Cheer for Love - Ki Stephens - E-Book

Cheer for Love E-Book

Ki Stephens

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Beschreibung

Er fängt sie, wenn sie fällt

Einen Neustart - das ist alles, was Ella Davis sich von ihrem Jahr in Nashville wünscht. Nach einer unschönen Trennung von ihrem Ex will sie sich hier, weit weg von ihrem Zuhause in England, ganz auf das Cheerleading konzentrieren. Schließlich hat sie nur die eine Chance, zu beweisen, dass sie zu den Besten gehört und einen Platz im Cheer Squad der Whitland University verdient. Was sie so gar nicht gebrauchen kann, ist Ablenkung in Form von Hudson Fox, dem Star-Quarterback des Colleges. Doch schon bald wird es immer schwieriger, das Knistern zwischen ihnen zu ignorieren. Denn Hudson fühlt sich für Ella mehr nach einem Zuhause an, als England es je getan hat.

»Ich liebe Hudson und Ella so sehr! Ich hatte richtig viel Spaß beim Lesen, und das Schönste war, wie unglaublich echt sich die Geschichte der beiden angefühlt hat.« poppireads

»Die perfekte Kombination: heiß und humorvoll!« Hannah Grace

Sports-Romance von Ki Stephens bei LYX

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 517

Veröffentlichungsjahr: 2026

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INHALT

Titel

Zu diesem Buch

Leser:innenhinweis

Widmung

1

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5

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Epilog

Danksagung

Die Autorin

Impressum

KI STEPHENS

Cheer for Love

Roman

Ins Deutsche übertragen von Bianca Dyck

ZU DIESEM BUCH

Nach der ziemlich unschönen Trennung von ihrem Ex möchte sich Cheerleaderin Ella Davis weit weg von ihrem Zuhause in England auf den Sport konzentrieren, der ihr alles bedeutet, und endlich etwas aus sich herauskommen. Um diesen Plan in die Tat umzusetzen, tut sie etwas völlig Untypisches und verbringt die erste Nacht in der neuen Stadt mit einem attraktiven Fremden. Ella kann schließlich nicht ahnen, dass ihr One-Night-Stand ausgerechnet Hudson Fox ist, der Star-Quarterback ihres neuen Colleges, und dass sie ihn von nun an beinahe jeden Tag sehen muss. Denn Hudson läuft ihr nicht nur aufgrund ihrer gemeinsamen Freundesgruppe ständig über den Weg – als ihr Stuntpartner sich verletzt, ist er auch noch derjenige, der ihr seine Hilfe anbietet. Mit jedem Tag, den sie gemeinsam auf der Matte verbringen, fällt es ihnen schwerer, das Knistern, dem sie schon einmal nachgegeben haben, zu ignorieren. Schließlich beginnt Hudson sich für Ella immer mehr nach einem Zuhause anzufühlen …

Liebe Leser:innen,

dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte.

Deshalb findet ihr hier eine Triggerwarnung.

Achtung: Diese enthält Spoiler für das gesamte Buch!

Wir wünschen uns für euch alle

das bestmögliche Leseerlebnis.

Euer LYX-Verlag

Für meinen Ehemann und meine Tochter, die ich beide über alles liebe, und für meine Leser:innen, mein größtes Geschenk.

1

ELLA

Ich segle durch die Luft, mein Körper – in perfekter Spannung – verschwimmt vor dem Blau und Weiß der University of Oxford im Hintergrund. Die Menge unter mir tobt, ihre Stimmen verschmelzen zu einem lauten Echo der Jubelrufe. Ihre Gesichter sind für mich unerkennbar, ich sehe nur ein Meer aus Menschen in einem allzu vertrauten Raum.

Einen flüchtigen Moment lang, während ich weit oben in der Luft über ihnen bin, ist es, als würde ich tatsächlich fliegen. Mein Herz schlägt wild in meiner Brust, der Nervenkitzel rauscht durch meinen Körper.

Ich erreiche den höchsten Punkt des Basket Toss und führe die Figur perfekt aus, Arme und Beine sind ausgestreckt, meine Haltung ist makellos. Als ich mich im Raum umsehe, blitzt unverfälschte Aufregung in meinem Gesicht auf. Hier werde ich lebendig, wenn ich auf der Matte performe, unter dem Vertrauen, der Einheit zwischen mir und meinen Teamkameradinnen aufblühe.

Mit geübter Präzision gehen wir aus der Figur raus, und ich werde sanft abgesetzt, ohne dass auch nur ein Haar am falschen Platz liegt. Schweiß läuft mir von meiner Augenbraue bis zum Kiefer hinunter, die festen Haarnadeln und die Massen an Haarspray kribbeln mir im Nacken. Der Lärm unseres Erfolgs ist ohrenbetäubend, übertönt alle zurückbleibenden Gedanken oder Ablenkungen.

Das Einzige, was zählt, ist das Wissen, dass wir alles in diese Routine gesteckt haben. Wir haben unseren letzten Wettkampf dieser Saison gemeistert, und das hier ist der glücklichste Moment meines Lebens.

Als wir uns das letzte Mal verbeugen, steigt unsagbare Freude in mir auf. Sie sprudelt in Form eines unkontrollierbaren Lächelns aus mir heraus, strahlt von meinen Lippen bis zu meinen Fingerspitzen. Das ist er gewesen – der Höhepunkt meiner Zeit mit diesem Team.

Bald wird das alles enden.

In nur wenigen Wochen werde ich alles zurücklassen, was ich bis jetzt gekannt habe – mein Team, Oxford, mein Vermächtnis – und mich auf den Weg zur Whitland University in Nashville machen. Vor mir liegt ein ganzes Jahr im Ausland, vom Semesterbeginn im Frühjahr bis zum darauffolgenden Frühjahr, gefolgt von einigen Monaten des Reisens mit meinem Freund. Es ist ein wahr gewordener Traum, eine Gelegenheit, mich auf einer internationalen Bühne zu beweisen. Doch gleichzeitig ist es unfassbar beängstigend.

»Krieg dich wieder ein, Davies. Wegen dir kriegen wir noch alle Komplexe«, sagt meine Freundin Molly auf dem Weg in den Backstagebereich und stupst mich an. Ihr Lächeln ist aufrichtig, doch es schwingt ein Hauch von freundlichem Sarkasmus in ihrer Stimme mit.

»Ach, komm«, sage ich. »Wenn wir nicht jetzt feiern können, wann dann? Wir haben es gerade so richtig gerockt.«

Sie lacht leise, ihr schlanker Arm legt sich um meine Schultern, als wir die Umkleide betreten. »Das ist eine Untertreibung. Guter letzter Wettkampf für dich, was?«

Ich grinse sie an, obwohl die bittersüße Wirklichkeit meiner Abreise näher rückt. »Erinnere mich bloß nicht dran … Ich werde das alles hier so vermissen.«

Sie drückt mich kurz ermutigend und senkt die Stimme. »Es ist nur ein Jahr. Und es ist die Whitland. Das ist eine große Sache.«

»Ich weiß, es ist nur echt viel. Neues Land, neues Team …«

»Neue Männer, die du anhimmeln kannst.«

»Ich habe Jamie, falls du dich daran erinnerst …«

»Stimmt … Jamie«, brummt sie. »Muss der dir unbedingt hinterherlaufen?«

»Er läuft mir nicht hinterher. Abgesehen davon, dass er auch gerne reisen möchte, hat die Whitland einen großartigen Finanzbereich, und Jamie –«

»Jaja«, unterbricht sie mich schnaubend. »Mr Stinkreich lernt dort, wie man noch reicher wird. Wie konnte ich das vergessen?«

»Mal im Ernst, was ist dein Problem mit ihm?«

»Ich denke einfach, dass er nicht gut genug für dich ist, Babe.«

»Wir sind schon so lange zusammen. Fünf Jahre. Ich kenne ihn in- und auswendig.« Ich ziehe mir ein paar Haarnadeln aus dem Haar und werfe sie in meine Jackentasche. »Jamie ist der Eine für mich. So war es schon immer, und so wird es auch immer sein.«

»Wenn du das sagst.«

»Lass gut sein, Moll. Ich will unsere letzten Wochen nicht mit Streiten verbringen.«

»Du hast recht, wie immer. Sorry, Ella.« Sie tätschelt mir den Arm. »Aber tu nicht so, als würden wir nie wieder miteinander sprechen. FaceTime funktioniert auch auf der anderen Seite des Tümpels, oder?«

Ich lache und verspüre einen echten Moment der Erleichterung inmitten des Chaos. Im Umkleideraum herrscht totale Unordnung, überall liegen Klamotten herum, Teamkameradinnen unterhalten sich laut, und der Geruch nach feuchtem Schweiß hängt in der Luft. »Ja, nun, du bist mir sechs Stunden voraus. Wenn ich dich also zu irgendeiner unchristlichen Uhrzeit anrufe, gehst du besser ran.«

»Wirst du mir Lays mit Barbecue-Geschmack und eine Packung Lifesavers rüberschicken?«

»Ja.«

»Okay, dann kannst du jederzeit anrufen.«

Ich lache und stupse sie sanft gegen die Schulter. Sie dreht sich mit einem Grinsen zu mir um und zieht sich schnell die Uniform aus. Ich gehe zu meinem Spind und tue es ihr nach, wobei ich mich jetzt ein wenig leichter fühle. Molly Green hatte immer schon diesen Effekt auf mich – sie schafft es, die Anspannung in mir einfach zu durchtrennen, ohne sich dabei zu verstellen.

Ich bin noch im Umkleideraum, nachdem er sich geleert hat, und ziehe gerade meine Tasche zu, als unsere Coachin hereinkommt. »Davies, hast du mal eine Minute?«

Ich drehe mich um. »Natürlich. Alles okay?«

»Mehr als okay.« Sie lächelt, und ihr Gesicht wird weich. »Zuallererst möchte ich dir gratulieren.«

»Danke«, sage ich. »Ohne Sie hätte ich nichts von all dem geschafft.«

Ermutigend klopft sie mir auf die Schulter. »Du warst in den letzten beiden Saisons eine unglaubliche Bereicherung für dieses Team. Dein Einsatz, deine Hingabe sind einmalig. Die Whitland kann sich wirklich glücklich schätzen.«

Ihre Worte umgeben mich wie eine warme Umarmung, erfüllen mich mit einem Gefühl von Stolz und Dankbarkeit. »Danke, Bailey, das bedeutet mir viel. Ich hoffe einfach, dass ich Oxford während meines Aufenthalts dort gut repräsentiere.«

»Das wirst du. Egal, wo du hingehst, du hast das Herz einer Siren.«

Ich klopfe mir mit der flachen Hand auf die Brust und sage mit einem letzten strahlenden Lächeln: »Einmal eine Siren, immer eine Siren.«

»Das ist die richtige Einstellung.«

Seit unserer letzten Meisterschaft sind zwei Wochen im Nu vergangen. Mein Zimmer ist ein absolutes Chaos, auf dem Boden verteilt liegen Kartons und Taschen, die alle jeweils eine winzige Zeitkapsel meiner letzten zwei Jahre hier sind. Ich arbeite effizient, falte Klamotten, während in meinem Kopf ein Sturm wütet.

Es ist die erste Woche im Juni, aber für mich bezeichnet sie das Ende einer Ära.

Molly liegt auf meinem Bett, ihre Finger scrollen gedankenverloren durch ihr Handy. Olivia, eine Freundin von uns, sitzt kniend auf dem Boden und klebt einen der vielen herumstehenden Kartons zu.

»Ich kann nicht glauben, dass du uns wirklich verlässt«, sagt Molly mit dem Blick auf ihrem Bildschirm.

Ich stoße ein gekünsteltes Lachen aus, das meine Nervosität nicht verbergen kann. »Ja, oder? Fühlt sich an, als würde ich gleich aus einem Traum aufwachen.«

Olivia unterbricht ihre provisorische Fließbandarbeit, um mir einen wissenden Blick zuzuwerfen. »Du wirst da drüben großartige Dinge erleben. Und mit Jamie hast du ein kleines Stück Heimat an deiner Seite.«

Mollys Gesicht verzieht sich zu einer missbilligenden Miene. »Ja, ganz genau«, grummelt sie vor sich hin.

Ich werfe ihr einen warnenden Blick zu. »Nicht jetzt, okay?«

Sie wirft die Hände in die Luft. »Okay, okay. Ich sag nichts mehr.«

Stille breitet sich im Zimmer aus, während wir weiter packen, nur noch das Reißen des Klebebands und das Herumschieben von Gegenständen sind zu hören. Die Schwere der Veränderung belastet mich, doch ich heiße das Gewicht trotz meiner Besorgnis willkommen.

Ich bin gerade dabei, meinen Lieblingspullover zusammenzulegen – einen kuschligen Strickpulli, den Jamie mir im Oxford-Souvenirladen gekauft hat –, als mein Handy vibriert und die Stille durchbricht. Ich schaue auf den Bildschirm und sehe den Namen meines Freundes darauf leuchten.

Ich klemme mir das Handy zwischen Schulter und Ohr. »Hey, alles bereit?«

Auf der anderen Seite herrscht kurz Schweigen, ein Moment des Zögerns, der sich zu lange ausdehnt. »Babe, hör mal, ich … ich werde später nicht mit dir fliegen.«

Ich erstarre. »Wie meinst du das? Schaffst du es nicht pünktlich?«

»Ich schaffe es gar nicht.« Er seufzt, und es klingt schwer und gequält. »Ich habe mir einen späteren Flug gebucht. Ich muss … ich muss das alleine machen.«

Ich runzle die Stirn. Meine Finger verdrehen unbewusst den Saum meines Pullis, und der ausgefranste Stoff wird in meinem Griff zusammengedrückt. »Alleine? Du weißt, dass ich nicht gerne fliege, vor allem nicht alleine. Ich kann nicht –«

»Ich spreche nicht nur von dem Flug, Ella. Ich meine das alles.«

Meine Freundinnen nehmen die veränderte Stimmung wahr und unterbrechen ihre Arbeit mit einem fragenden Blick an mich.

»Das alles?« Das Zimmer dreht sich ein wenig, die Worte dringen nicht ganz zu mir durch. »Du wirst dich schon ein bisschen genauer ausdrücken müssen, bevor ich vollkommen durchdrehe.«

Unbehaglich räuspert er sich. »Diese Reise«, sagt er, und ich habe das Gefühl, als hätte er mir die Lungen aus dem Körper gerissen. »Das Studium an der Whitland.«

»Du meinst, die ganze Reise, die wir zusammen geplant haben?« Die Worte kommen gepresst über meine Lippen. »Das ganze Auslandsjahr, die Roadtrips nächsten Sommer …«

»Ich weiß, ich weiß, es wirkt überstürzt. Aber ich denke jetzt schon eine ganze Weile darüber nach. Und es ist das Beste für mich.«

»Das Beste für dich?« Meine Stimme rutscht in die Höhe, zittert ungläubig, als ich frage: »Ist das ein Scherz? Du lässt mich wenige Stunden vor unserem Flug hängen. Ganz großes Kino, Jame.«

»Ich dachte, du würdest das verstehen. Es ist nur … Es wäre doch schön, wenn wir beide diese Erfahrung für uns selbst machen, nicht als ›Jamie und die zukünftige Mrs Baker‹. Ich glaube, wir könnten diese Freiheit gebrauchen.«

»Freiheit?«Ich laufe in meinem Zimmer auf und ab, jeder Schritt ist energischer als der letzte. Meine Stimme ist jetzt so laut, dass sie von den kahlen Wänden widerhallt. »Ist es das, was ich für dich bin? Ein Käfig? Tu nicht so, als hätte ich dir das aufgezwängt. Wir haben das von Anfang an zusammen geplant.«

»Nein, es liegt nicht an dir, sondern an mir. In letzter Zeit weiß ich nicht mehr so richtig, wer ich außerhalb von uns bin. Und ich brauche Raum, um das rauszufinden. Um sicherzugehen, dass ich nicht nur einem Plan folge, weil wir immer schon darüber gesprochen haben.«

Die Endgültigkeit in seiner Stimme ist unmissverständlich, und eine Welle des Verrats überschwemmt mich. Ich bleibe stehen und presse den Kiefer so stark zusammen, dass ein Muskel darin zuckt. Das Handy wird fest an mein Ohr gedrückt, jedes Wort von ihm verstärkt das Pochen in meinem Kopf.

»Also bedeuten dir all unsere Pläne, unsere ganze Zukunft jetzt gar nichts mehr?«

»Doch, aber das ist mir wichtig«, sagt er. »Vielleicht finden wir wieder zueinander, wenn ich alles verarbeitet habe.«

Mollys Hand landet auf meiner Schulter, aber ich schüttle sie ab, bin nur auf Jamies Worte fokussiert, die in Dauerschleife verzerrt durch meine Gedanken hallen.

»Das ist feige. Du erwähnst das jetzt, wo es zu spät ist, um noch irgendwas zu ändern. Wenn du schon seit einer Weile darüber nachdenkst, hattest du Monate, um etwas zu sagen. Irgendwas. Und was das Zueinanderfinden angeht: Das kannst du dir abschminken. Du hast dir damit die Suppe eingebrockt, jetzt kannst du sie auslöffeln.«

Es folgt Stille, schweres Atmen. »Ich wollte dir nicht wehtun.«

»Mir wehtun?« Ich lache bitter. »Aber genau das hast du ganz wunderbar geschafft.«

»Es ist nur ein Jahr, Baby. Danach können wir noch mal reden.«

Die Worte liegen mir auf der Zunge – ich könnte ihn anflehen, mit ihm argumentieren, Verhandlungen führen. Aber während ich aufnehme, was er mir gerade mitteilt, verändert sich etwas in mir. Vielleicht ist das ein Zeichen, ein Schubs auf einen Neuanfang, der allein mir gehört.

Ich atme tief durch und festige meine Stimme. »Okay, Jamie. Wenn du es so willst. Finde dich. Vögle ein paar willige Kommilitoninnen. Denn darum geht es hier eigentlich, oder? Du willst Single sein. Um in Amerika die Sau rauszulassen. Tja, erwarte nur nicht, dass ich noch warte, wenn du rausgefunden hast, wer du bist.«

»Hey, das ist nicht –«

Ich unterbreche ihn, eine plötzliche Woge der Stärke durchflutet mich. »Lebewohl, Jamie.«

Ich lege auf und stehe mit dem Handy in der Hand da, während ein Cocktail aus Emotionen in mir herumwirbelt – Wut, Verrat, aber auch ein seltsames Gefühl von Befreiung. Hastig blinzle ich, kämpfe gegen die Tränen an, die überzuschwappen drohen. Meine Hand zittert, als ich das Handy vorsichtiger als nötig auf meinen Schreibtisch lege.

Olivia und Molly eilen auf mich zu, ihre Gesichter sind erfüllt von Sorge.

»Was für ein verdammtes Arschloch«, spuckt Molly aus.

Olivia nimmt mich in den Arm. »Es tut mir so leid, Süße.«

»Du brauchst ihn nicht«, fügt Molly hinzu. »Das hast du nie.«

Ich stütze mich auf sie und erlaube mir einen Moment, um alles zu fühlen: Schmerz, Schock, das aufkeimende Grauen davor, was vor mir liegt. Ich lasse mich auf meine Bettkante sinken, da meine Beine zu schwach sind, um mich noch zu tragen. Den Kopf lege ich in die Hände, meine Finger fahren durch mein Haar, während ich alles zu verarbeiten versuche.

»Tja, nun, scheiß auf ihn«, sage ich und hebe den Blick. Mit dem Handrücken wische ich mir über die Wangen. »Ich werde trotzdem alles aus diesem Jahr rausholen.«

»Du musst vor uns nicht die Harte spielen, weißt du?«, sagt Olivia sanft. »Du kannst alles rauslassen. Dich an unseren Schultern ausweinen, wenn dir danach ist.«

»Nein, alles wird gut werden. Mit oder ohne ihn.«

»Da hast du recht«, sagt Molly. »Jamie Baker verdient deine Tränen nicht.«

Mit einem schwachen Nicken wische ich die letzte einsame Träne fort und schlucke die Enttäuschung runter, den schieren Schmerz des Verlusts. Wenn ich mir erlaube, das alles zu fühlen, dann ist die ganze Erfahrung schon ruiniert, bevor sie überhaupt angefangen hat.

Und ich weigere mich, das zuzulassen. Das ist meine Zukunft. Und zwar ganz alleine meine.

2

ELLA

Die Skyline von Nashville erstreckt sich vor mir, eine bezaubernde Mischung aus Südstaatencharme und Großstadtgewusel. Während der Fahrt vom Flughafen ändert sich die offene Weite in ein Netz aus Straßen, das mit Veranstaltungsorten für Musik, Cafés und Countrykneipen gesäumt ist. Alles ist so lebhaft und energiegeladen.

Es ist ein himmelweiter Unterschied zu den idyllischen Kopfsteinpflasterstraßen, die ich in Oxford zurückgelassen habe. Mein Herzschlag fühlt sich nun ein wenig unbeschwerter an, irgendwie flattrig, während sich das Taxi durch den Verkehr schlängelt und mich in das neue Kapitel in meinem Leben bringt.

Ich sollte mich mehr freuen. Doch das Stechen in meiner Brust, der drückende Schmerz, der mich verfolgt, seitdem ich abgereist bin, will einfach nicht verblassen. Es ist, als würde der Teil von mir, den ich zurückgelassen habe, nicht vergessen werden wollen, egal, wie sehr ich mich auf das zu konzentrieren versuche, was vor mir liegt.

Und egal, wie schnell sich die Stadt um mich herum bewegt, ich scheine diesem Herzschmerz nicht entkommen zu können.

Ich bitte den Taxifahrer darum, einen Umweg über den Campus zu nehmen, auch wenn gerade Sommerferien sind und die meisten Studierenden bereits nach Hause zurückgekehrt sind. Aber es sind immer noch genug Leute unterwegs, die die warme Luft des beginnenden Junis in sich aufnehmen.

Schließlich kommen wir bei einem großen Backsteingebäude unweit der Universität an. Als ich mit meinen Koffern im Schlepptau aus dem Taxi stolpere, blicke ich zu den luxuriösen Apartments hinauf. Sie ragen hoch auf und sind elegant, haben große Fenster und kunstvoll verzierte Balkone. Ein Hauch von modernem Design, vermischt mit klassischem Charme.

Das ist es – mein neues Zuhause für die nächsten zwölf Monate.

»Hey, du musst Ella sein!« Eine hohe fröhliche Stimme unterbricht meine Gedanken. Ich drehe mich um und sehe, wie ein Mädchen auf mich zukommt, ihr dunkles Haar schwingt bei jedem anmutigen Schritt mit. Ihre warmbraune Haut strahlt, ihre mandelförmigen Augen funkeln. Sie hat die Art von Energie, die eine ganze Straße erleuchten könnte.

»Das bin ich«, sage ich mit einem zögerlichen Lächeln. »Und du bist …«

»Gabi Martín, deine neue Mitbewohnerin.« Sie strahlt die Perfektion einer Cheerleaderin aus: wunderschön, quirlig und gut gelaunt. Eine Wärme, die mir sofort Erleichterung verschafft. Ganz eindeutig ist sie auch ziemlich stark, da sie meinen schwersten Koffer problemlos aufhebt, als würde er nichts wiegen. »Na komm, ich zeig dir alles. Dir wird es hier sehr gefallen!«

Auf dem Weg zum Eingang plappert Gabi unentwegt über das Campusleben, über die Whitland, über das neue Team, dem ich angehöre. »Weißt du, ein paar von den Mädels wollen heute Abend was trinken gehen. Nur diejenigen von uns, die über den Sommer in der Gegend geblieben sind.«

»Oh, echt?«

»Ja, du solltest definitiv mitkommen. Sie werden sich freuen, dich kennenzulernen.«

Ich nicke, während in meiner Brust etwas Begieriges aufsteigt. Es war absolutes Chaos, seitdem Jamie heute früh die Bombe hat platzen lassen, aber ich bin entschlossen, das heute Abend nicht mehr an mich ranzulassen. Wäre ich in Oxford geblieben, hätte mich der Herzschmerz verschlungen. Die vertrauten Straßen, die Erinnerungen – alles hätte mich an das erinnert, was ich verloren habe.

Aber hier in den USA weigere ich mich, das zuzulassen. Ich werde ihm nicht erlauben, meinem ersten Abend in Nashville einen Dämpfer zu verpassen. Und noch viel wichtiger: Ich werde nicht zulassen, dass mein Leben von einem Mann aus der Bahn geworfen wird.

Nach der unerwarteten Trennung, dem langen Flug von London hierher und der teuren Taxifahrt werde ich meinen Abend ganz sicher nicht damit verbringen, ganz allein in unserer Wohnung herumzuheulen. Es ist verlockend, aber ich lehne ab.

Es sind Ferien. Verdammt, ich bin jetzt Single. Und vielleicht ist ein Abend in der Stadt genau die Ablenkung, die ich brauche.

Wir betreten das Gebäude, und Gabi führt mich zu unserer Wohnung auf der dritten Etage, wo ich von einem gemütlichen Wohnbereich begrüßt werde. Der Fernseher ist groß und modern, und die Sofas sind kuschelig und einladend. Die Küche ist charmant und mit Highend-Geräten und einem stylischen Esszimmertisch für vier ausgestattet.

Sie führt mich durch einen kurzen Flur und öffnet am Ende die Tür zu einem schlicht eingerichteten Schlafzimmer. Darin stehen ein Doppelbett und ein kleiner Schreibtisch in der Ecke, was für meine Bedürfnisse vollkommen ausreicht.

»Es ist nicht viel, aber Jane hatte noch ein paar Lichterketten für Gemütlichkeit aufgehängt«, sagt sie und bezieht sich damit auf ihre vorherige Mitbewohnerin. Jane vermietet mir das Zimmer für ein Jahr unter, während sie ihr eigenes Auslandsjahr macht. Der perfekte Tausch.

»Es ist wirklich schön«, sage ich aufrichtig und lasse eine Sporttasche auf mein neues Bett fallen.

»Und schau hier, das ist der beste Teil.« Mit einer Hand an meiner Schulter führt sie mich zu dem großen Fenster und zieht den Vorhang auf. Die Aussicht erstreckt sich vor uns. Reihen an mit Efeu bedeckten Gebäuden, deren Dächer einen Flickenteppich aus klassischer Architektur erschaffen. In der Ferne erhebt sich die Turmspitze des W-Towers, das höchste Gebäude auf dem Campus. »Der beste Ausblick in der Stadt.«

»Es ist atemberaubend.«

»Also, wie sieht’s aus? Ich weiß, dass es für dich genau genommen schon sehr spät ist, aber hast du Lust, heute noch auszugehen?«, fragt Gabi. »Einige der Mädels haben gefragt, ob wir hier vorglühen können.«

»Ja«, sage ich entschlossen, »bin dabei.«

Als die Mädels am Abend ankommen, erfüllt Lachen unsere Wohnung. Sie haben alle unterschiedliche Persönlichkeiten, von denen jede so schillernd und selbstbewusst ist wie ihre gewählten Bar-Outfits mit fein abgestimmtem Farbschema. Bandeau-Tops und High-Waist-Röcke, Jeansshorts kombiniert mit weichem Satin und kleine Schleifen in ihren Haaren.

Ich trage ein Seidentop und Shorts, farblich nicht ganz passend, aber nahe genug dran, um dazuzugehören. Mein übliches Make-up hat durch Gabis geübte Hände mehr Glamour bekommen; sie hat einen Hauch von Schimmer auf meine Augenlider aufgetragen und den Look mit einem gewagten roten Lippenstift abgerundet.

Die anderen begrüßen mich mit herzlichem Lächeln und aufgeregtem Geplapper. Sie erkundigen sich nach meiner Reise und meinem ersten Eindruck von Nashville. Sie überschlagen sich geradezu dabei, mir in fünf Minuten alles über das Campusleben zu erzählen – die besten Orte zum Abhängen, die zwielichtigen Gegenden, die man meiden sollte. Dadurch fühle ich mich willkommener und erleichterter, als ich je gedacht hätte.

Zumindest alle, bis auf eine von ihnen.

Sie hält sich ein wenig abseits, und ihre Haltung strahlt Autorität aus. Sie ist wunderschön, aber einschüchternd; groß und schlank mit goldblonden Locken, die auf gestraffte Schultern fallen. Claire, wie ich erfahre, ist die Captain unseres Teams. Ihr grüner Blick begegnet meinem durch den Raum hinweg und hält ihn einen Moment länger als nötig fest.

Sie hat so eine wilde Entschlossenheit an sich und erweckt das Gefühl, jemand zu sein, der keine Fehler macht. Ihr Lächeln ist höflich, hat aber eine Strenge an sich, als sei sie es gewohnt, diejenige zu sein, die den Standard festlegt.

Anstatt mich in der Ecke zu verstecken, beschließe ich, auf sie zuzugehen, mit dem ganzen Mut, den ich aufbringen kann. Mit der Selbstsicherheit einer jungen Frau, die nicht an diesem Morgen erst von ihrer Jugendliebe sitzengelassen wurde.

»Ich bin Ella«, sage ich, bleibe vor ihr stehen und strecke eine Hand aus. »Du bist unsere Captain, richtig?«

»Claire«, sagt sie herablassend und ignoriert meine Hand. »England also, was? Cheerleading ist da drüben nicht besonders üblich, habe ich gehört.«

Ich zwinge mich zu einem Lächeln, während das Gewicht ihres Urteils mich erdrückt. »Es etabliert sich, aber ja, es ist nicht so groß wie in den USA. Aber ich freue mich schon, von den Besten zu lernen.«

Ihr zuckersüßes Lächeln gerät nicht ins Schwanken, doch ihr Blick verengt sich leicht. »Dann werden die Routinen an der Whitland vermutlich anders sein, als du es gewohnt bist. Wir priorisieren den athletischen Aspekt. Es geht nicht nur um die Performance, sondern um Disziplin.«

»Das verstehe ich«, sage ich mit fester Stimme, obwohl es in mir brodelt. »Und ich bin hier, um alles zu geben. Ich will auf keinen Fall eure Zeit verschwenden.«

»Hey, ihr zwei«, unterbricht uns Gabi, die auf uns zukommt und beiläufig ihre Hüfte gegen meine stößt. »Lasst uns nicht über die Arbeit reden, okay? Claire, du bist offensichtlich so weit, aber ich muss Ellas Make-up noch fertig machen.«

Claire schenkt mir ein letztes dünnes Lächeln und winkt uns beiden dann abschätzig. »Dann macht mal.«

Gabi, die Beschützerin des Friedens, legt eine Hand auf meine Schulter und lenkt mich wieder zu der Frisierkommode in ihrem Zimmer. Sie zupft an meinem Haar herum und befestigt eine kleine weiße Schleife darin. Dann beugt sie sich vor und flüstert: »Claire ist brillant, aber heftig. Sie hat uns letztes Jahr zum landesweiten Sieg gebracht. Aber du solltest ihre Kritik nicht allzu persönlich nehmen. Das macht sie bei allen. Ist irgendwie ihr Ding.«

»Das verstehe ich«, sage ich leise. »Ging mir genauso bei den Sirens.«

»Und jetzt bist du hier bei uns.«

»Sie weiß, dass ich an die Whitland gekommen bin, um hier zu sein, oder? Ich versuche nicht, mich hier einzuschleichen und der Star der Show von jemand anderem zu sein.«

»Das wird sie bald auch verstehen.« Gabi tippt mir freundlich auf die Nase und legt den Kopf schief. »Jepp, mehr Highlighter. Genau das brauchst du noch.«

Gabi sagt, dass die Wochenenden Nashvilles Straßen zum Leben erwecken. Und damit hat sie recht, die Atmosphäre hier im Sidetrack – einer kleinen Bar in Campusnähe – bestätigt genau das. Die Musik ist laut und ansteckend. Eine Art Pop-Country, der sich mit dem Gemurmel angeregter Unterhaltungen mischt.

Die Bar ist heute Abend randvoll mit Studierenden. Als wir eintreten, sehen wir sofort die Schlange vor der Theke, die von einem Ende zum anderen reicht. Freundesgruppen lachen und plaudern, Paare tanzen zu der Musik, und Männer fordern einander an den Pooltischen heraus, die überall verstreut sind. Männer, die unbestreitbar attraktiv sind.

Männer, die ich gern als Ablenkung benutze, wenn auch nur heute Nacht.

Ich nippe an meinem zweiten Drink, den ich dank meiner Mitbewohnerin genießen kann. Sie hat mir angeboten, mich reinzuschmuggeln und mir ihre Drinks weiterzureichen. Auch wenn das genau genommen illegal ist, fühlt es sich nicht so an.

Es ist ewig her, dass ich mir Gedanken um meinen Ausweis machen musste, aber in ein paar Monaten bin ich sowieso einundzwanzig. Sobald das Semester also offiziell anfängt, kann ich mir wieder selbst meine Drinks holen, welche ohne dieses Schnapszeug.

Aber ich beschwere mich nicht. Dieser Drink ist süß, die Aromen von Pfirsich und Bourbon vermischen sich köstlich auf meiner Zunge. Und ich spüre, wie ich mich körperlich entspanne, wie die Anspannung in meinen Schultern endlich nachlässt.

Zwar stehe ich noch am Anfang, aber ich fühle mich jetzt schon wohl in dieser neuen Freundinnengruppe. Auch wenn ich sie noch nicht besonders gut kenne, mag ich sie. Vor allem Gabi. Sie ist großzügig und hilfsbereit, quirlig und lustig, genau die Art von Person, die ich brauche, um mit dieser Umstellung zurechtzukommen.

Und die anderen Mädels wirken auch cool, jede hat ihre eigene einzigartige Persönlichkeit und besondere Geschichten zu erzählen. Cove, mit dem kurzen dunklen Bob und den warmen braunen Augen, scheint etwas schüchtern zu sein. Sie ist ein Flyer, zierlich und flink. Aber etwas an ihrer stillen Selbstsicherheit zieht mich an.

Paige hingegen ist etwas forscher. Sie ist ein Tumbler mit Herz und Seele und trägt ihr Haar in sorgfältig gestylten Zöpfen. Sie ist eine Transferstudentin aus einem der besten Junior Colleges des Landes, und sie scheint eine geborene Anführerin zu sein.

Es ist erstaunlich, wie viel ich in so kurzer Zeit schon über sie erfahren habe. Eine kurze Vorstellungsrunde in der Wohnung, und ich habe bereits das Gefühl, die Teamdynamiken ansatzweise zu verstehen.

Nun auf der Tanzfläche halte ich mich in der Nähe der beiden auf. Coves friedvolle Gegenwart gleicht Paiges lebhafte Energie aus; während Letztere im Kreis um uns herumtanzt, wiegt Erstere sich sanft zum Beat. Ich befinde mich irgendwo dazwischen, und trotz des Herzschmerzes, den ich vor weniger als vierundzwanzig Stunden erlitten habe, merke ich, wie ich in ihrer Nähe locker werde.

Ich liebe unseren ersten gemeinsamen Abend als Team. Angesichts der Ablenkungen ist es leicht, den Schmerz der Trennung zu ignorieren, der unter der Oberfläche brodelt. Und das so sehr, dass ich nicht einmal sicher bin, wie viel Zeit vergangen ist, als Gabi von der Toilette zurückkommt.

»Wir sollten ein Spiel spielen«, sagt sie und hält ein Kartendeck in der Hand, das sie hinter der Bar hergeholt hat. »Ich Habe Noch Nie.«

Jubelnd versammeln wir Mädels uns um einen Stehtisch und bilden einen Halbkreis, während Gabi die Karten mischt. Sie erklärt mir die Regeln – und dass das Spiel dafür bekannt ist, Geheimnisse ans Licht zu bringen –, und es scheint mir eine einfache Methode zu sein, meine neuen Teamkameradinnen kennenzulernen.

Es vergehen ein paar harmlose Runden, und bald schon bin ich dran. Ich lache, als die Mädels meinen Namen rufen, während ich eine Karte ziehe. Aber als ich die Frage laut vorlese, rutscht mir das Herz in die Hose. »Ich habe mich noch nie verliebt.«

In meinem Hals bildet sich ein Kloß, als Erinnerungen an Jamie mein Bewusstsein fluten. Sein Lachen, sein Lächeln, die Art, wie er mich angesehen hat, seit wir gemeinsam auf die weiterführende Schule gegangen sind – all das fühlt sich an wie ein Schlag direkt in die Magengrube.

Plötzlich überkommt mich eine tiefe Erschöpfung, und der Lärm der Bar bereitet mir Kopfschmerzen. Das Packen am Morgen, die Fahrt von Oxford nach Heathrow, das Warten auf meinen Flug. Neun Stunden in der Luft, die Anpassung an die sechsstündige Zeitverschiebung – das ist viel zu verdauen. Mein Körper fühlt sich an, als wäre er leer, und meine Gefühle werden durch Müdigkeit und Alkohol noch verstärkt.

Um mich herum beichten die Mädels von ihrer Liebe, einige nehmen stattdessen einen Schluck von ihrem Getränk, während andere lieber passen. Ich versuche, mich auf ihre Erzählungen zu konzentrieren, aber die Bilder von meinem Ex gehen mir nicht aus dem Kopf.

Ich brauche eine Pause, also entschuldige ich mich und mache mich auf den Weg durch die überfüllte Bar, vorbei an Stehtischen und tanzenden Menschengruppen. Einen kurzen Moment zögere ich, bevor ich auf die Außenterrasse trete. Sie erstreckt sich entlang der Seite des Gebäudes und wird von einer Ansammlung von Hängelampen beleuchtet.

Von hier aus kann ich meine neuen Teamkolleginnen durch die offenen Fenster sehen.

Die Nachtluft ist warm und trägt den schwachen Duft von blühenden Blumen mit sich. Es ist viel ruhiger als in der Nähe der Bar. Es gibt mehr Platz zum Atmen, zum Nachdenken, obwohl das das Letzte ist, was ich im Moment tun will.

Ich lehne mich gegen das Geländer und reibe mir die Schläfen, um die Erschöpfung und Melancholie abzuschütteln. Und da sehe ich ihn: einen großen Mann, der allein am Rand der Terrasse steht. Er starrt in die Nacht hinaus, eine Bierflasche locker in einer Hand.

Er hat dieses raue, typisch amerikanische Aussehen: dunkles, leicht zerzaustes Haar, graue, von dichten Wimpern umrahmte Augen, eine perfekte, kräftige Nase und ein winziges Muttermal bei der rechten Oberlippe. Sein T-Shirt sitzt eng an seiner breiten Brust und den Schultern. Muskulös, aber schlank.

Jetzt, wo ich ihn mir genauer angesehen habe, glaube ich, dass er einer der schönsten Männer ist, die ich je gesehen habe. Und da spricht nicht nur der Bourbon aus mir.

Aus einem Impuls heraus, der von Verzweiflung und ein wenig Beschwipstheit angetrieben wird, gehe ich auf ihn zu. Er blickt mit einer hochgezogenen Augenbraue auf mich herab und nimmt stumm einen Schluck von seinem Bier. Es ist, als würde er mich herausfordern, ihn anzusprechen.

Ich öffne den Mund und klappe ihn wieder zu, als ein Rausch der Unsicherheit mich durchflutet. Doch dann, angetrieben von einer Welle Wagemut, platze ich heraus: »Du bist echt groß, weißt du.«

Er grinst, sein Mundwinkel zuckt. »Und du bist sehr direkt.«

»Manchmal.«

»Und du hast einen Akzent«, fügt er hinzu und nimmt einen weiteren trägen Schluck.

»Danke, dass dir das auffällt.«

»Bist du …«

»Engländerin?«

»Engländerin«, wiederholt er mit einem Hauch von Belustigung in seiner tiefen Stimme. »Und was macht eine junge Frau aus England hier im Sidetrack?«

»Einen Drink genießen«, sage ich und versuche, seinen lockeren Tonfall zu imitieren. »Oder zwei.«

»Verständlich.« Seine Entgegnung ist geschmeidig, sein Akzent eindeutig amerikanisch mit einem Hauch Südstaatencharme.

»Warum bist du ganz alleine?«

Irritiert hebt er eine dichte Augenbraue. In seinem Blick herrscht eine Art geladenes Interesse, als würde er mich von Kopf bis Fuß mustern, ohne auch nur den Kopf zu bewegen. »Du hast keinen Filter, oder?«

»Also?«, dränge ich unbeirrt.

»Brauchte frische Luft.«

»Dito«, sage ich, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen.

Er sieht mich mit einer verspielten Herausforderung in den Augen an. »Also, Engländerin ohne Namen, ist das eine Angewohnheit von dir, echt große Fremde in Bars anzusprechen?«

»Nur die, die ein bisschen einsam aussehen.«

Er lacht leise, ein tiefer und kehliger Laut. In meinem Magen flattert etwas, eine Nervosität, die ich nicht erklären kann. Eine, die ich seit Jahren nicht mehr gespürt habe. »Und ich dachte, ich stehe einfach hier und genieße die Abgeschiedenheit.«

»Tja, jetzt kannst du meine Gesellschaft genießen. Viel besser, oder nicht?«

Er neigt den Kopf, seine Stimme ist ein raues Flüstern. »Absolut.«

Ich klemme mir die Unterlippe zwischen die Zähne, knabbere an ihr, in dem Versuch, das unaufhörliche Flattern in Schach zu bekommen. Seine grauen Augen verfolgen die Bewegung, und angesichts der Intensität des Ganzen steigt Hitze in meiner Mitte auf.

Um mich abzukühlen, nehme ich einen langsamen, gemäßigten Schluck meines Drinks. Aber peinlicherweise muss ich husten und die Flüssigkeit läuft mir aus dem Mund und über mein Kinn.

Er lacht. »Also, das war sexy.«

Meine Wangen werden rot, als ich das Glas auf dem Geländer neben uns abstelle und mir schnell das Kinn abwische. So viel zum Thema Mut. »Das hat dir gefallen, was?«, frage ich in dem Versuch, mein Gesicht zu wahren.

»Total«, sagt er mit einem leisen Brummen. Er legt eine Hand an mein Gesicht, und seine Finger heben mein Kinn an, damit ich ihm in die Augen sehe. Aus nächster Nähe haben sie die beeindruckende Farbe von Schiefer, und sie scheinen direkt durch mich hindurchzublicken. »Ich habe nichts dagegen, wenn du ein wenig … schmutzig wirst.«

»Dann solltest du mal mein Schlafzimmer zu Hause in England sehen.«

Er stößt ein lautes Lachen aus, an seinen Augenwinkeln bilden sich Fältchen. »Ich würde wetten, es ist makellos sauber.«

»Diese Wette würdest du in neun von zehn Fällen verlieren«, sage ich grinsend. Seine Hand ruht noch immer an meinem Gesicht, sein Daumen streichelt sanft meine Haut. Es fühlt sich gut an, sowohl beruhigend als auch elektrisierend. »Und wie schmutzig ist deins?«

Was mich dazu bringt, diese zweideutige Frage zu stellen, weiß ich nicht so genau. Vielleicht ist es das Funkeln in seinen Augen, oder die Wärme seiner Berührung, oder einfach die Tatsache, dass er so entwaffnend ist. Ein fremder Südstaatler, der es geschafft hat, mich in nur wenigen Minuten einzunehmen.

Das sollte ich nicht einmal denken. Mein Herz ist immer noch geschunden, und meine Schutzmauer? Die hat einen Grund, da zu sein. Aber vielleicht schadet ein bisschen Spaß nicht. Existiert Nashville nicht genau dafür – um die Vergangenheit hinter sich zu lassen, wenn auch nur für die nächsten zwölf Monate?

Er räuspert sich, sieht auf seine Uhr und sagt dann: »Weißt du, ich mache so was nicht oft, aber würdest du es selbst sehen wollen?«

Mir rutscht das Herz in die Hose. »Wie bitte? Du meinst jetzt sofort?«

Er nickt mit einem verschlagenen Lächeln auf den Lippen. »Ja. Ich meine jetzt sofort. Ich könnte dich in meinem Auto mitnehmen.«

Ich blicke zu der Bar, wo Gabi und die anderen noch immer das Spiel spielen. Meine Gedanken rasen, wägen die Folgen ab. »Ich weiß nicht, ob ich das sollte.«

Ein Teil von mir schreit: Ja, nimm die Gelegenheit wahr und schau, wohin diese unerwartete Verbindung führt. Und ein anderer rät mir zur Vorsicht. Doch als ich wieder in seine Augen sehe, ziehen mich das Funkeln und die Wärme immer noch an, und ich merke, dass ich noch nicht bereit bin, diesen Moment verfliegen zu lassen.

»Nicht?«, fragt er und legt sanft eine Hand an meinen Ellbogen. Das ist wieder eine gewagte Berührung, eine körperliche Geste, die mir verrät, dass er aufrichtiges Interesse hat. Und ich stelle fest, dass es mir gefällt, von ihm berührt zu werden. »Du wirkst nicht wie der Typ, der sich über das Urteil anderer sorgt.«

»Und woher solltest du das wissen?«, fordere ich ihn heraus. »Du kennst nicht mal meinen Namen.«

»Ist das nötig?«

Mir fällt die Kinnlade runter, und Hitze flutet meine Wangen. »Ich … ich schätze nicht.«

Jetzt rast mein Herz. So etwas mache ich nicht – ich verlasse eine Bar nicht mit Fremden, egal, wie unglaublich gut aussehend sie sind. Allerdings hatte ich auch nie die Gelegenheit dazu.

Solange ich mich erinnern kann, war da immer Jamie. Ein Gedanke, der mich wie eine Flutwelle trifft. Doch ich kann nicht zulassen, dass sie mich hinabzieht, nicht jetzt.

Dieser perfekte Mann streckt eine Hand aus, eine unausgesprochene Einladung. Ich zögere noch für den Bruchteil einer Sekunde, bevor sich ein Grinsen auf meinem Gesicht ausbreitet und ich sein Angebot annehme.

Während wir zusammen über den kleinen Parkplatz gehen, Hand in Hand, hole ich mein Handy hervor und schreibe Gabi eine kurze Nachricht. Ich teile ihr mit, dass ich mit einem Typen verschwinde, den ich gerade erst kennengelernt habe. Und dann, um auf Nummer sicher zu gehen, mache ich ein Foto von seinem Kennzeichen.

»Könnte ich deinen Ausweis haben?«

Er starrt mich an und reibt sich den Bartschatten. »Willst du davon auch ein Foto machen?«

»Sicherheit geht vor.«

Er wühlt in seiner Manteltasche herum und reicht mir seinen Führerschein. »Wie verantwortungsvoll von dir.«

Ich werfe einen kurzen Blick darauf und schicke beide Fotos meiner Mitbewohnerin. »Hudson Fox, was?«

»Der einzig wahre.«

»Ella Davies.«

»Also hast du jetzt doch beschlossen, mir deinen Namen mitzuteilen?«

»Nun, das könnte sich später noch als praktisch erweisen. Ehrlich gesagt, würde ich ganz gerne hören, wie du ihn sagst.«

»Fuck.« Er stößt heiß den Atem aus und fährt sich mit der Hand durchs Haar. »Du bist aber nicht betrunkener, als du vorgibst, oder?«

»In dem Fall hätte ich einen Scherz darüber gemacht, dass du mich in deinen Bau einlädst.«

Einen Moment lang steht er verwirrt da. Dann kneift er sich in den Nasenrücken und lacht leise. »Mein … mein Fuchsbau, richtig? Sehr clever.«

»So werde ich bezeichnet.«

»Okay, cleveres Mädchen. Gehen wir.«

Er hält mir die Beifahrertür auf, und ich steige ein und mache es mir auf dem warmen Ledersitz bequem. Das Innere seines Wagens riecht dezent nach einem unbekannten Parfüm. Ich nehme einen tiefen Atemzug und genieße ihn.

Das ist er, oder? Mein Augenblick der absoluten Leichtsinnigkeit, meine Chance, alles zu vergessen und einfach für den Moment zu leben. Um mit einem gut aussehenden Fremden ins Bett zu gehen. Mein erster One-Night-Stand, um meine erste Nacht in Nashville festzuhalten.

Hudson setzt sich auf den Fahrersitz und startet den leise schnurrenden Motor. Er legt eine Hand auf meinen Oberschenkel und fragt: »Bist du dir sicher? Willst du die Nacht wirklich mit mir verbringen?«

Ich nicke, unsere Blicke begegnen sich im gedämpften Licht. »Ja. Das bin ich.«

»Gut.« Er tätschelt meinen Schenkel, bevor er die Hand wegnimmt und einen Gang einlegt. »Denn ich werde sichergehen, dass du sie nie vergisst.«

3

HUDSON

Wir halten auf der Einfahrt des Hauses, in dem ich mit meinem besten Freund Levi wohne. Es ist ein bescheidener Zwei-Zimmer-Bungalow umgeben von einem weißen – mittlerweile schmutzig beigefarbenen – Lattenzaun. In einem überwucherten Blumenbeet sprießt vereinzelt Löwenzahn. Auf dem kleinen Quadrat aus Beton, das wir Veranda nennen, steht ein einsamer Stuhl.

Das Haus mag nichts Besonderes sein, aber es gehört uns.

Trotz Levis Einsprüchen zahle ich mehr als die Hälfte der Miete mit meinem Stipendium und dem Gehalt, das ich während der Nebensaison in Doppelschichten verdiene. Doch die Unabhängigkeit und das Gefühl von Heimat, das mir dieser Ort gibt, ist es mir wert.

Ich steige aus dem Wagen und gehe vorne herum, um Ella die Tür zu öffnen. Sie ist unglaublich schön. Die Art Frau, die einen Mann dazu bringen kann, jeglichen Sinn aus den Augen zu verlieren, und wenn auch nur, um sie mit nach Hause zu nehmen und sie zu verwöhnen. Eine atemberaubende Fremde mit einem Akzent, der meinen Puls in die Höhe treibt.

Sie hat dunkles Haar, haselnussbraune Augen und einen schlanken, aber athletischen Körper. Ihre blasse Haut ist gerötet, ihre Wangen strahlen vor Aufregung. Sie ist genau mein Typ – mühelos bezaubernd mit einer unterschwelligen Selbstsicherheit, die in Wellen kommt und geht.

Mit zitternden Fingern nimmt sie meine Hand.

»Nervös?«, frage ich sie mit einem beruhigenden Lächeln.

»Ein bisschen«, gesteht sie und knabbert an ihrer vollen Unterlippe. »Ist schon eine Weile her, seit ich … so was gemacht habe.«

»Hey, keine Sorge«, sage ich und lasse meine Finger sanft über ihren Oberarm streichen. »Ich werde mich verdammt gut um dich kümmern.«

Sie stößt ein tiefes Lachen aus, und ich sehe, wie etwas von der Anspannung in ihrem Körper nachlässt. »Bist wohl überzeugt von dir, was?«

»Sehr.« Langsam wandert meine Hand an ihren Nacken, mein Daumen streift den Wirbel. »Darf ich dich küssen?«, raune ich. »Um der Nervosität entgegenzuwirken?«

»Ja«, antwortet sie atemlos. Ihre Augen werden groß, glänzen unter dem Scheinwerferlicht.

Ich beuge mich vor, unsere Lippen treffen in einer sanften Liebkosung aufeinander. Haut streift hauchzart über Haut. Zuerst ist es verhalten, doch schon bald schmilzt sie an mir dahin, öffnet sich wie eine Blüte.

Ihr Geschmack ist berauschend; die ganzen Spuren der Bar und des Alkohols, den sie vorhin getrunken hat, sind verschwunden, wurden von etwas noch Süßerem ersetzt – etwas, das ihr vollkommen eigen ist.

Sie stöhnt in den Kuss, ihre Nägel graben sich in meinen Rücken, als ich ihren Körper näher an meinen bringe. Ihre Hände gleiten unter mein Shirt und streichen mir über Bauch und Brust, verweilen in jeder Berührung, als könnte sie nicht genug bekommen.

Mit einem tiefen Knurren aus meiner Kehle vertiefe ich den Kuss und streichle in fiebrigen Liebkosungen ihre Hüfte.

Gott, habe ich das vermisst. Dieses Gefühl von Verzweiflung – dieses drängende Verlangen, sie zu nehmen –, es ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass meine selbst auferlegte Dürreperiode viel zu lange angehalten hat. Letztes Jahr habe ich es ein wenig übertrieben. Zu viel getrunken. Rumgehurt. Jetzt habe ich versucht, mich zu zügeln, aber ich schätze, manchen Risiken kann ein Mann nicht widerstehen.

»Na komm«, bringe ich heiser heraus. »Hier draußen verschlingen uns noch die Mücken. Und ich muss dich unbedingt in mein Bett bekommen.«

Im Haus ist es dunkel, als wir eintreten, da Levi bestimmt noch mit seiner Freundin aus ist – oder wie auch immer er sie diese Woche bezeichnet. Ich habe ihm geschrieben, dass ich jemanden mit nach Hause nehme, und er hat noch nicht reagiert.

Ich schalte das Licht im Flur an und führe Ella in mein Zimmer. Mein Schlafzimmer ist bescheiden: ein Queensize-Bett, Kommode und zwei Nachttische – von denen einer mit einem Klamottenhaufen bedeckt ist. Ich nehme ihn runter und stopfe ihn in den Wäschekorb.

Dann fällt mir etwas Entscheidendes ein. Mit einem Halblächeln drehe ich mich zu Ella um und sage: »Fuck, fast vergessen. Wie stehst du zu Katzen?«

Noch bevor sie antworten kann, schleicht eine Siamkatze mit stechend blauen Augen unter dem Bett hervor und reibt sich schnurrend an unseren Beinen.

»Ich liebe sie«, sagt Ella lachend, als sie sich runterbeugt, um das Tier hinter den Ohren zu kraulen. »Und wer ist das?«

»Sourdough«, entgegne ich und beobachte amüsiert, wie er Ellas Streicheleinheiten annimmt.

Mit einem fragenden Blick in meine Richtung richtet sie sich auf. »Seltsamer Name.«

Ich zucke die Schultern und ringe mit einem Lächeln. »Was soll ich sagen? Er war ein sehr grummeliges Kätzchen.«

»Nun, dann ergibt das wohl Sinn«, sagt Ella, und auf ihrem Gesicht breitet sich ein Grinsen aus.

»Aber jetzt ist er ein totaler Softie«, sage ich und beuge mich runter, um ihn zu begrüßen. »Nicht wahr, Kumpel?«

Er reagiert, indem er noch lauter schnurrt und Ellas Beine in einer Zurschaustellung von Zustimmung umkreist.

Wieder lacht sie, ihre Augen leuchten auf eine Art auf, die meine Brust ganz eng werden lässt. An diesen Anblick könnte ich mich schnell gewöhnen. Doch da wir nur eine Nacht haben, sollte ich sie genießen.

»Anscheinend habe ich eine neue Freundschaft geschlossen.« Sie bückt sich, um Sourdough in die Arme zu nehmen. Mein Kater knetet sofort ihre Schultern, macht es sich bequem, als hätte er seinen neuen Lieblingsplatz gefunden.

»Ja, er hat eine gute Menschenkenntnis«, sage ich wie gebannt, während ich die beiden beobachte. Ellas dunkles Haar fällt an ihrem Rücken hinab und vorne über ihre Schultern, die leicht geschwungenen Enden streifen den Kopf meines Kater. »Scheint, als hättest du den Test bestanden.«

Sie vergräbt die Nase in seinem Fell. »Und wenn ich das nicht hätte?«

»Nun, dann hätte ich natürlich trotzdem Sex mit dir gehabt«, sage ich unverblümt. »Aber nur ein Mal. Und du hättest im Anschluss direkt gehen müssen.«

Ihr fällt die Kinnlade runter. »Und ich dachte, du wärst ein Gentleman.«

»Gib nicht mir die Schuld«, sage ich leise lachend. »Sour war’s. Außerdem habe ich dich nach ungefähr fünf Minuten unserer Bekanntschaft zu mir nach Hause eingeladen. Wenn du da gedacht hast, ich wäre ein Gentleman, ist das dein Fehler.«

Sie stöhnt. »Erlaub mir doch, mich selbst zu belügen, bitte?«

»Wenn es mir zugutekommt«, sage ich, »nur zu.«

»Danke für deine Erlaubnis.«

Wir lachen beide, als Sourdough von ihren Armen springt und sich aus dem Zimmer schleicht. Es ist, als wüsste er, was wir vorhaben, und gibt uns den Raum dafür. Schlaues kleines Kätzchen.

Achtsam schließe ich die Tür hinter ihm. Als ich die Aufmerksamkeit wieder auf Ella lenke, sehe ich, dass sie mich beobachtet. Und die Art und Weise, wie ihr dunkler Blick jede meiner Bewegungen verfolgt, macht mich vielleicht sogar mehr an als das Versprechen ihrer Berührung.

»Licht an oder aus?«, frage ich.

»Ich darf wählen?«

»Ich will, dass du dich wohlfühlst«, sage ich sanft. »Auch wenn ich sterben würde, um dich zu sehen – alles von dir –, bin ich mir fast sicher, dass ich dich auch genauso gut spüren kann.«

Sie errötet und schluckt schwer. »Dann aus. Ich, ähm, mag’s lieber im Dunkeln.«

Ich schalte das Licht aus, sodass nur noch das Leuchten des Mondes durch die Jalousien fällt. Selbst im gedämpften Licht ist sie unfassbar sexy, glatte Haut am ganzen Körper, lange Wimpern und ein Mund, der für die Sünde gemacht ist.

Ich gehe auf sie zu, lege eine Hand an ihre Wange. »Entspann dich, Ella.«

Sie erbebt unter meiner Berührung. »Ich versuch’s.«

»Dann lass mich dir helfen.« Ich fahre mit dem Daumen entlang ihres Kiefers, zeichne die Konturen nach und präge mir jede Vertiefung und Erhebung ihres Gesichts ein. Ihr stockt der Atem, als meine Finger über ihren Hals streichen und am Saum ihres Shirts haltmachen.

»Darf ich?«

Sie nickt. »Ja.«

Langsam, so verdammt langsam, knöpfe ich ihr Oberteil auf und lege Zentimeter für Zentimeter ihrer köstlichen blassen Haut frei. Sie erbebt an mir, als der Stoff zu ihren Knöcheln auf den Boden fällt. Ihr BH ist aus Spitze – weißer Spitze – mit kleinen Schleifen an den Trägern. Klassisch, und doch verdammt sexy.

»Du bist wunderschön«, hauche ich und umfasse ihre Brüste. »Fuck, Ella …«

Ihre Hände greifen an meinen Reißverschluss und öffnen meine Hose mit überraschender Leichtigkeit. »Herrgott«, presse ich durch die Zähne hervor. »Du bist genauso ungeduldig wie ich.«

Sie stößt den Atem aus, als sie mir die Hose von den Hüften schiebt. Meine Erektion drängt sich gegen den Stoff meiner Boxershorts. »Jetzt bin ich eben an der Reihe«, kontert sie. »Das ist nur fair.«

Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, öffne ich ihren BH und lasse ihn achtlos auf den Boden fallen. Ihre Brüste sind entblößt, und sie sind perfekt – mittelgroß und rund, eine ist ein wenig größer, und sie haben rosige Brustwarzen –, und ich kann nur noch daran denken, wie gerne ich sie vögeln würde.

So richtig, und zwar mehrmals.

Als Nächstes ist das Höschen dran – helllila Spitze – und, oh Gott, ich kann die Konturen ihres Zentrums durch sie hindurch sehen. Bei diesem Anblick pocht mein Schwanz, fleht um Erlösung.

»Verdammt unglaublich«, sage ich.

Verlegen zieht sie den Kopf ein. »Mmm.«

»Nicht«, sage ich und hebe ihr Kinn mit dem Zeigefinger an. »Du bist mehr als heiß. Eine Frau, die mich nur mit ihrer Existenz dazu bringt, sie zu wollen. Gib mir ein paar Stunden, und ich zeige dir genau, wie ernst ich das meine. Ich werde dich ausfüllen, dich dehnen, dir ein so gutes Gefühl geben, dass du das nie wieder anzweifelst.«

»Ach ja?«, fragt sie und beißt sich auf eine Art auf die Lippen, die meinen Schwanz zustimmend zucken lässt.

»Oh ja«, sage ich entschlossen.

Sie glaubt mir; das erkenne ich an der Art, wie sie mich jetzt ansieht, mit einem neu entdeckten Selbstvertrauen, das in ihren Augen funkelt. »Dann widerspreche ich dir nicht«, sagt sie und richtet sich auf. Sie tritt aus ihrem Höschen und klettert verführerisch aufs Bett, wo sie sich auf einen Ellbogen stützt.

Ihr dunkelbraunes Haar ist fächerartig auf dem Bett ausgebreitet. Ihre Augen, eine perfekte Mischung aus Grün und Gold, blinzeln mich durch dichte Wimpern an. Und dann ist da noch diese kleine weiße Schleife in ihrem Haar. Sie ist wie ein hübsches Paket, das ich kaum erwarten kann, auszupacken.

»Jetzt bin ich wieder dran«, schnurrt sie und bedeutet mir mit einem gekrümmten Finger näher zu kommen.

Ich verschwende keine Zeit, sondern entledige mich meiner Boxershorts und klettere zu ihr auf die Matratze. Unsere Körper verschmelzen perfekt miteinander, ihre weichen Brüste an meiner harten Brust, unsere Beine umschlungen. Ihre Berührungen sind zart, aber entschlossen – als wüsste sie genau, wo sie ihre Hände ansetzen und wie viel Druck sie ausüben muss.

»Fuck«, stöhne ich, als ihre Nägel mir über den Rücken kratzen und mir Schauer über die Wirbelsäule jagen. »Ja, El, das gefällt mir. Mach weiter.«

Sie kommt meiner Bitte nach und verteilt leichte Kratzer auf meinem Rücken. Ihre Lippen bahnen sich einen Weg entlang meines Halses, und ich fühle mich, als würde ich innerlich schmelzen.

Dann – noch bevor ich begreife, was passiert – ist sie auf mir, reibt sich an meinem Schwanz, während ihr Blick sich in meinen bohrt. Haselnussbraune Tiefen der Lust schauen mir entgegen, dunkel und unverhohlen hungrig.

»Kondom?«, keucht sie zwischen zwei Küssen und drängt sich mit einem verzweifelten Wimmern an mich.

»Nachttisch«, raune ich, bevor sie die Lippen wieder auf meinen Hals drückt. »Aber du solltest mir erst erlauben, dich zu kosten.«

»Ach?«

»Ja. Ich will dich dort küssen. Schmecken. Dich schön feucht und bereit für mich machen.«

Sie drückt die Schenkel zusammen, und ich grinse. »Ist das ein Ja?«

»Ja, Gott, ja«, stöhnt sie, und ihr Akzent ist so sexy, dass ich mich zusammenreißen muss, nicht sofort zu kommen.

»Sag es, als würdest du es genau so meinen.« Ich grinse, rolle sie auf den Rücken und klemme mir eins ihrer Beine über die Schulter.

»Besorge es mir mit deiner Zunge«, keucht sie, »und wage es nicht, aufzuhören, bis ich …«

Ihre Worte lösen sich in einem tiefen Stöhnen auf, als mein Mund ihre Mitte berührt und von ihr kostet, als wäre es mein letztes Mahl auf dieser Erde. Ihr Geschmack – süß und würzig – tanzt auf meiner Zunge, während meine Finger sie erkunden. Ich fahre mit der Zunge über ihren empfindlichsten Punkt, sauge sanft daran, während ich zwei Finger tief in sie stoße. Die Hitze umgibt mich, ihr Körper zieht sich mit jedem Stoß mehr zusammen, während ich einen Rhythmus aufbaue.

Sie ist so verdammt feucht für mich, fließt bereits über meine Finger. Und, Gott, das macht mich mehr an, als ich jemals für möglich gehalten hätte. Ihre Hüften fangen an zu zucken, meine Finger dringen tiefer ein, während ich stärker sauge, sie näher an den Abgrund ziehe.

»Hudson«, stöhnt sie. »Ich bin kurz davor.«

»Genau so«, sage ich an ihrer Haut und verstärke meine Bewegungen. »Komm für mich, Baby, ich will spüren, wie du an meinem Mund kommst.«

Aber sie ist bereits verloren, drückt den Rücken durch und ruft meinen Namen. Sie erbebt in meinen Armen, an meinem Mund, meiner Zunge. Ich sehe hoch in ihr gerötetes Gesicht, ihre Augen sind fest zusammengekniffen, während sie die Nachwehen ihres Orgasmus genießt.

Als sie schließlich von ihrem Hoch zurückkehrt, zieht sie mich für einen ausgiebigen Kuss zu sich nach oben, der uns beide überrascht. Meine Zunge gleitet in ihren Mund – kostet, drängt, will mehr. Ihre Hände sind an meinen Haaren, greifen hinein, als wäre ich das Einzige, was sie noch an diese Welt bindet.

»Jetzt«, keucht sie zwischen zwei Küssen. »Ich brauche dich sofort in mir.«

»Nachdem ich zugesehen habe, wie du dich für mich aufgelöst hast, so verdammt gut, so perfekt«, flüstere ich ihr ins Ohr, während ich in meinen Nachttisch greife und nach dem Kondom wühle, nicht bereit, den Kontakt auch nur für den Bruchteil einer Sekunde zu unterbrechen, »kannst du alles haben, was du willst.«

In Rekordzeit ziehe ich es über und versinke dann langsam in ihr – sie ist eng, aber ihre Feuchtigkeit macht es mir leicht. Scharfe Nägel graben sich wieder in meinen Rücken, als sie meinen Namen flüstert, ihre Hüften meinen entgegendrängt, mich ermutigt, tiefer einzudringen.

»Fuck«, krächze ich durch zusammengebissene Zähne hervor. »Du fühlst dich unglaublich an.«

»Ach ja?«, fragt sie. »Du fühlst dich auch gut an. Größer, als ich gewohnt bin.«

Also wenn das mal kein Kompliment ist. Und mehr brauche ich nicht, um das Tempo zu beschleunigen, ich stoße in sie, als würde mein Leben davon abhängen.

»Verdammt«, raune ich. »Ich wusste nicht, dass du dich so gut anfühlen würdest.«

»Ich auch nicht«, stößt sie schwer atmend hervor, während ihre Muskeln um mich herum zucken.

Die Welle überkommt sie, ihre Brust hebt sich schwer, während sie versucht, ihre Atmung unter Kontrolle zu bekommen. Und als sie in meinen Armen erbebt, in tiefer Zufriedenheit seufzt, mache ich es mir zum persönlichen Ziel, sie für alle anderen Männer zu verderben.

Ich ziehe mich zurück und drehe Ella auf den Bauch. Dann schlinge ich einen Arm um ihre Taille, hebe sie kraftvoll auf Hände und Knie und dringe langsam wieder in sie ein. Aus diesem Blickwinkel kann ich jeden verdammten Zentimeter von ihr sehen – von ihrem runden Po zu der Stelle, an der sie sich um mich zusammenzieht, meinen Schwanz fest umklammert.

»Oh fuck, Ella«, stöhne ich, »so siehst du verdammt sexy aus.«

»Härter, Hudson«, verlangt sie beinahe knurrend und drängt sich mir entgegen. »Härter, härter.«

Und ich gebe es ihr, stoße mit aller Kraft in sie. Schweißperlen bilden sich auf meiner Stirn, als wir uns beide in dem Moment verlieren. Unsere Körper prallen aufeinander, mein Griff an ihren Hüften wird fester, fast schon schmerzhaft.

Es ist dieses Urbedürfnis, das mich durchströmt – ich will sie für mich beanspruchen, sodass nie wieder einem anderen gehören würde. Aber ich weiß, dass das zwischen uns nur eine Nacht ist. Dass dieses seltsame Verlangen nichts weiter ist als die Lust, die da aus mir spricht. Egal wie atemberaubend, wie lebensverändernd der Sex auch sein mag.

Sie wölbt ihren Rücken, und mein Schwanz gleitet noch tiefer in sie, erreicht Stellen, die ich nie für möglich gehalten hätte. Meine Finger schmiegen sich perfekt um ihre Hüften, eine Hand greift nach ihrem süßen Po.

In diesem Moment fällt mir auf, dass sie eine ihrer Hände unter sich geschoben hat und mit sich selbst spielt. Ihr Hintern ragt in die Luft, ihr Rücken ist so stark durchgedrückt, wie ich es vor diesem Abend kaum für anatomisch möglich gehalten hätte.

»Du bist verdammt beweglich, weißt du das?«

Sie lacht, eine zarte Mischung aus Kichern und Stöhnen. »Du solltest mal sehen, was ich im Stehen kann.«

Ist sie Sportlerin? Um sich so bewegen zu können, müsste sie das sein. Ihre Stärke und Beweglichkeit sind nicht zu leugnen, und dafür will ich sie nur noch mehr.

»Bring mich nicht in Versuchung«, murmle ich. »Ich würde dich an jeder Oberfläche in diesem Zimmer vögeln.«

»Gott«, flüstert sie. »Ich bin so kurz davor.«

»Bevor du kommst, sag ihn noch ein letztes Mal«, knurre ich. »Sag meinen Namen.«

»Hudson«, schreit sie und zieht sich um mich zusammen, drückt meinen Schwanz so kraftvoll, dass ich mich nicht mehr zurückhalten kann.

»Fuck«, zische ich, während ich mich in das Kondom ergieße. »Fuck, Ella …«

Ihre Muskeln pulsieren, leeren mich vollkommen, und jegliche Gedanken flüchten zum Fenster hinaus. Das Einzige, was jetzt noch zählt, ist, dass Ella Davies unter mir ist und meinen Namen stöhnt, als wäre er ein verdammtes Gebet.

4

HUDSON

Ich drehe mich im Bett um und lasse einen Arm auf die Matratze fallen, komme dabei allerdings mit einem weichen Hügel in Berührung. Ella.

Die Erinnerungen an die letzte Nacht überschwemmen mich – ihre perfekten Lippen, diese haselnussbraunen Augen, der verdammt noch mal beste Sex meines Lebens. Ein zufriedenes Stöhnen entweicht mir, als ich eine Hand um ihre Taille lege und die Wärme ihrer Haut an meiner spüre.

Doch dann fällt mir der dünne Lichtstreifen im Flur auf, der unter der Tür hindurchdringt und den verbliebenen Dunst der letzten Nacht beseitigt. Panik macht sich in mir breit, ein vertrautes Unbehagen, das in den letzten zehn Jahren mein Schatten gewesen ist.

Vorsichtig steige ich aus dem Bett, um Ella nicht zu wecken, und schleiche in den Flur. Sourdough eilt sofort an meine Seite. Die Stille im Haus ist beunruhigend, während ich von Zimmer zu Zimmer gehe und jeden Lichtschalter und jede potenzielle Gefahr überprüfe.

Levis Tür ist geschlossen, aber als ich klopfe, bekomme ich keine Antwort. Als ich die Tür öffne, sehe ich ein leeres Zimmer, das Bett ist gemacht, aber von meinem Mitbewohner keine Spur.

Ich betrete sein privates Badezimmer, schalte trotz der Uhrzeit das Licht an und suche nach vergessenen Kerzen oder Geräten, die noch an sind. Nichts. Sofort überkommt mich Erleichterung, aber sie wird von einer Welle von Selbstvorwürfen überschattet.

Ich war so sehr mit Ella beschäftigt, bin so in ihr versunken, dass ich mein nächtliches Ritual vernachlässigt habe. Ein Ritual, das aus Verlust und dem verzweifelten Bedürfnis geboren wurde, das Wenige zu kontrollieren, was ich kann.

Ich lasse mich auf den geschlossenen Toilettendeckel sinken, lege den Kopf in die Hände und gönne mir einen Moment, um einfach nur zu atmen. Um das Herzrasen und die irrationale Angst zu beruhigen, dass jeden Moment alles in Flammen aufgehen könnte.

Sobald die Panik nachlässt, stehe ich auf und gehe zurück in mein Schlafzimmer. Der Gedanke, Ella wiederzusehen, mehr von dem zu erforschen, was wir gestern Abend begonnen haben, löst in mir ein Gefühl der Vorfreude aus.

Doch als ich die Tür öffne, empfängt mich ein anderes Bild, als ich erwartet hatte. Ella sitzt auf der Bettkante, vollständig angezogen, ihr Handy fest in der Hand. Obwohl sie noch genauso sexy ist wie gestern Abend, ist ihre Haltung jetzt angespannt. Sie strahlt eine Reserviertheit aus, die vorher nicht da war.

Sie sieht auf, als ich eintrete, und selbst als Sourdough auf das Bett springt, um sie zu begrüßen, erreicht ihr Lächeln nicht ganz ihre Augen.

»Hey«, sage ich, »alles okay?«

Sie lacht und zeigt auf das zerwühlte Bett. »Sagtest du nicht, dass du so was normalerweise nicht machst?«

»So was …?«

»One-Night-Stands.«

Ich hebe eine Augenbraue. »Nein, das habe ich nicht gesagt.«

Sie schnaubt. »Ich erinnere mich genau –«

»Damit meinte ich … dass ich normalerweise keine Frauen zu mir nach Hause einlade, wenn ich sie erst fünf Sekunden kenne. Aber ich glaube nicht, dass ich das erklären muss.«

»Richtig, weil du Hudson Fox bist«, sagt sie ausdruckslos.

»Gibt es einen Grund, warum du meinen ganzen Namen benutzt?«

Als Antwort wirft sie mir ihr Handy zu. Verwirrt runzle ich die Stirn, und als ich es gefangen habe, sehe ich den Namen Gabi (Roomie <3) oben im Nachrichtenverlauf. Ich scrolle nach oben und bleibe stehen, als ich sehe, dass die letzten gesendeten Nachrichten von Ella Fotos von meinem Kennzeichen und meinem Führerschein sind. Danach folgt ein Nachrichtenansturm ihrer Freundin.

Gabi: MACHST DU WITZE?

Gabi: HUDSON FOX???

Gabi: lol das ist mal ne Art dich gleich an deinem ersten Abend so ins Zeug zu legen

Gabi: Er ist unser Star-Quarterback. Ich will ja nicht slutshamen, aber diese Tatsache nutzt er sehr stark zu seinem Vorteil

Gabi: Aber ich hoffe, du hast Spaß! Ich bin sicher er ist geübt in seinem Handwerk jeje

Als ich die Nachrichten gelesen habe, wird die Verwirrung zu Belustigung, gefolgt von einem durchdringenden Gefühl des Verstehens.

»Ist diese Roomie vielleicht Gabi Martín?«, frage ich, als ich ihr das Handy zurückgebe.