Fremde Frauen - Stanislav Struhar - E-Book

Fremde Frauen E-Book

Stanislav Struhar

4,9

Beschreibung

Der Weg zur Erzählbarkeit, zur eigenen Welt in der von Herder gewünschten Form, ist heute, mehr als 200 Jahren danach, noch immer eine Herausforderung. Mehr denn je, wenn man sich die Ereignisse in der Krise, die eine kulturelle ist und schon längst nicht mehr eine bloße Finanzkrise, vor Augen führt. Und doch haben wir in den Literaturen alle Erfahrungen komprimiert, die den Menschen die Möglichkeit bieten, den anderen, das Gegenüber, und in ihm sich selbst zu finden. Zeigt uns nicht immer wieder die Literatur, wie wir uns danach sehnen, endlich gehört, endlich zur Kenntnis genommen und gelesen zu werden?

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Seitenzahl: 209

Veröffentlichungsjahr: 2014

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STRUHAR • FREMDE FRAUEN

Das Erscheinen dieses Buches wurde ermöglichtdurch die Patenschaft vonDr. Valentin Inzko.Der Verlag dankt sehr herzlichund freut sich mit dem Paten auf viele Leserinnen und Leser

Stanislav Struhar

Fremde Frauen

Zwei Erzählungen

Die Herausgabe dieses Buches erfolgtemit freundlicher Unterstützungdurch die Stadt Wien

A-9020 Klagenfurt/Celovec, Ebentaler Straße 34bTelefon: + 43(0)463 37036, Fax: + 43(0)463 [email protected]

Copyright © 2015 bei Wieser Verlag GmbH,Klagenfurt/CelovecAlle Rechte vorbehaltenLektorat: Gerhard MaierhoferISBN 978-3-99047-013-8

Inhalt

Bernadette

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Francesca

Bernadette

1

Während ich mich dem Schlaf zuneigte, dachte ich an Prag; ich hieß nicht mehr Alan Doleæal, sondern Alan Dolezal. Fast fünf Jahre waren vergangen, seitdem ich meine Heimat verlassen hatte. Manchmal schienen mir die Prager Straßen in unmittelbarer Nähe zu sein, manchmal betrat ich sie in Träumen, fremd nur in meinem Reisepass. Der Mutter schlug ich mit meiner Flucht eine Wunde, die sich bei jeder Erinnerung an mich wieder öffnen wird. Ich wusste, sie würde diese Erinnerungen niemals verlieren wollen; bestimmt hatte sie sich die Ansichtskarte aufbewahrt, die ich ihr aus dem Flüchtlingslager sandte. Mein Stiefvater wird mich kaum vermissen. Und meine Halbschwester? Jitka fragte vermutlich nach mir, gerade zehn war sie geworden, als ich sie zum letzten Mal sah.

Wieder betrachtete ich beim Frühstück den Augarten, seine Bäume waren wunderbar ausladend und dicht belaubt. Verlassen, aber nicht still war der Garten, seit Langem kannte ich seine Melodien. Im weichen Gras und auf den alten Bänken spielten Sonnenstrahlen, mit rauchdünnen Schatten füllte sich die Allee vor meinen Fenstern, der Himmel erweckte die Illusion von Sommer.

Die letzten Meter ins Josephinum musste ich laufen. Im Gang hielt ich aber an, ich wartete, bis Bernadette den Hörsaal betrat. Der war diesmal nur zur Hälfte besetzt und daher ruhig. Kaum hatte ich hinter mir die Tür geschlossen, schon winkte mir von der letzten Bank Philipp.

Im zweiten Jahr meines Pharmaziestudiums begann ich mich allmählich daran zu gewöhnen, dass ich ein Student war. Seit ich mühsam das Abitur in Prag abgeschlossen hatte, war es für mich unvorstellbar, mein Leben durch Weiterbildung einschränken zu müssen: Von Freiheit träumte ich und war dabei der festen Überzeugung, sie nur in der Fremde finden zu können.

Nur zwei bis drei Mal in der Woche kam ich ins Josephinum, denn ich arbeitete als Aufseher im Historischen Museum der Stadt Wien. Zu Beginn war das Studium eine Qual für mich, auch später noch Anlass für diverse Sorgen, doch des Glaubens an ein besseres Leben ging ich dabei nicht verlustig.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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