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Lieber Tierfreund, So, wie dem Dachshund Chico ergeht es vielen seiner Artgenossen. Zuerst von seinen Menschen geliebt und plötzlich nicht mehr gebraucht. Was nun? Und hier beginnt Chicos Abenteuer. Er wechselt einige Male den Besitzer und erlebt mit seinen Menschen etliche Eskapaden. Sei gespannt, was Chico Dir erzählen will.
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Seitenzahl: 73
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Verhängnisvoller Start
Jagderfahrungen
Sportstunde mit Mutprobe
Rangordnung und Rudelgesetz
Endlich volljährig!
Unerwartete Ereignisse
Urlaub in Dänemark
…und wieder eine Veränderung
Besuch aus Brilon und Berlin
Bald ist Weihnachten
Wohnungswechsel
Ein neues Domizil
Abenteuerliche Begegnung
Katzenbekanntschaft
Abenteuer auf dem Wasser
Erstes Rendezvous
Tierisch raffiniert
Ein rüstiger Senior
Auf zum Polenmarkt
Abschied
Wie hungrige Wölfe stürzen meine Geschwister an Mutters Milchbar. „Weg da, ich bin der erste“, knurrt mein ältester Bruder. Als Alpha-Hund behauptet er den besten Platz, während sich die anderen um die Folgenden rangeln. Sie schlagen sich die Bäuche voll und mir der knurrt Magen. Ich drängle mich von neuem ran. „He, ich bin genauso hungrig wie ihr. Merkt ihr das nicht?“
„Hau ab, du gehörst nicht zu uns“, blafft mein dritter Bruder mich an. Resigniert ziehe ich mich zurück. Was ist das nur für eine Gesellschaft? Null Toleranz gegenüber Andersartigen. Dabei sind wir alle aus demselben Bauch geschlüpft. Meine sieben Geschwister sind kräftige Dackelwelpen. Ihr Fell glänzt in verschiedenen Brauntönen. Ich bin der Letzte von ihnen, klein hässlich und kohlrabenschwarz.
Nach einigen Wochen verlassen die Braunen den Zwinger. Sie haben an Größe kräftig zugelegt und so findet einer nach dem andern seinen Tierliebhaber. Jetzt macht mir niemand mehr den Fressplatz streitig. Trotzdem bin ich in meiner Entwicklung zurückgelblieben und für einen profitablen Verkauf nicht geeignet. Gibt es nirgendwo einen Liebhaber für einen Hund mit Schönheitsfehlern?
Eines Tages, ich kann es kaum glauben, treten zwei Menschen an meinen Zwinger. „Vater und Sohn“, sagt mein Dackelverstand. Der Kleine nimmt mich sofort auf seinen Arm und krault mir die Ohren. Ich lege meinen Kopf auf seine Schulter und genieße seine Zuneigung. „Endlich einer, der mich mag!“ Der Züchter zögert nicht lange. „Wenn du ihn haben willst, schenke ich ihn dir. Er ist das Sorgenkind des ganzen Wurfs. Sehr alt wird er nicht, aber solange er lebt sollst du deine Freude an dem Tier haben.“
Freude durchströmt meinen ganzen Körper. Dankbar lecke ich die Wange des Jungen und er kichert dabei vor Glück. Für den zehnjährigen Udo geht endlich ein Herzenswunsch in Erfüllung.
Udos Mutter hat in der Küche eine hübsche Schlafstätte und einen Fressplatz hergerichtet. Ich nehme ein paar kräftige Schlucke aus der Hunde-Bar und ziehe mir die Leckerlis herein. „Hm Fleischgeschmack. Welch ein Genuss!“
„Hast du schon einen Namen für deinen Hund?“ fragt Udos Mutter.
„Er soll Chico heißen“, sagt Udo entschlossen. Jetzt besitze ich sogar einen Namen. Ja, ich bin eine Persönlichkeit, die ich mir von niemandem mehr streitig machen lasse. Jeden Morgen, bevor Udo sich auf den Weg zur Schule macht, krault er mir den Rücken. „Mach´s gut Chico, ich komme bald wieder.“ Und wenn er endlich von der Schule nach Hause kommt laufe ich ihm mit wedelnder Rute entgegen. Udo nimmt mich in den Arm und streicht sanft über meinen Kopf. Während er aus der Schule plaudert genieße ich unsere Kuschelstunde.
„Weißt du Chico, der Reno und die Jana sind doof. Die nennen mich Dickerchen. Was sagst du nur dazu?“ Was verstehe ich schon von Menschen die doof sind? Ich höre Udo zu und das tröstet ihn über seinen Kinderkummer hinweg. Von Udos Eltern ernte ich viele Streicheleinheiten. Vor seiner Oma allerdings, habe ich großen Respekt. Sie ist die Chefin im Haus und kümmert sich um die Wirtschaft während Frauchen und Herrchen zur Arbeit gehen. Hygiene ist ihr „Steckenpferd“. Wo immer sich ein Schmutzfleck zeigt, rückt sie diesem sofort mit Wischtuch und Scheuermittel zu Leibe.
„Du bekommst das goldene Scheuertuch“, sagt Udos Mutter oft scherzhaft.
Hygiene, Sauberkeit? Noch nie gehört! Es macht mir nichts aus, wenn ich beim Trinken Wasserspuren auf dem Linoleum hinterlasse. Ebenso verrichte ich meine kleinen und großen Geschäfte in der Wohnung, wo sonst? Das trifft Omas Reinlichkeitssinn wie ein Donnerschlag. Fortwährend läuft sie mit Wassereimer und Wischtuch hinter mir her. „Du verdammter Köter, was hast du da gemacht!“ Dabei stößt sie mir den Schrubber mit dem Scheuerlappen unter die Nase. Ich ziehe den Schwanz ein und krieche unter einen Stuhl. Zitternd vor Angst kaure ich in der Ecke und warte bis Udo hereinkommt. Behutsam streckt er mir seine Hand entgegen. „Nun komm mal her mein Kleiner. Was ist passiert?“ Udos Stimme macht mir etwas Mut. Langsam rapple ich mich auf, und wedle mit herunter gelassener Rute. Ich spüre wie seine Hand über meinen Rücken gleitet.
„Was hat Chico nur?“ Udos Blick trifft Oma Herta, die gerade den Topf mit der Kartoffelsuppe auf den Tisch stellt.
„Was weiß ich.“ Sie stößt einen tiefen Seufzer aus. „Du solltest deinem Hund beibringen, dass er seine Geschäfte draußen erledigen muss.“ Gerne hätte ich Udo von meinem Erlebnis mit Oma erzählt, könnte er meine Sprache nur verstehen. So bleibt mein Erlebnis mit Oma für Udo im Verborgenen und mein ängstliches Verhalten für ihn ein Rätsel.
Wegen meiner Hinterlassenschaften entbrennt eines Tages ein heftiger Familienstreit. Oma bringt es lautstark auf den Punkt. „Tiere stinken und gehören deshalb nicht in die Wohnung. Das ist unhygienisch.“ Also richten meine Menschen einen Platz im Heizungskeller für mich her. Dort ist es warm, aber dunkel. Für Familie Raimer ist das Problem gelöst. Wer fragt schon danach wie ich mich fühle, so allein ohne Licht und Sonne? „Ein Hund gewöhnt sich an alles.“ – Denkste! Ich heule so laut ich kann: „Ich habe Angst, holt mich heraus!“ Mein beharrliches Gejaule alarmiert schließlich die Nachbarschaft.
„Der ununterbrochene Lärm eures Hundes ist eine Zumutung.“
Jetzt ist das Maß voll. „Solange der Hund im Haus ist mache ich keinen Finger krumm.“ Omas Protest bringt den Haussegen gründlich in die Schieflage. Im Garten wuchert das Unkraut, und das Abwaschgeschirr vom Vortag steht noch immer mit verkrusteten Essensresten auf der Anrichte. Jetzt fordert sie sogar: „ Entweder der Hund verschwindet, oder ich verlasse euch.“
Udo hat sich gerade auf dem Sofa niedergelassen, hält mich fest in seinem Arm und krault mein Fell. Eine fremde Person nähert sich uns. Ich habe kein gutes Bauchgefühl. Muss ich
Udo und seine Familie verlassen? Plötzlich gleitet eine fremde Hand über meinen Rücken, und eine unbekannte Stimme fragt leise: „Wie heißt dein Hund?“
„Chico“, antwortet Udo. Dabei kann er nur mühsam seine Tränen zurück halten.
„Ich bin euer Nachbar Dieter. Wenn du deinen Hund nicht behalten darfst, dann nehme ich ihn mit zu mir und du darfst ihn täglich besuchen und mit ihm spielen. Ist das okay?“
Udo nickt und wischt dabei hastig über seine Augen. Dass er sich von dem was er so sehr liebt, trennen muss, nagt heftig an der Kinderseele. Da trösten ihn auch die Worte seiner Mutter nicht: „Sei vernünftig, Udo. Wir können den Hund nicht behalten.“ Nachbar Dieter nimmt mich an die Leine und geht mit mir fort. Wen interessiert es schon, wie mir dabei zumute ist? Bei Familie Raimer ist der Familienfrieden wieder hergestellt – allein das zählt.
Schon wieder eine neue Umgebung. Wer bitteschön, hat mich gefragt, ob es mir angenehm ist, Wohnung und Menschen zu tauschen? Neugierig gleitet meine Nase über den Fußboden. Fremde Gerüche, andere Menschen, die nicht so recht wissen was sie mit einem Wesen, wie ich es bin, anfangen sollen. Ich fühle mich mutterseelenallein. Wo ist die Kinderhand, die mich streichelt? Wo sind die vertrauten Stimmen? Mir ist zum Heulen zumute, und so lasse ich meinem Schmerz freien Lauf.
„Warum weint Chico“ will der fünfjährige Ingo wissen.
„Der ist noch so klein und hat Heimweh“, erklärt seine Mutter. Gleich darauf gleitet sanft eine Kinderhand über mein Fell. „Magst du das Lied der Schlümpfe“, sagt der Junge leise und legt eine kleine schwarze Platte auf eine Drehscheibe.
„Oh, Musik tönt aus dem Lautsprecher in meine langen Ohren! Das ist Balsam für meine gestresste Hundeseele.“ Ich lege mich vor den Musikapparat wo die Sonne den Teppich wärmt. Im Nu bin ich eingeschlafen. Ich träume von langen Waldspaziergängen mit Menschen, die mich lieben. Ob mein Traum einmal wahr wird?
Ein Gong reißt mich aus dem Schlaf. Frauchen öffnet die Tür. Es ist Udo, der mir einen Besuch abstatten will. Mit wedelnder Rute gehe ich ihm entgegen und begrüße ihn mit einem lauten „RRR“. Udo nimmt mich in den Arm und drückt mich fest an sich. „Oh Chico, wie sehr habe ich dich vermisst!“ Er rennt mit mir durch die Wohnung und Ingo und Anja machen mit. Wenn so viele „Hasen“ einen Hund jagen, geht ihm schon mal die Puste aus. Frauchen hat das beobachtet und nimmt mich auf ihren Schoß. „Jetzt ist erst einmal Pause“, sagt sie zu den Kindern, während sie liebevoll meinen Hals krault, „später könnt ihr weiterspielen.“ Ingo und Anja sind weit jünger als Udo. Anja kann nicht einmal meinen Namen
