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Wir auf ewig, das hatten sie sich geschworen … — Die Wattpad-Sensation aus Frankreich: düster, verboten, leidenschaftlich!
Benjamin Jenkins stand schon immer im Schatten seines berüchtigten Cousins Asher, dem Boss des kriminellen Scott-Kartells. Auch die Mädchen waren stets nur an Ash interessiert. Alle außer Isabella Grace, Bens große Liebe. Sie ist die Einzige, die je hinter seine joviale Fassade blicken konnte. Aber die kriminelle Welt, in der Ben lebt, ist gefährlich. Also verschwand er über Nacht aus Bellas Leben, um sie zu schützen. Seitdem verfolgt ihn die Erinnerung an sie tagtäglich. Auch Isabella hat Ben nicht vergessen. Sie will Antworten auf die Fragen, die sie daran hindern, mit der Beziehung abzuschließen. Sie versteht nicht, dass sie lange vergrabene Gefühle wieder entfacht und sich einer tödlichen Gefahr aussetzt. Ben erkennt die Gefahr, aber hat er die Kraft, Bella ein zweites Mal aufzugeben?
Die dramatische Dark-Romance-Reihe von Wattpad-Erfolgsautorin Sarah Rivens!
Band 1: Captive — Du gehörst mir
Band 2: Captive — Wir auf ewig
Band 3: Captive — Ich will nur dich
Spice-Level: 2 von 5
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 750
Veröffentlichungsjahr: 2024
Benjamin Jenkins stand schon immer im Schatten seines berüchtigten Cousins Asher, dem Boss des kriminellen Scott-Kartells. Auch die Mädchen waren stets nur an Ash interessiert. Alle außer Isabella Grace, Bens große Liebe. Sie ist die Einzige, die je hinter seine joviale Fassade blicken konnte. Aber die kriminelle Welt, in der Ben lebt, ist gefährlich. Also verschwand er über Nacht aus Bellas Leben, um sie zu schützen. Seitdem verfolgt ihn die Erinnerung an sie tagtäglich. Auch Isabella hat Ben nicht vergessen. Sie will Antworten auf die Fragen, die sie daran hindern, mit der Beziehung abzuschließen. Sie versteht nicht, dass sie lange vergrabene Gefühle wieder entfacht und sich einer tödlichen Gefahr aussetzt. Ben erkennt die Gefahr, aber hat er die Kraft, Bella ein zweites Mal aufzugeben?
Seit ihrer frühen Jugend liebt Sarah Rivens, die aus Algerien stammt, das Schreiben. Erst nur für sich, dann als Autorin auf der Plattform Wattpad, der sie 2019 unter dem Pseudonym theblurredgirl beitrat. Ihr Roman »Captive« um die gefährliche Liebe zwischen dem Mafiaboss Ash und seiner Gefangenen Ella wurde dort zum absoluten Sensationserfolg mit über 7 Millionen begeisterten Leser*innen. Sarah Rivens ist in den sozialen Netzwerken sehr aktiv und liebt den Austausch mit ihren Leser*innen. Heute teilt sie ihre Zeit zwischen dem Schreiben und dem Studium auf.
Die Dark-Romance-Reihe von Sarah Rivens bei Blanvalet:
Band 1: Captive – Du gehörst mir
Band 2: Captive – Wir auf ewig
Band 3: Captive – Ich will nur dich
SARAH RIVENS
Roman
Aus dem Französischen von Bernd Stratthaus
Die Originalausgabe erschien 2022 unter dem Titel »Captive 1.5 – Perfectly Wrong« bei Hachette Livre, Vanves.
Der Verlag behält sich die Verwertung des urheberrechtlich geschützten Inhalts dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.
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Copyright der Originalausgabe © 2022 by Hachette Livre
Copyright der deutschsprachigen Ausgabe © 2024 by Blanvalet, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München.
Umschlaggestaltung: © Anke Koopmann | Designomicon
Umschlagmotive: Shutterstock.com (nasidastudio; ivan_kislitsin)
JA · Herstellung: sam
Satz: Vornehm Mediengestaltung GmbH, München
ISBN 978-3-641-30907-7V002
www.blanvalet.de
Liebe Leser*innen,
dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte.
Deshalb findet sich am Ende des Buchs eine Triggerwarnung.
Achtung: Diese enthält Spoiler für das gesamte Buch.
Wir wünschen allen das bestmögliche Leseerlebnis.
»Ich will Ben Jenkins, nicht Asher Scott.«
Diese Worte gingen ihm jedes Mal wieder durch den Kopf, wenn er an seiner alten Highschool vorbeikam.
So lauteten ihre Worte.
Er war stets die Nummer zwei gewesen. Der Schatten desjenigen, der bei allen zugleich Schrecken und Bewunderung verbreitete. Der Schatten seines Cousins.
Die Leute benutzten ihn, um sich mit seinem Cousin anzufreunden, Unaufrichtigkeit war der Kern sämtlicher freundschaftlicher Bande und Liebesbeziehungen, die er bis dahin geknüpft hatte.
Aber alles hatte sich geändert, als das Mädchen – dieses Mädchen – diese Worte zu ihm gesagt hatte.
»Ich will Ben Jenkins, nicht Asher Scott.«
Diese Worte spukten noch immer in seinem Kopf herum, auch wenn sie schon lange nicht mehr Teil seines Lebens war.
Und all das war ganz allein seine Schuld.
Am Anfang
Drei Uhr morgens. Ich musste schlafen.
»Schau dir das hier mal an.«
Ich nieste, als Ash mir eine staubige Akte hinwarf.
Verdammt, das Archiv ist so staubig wie eine Mumienmöse.
Mein Cousin zündete sich die tausendste Zigarette an, während ich die betreffenden Dokumente durchblätterte. Scheiße, Scheiße … und noch mehr Scheiße.
»Nein, das ist nur irgendwelcher Vertragsquatsch.«
Seit zwei Stunden suchten wir nun schon nach Papieren, die wir meinem Cousin Kyle nach England schicken wollten. Ich stand auf, um noch ein paar Dokumente durchzugehen, während Ash still irgendwelche Sachen unterschrieb.
»Dein neues Haus ist ziemlich … durchsichtig«, sagte ich, während ich die Regale durchwühlte.
»Ich weiß.«
Vor ein paar Tagen hatte er ein Haus ohne eine einzige durchgehende Außenmauer gekauft sowie alle freien Grundstücke im Umkreis. Keine durchgehende Wand, nur Fensterfronten.
In Bezug auf Privatsphäre gab es sicher Besseres.
»Wenn du was verstecken willst, zeig es allen. Niemand wird neugierig, wenn alles offen zutage liegt.«
Nachdem er diesen Satz geschnaubt hatte, widmete er sich wieder seinen Unterschriften. Vermutlich hatte er sich die großen Fensterfronten ausgesucht, weil Onkel Rob so etwas sehr gut gefallen hätte. Vielleicht hatte er ihretwegen den Eindruck, dass er noch bei ihm wäre. Es war das Gleiche wie bei mir und dem schwarzen Armband an meinem Handgelenk. Dem Armband von Bella. Diese junge Frau … war das Beste, was mir je passiert war.
Aber wie üblich bau ich Scheiße.
Noch heute erinnerte ich mich an den Abend, an dem man mir angekündigt hatte, dass es auf meiner Scheißhighschool eine Neue gebe.
»… müde.«
Es war elf Uhr abends oder so. Wir spielten ein Scheißspiel auf einer Scheißkonsole. Wir waren an diesem Abend eigentlich auf eine Party bei einem unserer Kumpel eingeladen, aber ich war zu müde, um mich aufzuraffen. Auch wenn es, ehrlich gesagt, noch einen anderen Grund gab, warum ich nicht hingehen wollte.
»Ist mir nur recht, ich häng sowieso nicht so gern mit den Idioten von der Highschool rum«, erwiderte Ash und warf sein Handy auf das Sofa, bevor er seinen Controller wieder in die Hand nahm. Ohne ihm zu antworten, spielte ich einfach weiter, bis wir genug hatten.
Mein Cousin zog eine Zigarette aus der Tasche und setzte sich damit ans offene Fenster. Schweigend zündete er sie an, während sein Telefon ununterbrochen vibrierte, weil er tonnenweise Nachrichten bekam. Meins lag ausgeschaltet auf dem Nachttisch neben meinem Bett. Selbst wenn es eingeschaltet gewesen wäre, hätte das nichts geändert.
Während er leise den Rauch ausatmete, vertraute er mir an: »Ich habe zufällig gehört, wie Onkel Hector gestern Abend über Papas Netzwerk gesprochen hat.«
Schon wieder und immer nur dieses Netzwerk. Wenn man bedachte, dass wir es eines Tages selbst führen sollten!
»Er hat gesagt, und ich zitiere: ›Warum schließen wir keinen Pakt mit Sienna?‹«
Ich brach umgehend in schallendes Gelächter aus. Onkel Hectors Tochter war für alles Mögliche geeignet … nur nicht dafür, das Netzwerk zu führen. Das war viel zu gefährlich, und alle wussten es.
»Du und Sienna, oder wie?«, fragte ich, als ich mich wieder beruhigt hatte.
Mein Cousin nickte mit einem kleinen spöttischen Lächeln auf den Lippen. Er zog noch einmal an seiner Zigarette und schüttelte dann fassungslos den Kopf. In diesem Moment öffnete sich abrupt die Tür. Kyle kam zusammen mit Sam und einem Stapel Pizza in mein Zimmer gestürmt. Dieser improvisierte Abend versprach besser zu werden als die Scheißfete.
»Was treibt ihr denn hier?«, fragte Kyle erstaunt.
»Ich wohne hier«, antwortete ich.
»Wolltet ihr denn nicht auf ’ne Party?«
»Keinen Bock«, erwiderte Ash genervt.
Dann ließen sich Sam und Kyle auf das Sofa fallen.
»Okay, Jungs, ich habe einen Plan«, erklärte Kyle hinterlistig. »Ich habe Kiara gesehen, ich glaube, sie hat ein Date oder so was …«
»Nein«, sagte Ash, »lasst sie in Ruhe.«
Wir wussten über Kiaras Date Bescheid, sie traf sich mit einem Mädchen, das sie in der Bibliothek kennengelernt hatte. Außerdem wussten wir, dass sie uns einen Kopf kürzer machen würde, wenn wir ihr dazwischenfunkten.
»Gibt es irgendwas Neues über die Nachfolge?«, fragte Kyle und nahm sich ein Stück Pizza.
Ash warf seine Zigarettenkippe aus dem Fenster und antwortete: »Onkel Hector schlägt uns einen Pakt mit Sienna vor.«
Unsere beiden Cousins prusteten beide vor Lachen los. Dann vertraute Kyle uns an: »Ich habe gehört, wie Papa und Onkel Rob darüber gesprochen haben. Am Anfang dachte ich, es würde auf dich und Ben oder dich und mich rauslaufen – aber du und Sienna …«
»Genau, wir haben Onkel Rick Tränen lachen hören«, legte Sam nach.
»Eben!«
Wir näherten uns allmählich dem Punkt, an dem ein Nachfolger benannt werden musste, der nächste Leiter des Netzwerks meiner Familie, auch wenn wir alle wussten, dass es Ash sein würde. Ich selbst wollte diese Verantwortung gar nicht haben, und meiner Meinung nach war auch niemand außer Ash dafür geeignet. Zumindest war niemand so gut darauf vorbereitet wie er.
Die beiden Clowns, die mit uns hier saßen, konnte ich mir jedenfalls nur schwer in dieser Rolle vorstellen.
»Lasst uns von was anderem sprechen. Ich hab wirklich genug davon, ständig nur über das Netzwerk zu reden! Es geht die ganze Zeit um nichts anderes, beim Essen, beim Trinken, beim Atmen«, maulte Sam.
»Beim Ficken«, fügte Kyle hinzu.
»Du fickst überhaupt niemanden«, entgegnete Sam genervt.
»Habt ihr schon die Neue auf der Highschool gesehen?«
Ich zog die Brauen zusammen. Ich hatte noch gar nichts von einer Neuen mitbekommen.
»Letzte Woche haben wir ein paar Kurse verpasst«, sagte Ash und ließ sich neben mich auf die Couch fallen.
»Ich finde sie niedlich«, sagte Sam und rollte sich einen Joint.
»Nimm Ash mit, wenn du sie anquatschen willst. Vielleicht interessiert sie sich dann für dich.«
»Ach, halts Maul, Kyle«, bügelte Ash ihn ab.
Auch wenn Kyle nicht unbedingt das glaubte, was er gerade gesagt hatte, lag doch ein großes Stück Wahrheit in seinem Satz. Ich hing oft mit Ash zusammen auf der Highschool rum, und die Leute redeten nur mit mir, weil sie meinen Cousin anhimmelten. Es war ein bisschen wie bei der Party heute Abend, zu der ich nur eingeladen worden war, um Ash mitzubringen. Mir war klar, dass die Einladung nicht mir galt, sondern ihm.
Am Anfang verstand ich nicht, warum sich die Leute so sehr um seine Freundschaft bemühten. Ash war zu allen unglaublich abweisend, er prügelte sich oft, schwänzte die Schule, redete mit niemandem. Kyle hatte mir erklärt, dass es daran lag, dass ihn alle für einen bösen Buben hielten. Und die Leute sind eben von den bösen Buben fasziniert.
Als er sich dann noch bei der Footballmannschaft der Highschool angemeldet hatte, war er zum Abziehbild des populären Schülers geworden. Die Mädels sabberten buchstäblich, wenn er vorbeikam, und malten sich aus, wie es wäre, mit ihm einen Quickie in der Umkleidekabine zu schieben.
Rasch war ich so zum Cousin des beliebtesten Jungen geworden. Am Anfang hatte mich das nicht gestört. Alle waren nett zu mir, ich kriegte alle Mädchen, die ich haben wollte, und die Kerle integrierten mich in ihre Cliquen. Doch wenn Ash einmal nicht zur Schule kam, wurde kaum Notiz von mir genommen. Ich war der Cousin von Ash Scott, und war Ash nicht da, wurde ich einfach wieder zu Ben.
Es klopfte an meine Tür.
»Versteckt die Joints, wenn ihr nicht wollt, dass ich sie sehe«, warnte uns mein Onkel und trat dann ein.
Sam flitschte seinen Joint sinnigerweise ans andere Ende des Zimmers.
In einem Wimpernschlag wischte ich all diese unangenehmen Erinnerungen beiseite. Nur die Müdigkeit ist dafür verantwortlich.
Onkel Rob fehlte mir schrecklich, genau wie Bella.
»Du bist ziemlich still«, bemerkte Ash schließlich. »Denkst du an sie?«
Ich lachte auf. Ich musste das Thema wechseln. »Glaubst du denn, dass Fische die Vögel des Ozeans sind? Weil sie durchs Wasser fliegen?«
Meine Replik brachte ihn seinerseits zum Glucksen. »Wahrscheinlich schon«, antwortete er spöttisch.
Ich grinste breit. Natürlich war das ein Ja! Ich griff mir eine staubige Akte zwischen zwei Aktendeckeln, auf der mit Rot »UK confidential« stand.
Jackpot, Baby.
»Ich glaub, ich hab’s.«
Als ich ihm das Dokument hinwarf, hörte er auf, seine Verträge durchzublättern. Die Akten hatten Vorrang. Er überflog die Seiten, dann erschien ein Grinsen auf seinem Gesicht – ein gutes Zeichen.
»Super, wir haben es gefunden.«
Ein erleichtertes Seufzen kam mir über die Lippen. Na endlich! Ich kann endlich heimgehen und Winterschlaf halten.
»Bleibst du noch?«
Meine Frage war dumm: Natürlich würde er noch bleiben. Ich danke dem Himmel dafür, dass er mir einen weniger ätzenden Job geschenkt hat.
»Rick will mir eine neue Gefangene beschaffen«, seufzte er und fuhr sich mit der Hand durchs Haar.
Ich warf ihm einen verblüfften Blick zu. Schon wieder? »Er hat es aber eilig.«
»Ich bring sie um, das ist alles.«
Ich schüttelte den Kopf. Sein Verhalten brachte mich auf die Palme, aber Ricks noch mehr. Und all das nur wegen dieser Jones-Nutte.
»Wann?«
Meine Frage schien ihn zu verärgern. Mit finsterem Blick schnaufte er genervt durch. »Keine Ahnung, und es ist mir auch scheißegal, ich will keine.«
Ich nickte. Ich hatte keine Lust, mich mit ihm zu streiten. Ich bin zu müde, um mich um halb vier Uhr morgens anbrüllen zu lassen.
Ich verabschiedete mich und verließ dann das Archiv. Ich stieg die Treppe nach oben und hörte in der Ferne das Gebrumme der Lastwagen und der Männer, die zu dieser späten Stunde noch schufteten. Um diese Uhrzeit schliefen sonst alle, während es hier im Hauptquartier der ideale Zeitpunkt war, um Dinge abgearbeitet zu bekommen.
Unterwegs dachte ich noch mal über Ashs Bemerkung nach. Übrigens hatten Kiara, Ash und ich uns in genau diesem Raum vor fast fünf Jahren zum ersten Mal über Bella unterhalten.
»Also, wie ist es gewesen?«, fragte ich Kiara, die sich auf ihrem Schreibtischstuhl im Kreis drehte, statt mir dabei zu helfen, die Dokumente abzuheften.
Eines Tages würde sie dafür bezahlen. Eines Tages würde ich keinen Finger rühren.
»Nicht so toll«, schnaubte sie und meinte ihr Date. »Sie hat einen furchtbaren Musikgeschmack. Und Musik ist wichtig.«
Als ich auflachte, bewarf sie mich mit einem Stift und verschränkte die Arme.
»Wo ist Ash?«, fragte die Hexe mich dann.
»Das letzte Mal, dass ich ihm begegnet bin, war … irgendwo.«
Sie verdrehte die Augen, während ich verstohlen lächelte. Verdammt, diese Hexe war wirklich mein liebster Zeitvertreib. Kiara war die Tochter der besten Freundin meiner Mutter Gemma Scott. Und genau wie Ashs Schwester Abby war sie nervtötend, hinterhältig und hatte einen Scheißcharakter.
»Wenn ich eine Figur aus einem Disneyfilm wäre, wer wäre ich dann deiner Meinung nach?«
Ich lachte schallend los, weil ich an die Böse aus 101 Dalmatiner denken musste. »Bei deinem Make-up? Cruella.«
Ich versuchte, ihr zu entkommen, denn sie drohte, mich bei lebendigem Leib zu zerreißen.
»Okay, Jenkins, willst du dieses Spiel wirklich spielen?«, forderte sie mich heraus. »Sag, dass ich eine Prinzessin bin, sonst verrate ich Ash, dass du sein Lieblingsspiel kaputt gemacht hast.«
»Du hast so wenig Selbstwertgefühl, das ist wirklich verrückt«, erwiderte ich fassungslos angesichts ihrer Drohung.
»Willst du es darauf ankommen lassen?«, drohte die Hexe weiter und zog dann ihr Handy hervor, um die Nummer meines Cousins einzutippen.
»Worauf denn ankommen lassen?«, fragte Ash, als er den großen Archivsaal betrat.
Ich nutzte die Gelegenheit, um mich wieder hinzusetzen. »Kiara hat Gummis gekauft und wollte sie testen«, log ich, während sie mit dem Mund ein »O« formte. »Siehst du, schau sie dir an, sie macht sich schon fürs Vorspiel bereit.«
Ich lachte laut los, während sie mit einer Akte nach mir warf. Ash lachte ebenfalls und setzte sich neben mich.
»Dein Date ist wohl nicht so verlaufen, wie du es dir gewünscht hast, wenn du jetzt sogar mit Ben vögeln willst«, legte er in spöttischem Ton nach.
Jetzt lachte sie auch. Mir wurde klar, dass er die Situation gegen mich gewendet hatte.
»He! Kiara ist hier die Zielscheibe!«
»Fick dich ins Knie, Ben!«, schleuderte sie mir entgegen und rollte mit den Augen. »Ich habe Sam und Kyle getroffen, und sie haben mir erzählt, dass es eine Neue bei euch an der Highschool gibt.«
Ash nickte. »Wir mussten arbeiten, als sie zum ersten Mal da war.«
»Du weißt schon, dass die anderen glauben, unsere Eltern wären irgendwelche hochrangigen Persönlichkeiten, oder?«, sagte ich lächelnd.
»Bei den Leibwächtern, die am Ende des Unterrichts auf euch warten, und den großen schwarzen Limousinen, die euch an der Schule absetzen«, zählte Kiara auf, »tut ihr mir wirklich leid. Ich habe in meinem Fernunterricht wirklich eine Bombenzeit.«
Ash kicherte. »Ich mag meinen Supermarkt gern.«
Damit meinte er unsere Highschool – die Produkte waren die Mädchen, die sich ihm freudig hingaben.
»Du wirst schon sehen, eines Tages kommt eine Frau, wegen der du all die anderen vergisst, die sich dir an den Hals werfen«, entgegnete Kiara und blickte dabei den bösen Buben vom Dienst an. »Dann wirst du ihr zu Füßen liegen.«
»Klar, Kiara!«, erwiderte er ironisch. »Falls dieser Tag irgendwann kommt, was ich nicht hoffen will, dürft ihr euch gern über mich lustig machen.«
Ich rieb mir in böser Vorfreude die Hände. »Ist ja nicht so, als ob wir das nicht sowieso schon machen würden.«
Er machte den Mund auf, schloss ihn aber sofort wieder und boxte mir stattdessen einfach gegen die Schulter. Ich tat so, als ob er mir furchtbar wehgetan hätte, und übertrieb schrecklich. Ich hätte Schauspieler werden sollen, verdammt. Ben Cruise.
»Also gut, ich hab jetzt genug«, murrte ich und schob die übrigen Dokumente von mir weg. »Du drehst Däumchen, während ich die ganze Arbeit für dich mache.«
Kiara zeigte mir mit einem hinterhältigen Grinsen den Mittelfinger. Ich stand kurz davor, ihr an die Gurgel zu gehen und ihr das Maul mit ihrem Arm zu stopfen.
»Und ich geh jetzt nach Hause«, erklärte Ash. »Wir treffen uns morgen früh wieder.« Damit stand er auf, streckte sich, verabschiedete sich von uns und verließ den Raum.
»Bist du nicht auf eine Party eingeladen?«, fragte mich Kiara.
Ich zuckte mit den Achseln. »Ash war nicht so heiß drauf.«
»Aber du warst doch eingeladen.«
»Wir wissen beide sehr genau, warum mich diese Bauern eingeladen haben«, sagte ich und legte den Kopf auf der Tischplatte ab.
Sie seufzte. »Halte dir einfach vor Augen, dass du sie ab nächstem Jahr nie mehr wiedersehen wirst.«
»Manchmal beneide ich Ash«, gab ich zu und verzog das Gesicht. »Ich existiere nur, solange er in der Nähe ist. Selbst in den Augen der Mädchen. Erinnerst du dich an die, die mir so gefallen hat?«
Sie schürzte die Lippen. Kiara wusste genau, auf wen ich anspielte. Es hatte im zweiten Jahr mal ein Mädchen gegeben, das mir gefiel, aber sie wollte nichts von mir wissen. Sie war nur in der Absicht mit mir ausgegangen, dadurch an ihn ranzukommen, und irgendwann hatte sie zu mir gesagt: »Immer wenn ich dich küsse, denke ich dabei an Asher.«
Diese Nutte hatte mein Selbstbewusstsein gevögelt. Scheiß Lexie.
»Die können dir doch alle am Arsch vorbeigehen«, sagte Kiara bestimmt. »Das Wichtigste nach deinem Abschluss ist das Netzwerk.«
Ich nickte und atmete erschöpft durch. In meiner Vorstellung hätte sich die Highschool ganz anders abspielen sollen.
Ich hatte mir vorgestellt, dass es die beste Zeit meines Lebens sein würde. Nur war unsere Highschool nicht anders als alle anderen, die Kids dort standen vor allem auf die beliebten Schüler und die Mitglieder der Footballmannschaft. Ganz zu schweigen von den Kerlen, die einen auf große Macker machten. Und dreimal dürft ihr raten, wer zu allen drei Kategorien gehörte. Hinweis, er fing mit »A« an und hörte mit »Sher« auf.
Ich hatte natürlich schon versucht, Freundschaften zu schließen, ohne auf das Etikett »Cousin von Ash Scott« zurückzugreifen, das mir immer an der Stirn klebte. Aber selbst im Leseklub sahen sie nur ihn in mir. Sie hatten meine Aufnahme mit der Begründung abgelehnt, dass »Asher kein guter Umgang ist und du deshalb auch nicht«.
Die Neue war wirklich auf einer beschissenen Highschool gelandet. Aber gut, ich erwartete, dass sie Ashs Charme auf jeden Fall erliegen würde. Wie alle anderen auch.
Ich gab ihr weniger als eine Woche, bevor sie ein Teil seiner endlos langen Liste von Eroberungen wäre.
Ich gluckste auf. Was war ich doch für ein Idiot.
Ich liebe sie noch immer wie verrückt.
Und genauso sehr hasste ich mich dafür, ihr wehgetan zu haben. Ich hoffte, dass sie glücklich war. Ohne mich. Auch wenn es umgekehrt nicht so war.
»Ich will Ben Jenkins, nicht Asher Scott.«
Heimgesucht
»Ich habe wirklich mehr als genug davon, dass Rick mir ständig vorschreibt, was ich zu tun und zu lassen habe.«
Rick ließ nicht locker. Er hatte unbedingt vor, eine neue Gefangene für Ash zu finden, auch wenn der Herr schon zwei von ihnen umgebracht und eine dritte in die Flucht getrieben hatte, und das in nur wenigen Monaten.
Ja, er ist unbeherrscht. Asher, der Schreckliche.
Bei meinem eigenen Gedanken musste ich leise lachen und dafür handelte ich mir einen wütenden Blick ein. Ich räusperte mich, dann zuckte ich mit den Schultern.
»Du musst ihm einfach nur sagen, dass du keine willst, oder?«
»Ach, verdammt!«, rief er in gespielter Verblüffung. »Warum hab ich daran nur nicht früher gedacht? Du bist wirklich ein Genie!«
Außerdem stellte er sich zu sehr an! Eine Gefangene zu haben, bedeutete, ihr die Hälfte der Arbeit abtreten zu können, so war es wenigstens bei mir und Sabrina.
Es muss sich ja lohnen.
»Okay, Jenkins«, setzte Ash an, »weißt du, was? Mir ist das alles scheißegal … Nein, ich werde …«
Er tigerte im dunklen Zimmer herum und suchte nach den Worten, mit denen er seinen Gedanken Ausdruck verleihen konnte. In der Zwischenzeit trieb ich mich ein bisschen auf den sozialen Netzwerken herum.
»Ich bringe sie um«, erklärte mein Cousin schließlich mit seiner rauen Stimme, offenbar hatte er den Anspruch, zu einem verdammten Serienmörder zu werden.
Asher, der Gefangenenschlächter.
»Ja, ja«, schnaufte ich, ohne seinen Worten die geringste Bedeutung beizumessen.
Er würde es sowieso nicht machen. Kein drittes Mal. Zum einen, weil er nicht gern Menschen umbrachte. Bei den beiden Gefangenen … war es anders gewesen. Außerdem, weil er wusste, dass ihm sein Titel als Leiter des Netzwerks entzogen werden könnte, wenn er anfinge, Mist zu bauen.
Ich scrollte durch die Tweets, während er weiter vor sich hin brabbelte. So verhielt er sich jedes Mal, wenn er das Gefühl hatte, die Kontrolle zu verlieren.
»Stell dir mal vor, dass Bella eines Tages in die Stadt zurückkommen würde.«
Meine Bemerkung ließ ihn abrupt innehalten, was genau die Wirkung war, die ich hatte erzielen wollen.
»Nein«, erwiderte er stirnrunzelnd.
»Ich hab gesagt: ›Stell es dir vor.‹«
»Einverstanden. Und du stell dir vor, dass ich in deiner Vorstellung Nein sage.«
Seufzend strich ich über Bellas Foto, das ich vor ein paar Jahren aufgenommen hatte. Das war eine dumme Idee von Ash gewesen.
»Hör auf, sie so anzugaffen, man könnte dich glatt für einen Perversen halten.«
Ich spürte meine Wangen heiß werden. Ash lachte laut auf, als er sah, wie ich vor Scham rot anlief. Meine Augen blieben allerdings weiterhin auf den Neuzugang an meiner Highschool gerichtet.
Isabella Grace. Sie war, verdammt noch mal, wunderschön!
»Warum gehst du nicht rüber und sprichst sie an?«, fragte mein Cousin und biss von seinem Sandwich ab.
»S… Sie ansprechen? Nein, nein, nein«, stotterte ich und wandte den Blick ab. »Das ist kein Mädchen für mich.«
»Wenn du nicht vorhast, sie anzusprechen, hör auch auf, sie anzustarren, als ob du in der Umkleidekabine über sie herfallen wolltest.«
Ich schluckte und versuchte, mein Interesse an der Neuen aufzugeben, die ein bisschen weiter weg von uns mit zwei Mädchen aus meiner Klasse aß. Als Ash sich umdrehte, hoffte ich inständig, dass sie ihn nicht bemerken würde. Aber im selben Moment drehte Isabella den Kopf und lächelte sanft. Es war ein Lächeln für Ash. Natürlich. Der winzige Hoffnungsschimmer, der noch in mir geglommen hatte, erlosch umgehend, sie interessierte sich ganz offenbar nicht für mich.
Ash aß hingegen gleichgültig weiter.
»Warum hast du sie angeschaut?«, fragte ich ihn mit einer eifersüchtigen Spitze in der Stimme.
Verständnislos runzelte er die Stirn. »Wen denn? Grace?«
Ich nickte. Ich war davon ausgegangen, dass er absichtlich in ihre Richtung geschielt hatte, aber beweisen konnte ich es nicht.
»Hast du sie noch alle? Ich hab nur zu Kyle gesehen, der seit vorhin die Schnecke aus dem zweiten Jahr anmacht.«
Er neigte den Kopf und deutete auf unseren Cousin, der mit dem Rücken an die Ziegelmauer gelehnt dastand und ins Gespräch mit einem Mädchen mit grünen Haaren vertieft war.
»Ich lass die Finger von Frauen, auf die es schon ein anderer abgesehen hat«, versicherte mir Ash genervt, »aber ich finde trotzdem immer noch, dass du aufhören solltest, sie so anzugaffen.«
Ich lächelte. Die Botschaft war angekommen.
»Du kannst ja ein Foto machen und es auf deinem Handy speichern, wenn du willst. So würde ich es machen, wenn ich sie gern stundenlang anschauen wollte, ohne ihr zu zeigen, dass sie mir gefällt.«
»So was hast du schon mal gemacht?«, fragte ich ihn mit skeptischem Blick.
»Bis jetzt hat mir noch kein Mädchen so sehr gefallen, aber so würde ich es an deiner Stelle machen.«
Die wenigen Fotos, die ich von ihr hatte, zogen jetzt an meinen Augen vorüber. Mir fehlte ihr engelsgleiches Gesicht. Sie gehörte zu den Mädchen, die oft lächeln und laut lachen.
Dieses Lachen. Sie lachte über alle meine Witze, sogar über die blödesten.
»Hörst du mir eigentlich zu?« Ash riss mich aus meinen Tagträumen. Mit verschränkten Armen musterte er mich.
»Äh, ja, ja«, stotterte ich.
»Also, was hältst du davon?«
Mist. Wovon redete er?
»Das ist eine sehr schlechte Idee«, sagte ich, als ob ich Bescheid wüsste, worum es ging.
Wortlos sah er mich an, dann erschien ein schmales spöttisches Lächeln auf seinen Lippen.
Okay. Er weiß, dass ich ihm nicht zugehört habe. Scheiße.
Er zog eine Zigarette aus seinem Päckchen und zündete sie an. Der Geruch des Tabakrauchs stieg mir in die Nase, sodass ich Lust bekam, mir ebenfalls eine anzustecken.
»Wann kommt sie an?«
Auf meine Frage hin verdrehte er seufzend die Augen. »Hab ich’s doch gewusst, du hast mir von Anfang an nicht zugehört.«
Ich zuckte mit einem kleinen bedauernden Lächeln mit den Achseln, dann wich ich einem Buch aus, das er nach mir warf.
Ich lachte, und er erklärte mir müde: »Heute Abend.«
Ich riss die Augen weit auf. Schon? »Aber das ist doch zu früh!«
»Genau das habe ich vor fünf Minuten gesagt.«
Seine Antwort entlockte mir ein leichtes Lächeln, und ich fragte ihn: »Okay, aber wozu wolltest du meine Meinung hören?«
»Dazu, ob du ein Arschloch bist. Ich wollte wissen, wie du zu diesem Thema stehst.«
Er lächelte, und ich tat es ihm gleich, um nicht ein weiteres Buch abzubekommen.
Mein Telefon vibrierte. Es war Rick. Ich zeigte Ash das Display, und mein Cousin forderte mich auf, ihn wegzudrücken.
»Glaubst du, sie ist angekommen?«
Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr: »Sie hat Verspätung.«
Wir saßen in Ashs Büro im dritten Stock. Ganz nebenbei gesagt, seine Bude war riesig. Ich hatte sie noch nicht mal ganz besichtigt, aber ich wusste, dass es sowohl eine Garage als auch einen Keller mit einem beschissenen Schießstand gab. Rick, Kiara und Sabrina hielten sich im Versammlungsraum im zweiten Stock auf.
Ich stand auf, um ihn dazu zu bewegen, zu ihnen zu gehen. Knurrend folgte er mir. Der Butler wartete unten am Eingang auf Ashs zukünftige Gefangene.
Ich bin gespannt, wie sie aussieht.
Sobald wir das Zimmer am Ende des Gangs betraten, richteten sich die Blicke des Rests der versammelten Gruppe auf uns. Kiara schnaubte mit entnervter Miene.
Ich verstellte meine Stimme, sprach ganz hoch und legte meinem Cousin die Hand auf die Brust, der mir daraufhin fast die Finger gebrochen hätte.
»Also, guten Abend, ich heiße Benny und bin Ashs neue Gefangene.«
Sabrina lachte glucksend und sah dabei Ash mit ihren Rehaugen an. Verdammt, sie konnte einfach nicht von ihm ablassen. Sie erinnerte mich an sämtliche Mädchen unserer Highschool.
»Habt ihr Ash gesehen?«, fragte eins der Mädchen hinter mir. »Er war heute Morgen beim Training so sexy.«
»O ja! Sein Körper, seine Muskeln, ich kriege eine Gänsehaut, wenn er mich anschaut«, stöhnte die Zweite.
»Er schaut dich an?«, fragte ihre Freundin erschrocken.
Ich aß alleine. Ash war kurz vor der Pause gegangen, weil es ein Problem im Netzwerk gab. Die Mädchen saßen hinter mir und redeten von meinem Cousin, als ob er ein Gott wäre, was mich vollkommen aus der Fassung brachte.
Als ich Kyle und Sam entdeckte, war ich plötzlich erleichtert, nicht mehr allein essen und Ashs Namen aus dem Mund dieser Mädchen hören zu müssen.
»Du ziehst ja vielleicht eine Fresse«, bemerkte Sam, als er sein Tablett abstellte.
»Ich bin müde«, erklärte ich und sah ihnen dabei zu, wie sie sich hinsetzten.
»Wo ist denn der Blonde?«, fragte Kyle und nahm einen Bissen seines nicht sehr appetitlichen Gerichts.
»Er ist los we…«
Als Isabella den großen Saal betrat, hielt ich inne. Sie sah sich nach den Mädels um, mit denen sie üblicherweise zu Mittag aß. Während sie sich umschaute, kreuzten sich unsere Blicke. Und sie lächelte mich an.
Sie lächelte mich an.
Das Herz wäre mir beinahe aus der Brust gesprungen.
»Sabrina? Weißt du, wenn Ashs Gefangene hübscher ist als du, schlage ich ihm einen Tausch vor«, vertraute ich ihr an, als ich aus meinen Tagträumen wieder auftauchte.
Ash schnaubte verärgert und sie kicherte. Diese Frau war ebenso egozentrisch wie Ash.
»Du wirst nie eine finden, die hübscher als ich ist, Ben. Unmöglich.«
»Ganz bestimmt!«, warf Kiara ein und verdrehte die Augen.
Wir saßen alle auf den neuen lederbezogenen Bürostühlen, die auch noch ganz neu rochen. Ashs Blick war finster, seine Kiefer waren angespannt. Ein schlechtes Zeichen.
»Und wenn Ash sie umbringt?«, fragte Kiara Rick.
»Das wird …«
Ein Klopfen an der Tür unterbrach meinen Onkel. Meine Neugier wuchs noch ein bisschen mehr. Ich konnte es kaum erwarten zu sehen, wie das neueste Mitglied unserer kleinen Gruppe aussehen würde.
Rick ging zur Tür und öffnete sie leise. Dahinter stand Carl.
»Du hast ja ganz schön lange gebraucht!«, rief Rick.
»Entschuldige, es war ziemlich viel Stau, ich musste auf Nebenstraßen ausweichen«, verteidigte sich Carl.
Rick stand so, dass wir die junge Frau nicht sehen konnten, was uns außerordentlich ärgerte.
»Verdammt, Rick, geh zur Seite!«, flüsterte Sabrina.
»Ich kann sie nicht sehen«, murmelte ich.
»Ich auch nicht«, ärgerte sich Kiara und reckte sich ein bisschen.
Rick schob sich schließlich beiseite. Meine erste Reaktion war, die Augen aufzureißen. Verdammt, die war wirklich unglaublich hübsch.
Allerdings sieht sie der Isobel-Nutte ein bisschen zu ähnlich … was ganz und gar nicht gut ist.
Sie schien Angst zu haben. Man hätte fast meinen können, es wäre das erste Mal, dass sie als Gefangene arbeitete.
Das ist wirklich alles ziemlich merkwürdig.
»Ich beende dieses Treffen mit einer kategorischen Ablehnung«, erklärte Ash und stand von seinem Stuhl auf.
Jetzt geht es los!
»Ash, spiel nicht den Schwierigen. Sie ist perfekt fürs Geschäft, ihr ehemaliger Besitzer hat mir gesagt, dass sie sehr große Initiative zeigt«, erklärte Rick.
Ja, pah, ihr Besitzer redet ja von ihr, als ob sie eine Prostituierte wäre.
»Ich will aber keine neue Gefangene, Rick! Sieh sie dir doch an, verdammt, sie sieht aus wie ein Zombie! Sie nutzt uns überhaupt nichts, außer dass wir mit ihr einen weiteren Tiefpunkt erreichen.«
»Red doch keinen Unsinn, sie ist wundervoll!«, erwiderte mein Onkel. »Genau wie du sie magst.«
Vielleicht sogar ein bisschen zu sehr …
Mein Onkel flüsterte der Gefangenen irgendetwas zu und sie wich zurück.
»Wenn du willst, kann ich sie für dich ausprobieren, Ash. Sozusagen um herauszufinden, wie sie sich im Gelände schlägt …«
Mein Satz sollte eigentlich nur die Atmosphäre ein bisschen auflockern, aber stattdessen schien er die hübsche Gefangene anzuwidern. Na ja.
»Du kannst sie haben, Geschenk des Hauses.«
Jackpot! Zwei Gefangene zum Preis von einer.
»Ben kann aber nicht zwei Gefangene haben, Ash, das ist nicht verhandelbar.«
Was für ein Neidhammel.
Kiara flüsterte Sabrina zu, dass sie Jones ähnlich sah. Na also, ich war also nicht verrückt. Ups … ich glaube, Ash hat das gerade auch gehört …
»HAUTABVONHIER!«, brüllte er. »UNDNEHMTSIEMIT!«
Ich schloss die Augen. Ja, er hatte es gehört und würde gleich irgendeine Scheiße bauen, das spürte ich.
Ich habe einen besonderen Spürsinn. Als ich jung war, habe ich als Schäferhund bei der Polizei gearbeitet. Das stimmte zwar nicht, war aber witzig.
»Genau das hätte er von dir gewollt.«
Rick schlägt Ashs empfindliche Saite an, indem er seinen Vater erwähnt. Haken dran.
Er drehte sich zu uns um, durchbohrte Rick mit seinem Blick und spie ihm dann entgegen: »Ohne ihn hätte ich gar nichts mit euren verdammten Scheißgeschäften zu tun.«
Das war die Wahrheit. Am Anfang hatte er in der Scott’s Holding Company arbeiten wollen, aber die Stelle war inzwischen an jemand anderen vergeben worden.
»Aber jetzt, wo es so ist, musst du die Geschäfte so führen, wie er es getan hat. Sie gehen sehr schlecht, das weißt du.«
»Und darum brauchst du auch deine neue Gefange…«
»Halt den Mund, Kiara!«
Na los! Schwing dich auf deinen Besen, du Hexe.
Carl, der die Gefangene gebracht hatte, verließ das Zimmer, und Ash folgte ihm. Die Gefangene massierte sich den Arm, ein Zeichen dafür, dass sie nicht gut behandelt worden war. Carl hatte wirklich noch nie ein Händchen für Frauen.
»Also gut! Jetzt, wo das Problem gelöst ist, darf ich mich dir vorstellen. Ich heiße Rick und das hier sind Ben, Kiara und Sabrina.«
Die beiden Idiotinnen hoben kurz die Hand, während die Neue sich zu einem Lächeln zwang. Es war offensichtlich, dass sie nicht hier sein wollte. Aber das verstand ich nicht … Sie musste doch einfach nur ablehnen, oder? Schließlich wurde keine Gefangene gezwungen, ohne ihr Einverständnis mit einem Besitzer zusammenzuarbeiten.
»Dein ehemaliger Besitzer hat einen ziemlich hohen Preis für dich verlangt«, fuhr mein Onkel fort. »Ich hoffe, dass ich die richtige Wahl getroffen habe …«
»Mein Angebot steht noch immer, hm«, sagte ich mit einem Augenzwinkern.
»Einer von euch muss jetzt Ash fragen, wo seine neue Gefangene schläft.«
Das kam nicht infrage. Ich spürte schon Ricks harten Blick auf mir. »Geh doch selber! Ich habe Besseres zu tun, als an ein Krankenhausbett gefesselt zu sein!«
Wenn ich jetzt zu meinem Cousin gehen und mich seinen Wutanfällen stellen würde, würde er mich als Punchingball benutzen, auch wenn es schon eine Weile her war, dass er Boxen gegangen war, um sich abzureagieren … Ich gehe da lieber kein Risiko ein.
»Kann ich gehen?«, fragte Sabrina.
»Nein«, sagten Rick und ich wie aus einem Munde.
Dann sah er unvermittelt Kiara an und ich jubelte innerlich. Als ich mich mit einem hinterhältigen Lächeln zur Hexe umdrehte, tötete sie mich mit Blicken. Sie schüttelte den Kopf, gab aber ein paar Sekunden später nach.
»Ich hasse euch alle, ihr verdammten Feiglinge«, murmelte sie und verließ dann das Zimmer.
Ein Gefühl der Befriedigung ergriff von mir Besitz. Ah, was für eine Freude!
Nach einigen Minuten der Stille hörten wir schließlich Ash brüllen. Ich schnaubte entnervt. Oh, bitte, mach, dass das schnell wieder aufhört!
Kiara kehrte ohne Ash ins Zimmer zurück. Rick ergriff daraufhin den Arm der hübschen Gefangenen. Nur kam in diesem Moment Ash hereingestürmt und hätte beinahe die neue Tür zertrümmert. Dann zerrte er die Gefangene mit sich und verschwand in einem der zahlreichen Gänge des Hauses. Na endlich, es ist vorbei!
»Was machen wir jetzt?«
»Na, wir gehen heim«, entgegnete Sabrina schulterzuckend.
Sehr gern. Ich verabschiedete mich von den anderen, dann stieg ich die Treppe hinunter. Im Wohnzimmer war Ash, er schäumte vor Wut. Ich überließ Kiara die Drecksarbeit. Er war außer sich und bereit, den Nächstbesten in der Luft zu zerreißen. Und ich werde mich dafür ganz sicher nicht zur Verfügung stellen.
Wortlos verließ ich das Haus. Um ehrlich zu sein, wollte ich nur eins, und zwar so schnell wie möglich: Ich wollte nach Hause und wieder zu ihr zurück. Ich wollte sie im Schlaf wiederfinden. In meinen Träumen.
»Ich verstehe nicht, warum du nicht mit ihr reden willst«, schnaubte mein Cousin.
Ich erschauderte, die kalte Nachtluft peitschte mir übers Gesicht. Ich saß mit Ash auf einem Spielplatz, es war nach Mitternacht. Mein Cousin rauchte einen Joint, während ich schweigend ein Bier trank und die Augen starr auf das Display meines Handys gerichtet hielt.
»Ich will mir keine Abfuhr holen«, gab ich zu. »Weißt du … alle Mädchen, die mir gefallen, wollen entweder nicht oder sie wollen dich.«
Er schnalzte verärgert mit der Zunge. »Und was dann? Willst du sie lieber wie ein Idiot anstarren, bis das Schuljahr vorbei ist, und sie dann einfach ziehen lassen?«
Ich blieb stumm. Ich wusste, dass er recht hatte, aber ich konnte mich nicht überwinden. Ich hatte Angst vor Zurückweisung. Vor ihrer Zurückweisung. In meinen Träumen stellte ich mir allerdings vor, wie ich in ihren Armen lag. Verdammt, ich war schon ein komischer Kauz.
»Was würdest du denn an meiner Stelle machen?«, fragte ich neugierig.
Ash traf stets die besten Entscheidungen. Und ich hatte jetzt eine Idee nötig.
»Ich hätte es so eingerichtet, dass sie sich für mich interessiert.«
Was für eine geniale Idee!
»Und wie?«, fragte ich, hob den Kopf und sah ihn an.
»Ganz einfach: Ignorier sie.«
Sie
»Was machen wir jetzt?«, fragte mich Riley, meine Mitbewohnerin. »Es ist ja ganz schön, einen Abschluss zu haben, aber wenn man ihn für nichts benutzt, bringt er nicht wirklich viel …«
Wir hatten jetzt seit zwei Monaten unseren Bachelor, nachdem wir zwei Jahre lang wie die Irren für dieses Stück Papier geschuftet hatten. Obwohl die Uni seit einer Woche endlich hinter uns lag, verbrachten wir unsere Zeit damit, Serien und Horrorfilme anzuschauen, wir nutzten die freien Tage, die wir uns genommen hatten, bis zum Anschlag aus.
»Keine Ahnung. Vielleicht geh ich zurück nach Los Angeles.«
Die Stadt hatte ich im Alter von achtzehn Jahren direkt nach der Highschool verlassen, um hier in New York Soziologie zu studieren. Um meinen Eltern einen Gefallen zu tun. Ich hatte mir immer gesagt, dass ich zurückkehren würde, sobald ich mein Diplom in der Tasche hätte. Allerdings hatte ich im letzten Moment meine Meinung geändert. Ich war ganz einfach noch nicht bereit dazu, auch wenn der Lärm der Stadt am Anfang nur schwer zu ertragen gewesen war.
»Ich habe keine Ahnung«, vertraute die rothaarige Riley mir unsicher an. »Ich glaube, ich will zurück nach Irland. Aber zugleich habe ich keine Lust, aus New York wegzugehen.«
Das war für mich genau das Gleiche. Das Gefühl, weder zu wissen, was ich wollte, noch, was ich nicht wollte, machte mir Angst.
»Ich glaube, ich bleibe noch ein paar Monate hier, so kann ich noch ein bisschen für das Café sparen, das ich in Los Angeles eröffnen will.«
Es kam nicht infrage, dass meine Eltern für mein erstes Unternehmen bezahlten! Um aber nicht weiterhin vom Geld meines Vaters abhängig zu sein, musste ich Geld verdienen, um etwas beiseitelegen zu können.
»Du willst, dass es dein Baby ist, das ist verständlich«, antwortete Riley lächelnd. »Ich kann es kaum erwarten, dich da zu besuchen und etwas in deinem Café zu trinken.«
Ich lächelte. Meine Eltern ließen nicht zu, dass ich jemals irgendwas bezahlte, sie wussten nicht mal, dass ich einen Teilzeitjob in einem Café angenommen hatte. Und das aus gutem Grund: Meine Mutter würde sich darüber doppelt so sehr aufregen wie gewöhnlich und außerdem den Großteil ihrer Zeit damit verbringen, meine Psyche zu analysieren. Ich hasse ihre Arbeit. Ich brauche keine Psychologin, die mir erklärt, warum ich unabhängig sein will.
Mein Vater war Geschäftsmann, was aber auch dazu führte, dass er für nichts anderes mehr Zeit hatte.
Riley verstand mich, ihre Mutter war genauso beschäftigt wie mein Vater. Übrigens hatten wir uns über sie kennengelernt … schon vor vielen Jahren. Unsere beiden Elternteile arbeiteten oft zusammen.
»Meine Mutter glaubt, dass ich noch im ersten Jahr studiere, und das jetzt schon seit vier Jahren. Seit vier Jahren.«
Ganz im Gegensatz zu meiner eigenen interessierte Rileys Mutter sich überhaupt nicht für ihr Studium, auch nicht für ihr Leben hier. Die Rothaarige war frei wie der Wind und ich beneidete sie beinahe darum. Ich bekam täglich zahlreiche Anrufe von meiner Mutter, in denen sie mich fragte, was ich so mache, mit wem ich mich rumtrieb, und mich ermahnte, nicht zu spät heimzukommen. Obwohl sie Tausende von Kilometern weit weg war, kam es mir vor, als ob wir immer noch unter einem Dach zusammenleben würden. Das war beinahe schon erdrückend.
Als ich noch jünger war, waren meine Eltern ziemlich streng mit mir: keine Jungs, keine Partys, ich durfte abends nicht ausgehen und auch sonst nicht häufiger als zweimal wöchentlich. Und wenn ich an einem Tag ausgegangen war, durfte ich das am darauffolgenden nicht noch mal.
Was für ein Lebensabschnitt …
»Stell dir nur mal vor, du siehst deinen Ex in Los Angeles wieder«, sagte Riley hinterhältig.
Mein Herz setzte kurz aus, als sie ihn erwähnte. Dabei passte das Wort gar nicht richtig und dennoch verband ich es in meinem Kopf einzig und allein mit ihm.
Ben. Benjamin Jenkins.
»Ich habe nicht vor, ihn irgendwann wiederzusehen«, schnaubte ich schließlich und legte meine Wäsche zusammen.
»Aber würdest du denn gern?«
»Nein.«
Ich will ihn nicht sehen, er … Nein. Ich will ihn nie mehr wiedersehen.
Ich hatte zu lange darauf gehofft, ihm irgendwann noch einmal über den Weg zu laufen. Aber die Zeit war vergangen und er war nie zurückgekommen.
»Du bist zu nachtragend, Isabella«, maulte Riley und verdrehte die Augen.
»Ganz im Gegenteil, ich bin nicht nachtragend genug! Er ist einfach so ohne Vorwarnung verschwunden«, rief ich ihr mit einem tadelnden Blick ins Gedächtnis.
Riley verschränkte die Arme. »Ja, aber vielleicht hatte er einen guten Grund dafür. Was weißt du denn schon?«
Ich weiß gar nichts, aber trotzdem …
»Es gibt eine Sache, die Menschen zu eigen ist, und das ist die Fähigkeit zu kommunizieren. Auch wenn wir nicht zusammen waren, war da etwas zwischen uns, Riley!«, erwiderte ich verärgert.
Sie ließ sich auf den Fußboden meines Zimmers plumpsen. Sollte sie meinetwegen doch frustriert von dem sein, was ich ihr sagte, ich hatte nicht vor, meine Position aufzugeben.
»Du bist wirklich ein Dickschädel«, antwortete sie und sah an die Decke. »Was, wenn er gestorben ist?«
»Wenn das der Fall wäre, hätte sein Cousin mir Bescheid gesagt.«
Davon bin ich überzeugt.
»Ash?«
»Genau der.«
Auf der Highschool hatte ich nicht viel mit Ash zu tun gehabt. Er sprach mich nur selten an, aber ich wusste, dass er mich zu dieser Zeit benachrichtigt hätte, wenn Ben etwas zugestoßen wäre. Allerdings war auch er zwei Tage nach Ben einfach verschwunden …
»Ich wüsste gern, wie er jetzt aussieht. Je älter man wird, desto schöner wird man doch«, sagte sie mit glitzernden Augen zu mir. »Er muss inzwischen also Model für Calvin Klein sein!«
Ihre Schwärmerei brachte mich zum Lachen. Ich hatte noch ein Foto von Ash auf meinem Handy, das Ben mir mal irgendwann geschickt hatte, als wir noch miteinander sprachen. Darauf schlief er auf dem Sofa in seinem Zimmer. Riley war total scharf auf dieses Foto von Asher Scott und hatte mir das Versprechen abgenommen, dass ich es niemals löschen würde. Zugegebenermaßen war Ash verdammt attraktiv. Allerdings hatte ich zu dieser Zeit eine Schwäche für das dunkle Haar und das verschmitzte Lächeln seines Cousins.
»Ich geh jetzt mal duschen«, erklärte meine Mitbewohnerin. »Außerdem warne ich dich gleich vor: Heute Abend gehen wir aus!«
Ich sah sie verständnislos an. Eigentlich hatte ich gedacht, dass sie auf einen ruhigen Filmabend aus wäre.
»Wollten wir nicht hierbleiben?«
»Ich mag es nicht, zu lange in der Stube zu hocken, das macht nur schlechte Laune.«
Ich kicherte glucksend.
»Falls es eines Tages eine Pandemie gibt und ich gezwungen sein werde, mich zu Hause einzusperren, würde ich nach zwei Tagen nichts mehr mit mir anzufangen wissen.«
»Wie wäre es damit, alle Serien fertig zu schauen, die du irgendwann mal angefangen, aber nie beendet hast? Oder Gesichtsmasken zu machen?«
Meine Vorschläge interessierten sie nicht. »Erspar mir diesen furchtbaren Gedanken, Bella. Heute Abend gehen wir essen!«
Damit verließ sie mein Zimmer, sodass ich allein mit meiner Wäsche zurückblieb.
Jedes Mal wenn die Sprache auf Ben kam, stiegen all die Gedanken, die ich tief in mein Innerstes verdrängte, wieder in mein Bewusstsein empor. Mich quälten so viele Fragen, auf die ich keine Antwort hatte. Sie gründeten sich auf Hoffnungen und Entschuldigungen, die ich ihn betreffend jahrelang gepflegt hatte – um ihn nicht hassen zu müssen.
Meine schnellen Schritte führten mich durch die Gänge meiner neuen Highschool. Wir waren wegen der Geschäfte meines Vaters hierher nach Los Angeles gezogen, heute stand mein zweiter Schultag an. Ich hatte mich noch nicht integriert, aber ich sah praktisch in jedem Kurs dieselben Leute wieder.
Zwei sehr nette Mädchen waren zu mir gekommen, um mich kennenzulernen, und ich hatte das erste Mittagessen mit ihnen verbracht. Heute hoffte ich auf einen zweiten ebenso friedlichen Tag wie den ersten … Auch wenn ich zehn Minuten zu spät kam, weil ich mich verlaufen hatte.
Außer Atem und mit klopfendem Herzen drückte ich die Tür zum Klassenzimmer auf. Glücklicherweise war der Mathe-Lehrer noch nicht da. Ich fühlte mich von all diesen Blicken bedrängt, mit denen meine Mitschülerinnen mein schamrotes Gesicht musterten.
Die beiden Mädchen vom ersten Tag – Juliette und Ginny – winkten mir zu, und ich ging zu ihnen hinüber, ohne auf die anderen zu achten.
»Wir haben schon gedacht, du würdest heute nicht kommen«, sagte Juliette zu mir.
»Ich habe mich … auf den Gängen … verlaufen«, japste ich vollkommen außer Atem.
Ginny lachte und gab mir ihre Handynummer, damit ich sie das nächste Mal anrufen konnte, wenn ich mich wieder verlief. Diese beiden Mädchen waren so freundlich. Und dabei hatte ich schon befürchtet, dass ich keine neuen Freundschaften schließen würde. Sie zu finden, war wirklich ein großes Glück gewesen.
In einem Anfall von Neugier betrachtete ich die anderen Mitschüler und bemerkte zwei von ihnen, die mir am Vortag noch nicht aufgefallen waren. Zunächst glaubte ich, dass sie auch neu wären, aber die sie umgebenden Schüler schienen sie zu kennen.
Drei Mädchen, die ich in meinem Kopf unter dem Label »beliebt« abgespeichert hatte, sabberten geradezu wegen des Blonden von den beiden. Dieser wirkte jedoch ein wenig zu kühl und distanziert. Er schaute auf sein Telefon und fuhr sich dabei mit der Hand durchs zerzauste Haar. Ich musste zugeben, dass er wirklich sehr gut aussah. Wenigstens im Profil.
Dann fiel mein Blick auf den anderen Jungen, der neben dem Blonden saß. Er hatte eine etwas dunklere Haut und dunkles Haar. Er sah niedlich aus und hatte sehr dunkle Augen von der Sorte, die einen in ihren Bann zogen. Die mich in ihren Bann zogen.
Mein Herz begann, schneller zu schlagen, als ich bemerkte, dass er mich ebenfalls betrachtete. Rasch wandte ich den Blick ab und konzentrierte mich wieder auf das Gespräch von Juliette und Ginny, die im Übrigen ausgerechnet über die beiden Unbekannten sprachen.
»Also, der da ist Asher. Aber alle nennen ihn nur Ash. Er ist so ein supercooler Typ, der sich nur mit seinen Cousins und seinen engen Freunden unterhält.«
»Er spielt Football in der Schulmannschaft«, fügte Ginny hinzu. »Er ist aber kein besonders guter Umgang, denn er raucht viel und prügelt sich mit all denen, die ihn schräg anschauen oder ihn ein bisschen zu sehr herausfordern.«
»Offiziell hatte er noch nie eine Freundin, er hat es nur auf Sex abgesehen. Zum Beispiel mit der Tussi neben ihm … und mit allen anderen. Er redet nur sehr wenig, denn er ist ziemlich eingebildet.«
Ash verkörperte den Typ des arroganten Bad Boys. Äußerlich sah er sehr gut aus, aber er hatte eine eiskalte Ausstrahlung, die mich erschaudern ließ.
»Der andere ist sein Cousin. Ben heißt er, glaube ich. Er reißt ständig Witze … Das ist alles.«
Ich runzelte die Stirn. Sie kannten Ashs Vergangenheit, wussten aber nichts über Ben?
»Ist das alles?«, fragte ich und drehte mich noch einmal zu ihm um.
Er wandte rasch den Blick ab. Ob er mich wohl kurz davor noch angeschaut hatte?
»He, ich rede mit dir!«, rief Riley und fuchtelte mir mit der Hand vorm Gesicht herum.
Ich blinzelte ein paarmal, bevor ich wieder ganz im Hier und Jetzt angekommen war. Mein Geist war meilenweit von meinem Körper weg gewesen.
»Woran hast du denn gedacht?«, fragte sie mich und lächelte vielsagend.
»An Los Angeles.«
Ihre Augen begannen zu leuchten. Diesen Blick kenne ich.
»An das Zimmer von B…«
»NEIN!«, rief ich, hielt mir die Ohren zu und schloss die Augen.
Ich hörte sie lachen.
Sie versuchte, die Hände von meinen Ohren wegzuziehen, und schrie: »An dem berühmten Abend, an dem ihr …«
Ich brüllte, um das Ende ihres Satzes zu übertönen, sodass sie in schallendes Gelächter ausbrach.
»Schon gut, ich bin ja still«, erklärte sie und ging wieder hinaus.
Ich atmete auf und ließ die Hände sinken, doch dann erschien ihr Kopf im Türrahmen.
»… miteinander geschlafen habt?«
Ich warf mit dem Kissen nach ihr.
Sie lachte auf und erklärte: »Ada will, dass wir zu ihr kommen.«
Ada war unsere Nachbarin aus dem ersten Stock, siebzig Jahre alt und seit letztem Jahr verwitwet. Sie lebte jetzt mit ihren zwei süßen Hunden zusammen.
»Gibt es ein Problem?«
Die Rothaarige schüttelte den Kopf. »Sie ist nur zu müde, um mit den Hunden rauszugehen. Zieh dich an, wir gehen ’ne Runde im Park spazieren.«
Ich nickte und stand vom Fußboden auf. Nach fast einer Stunde litten meine Pobacken sowieso schon. Rasch zog ich mich an und ging dann zu Riley ins Bad.
Während meine Mitbewohnerin sich die Haare föhnte, machte ich meine auf und massierte mir die Kopfhaut. Ich liebte diesen wunderbaren Moment, in dem ich das Haargummi herausnahm, nachdem ich das Haar den ganzen Tag über zusammengebunden getragen hatte.
»Fertig?«, fragte sie mich.
Ich nickte.
Riley klingelte an Adas Tür. Unsere Nachbarin öffnete uns mit demselben herzlichen Lächeln, das stets auf ihrem Gesicht erschien, sobald sie uns begegnete. Sie war wirklich sehr freundlich.
»Mädchen!«, rief sie begeistert und ließ uns herein. »Es tut mir so leid, euch stören zu müssen …«
»Mach dir darüber keine Gedanken, Ada, das tun wir gern!«, versicherte meine Mitbewohnerin ihr und nahm sie in den Arm.
Ada bot uns etwas von ihren köstlichen Schokoladenkeksen an, deren appetitliches Aroma sich bis in den sechsten Stock verbreitete. Das Gebäude befand sich in Manhattan und war nicht sehr groß.
»Da sind sie«, sagte sie und hielt uns die Hundeleinen hin. »Passt auf euch auf.«
Nach einem letzten Abschiedsgruß gingen wir mit den beiden Welsh Corgi Pembrokes, die schon ganz aufgeregt waren, zur Tür. Das Wetter war grau und trüb, wie es sich für den Winter gehörte. Riley fror schnell, sodass sie über ihre zwei dicken Pullis noch ein Sweatshirt gezogen hatte. Außerdem trug sie einen Schal, Doc Martens … und eine unglaublich dicke Jacke.
Ich hingegen hatte nur eine Jacke an. Meine Jeans hielt meine Beine kein bisschen warm, sodass ich bald zu bibbern begann.
»Ach, das ist Josh«, sagte Riley und ging an ihr Handy.
Josh war ein gemeinsamer Freund, den wir auf der Uni kennengelernt hatten. Dank ihm waren wir an unsere Jobs bei Calum’s Coffee gekommen, denn er hatte vor uns dort gearbeitet.
»Josh hat unseren Restaurantabend verschoben«, seufzte Riley. »Heute Abend will er lieber eine koreanische Gesichtsmaske machen und Tee trinken.«
»Ich nehme an, er hat sich mit Aiden gestritten.«
Sie nickte und ich lächelte. Das war unser Ritual nach jedem Streit. Josh lebte nun seit knapp einem Jahr mit seinem Freund Aiden zusammen, aber sie waren schon seit fast drei Jahren ein Paar. Als wir uns kennengelernt hatten, waren Aiden und Josh nur gute Freunde gewesen, doch irgendwann hatten sich die Dinge entwickelt. Sie miteinander zu beobachten, ließ mein Herz dahinschmelzen.
Wir gingen weiter mit den Hunden spazieren und unterhielten uns dabei. Riley bat mich, ein Foto von ihr vor dem riesigen Gebäude eines der größten Konzerne in den Vereinigten Staaten zu machen. Die Scott’s Holding Company war ein Familienunternehmen, das in einem großen Hochhaus aus Glas und Stahl seinen Sitz hatte.
Auf der anderen Straßenseite standen einige Paparazzi, ein Anzeichen dafür, dass Shawn Scott sich im Büro aufhalten musste. Sie warteten darauf, dass der junge Chef den Büroturm verließ, um ihm alle möglichen nur vorstellbaren Fragen zu stellen.
Im Fernsehen hatte ich gehört, dass er einige Zukäufe gemacht und vor Kurzem ein Model geheiratet hatte, mit dem er schon seit mehreren Monaten ausgegangen war. Das war zwar ziemlich schnell passiert, aber zu erwarten gewesen. Ich ging davon aus, dass die Paparazzi nicht hier waren, um sich über die Zukäufe zu unterhalten.
»Shawn und seine Frau werden hübsche Babys bekommen«, sagte Riley zu mir, die den jungen Manager absolut umwerfend fand.
»Da bin ich mir sicher, alle haben nur auf ihre Hochzeit gewartet. Ihre Fotos waren vor ein paar Wochen überall auf Instagram.«
»Die hab ich gesehen!«, rief Riley. »Shawn hat groß aufgefahren, fast seine gesamte Familie war bei der Zeremonie anwesend.«
Nicht alle waren anwesend gewesen. Die Familie war dafür bekannt, weitverzweigt zu sein. Ihre Mitglieder waren überall im Land verstreut. Ich hatte den Namen schon gehört, bevor ich das Unternehmen überhaupt gekannt hatte – aber na ja, es war auch ein ziemlich gängiger Familienname.
Der einzige Name, den ich einfach nicht vergessen konnte, war der Nachname von Ben: Jenkins.
Ich hasse dich so sehr dafür, einfach abgehauen zu sein, ohne ein Sterbenswörtchen zu sagen.
Das war der einzige Satz, den ich ihm gern ins Gesicht geschleudert hätte, wenn ich ihm eines Tages wiederbegegnen sollte. Er war ohne erkennbaren Grund verschwunden, als ob er nie existiert hätte. Ohne auch nur ein einziges Mal zurückzuschauen. Ohne das geringste Bedauern. Als ob ich für ihn vollkommen wertlos wäre, obwohl ich doch gerade angefangen hatte, mich in ihn zu verlieben.
Ich will Ben Jenkins, nicht Asher Scott.
Es wäre einer Lüge gleichgekommen, zu behaupten, dass ich ihn vergessen hatte und zu etwas anderem übergegangen wäre, nichts dergleichen hatte ich getan. Ich war noch immer im selben Stadium. Immer noch hoffte ich, ihm irgendwann hinter einer Straßenecke noch einmal zu begegnen.
Aber er hatte sich aus meinem Leben verabschiedet, als ob er nie ein Teil davon gewesen wäre, als ob alles, was sich zwischen uns ereignet hatte, nie geschehen wäre.
Nichts konnte sein Verschwinden vor viereinhalb Jahren rechtfertigen.
Nichts.
Gefunden
Meine Hände strichen durch sein schwarzes Haar, während sich unsere Zungen sinnlich umeinanderschlangen. Unsere erhitzten Körper konnten diese Intensität nicht mehr ertragen. Ich spürte, wie er behutsam mein Oberteil hochschob. Seine Hände auf meiner Taille, sein Duft …
Als sein Mund meinen Hals hinabglitt, schloss ich die Augen. Ich leckte mir über die Lippen, während ich seine Berührung auf meiner Haut genoss, die nur nach ihm verlangte.
»Oh, Bella«, flüsterte er zwischen zwei Küssen auf den Ansatz meiner Brust.
»Ben … Ich … ich liebe dich …«
Meine Augen öffneten sich auf einen Schlag. Mein Wecker klingelte und riss mich brutal in die Wirklichkeit zurück. Es war jedes Mal dasselbe: Ich musste nur über ihn sprechen, damit er zurückkam und mich heimsuchte – er und diese Momente, die wir miteinander geteilt hatten, bevor er sich verflüchtigt hatte, als ob er nur ein Traum gewesen wäre.
Mein Herz schlug heftig in meiner Brust, das war der Jenkins-Effekt. Meine Lippe begann zu zittern, ich hielt das nicht aus. Ich hielt nicht aus, ihn in meinen Träumen wiederzusehen, als ob er mich mit seinem Fortgang verspotten wollte.
»Bella …?«, fragte Joshs verschlafene Stimme neben mir. »Dein Wecker, Bella …«
»J… ja.«
Ich schaltete den nervigen Weckton an meinem Handy aus und ließ sie weiterschlafen. Gestern Abend waren wir in meinem Zimmer weggeschlummert, nachdem wir ein paar Filme angeschaut und Josh wegen seiner Herzensprobleme bezüglich Aiden beraten hatten. Übrigens war ich mir fast sicher, dass Riley mit ihrer Maske auf dem Gesicht eingeschlafen war.
Als ich nach draußen trat, begannen die Straßen sich allmählich mit Menschen zu füllen. Es war sieben Uhr, also für die meisten die Zeit, zur Arbeit, zur Uni oder in die Schule zu gehen.
Für andere war es die Zeit, zu der sie nach einer durchfeierten Nacht, in der sie sich im Kreis ihrer Freunde betrunken hatten, nach Hause kamen und sich schlafen legten.
Ich hatte mir angewöhnt, frühmorgens im Central Park laufen zu gehen, aber heute begnügte ich mich damit, einfach nur einen Spaziergang zu machen und die Menschen um mich herum zu beobachten. Ohne dabei zu vergessen, ein paar Fotos vom Himmel zu schießen. Meine Leidenschaft.
Ich ließ mich treiben, um meinen Geist durchzupusten. Um mich von Ben zu entfernen.
Es stimmte, dass ich ihn nie vergessen hatte, nicht für eine einzige Sekunde, kein einziges Mal. Aber ich lebte lieber in der Verleugnung und erstickte meine Gefühle, wie ich es seit Jahren tat. Auch wenn er nicht verdiente, dass ich an ihn dachte. Außerdem stellte ich mir vor, dass er viele Mädchen nach mir gehabt hatte. Mit Sicherheit.
Ich stoppte an einem Starbucks, um die Lieblingsgetränke meiner beiden Freunde zu holen, die – darauf wäre ich jede Wette eingegangen – noch immer schliefen.
Da klingelte mein Telefon, und ich rollte mit den Augen, als ich auf das Display sah. Lily Grace. Meine Mutter.
Was für eine Überraschung, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet!
»Hallo, Mama«, meldete ich mich, als ich das Geschäft verließ.
»Guten Morgen, Isabella, bist du draußen …? Ich höre, dass um dich herum Leute sind.«
»Ja, ich bin ein bisschen spazieren gegangen.«
»Alles in Ordnung? Es ist noch ein bisschen früh für einen Spaziergang, Liebling.«
»Ja, alles gut«, schnaubte ich.
»Dein Vater und ich haben uns entschieden, eine Woche Urlaub auf Bali zu machen. Jetzt, wo du keine Veranstaltungen mehr hast, haben wir uns gefragt, ob du nicht mitkommen möchtest …«
Ich tat so, als ob ich überlegen würde, obwohl ich wusste, dass meine Antwort natürlich Nein lauten würde. Ich hatte wirklich keine Lust, mit ihnen eine Woche lang festzusitzen und ihnen dabei zuzuhören, wie sie sich über meine Zukunft unterhielten, als wäre es ihre eigene.
»Nein, tut mir leid, ich kann nicht. Ich habe vor, ein paar Freunden mit ihren Prüfungen zu helfen, also …«
»Aber, Isabella, wir haben uns doch schon seit den Sommerferien nicht mehr gesehen! Dein Vater und ich wollen wirklich, dass du mehr Zeit mit uns verbringst. Du musst ja nicht sofort antworten, denk doch wenigstens drüber nach.«
Eine traurige Note lag in ihrer Stimme. Aber wie ich meine Mutter kannte, manipulierte sie mich nur, damit ich das Angebot annahm.
»Ich denke drüber nach und rufe dich später noch mal an, jetzt muss ich los.«
»Gut, ich brauche deine Antwort heute Abend, Liebling. Hab einen schönen Tag und iss was Anständiges, die ganzen Take-away-Schweinereien machen dich nur dick.«
Ich verdrehte erneut die Augen und atmete tief durch, dann verabschiedete ich mich mit: »Tschüss, Mama.«
»Auf Wiederhören, Isabella.«
Nachdem ich die unendlich lange Treppe zu meiner Wohnung hochgestiegen war, schloss ich endlich die Tür auf. Ein kleiner erleichterter Seufzer kam mir über die Lippen, als ich sie hinter mir wieder zumachte. In der Wohnung herrschte Stille. Ganz offensichtlich schliefen meine beiden Freunde noch.
Entweder musste ich sie jetzt mit einer Musik wecken, die sie verabscheuten, oder sie bis um ein Uhr nachmittags schlafen lassen.
Die Wahl war schnell getroffen.
»Okay, Google, spiel Dame Tu Cosita von El Chombo.«
Einem tanzenden Erwachen stand damit nichts mehr im Weg.
Als ich ins Zimmer kam, stöhnte Riley laut und presste sich das Kissen auf den Kopf. Josh runzelte die Stirn und hielt sich die Ohren zu, bevor er sich dann die Decke wieder hochzog.
»BELLA!«, brüllte Riley schließlich.
Ich lachte. Ach, was für ein schöner Tag!
Während ich so tat, als ob ich zu der Musik tanzen würde, zog ich die Vorhänge auf und ließ das schwache Tageslicht in das noch düstere Zimmer.
»Seht doch nur, ist es heute nicht schön draußen?«
Es war furchtbar grau und entsetzlich kalt.
»Sagt mir bitte, dass ich gerade einen Albtraum habe«, brummte Josh und schlug die Augen auf.
»Also los, aufstehen, ich hab uns was Leckeres zum Frühstück mitgebracht!«
»Sollen wir sie umbringen und ihre Leiche dann im See versenken?«, schlug Riley vor.
Ich sprang aufs Bett und setzte mich mit einem wonnigen Seufzer zwischen die beiden. »Es ist so schön, hier die Decke anzustarren.«
»Halt den Mund, Grace«, sagte Josh und rappelte sich halb hoch. »Oh, Scheiße … Riley, du bist schon wieder mit deiner Maske eingeschlafen … Du siehst aus wie der Grinch.«
Riley schimpfte über sich selbst. Das passierte ihr nicht zum ersten Mal. Ihr grünes Gesicht veranlasste mich trotzdem zu einem leisen spöttischen Lachen.
»Ich hasse dich aus tiefster Seele.«
Ich setzte mich im Schneidersitz den beiden gegenüber hin.
»Bist du schon draußen gewesen?«, fragte mich Josh und fuhr sich mit der Hand durchs braune Haar.
»Ich war ein bisschen spazieren.«
»Was hast du mitgebracht?«, fragte mich meine Mitbewohnerin.
»Steh auf, dann erfährst du es«, sagte ich listig, dann hörte ich sie wieder aufstöhnen.
