Das Gewicht des Lichts - Stanislav Struhar - E-Book

Das Gewicht des Lichts E-Book

Stanislav Struhar

4,8

Beschreibung

Das Abendlicht war sanft, manche Häuser lagen schon in Schatten, doch die Straßen im Zentrum pulsierten vom Leben, sie waren bunt und laut, eine Vielfalt von Sprachen und Stimmen. Auf der Piazza Navona traten Straßenkünstler auf, und auf dem Campo de' Fiori waren alle Tische besetzt. Immer wieder übertönte Gelächter die Melodien der Musiker, durch die Gassen wehte der Geruch nach Essen. Von allen Seiten stachen die Lichter aus Fenstern und Laternen in den Abend, Kinder spielten vor ihren Haustüren. Es war der bislang wärmste Tag in diesem Jahr, und die Stimmung ließ erahnen, dass die Nacht lang würde. "Nach dem Tod der Mutter begleitete Fabian seinen Onkel auf eine Reise von Wien aus nach Rom. Dort lernte er Lucilla kennen und lieben, und Rom wurde zu seiner neuen Heimat. Doch erschüttert wieder ein Unglück sein Leben, und er zieht nach Ligurien, um Ferienwohnungen seines Onkels zu betreuen. Von Einheimischen und Einwanderern umgeben, versucht er noch einmal, ein neues Leben aufzubauen." Mit seinen Erzählungen erweist sich Stanislav Struhar als Meister der leisen Töne und der präzisen Beobachtung, der auch in Liebesdingen genau um die Bedeutung des Wartens auf den richtigen Augenblick weiß.

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Seitenzahl: 237

Veröffentlichungsjahr: 2014

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STRUHAR • DAS GEWICHT DES LICHTS

STANISLAV STRUHAR

Das Gewicht des Lichts

Roman

Die Herausgabe dieses Buches erfolgtemit freundlicher Unterstützung durch die Stadt Wien

A-9020 Klagenfurt/Celovec, Ebentaler Straße 34bTel. + 43(0)463 370 36, Fax. + 43(0)463 376 [email protected]

Copyright © dieser Ausgabe 2015 bei Wieser Verlag GmbH,Klagenfurt/CelovecAlle Rechte vorbehaltenLektorat: Gerhard MaierhoferISBN 978-3-99047-014-5

Auf dieser Seitestand eine Widmungfür Stanislavmeinen geliebten Sohnund dort steht sieimmer noch

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

1

Aus seinen Gedanken riss Fabian das Deutsch der Frau, die neben ihm Platz nahm. Verstohlen sah er sie an. Sein Blick glitt über ihr blondes Haar und verharrte auf dem jungen Gesicht des bei ihr stehenden Mannes, zu dem sie sprach. Langsam drehte er sich zurück zum Fenster, sah wieder hinaus. Er hörte oft die deutsche Sprache, mitunter sogar das vertraute Wienerisch, doch auf eine Unterhaltung ließ er sich selten ein.

Als der Zug in die nächste U-Bahn-Station einfuhr, machte er sich zum Aussteigen bereit. Die Frau sah ihn an und lächelte, nahm die Hand des Mannes und stand auf. Der sei kein Italiener, sagte sie mit gedämpfter Stimme, bevor sie dem Mann zur Tür folgte.

Das Abendlicht war sanft, manche Häuser lagen schon im Schatten, doch die Straßen im Zentrum pulsierten vom Leben, sie waren bunt und laut, eine Vielfalt von Sprachen und Stimmen. Auf der Piazza Navona traten Straßenkünstler auf, und auf dem Campo de’ Fiori waren alle Tische besetzt. Immer wieder übertönte Gelächter die Melodien der Musiker, durch die Gassen wehte der Geruch nach Essen. Von allen Seiten stachen die Lichter aus Fenstern und Laternen in den Abend, Kinder spielten vor ihren Haustüren. Es war der bislang wärmste Tag in diesem Jahr, und die Stimmung ließ erahnen, dass die Nacht lang werden würde.

Es dämmerte, als er über den Tiber schlenderte. Die Uferwege waren menschenleer, unter den dicht belaubten Bäumen kaum erkennbar. Seltsam bedrückend wirkte hier der Abend, so nahe schien der Himmel zu sein, verlassen und trüb die Stadt. Doch schon die erste Straße nach der Brücke, zwischen Häuserreihen gebettet, strahlte in Lichtern; als hätte der Tag gerade erst begonnen, herrschte ein reges Treiben in Trastevere.

Auch diesmal hockten die beiden Obdachlosen an der Ecke der Straße, und wieder lagen vor ihren Füßen zwei große Hunde mit zwei Welpen. Niemand beachtete sie; einander zugewandt lächelten die Männer und murmelten, eine Flasche Wein stand griffbereit zwischen ihren Schlafsäcken. Laut war die Straße, und wie immer hatten sich in dem Gastgarten auf dem nächsten Platz die Jugendlichen getroffen, ihre Stimmen klangen aufgeregt, auf dem Boden glänzten Tropfen von Getränken und Eis. Schon vor dem Platz verdoppelte Fabian seine Schritte, er bog in die Seitengasse ein, öffnete die Haustür und sah noch einmal zu dem Gastgarten. Silvio und Chiara lächelten einander in die Augen, im Gespräch vertieft, ihre Gläser standen leer.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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