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Roof Planting Planning – Implementation – Maintenance In this book, you’ll find successful solutions for green roofs with different uses, e.g. as a moss carpet, herb lawn, wildflower meadow, vegetable and fruit garden, roof terrace and domestic gardens. You’ll find out how such green roofs are planned, established and managed. A particular emphasis is also placed on selecting suitable plants. The costs for establishment and maintenance are illustrated using specific examples. On the basis of comprehensive studies, the benefits of roof planting for residents and the environment alike are shown, and can help you decide in favour of a roof garden. If you want to build a house, or if you’re just tired of looking at the barren gravel surface of your garage, then this book will be a useful guide for you. You’ll discover the benefits of roof gardens, how to establish them and what costs will be incurred. A roof garden protects the roof seal, saves on heating requirements and also helps you keep cool in hot weather. The book shows you how you can establish low-maintenance perennial herbs and grasses, rich flower meadows, lush domestic gardens and even useful gardens with vegetable production.
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Seitenzahl: 186
Veröffentlichungsjahr: 2016
Walter Kolb
Dachbegrünung
Planung, Ausführung, Pflege
93 Farbfotos 24 Zeichnungen 12 Tabellen
Cover
Titel
Vorwort
Beispiele von Gründächern
Steildachbegrünung auf einem Einfamilienhaus in Lohne
Dachgemüse – 30 Jahre „Urban gardening“
Wohnterrasse am Hang
Dachgarten an der Wiegmann-Klinik in Berlin
Garagendächer – Unendliche Möglichkeiten
Garage und überdachter Stellplatz am Hang
Parkhaus in Grün
Grüner Deckel für die Astronomie
Dachgarten für Mitarbeiter
Bürogebäude mit Tiefgarage in Stuttgart-Weilimdorf
Die Landschaft auf das Dach geholt
Biotop im Industriegebiet
Hauch des Südens
Planung von Gründächern
Bauliche Grundlagen
Flachdach und Steildach
Tragfähigkeit
Dachabdichtungen
Entwässerung
Bewässerung
Absturzsicherung
Aufbau und Funktion des Schichtenaufbaues
Schutzlagen
Dränschichten
Filterschichten
Vegetationstragschichten und Formen der Dachbegrünung
Substrate für Vegetationstragschichten
Pflanzenauswahl
Begrünungsmethoden
Begrünung durch Pflanzung
Begrünung durch Ansaat
Pflanzen und Pflanzbeispiele für Extensivbegrünung, sonnig
Verschiedene Pflanzbeispiele für Extensiv- und Intensivbegrünung
Ausführung von Gründächern
Prüfung der Unterlagen
Kontrolle der Planunterlagen
Prüfung der Dachabdichtung
Entwässerung und Dachneigung
Schutz der Dachabdichtung
Absturzsicherungen und Gerüste
Windsog und Verwehsicherheit
Kontrolle der zulässigen Dachlast
Kontrolle Brandschutz
Baugenehmigung
Bau- und Begrünungsmethoden
Massenermittlung für den Schichtenaufbau
Lieferformen der Schüttgüter
Herstellen von Dränschichten aus Kunststoffelementen
Durchführung von Pflanzung, Ansaat und Pflege
Fertigstellungspflege
Abnahme der Begrünung
Bauwerke und Ausstattung
Terrassen und Wege für Fußgänger
Beläge für den Fahrverkehr auf Dächern
Bewässerungseinrichtungen
Unterhaltungspflege
Leistungen für die Vegetation
Leistungen bei Einrichtungen und Belägen
Nutzen der Gründächer
Nutzen für die Stadtlandschaft
Ausgleich von Temperaturspitzen
Entlastung der Kanalisation
Reduktion von Feinstaub
Ausgleichsregelung und Rückgewinnung naturnaher Strukturen
Nutzen der Gründächer für die Bewohner
Schallschutz
Wärmedämmung und Kühlung
Gebäudeschutz
Nutzbare Grünfläche in Wohnungsnähe
Förderung der ökologischen Qualität für das nachhaltige Bauen
Kosten der Dachbegrünung und Vergabekriterien
Kosten der Dachbegrünung
Gutschrift für den Grunderwerb
Kosten für die Erhöhung der Tragkonstruktion
Herstellkosten für die Begrünung
Kosten der Fertigstellungspflege
Kosten der Unterhaltungspflege
Vergabe von Leistungen für die Herstellung von Gründächern
Service
Verzeichnis der Abkürzungen
Literatur
Liefernachweise
Bildquellen
Dank
Impressum
Vorbildlich begrünte Dachlandschaft im Zentrum von Monaco.
Die gleiche Stadtlandschaft von Monaco als Montage ohne Begrünung.
Die Begrünung von Dächern war eines der wichtigsten Arbeitsfelder während meiner beruflichen Tätigkeit. Ab dem Jahr 1980 führte ich als Leiter der Abteilung Landespflege an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim zusammen mit meinen damaligen Mitarbeitern Tassilo Schwarz und Rainer Trunk erste Versuche durch. Damals wurde der Dachbegrünung im Garten- und Landschaftsbau nur eine geringe Wertigkeit zugeordnet. Die wirtschaftliche Bedeutung war kaum erwähnenswert und nur wenige Planer und Ausführungsfirmen befassten sich mit diesem Arbeitsfeld. Spezielle Empfehlungen, Richtlinien oder Normen existierten nicht. Unter dem Sammelbegriff „Dachgärten“ wurden aber schon Projekte realisiert, die man heute der Intensivbegrünung zuordnen würde. Schwerpunkte unserer Versuchsarbeit in Veitshöchheim waren anfangs die Entwicklung von Substraten und die Erprobung von Pflanzengemeinschaften und Begrünungsmethoden als Alternative zum Kiesdach. Auf der Grundlage langjähriger wissenschaftlicher Untersuchungen wurden Lösungen entwickelt, die anschließend auf realen Dächern unter verschiedenen Klimabereichen erprobt wurden. Die Ergebnisse konnten dann der Praxis in Planung und Ausführung in zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen zur Verfügung gestellt werden.
Ergänzend zu diesen vegetationstechnischen Untersuchungen führten umfangreiche Messprogramme zu Aussagen, die in Verbindung mit der Dachbegrünung Nutzfunktionen in ökologischer und klimatischer Sicht verdeutlichten. Die Ergebnisse unserer Versuchsarbeit flossen unter anderem in die Bücher „Grün auf kleinen Dächern“ im Jahr 1987 und „Dachbegrünung – intensiv und extensiv“ im Jahr 1999 ein.
Heute werden in Deutschland schätzungsweise jährlich etwa 8 Millionen m2 Dachflächen begrünt. Viele Städte haben Förderprogramme aufgelegt oder die Dachbegrünung als verbindliche Auflage bei der Genehmigung von Neubaumaßnahmen festgelegt. Manche Firmen haben sich auf die Dachbegrünung spezialisiert oder sie als wichtigen Aufgabenbereich integriert. Es existieren Richtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (FLL) für die Planung, Anlage und Pflege. Diese werden jeweils der aktuellen Entwicklung in Praxis und Forschung angepasst. Es haben sich inzwischen Vereinigungen wie der Deutsche Dachgärtner Verband e.V. (DDV) und die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) gegründet. Diese fördern die Dachbegrünung durch Information, Forschung und Symposien.
Wichtige Zulieferer aus dem Kunststoffsektor oder der Pflanzenzucht haben sich auf den Markt der Dachbegrünung eingestellt und damit wirtschaftliche Lösungen ermöglicht.
Man kann heute sagen, Gründächer bieten technisch ausgereifte Bauweisen in vielen Varianten. Sie nutzen der Gesellschaft in ästhetischer, ökologischer und wirtschaftlicher Hinsicht und verdienen unter Berücksichtigung der erheblichen Flächenversiegelung durch Bauwerke eine besondere Förderung.
Dr. Walter Kolb, Güntersleben
Es gibt kaum Bauwerke, deren Dächer sich nicht begrünen lassen. Das Spektrum reicht von Grün auf großflächigen Tiefgaragen, Industriebauten, Bürogebäuden, Schulen und Krankenhäusern bis hin zu Mehr- und Einfamilienhäusern, Garagen, Balkonen und Müllboxen. Wenn schon bei dem Bau der Gebäude die Anforderungen an die Begrünung berücksichtigt werden, erschließt sich eine Vielfalt von Möglichkeiten der Pflanzenverwendung. Neben anspruchslosen Stauden und Gräsern können dann auch Sträucher und Bäume etabliert werden. In vielen Fällen ist aber auch eine nachträgliche Begrünung vorhandener Dachflächen möglich. Neben Flachdächern mit geringem Gefälle stehen heute auch bewährte technische Möglichkeiten zur Begrünung von Steildächern zur Verfügung. Nachfolgend wird ein breites Spektrum von Beispielen zur Dachbegrünung dargestellt.
Dachbegrünung ist nicht nur auf Flachdächer oder flach geneigte Dächer beschränkt. Mit geeigneten Schubsicherungen können auch Steildächer bis 45° erfolgreich und sicher begrünt werden. Zu berücksichtigen ist allerdings bei der Pflanzenauswahl die unterschiedliche Ausrichtung der einzelnen Dachflächen. Steildächer, insbesondere mit südlicher Ausrichtung, trocknen rasch aus. Deshalb gedeihen auf Dauer dort nur Pflanzen mit hoher Trockenresistenz. In Gebieten mit geringen natürlichen Niederschlägen sollte deshalb für den „Ernstfall“ die Möglichkeit einer Zusatzbewässerung geschaffen werden.
Damit die Begrünung auf Steildächern bei starken Regenfällen nicht abgeschwemmt wird, sind spezielle Schubsicherungen erforderlich.
Dieses Einfamilienwohnhaus in Lohne wurde im Jahr 2004 mithilfe des Systems TOPGREEN von atka begrünt. Anlässlich eines Neubaues wurden vorkultivierte fertig begrünte Steildachpfannen aufgelegt. Die Bauherren hatten sich unter Berücksichtigung der Vorteile eines Gründaches gegenüber einem nackten Ziegeldach für diese Bauweise entschieden. Die Dachvegetation hat sich nach der Anlage im Verlauf mehrerer Jahre prächtig entwickelt. Die Fachleute der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung wählten dieses Projekt deshalb 2009 zum „Gründach des Jahres“.
Klassische Steildachbegrünung auf einem Einfamilienwohnhaus.
Grundriss Flächenaufteilung Dachgemüse.
Die Tomatenernte ist im Gewächshaus bis November möglich.
Das Gewächshaus im März. Kresse und Schnittsalat wurden schon geerntet. Rettich und Kopfsalat sind auch bald soweit.
Bei dem Projekt handelt es sich um eine Garage, die neben einem Wohnhaus auf einem relativ kleinen Grundstück in den natürlichen Hang gebaut wurde. Das Dach der Garage ist deshalb vom Obergeschoss des Wohnhauses ebenerdig erreichbar. Geplant war zunächst eine Kiesschüttung. Noch während des Baues entschloss man sich, die Garagendecke so zu verstärken, dass – statisch abgesichert – eine Bodenauflage von 20 cm Dicke möglich war. Damit waren die Voraussetzungen für einen Gemüsegarten mit vielfältiger Nutzung geschaffen. Ergänzt wurde die Nutzgartenfläche mit einem Kleingewächshaus und einem Frühbeet.
Bei dem Konzept wurde davon ausgegangen, dass für eine kleine Familie nahezu während des ganzen Jahres frisches Gemüse, Obst und Küchenkräuter geerntet werden können.
Einige Stauden, vor allem Pfingstrosen und Sommerblüher, sollten gelegentlich Blumensträuße liefern.
Mehr als drei Jahrzehnte nach der Anlage kann festgestellt werden, dass die Erwartungen mit der Kultur dieser Nutzpflanzen auf dem Garagendach voll erfüllt wurden. Viele Küchenkräuter wachsen auf den Beeten und einige, wie Winter-Zwiebel, Salbei und Thymian, können fast ganzjährig geerntet werden.
Bereits im Frühwinter stehen in dem heizbaren Gewächshäuschen Kresse, Schnittsalat und Portulak zur Verfügung, auch Radies und Kopfsalat wachsen heran und die Sämlinge für Tomaten und Paprika für die spätere Nutzung im Gewächshaus und auf dem Freiland können angezogen werden. Anschließend stehen in den Frühbeeten Kopfsalat und Rettich zur Verfügung. Von den Gemüsearten im Freiland haben sich vor allem alle Salate, Radies und Rettich, Möhren, Sellerie und Buschbohnen bewährt. Mit Erfolg wurden auch Kohlrabi, Grünkohl, Rosenkohl, Steckrüben, Fenchel und Gurken kultiviert. Sogar Schwarzwurzeln konnten angebaut werden; allerdings von geringer Qualität. Anbauversuche mit Kartoffeln und Gurken verliefen ebenfalls positiv, jedoch wurde im Verlauf der Jahre auf diese Arten verzichtet, weil sie, bezogen auf die Fläche, zu geringe Erträge lieferten.
Mal schnell einen Rettich zum Bier holen.
Ohne Pflege geht es natürlich auch hier nicht. Spaß bereitet das diesem Junggärtner trotzdem.
Bei den Spalier-Obstgehölzen waren zunächst immergrüne Brombeersträucher gepflanzt worden. Diese erwiesen sich an diesem Standort leider als nicht ausreichend winterhart.
Sehr erfolgreich zeigten sich hingegen Spalierbüsche von verschiedenen Apfelsorten. Es wurden Bäumchen auf schwach wachsenden Unterlagen ausgewählt. Diese kamen schon im 2. Jahr nach der Pflanzung zum Ertrag. Bis heute zeigen sie sich sehr stabil im Fruchtansatz.
Da Sorten mit unterschiedlichen Reifezeitpunkten vorhanden sind, gibt es frische Äpfel in ausgezeichneter Qualität direkt vom Spalierbaum von August bis Anfang Dezember.
Bei diesem Projekt wird grundsätzlich nach biologischen Gesichtspunkten gearbeitet. Die Düngung erfolgt überwiegend auf der Basis von selbst erzeugtem Kompost. Das bei längerer Trockenheit notwendige Gießwasser wird dem geschlossenen System der Zisterne entnommen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich bei einer Anlage wie dieser nicht nur vor der Haustür frische Gartenprodukte produzieren lassen. Die kurzzeitigen Veränderungen der Pflanzen von der Aussaat oder Pflanzung bis zur Ernte in relativ kurzen Zeitabständen erzeugen vielmehr Neugier und Interesse bei den Nutzern; in besonderem Maße bei Kindern. Erfolge aber auch Misserfolge bei den Kulturen bieten eine stets neue Herausforderung. Das sollten Argumente für ein Gartenerlebnis besonderer Art genug sein; zumindest dort, wo die notwendigen baulichen Voraussetzungen gegeben sind oder geschaffen werden können.
Im Jahr 1995 stellte dieses begrünte Garagendach nahezu die einzige ebene Fläche am Hang vor einem Wohnhaus dar. Es gab damals nur spärliches Grün in Form von Moos auf einer Kiesschüttung. Anlässlich einer Sanierung der maroden Dachdichtung stellte man auf der Basis alter Bewehrungspläne fest, dass die Tragfähigkeit der Garagendecke für eine Bodenauflage von etwa 20 cm Dicke ausreichen würde, wenn vergleichsweise leichtes Substrat Verwendung finden würde. Die marode Dachdichtung wurde dann bei der Sanierung durch eine hochwertige wurzelfeste Bahn ersetzt. Mithilfe seitlicher Aufkantungen war eine im Durchschnitt 20 cm dicke Schüttung möglich. Für ausreichend dimensionierte Sitzflächen sorgte dann ein Terrassenbelag aus Lärchenholz. Eine Kulisse aus Kleinstrauchrosen und Zwerg-Kiefern in Gemeinschaft mit Salbei, Bartiris und niedrigen Sedum-Arten wirkt Raum bildend, ohne den Blick auf die Umgebung zu hemmen. Das so entstandene Gründach mit dem exklusiven Sitzplatz bietet in unmittelbarer Wohnungsnähe Raum für erholsamen Rückzug aber auch für kleine Zusammenkünfte.
Man ist weitgehend vor fremden Blicken geschützt und wird doch Teil einer dörflichen Landschaft. Die gesamte Immobilie hat auf diese Weise mit Sicherheit einen erheblichen Wertzuwachs erhalten.
Wohnterrasse am Hang.
So präsentierte sich die Terrasse im Jahr 1998, drei Jahre nach der Pflanzung.
Nach 20 Jahren hat sich die Pflanzung dank liebevoller Pflege gut gehalten. Sowohl die Gerüst bildenden Gehölze als auch die Stauden sind fast alle erhalten.
Wenn man diesen interessanten Dachgarten betrachtet, könnte man fast Lust auf einen längeren, möglichst schmerzfreien, Krankenhausaufenthalt bekommen. In luftiger Höhe ist hier eine Grünfläche entstanden, die einer bodengebundenen Anlage in nichts nachsteht.
Im Gegenteil, sie bietet innerhalb der dichten städtischen Bebauung die Vorteile einer geringeren Lärm- und Feinstaubbelastung und Schutz vor neugierigen Blicken.
Hier wurde eine Fülle von Gestaltungsideen verwirklicht, die vor allem im Sommer den Patienten einen erholsamen Aufenthalt ermöglicht.
Die Elemente Stein, Wasser, Holz und Pflanze sind die wesentlichen Merkmale dieses Kleinodes auf rund 400 m2 Fläche. Ein Rundweg aus Holz und Pflaster führt zur Erkundung durch die üppige Vegetation aus Solitärgehölzen, Stauden und wuchtigen Gräsern. Er mündet an einem geschützten Plätzchen, das zum Ruhen oder Plauschen einlädt. Zwischen den Stauden blitzt hin und wieder der kleine Bachlauf auf, der durch seine naturnahe Bepflanzung besticht. Eine Schatten spendende Pergola lädt zum Verweilen ein und für Naschkatzen gibt es sogar einige Obstgehölze.
Die Anlage wurde im Jahr 2005 nach einem System von Optigrün mit Wasseranstau erbaut und im Jahr 2010 von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung zum „Gründach des Jahres 2010“ gekürt.
Dachgarten der Wiegmann-Klinik. Die grüne Oase in städtischer Umgebung überzeugt durch klare Formensprache und vielfältige Vegetation.
In Deutschland sind etwa 44 Mio. Pkw angemeldet. Davon können 60 % auf Stellplätzen oder Garagen abgestellt werden. Wenn davon etwa die Hälfte in Garagen untergebracht werden kann, stehen etwa 255 Mio. m2 Fläche zur Verfügung. Ein Potenzial, das bisher nur in geringem Maße genutzt wird. Der überwiegende Anteil dieser bestehenden Dächer kann für die Begrünung genutzt werden, ohne dass nennenswerte bauliche Veränderungen notwendig werden. Selbst bei Konstruktionen mit minimaler Tragfähigkeit ist es möglich, Begrünungen zu etablieren und dauerhaft zu sichern. Das gilt in gleichem Maße für Flach- und Steildächer.
Insgesamt darf man natürlich nicht erwarten, dass auf solchen Dächern Rosenbeete oder anspruchsvolle Stauden wachsen können. Bei Bodenaufträgen von wenigen Zentimetern Dicke ist nur eine Lösung mit anspruchslosen Pflanzen möglich. Anspruchslos heißt aber nicht langweilig oder gar hässlich. Wie die beiden Beispiele zeigen, sind durchaus attraktive Pflanzengemeinschaften mit hoher ästhetischer Leistungsfähigkeit erkennbar. Bei der geschlossenen Garage an der Talseite ist davon auszugehen, dass die vegetationstechnischen Bedingungen dort günstiger sind, weil Frost und Hitze das Grünsystem weniger belasten. Bei dem überdachten Stellplatz hingegen greifen Frost und Hitze von beiden Seiten ähnlich stark an.
Bei beiden Dächern kann aber von einer gelungenen attraktiven Dachbegrünung gesprochen werden.
Garagen- und Carportbegrünung am Hang.
Die meisten Parkhäuser präsentieren sich als seelenlose Skelette in Stahl oder Beton. Dass es auch anders geht, zeigt dieses Parkhaus in Südfrankreich. Man hat hier den Fußgängerzugang an die Außenseite des Gebäudes gelegt und so eine gute Trennung der Verkehrsflüsse erreicht. Die Begrünung befindet sich ausnahmslos in üppig dimensionierten Trögen entlang der Fußwege aber auch auf den Rändern des Daches, das ebenfalls als Parkfläche genutzt wird. Da die Tragfähigkeit der Decken für die Belastung mit Pkw ausgelegt ist, bereitet die großzügige Schütthöhe der Tröge keine Probleme. Die Vegetation an den Außenseiten des Gebäudes überzieht an vielen Stellen wellenartig die harten Profile aus Beton und lässt diese teilweise fast ganz verschwinden. Auf dem Deck sorgen größere Sträucher und sogar Palmen in den Trögen für einen „Hingucker“, der dem Gebäude eine gewisse Einmaligkeit mit hoher Identifikationskraft verleiht. Sicher gedeihen die Pflanzungen auf Dauer nur mit einer zusätzlichen Bewässerung. Da in der dortigen Landschaft ohnehin auch alle bodengebundenen Grünflächen bewässert werden müssen, spielt dieser Faktor nur eine geringe Rolle.
Parkhaus in Grün – Tröge machen es möglich.
Das Haus der Astronomie in Heidelberg präsentiert sich als faszinierendes Bauwerk moderner Architektur. Mit seiner spannenden Formensprache und der überzeugenden handwerklichen Ausführung kann man es sicher als Kunstwerk bezeichnen. Das Gebäude wirkt im freien Raum und verträgt keine auflösenden Strukturen, auch nicht durch dekoratives Grün im Überhang auf der Dachfläche oder an den Fassaden.
Die auf der Dachfläche etablierte niedrige Bepflanzung ordnet sich der Architektur unter und überzeugt insofern durch ihre Bescheidenheit. Trotzdem erhöht sich dadurch die Ausstrahlungskraft des Bauwerkes und lässt dieses nicht als Fremdkörper in der Landschaft erscheinen.
Gelungene Extensivbegrünung der Firma Bauder auf dem Haus der Astronomie in Heidelberg.
Ein Wirtschaftsgebäude der evangelischen Diakonissenanstalt in Augsburg war bereits im Jahr 1979 mit einem Dachgarten versehen worden. Damals hatte man sogar Großsträucher und Bäume gepflanzt, die prächtig gediehen. Im Rahmen von Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen mussten dann im Jahr 2012 das Dach erneuert und der Garten entfernt werden. Offensichtlich waren Bauherr und Architekt von der Gründachidee so überzeugt, dass sie im Rahmen der Sanierung erneut einen Dachgarten als Aufenthaltsraum für Mitarbeiter planten. So konnte auf dem Wirtschaftsgebäude eine Oase der Ruhe für die Mitarbeiter der Einrichtung entstehen.
Über eine innen liegende Treppe erreicht man das Gartenniveau aus dem Untergeschoss. Der Treppenaufgang ist mit einer gegliederten Holzkonstruktion mit Begrünung überdacht. Ein Gerätehaus ist der Treppenüberdachung zugeordnet. Dort können die für die Pflege notwendigen Geräte und Werkzeuge untergebracht werden.
Die Wegeführung nimmt die rechteckige Grundform des Gebäudes auf und gliedert die etwa 400 m2 große Fläche in verschiedene Teilbereiche mit unterschiedlichen Grünstrukturen. Über die Wege aus durchgehend grauen Granitplatten werden auch drei Sitzplätze unterschiedlicher Ausstattung erschlossen. Der auf dem Rondell mit rotem Porphyr herausgehobene Platz bietet eine großzügige Aussicht auf die Pflanzflächen. Er liegt in voller Sonne und ist mittels dichter Efeuberankung im rückwärtigen Teil mit einem Sicht- und Windschutz versehen. Auf der gegenüber liegenden Seite kann man sich auf einer etwas versteckt liegenden Bank niederlassen, wenn man etwas mehr Ruhe sucht. Der geräumige Sitzplatz unter der Pergola wird wohl der bevorzugte Aufenthaltsort bei strahlender Sommerhitze sein. Der erste Grünflaum auf den Pergolenhölzern deutet darauf hin, dass sich im Verlauf weiterer Vegetationsperioden ausreichend Schattenwurf entwickeln wird.
Bei einer Substratdicke von durchschnittlich 30 bis 40 cm gedeihen neben diversen Stauden und Rosen auch größere Gehölze, für die eine Aufhügelung des Substrates um zusätzlich etwa 30 cm geschaffen wurde.
Die Erlebnisqualität des Gartens wird sich im Zuge der Weiterentwicklung der Vegetation noch steigern. Sicher einer der Gründe, weshalb das Projekt von der FBB zum „Gründach des Jahres 2015“ gewählt wurde.
Teilansicht des FBB-Gründaches 2015 mit vielfältiger Stauden- und Gehölzpflanzung.
Das mehrgeschossige Bürogebäude begrüßt seine Besucher mit den gut gegliederten Grünelementen vor der Tiefgarage und auf dem Dach des Untergeschosses. Durch die vorgelagerten Gehölzpflanzungen wird das Dachgrün in das Gesamtbild integriert und erscheint deshalb nicht als isolierte Inselfläche, wie dies bei vielen Projekten aus technischen Gründen unvermeidlich ist. Dieses Gründach kann von drei Seiten von höher gelegenen Büros aus visuell genutzt werden. Den Mitarbeitern in höhengleichen Büros steht die Fläche auch als Aufenthaltsraum im Freien zur Verfügung. Geprägt wird die Dachfläche durch die drei wuchtigen Exemplare der Strauchkastanien. Die weich fließenden Formen dieses Gehölzes verleihen dem Grünraum durch ihre geschickte Anordnung die notwendige Spannung. Strauchrosen bringen mit ihren rosa Blüten Farbtupfer und Orientierung in die Fläche. Niedrige Stauden ergänzen die Pflanzung.
Von dem kleinen Platz mit den Stehtischen ist über schmale Plattenstege der unmittelbare Kontakt zu den Stauden und Gehölzen möglich. Das Wechselspiel von Licht und Schatten verleiht der Anlage erfrischende Lebendigkeit.
Dieses Gründach der Firma ZinCo überzeugt durch sorgfältige Pflanzenauswahl und verhilft dem Gebäude zu unverwechselbarer Identität.
Hoch über der Stadt hat sich der Hausherr auf dem Dach des mehrgeschossigen Gebäudes eine Oase der Ruhe geschaffen. Der Lärm der Straßen aus den Häuserschluchten erreicht nur gedämpft diesen hochwertigen Lebensraum im Freien. Die großzügig dimensionierte Terrasse mit einem Belag aus Holzbohlen schafft ein angenehmes Ambiente. Sie bietet reichlich Platz für den Aufenthalt bei Sommerhitze im Schatten aber auch in der milden Frühlings- oder Herbstsonne.
Der Terrasse zugeordnet baut sich im Hintergrund eine massive Pflanzung auf, die den Blick auf eine weniger schöne Nachbarschaft verstellt und gleichzeitig Schutz gegen Zugluft für die Terrassennutzer bietet. Die Aufhügelung gewährleistet den verwendeten Gehölzen ausreichend Wurzelraum und ermöglicht damit üppiges Wachstum. Im Vordergrund schafft die niedrige Pflanzung zwischen den Findlingen eine optische Erweiterung des Terrassenraumes. Ein wichtiges Element aber stellt der unverbaute Blick in die Landschaft dar. Diese wird praktisch Bestandteil des Dachgartens. Ein Kleinod von unschätzbarer Erlebnisqualität!
Die Landschaft auf das Dach geholt – ein Projekt des DDV.
Größer könnte der Kontrast zwischen profaner Nutzbebauung und Naturnähe nicht sein. Auf dem Dach einer Werkhalle entstand dieses Biotop im Rahmen einer umfangreichen intensiven Dachbegrünung. Der Blick auf das eindrucksvolle Hügelpanorama in Verbindung mit der üppigen Vegetation um den Teich rechtfertigt sicher den nicht unerheblichen Aufwand für die Herstellung der Anlage. Aber dem konsequenten Wunsch des Bauherrn nach einer naturnahen Umgebung für sich und seine Familie folgend, wurde dieses Kleinod inmitten einer Nachbarschaft aus Straßen, Hallen und Lagerflächen verwirklicht. Es bietet nicht nur erlebnisreiche Naturbeobachtung durch Wasser gebundene Tiere und Pflanzen, es beinhaltet auch eine wertvolle Ausgleichsfläche für den Verlust naturnaher Strukturen durch die Bebauung. Eine Anlage mit hervorragender Erholungsfunktion für Erwachsene und Kinder.
Bei diesem Projekt des DDV weisen nur die künstlerisch gestalteten Figuren und die Dächer der nahen Ortschaft auf die Natur aus zweiter Hand hin.
Das Dach einer Dreier-Garage mit einer Gesamtfläche von nur 50 m2 bot die Grundlage für die Gestaltung dieses Wohngartens. Das vorher nicht genutzte Garagendach war vom Wohnhaus über einige Stufen nach unten erreichbar. Jetzt führen massive Blockstufen aus Gneis auf den vorgelagerten Sitzplatz. Die relativ kleine Fläche wurde in Querrichtung geschickt durch Platten aus Maggia-Gneis optisch erweitert und bietet nun Platz für eine gemütliche Sitzgruppe. Diese wird von einer üppigen Bepflanzung aus Stauden und ausgewählten Solitärgehölzen umrahmt und bietet Schutz vor unerwünschten Einblicken. Aufgrund der Wuchshöhe der Pflanzen bleibt aber der weite Blick in die Landschaft erhalten.
Besonders geglückt erscheint die Anordnung des Hochbordes aus Naturstein und der Pergola als Begrenzung zwischen der Ebene der Beläge und der erhöhten Pflanzung. Es entsteht so ein faszinierender Raum, der Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt. Die sorgfältig ausgewählten Baustoffe für die Stelen und den Hochbord aus Maggia- Gneis, die farbigen Rundkiesel für den Pflasterstreifen und die Ranken des Blauregens erinnern an sonnige Urlaubstage im Tessin. Beim leisen Plätschern der Wasserwand über die rote Granitsäule kann man Entspannung pur genießen.
Vorher nackte Betondecke einer Garage – jetzt traumhaft schöner hochwertiger Sitzplatz. Ein Projekt des DDV.
Wer Grünflächen bauen will ist gut beraten, vorher die örtliche Situation zu erkunden. Bei bodengebundenen Anlagen sind die klimatischen Verhältnisse, der Standort, die Wasserversorgung und die Geländeneigung von besonderer Bedeutung. Wer aber Grünflächen auf einem Gebäude plant, muss sich darüber hinaus auch mit dem Bauwerk beschäftigen, das praktisch als Standort für die Grünfläche dient und die Gestaltungsmöglichkeiten wesentlich beeinflusst.
In erster Linie müssen die baulichen Kriterien der Dachkonstruktion berücksichtigt werden, weil diese unmittelbare Auswirkungen auf das Gründach bedingen. Der Gestaltungsspielraum wird insofern begrenzt.
Dachkonstruktionen unterscheiden sich vor allem bezüglich ihrer Dachneigung, dem Vorhandensein oder der Anordnung der Wärmedämmung sowie der Art der Dachdichtung und der statisch bedingten Tragfähigkeit.
Flachdächer weisen nur ein geringes Gefälle auf. Um eine sichere Entwässerung zu gewährleisten, ist nach den Flachdachrichtlinien ein Mindestgefälle von 2 % erforderlich. Normativ wird aber ein Mindestgefälle von 5 % empfohlen, vor allem, wenn mit Dichtungsmaterialien gearbeitet wird, die durch die Überlappungen an den Stößen größere Unebenheiten aufweisen und dann Pfützenbildungen verursachen. Bis zu einer Neigung von etwa 18 % (10°) spricht man von einem Flachdach, darüber wird es als Steildach bezeichnet. Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang in den Landesbauordnungen keine Festlegungen. In Ausnahmefällen können Flachdächer auch völlig ohne Gefälle auskommen, wenn die Entwässerung durch geeignete Maßnahmen anderweitig gesichert ist und die Dachdichtung besondere Anforderungen erfüllt.
Für die Begrünung sind Flachdächer in besonderem Maße geeignet, weil sie günstige Voraussetzungen für eine direkte Nutzung mit Belägen und Grünstrukturen ermöglichen und weitgehend erosionsfreie Substrataufträge ermöglichen.
Bei der Begrünung von Dächern ab 10 % Neigung ist davon auszugehen, dass die Abflussgeschwindigkeit des Niederschlagswassers und die Erosionsgefährdung zunehmen.
