Das Böse - Axel Bergstedt - E-Book

Das Böse E-Book

Axel Bergstedt

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Beschreibung

Was ist das Böse? Und was das Gute? Wir sind in der heutigen Zeit wieder zunehmend dem Bösen ausgesetzt, dabei sind viele Menschen so verunsichert, dass sie gar nicht mehr richtig wissen, was gut und was böse ist. Nach dem Verlust der Religion oder Staatsethik folgen viele Menschen in ihrer Orientierungslosigkeit Influencern, Gurus, Scharlatanen, Volksverhetzern und anderen selbst erwählten oder zufällig in ihr Leben getretenen Anführern, die sich jedoch oft widersprechen. Folgen sind ein Chaos auf dem Gebiet der Ethik, allgemeine Verunsicherung und breite Propagierung des Bösen in Werbung, Popmusik, Büchern u.a. Axel Bergstedt, der das Böse aus bitterer eigener Erfahrung reichlich kennengelernt hat und über ein profundes Geschichtswissen verfügt, stößt mit diesem Buch die Tür zu einer wichtigen gesellschaftlichen Diskussion auf.

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Seitenzahl: 226

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Axel Bergstedt

Das Böse

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Inhalt

Vorwort

Hinweis zur Rechtschreibung

„Ich weiß es nicht.“

Die Schande von Lens

Möchte der Mensch gut oder böse sein?

Das Böse, das in mir schlummert, wird entdeckt

Die Geschichte des Bösen

„Du darfst mit ihr machen, was du willst“

Ich bin böse, um gut dazustehen

Der Hauptfeind

Theorie des Hexenwahns

Relativität des Bösen

Wer sind die Guten und wer sind die Bösen?

„Jeder Mann ist ein potenzieller Vergewaltiger“

Böse bewachen Böse

Der nette Kurde

Gibt es eine gemeinsame Ethik?

Ist der Mensch gut oder Böse oder beides?

Die drei Erzbösewichte

Die drei Sorten Mensch

Kleine Geschichte des Mülls

Sind Radikale die Gefahr?

Die Atombombe sichert das Überleben?

Funktioniert denn nicht auch friedlicher passiver Widerstand?

Die Schule ohne Schulordnung

Hat eine Kirche, die selbst Verbrechen begeht, überhaupt das Recht, andere zu kritisieren?

Werden die Kirchen ihrer Rolle überhaupt gerecht?

Das Böse unter uns

Der totale Polizeistaat

Warum greift Gott nicht ein, wenn es ihn denn gibt?

Die zwei Stimmen in uns

Speichelleckerei erzeugt Bosheit

Ist das Umfeld für mein Handeln prägend?

Länder sterben

Welche Werte bestimmen unser Leben und Handeln?

Werte sind wandelbar

Die ethische Grenzlinie

Das Vogelnest auf meinem Kopf

Was kann ich als Einzelner überhaupt tun?

Brauchen wir Ethik?

Impressum neobooks

Inhalt

Axel Bergstedt

Das Böse

Deutschland

2022

Impressum

Texte: © Copyright by Axel Bergstedt

Umschlag: © Copyright by Axel Bergstedt

„Die Angeklagten sind keine Monster, sondern nur Menschen, die sich wie Monster verhalten haben.“

Aus dem Urteil im Prozess um die „Schande von Lens“

„Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust.“ (Goethe)

Vorwort

Ein Buch über das Böse zu schreiben, ist das nicht vermessen für einen kleinen Musiker? Nun, das Einzige, das ich vielen anderen Menschen voraus habe, ist, dass ich die Extreme des Lebens kennengelernt habe, von der Isolierzelle eines südamerikanischen Gefängnisses bis zum fürstlichen Schloss, und ein immenses Geschichtswissen angehäuft habe, nicht nur über ein Land, sondern über fast alle Länder der Welt. Außerdem habe ich als Musiker persönliche Bekanntschaften quer durch die Gesellschaft gemacht, vom „Penner“ bis zum Milliardär, von der Sklavin bis zum Fürsten, vom einfachen Arbeiter bis zum Bundeskanzler oder sonstigen Regierungschef, zu Spitzensportlern, großen Künstlern, aber auch zu Kriminellen wie den berüchtigten, mächtigen und kürzlich von der „Zeit“ mit einem zweiseitigen Interview „geehrten“ Drogenboss Fernandinho Beira-Mar, arabischen Terroristen oder anderen Verbrechern. Ich habe in deutschen und anderen christlichen Kirchen und Organisationen gearbeitet, ich habe mit Muslimen gefeiert oder das Fasten gebrochen, ich habe in anderen Organisationen mitgearbeitet und profunde Kenntnisse aus eigener Anschauung erlangt. Vor allem habe ich selbst viel Gutes und Böses getan und daher beides hautnah miterlebt. Was das Böse betrifft, handelt es sich neben den üblichen Dingen, die wohl fast alle Menschen begehen, um einen furchtbaren Totschlag, für den ich lange in Haft war. Infolgedessen ist mein Leben zerstört, aber ich habe versucht, seitdem Gutes zu tun. Indes gefällt das manchen nicht, und sie versuchen, mich vielfach erneut zu kriminalisieren, unter anderem hat man versucht, mich der Zuhälterei, des Menschenhandels, der Kinderschändung und anderer unwürdiger Verbrechen anzuklagen. Dass man natürlich auch versucht hat, mich als Nazi zu brandmarken, braucht da wohl kaum noch erwähnt zu werden, interessant nebenbei vielleicht dagegen, dass es durch geschickte Fake-News im Internet gelungen ist, aus mir auch einen IS-Terroristen zu machen.

So habe ich reiche Erfahrungen mit dem Bösen machen müssen, und meine Gedanken sind nicht nur aus Büchern abgeschrieben oder auf Hochschulbänken erlernt, sondern entspringen schmerzlicher eigener Erfahrung.

Hinweis zur Rechtschreibung

Da in den letzten Jahren wiederholt das Gegenteil behauptet wurde, weise ich darauf hin, dass das Genus (Gattung, in der deutschen Grammatik meistens als „Wortgeschlecht“ oder vereinfacht als „Geschlecht“ übersetzt) eines Wortes nicht mit dem biologischen Geschlecht (Sexum) verwechselt werden darf. Im Deutschen wird leider oft in beiden Fällen das Wort Geschlecht verwendet und es gibt daher „männliche“, „weibliche“ und „sächliche“ Wörter, ebenso wie „männliche“ und „weibliche“ Reime und andere Dinge. Das sollte nicht zu Verwechselungen führen, denn männlich, weiblich und sächlich in der Grammatik hat nichts damit zu tun, ob die angesprochenen Menschen, Tiere, Pflanzen oder Gegenstände biologisch als männlich, weiblich oder sächlich eingestuft werden. Ein dem Genus nach als männlich eingestuftes Tier oder Gegenstand wie Wurm oder Stuhl sind biologisch gesehen keineswegs männlicher als weibliche Worte wie Drossel, Katze oder Waffe. Deshalb kann ein Wurm auch weiblich und eine Drossel auch männlich sein, man braucht das nicht erst durch gegenderte Ausdrücke wie Wu*ürm*in bzw. im Plural Würmer*innen oder Drossel*erich bzw. Drosseln*eriche klarzustellen.

Ebenso wenig sind männliche Reimwörter (also einsilbige Reime) wie Arm und Harm, Frau und Sau oder Kuh und Du im biologischen Sinne männlich, und weibliche Reimwörter (zweisilbige Reime) wie Kaiser und heiser oder Meister und Kleister sind biologisch gesehen auch nicht weiblich. Also ein Meister, der sich in einem Gedicht auf Kleister reimt, kann durchaus ein Mann sein.

In anderen Sprachen geht es ebenfalls konträr zu, so ist zum Beispiel das Wort Mädchen (cailín) im Irischen männlich, wodurch noch deutlicher klar wird, dass das Wortgeschlecht (Genus) nicht mit dem biologischen Geschlecht (Sexum) verwechselt werden darf, denn auch in Irland sind die Mädchen biologisch gesehen keineswegs männlich, und trotzdem versucht keine irische Journalistin oder Beamtin, das Wort zu gendern.

Bei dem Wort Eltern wissen auch viele Menschen nicht, ob es männlich oder weiblich ist, und es ist auch egal, da der Plural eben das Geschlecht gar nicht zum Ausdruck bringt. Menschen mit guten Deutschkenntnissen wissen natürlich, dass der Singular „Elter“ männlich ist, (jedenfalls nach dem Wortgeschlecht; nach dem biologischen Geschlecht kann es natürlich auch weiblich sein). Von daher müssten genderbegeisterte Deutsche schreiben „Liebe Eltern und Elterinnen“ oder eben „Liebe Eltern*innen“. Bei diesem Wort scheint aber irgendwie fast allen Schreibern klar zu sein, dass ein Elter auch eine Frau sein kann.

Es gibt aber durch die allgemeine Abnahme der Bildung immer mehr Menschen, die fälschlicherweise annehmen, der Satz „alle deutschen Kaiser haben Blut an den Händen“ drücke aus, dass die Kaiserinnen gewaltfrei regiert haben, da ja nur von Kaisern und nicht von Kaiserinnen die Rede sei. Also denken sie, nur die männlichen Kaiser hätten Blut an den Händen gehabt, die weiblichen hingegen nicht. Ebenso gibt es Menschen, die glauben, das Kinderlied von der Vogelhochzeit handele von einer lesbischen Ehe, da es ja heißt „Die Drossel war der Bräutigam, die Amsel war die Braute“, wobei auch die Drossel vom Wortgeschlecht her weiblich ist. Andere denken aufgrund ihrer geringen Allgemeinbildung, ein Satz wie „Im 17. Jahrhundert wurden viele Hexen verbrannt“ besage, dass nur Frauen verbrannt wurden.

Das alles sind aber völlig falscher Rückschlüsse, denn man kann aus dem Genus (Wortgeschlecht) eines Wortes eben nicht auf das biologische Geschlecht schließen. So kann man zum Beispiel auch nicht aus dem männlichen Genus des Osterhasen beweisen wollen, dass ein Osterhase auch biologisch gesehen männlich sein müsse, und so haben Künstler zu allen Zeiten Osterhasen teils auch mit Röcken oder Kleidern ausgestattet.

Auch der Engel ist im Deutschen wie in fast allen Sprachen dem Wortgeschlecht nach zwar männlich, aber Theologen sind der Ansicht, Engel seien geschlechtslos. Und wenn es um die Wahl des besten deutschen Kanzlers aller Zeiten geht, denken so spitzfindige Menschen, Angela Merkel könne nicht gewählt werden, da ja nicht ausdrücklich auch von Kanzlerinnen gesprochen worden ist.

Die deutsche Sprache ist oft mehrdeutig, ich folge aber den über Jahrhunderte üblichen Gepflogenheiten. Daher weise ich die Leser vorsorglich darauf hin, dass ein Wort wie „die Verbrecher“ manchmal nur Männer, meistens aber Männer und Frauen und auch Angehörige dritter oder etwaiger weiterer Geschlechter oder Menschen ohne Geschlecht bezeichnet. Es umfasst schlicht und ganz unabhängig vom Geschlecht alle Menschen, die sich eines Verbrechens schuldig machen, oder manchmal sogar auch Tiere, Außerirdische und andere Wesen, die in Büchern, Filmen und Computerspielen vorkommen und sich eines Verbrechens schuldig machen. Aus selbigen Gründen sind Hexen nicht nur Frauen, sondern auch Männer und Angehörige anderer Geschlechter oder Geschlechtslose, mit Enten meine ich in der Regel nicht nur weibliche Schwimmvögel, sondern auch die anderen Geschlechter, ebenso sind Personen nicht automatisch biologisch gesehen weiblich, nur weil das Wort „Person“ im Singular grammatikalisch als weiblich angesehen wird, und Mädchen sind schon gar nicht sächlich, sondern in aller Regel biologisch gesehen weiblich; Kinder sind ebenfalls nicht sächlich, sondern männlich, weiblich oder etwas anderes, niemals aber im biologischen oder juristischen Sinne Sachen.

Selbst im Singular kann das Geschlecht des Wortes vom biologischen Geschlecht abweichen. So ist „das Opfer“ nicht geschlechtslos, sondern kann durchaus auch eine Frau oder ein Mann sein. Sagt man „ein Hund läuft schneller als eine Katze“, so gilt der Satz automatisch auch für eine Hündin und einen Kater.

Sollte es einmal anders sein, ist es ausdrücklich im Zusammenhang klargestellt und heißt dann etwa: Die weiblichen Enten sind weniger bunt als die Erpel. Oder: Die weiblichen Personen benutzen bitte die Duschen hinter dem Schwimmbad. Oder: Die weiblichen Kaiser wie Theophano oder Maria Theresia haben das Deutsche Reich im Durchschnitt besser regiert als die männlichen.

Fragt man im Singular nach dem besten Schüler einer Klasse, kann die Antwort durchaus ein Mädchenname sein. Frage ich hingegen: Wer ist die beste Weitspringerin der Welt, kann die Antwort nur eine Frau sein. Frage ich aber nach dem besten Weitspringer, kann die Antwort nicht nur ein Mann, sondern auch eine Frau oder ein Angehöriger eines anderen Geschlechtes sein.

Frage ich nach dem besten Dressurreiter aller Zeiten, kann die Antwort durchaus Isabell Werth oder Nicoll Uphoff sein. Wenn ich Frauen ausschließen möchte, muss ich ausdrücklich nach dem besten männlichen Dressurreiter aller Zeiten fragen.

Man kann das alles unlogisch finden, aber Sprachen sind nie logisch, sondern haben sich so entwickelt, aus welchen Gründen auch immer.

Ich hoffe, dass es nach dieser Klarstellung zu keinen Verwechselungen kommt und dass sich erst recht niemand diskriminiert, benachteiligt oder ausgeschlossen fühlt.

Dadurch möchte ich Sätze vermeiden wie „Die vornehmen Personen*Eriche unter unseren Gäst*Innen bekommen Enten*Eriche zu essen, die einfachen Gäst*Innen bekommen Hä*ühnchen zu essen, und ein*e etwaige*r Ehrenga*äst*In wird mit Kaninchen*In bewirt*In-tet.“

Zu behaupten, „die zehn besten deutschen Kaiser“ oder „die zehn besten deutschen Kanzler“ schlösse Frauen aus, da das Genus (Wortgeschlecht) von Kaiser und Kanzler im Singular männlich sei, und daher müsse auch zwangsläufig das Sexum (biologisches Geschlecht) männlich sein, stellt eine Beziehung her, die so nicht existiert. Wer fälschlicherweise bei solchen Sätzen nur an Männer denkt, muss an sich selbst arbeiten oder einen Psychologen darum bitten, es ist keinesfalls nötig, deswegen die Sprache zu verkomplizieren oder gar mit Gesetzen und Verboten die Menschen zu zwingen, anders zu reden und zu schreiben, als sie es möchten.

„Ich weiß es nicht.“

Die häufigste Antwort, die Richter und andere am Prozess gegen extreme Gewalttäter beteiligte als Antwort auf die Frage hören, warum der Täter dem Opfer das alles angetan hat, ist „Ich weiß es nicht.“

Manchmal sind es Männer, die gefährlich aussehen, mit Tätowierungen und furchteinflößendem, harten Blick. Aber oft auch ganz durchschnittliche Personen, sogar gebildete und kulturell interessierte Menschen, Lehrer, Richter, Ärztinnen, Krankenschwestern, und manchmal sogar Kinder, an denen niemand zuvor etwas Außergewöhnliches feststellen konnte. Menschen, die zu grausamen Tätern werden, die Dinge getan haben, die uns erschauern lassen.

Beim Lesen oder Hören der Einzelheiten, wie solche Täter ihre Opfer quälten und ihnen Verletzungen zufügten, fühlen sich viele Menschen ganz elend, denn sie halten den Anblick oder Vorstellung von Blut oder Folterungen nicht aus. Sie können nicht begreifen, wie jemand dazu in der Lage ist. Aber auch die Täter hätten Jahre zuvor vielleicht die gleichen Reaktionen gezeigt, wenn sie über Folterungen gelesen hätten oder gar Augen- oder Ohrenzeuge geworden wären. Wie ist es möglich, dass sie zu Tätern werden konnten? Wie ist so eine Entwicklung zu erklären? Hatten die Täter schon zuvor eine besondere, vielleicht angeborene perverse Veranlagung, oder kann jeder Mensch durch gewisse Umstände zum Täter werden, die sozialen Hemmungen in sich selber überwinden, innere Schranken niederreißen und sich an Gewalt gewöhnen, ja, sogar Gefallen daran zu finden? Ist vielleicht in jedem von uns, teilweise tief im Inneren vergraben, ein „wildes Tier“ versteckt, das unter bestimmten Umständen entfesselt werden kann?

Steckt das Böse in jedem von uns? Oder steckt es nur in manchen Personen? Und wenn ja, in welchen? Und wes bedarf es um das Böse in einer Person ausbrechen zu lassen?

Schon in den Berichten frühester Geschichtsschreibung finden wir reichlich Beispiele für erschreckende Grausamkeit, Gewalt und unglaubliche Bosheit unter den Menschen. Allerdings ist das Wort Bosheit hier normalerweise nicht angebracht und wird auch wohl in seriösen Geschichtsbüchern kaum verwendet. Denn bei Konflikten zwischen Stämmen, Völkern, Städten, Ländern oder sozialen Gruppen sieht sich normalerweise jede Seite im Recht und will als gut und nicht als böse angesehen werden. So haben sich etwa im Ersten Weltkrieg alle beteiligten Mächte ernsthaft an Gott gewandt um Hilfe gegen die vorgeblich „bösen“ Feinde zu erbitten. Was aber ist dann eigentlich „böse“?

Das Böse (althochdeutsch bôsi, von germanisch bausja‚ gering, schlecht) ist der Gegenbegriff zum Guten und ein zentraler Gegenstand der Religion, Kultur, Politik, Jura, Soziologie, Kulturwissenschaft, Religionsphilosophie und der philosophischen Ethik. Dabei wird es als Inbegriff des moralisch Falschen verstanden, oder als Kraft, die moralisch falsches Handeln antreibt; das Böse wurde und wird u. a. als Quelle der Übel betrachtet. Das dem Substantiv zugrunde liegende Adjektiv „böse“ wird allgemein etwas Unangenehmem und/oder Schädigendem beigelegt, insbesondere wird ein Verhalten damit bezeichnet, dessen Absicht eigenwillig, eigensüchtig und gegen den Willen und zum Schaden anderer gerichtet ist. Im religiösen Denkbereich wird böse mit sündhaft gleichgesetzt und entspricht einem den ethisch-religiösen Normen entgegengesetztes Handeln.

Die Schande von Lens

Als „Samurai“ prügelt sich Renger in den neunziger Jahren als Hooligan der Schalker „Gelsen-Szene“. „Es ging darum zu zeigen, dass man was draufhat, dass man kein Feigling ist“, sagt er heute. Wenn es losging, floss bei ihm „pures Adrenalin“. Und oft Blut. Am Tag nach einer Schlägerei hat er keine Gewissensbisse, sondern putscht sich weiter auf. Nicht nur beim Fußball rastet er schnell aus. „Ich war ein Dreckschwein“, sagt Renger heute. „Ich habe zuerst zugeschlagen und dann Fragen gestellt.“ Seine Frau ist über sein Leben nicht begeistert, „aber sie hat mich halt gelassen“.

1998 fährt er spontan nach Lens. Er hofft, für 500 Mark noch eine Karte zu bekommen

Auch 1998 lässt sie ihn, als er fragt, ob sie etwas dagegen hat, dass er spontan nach Lens fährt. Dort trifft Deutschland in der Vorrunde der WM auf Jugoslawien. Renger hofft, für 500 Mark noch eine Karte zu bekommen. Doch die Schwarzmarkthändler vor dem Stadion Félix Bollaert verlangen 2000 Mark, das kann sich der 30 Jahre alte Molkereiarbeiter nicht leisten. Nach dem enttäuschenden Spiel, das Renger in einer Kneipe verfolgt und das 2:2 endet, geht das Gerücht, es seien englische Fans in der Stadt, die sich mit den deutschen „messen“ wollen. Deutsche Hooligans ziehen in Gruppen durch Lens, Renger und andere suchen einen Weg zu den Engländern und finden doch nur Polizeisperren. Irgendeiner entdeckt die Rue Romuald Pruvost. Der Ruf „Hier sind nur drei, hier kommen wir durch“ lässt auch Renger in die Richtung rennen.

Zwei der drei Polizisten, die in der Gasse ein paar Polizeifahrzeuge bewachen, können noch flüchten. Der 41 Jahre alte Daniel Nivel aber, Vater von zwei Kindern, geht zu Boden und verliert seinen Helm. Mehrere Hooligans prügeln auf ihn, schlagen, treten. Einer lässt ein Reklameschild auf den längst Wehrlosen herabsausen, ein anderer drischt mit Nivels Gewehr auf dessen Kopf ein. Renger tritt mehrmals zu, dann rennt er weg.

Als er auf dem Rückweg im Autoradio hört, dass ein Polizist nach einem Angriff deutscher Hooligans mit dem Tod ringt, weiß er sofort, um wen es geht. Als er sich selbst auf Fotos in der „Bild“-Zeitung erkennt, weiß er auch, dass er nicht davonkommen wird. Am 14. Juli, knapp einen Monat nach dem Angriff, wird er verhaftet. Zu diesem Zeitpunkt liegt Daniel Nivel immer noch im Koma. Sein Schädel ist an mehreren Stellen zertrümmert, das Schläfenbein, die linke Augenhöhle. Die linke Hirnhälfte hat Schaden genommen, ein Halswirbel ist angebrochen, er hat Blutergüsse am ganzen Körper.

Vor dem Landgericht Essen wird den vier deutschen Hooligans, die die Polizei ermitteln konnte, der Prozess gemacht. Zeugen sagen aus, die Männer hätten sie bei der Tat an eine Hundemeute erinnert, die sich in ein Opfer verbeißt. Von Blutrausch und wilden Tieren ist die Rede, der Staatsanwalt spricht von „besonderer Gefühlskälte“ und „unglaublicher Brutalität“. Renger selbst gibt zu Protokoll, er sei „wie elektrisiert“ gewesen. Er habe zugetreten „wie gegen einen Fußball“.

Als die Angeklagten am Morgen des zwölften Prozesstags in den Gerichtssaal geführt werden, stockt Renger der Atem. Niemand hat ihm gesagt, dass Familie Nivel angereist ist. Daniel Nivel sitzt ihm direkt gegenüber. „Wieso schaut der nur mich an? Wieso schaut der niemand anders an?“, denkt Renger. Damals weiß er noch nicht, dass Nivel fast gar nichts mehr sieht, die Schläge und Tritte haben ihn beinahe erblinden lassen, sein Gehirn wurde so stark geschädigt, dass er nur noch wenig von seiner Umgebung wahrnimmt. Nivels Frau Lorette berichtet, ihr Mann könne nicht mehr lesen, keinen Sport treiben, nicht mehr Auto fahren. „Er ist nicht mehr derselbe“, sagt sie. „Uns geht es schlecht, unser Leben lang.“ Und verzeihen, nein, verzeihen könne sie den Angeklagten nicht.

Frank Renger sagt der Familie Nivel, dass er sich schämt, dass es ihm „sehr, sehr leid“ tut. Auch nachdem er wegen schwerer Körperverletzung zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wird, möchte er Nivel einen Brief schreiben, sich entschuldigen. Sein Anwalt hält das für keine gute Idee: „Abstand, Herr Renger, Abstand.“ Bei der Urteilsverkündung hält es der Richter für nötig, klarzustellen: „Die Angeklagten sind keine Monster, sondern nur Menschen, die sich wie Monster verhalten haben.“

Kein Wunder, dass der große römische Staatsmann Cicero in einem Brief an Terentia schrieb: „Es wäre besser, seinem Sohn von klein auf an beizubringen, dass der Mensch von Natur aus böse ist, destruktiv, verlogen und zum Morden veranlagt, damit er sich gegen die Mitmenschen wappne… und eines Tages sagen könne: Mit Gottes Hilfe werde ich besser sein als meine Mitmenschen und für das Gute kämpfen. Es ist meine Pflicht, über meine menschliche Natur hinauszuwachsen.“

Möchte der Mensch gut oder böse sein?

Wenn ein Strafgefangener vor dem Richter oder den Gefängnispsychologen kundgibt, es tue ihm furchtbar leid, ist das leider meistens reines Kalkül. Der Gefangene muss so etwas sagen, damit er möglichst schnell wieder entlassen wird. In Wahrheit ist ein Gefängnis ein Ort, in dem man wegen des kriminellen Umfeldes niemals Reue zeigen darf, man würde von den anderen Gefangenen als eine Art Verräter betrachtet, der in Zukunft nicht mehr auf der Seite der Verbrecher, sondern der sogenannten „guten“ Bürger und der Polizei stehen wolle. Außerdem reden sich die Gefangenen natürlich gegenseitig ein, dass sie gar nichts Unrechtes getan haben.

Würde man aber eine Umfrage unter allen Bürgern machen, antworteten sicherlich fast alle, dass sie vorhätten, ein guter Mensch zu sein, wobei natürlich zu hinterfragen wäre, was jeder Einzelne überhaupt unter gut versteht. Wer vorhat, Verbrecher zu werden, wird sich das meistens nicht eingestehen. Kinder, die in der Mafia groß werden und vorhaben, als Erwachsener Mafiaboss zu werden, sehen das nicht als etwas Böses an, sondern verdrehen ihre Welt so lange, bis sie die Mafia als gut ansehen können. Das wird ihnen ja auch so von den Erwachsenen der Mafia beigebracht. Zur Zeit sehen wir es an dem Präsidenten Putin und seinen Anhängern, die anscheinend glauben, er tue das Gute. So wird es auch mit vielen anderen Diktatoren gewesen sein, und genauso ist es mit Anführern von Banden, Mafias, arabischen Familienclans und anderen Gruppen.

Aber gibt es auch Menschen, die sich ganz bewusst für das Böse entscheiden, im vollen Bewusstsein, dass sie das Böse tun?

Vereinzelt sicherlich schon. Da gibt es zum Beispiel sogar Menschen, die sich dem Teufel verschreiben, sei es in Teufelssekten oder es nach dem Vorbild des berühmten Faust auf eigene Faust versuchen. Sie treten ganz bewusst auf die Seite des „Bösen“ über.

Aber im Grunde steckt der Wunsch, einmal oder auch öfter mal solches zu tun, vielleicht in jedem oder zumindest in vielen Menschen. Viele Menschen sind in ihren Fantasien Vergewaltiger, Betrüger, Mörder usw. Auch in RPG- und Computerspielen, in denen man einen brutalen Zuhälter, Mafiaboss oder sonstigen Bösewicht spielen kann, fühlen sich viele Menschen wohl.

Andere schrecken vor so etwas zurück, denn ihre Erziehung hat so etwas zu etwas Undenkbarem gemacht, aber man könnte sie schrittweise an das Böse heranführen und gewöhnen, so dass sie irgendwann vielleicht sogar Spaß daran hätten. So hat Gertrud Baniszewski, auf die wir noch kommen werden, es mit den Kindern und Jugendlichen aus ihrer Straße gemacht, so hat Hitler es weitgehend erfolgreich mit den deutschen Jugendlichen gemacht und so geschieht es immer wieder. Das Böse schlummert irgendwo in den Menschen und kann geweckt werden.

Das Böse, das in mir schlummert, wird entdeckt

Karl reiste mit der U-Bahn und niemand saß in seiner Nähe. Er war müde. Den ganzen Tag hatte er als Maler gearbeitet. Er öffnete ein Dose Bier, lehnte sich zurück und legte die Füße auf den gegenüberliegenden Sitz.

Ein älteres Ehepaar kam herein und sah ihn. „Das macht man aber nicht“, sagte die Frau halblaut. Ertappt nahm Karl die Füße wieder von der Bank.

Das war schon öfters so vorgekommen. Er mochte es nicht, wenn er die tadelnden Blicke sah. Da hätte die Frau gar nichts zu sagen brauchen. Dass sie etwas gesagt hatte, ärgerte ihn. Und als sie nun noch zu ihrem Mann leise sagte: „Es gibt immer mehr unanständige Leute“, brauste Karl plötzlich auf: „Unanständig? Das sind Sie doch bestimmt.“

Der ältere Herr legte seiner Frau beschwichtigend die Hand auf den Arm, aber diese sagte: „Ich mache nicht solche Sachen wie Sie.“

„Dafür mischen Sie sich in die Belange anderer ein!“

„Belange anderer? Wenn Sie die Bänke beschmutzen…“

„Jetzt lege ich die Füße wieder auf die Bank, da sehen sie, was Sie von Ihrem Gelaber haben!“

Karl tat es und sogleich wurde ihm wohler, als er sah, dass die Frau das ohnmächtig hinnehmen musste. Sie schüttelte missbilligend den Kopf, aber das war Karl plötzlich egal. Er hatte sich (endlich, wie er auf einmal fand,) von dem Zwang frei gemacht, gut sein zu wollen. Er war benahm sich ganz bewusst falsch, sah die Frau herausfordernd an, prostete ihr zu, rülpste und grinste. Er hatte die Faszination und die Stärke des Bösen entdeckt.

Antonia war ein zehnjähriges Schulmädchen. Bisher hatte sie sich immer relativ gut benommen. Nun hatte ihre Freundin sie überredet, einem kleineren Mädchen aufzulauern und dieses zu verprügeln. Als das kleinere Mädchen am Boden lag, trat Antonias Freundin mit Füßen nach ihr. Da tauchte ein Lehrer auf. Antonia hatte Hemmungen gehabt, auf das kleinere Kind einzutreten und stand einen Meter zurück, bereit jedoch zuzupacken, falls dieses fliehen oder sich erfolgreich wehren sollte. Der Lehrer stellte sich vor die tretende Freundin und versuchte, die Mädchen zur Rede zu stellen. Aber die aggressive Freundin schrie den Lehrer einfach an und hörte nicht auf, zu treten. Da versuchte der Lehrer, diese von dem kleineren Mädchen wegzudrängen. Da ein Lehrer Kinder nicht anfassen darf, gelang es ihm jedoch nicht, aber er erschwerte der Angreiferin doch ihre Arbeit, so dass das kleinere Mädchen zur Seite rollen konnte. „Halt sie fest, Antonia!“ rief die Freundin und diese ergriff das kleinere Mädchen, das vergebens versuchte, sich zu wehren. „Schlag sie, Antonia!“ forderte ihre Freundin, während der Lehrer sie aufforderte, sie loszulassen. Schließlich begriff auch sie die ganze Hilflosigkeit des Lehrers. Er durfte die Mädchen nicht anfassen, sonst riskierte er Entlassung oder gar Strafverfolgung. Sie hingegen konnten den Lehrer beschimpfen, beschmeißen oder gar schlagen, er durfte sich ja nicht wehren und auch nicht das andere Mädchen verteidigen. Der Lehrer konnte sich nur zwischen die aggressive Freundin und das Opfer stellen und sich beschimpfen und sogar boxen lassen. Als Antonia begriff, dass sie die Herrin der Situation war, freute sie sich. Sie begriff zum ersten Mal ganz klar: Der Lehrer konnte ihr gar nicht tun.

Da zeigte sie dem Lehrer, dass sie das erkannt hatte und schlug dem kleinen Mädchen brutal ins Gesicht, und dann zeigte sie aber auch ihrer Freundin, dass sie unabhängig und nicht deren Befehlsempfängerin war und ließ das kleine Mädchen fliehen. Antonia hatte die Faszination und die Macht des Bösen für sich entdeckt, genaugenommen, sie hat sich frei gemacht von ethischen Zwängen und zeigt ihre dadurch gewonnene scheinbare Unabhängigkeit und Macht, indem sie tut, was sie will, egal ob das andere als gut oder böse ansehen.

Siegfried war ein zehnjähriger Junge, als in seiner kleinen Stadt die Judenverfolgung begann, organisiert von der örtlichen SA. Er wusste, dass sein Vater ihn immer gelehrt hatte, alle Menschen zu achten, daher traute er sich nicht wie manche Hitlerjungen aufgestachelt von der Hetze Steine oder Dreck auf jüdische Mitbürger zu werfen.

Ein Gelächter erhob sich an der Straßenecke. Dort erschien die jüdische Frau des Briefträgers und rannte verzweifelt vor der SA davon. Man hatte sie bis auf Unterwäsche und Mieder ausgezogen und korpulent, wie sie war, gab sie ein erbärmliches Bild ab, und verängstigt wir ein gehetztes Wild suchte sie ein Entkommen. Siegfrieds Freunde johlten und warfen nach der armen Frau, und da hob auch Siegfried einen faulen Apfel auf und warf ihn der Frau unter dem Gelächter seiner Kameraden mitten ins Gesicht.

Da sah Siegfried plötzlich die tadelnden Augen seines Vaters, der auf dem Balkon ihres Hauses stand. Als alles vorbei war, traute er sich aus Angst vor einer Tracht Prügel nicht nach Hause und blieb zum Mittag einfach bei seinem Freund. Schließlich erzählte Siegfried diesem sogar von seiner Befürchtung. Mitleidig sagte dieser: „Ich gehe mit dir, vielleicht hat dein Vater Hemmungen, dich vor mir zu verprügeln.“

So geschah es. Als die Jungen hereinkamen, sah sein Vater ihn nur traurig an. Der Freund blieb noch zum Abendbrot. Offensichtlich hatte der Vater sich damit abgefunden und resigniert, oder er wusste, dass die Jungen ihn wegen seiner treuen Haltung zu den alten deutschen Anstandswerten als Judenfreund anzeigen konnten. Siegfried und sein Freund merkten bald, dass hier keine Gefahr mehr lauerte. So sagte der Freund am Abendbrottisch sogar: „Siegfried hat heute den Vogel abgeschossen und so `ne halbnackte fette jüdische Sau mit einem faulen Apfel mitten ins Gesicht getroffen.“

Der Vater blickte traurig gequält zur Seite. Da verspürten Siegfried und sein Freund auf einmal die Faszination und die Macht des Bösen und sie wurden zu glühenden Anhängern Hitlers.