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Die vorliegende Arbeit verfasste der Autor im Rahmen seines Studiums "BA Kulturwissenschaft" am "Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft" der Fernuniversität Hagen (Note: 1,0). In der Hausarbeit wird das deutschsprachige Haiku unter dem Blickwinkel seiner Gattungsgeschichte betrachtet. Berücksichtigt wird dabei der Zeitraum vom Entstehen der ersten deutschen Übersetzungen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis hin zum heutigen Stand mit den unterschiedlichsten Ausprägungen (traditionell/modernistisch) des eigenständigen deutschsprachigen Haikus. Einleitend wird die Tradition des japanischen Haikus von seinen Anfängen im 17. Jahrhundert bis heute in seinen unterschiedlichen Charakteristika, formaler und inhaltlicher Natur, kurz skizziert, um ein Grundverständnis für die Fragestellungen hinsichtlich der Verortung des deutschsprachigen Haikus zu ermöglichen. Im Folgenden gattungstheoretischen Teil werden die unterschiedlichen Theorieansätze dargestellt und an Hand der japanischen Haiku-Entwicklung (als der die deutschsprachigen Haikus vorausgegangenen und prägenden Tradition) erläutert. Anschließend wird an Hand der unterschiedlichen epochalen Ausprägungen die Charakteristik des deutschsprachigen Haiku erläutert, immer unter Bezugnahme auf die gattungstheoretische Einordnung. Begonnen wird dabei mit den ersten Übersetzungen aus dem Japanischen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, abgeschlossen mit dem modernistischen Ansatz an Hand des Gendai-Haikus. Abschließend wird der aktuelle Stand des deutschsprachigen Haikus hinsichtlich der verschiedenen Ausprägungen im gattungstheoretischen Kontext zusammengefasst dargestellt und ein Ausblick auf die möglichen Entwicklungen gegeben.
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Seitenzahl: 35
Veröffentlichungsjahr: 2020
Thomas Opfermann, geboren 1975 in Stolberg / Rheinland, Diplom-Kaufmann, Studium der Kulturwissenschaften (Literaturgeschichte / Philosophie) verfasst neben seiner beruflichen Tätigkeit als Dozent (Betriebswirtschaftslehre / Literatur) Haikus und Kurzgeschichten; Ausrichter von literarischen Workshops und Seminaren, Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Sommergras“, Mitglied der Deutschen Haiku-Gesellschaft; diverse Veröffentlichungen eigener Haikus und Kurzgeschichten in Anthologien sowie Herausgeber von literarischen Anthologien.
Vorwort
Einleitung
Gattungstheorie
2.1 Naturformen der Dichtung
2.2 Klassifizierung
2.3 Begriff des Prototyps
2.4 Lexikographische Bestimmung
2.5 Gattungsgeschichtliche Betrachtung
2.6 Begriff der Institution
2.7 Begriff der Textsorte
Das deutschsprachige Haiku
3.1 Übersetzungen aus dem Japanischen
3.2 Erste eigenständige deutsche Haiku (1920er-1933)
3.3. Das Haiku während der NS-Zeit
3.3.1 Innere Emigration (am Beispiel Anna von Rottauscher)
3.3.2 Formale Entwicklungen (am Beispiel Robert Joseph Koc)
3.4 Eigenständigkeit des deutschsprachigen Haiku (1945-1979)
3.4.1. Wiener Kreis „Artmann, Altmann, Okopenko, Weissenborn“
3.4.2 Imma von Bodmershof
3.4.3 Das Dreigestirn des Bündner Haiku
3.5 Die Entwicklung des deutschsprachigen Haiku 1979-2019
3.5.1 Das Haiku-Verständnis der nationalen Haiku-Gesellschaften
3.5.2 Fortführung des traditionalistischen Ansatzes
3.5.3 Der modernistische Ansatz (Gendai-Haiku)
Fazit
Literaturverzeichnis
Liebe Leser und Leserinnen,
Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen meines Studiums „BA Kulturwissenschaft“ am „Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft“ der Fernuniversität Hagen (Note: 1,0).
Inhaltlich wurden im Rahmen der vorliegenden Veröffentlichung keine Veränderungen vorgenommen. Es wurde im Zuge der Lesefreundlichkeit lediglich auf die Wiedergabe des Deckblatts und der Versicherung verzichtet. Hinsichtlich des Layouts wurden ebenfalls nur geringe Veränderungen (Seitenumbrüche) vorgenommen.
Stolberg, März 2020
Thomas Opfermann
„Das Haiku-Gedicht ist der Höhepunkt der Dichtung in Japan.“1 Etabliert wurde das Haiku zu Beginn des 16. Jahrhunderts durch Bashō, der allerdings noch die Bezeichnung Haikai (no Renga) verwendete.2 Die Bezeichnung Haiku „wurde erst ab Shiki (1867-1902) üblich“.3 Die Vorläufer des Haikai, Renga4, bestanden aus einzelnen Tanka5 (jeweils fünfzeilig, „mit fester Silbenzahl 5-7-5-7-7“6), die von mehreren Autoren aneinandergereiht wurden.7 „Bereits um 760 erscheint […] ein waka, bei dem die dreizeilige Oberstrophe (5-7-5 Silben) und die zweizeilige Unterstrophe (7-7 Silben) von verschiedenen Autoren stammen.“8 Aus dem Tanka bildet sich das Haiku heraus, die Oberstophe (Hokku) wird ab 1500 selbstständig.9 Waren die eigenständigen Hokku zu Beginn scherzhaft, so bildet sich mit Bashō unter Einbeziehung des Zen die Literaturgattung Haiku heraus10, die sich vom reinen Wortspiel hin zu einem einheitlichen Stimmungsbild mit abgestimmter Wortwahl entwickelt.11
Auf die traditionellen formalen und inhaltlichen Regeln bzw. deren Bruch im Laufe der durch politische und kultuerelle Entwicklung verbundene Haiku-Entwicklung in Japan12 wird im Zuge der Gattungstheorie (Kapitel 2) näher eingegangen. Es werden die relevanten gattungstheoretischen Ansätze mittels Verweis auf die Entwicklung des japanischen Haiku skizziert.
Abzugrenzen ist das Haiku vom im 17. Jahrhundert aufgekommenen Senryû, welches formal der 17-silbigen Form des Haiku entspricht, aber in humoristisch-satirischen Versen menschlische Verhältnisse und nicht Naturimpressionen zum Inhalt hat.13 Im Zuge dieser Hausarbeit wird das Senryû und der fließende Übergang zwischen Haiku und Senryû14 ausgeklammert.
Im Kapitel 3 wird die Entwicklung des deutschsprachigen Haiku von den ersten Übersetzungen und Nachdichtungen bis hin zur Eigenständigkeit des deutschsprachigen Haiku mit seinen diversen Entwicklungen (traditionalistisch und modern) im gattungsgeschichtlichen Kontext dargelegt. Auf Grund des Umfangs der Hausaufgabe konzentriert sich die Betrachtung im Wesentlichen auf die Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz; deutschsprachige Autoren aus dem Ausland und deutschsprachige Gebiete im Ausland (z.B. die Deutschsprachige Gemeinschaft in Ost-Belgien) werden nicht näher betrachtet.
Im Fazit findet sich ein Überblick über weitere Fragestellungen , die einer Erörterung bedürfen, zum einen aus den Erkenntnissen der im Rahmen dieser Hausaufgabe durchgeführten Analysen als auch im Hinblick auf hier dem Umfang der Arbeit geschuldeten Verzicht auf einige untersuchungsrelevante Aspekte.
„Japanische Haiku bestehen meist aus drei Wortgruppen von 5-7-5 Lauteinheiten (Moren), wobei die Wörter einfach in einer Spalte aneinander gereiht werden. Im Deutschen werden Haiku in der Regel dreizeilig geschrieben.“15 Zur vereinfachten Darstellung werden im Rahmen dieser Hausarbeit die Zeilenumbrüche durch Schrägstriche (/) dargestellt.
1 Ludwig Steinfeld: Der Weg zum Haiku. Schöpferische Freude und seelische Befreiung durch Dreizeiler-Gedichte. Düsseldorf: Patmos Verlag 1981, S. 11.
2 Vgl. Rudolf Thiem: Haiku-Anfänge und -Entwicklungen in Japan. URL:
https://www.deutschehaikugesellschaft.de/files_doc/28-Thiem.pdf [16.07.2019].
3 Ebd.
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