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Bis 1717 diente das alte Schloss von Birkenfeld (Nahe) verschiedenen Adelsfamilien als Residenz, nicht zuletzt einer Nebenlinie der Wittelsbacher, die hier die Linie Pfalz-Birkenfeld begründeten - aus welcher schließlich das bayerische Königshaus hervorging. Heinrich Rodewald zeichnet die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner kenntnisreich und detailliert nach und lässt eine vergangene Epoche so wieder lebendig werden.
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Seitenzahl: 228
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Heinrich Rodewalds Schrift »Das Birkenfelder Schloß« (auf dem Umschlag: »Schloß Birckenfeld«) erschien 1927 im Verlag Hugo Enke (Birkenfeld/Nahe). In manch einem Haushalt in Birkenfeld und Umgebung mag ein Exemplar des Buches wohl noch vorhanden sein, und gelegentlich ist es auch antiquarisch erhältlich, doch ist es ansonsten nicht leicht zugänglich. Dem soll mit dieser Neuausgabe Abhilfe geschaffen werden, welche zugleich den Auftakt bildet zu einer auf mehrere Bände angelegten Werkausgabe, welche dann einmal den größten Teil des Rodewaldschen Werkes enthalten wird.
Die Anmerkungen, welche im Original als Endnoten erscheinen, sind der besseren Übersichtlichkeit wegen als Fußnoten gesetzt. Die Zahlen am Rand des Textes verweisen auf die Seitenzahlen des Originaldrucks.
Aus dem Jahr 1935 stammende Korrekturen Rodewalds zu drei Anmerkungen sind an entsprechender Stelle eingearbeitet.
Orthographie und Interpunktion des Erstdrucks wurden beibehalten, lediglich offensichtliche Druckfehler wurden stillschweigend korrigiert. Lateinische und französische Stücke sind im Erstdruck in der Regel in Antiqua gesetzt. Allerdings geschah dies keineswegs konsequent. Daher wurde darauf verzichtet, den Antiquasatz des Originals hier (etwa durch Kursivschnitt) kenntlich zu machen.
Auch die Illustrationen des Erstdruckes sind hier wiedergegeben, wenngleich an anderer Stelle und teilweise in anderer Reihenfolge als dort. Da schon die Vorlagen zum Teil nicht sonderlich gut sind, lässt die Reproduktion der Illustrationen leider ein wenig zu wünschen übrig. Lediglich für den Merian-Stich von Birkenfeld konnte ein Original als Vorlage genutzt werden.
Die Texterfassung erfolgte zum größten Teil über ein Texterkennungsprogramm. Dabei kann es nicht ausbleiben, dass sich der ein oder andere Fehler eingeschlichen hat, zumal das Originaldruckbild zeitbedingt nicht das beste ist. Hinweise auf Druckfehler werden dankbar entgegengenommen.
Übach-Palenberg, im Januar 2016
Christian Justen
Karl von Birkenfeld. (1584–1600.)
Sis sapiens et sis patiens dicendo silendo:
Qui sapit et patitur, denique victor erit.
(Vom Fürsten eigenhändig auf den Deckel
seines Haushaltungsbuches geschrieben.)
Georg Wilhelm von Birkenfeld. (1616–1669.)
Il n’y a que seule vertu qui rend un homme noble.
(Eigenhändige Eintragung des Fürsten in das Stammbuch der Pfalzgräfin Magdalena Katharina, der Gemahlin seines Bruders Christian, aus dem Jahre 1619.)
Christian ii. von Bischweiler-Birkenfeld
(1671–1717, auf Birkenfeld 1705–1717.)
Und gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte, denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Psalm 143, Vers 2.
In mannigfacher Erweiterung und mit einem reichen Anmerkungsmaterial versehen, erscheint hier in Buchform der von mir am 10. Juli 1926 auf der Jahresversammlung des Birkenfelder Geschichtsvereins in Niederbrombach gehaltene Vortrag über das Schloß Birkenfeld. Durch glückliche Archivfunde wurde es möglich, das längst vom Erdboden verschwundene Schloß im Geiste wieder aufzubauen und ein ziemlich lückenloses und anschauliches Bild dieser bisher nur wenig bekannten Zeit zu geben, da Birkenfeld fürstliche Residenz war. Bisher unbenutzte Akten des Geheimen Hausarchives, des Geheimen Staatsarchives und des Hauptstaatsarchives in München gaben in der Hauptsache den Stoff, einiges entstammt den Staatsarchiven in Koblenz, Hannover und Karlsruhe. Viel freundliches Entgegenkommen und viel Förderung meiner Arbeit wurde mir an allen diesen Archiven zuteil. Es ist mir ein Bedürfnis, den betreffenden Herren dafür meinen besten Dank auszusprechen. Ebenso danke ich allen, welche mir bei der oft schwierigen Feststellung der biographischen Daten behilflich waren, und dem Birkenfelder Geschichtsverein, welcher in entgegenkommender Weise die Drucklegung des Buches unterstützte. Ich widme dasselbe dem Andenken meiner Frau (gestorben 28. August 1926), meiner treuen Begleiterin auf vielen Archivreisen, die den Vortrag noch mit angehört hat.
Irmenach, am Tage der Pfingsten 1927.
| In sehr ansprechenderWeise hat Emil Frommel in seiner Familienchronik das Leben und Treiben auf Schloß Birkenfeld zur badischen Zeit beschrieben. Hier hatte sein Großvater, der Landbaumeister Frommel, mit seiner Familie im friedlichen Verein mit dem herrschaftlichen Forstmeister, der ebenfalls auf dem Schlosse wohnte, schöne Jahre verlebt. Hier war am 29. April 1789 sein Vater geboren, der sich später als Maler und Kupferstecher in seiner badischen Heimat eines guten Rufes erfreute. Der Herr Landbaumeister trieb neben seinem Berufe noch Ackerbau und Viehzucht und hatte viele Knechte und Mägde im Hause, um des vielen Viehes willen, das aufgezogen wurde. »Die Kinder hattens gut dabei, denn sie brauchten sich nicht zu genieren wie die Stadtkinder, wenn sie noch ein dick gestrichenes Butterbrot haben oder eine Schüssel süße Milch über den Durst trinken wollten, denn sie hatten alles im Ueberfluß. Das war denn eine fröhliche Zeit für die Kinder des Herrn Landbaumeisters da droben auf dem Schloß. Denn ein Kind muß, wie die Pflanze, Luft und Licht haben, wenn’s gedeihen soll, sonst lernt’s nichts. Aber da war viel zu sehen und zu studieren. Vom Wartturm herunter sah man das ganze schöne Hunsrücker Land und drüber die Sonne auf- und untergehen. Unter der großen Linde im Schloßhof saßen abends die Knechte und Mägde und sangen, und an Markttagen kamen Besuche von auswärts. Da ging’s im Schloßhofe hoch her. Auf dem Wartturm gab’s bei den Dohlennestern Naturgeschichte zu studieren, und der Schäfer wußte allerhand Sachen, die man nicht weiß, und hörte die Gräslein wachsen; und in der Kirche mit den gotisch gemalten Fenstern und den alten Grabsteinen der Herren von Birkenfeld gab’s immer was Neues.« Vor dem 1795 ausbrechenden Kriege flüchtete die Familie zeitweilig nach Koblenz, um bei der Rückkehr das Schloß von österreichischen Kriegsvölkern besetzt zu finden. »Alle Morgen wurde im Hofe von einem Mann mit goldenem Rocke Messe gelesen und das Kriegsvolk kniete dabei nieder; des Mittags war türkische Musik während der Mahlzeit, und des Abends tranken die Soldaten und spielten mit Würfeln.« In den nun folgenden Kriegsjahren wurde Frommel infolge der vielen Einquartierungen und Requisitionen allmählich ein armer Mann, der es schließlich freudig | begrüßte, als ihm 1799 in Karlsruhe eine andere Stelle angeboten wurde. Das Birkenfelder Land war inzwischen bereits in französische Verwaltung übergegangen. Am 7. April 1798 war die feierliche Einsetzung der Munizipalverwaltung des Kantons Birkenfeld erfolgt.1 Schloß und Schloßgut wurden gegen Ende des 18. Jahrhunderts als französisches Nationaleigentum versteigert. Die Gebäude auf dem Schloßberge verfielen allmählich und wurden abgetragen. Von Archivrat Eltester haben wir eine Beschreibung der Trümmer aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts.2 Heute sind es noch weniger. So hat Birkenfeld das Schicksal so manches anderen deutschen Fürstensitzes im Westen geteilt. Die neue Zeit schritt pietätlos über die Stätten alter Herrlichkeit hinweg und ließ es geschehen, daß sie sang- und klanglos vom Erdboden verschwanden. Ein Gefühl des Bedauerns darüber beschleicht wohl den Geschichtsfreund von heute. Mit dem Birkenfelder Schloß war manches Jahrzehnt hindurch die Geschichte des hintersponheimischen Landes auf das innigste verknüpft und viel Gutes ist für seine Bewohner gerade von dort ausgegangen. Ist es recht, daß das alles so langsam der Vergessenheit anheimfällt, und daß, während die Steine auf dem Burgberge weiter zerbröckeln, die Erinnerung an das, was hier einst war, weiter schwindet? Vielleicht hat sich hinter den Mauern dieses prächtigen alten Herrschersitzes doch so manches abgespielt, was wert ist, für die Heimatgeschichte erhalten zu bleiben. Möglicherweise lohnte es sich, gerade hier alte Zeiten wieder aufleben zu lassen und in die dürftigen Ruinen neues Leben zu bringen.
Zwar der Phantasie dürfte man da nicht nachgehen, sondern müßte auf guter geschichtlicher Grundlage aufbauen. Ist Derartiges möglich? Ein glücklicher Zufall kommt uns zu Hilfe. Während die Mauern und Gemächer des alten Schlosses gewinnsüchtig und gedankenlos niedergerissen wurden, blieb über das einstige Schloßinnere und über das Leben und Treiben auf Birkenfeld mancherlei Schriftliches erhalten. So ist es möglich geworden, in den folgenden Ausführungen etwas über Schloß Birkenfeld zusammenzustellen. Es wurde sogar kühnlich der Versuch gemacht, wenigstens teilweise die Gebäude auf Birkenfeld zu rekonstruieren, wobei sich allerdings aus Mangel an Anschauung nicht alle Fragen restlos lösen ließen. Wohl gibt es zur Veranschaulichung mehrere zeitgenössische Bilder von Burg Birkenfeld aus verschiedenen Jahren und Jahrhunderten, aber ein Plan und Grundriß der Burggebäude ist bis heute nicht ans Tageslicht gekommen und auch wohl nie vorhanden gewesen.
Nur das neue Schloß Birkenfeld während der Zeit, als es Fürstenresidenz war (1584–1717), wird uns beschäftigen. Von der alten Burg gibt es schließlich ja auch nicht viel zu | berichten. Ueber das Jahr ihrer Entstehung schwebt ein noch nicht ganz gelichtetes und auch wohl überhaupt nicht völlig zu lichtendes Dunkel. Die frühere, auf Trithem als Urquelle zurückgehende Anschauung,3 welche in der alten Burg die von dem Trierer Bischof Balduin spätestens 1328 begonnene und später der Gräfin Loretta von Sponheim abgetretene trierische Zwingburg erblickte, hat neuerdings wieder in Baldes einen entschiedenen Verteidiger und Anwalt gefunden.4 Auffällig ist es jedenfalls, daß in den sponheimischen Erbverträgen des 13. Jahrhunderts die Burg Birkenfeld fehlt. In der Urkunde über die Erbteilung von 1265 werden die Burgen Spanheim, Dylle, Starkenburg und Ellenbach (Allenbach) genannt, Birkenfeld nicht.5 Dabei sind die für ein sehr hohes Alter der Burg hervorgebrachten Beweise sehr dürftig und wenig durchschlagend. Aber andererseits gibt es eine von Weidenbach zuerst angeführte,6 leider in ihrer Quelle nicht genau bezeichnete Urkunde aus dem Jahre 1321, nach der Graf Heinrich von Sponheim-Starkenburg seinem Bruder Panthaleon – es war ein natürlicher Sohn des Grafen Johann ii. von Sponheim-Starkenburg – eine Jahresrente von 200 Pfund Heller aus den Gütern der Burg Birkenfeld nach dem Tode ihres Vaters zu geben versprach, weil er auf seine künftige väterliche und mütterliche Erbschaft an Lehen und Allodien verzichtet habe. Dieser Panthaleon war Kanoniker in Straßburg und Pfarrer in Nördlingen.7 Baldes gibt zu, daß mit dieser Urkunde zu rechnen sei, aber seine Vermutung, daß in ihr vielleicht an Stelle von castrum Birkenfeld (Burg Birkenfeld) ein anderes Wort – etwa villa Birkenfeld (Ort Birkenfeld) – stehe, scheint mir, um das Nichtbestehen einer sponheimischen Burg Birkenfeld in dieser Frühzeit aufrecht zu erhalten, doch etwas gezwungen und wenig einleuchtend zu sein. In dem Sühnevertrage zwischen Loretta und Balduin gibt letzterer doch ausdrücklich seinen Bau der Gräfin in ihre Gewalt, »dat sie damit du alle iren Willen und den breche; behalten uns, daz uf dem Hus is,« was doch wohl nicht anders zu verstehen ist, als daß die Trierische Zwingburg von der Gräfin geschleift werden solle, das Inventar des Hauses aber Trier verbleiben dürfe. Im Jahre 1338 schlossen Johann iii. von Sponheim-Starkenburg und seine Frau Mathilde mit dem Erzstift Trier einen Vertrag, um eine endgiltige territoriale Regelung zwischen ihren Ländern herbeizuführen, da der Starkenburger Vertrag von 1328 immerhin später als ein mit List erzwungener für ungiltig erklärt werden konnte. In diesem freien Vertrage bekennen die beiden, daß die Grafen von Sponheim seit alters von Trier zu Lehen trügen u. a. die Hälfte der Starkenburg mit Zubehör,8 die Burg Birkenfeld mit der Herrschaft und den Bännen von Birkenfeld und Brombach. In demselben geben sie ferner etliche Allodien, wieWinter|burg, das halbe Schloß und Tal Dill, Trarbach mit Zubehör, die Dörfer Eckweiler und Bubach im Brombacher Bann jetzt dem Erzstifte zu Lehen auf. Das läßt doch auch unzweifelhaft auf ein längeres Vorhandensein einer sponheimischen Burg Birkenfeld schließen, wenngleich ihr Erbauungsjahr bei weitem nicht so weit zurückzusetzen ist, als man gewöhnlich anzunehmen pflegte. Die Stelle dieser Burg Birkenfeld scheint früher die Burg Allenbach vertreten zu haben, welche in dem schon erwähnten Erbteilungsvertrag von 1265 zum ersten Male urkundlich erscheint. Sie war der militärische Stützpunkt der Sponheimer in den dortigen Gegenden, bis später Birkenfeld diese Rolle übernahm.
Burg Birckenfeldt 1585
Johann iii. Gemahlin Mathilde9 war eine Tochter Rudolph i. von Oberbayern-Rheinpfalz und der Mechtilde, des Königs Adolph von Nassau Tochter. Der jungen Pfalzgräfin bestimmte die Gräfin Loretta durch Schreiben vom 28. Juni 1330 die Burg Birkenfeld mit einer jährlichen Rente von 750 guten Hellern zum lebenslänglichen Witwensitz. Dieses ist die erste gesicherte Urkunde, in welcher unsere Burg vorkommt. Die eheliche Verbindung fand am 20. September 1331 statt.10
Johann hatte schon vorher die Regierung seiner Grafschaft übernommen, beide Ehegatten aber wandten ihre volle Aufmerksamkeit dem weiteren Ausbau der Burg und der wirtschaftlichen Hebung des am Fuße des Burgberges gelegenen Dorfes Birkenfeld zu. Mathilde war eine Nichte des deutschen Kaisers Ludwig von Bayern, und dieser erteilte im Jahre 1332 seiner Muhme (Base) Mechthilde – so hieß sie auch wohl nach ihrer Mutter – und ihrem Gatten die Erlaubnis, den Flecken Birkenfeld mit Mauer und Graben zu bauen, auch verlieh er ihm Stadtrechte. – 1349 wurde Emich von Reichenbach Johanns Burgmann auf Birkenfeld für 6 Pfund jährlich und mit 60 Pfund ablösbar. Zu einem Wittum der Mathilde auf Birkenfeld ist es nie gekommen, denn sie starb lange vor ihrem Gemahl am 25. November 1357. Später sollte die Burg noch einmal Wittumssitz für eine sponheimische Gräfin werden. Es war die Gemahlin Johann iv. von Sponheim-Starkenburg, doch wurde das wieder geändert. Das Wittum der Gräfin Elisabeth, einer Tochter Walrams von Sponheim-Kreuznach, wurde auf Burg und Amt Dill verlegt.11 Birkenfeld fristete als bescheidene Amtmannsburg ihr Dasein weiter in der Stille. 1436 wird im »Sloß Birkenfeld« Hans Erhard Bock von Staufenberg als Amtmann genannt,12 welcher später Oberamtmann zu Trarbach wurde, wo er 1441 als auf der Grevenburg wohnend erscheint. Ebenso änderte sich wenig auf Birkenfeld, als 1437 die Sponheimer im Mannstamme ausgestorben waren und die Grafschaft eine Gemeinsherrschaft geworden war. Nur zweimal ist sie vor|übergehend der Sitz einer fürstlichen Familie gewesen. Friedrich ii. von Pfalz-Simmern, der Sohn des Herzogs Johann ii. von Simmern und späterer Kurfürst von der Pfalz, weilte mit seiner Gemahlin Maria von Brandenburg-Kulmbach auf ihr, als den Ehegatten am 20. Juni 1540 ihr fünftes Kind geboren wurde. Es war jene vom Schicksal später so hart geprüfte Pfalzgräfin Elisabeth, welche als Gemahlin des Herzogs Johann Friedrich ii. des Mittleren von Sachsen-Gotha die lebenslängliche Gefangenschaft dieses vom Kaiser wegen der Grumbachschen Händel geächteten Fürsten teilte und bei demselben in der Gefangenschaft in Wienerisch-Neustadt am 8. Februar 1594 starb.13
Und dann hat sein Bruder Georg vor seiner Uebersiedelung nach Simmern, wo er im Februar 1559 die Herrschaft übernahm, längere Zeit auf Birkenfeld gewohnt. Leider sind die Nachrichten über diesen auch wohl Georg von Birkenfeld genannten Fürsten überaus spärlich und dürftig, so daß die genauen Jahre seines dortigen Aufenthaltes nicht angegeben werden können. Schon in seinem achten Lebensjahre war er durch das willfärtige Entgegenkommen des Kardinals Albrecht von Brandenburg im Genusse einer Domherrenpfründe in Mainz. Andere Pfründen in Bamberg, Köln und Straßburg folgten im Jahre 1532. Anfang 1538 war er mit seinem jüngeren Bruder Reichard zur Ausbildung auf der katholischen Hochschule in Löwen. Ueberraschender Weise verzichtete er 1539 auf alle seine Pfründen, weil er für den evangelischen Glauben gewonnen war, dem er von Herzen zugetan blieb. Es ist nicht bekannt, durch welche Beeinflussung er dazu gekommen ist. Die Annahme, daß er sich 1540 mit der Schwester des hessischen Landgrafen Philipp vermählt habe und dadurch in die evangelische Bewegung hineingezogen sei, ist nicht zutrefend und wohl eine Verwechslung. Weil mit einem Aussterben der Pfälzer Kurlinie damals noch nicht mit Sicherheit gerechnet werden konnte, Georg als zweitgeborener Sohn für eine Nachfolge im Herzogtum Simmern aber nicht in Frage kam, hatte er sich unstandesgemäß mit einer Elisabeth Heyger oder Heier verheiratet, welche unter dem Namen Elisabeth von Rosenfeld geadelt wurde. Wir wissen nicht, wann das geschah, und woher diese Frau stammte, die ein findiger Romanschriftsteller vielleicht flugs zu einem Birkenfelder Bürgerkinde machen würde. Im Oktober 1537 war sein älterer Bruder Friedrich mit der evangelischen Maria von Brandenburg-Kulmbach in die Ehe getreten, welche ihren Mann frühzeitig mit Luthers Lehre bekannt machte und für den lutherischen Glauben gewann. Es kann ja immerhin sein, daß Georg von dieser jungen, von ganzem Herzen dem neuen Glauben zugetanen Frau nachhaltige Eindrücke empfing, welche ihn bestimm|ten, sich ebenfalls der neuen Lehre zuzuwenden. Jedenfalls hielt er sich in Birkenfeld einen eigenen evangelischen Prediger, den er unter dem Drucke des Augsburger Interims von 1548 entlassen mußte. Nach dem Augsburger Religionsfrieden aber machte auch er von seinem Rechte, den evangelischen Glauben zu pflegen, Gebrauch und in den Jahren 1556 und 1557 begegnet uns Johann Dürrer als sein Hofprediger auf Birkenfeld. Er ist der erste urkundlich mit Namen bezeichnete Birkenfelder Hofprediger. Georg soll dann unter dem spanischen Könige Philipp Kriegsdienste getan haben; leider wird nicht gesagt, in welchen Landen und während welcher Jahre das geschah. Erst als er Herzog von Simmern geworden war, verheiratete er sich am 14. August 1559 mit Elisabeth, der Tochter des Landgrafen Wilhelm des Aelteren von Hessen und Witwe des Pfalzgrafen Ludwig ii. von Zweibrücken, so daß er der Stiefvater des Herzogs Wolfgang wurde. Er übertrug ihr 1560 Schloß und Amt Bolanden als Wittum, aber die bei ihrer Verheiratung schon 57jährige Frau starb bereits am 5. Januar 1563 in Lauingen im Fürstentum Neuburg, wo sie auch begraben liegt. Die scheinbar nicht glückliche Ehe blieb kinderlos. Aus seiner morganatischen Ehe, die um 1540 geschlossen sein kann, weshalb sich auch die Verwechslung erklärt, zumal beide Frauen Elisabeth hießen, sind zwei Söhne Adam und Georg hervorgegangen, beide wohl auf Birkenfeld geboren, für die er im Jahre 1566 in Simmern ein Testament aufsetzte, in welchem er sie bedachte. Er erlangte sogar in Wien für sie ein vom 21. Dezember 1566 datiertes kaiserliches Adelsdiplom, durch welches sie zum rittermäßigen Reichsadelsstande unter dem Namen der Herren von Ravensburg erhoben wurden. Sie wider die väterlichen Bestimmungen zu Erben des Landes erheben zu können, ist ihm nicht geglückt. So webt sich schon um die Mauern der alten Burg Birkenfeld ein Stück Romantik, dessen Einzelheiten sich leider nicht mehr ergründen lassen. – Georg von Birkenfeld starb am 17. Mai 1569 in Simmern und wurde daselbst, wie es heißt, bei seinem Vater begraben. Aber kein Denkmal, keine Inschrift erinnert an ihn. So gibt der rätselhafte Mann uns noch in seinem Tode ein Rätsel auf.13a
Pfalzgraf Karl von Birkenfeld
Eine grundlegende Aenderung trat erst mit dem Jahre 1584 in Birkenfeld ein, als nach dem Testament seines Vaters Wolfgang von Zweibrücken der 24jährige Herzog Karl die Regierung in der pfälzischen Hälfte der hinteren Grafschaft antrat und zu seinem ständigen Wohnsitz die Burg Birkenfeld bestimmte. Am 24. August 1584 übernahm er förmlich die Regierung. Bald darauf hat er sich mit der Herzogin Dorothea von Braunschweig-Lüneburg, der damals erst 15jährigen Tochter des Herzogs Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, dessen | Gemahlin eine Tochter des Königs Christian ii. von Dänemark war, verlobt.14 Die Heiratsnotul ist datiert vom 12. Mai 1585.15 Die Hochzeit fand in aller Stille in schwarzen Gewändern wegen eines Trauerfalles in der Familie der Braut16 Mitte Februar in Celle statt.17 Am 24. März 1586 hielt das junge Paar mit feierlichem Gepränge seinen Einzug auf Burg Birkenfeld. Johann Casimir von der Pfalz, der Lieblingssohn Friedrich des Frommen, sowie Karls Bruder, der Herzog Johann i. von Zweibrücken, geleiteten den Festzug von Lautern aus. Karls Mutter, Anna von Hessen, und die Gemahlin Johann Casimirs, welche eine Tochter des Kurfürsten August von Sachsen war, an dessen Dresdener Hofe Karl einen Teil seiner Jugend zugebracht hatte, empfingen die Neuvermählten in Birkenfeld. Es war seit Menschengedenken dort das erste große Fest und die Untertanen mögen den glanzvollen höfischen Prunk, der sich vor ihren staunenden Augen entfaltete, gebührend bewundert haben. Denn Karl war festlich mit 64 Pferden, darunter 18 aus eigenem Marstalle, begleitet von seinem Hofmeister Hans Magnus von Wolframsdorf, dem späteren Birkenfelder Amtmann,18 und verschiedenen Adligen in Celle eingeritten, und die Aufmachung wird noch prächtiger gewesen sein, als er, von seinen Verwandten begleitet, sein junges Weib in ihre neue Heimat einführte.
An den fürstlichen Glanz der Höfe von Dresden und Heidelberg gewöhnt, mußte Karl die Burg Birkenfeld bald zu enge werden, und ein Ausbau oder Erweiterungsbau stellte sich immer mehr als notwendig heraus. Von der alten Burg haben wir noch eine gewisse Vorstellung aus einer Federzeichnung, die als Schmuck einer kurtrierischen Urkunde betrefs die mit Sponheim strittige Pfaffenstraße im Hochwald eingefügt ist. Sie entstammt dem Jahre 1585.19 Ein zweites Bild der Burg findet sich bei Merian in seiner 1645 in Frankfurt herausgekommenen Topographia Palatinatus Rheni. Es stellt das inzwischen zum stolzen Residenzschloß ausgebaute Burggebäude mit seinen Nebengebäuden dar. Leider läßt sich über die Art und Zeit dieses Ausbaues nichts Genaues mehr feststellen. Da die Baurechnungen nicht mehr vorhanden sind, wissen wir über die Baujahre nichts Bestimmtes. Anfang 1590 ging Karl mit seiner Gemahlin nach Onolzbach (Ansbach) und blieb dort bis Ende 1594. Er führte hier seinem Schwager, dem Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg, so »schweren Leibs gewesen«, die Regierungsgeschäfte. Seine Gemahlin Sophia war eine Schwester der Dorothea von Birkenfeld. Am 31. Dezember 1594 hat nun der Herzog Karl von Birkenfeld aus einen Brief an seinen Schwager Ernst von Braunschweig-Lüneburg geschrieben. Die mit dem badischen Mitgemeinsherrn Eduard Fortunat schon seit einer
Birkenfeld nach dem Stich von Meißner
Birkenfeld nach dem Stich von Merian
Reihe von Jahren geführten Verhandlungen | über den Austausch von zwei Aemtern zwischen Pfalz und Baden standen damals nahe vor ihrem Abschluß. Am 1. Januar 1595 wurde zwischen den beiden Fürsten der Vertrag von Castellaun unterzeichnet, kraft dessen Eduard Fortunat das Amt Castellaun und Karl das Amt Birkenfeld mit Allenbach zunächst auf 20 Jahre in seinen Einkünften allein zu genießen haben sollten.20 Der Vertrag sollte darnach weiter bestehen, wenn er nicht von einer Seite gekündigt würde. Auf das Amt Castellaun aber war einst Karls Frau Dorothea bewittumt worden. Darin mußte jetzt eine Aenderung eintreten. Karl schlug vor, seiner Frau Schloß und Amt Birkenfeld als Wittumssitz anzuweisen, »weil Haus und Amt zur fürstlichen Unterhaltung besser zugerichtet und mit allerhand Notturft etwas reicher begabt sei.« Im weiteren Verlaufe des Briefes21 heißt es dann noch: »Er bitte um consens der angeregten permutation. Wenn später einer seiner Söhne sich auch in der Grafschaft aufhalten werde und es nicht tunlich sein wollte, bei der Mutter in einer Burg und Schloß zu verharren, so seien im Amt Trorbach dafür noch genug gemeine (gemeinschaftliche) oder eigene Häuser, darin sie ihre gute Gelegenheit haben könnten.« Das Birkenfelder Schloß befand sich also damals in einem besseren Zustande und war geräumiger als das Schloß zu Castellaun, woraus man dann wohl den Schluß ziehen darf, daß der Umbau auf Birkenfeld zu jener Zeit beendet war. Und wenn er im Jahre 1591 sich genötigt sah, eine Anleihe von 5000 Gulden aufzunehmen, so mag das ebenfalls mit der Erweiterung und Verschönerung seines Residenzschlosses zusammenhängen. Der Neubau würde dann in der Hauptsache in die Jahre seines Aufenthaltes in Ansbach zu setzen sein. Aus dem Briefe geht dann aber ferner auch noch hervor, daß man 1595 noch nichts von einem besonderen Hause wußte, das später tatsächlich die Pfalzgräfin Witwe Dorothea bewohnt hat, das zu ihren Lebzeiten das Wittumshaus, später das Frauenzimmer(haus) genannt wurde. So erstreckt sich der Bau der einzelnen Häuser auf Birkenfeld auf weite Zeiträume, der Pfalzgraf Karl aber steht unter den Bauherren unzweifelhaft in der vordersten Reihe. Der vielseitig gebildete Mann hatte auch für die Kunst ein offenes Auge. Das hatte er in Dresden und Heidelberg bekommen, aber auch an dem nicht weit entfernten Hofe seines Vormundes, des Pfalzgrafen Reichard von Simmern, herrschte reges künstlerisches Leben. Als Karl 1586 seinen Einzug in Birkenfeld hielt, lebte und schafte in Simmern noch der Bildhauer Johann von Trarbach, den am 15. November 1586 eine tückische Krankheit, wohl die Pest, erst 56jährig aus vollem Schaffen herausriß.22 Erst seit einigen Jahren stand in der Gruftkapelle der Stephanskirche in Simmern das gewaltige Grabmal für den Herzog Reichard aufgerichtet, das er für sich und seine erste Gemahlin Juliana | von Wied hatte anfertigen lassen. Zwar nur der Entwurf und ganze Aufbau, sowie die Figur des fürstlichen Paares stammten von dem Meister Trarbach, während die meisten, so überaus feinen Reliefs sein damaliger Geselle, der spätere Meister Hans Ruprecht Hoffmann angefertigt hatte. Kürzlich fertig geworden war das schöne, leider jetzt nur in trauriger Verstümmelung noch vorhandene, imposante Denkmal für die 2. Gemahlin des Herzogs, Emilie von Württemberg, das auch noch auf Trarbach zurückgeht, und schon hatte letzterer einen neuen Auftrag angenommen für ein Grabdenkmal des Rheingrafen Johann Christoph von Salm und seiner Familie, das dann nach seinem Tode in seiner Werkstatt ausgeführt wurde und nun in der Kirche von St. Johannisberg sich befindet. Auf Trarbach gehen wahrscheinlich auch allerlei bildhauerische Arbeiten im Residenzschlosse zu Simmern zurück, das leider schon 1689 der Zerstörungswut der Franzosen zum Opfer fiel. Das alles hat Karl bei seinen Besuchen in Simmern gesehen und verfolgt. Doch ebenso hat er in Zweibrücken das neue Residenzschloß gesehen, den sogenannten »neuen Bau am Wasser«, den sich sein Bruder Johann in den 80er Jahren des 16. Jahrhunderts hatte aufführen lassen und der durch den geräumigen Bibliothekssaal damals eine besondere Merkwürdigkeit bildete.23 So hatte er die verschiedensten Vorbilder, und es spielte auch wohl etwas Eitelkeit mit, hinter den Standesgenossen in der Pracht der fürstlichen Behausung nicht zurückzustehen. Zwar seine Einkünfte waren sehr geringe, doch hatte ihm seine Gemahlin ein Heiratsgut von 12 000 Talern zugebracht. Sein Bruder Johann war an den Bau seines Schlosses trotz großer Verschuldung herangegangen und hatte es schließlich verstanden, einen großen Teil seiner Schulden auf die Landstände abzuwälzen. Derartig hat Karl doch nicht gewirtschaftet. Er hat zwar auch Schulden hinterlassen,24 dieselben rührten aber wohl teilweise von Darlehen her, die er dem leichtsinnigen Markgrafen Eduard Fortunat von Baden zuwandte, für die er aber das Geld selbst hatte anleihen müssen. Dafür waren ihm u. a. der badische Anteil der Cröver Reichsgefälle verpfändet worden. Karl tat das, damit der Markgraf sich nicht an katholische Stellen wendete und ihnen dadurch Ansprüche in der Grafschaft einräumte. Wie stark sich Karl durch den Schloßbau belastete, ist nicht mehr festzustellen. Er war zweistöckig, und da man sich damals in der Zeit der Hochrenaissance befand, so ist dieser Baustil für den Karlsbau auf Birkenfeld jedenfalls auch in Anspruch zu nehmen. Scharf und deutlich hebt sich auf der Merianschen Zeichnung der Neubau durch seine überragende Höhe von den Gebäulichkeiten der alten Burg ab, an die er angebaut war. Aber wir wüßten von seinem inneren Aussehen nichts mehr, wenn sich nicht durch einen glücklichen Zufall allerlei Akten darüber aus den Jahren | 1641 und 1717 erhalten hätten, die uns über die Räume der alten Burg und des neuen Schlosses, sowie über die sonstigen Gebäude auf Birkenfeld sehr wertvolle Aufschlüsse geben. In dem Notariatsprotokoll,25 welches bald nach dem Tode des Herzogs Christian ii. das ganze Inventar des Schlosses genau registriert, werden wir durch alle Zimmer desselben hindurchgeführt. Bei den 1641 auf Birkenfeld stattfindenden Hochzeitsfeierlichkeiten Georg Wilhelms werden die vornehmsten Hochzeitsgäste im Schloß untergebracht und ihre Verteilung auf die verschiedenen, zu »Gastkammern« hergerichteten Zimmer liegt noch vor.26 Natürlich wurden dazu nicht sämtliche Räumlichkeiten in Anspruch genommen. Manche Zimmer hatten 1717 auch eine andere Bestimmung erhalten. Es ist ferner möglich, sogar sehr wahrscheinlich, daß in einem Zeitraum von 76 Jahren im Innern des Schlosses manches verändert und umgebaut wurde. Aber so viel geht aus einer sorgfältigen Vergleichung aller noch vorhandenen Notizen doch klar hervor, daß der zweistöckige Neubau des Herzogs Karl im Oberstock acht verschiedene große Räume enthielt, während der Unterstock zum großen Teil von dem großen Rittersaal mit einem Vorgemach und einem Zimmer daneben eingenommen wurde, wozu sich dann noch zwei herrschaftliche Räume gesellten. Während dieser Rittersaal nur bei festlichen Gelegenheiten benutzt wurde, befand sich im Oberstock die »gewöhnliche Tafelstube«, in der an zwei Tafeln gespeist wurde und in der auch die notarielle Versiegelung des Testamentes Georg Wilhelms stattfand.27 Hier setzte sich der Fürst mit seiner Familie und seinen Hofbeamten zu Tische, während der Wachtmeister, welcher die sehr bescheidene Besatzung des Schlosses befehligte, am Nebentische aß.28 Nach Vollendung des Neubaues hat sich Karl ständig mit den Seinen auf Birkenfeld aufgehalten, aber nur sechs Jahre konnte er sich seines schönen Wohnsitzes freuen, denn schon am 16. Dezember 1600 ist er gestorben. Die böse Trinkleidenschaft seiner Zeit, von der auch er sich nicht frei zu halten verstand, untergrub vorzeitig die Gesundheit des reichbegabten Fürsten. Doch in diesen sechs Jahren ist es sicher oft hoch hergegangen auf Birkenfeld. In dem großen Festsaal des Unterstockes, dessen Wände später bekleidet waren mit acht auf Leinen gemalten Tapezerien, auf denen die acht Schlösser der hinteren Grafschaft dargestellt waren,29
