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Warum verliert unser Geld stetig an Kaufkraft? Wieso schlittern wir von einer Wirtschaftskrise in die nächste? Und würde besseres Geld gar unsere Umwelt schonen und Kriege verhindern? Andreas Marquart liefert die Antworten auf diese und weitere Fragen, bei denen sich Politik und vermeintliche Experten immer wieder aufs Neue im Kreis drehen. Unabhängig von der betrachteten Währung, ob Euro, US-Dollar, Schweizer Franken oder chinesischer Yuan, die Probleme reiner Papiergeldwährungen sind überall auf der Welt gleich. Warum wird dennoch an einem solch nachteiligen System festgehalten? Diesen und anderen Sachverhalten rund ums Papiergeld geht Andreas Marquart auf den Grund. Er legt den Finger in die Wunde und serviert Argumente, bei denen der gesunde Menschenverstand sagt: »Ja, logisch!« Dabei zeigt er auch Wege, wie es besser geht, getreu dem Prinzip: Gutes Geld – schöne Welt.
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Seitenzahl: 171
Veröffentlichungsjahr: 2019
ANDREAS MARQUART
Wie Sie vermeintliche Experten und Besserwisser aus dem Konzept bringen und die Hintergründe verstehen
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Originalausgabe, 1. Auflage 2019
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Redaktion: Matthias Michel
Korrektorat: Maike Specht
Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer, München
Umschlagabbildung: shutterstock.com/Michis-Fotos
Satz: Carsten Klein, Torgau
Druck: GGP Media GmbH, Pößneck
eBook: ePubMATIC.com
ISBN Print 978-3-95972-233-9
ISBN E-Book (PDF) 978-3-96092-438-8
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-439-5
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Zum Geleit
Einleitung
Kapitel 1 Wie es so weit kommen konnte
Kapitel 2 Politik der Preisstabilität – ein trojanisches Pferd
Kapitel 3 Unser Geldsystem ist sozial ungerecht
Kapitel 4 Vom Boom zum Bust
Kapitel 5 Krankes Geld ist ansteckend
Kapitel 6 Der Weg in die Verschuldung
Kapitel 7 Wenn der Staat immer weiter wächst
Kapitel 8 Der Umwelt zuliebe
Kapitel 9 Friedensnobelpreis geht an: gutes Geld
Kapitel 10 Gutes Geld – schöne Welt
Nachwort
Literaturverzeichnis
Internetquellen
Über den Autor
Warum werden die Güter eigentlich teurer und nicht billiger, obwohl doch das Güterangebot immer reichhaltiger wird? Warum steigen die Schulden von Konsumenten, Unternehmen, Banken und vor allem auch Staaten immer weiter an? Wieso kommt es immer wieder zu Finanz- und Wirtschaftskrisen? Was passiert eigentlich, wenn die Zentralbanken den Zins verändern? Und warum sind die Zinsen im Euroraum mittlerweile auf der Nulllinie? Wieso wird es für junge Menschen, junge Familien immer schwieriger, Vermögen aufzubauen? Warum öffnet sich in vielen Ländern die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter? Es mag überraschend klingen: Aber die Antworten auf diese und andere drängende Fragen finden sich im heutigen Geldsystem.
Sehr verehrte Leserinnen und Leser: Es wird vermutlich viele von Ihnen überraschen, wie problematisch das heutige Geld ist. Ob US-Dollar, Euro, chinesischer Renminbi, Britisches Pfund oder Schweizer Franken: Sie alle repräsentieren ungedecktes Papiergeld oder auch: Fiat-Geld. Es zeichnet sich durch drei Eigenschaften aus: (1) Fiat-Geld ist entmateralisiertes Geld, es existiert in Form von bunt bedruckten Papierzetteln und Einträgen auf Computerfestplatten (»Bits and Bytes«). (2) Fiat-Geld wird sprichwörtlich aus »dem Nichts« geschaffen, durch Bankkredite, die nicht durch »echte Ersparnis« gedeckt sind. (3) Die staatlichen Zentralbanken haben das Fiat-Geld-Produktionsmonopol: Sie haben die Macht, die Geldmenge und damit natürlich auch deren Kaufkraft nach politischen Erwägungen zu verändern.
Man sollte nur nicht denken, das Fiat-Geld sei auf »natürlichem Wege« in die Welt gekommen. Ganz im Gegenteil! Die Staaten haben in den frühen 1970er Jahren die Golddeckung des Geldes mutwillig, per Zwangsmaßnahmen aufgehoben. Und das nicht etwa, weil das Goldgeld nicht funktioniert hätte, sondern weil die Staaten aus politischen Gründen die Kontrolle über das Geld haben wollten – um nach politischer Willkür Einkommen und Vermögen umzuverteilen, um nationale Konjunkturpolitik zu betreiben, um möglichst bequem Kriege zu finanzieren. Das Gold-Geld stand all diesen Machenschaften im Wege, nicht aber das Fiat-Geld. Deshalb musste das Gold-Geld dem Fiat-Geld weichen.
Fiat-Geld leidet unter ökonomischen und ethischen Defiziten. Das haben insbesondere die Ökonomen der »Österreichischen Schule der Nationalökonomie« – die mit Namen wie Carl Menger (1840– 1921), Ludwig von Mises (1881–1973) und Friedrich August von Hayek (1899–1992) verbunden ist – frühzeitig erkannt. Sie legten offen: Fiat- Geld ist inflationär, es verliert seine Kaufkraft im Zeitablauf. Zudem bereichert das Fiat-Geld einige in ungerechtfertigter Weise auf Kosten vieler. Es verursacht zudem Wirtschaftsstörungen (»Boom-and-Bust«). Es sorgt dafür, dass die Schuldenlasten der Volkswirtschaften in die Höhe steigen. Und nicht zuletzt lässt es den Staat immer größer werden zu Lasten des friedvollen und produktiven Zusammenlebens.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 ist eine unmittelbare Folge des Fiat-Geldes, das die Zentralbanken in enger Kooperation mit den privaten Geschäftsbanken über Jahre hinweg unablässig vermehrt haben. Der dadurch angezettelte »Boom« wäre vermutlich in einen Systemkollaps ausgeartet, hätten die Zentralbanken nicht die Marktzinsen auf extrem niedrige Niveaus herabgedrückt und strauchelnde Staaten und Banken mit neu geschaffenem Geld über Wasser gehalten. Doch zu Jubel gibt das keinen Anlass! Denn die zugrundeliegenden Probleme wurden dadurch natürlich nicht etwa gelöst, sondern nur vertagt und zudem auch noch vergrößert.
Staats- und systemtreue Ökonomen lassen jedoch den Eindruck entstehen, die Krisen seien das Ergebnis der freien Märkte, des Kapitalismus, und der Staat müsse einschreiten und für Besserung sorgen: mit mehr und besseren Ge- und Verbote, Auflagen und Richtlinien. Dass aber das staatliche Fiat-Geld ursächlich für die beklagten Missstände ist, wird ignoriert oder verschwiegen. Der Staat mit seinem Fiat-Geld wird nicht etwa als »Übeltäter« entlarvt, ihm wird vielmehr noch die »Beschützerrolle« zugewiesen. Und so erweist sich die Krise, für die das staatliche Fiat-Geld sorgt, als ein Wachstumselixier für den Staat. Immer mehr bürgerliche und unternehmerische Freiheiten fallen dem Staat zum Opfer, hemmen den Lebensstandard vieler Menschen.
Die Volkswirte, die der Österreichischen Schule der Nationalökonomie zuzurechnen sind, haben die ganze Problematik, die ganze Tragik, die das ungedeckte Geld verursacht, schon vor langer Zeit ausgiebig studiert, vollständig erkannt und in vielen Schriftbeiträgen ausbuchstabiert. Die Erkenntnisse, die sie vorgelegt haben, sind zeitlos, haben ihre Relevanz für die heutige Zeit keinesfalls eingebüßt. Sie müssen jedoch bekannt gemacht werden, und damit sie von der heutigen Generation verstanden und weitergetragen werden können, müssen sie hier und da sprachlich modernisiert werden; und ihre Bedeutung für das Hier und Heute ist anhand von zeitgemäßen Anwendungsfällen zu illustrieren. Diese verdienstvolle Aufgabe geht Andreas Marquart – seit Oktober 2012 Vorstand des Ludwig von Mises Institut Deutschland – mit diesem Buch an.
Andreas Marquart zeigt Ihnen, liebe Leser, die Übelstände auf, die mit dem staatlichen Fiat-Geld sprichwörtlich in die Welt gekommen sind. Unaufgeregt und unterhaltsam im Ton, unerschrocken und schonungslos in der Sache. Schritt für Schritt und mit klar und verständlich formulierten Sätzen, die darauf abzielen, ehrliche Aufklärungsarbeit zu leisten und Sie zu des-desinformieren, führt Marquart fast schon spielend leicht durch ein Sachthema, das eigentlich sehr komplex ist, und das selbst viele »Hauptstrom-Ökonomen« vermutlich noch nicht vollends durchdrungen haben. Marquarts Ausführungen sind so entwaffnend-erhellend, dass man als Leser im Grunde keinerlei ökonomische Vorbildung braucht. Um seinen Ausführungen zu folgen, reicht es völlig aus, wenn man über gesunden Menschenverstand verfügt. Chapeau muss man sagen: So funktioniert Aufklärung!
Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie verstanden haben, welche immensen wirtschaftlichen und sozialen Schäden das Fiat- Geld anrichtet, und wie es, ganz konkret, Ihr Leben und das Ihrer Mitmenschen – sei es im Beruf, in der Familie, im Freundeskreis – seinen schmutzigen Stempel aufdrückt. Doch Sie müssen nicht verzagen: Andreas Marquart lässt Sie nicht im Regen stehen. Er macht Ihnen am Ende seines Buches berechtigte Hoffnung auf besseres Geld und damit eine bessere Welt. Denn besseres Geld – gutes Geld – ist keine unerreichbare Utopie. Ganz im Gegenteil: Gutes Geld ist machbar, und es liegt sogar in greifbarer Reichweite. Alles was dazu erforderlich ist, ist ein freier Markt für Geld – ein Markt, der so frei ist wie der Markt für Kugelschreiber, Turnschuhe und Urlaubsreisen.
Besseres Geld, bereitgestellt in einem freien Markt für Geld, ist nicht nur ökonomisch möglich. Die Forderung ist auch zweifelsohne folgerichtig mit Blick auf den Grundsatz der Aufklärung: also den Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit, wie es im Jahre 1784 der Königsberger Philosophen der Aufklärung Immanuel Kant (1724–1804) formulierte. Gemeint ist damit das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Einzelnen. Auf die Geldfrage übertragen heißt das: Jeder Mensch muss die Freiheit haben, das Geld wählen zu können, das seinen Wünschen am besten genügt. Und jeder muss die Freiheit haben, die Nachfrage seiner Mitmenschen nach gutem Geld bestmöglich bedienen zu dürfen. Es braucht also nicht mehr als die Rückbesinnung des Ideals der vernünftigen Autonomie1 in der Frage des Geldes.
Doch zurück zu Andreas Marquarts Buch, denn er hat im letzten Kapital wissensreich ausbuchstabiert, wie das heutige schlechte Fiat-Geld durch gutes Geld abgelöst werden kann; dass dem Staat (und den machtvollen Interessengruppen, denen der Staat dient beziehungsweise die ihn für ihre Interessen gekapert haben) das Geldproduktionsmonopol entzogen werden muss, und wie das möglich ist. Ich wünsche daher diesem wahrlich aufklärerischen Buch, das Andreas Marquart verfasst hat, die größtmögliche Verbreitung – nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern dass es nachfolgend auch übersetzt wird in viele andere Sprachen auf dieser Welt, damit alle Menschen auf diesem Erdball letzten Endes zu besserem Geld kommen.
Dr. Thorsten Polleit
Chefvolkswirt der Degussa
Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth im April 2019, Königstein i. T.
Unzählige Male habe ich mit verschiedensten Menschen über das Thema »Geld« und die Ursachen der Euro- und Finanzkrise diskutiert. Und beinahe genauso oft bin ich auf einen der gefühlt Millionen von Experten getroffen, die stets genau wussten, was zu tun sei. »Man müsste …«, so begannen ihre Kommentare meist.
Mit den Themen »Geld« und »Wirtschaft« ist es wie mit Fußball: Während einer Fußballweltmeisterschaft gibt es im Land Millionen von Trainern, die allesamt vom heimischen Sofa aus eine sehr präzise Vorstellung davon haben, wie ein Spiel zu gewinnen wäre oder, wenn es verloren wurde, wie man es gewonnen hätte.
Hand aufs Herz: Waren Sie nicht auch schon einmal in solche Geld-und Wirtschaftsgespräche verwickelt und haben Ihre »Expertenmeinung« zum Besten gegeben? Bitte seien Sie nicht verärgert, wenn ich gleich zu Beginn so direkt werde. Aber kämen Sie auf die Idee, mit einem Chirurgen darüber zu debattieren, wie man am besten einen Blinddarm entfernt? Oder gar einen Tumor? Wohl nicht.
»Wir müssen …«
Mit Politikern ist es nicht anders. Tag für Tag dürfen sie sich vor Fernsehkameras zu aktuellen Themen äußern. Das Schema ist immer gleich. Erst lässt man sie – einen sehr geschäftig wirkenden Eindruck vermittelnd – von rechts nach links durchs Bild laufen. Da weiß man gleich, jetzt steht ein weiterer Fachmann vor der Kamera und erzählt uns, wie sich ein aktuelles Problem aus der Welt schaffen lässt, welche Reform dringend ansteht, also wie die letzte Reform, die die Reform davor ersetzte, zu reformieren ist. Die Statements beginnen in aller Regel mit »Wir müssen …«, achten Sie mal darauf. Von verschiedenen Parteienvertretern hören wir die unterschiedlichsten Vorschläge, und jeder meint, er hätte nun das Ei des Kolumbus entdeckt. Das allein sollte schon zu denken geben, zeigt es doch, dass bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen keine konsistente Theorie zur Anwendung kommt und jeder meint, sein Plan sei genau der, der funktionieren würde.
Worauf ich hinauswill? Nun, eine Volkswirtschaft, und dazu gehört eben auch das Geldwesen, funktioniert nach ganz bestimmten Gesetzen, nämlich nach ökonomischen Gesetzen. Die kann niemand, auch kein Ökonom oder Politiker, außer Kraft setzen. Aber das versuchen gerade Letztere immer wieder aufs Neue, jeden Tag, seit ewigen Zeiten. Sie geben vor, und wahrscheinlich sind sie sogar selbst davon überzeugt, dass sie die Volkswirtschaft lenken und leiten könnten. Doch das geht nicht.
Anders als bei physikalischen Experimenten tritt in einer Volkswirtschaft bei Anwendung einer bestimmten Maßnahme nicht immer das gleiche Ergebnis ein. Warum? Weil eine Volkswirtschaft aus handelnden Menschen besteht, von denen keiner dem anderen gleicht. Ihr Handeln lässt sich weder berechnen noch prognostizieren, einfach weil Menschen immer wieder ihre Ziele und Präferenzen ändern, weil sie Neues lernen, sowohl aus ihren eigenen als auch aus den Fehlern anderer, und weil sie stets neue Erfahrungen machen. Und gerade politische Einflussnahme lässt sie morgen vielleicht anders handeln, als sie es heute noch getan haben.
Eine Volkswirtschaft ist ein hochkomplexes System. Komplex ist etwas völlig anderes als kompliziert. Ein Flugzeug zu entwickeln, es zu bauen oder zu fliegen – das ist kompliziert. Aber wer über die technischen Fähigkeiten und das nötige Wissen verfügt, kann es. Die Komplexität von Volkswirtschaften und Gesellschaften dagegen kann niemand durchdringen.
Die Politik ist das Problem, nicht die Lösung
Obwohl Regierungen und Politiker – das werden wir im weiteren Verlauf herausarbeiten – die wahren Verursacher der zahlreichen Missstände in Wirtschaft und Gesellschaft sind, lassen wir sie immer weiter herumexperimentieren. Dabei zerstören sie mehr und mehr das filigrane und äußerst sensible Netzwerk der Volkswirtschaft, verursachen unsichtbare, aber dennoch spürbare Verletzungen – spürbar in Form von Wirtschaftskrisen und häufig auf den ersten Blick nicht erklärbaren gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Politik ist also das Problem, nicht die Lösung.
Obwohl Problemverursacher, wird den politischen Akteuren – wie eben bereits erwähnt – sehr viel Raum in der täglichen Berichterstattung gewährt. Um mir mehr Gehör zu verschaffen, werde ich mir daher erlauben, im Verlauf des Buches auch mal zu provozieren und zu polemisieren. Das nicht zuletzt deshalb, weil ich als kompromissloser Verfechter eines freien, marktwirtschaftlichen und damit wettbewerblichen, nicht staatlich organisierten Geldwesens eine eher schwach besetzte Position vertrete. Meine Gegnerschaft besteht nämlich aus nicht weniger als einem riesigen Konglomerat aus Politikern, Mainstreamökonomen, Medien und sonstigen Meinungsbildnern.
Kapitalismus als Sündenbock
Auch den Großteil der Bürgerinnen und Bürger rechne ich denen zu, die – anfangs jedenfalls – meinen Argumenten gegenüber eher verschlossen sein werden oder ablehnend gegenüberstehen. Ihnen mache ich jedoch keine Vorwürfe. Es ist nicht böse gemeint, wenn ich sage, dass es die allermeisten Menschen einfach nicht besser wissen. Schließlich werden sie doch seit Jahrzehnten – beginnend in der Schule, dann Tag für Tag in den Nachrichten – dauerberieselt von der Behauptung, das Geldwesen bedürfe der staatlichen Organisation und Aufsicht, und die Wirtschaft der Lenkung und Steuerung weiser Politiker. Wir nehmen es hin und kennen es auch gar nicht anders, dass unser ganzes Leben richtiggehend durchdrungen ist von Politik.
Dabei hört man in Gesprächen mit »ganz normalen« Menschen häufig heraus, dass sie verstört sind angesichts der zahlreichen Missstände in Gesellschaft und Wirtschaft – und auch erzürnt, schimpfen oft sogar über die Politik. In der Ursachenforschung tappen sie aber für gewöhnlich im Dunkeln, machen mehrheitlich einen scheinbar existierenden Kapitalismus zum Sündenbock. Entsprechendes erzählt man ihnen ja auch am laufenden Band. So gelangen viele zu dem Schluss, die Politik müsse sich noch mehr einmischen mit Gesetzen und Verordnungen, Banken müssten noch schärfer reguliert werden – zum Schutz der Spareinlagen – und die Reichen müssten noch stärker in die Pflicht genommen werden bei der Finanzierung gesamtstaatlicher Aufgaben.
Man kann sich nur wundern darüber, denn bei Umfragen landet der Beruf des Politikers, von dem sich der Bürger ja Lösungen erwartet, hinsichtlich seines gesellschaftlichen Ansehens regelmäßig in der Nähe von Gebrauchtwagenhändlern und Versicherungsvertretern. Das ist nicht nur auf den ersten Blick schizophren.
Die Hauptursache, warum sich Gesellschaft und Volkswirtschaft derart in Schieflage befinden, gerät bei all den täglich stattfindenden Debatten eher selten in den Blickpunkt. Dabei ist sie schnell ausgemacht und um sie geht es in diesem Buch: Es ist das staatlich organisierte Geldwesen – also die Tatsache, dass es nur ein einziges Zahlungsmittel gibt, dessen Produktion der Staat in symbiotischer Art und Weise, einem Franchisesystem gleich, in die Hände des Zentral- und Geschäftsbankensystems gelegt hat. Niemand anderes kann und darf »Geld« emittieren. Es ist ein Monopol. Wettbewerb? Fehlanzeige.
Es mag manchen im ersten Moment vielleicht beunruhigen, etwas so wichtiges wie Geld dem ach so bösen Markt zu überlassen. Aber fragen Sie doch einmal Freundinnen, Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen, ob sie ein Monopol als etwas Positives ansehen. Ich gehe jede Wette mit Ihnen ein, dass mindestens neun von zehn so oder ähnlich antworten werden: »Ein Monopol ist schlecht für die Verbraucher!«
Aber wenn dem so ist, dann müssen wir uns doch unbedingt fragen: »Warum soll das beim staatlichen Geldmonopol anders sein?« Oder: »Wenn unser Geld bei Vater Staat so gut aufgehoben ist, weshalb verliert es dann ständig an Kaufkraft?« Und weiter: »Wieso schlittert unser Finanzsystem dann von einer Krise in die nächste? Warum müssen die Banken immer wieder gerettet werden?« Aber natürlich, es sind wie immer die ungezügelten Märkte und die Spekulanten. Sie müssen in die Schranken verwiesen werden.
Ich werde in diesem Buch darlegen, dass unser herrschendes Papiergeldsystem
versteckt inflationär ist;
Reiche reicher und Arme ärmer macht;
die Ursache für immer wiederkehrende Krisen ist;
die Menschen oberflächlicher werden lässt und die Gesellschaft zu ihrem Nachteil verändert;
die Volkswirtschaften unter ein Schuldenjoch geraten lässt, die Menschen abhängig macht und sie korrumpiert;
den Staat in die Lage versetzt, sich immer mehr in unser Leben einzumischen;
mit dafür verantwortlich ist, dass Natur, Umwelt und Ressourcen unnötig strapaziert werden;
militärische Konflikte wie den Ersten oder Zweiten Weltkrieg überhaupt erst möglich gemacht hat.
Möglicherweise kommt Ihnen diese Auflistung etwas übertrieben vor. Ich verstehe das. Doch wenn unser Geld krank ist, liegt es dann nicht nahe, dass sich Volkswirtschaft und Gesellschaft nach und nach infizieren und ebenfalls krank werden?
Krankes Geld ist ansteckend
Wir sollten uns an dieser Stelle klarmachen, dass »Geld« in praktisch allen Lebensbereichen eine zentrale Rolle spielt. Wir beziehen unser Einkommen in »Geld«, bezahlen unsere täglichen Einkäufe mit »Geld«, entrichten unsere Steuern in »Geld«, halten »Geldvorräte« für kurzfristige und auch langfristige Zwecke.
Geld ist als Tauschmittel etwas überaus Wichtiges. Es ist unverzichtbar, und ohne Geld wäre unser heutiges Wohlstandsniveau nicht vorstellbar. Zum einen, weil sich nur mithilfe eines allgemein akzeptierten Tauschmittels eine hoch spezialisierte Arbeitsteilung organisieren lässt, und zum anderen, weil ohne Geld keine Wirtschaftsrechnung möglich wäre. Es ließe sich dann nämlich nicht kalkulieren, welcher Weg bei einer Investition der effizienteste ist.
Die allermeisten der Gelegenheiten, bei denen Geld zum Einsatz kommt, sind Transaktionen, die wir freiwillig mit anderen abwickeln: Arbeitnehmer beziehen ihren Lohn in Geld, wir wickeln unsere Einkäufe mit Geld ab oder bezahlen unsere Urlaubsreise mit Geld. Steuern oder andere Zwangsabgaben wie Rundfunkgebühren bezahlen wir dagegen nicht freiwillig.
Staatliches Geld ist wie ein Fremdkörper in freiwillig stattfindenden Transaktionen zwischen den Marktteilnehmern. Im Alltag denken wir natürlich nicht darüber nach, dass das Medium, mit dem wir unsere Käufe oder Verkäufe abwickeln, staatlich reglementiert ist. Das aber ist ein ganz entscheidender Punkt und wir sollten uns dessen unbedingt bewusst werden.
Wir sollten uns fragen: Warum muss ein von zwei Akteuren freiwillig eingegangenes Tauschgeschäft mit einem staatlichen Zwangsmedium abgewickelt werden? Diese Frage muss gestellt werden. Und wenn uns der Geldmonopolist »Staat« auf diese Frage keine einleuchtende und überzeugende Antwort geben kann, dann haben wir jeden Grund, misstrauisch zu werden und zu vermuten, dass er etwas im Schilde führt, etwas zu verheimlichen hat und davon in irgendeiner Art und Weise profitiert. Auch darum wird es in diesem Buch gehen.
Aber zuallererst sollten wir uns gemeinsam anschauen, wie es die Staaten überhaupt geschafft haben, dass es als alternativlos gilt, dass die Organisation des Geldwesens in ihrer Obhut obliegt. Und wie es so weit kommen konnte, dass die Werthaltigkeit von Geld nur noch auf dem Vertrauen darauf beruht, sich am nächsten Tag noch etwas dafür kaufen zu können.
Einer weiteren wichtigen Frage gilt es gleich zu Beginn nachzugehen: Wie funktioniert unser Geldsystem überhaupt? Wie kommt das Geld in die Welt? Darüber liegt ein undurchsichtiger Schleier, den es zu lüften gilt.
Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass wir seit 1971 im wohl größten Geldexperiment aller Zeiten leben. Denn noch niemals zuvor waren alle Währungen auf der Welt – gleich ob Euro, US-Dollar, japanischer Yen oder Schweizer Franken – reine Papierwährungen, basierend auf, gedeckt durch und entstehend aus dem … Nichts!
Vielleicht werden Sie an dieser Stelle einwenden: »Aber die Notenbanken haben doch immer noch Gold in ihren Tresoren!« Das ist grundsätzlich richtig. Natürlich verfügen die Notenbanken weltweit über mehr oder weniger Goldvorräte. Die aber stehen weder mengenmäßig im Verhältnis zu den in den vergangenen Jahrzehnten erzeugten Geld- und Kreditmengen, noch hat ein Halter einer Banknote einen Herausgabeanspruch auf auch nur die geringste Menge an Gold.
Mit der sukzessiven Loslösung des Geldes von jeglicher Bindung an Gold konnten sich die Staaten in den zurückliegenden 100 Jahren die alleinige Macht über das Geld sichern. Vor allem aber konnten sie sich so Mittel in beispiellosem Umfang beschaffen und einen immer stärkeren Einfluss auf die Gesellschaft ausüben. Obwohl auch die steuerliche Belastung der Bürger in den vergangenen 100 Jahren exorbitant zugenommen hat, hätten diese Einnahmen niemals ausgereicht, Wohlfahrtsstaaten, wie wir sie heute kennen, aufzubauen, mit denen sich Politiker auf hinterlistige Art und Weise die Gunst der Bürger erkauften. Und nebenbei bemerkt: Die Mittel hätten ebenso wenig ausgereicht, Kriege wie den Ersten oder Zweiten Weltkrieg zu finanzieren.
