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Sehen und verstehen Alle EKG-Phänomene werden logisch abgeleitet und müssen nicht mühsam auswendig gelernt werden. 430 Abbildungen, davon über 230 Original-EKGs Schnelle Orientierung - Alle wichtigen Zahlen und Normwerte übersichtlich in Tabellen zusammengestellt. - Ein Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe. - Verzeichnisse der Abkürzungen und Abbildungen. Effektiv lernen - Merkkästen mit den wichtigsten Aussagen. - In jedem Kapitel Fragen und Übungen zur praxisnahen Erfolgskontrolle. - EKGs in Originalgröße zum Üben standardmäßiger EKG Auswertung in der Praxis Alles in einem Buch Ruhe-EKG, Schrittmacher EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG, Artefakte Neu in der 10. Auflage - Kapitel Artefakte - Fragen + Übungen zu Erfolgskontrolle in den einzelnen Kapiteln - Neues, übersichtlicheres Layout - Verbesserte Qualität der EKG-Abbildungen - Übungs-EKGs in Originalgröße
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Seitenzahl: 612
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das Elektrokardiogramm
Leitfaden für Ausbildung und Praxis
Rainer Klinge
10., aktualisierte und erweiterte Auflage
463 Abbildungen
Herrn Professor Dr. Jean Lenègre † Direktor der kardiologischen Universitätsklinik Boucicaut Paris
Erfreulicherweise kann das Buch schon nach einem kurzen Zeitintervall in einer neuen Auflage erscheinen. Es ist ursprünglich aus einem Kursmanuskript entstanden und im Laufe der Jahre weiterentwickelt worden.
Das didaktische Konzept, das dieser Einführung in die Elektrokardiographie zugrunde liegt, hat sich seit über 30 Jahren bewährt und zum Druck von über 200 000 Exemplaren geführt.
Der Text ist so abgefasst, dass er auch für Laien verständlich ist. Das Ziel ist das Verstehen der vektoriellen Abläufe, das allein den Leser befähigt, sich Erscheinungen im EKG selbst abzuleiten und sie zu deuten. Das Auswendiglernen vieler Details wird damit überflüssig.
Im Text sind die wichtigsten Tatsachen in Merkkästen zusammengefasst. Fragen dienen zur Überprüfung des Lernerfolges. Sie sind jetzt den einzelnen Kapiteln zugeordnet und beziehen sich auf die oben angeführten Merkkästen, die Abbildungen sowie auf die Tabellen und „Wichtig!“-Kästen.
Bereitet die Beantwortung einer Frage Schwierigkeiten, so sollte der Leser den betreffenden Text noch einmal durchlesen.
Die einleitenden Abschnitte wurden noch klarer ausgearbeitet. Besonderer Wert wird auf die Bestimmung der Herzachsen gelegt, ohne die ein sicheres Verständnis der Elektrokardiografie nicht möglich ist. Moderne EKG-Geräte drucken die Achsen von P. QRS und T aus. Diese Angaben sind jedoch – insbesondere bei EKGs mit einem nicht normalen Befund – häufig falsch, sodass der Befunder imstande sein muss, hier korrigierend einzugreifen, um Fehldeutungen zu vermeiden.
In der 10. Auflage wird ein Kapitel über Artefakte neu eingeführt. Artefakte – leider ein häufig auftretendes „Phänomen“ – können verschiedene Ursachen haben und stellen bisweilen – auch für den geübten Auswerter – ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Das Kapitel soll den Leser hierfür sensibilisieren und ihm Hinweise geben, wie er Artefakte als solche erkennen kann.
Darüber hinaus wurden für die 10. Auflage zahlreiche Korrekturen vorgenommen, die Bildqualität deutlich verbessert sowie zahlreiche Abbildungen neu aufgenommen und alte ersetzt.
Außerdem wurden auf Wunsch von mehreren Studenten am Ende der vier Hauptteile des Buches jeweils ein EKG in Originalgröße abgebildet, damit der Leser unter Praxisbdingungen eine Auswertung vornehmen kann.
Im Übrigen sei auf das Übungsbuch „EKG-Auswertung leicht gemacht“ im Thieme Verlag verwiesen, in dem über 100 EKGs in Originalgröße in Form von klinischen Falldemonstrationen dargestellt sind.
Den Kollegen und zahlreichen Studenten danke ich für positive Zuschriften und kritische Anmerkungen, deren Inhalt in der 10. Auflage berücksichtigt wurde.
Frau Susanne Ristea vom Georg Thieme Verlag danke ich insbesondere dafür, dass sie der aufwendigen Verbesserung der Abbildungsqualität und der Erweiterung des Buches durch das Kapitel „Artefakte“ zugestimmt hat. Frau Dr. Anne Frohn sowie Frau Marion Holzer danke ich für die außerordentlich gewissenhafte und auch anregende Zusammenarbeit bei der Erstellung dieser Auflage.
Den Lesern wünsche ich viel Erfolg – und auch Spaß – bei der Lektüre und bitte darum, mir Wünsche für Verbesserungen und Ergänzungen oder auch Hinweise auf mögliche Fehler mitzuteilen.
Rainer Klinge
Frühjahr 2015
I II III
Ableitungen I II III
A
Atrium (Vorhof)
Abl.
Ableitung
ACVB
aortokoronarer Venenbypass
AICD
automatischer implantierbarer Cardioverter/Defibrillator (=ICD)
AKS
akutes Koronarsyndrom
aVF
augmented unipolar foot, Goldberger-Ableitung aVF
aVL
augmented unipolar left, Goldberger-Ableitung aVL
BWA
Brustwandableitung
CMP
Kardiomyopathie
CMO
obstruktive Myokardiopathie (=IHSS)
CPK
Kreatinphosphokinase
CRT
kardiale Resynchronisationstherapie
CX
Arteria circumflexa der linken Koronararterie
DCM
dilatative Kardiomyopathie
E
Eichzacke
EPU
elektrophysiologische Untersuchung
Erbs
Erregungsrückbildungsstörung
GOT
Glutamat-Oxalat-Transaminase
GPT
Glutamat-Pyruvat-Transaminase
HBDH
Hydroxybutyrat-Dehydrase, α
1
-Enzym der LDH
HHK
hypertensive Herzkrankheit
HNCM
hypertrophe nicht obstruktive Kardiomyopathie
HOCM
hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie
ICD
implantierbarer Cardioverter/Defibrillator
ICR
Interkostalraum (Zwischenrippenraum)
IHSS
idiopathische hypertrophe subvalvuläre Aortenstenose (=CMO)
iLSB
inkompletter Linksschenkelblock
iRSB
inkompletter Rechtsschenkelblock
KA
Konusarterie
KHK
koronare Herzkrankheit
LA
linkes Atrium (linker Vorhof)
LAD
left anterior descendens, Ast der linken Koronararterie (=RIVA)
LAF
linksanteriorer Faszikel
LAH
linksanteriorer Hemiblock
LCA
linke Koronararterie
LDH
Laktat-Dehydrogenase
LGL
Lown-Ganong-Levine-Syndrom
LIMA
left internal mammary artery bypass
LPF
linksposteriorer Faszikel
LPH
linksposteriorer Hemiblock
LSB
Linksschenkelblock
LTS
linker Tawara-Schenkel
LV
linker Ventrikel
LVH
linksventrikuläre Hypertrophie
mV
Millivolt
NSTEMI
Non-ST-Elevation myocardial Infarction
OHV
obere Hohlvene
OUP
oberer Umschlagspunkt
P
P-Welle
PA
Pulmonalarterie
PLA
Posterolateralast der CX
PQ
PQ-Zeit, Überleitungszeit
PTCA
perkutane transluminale Koronarangioplastie
PV
Pulmonalvene
QRS
QRS-Komplex, Erregungsausbreitungskomplex der Herzkammern
QT
QT-Zeit
r./R.
Ramus (Ast)
RA
rechtes Atrium (rechter Vorhof)
RAD
Ramus atrialis dexter
RCA
rechte Koronararterie
RCD
Ramus circumflexus dexter der RCA
RCX
Ramus circumflexus der LCA
RD
Ramus diagonalis
RF
rechter Faszikel (rechter Tawara-Schenkel)
RIVA
Ramus interventricularis anterior der LCA (=LAD)
RIVP
Ramus interventricularis posterior der RCA
RMD
Ramus marginalis dexter der RCA
RMS
Ramus marginalis sinister der LCA
RS
Ramus septalis
RSB
Rechtsschenkelblock
RTS
rechter Tawara-Schenkel
RV
rechter Ventrikel
RVH
rechtsventrikuläre Hypertrophie
s
Sekunde
SA
sinuatrial (Überleitung)
SK
Sinusknoten
SKA
Sinusknotenarterie
SM
Schrittmacher
SSS
Sick-Sinus-Syndrom
ST
ST-Strecke, Zeit der totalen Kammererregung
STEMI
ST-Elevation myocardial Infarction
SVES
supraventrikuläre Extrasystole
T
T-Welle
UHV
untere Hohlvene
VES
ventrikuläre Extrasystole
WPW
Wolff-Parkinson-White-Syndrom
Widmung
Vorwort zur 10. Auflage
Abkürzungen
Teil I Das normale EKG
1 Anatomische Grundlagen
1.1 Lage des Herzens im Thorax
1.2 Herzhöhlen und große herznahe Gefäße
1.3 Regionen der Herzkammern
1.4 Fragen/Übungen
2 Anatomie und Physiologie des Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystems
2.1 Vorbemerkung
2.2 Sinusknoten (primäres Erregungsbildungszentrum)
2.3 Erregungsausbreitung in den Vorhöfen und Erregungsüberleitung zum Atrioventrikular-Knoten
2.4 Atrioventrikular-Knoten und -junktionales Zentrum
2.5 Intraventrikuläres Leitungssystem
2.6 Fragen/Übungen
3 Anatomie der Herzkranzarterien und ihre Versorgungsbereiche
3.1 Vorbemerkung
3.2 Aufzweigungen der linken Herzkranzarterie
3.3 Aufzweigungen der rechten Herzkranzarterie
3.4 Versorgungsbereiche der Herzkranzarterien
3.5 Fragen/Übungen
4 Elektrophysiologische Grundlagen
4.1 Vorbemerkung
4.2 Ruhepotenzial
4.3 Aktionspotenzial (Erregung)
4.3.1 Depolarisation
4.3.2 Plateau
4.3.3 Repolarisation (Erregungsrückbildung)
4.4 Refraktärzeit
4.5 Erregungsfortleitung
4.6 Elektromechanische Kopplung
4.7 Spontane diastolische Depolarisation am Sinusknoten
4.8 Vektoren
4.9 Polung im EKG
4.10 Größe der Spannungen im EKG
4.11 Projektion von Vektoren auf Ableitungen
4.12 Fragen/Übungen
5 Definition des EKGs und seiner Anteile
5.1 Vorbemerkung
5.2 P-Welle
5.3 PQ-Zeit
5.4 QRS-Komplex
5.4.1 Q-Zacken
5.4.2 R-Zacken und S-Zacken
5.4.3 QS-Komplex
5.5 ST-Strecke
5.6 T-Welle
5.7 QT-Zeit
5.7.1 U-Welle
5.8 Fragen/Übungen
6 Standard-EKG-Ableitungen
6.1 Vorbemerkung
6.2 Bipolare Extremitätenableitungen (I, II, III)
6.3 Verstärkte unipolare Goldberger-Ableitungen (aVR, aVL, aVF)
6.4 Unipolare Brustwandableitungen nach Wilson (V1 bis V6)
6.5 Fragen/Übungen
7 Ergänzungsableitungen
7.1 Vorbemerkung
7.2 Ableitungen nach Nehb
7.3 Ableitungen nach Frank
7.4 Routineprogramm und erweitertes Routineprogramm der EKG-Registrierung
7.5 Fragen/Übungen
8 Herzwandlokalisationen im EKG
8.1 Herzwandlokalisationen im Routine-EKG mit Zusatzprogramm
8.2 Fragen/Übungen
9 EKG-Auswertung mit Bestimmung der Achsen von P, QRS und T
9.1 Vorbemerkung
9.2 Bestimmung der Herzfrequenz
9.2.1 Exakte Frequenzbestimmung mit dem EKG-Lineal
9.2.2 Exakte Frequenzbestimmung ohne EKG-Lineal
9.2.3 Ungenaue Frequenzbestimmung
9.3 Ausmessen der Zeitwerte
9.4 Bestimmung der elektrischen Herzachse
9.4.1 Bestimmung der elektrischen Herzachse anhand der Höhe der Zacken mithilfe des Einthoven-Dreiecks
9.4.2 Bestimmung der elektrischen Herzachse anhand der Flächen des QRS-Komplexes
9.4.3 Herzachsenbestimmung anhand der Flächen des QRS-Komplexes sowie aller Ableitungen des Cabrera-Kreises (Extremitätenableitungen I, II, III und verstärkt unipolare Goldberger-Ableitungen aVR, aVL und aVF)
9.4.4 Bedeutung der Achsen von P, QRS und T
9.5 Lagetypen
9.5.1 Linkstyp
9.5.2 Indifferenztyp
9.5.3 Steiltyp
9.5.4 Rechtstyp
9.5.5 Überdrehter Rechtstyp
9.5.6 Überdrehter Linkstyp
9.5.7 Sagittaltyp
9.5.8 Grenzlagetypen
9.6 Beschreibung des EKGs in den Brustwandableitungen V1 bis V6
9.7 Fragen/Übungen
10 Routinemäßige Auswertung eines EKG
10.1 Vorbemerkung
10.2 Systematische EKG-Auswertung
10.3 Übungs-EKG in Originalgröße
10.4 Fragen/Übungen
Teil II Das pathologische EKG
11 Rhythmusunabhängige Veränderungen
11.1 Formveränderungen der P-Welle (Übersicht)
11.1.1 P-pulmonale (P-dextrokardiale)
11.1.2 P-mitrale (P-sinistroatriale)
11.1.3 P-kardiale (P-biatriale)
11.1.4 Zusammenfassung: Veränderungen der P-Welle bei Vorhofhypertrophie
11.1.5 Rückläufige Vorhoferregung (negative P-Wellen)
11.1.6 Blockierung des Bachmann-Bündels
11.2 Veränderungen des QRS-Komplexes (Erregungsausbreitungsstörungen in den Herzkammern, Schenkelblockbilder)
11.2.1 Normale Erregungsausbreitung in den Kammern
11.2.2 Veränderung der Q-Zacke (der Septumerregung bzw. des Erregungsausbreitungsbeginns in den Herzkammern)
11.2.3 Intraventrikuläre Ausbreitungsstörungen (Schenkelblockbilder)
11.2.4 Hemiblöcke
11.3 Erregungsrückbildungsstörungen: Veränderung der T-Welle und/oder der ST-Strecke
11.3.1 Klassifizierung der Erregungsrückbildungsstörungen
11.3.2 Detaillierte Darstellung der ST-T-Veränderungen
11.3.3 Auswirkungen von Elektrolytstörungen und Medikamenten auf die Erregungsrückbildung
11.3.4 Erregungsrückbildungsstörungen in Form von QT-Zeit-Verlängerungen
11.3.5 Lokalisation von Erregungsrückbildungsstörungen
11.4 Niederspannung (Niedervoltage)
11.5 Hochspannung (Makrovoltage)
11.6 Fragen/Übungen
12 Rhythmusstörungen
12.1 Vorbemerkung
12.2 Nomotoper Herzrhythmus
12.3 Vom Sinusknoten ausgehende Störungen der Erregungsbildung
12.3.1 Sinusarrhythmie
12.3.2 Sinusbradykardie
12.3.3 Sinustachykardie
12.3.4 Sinusknotenstillstand
12.3.5 Sinusknotensyndrom (Sick-Sinus-Syndrom)
12.4 Heterotope Herzrhythmen
12.5 Von den Vorhöfen ausgehende Störungen der Erregungsbildung
12.5.1 Vorhofflattern
12.5.2 Vorhoftachykardie
12.5.3 Vorhofflimmern
12.5.4 Vorhofflimmerflattern
12.5.5 Vorhofrhythmus
12.6 Vom Bereich um den AV-Knoten ausgehende Störungen der Erregungsbildung
12.6.1 AV-junktionaler Rhythmus
12.6.2 AV-Knoten- bzw. AV-junktionale Tachykardie
12.6.3 Wandernder Schrittmacher
12.7 Pararrhythmien
12.7.1 AV-Dissoziation
12.7.2 Interferenzdissoziation
12.7.3 Parasystolie
12.8 Von ventrikulären Erregungsbildungszentren ausgehende Störungen der Erregungsbildung
12.8.1 Bradykarde ventrikuläre Rhythmen
12.8.2 Akzelerierter idioventrikulärer Rhythmus
12.8.3 Tachykarde ventrikuläre Rhythmusstörungen
12.8.4 Extrasystolen
12.8.5 Supraventrikuläre Extrasystolen (SVES)
12.8.6 Ventrikuläre Extrasystolen (VES)
12.8.7 Ersatzsystolen
12.8.8 Kombinationssystolen
12.9 Fragen/Übungen
13 Erregungsüberleitungsstörungen
13.1 Atrioventrikuläre Überleitungsstörungen (AV-Blockierungen)
13.1.1 AV-Block I. Grades
13.1.2 AV-Block II. Grades
13.1.3 AV-Block III. Grades (totaler AV-Block)
13.2 Sinuatriale Überleitungsstörungen (SA-Blockierungen)
13.2.1 Sinuatrialer Block I. Grades
13.2.2 Sinuatrialer Block Grad IIa
13.2.3 Sinuatrialer Block Grad IIb
13.2.4 Sinuatrialer Block III. Grades
13.3 Präexzitationssyndrome (WPW-Syndrom, LGL-Syndrom)
13.3.1 Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom)
13.3.2 Lown-Ganong-Levine-Syndrom (LGL-Syndrom)
13.3.3 Mahaim-Syndrom
13.3.4 Anfälle (Paroxysmen) und Tachykardien bei Präexzitation
13.4 Fragen/Übungen
14 Herzinfarkt im EKG
14.1 Koronare Herzkrankheit (KHK)
14.2 Herzinfarkt – Definition
14.3 Lokalisation des Herzinfarkts
14.4 Stadien eines ST-Hebungs-Myokardinfarkts (STEMI)
14.4.1 Stadium 0 des Herzinfarkts (STEMI)
14.4.2 Stadium I, ST-Stadium des Herzinfarkts
14.4.3 Stadium 0–I
14.4.4 Stadium I–II, ST-T-Stadium des Herzinfarkts
14.4.5 Stadium II, T-Stadium des Herzinfarkts
14.4.6 Stadium II–III des Herzinfarkts
14.4.7 Stadium III (Endstadium des Herzinfarkts)
14.5 Sichere Infarktzeichen
14.5.1 Pathologische Q-Zacken (Infarkt-Q, Pardée-Q)
14.6 Infarktalter
14.7 EKG-Veränderungen beim inferioren Infarkt (Unterwandinfarkt)
14.8 EKG-Veränderungen beim anterioren Infarkt (Vorderwandinfarkt)
14.9 EKG-Veränderungen beim posterioren Infarkt (Hinterwandinfarkt)
14.10 EKG-Veränderungen bei Herzinfarkt und zusätzlichen intraventrikulären Erregungsleitungsstörungen
14.10.1 Infarktbild und linksanteriorer Hemiblock
14.10.2 Infarktbild und Sagittaltyp
14.10.3 Infarktbild und Rechtsschenkelblock sowie bei Rechtsschenkelblock plus linksanteriorem Hemiblock
14.10.4 Infarktbild und Linksschenkelblock
14.11 Veränderungen im EKG durch mehrere Herzinfarkte
14.12 Veränderungen im EKG beim rechtsventrikulären Infarkt
14.13 Alte Nomenklatur der Herzinfarkte
14.13.1 Rudimentäre Infarkte
14.13.2 Transmuraler Infarkt
14.14 Komplikationen beim Herzinfarkt
14.14.1 Herzrhythmusstörungen
14.14.2 Herzinsuffizienz
14.14.3 Herzwandaneurysma
14.14.4 Herzwandruptur
14.15 Fragen/Übungen
15 EKG-Veränderungen bei verschiedenen Erkrankungen
15.1 Entzündliche Herzerkrankungen
15.1.1 Perikarditis (Herzbeutelentzündung)
15.1.2 Perimyokarditis
15.1.3 Myokarditis (Herzmuskelentzündungen)
15.2 Kardiomyopathien
15.2.1 Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (HOCM)
15.3 Akute Rechtsherzbelastung (Lungenembolie)
15.4 Chronische Rechtsherzbelastung (chronisches Cor pulmonale)
15.5 Chronische Linksherzbelastung
15.6 Situs inversus
15.7 Fragen/Übungen
15.8 Übungs-EKG in Originalgröße
Teil III EKG-Sonderformen
16 Intrakardiales Elektrokardiogramm
16.1 Vorbemerkung
16.2 His-Bündel-EKG
16.3 Fragen/Übungen
17 Elektrophysiologische Untersuchung
17.1 Vorbemerkung
17.2 Fragen/Übungen
18 Schrittmacher-EKG
18.1 Vorbemerkung
18.2 Beschreibung des Prinzips
18.3 Indikationen zur Herzschrittmacherimplantation
18.3.1 Allgemeine Indikationen
18.3.2 Spezielle Indikationen der Herzschrittmachertherapie
18.4 Nomenklatur der Schrittmachertypen
18.5 EKG bei einem ventrikulären Ein-Kammer-Schrittmacher
18.6 EKG bei einem atrialen Ein-Kammer-Schrittmacher
18.7 EKG bei einem Zwei-Kammer-Schrittmacher
18.7.1 Vorhofgesteuerter Kammer-Schrittmacher (VAI-Modus)
18.7.2 AV-sequenzieller Schrittmacher (DDD-Modus)
18.7.3 Biventrikulärer Schrittmacher
18.8 Implantierbarer Cardioverter-Defibrillator (ICD)
18.9 EKG bei Schrittmacherdefekten
18.9.1 Typen und Ursachen von Schrittmacherdefekten
18.9.2 Hinweise auf einen Schrittmacherdefekt im EKG
18.10 Schrittmacherüberwachung
18.11 Fragen/Übungen
19 Belastungs-EKG
19.1 Definition und Voruntersuchungen
19.2 Methoden
19.3 Indikationen für die Fahrradergometer-Belastung
19.4 Kontraindikationen der Fahrradergometer-Belastung
19.4.1 Vorbemerkung
19.4.2 Generelle Kontraindikationen für eine Fahrradergometer-Belastung jedweder Fragestellung
19.4.3 Kontraindikationen für eine Fahrradergometer-Belastung zur Abklärung einer koronaren Herzkrankheit
19.4.4 Medikamentenpause vor einer Fahrradergometer-Belastung
19.4.5 Kontraindikationen für eine Fahrradergometer-Belastung zur Verifizierung und Beobachtung von Herzrhythmusstörungen
19.4.6 Kontraindikationen für eine Fahrradergometer-Belastung zur Verifizierung eines Belastungshypertonus bzw. zur Überwachung einer medikamentösen Blutdruckeinstellung
19.4.7 Kontraindikationen für eine Fahrradergometer-Belastung zur Abklärung der Belastbarkeit von Patienten
19.5 Ausrüstung
19.5.1 Wahl des Fahrradergometers
19.6 Belastbarkeit des Patienten
19.7 Durchführung der Ergometerbelastung
19.7.1 Vorbereitung
19.7.2 Registrierung
19.7.3 Nachbeobachtung
19.8 Abbruchkriterien (Zwischenfälle)
19.9 Für die Auswertung des Belastungs-EKG festzuhaltende Daten
19.10 Beurteilung eines Belastungstests
19.10.1 Auf eine koronare Herzkrankheit hindeutende Veränderungen im Belastungs-EKG
19.10.2 Nicht auf eine koronare Herzkrankheit hindeutende Veränderungen im Belastungs-EKG
19.10.3 Beim Belastungstest auftretende Veränderungen unabhängig von der Fragestellung koronare Herzkrankheit
19.11 Fragen/Übungen
20 Langzeit-Elektrokardiografie
20.1 Vorbemerkung
20.2 Durchführung
20.3 Indikationen
20.4 Auswertung
20.5 Fragen/Übungen
20.6 Übungs-EKG in Originalgröße
20.6.1 Auswerten eines Schrittmacher-EKGs
Teil IV Artefakte
21 Artefakte im EKG – Übersicht
22 Bedienerbedingte Artefakte
22.1 Vorbemerkung
22.2 Vertauschte Extremitäten-Elektroden
22.3 Vertauschte Brustwandelektroden
22.4 Mangelnder Haut-Elektroden Kontakt
22.5 Fragen/Übungen
23 Apparatebedingte Artefakte
23.1 Wechselstromstörungen
23.2 Weitere elektrische Störungen
23.3 Dämpfung bzw. Auslöschung
23.4 Drosselung der Papiervorlaufgeschwindigkeit
23.5 Fragen/Übungen
24 Patientenbedingte Artefakte
24.1 Vorbemerkung
24.2 Artefakte durch verstärkte Respiration
24.3 Bewegungsartefakte
24.4 Fragen/Übungen
24.5 Übungs-EKG in Originalgröße
24.5.1 Beurteilung und Anmerkungen zur Auswertung des EKGs in Abb. 24.18
Teil V Anhang
25 Verzeichnis der Abbildungen
26 Verzeichnis der Tabellen
27 Verzeichnis der Merkkästen
28 Glossar
28.1 A
28.2 B
28.3 C
28.4 D
28.5 E
28.6 F
28.7 G
28.8 H
28.9 I
28.10 J
28.11 K
28.12 L
28.13 M
28.14 N
28.15 O
28.16 P
28.17 Q
28.18 R
28.19 S
28.20 T
28.21 U
28.22 V
28.23 W
28.24 Z
Autorenvorstellung
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
1 Anatomische Grundlagen
2 Anatomie und Physiologie des Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystems
3 Anatomie der Herzkranzarterien und ihre Versorgungsbereiche
4 Elektrophysiologische Grundlagen
5 Definition des EKGs und seiner Anteile
6 Standard-EKG-Ableitungen
7 Ergänzungsableitungen
8 Herzwandlokalisationen im EKG
9 EKG-Auswertung mit Bestimmung der Achsen von P, QRS und T
10 Routinemäßige Auswertung eines EKG
Das Herz liegt zu 2 Dritteln im linken und zu einem Drittel im rechten vorderen Thoraxraum und wird großenteils vom Brustbein bedeckt. Es befindet sich im Herzbeutel (Perikard), der von Lungengewebe umgeben ist. Die untere Herzgrenze steht im Allgemeinen in der Höhe des 5. Zwischenrippenraumes (Interkostalraum, ICR) etwas oberhalb des Schwertfortsatzes des Brustbeines (▶ Abb. 1.1a, ▶ Abb. 1.1b). Bei schlanken Patienten kann das Herz ganz hinter dem Brustbein verschwinden, bei adipösen Menschen liegt es fast waagerecht dem vom Abdomen hochgedrückten Zwerchfell auf und überragt das Brustbein deutlich nach links.
Abb. 1.1Schematische Lage des Herzens im Thoraxraum (Quelle: Benninghoff u. Goerttler, Lehrbuch Anatomie des Menschen, Urban & Schwarzenberg).
Abb. 1.1a Medioklavikularlinie (A) und vordere Axillarlinie (B) und die Interkostalräume 1–5.
Abb. 1.1bHerzhöhlen und große Gefäße nach Entfernung der Schlüsselbeine:1=linke V. brachiocephalica2=Aorta ascendens3=V. cava superior4=Pulmonalarterienhauptstamm5=linkes Herzohr (linker Vorhof)6=linker Ventrikel7=rechter Ventrikel8=rechter VorhofX=Processus xiphoideus (Schwertfortsatz des Brustbeins)
Das Herz besteht aus 4 Herzhöhlen – aus 2 Kammern (Ventrikel) und 2 Vorhöfen (Atrium). Es ist im Inneren von der Herzinnenhaut, dem Endokard, ausgekleidet und außerdem von der Außenhaut, dem Epikard, umgeben. Der rechte Ventrikel liegt vorn direkt hinter und auch noch links neben dem Brustbein (immer vom Patienten aus gesehen).
Der linke Ventrikel liegt hinten, in der Ansicht von vorn sieht man nur einen schmalen Streifen des linken Ventrikels, der die linke äußere Herzbegrenzung bildet (▶ Abb. 1.1b).
Der linke Vorhof ist in der Herzsilhouette kaum zu sehen, lediglich ein kleiner Teil des sog. Herzohres (einer zipfligen Ausstülpung des Vorhofs) ragt in der linken Herzbegrenzung zwischen dem Pulmonalarterienhauptstamm und dem Ventrikelbogen hervor.
Abb. 1.2Anatomie des Herzens. Herznahe Gefäße in der Frontalansicht.
Der rechte Ventrikel bildet den rechten unteren Rand der Herzfigur. Der rechte obere Rand wird von der V. cava superior gebildet. In der linken oberen Herzbegrenzung sind von oben nach unten der Aortenbogen, der Pulmonalarterienhauptstamm und darunter das linke Herzohr zu sehen. ▶ Abb. 1.2 zeigt eine Frontalansicht des Herzens und der großen Gefäße.
Das venöse Blut fließt aus dem großen Kreislauf (Kopf, Extremitäten, Abdominalorgane) in die obere und untereHohlvene (V. cava superior, V. cava inferior), von dort in den rechten Vorhof, von dort in die rechte Kammer, die das sauerstoffarme Blut über die Pulmonalarterien durch die Lungen pumpt. Bei der Lungenpassage wird Kohlendioxid (CO2) abgeatmet und Sauerstoff (O2) aufgenommen. Das sauerstoffgesättigte Blut gelangt durch die Pulmonalvenen (die also arterialisiertes, sauerstoffreiches Blut enthalten) in den linken Vorhof, von dort in die linke Kammer, die das Blut durch die Hauptschlagader, die Aorta, in den großen Kreislauf auswirft (▶ Abb. 1.3).
Abb. 1.3Schematischer Querschnitt durch das Herz. Die Pfeile geben den Blutfluss an.1=V. cava superior2=rechter Vorhof3=Trikuspidalklappe4=rechter Ventrikel5=Ventrikelseptum6=Pulmonalarterie7=Pulmonalvenen8=linker Vorhof9=Vorhofscheidewand10=Mitralklappe11=linker Ventrikel
Merke (1)
Anatomie des Herzens
Lokalisation: Das Herz liegt im linken vorderen Thoraxraum, zu einem großen Teil hinter dem Sternum (Brustbein). Es wird vom Perikardbeutel (Herzbeutel) umschlossen.
4 Herzhöhlen: 2 Herzvorhöfe (li. u. re. Atrium), 2 Herzkammern (li. u. re. Ventrikel)
Herzhäute: Das Herz ist innen vom Endokard (Herzinnenhaut), außen vom Epikard (Herzaußenhaut) überzogen.
Die Vorhöfe haben gerade so viel Muskelmasse, dass bei ihrer Erregung im EKG kleine sichtbare Ströme in Form von P-Wellen zu erkennen sind. Die Erregung der Herzkammern ergibt aufgrund der stärkeren Muskelmasse der Ventrikel deutlich eindrucksvollere Zacken.
Wichtig
Der rechte Ventrikel tritt elektrokardiografisch im Vergleich zum linken Ventrikel durch seine geringere Muskelmasse kaum in Erscheinung.
Nicht nur anatomisch, sondern auch elektrokardiografisch lassen sich verschiedene Regionen des linken Ventrikels voneinander unterscheiden (▶ Tab. 1.1, ▶ Abb. 3.4).
Die Unterscheidung der Regionen der Herzkammern ist neben der elektrokardiografisch-anatomischen Zuordnung wichtig, da jede Region von bestimmten Ästen der beiden Herzkranzarterien (Koronararterien, ▶ Abb. 3.4) versorgt wird. Es kann daher mit Einschränkung aus der Lokalisation einer Veränderung im EKG rückgeschlossen werden, welche Kranzarterie erkrankt ist und mit welchen Komplikationen entsprechend ihrem Versorgungsbereich zu rechnen ist (▶ Abb. 3.4).
Tab. 1.1
Regionen des linken Ventrikels im EKG.
Regionen der linken Herzkammer
Aufteilung der Region
Vorderwand
anteriore Region(anterior=vorne)
Vorderwandspitze
Vorderscheidewand
Vorderseitenwand
anteroapikal (Apex=Spitze)
anteroseptal (Septum=Scheidewand)supraapikal (supra=oberhalb)
anterolateral
Seitenwand
laterale Region(lateral=seitlich)
Vorderseitenwand
Hinterseitenwand
anterolateral
posterolateral
Unterwand
inferiore Region(inferior=unten)
zwerchfellnah
diaphragmal (Diaphragma=Zwerchfell)
Hinterwand
posteriore Region(posterior=hinten)
Hinterseitenwand
posterolateral
Testen Sie Ihr Wissen
Die Fragen dienen der Selbstprüfung. Im Text sind die wichtigsten Tatsachen in Merksätzen zusammengefasst. Die nachstehend aufgeführten Fragen beziehen sich auf diese Merkkästen sowie Tabellen und Abbildungen.
Bereitet die Beantwortung einer Frage Schwierigkeiten, so sollte der Leser den betreffenden Text noch einmal lesen.
Beschreiben Sie die Lage des Herzens im Brustkorb.
Wie heißt der Beutel, in dem das Herz liegt?
Welches sind die 4 Herzhöhlen?
Wie heißen die Herzinnenhaut und die Herzaußenhaut?
Benennen Sie die Regionen des Herzens.
Welcher Ventrikel bildet in der Herzsilouette die linke Begrenzung?
Das Arbeitsmyokard, das die große Masse der sich mit stetem Wechsel zusammenziehenden und wieder erschlaffenden Herzmuskelzellen darstellt, bekommt vom „elektrischen System“ des Herzens Anstöße, die zur Kontraktion führen.
Das „elektrische System” besteht aus
Ansammlungen von elektrischen Zellen, dem Sinusknoten als Haupterregungsbildungszentrum und dem AV-Knoten als Sammelstelle der aus den Vorhöfen fortgeleiteten Erregung,
die Erregung fortleitenden Zellen, den Erregungsleitungsbahnen (▶ Abb. 2.1),
den sog. Purkinje-Zellen(-Fasern), die hauptsächlich in der Muskulatur des linken Ventrikels vorkommen und ebenfalls zur Erregungsbildung befähigt sind.
Die Zellen, die die schnellste Folge von Impulsen pro Minute abgeben können, befinden sich im Sinusknoten. Dieser liegt rechts oben und hinten im rechten Vorhof an der Einmündung der V. cava superior (▶ Abb. 2.1).
Abb. 2.1Schematische Darstellung der Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssysteme. Grob schematisch (oben rechts) sowie eingezeichnet in die Herzskizze.1=Sinusknoten2=internodale Faserbündel3=Bachmann-Bündel4=Atrioventrikularknoten (AV-Knoten oder Aschoff-Tawara-Knoten)5=His-Bündel6=linker Tawara-Schenkel7=rechter Tawara-Schenkel8=linksanteriorer Faszikel (vorderes Bündel des linken Tawara-Schenkels)9=linksposteriorer Faszikel (hinteres Bündel des linken Tawara-Schenkels)10=Purkinje-Fasern
Wichtig
Der Sinusknoten ist der eigentliche Schrittmacher des Herzens.
Er liegt rechts oben und hinten im rechten Vorhof und hat eine Entladungsfrequenz von 60–100 Aktionen/min.
Der Sinusknoten ist ungefähr 2–4mm breit und 20–30mm lang. Woher er die Fähigkeit der Erregungsbildung nimmt, ist unbekannt. Gesichert ist jedoch die Tatsache, dass der Sinusknoten sich vom vegetativen Nervensystem beeinflussen lässt, also von Vagus und Sympathikus. Trennt man jedoch das Herz von allen Nerven, so schlägt es dennoch gemäß einer Eigengesetzlichkeit weiter, es ist also „selbstständig” und wird durch die oben genannten Nerven nur beeinflusst.
Der Vagus bremst durch seine Überträgersubstanz Acetylcholin die Herzfrequenz (Zahl der Herzschläge in der Minute), der Sympathikus beschleunigt durch Adrenalinausschüttung die Herzfrequenz. Die Wirkung der genannten Substanzen ist an das Vorhandensein von Rezeptoren (cholinerge, d.h. Vagus-Rezeptoren und adrenerge, d.h. Sympathikus-Rezeptoren) am Herzen gebunden. Unter den adrenergen werden Alpha- und Betarezeptoren unterschieden. Bei der Erregung der Alpharezeptoren kommt es zu einer Kontraktion der Gefäßmuskulatur, bei der der Betarezeptoren zu einer Beschleunigung der Herzschlagfolge, zu einer Verstärkung der Kontraktion und zu einer Erschlaffung der Gefäßmuskulatur.
Genauso, wie durch eine den Vagus hemmende Substanz (Atropin) die Herzschlagfolge beschleunigt werden kann, wird durch das Zuführen einer die Betarezeptoren blockierenden Substanz (Betablocker, z.B. Propranolol, Metoprolol) die Herzfrequenz verlangsamt. Darüber hinaus wird die Kontraktionskraft vermindert und die Herzarbeit insgesamt herabgesetzt. Betablocker werden in der Therapie der Hypertonie häufig eingesetzt.
Die Erregung der Herzvorhöfe breitet sich vom Sinusknoten von Zelle zu Zelle aus. Zusätzlich wird sie auf 3 Leitungsbahnen, dem vorderen, mittleren sowie dem hinteren internodalen (Zwischenknoten-) Faserbündel, zum zweiten wichtigen Erregungszentrum, dem AV-Knoten, und über das Bachmann-Bündel zum linken Vorhof, der also gleichsam im Nebenschluss liegt, weitergeleitet (▶ Abb. 2.1). Inzwischen wird die Existenz der letztgenannten Bahn bezweifelt, als Gedankenmodell mögen diese hier (wie später auch das James-Bündel) bestehen bleiben.
Der Atrioventrikularknoten wird nach seinen Entdeckern auch Aschoff-Tawara-Knoten genannt. Er liegt subendokardial noch im Bereich der Vorhofebene am Fuß des Vorhofseptums vor der Einmündung der Herzkranzvenen. Er misst etwa 5×3×1mm und kann als „Sammelstelle der Vorhoferregung“ bezeichnet werden. Ein gewisses Quantum an Erregung scheint nötig zu sein, bis der AV-Knoten „überfließt“ und er seinerseits die Erregung zu den Kammern weiterleitet.
Er ist der wichtigste Faktor für die Geschwindigkeit der Überleitung der Erregung von den Vorhöfen zu den Herzkammern, d.h. der PQ-Zeit. Durch Substanzen wie Digitalis, Betarezeptorenblocker oder auch durch degenerative Veränderungen wird die Erregungsüberleitung durch den AV-Knoten hindurch verzögert, durch Atropin beschleunigt.
Nach neueren Erkenntnissen ist der AV-Knoten selbst nicht zur Impulsgebung befähigt, wohl aber die Region um den AV-Knoten herum, d.h. der direkt vor dem AV-Knoten liegende untere Vorhofbereich und das sich dem AV-Knoten anschließende His-Bündel. Dieser zur Impulsgabe befähigte Bereich um den AV-Knoten herum wird als AV-junktionaler Bereich bezeichnet. Aktionen, die von diesem gesamten Bereich ausgelöst werden, werden AV-junktionale Aktionen bzw. -Rhythmen genannt. Die Entladungsfrequenz liegt zwischen 40 und 60 Aktionen pro Minute, ist also niedriger als ein normfrequenter Sinusrhythmus (60–100 Aktionen/min). Je tiefer das Erregungszentrum liegt, desto geringer ist die Entladungsfrequenz.
Das His-Bündel teilt sich nach 10–20mm in den rechten und linken Tawara-Schenkel auf (▶ Abb. 2.1). Der rechte Tawara-Schenkel, auch rechter Faszikel (rechtes Bündel) genannt, zieht zum rechten Ventrikel. Im Gegensatz zum linken Tawara-Schenkel ist er in ganzer Länge bis zu seinen Aufzweigungen in Bindegewebe eingebettet.
Der linke Tawara-Schenkel ist wesentlich kürzer und nur in seinem Anfangsteil von Bindegewebe umgeben. Letzteres hat zur Folge, dass das Ventrikelseptum normalerweise von dem schneller leitenden linken Tawara-Schenkel aus erregt wird. Der linke Tawara-Schenkel teilt sich in einen längeren, dünneren und damit vulnerableren, zur Vorwand hin verlaufenden anterioren Faszikel (linksanteriorer Faszikel) und in einen kürzeren, kräftigeren, sich in der Hinterwand aufzweigenden posterioren Faszikel (linksposteriorer Faszikel) auf. Der linksanteriore Faszikel zieht zur vorderen oberen, der linksposteriore zur hinteren unteren Muskelpartie.
Die Endverzweigungen der Tawara-Schenkel bzw. der Faszikel stellen die Purkinje-Zellen bzw. das Purkinje-Fasernetz dar. Die Purkinje-Zellen haben eine Entladungsfrequenz von ca. 20–40 Aktionen/min und stellen als Gesamtheit das tertiäre Erregungsbildungszentrum dar, wohingegen die AV-junktionale Region als sekundäres Erregungsbildungszentrum bezeichnet wird. Die Purkinje-Zellen sind in etwa gleichmäßig über die Ventrikel verteilt, in der rechten oberen Kammerwand jedoch am spärlichsten vertreten. Hieraus ergibt sich die relativ häufig zu beobachtende und nicht als krankhaft zu bewertende Rechtsverspätung in der Erregungsausbreitung der Kammern.
Merke (2)
Zentren der Erregungsbildung
Sinusknoten
AV-junktionale Zentren
Purkinje-Fasern
primäres Erregungsbildungszentrum rechts oben und hinten im rechten Vorhof
Entladungsfrequenz 60–100 Aktionen/min
sekundäres Erregungsbildungszentrum in der unteren Vorhofscheidewand und im His-Bündel, beide zur Vorhofebene gehörend
Entladungsfrequenz 40–60 Aktionen/min
tertiäres Erregungsbildungszentrum in der Ventrikelmuskulatur als Endfasern des Erregungsleitungssystems
Entladungsfrequenz 20–40 Aktionen/min
Merke (3)
Faszikel des Erregungsleitungssystems
atriales Leitungssystem
atrioventrikuläres Leitungssystem
intraventrikuläres Leitungssystem
vom Sinusknoten über 3 Hauptbahnen durch den rechten Vorhof zum AV-Knoten
größeres Bündel (Bachmann-Bündel) vom rechten zum linken Vorhof
vom AV-Knoten zum His-Bündel
vom His-Bündel über den rechten und linken Tawara-Schenkel in die Muskulatur der beiden Herzkammern
Erregung des Ventrikelseptums von links nach rechts durch den schneller leitenden linken Tawara-Schenkel
vom linken Tawara-Schenkel in das linke vordere und das linke hintere Bündel (linksanteriorer und linksposteriorer Faszikel)
Testen Sie Ihr Wissen
Welche Hauptzentren der Erregungsbildung gibt es?
Aus welchen Teilen besteht das Reizleitungssystem?
Zeichnen Sie in ein Herzschema die Erregungsbildungszentren und das Erregungsleitungssystem ein.
Der Herzmuskel wird von der linken und der rechten Herzkranzarterie, den Koronararterien, mit arteriellem Blut versorgt. Die Gefäße entspringen vorn an der Aorta, wenig oberhalb der Aortenklappe. Der Name „Herzkranzgefäße” rührt daher, dass die Gefäße in Form eines Kranzes im oberen Abschnitt des Herzens um den Herzmuskel liegen. Von dort greifen jeweils 2 Arterienäste wie Spinnenarme über das Organ (▶ Abb. 3.1).
Wichtig
Die Anatomie der Herzkranzarterien ist individuell sehr unterschiedlich.
Abb. 3.1Schematische Darstellung der Koronararterien.
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