Chefarzt Dr. Holl 1923 - Katrin Kastell - E-Book

Chefarzt Dr. Holl 1923 E-Book

Katrin Kastell

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Beschreibung

Was hat er bloß?, rätselt Dr. Stefan Holl und läuft ruhelos in seinem Besprechungszimmer auf und ab. Seit Neuestem ist der Sternekoch Felix Urban in seiner Notaufnahme Dauergast. Gerade wurde der Mann erst entlassen, schon bekommt der Klinikleiter wieder einen Anruf: "Patient Urban, bewusstlos in der Ambulanz - Verdacht auf anaphylaktischen Schock. Helfen Sie uns schnell, Doktor Holl!" Zutiefst in Sorge eilt der Chefarzt zu Hilfe. Schon zuvor war klar: Eine Lebensmittelallergie muss dahinterstecken. Doch der Übeltäter kann einfach nicht identifiziert werden. Ein schlimmer Schlag für den disziplinierten Gourmetkoch, der mit seinem Sternerestaurant unter erheblichem Erfolgsdruck steht. Zähneknirschend bittet er eine alte Bekannte um ihre Unterstützung. Unter seinem Namen soll sie übergangsweise im Urban kochen - als verschwiegene Verbündete versteht sich! Zu blöd nur, dass die auserkorene Meisterköchin seine chaotische Ex-Freundin Maggy ist. Und die hat mit Felix noch so manches Hühnchen zu rupfen ...

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Seitenzahl: 122

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Inhalt

Cover

Was sich als Allergie tarnte

Vorschau

Impressum

Was sich als Allergie tarnte

Mit anaphylaktischem Schock landet ein Sternekoch in der Berling-Klinik

Von Katrin Kastell

Was hat er bloß?, rätselt Dr. Stefan Holl und läuft ruhelos in seinem Besprechungszimmer auf und ab. Seit Neuestem ist der Sternekoch Felix Urban in seiner Notaufnahme Dauergast. Gerade wurde der Mann erst entlassen, schon bekommt der Klinikleiter wieder einen Anruf: »Patient Urban, bewusstlos in der Ambulanz – Verdacht auf anaphylaktischen Schock. Helfen Sie uns schnell, Doktor Holl!« Zutiefst in Sorge eilt der Chefarzt zu Hilfe.

Schon zuvor war klar: Eine Lebensmittelallergie muss dahinterstecken. Doch der Übeltäter kann einfach nicht identifiziert werden. Ein schlimmer Schlag für den disziplinierten Gourmetkoch, der mit seinem Sternerestaurant unter erheblichem Erfolgsdruck steht.

Zähneknirschend bittet er eine alte Bekannte um ihre Unterstützung. Unter seinem Namen soll sie übergangsweise im Urban kochen – als verschwiegene Verbündete versteht sich! Zu blöd nur, dass die auserkorene Meisterköchin seine chaotische Ex-Freundin Maggy ist. Und die hat mit Felix noch so manches Hühnchen zu rupfen ...

»Bitte, bitte! Mach den Umschlag auf, Mama!«, bettelte Juju und zappelte aufgeregt auf dem Stuhl herum.

An diesem Sonntagmorgen hatte sich ausnahmsweise wieder einmal die ganze Familie Holl um den Frühstückstisch versammelt.

Was jahrelang ganz selbstverständlich gewesen war, grenzte inzwischen an eine kleine Sensation. Je älter sie wurden, umso öfter waren Marc und Dani mit ihren Kommilitonen unterwegs oder befanden sich auf Studienfahrten. Der fünfzehnjährige Chris nutzte gerne die Morgenstunden, um sich mit Freunden zum Joggen zu treffen. Nur Nesthäkchen Juju war in schönster Regelmäßigkeit zu Hause und genoss es, ihre Eltern ganz für sich allein zu haben.

An diesem Morgen aber war alles wie früher.

Julia hatte das Esszimmer gerade erst betreten. Zur ihrer großen Überraschung stand ein prächtiger Blumenstrauß auf dem Tisch. Das Kuvert, das Juju so brennend interessierte, lehnte an der Vase.

»Du liebe Zeit, habe ich etwas vergessen? Meinen Geburtstag? Unseren Hochzeitstag?«

Erschrocken legte sie die Hände an die Wangen.

»Keine Sorge, mein Schatz. Alles in bester Ordnung.« Stefan schloss seine Frau in die Arme und sah ihr in die Augen. »Ich fand nur, dass es wieder einmal an der Zeit ist, mich bei dir für deine Liebe, deine Geduld und deinen unerschütterlichen Beistand zu bedanken.«

»Oh, Liebling, das ist doch selbstver...«

»Nein, das ist es ganz und gar nicht«, unterbrach er Julia sanft. »Ich kenne genügend Ehen aus dem Kollegenkreis, die an viel kleineren Herausforderungen gescheitert sind.«

»Die haben sich vielleicht nicht so gut ergänzt, wie wir zwei es tun«, erwiderte Julia innig und setzte sich endlich an den reich gedeckten Frühstückstisch.

Stefans Engagement war ansteckend gewesen. Jeder der Holl-Sprösslinge hatte an dem Dankeschön teilhaben wollen. Dafür hatte sich der fünfzehnjährige Chris seinen selbst gebauten Wecker extra früh gestellt, um beim Bäcker um die Ecke Semmeln zu holen. Die Zwillinge Marc und Dani hatten den Tisch gedeckt, während die elfjährige Juju ihrer Kreativität an der Käseplatte freien Lauf gelassen hatte: Gewürzgurken und Trauben verschönerten den Teller.

»Denkst du, Mama ist schwanger, oder warum hast du so dekoriert?«, zog Dani ihre kleine Schwester auf.

»Nein, aber vielleicht bekommst du ja ein Baby!«, konterte Juju und bog sich vor Lachen, als sie Danis Gesicht sah.

»Dann baue ich dir einen Kinderwagen mit Elektroantrieb«, schmiedete der technikbegeisterte Chris augenblicklich Pläne, während sich Dani lautstark wehrte.

Julia und Stefan tauschten belustigte Blicke. Sie liebten das bunte Treiben am Tisch und genossen es in vollen Zügen.

Endlich kehrte wieder halbwegs Ruhe ein.

»Bist du denn gar nicht neugierig, Mama?«

Diesmal war es Marc, der den Umschlag fixierte.

Endlich tat Julia ihren Kindern den Gefallen und öffnete das Kuvert. Aus einer Herzchen-Karte flatterte ein Gutschein auf den Tisch.

»Gutschein für ein Abendessen im Sternerestaurant ›Urban‹«, las Julia den Text vor, der in gedruckten Lettern dort stand. »Oh, Stefan! Was für eine schöne Idee.«

Ihre kleine Tochter klatschte vor Freude in die Hände.

»Uh, toll! Ich wollte schon immer so gerne schick essen gehen.«

»Tut mir leid, mein Fräulein«, musste Stefan seine Jüngste enttäuschen. »Diese Einladung ist nur für deine Mama.«

Juju wollte schon lautstark protestieren, als sich ihr Bruder Chris zu ihr beugte.

»Sei froh, dass wir nicht mitmüssen«, raunte er ihr zu. »In solchen Restaurants gibt's nur Schnecken und Froschschenkel zu essen.«

»Iiiiihhhhh!«

Jujus Kreischen wurde vom Lachen ihrer Geschwister übertönt, und es dauerte eine ganze Weile, bis Stefan dem Nesthäkchen glaubhaft versichern konnte, dass weder er noch Julia solche Speisen bestellen würden. Recht überzeugt davon war Juju jedoch nicht.

»Ich bleib lieber daheim und mach mit Cäcilie Kaiserschmarrn.«

»Eine weise Entscheidung«, lobte Julia und freute sich schon jetzt auf den Restaurantbesuch mit ihrem Mann.

***

»Das Geheimnis ist die richtige Handhaltung«, erklärte der Sternekoch Felix Urban seiner Auszubildenden. »Damit du dir nicht die Fingerkuppen abschneidest, sind die Finger von der Messerschneide weg leicht angewinkelt. Die Fingerknöchel berühren das Klingenblatt und führen gezielt die Schneidbewegung aus.«

Das Messer klapperte wie ein Maschinengewehr. Im Handumdrehen verwandelte sich eine Selleriestange in hauchdünne Scheiben.

Camilla sah ihrem Chef fasziniert zu.

»Ich bin ja mal gespannt, ob ich das jemals lerne.«

»Das rate ich dir. Sonst bist du öfter Gast bei Doktor Holl in der Berling-Klinik, als uns allen lieb ist«, scherzte Felix, drückte ihr das Messer und eine Karotte in die Hand und wandte sich ab.

Wie jeden Mittag und Abend, seit er mit einem Michelin-Stern dekoriert worden war, herrschte in seinem Restaurant Hochbetrieb.

Wenn sich die Schiebetüren der Küche öffneten, vermischte sich das Stimmengewirr aus dem Gastraum mit dem Klappern von Töpfen, dem Zischen und Fauchen von heißem Fett und Wasser.

Felix überließ seine Auszubildende ihrer Karotte und eilte hinüber zur Magnettafel, an die die Service-Mitarbeiter die Bestellungen gepinnt hatten.

»Tisch neun, zwei Personen. Da gibt's zweimal das Fünf-Gänge-Menü. An Tisch zwei sind drei Karpfen-Steaks und einmal Wagyū-Rind bestellt.«

»Verstanden!«, rief sein Hilfskoch und machte sich sofort auf den Weg.

Felix trat zu einer weiteren Helferin und sah ihr dabei zu, wie sie mit einer Pinzette ein Korianderblättchen auf die sorgfältig arrangierten Jakobsmuscheln drapierte. Ein paar gezielte Tropfen dunkelgrünes Olivenöl darüber und fertig war die Vorspeise.

»Einmal Jakobsmuscheln an Radieschen-Salat und eine Gemüsesülze mit Meerrettich-Jus für Tisch sieben sind fertig!«

Ein Kellner eilte herbei und brachte die Teller umgehend an ihren Platz. Mit einer Verbeugung servierte er die Speisen.

»Bitte sehr, die Herrschaften. Ich wünsche guten Appetit.«

»Danke schön.« Julia Holl strahlte den charmanten jungen Mann an, ehe sie sich auf die Vorspeise konzentrierte. »Das sieht ja fantastisch aus. Fast zu schön, um es zu essen.«

»Das war, ehrlich gesagt, nicht mein Plan«, erwiderte ihr Mann. »Ziel dieser Einladung war es, mich bei dir zu bedanken, und nicht, dir beim Verhungern zuzusehen«, scherzte er gut gelaunt.

»Keine Sorge, diese Gefahr besteht nicht, solang die liebe Cäcilie zu Hause den Kochlöffel schwingt.« Julia lachte und Stefan stimmte mit ein. Jetzt konnte sie dem appetitlichen Anblick, dem verführerischen Duft der Vorspeise doch nicht länger widerstehen. »Wie bist du eigentlich auf dieses Restaurant gekommen?«, wollte sie nach dem ersten Bissen wissen.

»Eine Profiküche ist eine schier unerschöpfliche Quelle an Gefahren«, antwortete Stefan und schob eine Gabel Sülze in den Mund. »Verbrennungen und Schnittwunden sind an der Tagesordnung. Insofern war es ein geschickter Schachzug von Herrn Urban, sein Restaurant in der Nähe der Berling-Klinik zu eröffnen.«

»Das klingt danach, als ob ihr euch des Öfteren begegnen würdet.«

»Felix Urban und seine Mitarbeiter kommen in schönster Regelmäßigkeit in der Klinik vorbei. Zum Glück handelte es sich bisher immer nur um kleinere Malheure.«

Während das Arztehepaar unter munterem Plaudern das Festmahl genoss, entspannte sich die Lage in der Küche. Traditionell war es am Mittwochabend immer etwas ruhiger, ehe das Geschäft kurz vor dem Wochenende wieder an Fahrt aufnahm.

Die Auszubildende Camilla durfte schließlich den letzten Bon des Abends ausrufen.

Felix Urban persönlich übernahm es, den Nachtisch zu servieren.

Als der Koch an den Tisch trat, lächelte Stefan Holl.

»Ich hatte gehofft, dass Sie kurz bei uns vorbeischauen«, sagte er zu Felix. »Gratulation. Ihre Kreationen sind grandios. Sie haben sich den Stern redlich verdient.«

»Vielen Dank.« Bescheiden senkte Felix den Kopf. »Das ist auch Ihr Verdienst. Ohne die schnelle, medizinische Versorgung hätte ich schon so manches Mal ein Problem gehabt.«

»Haben Sie keine Unterstützung in der Küche?«, fragte Julia sichtlich bestürzt.

»Zwei Hilfsköche arbeiten mit mir, die aber noch nicht erfahren genug sind. Wissen Sie, so ein Stern ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist das eine großartige Bestätigung, ein schöner Lohn für die harte Arbeit. Andererseits wächst damit der Druck enorm. Plötzlich haben die Gäste ganz andere Ansprüche. Und wehe, es ist nicht alles wie gewünscht.« Felix unterdrückte ein Seufzen. Es war unschwer zu erkennen, dass der Tag lang und anstrengend gewesen war. »Einen Stern zu gewinnen, ist eine große Chance; ihn wieder zu verlieren, eine Bankrotterklärung.« Über diese Wahrheit sprach kein Koch gerne. Felix tat es nur, weil er Stefan Holl wie kaum einem anderen Menschen vertraute. Er holte tief Luft und lächelte schon wieder. »Aber ich will nicht jammern. Schließlich habe ich auf dieses Ziel hingearbeitet und einiges dafür geopfert.«

Wie immer, wenn Felix über dieses Thema sprach, erschien Maggys Gesicht vor seinem geistigen Auge. Schlagartig zog sich sein Herz zusammen.

Ja, wenn sie mit ihm kochen würde, wäre sein Stern sicherer. Maggys Kreativität entfaltete sich besonders auf dem Gebiet ihrer Kochkünste. Sie verstand es, jedem Gericht eine unverwechselbare Note zu verleihen. Und das war nur einer der vielen Gründe, warum er sie so schmerzlich vermisste. Dabei waren schon drei Jahre seit ihrer Trennung vergangen ...

»Sie können wahrlich stolz auf sich sein«, lobte Julia den Chefkoch und riss ihn damit aus seinen trübseligen Gedanken. »Und lassen Sie sich bloß nicht von schlecht gelaunten Zeitgenossen aus der Ruhe bringen. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen und Sie all unseren Freunden, Verwandten und Bekannten weiterempfehlen.«

»Vielen Dank! Die Empfehlung zufriedener Gäste ist die beste Werbung.«

Felix freute sich über die Begeisterung und das Engagement der Arztfrau. Und doch war diese Freude überschattet von seinen Gedanken an Maggy. So erreichte sein Lächeln die Augen nicht.

***

Schließlich dauerte es noch fast bis Mitternacht, bis der letzte Teller wieder im Schrank stand und die Küche blitzte und blinkte.

»Feierabend!« Felix ließ sich auf einen der Barhocker am Tresen fallen.

Sein Hilfskoch Robin gesellte sich zu ihm. Zeit für eines der vielen Rituale, die im Laufe der Zeit entstanden waren. Er stellte zwei Gläser auf den Tresen und schenkte Weißwein ein.

»Auf den freien Tag!«

Hell klangen die Gläser aneinander.

»Du hast morgen frei?«

Müde, wie er war, hatte Felix den Terminplan nicht im Kopf.

»Du solltest dir auch mal ein paar Tage Ruhe gönnen«, riet ihm Robin. Sein kritischer Blick ruhte auf seinem Chef. »Wenn du so weitermachst, klappst du irgendwann zusammen.«

»Ich habe doch gerade erst angefangen«, seufzte Felix.

Viele Jahre harter Arbeit waren nötig gewesen, um dorthin zu gelangen, wo er jetzt war. Und schon vorher hatte Maggy ihm vorgeworfen, er würde für seinen Traum, ein Sternerestaurant zu führen, über Leichen gehen oder wenigstens ihre gemeinsame Zukunft opfern!

Maggy! Felix hatte die quirlige, junge Frau mit den roten Haaren und den Sommersprossen im Gesicht auf der Meisterschule kennengelernt. Sie – witzig, kreativ und voller verrückter Ideen – war das genaue Gegenteil von ihm, der seine Pläne bis heute stets strukturiert und zielstrebig durchzog.

Fast ein Jahr lang hatten sie sich nur gekabbelt. Nähergekommen waren sie sich erst, als eine Lehrerin genug von diesen Kindereien gehabt und sie zum gemeinsamen Kochen verdonnert hatte. Vom Ergebnis waren Maggy und Felix selbst überrascht gewesen.

Es waren zwei kunterbunte Jahre gefolgt, wie Felix sie nie zuvor erlebt hatte.

Doch das Glück war nicht von Dauer gewesen. Eines Tages hatte Maggy ihrem Liebsten in einer romantischen Stunde gestanden, von einer kleinen Familie und einem Restaurant auf dem Land zu träumen. Felix dagegen liebte die Großstadt. Hier war sein Platz, hier hatte er sich einen Namen machen und Erfolge feiern wollen. Hartnäckig hatte er an seinen Plänen festgehalten. Kinder hatten darin keinen Platz. Nach vielen Streitereien und noch mehr Tränen hatte Maggy schließlich den Schlussstrich gezogen.

Die große Leere füllte Felix seither mit Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit. Nicht vergeblich, wie sein Erfolg bewies. Auf die Lobeshymnen der Restaurantkritiker folgte der erste Michelin-Stern.

Seither wartete Felix Urban auf die Freude, die Euphorie, es geschafft zu haben. Doch es war wie verhext. Statt sich zu freuen und in neue Sphären aufzuschwingen, war er wie erstarrt. Der Druck, das Niveau zu halten, war immens. Die hohen Kosten für die Lebensmittel, die Tischwäsche, das Geschirr, den Blumenschmuck und das Personal raubten ihm den Schlaf.

Würde das Restaurant auch am nächsten Tag, in der kommenden Woche, im nächsten Monat noch ausgebucht sein, damit er seine Rechnungen bezahlen konnte?

»Dafür, dass du erst am Anfang stehst, wirkst du wie ein alter Mann«, stellte Robin fest und trank noch einen Schluck Wein. »Wenn du wenigstens eine Freundin hättest, müsste ich mir nicht so viele Gedanken um dich machen. Die würde schon dafür sorgen, dass du genügend Ausgleich zu diesem Knochenjob bekommst. Aber so ...«

Felix schüttelte die Gedanken an Maggy ab und grinste.

»Ich kann sehr gut für mich sorgen.« Er hob das Glas und leerte es in einem Zug. »Was glaubst du, warum ich jeden Morgen zum Joggen gehe?«

Robin schickte ein Grinsen hinab auf seinen eigenen Bauch, der sich trotz seiner Jugend deutlich unter seinem T-Shirt wölbte.

»Das könnte mir auch mal nicht schaden.«

»Dann komm doch einfach morgen früh mit.« Felix unterdrückte ein Gähnen und rutschte vom Barhocker. Zum Glück lag seine Wohnung direkt über dem Restaurant, sodass ihm wenigstens ein langer Nachhauseweg erspart blieb. »Nach dem Einkauf in der Großmarkthalle treffen wir uns um acht Uhr an der Eisbachwelle.«

»Abgemacht«, versprach Robin wenig überzeugend.

Und Felix ahnte, dass er auch am nächsten Tag wieder allein seine Runden durch den Englischen Garten drehen würde.

***

Am nächsten Morgen fegte ein zorniger Wind durch die Straßen der Stadt und trieb die bunten Blätter am Boden vor sich her.

Maggy Lanzinger, die eigentlich Margarethe – nach ihrer Großmutter – hieß, zog die Jacke enger um sich.

Der wolkenverhangene Himmel verhieß nichts Gutes. Besser, sie sputete sich etwas, wenn sie nicht klatschnass in Dr. Holls Wartezimmer sitzen wollte. Aber wie sie ihr Glück in letzter Zeit kannte, würde der Wettergott jetzt erst recht eine ordentliche Portion Regenwasser über ihr auskippen.

Diesmal täuschte sie sich, und ihre Eile machte sich obendrein bezahlt. Die U-Bahn-Türen wollten sich gerade schließen, als Maggy ihren Fuß in einen der Wagen setzte. Atemlos und mit roten Wangen ließ sie sich auf einen Sitz am Fenster fallen. Ein Ruckeln, und die Bahn setzte sich in Bewegung.