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Johann jobbt als Statist beim Crime-Time-Fernsehen. Meistens spielt er Leiche. Das kann er richtig gut. Besonders, seit er Liebeskummer hat und am Sinn des Lebens zweifelt. Ein Glück, dass TV-Kumpel Petz auf ihn aufpasst. Allerdings nicht nur aus Nächstenliebe. Der arbeitsscheue Cash-Fan braucht Johanns Geld, um sich seinen Traum von der eigenen Bar erfüllen zu können. CASH eben. Da kommt ihm die polnische Cello-Studentin Agnieszka gerade recht – als Köder.
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Seitenzahl: 182
Veröffentlichungsjahr: 2026
Dirk Josczok
Cash
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Schon wieder sterben.
"Love's a burning thing!"
"Und?"
“Cash-Club, Alta, is' doch klar, wa?
Das erste, was ich sah, war: Cash.
AGENTUR FÜR ARBEITSSCHEUE
Die frische Luft belebte.
Klinikum Neukölln.
Déjà-vu?
Mir war warm und wohl.
Johann?
War ich im Paradies?
"Agnieszka."
"Johann. Jo-Jo. Jo"
Ich hasse das: In Ohr mit Stöpsel!
Agnieszka.
♥"Wie spät ist es?"
"Glaubst du an Schicksal?"
High Noon.
Ich hatte mich beruhigt.
"Allet klar, kannst uffhör'n."
"Bloody Kati.
"Pray the Lord!"
*Podobasz mi się!
18:18.
18:42.
18:54.
Der Wedding: unendliche Öde.
Herzlich Willkommen!
Alarmstart!
†"So jung und schon so tot."
Mir war eiskalt.
"I walk the line!"
PUFF!
"Warum?"
So falsch hatte Petz da gar nicht gelegen.
"Und?"
Und: Action!
Puderzucker.
"Yippee-i-oh-yippee-i-aye!"
"Ja?"
"Wow!"
Hoppela!
"Agnieszka!"
Ich war durcheinander.
"Wat brauchen wer den Fernseh-Fuzzi?"
"Willkommen bei den Pussys."
"Agnieszka!"
"Brauch kein' Doc."
"Die Bullen!"
"Krall dir fest!"
Jetze war schon Geschichte.
"Johann von Allenstein."
Den Rest der Nacht hatte ich kein Auge zugetan.
Beklemmendes Gefühl.
"Katharina?"
"Sind die für mich?"
The King of Rock'n Roll rümpfte seine Nase.
Bisschen Buntes braucht der Mensch.
Petz?
Agnieszka?
Womit anfangen?
"Johann?"
"Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:
♥SECOND CA$H
Impressum neobooks
Kopfschuss diesmal. Tat nicht weh. Ich ließ mich auf den Dancefloor sacken und relaxte. Über mir die Discokugel – platzte auf Kommando! Plexiglaskonfettiregen und der Soundtrack laut wie Hölle: Schüsse, Schreie, nackte Panik! War ja alles da, was man zum Blutbad brauchte: Mädels, Mafia und MEK.
Ich spürte wie die rote Soße über mein Gesicht rann, in die Augen, in die Nase, in den Mund. Schmeckte nach Holunder-Sirup.
Dann das Closeup. Jetzt nicht blinzeln. Augen auf und Luft anhalten.
Zwei Sekunden. Schnitt und Tod. Auf einen Märtyrer hätten jetzt 70 Jungfrauen gewartet. Auf mich wartete keine. Ich war ja nur ein Bulle, erschossen beim Erstürmen eines Mafia-Bordells. Im Grunde war ich nicht mal das. Ich war ein Nichts. Im Leben wie im Fernsehen. Bloß Statist. Ich machte, was der Regisseur von mir verlangte: toter Mann.
Also lag ich starr und starrte an die Decke. Einfach an was Nettes denken. Ich dachte an die 50 Euro extra für die Leiche. Und an Becci.
Sie war keine Jungfrau mehr gewesen, als sie mich kennen gelernt hatte. Damals, auf irgend so einer Video-Vernissage. Keine Ahnung, was ich da gewollt hatte. Ich hasse Video und Vernissagen. Eigentlich. Käufliche Kunst und Menschen mit Sektgläsern in den Händen. Weil mich das an mein erstes Leben erinnert. An zuhause: Papa-Mama-Elbchaussee. An all die Leistungsträgertreffen im Salon unter der Ahnengalerie derer von Allenstein. All die Toasts auf unsere Selbsterhaltung. An die selbstgerechte Arroganz der Satten.
Schampus und Scheinheiligkeit.
Noblesse oblige eben. Unser Wappenspruch: Adel verpflichtet. Zu nichts, außer zum Weiter so. Keinen Schimmer, warum ich damals, vier Monate ist das jetzt her, trotzdem zu dieser Ausstellungseröffnung gegangen bin.
Neugier, Langeweile, Masochismus? Ich neige dazu, mich selbst zu bestrafen. Für die neunzehn sinnlos braven Jahre meines Vorlebens. Oder ich hatte wieder mal meine Abneigung bestätigt haben wollen. Manchmal braucht man das ja: den Abgleich seiner Ideale mit dem Trend. Um nicht zu vergessen, was man wirklich will, muss man erst mal sehen, was man nicht will.
Dann hatte ich sie gesehen: Rebecca.
Ich weiß nicht, wer sich zuerst in sie verguckt hat: ich oder der Fotograf in mir. Wobei das eigentlich nicht zu trennen ist: meine Augen und ich.
Grau übrigens.
Wolfsgrau.
O-Ton Rebecca.
Ihre waren rehbraun.
Ich sehe sie noch immer vor mir. Jede Nacht. Wie sie mich scannten: ohne Scheu, Scham, Schüchternheit.
Von wegen Wolf und Bambi.
Wie sie da stand – vor den flimmernden Monitoren, als wäre sie selbst einem der Videos entstiegen. In ihrem weißem Unschuldskleid, das noch immer über meinem Bett hängt. Festgenagelt an der Wand.
For ever.
Wenigstens das Kleid. Das Einzige, was mir von Rebecca geblieben ist – außer ein paar langen schwarzen Haaren in der Duschkabine in der Küche.
Wie sie mich fixierte: wie die Schlange das Kaninchen.
Und ich: Bitte, bitte, beiß mich!
Sie war so schrecklich fotogen. Groß. Schlank. Lederstiefel.
Ja, ja, ich weiß: die inneren Werte. Aber ich stand nun mal seit Märchenzeiten auf Schneewittchen.
So ist das bei Zwergen. Trotz einssechsundachtzig. Zu viele Träume. Zu wenig erlebt. Too much fear for real life.
Wie sie auf mich losstöckelte, so gekonnt graziös, so unerbittlich.
Ihr Blick. Ihr Lächeln. Nur für mich. Wie sie drauflosflirtete, so siegesgewiss. Sie, das Foto-Model in spe, und ich, der frisch zugereiste Fotograf.
Irgendjemand hatte ihr das wohl gesteckt. Irgendjemand, dem ich das im Überschwang des Neuankömmlings, wahrscheinlich nicht mehr ganz nüchtern, gesteckt hatte: dass ich Fotograf sein wollte und nach Aufträgen suchte. Irgendjemand, der es nicht gut mit mir gemeint hatte.
"Hi."
Ich höre ihre Stimme. Immer noch. Nach allem. Zart und klar.
Wie sie mich umschmeichelte.
Wie ich es genoss.
"Du bist Fotograf?"
Rebecca hatte eine Set-Card gebraucht, um sich bei Agenturen zu bewerben. Deswegen hatte sie mich gebraucht. Als Knipser.
Mehr wohl nicht.
Das weiß ich jetzt.
Weiß ich das?
Was weiß ich schon?
Ich weiß nur, dass ich sie vermisse.
"Gestorben, danke."
Seine Majestät der Regisseur persönlich.
"Halbe Stunde Umbaupause. Maske, bitte. Die Komparsen haben Schluss für heute."
Seine Assistentin. Monique. Eigentlich Monika. Aber wir waren schließlich beim Fernsehen.
"Tota Bulle, juta Bulle."
Mein Kumpel Petz. Mein selbsternannter Kumpel: Harry Petzhold. Cash-Fan. In jeder Hinsicht. Ansonsten arbeitslos.
"Aus Überzeujung, wa?"
Verheiratet, zwei Minnis. Könnte glatt mein Vater sein. Altersmäßig. Ansonsten krass das Gegenteil zu meinem Alten. Mit allem auf Kriegsfuß, was meinem Erzeuger etwas bedeutete: Law and order, Standesdünkel, Anzug und Krawatte.
Wahrscheinlich mochte ich ihn deshalb.
"Come on, Johnny."
Sein Künstlername. Für mich. Wegen Johann. Und wegen seines Man-in-black-Fimmels. Johnny Cash war sein Idol. Entsprechend sein Outfit: Stetson, Lederjacke, Boots. Alles Nappa. Alles schwarz.
Wie seine Seele.
"Jet up, stand up!"
Petz nahm mich bei der Hand und half mir auf. Natürlich nicht aus Nächstenliebe.
"Jibst' ein' aus?"
"Wieso?"
"Na, ufferstanden von die Toten."
"Ich muss nach Hause."
"Ins Kopfkissen heulen, oda wat?"
"Ich hab' noch Fotos zu entwickeln."
"Von die Verräterin?"
Er hatte so eine Art, mir mitten ins Herz zu treffen.
"Alta, ene Frau, die ihrn Mann verlässt, wat is' die wert?"
Nicht dran erinnern.
Bitte.
Petz konnte wohl Gedanken lesen. Er nahm mich in den Arm.
"Na, komm, ick fahr' dir, Alta. Rollin' home."
His masters voice. Im Chor mit seinem größtem Fan: "Burns, burns, burns." Petz trommelte den Takt aufs Lenkrad. Bei mir war ausgebrannt. Ich schwieg und zählte meine Gage. 110. War gar nicht schlecht. Noch fünf Mal Sterben und ich war gerettet: Miete, Strom und Kühlschrank. Was brauchte man im Sommer mehr zum Leben? Das andere war sowieso unbezahlbar. Die echte Liebe. Egal zu welcher Jahreszeit. Wenn es die denn je gegeben hatte. Jenseits vom Fernsehen.
Gutes Stichwort. Seit drei Monaten machte ich das jetzt: TV-Leiche. Was so anfiel: erschießen-, erstechen-, zerstückeln lassen. Petz auch. Da hatten wir uns kennen gelernt – bei einem Amoklauf im Baumarkt. Uns beide hatte es als erste erwischt. Axt und Kettensäge. So was verbindet. Seitdem starben wir gemeinsam. German Television proudly presents: Über Leichen. Unsere Serie. Prime time crime. Durchschnittliche Einschaltquote 21 Prozent. Am Feierabend-Freitag. Das war gut. Beziehungsweise: Doktor Gute. Vorname Hilmar. Spitzname: Doktor Tod. Der Pathologe für alle Fälle: Gerichtsmediziner, Kriminologe und Frauenschwarm. Alles in einer Person. Aber so richtig happy sah er dabei nicht aus, der Gute. Alias Schauspieler: Eric Lamar. Wie er da eben noch am Set gesessen hatte. Von allen Scheinwerfern verlassen. Wie ausgeknipst. Wie ganz weit weg und nicht mehr wiederkommen wollen. Aber vielleicht lag ich auch falsch. Vielleicht waren Schauspieler so. Wie Fotomodelle. Vielleicht existierten sie nur, wenn das Rotlicht an der Kamera aufleuchtete.
"Piss off, Öko!"
Petz mochte keine Radfahrer. Stinkefinger. Hupe. Vollgas. Der Opel-Auspuff nebelte den Biker ein.
"Take that, Alta."
Petz grinste in den Rückspiegel. Ich lehnte mich zurück ins Polster. Auch zufrieden. Noch sechs Folgen bis zum Herbst. Das waren mindestens zwölf Wochen Dreh und Bares. Wenn ich sparsam blieb, konnte ich vom Sterbegeld sogar noch etwas ins Gefrierfach legen. Für den Winterschlaf. Man wusste ja nie, was kam. Ich wusste es nicht. Nicht mehr. Anders als früher. Und eigentlich war das nicht so schlecht. Seit ich bei Nacht und Nebel in Blankenese ausgezogen war, lebte ich zwar unter Niveau, also Erdgeschoss, aber immerhin selbstbestimmt. Ich hatte mein wohlbehütetes und wohlbegütertes Leben bewusst hinter mir gelassen. Für die Freiheit! Na ja. Wie man das so pathetisch vor sich hertrug. Aber was hieß das schon: Freiheit?
Als Rebecca in mein Leben gestöckelt war, hatte ich meine frisch gewonnene Unabhängigkeit ohne Skrupel wieder drangegeben. Glücklichst. Vielleicht ist der Mensch so: Sklave seiner Sehnsucht. Den Hormonen ausgeliefert. Dem Testosteron – auch wenn ich das eigentlich nicht wahrhaben will.
"Du bist ein Romatiker."
Bei Rebecca hatte das wie ein Vorwurf geklungen.
"Willst du keine Karriere machen?"
Kraneberger, Knäckebrot und Kräuterquark hatten ihr nicht ausgereicht. Sie hatte mehr von mir erwartet und gewollt. Nicht nur zum Frühstück.
"Willst du nicht reich werden?"
So wie meine Alten? Bloß nicht! Ich hatte doch alles, was ich glaubte zum Leben zu brauchen: Rebecca, eine Einraum-Wohnung mit improvosierter Dunkelkammer im Klo und die Leica, die mir Onkel Walter zur Konfirmation geschenkt hatte. Analog versteht sich. Ich hasse alles Digitale. Fotografieren lässt sich nicht auf 0 oder 1 reduzieren. Wie das Leben.
Petz gab dem Astra Sporen. Aber in die falsche Richtung.
"Einbahnstraße!"
"No risk, no fun, Alta!"
Ich krallte mich am Gurt fest.
"Hast'e etwa Angst vorm Sterben?"
Petz funkelte mich an. Mit seinen Tiefseeaugen. Glasig. Hochprozentig. Mir fiel ein, dass er eben auf dem Parkplatz noch mit seinem zweitbesten Kumpel geflirtet hatte. Auch Johnny, aber Walker. Ich hatte nichts dazu gesagt, von wegen: Alkohol am Steuer.
Ich war nicht seine Mutti. Oder Kati. Er hätte mich ohnehin nur belächelt. So von wegen: Junge, was weißt du vom Leben? Ein bisschen melancholisch. So mit Rückschau nach innen – oder auf die Jahresringe, die er um den Bauch trug. Ein bisschen gerührt, so als hätte sich noch nie jemand um ihn Sorgen gemacht. Er hätte mir sanft ins Ohrläppchen gekniffen oder etwas härter gegen die Schulter geboxt und wäre trotzdem in den Wagen eingestiegen. Und ich auch.
Ich hatte ja nichts mehr zu verlieren.
"Burns, burns, burns."
Noch immer. Obwohl ich wusste, dass es besser war. So, wie es war. Irgendwie. Wir waren zu verschieden gewesen. Rebecca und ich. Auf verschiedenen Wegen. Sie auf-, ich abwärts. Und trotzdem: Ich war immerhin verliebt gewesen. Bedingungslos. Besinnungslos. Ich hatte es gemocht. Ich mochte es noch immer. Die Erinnerungen. Den Liebestraum. Ich war noch mitten drin. Ich wollte nicht aufwachen. Ich wollte nicht, dass es vorbei war. Irgendwie hoffte ich ja noch immer, dass Rebecca zurückkommen würde. Dass sie einfach wieder da sein würde, wenn ich nach Hause kam. Dass sie auf dem Flokati hockte und ihre Yoga-Übungen machte. Dass sie mich anstrahlte und in die Arme nahm. Und ich sie auch. Und dann...
Immerhin hatte sie den Schlüssel mitgenommen. Das bedeutete doch was, oder? Das war doch ein Hintertürchen. Das nährte doch die Hoffnung.
"Rot!"
Petz staunte zu mir rüber.
"Jrüner Pfeil."
"Der gilt nur für rechts ab!"
"Bin ick Nazi, oda wat?"
Petz bog links ab.
"Da geht's nicht nach Neukölln."
"Kleener Umweg, Alta."
"Wohin?"
"Muss dir wat zeigen."
O-no, nicht schon wieder.
"Meine Antwort ist nein – definitiv!"
Petz drehte den Verstärker auf.
"Was – und?"
"Wie jefällt's dir?"
"Was?"
"Dit is' unsere Zukunft, Alta."
"Eine verrostete Eisentür?"
"Is'sen echtes Schnäppchen, Alta. Ick kenn' den Besitza."
"Aus'm Knast?"
"Dit war früher ma'n Puff hier."
"Und du Stammgast."
"Klar, Jugend forscht, Alta."
"Weiß Kati das?"
"Seit Kati brauch' ich nich' mehr in' Puff."
"Okay, ich hab's mir angesehen. Lass uns weiter."
"Mann, Alta, wart doch ma."
"Worauf?"
"Dit is' die Schankse unseret Lebens!"
"Unseres?"
"Nur 20000 Pacht. Für't erste Jahr. All inclusive!"
"Für die Ruine?"
"Mann, bisschen Farbe druff, Alta. Hast'e keene Phantasie?"
"Ich stell' mir grad' ne Abrißbirne vor."
"Warte, bist'e drin jewesen bist. Dit is' noch allet orjinal. Dit janze Inlay. Allet nur von' Feinste, Alta. Allet Leder. Allet Drum und Dran. Jibt sojar'n Whirlpool, Alta. Und obm drüba kannst'e wohnen."
"Über'm Whirlpool?"
"Da sind jede Menge Zimma."
"Schlafzimmer wahrscheinlich."
"Mann, Alta, überlech doch ma', wat wer an Miete sparen würd'n."
"Wir?"
"Von Allenstein und Petzhold."
"Puff-Gemeinschaft, oder was?"
"Fotostudio, Alta. Plus Fotogalerie, plus Dunkelkammer."
"Du meinst: Darkroom."
"Da kommt de Küche rinn. Mit Kati. Snacks und so. Buletten, Fritten."
"Hast du sie gefragt?"
"Kati kocht jern."
"Ich dachte, sie ist glücklich in ihrem im Reisebüro."
"Sie is' jlücklich mit mir."
"Weiß sie das?"
"Hör doch ma' uff!"
"Und was machst du da drin?"
"Ick mach' die Bühne und die Bar."
"Die Bühne?"
"Da ist 'ne kleene Bühne. Könn' wa Country machen. Unplugged."
"Oder Striptease."
"Kannst'e ma ernst sein, Alta?"
"Ist mir toderst, Petz. Ich will nicht über deiner Kneipe wohnen."
"Da jibt's sojar'n Jarten hinta. Wär doch supa, oda? Für die Zwillis. Da könnten wa'n Jrill uffstell'n. Barbecue, Alta!"
"Vergiss es, Petz."
"Nur 20000, Alta."
"Dann schlachte halt dein Sparschwein."
"Mach dir nich' lustig üba meene Armut."
"Die geistige?"
"Ick bin nich' mit'm Silverlöffel im Alete uffe Welt jekomm'."
"Das war Kaviar, nicht Alete."
"Leihst'e mir 10000?"
"Soll ich jetzt lachen oder weinen?"
"Nur bis Montag. Kriegst'e allet wieda."
"Wieso nicht gleich die 20?"
"Freitag kommt 'ne Lieferung."
"Das ist nicht dein Ernst!"
"Mein volla Ernst."
"Hast du sie noch alle? Ich dachte, du hätt'st Schluss gemacht mit Dealen?"
"Dit eene Mal noch. Für de Kids und Kati. "
"Soll'n sie dich im Knast besuchen?"
"Jetzt komm mir nich' moralisch, oda so wat."
"Nee, ich mach'n Abgang."
"Du hast jut reden, Alta. Du hast keene Kinda. Du weeßt nich', wie dit is'. Die fressen dir die Haare ab von' Sack, Alta. Die brauchen Spielzeug, Pflege, Kleidung, Bildung und so, wa? Weeßt'e, wat dit allet kostet, Alta? Unsummen, Alta. Dit kann sich'n normala Sterblicha doch jar nicht leisten, wa? Uff die Normale. Wovon denn? Nachhilfeunterricht. Von Stütze und TV-Leiche? Von die paar Kröten, die Kati reinbringt? Nüscht zu machen, Alta. Wüste, Alta. Keene Schankse uff Abitur. Jeschweige denn Studieren. Is' nicht, Alta. Kannst'e knicken. Bist'e abjehängt, bevor dit richtig abjeht. Von wejen Schanksengleichheit und so, wa? Is' doch allet nur Jewäsch. Musst'e dir schon selba helfen, wenn'de willst, dass deene Kids es bessa kriej'n."
"Na klar, mit Koks."
"Ick würd' allet tun für Thelma und Louise."
"Wie wär's mit Arbeiten?"
"Arschloch."
"Okay, wir sehen uns beim nächsten Sterben."
"Jib mir fünf."
"Ich hab' kein Geld, Petz."
"Du lässt mir hängen, Alta?"
"Wenn ich's hätte, würd' ich's dir nicht geben. Nicht dafür."
"Ick dachte, wir wär'n Kumpel."
"Deswegen, Alter."
"Ick brauche deine Hilfe, Jo."
"Lass gut sein, ja?"
"Ach nee, seine Hochnäsigkeit will sauba bleiben, wa? Aba dit wird nüscht, sach ick dir. Dit schaffst nicht mal du, Blaublut. Wirst'e schon noch merken."
"Bin ich echt gespannt."
"Ey, wo willst'en hin, Verräta?"
"Ins Kissen heulen, was sonst?"
"Uff Sohle?"
"Jeder Weg nach Neukölln beginnt mit dem ersten Fehltritt."
"Von wem is' dit'n, von Konfusius?"
"Von Toyota, seinem Schwager."
"Da siehst'e ma', wat jute Bildung wert is', wa?"
"Grüß Kati und die Mädels von mir."
"Ey, komm, nu' wart' doch ma'."
"Worauf?"
"Hab' ick doch jesacht."
"Wat?"
"Rollin' home."
"Echt jetzt?"
"Hab' ick dir jemals anjelojen, Judas?"
Wie der Meista und wie Bares. Passt doch wie de Faust uffs Auje, wa? Cash! Wie jood old Johnny. Dit kommt rüba üban Einjang. Blutrot. Neon, Alta. Orjinal in Johnnys Handschrift. Hab' ick doch dit Autojramm, wa? Von' Meista persönlich. Weeßt'e. Hab' ick dir verklickert, wa, die Story? Dortmund 91? Wie ick uff'n Rolla von mei'm Alten. Kennst'e, oda? Kann dir sajen: Sechzehn Stunden Rejen, Rejen, Rejen. Feucht bis uff de Nüsse, Alta. Kennst'e Feeling nasse Eia? Alta! Sitz'de wie uff volljekackte Windeln. Wie einjelecht in Vaseline. Kennst'e, Vaseline? Nehm ick für de Lederjacke, Alta. Schön dick druff mit die Salbe. Macht dit Leder weich wie Kinderpopo. Fühl ma'. Fühlt sich jut an, wa? Tja, jute Pflege, Alta.
Lederjacke von mein' Alten. Hab' ick damals aus'm Schrank jeklaut. Kleener Vorjriff uff'et Erbe, wa? Riecht noch imma, wa? Na, riech ma. Voll nach Moschus, wa? Dit is' dit Aftershave von meim' Alten. Imma noch. Krass, wa? Voll der Skunk, wa? Moschus. Hat meen Olla drin jebadet. Seh' ick noch. Die alte Sau. Wie der mit die Klamotten inne Wanne. Moschus-Vollbad. Alta. Sach dir. Allet Moschus. Überall der Skunk drin, Alta. Janze Wohnung. Kriegst'e nich' mehr raus. Dit wirst'e nich' mehr los. Dit Fluidum. For ever Skunk. Meen Alta. Lebenslänglich. Wie de Jene. Na, wat soll's, wa? Schnapps druff. Wat'n? Bist'e blau, Prinz Blaublut? Bist'e breit? Na, eener jeht noch, oda. Komm, mach' Mund uff, Alta. Kiefa runta. Rinn damit un' runta. Siehst'e jeht doch. Braver Johnny. So is' fein. Na, sieht'e. Wo'n Wille is', is' och'n Korn, wa? Jeht doch. Janz jenau wie 91. Dortmund, Alta. Mit die Vespa von mei'm Alten. Och geklaut. Ausse Jarage. Non stop von Rudow nach Dortmund. Hab' ick damals noch in Rudow, weeßt'e. Dit war knapp nach Mauer-Öffnung, Alta. Bin ick los, wa? Durch die Zone. Also ex. Nach die Westfalenhalle. Allet klar mit dir? Wat guckst'e? Allet Küsten-Nebel, oda wat? Verträchst nüscht? Musste üben, Alta. Übung macht'n Meista, Alta. Nimmst'e dir'n Beispiel an old Petz. Wa? Jäjameista. Hat' ick damals och. '91. Uff mein'm Höllenritt. Tijer 'in Tank un' Jägameista intus. Hält schön warm, wa? Alta, allet klar? Sach ma': Wo warst du'n eijentlich '91? Warst'e nicht ma' uffe Welt, wa? Warst'e nicht ma' inne Planung, wa? Bist'n Unfall, wa? Alta? Oda bist'n Kind der Liebe? Nee, wa? Bist'n Verkehrsunfall, wa? Kondom jeplatzt, wa? Kann schon ma' passieren. Materialermüdung. Aba nich mit icke. Ick mach nur mit ohne. Never gummi, Alta. Absolutet Schwanz-Vermummungs-Verbot, Alta. Meene Haubitze kommt nich' inne Tüte. Jibt nur Rohrkrepiera. Wat'n? Allet klar, Bleichjesicht? Bist'e och'n Rohrkrepiera? Wat'n? Bist'e nich'? Siehst aba janz so aus, als guckst'e inne Röhre. Little Jo... Könnt'ste fast mein Sohn sein, wa? Wenn ick deene Mutti, wa? Wer weeß, wa? Ick meene, wenn ick deine Mami. Schicksal, wa? Wen et trifft, wa? Falscha Mann in’ falsche Mutti, wa? Is'se jut jebaut, die Mutti? Jroße Titten? Wat'n? Steh' ick voll druff, weeßt'e, oda?
Ach nee, kiek ma, lebst'e doch noch? Hörst'e Mutti, lebst'e uff, wa? Muttisöhnchen. Hat'se dir jestillt? Hast'e schön genuckelt, Alta? Kriegst'e nie jenug Jenuckel, wa? Apropos: Willst'e noch'n Bier? Eins jeht noch, oda? Kann nich' schaden, oda? Mandy, mach noch mal Ditselbe! Wat hältst'n eijentlich von Mandy? Zapft nicht schlecht, wa, Alta? Wär' doch wat für deinen Zapfhahn, oda? Is' doch allet dran, worauf et ankommt, wa? Wat meenst'e? Augen zu und rinn, wa? Wat'n? Sach ma', Alta: Wann hast'n letztes Mal jevöjelt? Kannst' dir nich' erinnern? Tote Hose, oda wat? Is' ma' wieda fällig, wa? Überfällig, wa? Na, wart' ma, kriejen wer schon rinn, dit Prinzchen-Schwänzchen. Mach' ick dir die Mandy klar, Alta. Sind doch Kumpel, Alta. Mach' ick. Geb' ick aus, die Mandy. Kommt uff meen' Deckel, Alta. Ehrensache.
Wat'n? Hast'e Schaum vor'm Maul? Bist'e scharf, wa? Keene Sorje, mach' dit. Mandy-Mutti. Allet klar? Wo war ick? Jib ma Stichwort, Alta. Dortmund, 91, oda? Nasse Nüsse, aba Punktlandung, Alta. Kurz vor Auftritt bin ick eingeflojen. Vor die Westfalenhalle. Allet im grünen Bereich. Ja, denkst'e! Ick zur Kasse. Bad news: Sold out. Alta. Kannst'e dir vorstell'n, dit Jefühl? Nass bis uffn Sack und denn dit Schild im Kassenhäuschen: Ausverkauft! So kurz vor'm Ziel. Aus. Jestorben. Alta. Mandy, was' mit Nachschub? Wo war ick? Jestorben. Jenau. Ja von wegen. Kennst mir, Alta. Aufjeben, icke: never. Kennst' mir, wa? Sternzeichen. Kennst'e, oda? Stier. Icke. Voll der Stier, oda? Passt, wa? Torro. Aszendent: Pitbull. Passt och, wa? Durchbeißen und so, wa? Jeht nich', jibt's bei mir nich', Alta. Weeßte, oda? Kannst'e jlauben. Ick muss in dit Konzert rinn. Von' Meista. Inne Westfalenhalle, wa? Ick muss'n Meista live erleben. Broch' ick für die Seele. Broch ick. Manchma' broch ick so wat, Alta. Glaubst'e? Glaubst'e, oda? Denn is' jut. Manchmal brocht man so wat, wa? Für die Seele. Jute Musik un' jutet Getränk. Jeistijet Jetränk, wa? Wo war ick? Ach ja, rinn in die Westfalenhalle. Nur, Preisfrage: Wie, wa? War ja allet abjesichert wie Jantanamo. Nur andere Richtung, wa? Rinn statt raus, wa? Allet drum un' dran: Stacheldraht, Selbstschußanlage und so, wa? Mission inpossible sozusagen. Aba jeht doch imma irjendwie, oda? Muss man sich wat einfallen lassen, wa? Und: Hast'n Lösungsvorschlag, Alta? Wat hilft dir über'n Zaun in de Westfalenhalle? Kommst' nich' druff? Wat brocht der Mann in seine Hose? Kommst' nich' druff? Hast' nüscht drin? Na, wat'n? Kommt nüscht? Na, denn helf ick dir ma' aus, wa?
Drei Dinge braucht der Mann in seiner Hose: Schwanz, Eia – wat
noch? Kommst' nich' drauf? Schwanz, Eia...Sind schon drei, wa?
Wat noch, Alta? Kennst'e Musketiere? Kommst' nich' druff? Vier
Freunde, Alta. Soll ick dir zeigen? Soll ick raushol'n? Letzte Chance,
Alta. Kommst' nich' druff? Okay, du hast'et so jewollt.
Da: Leatherman! Allzeit bereit, Alta. Kannst'e dir'n Beispiel nehmen, Alta. Am old Leatherman. Dit lässt dir nich' im Stich. Dit Leatherman lässt dir nich' hängen, Alta. Never. Dit Leatherman is' treu bis in' Rost. Nich' wie dein Model-Möschen. Ach, nee, guck mal, Stichwort, wa? Prinz Johann regt sich. Heb der dit für Mandy uff. Apropos: Wo bleibt die denn? Mandy, was'n? Hat sich schon mal eine totjezapft, wa? Aba jute Titten, wa? Wo war ick? Ach ja: Leatherman. Allzweckwaffe, Alta. Allet dran. Hier, Zange. Damit bin ick durch'n Zaun. Schnipp-schnapp, wie durch Butta, Alta. Loch rinn. Dann ick durch. War'n bisschen schlanker damals. War ick fuffzehn...Schwanzlänge jleich Lebensjahre, wa? Wat'n? War'n Scherz. Wo war ick? Ach ja: Imma an'e Wand lang, Alta. Steh' ick plötzlich vor 'ner Tür da. Notausjang, wa? Oda Noteinjang, sozusajen, wie man's nimmt, wa?
