DANGEROUS BEND - K. Krista - E-Book
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DANGEROUS BEND E-Book

K. Krista

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Beschreibung

Carina, alias Sabine Hoffmann, freut sich nach Jahren der Einsamkeit und freiwilliger Isolation, auf einen dreiwöchigen Urlaub in Griechenland. Kaum angekommen und gegen besseren Wissens, verliebt sie sich in den reichen Reeders Sohn, Nicos Sarikakis. Sie verbringen wunderbare Tage voller Liebe und Leidenschaft, da wird Carina von ihrer Vergangenheit eingeholt. Schafft es Carina, Nicos von ihrem Vorleben zu erzählen, in dem sicheren Wissen, ihn damit zu verlieren, vielleicht sogar in Gefahr zu bringen? Für Carina beginnt eine gefährliche und turbulente Flucht, vor Ihrer Vergangenheit. Wird Nicos an ihrer Seite und zu ihr stehen?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 371

Veröffentlichungsjahr: 2022

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K. Krista

DANGEROUS BEND

Gefährliche Kurve

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

EINS

ZWEI

DREI

VIER

FÜNF

SECHS

SIEBEN

ACHT

NEUN

ZEHN

ELF

ZWÖLF

DREIZEHN

VIERZEHN

FÜNFZEHN

SECHZEHN

SIEBZEHN

ACHTZEHN

NEUNZEHN

ZWANZIG

EINUNDZWANZIG

ZWEIUNDZWANZIG

DREIUNDZWANZIG

VIERUNDZWANZIG

FÜNFUNDZWANZIG

SECHSUNDZWANZIG

SIEBENUNDZWANZIG

ACHTUNDZWANZIG

NEUNUNDZWANZIG

DREISSIG

EINUNDDREISSIG

ZWEIUNDDREISSIG

DREIUNDDREISSIG

VIERUNDDREISSIG

FÜNFUNDDREISSIG

SECHSUNDDREISSIG

SIEBENUNDDREISSIG

ACHTUNDDREISSIG

NEUNUNDDREISSIG

VIERZIG

EINUNDVIERZIG

ZWEIUNDVIERZIG

DREIUNDVIERZIG

VIERUNDVIERZIG

FÜNFUNDVIERZIG

SECHSUNDVIERZIG

SIEBENUNDVIERZIG

ACHTUNDVIERZIG

NEUNUNDVIERZIG

FÜNFZIG

EINUNDFÜNFZIG

ZWEIUNDFÜNFZIG

DREIUNDFÜNFZIG

VIERUNDFÜNFZIG

FÜNFUNDFÜNFZIG

SECHSUNDFÜNFZIG

SIEBENUNDFÜNFZIG

ACHTUNDFÜNFZIG

NEUNUNDFÜNFZIG

SECHSZIG

Impressum neobooks

EINS

DANGEROUS BEND

Gefährliche Kurve

Ein Roman

von

K. Krista

Vergangenheit kann man nicht bewältigen,

man kann sie nur verantwortlich zu verstehen versuchen.

Richard von Weizäcker

Man muss erst einige Male sterben um

wirklich leben zu können.

Charles Bukowski

Endlich Urlaub!

Raus aus Deutschland, die Seele baumeln lassen.

Der Gedanke, mich nicht mehr verstecken zu müssen, keine Angst zu haben, dass mich jemand erkennt, zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht.

Für ein paar Tage frei sein, keine Gedanken daran verschwenden zu müssen, dass mich meine Vergangenheit doch noch einholen könnte. Wenigsten für ein paar Tage die Sorge los sein, meine Verfolger könnten plötzlich vor mir stehen und alles zerstören, was ich mir über die Jahre mühsam aufgebaut habe.

Für mich bedeutet mein kleines sorgenfreies Leben alles.

Ich habe mir ein zu Hause geschaffen, in dem ich mich sehr wohl fühle. Nur eine Zweizimmerwohnung, nicht sehr groß, aber für mich völlig ausreichend. Sie liegt nur wenige Gehminuten vom Augsburger Stadtkern entfernt, so dass ich jederzeit schnell dort bin, wo das Leben tobt, wenn ich das möchte. Ebenso günstig liegt die Wohnung an einem kleinen Fluss, der vor einigen Jahren renaturiert wurde und sich dadurch zu einem Naherholungsgebiet entwickelt hat. Je nach dem, nach was mir der Sinn steht, ob Ruhe oder Aktion, in wenigen Minuten kann ich Beides erreichen.

Und nicht zuletzt habe ich einen Arbeitsplatz gefunden, der mir sehr viel Freude bereitet und den ich durch puren Zufall, über das Arbeitsamt, man glaubt es kaum, erhalten habe.

Ich erinnere mich noch, wie ich damals vor der Beraterin saß und sie mir das Stellenangebot eines Zahntechnischen Fräszentrums über den Tisch schob und mir mitteilte, ich müsste mich auf diese Stelle bewerben. Ungläubig und leicht genervt las ich mir den Text des Angebotes durch. Gleich am Anfang des Stellenangebotes wurde darauf hingewiesen, dass eine Ausbildung in der Zahntechnik von Vorteil, aber nicht Bedingung wäre. Weiter ging es mit Kenntnissen in CAD, ein Programm für Rechnerunterstützte Konstruktion – diese war Bedingung. Ferner handelte es sich hierbei um einen Ganztagsjob, was für mich sowieso nicht in Frage kam, ich der Dame vom Amt aber nicht sagen durfte, bzw. konnte. Sie wäre niemals damit einverstanden gewesen, einen Halbtagsjob für mich zu suchen, denn nur ein solcher kam für mich in Frage.

Durch die lange Arbeitslosigkeit hatte ich festgestellt, dass ich zum Leben viel weniger Geld benötige als ich früher dachte. Jetzt musste ich mit weniger auskommen und nach anfänglichen Schwierigkeiten klappte das überraschend gut. Auf einmal war mir Zeit wesentlich wichtiger als Konsum. Doch das konnte und durfte ich der Beamtin nicht sagen, sie hätte mir sicherlich die Bezüge gekürzt.

Lächelnd sah ich von dem Schriftstück auf und teilte der Vermittlerin mit, dass ich, als gelernte Bürokraft, nicht die geringste Qualifikation für dieses Stellenangebot hätte, natürlich nur meine Meinung, fügte ich im Stillen hinzu. 

Meinen Einwand ignorierend wies sie mich lediglich lapidar darauf hin, dass ich mich auf jedes, von ihr, vorgelegte Angebot, bewerben müsste. Um Ärger zu vermeiden und meinen Anspruch auf Arbeitslosengeld nicht zu verlieren, gab ich zähneknirschend nach und schrieb noch am selben Tag eine Bewerbung auf die ausgeschriebene Stelle, konnte mir jedoch den Zusatz nicht verkneifen, dass es mir sehr unangenehm ist, mich zu bewerben, mir aber leider keine andere Wahl bleibt. Es war einfach zu Offensichtlich, dass ich so gar nicht für diese Stelle geeignet war und mir war es ausgesprochen peinlich mich auf diese Ausschreibung zu bewerben.

Wider Erwarten erhielt ich jedoch nur zwei Tage später einen Anruf der Firma, mit der Frage, ob ich denn auch an einer Halbtagstelle interessiert wäre. Für die ausgeschriebene Stelle, wäre ich nicht geeignet, - Überraschung - aber es würde eine Zahntechnische Assistentin gesucht, die umfangreich eingearbeitet und angelernt würde.

Ich konnte mein Glück kaum fassen und freue mich noch heute über diese glückliche Fügung, denn die Tätigkeit bereitet mir immer noch sehr viel Freude. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich und kreativ. Mit meinen Arbeitskollegen verstehe ich mich sehr gut, was zu einem guten Betriebsklima beiträgt und mich jeden Tag aufs Neue gern zur Arbeit gehen lässt.

Mein Leben ist nicht aufregend, Gott sei Dank, es ist ruhig und beschaulich. Die Tage gestalten sich meist vorhersehbar, genauso wie ich es mir wünsche.

Ich liebe meine kleine Wohnung, die ich über die Jahre liebevoll eingerichtet habe. Sie liegt nur einen Hauseingang von einer sehr lieben Nachbarin entfernt, in der ich eine Freundin gefunden habe, mit der ich über fast alles reden kann.

***

Geplant hatte ich meinen Urlaub schon vor Monaten und jetzt ist es endlich soweit, ich sitze im Flieger nach Griechenland. Drei Wochen reine Erholung und Entspannung liegen vor mir. Von ein paar Ausflügen abgesehen, werde ich mich nur am Stand und in der Sonne aalen.

Ich freue mich riesig.

Gut, einige Änderungen musste ich leider bei der Buchung vornehmen, denn zunächst hatte ich mir im Internet fünf kleine, gemütliche Hotels, mit maximal 40 Zimmern und Halbpension, ausgesucht. Bin in freudiger Erwartung mit den Daten zum Reisebüro marschiert und wollte eines dieser Hotels buchen. Leider hatte ich Pech, denn die kleinen Hotels haben keine Einzelzimmer und bieten auch keine Doppelzimmer zur Einzelbelegung an. Außer man bucht sehr kurzfristig und es ist zufällig noch ein Zimmer frei. In den kleineren Hotels ist es leider so, dass erst, wenn sie nicht ausgebucht sind und die Eigentümer befürchten, ein Zimmer könnte komplett leer bleiben, es zur Einzelnutzung frei gegeben wird. Das hat mich etwas geärgert, da ich jedoch frühzeitig buchen wollte, blieb mir keine Alternative und ich musste mich zwischen fünf Bettenburgen, welche die Dame im Reisebüro für mich aus dem Internet rausgesucht hat, entscheiden.

Die Wahl fiel dann auf ein Hotel mit ca. 300 Betten, bestehende aus einem Haupthaus und mehreren kleineren Häusern, in einer weitläufig angelegten Anlage. Vier Sterne, All Inklusiv und Animation versteht sich, wie das heute so üblich ist. Nun, ich muss bei dem Wahnsinn ja nicht mitmachen und nehme mir vor, mich dem Ganzen zu entziehen, groß genug ist das Gelände ja.

Mein letzter Urlaub ist über zehn Jahre her und ich genieße es, wieder einmal in einem Flugzeug zu sitzen. Für meine Freundin mache ich – „über den Wolken Bilder“ – da sie noch niemals geflogen ist und ich ihr gerne zeigen möchte, wie schön die Aussicht von hier oben ist.

Klar dass ich wieder einmal an den Tragflächen sitze.

Mein Fehler, ich mache niemals eine Sitzplatzreservierung, habe aber meist das Glück am Fenster zu sitzen, allerdings immer neben, oder hinter den Tragflächen. Egal, davon lass ich mir meine Vorfreude nicht vermiesen, ich genieße den Flug trotzdem in vollen Zügen.

Die Maschine ist um sechs Uhr morgens gestartet und ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt über die tiefblaue Farbe des Himmels über den Wolken. Die ersten Sonnenstrahlen des Morgens erleuchten den Himmel und lassen das Blau noch intensiver erstrahlen. Der Luftraum über den Wolken, erscheint so klar und rein und der Blick nach unten, direkt auf die Wolkendecke, lässt mich noch immer, wie bei meinem allerersten Flug, daran denken, dass sie wie weiche, schneeweiße Zuckerwatte aussieht, in die ich mich sehr gerne hineinfallen lassen möchte.

Der zweistündige Flug ist im Nu vorbei und wir setzen zur Landung auf dem Flughafen in Thessaloniki an. Da eine Stunde Zeitverschiebung einkalkuliert werden muss, ist es jetzt bereits neun Uhr Ortszeit und ich hoffe, dass die Gepäckausgabe nicht so viel Zeit in Anspruch nimmt, da ich noch etwa eine Stunde, mit dem Shuttle-Bus, bis zu meinem Hotel, benötige.

Das ungewohnt frühe Aufstehen macht sich schon jetzt bemerkbar. Der Flughafenzubringer hatte mich bereits um kurz nach drei Uhr, heute Morgen abgeholt. Gefühlt habe ich diese Nacht so gut wie gar nicht geschlafen.

Die milde Temperatur und der herrliche Sonnenschein entschädigen mich jedoch für den Schlafentzug, es ist einfach traumhaft und ich kann es kaum erwarten, ins Hotel zukommen, meinen Koffer ins Zimmer zu werfen, an den Strand zu laufen und meine Füße vom Meerwasser umspülen zu lassen. Doch Thessaloniki ist eine Millionenstadt und deshalb steht zu befürchten, dass der Flughafen, ähnlich wie in München oder Frankfurt, in etwa dieselben Ausmaße hat.

***

Zum Glück habe ich mir unnötige Gedanken gemacht.

Wir verlassen das Flugzeug nicht, wie an Großflughäfen üblich, über den, am Flugzeug angebrachten Schlauch, um sich dann einen ewig langen Weg zu den Koffern zu suchen, sondern über eine Treppe, welche an die Maschine heran geschoben wird. Es mag nostalgisch klingen, aber ich liebe es, über eine Treppe, das Flugzeug zu verlassen oder zu betreten. Ich kann es schlecht in Worte fassen, aber diese Art ein Flugzeug zu betreten, oder zu verlassen, setzt für mich einen deutlicheren Punkt für eine Ankunft, oder einen Abschied. Der Weg über diesen Schlauch, Neudeutsch auch „Gangway“ genannt, bildet für mich keinen wirklichen Übergang. Irgendwie wird dadurch die Ankunft, bzw. der Abflug zu einem schwammigen, nicht wirklich erlebbaren Ereignis.

Mit einem Zubringerbus werden alle Passagiere zügig, an die Gepäckausgabe gefahren. Es ist nur ein kurzer Fußweg und wie an der Anzeige zu erkennen ist, beginnt die Kofferausgabe schon in wenigen Minuten.

Zeit, mich etwas umzusehen. Werde ich beobachtet?

Sind einzelne Männer unterwegs die sich auffällig, unauffällig benehmen?

Leider bin ich, zu meiner Sicherheit, seit einigen Jahren gezwungen, bzw. ist es mir inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen, mein Umfeld sehr genau zu beobachten und ich achte deshalb auf Personen, die irgendwie nicht in die Szenerie passen.

Zu meiner Erleichterung, sehe ich hauptsächlich verliebte Pärchen und gestresste Familien. Es ist noch keine Hauptferienzeit und deshalb sind fast ausschließlich Familien mit Kleinkindern unterwegs. Mangels eigener Kinder gilt Müttern von quengelnden Kleinkindern meine ganze Bewunderung. Während die Väter tiefenentspannt bereits die ersten Gespräche mit anderen Urlaubern anknüpfen, kümmern sich die Mütter aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs.

Da ist das kleine Mädchen, das sofort etwas zu trinken braucht und sofort heißt auf der Stelle, was sie mit lautem Gekreische deutlich macht. Eigentlich ein wirklich sehr reizendes Kind, kaum zu glauben, wie durchdringend und dadurch leider sehr unangenehm ihre Stimme klingt. Gleich wenige Meter daneben kämpft eine Mutter mit ihrem kleinen Jungen, der unbedingt das Spielzeugauto haben möchte, welches er eben in der Auslage eines Souvenirladens gesehen hat.

Bitte nicht falsch verstehen, ich mag Kinder, doch bei einigen wenigen kommt mir dann doch der Gedanke, dass nur eine Mutter dieses Kind lieben kann.

Da mir keine Personen auffallen, die nicht in diese Urlaubsszenerie passen, lässt meine Anspannung merklich nach und ich nehme mein Kopftuch ab.

Endlich!

Eine wahre Befreiung.

Seit ich wieder in Bayern wohne, habe ich mir angewöhnt, ein Kopftuch, wie gläubige Muslime zu tragen. Was jedoch immer wieder zu Fragen führt, da ich weder arabisch noch türkisch aussehe. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass die wenigsten Menschen über Religion sprechen wollen und so komme ich mit der Antwort, ich wäre zum Islam konvertiert, recht gut klar. Zur Sicherheit habe ich mir einiges über den Glauben angelesen, musste jedoch noch nie Rede und Antwort stehen und mir gibt das Kopftuch ein enormes Sicherheitsgefühl. 

Das Kopftuch hilft mir, mich zu verstecken. Nur eine kleine Veränderung, jedoch sehr wirkungsvoll.

Meine Erfahrung hat gezeigt:

Männer sehen Frauen, von denen sie annehmen, sie wären gläubige Muslime, nicht so genau an und das ist alles was ich erreichen möchte.

Auf keinen Fall auffallen, oder auch nur gesehen werden.

Vor etwas mehr als zehn Jahren habe ich einige Jahre als Prostituierte gearbeitet und dabei eine klassische Kariere hingelegt. Zunächst arbeitete ich nur in den besten Clubs und verdiente mehr Geld, als ich damals ausgeben konnte – dachte ich -, doch nicht lange. Diese Arbeit ging so sehr an meine Substanz, dass ich irgendwann nicht mehr ohne Drogen oder Alkohol arbeiten konnte und damit begann der Abstieg. Der Zeitpunkt zum Ausstieg, als ich sehr viel Geld verdiente und mir etwas zur Seite legen konnte, war verpasst. Den hätte ich nur in den ersten Jahren schaffen können und da wollte ich noch nicht auf das vermeintlich, leicht, verdiente Geld verzichten.

Wie sehr man sich täuschen kann.

Obwohl ich am Ende nicht mehr in Clubs, sondern auf der Straße arbeitete, hatte ich immer noch gute Kontakte zu den „Besserverdienenden“ und immer noch viele Beziehungen in die teureren „Läden“. Dies war auch der Polizei bekannt und eines Tages trat die Kripo an mich heran und bat mich, verdeckt für sie zu arbeiten, ihnen zu helfen, einen Menschenhändlerring hochzunehmen. Sie brauchten dazu einen Insider, da es viel zu lange dauern würde, jemanden aus ihren Reihen, „Undercover“ einzuschleusen. Lange dachte ich nicht über das Angebot nach, gut es war gefährlich, aber was war die Alternative? Für den Straßenstrich wurde ich langsam zu alt und viel tiefer kann man im Grunde nicht mehr sinken. Ohne Hilfe würde ich den Absprung nicht mehr schaffen, dazu war ich bereits zu sehr im Drogen- und Alkoholkreislauf gefangen. Ohne Drogen schaffte ich die Arbeit nicht und ohne die Arbeit konnte ich mir die Drogen nicht leisten.

Mit Schaudern denke ich daran zurück, wie es war, wenn ich zu wenig verdiente, oder es mir so schlecht ging, dass ich nicht arbeiten konnte, mir dann mit Alkohol helfen musste, um den Entzug einigermaßen zu überstehen. Ich hatte mich in einen Kreislauf hinein manövriert, aus dem ich allein nicht mehr herauskam. Doch ich wollte raus aus dem Milieu und sah in dem Angebot der Kripo meine letzte Chance, ich spielte mit und ließ den Kopf der Bande hochgehen.

Viktor Sarow, ein Menschenhändler der übelsten Sorte, wurde bei dem Prozess zu einer dreizehnjährigen Haftstrafe verurteilt, zwei seiner Männer „fürs Grobe“, zu fünf und sieben Jahren.

Viktor lockte blutjunge Mädchen mit den Versprechen auf tolle Jobs aus Russland nach Deutschland, organisierte ihre Einreise und versprach ihnen gute Verdienstmöglichkeiten. Manchen erklärte er, sie könnten in Deutschland als Models arbeiten, anderen versprach er Arbeitsstellen im Haushalt. Weder das eine noch das andere haben die Mädchen bekommen. Nur mit einem behielt er Recht, verdient haben die Mädchen sicherlich gut, aber das Geld floss ausschließlich in seine Taschen. Wenn sie Glück hatten, wurde ihnen nur der Pass abgenommen und sie konnten sich nach einer Weile freikaufen.

Leider war dies jedoch nicht seine lukrativste Einnahmequelle.

Ich schaffte es damals, mich in seine Organisation einzuschleusen, bin sehr nah an ihn herangekommen und konnte herausfinden, dass Viktor noch viel schlimmere Geschäfte tätigt. Richtig Geld machte er damals mit dem Vermitteln und teilweise auch Verkauf von hauptsächlich minderjährigen Mädchen. Unter den ganz gut betuchten Freiern gibt es einige wirklich sehr widerliche Exemplare, die darauf abfahren, Mädchen und Frauen nicht nur sexuell zu missbrauchen, sondern sie regelrecht zu quälen, es bereitet den Typen Freude den Mädchen größtmöglichen Schmerz zu zufügen, unter der Hand spricht man sogar davon, dass einige dies nicht überlebten. Viktor hatte in ganz Deutschland ein Netzwerk für diese Klientel aufgebaut.

Nach meiner Aussage, als Hauptbelastungszeugin, im Prozess gegen ihn, wurde ich ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Das heißt, von heute auf morgen in eine andere Stadt ziehen, alle Kontakte, ob Familie oder Freude aufzugeben, ohne Erlaubnis, ihnen mitzuteilen, wo man sich aufhält. Man lässt das alte Leben komplett hinter sich.

Stellte ich mir anfangs viel einfacher vor als es war.

Dieses Programm dient dazu, insbesondere „Kronzeugen“, also Personen, wie mich, die maßgeblich zur Verurteilung eines Täters beitragen können, zu schützen, wenn ernsthaft befürchtet werden muss, dass die Aussage zu einer Gefährdung, für Leib und Leben, führen würde. Gerade bei organisierter Kriminalität können oft nicht alle Beteiligten verhaftet und vor Gericht gestellt werden. So ist die Gefahr für den „Kronzeugen“ sehr hoch, dass dieser durch eine Bedrohung der Handlanger des Täters, an einer Aussage gehindert wird, oder oft auch mit dem Tod bedroht wird. Je nach Gefährdungsstufe kann es nötig werden, den Zeugen nur für die Dauer des Verfahrens aus seinem persönlichen Umfeld zu entfernen und ihn in einer geheimen Wohnung unterzubringen. Kommt es dann zu einer Verurteilung, ist die Gefährdung, für die Zeit der Inhaftierung des Täters, in der Regel vorbei.

Nicht so in meinem Fall.

Insbesondere im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität, wie dies bei Viktor Sarow der Fall war und heute noch ist, zeigte es sich, dass die Rache des organisierten Verbandes, es nötig machte, mich lebenslang, in irgendeiner Form zu schützen. Dies ist nicht ungewöhnlich, kommt jedoch seltener vor als man denken könnte. Zunächst greift der Identitätsschutz, bei dem die persönlichen Daten einem sehr strengen Datenschutz unterliegen. So können zum Beispiel in Deutschland, Personenauskünfte der Meldeämter, durch einen Sperrvermerk von allgemeinen Anfragen ausgenommen, oder gänzlich gesperrt werden, je nach Gefahrenpotenzial. Ich erhielt eine dauerhafte Tarnidentität, die sich auf alle gängigen Dokumente erstreckte. Es wurde eine neue Geburtsurkunde, neue Zeugnisse, sowie ein neuer Führerschein erstellt und sogar eine komplett neue Identität, plus eine Legende über meine Vergangenheit erfunden.

Eine völlig neue Vita sozusagen.

Es besteht im Rahmen des Zeugenschutzprogramms sogar die Möglichkeit der Tarnung durch eine Todeserklärung. Soweit ist man bei mir jedoch nicht gegangen.

Diese letzte und auch sehr drastische Maßnahme wird jedoch nicht selten bei Zeugen in Mafiaprozessen angewandt. Bei einem Identitätswechsel ist es dringend erforderlich, das komplette Umfeld zu verlassen und den Kontakt zu Freunden und Verwandten abzubrechen, um die eigene, wie auch eine eventuelle Gefährdung der Nahestehenden, völlig auszuschließen.

Das Programm sieht selbstverständlich auch finanzielle und berufliche Hilfen vor, da ein Umfeld Wechsel immer mit einer neuen beruflichen Tätigkeit einhergeht, ebenso wie das Finanzieren einer neuen Wohnung, inklusive der Einrichtung und aller Kosten, die mit dem Start in ein neues Leben verbunden sind. Dabei sollte man sich aber keine gut ausgestattete, im gehobenen Preissegment liegende Zwei- oder Dreizimmerwohnung vorstellen, ein kleines Apartment trifft es schon eher. Der Gedanke, man könnte einen finanziellen Vorteil aus der Flucht in ein Zeugenschutzprogramm ziehen, klappt vielleicht im Fernsehen, die Realität sieht ganz anders aus.

Der zu Beschützende, also ich, bekommt, außer in finanzieller Hinsicht jegliche Starthilfe, muss sich jedoch verpflichten, mit der Vergangenheit komplett abzuschließen und jeglichen Kontakt zu ehemaligen Bekannten, Freunden oder Familie, rigoros abzubrechen. Falls vorhanden, werden Kinder oder Partner, in den meisten Fällen, ebenfalls ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen. In meinem Fall handelte es sich um meinen Bruder und meine Schwester samt Anhang. Diese Personengruppe, wie es im Amtsdeutsch so schön heißt, erhält eine geraume Zeit Polizeischutz, alle ins Zeugenschutzprogramm aufzunehmen, ist möglich, jedoch in meinem Fall nicht vorgesehen. Allerdings wird von mir, eine totale Kontaktsperre verlangt und da dies vor Gericht auch so kommuniziert wird, wird davon ausgegangen, dass diese Personengruppe, also meine Geschwister, dadurch geschützt werden.

Ein kleines Restrisiko bleibt dennoch, welches ich im Grunde nicht eingehen wollte. Ich machte deshalb meine Aussage vom Einverständnis meiner Geschwister abhängig. Doch die Entscheidung wurde mir abgenommen. Denn als die Kripo meine Geschwister über das Zeugenschutzprogramm aufklärte, widersprachen sie einstimmig, sie verzichteten auf jeglichen Schutz und für mich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, gegen diesen Menschen auszusagen. Mir war und ist auch heute noch nicht wohl bei der Sache, aber man kann niemanden dazu zwingen, ins Zeugenschutzprogramm zu gehen. Diesen Schutz kann man nur freiwillig annehmen. Sicher man gibt viel auf, aber im Zweifel bleibt man am Leben. Es bleibt der Polizei jedoch vorbehalten, mich jederzeit wieder aus dem Programm heraus zu nehmen, sollte ich die Kontaktsperre brechen und mich bei meinen Geschwistern melden, so würde ich sie damit nicht nur in Gefahr bringen, sondern das Programm wäre sofort beendet. Verstöße, gegen weniger schwerwiegende Verbote, wie zum Beispiel, die Anmeldung bei Facebook, mit Foto versteht sich, um nur ein Beispiel zu nennen, hätten ebenso einen Rauswurf zur Folge.

Ich habe sieben lange Jahre durchgehalten.

Anfangs war es leicht. Ich war fast ein Jahr in einer Drogenklinik auf Entzug, man hatte mich mit einer neuen Identität nach Bremen verfrachtet. Doch je weniger Drogen sich in meinem Körper befanden, umso klarer wurde mein Kopf und umso schlimmer und einengender, empfand ich mein neues Leben. Die totale Isolation. Der einzige Mensch, mit dem du ehrlich sprechen kannst und darfst, ist der Kontaktbeamte, der dir durch das Programm zugewiesen wurde.

Neue Freundschaften schließen?

Gar nicht daran zu denken.

Ich bin ein sehr ehrlicher Mensch, der schon immer Probleme damit hatte, jemanden anzulügen, das war mir immer viel zu anstrengend und umständlich. Wie beginnt man eine Freundschaft und festigt diese später, wenn man nichts von sich erzählen kann, darf? Sicher, ich hatte meine erfundene Legende, doch ganz ehrlich, wenn es nicht nur bei netten, oberflächlichen Bekanntschaften bleiben soll, dann stellt das Gegenüber doch recht schnell fest, dass man mit irgendetwas hinter dem Berg hält. Du musst ständig lügen, dir eine komplett erfundene Lebensgeschichte aus den Fingern saugen, das ist anstrengend. 

Die Vita, die du vom Zeugenschutz bekommst ist lediglich ein Gerüst aus Daten.

Wo und wann geboren.

Eltern, Geschwister, evtl. Verwandtschaft.

Wohnhaft in, Schulbildung, Ausbildung und Berufsweg.

Diese Vita mit Erlebtem auszufüllen ist deine Aufgabe.

Für mich viel zu anstrengend.

Was bleibt sind lockere Bekanntschaften, wie man sie vielleicht mit netten Arbeitskollegen unterhält. Beides nicht nach meinem Geschmack, also bleibe ich vorwiegend allein. Ich machte in Bremen eine Ausbildung zur Bürokauffrau und arbeitete nach der Ausbildung einige Jahre in diesem Beruf. Für meinen damaligen Chef war ich ein absoluter Glücksgriff, mangels sozialer Kontakte, war ich froh um jede Überstunde die an stand und immer die Erste, die sich für Mehrarbeit freiwillig meldete. Doch irgendwann ging es einfach nicht mehr, ich war am Ende meiner Kräfte und wusste nicht warum. Ich fühlte mich in Bremen so unwohl und fehl am Platz, dass dies irgendwann Auswirkungen auf meinen Körper hatte. Ich nahm immer mehr ab. Zuletzt wog ich noch 42 Kilogramm, bei einer Körpergröße von 1,68 Meter. Nach langen Untersuchungen kam meine Allgemeinärztin irgendwann auf die Idee, dass ich vielleicht Heimweh haben könnte. Sie hatte natürlich an meinem Dialekt und durch einige Gespräche erfahren, dass ich ursprünglich aus Süddeutschland komme. 

Ihre Vermutung war für mich wie ein Befreiungsschlag, eine Initialzündung. Ich wusste auf einmal genau was ich zu tun hatte, ich wollte wieder nach Hause, zurück nach Bayern. Als ich diese, mir wirklich ernsthaft durchdachte Entscheidung, den Beamten vom Zeugenschutz übermittelte, sind sie fast durchgedreht.

Lange Rede – kurzer Sinn.

Man legte mir nahe, dies nicht zu tun und da ich mich nicht an diese Anweisung gehalten hatte, flog ich aus dem Zeugenschutzprogramm. Von nun an war ich auf mich allein gestellt, trage von diesem Tag an, ein Kopftuch und gebe mich als gläubige Muslima aus.

ZWEI

Sabine lächelt, als ihr bewusst wird – sie ist nicht mehr in Deutschland. Glücklich schüttelt sie ihr langes rotblondes Haar, welches nun befreit aus dem Kopftuch, in dichten Wellen über ihren Rücken fällt.

Sie steht am Flughafen in Thessaloniki und fühlt sich seit Jahren zum ersten Mal wirklich sicher, wartet auf ihren Koffer und da ist er auch schon. Schnell ist er geschnappt und der Weg durch die Halle, auf den Parkplatz des Flughafens, ist nicht weit. Sie kann von Weitem bereits mehrere große und kleinere Busse ausmachen, die alle nur darauf warten, die ankommenden Gäste zu den jeweiligen Hotels zu bringen.

Noch im Flughafengebäude fällt ihr Blick zufällig auf einen kleinen Stand, an dem Sonnenhüte verkauft werden. Raschen Schrittes begibt sie sich dorthin und ersteht einen großen Strohhut, den sie sich sofort auf den Kopf setzt. Noch die große, dunkle Sonnenbrille aufgesetzt und schon fühlt sich Sabine ein weiteres Stück befreiter und glücklicher. Nervös lächelt sie und schüttelt den Kopf über ihr Verhalten, aber jahrelange Angst vor Entdeckung, lässt sich nicht von einer Minute auf die andere, abschütteln.

***

Endlich im Hotel angekommen.

Es ist jetzt kurz vor elf Uhr Ortszeit und langsam werde ich richtig müde und hungrig. Im Flieger etwas zu essen, schaffe ich einfach nicht, obwohl ich in der Vergangenheit relativ oft geflogen bin, habe ich noch nie etwas serviert bekommen, das mir auch nur annähernd zugesagt hätte, was sich jetzt, nach sieben Stunden, als großer Nachteil herausstellt, da mein Magen unangenehm zu knurren beginnt.

Leider ist mein Zimmer erst in zwei Stunden bezugsfertig und der Speisesaal öffnet auch erst in einer Stunde. Gut, auf Nachfrage hätte ich sicher einen kleinen Snack bekommen. Meine Ungeduld, endlich an den Strand zu kommen ist aber viel größer und noch eine Stunde zu warten, erscheint mir nicht zu viel. Schnell stelle ich meinen Koffer in einen Nebenraum der Rezeption ab und schon bin ich auf dem Weg zum Strand.

Die Hotelanlage ist ein Traum.

Was sofort ins Auge sticht, sind die gepflegten Grünanlagen der gesamten Anlage. Rechts und links des Weges, schmucke kleine Gebäude, mit vier bis maximal sechs Wohneinheiten, nur zwei Etagen, eingebettet in sattem, grünem Rasen auf dem sich hohe Palmen und Orangenbäume mit leuchtenden, gelben Früchten abwechseln. Zu beiden Seiten des, mit schönen flachen Steinen, in unterschiedlichen, aber doch harmonischen abgestimmten Farben, ausgelegten Weges, begleiten mich herrlich angelegte, bunte Blumenbeete. Der Weg vom Haupthaus bis zum Strand führt vorbei an einer Taverne, in der später das Mittagessen serviert wird, was sich aus dem Lageplan, den ich an der Rezeption erhalten habe, ergibt. Das Gebäude ist, bis auf die Rückseite, zu allen Seiten offen und bietet einen schönen Ausblick auf die Poolanlage und das Meer.

Ich freue mich schon darauf, hier später einen kleinen Imbiss zu mir zu nehmen.

Eine tolle Location, wie man heute auf Neudeutsch sagt.

Vorbei an der Poolanlage führen ein paar Stufen hinunter zum Strand. Das Wasser ist unglaublich klar, man kann jeden einzelnen Stein erkennen, obwohl es sich bei dem Strand, um einen Sandstrand handelt und dies in der Regel mit einem etwas getrübten Wasser einhergeht. Liegt wohl daran, dass der Sand aufgeschüttet wurde, denn Griechenland ist eigentlich für einen steinigen Strand bekannt. So tritt man hier auch sofort, sobald man ins Wasser läuft, auf Steine. Hätte Wasserschuhe mitnehmen sollen.

Der leichte Wind, der immer vom Meer her weht, ist etwas kühl und ich bin froh, noch meine Jeans und einen Sommerpulli zu tragen. Es ist erst Anfang Mai und die Luft braucht noch etwas mehr Zeit, um sich im Laufe des Tages zu erwärmen. Ich hatte zwar bereits etwas wärmere Temperaturen erwartet, lasse mir davon aber meine gute Laune nicht verderben, ziehe meine Schuhe aus und laufe Barfuß durch den, bereits von der Sonne leicht erwärmten, Sand. Die Schönheit des Meeres, die schon wärmende Sonne und die leicht kühle Brise wecken wieder meine Lebensgeister. Die eben noch verspürte Müdigkeit ist wie weggeblasen.

Schon nach wenigen Metern fällt mir auf, dass ich so gut wie keine Muscheln am Strand finde. Denn auch wenn ich mich sonst für einen eher untypischen Urlauber halte, freue ich mich doch, wie wohl fast alle Reisende, die sich am Meer aufhalten, auf die Suche nach schönen Muscheln. Selbst als ich bereits mehr als eine halbe Stunde den Strand entlang laufe, sehe ich, von einigen kaputt getretenen, schwarzen Miesmuscheln abgesehen, nur Steine. Zugegeben sehr schöne Steine, in allen Farben und Größen liegen diese im Sand herum, ein Steine Liebhaber kommt hier voll auf seine Kosten. Doch keine Muscheln, so sehr ich mich bei meiner Suche auch anstrenge.

Gut, das Mittelmeer ist nicht im besten Zustand, aber so gar keine Muscheln, das betrübt mich doch sehr. Ich lege schon immer viel Wert auf Umweltschutz und bemühe mich sehr, möglichst wenig Müll zu produzieren, um so einen, wenn auch kleinen Beitrag, zum Umweltschutz zu leisten. Es macht mich oft traurig und auch ärgerlich, wenn ich sehe, wie gedankenlos manche Menschen mit unserer Natur umgehen.

Die Natur braucht den Menschen nicht, wir sie schon.

Es kann doch nicht so schwer sein, zu verstehen, dass wenn wir die Natur schädigen, wir in erster Linie uns selbst schädigen. Wollen wir es tatsächlich soweit kommen lassen, wie in China, wo es kaum noch Bienen gibt?

Ist es erstrebenswert, Arbeiter in unseren Bäumen sitzen zu sehen, die von Hand die Bestäubung übernehmen? Oder wie es in Amerika praktiziert wird, dort werden ganze Bienenvölker durch das Land transportiert, um zum Beispiel Apfelbäume bestäuben zu lassen.

Gut, böse Zungen könnten jetzt sagen – dadurch entstehen neue Arbeitsplätze.

Mich ärgert so etwas ungemein. Es gab eine Zeit, da wusste man nicht so viel über die Zusammenhänge, doch heute ist jedem bekannt, oder sollte bekannt sein, wie wichtig die Natur für unser Überleben ist. Schon Albert Einstein sagte:

Erst stirbt die Biene, dann der Mensch.

Mag sich drastisch anhören, aber er hatte recht. Keine Bienen, kein Obst und Gemüse, oder wenn doch, wird es zukünftig so teuer werden, dass sich nur noch wenige Leute frische Lebensmittel leisten können.

In letzter Zeit wurde festgestellt, dass das Sperma von Männern in den Industriestaaten schlechter wird. Es wurde herausgefunden, dass eine Ursache dafür, der Verzehr von Fisch ist. Der Fisch nimmt im Laufe seines Lebens unzählige, winzig kleine Partikel Kunststoff mit dem Plankton im Meer auf, welches wir dann durch den Verzehr in uns aufnehmen, was laut wissenschaftlicher Forschung eine Verlangsamung und gleichzeitig eine Verschlechterung der Spermienqualität zur Folge hat. Eine Entwicklung, die mir sogar, auch wenn es sich jetzt böse anhört, sehr gefällt. Denn wir werfen unseren Plastikmüll ins Meer, der verkleinert sich mit den Jahren auf Mikroben Größe, wird von den Fischen aufgenommen und kommt bei uns wieder auf den Tisch. Ein Kreislauf, der eigentlich jedem zeigen sollte, wie Natur funktioniert.

Wir vernichten uns quasi selbst.

Wir sind nicht die Herren dieses Planeten, wenn wir nicht bald anfangen, wieder mit und nicht gegen die Natur zu leben, werden wir die Verlierer sein. In der Erdgeschichte hat es immer wieder Zeiten gegeben, wo die Natur fast am Ende war, ich denke da an die Ausrottung der Dinosaurier. Nach dem Kometeneinschlag waren auf Millionen von Jahren ganze Erdteile unbewohnbar.

Die Natur hat Millionen Jahre Zeit sich zu regenerieren, haben wir Menschen diese auch?

***

Endlich etwas zu Essen, ich bin am Verhungern und ich kann mich gar nicht entscheiden. 

Ich stehe an einem riesigen Büffet, das Angebot ist überwältigend und bereits die vielen verschiedenen mediterranen Gerüche sind ein Genuss für die Nase. Es werden allein vier unterschiedliche Hauptgerichte angeboten, Suppen und Nachspeisen noch nicht mit eingerechnet. Nach mehrmaligem Umrunden des üppigen Büffets entscheide ich mich für ein Ziegengulasch mit Kitharaki. Hierbei handelt es sich um griechische Nudeln, die wie Reis aussehen, im Grunde wenig Eigengeschmack haben, aber köstlich zu stark gewürzten, oder Gerichten mit sehr viel Eigengeschmack passen. Ich kenne diese Nudeln bereits von etlichen griechischen Restaurantbesuchen in Deutschland und liebe sie sehr. Das Fleisch ist einfach köstlich, es zerfällt auf der Zunge, so zart ist es und die Nudeln passen hervorragen zu dem zugegeben, sehr starken Geschmack, des Ziegenfleisches.

Obwohl ich bereits satt bin, probiere ich doch noch eine kleine Portion Fisch in Dill Soße, dazu einen kleinen Teller mit frischen Tomaten, über die ich Olivenöl mit eingelegtem Knoblauch gieße. Eine Idee, die ich mir vornehme, sofort auch zu Hause in Deutschland zu übernehmen. Nur einige geschälte Knoblauchzehen in eine Flasche mit nativen Olivenöl, fallen lassen. Ein kleiner Aufwand mit einem, außergewöhnlichem Geschmackserlebnis, hätte ich auch selbst drauf kommen können.

Nun, man kann mir viel nachsagen, aber nicht dass ich eine gute Köchin bin. Frisch gestärkt mache ich mich dann auf den Weg zur Rezeption, inzwischen sollte mein Zimmer wohl fertig sein.

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Glück gehabt.

Genau in der Mitte zwischen Haupthaus und Strand liegt das kleine Gebäude, in dem sich mein Zimmer befindet. Die Einrichtung, haut mich nicht gerade vom Hocker, aber sie ist zweckmäßig und was viel wichtiger ist, alles ist sehr sauber. Das Bad ist sehr klein aber ausreichend. Da ich in den Sommermonaten nicht bade und eine Dusche völlig ausreicht, stört mich die kleine Wanne nicht wirklich. Das Waschbecken dagegen ist fast überdimensioniert und nimmt die gesamte Breite des kleinen Badezimmers ein, Ablagefläche ist somit reichlich vorhanden. Das Wohn-/Schlafzimmer wird dominiert von einem großen Doppelbett, wie in südlichen Ländern üblich, nur mit einer Wolldecke und einem Lacken bedeckt. Die vorherrschende Farbe des Zimmers ist braun, in allen Schattierungen. Das Bett ist dunkelbraun eingerahmt, mit hellem Bezug, die Wände beige, eventuell ehemals weiß, die Vorhänge mittelbraun. An der gegenüberliegenden Wand vor dem Bett, befindet sich ein Sideboard, wer ahnt es? Dunkles Braun.

Der Fernseher auf dem Sideboard – Überraschung - silbergrau.

Ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen, selbstverständlich ebenfalls in dunkelbraun mit heller Sitzfläche, komplettieren das Zimmer – nein halt, den Kleiderschrank hätte ich fast übersehen. Die Eingangstüre zu meinem Zimmer steht noch offen und als ich die Türe schließe entdecke ich ihn. Gut groß ist er nicht, da ich das Zimmer jedoch allein bewohne ist er ausreichend.

In meiner Erinnerung gehe ich den Internetauftritt und die Bilder der Zimmer dieses Hotels durch und stelle fest, die haben so gar nichts gemein. Da ich mich jedoch im Urlaub nicht wirklich viel im Zimmer aufhalte, ist für mich das Aussehen, oder die Ausstattung, nicht wirklich wichtig.

Schmunzelnd erinnere ich mich an einen Urlaub auf den Malediven vor vielen Jahren. Damals hatte ich zwei Wochen gebucht, eine Woche davon als Segeltörn. Im Prospekt wurde unter anderem auf eine Dusche an Deck hingewiesen, die sich, wie ich später feststellte, lediglich als Wasserschlauch herausstellte. Wahrscheinlich gibt es nicht wenige, die sich bei der Reisegesellschaft darüber beschwert hätten, vielleicht sogar Geld zurück verlangten. Mir war das nicht wichtig, schon allein deshalb nicht, da wir jeden Tag an einer anderen unbewohnten Insel Halt machten und kaum zu glauben, aber auf allen Inseln waren Duschen installiert, die sogar funktionierten. Auf meine Nachfrage, wie das kommt, wurde mir erklärt, dass einige der Inseln von reichen Arabern, teilweise auf Jahre gemietet wurden und diese die Installationen haben vornehmen lassen. Nach ihrem Weggang wurden die Duschen einfach so belassen.

Als ich den Vorhang vor dem Fenster öffne, erblicke ich einen großen Balkon und freue ich mich sehr und noch mehr, als ich feststelle, dass ich, nach dem Stand der Sonne, zu urteilen, damit rechnen kann, die Abendsonne und somit eventuell schöne Sonnenuntergänge genießen zu können.

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Auspacken und in lässigere, luftigere Kleidung zu springen, ist in wenigen Minuten erledigt und ich mache mich sofort auf den Weg zu einem längeren Spaziergang. Für ein Sonnenbad am Strand erscheint es mir noch zu kühl, was aber vielleicht auch daran liegen kann, dass ich völlig übermüdet bin.

Neben eines Lageplanes der Hotelanlage, habe ich an der Rezeption auch einen Umgebungsplan erhalten, auf dem ich zwei kleinere Orte in der Nähe des Hotels ausmachen kann. Ich wähle den Ort NEA POTIDIA aus, laut Plan in vier Kilometern Entfernung, NEA MOUDANIA verschiebe ich auf einen anderen Tag, da dieser Ort in sechs Kilometern Entfernung liegt. Wahrscheinlich könnte ich den kleinen Ort auch über den Strand erreichen.

Wie mein kurzer Spaziergang vor dem Essen erkennen ließ, müsste man die gesamte Küste am Strand entlang laufen können. Mit bloßem Auge konnte ich keine Begrenzung erkennen, doch ich entscheide mich für den Weg an der Straße. Eine Entscheidung, die ich bereits nach kurzer Wegstrecke schon fast bereue.

Die Griechen haben es wohl nicht so mit Fußwegen.

Es ist zwar neben der Straße einer vorhanden, jedoch so sehr bewachsen, dass ich immer wieder auf die, stark befahrene Straße, ausweichen muss. Einen gemütlichen Spaziergang stellt man sich anders vor. Ich will schon wieder umkehren, als ich ein paar Meter vor mir eine Straße sehe, die, wie es scheint, parallel neben dieser stark befahrenen verläuft, auf der ich mich befinde. Ich biege in diese Straße ein und komme nach Kurzem in ein kleines Wohngebiet. Ich befinde mich auf einer breiten Straße an der sich, in großen Abständen, rechts und links auffallend große Häuser aufreihen. Den großzügig angelegten Grundstücken und den darauf erbauten Häusern nach zu urteilen, wohnen hier eher die betuchteren Griechen. Jedes einzelne Grundstück ist eingezäunt, oft liegt vor den Häusern ein Hund, das einzige Anzeichen, dass hier überhaupt jemand wohnt. Denn weder auf den Anwesen, noch an den Gebäuden sind irgendwelche Bewegungen auszumachen. Die Häuser sind alle samt weit zurückgesetzt und über angelegte, oft sogar geteerte Auffahrten zu erreichen. Sie sind meist zweistöckig und wirklich großflächig gebaut. Alle Häuser verfügen über großzügig angelegte Terrassen, sowie mehrere Balkone.

Mir kommt der Gedanke, dass es sich hierbei vielleicht um Ferienhäuser handeln könnte, aber dann sollte man doch wenigsten ab und zu einen Menschen sehen? 

Ich sehe absolut niemanden.

Die Straße verläuft tatsächlich eine Weile parallel zur stark befahrenen Verkehrsstraße und mir begegnet auf dem gesamten Weg, den ich seit mindestens einer Stunde entlang schlendere, lediglich ein Pärchen auf dem Fahrrad, dem Aussehen nach sicherlich auch Touristen.

Während meines Spaziergangs genieße ich die Ruhe, die fremden Gerüche des Landes und den Wildwuchs der mir unbekannten Pflanzen, an und vor den Grundstücken.

Die Straße endet an einer breiten T-Kreuzung direkt am Wasser und auf der gegenüberliegenden Seite erkenne ich den Ort NEA PODITIA. Mir bleiben nur zwei Möglichkeiten, entweder Rechts oder Links, wenn ich nicht zurücklaufen möchte. Ich entscheide mich für den Weg auf der rechten Seite und komme nach ein paar Minuten an einem kleinen Hafen heraus.

Ich liebe Häfen.

Die Mischung der Gerüche von Salzwasser, Tang und Fisch, versetzen mich sofort in Urlaubsstimmung. Ich suche mir einen bequemen Stein, zünde mir genüsslich eine Zigarette an und genieße den Blick über das Meer, beobachte die Männer auf ihren kleinen Fischerbooten, wie sie geschäftig ihre Schiffe be-, oder entladen. Die Sonne strahlt von einem blauen, nahezu wolkenlosen Himmel und lässt die Wellen des Meeres wie kleine Diamanten glitzern. Ich bin an einem kleinen Nebenarm des eigentlichen Hafens gelandet, der Hauptteil befindet sich auf der mir gegenüberliegenden Seite und mir wird klar, dass ich, möchte ich mir die Schiffe näher ansehen, den ganzen Weg zurück laufen muss, um irgendwie auf die andere Uferseite zu kommen. Das Meer dringt hier weit ins Landesinnere ein und teilt das kleine Ende des Hafens, an dem ich mich befinde vom Rest ab. Wie sich nach einem kurzen Rundgang zeigt, bin ich wohl an der Werft des Hafens gelandet, denn hier liegen nur reparaturbedürftige Schiffe, teils an Land, teils noch im Wasser. An der T-Kreuzung hatte ich das vor mir liegende Wasser für einen Fluss gehalten. Irgendwo muss es da doch eine Brücke geben? Entschlossen, noch nicht aufzugeben, laufe ich die Strecke bis zur Kreuzung, zurück und folge der Straße eine Weile, bis ich tatsächlich zu einer Brücke komme. Der Aufstieg sieht nicht sehr Vertrauens erweckend aus, die Stufen sind sehr steil, teilweise mit allem möglichen Unkraut bewachsen und stellenweise sehr rostig, doch die Alternative wäre umzukehren und den gesamten Weg bis zur Verkehrsstraße zurück zu laufen, denn diese Brücke ist die Weiterführung der stark befahrenen Straße, die ich zu Beginn meines Spazierganges verlassen hatte und sie führt direkt nach NEA PODITIA hinein. Zurück zugehen ist natürlich keine Option und so wage ich mich an den Aufstieg. Gott sei Dank ist ein Geländer angebracht, an dem ich mich mehr hochziehe und anklammere, als mich daran festzuhalten.

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Endlich geschafft.

Ich stehe auf der Straße und gleich nach dem Überqueren der Brücke beginnt auch schon der Ort. Ein sehr hübsches, kleines Städtchen. Fast alle Häuser nur einstöckig, vorwiegend weiß gestrichen, mit roten Ziegeldächer. Nur vereinzelt sehe ich mehrstöckige Gebäude und bei näherer Betrachtung, ist zu erkennen, dass es sich hierbei um Ferienwohnungen handelt.

Die Stille des Ortes ist auffallend.

Gut es ist früher Nachmittag, eventuell Siesta Zeit, wahrscheinlicher ist aber, dass um diese Jahreszeit einfach noch nicht so sehr viele Touristen hier sind. Es befinden sich nur sehr wenige Menschen auf der Straße und der Ortskern ist fast ausgestorben. Das höchste Gebäude im Ort ist eine Basilika, das erinnert mich doch sehr an Bayern, kein noch so kleines Dorf, ohne eine Kirche im Zentrum. Da ich von meinem langen Spaziergang langsam müde werde, setze ich mich auf eine Bank vor die Kirche. Sie ist wirklich schön anzusehen, so ganz anders, als unsere Gotteshäuser. Schon die Form ist völlig anders. Während unsere Kirchen meist lang gezogen, eher rechteckig gebaut sind, ist diese Basilika rund. Die vorherrschenden Farben sind, Weiß, Rot und Gold. Weiße Ziegel, rot eingefasst und Rundbögen wohin das Auge sieht. In Mitten der großen Rundbögen, deren Hintergrund meist in roter Farbe gestrichen sind, befinden sich direkt in die Wand eingelassen, weitere kleinere Rundbögen, in denen, mir unbekannte Heiligenbilder aufgemalt sind. Der Hintergrund der Malereien ist fast ausschließlich in Gold gehalten. Ob echtes Gold, entzieht sich meiner Kenntnis, halte es aber durchaus für möglich. Da ich mich nicht sehr für Kirchen begeistere, betrete ich sie nicht, halte mich nur eine Zigarettenlänge davor auf und wandere dann weiter, um mir noch den Hafen anzusehen, den ich bereits von der anderen Seite aus gesehen habe.

Es ist nur ein kleines Stück bis zum Hafen, dort angekommen, setze ich mich in ein Café und lasse mir dann bei einer Tasse Kaffee doch etwas länger Zeit, denn ich habe noch einen weiten Weg zurück und langsam macht es sich bemerkbar, dass ich diese Nacht nur drei Stunden Schlaf hatte.

DREI

Jetzt geht es mir besser.

Zurück im Hotel habe ich mir eine Dusche gegönnt und fühle mich wie neu geboren. Vom Mittagessen noch gesättigt lasse ich das Abendessen ausfallen und begebe mich an die Bar am Pool. Rund um den Pool sind etliche kleine Tische mit jeweils vier Stühlen aufgestellt und man hat von hier aus einen beeindruckenden Blick aufs Meer.

Es beginnt bereits zu dämmern und über dem Meer lässt die langsam untergehende Sonne das Meer noch ein letztes Mal in den unterschiedlichsten Rottönen aufleuchten. Da die meisten Urlauber noch beim Abendessen sitzen, finde ich schnell einen freien Platz und mache es mir mit einem Glas Bier gemütlich, als zwei Männer an meinen Tisch treten, von denen einer mich anspricht.

>>Würdest du nicht rauchen, würden wir uns zu dir setzen.<<

>>Nun<<, erwidere ich freundlich lächelnd.

>>Man muss auch mal Glück haben!<<

Ich kann förmlich sehen, wie es ihm die Sprache verschlägt, der Typ ist sichtlich verärgert über meine Antwort, während sein Begleiter sich belustigt wegdreht, mir zu zwinkert und seinem Freund folgt, als dieser sich wortlos umdreht und wütend davon stapft. Klar, dies war nicht die freundlichste Erwiderung, aber mal ganz ehrlich, was war das denn für eine Anmache? Außerdem ist das Letzte was ich hier suche – Anschluss.

Ich möchte nur meine Ruhe haben und ich fand meine Erwiderung eigentlich sogar recht witzig.

Die sahen Beide ziemlich gut aus, kann mir gut vorstellen, dass sie es nicht gewöhnt sind, eine Abfuhr zu erhalten.

Na ja, irgendwann ist immer das erste Mal.

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Das war eine gepfefferte Abfuhr, schmunzelt Nikos Sarikakis, der Inhaber der Hotelanlage, am Nebentisch und sieht sich die Frau interessiert näher an. Auf den ersten Blick ist ihm gar nicht aufgefallen, wie schön sie ist. Was wohl an den straff nach hinten gebunden Haaren liegen mag. Jetzt, als er die Frau näher betrachtet, fallen ihm ihre außergewöhnlich hohen Wangenknochen, die vollen Lippen und ihre zwar nicht gerade kleine, aber sehr schön geformte Nase auf. Einzeln betrachtet sind die Teile ihres Gesichtes eher etwas zu groß und zu markant, aber im Zusammenspiel ergeben sie ein sehr harmonisches Bild, welches er, wie er zugeben muss, als schön empfindet.

Als hätte die Frau gespürt, dass sie beobachtet wird, dreht sich die Schöne zu ihm um und lächelt ihn an. Gerne hätte er das Lächeln erwidert, doch als er nun ihre Augen sieht, die von dunklen, langen Wimpern eingerahmt, in einem leuchtenden Smaragdgrün erstrahlen, ist er für eine Sekunde einfach nur baff und bevor er die richtigen Worte finden kann, dreht sie sich schon wieder weg.

Noch niemals hat er eine solche Augenfarbe gesehen.

Ihre langen, dichten Wimpern rahmen die leicht schräg stehenden, großen Augen ein und lassen das leuchtende Grün noch intensiver erscheinen. Erst jetzt fällt ihm auf, wie schön ihre rotblonden Haare im hellen Licht der beleuchteten Poollandschaft schimmern. Versonnen, lächelnd erhebt er sich und tritt an die Bar, um sich ein neues Getränk geben zu lassen. Es amüsiert ihn, wie sehr er bei dieser Frau ins Schwärmen gerät, vor allem weil es schon sehr lange her ist, dass ihn überhaupt eine Frau interessiert hat.

Seit vor drei Jahren seine Frau Maria bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist, hat er weder an eine andere Frau gedacht, noch eine angesehen. Nikos vergräbt sich seit diesem Vorfall, in seine Arbeit und vermeidet, wenn irgend möglich, den Kontakt zu anderen Menschen. Er isoliert sich immer mehr von der Welt, was zu seinem Bedauern, viel zu oft, zu heftigen Auseinandersetzungen mit seiner Schwester Eleanna führt.