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In diesen 'Betrachtungen eines heimatlichen Gebietes' finden Sie die schönsten Arbeiten von Berthold Conradi zum Aartal von der Quelle bis zur Mündung, versehen mit vielen informativen Texten zur Historie und der geschichtlichen Entwicklung des Aartales von der Römerzeit bis zur Gegenwart.
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Seitenzahl: 99
Veröffentlichungsjahr: 2020
Vorwort
Der Lauf des Aartales
Verlauf des Limes im Untertaunuskreis
Die Geschichte der römischen Grenzanlagen
Grenzanlagen am Kastell Zugmantel
Das Kastell
Die Aarquelle
Der Name Aar
Frühgeschichtliche Straßen
Hessenstraße
Rintstraße (Alte-Kemel-Limburger-Straße)
Gerichts- und Grundherrschaften
Wälder an der Aar
Kaiser Karl der Große und das untere Tal der Aar
Fischerei
Weinbau an der Aar
Weinbaubesitz des Adels
Bergbau im Aartal
Mühlen im Aartal
Frühe Darstellungen des Aartales
Neuhof
Wehen
Hahn
Bleidenstadt
Born
Bad Schwalbach
Die Langenschwalbacher Bahn
Nikolaus August Otto
Adolfseck
Adolfseck in römischer Zeit
Lindschied
Am Felsentor
Breithardt
Hohenstein
Holzhausen über Aar
Laufenselden
Michelbach / Nassau
Reckenroth
Eisighofen
Michelbacher Hütte
Der Neuenhausener Hof
Kettenbach
Hausen über Aar
Rückershausen
Schiesheim
Mudershausen
Zollhaus
Kleinbahn
Hohlenfels
Burgschwalbach
Hahnstätten
Die Wasserburg
Oberneisen
Niederneisen
Flacht
Holzheim
Aardeck
Diez an der Lahn
Schloß Oranienstein
Index | Das Aartal von der Quelle bis zur Mündung in Zeichnungen
Index | Literatur
Der Naturpark Rhein-Taunus wird im Westen durch den Rhein, im Osten durch die Aar, im Norden von der Lahn, im Süden von der Wisper und das Rheingau-Gebirge gebildet.
Über den Rhein und die Lahn gibt es zahlreiche Literatur, doch über das Aartal noch relativ wenige Darstellungen und Aufzeichnungen, die von der Quelle bis zur Mündung die einzelnen Anliegerorte beinhalten. Im Mittelalter bildete das westlich angrenzende Gebiet des Einrichs, die Niedergrafschaft der Grafen von Katzenelnbogen, eines Gaues nach Karl dem Grossen, der einen Teil des Mittelrheins umfasst. In diesem Gebiet bin ich geboren und habe mich daher ganz besonders dem Aartal angenommen, das seine Quelle nahe Taunusstein nördlich von Wiesbaden und die Mündung in die Lahn bei Diez gefunden hat.
Das mit etwa 65 Kilometer Länge gebildete Aartal liegt heute in zwei Bundesländern, Hessen und Rheinland Pfalz, innerhalb von zwei Landkreisen. Zeichnerische Fähigkeiten zeigten sich schon in meiner frühen Jugend und der Schulzeit, weshalb ich später den Beruf eines Architekten wählte. Auch auf meinen Reisen und in der freien Zeit widmete ich mich Bauwerken und Landschaften.
Ich kenne viele Sehenswürdigkeiten der Anliegergemeinden des Aartals und brachte diese zu Papier, um diesen sehen und erkennen zu können in ihrer Vielgestalt. Es haben manche Völker wie Kelten, Römer und Franken, in jenem Raum gewirkt und durch ihre Tätigkeiten in der Landwirtschaft, dem Weinbau, der Waldwirtschaft, dem Mühlen- und Hüttenwesen die Umwelt geprägt, wovon viele bedeutende Relikte noch heute zeugen.
Vor einiger Zeit ist glücklicherweise die ehemalige Strecke der Aartalbahn als Baudenkmal festgeschrieben und daher erhalten. Aus diesem Grunde wäre es gut, wenn sie wieder dem öffentlichen Nahverkehr im Interesse aller Anlieger dienen könnte. Inzwischen ist auch der Aartal-Wanderweg im Aufbau begriffen. Er sollte künftig die Gelegenheit bieten, im Aartal dessen Schönheiten erleben zu können.
Ich wünsche Ihnen allzeit viel Freude bei der Lektüre dieses Buches!
Berthold Conradi, im Dezember 2019
In einer Urkunde des Jahres 812 wurde der Name „Ardaha“ erstmals erwähnt, später auch Arda oder Arde, heute Aar genannt. Anfänglich führt der Lauf des kleinen Baches, dem sich später zahlreiche Nebenbäche anschliessen, seine geringe Wassermenge in nordsüdlicher Richtung um Neuhof in einer Biegung nach Südwesten über Wehen, Hahn und Bleienstadt. Bei Wehen münden der SILBERBACH, der von der Platte kommende SCHARZBACH sowie die aus Richtung Orlen kommende „KLEINE AAR“ ein.
Der WINGSBACH und der KERZEBACH folgen zu Hahn. Weiter westlich tritt der aus Born kommende HERBACH hinzu. Wie die Straße und die Bahn muss sich auch die Aar durch das enge, aber reizvolle Tal winden. Bei Bad Schwalbach, westlich angrenzt, schliessen sich der BUSENGBACH und der MÜNZBACH an, der sich mit dem RIEDELBACH und dem HEIMBACH vorher vereinigte.
Im Mittelalter umfloß die Aar die Burg und den Freiflecken Adolfseck, benannt nach König Adolf von Nassau, und fand einige Meter tiefer zu dem eigenen Bett. An dem ausgegangenen Ort Ressfeld und dem römischen Kastell vorbei kommen nördlich der Frankenberger Mühle zwei kleine Bäche, der POHLBACH und der KOHLBACH, hinzu.
Der Breithardter Bach mündet nördlich der Stützelmühle. Unter der Burg Hohenstein vorbei nach mehreren scharfen Biegungen gesellen sich nahe dem ehemaligen Haltepunkt Laufenselden der Aartalbahn der bei Kemel entspringende LOHNERBACH sowie der kleine HIRSCHBACH hinzu. In diesem Gebiet trafen sich in fränkischer Zeit der Einrichgau und der Rheingau mit dem Königssondergau.
Weiter nördlich kommt aus einem bewaldeten Seitental aus Richtung Eisighofen der KIMBACH. Bei Michelbach folgt der früher offene FESTERBACH (Michelbach) und aus dem Scheidertal nahe der Michelbacher Hütte der AUBACH (Srinzerbach), der den LIBBACH, LIMBACH und DAISBACH zu seinen Zuflüssen zählt.
Überläufe der MATTENBACH (Mineralquelle bei Bonscheuer) und der ehemalige Erzstollen speisen als STOLLENBACH die Aar bei Rückershausen, wo sich das Tal zusehends verbreitert und das fruchtbare „Land über der Aar“ beginnt. Bei Zollhaus fliessen nahe beim ehemaligen Hammerwerk der PALMBACH (auch Schwalbach genannt) und der SCHLIEMBACH aus entgegengesetzten Richtungen zur Aar.
Aus Südwesten kommend folgen bei Hahnstätten der HOHLENFELSBACH und der MERSCHELBACH der Aar nach Norden. Bei Oberneisen treten der KALTENBACH aus Netzbach, der aus Lohrheim herkommende WELLSBACH, der MÜHLBACH aus Heringen und bei Niederneisen der HASELBACH hinzu. Als Nebenbäche sind noch der HOHLBACH und der LOHRBACH von Bedeutung, die bei Flacht die Aar treffen.
Für ihren gesamten Lauf bis zur Mündung in die Lahn unterhalb Diez bei 100 N.N. benötigt die Aar etwa einen halben Tag (12 Stunden).
Die gesamte Länge des Bachlaufes beträgt circa 60 Kilometer. Mit seinen umgebenden bergigen Landschaften, Orten und Einzelbauwerken ist das Aartal von romantischem Reiz und soll daher in diesem Werk im einzelnen näher erläutert und dargestellt werden.
Das Einzugsgebiet der Aar Maßstab ca. 1:200
Über 150 Jahre bildete der Limes die Grenze zwischen dem damaligen römischen Weltreich und Germanien. Er durchzog das heutige Deutschland vom Mittelrhein am Rand des Neuwieder Beckens bis zur Donau, westlich von Kelheim und auf ganzer Länge auch den ehemaligen Untertaunuskreis. Noch heute findet man in Westdeutschland Spuren dieses gewaltigen Bauwerkes, dessen Reste vor allem um 1900 ausgegraben wurden, so auch im Untertaunuskreis, besonders in der Umgebung von Orlen (Kastell Zugmantel).
Ein markierter Rundweg (Eulenweg) führt den Besucher durch das historische Gelände des ehemaligen Kastells und gibt einige Hinweise auf Einzelheiten der früheren Anlagen.
Wiederaufb au des Wachtturmes bei Orlen
Durch den Chattenkrieg des Kaisers Domitian, 83 bis 86 n. Chr., wird das Gebiet zwischen Rhein und Main bis einschliesslich der Taunuskämme dem römischen Reich eingegliedert. Die Grenze wird zunächst geschützt durch eine Reihe von Wachttürmen, die den militärischen Rückhalt in zurückliegenden Kastellen haben.
Nur bei wichtigen Pässen werden kleine Kastelle angelegt, etwa bei der Saalburg oder am Zugmantel. 121/22 n. Chr. wird eine friedliche Entwicklung eingeleitet, die Grenze mit durchlaufenden Palisaden befestigt, an der in Abständen von circa 15 bis 20 Kilometern Kastelle liegen. Der Verteidigungswert ist nicht groß, sie ist mehr oder weniger eine Zollgrenze. Im 3. Jahrhundert beginnen Germaneneinfälle, so daß nun der Palisadenzaun des Limes durch einen dahinterliegenden tiefen Spitzgraben und Erdwall verstärkt wird.
Nachdem bereits 233 n. Chr. einige Kastelle durch Alemanneneinfälle stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, wird die Grenze endgültig im Jahre 259/60 n. Chr. von den Alemannen überrannt.
Bereits im vorgenannten Chattenkrieg wurde zum Schutz des Taunuspasses an der vorgeschichtlichen Hühnerstraße ein kleines Kastell angelegt. 121/22 n. Chr. wurde es vergrößert, die Besatzung war ein Numerus Treverorum (etwa 200 Soldaten). Unter Kaiser Caracalla wurde es 213 n. Chr. zu seiner endgültigen Gestalt erweitert, die Besatzung zu einer ranghöheren Kohorte (500 Soldaten) der Cohors II Treverorum erhoben.
Das Kastell diente im 18. Jahrhundert als Steinbruch beim Bau der Hühnerstraße, wodurch die schlechte Erhaltung bedingt ist.
Südöstlich des Kastells dehnte sich eine zivile Niederlassung aus, die an der Ostseite des Kastells eine dreieckige Platzanlage hatte. Bei den Häusern handelte es sich um lange, rechteckige Fachwerkbauten, circa 20 Meter lang und 6 Meter breit, mit Steinkellern.
Die Wasserversorgung des Kastells und der zivilen Niederlassung wurde durch eine Reihe Brunnen gewährleistet; auch die Aarquellen wurden ausgenutzt.
Der Limes im Westerwald und Taunus. Eine Übersicht.
Innerhalb der Strecke des Limes zwischen der Aar und der Saalburg befand sich nahe der heutigen Bundesstraße 417 um 345 Meter südlich des Pfahlgrabens in römischer Zeit eine Garnison, die in vier verschiedenen, aufeinander folgenden Kastellen untergebracht war. Die wesentliche Aufgabe des Kartells bestand in der Kontrolle und dem Schutz des Talkessels von „AQUAE MATTIACORUM“ der heutigen Stadt Wiesbaden.
Als Kastellanlage weist diese örtliche Besonderheiten auf, die nicht mit dem üblichen Schema römischer Kastelle übereinstimmen. Als Besatzung ist ein berittener Numerus aus dem Trevererstamm überliefert, der unter Caracalla zur Kohorte erweitert wurde. Die jüngere Steinanlage behielt den allen Kastellen gemeinsame Ausrichtung nach Südosten bei, wurde jedoch nochmals erweitert. Sie besaß vier ungleiche Tore, von denen das Haupttor mit doppeltbreiter Durchfahrt zur Aarquelle orientiert war. Eine hinter einem breiten Graben errichtete Wehrmauer ist noch heute im Gelände als Erdwall sichtbar.
Bedeutend für das Kastell war die bekannte Zivilsiedlung, die sich in zwei großen Gruppen auf der Ost- und Südseite des Kastells ausdehnten mit dem von Soldaten und der Zivilbevölkerung genutzten Bad östlich dem Haupttor des Kastells nahe bei der Aarquelle.
Unweit des Kastells befand sich eine kleine Arena, die über einen Rundweg noch erreichbar ist, in dem verschiedene zur Unterhaltung der Soldaten und der Bevölkerung dienende Veranstaltungen wie Tierhetzen und Schaukämpfe stattfanden. Eine zweite Arena lag etwas weiter nördlich an der Ostseite, wo man danach wieder auf den sichtbaren Limes trifft. Als die Alemannen und Franken um 260 n. Chr. die Römer auf die Grenzen von Rhein und Donau zurückdrängten, war das Ende der Wehranlage gekommen, die in den späteren Jahrhunderten nur als Steinbruch diente.
Die ersten Grabungen im Bereich des Römischen Kastells Zugmantel wurden durch den Historischen Verein für Nassau in den Jahren 1853 und 1856 begonnen. Zunächst wurde eine Rundschanze untersucht. Nach der preußischen Besetzung des Landes führte die neugebildete „Reichslimeskommission“ in den Jahren 1894 und 1895 weitere Untersuchungen am Kastell, den Wohnkellern und der Aarquelle durch.
Der Wachtturm vom Zugmantel
Plan des Kastells Zugmantel und seiner Umgebung (nach D. Baatz)
Römische Ölleuchte, heute in der Saalburg
Die Aar entspringt oberhalb Neuhof nahe dem ehemaligen römischen Kastell „Zugmantel“ bei Orlen unweit der Hühnerstraße in einem Wald.
Für die Errichtung dieses Kastells war die Quelle den Römern von besonderer Bedeutung in Verbindung mit ihrer Höhenlage bei 460 Meter über dem Meeresspiegel.
Nahe der Quelle lag das Badehaus östlich vom Kastell und wurde sowohl von den Soldaten als auch von der Zivilbevölkerung besucht. Dort, wo sich heute noch ein Erdwall abzeichnet, befand sich hinter einem breiten Graben die Wehrmauer. Das zur Aarquelle hin ausgerichtete östliche Hoftor war durch eine doppelte Durchfahrt gekennzeichnet.
Verfallen ist heute auch das Mauerwerk der ursprünglichen Quellfassung und die Quelle selbst an dieser Stelle versiegt. Nunmehr nimmt das Wasser einen unterirdischen Weg bis zum Tal, wo es in einer Wiese wieder an die Oberfläche tritt und in südlicher Richtung weiterfließt.
Der Ausdruck „Aar“ für Flussnamen kommt in verschiedenen Abwandlungen von Westfalen bis nach Süddeutschland und der Schweiz vor. Die Bezeichnung als Aa, Ane Arde, Ahr ist uralt und gilt für fliessendes Wasser oder Bach.
Lateinisch: Aqua, Gotisch: Ahwa sind Bestandteile für viele Bach- und Ortsnamen. Nördlich von Herborn mündet eine kleinere Aar, die einen See bei Bischoffen im Kreis Biedenkopf bildet und ihren Ursprung bei Frankenbach im nördlichen Kreis Giessen hat. Ihre Länge beträgt nur etwa die Hälfte unseres Einzugsgebietes.
Die Aare in der Schweiz entspringt dem Bieler See und fliesst über Aarau bis zu ihrer Mündung in einem Stausee bei Waldshut in den Rhein.
An der Quelle
