Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) - Matthias Backenstraß - E-Book

Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) E-Book

Matthias Backenstraß

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Beschreibung

CBASP ist ein psychotherapeutischer Ansatz zur Behandlung der chronischen Depression bzw. der Persistierenden Depressiven Störung. Von James P. McCullough entwickelt und über Jahre im Zuge der Behandlung einer Vielzahl chronisch depressiver Patientinnen und Patienten optimiert, integriert CBASP Konzepte, Theorien und Vorgehensweisen verschiedener Therapieschulen. Besonders innovativ ist im CBASP die Gestaltung der therapeutischen Beziehung. Das Buch beschreibt klar und nachvollziehbar das therapeutische Vorgehen, veranschaulicht anhand eines ausführlichen Fallbeispiels. Zudem stellt es den aktuellen Stand der Forschung im Hinblick auf die Störungsannahmen und die Wirksamkeitsprüfung dar.

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Seitenzahl: 191

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Der Autor

Prof. Dr. phil. Matthias Backenstraß leitet das Institut für Klinische Psychologie des Zentrums für Seelische Gesundheit am Klinikum Stuttgart. An der Universität Heidelberg, an der er studiert, promoviert und habilitiert hat, ist er zugleich außerplanmäßiger Professor für Psychologie und lehrt im Bereich Klinische Psychologie und Psychotherapie. Bereits im Rahmen seiner Promotionsarbeit beschäftigte er sich mit dem Interaktionsverhalten depressiver Menschen. Als weitere Forschungsinteressen kamen die Zwangs- und bipolaren Störungen hinzu sowie verschiedene Aspekte der Emotionsregulation und der Wirksamkeit von Psychotherapie. Nach einer Ausbildung in Klientzentrierter Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers qualifizierte er sich in Kognitiver Verhaltenstherapie und approbierte zum Psychologischen Psychotherapeuten mit verhaltenstherapeutischer Vertiefung. An mehreren Psychotherapieausbildungsinstituten gibt er Kurse zur Psychotherapie der Zwangsstörungen sowie CBASP und ist als Supervisor für Kognitive Verhaltenstherapie tätig.

Matthias Backenstraß ist Gründungsmitglied des CBASP-Netzwerks, einem Verein, der sich um die Verbreitung und Qualitätssicherung von CBASP im deutschsprachigen Raum bemüht. Zudem ist er von Beginn an im Vorstand des Vereins aktiv. Er ist CBASP-Therapeut, -Supervisor und -Trainer.

Matthias Backenstraß

Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP)

Verlag W. Kohlhammer

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1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-035633-7

E-Book-Formate:

pdf:        ISBN 978-3-17-035634-4

epub:     ISBN 978-3-17-035635-1

mobi:     ISBN 978-3-17-035636-8

Inhalt

 

 

 

Geleitwort zur Reihe

Vorwort

Einleitung

1   Entwicklungsgeschichte des CBASP

2   Verwandtschaft mit anderen Verfahren

3   Wissenschaftliche Grundlagen

3.1   Prävalenz und klinische Relevanz der Persistierenden Depressiven Störung

3.2   Interpersonelles Störungsmodell der chronischen Depression

3.2.1   Empirische Evidenz

3.2.2   Fazit zum CBASP-Störungsmodell

4   Kernelemente der Diagnostik

4.1   Kategoriale Diagnostik der Persistierenden Depressiven Störung

4.2   Dimensionale Diagnostik des Schweregrads der Störung

4.3   Systematische Erhebung von traumatischen Erfahrungen

4.4   Diagnostik interpersoneller Probleme

4.5   Den Stimuluscharakter des Patienten identifizieren

4.6   Bewertung des vom Patienten Gelernten

5   Kernelemente der Therapie

5.1   Zeitliche Struktur

5.2   Liste der prägenden Bezugspersonen

5.3   Übertragungshypothese

5.4   Situationsanalyse

5.4.1   Erhebungsphase

5.4.2   Lösungsphase

5.4.3   Zusammenfassung und weiteres Vorgehen

5.5   Mini-Situationsanalyse

5.6   Kiesler-Kreis

5.7   Analyse zukünftiger Situationen

5.8   Therapiestrategien zur diszipliniert persönlichen Gestaltung der therapeutischen Beziehung

5.9   Interpersonelle Diskriminationsübung

5.10 Kontingent Persönliche Reaktion

6   Klinisches Fallbeispiel

6.1   Krankengeschichte und Diagnostik

6.1.1   Psychischer Befund zu Therapiebeginn

6.1.2   Ergebnisse der Eingangsdiagnostik

6.2   Fallkonzeption

6.2.1   Darstellung der Liste der prägenden Bezugspersonen

6.2.2   Übertragungshypothese

6.2.3   Ergebnis des IMI

6.3   Behandlungsverlauf

6.3.1   Eine beispielhafte Situationsanalyse

6.3.2   Unterscheiden lernen zwischen Vater und Therapeuten (Beispiel einer Interpersonellen Diskriminationsübung)

6.3.3   Vorbereitung eines wichtigen Gesprächs – Zukunftsanalyse

6.3.4   Therapeut zeigt sich betroffen und Konsequenzen (Beispiel einer Kontingent Persönlichen Reaktion)

6.4   Therapieende

6.4.1   Ergebnisse der Diagnostik zu Therapieende

6.4.2   Abschließende Bewertung

7   Hauptanwendungsgebiet

8   Settingbedingungen

8.1   CBASP als Gruppentherapie

8.2   CBASP im Rahmen eines stationären Behandlungskonzepts

8.2.1   Behandlungsdauer und zeitliche Struktur

8.2.2   Multiprofessionelles Angebot

8.3   Zusammenfassende Einordnung

9   Die therapeutische Beziehung

10 Wissenschaftliche und klinische Evidenz

10.1 Wirksamkeit von CBASP

10.2 Wer profitiert besonders von CBASP?

10.2.1 Moderatoren des Therapieerfolgs

10.2.2 Mediatoren des Therapieerfolgs

11 Institutionelle Verankerung

12 Informationen zur Fortbildung in CBASP

Literatur

Sachwortverzeichnis

Geleitwort zur Reihe

 

 

 

Die Psychotherapie hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt: In den anerkannten Psychotherapieverfahren wurde das Spektrum an Behandlungsansätzen und -methoden extrem erweitert. Diese Methoden sind weitgehend auch empirisch abgesichert und evidenzbasiert. Dazu gibt es erkennbare Tendenzen der Integration von psychotherapeutischen Ansätzen, die sich manchmal ohnehin nicht immer eindeutig einem spezifischen Verfahren zuordnen lassen.

Konsequenz dieser Veränderungen ist, dass es kaum noch möglich ist, die Theorie eines psychotherapeutischen Verfahrens und deren Umsetzung in einem exklusiven Lehrbuch darzustellen. Vielmehr wird es auch den Bedürfnissen von Praktikern und Personen in Aus- und Weiterbildung entsprechen, sich spezifisch und komprimiert Informationen über bestimmte Ansätze und Fragestellungen in der Psychotherapie zu beschaffen. Diesen Bedürfnissen soll die Buchreihe »Psychotherapie kompakt« entgegenkommen.

Die von uns herausgegebene neue Buchreihe verfolgt den Anspruch, einen systematisch angelegten und gleichermaßen klinisch wie empirisch ausgerichteten Überblick über die manchmal kaum noch überschaubare Vielzahl aktueller psychotherapeutischer Techniken und Methoden zu geben. Die Reihe orientiert sich an den wissenschaftlich fundierten Verfahren, also der Psychodynamischen Psychotherapie, der Verhaltenstherapie, der Humanistischen und der Systemischen Therapie, wobei auch Methoden dargestellt werden, die weniger durch ihre empirische, sondern durch ihre klinische Evidenz Verbreitung gefunden haben. Die einzelnen Bände werden, soweit möglich, einer vorgegeben inneren Struktur folgen, die als zentrale Merkmale die Geschichte und Entwicklung des Ansatzes, die Verbindung zu anderen Methoden, die empirische und klinische Evidenz, die Kernelemente von Diagnostik und Therapie sowie Fallbeispiele umfasst. Darüber hinaus möchten wir uns mit verfahrensübergreifenden Querschnittsthemen befassen, die u. a. Fragestellungen der Diagnostik, der verschiedenen Rahmenbedingungen, Settings, der Psychotherapieforschung und der Supervision enthalten.

Nina Heinrichs (Bremen)

Rita Rosner (Eichstätt-Ingolstadt)

Günter H. Seidler (Dossenheim/Heidelberg)

Carsten Spitzer (Rostock)

Rolf-Dieter Stieglitz (Basel)

Bernhard Strauß (Jena)

Die Buchreihe wurde begründet von Harald J. Freyberger, Rita Rosner, Ulrich Schweiger, Günter H. Seidler, Rolf-Dieter Stieglitz und Bernhard Strauß.

Vorwort

 

 

 

Als mich Herr Dr. Poensgen vom W. Kohlhammer Verlag fragte, ob ich für die Reihe »Psychotherapie kompakt« den geplanten Band zu CBASP schreiben könnte, war ich zunächst zögerlich. McCulloughs CBASP-Therapiemanual sowie seine vertiefende Monografie zur therapeutischen Beziehung liegen in deutscher Übersetzung vor. Darüber hinaus gibt es weitere deutschsprachige und internationale Buchpublikationen, in denen CBASP – zum Teil mit Modifikationen z. B. hinsichtlich des Settings – ausführlich dargestellt wird. Warum also ein weiteres Buch zu diesem Therapiemodell? Zwei Gründe haben mich bewogen, mich an die Arbeit zu machen. Der erste Grund ist CBASP selbst. Ich bin nach wie vor von CBASP angetan. Es stellt aus meiner Sicht ein sehr überzeugendes, weil integratives Therapiemodell dar. Es integriert dabei u. a. zwei mir in der klinischen Praxis wichtig gewordene Ansätze, nämlich die kognitive Verhaltenstherapie mit dem Fokus auf Veränderung (und empirischer Überprüfung) und die interpersonelle Perspektive, mit einer starken Fokussierung auf das zwischenmenschliche Geschehen sowohl außerhalb als auch innerhalb der Psychotherapie bei einer auf Authentizität basierenden Gestaltung der therapeutischen Beziehung. Der zweite Grund liegt in der Konzeption der Reihe »Psychotherapie kompakt«. Die Herausgeber und der Verlag haben eine Struktur vorgegeben, die sich mit der Idee des »Scientist-Practitioner-Modells« in große Übereinstimmung bringen ließ. So konnte ich einerseits die Entwicklungsgeschichte von CBASP würdigen, das Störungsmodell, die Interventionsstrategien und deren Modifikationen ausführlich darstellen und anhand eines ausführlichen Fallbeispiels illustrieren sowie andererseits den aktuellen Stand der empirischen Forschungsliteratur zusammentragen und referieren. Ich hoffe sehr, dass von meiner CBASP-Begeisterung und der Überzeugung, dass Praxis und die kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser zusammen dargestellt und vermittelt werden müssen, nun in dem vorliegenden Buch etwas sichtbar werden.

Das Buch hätte nicht zustande kommen können, hätte ich nicht bei und von Elisabeth Schramm und Jim McCullough CBASP lernen können. Beiden möchte ich deshalb ganz ausdrücklich und von ganzem Herzen danken. Mein weiterer Dank gilt all jenen Patienten, die CBASP mit mir zur Anwendung brachten: Es ist kaum abzuschätzen, wie sie dazu beigetragen haben und immer noch dazu beitragen, mein therapeutisches Vorgehen und Verständnis weiter zu entwickeln. All jenen Kollegen im CBASP-Netzwerk und vor allem den Personen im Vereinsvorstand (den aktuellen und den früheren) möchte ich herzlich danken, dass sie sich für die Weiterverbreitung und Qualitätssicherung von CBASP engagieren. Bedanken möchte ich mich darüber hinaus bei Frau Brutler und Herrn Dr. Poensgen vom Verlag für die Unterstützung sowie den Reihenherausgebern für die konstruktive Rückmeldung zu einer ersten Manuskriptversion.

Schließlich gilt mein ganz besonderer Dank Andrea Hellstern, die mir tatkräftig hilft, den beruflichen Alltag zu bewältigen und natürlich meiner Ehefrau, für die ich an dieser Stelle bei Hölderlin die Widmung entlehne: »Wem sonst als Dir!«

Eine Anmerkung noch zur Sprache: Ich habe mich aus Gründen der besseren Lesbarkeit für eine geschlechterungerechte Sprachverwendung unter Verwendung des generischen Maskulinums entschieden. Die kontextuell relevanten Begriffe wie Patient und Therapeut schließen alle Geschlechter ein. Diese Vorgehensweise kann ich vor mir selbst nur rechtfertigen, in dem ich mich darauf festlege, sollte ich jemals wieder ein Buchmanuskript schreiben, werde ich dieses im generischen Femininum verfassen.

Einleitung

 

 

 

Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) erfährt in den letzten 20 Jahren – besonders im deutschsprachigen Raum – sowohl von Seiten der klinisch-psychotherapeutischen als auch der wissenschaftlich arbeitenden Kollegen zunehmende Beachtung. Man könnte sagen: und das, obwohl CBASP für die Behandlung nur einer Subgruppe einer psychischen Störung, nämlich der chronischen Depression (bzw. der aktuell gültigen DSM-5 Nomenklatur entsprechend »Persistierende Depressive Störung«), entwickelt wurde. Was macht CBASP so attraktiv? Mit CBASP ist sicherlich die Hoffnung verbunden, einer Gruppe von Patienten, die zumeist verschiedene Behandlungen ohne deutlichen und andauernden Erfolg durchlaufen hat, doch noch helfen zu können. Diese Hoffnung speist sich in der klinischen Anwendung recht schnell durch den Eindruck, mit CBASP Interventionen anbieten zu können, die die zumeist therapieerfahrenen Betroffenen noch nicht kennen und in sehr vielen Fällen tatsächlich zu Veränderungen im Verhalten und Erleben führen.

CBASP erscheint aber auch attraktiv, da im Zuge einer über Jahrzehnten andauernden Vorgehensoptimierung Konzepte und Interventionsstrategien verschiedener Therapieschulen in einen kohärenten Ansatz integriert worden sind. Die Integration findet zum einen auf der Ebene des Störungsmodells statt. Hier werden Ansätze aus der Sozialen Lerntheorie (Bandura 1977), der interpersonellen Theorie (Kiesler 1996), der kognitiven Entwicklungstheorie (Piaget 1995) und der operanten Lerntheorie (Skinner 1953) in überzeugender Weise miteinander verknüpft und zur Erklärung der Entstehung und Aufrechterhaltung der chronischen Depression fruchtbar gemacht. Zum anderen hat McCullough, auf diesem Modell aufbauend, Interventionen entwickelt, die – basierend auf der Verhaltenstherapie – Konzepte aus psychodynamischen und interpersonellen Therapieansätzen integriert und insbesondere in Bezug auf die Gestaltung der therapeutischen Beziehung neue Wege geht. Dass der Therapeut – vom Störungsmodell abgeleitet – unter klar umschriebenen Bedingungen die therapeutische Beziehung durch Selbstöffnungen persönlich gestaltet, stellt dabei zugleich eine Innovation und Herausforderung dar.

CBASP wird in dem vorliegenden Buch detailliert vorgestellt. Dabei wird versucht, dem Anspruch eines »Scientist-Practitioner-Modells« nahezukommen, indem einerseits die klinische Anwenderperspektive – durch eine ausführliche Beschreibung der Störungsannahmen und der Interventionsstrategien praxisnah und mit einem ausführlichen Fallbeispiel untermauert – eingenommen wird. Modifikationen der Interventionsstrategien, wie sie zwischenzeitlich in einer Reihe von Publikationen beschrieben sind, werden dabei berücksichtigt. Andererseits wird die aktuelle Forschungsliteratur, dem kritischen Blick des Wissenschaftlers entsprechend, zur Überprüfung der Störungsannahmen und der Wirksamkeit von CBASP zusammengetragen.

Um diesem Ziel gerecht zu werden, widmet sich das vorliegende Buch – der Gliederung der Reihe »Psychotherapie kompakt« verpflichtet – in den ersten beiden Kapiteln zunächst der Entwicklungsgeschichte von CBASP ( Kap. 1) und danach der konzeptuellen Einordnung des Verfahrens in den Kanon der bekannten Therapiemodelle ( Kap. 2). Im Kapitel »Wissenschaftliche Grundlagen« wird kurz auf die klinische Relevanz chronischer Verlaufsformen der Depression eingegangen und dann das Störungsmodell, das CBASP zugrunde liegt, beschrieben ( Kap. 3). Die kritische Darstellung der aktuellen Forschungsliteratur in Bezug auf die Frage, ob und welche der Annahmen zum CBASP-Störungsmodell einer empirischen Prüfung standhalten, schließt dieses Kapitel ab. Im folgenden Kapitel werden die Grundlagen und Instrumente zur kategorialen und dimensionalen Diagnostik der chronischen Depression sowie weitere Fragebogen zur systematischen Erfassung relevanter Konzepte im CBASP beschrieben ( Kap. 4).

Das zentrale Kapitel zum Kennenlernen des therapeutischen Vorgehens und der CBASP-spezifischen Interventionsstrategien ist sicherlich »Kernelemente der Therapie« ( Kap. 5). Hier wird ausführlich und anschaulich in die CBASP-Strategien wie z. B. die Situationsanalyse eingeführt, die Ziele der jeweiligen Strategien herausgearbeitet und das konkrete Vorgehen beschrieben. Es werden dabei auch Entwicklungen und Modifikationen der einzelnen Strategien, wie sie sich in den letzten Jahren ergeben haben, berücksichtigt. Die Anschaulichkeit der Darstellung des therapeutischen Vorgehens soll weiter dadurch erhöht werden, dass sich ein eigenes Kapitel der Beschreibung einer CBASP-Behandlung im Sinne eines Fallbeispiels widmet ( Kap. 6). Damit kann konkret nachvollzogen werden, was z. B. die Liste der prägenden Bezugspersonen in der Anwendung bedeutet oder wie eine Situationsanalyse konkret durchgeführt wird.

Kürzere Kapitel widmen sich dem Hauptanwendungsgebiet ( Kap. 7), der institutionellen Verankerung ( Kap. 11) sowie Informationen zu Fortbildungsmöglichkeiten in CBASP ( Kap. 12).

Ausführlicher wird auf die in den letzten zehn Jahren entwickelten Settingerweiterungen eingegangen ( Kap. 8). Denn für CBASP liegen für den deutschsprachigen Raum zwischenzeitlich ein Gruppentherapiemanual und die Ausarbeitung eines stationären Behandlungskonzepts vor. Beide Ansätze werden detaillierter beschrieben.

Obwohl im Kapitel »Kernelemente der Therapie« bereits CBASP-spezifische Interventionsstrategien beschrieben werden, die sich die therapeutische Beziehung zu Nutze machen – wie z. B. die Interpersonelle Diskriminationsübung – wird der therapeutischen Beziehung ein weiteres Kapitel gewidmet ( Kap. 9).

Besondere Bedeutung kommt schließlich dem Kapitel »Wissenschaftliche und klinische Evidenz« zu ( Kap. 10). Eine rege Forschungsaktivität zur Überprüfung der Wirksamkeit von CBASP hat in den letzten Jahren zu einer Reihe diesbezüglicher Publikationen geführt. Das Kapitel stellt sich dem Anspruch, die Befundlage im Sinne eines narrativen Reviews kritisch zusammenzufassen.

Insgesamt wird somit dem Anspruch der Psychotherapiereihe Rechnung getragen, einerseits das psychotherapeutische Vorgehen einhergehend mit der Darstellung der zentralen Interventionsstrategien für den Kliniker anschaulich zu beschreiben. Andererseits kann sich der interessierte Wissenschaftler über den aktuellen Stand der Forschung zu den CBASP-Störungsannahmen und der Wirksamkeitsprüfung des Verfahrens informieren. Ein Cross-over – Forscher rezipiert das konkrete psychotherapeutische Vorgehen und Kliniker die aktuellen Forschungsergebnisse – ist natürlich auch möglich !

1          Entwicklungsgeschichte des CBASP

 

 

 

Das Cognitive Behaviral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) wurde von James P. McCullough, Jr., einem US-amerikanischen Professor für Psychologie und Psychiatrie, entwickelt. McCullough begann in den 1970er Jahren mit der Behandlung chronisch-depressiver Patienten. Sein theoretischer und klinischer Hintergrund waren zu diesem Zeitpunkt die Lerntheorien sensu Pawlow und Skinner und die darauf aufbauende Verhaltenstherapie. Gemeinsam mit William F. Doverspike, einem seiner Doktoranden, entwickelte er ein spezifisches Behandlungsprogramm für Patienten, die chronisch depressiv waren. Wie McCullough später mitteilte, war es Doverspike, der dem Vorgehen den Namen CBASP gab (McCullough et al. 2015). Einem wissenschaftlich basierten Vorgehen verpflichtet, hat McCullough früh begonnen, seine Therapiemodifikationen systematisch zu evaluieren. In diesem Sinne enthält die erste Veröffentlichung, in der CBASP der Fachöffentlichkeit vorgestellt wurde, nicht nur eine kurze Beschreibung des psychotherapeutischen Vorgehens, sondern auch eine wissenschaftlich fundierte Evaluation von vier Einzelfällen (McCullough 1984).

Seine klinischen und wissenschaftlichen Interessen sind sehr stark auf die dysthyme Störung fokussiert. Er stellt diese – etwas gegen den Trend der Zeit, bei dem die kognitive (vor allem sensu Beck und Ellis) und behaviorale (sensu Lewinsohn) Sicht dominieren – in Anlehnung an Coyne (1976) explizit in einen interpersonellen Kontext: »dysthymic disorder is viewed as both an intrapersonal and interactional disorder« (McCullough 1984, S. 237). Vor dem Hintergrund dieser interaktionellen Sichtweise formuliert McCullough die für das CBASP zentrale Annahme, dass Patienten mit einer Dysthymie sich im Allgemeinen nicht über die »interactional relatedness to the enviroment« (McCullough 1984, S. 237) bewusst seien. Weiter schreibt er in lerntheoretischer Terminologie, dass dysthyme Patienten sich ihrer »stimulus values« nicht klar seien und nicht sähen, dass sie negative Reaktionen ihres Umfeldes mit hervorriefen. Hierfür prägt er den Begriff der »perceived functionality« (S. 247), an der es zu Beginn einer Behandlung dysthymen Patienten in aller Regel mangelt.

CBASP gliedert sich in dieser ersten Publikation in drei Behandlungsphasen. Die erste Phase (A), in der das therapeutische Verhalten vor allem durch nicht-direktive Interventionen gekennzeichnet ist, dient der Erhebung von Basisdaten zu den Problemen des jeweiligen Patienten. In der zweiten, zentralen Phase (B) der Behandlung werden konkrete Situationen des Patienten mit Hilfe der Situationsanalyse bearbeitet. Die Beschreibung der speziell von McCullough entwickelten Situationsanalyse ähnelt schon sehr der aktuell im Rahmen des CBASP eingesetzten Technik, auch wenn sich seitdem vereinzelte Änderungen und Ausdifferenzierungen in der weiteren CBASP-Entwicklung ergeben haben ( Kap. 5.4). In der abschließenden Phase (C) können die in Phase B herausgearbeiteten Defizite bezüglich dysfunktionaler Gedanken und interpersonellen Verhaltens mit Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie bearbeitet werden (McCullough 1984). Aus heutiger Sicht ist darüber hinaus interessant, dass McCullough 1984 noch überhaupt keinen Bezug zu der Interpersonellen Theorie und Autoren wie beispielsweise Donald J. Kiesler herstellt.

Dies ändert sich auch nicht in der zweiten Publikation (McCullough 1991), in der die systematisch evaluierte CBASP-Fallbehandlung von weiteren zehn Patienten mit der Diagnose Dysthymia beschrieben wird. Bereits zu diesem Zeitpunkt hat McCullough 125 chronisch depressive Patienten mit CBASP behandelt. Nach wie vor stellt die Situationsanalyse den Kern der Behandlung dar und McCullough verankert sein Vorgehen in der kognitiven Verhaltenstherapie: »The goal of the present paper was to present and discuss data concerning a cognitive behavior psychotherapy approach for the treatment of dysthymia« (McCullough 1991, S. 735; Übersetzung des Verfassers: »Das Ziel der vorliegenden Publikation ist es, Daten, die im Zuge einer Behandlung der Dysthymie mit einem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansatz erhoben wurden, vorzustellen und zu diskutieren.«).

Merke:

CBASP wurde von James P. McCullough zur psychotherapeutischen Behandlung chronischer Depressionsformen entwickelt. Der Ansatz ist in der Kognitiven Verhaltenstherapie verwurzelt, basiert jedoch von Anfang an auf einem interaktionellen Verständnis der Depressionsentstehung und -aufrechterhaltung.

Nationale und internationale Aufmerksamkeit durch die Fachöffentlichkeit erhält CBASP dann durch die Publikation der Ergebnisse eines Wirksamkeitsvergleichs mit einem Antidepressivum (Keller et al. 2000;  Kap. 10). Es handelt sich um eine groß angelegte Studie, in die 681 Patienten mit einer chronischen Depression eingeschlossen und die hochrangig im New England Journal of Medicine publiziert werden konnte. CBASP stellt sich dabei als gleich wirksam wie das geprüfte Medikament heraus. In Kombination mit dem Antidepressivum erzielt CBASP eine noch größere Wirksamkeit. Im Vergleich zu den o. g. Publikationen werden in der »Keller-Studie« (oder auch Bristol-Myers Squibb (BMS)-Studie, da sie von der Pharmafirma Bristol-Myers Squibb gesponsert wird) nicht nur Patienten mit der Diagnose einer Dysthymia eingeschlossen, sondern es wird eine breitere Definition der chronischen Depression als Basis für die Einschlusskriterien gewählt. Es werden Patienten mit der Diagnose einer chronischen Major Depressiven Störung nach DSM-IV (APA 1994) eingeschlossen, bei der somit unterschiedliche Verlaufstypen der chronischen Depression berücksichtigt werden können. Gemeinsam ist diesen Verlaufstypen, dass die Symptomatik sich mindestens über die letzten zwei Jahre vor Diagnosestellung hinziehen muss ( Kap. 4.1). Die breitere Definition bringt mit sich, dass – im Vergleich zu den o. g. Einzelfallberichten von McCullough (1984, 1991) – von der Symptomschwere her nun auch depressivere Patienten mit CBASP und/oder dem Antidepressivum behandelt werden.

Die »Keller-Studie« führt zu einer Reihe weiterer Publikationen und damit einhergehender Erkenntnisse, die sich auf die Weiterentwicklung von CBASP auswirken. Die wohl wichtigste Veröffentlichung in diesem Kontext stammt von Nemeroff et al. (2003), in der gezeigt wird, dass chronisch depressive Patienten mit einer frühen Traumatisierung mit CBASP alleine, also ohne zusätzliche Gabe des antidepressiven Medikaments, nahezu genauso wirksam behandelt werden können, wie Patienten in der Kombinationsbedingung. Darüber hinaus zeigt sich, dass früh traumatisierte Patienten (z. B. Verlust eines Elternteils vor dem 15. Lebensjahr oder Opfer körperlicher Gewalt) von der Psychotherapie mit CBASP signifikant mehr profitieren als Patienten, die ausschließlich mit dem Antidepressivum behandelt werden.

Wie McCullough in dem nahezu zeitgleich zur »Keller-Studie« publizierten CBASP-Therapiemanual ausführt, ist die Studie aber nicht nur wegen der Mut machenden Ergebnisse für CBASP von Bedeutung, sondern auch für die Ausbildung weiterer CBASP-Therapeuten und damit für die Verbreitung von CBASP im Versorgungssystem (McCullough 2000). Bis zum Beginn der »Keller-Studie« wird CBASP von McCullough selbst und wenigen seiner Assistenten zur Anwendung gebracht. Im Rahmen der Vorbereitungen der Studie werden dann erstmals über 80 Studientherapeuten und mehrere Supervisoren, die aus den insgesamt zwölf an der Studie beteiligten Forschungszentren der USA kommen, in CBASP qualifiziert.

International und damit auch in Deutschland rückt CBASP durch die Veröffentlichung der »Keller-Studie« in den Fokus der Aufmerksamkeit von Forschern und Klinikern. In Deutschland sind es die Universitätspsychiatrien in Freiburg und Lübeck, die zuerst auf CBASP aufmerksam werden und McCullough einladen, damit er seinen Ansatz präsentieren kann. McCullough führt einen ersten Workshop durch und kann mit seinem Ansatz begeistern. Unter Federführung von Frau Elisabeth Schramm wird das 2000 publizierte Therapiemanual in die deutsche Sprache übersetzt (McCullough 2006b). Damit ist der Weg geebnet, das Therapieverfahren einer umfassenderen deutschsprachigen Therapeutenschaft nahezubringen. Nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in der Schweiz wird CBASP zunehmend zur Kenntnis genommen. Therapeuten lassen sich – zunächst zumeist in von McCullough selbst geleiteten Workshops, später in von Therapeuten, die direkt von ihm ausgebildet werden – in CBASP fortbilden und bringen das Verfahren bei chronisch depressiven Patienten zur Anwendung.

Auch in Europa sind es letztlich wissenschaftliche Studien, die zur Qualifizierung einer Vielzahl von CBASP-Therapeuten beitragen. Dies gilt beispielsweise für die Niederlande (Wiersma et al. 2014), Großbritannien (Swan et al. 2014) und insbesondere Deutschland, wo ausgehend von der Universitätspsychiatrie in Freiburg mehrere Studien, in der speziellen Fragestellungen um CBASP und chronischer Depressionsformen nachgegangen wird, durchgeführt werden (z. B. Schramm et al. 2011, 2017;  Kap. 3 und  Kap. 10).

Ein weiterer wichtiger Schritt für die Entwicklung und Verbreitung von CBASP – vor allem im deutschsprachigen Raum – ist die Gründung des CBASP-Netzwerk e.V. im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung in Münster 2008 ( Kap. 11), unter dessen Federführung nach wie vor regelmäßige CBASP-bezogene Veranstaltungen durchgeführt werden.

Neben diesen versorgungsrelevanten Entwicklungen kommt es nach den ersten beiden oben beschriebenen Publikationen (McCullough 1984,1991) auch zu inhaltlichen Weiterentwicklungen von CBASP. Die Rezeption der Interpersonellen Theorie und insbesondere der Arbeiten von Donald J. Kiesler (z. B. 1983) hat dazu geführt, dass eine strukturierte Erfassung des Einflusses der prägenden Bezugspersonen (im Original »significant others«) wesentlicher Bestandteil von CBASP geworden ist (McCullough 2000). Zudem empfiehlt McCullough von nun an, das von Kiesler entwickelte Impact Message Inventory (IMI, Kiesler und Schmidt 1993) systematisch bei der Therapieplanung einzusetzen. Darüber hinaus entwickelt und beschreibt McCullough weitere Interventionsmethoden, die es dem CBASP-Therapeuten innerhalb der therapeutischen Beziehung ermöglichen sollen, die »perceived functionality« der Patienten zu bearbeiten. Der »Kontingent Persönlichen Reaktion« (im Original »Contingent Personal Responsivity«), die im Rahmen einer diszipliniert persönlichen Gestaltung der therapeutischen Beziehung (im Original »Disciplined Personal Involvement«) realisiert wird, und der Interpersonellen Diskriminationsübung (»Interpersonal Discrimination Exercise«) widmet McCullough (2006a) eine eigene Buchpublikation.

CBASP wird von McCullough als Therapie im Einzelsetting entwickelt. Die beschriebene Verbreitung von CBASP führt darüber hinaus zu der Ausarbeitung zweier Manuale, die die Anwendung von CBASP im Gruppensetting beschreiben (Sayegh und Penberthy 2016, Schramm et al. 2012). Zudem wird an der Universitätspsychiatrie in Freiburg – speziell für die deutschsprachige Versorgungslandschaft, in der stationär