Cannabis als Medizin - Michael Backes - E-Book

Cannabis als Medizin E-Book

Michael Backes

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Beschreibung

Hanf: das erstaunliche Heilpotenzial einer uralten Nutzpflanze

Die Verwendung von Hanf als Nutz- und Heilpflanze hat eine lange Tradition. Seit mehr als 12 000 Jahren liefert die Cannabis-Pflanze den Menschen Nahrung, Textilfasern und Arzneien. Kaum eine andere Pflanze wurde so häufig in fast allen Kulturen und zu fast allen Zeiten angebaut. Heutzutage wird Cannabis hauptsächlich als Rauschmittel wahrgenommen. In Vergessenheit geraten ist Hanf als alternatives und wirkungsvolles Heilmittel bei vielen Krankheiten.

Als anerkannter Experte auf diesem Gebiet präsentiert Michael Backes in Cannabis als Medizin umfassende Informationen über die Wirkungsweisen und die Verabreichung von medizinischem Cannabis. In seinem umfangreichen und benutzerfreundlichen Ratgeber beschreibt er, wie Cannabis auf das körpereigene System wirkt, wie man es am besten vorbereitet und verabreicht, und wie man die Dosierung modifiziert und kontrolliert. Er stellt 27 der gängigsten Cannabis-Züchtungen vor und nennt die Erkrankungen, bei denen sie effektiv eingesetzt werden. Zudem umreißt er 29 Beschwerdebilder und Krankheiten, bei denen Ärzte medizinisches Marihuana verschreiben, darunter chronische Schmerzen, Übelkeit infolge von Chemotherapien, Migräne, Multiple Sklerose, Alzheimer, Fibromyalgie und Morbus Parkinson.

Cannabis als Medizin ist sorgfältig recherchiert und bereitet die Forschungsergebnisse aus Hunderten von modernen Studien in einer auch für den Laien leicht verständlichen Weise auf. Es bietet die übersichtlichsten, umfassendsten und praktischsten Informationen über die Verwendung und den Nutzen von medizinischem Cannabis, die derzeit zur Verfügung stehen.


»Eine gründliche, präzise und doch leicht zu lesende Abhandlung darüber, was jeder Arzt und Patient über medizinisches Marihuana, seine Verstoffwechselung und Wirkungsweisen, seine Risiken und positiven Effekte wissen muss.« Prof. Sander Greenland, University of California, Los Angeles

»Cannabis ist eine medizinische Schatzkiste, deren Inhalt wir noch gar nicht kennen.« Prof. Raphael Mechoulam, Hadassah-Universitätskrankenhaus Jerusalem

»Michael Backes präsentiert viel wertvolles Wissen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen, vertritt heutige praktische Ansätze, um medizinisches Cannabis effektiv anzuwenden - am wichtigsten: welche Züchtungen bei bestimmten Erkrankungen am effektivsten sind -, und bereitet uns darauf vor, was in der nächsten Zukunft zu erwarten ist. Cannabis als Medizin ist gut geschrieben, informativ und vor allem eine zeitgerechte und faszinierende Lektüre.« Robert C. Clarke, International Hemp Association

»Ein hervorragend geschriebener und leicht verständlicher, sachkundiger Leitfaden voll mit praktischem Know-how ... Dies ist zweifellos ein essenzielles, grundlegendes Lehrbuch über den Wert und den Tiefgang der Beziehung zwischen Menschen und Cannabis und darüber, wie man das Beste, was man über medizinisches Cannabis weiß, einsetzen kann, um Gesundheit und Wohlergehen zu fördern.« Sunil Kumar Aggarwal, Experte für medizinisches Cannabis

»Unverzichtbare Lektüre für jeden, der sich für Cannabis interessiert, und für die neuen Einsatzbereiche von Cannabis-Präparaten.« Mark Haskell Smith, Autor

»Mehr als jemals zuvor brauchen die Menschen heute klare, gut recherchierte, unvoreingenommene, auf Tatsachen beruhende Informationen über die Vor- und Nachteile des Marihuana-Konsums. Dieses Buch bietet diese ... Es wird das Standardwerk zu diesem Thema werden.« Barry Miles, Verfasser von Call Me Burroghs

»Inzwischen gibt es zwar sehr viele wissenschaftliche Studien, die die Legalisierung und die Akzeptanz des Konsums von medizinischem Marihuana stützen, aber noch immer zu wenig effektive Informationen darüber ... Cannabis als Medizin füllt diese Lücke mit Bravour.« Randy Olson, Autor von Don't Be Such A Scientist

»Ein exzellentes Nachschlagewerk für jeden, der medizinisches Marihuana konsumiert oder dies erwägt. Sehr empfehlenswert.« Martin A. Lee, Leiter des Project CBD

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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HaftungsausschlussAnbau, Besitz, Konsum und Vermarktung von Cannabis gelten in den meisten Staaten als Straftaten und werden mit Geldbußen und/oder Haftstrafen geahndet. Dieses Buch soll den gesetzeswidrigen Cannabis-Konsum, aus welchem Grund auch immer, keinesfalls befürworten oder empfehlen. Es basiert auf den Recherchen des Autors über die existierenden wissenschaftlichen und anekdotischen Informationen über die Anwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken und stellt keine Anleitung oder Verordnung zur Selbstmedikation oder für eine Kur mit Cannabis dar. Eine Behandlung sollte – in den Ländern, in denen dies per Gesetz gestattet ist – immer unter der Aufsicht eines Arztes erfolgen. 1. Auflage März 2016 Erstmals im Jahr 2014 veröffentlicht unter dem Titel Cannabis Pharmacy von Black Dog & Leventhal, New York Copyright Text © Michael Backes, 2014 Copyright Design und Illustrationen © Elephant Book Company Limited, 2014, 35 Fournier Street, London E1 6QE Copyright © 2016 für die deutschsprachige Ausgabe bei Kopp Verlag, Bertha-Benz-Straße 10, D-72108 Rottenburg Titel der Originalausgabe:Cannabis Pharmacy – The Practical Guide to Medical Marijuana Alle Rechte vorbehalten Übersetzung: Linde Wiesner Lektorat: Swantje Christow Covergestaltung, Satz und Layout: Stefanie Müller ISBN E-Book 978-3-86445-500-1 eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

Gerne senden wir Ihnen unser Verlagsverzeichnis Kopp Verlag Bertha-Benz-Straße 10 D-72108 Rottenburg E-Mail: [email protected] Tel.: (07472) 98 06-0 Fax: (07472) 98 06-11Unser Buchprogramm finden Sie auch im Internet unter:www.kopp-verlag.de

Vorwort von Dr. Andrew Weil

Vorwort von Dr. Andrew Weil

Aus der Perspektive eines Menschen betrachtet, der von Berufs wegen die traditionellen Therapieansätze studiert, überrascht es eigentlich, dass Cannabis aus unseren Arzneischränken verbannt wurde. Schließlich wurde diese Pflanze über Jahrtausende in Kulturen in aller Welt als Medikament für körperliche wie geistige Erkrankungen eingesetzt. 1942 kämpfte die American Medical Association (AMA) darum, Cannabis im amtlichen Arzneimittelbuch der USA zu behalten. Doch trotz der langen Geschichte von Cannabis als ungefährliches und effektives Medikament bei verschiedensten Erkrankungen verlor die AMA diesen Kampf, und Cannabis wurde verboten. Heute, über 70 Jahre später, beginnt das offizielle American Herbal Pharmacopeia, eine zweiteilige Monografie über Cannabis zu veröffentlichen, die der Pflanze und ihren Derivaten wieder ihre angestammten Plätze als hilfreiche Medikamente zuweist.

Während seiner langen Verbannung galt Cannabis fälschlicherweise als gefährliches Rauschgift, obwohl sein medizinischer Wert durchaus bekannt war. Patienten, die wegen HIV behandelt wurden, berichteten, dass Cannabis ihren Appetit steigere. Multiple-Sklerose-Patienten sagten, dass Cannabis Steifigkeit und Angstgefühle lindere. Und laut einiger Krebspatienten, bei denen schulmedizinische Behandlungen fehlschlugen, konnte Cannabis dem Körper zuweilen dabei helfen, medikamentenresistente Tumore zu bewältigen. Medizin wie Forschung stehen erst am Anfang davon, all das zu entdecken und zu untersuchen, was ihre Patienten bereits seit Jahrzehnten wissen.

Michael Backes’ exzellente Übersicht kombiniert neueste Forschungsberichte mit Beobachtungen in der echten Welt: nämlich von kalifornischen Patienten, die mit Cannabis-Medikamenten überzeugende Beweise darüber lieferten, in welchen medizinischen Einsatzgebieten die Pflanze häufig effektive Wirkungen erzielt. Sein Buch, das als Leitfaden für Patienten und ihre Ärzte gedacht ist, erklärt die neuesten Erkenntnisse sowie das wiederentdeckte Wissen über den Einsatz der Cannabis-Pflanze als Arznei. Ich sage oft, dass die westliche Medizin von traditionellen Kräuterarzneien profitieren könnte, wenn sie diese anstelle von oder in Kombination mit synthetischen Medikamenten verwenden würde, die die modernen Arzneibücher dominieren. Zudem ist Cannabis meiner Meinung nach eines der besten Beispiele für ungefährliche und effektive pflanzliche Heilmittel, die von vielen konventionell arbeitenden Ärzten viel zu wenig eingesetzt und noch immer größtenteils falsch verstanden werden.

Dank der Variationen in ihrer chemischen Zusammensetzung haben unterschiedliche Cannabis-Züchtungen verschiedene physiologische Wirkungen und führen manchmal zu den unterschiedlichsten Erfahrungen. Doch es gibt kaum evidenzbasierte Empfehlungen zur Verwendung bestimmter Cannabis-Sorten bei spezifischen Erkrankungen oder Symptomen. Dieses Buch schließt diese Lücke.

Klinische Studien belegen, dass viele im Westen weitverbreitete Krankheiten wie Diabetes und Krebs möglicherweise eng mit Stoffwechselstörungen in Zusammenhang stehen, die von schlechter Ernährung und Bewegungsmangel hervorgerufen werden. Wir beginnen zudem gerade erst zu begreifen, dass Cannabis tatsächlich wirksame homöostatische Regulatoren enthält, die den Stoffwechsel ausbalancieren und aufrechterhalten. Die chemischen Bestandteile interagieren mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System und beeinflussen alle physiologischen Prozesse – vom Appetit über die Gemütsregulierung bis zur Angstwahrnehmung.

Meine Entdeckungsreise durch integrative Heil- und Wellness-Ansätze begann mit einem Schwerpunkt auf den Interaktionen zwischen Geist und Körper. Und als ich 1968, meinem Abschlussjahr an der Harvard Medical School, anfing, mich mit Cannabis zu beschäftigen, lernte ich, dass es eine ganz ungewöhnliche Wirkungsbandbreite bot. Diese Studien fanden 20 Jahre vor Entdeckung des Endocannabinoid-Systems statt. Seit damals hat die Wissenschaft wiederholt das bewiesen, was uns die Erfahrung schon seit Jahrhunderten lehrt. Mit den Beweisen in diesem informativen Leitfaden werden der Wert und der Nutzen von Cannabis als Medizin noch deutlicher.

Ich hoffe sehr, dass die Arbeit von Michael Backes und anderen gleichgesinnten Profis zukünftige rationelle und wissenschaftliche Herangehensweisen an Cannabis inspirierend beeinflusst. Sie sollen uns von den politischen Ansichten wegführen, die es Patienten so schwer gemacht haben, von den Vorteilen dieser nützlichen Pflanze zu profitieren, und sie sollen die medizinische Gemeinschaft dahin bringen, Cannabis in intelligenter Weise einzusetzen.

Einführung

Einführung

Wenn wir die Argumente gegen die Verwendung von Cannabis als Medizin in Augenschein nehmen, müssen wir zunächst die Indizien betrachten. Wir wissen, dass Cannabis gewiss kein Allheilmittel ist, aber für bestimmte Personen und in gewissen Situationen ist es sehr hilfreich und ziemlich ungefährlich. Befürworter wie Gegner der medizinischen Anwendung von Cannabis verbreiten jedoch nach wie vor eine geradezu schockierende Anzahl an Missverständnissen bezüglich medizinischem Cannabis. Cannabis heilt nicht jeden Krebs, es hat Nebenwirkungen und ist nicht für jedermann geeignet. Vor der Veröffentlichung dieses Buches gestaltete sich die Suche nach evidenzbasierten Informationen über pflanzliche Cannabis-Präparate häufig als sehr schwierig. Ich habe dieses Buch hauptsächlich deshalb geschrieben, weil ich Informationen über die Geschichte des medizinischen Cannabis brauchte, darüber, wie man es adäquat einsetzt, sowie über seine Varianten und die Krankheiten, die damit erfolgreich behandelt werden. All dies benötigte ich für meine Arbeit in Kalifornien mit Patienten, die unter ärztlicher Aufsicht Cannabis bekamen. Doch da Ende 2013 nur 21 amerikanische Bundesstaaten die medizinische Verwendung von Cannabis erlaubten, muss ich zugeben, dass viele schwer kranke Personen auf illegale Cannabis-Quellen angewiesen waren. Und genau diese Patienten brauchen eine leicht zugängliche und fundierte Anleitung. Dieses Buch soll keineswegs die professionelle medizinische Aufklärung und Kontrolle ersetzen – jeder, der überlegt, Cannabis als Arznei einzusetzen, sollte den Rat eines Arztes einholen.

Das Verbot von Cannabis hat leider dafür gesorgt, dass eine geradezu spektakuläre Menge an Unsinn über Cannabis und seine medizinische Verwendung als Tatsachen betrachtet wird. Meine Erfahrung hat mir jedoch gezeigt, dass Gegner von medizinischem Cannabis nur so lange Gegner bleiben, bis sie selbst von einer Krankheit heimgesucht werden. Schon häufig haben mich Politiker, Richter und Gesetzeshüter, die plötzlich eine Beratung bezüglich Cannabis benötigten, insgeheim aufgesucht, um für sich selbst oder einen Angehörigen Rat einzuholen.

Seit den 1980er-Jahren untersucht ein kleiner Kreis beherzter Wissenschaftler und Ärzte Cannabis und seine Auswirkungen. Angesichts der feindlich gestimmten Umgebung, in der das Studium von Cannabis strengen Regulierungen unterworfen und zuweilen ganz verboten ist, erweist sich diese Arbeit als mühsam. Doch diese zielstrebigen Forscher halten nicht nur durch, sie erweitern unser Wissen um diese Pflanze auch enorm.

Cannabis und Cannabis-Arzneien sind ein sich ständig in Bewegung befindliches Forschungsgebiet. Allmonatlich gibt es neue Studien darüber, wie Cannabis wirkt und wie es als Medikament eingesetzt werden könnte. Und wir erfahren immer mehr sowohl über die Vorzüge als auch über die Risiken des Cannabis-Konsums. Da Cannabis nicht so toxisch ist wie andere Drogen, zum Beispiel Opioide, sind die Vorschläge zur Dosierung von Cannabis als Medikament zuweilen recht unpräzise.

Eine mutige Gruppe von Aktivisten stellt den Status quo infrage und verlangt, Cannabis als Arznei verfügbar zu machen. Dieses Buch würde es ohne den Präzedenzfall, den diese Aktivisten setzen, nicht geben. Organisationen wie Wo/Men’s Alliance for Medical Marijuana, Americans for Safe Access, Marijuana Policy Project, Drug Policy Alliance und NORML kämpfen hart darum, dass medizinisches Cannabis jenen zur Verfügung steht, die es brauchen.

Viel zu viele Menschen landen wegen des Konsums oder der Verbreitung von Cannabis als Arznei im Gefängnis. Gesetze, die die Verabreichung von medizinischem Cannabis unter ärztlicher Kontrolle verbieten, sind grundlegend falsch und müssen überarbeitet werden. Kalifornien legalisierte als erster US-Bundesstaat den Zugang zu medizinischem Cannabis. Zunächst schaffte es Kalifornien nicht, ein Regulierungssystem zu etablieren, um den Zugang von Cannabis via Verkaufstresen zu ermöglichen. Dies führte zu einer unsicheren Situation, in der einige kalifornische Städte die Ausgabe tolerieren, ein paar wenige diese erlauben und die meisten anderen sie jedoch verbieten. Selbst Gesetze, die den öffentlichen Verkauf von medizinischem Cannabis eigentlich ermöglichen sollten, schaffen lediglich einen bürokratischen Wald, in dem sich kaum jemand zurechtfindet.

Ich möchte mit diesem Buch einen umfassenden Überblick über den Einsatz von Cannabis als Arznei bieten, auch wenn das wissenschaftliche und medizinische Verständnis, wie Cannabis als Medikament wirkt, sich nach wie vor erst entwickelt. Cannabis ist ein extrem komplexes Arzneimittel, das in verschiedenen Arten und Formen unterschiedlichste medizinische Effekte erzielt. Teil 1 dieses Buches stellt einen historischen und wissenschaftlichen Überblick über Cannabis als Medizin dar. Teil 2 bietet einen Leitfaden für die Anwendung von medizinischem Cannabis. Teil 3 stellt 27 Cannabis-Züchtungen und ihre verschiedenen Wirkungsweisen vor. Und Teil 4 informiert darüber, wie man Cannabis bei bestimmten Erkrankungen unter ärztlicher Aufsicht effektiv einsetzt. In diesem Buch möchte ich die Forschungsergebnisse aus Hunderten von modernen Studien auf leicht verständliche Weise für den Laien aufbereiten. Weil dieses Buch zu weiteren Nachforschungen inspirieren soll, habe ich versucht, möglichst viele zugängliche Quellen zu nutzen, sodass Patienten und Ärzte, die tiefer in das Thema eintauchen wollen, dies einfach und kostengünstig tun können. Ich hoffe, dass dieses Buch Patienten wie Ärzte dazu bringt, die Vorteile und Einschränkungen von Cannabis als Medizin zu diskutieren. Es wäre großartig, wenn ich sie dazu bewegen könnte, die potenzielle Verwendung von Cannabis genauso selbstverständlich in Erwägung zu ziehen, wie sie dies auch bei Kräuterarzneien wie etwa Echinacea tun.

Auf der hinteren Umschlagklappe des Buches Pot: A Handbook of Marijuana aus dem Jahr 1967 schrieb der Verfasser John Rosevear:

»Der Autor gibt nicht vor, bei dieser kontrovers diskutierten Frage objektiv zu sein, aber er sagt, dass dieses Handbuch eine objektive Darstellung der Wahrheiten über Marihuana ist. Wenn einmal die Vorurteile und die Hysterie hinsichtlich dieses Themas überwunden sind, erscheinen diese Wahrheiten ganz einfach.«

Fast ein halbes Jahrhundert später lassen die Vorurteile und die Hysterie möglicherweise nach, aber die Wahrheit über Cannabis als Medikament ist interessanter und komplexer, als man sich hätte vorstellen können.

Michael Backes

1. Cannabis als Arznei

Seit mehr als 12 000 Jahren liefert die Cannabis-Pflanze den Menschen Nahrung, Textilfasern, Rauschmittel und Arzneien. Cannabinoide sind medizinisch aktive Substanzen, die in der Pflanze produziert werden und mit den Proteinrezeptor-Molekülen des körpereigenen Systems interagieren. Verschiedene Cannabis-Züchtungen haben unterschiedliche chemische Zusammensetzungen, die wiederum unterschiedliche medizinische Wirkungen erzielen. Versteht man die chemische Ökologie von Cannabis, so kann es der Konsument – egal, ob er es aus medizinischen Gründen oder als Entspannungsmittel einsetzt – berechenbarer und effektiver anwenden.

Historischer Kontext

Menschen bauen Cannabis schon länger an als irgendeine andere Pflanze. Seit mindestens 12 000 Jahren, dem Ende der letzten Eiszeit, wird es kultiviert, um Textilfasern, Medikamente und Rauschmittel zu liefern. Angeblich tauchte die Cannabis-Pflanze erstmals vor rund 36 Millionen Jahren in Zentralasien auf, in der Nähe des Altai-Gebirges, wo Sibirien, die Mongolei und Kasachstan zusammentreffen. Da in der Altai-Region 40 000 Jahre alte menschliche Überreste gefunden wurden, kann man folgern, dass die Cannabis-Pflanzen, die an den Flussufern der Region angebaut wurden, zunächst wohl als Nahrungsquelle dienten.

Die ältesten noch erhaltenen Hinweise auf den Cannabis-Konsum sind 10 000 Jahre alte getrocknete Cannabis-Blüten, die man bei archäologischen Ausgrabungen in Japan in einem Tontopf aus der Jōmon-Zeit fand. Laut dem Forscher Dave Olson »zeigt eine neolithische Höhlenmalerei an der Küste der Insel Kyūshū im Südwesten Japans hohe Halme mit hanfähnlichen Blättern. Seltsam gewandete Menschen, Pferde und Ozeanwellen sind ebenfalls zu sehen – vielleicht bringen hier koreanische Händler Hanf nach Japan. Die Darstellung der Hanfpflanze selbst reflektiert die Vorstellung von Sonne/Pflanze, ähnlich den hieroglyphischen Abbildungen der Kulturen im Mittelmeerraum«. 1› Hinweis

Die ältesten schriftlichen Berichte über Cannabis als Heilmittel stammen aus dem Alten China, wo Cannabis Teil der mündlichen, von Generation zu Generation überlieferten Pflanzenkunde ist. Diese mündliche Tradition geht bis zum legendären Kaiser Shennong zurück, der vor 4700 Jahren regierte. In seinen Lehren erwähnt Shennong Cannabis – neben Ginseng und Ephedra – als bedeutendes Kräuterheilmittel. Nach Shennongs Regierungszeit wurden die chinesischen Heiltraditionen 2000 Jahre lang mündlich weitergegeben. Und im 1. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung umfassten die mündlich überlieferten chinesischen Traditionen bereits über 100 Krankheiten, bei denen Cannabis angewendet wurde. Dieses Wissen wurde in das erste chinesische Heilpflanzen-Kompendium, das Shennong ben cao jing, aufgenommen.

»Ma-fên (Hanffrüchte) … führen im Übermaß zu sich genommen zu Halluzinationen … Konsumiert man sie über eine lange Zeit, erleichtern sie den Körper.«2› Hinweis Shennong ben cao jing

Eine neolithische Höhlenzeichnung im Südwesten Japans: Zwischen den beiden hohen Hanfstängeln sind undeutlich Menschen und Pferde über Meereswellen zu erkennen.

© Sammlung Dave Olson

Von 1500 bis 200 vor Christus wurde Cannabis in der Mittelmeerregion, in Ägypten und Griechenland, sowie in Indien als Heilmittel verwendet. Im Avesta, dem heiligen Buch des Zoroastrismus im Alten Persien (dem heutigen Iran), galt Cannabis als die wichtigste aller bekannten Heilpflanzen. 3› Hinweis Darüber hinaus, so behauptete jedenfalls die polnische Anthropologin Sula Benet, war Cannabis eine der Hauptzutaten – q’neh bosm – für das heilige Salböl im hebräischen Text des zweiten Buch Mose im Alten Testament. 4› Hinweis

© Robert Littleford

In der frühislamischen Heilkunde wurde Cannabis sowohl als weithin wirksam gelobt als auch als Gift verteufelt. Der große persische Arzt Muhammad ibn Zakarīyā ar-Rāzī (865–925 n. Chr.) listete vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Cannabis als Heilmittel auf, während Ibn Wahshiyya, ein Alchimist aus dem 10. Jahrhundert, in einem Buch über Gifte behauptete, der bloße Duft des Cannabis-Harzes würde einen innerhalb weniger Tage töten. 5› Hinweis

Die Reise des Cannabis gen Westen

Bis ins 17. Jahrhundert gab es im Westen wenig Schriftliches über die medizinische Anwendung von Cannabis. In seiner häufig zitierten Anatomie der Melancholie nahm damals der englische Gelehrte Robert Burton »Hanfsamen« in seine Liste der Pflanzenheilmittel für Depressionen auf. Und der bekannte Kräuterarzt Nicholas Culpeper empfahl in The English Physitian [sic] Hanf als Entzündungshemmer.

Interessant ist, dass sich diese beiden Anwendungsgebiete auf englische Faserhanfarten bezogen, die relativ wenig Tetrahydrocannabinol (THC, der psychoaktivste Bestandteil von Cannabis) und mehr Cannabidiol (CBD, ein exzellenter Enzündungshemmer) enthalten.

1883 führte William O’Shaughnessy, ein irischer Arzt, der in Indien arbeitete und lehrte, Cannabis indica wieder in die westliche Medizin ein. Von ihm stammt eine bekannte Abhandlung über Experimente mit der Pflanze. 6› Hinweis

In O’Shaughnessys Indien wurde Cannabis – sowohl als Arznei als auch als Rauschmittel – meist oral konsumiert, nicht geraucht. Bereits seit über einem Jahrtausend wurde auf dem indischen Subkontinent aus Bhang (gemahlenem Marihuana) Bhang Lassi gemacht, ein Getränk aus Milch, Gewürzen und Cannabis. Interessanterweise schreiben die Rezepte für Bhang Lassi bis zu einer Unze Cannabis-Blüten und – Blätter vor. Solch ein Getränk konnte bis zu 200 Milligramm THC pro Tasse enthalten – eine gewaltige Dosis. Warum hat ein Glas Bhang Lassi dann nicht die zu erwartende gewaltige Wirkung? Ganz einfach, weil Bhang normalerweise nicht über die Temperatur erhitzt wird, bei der THC-Säure psychoaktiv wird. Weil laut der Rezepte für Bhang Lassi zuerst aus Wasser ein Cannabis-Tee gebraut wird, ehe dieser in die Milch gerührt wird, werden nur wenige der nicht wasserlöslichen Cannabinoide freigesetzt. Bhang Lassi soll eine milde Wirkung entfalten, und dafür sorgt diese Zubereitungsart.

William O’Shaughnessy

Sir William Brooke O’Shaughnessy (1809–1889) war ein irischer Arzt, der im indischen Kalkutta arbeitete und den medizinischen Nutzen von Cannabis erforschte. Zunächst machte er Tierversuche, um die Toxizität von Cannabis zu bestimmen. Er experimentierte mit Hunden und Schweinen bis hin zu Fischen und Vögeln, Anzeichen von Berauschung konnte er jedoch nur bei Menschen herbeiführen, die Tiere erholten sich allesamt wieder, unabhängig von der verabreichten Dosis. Dann experimentierte O’Shaughnessy mit alkoholischen Tinkturen von Cannabisindica, die er Patienten mit Cholera, Tetanus, Rheuma und Kinderkrämpfen verabreichte. Er stellte fest, dass Cannabis durchweg eine beruhigende Wirkung hatte. Er probierte seine Cannabis-Tinktur sogar an einer Person aus, die an Tollwut erkrankt war. Obwohl der Patient starb, glaubte O’Shaughnessy, dass die Arznei ihm zu einem friedvolleren Tod verholfen hatte. William O’Shaughnessys Studien gingen weit über seine Versuche mit Cannabis hinaus, und er verfasste ein Standard-Chemielehrbuch, das erstmals die Bedeutung der Biochemie hervorhob. Darüber hinaus entwickelte er die erste intravenöse Flüssigkeitsersatztherapie, die erfolgreich gegen die tödliche Dehydrierung infolge vieler Krankheiten wie Cholera eingesetzt wurde. Und schließlich führte er in Indien das Telegrafensystem ein und leitete sogar den Telegrafendienst im Land, wofür er 1856 von Queen Victoria zum Ritter geschlagen wurde. 7› Hinweis8› Hinweis

O’Shaughnessys Arbeit in Indien – das damals zum Britischen Weltreich gehörte – sorgte auch in Großbritannien für Aufmerksamkeit, und britische Ärzte studierten die nächsten 50 Jahre lang Cannabis und dessen Anwendung als Heilmittel.

Hanf in moderaten Dosen

Die meistbeachtete Cannabis-Studie des 19. Jahrhunderts war der gewaltige Report of the Indian Hemp Drugs Commission, den die britische Regierung im Jahr 1894 veröffentlichte. Der Bericht bestand aus sieben Bänden und insgesamt 3291 Seiten voller Aussagen aus 1193 Befragungen in ganz Indien. Die Schlussfolgerung des Berichts? »Die Kommission hat nun alle Zeugnisse hinsichtlich der Wirkungen, die Hanfarzneien zugesprochen werden, geprüft. Es ist nun an der Zeit, die Ergebnisse, zu denen sie gekommen ist, kurz zusammenzufassen. Es ist eindeutig erwiesen, dass die gelegentliche Anwendung von Hanf in moderaten Dosen vorteilhaft sein kann; doch diese Anwendung sollte als medizinisch angesehen werden.« 9› Hinweis

J. R. Reynolds, der Leibarzt von Königin Victoria, schrieb 1890 in The Lancet (eine renommierten britische Fachzeitschrift): »Bei nahezu allen schmerzhaften Erkrankungen ist meiner Erfahrung nach indischer Hanf die bei Weitem hilfreichste Arznei.« 10› Hinweis Trotz anderslautender Gerüchte gibt es keine Beweise, dass Reynolds der Königin Cannabis gegen ihre Menstruationsbeschwerden verabreichte.

Vom Verbot bis heute

Im Jahr 1925 billigte und ratifizierte der Völkerbund das Internationale Opiumabkommen, das unter anderem Cannabis und seine Derivate – mit Ausnahme von medizinischen und wissenschaftlichen Anwendungen – verbot. Diese spezielle Form des Cannabis-Verbots gilt international bis heute. Großbritannien verbot Cannabis ein paar Jahre später, 1928.

Mitte der 1930er-Jahre war Cannabis in allen 48 US-Staaten verboten, und obgleich es in der U. S. Pharmacopoeia (USP) nach wie vor als Arznei geführt wurde, war es so gut wie unmöglich, dieses irgendwo zu bekommen. 11› Hinweis In der Folge verbot die US-Bundesregierung mit dem Marihuana Tax Act von 1937 Cannabis generell. Während der Verhandlungen zu diesem Gesetz bezeugte der Legislativrat der American Medical Association, Dr. William C. Woodward, dem Committee on Ways and Means, dass »in dem Rauschgift Potenziale stecken, die nicht per Gesetz blockiert werden sollten. Medizinern und Pharmakologen sollte es gestattet sein, das Mittel anzuwenden, wenn sie es als passend erachten.« 12› Hinweis Die Einwendungen von Dr. Woodward und der AMA blieben jedoch ungehört.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts hatten sich in der öffentlichen Wahrnehmung Cannabis und seine Extrakte von einer ungefährlichen und wirksamen Arznei zu einem gefährlichen Rauschgift entwickelt. Die AMA war noch fünf Jahre nach Verabschiedung des Marihuana Tax Act dagegen, Cannabis aus der U. S. Pharmacopoeia zu streichen, doch dies erfolgte im Jahr 1942. Vom Zweiten Weltkrieg bis in die frühen 1960er-Jahre wurde Cannabis ausschließlich im Sinne eines gefährlichen Rauschgifts erforscht. Die US-Regierung unterband jedwede Erforschung von Cannabis als potenzielles Heilmittel.

Mit Cannabis angereicherte Milch bildet den Grundstock von Bhang Lassi, das mit geriebenen Mandeln angedickt wird. Würzmittel wie Ingwer, Anis, Kardamom, Garam Masala und Mohn verleihen dem Getränk Geschmack.

© Robert Littleford

Die »moderne« wissenschaftliche Ära der Cannabis-Forschung begann 1964, als der wichtigste psychoaktive Inhaltsstoff von Cannabis gefunden wurde: Delta-9-Tetrahydrocannabinol, THC. Entdecker dieser klaren, geschmacklosen Flüssigkeit war Raphael Mechoulam, ein israelischer Wissenschaftler aus Jerusalem.

Vom Medikament zum Rauschgift und zurück:Listung und Reform von Cannabis

Das Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel von 1961 ist das wichtigste internationale Vertragswerk über das weltweite Verbot der Produktion von und des Handels mit bestimmten Drogen, darunter Cannabis, LSD, Kokain und Heroin. Die unterzeichnenden Staaten verpflichteten sich, entsprechende Gesetze zu verabschieden. Nach einer Reihe von Verträgen in den 1920er-Jahren, mit denen der internationale Handel mit Opium, Kokain und bestimmten Derivaten kontrolliert werden sollte, war das Einheitsabkommen das erste, in dem Cannabis aufgeführt wurde. Es erlaubte ausdrücklich die Produktion und das Angebot der aufgelisteten Drogen für medizinische und wissenschaftliche Zwecke. Laut Regierungsbeamten erfordert eine Reform der Cannabis-Gesetze auf nationaler oder Landesebene eine Modifizierung dieses Abkommens. In Wirklichkeit scheuen sich Staaten häufig, Gesetze zu modifizieren, die sie selbst mit unterzeichnet haben, auch wenn es in ihren Ländern als politisch zulässig und zweckdienlich gilt.

Raphael Mechoulam

Seit Anfang der 1960er-Jahre forscht Dr. Raphael Mechoulam (geboren 1930) in Israel zum Thema Cannabinoide. Seine Studien über die Chemie von Cannabis finanziert größtenteils die US-Regierung über die National Institutes of Health. Obwohl Cannabidiol (CBD) bereits 1940 aus mexikanischem Cannabis und indischem Haschisch extrahiert worden war, gab es danach 25 Jahre lang keine weiteren Untersuchungen von CBD, bis Dr. Mechoulam seine Forschung über CBD und andere Cannabinoide in den frühen 1960er-Jahren aufnahm. Aufbauend auf ihrer Studie über das CBD-Cannabinoid-Molekül von 1963 gelang es Mechoulam und seinen Kollegen, THC im Jahr darauf zu isolieren. Später identifizierte Dr. Mechoulam die zwei »besten Kandidaten« unter den Molekülen, die, wie sich herausstellen sollte, körpereigene Cannabinoide sind, Substanzen namens Endocannabinoide.

© Robert Littleford

Die Cannabis-Pflanze

Heute wird Cannabis genetisch zur Familie der Cannabaceae (Hanfgewächse) gezählt. Die kleine Familie besteht aus blühenden Pflanzen, die aus den gemäßigten Klimazonen der nördlichen Erdhalbkugel stammen. Außer Cannabis gehören zwei Hopfenarten dazu, deren weibliche Blüten zur Bierherstellung verwendet werden. Die Blätter der Hopfenpflanzen sind wie Cannabis-Blätter handförmig. Nach neuen Studien wurde die Cannabaceae-Familie um 70 Zürgelbaum-Arten erweitert, die früher der Ulmaceae-Familie zugerechnet wurden, zu der auch die Ulme gehört.

Genetische Beweise stützen die These, dass sich Cannabis in zwei Arten spaltet: sativa und indica. Cannabis sativa ist die faserige Art, die mehr CBD und normalerweise weniger als ein Prozent THC produziert. Cannabis indica ist reicher an psychoaktiven Stoffen, ihr THC-Gehalt kann 25 Prozent des Trockengewichts der Pflanze ausmachen. Im Allgemeinen bezeichnet man mit sativa schmalblättrige, höher wachsende Varietäten aus tropischeren Klimazonen, während man die niedrigeren Sorten mit breiteren Blättern aus Afghanistan und Pakistan indica nennt. Die afghanischen Pflanzen werden selten höher als zwei Meter, ihre südostasiatischen Verwandten jedoch, etwa jene aus Vietnam, können bis zu sieben Meter hoch wachsen.

In den Genen: Gemeinsame Kennzeichen von Cannabis, Hopfen und Zürgelbaum

© Robert Littleford

Cannabis für alle Zwecke

Cannabis ist eine echte Mehrzweckpflanze. Aus seinen außergewöhnlich stabilen Fasern werden seit Tausenden von Jahren Hanftextilien und – papier hergestellt. Die Wikinger stellten aus Hanf Segel für ihre Schiffe her, mit denen sie von Skandinavien nach Nova Scotia fuhren. Betsy Ross nähte die erste US-Flagge aus Hanfstoff. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung wurde auf Hanfpapier geschrieben, und auch Deutsche-Mark-Scheine wurden einst auf Hanfpapier gedruckt. In den Niederlanden wurden vielerorts Windmühlen gebaut, um Hanfstängel zu zerquetschen. 13› Hinweis

Wie bereits erwähnt, war die Möglichkeit, Cannabis als Nahrungsquelle zu nutzen, der erste Grund für das Interesse daran. Cannabis-Samen (Hanfsamen) – die streng gesehen eigentlich Nüsse und keine Samen sind – sind besonders reich an mehrfach ungesättigten Fetten, essenziellen Fettsäuren und Proteinen. Diese Zusammensetzung qualifiziert sie als funktionelles Lebensmittel (Nahrungsmittel, die die Gesundheit des Menschen positiv beeinflussen, statt lediglich zu sättigen). Tatsächlich werden Hanfsamen seit 3000 Jahren in asiatischen Kulturen sowohl als Lebensmittel als auch als Arznei genutzt. Und trotz des pauschalen Verbots von Cannabis-Produkten ist es seit rund 20 Jahren auch in den USA erlaubt, Hanfsamen in der Lebensmittelherstellung zu verwenden. 14› Hinweis

Die relative Wuchshöhe der beiden Cannabis-Arten im Vergleich zu einem durchschnittlich großen Menschen. Das schmalblättrige sativa wird bis zu dreimal so hoch wie das breitblättrige indica. Die schlussendliche Höhe einer Pflanze hängt aber auch von den Anbaumethoden ab und davon, ob sie im Freien, in einem Innenraum oder in einem Gewächshaus gezogen wird.

© Robert Littleford

Das Potenzial von Cannabis-Harz als Droge – sowohl zu medizinischen Zwecken als auch als Psychotropikum – hat dazu geführt, dass die Pflanze so gezüchtet wird, dass sie möglichst viel Harz produziert. Dies wiederum hatte zur Folge, dass in aller Welt regional unterschiedliche Cannabis-Drogen-Chemotypen hergestellt werden. Einige Sorten produzieren ausschließlich THC, andere THC und CBD und ein paar Propyl-THCV und/oder CBDV.

Hanfsamen enthalten alle essenziellen Aminosäuren, zahlreiche essenzielle Fettsäuren sowie hohe Level an Magnesium, Eisen und Kalium. Sie werden zu verschiedenen Produkten verarbeitet, darunter Hanfmehl, – milch und -öl.

© Robert Littleford

Die Geschlechter von Cannabis

Cannabis ist diözisch (getrenntgeschlechtig), das heißt, es produziert männliche und weibliche Blüten an separaten Pflanzen. Die meisten blühenden Pflanzen haben im Gegensatz dazu männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane an einer Pflanze und entwickeln Mechanismen, um Inzucht und Selbstbefruchtung zu reduzieren. Cannabis bildete vermutlich zwei Geschlechter heraus, um eine größere genetische Vielfalt zu ermöglichen. 15› Hinweis In Cannabis wurden molekulare genetische Marker gefunden, das heißt, das Geschlecht einer Pflanze kann bereits bestimmt werden, bevor irgendwelche Anzeichen dafür zu sehen sind. 16› Hinweis

Cannabis ist eine einjährige Pflanze, das heißt, sie durchläuft innerhalb eines Jahres ihren kompletten Lebenszyklus. Die meisten Cannabis-Samen keimen drei bis sieben Tage nach dem Einpflanzen. In den ersten drei Monaten ihres Lebenszyklus durchläuft die Cannabis-Pflanze eine rasante vegetative Wachstumsphase und bildet die für die Fotosynthese optimale Blättermasse. Nach dieser vegetativen Phase regen die längeren Nächte nach der Sommersonnenwende den Blütezyklus sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Pflanzen an. Je nach Breitengrad braucht Cannabis zehn bis zwölf Nachtstunden, um zu blühen. Blühende Pflanzen produzieren weniger Blätter, weil ihr Stoffwechsel nun auf die Fortpflanzung ausgerichtet ist. 17› Hinweis Eine typische weibliche Cannabis-Pflanze bildet Hunderte von winzigen Blüten. Oben an der Spitze verdichten sich diese Blüten zu einer Blütentraube, im Englischen nach dem spanischen Wort cola (»Schweif«) benannt. Die Blütentrauben weiblicher Cannabis-Pflanzen können zur Erntezeit über 1,20 Meter lang sein.

Draußen oder drinnen – Warum Cannabis keine Wohnungspflanze ist

In der gesamten westlichen Welt wird darüber diskutiert, ob im Freien oder in Innenräumen angebautes Cannabis bessere Heilmittel hervorbringt. Der Anbau in geschlossenen Räumen kann im Jahr fünf Ernten von kleinen, tadellosen Pflanzen mit vielen intakten Trichomen hervorbringen. Beim Anbau im Freien kann man in der Regel einmal im Jahr sehr große Pflanzen ernten, die jeweils 2,3 Kilogramm oder mehr Blüten produzieren. Der Freiluftanbau erfordert viel Sonne, gut gewässerten Boden und mittelintensive Pflege. Für die Indoor-Kultivierung sind intensive Beleuchtung, Hydrokultur-Equipment oder Blumentöpfe, Messvorrichtungen und beständige Pflege vonnöten. Schädlinge sind in Räumen schwieriger zu kontrollieren, deshalb sind entsprechende Präventivmaßnahmen unerlässlich. Die Zukunft des Cannabis-Anbaus zu medizinischen Zwecken gehört vermutlich einer Mischform aus Outdoor- und Indoor-Kultivierung: dem Gewächshaus. Der Anbau im Treibhaus ist bei Weitem umweltfreundlicher als die konventionelle Indoor-Kultivierung.

Cannabis-Ernte

Im 19. Jahrhundert fand man in Indien heraus, dass unbefruchtete, samenlose weibliche Cannabis-Blüten leistungsstärker waren und mehr Drogenharz und somit mehr Cannabinoide und Terpene produzierten. Die Technik, die männlichen Pflanzen auszusortieren, ehe sie die weiblichen befruchten konnten, führte zu einer besonderen Art weiblicher Cannabis-Blüten, die Ganja genannt wurden. Die indischen Cannabis-Bauern in Bengalen beschäftigten Spezialisten, poddars, die die männlichen Pflanzen aussuchten und diese markierten, ehe sie ihre Pollen freisetzen konnten, damit sie beseitigt werden konnten. 18› Hinweis Bei Anwendung der Ganja-Methode konnte die unbefruchtete weibliche Cannabis-Pflanze weiterhin Harz produzieren, während sie auf die Befruchtung wartete, statt Energie und Stoffwechselaktivität in die Produktion von Samen zu stecken. Als diese Technik in den 1960er-Jahren in Kalifornien eingeführt wurde, erhöhte sie in den USA geradezu drastisch die Qualität und Attraktivität von Cannabis.

Die Technik wurde sinsemilla genannt, vom Spanischen sin semilla, »ohne Samen«. Carolyn García, die Exfrau des Grateful-Dead-Frontman Jerry García, schrieb ein Buch über diese Technik, das 1977 erschien. 19› Hinweis So richtig in Fahrt brachte die US-amerikanische Sinsemilla-Bewegung jedoch ein aufwendig bebildertes Buch von Jim Richardson und Arik Woods, das den Titel Sinsemilla: Marijuana Flowers trug und bereits 1976 in limitierter Auflage erschien. Es präsentierte die besten Fotografien der unterschiedlichen Arten der hochwertigen Cannabis-Droge, die Mitte der 1970er-Jahre in den Vereinigten Staaten produziert wurden. 20› Hinweis

Cannabis-Pflanzen sind getrenntgeschlechtig: Männliche und weibliche Pflanzen produzieren jeweils eigene Blüten. Die weibliche (links) produziert Samenkapseln, die männliche (rechts) Säcklein mit Blütenstaub für die Befruchtung.

© Robert Littleford

Bei allen Vorteilen der samenlosen Produktion von medizinischem Cannabis gab es jedoch auch eine Kehrseite. Samenlose Pflanzen werden meist nicht aus Samen, sondern aus »Klonen« – Ablegern der vegetativen »Mutterpflanze« – gezogen. So entstehen zwar einheitlichere Pflanzen, aber die Vervielfältigung von Cannabis durch Klone verhinderte die Chancen für die allmähliche Verfeinerung, die mit der Samenzüchtung einhergeht. Durch die Klon-und-Mutter-Methode wurden jahrzehntelang bestimmte Arten von Cannabis am Leben gehalten, wenn auch viele der frühen Klonlinien durch Pannen, Verbote und Versäumnisse verloren gingen.

Seit der Wende zum 21. Jahrhundert werden in den USA, in Israel, Großbritannien, Österreich und Kanada Cannabis-Pflanzen aus Gewebekulturen gezüchtet. Pioniere auf diesem Gebiet waren die Chinesen, die bereits in den 1980er-Jahren mit Cannabis-Fasern arbeiteten. 21› Hinweis Dass mithilfe von Cannabis-Gewebekulturen auch »künstliche Samen« produziert werden können, bewies eine Gruppe unter Dr. Hemant Lata an der University of Mississippi.22› Hinweis

Blütentraube (cola) an einer weiblichen Cannabis-Pflanze. Eine Cannabis-Pflanze entwickelt an der Spitze des Hauptstängels eine große Blütentraube. An den Seiten können auch kleinere Trauben wachsen. Es gibt mehrere Methoden, die Pflanzen so zu trimmen, dass sie mehrere große Blütentrauben ausbilden, nicht nur eine.

© Robert Littleford

Wirkstoffe im Harz

Die Cannabis-Pflanze produziert mehrere glanduläre Trichome mit gestieltem Kopf. Aus den Spitzen dieser speziellen Pflanzenhaare tritt das Harz aus, eine medizinische psychoaktive Substanz, die aus Terpenoiden, Fetten und Cannabinoiden besteht. Die unbefruchtete weibliche Cannabis-Pflanze produziert medizinisch interessante Substanzen in weit größerer Konzentration als die männliche. Dieses Harz wird hauptsächlich in den blühenden Spitzen der weiblichen Pflanze gebildet. Jede kleine Cannabis-Blüte in diesen Bündeln besteht aus einem einzelnen gerollten Blatt, Braktee genannt. Jede Cannabis-Braktee ist von unzähligen winzigen haarähnlichen Drüsenzellen, den Trichomen, bedeckt. Unter dem Mikroskop betrachtet ähnelt ein Trichom einem auf der Verzweigung aufliegenden Golfball. Der Golfball ist das Harzköpfchen des Trichoms, ein wachsartiges Kissen aus Öl, das von Zellen an der Spitze des Trichomstiels gebildet wird. Wenn die Harzköpfe aufgebrochen werden, setzen sie intensiv duftende Chemikalien, die Terpenoide, frei, die mit dem Geruch von Cannabis assoziiert werden. (Cannabinoide selbst sind geruchlos.) Die Harzköpfe enthalten die aus medizinischer Sicht interessantesten Chemikalien der Cannabis-Pflanze, darunter Cannabinoide und Terpenoide. Zudem sind sie die empfindlichsten Teile der Pflanze. Und weil sie die meisten Wirkstoffe beinhalten, müssen Trichomköpfchen extrem vorsichtig behandelt werden, um Verletzungen und somit Oxidation zu vermeiden.

Cannabis-Klone sind keine wirklichen Klone, sondern Ableger einer Mutterpflanze, die, nachdem sie Wurzeln entwickelt haben, eingepflanzt werden. Diese Methode sorgt für genetisch identische Pflanzen. Das heißt, es ist möglich, wieder und wieder durchgehend weibliche Pflanzen der gewünschten Cannabis-Sorten zu produzieren.

© Robert Littleford

Zwischen dem Harzkopf und dem Trichomstiel liegt eine Trennschicht, an der der Harzkopf vom Stiel getrennt werden kann. Die kleinen Kügelchen mit Cannabis-Harz werden geerntet, indem das getrocknete Cannabis durch ein feines Sieb geschüttet wird. Die winzigen Harzköpfchen fallen durch das Sieb. Alternativ kann man das Cannabis in Eiswasser rühren – die Trichome zerbröseln darin und lösen sich auf, und die Harzköpfchen können aus dem Wasser gesiebt werden.

Aufbau der weiblichen Pflanze

© Robert Littleford

Weibliche Blüten wachsen am Hauptstängel, und jede ist von Trichomen bedeckt. Diese durchlaufen während des Blütenwachstums drei Stadien – vom Knollen-Trichom über Capitate-Sessile (mit Kopf, ohne Stiel) bis zu Capitate-Stalked (mit Kopf und Stiel).

© Robert Littleford

Warum die Cannabis-Pflanze ihr wertvolles Harz absondert, ist nicht endgültig geklärt. Es wurde gemutmaßt, dass die Cannabinoide als UV-Filter fungieren, um das Fortpflanzungsgewebe vor Schäden durch Sonneneinstrahlung zu schützen. Eine andere These besagt, dass das Harz die Pflanze vor räuberischen Insekten und äsenden Tieren schützt.

Wie medizinisches Cannabis funktioniert und wie nicht

Laut einer kürzlich erfolgten Umfrage der International Associationfor Cannabinoid Medicines (IACM) erwarten sich die meisten Personen, die Cannabis aus medizinischen Gründen konsumieren, Besserung ihrer Schmerzen oder körperlichen Beschwerden – Rückenschmerzen, Beschwerden nach Verletzungen oder Unfällen, Migräne etc. –, gefolgt von Schlafstörungen, Depressionen, Neuropathien und Multipler Sklerose. Es gibt vielerlei Indikationen, bei einigen dieser Beschwerdebilder Cannabis als Arznei einzusetzen, für andere existieren weniger Beweise.

Gebrauch oder Missbrauch?

Obwohl Cannabis häufig als eine der weltweit am häufigsten missbrauchten Drogen eingestuft wird, führt solch eine Kategorisierung etwas in die Irre. Die Unterscheidung zwischen dem übermäßigen Konsum legaler Drogen und dem Missbrauch illegaler Drogen ist gang und gäbe, aber falsch. Sowohl legale als auch illegale Drogen können entweder vernünftig oder aber unvernünftig konsumiert werden; und beide werden missbraucht. Die Moleküle, aus denen sich die Drogen zusammensetzen, sind weder gut noch böse. Die Behauptung, Cannabis sei durch und durch ungefährlich und könne keinen Schaden anrichten, ist genauso irrational wie die Meinung, es habe keinerlei medizinischen Nutzen. Cannabis kann in der Tat medizinisch eingesetzt werden, kann aber auch Schäden anrichten, wenn man es nicht auf intelligente Weise anwendet.

Die Ergebnisse einer IACM-Studie zum Einsatz von Cannabis als Medikament. Die Tabellen zeigen, welche Beschwerden am häufigsten behandelt werden (oben), und die Symptome, bei denen die Patienten sich am wahrscheinlichsten Linderung durch medizinisches Cannabis erhoffen (unten). 23› Hinweis

Krankheiten und die Anzahl der mit Cannabis behandelten Patienten

Abhängigkeit von Alkohol, Opium o. Ä.

14

 

Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa

17

ADHS oder Hyperaktivität

33

 

Multiple Sklerose

39

Allergien

7

 

Neuralgie

9

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

1

 

Neurodermitis

2

Angststörung

38

 

Neuropathie

23

Arthrose oder degenerative Arthritis

35

 

Osteoporose

2

Asthma

15

 

Parkinson-Krankheit

2

Autismus

4

 

Phantomschmerzen

7

Chemotherapie bei Krebs

7

 

Post-Polio-Syndrom

3

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung

6

 

Posttraumatische Belastungsstörung

31

Depression

64

 

Reizdarmsyndrom

13

Epilepsie

15

 

Restless-Legs-Syndrom

3

Fibromyalgie

33

 

Rheumatische Arthritis

19

Gastritis oder Magengeschwür

5

 

Rückenmarksverletzung

22

Glaukom

10

 

Rückenschmerzen

113

Hepatitis

23

 

Schizophrenie oder Psychose

7

HIV oder AIDS

28

 

Schlafstörungen

66

Kopf- oder Gehirnverletzung

4

 

Schmerzen nach Verletzung oder Unfall

59

Krebs

14

 

Skoliose

7

Lupus erythematosus

4

 

Tinnitus

1

Manisch-depressive Erkrankung

13

 

Tourette-Syndrom

3

Menstruationsschmerzen

5

 

Trigeminusneuralgie

1

Migräne oder Kopfschmerzen

33

 

Zwangsstörung

7

Morbus Bechterew

6

 

 

 

Symptome und Anzahl der Patienten, die sich Linderung erhoffen

Albträume

6

 

Innere Unruhe

22

Allgemeines Unwohlsein

17

 

Juckreiz

Angst

174

 

Krämpfe

7

Appetit- oder Gewichtsverlust

102

 

Nächtliches Schwitzen

3

Atemprobleme

14

 

Reizbarkeit

22

Blasenprobleme

8

 

Schlafstörungen oder Schlaflosigkeit

49

Chronische Entzündung

35

 

Spasmus

28

Chronischer Schmerz

278

 

Spastische Lähmung

10

Depression

50

 

Tics

1

Durchfall

8

 

Übelkeit oder Erbrechen

22

Hyperaktivität

22

 

Zittern

1

Impotenz oder verminderte sexuelle Lust

3

 

 

 

Die chemische Ökologie von Cannabis – eine Frage von Synergien

Dieses Buch beschäftigt sich zwar in weiten Teilen mit THC, doch darüber hinaus hat die chemische Zusammensetzung von Cannabis noch viel mehr von medizinischem Interesse zu bieten. Ärzte und Pharmakologen, darunter Ethan Russo, John McPartland und Geoffrey Guy, haben in den letzten Jahrzehnten die chemische Ökologie der Cannabis-Pflanze erforscht. McPartland und Guy haben eine »koevolutionäre Hypothese« aufgestellt, nach der die Menschheit absichtlich bestimmte Cannabis-Arten züchtet, die sicher mit dem Endocannabinoid-System des menschlichen Körpers interagieren. Vielleicht entwickelte sich der menschliche Körper so, dass er Cannabinoid-Rezeptoren vom Stammhirn eliminiert. Andernfalls wäre eine Cannabinoid-Überdosis tödlich. Was wir jedoch mit Sicherheit wissen, ist, dass die Cannabis-Pflanze eine Reihe von Cannabinoiden und Terpenoiden produziert, die ihre Wirkungsweisen einander anpassen und häufig die Nebenwirkungen eines Bestandteils reduzieren, während sie die Wirkung eines anderen verstärken. Cannabidiol (CBD) vermindert die von Tetrahydrocannabinol (THC) verursachte Ängstlichkeit und auch die Vergesslichkeit, zu der moderate Dosierungen von THC führen können. Pinen, ein von bestimmten Cannabis-Sorten produziertes Terpenoid, reduziert zudem die von THC verursachte Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses. Dass eine Pflanze so viele ungefährliche pharmakologisch aktive Substanzen produziert, ist ungewöhnlich – und wahrscheinlich kein Zufall. Die in Cannabis-Pflanzen festgestellte Anzahl möglicher chemischer Synergien von medizinischem Interesse übersteigt unser Vorstellungsvermögen und wird die Forschung wohl noch mindestens das kommende Jahrzehnt beschäftigen.

Die Kenntnis darüber, was wir nicht über Cannabis wissen, kann genauso wichtig sein, wie das zu nutzen, was wir darüber wissen. Cannabis kann bei der Behandlung bestimmter Krebsarten sehr gut wirksam sein. Heißt das, dass es Krebs heilen kann? Nein. Ein Heilmittel für Krebs würde dafür sorgen, dass ein Krebspatient mindestens fünf Jahre lang krebsfrei ist. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Cannabis das kann. Krebs ist komplex. Krebs ist nicht nur eine Krankheit, sondern besteht aus Dutzenden von Krankheiten, die sich unter dem Schirm eines einzigen Wortes versammeln: Krebs. Es wäre nicht gerade vernünftig zu erwarten, dass irgendeine Pflanze das Mysterium Krebs lösen könnte. Aber Cannabis kann für bestimmte Krebstypen eine erfolgversprechende Behandlungsalternative bieten.

Die Anwendung von Cannabis als Arznei muss sehr behutsam erfolgen – ungeachtet der Tatsache, dass Menschen medizinisches Cannabis bereits seit Jahrtausenden konsumieren. Diese Vorsicht ist berechtigt, weil die Menschen zahlreiche traditionelle Heilmittel falsch anwenden und sich so unbeabsichtigt selbst schaden. Man denke nur daran, dass im 18. Jahrhundert nahezu jeder Arzt Arsen als Medikament verordnete.

Cannabis, Kinder und Haustiere

»Was ist mit den Kindern?« Dies ist das Mantra des Krieges gegen die Drogen. Die Kombination Kids und Drogen ist ein Minenfeld der guten Intention und der schlechten Entscheidungen. Welche Drogen für Kinder angemessen und ungefährlich sind, ist nicht leicht zu beantworten. Die Tatsache, dass Neurowissenschaftler nach wie vor nicht in der Lage sind, selbst auf modernsten Gehirnscans zwischen den Auswirkungen von Ritalin und Kokain zu unterscheiden (weil die Mechanismen anscheinend nahezu identisch sind), unterstreicht die Problematik, konkrete Statements über Risiko oder Nutzen von Cannabis bei jungen Patienten zu treffen. Es gibt einfach nicht genügend Nachweise. Was ist also mit medizinischem Cannabis und Kindern? Wie bei allen medizinischen Anwendungen von Cannabis bedarf es auch hier der Antwort eines umsichtigen Arztes. Einige Indizien weisen darauf hin, dass das THC in vielen Cannabis-Arten die Gehirnentwicklung beeinflussen und möglicherweise sogar genetisch empfindlichen jungen Menschen schaden könnte, aber diese Indizien sind alles andere als beweiskräftig. Und es gibt auch Hinweise darauf, dass Inhaltsstoffe von Cannabis wie CBD und CBDV dazu beitragen könnten, bestimmte hartnäckige Formen der Epilepsie im Kindesalter zu behandeln. Wie lautet nun also die Antwort? Sie ist nicht leicht zu geben, aber sogar die schwierigen Antworten sollten bei den Eltern und den behandelnden Medizinern liegen.

© Robert Littleford

Zum Thema Haustiere: Manch einer meint, alles, was er für sich selbst tut, täte seinem tierischen Begleiter genauso gut. Dafür gibt es einen Begriff: vermenschlichende Kurzsichtigkeit. Tatsache ist, dass Cannabis Ihren Hund oder Ihre Katze zwar nicht umbringen wird, aber es kann das Tier vorübergehend lähmen, ihm die Kontrolle über die Blase nehmen und es allgemein ziemlich orientierungslos machen.

Gibt es einen Grund dafür, Tiere mit Cannabis zu behandeln? Vielleicht. Einige wenige Tierärzte in den USA erforschen zurzeit den Einsatz von medizinischem Cannabis bei Haustieren. Suchen Sie immer einen Tierarzt auf, ehe Sie Bello oder Miez Cannabis verabreichen, in welcher Dosierung auch immer – aber die Dosierung variiert von Spezies zu Spezies gewaltig.

Neue Herangehensweisen

Cannabis ist eine erstaunlich ungiftige Substanz, aber in unserem Körper ahmt es einige unserer fundamentalsten regulativen Moleküle nach. Das Endocannabinoid-System (mit dem Cannabis interagiert) spielt anscheinend eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Schmerz, Appetit, Immunfunktionen und Dutzender weiterer körperinterner Prozesse. Die Erforschung des Endocannabinoid-Systems ist noch so neu und schreitet so schnell voran, dass mit großer Wahrscheinlichkeit schon bald – von dem Zeitpunkt, an dem ich dies hier schreibe, bis zum Augenblick, wenn Sie dieses Buch in Händen halten – neue Entdeckungen, vielleicht sogar ganz große, gemacht werden.

Die meisten Informationen, die Patienten, die mit Cannabis behandelt werden, in den USA zur Verfügung haben, stammen aus dem Marihuana-Untergrund und nicht aus medizinischen Studien. Diese Situation wird sich vielleicht ändern, aber nicht so schnell, wie die Cannabis-Forschung voranschreitet. Das Cannabis-Verbot hat zu einer riesigen Kluft zwischen der momentanen medizinischen Praxis und dem Konsum von Cannabis als Arznei geführt. Den Ärzten von heute wird nicht gelehrt, dass Cannabis ein effektives Medikament sein kann – ihnen wird beigebracht, dass Cannabis eine gefährliche Droge ist und somit offen für jegliche Art von Missbrauch.

Patienten, die Cannabis als Medizin anwenden, wissen mehr darüber als ihre Ärzte. Dieses Problem rührt daher, dass es für die Experten so schwierig ist, klinische Forschungen über die medizinische Anwendung von Cannabis durchzuführen, weil die Organisation der US-Regierung, die für diese Forschung zuständig ist, die Annahme vertritt, dass Cannabis eine gefährliche Droge ohne anerkannten medizinischen Nutzen ist. Doch diese Politisierung der Wissenschaft befindet sich in ihrer Endphase, und die Situation ändert sich allmählich. Die Chancen stehen gut, dass die Cannabis-Forschung bald freier sein wird, obgleich es freilich nach wie vor Leute gibt, die seit den 1960er-Jahren immer dasselbe sagen.

Was Cannabis im Körper auslöst

Die Cannabis-Pflanze produziert mehr als 700 chemische Stoffe, von denen THC, Tetrahydrocannabinol, am bekanntesten ist. Aber THC ist nur eine Komponente mit beachtlicher chemischer Ökologie innerhalb der Pflanze, die Dutzende medizinisch aktiver Substanzen enthält. Cannabis ist nicht einfach nur THC, denn verschiedene Cannabis-Sorten produzieren aktive Inhaltsstoffe in unterschiedlichem Verhältnis. Die komplexen Zusammenwirkungen und Verhältnisse zwischen diesen Chemikalien zeitigen verschiedenste medizinische Wirkungen. Diese Vielfalt in Sachen Wirksamkeit und Bestandteile, darüber hinaus kombiniert mit der Art, wie der Körper diese verstoffwechselt, macht die richtige Dosierung von Cannabis überaus schwierig.

Zu wissen, wie und wo die Komponenten von Cannabis-Präparaten im Körper absorbiert, verarbeitet, ausgeschieden und gespeichert werden, ist von entscheidender Bedeutung, um die Art und Weise zu verstehen, wie Cannabis als Medizin wirkt. Doch dieses Verständnis ist aus wissenschaftlicher Sicht ein bewegliches, sich ständig veränderndes Ziel. Zurzeit wissen wir nicht besonders viel über die Reaktion des Körpers auf Cannabis-Arzneien (die Pharmakokinetik von Cannabis) und die Art, wie diese auf den Körper wirken (die Pharmakodynamik).

Aufnahme von Cannabis-Präparaten

Beim Inhalieren des Rauches erreicht das THC im Cannabis innerhalb von sechs Minuten seine höchste Konzentration im Blutplasma. Beim Rauchen ist THC tatsächlich ein paar Sekunden nach der Inhalation nachzuweisen. Dass ein Patient THC durch Rauchen oder Inhalieren absorbieren kann, scheint eine erlernte Verhaltensweise zu sein, da erfahrene Konsumenten in ihrer Absorptionsrate mehr als doppelt so effizient sind wie gelegentliche Konsumenten. Die Effizienz von inhaliertem Cannabis hängt vom Umfang und von der Dauer der Inhalation ab und auch davon, wie lange der Atem nach dem Inhalieren angehalten wird. Hält man die Luft auch nur geringfügig an, steigert dies die Absorption. 24› Hinweis

Die sublinguale (unter der Zunge) Aufnahme von Cannabis-Arzneien oder oral über die Mukosa (über die [Mund-]Schleimhaut) ist nicht so effizient wie die Inhalation, obgleich bekannt ist, dass unter die Zunge gelegte Cannabis-Präparate bereits nach 5 bis 15 Minuten absorbiert werden und wirken. Die höchsten Blutkonzentrationen von sublingualem THC werden innerhalb von vier Stunden erreicht, andere Cannabinoide wie CBD brauchen dafür etwas länger. 25› Hinweis

Die orale Aufnahme von THC (sublingual oder über die Mundschleimhaut) in Cannabis-Medikamenten ist sowohl langsam als auch ungleichmäßig. Diese ungleichmäßige Aufnahme wird häufig als Grund genannt, warum viele oral verabreichten Cannabis-Mittel, die im 19. Jahrhundert beliebt waren, später sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten in Ungnade fielen. Die maximalen Blutplasmaspiegel werden oft innerhalb von zwei Stunden erreicht, aber in manchen Studien brauchten menschliche Probanden bis zu sieben Stunden, um diese Level zu erreichen. Darüber hinaus schädigt die Magensäure das THC. Dann spaltet die Leber teilweise das THC auf, ehe es bioverfügbar ist. Diese Leberabsorption von THC wird First-Pass-Effekt genannt.

Aufnahme, Verstoffwechselung und Ausscheidung

Im Körper gelangt THC in den Blutstrom und wird im ganzen Körper verteilt. Bestimmte Organe – allen voran die Leber – spalten THC in Metaboliten auf, die dann normalerweise innerhalb von 36 Stunden ausgeschieden werden.

© Robert Littleford

Die äußerliche (topische) Absorption von THC ist schwierig und nicht besonders effizient, kann aber erreicht werden, wenn das THC mit einer Fettsäure und Propylenglykol gemischt wird. Damit werden etwa Hautprobleme wie Schuppenflechte und entzündliche Krankheiten wie Arthritis behandelt.

Der Stoffwechselprozess von Cannabis-Arzneien

Ist es einmal absorbiert, wird THC an Proteine im Blutplasma gebunden. Weil es im Blut schwimmt, wird das THC in Körpergeweben mit vielen Blutgefäßen verteilt, zum Beispiel im Herz, in der Leber und in Fettzellen. Nur etwa ein Prozent des aufgenommenen THC findet seinen Weg ins Gehirn.

Bestimmte Organe können THC in andere Moleküle, sogenannte Metaboliten, aufspalten. Dieser Stoffwechsel findet hauptsächlich in der Leber statt, aber auch im Gewebe von Herz und Lunge. Wenn die Leber THC verarbeitet, entsteht vor allem das Stoffwechselprodukt 11-Hydroxy-THC, das doppelt so psychoaktiv ist und doppelt so lange im Körper verbleibt wie THC. 11-Hydroxy-THC durchläuft schließlich weitere metabolische Verwandlungen bis hin zu einem inaktiven Metabolit, ehe es ausgeschieden wird.

Umwandlung von THCA zu THC

Die Umwandlung von THCA zu THC in pflanzlichen Cannabis-Präparaten ist leicht herbeizuführen, wenn sieben Minuten lang eine Temperatur von 154 °C aufrechterhalten wird. Der Umgang mit diesem Decarboxylat-Cannabis und vor allem mit Cannabis-Konzentraten bedarf großer Sorgfalt, weil ihre hohe Bioverfügbarkeit leicht zu einer Überdosis führen kann, schon wenn man sie nur vom Finger leckt. Für diese versehentliche Einnahme gibt es sogar einen umgangssprachlichen Ausdruck: becoming a cookie casualty (zu Deutsch etwa »zum Keksopfer werden«).

© Robert Littleford

Cannabidiol wird von der Leber in 7-Hydroxy-CBD umgewandelt. Über die Pharmakologie dieses CBD-Stoffwechselprodukts ist kaum etwas bekannt.

Ausscheidung von Cannabis

Innerhalb von rund 36 Stunden nach der Aufnahme werden THC und seine psychoaktiven Metaboliten aus dem Blutstrom beseitigt. Die nichtpsychoaktiven Stoffwechselprodukte von THC können bei massivem Konsum noch wochenlang im Körper vorhanden sein. Diese Metaboliten werden schließlich ausgeschieden – zu etwa 30 Prozent mit dem Urin und zu 70 Prozent mit dem Stuhl (fünf Prozent einer oral verabreichten Dosis werden unverändert mit dem Stuhl ausgeschieden). 26› Hinweis

Bioverfügbarkeit von neutralen und aziden Cannabinoiden

In der Cannabis-Pflanze sind THC und die anderen Cannabinoiden als Säuren präsent – beispielsweise THCA (THC-Säure). Der menschliche Körper kann diese Cannabinoid-Säuren nicht so einfach absorbieren. Diese Fähigkeit eines Wirkstoffs, unverändert vom Körper aufgenommen zu werden, wird als Bioverfügbarkeit bezeichnet. Werden Cannabinoid-Säuren jedoch erhitzt, setzen sie ein Kohlenstoffdioxid-Molekül frei und nehmen ein neutrales Stadium an – dieser Prozess heißt Decarboxylierung –, wodurch sie wesentlich bioverfügbarer werden. Cannabinoid-Säuren sind äußerst empfindlich. Sogar Raumtemperatur verursacht ihre Umwandlung in bioverfügbare neutrale Formen. Die Hitze beim Rauchen, Verdampfen oder Kochen von Cannabis wandelt Cannabinoid-Säuren in diese neutrale Form um. Auch mit konstanter moderaterer Hitze unterhalb des Siedepunkts oder unterhalb der Verbrennungstemperatur der Cannabis-Bestandteile kann man die verschiedenen Cannabinoid-Säuren in ihre neutralen Formen transformieren.

Sind Cannabinoid-Säuren wirksame Medikamente?

Kürzlich wurde eine kleine Studie veröffentlicht, die behauptete, dass decarboxyliertes THC besser bioverfügbar sei als THC-Säure, dass aber CBD-Säure eine bessere Bioverfügbarkeit habe als decarboxyliertes CBD. Der niederländische Wissenschaftler Arno Hazekamp bemerkte in seiner Arbeit über Cannabis-Tee, dass sogar dann, wenn das Wasser nicht heiß genug war, um das THC zu decarboxylieren, die Patienten eine medizinische Wirkung verspürten – sie wurden lediglich nicht sehr »high« davon. Möglicherweise wurden Cannabinoid-Säuren bislang als Heilmittel schlicht übersehen. Nur weil sie keine psychoaktiven Effekte hervorrufen, heißt das nicht, dass sie keine medizinischen Wirkungen erzielen könnten. Wie auch immer: Die Behauptung, dass rohes Cannabis und seine Cannabinoid-Säuren medizinisch wirksamer oder besser absorbiert würden als die neutralen Cannabinoide, die durch Hitzezufuhr gebildet werden, wurde noch nicht bestätigt.

Die Dosierung von Cannabis: Weniger sorgt vermutlich für mehr Wirkung

Studien haben kürzlich erwiesen, dass durchgängig hohe Dosierungen von Cannabis das Gehirn dazu bringen, die Dichte der Cannabinoid-Rezeptoren im Körper zu reduzieren, offenbar als Reaktion auf diese hohen Dosen. Dieses Ergebnis ist im Zusammenhang mit der allgemeinen Funktion des Endocannabinoid-Systems – der Regulierung und Ausbalancierung von Signalen im gesamten Körper – absolut schlüssig. Hohe Dosierungen können in diesem System zu einem Ungleichgewicht führen, und der Körper gleicht dieses wieder aus, indem er die Dichte der Cannabinoid-Rezeptoren verringert. Wenn es also eine Daumenregel für die Dosierung von Cannabis gibt, dann diese: Nehmen Sie die niedrigste Dosis, die für Ihre medizinischen Zwecke gerade noch ausreicht, und setzen Sie für diese Dosierung die kürzestmögliche Behandlungsdauer fest. So verringern Sie das Risiko, eine Dosis-Toleranz (Gewöhnung) zu entwickeln.

Patientenabhängige Wirkung von Cannabis

Zahlreiche Studien haben die extrem unterschiedlichen Wirkungsweisen von Cannabis auf verschiedene Patienten erwiesen. Diese unterschiedlichen Effekte hängen von mehreren Faktoren, auch genetischen, ab. Werden Cannabis-Präparate oral verabreicht, variiert die absorbierte Wirkstoffmenge zwischen vier und zwölf Prozent. Das heißt, dass ein Patient eine dreifach höhere Dosis absorbieren kann als ein anderer.

Auch das Angriffsziel (Target) kann individuell ganz unterschiedlich dimensioniert werden. Eines der Targets von THC etwa ist der CB1-Rezeptor. Die Dichte der angepeilten CB1-Rezeptoren im Gehirn kann variieren, wodurch der Einzelne mehr oder weniger Cannabis verträgt. Ein Patient mit extrem hoher Toleranz gegenüber der Wirkung von Cannabis kann eine 100-fach höhere Dosis Cannabis vertragen als ein unerfahrener Patient.

Unter den Konsumenten von Cannabis gilt eine hohe Toleranz zuweilen als eigener Erfolg, während sie tatsächlich der Versuch des Körpers ist, nach dauerhafter Überdosierung ein Gleichgewicht zu schaffen. Eine hohe Toleranz für die Wirkungsweisen von Cannabis ist normalerweise die Folge einer unnötigen Überdosierung.

Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis

Dies ist nicht das angenehmste Thema, aber wenn man die ungünstigeren Auswirkungen und Kontraindikationen von pflanzlichem Cannabis als Medizin kennt, geht man sicherer und sachkundiger an die Erfahrung heran. Es ist unerlässlich, mit einem Arzt oder einem anderen Heilberufler zu sprechen, wenn man als Konsument irgendeine Nebenwirkung bei irgendeiner Medikamentengabe verspürt, Cannabis eingeschlossen.

Cannabis kann Nebenwirkungen verursachen und mit anderen Medikamenten negativ interagieren. In gewissen Kreisen kursiert die Meinung, Cannabis sei vollkommen ungefährlich, tatsächlich ist es jedoch eine wirksame Droge und kann signifikante ungünstige Auswirkungen haben. Die Nebenwirkungen von Cannabis-Arzneien können Konsumenten ohne Erfahrung, die die psychoaktiven Effekte noch nicht gewohnt sind, erschrecken. Ältere Patienten ohne vorherige Erfahrung können sich in der Tat recht unbehaglich fühlen. Die Verabreichung von medizinischem Cannabis an ältere und unerfahrene Patienten muss engmaschig überwacht und besonders sorgfältig vorgenommen werden.

Das Wichtigste bei gängigen Nebenwirkungen von Cannabis ist es, ruhig zu bleiben, langsam zu atmen und sich zu entspannen. Die meisten der im Kasten aufgeführten Nebenwirkungen gehen auf das THC, den Bestandteil mit der höchsten Psychoaktivität, zurück. Konsumiert man Cannabis-Arzneien, die auch CBD – ein nichtpsychoaktives Cannabinoid – enthalten, werden die THC-Nebenwirkungen möglicherweise reduziert oder ganz ausgeschaltet.

Patienten, die vorher nie Cannabis konsumiert oder versehentlich eine Überdosis eingenommen haben, können nach oraler Einnahme eine Hypotonie (Blutdruckabfall) bekommen: Sie leiden nach dem Konsum von Cannabis, vor allem in hohen Dosierungen, an Schwindel oder Bewusstseinsverlust, wenn sie schnell vom Sitzen oder Liegen aufstehen. Falls der Betroffene dann auf hartem Untergrund stürzt, kann das ziemlich riskant werden. Vor allem Konsumenten von hochkonzentriertem Cannabis-Öl laufen Gefahr, beim Aufstehen ohnmächtig zu werden. Bei Cannabis-Neulingen kann der Blutdruck im Liegen plötzlich ansteigen. Dieser Anstieg sollte ernst genommen werden, vor allem, wenn Bluthochdruck ein Problem darstellt.

Vor dem Konsum von Cannabis

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