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Alle Informationen schnell zur Hand:
Hier sind Grundlagen, Techniken, Behandlungskonzepte, Indikationen und Zusammenhänge kompakt zusammengestellt.
Diese Checkliste lässt sich vielseitig anwenden:
Beim Diagnostizieren finden Sie schnell den passenden Hand- bzw. Prüfgriff, denn diese sind detailliert beschrieben und mit instruktiven Fotos bebildert. Zudem geben Ihnen über 30 Leitsymptome Hinweise zur möglichen Lokalisation des Problems.
Auf dem Weg zur richtigen Therapie helfen Ihnen die ausführlichen Befund- und Behandlungskonzepte nach Körperregionen – inklusive "Hausaufgaben" für die Patientenbesitzer.
Neu in der 2. Auflage: Vertiefende Darstellung von Faszien und Faszientechniken.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 540
Veröffentlichungsjahr: 2017
Checkliste Osteopathie Pferd
Katja M.-L. Eser
2., aktualisierte Auflage
145 Abbildungen
Abb. 0.1 Muskeln des Pferdes.
Abb. 0.1 Knochenskelett des Pferdes.
(modifiziert aus Nickel, Schummer, Seiferle. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Band 1. 8. Aufl. Parey in MVS Medizinverlage Stuttgart, 2004)
A.
Arteria
abd.
abdominis
ABD
Abduktion
ADD
Adduktion
A/O
Atlas/Okziput
Art.
Articulatio
AROT
Außenrotation
ASTE
Ausgangsstellung
AWB
Ausweichbewegung
Bal.
Balance
bds.
beidseitig
BewA
Bewegungsausmaß
BewAusf
Bewegungsausführung
BewQual
Bewegungsqualität
BWS
Brustwirbelsäule
Cg
Schwanzwirbel (Kokzygis)
com.
communis
CTÜ
zervikothorakaler Übergang
dig.
digitorum
dist.
distal/distalis
EndG
Endgefühl
ext.
extensor
EXT
Extension
FL
Funktionale Linie
FLEX
Flexion
FLPL
Front-Limb-Protraktionslinie
FLRL
Front-Limb-Retraktionslinie
ICR
Interkostalraum
IROT
Innenrotation
ISG
Iliosakralgelenk
HWS
Halswirbelsäule
KDG
Kreuzbein-Darmbein-Gelenk
KSR
kraniosakraler Rhythmus
KSS
kraniosakrales System
L
Lendenwirbel
lat.
lateral/lateralis
LATFLEX
Lateralflexion (Seitbiegung)
Lig.
Ligamentum
Ligg.
Ligamenta
LL
Laterale Linie
Ln.
Lymphonodus
LSÜ
Lumbosakraler Übergang
LWS
Lendenwirbelsäule
M.
Musculus
med.
medial/medialis mittig/innen
Mm.
Musculi
N.
Nervus
nC
Nerv aus der Halswirbelsäule
nL
Nerv aus der Lendenwirbelsäule
Nn.
Nervi
nS
Nerv aus dem Sakrum
NS
Nervensystem
nTh
Nerv aus der Brustwirbelsäule
OK
Oberkiefer
P.f.
Punctum fixum
P.m.
Punctum mobile
PoB
„Point of Balance“
PRM
Primärer respiratorischer Mechanismus
Proc.
Processus
prof.
profundus
prox.
proximal
ROT
Rotation (Drehung)
R.
Ramus
SCÜ
sakrokokzygealer Übergang
SDL
Superfiziale dorsale Linie
SeitV
Seitvergleich
SL
Spirallinie
SSB
Synchondrosis sphenobasilaris
SP
Stresspunkt
supf.
superficialis
SVL
Superfiziale ventrale Linie
Th.
Therapeut
TLÜ
thorakolumbaler Übergang
TMG
Temporomandibulargelenk
UK
Unterkiefer
VNS
vegetatives Nervensystem
WS
Wirbelsäule
Für meine Eltern und meine Brüder
Seit dem Erscheinen der 1. Auflage der Checkliste durfte ich weiter viele neue Erfahrungen machen mit meinen Pferdepatienten, mit deren Besitzern, mit meinen Schülern der Pferdeosteopathie und der Gymnastizierung, bei denen ich mich auch gleich herzlich bedanken möchte für ihr mir entgegengebrachtes Vertrauen. Auch haben mir meine eigenen Pferde Vihana, Bahea und Estoria aufgrund ihrer individuellen körperlichen bzw. seelischen Befindlichkeiten sehr dabei geholfen, so manche Bewegungsabläufe aus einem anderen Blickwinkel neu zu betrachten und die entsprechenden Behandlungen und Körperübungen grundlegend zu hinterfragen. Hierbei sind neue Kenntnisse und Verknüpfungen entstanden, die in der 2. Auflage ihren Niederschlag finden. Auch die Funktionsweise der Wirbelsäule durfte ich vor dem Hintergrund meiner weiteren Erfahrungen in der Gymnastizierung und den inspirierenden Impulsen aus der Biotensegrität nochmals auf andere Art beleuchten. So entstand für mich ein neues Gefühl für die Bewegungsintelligenz des Pferdes, seinen Körper wahrzunehmen und diesen seinen Motiven und der Situation entsprechend eigenverantwortlich, effizient und fließend zu bewegen.
Das Kapitel über die Faszien ist deutlich erweitert, deren Wichtigkeit im harmonischen Zusammenspiel aller körperlichen Strukturen durch die Wissenschaft immer tiefgehender erforscht wird.
Im „grünen“ Kapitel sind bzgl. der einzelnen Wirbelsäulenabschnitte, Gelenke und spezifischen Strukturen jeweils sowohl dynamische als auch statische Prüf- und Behandlungsgriffe dargestellt und beschrieben. Bei den dynamischen Testungen und Behandlungen werden die jeweiligen Gelenkpartner aktiv bewegt, bei den statischen Prüfungen und Lösungen spürt sich der Therapeut in das Gewebe hinein und lässt sich vom Pferd in die Korrekturrichtung führen. Beide Anwendungsweisen haben je nach den Gegebenheiten jeweils ihre Vorzüge. Meiner Erfahrung nach sind die Lösungen bei Anwendung der statischen Techniken v.a. bei chronischen oder „alten“ Läsionen nachhaltiger in ihrer Wirkung. Sie geben dem Pferd verstärkt die Möglichkeit, auf seinen „inneren Arzt“ (Upledger, 2000) zu hören und an seiner Genesung aktiv mitzuarbeiten. Dies wird häufig nach der Behandlung direkt sichtbar in einem selbstreflektiveren Bewegungsablauf bzw. „Bewegungsausprobieren“. Behandlung und Bewegung gehen Hand in Hand, häufig reicht das Eine nicht ohne das Andere. Helfen wir den Pferden, ihre Bewegungskompetenz wieder in die eigenen Hufe zu nehmen und die Bewegungsfreude zu leben, die ihnen die Natur geschenkt hat.
Bedanken möchte ich mich wieder herzlichst bei meiner ganzen, mittlerweile angewachsenen Familie für ihre „moralische“ Unterstützung, die mir immer wieder Kraft gegeben hat weiterzumachen. Außerdem bei meinen drei Pferden, die stets meine neuen Erkenntnisse als Erste in der Gymnastizierung veri- oder falsifizieren durften und die des Öfteren mit der Sprechblase vor mir standen: „Obacht, Katja hat wieder eine neue Erkenntnis ...“
In diesem Sinne möchte ich gerne alle Therapeuten einladen, sich von der Schönheit, Kraft und Geschmeidigkeit der Pferde anstecken und inspirieren zu lassen in ihrer behandlerischen Tätigkeit.
Ingolstadt, im April 2017
Katja M.-L. Eser
Als ich vor 2 Jahren neben meinem Pferd Caroline auf der Koppel saß, machte ich mir Gedanken darüber, ob es überhaupt Sinn macht und möglich ist, eine Checkliste für Pferde-Osteopathie zu schreiben. In einem Moment, in dem ich die Sonne wärmend auf meiner Haut spürte, die Vögel in den Bäumen zwitschern hörte, meinem Pferd beim Grasen zuschaute und die Stallkatze auf meinem Schoß kraulte – kurz: in einem Moment, in dem ich der Ganzheit der Schöpfung und des Lebens in all seiner Vielfalt und Schönheit gewahr wurde, kam mir der Gedanke völlig absurd vor, diese Einheit strukturieren, analysieren, formulieren zu wollen. Die Osteopathie, wie ich sie verstehe und anwende, ist eben gerade nicht standardisiert, schematisiert und strukturiert.
Wenn ich mit einem Pferd zusammen bin, ist es stets mein Bemühen, es in seiner ganzen Einzigartigkeit zu erspüren, seine individuellen physischen Gegebenheiten zu erkennen und sein seelisches und mentales Dasein wahrzunehmen. Dies kann sich als Spannungen oder Energieveränderungen unter meinen Händen beim Kontakt mit dem Körper des Pferdes darstellen, aber auch als Gefühle oder Bilder, die während der Behandlung in mir aufsteigen und die häufig im diesbezüglichen Gespräch mit den Pferdebesitzern Sinn und Zweck der momentanen Verfassung des Pferdes erhellen. Jedes einzelne Pferd erzählt hierbei seine einzigartige Geschichte, die sich in seinem Körper ausdrückt.
Heute weiß ich, dass es doch möglich und sinnvoll ist, eine Checkliste für Pferde-Osteopathie zu schreiben. Denn trotz der Individualität eines jeden Pferdes und eines jeden Befunds stellen sich häufig bestimmte Läsionen in bestimmten Konstellationen dar, die strukturell, funktionell oder energetisch miteinander in Verbindung stehen. Diese vielfältigen Verbindungen herauszuarbeiten und unter verschiedenen Aspekten miteinander zu vernetzen, ist der Sinn dieses Buches.
Eine meiner Human-Kraniosakral-Lehrerinnen hatte einmal zu mir gesagt: „Gott hat uns Kranio-Henkel an die Knochen gebaut, damit wir über diese Einfluss auf den Kern des Körper-Geist-Wesens nehmen können.“ Diese „Kranio-Henkel“ (= Mobilisierungspunkte) finden sich auch beim Pferd (wie bei allen Wirbeltieren), sodass wir auch ihm diese ganzheitliche und integrierende Behandlung zukommen lassen können.
Da Pferde Lebewesen sind, die ganz im Moment leben, sind sie in der Lage, die Wirkung unserer Behandlung sofort zu spüren und häufig auch sehr prompt die Veränderungen in einem neuen, physiologisch(er)en Bewegungsablauf umzusetzen. Es ist immer wieder ein Genuss zu spüren und zu sehen, wie sich ein Pferd verändert, wenn der Schmerz geht und die Lebens- und Bewegungsfreude zurückkehrt.
Besonders bedanken möchte ich mich bei den vielen Pferdebesitzern und vor allem deren Pferden, die sich mir anvertraut haben und mir durch ihre einzigartigen Fragen geholfen haben, individuelle Antworten zu finden; bei Bent Branderup, der mir neue biomechanische Sichtweisen eröffnet und spürbar gemacht hat; ganz besonders bei Walter und Brigitte Salomon, die mich in die Pferde-Osteopathie und das Wesen der Energielehre eingeführt haben.
Einen großen Dank möchte ich meinen Eltern und meinen Brüdern aussprechen, die mich auf meinem Lebensweg immer wieder bestärkt und unterstützt haben, wenn ich gezweifelt und das Gefühl hatte, meinen Weg verloren zu haben. Bei Familie Kopp für die Geduld mit mir, insbesondere bei den Fotoaufnahmen. Bedanken möchte ich mich auch bei meinen beiden Katern, die während des Schreibens dieses Buches stets darauf geachtet haben, dass ich rechtzeitig Pausen einlege, indem sie regelmäßig und unmissverständlich ihre Streicheleinheiten eingefordert haben.
Auf meinem Lebensweg wurde ich außerdem bis zu ihrer schweren Krankheit, von der sie bereits zum Zeitpunkt der Fotoaufnahmen gezeichnet war, begleitet von meiner Stute Caroline, die mich immer wieder herausgefordert hat, neu zu fragen, neu zu spüren, neu zu integrieren und stets geistig wach zu bleiben. Sie hat mir so viel geschenkt, dass diese Begleitung auch über ihren körperlichen Tod hinaus weiter besteht, dafür bin ich ihr unendlich dankbar.
Ich wünsche jedem Therapeuten viel Freude beim Begleiten seiner Pferde zu einem wachen Geist in einem freien, beweglichen Körper.
Ingolstadt, im Mai 2011
Katja M.-L. Eser
Worum geht es in diesem Buch?
Wie ist diese Checkliste am sinnvollsten zu nutzen?
In dieser Checkliste werden folgende Aspekte besonders herausgehoben:
allgemeine Grundlagen der Osteopathie und Biomechanik (Teil I, Kap. 1)
Anatomie und Biomechanik der einzelnen Gelenke mit besonderer Betrachtung der Wirbelsäule in Abhängigkeit von Aktion und Reaktion/Fortbewegung und Stand (Teil I, Kap. 2.1.1)
funktionelle Anatomie von Vorhand, Mittelhand und Hinterhand (Teil I, Kapitel 3)
bevorzugte osteopathische Untersuchungs- und Behandlungstechniken bzgl. der einzelnen Läsionen (Teil II, Kapitel 4, 5 und 6)
Befundkonzepte und häufig miteinander assoziierte Läsionen und Organbefunde (Teil III, Kapitel 7)
Verknüpfung der tastbaren Befunde mit der sichtbaren, vom Pferdebesitzer beschreibbaren Leitsymptomatik (Teil IV, Kapitel 8)
Indikationen und Kontraindikationen der Pferde-Osteopathie (Teil V, Kapitel 9 und 10)
Diese Checkliste ermöglicht den Zugang über verschiedene Fragestellungen:
der Weg vom systematischen Untersuchungsgang zum systematischen Befund
der Weg von der vermuteten Läsion zum entsprechenden Prüfgriff
der Weg von der Läsion zur spezifischen Behandlungstechnik
der Weg von der Läsion zum ganzheitlichen Behandlungskonzept
der Weg von der Läsion zur assoziierten Läsion/zum Organbefund
der Weg vom Organbefund zur Läsion
der Weg vom Leitsymptom zur Läsion
Die Darstellung der oben genannten Zusammenhänge und Behandlungsmöglichkeiten sind erwachsen aus meiner Erfahrung in der osteopathischen Arbeit und der Beobachtung des Pferdes in seiner natürlichen Bewegung. Insofern gibt dieses Buch einen Einblick in die Art und Weise, wie ich persönlich diagnostisch und therapeutisch mit dem Pferd arbeite. Immer wieder ergeben sich hierbei weitere und neue Zusammenhänge. Ich möchte jeden Therapeuten dazu ermuntern, an der Entdeckung neuer Verknüpfungen mitzuarbeiten – für eine effektive und nachhaltige Behandlung zum Wohle des Pferdes.
Abb. Muskeln des Pferdes
Abb. Knochensekelett des Pferdes
Abkürzungsverzeichnis
Widmung
Vorwort zur 2. Auflage
Vorwort zur 1. Auflage
Einführung
Teil I Grundlagen
1 Grundlagen und Begriffe der Osteopathie
1.1 Einführende Gedanken
1.2 Ursprung der Osteopathie
1.3 Behandlungssysteme
1.3.1 Strukturelle Osteopathie
1.3.2 Kraniosakrale Osteopathie
1.3.3 Fasziale Osteopathie
1.3.4 Viszerale Osteopathie
1.3.5 Pferde-Osteopathie
1.4 Prinzipien der Osteopathie
1.5 Physiologische und pathologische Biomechanik
1.5.1 Bewegungsausmaße
1.5.2 Endgefühl
1.5.3 Arthrokinematik
1.5.4 Point of Balance
2 Anatomische und biomechanische Grundlagen
2.1 Wirbelsäule
2.1.1 Vorbemerkung zur Biomechanik der Wirbelsäule
2.1.2 Obere Halswirbelsäule (Okziput–C2)
2.1.3 Untere Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule (C2 – L6)
2.2 Kreuzbein, Becken, Kreuzbein-Darmbein-Gelenk und Schweif
2.2.1 Os sacrum (Kreuzbein)
2.2.2 Ossa coxae (Becken)
2.2.3 Art. sacroiliaca (Iliosakralgelenk, Kreuzbein-Darmbein-Gelenk)
2.2.4 Vertebrae caudales (Schwanzwirbel) und sakrokokzygealer Übergang (SCÜ)
2.3 Thorax (Brustkorb)
2.3.1 Anatomie
2.3.2 Biomechanik
2.4 Vorhand
2.4.1 Scapula (Schulterblatt)
2.4.2 Art. humeri (Schulter-/Buggelenk)
2.4.3 Art. cubiti (Ellenbogengelenk)
2.4.4 Art. carpi (Vorderfußwurzelgelenk, Karpalgelenk)
2.4.5 Artt. digiti (Zehengelenke) und Ossa sesamoideae proximalis lateralis und medialis (Gleichbeine)
2.4.6 Lotlinien der Vorhand
2.5 Hinterhand
2.5.1 Art. coxae (Hüftgelenk)
2.5.2 Art. genu (Kniegelenk)
2.5.3 Art. tarsi (Tarsus, Sprunggelenk)
2.5.4 Artt. digiti (Zehengelenke) und Ossa sesamoideae proximalis lateralis und medialis (Gleichbeine)
2.5.5 Lotlinien der Hinterhand
2.6 Kranium (Schädel)
2.6.1 Synchondrosis sphenobasilaris (SSB)
2.6.2 Periphere Schädelknochen und Suturen
2.6.3 Art. temporomandibularis (TMG, Kiefergelenk)
2.6.4 Os hyoideum (Zungenbein)
2.6.5 Dura mater (harte Hirnhaut) und deren intrakranialen Anteile
2.6.6 Ventrikelsystem und Liquor
2.7 Das kraniosakrale System
2.7.1 Der kraniosakrale Rhythmus
2.7.2 Das kraniosakrale System als übergeordnetes System
2.8 Faszien
2.8.1 Zusammensetzung der Faszien
2.8.2 Funktionen der Faszien und Diaphragmen
2.8.3 Topographie der Faszien
2.8.4 Faszien als Bewegungs- und Sinnesorgan
2.8.5 Funktionsverlust der Faszie
2.8.6 Longitudinal verlaufende Faszien und ihre muskulären und knöchernen Verbindungen
2.8.7 Faszien als Ursprung und Ansatz von Bewegungsmuskeln, Vernetzung der Fascia thoracolumbalis und der Faszienketten
2.8.8 Faszienketten (nach Studie von Elbrønd u. Schultz)
2.8.9 Transversal verlaufende Faszien
2.9 Nervensystem
2.9.1 Hirnnerven
2.9.2 Somatisches Nervensystem
2.9.3 Vegetatives Nervensystem
2.10 Organe
2.10.1 Diaphragma (Zwerchfell)
2.10.2 Pulmo (Lunge)
2.10.3 Cor (Herz)
2.10.4 Gaster, Ventriculus (Magen)
2.10.5 Intestinum (Darm)
2.10.6 Hepar (Leber)
2.10.7 Lien, Splen (Milz)
2.10.8 Pankreas (Bauchspeicheldrüse)
2.10.9 Ren (Niere) und Glandula suprarenalis (Nebenniere)
2.10.10 Vesica urinaria (Harnblase)
2.10.11 Uterus, Ovarium, Tuba uterina und Uber (Gebärmutter, Eierstock, Eileiter und Euter)
2.10.12 Testes (Hoden)
2.11 Hormonsystem
2.12 Lymphsystem
2.12.1 Physiologische Drainage
3 Funktionelle Anatomie
3.1 Funktionen der Wirbelsäule
3.1.1 Der Rücken als Hänge-Bogensehnenbrücke
3.1.2 Die Balance
3.1.3 Ganzkörperbiegung
3.1.4 Wichtige Muskelketten der Wirbelsäule
3.1.5 Bedeutung einer Wirbelblockierung für die Funktionen der Wirbelsäule
3.2 Funktionen der Vorhand
3.2.1 Balance und Stützaktivität
3.2.2 Passiver Stehapparat
3.2.3 Wichtige Muskelketten der Vorhand
3.2.4 Muskelaktivitäten im Bewegungsablauf der Vorhand
3.3 Funktionen der Hinterhand
3.3.1 Schub
3.3.2 Tragen/Hankenbeugung
3.3.3 Passiver Stehapparat
3.3.4 Wichtige Muskelketten der Hinterhand
3.3.5 Muskelaktivitäten im Bewegungsablauf der Hinterhand
3.4 Funktionen des Kiefergelenks und des Zungenbeins
3.4.1 Das Kiefergelenk als übergeordnetes Gelenk
3.4.2 Das Kauen
3.4.3 Die Okklusion
3.4.4 Funktionen des Zungenbeins
3.5 Funktionen der Atmung
3.5.1 Atemmechanik
3.5.2 Osteopathisch relevante Funktionen der Atmung
3.5.3 Atmung und Psyche
Teil II Osteopathische Untersuchung und Behandlungstechniken
4 Allgemeiner Untersuchungsgang
4.1 Anamnese
4.2 Adspektion
4.2.1 Im Profil
4.2.2 Von kranial
4.2.3 Von kaudal
4.2.4 Von dorsal
4.3 Ganganalyse
4.4 Allgemeine Palpation
4.5 Stresspunkt-Diagnostik
4.6 Globale Bewegungstests
4.6.1 Wirbelsäule
4.6.2 Vorhand
4.6.3 Hinterhand
4.7 Lauschen (Listening-, Ecoute-Technik)
5 Allgemeine Behandlungstechniken
5.1 Grundlagen
5.1.1 Vorbereitung
5.1.2 Ziel
5.1.3 Behandlungsgrundsätze
5.2 Muskeltechniken
5.2.1 Streichung (Effleurage)
5.2.2 Klopfung (Tapotement)
5.2.3 Knetung/Walkung (Petrissage)
5.2.4 Zirkelung (Friktion)
5.2.5 Spindelzelltechnik
5.2.6 Golgitechnik
5.2.7 Stresspunkt-Therapie
5.3 Globale Dehntechniken
5.3.1 Durchführung der Dehntechniken
5.4 Faszientechniken
5.4.1 Strukturelle Techniken
5.4.2 Diaphragmentechniken
5.4.3 Lösung des Faszienkontinuums
5.5 Osteopathische Techniken
5.5.1 Direkte Technik
5.5.2 Indirekte Technik
5.5.3 Kompression-Traktion
5.5.4 V-Spread
5.5.5 Release der Diaphragmen
5.6 Kraniosakrale Techniken
5.6.1 Unwinding
5.6.2 Still-Point
5.6.3 CV4
5.6.4 Dural tube
6 Spezifische Prüf- und Behandlungsgriffe
6.1 Wirbelsäule
6.1.1 Obere Halswirbelsäule (Okziput–C2)
6.1.2 Untere Halswirbelsäule (C3 – C6)
6.1.3 Zervikothorakaler Übergang (C7/Th1, CTÜ)
6.1.4 Th2 – Th10 (Widerrist)
6.1.5 Th11–L6 (mit TLÜ)
6.2 Kreuzbein
6.2.1 Prüfung FLEX/Gegennutation
6.2.2 Prüfung EXT/Nutation
6.2.3 Prüfung LATFLEX/ROT
6.2.4 Prüfung Torsion/Wobbel
6.3 SCÜ und Schwanzwirbel
6.3.1 Testung der globalen Schweifrübenbeweglichkeit
6.3.2 Testung der einzelnen Schwanzwirbel
6.4 Becken
6.4.1 Prüfung FLEX/Nutation
6.4.2 Prüfung EXT/Gegennutation
6.4.3 Prüfung LATFLEX/ROT
6.4.4 Prüfung Torsion/Wobbel
6.4.5 Becken-Wirbelsäulen-Symmetrie
6.5 ISG
6.5.1 ISG-Prüfgriff
6.5.2 Lauschen des ISG
6.5.3 Prüfung ISG-Kompression einseitig
6.5.4 Prüfung ISG-Traktion
6.5.5 Prüfung ISG-Kompression beidseitig
6.5.6 Prüfung ISG-Provokationstest nach ventral
6.6 Brustbein
6.6.1 Prüfung des Brustbeins
6.7 Brustkorb
6.7.1 Prüfung Rippenstellung 1
6.7.2 Prüfung Rippenstellung 2
6.8 1. Rippe
6.8.1 Prüfung der 1. Rippe
6.9 Vorhand
6.9.1 Schulterblatt
6.9.2 Schultergelenk
6.9.3 Ellenbogengelenk
6.9.4 Vorderfußwurzelgelenk
6.9.5 Fesselgelenk
6.9.6 Krongelenk
6.9.7 Hufgelenk
6.9.8 Gleichbeine
6.10 Hinterhand
6.10.1 Hüftgelenk
6.10.2 Kniegelenk
6.10.3 Sprunggelenk
6.11 Schädel
6.11.1 Kiefergelenk
6.11.2 Zungenbein
6.11.3 Synchondrosis sphenobasilaris (SSB)
6.11.4 Suturen und periphere Schädelknochen
6.11.5 Dura mater und Liquor
6.11.6 Falx/Tentorium/Fulkrum
6.12 Diaphragmen
6.12.1 Prüfung Tentorium cerebelli
6.12.2 Prüfung Atlas/Okziput
6.12.3 Prüfung Kiefergelenk/hyoidale Aufhängung
6.12.4 Prüfung Thoraxapertur
6.12.5 Prüfung Diaphragma
6.12.6 Prüfung Beckendiaphragma
6.13 Nachbereitung der Behandlung
Teil III Befunde und Behandlungskonzepte
7 Befund- und Behandlungskonzepte nach Körperregionen
7.1 Obere Halswirbelsäule (Okziput – C2)
7.1.1 Befunde
7.1.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.1.3 Behandlungskonzept
7.2 Untere Halswirbelsäule (C3–C6)
7.2.1 Befunde
7.2.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.2.3 Behandlungskonzept
7.3 Zervikothorakaler Übergang (CTÜ; C7/Th1)
7.3.1 Befunde
7.3.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.3.3 Behandlungskonzept
7.4 Widerrist (Th2–Th10)
7.4.1 Befunde
7.4.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.4.3 Behandlungskonzept
7.5 Kaudale Brust- bis Lendenwirbelsäule (Th11–L6)
7.5.1 Befunde
7.5.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.5.3 Behandlungskonzept
7.6 Kreuzbein
7.6.1 Befunde
7.6.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.6.3 Behandlungskonzept
7.7 SCÜ und Schwanzwirbel
7.7.1 Befunde
7.7.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.7.3 Behandlungskonzept
7.8 Becken
7.8.1 Befunde
7.8.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.8.3 Behandlungskonzept
7.9 Iliosakralgelenk
7.9.1 Befunde
7.9.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.9.3 Behandlungskonzept
7.10 Brustbein
7.10.1 Befunde
7.10.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.10.3 Behandlungskonzept
7.11 Brustkorb
7.11.1 Befunde
7.11.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.11.3 Behandlungskonzept
7.12 1. Rippe
7.12.1 Befunde
7.12.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.12.3 Behandlungskonzept
7.13 Schulterblatt und Schultergelenk
7.13.1 Befunde
7.13.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.13.3 Behandlungskonzept
7.14 Ellenbogengelenk
7.14.1 Befunde
7.14.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.14.3 Behandlungskonzept
7.15 Vorderfußwurzelgelenk
7.15.1 Befunde
7.15.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.15.3 Behandlungskonzept
7.16 Fesselgelenk
7.16.1 Befunde
7.16.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.16.3 Behandlungskonzept
7.17 Krongelenk
7.17.1 Befunde
7.17.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.17.3 Behandlungskonzept
7.18 Hufgelenk
7.18.1 Befunde
7.18.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.18.3 Behandlungskonzept
7.19 Gleichbeine
7.19.1 Befunde
7.19.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.19.3 Behandlungskonzept
7.20 Hüftgelenk
7.20.1 Befunde
7.20.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.20.3 Behandlungskonzept
7.21 Kniegelenk
7.21.1 Befunde
7.21.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.21.3 Behandlungskonzept
7.22 Sprunggelenk
7.22.1 Befunde
7.22.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.22.3 Behandlungskonzept
7.23 Kiefergelenk
7.23.1 Befunde
7.23.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.23.3 Behandlungskonzept
7.24 Zungenbein
7.24.1 Befunde
7.24.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.24.3 Behandlungskonzept
7.25 Synchondrosis sphenobasilaris
7.25.1 Befunde
7.25.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.25.3 Behandlungskonzept
7.26 Suturen und periphere Schädelknochen
7.26.1 Befunde
7.26.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.26.3 Behandlungskonzept
7.27 Dura mater und Liquor
7.27.1 Befunde
7.27.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.27.3 Behandlungskonzept
7.28 Falx/Tentorium/Fulkrum
7.28.1 Befunde
7.28.2 Mögliche assoziierte Befunde
7.28.3 Behandlungskonzept
7.29 Diaphragmen
7.29.1 Tentorium cerebelli
7.29.2 Atlas/Okziput
7.29.3 Hyoidale Aufhängung/Kiefergelenk
7.29.4 Thoraxapertur
7.29.5 Diaphragma
7.29.6 Beckendiaphragma
7.30 Organe
7.30.1 Lunge
7.30.2 Herz
7.30.3 Magen
7.30.4 Darm
7.30.5 Leber
7.30.6 Milz
7.30.7 Bauchspeicheldrüse
7.30.8 Nieren
7.30.9 Harnblase
7.30.10 Gebärmutter/Eierstöcke/Eileiter/Euter
7.30.11 Hoden/Kastrationsnarbe
Teil IV Leitsymptome, Indikationen und Kontraindikationen
8 Leitsymptome
8.1 Einführung
8.2 Rittigkeitsprobleme
8.2.1 Eingeschränkte Stellung/Verwerfen im Genick
8.2.2 Eingeschränkte Biegung der Wirbelsäule
8.2.3 Eingeschränkte Dehnungshaltung/Verkriechen hinter dem Zügel
8.2.4 Eingeschränkte relative Aufrichtung/über dem Zügel/Abstützen auf dem Zügel
8.2.5 Zungenfehler
8.2.6 Schiefstehender Schweif/Schweifschlagen
8.2.7 Verrutschen des Sattels/schlechte Sattellage
8.3 Gangstörungen/Lahmheiten
8.3.1 Vorhand: reduzierter Raumgriff/Taktstörung/Stolpern/Greifen
8.3.2 Hinterhand: reduzierter Schub/reduzierte Tragkraft/Wegknicken
8.3.3 Reduzierte Hankenbeugung mit reduziertem Untertreten
8.3.4 Lateralisierung des Taktes (= Pass)
8.3.5 Falsches Angaloppieren/Kreuzgalopp/Außengalopp
8.3.6 Kurze/asymmetrische/taktunreine Seitengänge
8.3.7 Schlechtes Taxieren vor dem Sprung
8.3.8 Vorhandfehler über dem Sprung
8.3.9 Hinterhandfehler über dem Sprung
8.3.10 Sehnenprobleme
8.4 Verhaltensauffälligkeiten
8.4.1 Koordinationsstörungen
8.4.2 Sattel-/Gurtzwang
8.4.3 Allgemeine Berührungsempfindlichkeit
8.4.4 Stereotypien (Weben, Koppen, Stangenwetzen, Zaunlaufen u. Ä.)
8.4.5 Headshaking
8.4.6 Schreckhaftigkeit, Ängstlichkeit, Scheuen vor „Gespenstern“
8.5 Viszerale Leitsymptome
8.5.1 Kolik
8.5.2 Diarrhoe/Verdauungsunregelmäßigkeiten
8.5.3 Schlechte Futterverwertung/Schwerfutterigkeit
8.5.4 Husten/Atembeschwerden
8.5.5 Leistungsabfall
8.5.6 Infektanfälligkeit
8.5.7 Allergien
8.5.8 Hautprobleme
8.5.9 Schlechte Fellqualität
8.5.10 Übermäßiges/reduziertes Schwitzen bzw. Nachschwitzen
8.5.11 Miktionsstörungen
8.5.12 Polyurie/Anurie
8.5.13 Auffälligkeiten der Rosse
8.5.14 Vaginalausfluss
8.5.15 Stute nimmt nicht auf/hat verfohlt
8.5.16 Erektionsstörungen/Unfruchtbarkeit des Hengstes
8.5.17 „Angelaufene Beine“
9 Indikationen
9.1 Allgemeine Indikationen
9.2 Spezielle Indikationen
10 Kontraindikationen
10.1 Absolute Kontraindikationen
10.2 Relative Kontraindikationen
10.3 Spezifische Kontraindikationen für CV4
10.4 Spezifische Kontraindikationen für Sakrumtechniken
Teil V Anhang
11 Muskeln, Funktionen, Innervation
12 Ausleitung und Entgiftung
12.1 Indikationen
12.2 Ausleitungskur der Fa. Phoenix
12.2.1 Anwendungsempfehlung
13 Literaturverzeichnis
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
1 Grundlagen und Begriffe der Osteopathie
2 Anatomische und biomechanische Grundlagen
3 Funktionelle Anatomie
Eine Bewegung kommt dadurch zustande, dass die Muskeln über die Sehnen die Knochen bewegen und dadurch die Stellung der Knochen zueinander in deren gemeinsamem Gelenk verändern. Für eine physiologische Bewegung sind unter vielen anderen wichtigen Punkten erforderlich:
Physiologischer Spannungszustand der Muskulatur, d. h. ein Muskel muss jederzeit in der Lage sein,
sich anzuspannen,
sich zu entspannen und
sich dehnen zu lassen.
Physiologischer Zustand der Gelenke inklusive Kapseln und Bänder, d. h.
die Gelenksflächen müssen eine reibungslose und
die Kapseln und Bänder eine endgradige Winkelveränderung der beteiligten Gelenkpartner ermöglichen.
Physiologisches Zusammenspiel von Muskel- und Nervensystem (NS), d. h.
efferente und afferente Impulse müssen störungsfrei zwischen NS und Muskelfasern bzw. Erfolgsorgan fließen können.
Physiologische Balance im vegetativen Nervensystem (VNS):
Erregung durch den Sympathikus und Erholung durch den Parasympathikus müssen sich gegenseitig kontrollieren.
Die Harmonie im VNS stellt die Basis dar, insbesondere auch für die Behandlung eines Pferdes, das vordergründig „lediglich“ ein körperliches Problem zu haben scheint, z. B. in Form von Lahmheit, Rückensteifigkeit u. Ä. Eine Dysbalance im VNS verhindert zuweilen, dass eine handwerklich korrekt durchgeführte osteopathische Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt oder die Linderung nur kurzzeitig anhält.
Im Hinblick auf das VNS darf bei der Behandlung einer gesundheitlichen Störung die Natur des Pferdes nicht außer Acht gelassen werden: sein Wesen als Flucht- und Herdentier.
Das Vegetativum des Pferdes kann sich in 2 Richtungen auswirken:
Lebt ein Pferd unter nicht artgerechten Umständen, fühlt es sich in seiner Sicherheit bedroht, hat es keine klare Führung durch seinen Menschen/seine Herde oder leidet es unter Schmerzen, so führt dies zu einem Sympathikotonus mit Anstieg des muskulären Grundtonus, was längerfristig zu Verspannungen, Gelenksblockierungen und Bewegungseinschränkungen führen kann.
Umgekehrt können diese Blockierungen wiederum zu erhöhter emotionaler Unsicherheit oder Alarmbereitschaft führen, da das Pferd sich in seinen Bewegungen und somit in seinen Fluchtmöglichkeiten eingeschränkt fühlt oder auch, weil Wirbelblockierungen spinale Faseranteile des VNS komprimieren und zu vegetativen Dysfunktionen führen können.
Wenn sich ein Pferd mit seinem Menschen/seiner Herde und in seiner Umgebung sicher fühlt, kann es seine eigenen Sicherungsaktivitäten reduzieren und seinen Muskeltonus senken. Emotion und Muskeltonus sind gerade beim Fluchttier Pferd untrennbar miteinander verknüpft. Insofern ist die Atmosphäre, in der ein Pferd lebt, und die Art und Weise, in der täglich mit ihm umgegangen und es von seinem Menschen geführt wird, für den Erfolg und die Nachhaltigkeit einer osteopathischen Behandlung von nicht zu unterschätzender Bedeutung.
Weitere wichtige Aspekte der physischen und psychischen Gesundheit des Pferdes seien hier der Vollständigkeit halber kurz angesprochen:
Haltungsbedingungen:
Ernährungszustand, Erkrankungsresistenz, selbst gewähltes Bewegungspotenzial an frischer Luft und bei natürlichem Licht, Pferdefreundschaften/soziale Kontakte
Hufschmied:
biomechanisch individuelles, tragfähiges Fundament für den gesamten Bewegungsapparat
Sattler:
schmerzfreie und kommunikationssfördernde Verbindung zwischen Pferd und Reiter
Tierarzt:
gesundes Organ- und Bewegungssystem
Pferdezahnarzt:
Zahngesundheit, Biomechanik des Kiefergelenks
ausbalancierter Reiter:
im gemeinsamen Schwerpunkt befindliche handunabhängige und sensible Kommunkation mit dem Pferd
Ein Pferd hat wie jedes Lebewesen ein Selbstbewusstsein in dem Sinne, dass es sich selbst als Körper wahrnimmt. Diese Körperwahrnehmung begründet sich vornehmlich auf:
dem Sehsinn: das Pferd kann je nach Stellung des Kopfes seine Vorderbeine, Hinterbeine und Teile seines Rumpfes betrachten,
dem Tastsinn: das Pferd beknabbert sich selbst oder wird von seinem bevorzugten Sozialpartner an bestimmten Körperstellen beknabbert oder es reibt sich an bestimmten Gegenständen,
der Tiefensensibilität, deren Rezeptoren in Gelenkskapseln, Bändern, Sehnen und Muskeln dem Pferd jederzeit zum Gehirn melden, in welcher Stellung oder Lage sich seine Körperteile und Gelenke befinden.
Diese Informationen werden sowohl im somatischen wie auch dem vegetativen Nervensystem verarbeitet und beantwortet. Die Beantwortung findet unter anderem statt durch:
Skelettmuskeln, die die Bewegungen des Körpers durchführen (> grob- und feinmotorische Aktivität) und
propriozeptive Muskeln, die kleinste und feinste Stellungsänderungen in den Gelenken und Wirbelsäulensegmenten vornehmen (> Stellungs- und Halteaktivität).
Verletzungen, Blockierungen, psychischer Druck oder Schmerzen verändern dieses Körperbild, das Pferd entwickelt kompensatorische Bewegungen und speichert dieses unphysiologische Körperbild (im schlimmsten Fall irreversibel) in seinem Gehirn ab. Die Förderung von Aktivitäten beider Muskelsysteme führt zu einer physiologischen, harmonischen und gesund erhaltenden Bewegung, die das Pferd dann als gewünschtes Körperbild in seinem Gehirn abspeichern kann.
Beachte
Nach erfolgter therapeutischer Behandlung muss dem Pferd ausreichend Zeit zugestanden werden, sich an sein physiologisches Körperbild zu erinnern und die bisher schmerzhaften Bewegungen wieder natürlich und harmonisch auszuführen.
Andrew Taylor Still (1828 – 1917) war der Begründer der Human-Osteopathie. Er hatte eine tiefgläubige Überzeugung von der Gott gegebenen, vollkommenen Anatomie des Menschen, die für die gesunde Funktion des Organismus maßgeblich ist. Als Arzt und Farmer hatte er ein sehr pragmatisches Verständnis der Anatomie: Wie der Mechaniker die Maschine bezüglich einer Fehlfunktion muss ein Osteopath den Menschen in seiner anatomischen und physiologischen Detailliertheit einerseits und seiner Ganzheit andererseits überprüfen können, um eine Erkrankung ursächlich erfassen und behandeln zu können. Seine Forderung der präzisen Kenntnis der Anatomie und Physiologie des Organismus schlägt sich nieder in den von ihm aufgestellten ▶ Prinzipien der Osteopathie. Aufgrund von Studien und Erfahrungen seiner Behandlungen während einer Ruhrepidemie 1874 erkannte Still, dass viele Erkrankungen durch Bewegungsverluste bzw. Blockierungen in Gelenken, Muskeln, Organen oder Geweben verursacht werden. Nach Still soll der Begriff „Osteopathie“ als eine Technik verstanden werden, bei der der Weg zur Heilung über das Skelett beschritten wird.
Im Rahmen der Osteopathie wird spür- und sichtbar, wie die Knochen sowohl Ursache einer Krankheit als auch therapeutische Hebel für die Genesung sind.
Im Laufe der Zeit haben sich innerhalb der Osteopathie unterschiedliche Behandlungssysteme entwickelt, die ihre Behandlungsansätze auf unterschiedlichen anatomischen Bestandteilen des Körpers begründen. Fließende Übergänge im Rahmen der Behandlung sind angesichts der Ganzheitlichkeit des osteopathischen Grundgedankens unvermeidlich und begrüßenswert.
Die strukturelle Osteopathie bezieht sich hauptsächlich auf die Erkenntnisse von A.T. Still und ist streng mechanisch ausgerichtet. Dabei liegt ihr Untersuchungs- und Behandlungsschwerpunkt auf den osteo- und arthrokinematischen Bewegungen in der WS und allen Gelenken des Körpers sowie der zugehörigen Muskeln, Sehnen, Ligamente und Faszien. Durch verschiedene manuelle und Reflex-Techniken werden Blockierungen in Gelenken gelöst, um deren freie Beweglichkeit wieder zu gewährleisten. Die Befreiung der Struktur zieht die Befreiung der Funktion nach sich, sowohl der Gelenke als auch der Körperflüssigkeiten und des NS:
ungehinderte arterielle Ver- und venöse/lymphatische Entsorgung der Zellen
ungehinderte Übertragung von afferenten und efferenten Nervenimpulsen
William Garner Sutherland (1873 – 1954) hatte aufgrund von Selbstversuchen entdeckt, dass die einzelnen Schädelknochen mit den Suturen als Scharniere beweglich sind und nicht – wie bis dahin angenommen – spätestens im Erwachsenenalter fest miteinander verwachsen sind. Er ging davon aus, dass sich diese Bewegungen auf der Fluktuation des Liquors innerhalb des Schädels begründen, die entlang des Rückenmarks bis zum Sakrum weitergeleitet wird. Bei seinen Forschungen fiel ihm auf, dass sich der Schädel rhythmisch verformte, was sich wie ein Dehnen und Entspannen des Schädels anfühlte, ähnlich des Dehnens und Entspannens des Brustkorbs bei der Lungenatmung. Er gab dieser Schädel- und fortgeleiteten Sakrum-Bewegung daher den Namen „kraniosakrale Atmung“.
Grundlegend weiterentwickelt wurde in den 1970er-Jahren die kraniosakrale Osteopathie durch John Upledger, dem als Arzt bei der Assistenz von neurochirurgischen Operationen am Gehirn und an der WS eine Bewegung der Hirnhäute auffiel, die als rhythmische Bewegung des Liquors identifiziert werden konnte, und somit die Existenz des kraniosakralen Rhythmus untermauerte. Darüber hinaus hat Upledger erkannt, dass neben dem Gehirn jede einzelne Körperzelle in der Lage ist, Erfahrungen in Form von Energie zu speichern (Zellgedächtnis). Während der BeHANDlung betreffender Körperstellen kann es zu einer „Gewebeerinnerung“ kommen, die zur Lösung dieser gebundenen Energie und damit zur Befreiung der betreffenden körperlichen Struktur führt.
Die Selbstheilungskräfte wollen den Körper immer wieder zu seiner gesunden Form zurückführen und die kraniosakrale Arbeit des Therapeuten unterstützt grundlegend diese Selbstheilung durch das Hinhören auf den „inneren Arzt“ des Patienten. Der „äußere Arzt“, also der Therapeut, wird dabei zum „wohlwollenden“ Wegbegleiter; der Patient ist der „wohl wissende/wohl erinnernde“ Heiler in eigener Verantwortung.
Die fasziale Osteopathie bezieht sich auf die zum Teil hauchdünne Bindegewebsschicht, die sämtliche Strukturen innerhalb des Körpers umhüllt, um die Integrität der jeweiligen Struktur einerseits und die möglichst reibungslose Verschieblichkeit aller Strukturen untereinander andererseits zu gewährleisten. Die Faszien sind im Rahmen der osteopathischen Behandlung von herausragender Bedeutung: Sie integrieren, kontrollieren und koordinieren alle Strukturen und Bewegungen untereinander und miteinander. Störungen im faszialen System ziehen früher oder später zwangsläufig Störungen nach sich, die zum Teil sowohl topografisch, strukturell oder auch funktionell erheblich entfernt sind vom ursächlichen Störungsherd.
Bei der viszeralen Osteopathie, wie sie vor allem von Jean Pierre Barral weiterentwickelt wurde, liegt der Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit auf der Lösung der inneren Organe und deren bindegewebigen Aufhängungen, Gefäßen und Nerven. Diese Technik ist sehr effektiv, z. B. bei funktionellen Organerkrankungen oder nach Operationen/Entzündungen im Bauchraum, die häufig Verwachsungen oder Vernarbungen nach sich ziehen.
Beim Pferd ist die viszerale Osteopathie aufgrund der sehr straffen Bauchdecke nicht in der klassischen Form anwendbar. Hier findet die Behandlung und Lösung von viszeralen Läsionen hauptsächlich über fluide, fasziale und energetische Techniken statt, aber auch über spezielle Dehnübungen, bei denen über die Einnahme bestimmter Körperhaltungen die viszeralen Strukturen innerhalb des Körpers gegeneinander bewegt und gelöst werden. Außerdem kann die Motilität, die individuelle Eigenbewegung jedes einzelnen Organs, über subtiles Lauschen wahrgenommen und gelöst werden.
Die Anwendung der osteopathischen Techniken als Pferde-Osteopathie verdanken wir u. a. Pascal Evrard (Prof. für Pferdeosteopathie) und Dominique Giniaux, einem Tierarzt, Akupunkteur und Human-Osteopathen, der im Laufe der 1980er-Jahre die Methode erstmals auf Pferde angewandt hatte. Nach seinem Verständnis ist Osteopathie keine neuartige Behandlungsmethode, sondern eine bestimmte Art, den lebendigen Organismus in seiner Ganzheit zu betrachten: Es gehe nicht darum, dem Pferd etwas zu flüstern, sondern im Gegenteil dem Pferd zuzuhören und sich von ihm in der Behandlung führen zu lassen. Dieses Verständnis der Osteopathie erinnert stark an Upledger und bestätigt die speziesübergreifende Gültigkeit der Osteopathie.
Die Struktur bestimmt die Funktion; die Funktion bestimmt die Struktur
Die Funktion eines Organs oder eines Gelenks ist nur dann gewährleistet, wenn die Struktur morphologisch intakt ist. Umgekehrt ist die Integrität der Struktur nur dann gegeben, wenn die Funktion physiologisch abläuft.
Die arterielle Regel
Alle Zellen und Gewebe des Körpers sind für ihre physiologische Funktion darauf angewiesen, durch ausreichende Mengen arteriellen Blutes mit allen nötigen Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und durch den venösen Blutabfluss und den Lymphabtransport von Abfallstoffen entsorgt zu werden. Eine diesbezügliche Störung führt früher oder später zum Zelltod. Dieser lokale Zelltod führt zu einer funktionellen Einschränkung des übergeordneten Gewebes, was wiederum eine morphologische Veränderung desselben nach sich zieht.
Der Körper ist eine Einheit
Die physiologische Funktion des Gesamtkörpers beruht auf der Vollkommenheit der Zusammensetzung, des Zusammenspiels aller Zellen miteinander und aller Organe untereinander. Jede Störung im Kleinen zieht entsprechend der Anatomie, Biomechanik und Physiologie eine Störung im Großen nach sich.
Der Körper hat die Fähigkeit zur Selbstregulation und Selbstheilung
Ein Körper ist in seinem individuellen Rahmen in der Lage, sich selbst zu schützen und zu heilen. Der Arzt/Therapeut kann von außen nur unterstützend einwirken. Ist der Körper selbst nicht (mehr) in der Lage, die erforderlichen regulierenden und reparierenden Maßnahmen zu ergreifen, führt auch alle Hilfe von außen nicht zur Genesung.
Um beurteilen zu können, ob eine physiologisch freie oder pathologisch eingeschränkte Beweglichkeit vorliegt, sind die verschiedenen Bewegungsbereiche eines Gelenks zu beachten:
aktives Bewegungsausmaß:
resultiert aus der Kontraktionskraft des Agonisten und der Dehnfähigkeit des Antagonisten
ist kleiner als das passive Bewegungsausmaß
passives Bewegungsausmaß:
resultiert aus den Strukturen, die das Gelenk stabilisieren (Bänder, Gelenkskapsel)
ist kleiner als das anatomische Bewegungsausmaß
anatomisches Bewegungsausmaß:
resultiert aus der knöchernen/knorpeligen Formung der Gelenkpartner
Bei der Bewegungstestung treten in der maximalen Endstellung des Gelenks folgende Endgefühle auf:
Die Ermittlung des Endgefühls (EndG) im Rahmen der dynamischen Testung der Gelenke und die damit verbundenen Rückschlüsse ermöglichen die Wahl der korrekten und sinnvollen Behandlungstechnik zur Befreiung der Strukturen.
Um beurteilen zu können, ob eine Gelenksbewegung physiologisch oder pathologisch abläuft, sind die arthrokinematischen Abläufe zu beachten:
Osteokinematik beschreibt die Bewegungen der Gelenkpartner im Raum.
Arthrokinematik beschreibt die Bewegungen der Gelenkpartner im Gelenk; sie ist abhängig von deren Form (konkav/konvex).
Eine physiologische rotatorische Bewegung setzt sich stets aus einer rollenden und gleichzeitig gleitenden Bewegungskomponente zusammen ( ▶ Abb. 1.1).
Gleiten
translatorische Bewegungskomponente
ein Punkt des Punctum fixum berührt immer neue Punkte des Punctum mobile
das Gleiten erfordert absolut kongruente Gelenksflächen
die arthrokinematische Richtung des Gleitens ist jeweils abhängig von der Form des sich bewegenden Gelenkspartners
Rollen
rotatorische Bewegungskomponente (im engeren Sinne)
immer neue Punkte des Punctum fixum berühren immer neue Punkte des Punctum mobile
das Rollen ist möglich auch bei inkongruenten Gelenksflächen
die arthrokinematische Richtung des Rollens entspricht jeweils der osteokinematischen Bewegungsrichtung des Knochens im Raum
bei insuffizientem Rollen und Gleiten:
punktuelle Kompression bestimmter Gelenksanteile
Gefahr von Blockierung bis hin zur Subluxation/Luxation des Gelenks
Bei Festellen einer Blockierung ist zunächst die Befreiung des Gleitens erforderlich, um dann anschließend das Rollen zu mobilisieren.
Welcher Gelenkpartner bei der Mobilisierung in welche Richtung gelöst werden muss, ergibt sich aus der Konvex-Konkav-Regel ( ▶ Abb. 1.1):
Konkav-Regel: Konkaver Gelenkpartner bewegt (= punktum mobile), konvexer Gelenkpartner steht (= punktum fixum):
Gleiten und Rollen gehen in die gleiche Richtung.
Konvex-Regel: Konvexer Gelenkpartner bewegt (= punktum mobile), konkaver Gelenkpartner steht (= punktum fixum):
Gleiten geht in die entgegengesetzte Richtung des Rollens.
Für eine strukturschonende Befreiung von Gelenken ist es wichtig, vor der Mobilisierung zu beurteilen:
Welcher Gelenkpartner ist konvex, welcher Gelenkpartner ist konkav?
Welcher Gelenkpartner wird bewegt?
Abb. 1.1 Rollen (R) und Gleiten (G) nach der Konvex-konkav-Regel.
Abb. 1.1a Ist die sich bewegende Gelenkfläche konvex, geht die Gleitbewegung in die entgegengesetzte Richtung als die Rollbewegung. Die Rollbewegung im Gelenk ist immer gleichsinnig zur Knochenbewegung.
(Hohmann M, Hrsg. Physiotherapie in der Kleintierpraxis. 3. Aufl. Stuttgart: Sonntag Verlag in Georg Thieme Verlag; 2017)
Abb. 1.1b Ist die sich bewegende Gelenkfläche konkav, geht die Gleitbewegung in die gleiche Richtung wie die Rollbewegung.
(Hohmann M, Hrsg. Physiotherapie in der Kleintierpraxis. 3. Aufl. Stuttgart: Sonntag Verlag in Georg Thieme Verlag; 2017)
Je nach Art und Topografie einer Struktur sind Qualität und Quantität ihrer Mobilität sehr unterschiedlich, müssen aber struktur- und topografiespezifisch immer gleich sein, um zu gewährleisten, dass die betreffende Struktur ihren physiologischen Anforderungen im Dienste des Gesamtorganismus entsprechen kann.
Der Point of Balance (PoB) ist ein Punkt, um den herum sich jegliche physiologischen Körperfunktionen abspielen. Eine Struktur im physiologischen Gleichgewicht der Bewegung bedeutet, dass sie sich in alle Richtungen gleich weit (Quantität) und gleich geschmeidig (Qualität) bewegen lässt. In diesem Zustand befindet sich die Struktur im physiologischen „Point of Balance“ ( ▶ Abb. 1.2).
Abb. 1.2 Physiologischer Point of Balance. B ist im Gleichgewicht: A und C stehen unter gleichmäßiger Spannung bzw. Entspannung. B kann sich gleichermaßen in Richtung A und C verschieben/bewegen.
(Salomon B, Salomon W. Pferde-Osteopathie. 3. Aufl. Stuttgart: Sonntag Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart; 2014)
Ein pathologischer Point of Balance ( ▶ Abb. 1.3) führt zu einer Läsion.
Läsion bedeutet eine quantitative und/oder qualitative Bewegungsveränderung einer Struktur. Sie wird immer danach benannt, wohin die Bewegungsrichtung einfacher geht bzw. wo ein pathologisch größeres Bewegungsausmaß vorliegt.
Eine osteopathische Läsion ist röntgenologisch kaum nachweisbar, da sie sich grundsätzlich über die quantitative und/oder qualitative Veränderung der Mobilität und/oder Motilität der Struktur definiert, die mittels der Hände spürbar ist. Eine sichtbare Fehlstellung eines Wirbels oder eine sichtbare Einschränkung einer Gelenksbewegung in der Ganganalyse kann, muss aber nicht vorliegen. Dies ist hauptsächlich abhängig von den kompensatorischen Ressourcen des Pferdes.
Alle Knochen, Gelenke und Muskeln, Herz-Kreislauf, Atmung, die gesamte Physiologie des Pferdes sind so aufgebaut und angelegt, dass es seiner Natur als Herden- und Fluchttier entsprechend mit möglichst wenig Energieverbrauch lange stehen, langsam und ausdauernd wandern und dabei fressen kann und bei Bedarf eine explosionsartige Flucht in jegliche Richtung antreten kann.
Aufgrund der knöchernen Gestalt des Wirbels, der Stellung der Gelenkfortsätze, dem Vorhandensein der Bandscheiben und der Zugwirkungen der umliegenden Bandstrukturen ist eine Seitbiegung (LATFLEX) stets mit einer Rotation (ROT) des jeweiligen Wirbelkörpers gekoppelt.
Im Bereich der Pferde-Osteopathie ist bisher beschrieben worden, dass:
in Neutralposition und Streckung (EXT) die ROT kontralateral/gegensinnig der LATFLEX sei.
in Beugung (FLEX) die ROT ipsilateral/gleichsinnig der LATFLEX sei.
Die Richtung der Rotation im Verhältnis zur LATFLEX lässt sich nicht anhand der reinen Knochenstrukturen beantworten: Am knöchernen Skelett stellt sich die Biomechanik häufig nur unvollständig und dadurch anders dar als am lebendigen, bemuskelten, sich bewegenden Lebewesen.
Aufgrund eigener Erfahrungen bei der osteopathischen Behandlung, der gymnastizierenden Bodenarbeit, dem therapeutischen Beritt und Beobachtungen des auf der Koppel freilaufenden Pferdes habe ich folgende Erkenntnis gewonnen: Die Frage, ob die LATFLEX mit einer ipsilateralen oder kontralateralen ROT gekoppelt ist, ist davon abhängig, ob die Wirbelsäulenbiegung von der mobilen Vor- oder Hinterhand aus initiiert wird oder ob die Beine am Boden stehen und die Bewegung vom Rumpf aus initiiert wird. Es stellt sich also die Frage: Ist die WS an (mindestens) einem Ende frei beweglich (Punctum mobile) oder ist sie an beiden Enden fixiert (Punctum fixum)? Darüber hinaus hängt sie davon ab, ob das Pferd die LATFLEX selbst aktiv durchführt oder passiv in die Biegung geführt wird.
Die Wirbelsäule (WS) ist je nach Gangphase immer mindestens an einem Ende frei beweglich (ein Punctum fixum, ein Punctum mobile).
Je kürzer der Vortritt des Spielbeins ist (z. B. in der Versammlung), desto geringer fällt die Amplitude der Wirbelsäulenrotation und somit auch der Brustkorbrotation aus, sie schwingt aber weiterhin kontralateral der LATFLEX. Diese koordinierte Verknüpfung von LATFLEX/ROT kontralateral ermöglicht u. a. den 4-Takt im Schritt und verhindert die Lateralisierung zum Passgang.
Die WS ist an beiden Enden fixiert (2 Puncta fixa).
Bsp.: LATFLEX links im Stand ( ▶ Abb. 2.1, vgl. auch ▶ Wirbelsäulenbiegung)
Im Stand ist ein „Aus-dem-Weg-Schwingen“ des Brustkorbs nicht erforderlich, da kein Vortritt durch das ipsilaterale Hinterbein erfolgt.
Die Bewegung der HWS entspricht der Bewegung der gesamten WS von kaudal her in der Fortbewegung: Die kontralaterale ROT setzt sich durch die gesamte WS von kranial nach kaudal zum Sakrum bzw. von kaudal nach kranial zum Okziput fort → der Mähnenkamm fällt in die LATFLEX
Die Bewegung der HWS entspricht der Bewegung der gesamten WS im Stand: Es findet eine LATFLEX mit ipsilateraler ROT bis zum Okziput statt → der Mähnenkamm stellt sich auf bzw. fällt aus der LATFLEX.
Die Bewegung der HWS entspricht der Bewegung der gesamten WS von kaudal her in der Fortbewegung: Die kontralaterale ROT setzt sich durch die gesamte WS von kranial nach kaudal zum Sakrum bzw. von kaudal nach kranial zum Okziput fort → der Mähnenkamm fällt in die LATFLEX.
Beachte
Die physiologische ▶ Funktion der HWS ist nur dann gewährleistet, wenn die ROT im Verhältnis zur LATFLEX entsprechend der Puncta fixa stattfinden kann.
Eine Immobilisierung des Kopfes während der Fortbewegung führt an der Halsbasis und/oder dem atlantookzipitalen Übergang zu einer Rotationsumkehr, die (mindestens!) zu Läsionen der dort beteiligten Strukturen Atlas/Okziput/C7/Th1 und der Dura mater führen kann. Das Pferd muss stets die Möglichkeit haben, die geforderte Stellung aktiv selbstständig durchzuführen, wobei diese der Rotation der gesamten Wirbelsäule entspricht.
Atlantookzipitalgelenk (Art. atlantooccipitalis): Condyli occipitales (= konvex) mit Foveae articulares craniales (= konkav)
Atlantoaxialgelenk (Art. atlantoaxialis): Fovea dentis atlantis und Fovea articularis caudalis (= konkav) mit Dens axis und Proc. articularis cranialis axis (= konvex)
Crista nuchae: hier inseriert der Nackenstrang (Funiculus nuchae) des Nackenbands (Lig. nuchae)
Procc. paracondylares: profund in der Ganasche tastbar
Condyli occipitales: bilden mit den Foveae articulares craniales des Atlas jeweils ein separates Ellipsoidgelenk, die gemeinsam ein Eigelenk ergeben
Knochenring mit 2 seitlichen Flügeln (Alae atlantis)
kleines Tuberculum dorsale statt eines Proc. spinosus
kranial bzw. kaudal finden sich die Foveae articulares craniales bzw. caudales des Atlas
länglicher Wirbel mit hohem Proc. spinosus
Dens axis bildet mit Fovea dentis atlantis in der Fovea articularis caudalis atlantis ein Zapfengelenk
Atlas und Axis besitzen jeweils ein Foramen vertebrale laterale für den Durchtritt des 1. und 2. Halsnerven (nC1 und nC2)
vom Os occipitale bis zum 2. Halswirbel gibt es keine Bandscheiben
zwischen Nackenband und Atlas: kranialer Genickschleimbeutel (Bursa subligamentosa nuchalis cranialis)
zwischen Nackenband und Axis: kaudaler Genickschleimbeutel (Bursa subligamentosa nuchalis caudalis)
Innerhalb des Wirbelkanals (Canalis vertebralis) stabilisieren und koordinieren Bänder die Bewegungen der oberen Kopfgelenke:
Atlantookzipitalgelenk:
Membrana atlantooccipitalis dorsalis und ventralis zur Verstärkung der Gelenkskapsel
Ligg. laterales zwischen Ala atlantis und Os occipitale
Atlantoaxialgelenk:
Lig. atlantoaxiale dorsale
Lig. atlantoaxiale ventrale
Lig. longitudinale dentis: Fixierung des Dens axis
Siehe Kapitel ▶ Muskeln, Funktionen, Innervation; ▶ Tab. 11.1.
Atlantookzipitalgelenk: FLEX, EXT, etwas LATFLEX/ROT
Atlantoaxialgelenk: LATFLEX/ROT, etwas FLEX, EXT
Beachte
Aufgrund der Struktur und der Stellung der Gelenkpartner zueinander ist in der gesamten WS die LATFLEX stets mit einer ROT gekoppelt. Die Richtung von ▶ LATFLEX zu ROT hängt davon ab, welcher der beiden Gelenkpartner sich bewegt.
Zwischen Okziput und Axis fungiert der Atlas wie eine Art Kupplung; hierfür macht der Atlas seine ROT und LATFLEX ipsilateral ( ▶ Abb. 2.2).
Tab. 2.1
Biomechanik der oberen Halswirbelsäule in FLEX und EXT.
Struktur
FLEX1
EXT2
Crista occipitalis und kraniodorsaler Bogen des Atlas
Divergenz
Konvergenz
Procc. paracondylares und kranialer Rand der Alae atlantis
Konvergenz
Divergenz
Condyli occipitales innerhalb der Foveae articulares craniales atlantis
Dorsalgleiten und Ventralrollen
Ventralgleiten und Dorsalrollen
Foveae articulares craniales atlantis auf den Condyli occipitales
Ventralgleiten und Ventralrollen
Dorsalgleiten und Dorsalrollen
Limitierung der Bewegung durch: 1 Lig. nuchae und Lig. longitudinale dentis, 2 Kontakt des Dens axis an der Fovea dentis atlantis
Abb. 2.2 Biomechanik Okziput–Atlas–Axis. Stellung links im Genick: Okziput LATFLEX links mit ROT rechts; Atlas LATFLEX links mit ROT links; Axis LATFLEX links mit ROT rechts.
Alle Wirbel bestehen aus:
1 Wirbelkörper (Corpus vertebrae),
1 Wirbelbogen (Arcus vertebrae) und
mehreren Wirbelfortsätzen: je 1 Dornfortsatz (Proc. spinosus), je 2 Querfortsätze (Procc. transversi), je 2 Gelenksfortsätze (Procc. articulares).
Die Epiphysenfugen der Wirbelkörper schließen sich mit 2–6 Jahren.
Schwingungen der WS ( ▶ Abb. 2.3):
Kyphose: C1 – C3; Scheitelpunkt: C2
Lordose: C4 – (ca.) Th11; Scheitelpunkt: C7
Kyphose: (ca.) Th12 – Cg18; Scheitelpunkt: L3
Die Bandscheiben (Disci intervertebrales) zwischen den Wirbelkörpern dienen dem Schutz der Wirbelkörper und des Rückenmarks und der Flexibilität der WS. Anders als beim Mensch bestehen die Bandscheiben beim Pferd fast komplett aus zähem, faserigem Gewebe, sodass es beim Pferd keine Bandscheibenvorfälle gibt.
Die Stellung der Procc. articulares (Gelenkfortsätze, Facettengelenke) zueinander sind neben den Bandscheiben grundlegend für die Richtung und das Ausmaß der Beweglichkeit des jeweiligen Wirbelsegments verantwortlich. Die Ausrichtung der Gelenkflächen geht von vertikal (HWS) nach horizontal (BWS) nach vertikal (LWS). Größe und Passgenauigkeit der jeweils benachbarten Facettengelenke sind wichtig für die Stabilität und Geradheit der Wirbelsäule. Zu kleine oder inkongruente Facettengelenke bilden sich als Senkrücken oder Skoliose ab.
Durch die Foramina intervertebralia der gesamten WS treten die Spinalnerven durch, die sich entweder zunächst in den Plexus cervicalis, brachialis, lumbalis und sacralis treffen oder direkt als Spinalnerven zu den entsprechenden Myotomen, Dermatomen und Viszerotomen ziehen, s. ▶ Somatisches Nervensystem.
Abb. 2.3 Schwingung der Wirbelsäule.
Die Procc. spinosi der Halswirbelsäule sind nur rudimentär vorhanden (Ausnahme: C2 und C7).
Sie werden überspannt vom Nackenstrang (Funiculus nuchae) und der Nackenplatte (Lamina nuchae), die zusammen das Lig. nuchae bilden.
Durch spezielle Aussparungen in den Foramina transversaria C1 – C7 ziehen beidseits jeweils eine Arteria vertebralis, die maßgeblich an der Durchblutung des Gehirns beteiligt ist.
Richtung der Procc. spinosi: Th1 – Th15 nach kaudal, Th15 oder Th16 nach dorsal, Th16 – Th18 nach kranial.
Die Procc. spinosi Th2 – Th 9 sind mit Knorpelkappen bedeckt, die nach Verknöcherung erst im 7. – 15. Lebensjahr mit den proximalen Anteilen der entsprechenden Procc. spinosi verwachsen.
Zwischen dem Lig. supraspinale und den Procc. spinosi Th2 – Th 4 liegt der Widerristschleimbeutel (Bursa subligamentosa supraspinalis).
Die Procc. transversi korrespondieren gelenkig über die Rippen-Wirbel-Gelenke ( ▶ Art. costovertebralis) mit den
Rippenköpfchen: Rippenkopfgelenk (Art. capitis costae) und den
Rippenhälsen: Rippenhöckergelenk (Art. costotransversaria), s. ▶ Thorax.
Die Procc. transversi der LWS sind relativ breit zum Schutz der Nieren, zur Stabilisierung des Übergangs zur Hinterhand und als große Ansatzfläche für die Hinterhandmuskulatur.
Die Procc spinosi der LWS zeigen nach kraniodorsal.
Innerhalb des Canalis vertebralis stabilisieren und koordinieren Bänder die Bewegungen der Wirbelsegmente:
Lig. longitudinale dorsale
Lig. longitudinale ventrale (nicht: C1 – Th5)
Lig. longitudinale laterale
Die Procc. spinosi der gesamten WS bis zum Sakrum werden überspannt vom Lig. nuchae und dem Lig. supraspinale. Sie sind essenzieller Bestandteil des sich selbst tragenden ▶ Mechanismus des Pferdeskeletts.
Siehe Kapitel ▶ Muskeln, Funktionen, Innervation; ▶ Tab. 11.2.
Siehe ▶ Tab. 2.3, ▶ Tab. 2.4 und ▶ Abb. 2.4.
Tab. 2.3
Biomechanik der unteren Hals, Brust- und Lendenwirbelsäule in FLEX und EXT.
Struktur
FLEX
EXT
kranialer Wirbel im Verhältnis zum kaudalen
Corpus vertebrae
Ventralgleiten
Dorsalgleiten
Proc. spinosus
kranioventrales Absinken
dorsokaudales Anheben
kaudale Procc. articulares
kraniodorsales Gleiten, Divergenz der Facettengelenke
kaudoventrales Gleiten, Konvergenz der Facettengelenke
alle Wirbel im Verhältnis zueinander
Arcus vertebrae
Konvergenz1
Divergenz2
Procc. spinosi
Divergenz
Konvergenz
Foramina intervertebralia
Vergrößerung3
Verkleinerung4
1 ventraler Druck auf Bandscheiben (CAVE: Bandscheibenvorfall); 2 dorsaler Druck auf Bandscheiben, 3 Entlastung der Nervenwurzeln der Spinalnerven; 4 Einengung der Nervenwurzeln der Spinalnerven (Cave: Nervenwurzelkompression)
Abb. 2.4 Biomechanik der Wirbelsäule bei FLEX bzw. EXT.
FLEX: Proc. spinosus des kranialen Wirbels senkt sich nach ventral.
EXT: Proc. spinosus des kranialen Wirbels hebt sich nach dorsal.
In physiologischer Aufrichtung führt die leichte FLEX zu einem Gleiten der kaudalen Procc. articulares des kranialen Wirbels nach kraniodorsal in die Divergenz der Facettengelenke.
Folge: der Hals wird „länger“ → größerer Bewegungsspielraum in der LATFLEX
In der EXT („Herausdrücken des Unterhalses“) schieben sich die Procc. articulares nach kaudoventral in die Konvergenz.
Folge: der Hals wird „kürzer“ → geringerer Bewegungsspielraum in der LATFLEX.
In diesem Segment ändert die HWS ihre Schwingungsrichtung:
kranial von C3/C4: HWS-Kyphose
kaudal von C3/C4: HWS-Lordose
Folge: LATFLEX/ROT ist in diesem Segment physiologisch eingeschränkt
C7 ist der ventrokraniale Scheitelpunkt der HWS-/BWS-Lordose. Hier laufen physiologische Bewegungs-, aber auch unphysiologische Belastungsspitzen sowohl aus der HWS als auch aus der Hinterhand zusammen. Dies führt sehr häufig zu einem Abrutschen des C7 nach ventral.
BWS:
relativ gutes Rotationspotenzial
eingeschränktes FLEX- und EXT-Potenzial (aufgrund des Brustkorbs)
LWS:
relativ gutes FLEX- und EXT-Potenzial
eingeschränktes LATFLEX-Potenzial (aufgrund der breiten Procc. transversi)
Beachte
Im Segment Th18/L1 finden sich gehäuft Rotationsläsionen, da hier die unterschiedlich ausgeprägten Bewegungskomponenten von BWS und LWS aufeinander treffen.
L5: letzter gut zu palpierender Lendenwirbel
L6: steht physiologisch etwas ventral gegenüber der Sakrumbasis. Dies kann zu Läsionen eines nach ventral des Sakrums abgerutschten L6 führen.
Das LSG hat aufgrund der Wirkung der Mm. psoas major und minor (LWS-EXT im Stand, Hüftgelenks-FLEX in der Fortbewegung) eine Sonderstellung im Rahmen der WS-Biomechanik und der Kraftübertragung zwischen Hinterhand und Rumpf:
Das geöffnete LSG (= in FLEX) zieht eine LWS-EXT nach sich (> Senkrücken) mit kompensatorischer BeckenFLEX, EXT von Hüfte, Knie und Sprunggelenk mit reduzierter Kraftübertragung.
Das geschlossene LSG (= in Neutralstellung) zieht eine LWS-FLEX nach sich (> Rückenaufwölbung) mit neutraler Beckenstellung, FLEX von Hüfte, Knie und Sprunggelenk mit erhöhter Kraftübertragung.
Beachte
Diese 4 Strukturen werden gemeinsam betrachtet, da sie funktionell untrennbar miteinander verbunden sind.
Der Beckenring setzt sich aus dem Kreuzbein und dem Becken (Pelvis) zusammen ( ▶ Abb. 2.5).
Abb. 2.5 Becken des Pferdes von dorsal.
Durch das Sakrum laufen verschiedene Achsen. Um diese herum führt es bestimmte Bewegungsrichtungen aus. Diese Achsen sind ( ▶ Abb. 2.6):
dorsale Transversalachse (Sutherland-Achse) zwischen Procc. spinosi S2/S 3
FLEX/EXT um diese Achse entspricht FLEX/EXT der SSB
ventrale Transversalachse (Nutation/Gegennutation) durch den Drehpunkt der beiden „L“-förmigen Gelenksflächen des ISG
schräge Transversalachse links (→ Wobbel rechts)
schräge Transversalachse rechts (→ Wobbel links)
Abb. 2.6 Achsen des Sakrums.
1. dorsale Transversalachse (Sutherland-Achse)
2. ventrale Transversalachse (Nutation/Gegennutation)
3. schräge Transversalachse links (→ Wobbel rechts)
4. schräge Transversalachse rechts (→ Wobbel links)
Tab. 2.5
Biomechanik des Sakrums in FLEX und EXT.
Struktur
FLEX (= Gegennutation)
EXT (= Nutation)
Sakrumbasis
Dorsalgleiten
Ventralgleiten
Sakrumspitze
Ventralgleiten
Dorsalgleiten
Gegennutation: Vergrößerung des ventralen Winkels zwischen dem Becken und dem Sakrum; Nutation: Verkleinerung des ventralen Winkels zwischen dem Becken und dem Sakrum
Tab. 2.6
Biomechanik des Sakrums in LATFLEX/ROT und Wobbel.
Struktur
LATFLEX/ROT kontralateral1
LATFLEX/ROT ipsilateral2
Wobbel links: ROT links mit FLEX
Wobbel rechts: ROT rechts mit FLEX
Sakrumbasis
links: ventrokraniales Gleiten
rechts: dorsokaudales Gleiten
links: dorsokraniales Gleiten
rechts: ventrokaudales Gleiten
links: Dorsalgleiten
rechts: Ventralgleiten
links: Ventralgleiten
rechts: Dorsalgleiten
Sakrumspitze
Gleiten nach lateral links
Gleiten nach lateral links
Ventralgleiten
Ventralgleiten
1 in der Fortbewegung; Bsp. LATFLEX links/ROT rechts; 2 im Stand; Bsp. LATFLEX links/ROT links
Das Becken besteht aus:
Darmbein (Os ilium),
Sitzbein (Os ischii) und
Schambein (Os pubis), die bis ca. zum Ende des 1. Lebensjahrs des Pferdes zu einem festen Knochenring zusammenwachsen.
Wichtige Palpationspunkte des Beckens:
Hüfthöcker (Tuber coxae) des Os ilii
Kreuzhöcker (Tuber sacrale) des Os ilii
Sitzbeinhöcker (Tuber ischiadicum) des Os ischii
Als fester Beckenring besteht freie Beweglichkeit zum Sakrum über die ISG und zur Hintergliedmaße über das Acetabulum.
Physiologisch stehen die Tubera sacralia, Tubera coxae und Tubera ischiadica mit ihren jeweiligen Pendants auf einer Höhe und in einer Linie.
Winkelung:
zwischen Tuber coxae und Tuber ischiadicum: ca. 30° zur Horizontalen
zwischen Tuber coxae und Art. coxae: ca. 45° zur Horizontalen
Siehe ▶ Tab. 2.7.
Tab. 2.7
Biomechanik der Ossa coxarum in FLEX, EXT, LATFLEX/ROT kontralateral und LATFLEX/ROT ipsilateral.
Struktur
FLEX (= Nutation)
EXT (= Gegennutation)
LATFLEX/ROT kontralateral1
LATFLEX/ROT ipsilateral2
Tuber sacrale
beids.: dorsokaudales Anheben
beids.: ventrokraniales Absinken
links: Gleiten nach lateral der Medianlinie
rechts: Gleiten dicht an die Medianlinie heran
links: Gleiten dicht an die Medianlinie heran
rechts: Gleiten nach lateral der Medianlinie
Tuber ischiadicum
beids.: ventrokraniales Absinken
beids.: dorsokaudales Anheben
links (Hangbeinseite): ventrokraniales Gleiten
rechts (Stützbeinseite): dorsokaudales Gleiten
links: dorsokraniales Gleiten
rechts: ventrokaudales Gleiten
Tuber coxae
beids.: ROT nach kaudal
beids.: ROT nach kranial
links (Hangbeinseite): ventrokraniales Gleiten
rechts (Stützbeinseite): dorsokaudales Gleiten
links: dorsokraniales Gleiten
rechts: ventrokaudales Gleiten
1 in der Fortbewegung; Bsp.: LATFLEX links/ROT rechts; 2 im Stand; Bsp.: LATFLEX links/ROT links; Gegennutation: Vergrößerung des ventralen Winkels zwischen dem Becken und dem Sakrum; Nutation: Verkleinerung des ventralen Winkels zwischen dem Becken und dem Sakrum
Os ilium: (dezent) konkav
Sakrum: (dezent) konvex
Zwischen den Tubera sacralia der Ossa ilii ist von ventral das Sakrum eingebettet.
Das Sakrum geht mit dem Becken eine L-förmige, gelenkige Verbindung über die Iliosakralgelenke (ISG) ein.
Zur Stabilisierung und Koordinierung der ISG werden diese überspannt von:
Lig. sacroiliacum dorsale
Lig. sacroiliacum ventrale
Ligg. sacroiliaca interossea
Lig. sacrotuberale latum
ventrale Verspannung: verhindert das Absinken des Sakrums nach ventral in die Beckenhöhle
dorsale Verspannung: verhindert das Aufklappen der Tubera sacralia nach lateral
Das ISG ist ein sehr flaches Gelenk und trotz der soliden ligamentären Sicherung sehr anfällig für Läsionen, da es den Gegendruck des Bodens in das Hinterbein aufnimmt und auf das Sakrum weiterleitet.
Siehe Kapitel ▶ Muskeln, Funktionen, Innervation; ▶ Tab. 11.2.
Es gibt keine speziellen Muskeln, die diese Region bewegen. Die Bewegungen zwischen Sakrum und Becken finden hauptsächlich passiv weiterlaufend statt infolge der Bewegungen der ▶ Gesamtwirbelsäule, des ▶ Rumpfes und des ▶ Hüftgelenks. Wichtige ▶ Faszienketten bzgl. des ISG sind SDL, SVL, LL und SL. Ebenso die Fasciae thoracolumbalis und glutea.
Die Biomechanik der ISG ergibt sich aus der Synchronisation der Bewegungen von Sakrum und Becken im Verhältnis zueinander:
Nutation → ISG frei
Gegennutation → ISG frei
LATFLEX mit physiologischer ROT von Sakrum und Becken → ISG frei
Greifen diese Bewegungen von Sakrum und Becken nicht physiologisch ineinander, kommt es zur Läsion eines/beider ISG.
In Schritt und Trab: vermehrte Scherkräfte auf die knöchernen Strukturen der ISG, da sich in diesen Grundgangarten jeweils die eine Beckenseite in FLEX, die Gegenseite in EXT befindet.
Im Galopp: vermehrte Zugkräfte auf die Bandstrukturen der ventralen und dorsalen Verspannung der ISG, da in dieser Grundgangart beide Hinterbeine annähernd gleichzeitig in FLEX nach kranial und in EXT nach kaudal geführt werden.
Die durchschnittlich 18 Schwanzwirbel (Cg) verjüngen nach kaudal von einem normal gestalteten Cg1 zu knöchernen, dorsal geöffneten Röhrchen, zwischen denen jeweils Bandscheiben eingelagert sind.
Das Filum terminale setzt etwa am Cg6 am Wirbelkörper an.
Häufig besteht zwischen der Sakrumspitze und Cg1 eine Synostose.
Der SCÜ liegt etwa in der Mitte der Kruppe auf der Medianlinie.
Die Stellung des 1. Schwanzwirbels wird physiologisch bestimmt von der Stellung des Sakrums: Wenn der SCÜ als solcher keinen Befund aufweist, zeigt die Stellung des Schweifes die Stellung des Sakrums an.
Ansonsten entspricht die Biomechanik der Schwanzwirbel der ▶ Biomechanik der anderen Wirbel.
Abb. 2.7 Anatomie und Biomechanik des Brustkorbs.
Setzt sich zusammen aus:
Manubrium sterni (Handgriff)
Corpus sterni (Brustbeinkörper)
Proc. xiphoideus (Schwertfortsatz)
Es bildet die Basis des gesamten Thorax: Hier finden sich die gelenkigen Verbindungen mit den Costae (siehe unten) und der Ansatz des knorpeligen Rippenbogens (Arcus costalis).
Die Rippenknorpel der sternalen Rippen verbinden sich gelenkig mit dem Brustbein. Das 1. Rippenpaar artikuliert mit dem Manubrium sterni, die folgenden mit dem Corpus sterni. Die Knorpel der asternalen Rippen legen sich mit ihren spitz auslaufenden Enden jeweils kaudoventral an den vorangehenden Rippenknorpel. Auf diese Weise entsteht der Rippenbogen (Arcus costalis).
Es beeinflusst maßgeblich die Funktionsfähigkeit des Diaphragmas (und umgekehrt): Der Proc. xiphoideus stellt gegenüber der LWS den relativ mobilen Teil der Diaphragma-Aufhängung dar.
Die insgesamt 18 Rippenpaare setzen sich zusammen aus:
9 Costae sternales/verae (Tragerippenpaare, wahre Rippen)
9 Costae asternales/spuriae (Atmungsrippenpaare, falsche Rippen)
Gelenkige Verbindungen
der Rippen mit den Brustwirbelkörpern (Artt. costovertebrale) über:
Art. capitis costae (Rippenkopfgelenk): Facies art. capitis costae (konvex) und Fovea costalis caudalis des kranialen Wirbels und Fovea costalis cranialis des kaudalen Wirbles (konkav)
Art. costotransversaria (Rippenhöckergelenk): Facies art. tuberculi costae (konvex) und Fovea costalis (konkav)
der Rippen mit dem Brustbein über:
Artt. costochondralis (Atmungsrippen)
Artt. sternocostale (Tragerippen)
Setzt sich zusammen aus:
1. Rippenpaar mit Th1
M. serratus ventralis cervicis, M. subclavius
Mm. pectorales
Manubrium sterni
Wichtig für den ungehinderten Lymphabfluss aus dem Kopf- und Halsbereich und einen physiologischen CTÜ, der wiederum maßgeblich an der Koordinations- und Balancefähigkeit des Pferdes beteiligt ist.
Siehe Kapitel ▶ Muskeln, Funktionen, Innervation; ▶ Tab. 11.3.
Die Atembewegung der 1. Rippe entspricht einer Pumpenschwengel-Mechanik.
Die Atembewegungen der folgenden Rippen entsprechen einer Eimerhenkel-Mechanik.
Tab. 2.8
Biomechanik der Rippen bei Inspiration und Exspiration (vgl.
▶ Abb. 2.7
).
Struktur
Inspiration
Exspiration
Diaphragma
Kontraktion und Verschiebung nach kaudal
Entspannung und Verschiebung nach kranial
Brustwirbelsäule
EXT
FLEX
Rippen
Öffnung nach kraniolateral
Schließen nach kaudomedial
1. Rippe
Gleiten nach kranial
Gleiten nach kaudal
Sternum
Senken nach ventrokranial1
Heben nach dorsokaudal2
Thoraxform
breit und rund
schmal und oval
1 Achtung: Bei Pferden mit sehr großem/breitem Brustkorb kann die Kontraktion des Diaphragmas während der Inspiration dazu führen, dass das Xyphoid nach dorsal angehoben wird. 2 Achtung: Bei Pferden mit sehr großem/breitem Brustkorb kann die Entspannung des Diaphragmas während der Exspiration dazu führen, dass das Xyphoid nach ventral absinkt.
