Commander Reilly Folge 15/16 Doppelband: Chronik der Sternenkrieger - Alfred Bekker - E-Book

Commander Reilly Folge 15/16 Doppelband: Chronik der Sternenkrieger E-Book

Alfred Bekker

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Beschreibung

Commander Reilly Folge 15/16 Doppelband: Chronik der Sternenkrieger von Alfred Bekker Über diesen Band: Commander Reilly Folge 15/16 Doppelband Chronik der Sternenkrieger von Alfred Bekker Dieser Band enthält folgende SF-Romane: Die Weisen vom Sirius (Alfred Bekker) Die Flotte der Qriid (Alfred Bekker) Im Jahr 2234 übernimmt Commander Willard J. Reilly das Kommando über die STERNENKRIEGER, ein Kampfschiff des Space Army Corps der Humanen Welten. Die Menschheit befindet sich im wenig später ausbrechenden ersten Krieg gegen die außerirdischen Qriid in einer Position hoffnungsloser Unterlegenheit. Dem ungehemmten Expansionsdrang des aggressiven Alien-Imperiums haben die Verteidiger der Menschheit wenig mehr entgegenzusetzen, als ihren Mut und ihre Entschlossenheit. Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jack Raymond, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

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Commander Reilly Folge 15/16 Doppelband: Chronik der Sternenkrieger

Alfred Bekker

Published by Alfred Bekker, 2021.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Commander Reilly Folge 15/16 Doppelband: Chronik der Sternenkrieger

Copyright

Commander Reilly #15: Die Weisen vom Sirius: Chronik der Sternenkrieger

Commander Reilly #15: Die Weisen vom Sirius

Übersicht über die Serie “Chronik der Sternenkrieger”

Copyright

Prolog: Schwarzsandwelt

1. Kapitel: Ankunft im Braden-System

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2. Kapitel: Fata-Morgana im Zwischenraum

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3. Kapitel: Atomsonnen und Rettungskapseln

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4. Kapitel: Captain der MARTIAN PRINCESS

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5. Kapitel: Der Mönch im Hintergrund

1

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3

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About the Author

About the Publisher

Commander Reilly #16: Die Flotte der Qriid: Chronik der Sternenkrieger

Commander Reilly #16: Die Flotte der Qriid

Übersicht über die Serie “Chronik der Sternenkrieger”

Copyright

1. Kapitel: Staub zu Staub

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2. Kapitel: Bruder Bartholomäus

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3. Kapitel: Die Geheime Gestalt

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4. Kapitel: Auf der Schildkröte

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5. Kapitel: Im Orbit von Meerwelt

1

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6. Kapitel: Die Widergänger

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7. Kapitel: Mission Derek Bailor

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8. Kapitel: Invasion

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Epilog

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Further Reading: 30 Sternenkrieger Romane - Das 3440 Seiten Science Fiction Action Paket: Chronik der Sternenkrieger

Commander Reilly Folge 15/16 Doppelband: Chronik der Sternenkrieger

von Alfred Bekker

Über diesen Band:

Commander Reilly Folge 15/16 Doppelband Chronik der Sternenkrieger

von Alfred Bekker

––––––––

Dieser Band enthält folgende SF-Romane:

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Die Weisen vom Sirius (Alfred Bekker)

Die Flotte der Qriid (Alfred Bekker)

––––––––

Im Jahr 2234 übernimmt Commander Willard J. Reilly das Kommando über die STERNENKRIEGER, ein Kampfschiff des Space Army Corps der Humanen Welten. Die Menschheit befindet sich im wenig später ausbrechenden ersten Krieg gegen die außerirdischen Qriid in einer Position hoffnungsloser Unterlegenheit. Dem ungehemmten Expansionsdrang des aggressiven Alien-Imperiums haben die Verteidiger der Menschheit wenig mehr entgegenzusetzen, als ihren Mut und ihre Entschlossenheit.

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jack Raymond, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author / COVER LUDGER OTTEN

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Commander Reilly #15: Die Weisen vom Sirius: Chronik der Sternenkrieger

Commander Reilly #15: Die Weisen vom Sirius: Chronik der Sternenkrieger

Commander Reilly, Volume 15

Alfred Bekker

Published by Alfred Bekker, 2019.

Table of Contents

UPDATE ME

Commander Reilly #15: Die Weisen vom Sirius

Chronik der Sternenkrieger

Science Fiction Roman von Alfred Bekker

Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.

Im Jahr 2234 übernimmt Commander Willard J. Reilly das Kommando über die STERNENKRIEGER, ein Kampfschiff des Space Army Corps der Humanen Welten. Die Menschheit befindet sich im wenig später ausbrechenden ersten Krieg gegen die außerirdischen Qriid in einer Position hoffnungsloser Unterlegenheit. Dem ungehemmten Expansionsdrang des aggressiven Alien-Imperiums haben die Verteidiger der Menschheit  wenig mehr entgegenzusetzen, als ihren Mut und ihre Entschlossenheit.

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Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Jack Raymond, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

Übersicht über die Serie “Chronik der Sternenkrieger”

in chronologischer Reihenfolge

Einzelfolgen:

Commander Reilly 1: Ferne Mission (Handlungszeit 2234)

Commander Reilly 2: Raumschiff STERNENKRIEGER im Einsatz

Commander Reilly 3: Commander im Niemandsland

Commander Reilly 4: Das Niemandsland der Galaxis

Commander Reilly 5: Commander der drei Sonnen

Commander Reilly 6: Kampf um drei Sonnen

Commander Reilly 7: Commander im Sternenkrieg

Commander Reilly 8: Kosmischer Krisenherd

Commander Reilly 9: Invasion der Arachnoiden

Commander Reilly 10: Das Imperium der Arachnoiden

Commander Reilly 11: Verschwörer der Humanen Welten

Commander Reilly 12: Commander der Humanen Welten

Commander Reilly 13: Einsatzort Roter Stern

Commander Reilly 14: Im Licht des Roten Sterns

Commander Reilly 15: Die Weisen vom Sirius

Commander Reilly 16: Die Flotte der Qriid

Commander Reilly 17: Ein Raumkapitän der Qriid

Commander Reilly 18: Commander der Sternenkrieger

Commander Reilly 19: Eine Kolonie für Übermenschen

Commander Reilly 20: Kampfzone Tau Ceti

Commander Reilly 21: Prophet der Verräter

Commander Reilly 22: Einsamer Commander

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Terrifors Geschichte: Ein Space Army Corps Roman (Handlungszeit 2238)

Erstes Kommando: Extra-Roman (Handlungszeit 2242)

Erster Offizier: Extra-Roman (Handlungszeit 2246)

Chronik der Sternenkrieger 1 Captain auf der Brücke  (Handlungszeit 2250)

Chronik der Sternenkrieger 2 Sieben Monde 

Chronik der Sternenkrieger 3 Prototyp

Chronik der Sternenkrieger 4 Heiliges Imperium

Chronik der Sternenkrieger 5 Der Wega-Krieg

Chronik der Sternenkrieger 6 Zwischen allen Fronten

Chronik der Sternenkrieger 7 Höllenplanet

Chronik der Sternenkrieger 8 Wahre Marsianer

Chronik der Sternenkrieger 9 Überfall der Naarash

Chronik der Sternenkrieger 10 Der Palast

Chronik der Sternenkrieger 11 Angriff auf Alpha

Chronik der Sternenkrieger 12 Hinter dem Wurmloch

Chronik der Sternenkrieger 13 Letzte Chance

Chronik der Sternenkrieger 14 Dunkle Welten

Chronik der Sternenkrieger 15 In den Höhlen

Chronik der Sternenkrieger 16 Die Feuerwelt

Chronik der Sternenkrieger 17 Die Invasion

Chronik der Sternenkrieger 18 Planetarer Kampf

Chronik der Sternenkrieger 19 Notlandung

Chronik der Sternenkrieger 20 Vergeltung

Chronik der Sternenkrieger 21 Ins Herz des Feindes

Chronik der Sternenkrieger 22 Sklavenschiff

Chronik der Sternenkrieger 23 Alte Götter

Chronik der Sternenkrieger 24 Schlachtpläne

Chronik der Sternenkrieger 25 Aussichtslos

Chronik der Sternenkrieger 26 Schläfer

Chronik der Sternenkrieger 27 In Ruuneds Reich

Chronik der Sternenkrieger 28 Die verschwundenen Raumschiffe

Chronik der Sternenkrieger 29 Die Spur der Götter

Chronik der Sternenkrieger 30 Mission der Verlorenen

Chronik der Sternenkrieger 31 Planet der Wyyryy

Chronik der Sternenkrieger 32 Absturz des Phoenix

Chronik der Sternenkrieger 33 Goldenes Artefakt

Chronik der Sternenkrieger 34 Hundssterne

Chronik der Sternenkrieger 35 Ukasis Hölle

Chronik der Sternenkrieger 36 Die Exodus-Flotte (Handlungszeit 2256)

Chronik der Sternenkrieger 37 Zerstörer

Chronik der Sternenkrieger 38 Sunfrosts Weg (in Vorbereitung)

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Sammelbände:

Sammelband 1: Captain und Commander

Sammelband 2: Raumgefechte

Sammelband 3: Ferne Galaxis

Sammelband 4: Kosmischer Feind

Sammelband 5: Der Etnord-Krieg

Sammelband 6: Götter und Gegner

Sammelband 7: Schlächter des Alls

Sammelband 8: Verlorene Götter

Sammelband 9: Galaktischer Ruf

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Sonderausgaben:

Der Anfang der Saga (enthält “Terrifors Geschichte”, “Erstes Kommando” und

Chronik der Sternenkrieger #1-4)

Im Dienst des Space Army Corps (enthält “Terrifors Geschichte”, “Erstes Kommando”)

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Druckausgabe (auch als E-Book):

Chronik der Sternenkrieger: Drei Abenteuer #1 -12 (#1 enthält Terrifors Geschichte, Erstes Kommando und Captain auf der Brücke, die folgenden enthalten jeweils drei Bände und folgen der Nummerierung von Band 2 “Sieben Monde” an.)

Ferner erschienen Doppelbände, teilweise auch im Druck.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Prolog: Schwarzsandwelt

(Aus den persönlichen Aufzeichnungen von Prosper Xavier Smith, Captain des Prospektorenschiffs BERESANTO aus der Firmenflotte der Outer Worlds Mining Company mit Firmensitz in Alphaville auf Alpha Centauri A II – Die Daten stammen aus dem Bordrechner, dessen Speicher aber nur teilweise aus dem Wrack der BERESANTO gesichert werden konnte. Sämtliche Angaben zu Uhrzeit und Datum der Einträge sind entweder durch interne Systemfehler gelöscht oder mit unsinnigen Angaben überschrieben worden. Es ist aber anzunehmen, dass sich der Aufzeichnungszeitraum vom Mai 2237 bis mindestens Juli 2237 erstreckt.)

Datum: XX.XX.XXXX

Uhrzeit: XX.XX.XX

Ich kann sagen, dass ich wirklich froh war, diesen Job zu bekommen. Die Outer Worlds Mining Company ist ja schließlich nicht irgendwer und nach der letzten Havarie, die ein von mir kommandiertes Frachtschiff sauber hingelegt hat, hatte ich eigentlich gedacht, nie wieder ein ziviles Kommando zu bekommen. Wer nimmt schon jemanden, dem das Pech an den Füßen zu kleben scheint. Aber lag es vielleicht in meiner Verantwortung, dass die Linie, für die ich geflogen bin, an der Wartung der Sandström-Aggregate sparte? Da ist es eben passiert und so ein Ding fliegt uns allen buchstäblich um die Ohren, kurz nachdem wir in den Normalraum zurückkehrten und Alpha Centauri A II ansteuern konnten. Ich hatte Glück, mit einer Rettungskapsel davonzukommen. Der Captain soll ja nach antikem Brauch eigentlich als letzter sein Schiff verlassen, aber dieses Ideal ist meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß. Nur Dummköpfe tun so etwas. Und so war ich der einzige Überlebende. Aber das ist eine andere Geschichte.

Tatsache ist, dass ich vom untersuchenden zivilen Raumgericht in allen Punkten für unschuldig erklärt wurde, während die beratende Kammer in ihrer Urteilsbegründung ausdrücklich die erheblichen Mängel hervorhob, die es auf wartungstechnischer und organisatorischer Seite gegeben hatte.

Trotzdem. An mir blieb der schlechte Ruf hängen. Das scheint ein Naturgesetz zu sein, gegen das sich nicht viel machen lässt – und mag es auch noch so ungerecht sein. Aber wer kümmert sich schon darum, was gerecht ist und was nicht? Wer soll das beurteilen?

Manchmal denke ich, in diesem Punkt sind uns die Geierköpfe – sorry: politisch korrekt heißen die Biester ja Qriid – voraus. Sie wissen nämlich, wer ihr Universum regiert. Sie haben sehr feste Vorstellungen darüber, was richtig und was falsch ist und weshalb Gott ihr Volk unter allen erwählt hat, um das Heilige Imperium bis ans Ende der Vorstellungskraft auszudehnen. Was geschieht, geschieht, weil Gott es will. So einfach ist das für einen Qriid. Ein Mensch hat es da ohne Zweifel schwerer. Wenn ihm etwas zustößt, das er für ungerecht hält, hadert er mit sich und dem Universum und es  scheint dann manchmal einfach keine Versöhnungsmöglichkeit mehr zwischen beiden zu geben.

Wie auch immer, ich war heil froh bei Outer Worlds anheuern zu können. Es geschah wohl gerade in einem sehr glücklichen Moment. Einem Moment, in dem der Markt für Piloten, Raumschiffkapitäne und dergleichen wie leergefegt war. Wen immer man hatte kriegen können, diente jetzt im Space Army Corps. Der Krieg mit den vogelköpfigen Qriid zog sich hin und forderte hohe Verluste.

Aber für mich wäre es nie in Betracht gekommen, meine Fähigkeiten dem Space Army Corps zur Verfügung zu stellen. Das hat keine finanziellen Gründe. Die Bezahlung ist bei den Raumstreitkräften schon in Ordnung und ich glaube sofort, dass die eine sehr wichtige Aufgabe erfüllen, angesichts der Tatsache, dass sich das Qriid-Imperium immer weiter und scheinbar unaufhaltsam ausweitet.

Nein, der Grund weshalb ich mich dort nie gemeldet habe und auch nie melden werde, ist purer Egoismus. Ich habe einfach keine Lust, in einem Blechkasten durch das All zu fliegen, der eines Tages mein Grab werden könnte. Lieber ein Qriid-Sklave als ein toter Space Army Corps Held, sage ich mir da immer. Das habe ich einmal in der Offiziersmesse der BERESANTO etwas zu laut gesagt. Carnavan, unser Rudergänger ist Anhänger der Humanity First Bewegung und konnte sich über meinen seiner Ansicht nach etwas laschen Standpunkt nur unwahrscheinlich aufregen.

In dem Moment vergaß er sogar, dass ich ihm durch meinen Rang übergeordnet und er mir per vertraglicher Zusicherung zu Höflichkeit und Respekt verpflichtet war.

Aber die Tatsache, dass eine Firma wie Outer Worlds so etwas in ihre Verträge hineinschreiben lässt, zeigt, dass es mit der Autorität ihrer Raumkapitäne wohl nicht immer zum Besten steht - denke ich zumindest.

Aber vielleicht behalte ich meine Meinung über viele Dinge in Zukunft einfach besser für mich.

Abends habe ich dann ja Gelegenheit dazu, ein bisschen in den Rechner einzugeben und das Geschehene zu reflektieren.

Wie auch immer.

––––––––

Datum: XX.XX.XXXX

Uhrzeit: XX.XX.XX

Eigentlich bin ich nicht Captain eines Raumschiffs, sondern eines gewaltigen Schaufelbaggers. So ähnlich muss man sich die BERESANTO vorstellen. Von der Größe her kommen wir an die Dreadnought-Schlachtschiffe heran, mit dem Unterschied, dass auf der BERESANTO kam mehr als 100 Mann Dienst tun. Und die hundert Mann waren schon schwer genug zusammenzukriegen, weil geeignetes Personal im Augenblick knapp ist. Rudergänger zum Beispiel findet man kaum noch. Es gibt so viele Pilotenjobs beim Space Army Corps, dass für andere kaum etwas übrig bleibt. Scheinen alle ganz versessen darauf zu sein, im Kampf gegen die schnabeltragenden Heiligen zu sterben. Die BERESANTO muss mit zwei Rudergängern auskommen – Leila Al-Hazred und Ulrich Blendker. Erstere ist eine strenge Muslima, trägt ein Kopftuch und hat über ihre Gewerkschaft die Einhaltung der Gebetszeiten eingeklagt und Recht bekommen. Und das bei nur zwei ausgebildeten Rudergängern, die theoretisch Zwölfstundenschichten fahren müssten! Outer Worlds steht auf dem Standpunkt, dass die Gebetsregelung nun innerhalb der Humanen Welten gilt und unser Zielgebiet im Braden-System liegt eindeutig außerhalb des Geltungsbereichs der Bundesgesetze, da sind sich alle einig.

Also hat mein Vorgesetzter vom Konzern mir gesagt, ich soll auf die Einhaltung des Gesetzes dringen – und das gilt nur innerhalb der Bundesgrenzen. Ganz einfach. Im Braden-System soll meine Erste Rudergängerin beten wann sie will, nur nicht während ihrer Schicht.

„Haben Sie das mit ihr besprochen?“, frage ich den Kerl. Er heißt Patterson und nennt sich Sub-Director. Er residiert im 456. Stock des Main-Tower von Alphaville auf Alpha Centauri A II. Viereinhalb Lichtjahre sind es von dort bis zur Erde und bei klarem Nachthimmel kann man Sol sehr gut sehen. Man muss nur nach den hellsten Stern am Himmel suchen. Und da die Nacht auf Alpha Centauri A II auf Grund der langsamen Rotation gut zwei Erdmonate dauert, gibt es da natürlich nicht den normalen Tag/Nacht-Wechsel. Deshalb war ich auch mitten in der langen Nacht in Pattersons Büro, sah durch die transparente Wand die Erdsonne leuchten – von hier aus heller als Sirius – und wartete auf eine Antwort.

Paterson erhob sich hinter seinem Rechner-Terminal.

Ein kleiner Mann mit schmalen Augen. Ich wusste, dass er mit seinen 90 Jahren kurz vor der Pensionsgrenze für Mitarbeiter des Outer Worlds Konzerns stand. Eine Regelung, die bei einer durchschnittlichen menschlichen Lebenserwartung von ca. 110 Jahren dem Durchschnitt entsprach. Aber Patterson sah nicht aus wie 90. Sein Haar und sein Bart waren pechschwarz wie einem dreißigjährigen und die Haut wirkte straff und elastisch. Wahrscheinlich hatte er eine der illegalen Gen-Behandlungen auf den Drei Systemen mitgemacht. Er wurde zwar nicht wirklich jünger dadurch, aber er sah zumindest so aus.

„Sie haben das doch mit Rudergänger Al-Hazred besprochen, oder?“, vergewisserte ich mich. Ich kannte Leila Al-Hazred nur flüchtig, wusste aber genug, um zu wissen, dass sie ziemlich durchsetzungsfreudig bei der Verfolgung ihrer Interessen war. Und ich hatte wirklich keine Lust, mich mit ihr auf irgendeinem Außenweltlerplaneten wegen der Auslegung eines bundesgerichtlichen Richterspruchs herumstreiten zu müssen.

„Nein, Sir, ich habe mit Rudergänger Al-Hazred nicht gesprochen. Ich hatte mir gedacht, dass...“

„...dass ich das mache?“, hakte ich nach.

„Sie sind für Ihr diplomatisches Einfühlungsvermögen berühmt, Captain Smith.“

„Keine Ahnung, wer Ihnen das erzählt hat, Sub-Director Patterson.“

„Nun, ich...“

„Derjenige kann mich unmöglich kennen.“

„Hören Sie, Smith! Ich denke, dass die Macht des Faktischen Ihren Ersten Rudergänger schon zur Vernunft bringen wird. Sie wird das schon einsehen.“

„Sie scheinen ein unverbesserlicher Optimist zu sein.“

„Weisen Sie sie einfach darauf hin, dass sie für alle finanzielle Folgen verantwortlich ist, die sich aus ihrer Abwesenheit an der Steuerkonsole ergeben können – etwa wenn das mitten in einer Schürfphase geschieht und die Ansaugrohre verstopfen, weil sie nicht früh genug die Kurskorrekturen durchgeführt hat!“

Ich dachte nur: Feigling!

Aber vielleicht war ich selbst einer, weil ich ihm das nicht ins Gesicht sagte.

Wie auch immer.

Ich hatte die Wahl. Jetzt den Ärger oder später im Braden-System. Ich wählte später. Wahrscheinlich ein Fehler, aber ich weiß nicht, ob es nicht genauso gut ein Fehler gewesen wäre, mich jetzt und hier mit Patterson anzulegen.

Mit so einem wie mir könnt ihr’s ja machen!, dachte ich und hätte Patterson am liebsten eins in seine gentherapierte Visage geschlagen, um zu testen, wie groß die Spannkraft seiner injizierten Frischzellen wohl wirklich sein mochte.

––––––––

Datum: XX.XX.XXXX

Uhrzeit: XX.XX.XX

Der Erste Offizier heißt Liedong Wang – oder eigentlich Wang Liedong, denn er besteht darauf, den Familiennamen zuerst zu nennen, wie es chinesischer Tradition entspricht. Ein fähiger Mann, genau wie Walter Brennan unser L.I, dem an Bord der BERESANTO nicht nur die Kontrolle über die Triebwerke obliegt, sondern auch über die Förderanlagen. Dabei arbeitet er mit unserer Chefmechanikerin Larissa Seinig zusammen. Die beiden sorgen dafür, dass wir immer das Richtige an Mineralien und Erzen aus dem Boden herausholen. Im Prinzip ist BERESANTO für alle möglichen Arten der Boden- und Materialbeschaffenheit ausgerüstet. Man schickt diesen Koloss zu irgendeinem Materieklumpen, der munter seine Bahn durch Universum zieht und fängt an, dessen Oberfläche durchzupflügen. So funktioniert das. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – nur dass wir das Gott sei Dank nicht von Hand machen müssen, sondern Maschinen dafür haben. Am Heck der BERESANTO ist ein riesiges Ausstoßrohr, aus dem die Schlacke herauskommt. Wir nennen es den „After des Wals“. Hier draußen außerhalb der Grenzen der Humanen Welten brauchen wir ja die auf die Vorschriften zum Schutz planetarer Umwelt oder den Gesetzen gegen die Weltraumverschmutzung keine Rücksicht zu nehmen. Und ein Konzern wie Outer Worlds tut das dann auch nicht. Warum auch? Das Braden-System ist, wenn man es genau betrachtet, ein Haufen herrenloser Materiebrocken, der vielleicht irgendwann mal zum K'aradan-Reich gehört hat, aber von diesem nicht mehr beansprucht wird. Oder es gibt einen Anspruch, der aber nicht durchgesetzt werden kann. Ist mir auch gleichgültig.

––––––––

Datum: XX.XX.XXXX

Uhrzeit: XX.XX.XX

Der Trivialname von Braden VI lautet Schwarzsandwelt. Keine Ahnung, wer auf die Idee gekommen ist, diesem Planeten einen derartigen Bandwurmnamen zu geben. Vielleicht die Olvanorer-Mönche, die im Braden-System ein paar Stationen betreiben.

Schwarzsandwelt.

Klingt seltsam. Aber der Name passt.

Die Oberfläche dieser Welt besteht aus einer Art Nano-Granulat, das wertvolle Stoffe enthält. Vor allem Metalle und seltene Erden. Allerdings in einer chemischen Zusammensetzung und einem Aggregatzustand, der mehr als ungewöhnlich ist. Das ganze gleicht einem stark blei- und wolframhaltigen feinen Sand. Im Inneren vermuten wir große Mengen Uran, das zum Kern hinab gesunken sein dürfte, dort eine kritische Masse von Uran-235 erreicht hat einen natürlichen Reaktor in Betrieb hält. Dafür spricht, dass die Oberflächentemperatur mit etwa null Grad Celsius viel zu warm ist, wenn man bedenkt, dass die Entfernung vom Zentralgestirn Braden fast acht Astronomische Einheiten beträgt.

Wir saugen diesen Nano-Sand an, schaufeln ihn in den Bauch der BERESANTO und unterziehen ihn einer Reihe von Trennungsprozessen. Genauer habe ich mich damit nie beschäftigt. Warum auch? Soll sich Larissa Seinig darum kümmern. Das ist ihr Job. Dafür hat sie schließlich studiert und wohl auch einen akademischen Grad erworben.

––––––––

Datum: XX.XX.XXXX

Uhrzeit: XX.XX.XX

„Versuchen Sie mit der Olvanorer-Station hier auf Schwarzsandwelt Kontakt aufzunehmen“, forderte ich Pär Hellström, unseren Funker auf.

„Wie bitte, Sir?“, fragte er mich und sah mich dabei an, als ob er einen leibhaftigen Geist vor sich hätte.

Ich erwiderte Hellströms Blick.

Er war mit den Gedanken offenbar woanders gewesen.

Wahrscheinlich bei der dunkelhaarigen, mit der er auf Far Away 93 dauernd herumgeflirtet hatte. Far Away 93 war einer der äußersten Außenposten der Humanen Welten. Eigentlich eine militärische Dock-Station, die in der Lage war, im Kampf beschädigte Schiffe zu reparieren. Aber so weit draußen nahm man das Reglement nicht so genau. Space Army Corps Schiffe hatten natürlich Vorrang, aber sofern Kapazitäten übrig waren, konnten auch Konzernschiffe die Station anlaufen.

„Wäre schön, wenn Sie ihre schwülen Träume auf die Zeit außerhalb Ihrer Schicht verlegen könnten, Mister Hellström“, sagte ich.

Er knurrte irgendetwas.

Die jungen Leute sind heute aber auch so verdammt empfindlich. Ich stelle mir vor, dass er nachher in der Kantine herumerzählte, ich sei Schuld an der schlechten Stimmung an Bord.

„Es wäre schön, wenn Sie sachlich bleiben, Captain“ sagte er.

„Und ich fände es toll, wenn Sie zur Abwechslung mal Ihren Job machen würden und der besteht darin, meine Befehle auszuführen. Ist doch nicht so schwer, oder? Die Codierung der Olvanorer-Station dürfte im Bordrechner zu finden sein. Also funken Sie die frommen Männer an und holen Sie mir einen davon auf den Schirm.“

„Ja, Sir!“, erwiderte er gepresst.

Innerhalb der Humanen Welten gilt das Bundesgesetz, innerhalb der Konzernhierarchie das Konzern-Reglement – aber auf einem Schiff, das ich kommandiere gilt nur Gottes Wort.

Und Gott ist mein dritter Vorname, den ich aus Bescheidenheit immer verschweige.

*

Wenig später war es Pär Hellström endlich gelungen, Kontakt zum hiesigen Olvanorer-Camp zu bekommen.

„Ich hoffe, Sie können dieses Signal einwandfrei empfangen“, sagte eine blasse Gestalt von unserem Panorama-Schirm herab. Die dunkle Kutte ließ diese jämmerliche Erscheinung noch erbärmlicher aussehen. Da sein Gesicht mit dem Faktor eins zu zehn hochgezoomt war, sah man jede Hautunreinheit und die Mitesser in den Poren. Das Gesicht des grauhaarigen Olvanorer-Bruders wirkte abwesend. Als ob er nicht so richtig von dieser Welt stammte. Das Lächeln fand ich eher debil als freundlich. Aber ich bin mir sicher, dass ich in diesem Punkt mit dem Gros meiner Mannschaft keinen Konsens erreichen würde.

„Hier Olvanorer-Station Schwarzsandwelt an BERESANTO. Mein Name ist Bruder Murius, wie Sie sicher der ID-Kennung dieses Signals entnehmen werden. Ich muss Sie warnen. Ihre Vorgehensweise bei der Gewinnung von Rohstoffen...“

Der Rest war nicht zu verstehen.

Bruder Murius bewegte den Mund und unterstrich seine Ausführungen noch mit weit ausholenden Gesten.

Allerdings konnte man von seinen Worten nichts mehr verstehen.

Nicht ein einziger Laut wurde übertragen. Schließlich entstanden auch noch Schlieren im Bild. Sie tanzten wie Luftschlangen.

„Was ist los, Mister Hellström?“, fragte ich.

„Keine Ahnung, Sir. Die Qualität des Signals lässt rapide nach.“

„Ihre Analyse, I.O.?“

Wang runzelte die Stirn. Sein asiatisch-unbewegtes Gesicht gab in diesem Moment überraschend viel von seinem Innenleben preis. „Ich habe so etwas noch nie gesehen, Captain.“

„Wovon sprechen Sie, Wang?“

Wang schaltete an seiner Konsole herum. Er öffnete ein Fenster in der Bildanzeige des Panorama-Schirms, in dem ein Ausschnitt am Horizont herangezoomt wurde.

Der staubfeine schwarze Sand, der den Planeten bedeckte, hatte sich zu einer Wolke erhoben. Unzählige Partikel schwebten umher. Sie bildeten einen Schwarm, der an Insekten erinnerte. Eine grauschwarze Staubwand bildete sich. Im Hintergrund ging einer der Monde der Schwarzsandwelt auf. Durch das Licht, das dieser Himmelskörper reflektierte wurde die schwarmartig durcheinander wirbelnde Partikelwolke besser sichtbar. 

„Ist das die Ursache der Funkstörung?“, fragte ich.

„Positiv, Sir“, meldete sich unsere Ortungsoffizierin Patti Mikolaainen zu Wort. Ihre Ausdrucksweise ging mir manchmal ziemlich auf den Geist. Positiv, Sir. Negativ, Sir. So was lernt man wohl beim Space Army Corps. Da war sie unehrenhaft ausgemustert worden. Ich glaube wegen sexueller Belästigung und fortgesetztem Stalking gegenüber einer Vorgesetzten. Vielleicht hätte sie besser auf einem Olvanorer-Schiff mit ausschließlich männlicher Besatzung angeheuert. Weder Leila Al-Hazred noch Larissa Seinig wissen über Pattis Vergangenheit Bescheid und ich warte eigentlich nur darauf, dass es da das erste Mal knallt.

Patti hatte den größtmöglichen Zoomfaktor eingestellt. Ich ließ mir die Ortungsdaten auf meiner Konsole anzeigen, um mir ein eigenes Bild machen zu können.

Frei bewegliche Nano-Teilchen, für deren Verhalten es keine plausible Erklärung gab. Man muss dazu wissen, dass es auf Schwarzsandwelt keine Atmosphäre gibt.

Das gehört zu den vielen Anomalien auf dieser Welt. Jeder Gesteinsbrocken hat von einer gewissen Größe an eine Atmosphäre. Selbst der Merkur, der streng genommen eine Sauerstoffwelt ist, weil seine Atmosphäre etwa zur Hälfte aus diesem Gas besteht. Dass die Atmosphäre so dünn ist, dass sie einem Industrie-Vakuum auf der Erde entspräche, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber eigentlich ist es normal, dass ein massiver, aus Metall und Gestein bestehender Planet gast. Und auf einem Himmelskörper von der Größe der Schwarzsandwelt müssten diese Gase eigentlich auch festgehalten werden und sich im Laufe der Jahrmillionen zu einer Atmosphäre verdichten, die diesen Namen auch verdient. Ich schaute auf die Anzeigen. 1,1 g zeigte unsere Ortung an. Eine Schwerkraft, die zehn Prozent über dem Erdniveau lag. Innerhalb der BERESANTO bekamen wir davon natürlich nichts mit, dafür sorgte unsere künstliche Schwerkraft, die ständig auf einem gleich bleibenden Niveau von exakt 1,0 g gehalten wurde.

„Funkkontakt ist komplett ausgefallen“, meldete Pär Hellström. „Die Signale der Olvanorer dringen nicht mehr durch.“

„Versuchen Sie es im Sandström-Frequenzbereich“, forderte ich.

Den Überlichtfunk für die Kommunikation auf einem Planeten zu benutzen, machte nur dann Sinn, wenn sich Sender und Empfänger auf unterschiedlichen Hemisphären befanden und quasi der ganze Planet wie eine riesige Abschirmung dazwischen lag. Aber das war hier nicht der Fall. Die Olvanorer-Station war keine fünfhundert Kilometer von uns entfernt.

Ein Katzensprung.

„Kein Kontakt“, erklärte Pär Hellström nach einer kurzen Pause.

Ich wandte mich an die Nummer Eins.

„Und Sie glauben wirklich, dass das mit diesen tanzenden Staubpartikeln zu tun hat?“

„Schwer zu sagen.“

Ich hasse es, wenn Leute sich nicht festlegen können.

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Datum: XX.XX.XXXX

Uhrzeit: XX.XX.XX

Ich sprach später mit Larissa Seinig. Doktor Seinig, wie ich immer vergesse zu erwähnen. Aber Doktor Seinig war der Ansicht, dass es schwer genug war, in Chemie einen akademischen Grad zu erwerben und dass es ihr deshalb auch zustand, von jedem als Doktor angesprochen zu werden. Ich bin  ja bekannt dafür, dass ich immer auf ein kooperatives Verhältnis zu meinen Crew-Mitgliedern achte und so weit es irgendwie möglich ist, auf ihre Schrullen eingehe.

„Also, dann lassen Sie mal hören, Doktor Seinig“, sagte ich und sie runzelte die Stirn, weil sie wohl aus der Art und Weise, in der ich ihren akademischen Grad betonte einen nicht näher zu bestimmenden Grad an Herablassung herauszuhören glaubte. Manche Leute leiden tatsächlich unter Verfolgungswahn.

„Patti hat mir die Ortungsergebnisse überspielt und ich habe sie einer gründlichen Analyse unterzogen“, sagte Seinig.

„Und?“

„Sieht wie eine Selbstorganisation kleinster Teilchen aus.“

„Klingt, als wären die lebendig.“

„Nein, das trifft es nun wirklich nicht. Ich kann es Ihnen auch nicht näher erklären, Captain. So ein Phänomen ist bisher nur theoretisch beschrieben worden – und auch nur auf Quantenebene. Aber was hier stattfindet... Das widerspricht einfach allen physikalischen Gesetzen.“ Sie zuckte die Schultern. „Aber der ganze Planet scheint ja nicht ganz normal zu sein. Ich habe noch mal die Daten gecheckt. Es gibt wirklich kein einziges Gasmolekül in dem von unseren Sensoren erfassten Bereich.“

„Und was ist mit dem Zeug, das wir hier aus dem Boden holen?“

„Erstklassige Qualität Captain.“

„Das ist ja schon mal was.“ 

„Allerdings frage ich mich auch, wie sich das Oberflächenmaterial in dieser quasi pulverisierten Form halten kann? Eigentlich wäre es normal, dass es durch die Gravitation zusammengepresst wird. Außerdem müssten chemische Reaktionen stattfinden, aber die scheinen in dem speziellen Zustand, in dem sich die Materie der Schwarzsandwelt befindet, irgendwie gehemmt zu werden. Durch welchen chemisch-physikalischen Mechanismus das geschieht, ist mir noch nicht klar.“ Seinig zuckte die schmalen Schultern. „Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, ob es sich überhaupt lohnt, die Sache weiter zu erforschen.“

„Wie?“

Ich sah sie erstaunt an.

Und dann erklärte mir Seinig in aller Ruhe: „In zwei Wochen sind unsere Ladedecks voll und dann machen wir hier einen Abflug. Wen interessiert es schon, weshalb hier ein paar Staubteilchen durch die Luft fliegen und den Funkverkehr behindern? Und abgesehen davon: Sind Sie wirklich so scharf drauf, sich mit ein paar pazifistischen Olvanorern zu streiten, die Sie bereits für einen Anti-Alienisten á la Humanity First halten, wenn Sie nur einen fremden Sandklumpen durchpflügen, den sowieso niemand haben will. Aber für die Mönchs-Kollegen ist das sicher schon eine Form von Gewalt.“

Ich starrte Seinig etwas ratlos an.

Jetzt wunderte es ich zumindest nicht mehr, warum sie nur Chefchemikerin auf einem fliegenden Schaufelbagger wie der BERESANTO war und wohl auch nie einen Nobel-Preis gewinnen würde. Bei dem ausgeprägten Forscher-Ehrgeiz! Da haben ja die Siriusischen Vakuum-Schaben mehr neugierigen Forschergeist als diese abgehalfterte Schachtel, der die Erwähnung ihres akademischen Grades so wichtig war.

„Versuchen Sie trotzdem herauszufinden, was es damit auf sich hat, falls es Ihre begrenzte...“ – beinahe hätte ich Auffassungsgabe oder geistige Kraft gesagt, aber ich konnte mich beherrschen – „...ihre begrenzte Zeit zulässt, Doktor Seinig.“

„Ja, Sir.“

„Wenn nämlich diese anomalen Eigenschaften auch dem Material eigen sind, das wir an Bord genommen haben, dann könnte das ziemlich üble Folgen haben.“

„Sie haben offenbar mit dem L.I. gesprochen...“

„Ja“, sagte ich, obwohl das nicht stimmte. Aber es verlieh meinen Worten in diesem Moment noch etwas mehr Nachdruck, wie ich fand.

Den Leitenden Ingenieur Walter Brennan hatte ich das letzte Mal auf einem Bildschirm gesehen, kurz bevor wir mit der Förderung auf Schwarzsandwelt begannen. Ein Eigenbrötler, aber das darf er in seinem Job auch sein. Dass Seinig ihn nicht leiden konnte, war mir klar. Er redet nur das nötigste und macht im Großen und Ganzen, was er will. Solange die Maschinen laufen habe ich auch nichts dagegen. Aber Seinig kommt mit Brannigans lakonischer Art nicht klar, was für mich kein Wunder ist. Seinig kontrolliert gerne alles. Und Brennan hasst Kontrollen durch andere. Das ist wie Feuer und Wasser. Kurz gesagt: Unvereinbar.

„Und Brennan hat dazu wirklich etwas gesagt?“, fragte Seinig. Sie konnte es offenbar nicht wirklich fassen.

„Sie können sich ja gerne vergewissern.“

„Nein, danke.“

„Im Moment befinden wir uns doch in der Delta-Phase, wenn ich das Gebrumme aus dem Maschinentrakt richtig deute. Da hat unsere Plaudertasche sicher jede Menge Zeit.“

„Sehr witzig, Captain. Ihr Humor ist wirklich so was von kultiviert...“

„Da können Sie mal sehen. Sobald Sie Ergebnisse haben, melden Sie die sofort zeitgleich an die Brücke und an meine persönliche Kommunikator-Adresse.“

Datum: XX.XX.XXXX

Uhrzeit: XX.XX.XX

Der aufgewirbelte Nano-Staub – oder wie immer man das Phänomen jetzt auch bezeichnen mag – hat sich wieder abgesetzt. Die Ursache für die seltsamen und vollkommen anomalen Materialeigenschaften konnte nicht ermittelt werden.

Wir nähern uns jetzt der Olvanorer-Station.

Ich habe mich etwa hingelegt und Wang das Kommando überlassen.

Er hatte Anweisung, mich zu wecken, sobald es der BERESANTO gelingen sollte, Kontakt zum Olvanorer-Camp aufzunehmen.

Pär Hellström informierte mich darüber, dass das nicht gelungen sei.

„Irgendeine Erklärung dafür?“, fragte ich.

„Nein, Captain, wir sind jetzt so nahe dran, dass nicht einmal ein ausgewachsener Sandsturm oder so etwas irgendwelche Beeinträchtigungen des Funkverkehrs mit sich bringen könnte. Davon abgesehen gibt es auf der Schwarzsandwelt ja auch keine Stürme, weil keine Atmosphäre existiert.“

„Sehen Sie, genau das ist der Punkt, der mir Sorgen macht.“

Ich ließ mich direkt von meiner Kabine aus mit Otto Blendker, dem Zweiten und vor allem gerade diensthabenden Rudergänger verbinden. Seine Schicht hatte gerade erst begonnen, was den unschätzbaren Vorteil hatte, dass er nicht so müde war, dass er über die Audio-Komleitung völlig debil wirkte. Gegen Ende seiner Schicht konnte das schon mal passieren, zumal er auch noch unter einem Sprachfehler litt.  Na ja, er wurde von Outer Worlds ja auch nicht für seine Sprecher-Qualitäten engagiert.

„Wie groß ist der Abstand zu Olvanorer-Station?“, fragte ich.

„Fünfzig Kilometer“, sagte Blendker.

Wenn man sich an sein Genuschel gewöhnt, versteht man ihn ganz gut.

„Seltsam, dass die sich nicht melden. Können Sie Biozeichen orten, Hellström?“, fragte ich.

Hellström verneinte.

„Nicht auf diese Entfernung und nicht im Inneren der Station. Allenfalls, wenn jemand draußen unter freiem Himmel ist. Aber dann müsste es auch Signaturen von Raumanzügen, Gleitern, Shuttles et cetera geben.“

„Und so etwas haben die Mönche nicht?“

„Jedenfalls nichts, was in Betrieb wäre. Ich kann keine Energiezelle orten, die noch Aktivität zeigt. Diese heiligen Männer können ja wohl schlecht durch das Vakuum gehen, ohne einen Schutzanzug. Und was die Station angeht, müsste die auch ein Minimum an Energieversorgung haben.“

Ein Ruck ging in diesem Moment durch die BERESANTO.

Der Andruckabsorber konnte den plötzlichen Stoß offenbar nicht auffangen. Es ist immer dasselbe. Auf den Outer Worlds-Schiffen werden immer nur die preiswertesten Aggregate verwendet. Und die werden dann noch nicht einmal so gewartet, wie das eigentlich sein müsste.

Ich wurde gegen die Wand meiner Kabine geschleudert.

Das vertraute Brummen, das den Schiffskörper der BERESANTO durchdrang und den Boden immer ein bisschen vibrieren ließ, war verstummt.

Das bedeutete, dass der Fördervorgang abgebrochen worden war. Ich betätigte den Armbandkommunikator.

„Hier Captain an Brücke. Was ist da los?“

„Ein Schaden in der Förderanlage“, sagte mein I.O..

Wang hat immer eine unverwechselbar stoische Art, so etwas mitzuteilen. Ich sah sein Gesicht auf dem Mini-Display des Kommunikators. Es bewegte sich kaum und wirkte ungerührt.