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Sie gehört ihm. Doch wem gehört sein Herz? — Die Wattpad-Sensation aus Frankreich: düster, verboten, leidenschaftlich!
Ellas Leben ist die Hölle. Sie ist eine sogenannte Gefangene. Aus finanzieller Not hat sie sich vor Jahren an den Unterweltboss eines kriminellen Netzwerks verkauft. Sie glaubt, es kann nicht schlimmer werden. Bis zu dem Tag, an dem Ella verschenkt wird, und zwar an Asher, den charismatischen, aber gefürchteten Anführer des Scott-Kartells. Die Anwesenheit einer Gefangenen an seiner Seite lehnt er strikt ab. Aus irgendeinem Grund hegt er einen tiefen Hass auf diese Frauen. Er ist aufbrausend, gefährlich und tyrannisiert Ella. Doch Ella ist entschlossen, sich ihren Platz im Netzwerk und an Ashers Seite zu erkämpfen. Bald beginnt ein gefährliches – und verführerisches – Spiel zwischen ihnen …
Die dramatische Dark-Romance-Reihe von Wattpad-Erfolgsautorin Sarah Rivens!
Band 1: Captive — Du gehörst mir
Band 2: Captive — Wir auf ewig
Band 3: Captive — Ich will nur dich
Spice-Level: 2 von 5
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Seitenzahl: 694
Veröffentlichungsjahr: 2023
Ellas Leben ist die Hölle. Sie ist eine sogenannte Gefangene. Aus finanzieller Not hat sie sich vor Jahren an den Unterweltboss eines kriminellen Netzwerks verkauft. Sie glaubt, es kann nicht schlimmer werden. Bis zu dem Tag, an dem Ella verschenkt wird, und zwar an Asher, den charismatischen, aber gefürchteten Anführer des Scott-Kartells. Die Anwesenheit einer Gefangenen an seiner Seite lehnt er strikt ab. Aus irgendeinem Grund hegt er einen tiefen Hass auf diese Frauen. Er ist aufbrausend, gefährlich und tyrannisiert Ella. Doch Ella ist entschlossen, sich ihren Platz im Netzwerk und an Ashers Seite zu erkämpfen. Bald beginnt ein gefährliches – und verführerisches – Spiel zwischen ihnen …
Seit ihrer frühen Jugend liebt Sarah Rivens, die aus Algerien stammt, das Schreiben. Erst nur für sich, dann als Autorin auf der Plattform Wattpad, der sie 2019 unter dem Pseudonym theblurredgirl beitrat. Ihr Roman »Captive« um die gefährliche Liebe zwischen dem Mafiaboss Ash und seiner Gefangenen Ella wurde dort zum absoluten Sensationserfolg mit über 7 Millionen begeisterten Leser*innen. Sarah Rivens ist in den sozialen Netzwerken sehr aktiv und liebt den Austausch mit ihren Leser*innen. Heute teilt sie ihre Zeit zwischen dem Schreiben und dem Studium auf.
Die Dark-Romance-Reihe von Sarah Rivens bei Blanvalet:
Band 1: Captive – Du gehörst mir
Band 2: Captive – Wir auf ewig
Band 3: Captive – Ich will nur dich
SARAH RIVENS
Du gehörst mir
Roman
Aus dem Französischen von Bernd Stratthaus
Die Originalausgabe erschien 2022 unter dem Titel »Captive« bei Hachette Livre, Vanves.
Der Verlag behält sich die Verwertung des urheberrechtlich geschützten Inhalts dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.
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Copyright der Originalausgabe © 2022 by Hachette Livre
Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 2023 by Blanvalet, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München.
Redaktion: René Stein
Umschlaggestaltung: © Anke Koopmann | Designomicon
Umschlagmotive: Shutterstock.com (JOGENDRAKUMAR; ivan_kislitsin)
JA · Herstellung: sam
Satz: Vornehm Mediengestaltung GmbH, München
ISBN 978-3-641-30906-0V002
www.blanvalet.de
Liebe Leser*innen,
dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte.
Deshalb findet sich am Ende des Buchs eine Triggerwarnung.
Achtung: Diese enthält Spoiler für das gesamte Buch.
Wir wünschen allen das bestmögliche Leseerlebnis.
Dieser Name wurde mir gegeben. Ich wurde als Währung in Verhandlungen zu illegalen Zwecken betrachtet, als Einnahmequelle für meinen »Besitzer«.
Ich wurde benutzt. Beschmutzt. Und das schon seit Jahren. Seit Jahren, in denen ich in diesem Albtraum versank, ohne dass ein Ende absehbar war. Ohne dass Hoffnung bestand, daraus aufzuwachen.
Am Anfang habe ich noch für sie gearbeitet. Um sie zu retten. Uns zu retten.
Meine Aufgabe war einfach: meinen Körper ohne Widerrede hergeben, gegen meinen Willen, um diese fetten, widerlichen Schweine zu befriedigen, die vor Geld stanken und sich nicht die Mühe machten zu verstehen, dass ihre Taten sich in mein Gedächtnis einbrannten.
Ihre Misshandlungen.
Sie drängten sich bis in meine Gedanken. Ich spürte, wie sie mich berührten, auch wenn sie weit weg waren. Und ihretwegen verabscheute ich mich selbst. Ich war nur eine leere Hülle, die nichts mehr vom Leben erwartete. Schließlich war meins sowieso zerstört.
Mein echter Vorname? Ella. Inzwischen war ich zweiundzwanzig Jahre alt. Glaube ich.
Ich war die »Gefangene« eines gewissen John. Dieser Typ war ein echter Dreckskerl. Davon verstand ich etwas, denn ich hatte ihn Tag und Nacht am Hals, seit er mich in seine Dienste genommen hatte.
Alles war seine Schuld. Seinetwegen war ich inzwischen … gebrochen.
Mein Körper gehörte nicht mehr mir. Sondern ihm.
Aber jetzt würde sich alles ändern.
Er hatte mich weggeschickt, ich sollte für jemand anderen arbeiten. Wahrscheinlich brauchte er mich nicht mehr.
Ob ich es eilig hatte, aus diesem Haus wegzukommen, in dem ich meine schlimmsten Schmerzen erlitten hatte? Natürlich.
Wusste ich, wer dieser Unbekannte war und warum er mich übernommen hatte? Ich hatte keinen Schimmer.
Ob ich Angst hatte? Ich war außer mir vor Panik.
Das Ende des Tunnels sehen … oder auch nicht
»Aufstehen!«, brüllte mein Besitzer direkt neben meinem Ohr, und ich schreckte aus dem Schlaf hoch.
Sein Atem stank nach Alkohol und Tabak, und er schüttelte mich brutal.
John. Ein Dreckskerl ersten Ranges, was man leicht an seinem ungehobelten und nachlässigen Auftreten erkennen konnte. Er war immer voll auf harten Drogen und hatte nichts als Geld im Sinn.
»Ich hab eine hohe Summe von ihm verlangt, also darf ich auch bei der Lieferung nicht trödeln!«, rief er in aufgesetzt fröhlichem Ton.
Ich schälte mich unter den böswilligen Blicken meines zukünftigen Ex-Besitzers aus dem Bett. Mir war übrigens noch nicht richtig bewusst, was ich da sagte: zukünftiger Ex-Besitzer.
Mit schwankendem Schritt verließ er das Zimmer – ein Anzeichen dafür, dass er betrunken war. Verdammte Scheiße, wie konnte man nur um neun Uhr morgens betrunken sein?
Neben meinem Bett stand eine alte Tasche mit Kleidung, die John mir zu diesem Anlass gekauft hatte: Unterwäsche, zwei Jeans und zwei Pullover. Was für ein aufmerksamer Mann.
Ich nahm die Sachen, die auf dem Boden lagen, und stopfte sie nachlässig hinein. Mit den abgetragenen Schuhen an den Füßen trat ich aus der Besenkammer, die mir als Schlafzimmer diente.
Ich konnte es kaum erwarten, diesen entsetzlichen Ort hinter mir zu lassen. Ein für alle Mal.
So schnell ich konnte, stieg ich die Treppe hinauf und wäre beinahe mit dem alten Penner zusammengestoßen, der auf der Schwelle zur Eingangstür auf mich wartete.
»Komm her.«
Misstrauisch trat ich näher. Er legte seine mageren, widerlichen Hände auf meinen zerzausten Kopf und versuchte, meine widerspenstigen Locken in der Hoffnung nach unten zu ziehen, meine Haare zu bändigen.
Als ich zurückzuckte, packte er mich fest am Kinn und zwang mich dazu, ihn anzuschauen, während er mir entgegenblaffte: »Ich sollte mich davor ekeln, dich anzufassen, du verdammte kleine Schlampe.«
Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu, entgegnete aber nichts. Er packte mich und zerrte mich nach draußen. Ein schöner Tag kündigte sich an, vor allem für mich.
Er ging zu einem schwarzen Auto, das vor dem Haus parkte, öffnete die Tür und stieß mich hinein. »Du machst nur Probleme, ganz zu schweigen von den Nächten, in denen du wie ein kleines Gör geflennt hast. Das wird er auch bald einsehen und sicher sein Geld zurückhaben wollen, aber dann sagst du ihm, dass das nicht infrage kommt.«
Bevor sich die Tür wieder schloss, drang ein irres Lachen über seine Lippen. Ich seufzte vor Erleichterung auf, und mein Herzschlag verlangsamte sich, als ich endlich spürte, wie das Auto sich in Bewegung setzte.
Der Fahrer war zu meiner großen Erleichterung nicht auf ein Gespräch aus. Vom Gesicht her schätzte ich ihn auf etwa vierzig Jahre, und sein Körper wirkte beeindruckender als der von John. Ich wandte den Blick ab und betrachtete die neue Umgebung hinter der getönten Scheibe.
Ich verließ diese Hölle, in der ich die Hälfte meiner Jugend verbracht hatte. Gewissermaßen war ich nun frei. Weit weg von John, der mich aus meinem vorherigen Leben herausgerissen hatte. Der es aus reiner Habgier für angebracht gehalten hatte, mich von der wirklichen Welt abzuschotten.
Ich bin frei. Verdammt, von diesem Moment habe ich so lange geträumt!
Bei diesem Gedanken musste ich wie ein Kind grinsen, und Tränen stiegen mir in die Augen. Endlich begann ich, das Ende des Tunnels zu sehen, eines Tunnels, in dem ich mich für das einzige Familienmitglied, das mir noch blieb, verloren hatte.
Allerdings fürchtete ich mich auch vor meinem neuen Besitzer. Ich wusste, dass er nicht schlimmer als John sein konnte, das war immerhin sicher, aber ich fragte mich, wer dieser Unbekannte sein mochte. Was hatte er mit mir vor? Und würde er ihr das Geld weitergeben, das ich verdiente? Übrigens hatte ich von ihr seit Beginn meiner Arbeit nichts mehr gehört.
Die vage Idee, meinem zukünftigen Besitzer zu entfliehen, ging mir durch den Kopf, aber jetzt war es zu spät. Mein Leben war zerstört, ich konnte nirgendwohin. Vor allem wusste ich nicht, wohin ich gerade unterwegs war.
Die Fahrt dauerte lange, sehr lange Inzwischen war die Nacht hereingebrochen, und ich schlief dauernd ein. Dann konzentrierte ich mich auf den Fahrer, der seit unserer Abfahrt kein Wort gesagt hatte. Würde ich eine Antwort erhalten, wenn ich ihn fragen würde, wie lange die Fahrt noch dauerte? Auf mich wirkte er übellaunig und kalt.
Endlich spürte ich, dass wir langsamer wurden. Ich schluckte schwer, als ich einige Männer am Straßenrand bemerkte. Der Fahrer ließ die Scheibe herunter, und mein Blick traf auf eine dieser imposanten Gestalten.
»Lasst ihn durch«, sagte der Mann.
Verdammt, wo sind wir? Ich muss ihn fragen …
Ich zögerte noch einen Moment. Als ich mich dann endlich zu der Frage durchgerungen hatte, hielt das Auto abrupt an. Der Fahrer stieg aus und ging um den Wagen herum, um auch mir die Tür zu öffnen. Er packte mich so fest am Arm, dass ich das Gesicht vor Schmerz verzog, und zerrte mich aus dem Fond.
Immer mit der Ruhe, ich hau schon nicht ab. Ich kann ja nirgendwohin, Kumpel.
Er warf sich den Rucksack über die Schulter, drückte auf einen Knopf mit leuchtendem Umriss, der sich an einem Tor befand, und wartete ab, ohne mich anzusehen oder etwas zu mir zu sagen. Um uns herum gab es nichts außer der Hauptstraße, die sich hinter mir erstreckte, und dem Tor vor uns, das mich von meinem künftigen, von einer langen Mauer umgebenen Zuhause trennte.
»Sie ist hier«, sagte der Fahrer kühl und hob den Kopf zu einer Überwachungskamera, die oben an der Mauer angebracht war.
Das Tor schwang automatisch auf. Er zog mich schnell mit sich die Auffahrt hinauf, die mir endlos vorkam. In der Ferne erhob sich ein riesiges Haus mit mehr Fenstern als Mauern. Hat mein neuer Besitzer denn noch nie Horrorfilme gesehen? So was erregt oft die Aufmerksamkeit von Psychopathen.
Es war ein großes, ein zu großes Haus. Zu meiner Linken befand sich inmitten eines makellos gemähten Rasens ein riesiger Pool. Viel weiter unten sah ich noch eine Einfahrt, wahrscheinlich zu einer Garage.
Der Fahrer packte mich noch etwas fester am Arm. Ich war mir sicher, dass ich seine Fingerabdrücke auf meiner Haut zurückbehalten würde. Dann klopfte er an die Haustür, und ein älterer Mann öffnete uns. Er musterte mich mit neutralem Gesichtsausdruck.
»Rick ist mit den anderen im zweiten Stock«, erklärte der ältere Mann, ohne den Blick von mir abzuwenden.
Rick? Hieß mein neuer Besitzer Rick?
»Sind alle hier?«
Der Mann nickte knapp und trat dann beiseite. Ich schenkte ihm ein höfliches Lächeln, das er nicht erwiderte. Vielmehr wandte er den Kopf ab und tat so, als ob er nichts bemerkt hätte. Warum nur hatte ich ihn angelächelt?
Wortlos stiegen wir eine weiße Treppe hinauf. Obwohl ich keine Gelegenheit hatte, in die verschiedenen Zimmer zu schauen, bemerkte ich mehrere Türen. Alles Schlafzimmer? Aber wer sollte in seinem Haus denn so viele Schlafzimmer brauchen?
Im zweiten Stock hörte ich vom Ende des Korridors gedämpfte Stimmen. Ich schluckte schwer, und mein Herz begann wie wild zu hämmern. Verängstigt von diesen unbekannten Stimmen, erzitterte ich, als wir vor der Tür standen, hinter der das leise Gemurmel hervordrang. Die berühmt-berüchtigte Tür, die meine unsichere Zukunft von meiner albtraumhaften Gegenwart trennte.
Nachdem er noch einmal angeklopft hatte, wartete der Fahrer wieder geduldig. Es waren deutlich Schritte zu vernehmen. Endlich ging die Tür auf, und dahinter stand ein Mann, jünger als derjenige, dem wir unten begegnet waren. Er war vielleicht fünfzig Jahre alt und betrachtete mich mit seinen blauen Augen, während sich seine schmalen Lippen in die Länge zogen. Immerhin, er lächelte.
»Du hast ja ziemlich lange gebraucht!«, rief er und sah den Fahrer an.
»Entschuldige, es war ziemlich viel Stau, ich musste auf Nebenstraßen ausweichen.«
Der Mann nickte und wandte seine Aufmerksamkeit dann mir zu. Hinter ihm war Geflüster zu hören. Er trat beiseite, ließ uns eintreten und schloss die Tür hinter uns.
Als der Fahrer endlich meinen Arm losließ, der inzwischen richtig schmerzte, atmete ich kurzzeitig auf. Mir gegenüber saßen vier Leute, die kaum älter als ich selbst zu sein schienen: zwei Frauen und zwei Männer. Sie alle saßen auf ledernen Bürostühlen und musterten mich und begutachteten mich, als ob ich ein Tier auf einem Viehmarkt wäre.
Ich fand das schrecklich.
»Ich beende dieses Treffen mit einer kategorischen Ablehnung«, sagte einer von ihnen und stand von seinem Stuhl auf.
Die ziemlich raue Stimme gehörte zu dem einzigen blonden Mann im Raum. Einige Strähnen seiner wilden Mähne fielen ihm vor die grauen Augen. Sein durchdringender Blick schüchterte mich ebenso sehr ein wie sein beeindruckender Körper.
Er wandte den Blick von meinem Gesicht ab, während der Fünfzigjährige zischte: »Ash, spiel nicht den Schwierigen. Sie ist perfekt fürs Geschäft, ihr ehemaliger Besitzer hat mir gesagt, dass sie sehr große Initiative zeigt.«
Das nennt man irreführende Werbung, Mister!
»Ich will aber keine neue Gefangene, Rick! Sieh sie dir doch an, verdammt, sie sieht aus wie ein Zombie! Sie nützt uns überhaupt nichts, außer dass wir mit ihr einen weiteren Tiefpunkt erreichen«, blaffte der Mann namens Ash und zeigte mit dem Finger auf mich.
Auch wenn mich die unverblümten Worte, mit denen er mein äußeres Erscheinungsbild beschrieb, beinahe verletzten, blieb ich stumm. Nichts lag mir ferner als mich zu verteidigen, vor allem in diesem Moment.
Er maß mich mit unverhohlenem Abscheu. Ein Knoten formte sich in meinem Bauch, als mir ein Gedanke durch den von all dem Nachdenken schon müden Kopf schoss: Was, wenn sie mich zu John zurückschickten?
Oh nein, nur das nicht.
»Red doch keinen Unsinn, sie ist wundervoll!«, entgegnete Rick und trat zu mir. »Genau wie du sie magst.«
Er legte mir die Hand auf die Wange, und ich wich instinktiv zurück. Der Fahrer packte mich wieder brutal am Arm, vielleicht dachte er, dass ich davonlaufen wollte.
»Fürchtest du dich etwa? Meine Kleine … in diesem Fall hättest du dich nicht in eine Welt wie diese vorwagen sollen.«
Diesen Satz murmelte er, während ein leichtes Lächeln seine Mundwinkel umspielte.
Ich habe mich ja nicht aus freien Stücken in eure Welt »vorgewagt«, dachte ich. Sondern für sie. Nur für sie.
»Wenn du willst, kann ich sie für dich ausprobieren, Ash. Sozusagen um herauszufinden, wie sie sich im Gelände schlägt …«, hörte ich eine weitere männliche Stimme sagen.
Ich war angewidert von den dunklen Augen des dritten Mannes, der mich unverhohlen mit einem perversen Glitzern im Blick von Kopf bis Fuß musterte. Er hatte einen Vogel auf den Hals tätowiert, dunkelbraunes Haar und einen ebenso durchdringenden Blick wie der Blonde.
»Du kannst sie haben, Geschenk des Hauses.«
»Ben kann aber nicht zwei Gefangene haben, Ash, das ist nicht verhandelbar.«
Dieser Ash sah mich weiterhin angeekelt an. Mir wurde klar, dass er zwar mein neuer Besitzer war, aber nicht wollte, dass ich für ihn arbeitete. Die beiden anwesenden Frauen sprachen im Flüsterton miteinander, doch ich konnte sie von meinem Platz aus nicht verstehen.
»HAUABVONHIER!«, brüllte Ash. »UNDNEHMTSIEMIT!«
Ich zuckte heftig zusammen, als er seinen letzten Satz schrie. Der Älteste der Gruppe, Rick, verdrehte die Augen, als er ihn zur Tür gehen sah.
»Genau das hätte er von dir gewollt«, sagte er leise.
Sein Satz brachte den jungen Mann dazu, mitten in der Bewegung innezuhalten. Er drehte den Kopf und warf Rick einen wütenden Blick zu, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder den anderen Mitgliedern der Gruppe zu. Sie hatten sich nicht bewegt, sondern wohnten der Szene als stumme Zeugen bei. Ratlos wartete ich auf eine Antwort von diesem Mann mit den hellen Haaren, der mich so rundheraus ablehnte.
»Ohne ihn hätte ich gar nichts mit euren verdammten Scheißgeschäften zu tun.«
Rick seufzte auf, bevor er ohne Umschweife erwiderte: »Aber jetzt, wo es so ist, musst du die Geschäfte so führen, wie er es getan hat. Sie gehen sehr schlecht, das weißt du.«
»Und darum brauchst du auch deine neue Gefange …«
»Halt den Mund, Kiara!«, schnitt Ash ihr trocken das Wort ab.
Ich fühlte mich bei diesem Streit, dessen Ursache ich war, sehr unwohl. Das Gute an der Sache war, dass John weit weg war. Das Schlechte war, dass mir bald der Arm amputiert werden müsste, da ich keine Durchblutung mehr darin spürte.
Der Mann namens Rick nickte dem Fahrer zu, der mich endlich losließ und sich zurückzog. Jetzt war ich allein mit den beiden Männern, die vollkommen entgegengesetzter Meinung waren, und dem Rest der Gruppe. Ich legte die Hand auf meinen Arm und massierte ihn sanft.
Mir war die herrschende Atmosphäre hier unangenehm. Um ehrlich zu sein, mochte ich es gar nicht, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. In diesem Augenblick hatte ich nur einen Wunsch: Mir eine Grube zu graben und mich darin zu verkriechen, während ich darauf wartete, dass sie eine Lösung für ihren Zwist fanden.
Der Blonde stürmte aus dem Zimmer, sodass ich bei Rick zurückblieb, der mich breit anlächelte.
»Also gut! Jetzt, wo das Problem gelöst ist, darf ich mich dir vorstellen. Ich heiße Rick, und das hier sind Ben, Kiara und Sabrina«, sagte er, indem er nacheinander auf die anderen im Raum anwesenden Personen zeigte.
Die junge Frau namens Kiara, die übrigens außerordentlich hübsch war, winkte mir mit einer kleinen Geste zu. Ihre braunen Locken fielen ihr über die Schultern, sie hatte eine schmale Nase und helle, freundliche Augen und lächelte mich an. Sabrina sah aus wie die Femme fatale, die ich nie würde sein können. Sie hatte mandelförmige Augen und volle Lippen. Ihre exotischen Gesichtszüge ließen mich vermuten, dass sie südländische Wurzeln hatte. Sie hatte das gezwungene Lächeln, das ich üblicherweise aufsetzte, wenn John anwesend war.
Ein Lächeln, das ich erwiderte.
»Dein ehemaliger Besitzer hat einen ziemlich hohen Preis für dich verlangt«, fuhr Rick fort. »Ich hoffe, dass ich die richtige Wahl getroffen habe …«
»Mein Angebot steht noch immer, hm«, erinnerte ihn der zweite Mann und zuckte mit den Achseln.
Es war der Perversling, Ben.
»Einer von euch muss jetzt Ash fragen, wo seine neue Gefangene schläft.«
Keiner von ihnen rührte sich, alle taten so, als hätten sie nichts gehört. Rick schüttelte fassungslos den Kopf und warf dann dem Perversen einen strengen Blick zu.
»Geh doch selber! Ich habe Besseres zu tun, als an ein Krankenhausbett gefesselt zu sein!«, rief der Dunkelhaarige.
»Kann ich gehen?«, fragte eine der beiden Frauen.
Sabrina.
»Nein«, antworteten die beiden Männer wie aus einem Mund, ohne sie anzusehen.
Sabrina rollte mit den Augen und blieb mit beleidigter Miene sitzen.
»Kiara, das übernimmst du.«
Der Perverse lachte spöttisch, während die junge Frau den Kopf schüttelte und die Arme verschränkte. Unter Ricks strengem Blick gab sie allerdings irgendwann nach und stand auf. Sie murmelte irgendetwas Unverständliches und verließ das Zimmer.
Einige Minuten später waren gedämpfte Schreie zu hören, dann tauchte Kiara mit einem verärgerten Gesichtsausdruck wieder auf. Genervt legte Rick die Hand auf meinen Arm …
Was haben sie nur alle mit meinem Arm?!
Als wir gerade den Raum verlassen wollten, kehrte Ash zurück und zertrümmerte beinahe die Tür, durch die er eingetreten war. Er packte mich am Handgelenk und entriss mich dem Griff des Älteren.
Wenigstens ist es nur das Handgelenk …
Wir verließen schnell das Zimmer. Fluchend stürmte er die Treppe hinunter, es fehlte nicht viel, und ich wäre gestolpert. Ein Stockwerk tiefer öffnete er eine Tür.
Der eiserne Griff um mein Handgelenk bereitete mir Schmerzen. Eine Stufe, und wir gelangten in einen dunklen, feuchten Gang. Nach der Besenkammer würde ich nun bald in einem Keller schlafen. Was hatte ich doch für ein Riesenglück!
Er riss eine zweite Tür auf und stieß mich brutal in das dahinterliegende Zimmer. Ich verlor das Gleichgewicht und hatte nicht einmal Zeit, wieder aufzustehen, als ich schon hörte, wie der Riegel vorgeschoben wurde. Licht drang ebenso durch ein kleines, schräg gestelltes Fenster in das »Schlafzimmer« wie die kalte Winterluft. Auf dem Boden lag nur eine alte Matratze, es gab weder Decke noch Kissen.
Ich schluckte schwer, als ich von oben hörte, wie Gegenstände zu Bruch gingen und herumgebrüllt wurde. Das Geschrei stammte von einer einzigen Person – meinem neuen Besitzer.
Ich öffnete meine alte Tasche und zog die beiden Pullover in der Hoffnung übereinander, dass sie mich für diese erste Nacht warm halten würden. Nach einigen Minuten ohrenbetäubenden Lärms drang Motorengeräusch durch das kleine Fenster zu mir herein, und mir wurde klar, dass die anderen aufbrachen und mich mit meinem neuen Besitzer, der offenbar völlig durchgeknallt war, allein ließen.
Ich hatte mich bei der Ankunft gefragt, wie jemand in einem Haus mit mehr Fenster- als Mauerfläche überhaupt schlafen konnte. Jetzt hatte ich meine Antwort. Er ist selbst ein Psychopath. Warum sollte er sich davor fürchten, andere seiner Art anzuziehen?
Ich sah mich zaghaft um und suchte nach etwas anderem als einer einfachen Matratze, die wahrscheinlich auch noch schmutzig war. Es gab nichts außer einer Eisentür mit einer Klappe am unteren Ende. Oh nein, sieht aus wie eine Gefängniszelle.
Als ich über mir Schritte hörte, hob ich den Kopf. Hielt er sich vielleicht im Raum über mir auf? Ich atmete aus. Auch wenn mich allmählich die Müdigkeit überwältigte, konnte ich unmöglich einschlafen, denn in meinem Kopf lief in Dauerschleife die Erinnerung an die letzten Ereignisse ab.
Nachdem ich einige Stunden an die Decke gestarrt und mich in meinen eigenen Gedanken verloren hatte, wurden meine Augenlider schließlich schwer. Zusammengekauert, um mich einigermaßen warm zu halten, versuchte ich, ein wenig Schlaf zu finden.
Letztendlich begann ich fast schon, John zu vermissen.
Geschäftsfrau
Die Nacht kam mir entsetzlich lang vor, schien fast nicht enden zu wollen. Abgesehen davon, dass ich vor Hunger fast starb, musste ich auch noch ganz dringend auf die Toilette. Allerdings hatte ich zu warten, bis mir irgendwer diese verdammte Tür aufschloss.
Die Sonnenstrahlen drangen zwar kaum durch das kleine Fenster weit oben an der Wand, aber wenigstens konnte ich durch sie nun das ganze Zimmer betrachten, in dem sich – wie erwartet – nichts weiter als eine alte Matratze befand.
Ich betete dafür, rasch aus diesem Keller rauszukommen, aber je mehr Zeit verging, desto mehr verlor ich die Hoffnung. Der junge Mann, der in diesem riesigen Haus lebte, hatte sich noch nicht geregt – wenigstens hatte ich seine Schritte noch nicht gehört, wie es gestern Abend der Fall gewesen war. In der Zwischenzeit drehte ich mich im Kreis und versuchte vergeblich, meine schmerzende Blase zu beruhigen.
Beinahe wäre ich vor Freude geplatzt, als ich endlich seine Schritte über mir hörte. Ich konnte es kaum erwarten, hier herauszukommen, stellte mich vor die Tür und hüpfte dabei schon fast auf und ab. Ich hörte seine dumpfe Stimme im Keller. Zwar verstand ich nicht, was er sagte, aber eins war sicher: Er war am Leben.
Das war doch schon mal ein Anfang.
Die Warterei quälte mich. Die Minuten verstrichen wie Stunden, doch es geschah immer noch nichts.
Worauf wartet er denn? Will er mich etwa verhungern lassen? Und kann man daran sterben, dass man nicht aufs Klo geht? Dieser Gedanke drehte mir den Magen um.
Er hatte sich nicht gerade über mein Auftauchen hier gefreut. Will er mich vielleicht umbringen, damit er seine Ruhe vor mir hat? Ach, Scheiße.
Bei einem verdammten Psychopathen, der ohne Vorhänge schlief, musste man auf alles gefasst sein. Auch ich wollte nicht hier sein. Warum sollten wir also keinen Pakt schließen, damit ich mein Leben an dem Punkt wieder aufnehmen konnte, an dem es unterbrochen worden war?
Eine gute Stunde musste inzwischen vergangen sein, seit ich seine Schritte gehört hatte. Vielleicht hatte er mich vergessen? Wie war das möglich? Sollte ich schreien? Meine Fragen lösten sich in Luft auf, als sich die Klappe in der Tür öffnete. Ein Tablett wurde hindurchgeschoben, darauf befanden sich Wasser und ein Schokoladencroissant.
»Nein, nein, nein! Gehen Sie nicht weg, bitte, ich muss auf die Toilette!«, rief ich und hämmerte in der Hoffnung gegen die Tür, dass dieser Kerl mir aufmachen würde.
Das Schloss wurde geöffnet, und eine der Frauen erschien hinter der Tür. Kiara. Ich erkannte ihre Locken und ihre blauen Augen wieder.
Mit einem traurigen Lächeln nahm sie mich bei der Hand.
»Mein Gott, du bist ja vollkommen durchgefroren!«, sagte sie entsetzt, als sie meine Haut berührte.
Ich antwortete nichts. Mein Hirn hatte nur noch ein Ziel: Ich musste so schnell wie möglich meine Blase leeren, bevor sie platzte. Wir verließen den Keller und gingen über einen Korridor zu einem Badezimmer. Sie ließ mich eintreten und schloss dann die Tür hinter mir.
Ich seufzte erleichtert auf, als ich endlich auf der Toilette war. Nachdem ich mir die Hände gewaschen hatte, klopfte ich an die Tür. Wenigstens sie öffnete mir umgehend.
»Ich werde Ash bitten, dass er dir wenigstens Decken bringt, hier ist es ja eiskalt! Wie hast du da nur schlafen können?«
Ach, weißt du, ich hab kein Auge zugetan, sondern nur den Morgen herbeigesehnt, damit dein »Ash« mir was zu essen bringt und mich auf die Toilette gehen lässt.
Statt einer Antwort zuckte ich jedoch nur mit den Schultern. Sie erklärte mir, dass Ash kein Frühaufsteher sei und sie ihn daher jetzt vertrete. Aber er war doch auf, dieser Psychopath, ich habe ihn gehört!
»Wie heißt du eigentlich?«, fragte sie mich neugierig.
»Gefangene?«, antwortete ich unsicher.
»Ich meine deinen echten Vornamen?« Sie lachte.
»Ella. Ich heiße Ella.«
»Wie hübsch. Ich bin Kiara!«
Diese junge Frau war schon so früh am Morgen fröhlich, sie sprudelte vor Energie. Es war lange her, seit ich das letzte Mal mit einer gleichaltrigen Frau gesprochen hatte oder nach meinem echten Vornamen gefragt worden war.
Wir gingen wieder auf meine Gefängniszelle zu. Mit einem verlegenen Lächeln sagte sie: »Mach dir keine Sorgen, es wird nicht so bleiben. Ash wird dich bald behandeln, wie du es verdienst. Er braucht einfach nur ein bisschen Zeit, bis er dich annehmen kann.«
Am Ende des Satzes machte sie ein entschuldigendes Gesicht. Ich nickte, wenig überzeugt von der Belastbarkeit dieser Information, und setzte mich wieder auf die Matratze. Sie lächelte mir noch ein letztes Mal zu, bevor sie die Tür wieder verriegelte.
Hungrig verschlang ich den Schokocroissant und trank das Wasser in einem Zug leer. Zwar war ich nicht annähernd satt, aber es war besser als nichts. In den Sonnenstrahlen tanzten Staubkörner und andere Partikel, die im Raum umherschwebten. Obwohl sie ein wenig Wärme erzeugten, blieb es weiterhin kalt.
»Hier ist ja richtig was los …«, flüsterte ich, als ich mich umsah.
Eingesperrt in diese vier Wände hörte ich Stimmen, die sich über meinem Kopf miteinander unterhielten. Ich streckte mich aus und ließ meine Ankunft hier immer wieder an meinem geistigen Auge vorüberziehen, dachte erst an den blonden Ash, den ich verabscheute und der zufälligerweise kein anderer als mein Besitzer war, dann an den älteren Mann.
Was wollten sie nur von mir? John hat mich benutzt, hatte mich an seine Kunden verkauft, allesamt fette Schweine auf der Suche nach jungen Mädchen, an denen sie sich vergehen konnten. Natürlich ohne dass die jungen Frauen zustimmten. Aber diese beiden, was erwarteten sie wirklich von mir?
Ich seufzte und dachte wieder an die rüden Worte dieses Abschaums John, der immer wieder sagte, dass ich »nur Probleme machte«. Wessen Schuld war das denn? Er war doch verantwortlich für alles Schlechte, all die Vergewaltigungen, all die psychischen und physischen Erniedrigungen, die sich in mir eingebrannt hatten.
Ich fragte mich, ob ich aus diesem Keller jemals wieder herauskommen würde. Unter normalen Umständen, wenn John nicht da war, konnte ich mich im Haus frei bewegen, ohne es allerdings zu verlassen. Er verriegelte die Türen und bezahlte Leute dafür, mich Tag und Nacht zu überwachen.
Ich hatte natürlich schon versucht, ihm zu entkommen, sogar mehrfach. Doch jedes Mal waren diese Fluchtversuche auf dieselbe Weise verlaufen: Seine Männer spürten mich wieder auf, misshandelten mich und ließen meine Verletzungen dann verheilen, ohne sie medizinisch zu versorgen. Der Schmerz sollte mir wohl im Gedächtnis haften bleiben.
John behauptete, mein unschuldiges Gesicht ziehe seine Klienten zu sehr an, als dass er mich gehen lassen könne. Die Frage war: warum? Scheiße, ich hatte noch nie »Initiative gezeigt«, sie widerten mich alle an.
Ich war ein junges Mädchen, das gegen seinen Willen Tieren mit ungesunden Trieben zum Fraß vorgeworfen worden war – für sie, zu ihrer Sicherheit, für ihr Wohlergehen. Wahrscheinlich hatte er mich jetzt nicht mehr nötig. Und ich hoffte, dass das Gleiche auch für meine Tante galt. Nur für sie hatte ich mich in die ganze Sache hineinziehen lassen. Doch sie hatte sich nicht mehr nach mir erkundigt, seit ich ihre Wohnung verlassen hatte. Ich fragte mich, ob sie inzwischen wohl ihren Entzug hinter sich gebracht und dank meiner Arbeit all ihre Schulden abbezahlt hatte.
Mit meinen zweiundzwanzig Jahren war ich also die Gefangene eines Mannes gewesen, der mich an die abstoßendsten Wesen verhökert hatte, an fette ekelhafte Typen, die genug Geld hatten, um im ganzen Land illegale Geschäfte zu finanzieren. Dann war ich zu anderen Zwecken zu einem anderen Mann geschickt worden.
Meine Überlegungen ermüdeten mich. Ich schloss die Augen und sank in den Schlaf, den ich am Vortag nicht hatte finden können.
Das Öffnen der Klappe weckte mich. Ein Tablett mit einem Teller fast verbrannter Nudeln und etwas Wasser wurden hereingeschoben.
Das Zimmer war inzwischen dunkler. Mir war klar, dass die Nacht hereingebrochen war und ich praktisch den gesamten Tag verschlafen hatte.
Ich verzog das Gesicht, als ich die verbrannten Nudeln an meinem Gaumen schmeckte, aber ich hatte einen Riesenhunger und aß alles auf. Auch das Wasser trank ich aus, dann stellte ich das Tablett zurück neben die Klappe. Schließlich setzte ich mich wieder auf meine Matratze und starrte die Wand an.
Wenn meine Mutter gesehen hätte, was aus ihrer Tochter geworden war, wo sie doch bestimmt gewollt hätte, dass ich Ärztin oder Floristin würde … Vielleicht auch Tierärztin. Zum Glück war sie nicht mehr da. Ich schämte mich so sehr.
Mein Aufenthalt in Florida hatte eigentlich nicht ewig dauern sollen. Ich hatte vorgehabt, mit Erreichen der Volljährigkeit nach Australien zurückzukehren, in mein Geburtsland. Doch anscheinend wollten mich die Vereinigten Staaten noch länger dabehalten.
»Ella?«, rief eine Stimme hinter der Tür.
Ich runzelte die Stirn und wandte den Kopf. »J… ja?«
»Ich bin’s, Kiara. Ich lass dich für den Abend raus, in Ordnung? Ash muss heute Abend arbeiten, also dachte ich mir, es wäre doch nett, wenn du nicht in diesem Rattenloch sitzen müsstest …«
Ich konnte nicht anders, als leise zu lachen. Ich nickte, wurde mir dann aber bewusst, dass sie mich nicht sehen konnte, und verdrehte die Augen über meine eigene Dummheit.
»Also, was sagst du?«
»Ja … einverstanden!«, rief ich, und meine Stimme klang ein wenig aufgeregt.
Sie öffnete die Tür und lächelte mich warmherzig an. Dann zog sie mich mit sich, weit weg von diesem Keller, und wir stiegen die Treppe in die Eingangshalle hinauf.
Kiara führte mich in ein nüchtern eingerichtetes Wohnzimmer. Die dunklen Möbel passten perfekt zu den weißen Wänden, sodass ein zugleich moderner und harmonischer Eindruck entstand. Ein riesiger Bildschirm an der Wand war eingeschaltet, es lief irgendeine Fernsehsendung. Die schwarze Ledercouch, auf der Kissen in ähnlichen Tönen verstreut lagen, war so groß, dass man ohne den geringsten Zweifel auch zu dritt darauf hätte schlafen können. Sie sah wirklich sehr bequem aus.
Direkt unterhalb des Bildschirms befand sich ein Kamin aus weißem Marmor. Die Flammen, die darin tanzten, bewegten sich asynchron zueinander und machten den Anblick dadurch noch bezaubernder. Ein Tablett mit zwei Kristallgläsern und drei leere Zigarettenpackungen lagen nachlässig auf dem schwarz lackierten Couchtisch.
»Bitte, setz dich doch, ich habe uns eine heiße Schokolade gemacht!«, erklärte Kiara und deutete auf die Couch.
Ich leistete der Aufforderung ohne Zögern Folge. Wie vermutet, war die Couch wirklich außerordentlich bequem. Kiara reichte mir meine Tasse Schokolade, und ich bedankte mich, bevor ich einen Blick auf die Sendung warf, die ich nicht kannte.
Um ehrlich zu sein, kannte ich sowieso nicht sehr viel. Bei John hatte ich vor allem Zeichentrickserien angeschaut. Ich nahm einen Schluck meines Getränks, und die Wärme erfüllte meinen Körper.
»Ich liebe diese Sendung, es geht darum herauszufinden, wer am besten kochen kann!«
»Die kenne ich nicht«, gab ich fast schon beschämt zu, »aber … sie scheint gut zu sein!«
Kiara kommentierte jede Szene, was mich sehr zum Lachen brachte, und nach langer Zeit fühlte ich mich wieder einmal so etwas wie wohl. Sie übertrug ihre gute Laune auf mich, was ich freudig annahm, hatte ich doch, seit ich sechzehn war, mit keiner Frau mehr gesprochen.
»Also, erzähl mir ein bisschen von dir«, forderte Kiara mich auf und stellte ihre Tasse auf dem Tablett ab. »Wie bist du dazu gekommen, so was zu machen? Ich weiß, dass Bens Gefangene es für Geld tut. Die von Rick hat für ihren Sohn damit angefangen, aber du? Hast du einen Sohn wie Ally? Oder magst du Geld genauso sehr wie Sabrina?«
Ich hätte mich beinahe verschluckt. Ich, einen Sohn? John hatte ihnen also nicht verraten, wie ich zu seiner Gefangenen geworden war. Sollte ich das jetzt tun? Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass sie schon alles über mich wussten.
Ich räusperte mich. Verlegen suchte ich nach den richtigen Worten. »Meine Tante hat mich gebeten, für John zu … arbeiten, damit sie wieder auf die Beine kommen und ihre Schulden abbezahlen konnte«, gestand ich nervös.
Kiara sah mich ungläubig an. Dann fing sie an zu lachen. Was war daran denn so komisch?
Verdrossen runzelte ich die Stirn. Sie machte sich buchstäblich über mich lustig.
»Ach Gott, du bist ja echt witzig!«, amüsierte sie sich und schüttelte den Kopf. »Und jetzt sag mir, warum du wirklich damit angefangen hast.«
Ach, sie glaubte, dass ich Witze machte? Was für eine Unschuld.
»Ich … Es ist die Wahrheit«, antwortete ich noch ernster.
Sie musterte mich und versuchte das kleinste Anzeichen einer Lüge zu entdecken. Als ihr klar wurde, dass ich es ernst meinte, riss sie die Augen auf, und aus ihrem Gesicht wich jede Farbe. Sie war ganz offenbar nicht auf einen so … furchtbaren oder sinnlosen Grund gefasst gewesen.
»Du … du … Es tut mir so leid … ich dachte … Tut mir leid … Entschuldige, ich … Oh, mein Gott«, stammelte sie und blickte mich dabei voller Mitgefühl an.
Oder war es vielleicht Bedauern? Ich hasste es, wenn man mich bedauerte.
»Nicht schlimm«, beruhigte ich sie daher.
Sie nahm meine Hand und fing an, mir mehrere Fragen über meine Vergangenheit und darüber zu stellen, was ich mit dem Penner hatte durchleben müssen. Ich antwortete ihr darauf mit einem Monolog.
»Ich habe in Sydney gelebt. Nach dem Tod meiner Mutter war ich gezwungen, zu meiner Tante zu ziehen, die mich zu sich nach Florida geholt hat. Bis zu meiner Volljährigkeit sollte sie mein Vormund bleiben. Nur ließ sie sich von den Drogen verführen … und nach und nach blieb ihr deshalb kein Geld mehr, für irgendetwas zu bezahlen. Ich war zwar noch jung, aber ich habe gesehen, wie sie sich langsam aufgelöst hat. Wir lebten in ständiger Gefahr wegen ihres Dealers, der uns drohte, falls sie ihre Schulden nicht rechtzeitig bezahlte.« Ich machte eine Pause und erinnerte mich plötzlich an unsere angsterfüllten Nächte. »Mein Besitzer, John, war ein Freund ihres Dealers. Er hat ihr vorgeschlagen, mich unter seine Fittiche zu nehmen.« Meine Kehle war wie zugeschnürt. Für meine Tante hatte ich keinen Wert gehabt, wahrscheinlich war ich nur eine Last, die sie loswerden wollte. »Das hat sie akzeptiert … Sie hat mir eingeredet, dass es nur zu unserem Besten wäre. Mir war damals nicht klar, dass ich mein Leben für ihres opferte. John hat mich an Männer äh vermietet, die so alt und scheußlich wie verwesende Kadaver waren.«
Bei dieser Bemerkung musste Kiara leise auflachen. Ich tat es ihr gleich, bevor ich meinen Bericht fortsetzte, einen Bericht, den ich zum ersten Mal erstattete. Und zwar ohne eine einzige Träne zu vergießen. War ich etwa schon so abgestumpft?
»Das Geld, das ich ihm einbrachte, war nicht nur für meine Tante, sondern auch für seine Geschäfte gedacht. Diese Männer taten mir gern weh, und je mehr ich weinte, desto brutaler wurden sie.«
Kiara zitterte vor Abscheu und musterte mich genau, als ich den Blick abwandte. Bei diesem Teil meiner Geschichte fühlte ich mich nicht wohl. Ich fühlte mich so schmutzig, so beschädigt.
Aber ich weinte nicht mehr. Ich hatte zu viele Tränen vergossen, bevor ich mein Schicksal akzeptiert hatte. Und es gefiel mir auch nicht, vor Fremden zu weinen, ich verabscheute das Mitleid, das ich danach in ihren Augen sehen konnte.
»Das ist ja furchtbar … Es tut mir so leid … Du … Jetzt ist alles vorbei. Ich werde Rick auf deine Tante ansprechen. Ich weiß nicht, ob er darüber Bescheid weiß … Verdammt, dieser Scheißkerl von John!«
»Seinetwegen bin ich so«, murmelte ich und zeigte auf mein blasses Gesicht und meinen mageren und mit Narben übersäten Körper, die alle schlecht verheilt waren.
Kiara riss die Augen auf und rief: »Wie bitte? Machst du Witze? Du bist wunderschön, Ella! Wäre Ash nicht so vernagelt, hätte er dich gleich nur für sich behalten!«
Eine Frage brannte mir auf den Lippen. Zwar wusste ich, dass es mich nichts anging, aber ich wollte es wissen. »Warum will er denn keine Gefangene?«
Kiara räusperte sich in dem vergeblichen Versuch, wieder einen neutralen Gesichtsausdruck aufzusetzen, doch ihr Blick hatte sie schon verraten. »Es ist kompliziert, aber du darfst das nicht auf dich beziehen. Ash gehört zu den Menschen, die auf die ganze Welt einen Groll haben, wenn sie sauer sind …«
Ich nickte, da ich begriff, dass sie mir keine weiteren Informationen liefern würde. Letztendlich war der Psychopath also nur ein wütendes und trotziges Kleinkind.
Wir redeten weiter. Sie erzählte mir von den anderen Gefangenen, Ally und Sabrina – Letztere hatte ich bereits kennengelernt. Kiara gehörte nicht zu ihnen, sie verwaltete zusammen mit Ben die Aktien. Diese Arbeit gefiel ihr, weil sie damit eine wesentliche Rolle »in einem der größten Netzwerke in den gesamten Vereinigten Staaten« spielte, wie sie sich ausdrückte. Es wurde von Rick und Ash gemeinsam geführt. Außerdem konnte sie sich die besten Konzertkarten leisten, ohne sich danach vor Problemen am Monatsende fürchten zu müssen.
Jetzt bin ich also Teil einer Gang, und das alles immer noch ohne meine Zustimmung? Das wird ja immer besser.
Kiara zuckte zusammen, als sie hörte, wie die Eingangstür geöffnet wurde. Ich beobachtete sie, ohne es richtig zu verstehen. Langsam drehte sie den Kopf, und ich folgte ihrem Blick. Mein Puls beschleunigte sich, als ich den Psychopathen mit mahlendem Kiefer und geballten Fäusten am Eingang stehen sah.
Oh, verdammt.
»Was macht sie denn hier, Kiara?«
Sadistischer Psychopath
Ich sprang auf, und Kiara tat es mir gleich. Sie stellte sich vor mich, um mich vor ihrem Freund zu schützen, der mich mit Blicken durchbohrte.
»Na ja … ich wollte nicht … weißt du … Sie ist doch wie Ally und Sabrina, also …«, stotterte Kiara in einem Versuch, sich zu rechtfertigen.
»Sie bleibt im Keller, Kiara, sie wird nicht genauso wie die beiden anderen behandelt. Ihr habt für mich entschieden, sie trägt dafür die Konsequenzen.«
Am Ende seines Satzes machte er eine rasche Bewegung auf uns zu und ließ uns dabei nicht aus den Augen. Wenigstens mich nicht. Als er jedoch mein Handgelenk packen wollte, ging Kiara dazwischen und stieß ihn heftig zurück.
Ash musterte mich feindselig, dann machte er fluchend kehrt. Als er die Treppe erreicht hatte, befahl er, ohne sich umzudrehen: »Bring sie an ihren Platz zurück. Ich schreibe jetzt diese verdammten Anträge, und wenn ich dann wieder runterkomme, und sie sitzt immer noch auf meinem Scheißsessel, begrabe ich sie, Scheiße noch mal, lebendig. Und dich gleich mit.«
Ich erschauderte, als ich diese mit »Scheiße« garnierten Todesdrohungen hörte. Er war wirklich vollkommen geisteskrank.
Seine Gestalt verschwand rasch aus meinem Sichtfeld, und wir waren wieder allein.
Kiara blickte mich traurig an, als ob es ihr unendlich leidtäte. »Du musst sein Verhalten entschuldigen, er wird sich schon an dich gewöhnen … Er braucht nur ein bisschen Zeit, bis …«
»… er mich annehmen kann?«, unterbrach ich sie und war verärgert darüber, dass sie genau dasselbe wiederholte, was sie schon heute früh zu mir gesagt hatte.
»Lass es uns so nennen, ja«, erwiderte sie nervös.
»Ich mag den Gedanken gar nicht, seine Gefangene zu sein.«
»Trifft sich gut, denn für mich bist du das auch nicht!«, blaffte seine raue Stimme plötzlich hinter uns. »Ich werde dich nie als mein Eigentum betrachten.«
Kiara begleitete mich unter den feindseligen Blicken meines neuen Besitzers in den Keller. Dann sagte sie mir, dass sie mir gleich noch eine Decke und ein Kissen bringen werde.
Im nächsten Moment war oben lautes Geschrei zu hören. Wahrscheinlich war ein Streit zwischen den beiden entbrannt. Es dauerte einige Minuten, bis Kiara mit erschöpfter Miene zu mir zurückkehrte. Sie legte eine weiße Decke und ein Kissen auf die Matratze und schloss dann wortlos die Tür hinter sich.
Ich ließ mich auf das Bett fallen und starrte an die Decke. Die Eingangstür knallte laut, dann hörte ich die Schritte meines liebenswürdigen Besitzers. An seiner dumpfen Stimme erkannte ich, dass er sprach, vielleicht mit sich selbst.
Möglich, so gestört, wie er ist.
Warum reagierte er so aggressiv auf meine Anwesenheit? Was mochte er nicht an mir, um sich derart unerbittlich zu zeigen? Schließlich wollte ich auch ja nicht hier sein!
Ich war mir sicher gewesen, dass niemand John gleichkommen könnte, aber ich hatte mich getäuscht. Dieser Typ war noch schlimmer, er wollte mich tot sehen. Buchstäblich tot.
Diese Einsicht riss mich aus meinem Schaudern, und zwar so sehr, dass ich beschloss, an etwas anderes als das Geheimnis meines neuen Besitzers zu denken, des Psychopathen vom Dienst. Als ich an Kiaras Worte und an die Art zurückdachte, wie sie über die beiden anderen Gefangenen – Ally und Sabrina – gesprochen hatte, wurde mir klar, dass sie alles taten, außer mit Unbekannten zu schlafen, wie ich es in den Jahren meines Martyriums hatte tun müssen. Auch wenn es manchmal ihre letzte Option war, hatten sie immer noch die Wahl.
Ihre Arbeit bestand vor allem aus Spionage nach innen und nach außen, sowie aus Verhandlungen, daraus, Dinge und Personen ausfindig zu machen, und aus der Beobachtung der Konkurrenz, wie mir Kiara verriet. Sie vertraten ihre Besitzer, wenn diese nicht da waren, und knüpften Beziehungen zwischen ihrem eigenen und den anderen Netzwerken, indem sie sich mit anderen Gefangenen austauschten. Sie waren die Schatten ihrer Besitzer, diejenigen, die die ganze Maschinerie besser als alle anderen am Laufen hielten. Sie waren auf ihren Missionen ständig Gefahren ausgesetzt, aber sie verdienten damit unglaublich viel Geld, was eine Motivationsquelle darstellte.
Kiara zufolge dienten die Gefangenen dazu, das »Humankapital« zu optimieren. Aufgaben von verschiedenen Stellen wurden einer einzigen ausführenden Person übertragen, was das Risiko minimierte, dass ein Plan schiefging.
Oft waren die Gefangenen Frauen. Es gab auch Männer, aber das kam eher selten vor. Sie hatte mir sogar den Ursprung der Bezeichnung »Gefangene« verraten: Die Leute, die diese Positionen geschaffen hatten, hatten die Bezeichnung verwendet, um die Regierung auf eine falsche Fährte von Menschenhandel und Freiheitsberaubung zu locken, um so die eigentlichen Geschäfte – illegalen Waffenhandel – vor ihrer Nase abwickeln zu können.
Das waren also die Gefangenen. Die echten.
Meine Gedanken wurden durch das erneute Knallen der Eingangstür unterbrochen. Irgendjemand war gekommen.
Darauf folgte erneut Stille.
Plötzlich, nach ungefähr zwanzig Minuten, wurde die Stille von einer dumpfen Stimme durchbrochen, aber sie gehörte nicht dem Psychopathen. Ich legte mir die Hand vor den Mund, als ich begriff, dass es sich um eine weibliche Stimme handelte, die wie eine Verrückte stöhnte.
Um sich das Mütchen zu kühlen, fickt er also eine Frau? Ist ja zauberhaft.
Ich fragte mich, ob es sich bei ihr um eine Gefangene handelte. Jedenfalls war eins sicher: Sie kam zum Höhepunkt. Sie den Vornamen meines Besitzers brüllen zu hören, hinderte mich daran, ein Auge zuzutun.
Ungeduldig wartete ich das Ende ihres Liebesspiels ab. Als wieder Stille einkehrte, seufzte ich zufrieden, wickelte mich in die weiße Decke und schlief ein.
Die Luft war schwer. Ich wusste nicht, wo ich war, aber dieser begrenzte Raum war für mich unerträglich.
Sobald ich in der Ferne das Lachen der fetten Schweine hörte, die mich missbraucht hatten, um ihre Lust an mir zu befriedigen, lief ich weg, so schnell ich konnte. Ich versuchte zu entkommen, aber ihre Stimmen kamen immer näher.
Sie waren schnell. Zu schnell.
»Haut ab! Geht weg! Ich flehe euch an, lasst mich doch in Ruhe!«
Ich brüllte, als ich ihre dreckigen Hände auf meiner Haut spürte, ihre Berührungen waren die schlimmste Qual. Ich fühlte mich gefangen und ihnen schutzlos ausgeliefert.
Während ihr Lachen weiter in meinem Kopf widerhallte, zogen sie mich an den Haaren, verletzten mich, versetzten mich in Angst und Schrecken, sodass ich vollkommen erstarrte. Meine Tante stand neben einer Tür. Sie bat mich, es für sie über mich ergehen zu lassen. Ich wollte ihr zuschreien, sie solle mir helfen, aber kein Ton drang über meine Lippen, die jetzt von unbekannten Fingern zugehalten wurden.
»HALT’S MAUL, VERDAMMTESCHEISSE!«
Ich schreckte aus dem Schlaf hoch und schluchzte vor Überraschung, als ich Wasser über meine Haut rinnen spürte. Irgendwer hatte mich aus meinem Albtraum gerissen, indem er mir ein Glas Wasser ins Gesicht geschüttet hatte.
Umgehend erkannte ich die Gestalt vor mir, die harten Züge und die Stirn mit der Zornesfalte. Hatte ich ihn aufgeweckt? Nach seinem müden Gesicht zu urteilen, sah es ganz so aus.
Meine Kehle war vollkommen ausgedörrt, meine Lippen aufgesprungen. Der Psychopath musterte mich unverhohlen, von meinem verlorenen Anblick bis zu meiner noch immer abgehackten Atmung wegen meines wie wild klopfenden Herzens.
»Wenn du noch ein einziges Mal mit dieser Scheiße anfängst, erwürge ich dich, Gefangene!«, knurrte er wütend. »Ich habe Besseres zu tun, als dir dabei zuzuhören, wie du im Schlaf flennst und rumheulst.«
Sein Ton war schneidend, genau wie seine Worte. Als er sich umdrehte, um wieder nach oben in sein Schlafzimmer zu gehen, fragte ich ihn kaum hörbar: »Könnte ich etwas Wasser haben?«
Meine Kehle ist vollkommen ausgetrocknet, er hat nicht das Recht, mir ein Glas Wasser zu verweigern.
Der Psychopath blieb stehen, bevor er mir hinterhältig antwortete: »Das hast du gerade verschwendet, du hättest dich besser beherrschen müssen.«
Dann schloss er die Tür und ließ mich wieder in diesem Raum allein, der ebenso angsterregend wie mein Albtraum war.
Ich stand auf und zog mein nasses Oberteil aus. Nachdem ich den zweiten Pullover angezogen hatte, legte ich mich wieder auf die Matratze, die genauso durchnässt war. Was für eine Ironie für eine Verdurstende. Scheiße.
Es vergingen mehrere Tage, immer auf die gleiche Weise: Kiara brachte mir morgens etwas zu essen, dann verbrachte ich den Nachmittag eingesperrt in dem Kellerraum. Ich durfte im angrenzenden Badezimmer duschen, sobald der Psychopath außer Haus war, Kiaras Diskretion sei Dank. Diese hatte nach dem, was ich ihr anvertraut hatte, ein paar Erkundigungen über meine Tante eingeholt. Vor zwei Tagen hatte sie mir angekündigt, dass sie sie aufspüren wollten, um ihr die Hälfte dessen zu überweisen, was ich verdienen würde. Das Geld war für ihren Entzug gedacht.
Nachts schlief ich sehr schlecht, so sehr achtete ich darauf, nicht in einen Tiefschlaf zu fallen. Mein Besitzer hatte mir angedroht, mich mit bloßen Händen zu erwürgen, falls ich noch einmal einen Albtraum haben sollte. Und ich wusste, dass er dazu in der Lage wäre. Ein winziges bisschen liegt mir doch noch an meinem elenden Leben.
»Ich habe eine wunderbare Neuigkeit für dich!«, sagte Kiara begeistert, als sie mir nach dem Aufwachen das Frühstück brachte. »Ich habe mit Rick über die wenig bemerkenswerte Gastfreundlichkeit gesprochen, die dir hier zuteilwird. Da du jetzt eine von uns bist, musst du genauso sorgsam behandelt werden wie die anderen Gefangenen!«
»Also bin ich frei?«, antwortete ich ihr sarkastisch.
»Ja!«, erklärte sie mit einem breiten Lächeln auf den Lippen. »Ash wird es akzeptieren müssen, Punkt. Komm jetzt. Du wirst jetzt im großen Bad mal richtig duschen!«
Sie führte mich aus dem Kellerraum nach oben, und ich machte große Augen, als wir das große Bad betraten, denn an so viel Luxus war ich nicht gewöhnt. Johns Badezimmer war winzig und schmutzig gewesen, und darin hatten sich nichts als eine schäbige Dusche und ein Waschbecken befunden. Das Bad meines neuen Besitzers war deutlich geräumiger, und ein großer Spiegel verstärkte diesen Eindruck noch. Die dunklen Wände bildeten einen angenehmen Kontrast zu den Waschbecken und der Badewanne aus weißem Marmor. Ich musste zugeben, dass er einen guten Geschmack hatte.
Unter Kiaras aufmunternden Blicken ging ich zur italienischen Dusche. Bevor sie die Tür hinter sich zuzog, legte sie mir noch frische Kleidung hin.
Ich zog mich rasch aus und schlüpfte unter das warme Wasser. Ein Seufzer der Erleichterung entfuhr mir, als ich es über meine Gliedmaßen rinnen spürte, die von der alten Matratze schmerzten. Ich fühlte, wie meine Lebensgeister wieder erwachten. Meine Haare sogen das Wasser auf, bis sie länger erschienen, als sie tatsächlich waren. Nachdem ich mich gewaschen hatte, trat ich aus der Kabine und schlang mir ein weißes Handtuch um.
Dann zog ich saubere Unterwäsche sowie die Jeans und das Tanktop an, das Kiara mir geborgt hatte, und öffnete leise die Tür. Sie streckte den Kopf aus einem Zimmer ein paar Meter entfernt und winkte mich zu sich heran. Als ich hereintrat, lag sie auf einem Bett und hatte den Blick zur Decke gerichtet.
»Von nun an schläfst du hier«, teilte sie mir rundheraus mit.
Ich nickte und ließ meine neugierigen Blicke durch das Zimmer schweifen, denn ihre Worte überzeugten mich kaum. Dem Psychopathen würde auf jeden Fall eine Sicherung durchbrennen, und dann würde er entweder alle Gegenstände, die ihm in die Hände kamen, zertrümmern oder aus Wut eine junge Frau vögeln. Hing wahrscheinlich vom Grad seines Zorns ab.
Das Zimmer war zwar schlicht, aber doch großartig. Ein großes Bett mit weißen Laken und Wände von derselben Farbe gaben dem Raum etwas Sanftes. Das Mobiliar war ganz in Schwarz-weiß gehalten, genau wie im Rest des Hauses.
Meine Aufmerksamkeit richtete sich dann automatisch auf die großen Panoramafenster, die der Tür gegenüberlagen. Ich machte ein verdrossenes Gesicht, denn es war mir gar nicht angenehm, von außen so gut sichtbar zu sein. Ich war nämlich keine Psychopathin.
»Gibt es hier denn keine Vorhänge?«, fragte ich und zeigte auf die Fenster.
»Nein, Ash mag keine Vorhänge.«
Ich schüttelte kaum überrascht den Kopf.
»Morgen bringe ich dir ein paar neue Sachen. Sag mir einfach, was dir gefällt, dann sehe ich mal, was ich im Einkaufszentrum finden kann.«
»Mach dir keine Umstände, ich habe zwei Jeans und zwei Pullover, das reicht doch.«
»Nein! Klamotten kann man nie genug haben«, sagte sie mit einem Augenzwinkern.
Unten hörten wir heftig eine Tür zuschlagen. Kiara sah mich an und atmete aus.
»Die Bestie ist zurück …«, sagte sie gereizt. »Halt dir die Ohren zu, sonst könnten sie gleich Schaden nehmen.«
Ich schluckte und hörte in der Ferne, wie Türen geöffnet und wieder zugeknallt wurden. Er schrie Kiaras Namen quer durchs Haus. Schließlich fand er uns.
Er brüllte so sehr, dass ich kein einziges Wort verstand, abgesehen von den Schimpfwörtern, die seinen Satz strukturierten. Was für eine friedvolle Konversation. Er bedachte uns mit finsteren Blicken aus seinen durchdringenden grauen Augen, während seine Halsschlagader im selben Rhythmus wie sein Gebrüll pochte.
»Bist du fertig?«, fragte ihn Kiara irgendwann lässig.
»Sie. Schläft. Im. Keller«, erklärte der Psychopath in scharfem Ton.
»Rick war da sehr deutlich, Ash, sie wird genauso behandelt wie die anderen Gefangenen, ob du es nun willst oder nicht. Sie arbeitet mit uns zusammen, und dabei hast du nicht mitzureden.«
Mein Besitzer ballte die Fäuste.
Kiara blieb der tobenden Furie gegenüber, die uns am liebsten tot gesehen hätte, vollkommen gleichmütig. Sie wandte sich an mich und sagte dann ganz ruhig: »Du schläfst hier, Ella. Sein Haus ist von nun an auch deins.«
Doch Ash schnaufte frustriert. »Es ist meine verdammte Bude, ich entscheide, wozu sie hier das Recht hat oder nicht!«
»Vielleicht, aber Rick entscheidet auch für die Gruppe. Für eine Gruppe, zu der sie ab jetzt gehört.«
Sie trat näher zu mir und umarmte mich. Da ich von ihrer Geste überrumpelt wurde, erwiderte ich sie nicht.
Sie flüsterte mir ins Ohr: »Ich verspreche dir, dass wir nicht wie John sind.«
Dieser Satz war für mich wie ein Schwall frischer Luft. Sie dachte an mich und mein Wohlergehen.
Kiara verabschiedete sich und sagte, dass sie heute Abend beschäftigt sei, sie aber versuchen werde, später noch einmal vorbeizuschauen. Dann blieben nur noch der Psychopath und ich im Zimmer zurück – der Psychopath, dessen feindselige Ausstrahlung mir Magenkrämpfe verursachte.
Er fixierte mich, während ich seinem Blick auswich und vorgab, von der minimalistischen Einrichtung gefesselt zu sein, die völlig bedeutungslos war. Doch als ich das bösartige Lächeln bemerkte, das seine Mundwinkel umspielte, begann das Herz in meiner Brust wie wild zu pochen. Ich war überzeugt davon, dass ich innerhalb der nächsten Minuten sterben würde.
»Mach was zu essen, Gefangene. Dann bist du wenigstens zu was nutze.«
»Ich kann aber nicht kochen …«, sagte ich mit entsetztem Blick.
»Dann hast du jetzt die Gelegenheit, es zu lernen. Also, gib dir Mühe.«
Mit diesen Worten verließ er das Zimmer und verkündete im Hinausgehen, dass, falls ich nicht tat, was er verlangte, ich mich sowohl von meinem Zimmer als auch von meinem »traumhaften« Leben verabschieden könne.
Ich stieg die Treppe hinunter und überlegte, was ich wohl zubereiten könnte. Nudeln mit Tomatensoße, das müsste ich doch hinkriegen, oder?
In der Eingangshalle angekommen, fand ich die Küche ohne größere Schwierigkeiten, die mit den modernsten Geräten ausgestattet war. Ich ließ die Hand über die schwarze Kücheninsel gleiten und fragte mich, ob er wohl eine Haushälterin hatte. Alles war hier so sauber. Dem Küchentresen gegenüber befand sich ein weiteres Panoramafenster, durch das Licht ins Zimmer fiel und durch das man in den Garten hinausschauen konnte.
Nachdem ich fast eine halbe Stunde die Schränke durchsucht hatte, fand ich endlich Nudeln und legte alle Zutaten auf der Arbeitsfläche bereit, um das Ganze organisiert anzugehen. Ich stellte den Topf auf eins der Kochfelder und brachte das Wasser zum Brodeln, während ich die Soße vorbereitete.
Es war schon vorgekommen, dass John mich zum Kochen gezwungen hatte. Nun war das aber das einzige Rezept, das ich kannte. Ich bemühte mich, beides zugleich zu kochen, ohne es zu vermasseln, und versuchte mehr schlecht als recht, die Soße einigermaßen genießbar zu machen.
Ich habe absolut keine Lust, zu sterben oder in den Keller zurückzukehren.
Nach einer Viertelstunde war mein Gericht endlich fertig. Ich zuckte zusammen, als ich den Psychopathen bemerkte, der an der Wand lehnte, mich mit seinen grauen Augen fixierte und dabei kaum wahrnehmbar lächelte. So blieben wir stehen und musterten einander schweigend – was ich nie gewagt hätte, solange er wütend war.
Er hatte ein längliches Gesicht, feine Züge und ein ausgeprägtes Kinn. Seine mandelförmigen stahlgrauen Augen waren so durchdringend, dass man hätte meinen können, er könnte meine Seele durch meinen mageren Körper hindurch erkennen.
Seine hohlen Wangen betonten seine Wangenknochen, und ein Dreitagebart verlieh ihm ein lässiges Aussehen, genau wie sein vollkommen zerzaustes blondes Haar, von dem ihm einige Strähnen in die Stirn fielen.
In drei Worten zusammengefasst: ein furchtbarer Psychopath.
Ich hörte ihn spöttisch lachen.
»Eigentlich habe ich gar keinen Hunger mehr«, sagte er und verließ die Küche.
»Was?« Ich konnte den überraschten Ausruf nicht unterdrücken.
»Ich wiederhole mich nicht!«, schrie mein Besitzer von der Treppe zu mir herunter.
Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Er machte mir aus reiner Gehässigkeit das Leben schwer.
Ich probierte die Nudeln im Stehen, als ich ihn rasch die Treppe wieder herunterkommen sah. Er hielt einen Umschlag in der Hand. Damit trat er auf mich zu, sein Blick war auf einmal noch finsterer. Ich wich instinktiv vor ihm zurück, bis ich mit dem Rücken gegen die Arbeitsplatte stieß. Er packte mich unsanft am Handgelenk und durchbohrte mich mit Blicken.
In vier Worten zusammengefasst: ein furchtbarer, durchgedrehter Psychopath.
»Du bewegst dich nicht von hier weg. Es gibt überall Überwachungskameras, die mit meinem Telefon verbunden sind. Wenn ich sehe, dass du in irgendein anderes Zimmer als dein eigenes oder das Bad oder das Wohnzimmer gehst, verspreche ich dir schlimmere Schmerzen als die hier.«
Die hier? Was meinte er damit?
Er beantwortete meine stumme Frage, indem er meine Hand auf die noch heiße Herdplatte drückte, sodass ich aufschrie und mich unter seinem sadistischen Blick zu befreien versuchte. Doch er presste seinen kräftigen Körper gegen meinen und verhinderte so jede Ausweichbewegung.
Tränen traten mir in die Augen, als er meine Hand noch ein bisschen fester hinabdrückte, bevor er sie mit einer raschen Bewegung von der Platte nahm.
»Nur eine kleine Warnung, Gefangene.«
Er verließ die Küche und ließ mich mit meiner Hand allein, die vor Schmerz zitterte. Ich drehte den Wasserhahn auf und versuchte, ihn mit dem kalten Wasser etwas zu lindern. So blieb ich einige Minuten lang stehen und hoffte, dass der Schmerz wieder vergehen würde.
Ich konnte die Finger nicht mehr bewegen, ohne aufzustöhnen, also ging ich ins Bad und suchte verzweifelt nach etwas, das mir helfen könnte.
Stoßweise atmend, geriet ich in Panik. Ich hatte Schmerzen, die Handfläche brannte. Als ich den Schrank öffnete, hörte ich die Tür ein weiteres Mal zuschlagen. Mir stockte der Atem, und mein Brustkorb zog sich zusammen. Er war zurückgekommen.
»Ella?«, rief Kiara von unten herauf. »Verdammt, Ella, wo bist du denn?«
Sie fand mich auf dem Boden kauernd vor. Ich konnte mich nicht bewegen, meine Handfläche war inzwischen feuerrot. Sie eilte in ein anderes Zimmer und kam von dort mit einem Beutel voller Salben und Kompressen zurück.
Sie entschuldigte sich, bevor sie Salbe auf meine Verbrennung strich. Ich wand mich bei jeder Berührung vor Schmerzen, während sie sich immer weiter entschuldigte. Ein paar Sekunden später zog die schmerzstillende Salbe in meine Haut ein, und ich atmete erleichtert auf.
»Tut mir so leid«, schnaubte sie. »Ich versichere dir, er braucht nur …«
»… ein bisschen Zeit, bis er mich annehmen kann?«, unterbrach ich sie, ich konnte mich einfach nicht zurückhalten. »Ich muss aber für diese verdammte Eingewöhnungsphase den Preis zahlen! Warum lasst ihr ihn nicht in Ruhe, warum muss er eine Gefangene haben?«
Mir schossen Tränen in die Augen, so ausgelaugt war ich durch das sadistische Verhalten meines Besitzers.
»Es ist ein bisschen komplizierter …«, sagte sie leise und betrachtete meine Hand.
Sie trug eine zweite Schicht Salbe auf, dann bedeckte sie meine Handfläche mit einer Kompresse. Sie versicherte mir, dass sie mit Rick über das gewalttätige Verhalten des Psychopathen reden werde.
Dann blieben wir noch ein paar Minuten auf dem Boden sitzen. Müde ließ ich ihre Entschuldigungen über mich ergehen. Schließlich half sie mir aufzustehen und brachte mich in mein neues Zimmer.
»Ich würde dir so gern alles, was du hören solltest, sagen, aber Ash könnte wirklich sehr gewalttätig werden, wenn er erfahren würde, dass ich es dir erzählt habe«, sagte sie mit leiser Stimme. »Eines Tages wirst du alles erfahren, das verspreche ich dir, aber heute noch nicht.«
Ich gab darauf keine Antwort. Stattdessen warf ich einen Blick auf meine Hand. Gewalt hatte ich bereits zur Genüge erduldet, aber noch nie mit so einem Grad an Sadismus verbunden, das war unmenschlich.
Und er war nicht bereit, es dabei bewenden zu lassen.
Das wusste ich.
Mission
Zwei Tage waren seit dem Gewaltausbruch meines Besitzers vergangen, der sich seither nicht mehr hatte blicken lassen – die beiden schönsten Tage meines Lebens. Kiara hatte die Anweisung erhalten, dass ich bis zu seiner Rückkehr nicht allein bleiben dürfe.
Aber diese winzige Dosis Ferien sollte nicht lange anhalten, denn ihrer Aussage zufolge würde er heute noch zurückkommen.
»Also, du hast Jeansgröße vier und S bei den Pullovern. Ich kaufe mal Sweatshirts in M oder L, hängt vom Schnitt ab. Gut!«, rief sie, als sie meine Maße nahm. »Jetzt brauche ich noch deine Körbchengröße wegen der BHs.«
»Die weiß ich nicht«, antwortete ich, während ich mir die Zähne putzte und ihren schockierten Gesichtsausdruck im Spiegel sah.
Sie fixierte meine Brüste, was mir unangenehm war, bevor sie sich ein paar weitere Notizen in ihr Handy machte.
»Hast du irgendwelche Vorlieben? Beim Stoff oder bei der Farbe vielleicht?«
Ich schüttelte den Kopf, und sie lächelte mich flüchtig an. Ich probierte ihre Schuhe an, um meine Größe herauszufinden, und zufällig war es dieselbe.
