von Google Maps eine große Hilfe, um den Straßenbelag zu bestimmen.
Für Offroad-Fahrer ist Australien ein Paradies auf Erden. Mit einem Geländewagen und den nötigen Erfahrungen kommt der Abenteurer hier ganz auf seine Kosten. So ist die größte Sandinsel der Welt, Fraser Island. nur mit Geländewagen befahrbar. Und auch der Old Telegraph Track oder die legendäre Gibb River Road lassen sich, wenn überhaupt, nur mit einem 4WD bezwingen. Nähere Routendetails können in Teil 4 nachgelesen werden.
Roter Sand, soweit das Auge reicht
Nicht jede Route, die einen Highway im Namen trägt, ist übrigens befestigt. Zuverlässiger sind die Legenden der Straßenkarten. Je dünner eine Straßenlinie auf der Karte erscheint, desto unwahrscheinlicher ist fester Belag.
Fahren auf gut Glück
Nach eigener Erfahrung sind jedoch mitunter selbst die besten Reiseführer oder Karten irreführend. So standen wir während unserer Camperfahrt im Südwesten von Western Australia häufig vor dem Problem, dass der Weg zu einer angepriesenen Sehenswürdigkeit nur über eine unbefestigte Straße erreichbar war. In den Infobroschüren gab es dazu keinerlei Hinweise. Ein anderes Mal versicherte uns die Dame aus der Touristeninformation, dass unsere geplante Route zum Cape le Grand National Park ebenfalls ohne Weiteres mit unserem Hochdachcamper befahrbar sei. Ein wenig später tuckerten wir mit gefühlten 10 km/h über eine rote Schotterpiste, die zuvor auf der Karte von der netten Dame als sealed markiert worden war. In solchen Situationen heißt es abwägen. Handelt es sich um eine vergleichsweise kurze Zufahrtsstraße, kann diese auch mit einem normalen Auto unter Vorsicht und im schleichenden Fahrmodus befahren werden. Manchmal lässt sich das auch gar nicht vermeiden. Auf unserer Fahrt nach Kalgoorlie wurde der Highway auf recht langer Strecke neu asphaltiert, eine Umleitung gibt es im Outback nicht wirklich. Für eine gute halbe Stunde hieß es daher, ab aufs rote Fahrparkett und anschließend direkt in die Waschanlage.
Adopt a Highway
Sind hierzulande Tierpatenschaften im Zoo üblich, ist es in Australien gang und gäbe, einen Highway-Abschnitt zu adoptieren. Dazu sind am Straßenrand Schilder mit dem Hinweis „Adopt a Highway“ aufgestellt. Die Patenschaft mag nicht allzu zugänglich und süß sein, aber praktisch allemal. Auf diesem Weg finanzieren die Verkehrsbehörden nötige Baumaßnahmen.
1.4 Fahr- und Verkehrsregeln in Australien
Linksverkehr
Die größte Sorge fahrender Touristen in Australien gilt in der Regel dem Linksverkehr. Selbst routinierte Autofahrer verbringen die erste Zeit hinterm Steuer unter höchster Anspannung. Doch die Gewohnheit hält oft schneller Einzug als gedacht. Denn wenn alle links fahren, schließt man sich dem als Fahrer naturgemäß an. Es bleiben einige wenige, heikle Verkehrssituationen, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, z. B. das Abbiegen auf Kreuzungen. Als ich einmal von einem Aldi-Parkplatz fuhr, ertappte ich mich dabei, dass ich in der rechten statt linken Spur stand. Gott sei Dank kam in diesem Moment kein anderes Auto, mein Fahrfehler blieb also unbemerkt. In diesen Situation helfen Hinweise in den Mietcampern, die mehr als deutlich an den Linksverkehr erinnern und daran, dass man zuerst nach rechts und dann nach links schaut.
Gefahren wird links, gesteuert rechts.
Da auf der „falschen“ Straßenseite gefahren wird, befinden sich das Lenkrad, die Handbremse sowie der Schaltknüppel auf der anderen Seite im Auto bzw. werden mit der anderen Hand bedient. Keine Sorge, auch als Rechtshänder lässt es sich erstaunlich gut mit links schalten. Ebenfalls vertauscht sind Scheibenwischer- und Blinkerhebel, Ursache des Urlauber-Fahrerklischees schlechthin. So erkennt man einen Touristen im Auto leicht daran, dass er den Scheibenwischer benutzt, obwohl die Sonne scheint und währenddessen ohne zu blinken abbiegt. No worries – die Routine kommt schneller als erhofft und bleibt. Wer nach mehrwöchigem Australienurlaub erstmals wieder mit dem Auto zur Arbeit fährt, steigt mitunter auf der rechten Seite ein und greift mit den Händen vor sich ins Leere. So erging es zumindest einem guten Freund, der für drei Wochen mit uns im Camper tourte und die meiste Zeit auch fuhr. Zurück in der Heimat wunderte er sich tatsächlich, wer sein Lenkrad im Auto ausgebaut hätte, ehe er es auf der vermuteten Beifahrerseite wiederfand.
Der Linksverkehr und damit verbundene Fahrweisen beanspruchen die wohl größte Fahrkonzentration der Reisenden. So wird auf mehrspurigen Straßen in der linken Spur gefahren und auf der rechten überholt. Im Kreisverkehr fährt man im Uhrzeigersinn und nicht diesem entgegen. Aber Achtung, nicht alles findet „auf links gedreht“ statt: An Kreuzungen gilt wie hierzulande rechts vor links. Auch andere Regeln sind dem Fahrer von Zuhause vertraut. Autos auf der durchgehenden Straße haben Vorrang gegenüber Fahrzeugen aus Einmündungen. Ist die Linie auf der Straße unterbrochen, darf überholt werden; ist sie durchgezogen, heißt das Überholverbot. Es gilt unbedingte Anschnallpflicht. Telefonieren während der Fahrt ist nur mit Freisprechanlage erlaubt. Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss ist strengstens untersagt. Die Promillegrenze liegt bei 0,05 Prozent. In manchen Bundesstaaten gilt darüber hinaus Rauchverbot im Auto, falls Kinder mitfahren.
Linksherum im Kreisverkehr!
Der Verkehr in Australien hat neben dem Linksverkehr weitere Besonderheiten zu bieten, die das Fahren nicht nur fließender, sondern auch ein Stück weit herausfordernder, aber vor allem sicherer machen.
Kreisverkehr
An Ampeln hält der Urlauber in Australien eigentlich nur in den größeren Städten. Außerhalb davon regelt sich der Verkehrsfluss reibungslos und schnell über Kreisverkehre, den sogenannten roundabouts. Fahrzeuge im Kreisverkehr haben Vorrang. Per Blinker wird bereits beim Einfahren die Richtung der Ausfahrt angezeigt. Mit dieser Regelung soll den wartenden Autos frühzeitig deutlich gemacht werden, wo im Kreisverkehr befindliche Fahrzeuge abbiegen. Wer nach rechts oder links blinkt, nimmt folglich die unmittelbar nächste Ausfahrt bzw. umrundet den Kreisverkehr. Kein Blinken indiziert das Fahren geradeaus. Die eigentliche Ausfahrt wird kurz vorher mit einem Linksblinken angedeutet. Aber selbst die Australier wissen mitunter nicht so richtig, wann genau sie eigentlich beim Rundendrehen blinken müssen.
Hook Turn in Melbourne
Hook Turns
Eine bei Touristen berüchtigte Verkehrsregel gibt es im Bundesstaat Victoria, genauer gesagt im Stadtzentrum von Melbourne. Hier regeln sogenannte hook turns das Abbiegen auf Kreuzungen mit Straßenbahnverkehr. Entsprechende Straßenschilder geben den Hinweis. Bei einem hook turn ordnet sich der Fahrer äußerst links ein, um rechts abzubiegen. Bei grüner Ampel fährt er bis zu einem ausgewiesenen Punkt auf die Kreuzung hinauf und biegt nach rechts ab, sobald die Ampel für diese Fahrtrichtung grün zeigt bzw. der Gegenverkehr dies zulässt. So werden die Straßenbahngleise nicht durch abbiegende Autofahrer blockiert.
Tramverkehr
Melbourne verfügt als einzige australische Stadt über ein ausgedehntes Straßenbahnnetz. Die Stationen befinden sich in der Regel auf Verkehrsinseln, sodass der Verkehrsfluss nicht verzögert wird. Mancherorts ist jedoch auf ein- und aussteigende Passagiere zu achten.
Außerhalb der Städte und Ballungszentren sind die Bahnübergange in der Regel unbeschrankt. Auch wenn kein Zug in Sicht ist, reduziert der Fahrer besser die Geschwindigkeit und schaut mehrmals nach rechts und links.
Straßenführung
Mehrspurige Straßen, wie wir es von den Autobahnen hierzulande kennen, gibt es Down Under nur selten. Außerhalb der Metropolen sind die Highways zumeist zweispurig, was ein Überholen gelegentlich ziemlich langatmig und herausfordernd macht. Hier leisten wiederkehrende Überholspuren, die overtaking lanes, gerade in kurvenreichen Gegenden Abhilfe. Auf riskante Überholmanöver sollte bei uneinsehbarem Straßenverlauf also verzichtet und stattdessen auf die nächste Überholspur gewartet werden.
Des Weiteren ist es ratsam, den rückwärtigen Verkehr im Auge zu behalten. Nähert sich z. B. ein Truck, ist zu bedenken, dass dieser einen deutlich längeren Bremsweg hat. Abruptes Stoppen oder Schleichen, weil man noch schnell das Känguru am Straßenrand fotografieren möchte, bringen jeden Truckfahrer berechtigterweise zur Weißglut und in die Bredouille. Mein Schwiegervater, der selbst einen dicken Brummi fährt, kann wahrlich ein Lied davon singen. Wer sich mit einem australischen Lkw im Nacken nicht wohl fühlt, lässt diesen überholen. Der Truckfahrer zeigt sich dankbar. Andersherum indiziert dieser per Blinker, dass die Straße vor ihm frei ist und man ohne Mühe überholen kann. Auf australischen Straßen herrscht ein Geben und Nehmen.
Achtung Wildwechsel
Wildwechsel
Ebenso ist auf den regen Wildwechsel zu achten, gerade außerhalb der Städte. Kängurus, Emus, Rinder- und Schafherden sowie weitere wanderlustige Tiere schlendern ohne Rücksicht auf nahende Vierräder über die Straßen. Die Gefahr ist zur Dämmerung besonders hoch, aber auch am Tage sollte im wahrsten Sinne des Wortes vorausschauend gefahren werden. Viele Farmen verlaufen am Highway entlang. Mitunter kreuzen Zäune die Straße. Sogenannte grids, in den Boden eingelassene Gitter, halten die Herden davon ab, Reißaus zu nehmen. Beim Überfahren dieser grids sollte der Reisende besser vom Gas gehen, ansonsten wird es ruppig.
Beliebtes Fotomotiv bei Urlaubern
Baustellen
Förderlich für langsames Fahren sind ebenso dips, plötzliche Fahrsenken, sowie construction sites, also Baustellen. Diese sind durch zahlreiche Verkehrshütchen markiert und bieten mit den Stoppschild-Haltern ein markantes Fotomotiv. Denn steht infolge der Bauarbeiten nur eine Fahrspur zur Verfügung, regulieren nicht etwa Ampeln den Verkehrsfluss, sondern Bauarbeiter, die nichts anderes tun, als ein Verkehrsschild mit den Aufschriften „Stop“ und „Go“ herumzudrehen. Und das bei jeder Wetterlage. Ein Lächeln und Danke-Sagen seitens des Fahrers gilt hier als Zeichen des Mitgefühls.
Geschwindigkeit
An die Geschwindigkeitsbeschränkungen in Australien hat sich so mancher Fahrer erst zu gewöhnen. Denn diese geben deutlich weniger Spielraum nach oben als in der Heimat. Auf den Highways gilt ein Limit von 100 bis 110 km/h, nur im Northern Territory darf mitunter 130 km/h oder schneller gefahren werden. In Wohngebieten sind 50 bis 60 km/h zugelassen, in beruhigten Straßen- oder Schulzonen 30 bis 40 km/h. Schilder am Straßenrand verweisen auf die geltende Geschwindigkeit. Wo es keine solchen gibt, z. B. entlang unbefestigter Straßen, gelten die Standard-speed limits des jeweiligen Bundesstaates. Nicht nur der Sicherheit wegen, sondern auch dem Geldbeutel zuliebe sollten diese strikt befolgt werden. Verhängte Bußgelder liegen deutlich über den uns geläufigen und erreichen schnell dreistellige Dollarbeträge.
TIPP: Bußgeldhöhe
Eine gleich aussehende, vorbeiziehende Landschaft, eine gerade Strecke sowie fehlender Gegenverkehr stören die Wahrnehmung der eigenen Geschwindigkeit mitunter erheblich. Ohne sich dessen bewusst zu sein, zeigt der Tacho schnell 120 bis 130 km/h. Also Fuß runter vom Pedal, sonst wird es teuer! Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von bis zu 10 km/h zahlt der Raser derzeit in Victoria 227 AUD (ca. 150 EUR, Stand 2022), bei 10-25 km/h drüber sind es bereits 363 AUD (ca. 240 EUR). Einen Überblick über die Höhe der Bußgelder gibt es im Teil 5.
Straßenkontrollen & Bußgelder
Die australische Polizei führt regelmäßig Verkehrskontrollen durch und zeigt bei Verstößen keinerlei Kulanz, auch nicht gegenüber Touristen. Mobile oder stationäre speed cameras messen die Geschwindigkeit. Alkoholpegel, Gurtpflicht, eventuell erforderliche Plaketten etc. werden penibel geprüft. Zu größeren Events oder an Wochenenden ist die Polizeipräsenz erhöht. Eine besondere Regelung tritt an Feiertagen in Kraft: Zwischen Weihnachten und Neujahr sind die Fehlerpunkte bzw. Bußgelder grundsätzlich doppelt so hoch wie üblich – eine wirkungsvolle Abschreckung zu verkehrsintensiven Saisonzeiten.
An Feiertagen wird verstärkt kontrolliert und in doppelter Höhe kassiert.
Verkehrsdelikte von Urlaubern sind nicht durch eine etwaige Versicherung des Vermieters abgedeckt. Ein Ticket fürs Parken im Halteverbot sollte, wenn möglich, umgehend beglichen werden. Gelangt der Bußbescheid zum Vermieter als Fahrzeughalter, droht neben dem eigentlichen Bußgeld eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr. Wer versucht, durch Ausreise eventuellen Strafzahlungen zu entgehen, kommt wohl oder übel davon. Ob diese jedoch bei erneuter Einreise wieder ans Licht kommen, bleibt ein offenes Risiko. Darüber hinaus räumt sich der Vermieter über den Kreditkarten-Durchschlag das Recht ein, nachkommende Bußbescheide von der Kreditkarte zu berechnen.
Viehherden haben „Vorfahrt”.
Plaketten im Fahrzeug
In einigen australischen Autos sieht der Urlauber an der Windschutz- und Heckscheibe eine L-oder P-Plakette. Die L-Plakette verweist auf einen Fahrschüler im Auto. Fahrer mit einem P-Schild befinden sich in der zwei- bis vierjährigen Probezeit. Das Anbringen der Plaketten ist Vorschrift in Aus-tralien.
2. Streckenplanung
Eine grobe Streckenplanung ist hilfreich.
2. Streckenplanung
Dass die Entfernungen in Australien größer ausfallen als in der Heimat, kann in Bezug auf eine geplante Camperreise nicht oft genug betont werden. Wohin möchte man fahren? Was möchte man unbedingt sehen, was nur vielleicht? Und wie viel Zeit hat bzw. nimmt man sich dafür? Diese Fragen sind die Eckpfeiler eines Trips mit einem Mietcamper. Sowohl der Abhol- und Abgabetag als auch -ort stehen fest. Damit ist der Reiseroute zwar nicht der Verlauf, aber die Richtung vorgegeben. Ein open end gibt es nicht, es sei denn, das Auto ist gekauft statt gemietet. Damit einher geht ein gewisser Freiheitsverlust beim Reisen. Die eigene Unabhängigkeit wird der bevorstehenden fixen Abgabe geopfert. Doch wer realistisch und bedächtig an die Planung herangeht, gibt nur so viel an Flexibilität auf, wie er wirklich muss. Zu berücksichtigen sind dabei sowohl die Saison als auch das Wetter. Den Anfang macht allerdings das Bewusstsein für die Weiten des Landes.
2.1 Zeit als Maß aller Dinge
Deutsche Urlauber bleiben im Schnitt drei bis vier Wochen in Australien. Dass man in einem Monat nicht jeden Winkel des Kontinents entdecken kann, steht außer Frage. Nur welche Strecken sind für diese Zeit realistisch und – viel wichtiger – auch empfehlenswert?
Kurvige Strecken reduzieren die Fahrgeschwindigkeit.
Entfernungen
Aus beruflicher, aber auch persönlicher Erfahrung weiß ich, dass die Entfernungen eine der größten Unterschätzungen für Camperreisen in Australien sind, gerade für Selbstfahrer. Natürlich möchte man möglichst viel sehen, wenn man schon einmal Down Under ist. Die Anreise war schließlich teuer genug. Und wer weiß, ob oder wann man das nächste Mal wiederkommt. So ist der weit abseits im Nirgendwo stehende Uluru wahrhaftig ein störrisches Hindernis für jede ambitionierte Reiseplanung. Auch wir haben bei einer Tour schon den Fehler gemacht, uns zu viel Strecke zuzumuten. So hatten wir für die Fahrt von Melbourne bis zur Gold Coast gerade einmal sieben Tage zur Verfügung. Zwar sind wir pünktlich am Ziel angekommen, aber von der Tour ist ehrlich gesagt nicht viel in Erinnerung geblieben. Dafür war einfach zu wenig Zeit, die Szenerie und Erlebnisse entlang des Weges zu verinnerlichen.
Es mag schwer fallen, einen Routenabschnitt links liegen zu lassen, um andernorts mehr Zeit zu haben, aber weniger ist für Autoreisende in Australien tatsächlich mehr. Nur so kann man die Eindrücke unterwegs auch wirklich genießen. Eine machbare Strecke zu fahren und weiter entfernte Orte mit dem Flugzeug anzusteuern, sofern Zeit dafür bleibt, wäre eine weitere Alternative. Schließlich spricht nichts gegen eine Campertour von Melbourne nach Sydney, um von dort nach Alice Springs zu fliegen.
TIPP: Entfernungen richtig einschätzen
Um die Distanzen zu verinnerlichen, hilft es bei der Vorbereitung ungemein, in europäischen Dimensionen zu denken. Die Strecke Melbourne – Sydney entspricht der Entfernung zwischen Paris und Prag. Auf der Fahrt von Perth nach Darwin käme man in Europa nach dem Start in Madrid in St. Petersburg an. Natürlich kann der Urlauber die besagten Strecken auch in wenigen Tagen zurücklegen – mit einem Bleifuß und wenig Abwechslung zwischendurch. Doch wer will das schon?
Begrenzte Zeit
Erschwerend bei der Streckenplanung wirkt der begrenzte Urlaubsanspruch. Länger als ein Monat ist für die meisten Arbeitnehmer nicht drin. Es gilt, die Zeit ideal zu nutzen. Ob ideal bedeutet, so viel wie möglich zu sehen oder sich einen ausgewählten Zipfel des Landes genauer anzuschauen, ist Geschmackssache. Mit einem Camper hat man den Luxus, sein Tempo weitestgehend selbst zu bestimmen. Der Weg ist das Ziel – zugegeben ein vielleicht abgedroschenes, aber berechtigtes Motto für Wohnmobilfahrten Down Under. Letztendlich reist man nicht, um schnell von A nach B zu kommen, sondern um das C, D und E unterwegs zu entdecken.
Drei Wochen in Australien sind eine tolle Zeit, um z. B. entspannt von Sydney aus die Ostküste nach Cairns hinauf zu fahren. Das australische Fremdenverkehrsamt empfiehlt Selbstfahrern für diese rund 2600 Kilometer lange Strecke eine Reisedauer von ca. zwei Wochen. Zum Vergleich: Für die Route Perth – Darwin (4030 Kilometer) sollten mindestens drei Wochen eingeplant werden, was nicht sehr viel mehr erscheint angesichts der deutlichen längeren Strecke. Warum also nur wenige Tage mehr? Ganz einfach: An der Westküste gibt es deutlich weniger zu sehen. Weit und breit nichts außer rotem Sand und weißem Strand mit ein wenig Asphalt und Zivilisation mittendrin. So fährt man in Western Australia längere Strecken am Stück und kommt schneller voran. An der dicht besiedelten Ostküste hingegen tourt der Selbstfahrer von einer Touristenattraktion zur nächsten, auch wenn es nur eine überdimensionale Banane in Coffs Harbour ist. Mehr Zerstreuung und häufigere Pausen sorgen hier für ein langsameres Reisen.
Vierstellige Kilometerangaben sind keine Seltenheit auf den Schildern.
Einschränkungen
300 Kilometer am Tag sind ein machbarer und damit empfehlenswerter Fahrdurchschnitt. Man kommt gut vorwärts und hat genügend Zeit für Erkundungen und Pausen. An einigen Tagen wird vielleicht weniger gefahren, an anderen dafür mehr, weil z. B. das Wetter schlecht ist. So pendelt sich die Fahrdistanz im Verlauf der Reise auf ein gemächliches, aber stetiges Vorwärtskommen ein. Doch selbst die beste Theorie kommt in der Praxis gelegentlich ins Wanken. In Queensland ist das die Dämmerung, die bereits gegen 17/18 Uhr den Himmel schwarz einfärbt und jede Weiterfahrt zum Konzentrationswagnis macht. Wer denkt, hier locker bis 21 Uhr auf den Straßen unterwegs zu sein, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit von scheinwerfergeblendeten Kängurus ausgebremst. Auf Tasmania oder an der Küste zwischen New South Wales und Victoria reduzieren kurvige Straßen die Geschwindigkeit. 100 km/h zeigt der Tacho hier nur selten.
Zeitempfehlung für beliebte Routen, inkl. Sightseeing
StreckeDistanz in kmZeit, mind.Melbourne – Sydney8805 TageSydney – Brisbane9206 - 7 TageBrisbane – Cairns168010 TagePerth – Darwin403021 TageDarwin – Alice Springs15006 TageAlice Springs – Adelaide15406 TageAdelaide – Perth270010 TageAdelaide – Melbourne7305 TageUnd schließlich zerstört ein ganz natürliches Urlaubsverlangen die Kilometerplanung für den Tag – die Entdeckerlust. Eigentlich waren die Sightseeing-Aktivitäten des Tages abgehakt, als ein Einheimischer im Café von einem spektakulären Aussichtspunkt abseits des Weges erzählt. Was tun? Den Abstecher wagen und damit das Erreichen des Etappenziels riskieren oder ihn links liegen lassen und mit Bestzeit durchs Ziel fahren? Egal, für welche Variante der Urlauber sich entscheidet: Je großzügiger die Streckenplanung ist, desto mehr Zeit bleibt für ungeahnte Entdeckungen und desto entspannter lassen sich Verzögerungen abfedern. Denn beim Thema Pannen sind wir noch gar nicht angekommen, siehe Seite 186ff.
2.2 Fahren nach Jahreszeit
Um eines der hartnäckigsten Klischees gleich zu Beginn auszuräumen – nein, in Australien scheint nicht an 365 Tagen im Jahr die Sonne. Hier fällt sogar Schnee, was für Camperreisen nicht unbedeutend ist. Als sechstgrößtes Land besitzt Australien mehr als eine Klimazone. Hier prallen tropische auf europäische Wetterverhältnisse, die sich grob gesagt am Wendekreis des Steinbocks die Hand reichen. Dieser durchläuft Australien von Exmouth in Western Australia über Alice Springs im Zentrum hinüber nach Rockhampton in Queensland.
Der Winter Australiens bringt Bodenfrost im Süden.
Klimawandel
In den vergangenen Jahren häuften sich hierzulande die Meldungen über großflächige Buschfeuer bzw. Überschwemmungen in Australien, so z.B. die verheerenden Buschfeuer 2019/2020 im Südosten des Landes.
Wie auch im Kapitel 13.4 (siehe Seite 197) erwähnt wird, gehören beide Naturphänomene seit jeher zum Klima Down Unders dazu. Allerdings treten sie häufiger auf bzw. sind folgenschwerer – ein trauriger Umstand, der sicherlich auf den Klimawandel zurückzuführen ist.
Klima im Süden des Landes
